c s Pfennig) Montagsausgalte( s p-snn-s) «r. 230. kl vonnements-keckingungen: NbonnemmtS- PreiZ pränumerando: Bierieljähr!. S.Si Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchmtlich 28$fg. frei ins Haus. Sinjclne Nummer 5 Pfg. Sonntags« nummer mit illusirierler EanniagZ« Beilage.Die Neue Weif 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingeltagen in die Post< Zeitungs« Preisliste. Unter Kreuzband für Teustchland und Oesierreich- Ungarn 2�0 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. Wchdnl lägst». 3! Jahrg. vi- Inle-tlonz-L-bühf beträgt für die sechsaespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum M Psg, für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Versamiulnungs-Anz eigen 30 Pfg. „Kleine Hnieiacn", das fettgedruckte Bort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes writere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über 15 Buch- 'labe» zählen für zwei Worte. Inserate " die nächste Nummer inüjsen bis P K I Xelegtamm« Adresse: „Sozialdtmokrit B«rlH% Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion; öd. 68, Lindcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S83. Montag, den Ä4 August 1914. Expedition: öd. 68, binden ftraße 69. I Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984, Gegen öie Sarbare». Wir hören von Greueln unserer Gegner. Hinterrücks wurden unsere Truppen von Zivilisten beschossen, Schand- taten ärgster Art sollen selbst noch an Verwundeten verübt worden sein. Soweit diese Meldungen aus Wahrheit � beruhen— Uebertreibungen sind wohl dabei— � wird keiner sein, der diese Ausschreitungen nicht auss schärsste verurteilt nnd sie ungestraft wissen wollte. Aber dürfen wir es dulden, bast sich darüber nun auch bei uns der Ruf nach mittelalterlicher Barbarei erhebt, daß die Wahn- witzigsten Greuel verlangt werden, um zu„rächen", was hier und dort— es handelt sich ja doch nur um Einzelfälle— unseren Truppen übles zugefügt wurde? Man dürfte zunächst vielleicht glauben, es handle sich bei solchem Verlangen um die blutigen Phantasien eines cinzelnen krankhaft veranlagten Hirnes! aber es scheint, daß ganz? Schichten unter jenen Leuten, die unsere Kultur re- präsentieren wollen, von Orgien der Barbarei schwärmen und ganze Systeme aushecken, um den„Rachekrieg" zu orgmnsieren. Was Recht und Sitte! Dergleichen Bedenken stören eine . große Nation nicht. So klingt es jetzt wieder aus einem Leitartikel der„Berliner Neuesten Nachrichten". Sie ver- langen, daß sofo«t alle Vertreter der Behörden in Brüssel— ein einziger, der zweite Bürgermeister, wird gnädig ausge noinmen— verhaftet und in Untersuchung gezogen werden uni das zu büßen, was, nach teilweise höchst unsicheren Be< richten, vom Pöbel gefrevelt worden sein soll. Sie verlangen, daß der besetzten Stadt sofort eine„Strafkontribution" von einer halben Milliarde, von 500 Millionen Mark auferlegt werde und daß all�. Vorräte des eroberten Landes reqiliriert werden, ohne daß man der Bevölkerung einen Pfennig bar dafür bezahlt. „Mit Lüttich, wo wir die Fabriken für uns arbeiten lassen. niochte cS noch mit den liebenswürdigeren Mitteln und Wegen Eingehen. Von jetzt aber gilt nur noch unser uneingeschränktes Interesse. Mit barem Gelde unterstützen wir zurzeit nur die Volkswirtschaft und die Märkte unserer Feinde, die darauf aus sind täglich neue Feinde gegen uns ins Feld zu führen Großherzigkeit wird heute Preisgabe der eigenen Interessen." Aber der Gipfelpunkt kommt erst noch: Verjagung aller Bewohner der eroberten Lande aus ihren W 0 h ns i tz e n. Man glaubt, den bellen Wahnwitz hu hören. Aber nein, so steht es da: „Wir bitten unsere Kriegsleitung von neuem, die Frage zu erwägen: Ob nicht die?lusräumung aller besetzten Landstriche von allen Einwohnern eine dringliche Forderung sei.... Not- wendige bürgerliche Dienstleistungen in diesen Gebieten können durch freiwillige Helfer aus der Heimat— irgendwie uniformiert — besorgt werden, wie Jungdeutschland ja schon bisher bei dem Transport Verwundeter aus Belgien in die Heimat geholfen hat. Alles, was in Zivilkleidung sichtbar wird, 24 Stunden nach Erlaß des Ausräumungsbefehls in dem unter Bann be- findlichen Landstrich, gilt als Spion und wird ohne weiteres erschossen. Die„Ausräumung" geschieht natürlich immer nach der Front der feindlichen Truppen zu. Die mögen ihre Lands« leute und heimlichen Mitkämpfer und Mitmörderinnen selber ernähren." „Nicht nur militärisch, sondern auch verwaltungsmäßig und diplomatisch wünschen wir endlich im Stile einer großen Nation vertreten und geführt zu wer- den," schreiben die„Verl. Neuesten Nachrichten". Die Befolgung ihrer Vorschläge, woran freilich keine verantwortliche Stelle denkt, würde uns wahrlich diesen Ruhm einbringen! Sie würde uns in den Augen der Welt noch höher stellen als selbst die große Nation der Kosaken! Keiner mehr würde zweifeln können, daß wir diesen Krieg führen„im Interesse der Kultur"... Aber es bedarf ja nicht erst der Befolgung je n e r blutrünstigen Pläne, wie sie kürzlich das„Deutsche Lffiziersblatt" uikd jetzt das Scharfinacherorgan anführen. E s genügt, daßdieseundähnlicheVorschlägein die Oeffentlichkeitdringen. Sind denn diese Patrioten ,0 sehr jeglichen Verantwortlichkeitsgefühles bar. daß sie gar nicht bedenken, welche Wirkung sie mit ihren Vorschlägen und lhrcn Schwelgereien in bestialischen Phantasien im Auslände ausüben? Spüren sie gar nicht, wie sie jenen Leuten Material liesern, die unter unseren Gegnern alles versuchen, um die Bevölkerung gkgen uns aufzuhetzen und sie zum letzten Lerzweiflungskampf zu treiben? Ahnen sie gar nicht, wie dort ihre Aeußerungen ver- breitet werden und dazu verHelsen, daß hunderte, tausende unserer Soldaten hingeopfert werden? Machen sie sich gar nicht klar, wie derartige Ausbrüche der Barbarei auch die heute noch neu- traten Staaten beeinflussen müssen? Vielleicht lesen sie ein- mal die auswärtige Presse, soweit sie noch ins Land kommt. Tann wird ihnen vielleicht doch ein Licht aufgehen, welche Ge- fuhren sie mit ihrem unentschuldbaren Treiben über uns heraufbeschwören! Just die Herren, die in den„Berl. Neuesten Nachrichten" das große Wort führen, reden so gerne von den großen nationalen �»fgaben, welche die Presse im Falle eines Krieges zu �lullen bot. Man erzählt sich, daß Redakteure dieses Blattes borsteilig geworden seien, man möge sie von der Land- sturmpflicht befreien, dainit sie als Schriftsteller und Schriftleiter um so besser dem Vatcrlande nützen können. Was sie aber treiben, ist kein Nutzen, ist schwerste Schädi- gung des Vaterlandes. Schwerste Schädigung unserer Stel- lung in der Welt, schwerste Versündigung an unserer Kultur. Sie haben dieser Kultur nie genützt, die dort im Solde des profithungrigen Unternehmertums gehetzt und gewühlt haben. Lassen wir in diesem Augenblicke das Vergangene beiseite. Das Gegenwärtige aber fordert nicht weniger laut und energisch zum Protest heraus. Wir dürfen nicht dulden, daß diese Klique unseren Schild befleckt. Wir dürfen nicht dulden, daß sie unseren Kämpfern inrLelde die Stellung erschwert und unserem Lande neue Feinde weckt. Wir stehen im Kriege, wir müssen kämpfen. Wer nicht oft, nicht laut genug kann es gesagt werden: Dieser Kampf soll mit sauberen Waffen geführt werden! Die Kriegsereignisse. Die abgeschlagene Offensive. Nachdem bereits die Meldungen vom Sonnabend hatten erkennen lassen, daß der französische Vorstoß nach Lothringen gescheitert und die feindliche Offensive unter schweren Verlusten zurückgewiesen worden war, bringen die bis jetzt vorliegenden Meldungen die Kunde, daß die deutsche Armee inistande ist, die Verfolgung des geschlagenen Feindes fortzusetzen. Die deutschen Truppen sind den zurückweichenden Franzosen bereits bis auf die Linie Lun6> ville— Viani ont nachgerückt. Jetzt wird es sich darum handeln, ob die Franzosen ihre offenbare Absicht, die befestigte Stellung bei Nancy und Lunäville zu erreichen und diese zu nächst zu behaupten, werden durchführen können. Der Schluß der osfiziellen Depesche, daß die deutsche Armee die Ver folgung noch weiter fortsetzt, läßt dies sehr zweifelhaft erscheinen. Die Verfolgung öer französischen /lrmeetorps. Berlin, SS. August.(W.T.B.) Nord- lich Metz hat der Deutsche Kronprinz, mit seiner Armee zu beiden Seiten von L 0 n g w y vorgehend, den gegenüberstehenden Feind gestern fiegreich zurückgeworseu. Die in Lothringen fiegreiche Armee unter Führung des Kronprinzen von Bayern hat, auf der Verfolgung des geschlagenen Feindes die Linie Luneville— Blamont erreicht und setzt die Verfolgung fort. Vor Namur donnern seit vorgestern die Geschütze. Gent zur Uebergabe bereit. Amsterdam, 23. August 1914. TaS„Handelsblad" meldet: I« Gent wird die Bürgerwehr entwaffnet. Die Waffen werden nach Antwerpen gesandt. Genf steht zur 'ricdlichen Uebergabe an die Deutschen bereit.(Franks. Ztg.) die Antwort auf öas Ultimatum Japans. Berlin, 23. August.(W. T. B.) Das von der hiesigen Japanischen Botschaft dem Auswärtigen Amt über« reichte Ultimatum lautet in deutscher Ueberjetzung wie folgt: „Die Kaiserlich Japanische Regierung erachtet es in der gegenwärtigen Lage für äußerst wichtig und notwendig, Maß- nahmen zu ergreifen, um alle Ursachen einer Störung des Frie- den« im fernen Osten zu beseitigen und das allgemeine Interesse zu wahren, das durch den Bündnisvertrags zwischen Japan und Großbritannien ins Auge gefaßt ist, um einen festen und dauern- den Frieden in Oftasien zu sichern, dessyt Herstellung das Ziel des besagten Abkommens bildet. Sic hält es deshalb aufrichtig für ihre Pflicht, der Kaiserlich Deutschen Regierung den Rat zu ertrilen, die nachstehenden beiden Vorschläge auszuführen: Erstens. Unverzüglich aus den japanischen und chinesischen Gewässern die deutschen Kriegsschiffe und bewaffneten Fahrzeuge jeder Art zurückzuziehen«und diejenige«, die nicht zurückgezogen werden können, alsbald abzurüsten. Zweitens. Bis spätestens 15. September 1S14 das gesamte Pachtgebiet von Kiautschou bedingungslos und ohne Entschädigung den Kaiserlich Japanischen Behörden zu dem Zweck ouSzuantworten, es eventuell an China zurückzugeben. Die Kaiserlich Japanische Regierung kündigt gleichzeitig an, daß sie, falls sie nicht biS zum 23. August 1914, mittags, von der Kaiserlich Deutsche» Regierung eine Antwort erhalten sollte, die die bedingungslose Annahme der vorstehende«, von der Kaiserlich Japanischen Regierung erteilte« Ratschläge enthLlt, sich genötigt sehen wird, so vorzugehen, wie sie rS nach Lage der Sache für notwendig befinden wird." Auf dieses Ultimatum ist dem hiesigen japanischen Ge- schäftsträger heute vormittag nachstehende mündliche Erklärung abgegeben tvorden: „Auf die Forderungen Japans hat die Deutsche Regierung keinerlei Antwort zu geben. Sie sieht sich daher ver- anlaßt, ihren Botschafter in Tokio abzuberufen und dem japanischenGeschäftsträgerin Berlin seine Pässe znzu stelle n." Die Antwort auf die in schroffftem Tone erfolgte Heraus- forderung bietet nach dem Vorangegangenen keinerlei Ueber- raschung. Mit Trauer und Schmerz gedenken wir aber der Tapferen im fernen Osten, die dem schweren Kampfe mit einer großen) Ueberniächt entgegengehen. vom öfilichen Kriegsfihauplatz. die russischen Eisenbahnen unö öie Mobilmachung. Warum dick russische Mobilmachung so langsam vor sich geht, erhellt aus einem Aufsatze der„Ztg. d. V. D. Eisenb.-Verw." über den Wagenpark der Eisenbahnen des europäischen Rußlands. Wir heben nur die wichtigsten Zahlenangaben hervor: Zur Ver- fügung stehen dem Riesenreiche noch lange nicht 20000 Personenwagen(darunter nahezu 1000 Salonwagen!), die deut- schen Bahnen besitzen gegenwärtig über 57000 Personenwagen mit 2 813 400 Plätzen gegen 088 400 Sitzplätze der russischen Bahne». Die Zahl der russischen Güterwagen beträgt rund 395 300, die der deutschen Güterwagen rund 505 000. Die Neubeschaffung von 10500 Güterwagen, die der Verkehrsminister zur Fortbewegung der Ernte für nötig erachtet hatte, wurde von der Reichsduma abgelehnt, trotzdem daraus hinge- wiesen wurde, daß die verfügbare Anzahl Güter« wagen sogar für die Mobil machuttg nicht genüge. Wie die Verhältnisse liegen, d. h. bei den zu überwindenden Eni- sernungen, aus welche die Lebensmittel hcraugeschastt werden' müssen und bei dem gänzlich unzureichenden rollenden Material, sind die Aussichten der Truppen auf ausgiebige Verpflegung sehr trübe. Zu diesen Schwierigkeiten kommen dann noch die Sorgen um die RückwärtSbewcgung der Verwundeten und Kranken. Der Seekrieg. Gefangennahme von militärpflichtigen Deutschen. Berlin, 23. August.(W. T. B.) Ter von New Jork noch Neapel abgegangene T am p f c r„A n c 0 u a" ist in der Nähe von Gibraltar angehalten worden und die auf dem Dampfer befindlichen militärpflichtigen Deutschen— etwa 70 an der Zahl— sind nach Gibraltar als Gefangene übergeführt worden. Unter den Gefangenen befindet sich der Sohn des Direktors der Deutschen Bank Hermann. Kaperung eines öflerreichifchen Dampfers in l�ueb'eck. Wien, 22. August.(T. U.) Der T r i e st e r Hau- delsdampfer„Ida" wurde in Ouebeck von e u g I i- scheu Kriegsschiffen gekapert. Der Protest d<� Kapitäns blieb erfolglos. vom ösierreich-serbifchen Kriegs- fchauplatz. Deutsche Mannschaften in Serbien. Berlin, 23. August.(W. T. B.) Aus S e r a j e w 0 ging heute nachmittag folgende Meldung beim Admiralstab der Marme ein: Am 29. August Serben st cllung Höhe 354 beiVisegrad genommen. Seesoldaten in erster Linie. Drei tot, 2 Offiziere, 21 Mann verletzt. Verhalten der Mannschaft mustergültig. Gezeichnet Major Schneider. Es handelt sich um unser Sk u! a r!- D e k a ch e- in e ni, das sich nach Abzus, vou Skutari den österreichischen Operationen angeschlossen hat. Einzelne Gefechte. Wien, 22. August.(W. T. B.) Aus dem Kriegspressequartier wird vom 21. August amtlich gemeldet: Vom 20. d. M. liegen fol- gende zusammenfassende verspätet eingelangte Meldungen vor. Auf dem südlichen Kriegsschauplätze Cat- t a r o sind wir ohne wesentlichen Erfolg von Montenegrinern beschossen worden. Unsere Festungs- und Marineartillerie er- widerte das s�euer mit sichtlich größerer Wirkung. Bei T r e- b i n j e herrschte Ruhe. B i b e c a wurde mäßig, aber ununter- brachen beschossen. Die eigenen Truppen besetzten an: 18. August Plevlje und smd im Vordringen über die obere Drina u n d L i m. An der unteren Drina führten die Truppen den anbefohlenen Rückmarsch vollkommen geordnet und vom Feinde unbelästigt durch. Bei Babanz fand ein erfolgreicher V o r st o ß gegen Süden statt, worauf die siegreichen Trup- Pen, wie befohlen, wieder zurückgingen. Auf dem. nördlichen Kriegsschauplätze schreitet die eigene Aufklärung mit gutem Erfolge fort. Eine bulgarische Meldung. Sofia, 23. August.(W. T. B.) Von der serbisch. bulgarischen Grenze wird gemeldet: Die österreichisch- ungarische Armee ist im erfolgreichen Vorrücken ins Innere Serbiens begriffen. Die Serben seien von allen Seiten bedrängt infolge dar erlittenen kolossalen Ver» l u st e. In N i s ch herrsche Panik, unzählige serbische Flucht- linge suchen eine Zufluchtsstätte in bulgarischen G r e n z o r te n. Nachdem in Nisch kein Platz mehr für die Verwundeten ist, sind sie nach Pirat geschickt worden. Der bulgarische Gesandte T s ch a p r a s ch i k o w ist unterwegs nach Sofia. Tie Meldung steht mit der gestern gemeldeten des amt- lichen österreichischen Korrespondenzbureaus, die den Still- stand dar Offensive gegen Serbien meldet, in Widerspruch. Ein Kommentar des tzonveüminifters. Budapest, 22. August.(W. T. B.) Im Klub der Nationalen Arbeitspartei erklärte Honvedmintster Hazai auf Befragen über die Bedeutung des heutigen Communiques sowie über die Lage folgendes: Als offenherziger Soldat sage ich immer die Wahrheit, was sie auch sei. Ich vermag auf das bestimmteste zu erklären, daß zu pe s s i in i st i s ch e r Auffassung keinerlei Grund vorliegt. Im Gegenteil kann ich erklären, daß es mit unserer Sache in Serbien gut steht. Die dort operierenden Truppen lösen trotz des Uebergewichts des Feindes heldenhaft ihre Aufgabe. Es gelang, die Serben zurückzuwerfen, und eben heute erhielt ich die Nach- richt, daß auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz unsere Truppen ein aus über dreißig Bataillonen bestehendes serbisches Heer be- siegten. Das Communique, das einzelne mißverstanden haben, bezweckt ausschließlich zu erklären, daß große, entscheidende Er- «ignisse sich nicht im Süden, sondern im Norden abspielen werden. Ich erkläre offen, welches die Lage ist, wie ich auch mit männlicher Ofienheit sprechen würde, wenn die Lage nicht diese wäre. Ich wiederhole, daß wir mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden sein können; denn es gelang, dem Feinde riesige Verluste betzufügen. Man muß sich jedoch, wie ich bereits erklärt habe, vor Augen halten, daß der entscheidende Kampf oben geführt werden wird. Den Worten des Honvodminifters folgten langanhaltende Eljenrufe. Die neutralen Staaten. die Haltung Italiens. Rom, 23. August.(W.T.B.) Die„Tribuna" jHreibt: Mi- Ulsterpräsident Salandra empfing eine Vertretung der so- zialistischenGruppedesParlaments.dieum eine Entscheidung der Regierung bezüglich der Zusammen- berufung des Parlaments ersuchte. Salandra ant- wartete, nach Ansicht der Regierung sei bisher keine Tat- fache eingetreten, die diese Zusammenberufung not- wendig mache. Die Regierung sei fest entschlossen, die Politik Krieg und Kapitalismus. Der englische Nationalökonom David Ricardo, dessen Mehrwertlehre Karl Marx in dem nachgelassenen Teil seines„Kapital" eingehend behandelt hat, huldigte der Ansicht, die sich aus seiner Arbeitslohntheorie sozusagen von selbst ergab, daß die Arbeiter Vorteil davon hätten, wenn ein Land Krieg führe und genötigt sei, große Flotten und riesige Heere zu unter- halten. Diese Auffassung, die heute noch von den eifrigen Ver- fechtern des Militarismus in vollendeter Sinnlosigkeit wieder- holt wird, vor denkenden Arbeitern erst noch widerlegen, wäre ein überflüssiges Unterfangen. Denkende Arbeiter fühlen mit feinem Masseninstinkt, daß umgekehrt ein Schuh daraus wird: der Vor- teil der Kapitalisten ist es. wenn ein Land Krieg führt und große Flotten und riesige Heere unterhält, zum mindesten der Vorteil einiger kapitalistischer Schichten, wie der Rüstungsfabrikanten und der Armeelieferanten. Die Armeelieferungen spielten seit jeher bei der unrecht- mäßigen und schwindelhaften Bereicherung gerissener Unter- Nehmer eine große Rolle. Schon im sechzehnten Jahrhundert, als der Kapitalismus in den Kinderschuhen die ersten Sprünge machte, war diä Gaunerei bei Armeelieferungen eine lustig sprudelnde Quelle des Profits. Ter Jesuitenpater Georg Scher er wenig- stcns entwirft uns in einer Predigt aus den Türkenkriegen dieses Jahrhunderts ein anschauliches Bild von dergleichen Praktiken: „Ebnermaßen tun auch unrecht, welche böses Getrcid und böse zähe rotfuchsete Wein in die Proviant für die Landsknecht um teure Bezahlung geben, daran die Kriegsleut in Gränitz- Häusern alle Bcttboskrankheiten und den Tod selber fressen und saufen nmissen. Es ist unnot, daß solche KriegSleut von türkischen Säbeln niedergehauen oder von türkischen und tartarischen Pfeilen und Kugeln niedergeschossen werden, die Christen, welche ihnen ein schimmlig, faul und übelschmeckend Mehl oder Brot und kämigen, ungesunden Wein geben, die sind ihre Türken, von denen sie um ihren Gesund, Leib und Leben gebracht werden." Aber im großen Stil konnte sich doch dieser LieferungS- schwindel erst mit dem Anbruch des eigentlichen kapitalistischen Zeitalters, das will sagen, mit der französischen Revolution ent- wickeln. DaS offenbarte sich sofort in den Revolutionskriegen Ser Neilfialitnk Tciker zll ssttsolgen, dlS WS Gründels emgs- nommen sei, die aller Welt bekannt seien. Die Vertreter der Gruppe bestandeck ans ihrem Er- suchen, indem sie hervorhoben, die Zusaimnenberhsung des Parlaments würde den Vorteil haben, gegenüber der öfsent- lichen Meinung aufklärend zu wirken und das Verhalten d�er Regierung sicherer zu machen gegen Strömungen, die eventuell versuchen könn- ten, sie zu einer Aenderung ihrer Politik zu veranlassen. Die Vertreter spielten dabei auf die Möglichkeit einer Mobilisiernng an. Salandra antwor- tete, nichts berechtige zu einer solchen Annahme und er er- klärte alle Gerüchte von einer Mobilisierung für unbegründet. * Die starke Betonung der italienischen Neutra- l i t ä t ist von Bedeutung, da in den letzten Tagen Gerüchte von einer unfreundlichen Haltung Italiens gegen Oe st erreich im Umlauf waren. Kriegsbekanntmachungen. Landsturm und Volkswirtschaft. Der kommandierende General des 7. Armeekorps erläßt an die Bewohner von Rheinland-Westfalen einen Aufruf, worin es u. a. heißt: Nicht nur zum Kampfe mit den Waffen bedarf das Land seiner Männer. Die Grundlagen des modernen Lebens sind andere geworden, als sie es vor hundert Jahren waren. Die gewaltigen Fortschritte unserer Industrie und Technik sind heute so sehr in den Dienst unseres Heeres gestellt, bilden heute so sehr die Grundlage unseres ganzen bürgerlichen Lebens, daß wir ihrer nicht mehr entbehren können. Die Erhaltung einer Reihe der wichtigsten industriellen Be- tiebe bildet unbedingte Voraussetzung zu einer glücklichen Durchführung des Krieges. So mutz vor allem die Fortführung des Betriebes der Kohlenzechen sichergestellt sein, da der sonst eintre- tende Mangel an Kohlen alle unsere Kräfte lahmlegen würde. Daß damit auch die Fabrikation und somit der Ersatz von Waffen und Munition stocken würde, liegt auf der Hand. Und in wie tausendfacher Weise der Mangel an Kohlen sich für die Allgemein- hcit fühlbar machen würde, wird jeder sich selbst sagen können. Die weitaus meisten Betriebe, die heute noch den Zurückgebliebe- nen Arbeit bieten und ihre Familien vor Not und Elend bewahren, müßten stilliegen. Und wie die Zechen, so müssen auch die Rhein- schiffahrt, die Mühlen, Wasserwerke und Elektrizitätswerke, kurz alle diejenigen Betriebe aufrechterhalten bleiben, die für das Heer und für die Allgemeinheit nicht zu entbehren sind. Aus allen diesen Gründen habe ich mich entschlossen, die Landsturminfanterie in den meisten Kreisen des Korpsbezirks, besonders in denen des Jndustriebezirks, z u- n ä ch st nicht e i n z u st e l l e n, und ich hoffe, daß dies bis zum Ende des Krieges nicht erforderlich fein wird. Einstweilen werden nur die Kavalleristen, Pioniere und Artilleristen der jüngsten Jahrgänge des gedienten Landsturms Verwendung finden und vielleicht noch ein kleiner Teil der Landsturminfanterie. die erste bayerische Verlustliste. München, 23. August.(T. II.) Tie erste bayerische Verlustliste ist erschienen. Sie zahlt 24 Verletzte und Verwundete auf. die Mobilmachung öer Schweiz. Ein deutscher Parteigenosse schreibt uns: Der Weltkrieg, der jetzt die ganze Kulturwelt erschüttert, hat keinen Staat unberührt gelassen. In den Tagen, wo die Ereig- nisse sich überstürzen, der Weltbrand mit unheimlicher Geschwindig- keit um sich griff, weilte ich in Zürich und konnte hier beob- achten, wie sich auch an dem friedlichen Schweizer Volk das Wort bewahrheitete: Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt. Die Schwitz ist keiner der zwei großen europäischen Mächte- koalitionen gegenüber verpflichtet, es hat auch natürlich keine Er- oberungsabsichten und dennoch wird es ebenso wie die direkt be- selbst. Schon zu einer Zeit, als für Wucherer, Spekulanten und Börsenwölfe der Weg vom Revolutionstribunal zur Guillotine erstaunlich kurz war und sich deshalb in diesen Kreisen kein rechter Tatenmut regen wollte, wußien die Armeelieferanten ihre Schäf- chen zu scheren. Das waren die Tage der Carnotschen Massen- aufgebote, der Helden in Holzschuhen und Lumpen.„Mit Hilfe von Brot und Eisen, hat der Kommissar des Konvents gesagt, kommt man bis ans Ende der Welt, von Schuhen hat er nichts gesprochen." Und selbst diese? zerlumpte Heldentum der Revo- lutionSkämpfer, die die Heeressäulen der feudalen Gegen- revolution zum Lande hinausdrängten, wurde dermaßen aus- gebeutet, daß ein gewisser Espagnac die ihm vom General Dumouriez übertragene Besorgung der Kriegsfuhren an daS Haus D en s s o n u. C i e. für 10 0 Franken täglich(!) vermietete. Wie gigantisch muß da, um auf ihre Kosten und zu ihrem Profit zu kommen, die ehremverte Firma Densson u. C i e. ihrerseits das Heer begaunert haben! Unter Napoleon trieb dasselbe System neue Schwindel- blüten. und zwar nicht selten unter dem Beistand napoleonischer Generale, bei denen meist die rein soldatischen Tugenden die ein- zigen waren. Dem Marschall M a s s e n a z. B. folgten wie Schakale ganze Schwärme von Intendanten, Lieferanten, Kam- missionären und Agenten ins Feld, mit denen gemeinsam er seine armen Soldaten um Löhnung und Brot zu bestehlen pflegte, und er war nur einer unter vielen! Daneben fielen für die In- duftriellen in den Tagen des ersten Kaiserreichs Riesengewinne ab, denn was die durch ganz Europa hin- und herziehenden Heere an Kleidungsstücken, Schuhen und Waffen verbrauchten, ging ins Ungeheure. Da sich daS zweite napoleomsche Kaiserreich zum ersten ver- hält wie die Posse zur Tragödie, so war eS ganz in der Ordnung, daß hier unmittelbar kapitalistische Interessen nicht nur den Mar- schallen und Generalen ihre Gaunerpraktiken, sondern auch dem Kaiser seine Politik vorschrieben. Der Ausbruch des Krimkrieges war über ein Jahr früher fällig, als er wirklich erfolgte, denn nach der Kaiserproklamation Bonapartes hatte man nicht übel Lust, den Kriegsfall herbeizuführen, weil das Beglaubigungs- schreiben des russischen Botschafters die üblichen Kurialien ver- missen ließ. Aber im Ministerrat entschieden sich die Minister, die in Börsenspekulationen verwickelt waren— und das war die überwiegende MeZrzaU!— aus Furcht vor Börsenzerrüttung für keiligteck Staaken in den großen Kriegsstrudel hinemgerissen. De« Bundesrat hat ausdrücklich die Neutralität der Schweiz allen kriegführenden Staaten gegenüber erklärt. Aber es ist schon rich- tig, was Moltke einst gesagt haben soll, in einem Kriege könne nur der Staat neutral bleiben, der so gerüstet sei, daß er die Kraft habe, seine Neutralität mit Waffengewalt zu schützen. Dessen eingedenk hat man die Landesverteidigung in der Schweiz nicht vernachlässigt. Und die Bundesregierung zauderte auch nicht, als die unheilvollen 5lriegswolken am europäischen Horizont sich immer dunkler zusammenballten, die Schweizer Wehrmacht auszurufen. Bereits am 1. August erging der Befehl zur allgemeinen Mobil- machung, der die Aufforderung zur Piketstellung, d. h. zur Be- reithaltung vorausgegangen war. Für mich als Preußen, der ich in einer großen Festung?- und Garnisonsstadt geboren und aufgewachsen bin, also hinläng- lich Gelegenheit hatte, militärisches Leben zu beobachten, war es von großem Interesse, hier einmal die kriegsgemäße Mobilisierung einer Milizarmee aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Unser verstorbener Bebel hat mir oft auf Spaziergängen am Zürichsee in der ihm eigenen Lebhaftigkeit die Vorzüglichkcit des Schweizer Milizheeres geschildert und vor allem auch seine schnelle Schlagfertigkeit gegen meine Zweifel mit Eifer verteidigt. Ich muß jetzt gestehen: unser Altmeister hat recht. Kein stehendes Heer der Welt, auch das deutsche nicht, dessen Mobili- sierung sich doch musterhaft vollzogen hat, kann so schnell in voller Kriegsstärke, marschfertig und kampfbereit aufgestellt werden wie das Schweizer Milizheer. Am 31. Juli mit der allgemeinen Piket- stellung der Armee war bereits der für die erste Grenzbewachung und für die Ueberwachung der wichtigsten Kommunikationen er- forderliche Landsturm, bestehend aus den ältesten Wehrpflichtigen, aufgeboten. Um 2 Uhr nachmittags rückten die Mannschaften be- reits in die Kasernen ein und am Abend sah man Bahnhöfe, lieber- gänge, Brücken usw. von den bärtigen Landsturinmännern besetzt. Als erster Mobilmachungstag war Montag, der 3. August, als zweiter Dienstag, als dritter Mittwoch und als vierter Tonners» tag festgesetzt. Schon am Sonntag bot das schöne Zürich mit seinem sonst so friedlichen, internationalen Straßenleben ein sehr kriegerisches Bild. Die Uniform überwog bereits, es sah schon preußisch und auch wieder nicht preußisch aus. Die Wehrmänner bewegten sich so gut bürgerlich und familiär unter dem Publikum, auch der Verkehr unter den militärischen Chargen untereinander war so bürgcrlich-freundnachbarlich, daß man sofort den Eindruck gewann: das ist Volk in Waffen, hier fehlt die militärische Ab- schließung, der militärische Kastengeist, der sich in Deutschland oft unliebsam bemerkbar macht. An den Mobilmachungstagen rückten die Truppen in voller kriegsgemäßer Ausrüstung aus ihren Wohnungen nach den öffentlich bekanntgegebenen Sammelplätzen, wo die einzelnen For- mationen nach Empfang der Patronen zum Abmarsch nach der Grenze fertig waren. Rührende Straßenszenen spielten sich ab, wenn die einzelnen Soldaten, in voller Ausrüstung, das tot- bringende Gewehr über die Schulter gehängt, ein Kind aus dem Arm und mehrere noch an der Hand, in Begleitung ihrer ernst dreinschauenden Frauen zum Sammelplatz eilten. Noch ein kurzer Abschied und dann ging es fort nach der Grenze, um dort den kriegführenden Armeen den Durchmarsch durch die schöne Schweiz, wenn es sein muß, mit Gewalt zu verwehren. Auch da» Requirieren der notwendigen Pferde, Automobile und sonstigen Lastwagen ging sehr schnell und glatt von statten, so daß in den vier Mobilmachungstagen bis auf die aus dem Aus- lande herbeieilenden Nachzügler die gesamte Wehrmacht der Schweiz, alle Aufgebote kriegsfertig dastanden. Und diese Ver- teidigungsarmce ist durchaus modern ausgerüstet, sie hat sich alle Errungenschaften der Kriegstechnik zunutze gemacht. Es fehlte weder Flugzeug noch Funkentelegraphie. Auch die Verpflegung und das Sanitätswesen soll auf das beste organisiert sein. Ge- Witz, ein preußischer Gamaschenknopf hätte vielleicht einiges an dem Aufmarsch der Truppen auszusetzen gehabt, er würde die Kasernenhof-Strammheit vermißt haben, die Liniatur der Fron- ten hätte ihm gefehlt, und wenn er nun noch gar den Präsidenten der sozialdemokratischen Partei, unseren Genossen S tu der auS Winterthur, hoch zu Roß als Major sähe, überliefe ihn sicher eine Gänsehaut. Ich habe indes den Eindruck gewonnen, daß dieses Milizheer für seinen Zweck vorzüglich ausgerüstet und ausgebildet ist. Es ist mit dem gebirgigen Terrain und seinen Schwierig. leiten vertraut, und was das Schießen anlangt, sicher jeder ande- ren Armee überlegen. Denn jeder Mann hat vom Beginn der Wehrfähigkeit sein Gewehr im Hause und übt sich auf den zahl- reichen Schießständen dauernd in der Handhabung der Waffe. Annahme des Schreibens, und von ähnlichen lauteren Beweg- gründen geleitet, stellte sich Napoleon III. Aber wie hier der Bonaparte um kapitalistischer Interessen willen einen Krieg vermied oder doch hinausschob, so stürzte er sich ein andermal um kapitalistischer Interessen willen in einen Krieg. Vorwand und Anlaß zugleich zu dem mexikanischen Abenteuer bildete ein gi- gantischer Anleihenwucher des Genfer Bankiers I e ck c r, an dem durch Napoleons Halbbruder, den Herzog von M o r n y, die kaiserliche Familie unmittelbar beteiligt war. Je„moderner" die Kriege werden, desto gewaltigere Profit- Möglichkeiten für den Kapitalismus bringen sie mit sich. Im russisch-japanischen Krieg trat das in klassischer Form zutage. Die Stadt Charbin, 13W gegründet, zählte vor dem Feldzug rund SW0 Einwohner, bestand zu einem guten Teil aus Holzschuppen und Bretterbuden und hatte im besten Fall als Durchgangsplatz nach dem Wladiwostokgebiet einen gewissen Zukunstswert. Aber nun kam der Krieg und wälzte die wirtschaftlichen Verhältnisse um. Eine gewissenhafte zeitgenössische Darstellung schilderte die Entwickelung der Dinge: Ein und eine halbe Million Menschen und dreieinhalb Mil- liardcn Rubel ergossen sich über die Mandschurei. Sie alle— Geld sowie Menschen— passierten Charbin, und beide ließen dort ihre Abfälle zurück. Charbin wurde das Eden der Lieferanten, der Abenteurer und der Ver» b reck er. Zwanzigtausend Dirnen aller Länder, aller Nationen und Hautfarben, darunter sogar Negerinnen, triumphierten in dem wüsten Getriebe, wie es unsere Zeit zum zweiten Male gewiß nicht mehr sehen wird. Ueber ein Dutzend Tingeltangels schössen aus dem morastigen Boden und die Preise stiegen ins Ungemessene... Die schlauesten Besucher waren zweifellos die Dirnen, und Millionen sind in Brillanten von »Harbin weggetragen worden. Ein guter Prozent- satz dieser Damen hat russische Offiziere oder Beamte geheiratet, manche von letzteren sind im Dienst geblieben und bloß versetzt worden, nur wenige hat man kassiert. Aber bleiben mußte d i e Kaufmannschaft. Diese Firmen waren erst zu Beginn des Krieges gegründet worden, hatten sich mit den ersten verdienten zehntausend Rubeln große Magazine gebaut, in die Hundert- tausende Kredit genommen, und da wirklich fabelhaft während de? Kriegs verdient wurde, hatten sie sich im tollen Wirbeltanz des Genusses mitreißen lassen und den größten Teil ihres Gc- Winnes verjubelt und verspielt, als müsse der Krieg ewig währen. Die Niederlagen der russischen Armren im Süden wurden mit Jubel begrüßt, denn immer näher kamen die Verließen die WeHrmänner auch nicht gern da? Feld ihrer gewohnten wirtschaftlichen Betätigung, zogen sie auch nicht mit lärmender Begeisterung ins Feld, so prägt sich auf ihren>Ke- sichtern doch die ernste Entschlossenheit aus, der eisernen Not- wendigkeit gehorchend dem Vatcrlande, der freien Schweiz die treue Greuzwacht zu stellen. Das eine steht fest: keine der europäischen Militärmächte hat vermocht, so schnell sein Heer zu mobilisieren, wie die Schweiz ihre Miliz. Obwohl für diese der 3. August der erste Mobilnrachungs- tag war, steht sie jetzt bereits etwa zwei Wochen kriegsfertig in voller Stärke an der Grenze. Und da jeder Wehrpflichtige vom tll. bis zum 48. Lebensjahre aufgeboten ist, stehen im Verhältnis Zur Einwohnerzahl mehr Mannschaften unter der Waffe, als zur- Mit in Teutschland. Und was ist das Geheimnis dieser Schnelligkeit in der Mobili- sierung der Miliz? Jeder Mann hat seine Waffen und die volle Ausrüstung zu Hause. Wird er aufgerufen, erscheint er bereits feldmarschmäßig am Sammlungsort. Da er weist einem Truppenkörper in der Nähe seines Wohnortes zuge- teilt ist, kann er schnellstens einrücken. Das bei den stehenden Heeren notwendige lange Reisen der Reservisten nach ihren Regt- meutern fällt fort, ebenso die zeitraubende Einkleidung und Be- waffnung, wa� für alle Jahrgänge mit Landwehr und Landsturm doch einige Wochen in Anspruch nimmt. � Freilich, ein solches Milizheer ist nur in einem demokratischen Staatswesen möglich, wo zwischen der Regierung und der Mehr- heit des Volkes ein Vertrauensverhältnis besteht. Es dient auch nur der Landesverteidigung und würde in einem Eroberungskriege � Wohl versagen. � Aber die Mobilisation der Schweiz ist nur erfolgt, um ihre «reiheit und Unabhängigkeit zu schützen; das ist der Endzweck, der ihr durch die Bundesregierung gesetzt ist. Das kam auch bei der Vereidigung des militärischen Befehlshabers im BundeZparla- ment in feierlicher Form zum Ausdruck. Die Wahl des Generals, dem der Oberbefehl über die Truppen übertragen wird, ist auch eine Eigenart der Schweizer Milizarmee, über deren militärischen Wert man ja einige Zweifel hegen kann. Das Militärwesen der Schweiz untersteht nämlich 'm Frieden dem Generalstabschef. Sobald jedoch die Armee in hen Kriegszustand versetzt wird, wählt das Bundesparlament sofort den General, der mit den weitgehendsten Vollmachten ausgestattet wird und die militärischen Operationen leitet. Mit 122 Stimmen wurde der Oberstkorpskommandant Wille am zweiten Mobil- machungstage vom Parlament zum General gewählt, der General- stabschef v. Sprecher erhielt nur 63 Stimmen. Obwohl die politischen Ansichten Willes von der Mehrheit des Schweizer Volkes wohl kaum geteilt werden, wurde seine Wähl doch allgemein mit Genugtuung begrüßt, da er als tüchtiger Militär gilt. Ter ganze Unterschied der Schweizer Heeresverfassung von der deutschen kommt auch in dieser Wahl deZ Oberbefehlshabers durch das Parlament zum Ausdruck, und noch mehr durch den Eid, den ocr Gewählte vor der Volksvertretung zu leisten hat. Die Schwur- formel lautet: »Der Obergeneral der eidgenössischen Truppe schwört, der Eidgenossenschaft Treue zu bewahren, die Ehre, Unabhängigkeit und Neutralität des Vaterlandes nach besten Kräften mit Leib und Leben zu beschützen und zu verteidigen und sich genau an die Weisungen des Bundesrates über den durch das Truppen- Aufgebot zu erreichenden Endzweck zu halten. Der Oberbefehlshaber der Armee ist sonach der Beauftragte des Volkes, von der Volksvertretung gewählt, ist er dieser auch verantwortlich. Ob die Schweizer Milizarmee ihre Feuerprobe �rd bestehen müssen, das wird die Geschichte lehren, deren eiserne Würfel jetzt unaufhaltsam rollen. Wird sie ihr aufgedrungen, dann wird sie sie bestehen, deß bin ich gewiß. politische Ueberflcht. Geschäftstüchtige Patrioten. r, Kaum hieß es: die Mobilmachung ist angeordnet, so uhen gewisse Patrioten schon das Stündlein dafür gekom- J*1'. sich durch eine rohe Preiswucherpolitik auf Kosten der ugenieinheit die Tasche zu füllen. Lebensmittelgeschäfte erdoppelten die alten Preise, ein Berliner Hutgcschäft teilte "neu Kunden mit, es sehe sich veranlaßt, die außergewöhn- gB>e Konjunktur für Trauerhüte auszunutzen, um auf diese zehn Prozent Ausschlag zu legen usw. Wohl das Aergste - r ist ein Rundschreiben, das nach einer Zusendung an die „Deutsche Tageszeitung" der„V erein der Verband-' st o f f- F a b r i k a u t e n Deutschlands, E. V." am 1. August seinen Abnehmern zusandte. Er kündigte darin an,' daß seine Mitglieder fortan einen„Mobil- m a chungsaufschlag von 30 Prozent" erheben würden,—„einstweilen", wie man für die Dummen hinzu- fügte, um aber im gleichen Atemzuge auch noch weitere Preiserhöhungen in Aussicht zu stellen. Außer- dem verlangte das Rundschreiben fortan vorherige Barbezahlung aller Bestellungen, wenn sie nicht uner- ledigt bleiben sollten. Bei den Verbandstoffen handelt es sich um Waren, die im Kriege unentbehrlich sind, von deren Vorrat und schneller Liefening das Leben Hunderttau sen- d e r a b h ä n g t. Es zeugt von einer ganz ungewöhnlichen Menschenfreundlichkeit, unter diesen Umständen darauf einen Preisaufschlag von 30 Prozent zu legen. Die Erhöhung der Preise kann mit nichts an de- rem begründet werden— und das Rundschreiben versucht auch gar keine andere Beqriindung— als mit der grinsenden Profitwut der Fabrikanten. Da die Preis- erhöhung schon vom 1. August an in Kraft treten sollte, kann auch kein Hinweis auf verteuerte Rohstoffe und Produktions- kosten als Entschuldigung dienen. Die Verteuerung ist um so schlimmer, als ja der Massen- konsum von Verbandstoffen während des Krieges den Fa- brikanten sowieso eine gewaltige Steigerung ihrer Ge- Winne versprach. Trotzdem noch der Aufschlag um fast ein Drittel der üblichen Preise und die übrigen, den Profit stei- gernden Bedingungen beim Verkauf! Wirklich— es gibt noch Patrioten! Ei«„deutscher" Herzog. Herzog Michael von Mecklenburg-Strelitz, ein Vetter des regierenden Großherzogs, hat, wie bürgerliche Blätter mitteilen, den Zaren gebeten, die russische Nattonali- tat annehmen zu dürfen, um in der feindlichen Armee gegen das Land seiner Ahnen kämpfen zu können. Konfiskation der»Teutschen Tageszeitung". Das erste Blatt, das in Berlin unter dem Belagerungs- zustand beschlagnahmt und durch Schutzleute aus allen öffentlichen Lokalen entfernt worden ist,»st die„Deutsche Tageszeitung". Der Grund ist wohl die Veröffentlichung eines Artikels, der nach der Auffassung der zuständigen Stellen offenbar geeignet ist, in empfindlicher Weise die Kreise der deutschen Polittk zu stören. Mehlwucher der Mühlen. Verschiedene, von sachkundiger Seite stammende Zuschriften an unser Frankfurter Parteiblatt erheben die schwersten Vorwürfe gegen die Mühlen, daß sie g e s ch l o s s e n und s h st e m a t i s ch die Kriegszeit benutzt haben, um die Mehlpreise ohne Grund hinaufzutreiben und sich so gewaltige Profite zu sichern. Es steht ja außer Zweifel, daß unmittelbar nach der Mobilmachung die Preise für Mehl ungeheuerlich in die Höhe gingen; und wenn hier und da dem durch Festsetzung von Höchst- preisen entgegengetreten wurde, so standen auch diese amtlichen Festsetzungen wenigstens zunäckn't auf einer ganz unvernünftigen Höhe. Wie die Sache von den Mühlen gemacht wurde, schildert ein Fachmann in der Frankfurter„Volksstimme" folgendermaßen: „Als sich Ende Juli die Lage kritisch gestaltete, toaren die Mühlen, die großen wie auch die kleinen, bei drt: Hand, d i e Ablieferung dcS ver7auften MehlrS zu er- schweren und unter allen möglichen Vorwänden zu vereiteln, manche hielten ihre Lager überhaupt geschlossen, bis die erlvartete Stunde der Mo bilmachung schlug, die es ihnen gestattete, von den Verkäufen zurückzutreten, um nun frisch. weg Preise zu diktieren, die durch nichts weiter bedingt waren, als durch die Rücksicht auf die Füllung des eigenen Geldbcute's. Zu einer wesentlichen Erhöhung des Mehlpreises liegt bis zur Stunde noch durchaus kein Grund vor. Es verdient fest- genagelt zu werden, daß das sämtliche in Frankfurt vorhandene Mehl aus billigem Weizen h e r g e st e l l t ist. Ich habe mich persönlich überzeugt, daß noch jetzt von diesem billigen Mehl Taufende von Sack sich auf den Mühlenlagern der Spedi- teure befinden. An diesem Mebl verdienen die Mühlen Nn- summen. Man bedenke nur, bei 30 bis'31 M. hatten sie ihren regulären Verdienst, jetzt nehmen sie 42 M.; das ist ein Mehr von 11 bis 12 M. pro Sack. Der Extraverdienst dieser weißen Ritter geht daher in die Millionen. Und wie die Großen, so auch die Kleinen, mit wenig Ausnahmen. Sie beteiligten sich ebenfalls an dem Tanz ums goldene Kalb.„Die Großen tuns, �esenheere dem Norden und alle anderen Plätze wurden als leferungspunkte damit ausgeschaltet. Charbin bereitete sich auf nie Belagerung vor, Riesenreserven wurden aufgestapelt..... ®ech8aeljn Mühlen i m Bauwerte von vierzig Millionen wurden in wenigen Monaten in so et xjxb gesetzt— da das Pud Getreide in den teuersten •Seiten nur 80 Kopeken kostete, das Mehl jedoch pro Pud bis 4 Rubel 20 Kopeken stieg, so arbeiteten die Mühlen mit '"lossalem Gewinn. , Das bekannte Zitat des Ouarterly Reviewcr, das Marx in �'"em Hauptwerk anführt, sagt, daß das Kapital Tumult und ' keit fliehe und ängstlicher Natur sei. Aber„mit entsprechendem rofit wird das Kapital kühn. Zehn Prozxnt sicher, und man kann 5 uberall anwenden; zwanzig Prozent, es wird lebhaft; für hundert coicn vieler Tapferer kosteten, hat diese? älteste bekannte Unter- °oot in der Tat einen der feindlichen Riesen vernichten können. � kleine Schiff hatte Zigarrenform, war 11 Meter lang und aus gebaut; eS besaß einen Äommandoturm mit Einsteigeöffnung � eme nur durch Handkraft zu bewegende Propellermaschine, zu � Bedienung 4 bis S Mann erforderlich waren, und die dem M«! Cine?°hrtgeschwindigkeit von 3 bis 4 Meilen geben konnte. ■ �affe diente ein an einer sechs Meter langen Stange be- Lies Torpedo, bat, unter Wasser unter den Schiff-rumpf dez Gegners geschoben und durch einen elektrischen Strom zur Explo- sion gebracht werden sollte. Das Untersinken und Auffteigen ge- schah durch Einlassen und Auspumpen von Wasserballast. Da Sauerstoffapparate zum künstlichen Erzeugen von Luft damals noch unbekannt waren, konnte das Boot natürlich nur kurze Zeit unter Wasser bleiben, solange eben der Vorrat an eingeschlossener Luft reichte. Doch schon bei der ersten Tauchprobe vermochte das Boot nicht wieder an die Oberfläche zu kommen und seine aus 11 Mann bestehende Besatzung erstickte auf dem Meeresgrund. ES wurde gehoben und Leutnant Peyne— sein Name verdient genannt zu werden— übernahm das Kommando und beschloß, die den Hafen von Charleston bewachenden Schiffe der Gegner anzugreifen. Aber bei einer Versuchsfahrt drang infolge der von einem vorüberfahren- den Dampfer erzeugten Wellenbewegung soviel Waffer in den „David", daß er abermals sank; von der Besatzung rettete sich nur der Koulmandant. Wieder wurde das Schiff gehoben und Leutnant Peyne übernahm abermals das Kommando. Diesmal kenterte Las Boot kurz vor einem Angriffe auf die feindliche Flotte; Peyne und zwei Mann vermochten sich zu retten, acht ertranken. Doch der .Wassersarg", wie das Unglücksboot jetzt genannt wurde, ward abermals gehoben und von neuem fanden sich Freiwillige, die mit dem bisherigen Kommandanten und den Konstrukteuren Probe- fahrten unternahmen. Eine Weile ging alles gut, bis der„David" eines Tages nicht zurückkehrte. Nach längerem Suchen fand man ihn im nahen Stone River mit dem Vorderteil in einer Schlamm- bank steckend. Die Bemannung war tot. Zum fünftenmal wurde der„Wassersarg" bemannt und... blieb wiederum auf dem Hafengrund liegen, als er unter dem Kiel eines Schoners hinweg- fahren wollte. Einige Monate vergingen, da zog der„David", um- gebaut und zum sechsten Male neubemannt, zur letzten Heldenfahrt hinaus. Am 17. Februar 1864, an einem windstillen Abend, steuerte das Boot durch die Hafenausfahrt und kam unbemerkt durch die erste Linie der feindlichen Schiffe, tauchte nur 200 Schritt vor dem Flaggschiff„Housatonic" tiefer unter und brachte sein Torpedo zur Entzündung. Eine gewaltige Explosion folgte und der „Housatonic" sank. Während der ausgebrochenen Panik hätte das Unterseeboot unbehelligt entkommen können, wenn eS bei der Ex- plosion nicht selbst in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Denn als man nach Beendigung des Krieges die vor dem Hafen von Charleston liegenden Wracks beseitigte, fand man auf dem Meeres- grund, kaum 100 Schritt von seinem Opfer enffernt, den„David" mit feine? toten.Heldemnannjchaft. sollten wir da nicht dasselhe tust?" Kurde mtr erKtdert. Wirk- lich, es ist nichts beschämender in dieser ernsten Zeit, als diese offene Beutegier de? gesamten Mühlengewerbes." Diese Zuschrift hat dann ihre ausdrückliche Bestätigung gc- funden in Mitteilungen eines anderen Fachmannes, der seit mehreren Jahrzehnten eine der größten Mühlen-Attien-Gescll- schaften vertreten hat. U. a. heißt es in seinem Schreiben an die Redaktion: „Es steht fest, und alle Einwände der Mühlen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß systematisch schon zirka 14 Tage vor Ausbruch des Krieges die Mühlen unter allen möglichen und unmöglichen Manipulationen die auf Grund ihrer damaligen Mehl- und Getreidevorräte ge- tätigten Abschlüsse dem Handel und Konsum v o r e n t« hielten, um den Preis des Mehles im Augenblicke der Mobilmachung in der unverantwortlichsten Weise um zirka 12 00 M. pro Waggon in die Höhe zu setzen und um sich dadurch Millionen zum Nachteile des deutschen Volkes in die Tasche zu schaffen. Es war das für die Herren um so leichter, als sie durch ihre bestehende Syndikats- Verbindung geschlossen vorgehen konnten." Es ist eine eigene Art von Patriotismus, die sich in diesem Verhalten der Mühlenbesitzcr offenbart. Es wird wohl zutreffend sein, daß auch vielfach die kleinen Händler die„günstige" Situation ausnutzen zu können meinten, indem sie mit ihren Preisen unverschämt in die Höhe gingen. Aber bei dem Groll gegen die kleinen Geschäftsleute und die Bäcker soll man nicht die großen kapitalistischen Unternehmungen übersehen, die hinter ihnen stehen und ihnen mit gutem— oder richtiger: schlechtem— Beispiel vorangehen. Deutlich ergibt sich aus dem Verhalten der Mühlen die Pflicht, bei der P r e i S- festfetzung auch die Produzenten neben den Zwischen- Händlern zu berücksichtigen, damit sie nicht auf Kasten der Kleinen und der Konsumenten Wucher treiben können. die Mbeiter unö öer Weltkrieg. AuS einer Rede, die unser dänischer Parteigenosse, der Ahge- ordnte Bouglyerg, am MobilmachungStage in einer BolkSver- sammlung in.Kopenhagen gehalten hat, entnehmen wir— nach dem schwedischen„Socialdemokraten"— die folgenden Stellen: „Niemand kann der internationalen Sozialdemokratie die Schuld andichten, daß sie nicht das äußerste getgn hat zur Vermeidung diese» Krieges, der die Bankerotterklärung des Kapitalismus ist, und die Bestätigung der sozialdemokratischen Kritik an der be- stehenden Gesellschaft und die Erfüllung unserer Voraussagungen über ihre Konseguenzen. Es war ein Unglück, daß der Krieg durch einen Revolverschuß gerade in Bosnien eingeleitet wurde, denn da kam der Krieg aus dem gefährlichsten Winkel, wo dieSozialdemokratie nur geringen Einfluß besitzt. In den anderen Teilen Oester- reich-Ungarnö besitzt die Sozialdemokratie gute Organisationen und eine entwickelte Presse, in diesem Winkel aber nicht. So konnte sie am eigentlichen Ausgangspunkt der Gefahr nicht eingreifen. Die Sozialdemokratie hat schon oft ihren Einfluß zur Vcr- Hinderung der Kriege bewiesen, man denke nur an den F a s ch o d a- konflikt zwischen England und Frankreich. Während de? A g a d i r- Konfliktes zwischen Frankreich und Deutschland konnte der holländische Genosse Troelsta mit Recht aussprechen, daß den Großmächten die Adresse des internationalen sozialistischen Bureaus in Brüssel nicht unbekannt tvar. Zum ersten Male konnten da die französischen Sozialdemokraten gewaltige öffentliche FriedenSver- sammlungen veranstalten, die von ebensolchen sozialistischen Unter- nehmungen in Deutschland, unterstützt wurden. Und unter der norwegisch-schwedischcn U n7 o n s k r i s e hat die Sozialdemokratie beider Länder für die Erhaltung des Frieden? den Ausschlag gegeben. Aber diesmal brachen die Ereignisse in einem sehr wenig ent- wickelten Balkanwinkel auS. Und dann hat sich der Krieg von Land zu Land gewälzt. Aber— dieses lärmende Kriegsgeschrei in den Straßen der Großstadt, das jetzt die Stimme der Vernunft erstickt, wird bald vorüber sein. Jetzt kommt die Zeit der Teuerung, dann werden die Listen der Verwundeten und Toten folgen. Dann kommen die Tage, da die stillen Trauerzüge die lärmenden Massen ablösen werden. Und da wird der Einfluß der Sozialdemokratie von Tag zu Tag Wachsem Und ganz sicher kommt wieder die Zeit, da man sich zu internationaler Beratung versammelt, und da wird es sich zeigen, daß dieser Krieg nicht die Bankerotterklärung des Sozialismus war. Im Gegenteil! Tie internationale Sozialdemokratie hat schon heute einige Stützpunkte für diese EntWickelung. Der alte John BurnS trat aus der englischen Regierung auS und das ist zweifellos ein Beweis, daß sich in England ein starker Unwille gegen den Krieg findet, ein Unwille, der für den Augenblick durch die Kriegshetze schweigen gemacht wurde, der aber sehr leicht bald die öffentliche Meinung beherrschen kann. Und Amerika— daS große vitale Interessen an der Wiederherstellung des Friedens hat— ist, wie ich bestimmt weiß, jeden Augenblick zur Vcr. Mittelung bereit. Ein Anlaß zu dieser kann jeden Augen- blick kommen. Die Niederlagen werden sich einstellen, denn der Gott der Heerscharen kann doch nicht allen Mächten gleichzeitig den Sieg verleihen, um den ihn alle nun anrufen. Seine Priester stellen vielleicht auch allzugroße Forderungen. Und in der Reihe der Neutralitätserklärungen fehlt ja die im Namen GotteS auS» gestellte Erklärung St. Peters, daß er für keinen der Kriegführenden Partei ergreifen wird. Der internationale Sozialismus wird durch diese Katastrophe nicht untergehen— sie bedeutet eher die Götterdämmerung für den Kapitalismus, die schicksalsschwere Erfüllung der sozialdemo- kratischen Voraussagen, die tragische Konse- quenz dafür, daß man unserenWarnungen nicht gehorcht hat. Die alten Skandinavier glaubten, daß auS der großen Götter- dämmerung, durch die Menschen und Götter untergehen, ein G i m l e hervorgehen wird, ein neuer Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit herrscht. Und so glauben und wissen wir, daß aus der Götterdämmerung des Kapitalismus eine neue Welt erstehen wird, eine Welt, in die der Sozialismus Gerechtigkeit und Friede unter Brüdern bringen wird. Dieser Krieg, der entzündet wurde, ist der größte Krieg, den die Welt je gesehen hat. Laßt uns nun alle Kräfte, alle unsere Gedanken, alle unsere Begeisterung, unseren Glauben und unsere Arbeit dafür einsetzen, daß er auch der letzte sein mutz! Letzte Nachrichten. Für das„Rote Kreuz". Köln» 23. August. sW. T. B.) Im Großherzogtmn Luxemburg sind laut Mitteilung in der heutigen Versammlung des Luxemburger Vereins Deutschland l Hauptsitz Köln) für die Zwecke de» Roten Kreuze, 100 000 Mark gestiftet und außerdem 1000 Betten für Lazarettzwecke bereitgestellt worden, vom Polizeikampf gegen dfc Prostitution. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in der jetzigen Zeit alles getan werden muß, um die Verbreitung venerischer Krank. ljeiten besonders unter den Eingezogenen möglichst zu hindern. Da sie einberufenen Wehrpflichtigen meist in Großstädten Quartiere bezichen müssen, erscheint es auch gerechtfertigt, daß hier besondere Maßnahmen ergriffen werden. Unseres Erachtens kann es sich aber dabei in erster Linie nur um Maßregeln handeln, die an sich sanitär wirken. Vor allem dürfen sie nicht zu Belästigungen breiterer Kreise der Bevölkerung führen. Die bisherigen Erlasse des Berliner Polizeipräsidenten entsprechen diesen Forderungen nicht. Der erste Erlaß v. Jagows weist bekanntlich die Polizei- beamten an, auf„verdächtige Frauenspersonen" zu achten und olle weiblichen„Personen, die sich in der Oeffentlichkeit(Straßen, Lokalen usw.) ausfallend und herausfordernd benehmen, unnach- sichtlich ohne Ansehen der Person festzunehmen". Da diese Fest- stellung im Ivesentlichen den unteren Polizeiorganen überlassen bleibt, kann dieser Erlaß sehr leicht zu Mißgriffen schlimmster Art führen. Wir möchten bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß vor mehreren Jahren ein Verbot, bestimmte Straßen in der Abendzeit nicht zu betreten, zur Verhaftung einer Hofdame führte, was erfreulicherweise die Aufhebung des ganzen Verbots zur Folge hatte. Es bleibt ferner zu bedenken, daß die Polizisten wohl auch auf Anzeige von dritter Seite gegen verdächtige Frauen einschreiten werden, und damit wäre der Denunziation boshafter oder zimpcr- licher Personen gegen völlig Unschuldige Tor und Tür geöffnet. Die polizeiliche Anordnung wird dadurch um nichts besser, daß sogar Zivilpersonen mit ihrer Durchführung betraut werden. Denn darauf läuft ein zweiter Erlaß hinaus, der den Lokal. inhäbern die Pflicht auferlegt, unter keinen Umständen Prosti- tuierten den Aufenthalt im Lokal zu gestatten. Tie Furcht, dem Polizeierlaß zuwider zu handeln, wird hier erst recht leicht zu unnötiger Belästigung von Gästen führen. Den Wirten wird es außerdem viel schwerer fallen, wirkliche Prostituierte zu erkennen. als den Polizeibeamten, die berufsmäßig mit der Kontrolle be- trauf sind. Am unangenehmsten mutz schließlich der dritte bekanntgewordene Erlaß des Polizeipräsidenten wirken, der die Entlassung von schlichten Kellnerinnen in den Animierkneipen erzwungen hat. Nach Mitteilungen der bürgerlichen Presse sind davon nicht weniger als 700 derartiger Lokale mit rund 2000 Kellnerinnen betroffen worden. Alle diese Frauen stehen jetzt plötzlich stellungslos auf der Straße. Bei der herrschenden großen Arbeitslosigkeit wird es ihnen sehr schwer fallen, sofort eine neue Beschäftigung zu finden und es ist leicht möglich, daß sie zu einem Teile die Straßen- Prostitution vermehren helfen. Der Erlaß könnte da- durch gerade die entgegengesetzcn Wirkungen hervorrufen, als die er beabsichtigte. Wir glauben nicht, daß sich selbst durch noch so scharfe Matz- regeln in Kriegszeiten erreichen läßt, was man auch in Friedens- zeiten trotz aller Vorschläge und Maßnahmen nicht hat erzielen können. Die Prostitution ist so sehr die Folge unserer ganzen sozialen Verhältnisse, als daß sie plötzlich durch Polizetverordnungen beseitigt werden könnte. Entsprechende Aufklärung unter den Wehrpflichtigen über die Gefahren der Prostitution und über Schutzmittel gegen venerische Ansteckung, ange- mejsene Unterhaltung und ZerstreuungGÜr die Soldaten werden die einzigen Mittel sein können, um den Gefahren' der Prostitütiön in etwas zu begegnen. Andererseits sollten vorbeugende Maß- nahmen getroffen werden, um nicht neue taufende erwerbsloser weiblicher Personen der Prostitution in die Arme zu treiben. Jus Groß-öerlin. /ln öen Pranger! Bor uns liegen eine Reihe von Briefen, in denen Hausbesitzer ablehnen, die Miete zu stunden. Wir veröffentlichen einige der- selben. Der Stadtverordnete Ferdinand Knorr aus Schöneberg, Haupt st r. 36, besitzt u. a. in Reinickendorf ein Haus in der Graf-Haeseler-Str. S. An einen Mieter richtet er das Ersuchen um Metszählung. Ihm wird mitgeteilt, der Mieter ist zur Fahne einberufen. Die Bitte der Frau, ihr Nachlatz zu ge- währen, lehnt er ab und fügt hinzu: Im übrigen möchte ich Ihnen empfehlen, sich an den Ge- meindevorstand in Reinickendorf zu wenden, mit dem Ersuchen, die Miete für Sie zu zahlen. Die Einziehung Ihres ManneS liegt nicht in meinem Interesse, son- dern lediglich im Interesse der Gemeinde und des Staates, folgedessen sie auch für die Zurückgebliebenen einzutreten haben. Ich glaube sicher, daß Sie mit Ihrem Antrage Erfolg haben werden. Ties Schreiben datiert vom 14. August. Am 19. bereits mahnt er an Mietszahlung und teilt mit, daß er keinesfalls Stun- d u n g gewähren werde. Auf das Stundungsgesuch der Frau eines anderen Mieters, der zum Kriege einberufen ist, schreibt er: Bestätige den Empfang Ihres Schreibens vom 13. und teile Ihnen zu meinem Bedauern mit, daß ich Ihnen die Miete, bis Ihr Mann event. zurückkommt, nicht stunden kann. Ich würde Ihnen empfehlen, daß Sie sich an den Gemeindevorstand in Reinickendorf wenden und ihn ersuchen, die Miete für Sie zu zahlen. Es ist bedauerlich, daß der Mann aus der Arbeit ge- nommen worden ist, nicht aber in meinem Interesse, sondern im Interesse des gesamten Vater- l a n d e s. Schon aus diesem Grunde ist die Gemeindevertretung bezw. der Staat verpflichtet, für die Zurückgebliebenen einzutreten. Ich glaube und bin überzeugt, daß Sie mit Ihrem Antrage bei der Gemeindevertretung die nötigen Unterstützungen finden werden. Unter dem 19. mahnt der Wirt, innerhalb drei Tagen zu zahlen, sonst würde er das Gericht in Anspruch nehmen. Ein anderer Hausbesitzer Alexander Herzfeld, Bankgeschäft für Hypotheken und Grundbesitz, Linkstr. 3S, besitzt das Haus Kochhannstr. 38. Ein Mieter hat für die Augustmiete einen Teil gezahlt, ist noch mit einen: Teil im Rückstand und erwartet die Einberufungsorder. � Seit 8 Jahren wohnt er im Hause und hat stets gezahlt. An ihn schreibt der Haus- eigentümer unter dem 21. August: Da Sie sich Arbeit verschaffen können, und das dennoch nicht tun, sehe ich mich genötigt, Ihnen eine Frist zur Zahlung Ihrer Miete bis zum 24. d. M. zu stellen, nach deren fruchtlosen Ablauf ich mich genötigt sehen werde, mit aller Schärfe gegen Sie vorzi: gehen. Mögen die beiden Herren Hausbesitzer klagen. Die Klage gegen die zur mobilen Armee Einberufenen muß unterbrochen wer» den. Ein Exmissionsurteil oder überhaupt ein Urteil darf nicht ergehen. Die Klagen gegen die Frauen dürften ebenfalls zü unter brechen sein, zum mindesten hat in diesem Fall, wie in dem letzt- angeführten, der Richter das Recht— und wird dies Recht wohl als Pflicht auffassen— Zahlungsfrist bis zu drei Monaten zu gewähren und das Exmissionsbegehren abzu- lehnen._ Feldpostbriefe. Zahlreiche im Felde Stehende hatten in ihren Briefen an Ungehörige darüber geklagt und sich beunruhigt, daß sie von ihren Lieben in der Heimat keine Nachrichten erhielten, trotz- dem diese fast täglich geschrieben hatten. Das lag zum Teil daran, daß der Postweg aus der Hciinat durch die Truppenverschiebungen erschwert war, zum anderen auch darair, daß erklärlicherweise die Feldpost sich noch nicht genügend eingearbeitet hatte. Seit einigen Tagen wird die Anslieferung der Briefe an die im Felde Stehenden beschleunigt; alle noch rück stand igen Briefe undKartenwerden nachträglich abgeliefert. Auch ist Vorsorge getroffen worden, daß der Feldpostdicnst, soweit es irgend möglich ist, dauernd verbessert wird._ Untaugliche Mittel für einen guten Zweck. Die Sammlungen für das Rote Kreuz werden mit großem Eifer betrieben. Und einerlei, um welchen Zweck eS sich auch handeln möge: um die Verwundeteitpflege oder um die Unter- stützung notleidender Zurückgebliebener— wer etwas erübrigen kann, gibt fteudig und gern. Je umfassender und zielbewußter diese Sammlungen organisiert werden, desto besser. Natürlich fordern wir Sozialisten vom Staate, daß er in allererster Linie für alle Opfer des Krieges ausreichend sorgt, denn das ist seine erste, selbstverständliche Pflicht. Aber wenn darüber hinaus auch dem Opfersinn des Publikums Gelegenheit zur Betätigung gegeben wird, so ist dagegen auch nicht das geringste einzuwenden. Zumal ja unser staatliches System zur Ausbringung der öffentlichen Laste», wie wir aus unserer Steuer Politik nur zu genau wissen, die Gutsituierten und Leistungsfähigen leineswegs in ausreichender, den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechender Weise hinanzieht. Wenn also jetzt die Besitzenden aus eigenem Antriebe von ihrem Ueberfluß für die Opfer des Krieges spenden wollen, so soll ihnen das sicherlich unbenommen bleiben. Aber auch den Proletariern, die von ihren kärglichen Mitteln noch einen Teil für das Wohl der Allgemeinheit opfern wollen, soll das keineswegs verwehrt werden. Nur sollte man sich hüten, bei den Sammlungen für das Rote Kreuz zu falschen Mitteln zu greifen, denen auf die Dauer nicht nur der Erfolg versagt bleibt, sondern die schließlich Aergernis erregen müssen. So hat man zu der mehr als zweifelhaften Praxis gegriffen, auf den Straßen und namentlich auf der Straßen- bahn Passanten und Publikum mit der Sammelbüchse zu über- fallen. Der aufdringliche Unfug der Blumentage erlebt hier eine verschlechterte Auflage. Bedenkt nzan denn gar nicht, in welch peinliche Situation man dadurch Personen bringt, die aus eigener bitterer Bedürftigkeit die Spende versagen müssen, während die bester fituierten Wagen- genossen, die ohne jede Schmälerung ihres stattlichen Etats ihren Nickel oder auch ihre Silbermiinze in den Spalt der Sammelbüchse schieben, die vermeintlichen Drückeberger noch mit verächtlichem Seitenblick strasen?! Dabei ist es uns schon begegnet, daß auf einer einzigen Tour nicht weniger als sieben Sammler des Roten Kreuzes— meist junge Leute— die Wagcninsasien zu brand- schätzen suchten. In den letzten Tagen haben wir übrigens verschiedentlich erlebt, daß solche Sammler auch nicht einen einzigen Nickel in einem Wogen erhielten, der fast ausschließlich mit sogenanntem„guten," Publikum voll besetzt war. Selbst die Bessersiluierten sind also dieser Art der Beitreibung von Liebesgaben berefts überdrüssig ge- worden. Man verzichte• also lieber auf diese sportmäßige Art deS Sammelns, die ebenso unerquicklich wie unergiebig ist! Ankunft der Verwundeten in Berlin. Verwundetentransporte trafen gestern im Laufe des TageS ein und zwar auf dem Lehrter Bahnhof, dem Ostbahnhof und dem Schlesischen Bahnhof. Es handelt sich um Verwundete von der Ostgrenze. Wagen von KrankentranSportgcschäften. vom Roten Kreuz, vom Verband für erste Hilfe, aber auch eigens zu diesem Zweck hergerichtete Postwagen usw. standen in großer Zahl bereit. Sobald ein Zug einlief, wurden zuerst die Verwundeten, die Bein- Verletzungen und dergleichen hatten, so daß sie selbst nicht mehr gehen konnten, mit Tragbahren in die Wagen gehoben. Die Transporte gingen nach fast allen Krankenhäusern, nach der Cha- rite, der Königlichen Klinik, dem Auguftahospital in der Schorn» Horststraße, dem Landwehrkasino am Zoo usw. In den Kranken- Häusern wurden sofort die Verbände geprüft uns, wo es sich als nötig erwies, sofort erneuert. Neben deutschen Soldaten, die auf dem Schlachtfelde verwundet worden waren, kamen auch russische Verletzte an. Sie wurden nach dem Garnisonlazarett in der Scharnhorsfftraße gebracht. Ihre Bekleidung ließ sehr viel zu wünschen übrig. Ei«e billige Reklame betreibt der Juwelier und Goldfchmiedemeifter PH. Freundlich, Große Frankfurter Str. 127. Die„Berl. Morgenpoft" veröffentlichte vor einigen Tagen folgende von Herrn Fr. stammende Notiz: „Verpflichte mich, an denjenigen Mann, der die zweite Fahne von Rußland, auch demjenigen von Frankreich sowie von England er- obert, 5 9 M. in bar zu zahlen." Mancher Leser wird nicht recht verstehen können, weshalb wir an dem Vergnügen des Herrn Freundlich, Prämien für erbeutete Fahnen auszusetzen, Anstoß nehmen können. Nun, wir würden eine solche geschmacklose Geschäftsretlame mit einigen Bemerkungen abtun, wenn nicht gerade Herr Freundlich es wäre, der sich in patriotisch-generöser Weise zeigte. Es ist nämlich derselbe Herr Freundlich, über den wir in unserer Nummer vom 28. Mai eine Notiz veröffentlichten, worin ein zwischen ihm und seinem Haus- faktotum abgeschlossener Vertrag wiedergegeben war. Nach diesem Vertrag erhielt dieses Faktotum, das Portier, Nachtwächter, Schlosser. Maler, selbst Messingputzer zugleich sein mußte, 50 M. Monatsgehalt nebst freier Wohnung, bestehend aus Stube und Küche im Keller des Gartenhauses. Und zu alledem hatte das .Hausfaktotum noch 50 M. Kaution zu leisten. Wir müssen uns wirklich wundern, daß Herr Freundlich jetzt so seicht sein Geld für erbeutete Fahnen ausgeben will, während er noch vor drei Monaten für 50 M> von einem Manne fast Uebermenfchliches ver. langte._ Unterstützung der notleidenden Rüste«. Wolffs Bureau gibt bekannt: „Zur Behebung der s ch w« r e n N o t I a g e. in der fich zurzeit zahlreiche im Deutschen Reich aufhaltende Russen befinden, sind in den Räumen der Deutschen Bank im Beisein von Vertretern der zuständigen Reichs- und Staatsbe- Hörden zwei aus Deutschen und Russen bestehende Komitees gebildet wordeü. Das eine Komitee soll unter den hier befind» lichen wohlhabenden Russen eine Sammlung veranstalten, das andere aus den zusammengebrachten Mitteln arme Russen unterstützen," Was tut die Gemeinde Adlershof zur Steuerung der Kriegsnot? Während in allen Gemeinden Grotz-Berlins Maßnahmen ge» troffen werden, um die durch den Krieg hervorgerufene Not zu lindern, scheint die Gemeinde Adlershos eine unrühmliche Ausnahme hiervon zu machen. Es wurde zunächst beschlossen, den Angehörigen der Kriegsteilnehmer neben der vom Reich und Kreis gewährten Unterstützung in außerordentlichen Fällen eine solche auch von der Gemeinde zu zahlen. Unsere dortigen Genossen hatten ferner bcan- tragt, die Arbeitslosen ebenfalls zu unterstützen, sie schlugen vor, 3—12 M. wöchentlich zu geben, außerdem für jedes Kind 1 M. extra. Die Kommission hatte diesen Vorschlag einstimmig angenommen und empfahl ihn der Gemeindevertretung zur Annahme. Ein Ver- treter der Haus- und Grundbesitzer, Herr Kruse, erhob gegen den Vorschlag der Kommission Einspruch, obwohl derselbe in der Kam- Mission dafür gestimmt hatte. Er verlangte, daß mit der Arbeits- losenunterstützung eine solche für notleidende Hausbesitzer verbunden sein müsse, ohne letztere würde er auch nicht für die Unterstützung der Arbeitslosen sein. Den Hausbesitzern gehe es in den meisten Fällen schlechter als den Arbeitslosen. Ter Fabrikbesitzer Lutze forderte, daß genau geprüft werde, wer gewerkschaftlich organisiert sei, die von der Gewerkschaft gezahlte Unterstützung müsse unter allen Umständen in Anrechnung gebracht werden Tic Nichtorganisierten seien sonst im Nachteil. Die Stellungnahme dieses Herrn ist zu verstehen, wenn man bedenkt, daß vor nicht allzu langer Zeit bei der Firma Lutze ein Streik ausbrach, weil von den dort beschäftigten Arbeitern der Austritt aus ihrer Organisation verlangt wurde. Unser Redner gab beiden Herren die verdiente Abfuhr. Und da letztere sachlich nichts gegen diese Ausführungen zu erwidern wußten, warfen sie mit Schmutz auf die organisierten Arbeiter und ihre Vertreter. Während der Gemeindevorsteher den bürgerlichen Vertretern ohne Unterbrechung gestattete, unsere Genossen aufs gröblichste zu beleidigen, änderte er seine Taktik, als unser Redner an der Hand von Beispielen nachweisen wollte, daß gerade zahlreiche Unternehmer Wohltätigkeit nur auf Kosten der Arbeiter üben. Wctteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis TicnS- tagmittag: Etwas wärmer, zunächst ziemlich heiter, später wieder sortschrcitcnde Zunahme der Bewölkung, im Osten etwa bis zur Oder hin und längs der Küste an den meisten Orten etwas Regen. Nach langem Leiden verstarb Sonnabend, mittags I2Ubr, mein lieber Mann, der Gastwirt Rudolf Spranger im 63. Lebensjahr. Anna Tvranger geb. tzöppner. Wolliner Str. 64. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittags 4 Uhr von der Leichen- balle der Zionsgemcinde Nordend statt. cAr-luU/ie/r— C�ldui S&fr Xtf Kranzspenden sowie sämtliche* Blumenarrangements iesert jchnell und billig Gross, Lindenstr.69, TeI.MpI.7203 Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Aiuwahl in schwarzer Konfektion; auch elnz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB In 12 Stunden. Aenderungen sofort.* (©. G. m. b. H.) Wir suchen zum baldigen Antritt(möglichst am 1. Oktober 1S14) einen ersahrenen tüchtigen Genoffenschaster, der als Vorstandsmitglied die Stelle des Geschäftsführers der Manufaktur- und Schnittwaren-Abteitung einzunehmen hat. Geeignete Personen wollen ihre Bewerbung mit Angabe ihrer bisherigen Wirlsamkeit und der GehaltSansprüche mit der Aujschrijt:„Bewerbung als VorstandSmiiglied" jpäteitens bis Montag, den 7. Deptember 1914, an den Vorsitzenden de§ AujsichtSrates Herrn Karl Krüger, Leipzig- Kleinzschocher, Bahnhofstr. 18 II, einreichen.* ßuebhandtung Vorwärts UndenstraBe 60. Feldbrief=Mappe 5 vorschriftsmäßig bedruckte Feldpost-Briefumschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feldpost-Karten. Preis 10 Pf. Diese Feldbrief-Mappe ist in allen Vorwärts-Ausgabesfellen zu haben. Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. Neanderstraße 12 f. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche. Ehrlich-Hata-Kuren. Blut- und Harn-Untersuchungen. Institute Potsdamer Str. 1 17 Sprechst; 1. Liits. ,, J/aS-'filO U. abds., Sonnt. 11-1. Für Frauen: 11—1 Uhr. Nachweislich vollkommenstes Heilverfaliren. VorzugL Dauererfolge, auch bei schwersten, yeraltetstenr tUlen. Keine Berufsstörung. Mäßige Preise. Teilzahlung gestattet- Mom iraflanrro im eigenen Interesse 48 Seiten starke i'lall VCridllgC Broschüre gratis und franko per Post i. verschloss. Kuvert, auch i. d. Instituten während d. Sprechst. gratis erhältL Weitere Auskünfte i. d. Sprechstund, kostenlos. Ü/amnnff vor minderwert. Heilverfahren u. ungeheuer- WarDUlig lieber Preisforderung angeblicher Spezialärzte. Ehrlich- Hata- Kur neuester, erfolgreichster Methode.(Siehe Broschüre.) Mikroskop, und chem, Blut- und Harn-Untersuchung. Verantwortlicher Redakt.ur: Alfred Wirlepp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th-Gtockl, Berlin. Druck u. Verlag: Lorwari» Luchdruckerel u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW,