Nr. 237. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Breis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 R., monatl. 1,10 r., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersamminungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte Bort 20 Big.( aulaffig 2 fettgebrudte Worte), jedes writere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen bas erste Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werben. Die Egpebition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffes Sozialdemokrat Berlin. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Moritplas, Mr. 1983. Montag, den 31. August 1914. Expedition: S. 68, Lindenftraße 69. Fernfurecher: Amt Moritplas, Mr. 1984. Das große Ringen mit den Zarenheeren. Vom östlichen Kriegsschauplatz.mlichen zu können. Standort des Oberkommandos, den 28. August 1914. Bei den mehrtägigen Schlachten in der letzten Zeit machten sich die Vorzüge und Nachteile der Ruffen in ihrer Ausrüstung, ihren Leistungen und ihrem Verhalten sehr auffällig bemerkbar. Ihre lehmfarbene Vekleidung einschließlich Mühe deckt noch beffer als die feldgraue Uniform der deutschen Truppen. Ein Verwundeter erzählte mir: ,, Wir kamen ganz dicht an ein Kartoffelfeld heran, kein Russe war zu sehen; plößlich begrüßte uns ein Gewehrfeuer. Die Russen lagen auf dem Boden, mit dem sie verwachsen schienen. Da die russische Infanterie meist vorbeitrifft, richtete sie nicht viel Unheil an. Ein flotter Sturm trieb sie in die Flucht." kurzer Raft und etwaigem Alarm eine sofortige Bereitschaft er- in die Welt sendet, sind mehr als lakonisch und geben für die Beurteilung des Verlaufes der Kämpfe nicht den mindesten An Ich verfehle nicht, bei dieser Gelegenheit allen denjenigen halt. Die letzte Meldung traf Sonntag mittag 1 Uhr ein und patriotisch gesonnenen Bürgern, die in freigebigster und auf- lautet:„ Stimmung hier sehr gut." opferndster Weise unseren Truppen Unterkunft und Verpflegung sagen. Deutsch Eylau, den 27. August 1914. Der Kommandant der Mobilen Etappen- Kommandantur des XVII. Armee- Korps von Knobelsdorff. Etwas redseliger sind die Berichte, die die Wiener und gewährt haben, vollste Anerkennung und wärmsten Dank zu Budapester Kriegsberichterstatter ihren Blättern senden. Diese Schlachtschilderungen sind aber von hier aus nicht zu kontrollieren und bei der bekannten Eigenart eines Teils der Wiener und Budapester Journalistik nur mit Vorsicht aufzunehmen. Einige dieser von Wolffs Telegraphenbureau nicht amtlich In verschiedenen Orten verlassen die Besserfituierten ihre übermittelten Wiener Zeitungsmeldungen seien hier wiederWohnungen, verschließen sie und warten die Entwickelung der Dinge gegeben: aus der Ferne ab. Die ärmeren Leute und kleinen Beamten, die Wien, 30. August. Soweit sich bis gestern mittag über. auf dem Boften bleiben müssen, haben nun auch noch die Lasten der Ginquartierung zu tragen. Zu begrüßen ist, daß die Militärbehörden blicken ließ, ist das große Ringen unserer Armee mit den Hauptanordnen, verlassene Wohnungen zu öffnen und mit Solbaten zu kräften des russischen Heeres noch nicht zur Entscheibung belegen. Hoffentlich trägt die öffentliche Rüge die gewünschten herangereift. Nur die Erfolge der vom General der Kavallerie Früchte. Wilhelm Düwell, Kriegsberichterstatter. Viktor Dankl in der Schlacht bei Krasnit siegreich geführten Armee find bereits einigermaßen zu übersehen. In einer zweiten Schlacht vom 27. August, die durch die helbenmütige Erstürmüng einer stark befestigten Stellung auf den Höhen von Niedrzwicabuza gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgeworfenen russischen räfte und die herangeworfenen und herangeführten Verstärfungen, im ganzen etwa 10 Divisionen von sechs verschiedenen Daß die russische, Schrapnells schleudernde Artillerie beffer zielt als ihre brüderliche Infanterie, davon zeugt die verhältnismäßig große Zahl der Verwundeten auch auf deutscher Seite. Das Menschenmaterial des russischen Heeres ist sehr verschieden. Unlust zum Kampf, wilder Fanatismus, barbarische Brutalität, Tücke und Gemeinheit ist hier durcheinandergemengt. Sehr oft zeigen sich fleine Trupps, an ihren Bajonetten lassen die Kerle weiße Taschen30000 Ruffen gefangen. tücher flattern. Das heißt: Wir geben uns gefangen! Trauen die Deutschen dem Spiel, zeigen sich Offiziere und Mannschaften in Berlin, 30. August. 12 Uhr 41 Min. nachts. freier Stellung bereit, den Feind zu entwaffnen, dann prasselt aus verbedten Maschinengewehren ein mörderischer Sengelregen auf sie Amtlich. Bei den großen Kämpfen, in denen die nieder, reißt klaffende Lücken in ihre Reihen. Solche Niedertracht russische Armee in Ostpreußen bei Tannen- Storps, neuerlich zu schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser brachte den Deutschen schon große Verluste. Dann wieder zeigt sich, daß es bei den Russen viele„ Mußberg, Hohenstein und Ortelsburg ge- sweiten Schlacht einen General, einen Oberst, brei sonstige Stabs. foldaten" gibt, Leute, die in den Deutschen ihre Befreier vom verworfen wurde, sind nach vorläufiger Schäßung perfonen, 40 Offiziere und etwa 2000 Mann gefangen und erbeutete wünschten Zarismus begrüßen. Sie benusen die erste beste Ge- über 30 000 Russen mit vielen hohen legenheit, um sich gefangen zu geben. So machte es z. B. eine ganze Offizieren in Gefangenschaft ge- Tagblattes" im Hauptquartier berichtet, daß die große Schlacht, die Rompagnie( Nr. 11). Die russischen Offiziere wissen, daß sie ihrer raten. Lente nicht sicher find. Hinter jeder Front marschieren Offiziere, die jeden niederstrecken, der Miene macht, Fersengeld zu geben. Unter denen, die sich gefangen geben, befinden sich viele deutschsprechende Elemente. sehr viel Kriegsmaterial. Wien, 29. August. Der Korrespondent des Neuen Wiener gestern am vierten Tage in vollem Gange war, gut steht. Die linken Flügeltruppen rücken gegen Lublin und Zamose langsam, Der Kriegsberichterstatter des Berliner Tage aber sicher vor, stoßen aber immer wieder auf den neuberschanzten von Frontalangriffen sind zeit. blatts" meldete vorher aus dem Hauptquartier, daß bei Gegner, und an Stelle Groß, sehr groß ist die Zahl der Toten und Verwundeten. den großen Kämpfen in Ostpreußen bei Ortelsburg, fanterie- Regiments Nr. 72 gelang ein rascher Frontalangriff, bei raubende Umgehungen. notwendig. Drei Zügen des InAuf dem blutgetränkten Boden lagen Tote und Verichte stellen- ohenstein und Tannenburg, in denen die Russen welchem zwei russische Hauptleute, sechs Subalternoffiziere und weise wie hingemäht.... Ein großer, zuckender, in Schmerzen zurückgeworfen wurden, nach vorläufiger Schätzung über 470 Mann gefangen genommen wurden. Generalstabshauptmann sich windender, stöhnender und röchelnder Fleischklumpen.... Gr 30000 Russen mit vielen hohen Offizieren Roßmann ist mit seinem Flugzeug abgestürzt und getötet worden; schütternde Schmerzenslaute ließen Schwerverwundete beim Transvort vernehmen. Schmerzverzerrte Gefichtszüge, halb gebrochene in Gefangenschaft geratenseien. Die Russen das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht gerade heute eine Aus. Augen flehten um Erbarmen mit unerträglichen Qualen.... Sier richtiger wohl eine große russische Heeresabteilung( vielleicht zeichnung Roßmanns für hervorragend tapferes Verhalten vor stöhnte ein nur noch Einarmiger, dort brüllte vor Schmerzen ein ein Armeekorps) wurden durch deutsche Truppen von drei dem Feind. baumlanger Ruffe; Granatsplitter hatten seine Beine zerschmettert; Seiten umfaßt und in die Sümpfe und Seen Majurens ge- Der Berliner Lokalanzeiger" läßt sich außerdem aus mit durchschossener Brust lagert einer nach Luft schnappend auf worfen. Budapest vom 30. August mittags melden: der Bahre, Todesschweiß perlt auf der Stirn eines anderen, der Das Berliner Tageblatt" gibt dieser Meldung die irrebaliegt mit aufgeriffenem Leib. Halb wahnsinnig vor Schmerzen führende Unterüberschrift Großer Sieg bei Tannen schlacht an der galizisch- polnischen Grenze melden, daß der Ver,, Berichte über den gegenwärtigen Stand der Riesenheult ein kleiner Jude; sein Körper ist, wie in Blut getaucht und burg" und fann dadurch bei in diesen Tagen so überaus lauf der Schlacht günstig ist. Unser linker Flügel steht zwanzig dann durch Staub gewälzt, von einer schmußigen roten Kruste zahlreichen kritiklosen Lesern die Meinung erweden, als Rilometer von Lublin. Der Armeeteil zwischen den Flüssen überzogen. Mehrere Jahre hatte er in Berlin gelebt; ein Befehl bes Zaren rief ihn nach Rußland zurück, fandte ihn als Kämpfer ob es sich um eine neue Schlacht in Ostpreußen handele. Wieprz und Bug, oberhalb Zalose rückt energisch vor und hält gegen Deutschland in das Feld. Berlin ficht er nie wieder.... Diese Schlacht bei Tannenburg" dürfte aber nur ein Teil- die Verbindung mit dem Zentrum aufrecht. Hier im Zentrum, Viele gefangene Ruffen werden abgeführt. Auffällig groß ist fampf der dreitägigen Schlacht sein, die nach der Darstellung wo der Hauptkampf stattfindet, beginnt die Lage sich langsam, bie Zahl der gefangenen Offiziere. Auf deutscher Seite dagegen des Generalstabes in der Gegend von Gilgenburg und Ortels- aber sicher für unsere Waffen günstig zu gestalten. Als ein Destellen die Offiziere einen erheblichen Bruchteil der Gefallenen und burg geschlagen wurde und mit der Zurückdrängung der tail aus dem gewaltigen Ringen wird gemeldet, daß unter an Verwundeten. Bedauerlicherweise scheint ein Teil der Bevölkerung Russen über die Grenze endete. Da in diesen Kämpfen ins derem eine russische Division von drei Seiten umfaßt und in Westpreußens noch nicht begriffen zu haben, was der Krieg bedeutet gesamt( d. H. die deutschen und die russischen Streitkräfte zu einem Nachtgefecht mit großen Verlusten in die Flucht geund wozu er verpflichtet. Kennzeichnend dafür ist die folgende Be- sammengerechnet) mindestens 8 Armeekorps, ohne Kavallerie schlagen wurde. Der linke Flügel des Zentrums nimmt eine Nachdem es unseren braven Truppen gelungen ist, den feind divisionen usw. eingesetzt wurden, ist das Kampffeld natürlich vorzügliche Defensivstellung auf einem 400 Meter hohen Hügellichen Vormarsch auf Deutsch- Eylau aufzuhalten und sogar den ein sehr ausgedehntes gewesen; die dreitägige Schlacht wird Gegner in der Richtung auf die Grenze zurüdzuwerfen, haben verschiedene Phasen gehabt und sich in mehreren Teileinzelne hiesige Geschäftsleute es fertig bekommen, nachrückenden schlachten abgespielt haben. Eine solche Teilschlacht wird der Truppen die Unterkunft zu erschweren. So wurde z. B. den Offi- große Sieg bei Tannenburg" gewesen sein, der mit der Gezieren der Felblazarette 7, 8, 9, im ganzen 30 Offizieren, die feit fangennahme von 30 000 Russen endete. fanntmachung: gelände ein." Wien, 30. August.( W. T. B.) Nicht amtlich. Die Schlachten auf dem russischen Kriegsschauplage dauern mit ungeminderter Heftigkeit fort. Destlich unserer trot mehrfacher fechs Tagen nicht im Bett gelegen, sondern stets biwakiert hatten, Auf jeden Fall können wir uns aber des Sieges freuen, befestigter Stellungen des Feindes unaufhaltsam gegen Lublin bei ihrer Ankunft nach 10 Uhr abends die sofortige Unterbringung den unsere Brüder im Waffenrod über die Zarentruppen er- vordringenden Armee Dankl hatten unsere zwischen Bug in Hotels unmöglich gemacht. Obwohl die Truppe 18 Stunden unterwegs gewesen war, wurde gleich nach ihrer Ankunft von den rungen haben. Mögen ihre Aufopferung und ihr Mut auch und Wieprz vorgeführten Kräfte am 26. August den Angriff Wirten erklärt, daß die Küchen geschloffen seien und nichts mehr fernerhin von Erfolg gekrönt sein; ein Erfolg, der uns nicht auf die aus dem Raume von Cholm entgegengerückte starke rusverabfolgt werden könnte. Dieses Verhalten hat selbstverständ nur von der Invasion des Mosfowitertums befreit, der uns fische Armee begonnen. Hierauf entwickelten sich nach der lich mit vollem Recht auf die Truppe ben übelften Eindruck ge- vielmehr auch nach dem Kriege den Aufstieg zu höherer Schlacht bei Krasnit weitere hartnädige, für unsere angriffs. macht, im besonderen, da sie schon morgens 6 Uhr wieder ab. politischer und sozialer Kultur ermöglicht. rüden mußte, also lange Zeit zu Verhandlungen mit den Wirten nicht vorhanden war. Ganz abgesehen von diesem gans unverständlichen Verhalten einzelner Hotelwirte scheinen diefelben die Kriegsgeseße nicht zu kennen. Ich empfehle daher, fich evtl. in den Bureaus des Magistrats, des Bezirkskommandos oder der Etappen- Kommandantur Kenntnis von denselben zu verschaffen. Vom österreichisch- russischen Kriegsschauplatz. Die Kämpfe zwischen Lemberg und Lublin. In Zukunft werde ich ähnliche Verfehlungen mit den strengsten Strafen ahuden, die Namen der Betreffenden öffentlich bekannt- In mehr als fünftägigem Ringen, teils auf russisch- teils geben und anordney, daß solche Hotels durch die Militärbehörde auf österreichisch- polnischept Boden, stehen die österreichischen auf Kosten der Eigentümer vermaaktet werden, da die Hotels für und ruffischen Armeen. Eine Entscheidung ist hier noch nicht uns zur Unterbringung in erster Linie in Frage kommen, um bei gefallen. Die Nachrichten, die das amtliche Artegspreffequartier freudigen Truppen siegreich verlaufende Kämpfe bei Zamosc, sowie nördlich und östlich von Tomaszow, in welche am 28. August von Belz eine nun gleichfalls auf russischem Boden vordringende Gruppe unserer Streitkräfte erfolgreich eingriff. In diesen Kämpfen wurden ebenso wie in den Schlachten bei Kras nik Tausende von Gefangenen gemacht. In Ost- Galizien behaupten sich unsere Truppen mit her vorragender Bravour und Zähigkeit. Auf dem südlichen Kriegsschauplaze haben in letterer Zeit keine nennenswerten Kämpfe stattgefunden. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hofer, Generalmajor. Westlicher Kriegsschauplatz.| Die Kämpfe im Westen in französischer Darstellung. Am 26. August, 11 Uhr nachts, wurde nach der„ Tägl. Rdsch." in Paris vom Kriegsministerium auf Grund der Berichte des Generals Joffre das folgende Communiqué ausgegeben: Westlich der Maas sind in Uebereinstimmung mit den Befehlen von vorgestern die Truppen, die auf der Deckungslinie in Verteidigungsstellung verbleiben sollen, in der Weise konzentriert worden, daß die französisch- englischen Truppen eine Frontlinie in der Nähe von Givet einnehmen, welches sie unter Kampf erreicht haben, den Feind in Respekt haltend, so daß seine offensive Bewegung vollständig aufgehalten wurde. Deftlich der Maas sind die Truppen zu den Ausgangsstellungen gelangt, indem sie die Ausgänge des großen Ardennenwaldes beherrschen. Auf dem rechten Flügel sind wir fräftig zur Offensive übergegangen und haben den Feind gezwungen, sich zurückzuziehen. Der Generalissimus des Heeres stellte aber die Verfolgung ein, um die Kampffront auf der vorgestern bestimmten Linie Vom österreichisch- serbischen Kriegsschauplatz. schüßfeuer ift inzwischen verstummt. Der Gegner hat sich gegen Westen zurückgezogen. Der kleine Kreuzer will nicht ohne genauere Aufklärung unverrichteter Dinge wieder umkehren. Er will deshalb Fühlung mit dem Feinde gewinnen, um ihn, wenn möglich, zum Kampf zu stellen. Wie stark ist der Feind? Der Nebel verhüllt es. Immer wieder österreichische Anklagen Plöblich ist aus dem Nebel heraus wieder Geſchüßfeuer zu hören gegen Serbien. und gleich darauf stößt Ariadne" auf einen der Unseren, der mit zwei englischen Panzerkreuzern der Lionklasse( Schiffriesen von Wien, 29. August.( W. T. B.) Das Armecoberkommando teilt 27 000 T. Gehalt mit ie acht 34,13 3entimeter- Geschüßen) im Kampfe aus eingelaufenen Meldungen über serbische Grausamkeiten Einzel- liegt. Schnell springt die„ Ariadne" ihrem Genossen bei. Aber heiten mit, wie Beschießung des Sanitätspersonals, der Hilfsplätze schon wird auf sie geschossen. Ein Treffer in den vorderen Kesselund der Verwundetentransporte sowie Ausraubung und Verstümme, raum jetzt die Hälfte der Kessel außer Betrieb, so daß sie lung von Gefallenen. Ferner wurden u. a. zahlreiche Patronen- nur noch 15 Seemeilen laufen kann. Noch eine halbe Stunde dauert magazine gefunden, in denen die Geschosse verkehrt in den Hülsen der ungleiche Kampf. Das Achterschiff ist in Brand ges staken, um als Dumdumgeschosse zu wirken. Mehrfach stellten sich schossen. Die Geschütze auf dem Vorschiff feuern weiter. Der serbische Komitatschis tot oder verwundet und warfen dann gegen Brand gewinnt an Ausdehnung und erstreckt sich auch auf das Vordie nahenden österreichischen Kranfenträger Bomben. schiff. Die vordere Munitionskammer kann noch unter Wasser gesetzt werden, bei der achteren ist das nicht mehr möglich. Der Feind hat inzwischen nach Westen abgedreht. Die tapfere Ariadne" ist dem Untergange geweiht. Die Mannschaft versammelt sich auf dem Vordeck.. das Achterdeck fann nicht mehr betreten werden und bringt drei Hurras auf den Kaiser aus. Der Seekrieg. Aus dem Seegefecht bei Helgoland. Der furze telegraphische Bericht über das Gefecht bei Helgo- Dann erflingt spontan das Flaggenlied und unter dem Sang wiederherzustellen. Die französischen Truppen haben im Angriff land wies bereits darauf hin, mit welcher Energie das deutsche„ Deutschland, Deutschland über alles" wird das Schiff in vollster einen bewundernswerten Mut und Eifer bewiesen; besonders das Torpedo boot„ V. 187" sich bis zum letzten Augenblick gegen Ordnung verlassen. Zwei unserer Schiffe kommen in die Nähe. sechste Armeeforps hat dem Feinde bedeutende Verluste in der eine große Anzahl angreifender Feinde wehrte. Vom Feinde ist nichts mehr zu sehen. Kurze Zeit nur, und die Gegend von Virton zugefügt. Zwei Armeen nahmen eine fom- Der Bericht eines Augenzeugen, der uns von zuber,, Ariadne" verschwindet in den Fluten, wahrscheinlich infolge der binierte offensive Bewegung vor, indem die eine von Grand- lässiger Seite zur Verfügung gestellt wird, gibt ein anschauliches Explosion der hinteren Munitionskammer. Von ihrer tapferen Becouronne de Ranch und die andere südlich von Quné- Bild dieses Einzelgefechtes." V. 187" sah sich infolge des ſehr ſatung sind gefallen der erste Offizier, Korvettenfapitän Frand, der bille vorrückte. Der gestern begonnene Kampf wird in diesem diesigen Wetters ganz unerwartet zuerst von Norden, dann von Schiffsarzt Ritter von Borberger, der Wachtingenieur Helbing und allen Seiten angegriffen. Augenblick fortgesetzt. Das 15. Armeekorps, das im Kampf starf Britische Torpedobootszerstörer und ungefähr 70 Mann. Die Zahl der Verwundeten ist groß. Ihre mitgenommen war, zog sich zurück, aber nachdem es sich wieder herUnterseeboote warfen sich in Masse auf das Boot V. 187", auf und der Gefallenen Namen werden noch durch Verlustliste bekannt gestellt hatte, nahm es wieder teil an der Schlacht und führte in dem dem sich außer dem Kommandanten auch der Flottillenchef befand. Es gegeben. Bezouze- Tal einen glänzenden Gegenangriff aus. Die Haltung der Truppen war ausgezeichnet und bewies, daß wehrte sich unverzagt mit allen Kräften gegen die Uebermacht. Bald Die englischen Schiffe, die nach englischen Berichten erhebliche jedoch wurde es durch zahlreiche Schüsse, die aus naher Entfernung Beschädigungen erlitten, zogen sich wohl zurüd, weil sie ein Heranfie sich nicht länger an die Ueberrumpelung vom 20. August erinner- abgegeben wurden, in seiner Bewegungsfähigkeit immer mehr herab- nahen der größeren Schlachtschiffe und ferner befürchteten, daß das ten. Da der Oberstkommandierende des Heeres alle Truppen an der gedrückt. Es war unmöglich, sich dem Bereich des feindlichen Feuers diesig- neblige Wetter sich bald aufklären und dann die Helgoländer Maas braucht, hat er den Befehl gegeben, allmählich die zu entziehen." V. 187" drehte auf die Feinde zu. Unter einem Bejagung in den Kampf eingreifen würde. Teile des Elsaß zu räumen, die von uns besetzt Hagel von Geschossen verlor das tapfere Torpedoboot die Bewewaren. Mülhausen ist schon geräumt. Da das Ergebnis der gungsfähigkeit dann vollständig. Als letztes Mittel, um das Fahrmilitärischen Operationen zwischen Maubeuge und dem Donon zeug nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen, wurde im das Schicksal von Frankreich und dem Elsaß entscheiden würde, be- Innern des Bootes eine Sprengung vorgenom= ordert der Generalissimus sämtliche Truppen der Nation hierher, darunter auch diejenigen, die sich im Rheintale befinden. Es iſt eine graujame Notwendigkeit, in die das Heer im Elsaß und sein Chef sich schwer genug gefunden haben und vor der sie sich nur beugten aus äußerster Notwendigkeit. Abteilungen derjenigen deutschen Kavallerie, die vorgestern sich in der Nähe men. stand die Besatzung bis zum letzten Augenblick an den noch brauchbaren Geschützen und feuerte auf die feindliche Uevermacht. Dann verschwand es in den Fluten. Der Flottillenchef Korvettenfapitän wallis und der Kapitänleutnant Lechler fanden den Tod. " V. 187" sant nun schnell. Während des Sinkens Deutschland und Japan. Die Art und Weise, wie Japan die Situation ausnußte, um Deutschland den Krieg anzusagen, hat wohl nirgends gen, mit denen die ganze bürgerliche Presse Japan zu er sympathisch berührt. Aber ebensowenig konnten die Lästerun Den Engländern gebührt die vollste Anerkennung dafür, daß sie paner fortan zu meiden„ wie, Ausjäßige", bei dem ruhig Abniedrigen suchte, die Drohungen und Forderungen, alle Javon Zille, Roubair und Tourcoing zeigten, wurden heute leberlebenden aufzufischen. Als sie hiermit noch beschäftigt waren, wenn jetzt im bürgerlichen Lager wenigstens eine Stimme ungeachtet der eigenen Gefahr ihre Beiboote aussetten, um die wägenden Sympathie erwecken. Um so erfreulicher ist es, bei Douai gesichtet. Sie können jest nicht weiter vorgehen, ohne nahten sich deutsche Streitkräfte. Die Engländer mußten sich zu- laut wird, die dieser Japanerheze entgegentritt. Ein guter mit den englischen Linien in Kontakt zu kommen. Trotz der enormen Anstrengung, die die Truppen unter einem dreitägigen Kampfe aus- ben dann die Geretteten burch unsere eigenen Schrameier ist es, der in der„ Deutschen Warte" die rückziehen und ihre Beiboote treiben lassen. Aus diesen wur- Kenner der Japaner, der Geheime Admiralitätsrat Dr. Japaner in Schuß nimmt. Schiffe aufgenommen. halten müssen, ist ihr Mut fortwährend ausgezeichnet; sie verlangen nach dem Kampfe. Ein außerordentliches Beispiel für den Mut der. französischen Truppen war der furchtbare 3 usammenstoß bor- Den Streitkräften auf Vorposten westlich von Helgoland Hilfe gestern zwischen den Algiertruppen und Senegal zu bringen, eilen die weiter zurüchstehenden Schiffe herbei. Auch schüßen und der preußischen Garde. Die afrikanischen der fleine Kreuzer Ariadne" ist in solcher Absicht vorgestoßen. Truppen warfen sich mit unbeschreiblicher Raserei über die Garde, An der Vorpostenkette angekommen, entdeckt er, daß einzelne die in dem blutigen Kampfe Mann gegen Mann ungeheue Verluste unserer leichten Streitkräfte beschossen worden sind. Aber das Geerlitt. Das französische Heer, dessen Stimmung ruhig und sicher ist, wird heute seine phänomenalen Anstrengungen fortsetzen." Diese, aus begreiflichen Gründen sehr optimistisch gehaltene Darstellung fann nichts an der Tatsache ändern, daß der französische Militarismus mit seinem von Jaurès und einer Minorität von Militärtheoretifern bekämpften Offensivprinzip Schiffbruch erlitten hat. Jetzt ist die französische Heeresleitung unter den ungünstigsten Verhältnissen zur Defensive gezwungen. Jedenfalls stehen uns die über das Schicksal Frankreichs entscheidenden Kämpfe im Westen für die nächsten Tage oder Wochen noch bevor. General Joffre nicht mehr Oberstkommandierender? Briefe eines ostpreußischen Flüchtlings. Er erinnert mit Recht an die Jubelhymnen, die man Japan und den Japanern noch wenige Wochen vor dem Ultimatum sang, als es hieß, Japan habe den Russen den Krieg man jetzt dieses Bolf traftiert: erflärt; ihnen stellt er die Fußtritte" gegenüber, mit denen Bom zärtlichen Umschmeicheln zu häßlichster Beschimpfung - ist es nötig, daß immer wieder diese Skala durchlaufen wird? Wälder gesegnet, in denen wir uns, wenn die Lage gar zu brenz lich wurde, verstecken fonnten. Alle Wege und Stege waren mit endlosen Zügen von Land- und Stadtleuten bedeckt, die zu Wagen oder zu Fuß flohen; auch einige Viehherden wurden getrieben. Es war die reine Völkerwanderung, und das Elend und der Jammer Lassen sich nicht beschreiben. Schließlich erreichten wir noch eine Bahn und sind heute gegen Abend in Königsberg angekommen. All unsere Habe ist verloren, aber wir haben wenigstens das Leben gerettet. ... walde, 21. August. Während der letzten vierzehn Tage wurde unsere Klingelrussische Grenze führt, fast ausschließlich von Truppentransporten bahn", die hier aus Masuren in zwei Stunden bis dicht an die Ueber das Auftreten der Kosaken habe ich die verschiedenartig in Anspruch genommen. Auch rings um meinen Gutshof lag viel sten Gerüchte und Ansichten gehört. Sie sollen, im Gegensatz zu den Militär, das wie in Friedenszeiten fleißig gelddienst übte und regulären russischen Truppen, ein für allemal die dienstliche Er dann vor einigen Tagen plötzlich verschwand. Leider sind mir bei laubnis zum Plündern und Brennen erhalten haben. Als Vorwand der Mobilmachung fast alle Arbeiter und Pferde genommen wor- diente dann immer die Beschuldigung, es wäre aus dem betreffenden. Die Ernte ist zwar eingebracht, aber ich kann so gut wie den Gehöft geschossen worden. Die herrschaftlichen" Landhäuser nichts dreschen, und an eine Saatbestellung ist nicht zu denken, lassen sie meistens stehen, weil sie darin allerhand Schäße vermuten Kopenhagen, 29. August.( W. T. B.) Pariser Blätterwenn wir nicht Hilfskräfte aus der Stadt bekommen. Gestern und weil die Gebäude von den russischen Offizieren eventuell als und vorgestern hat zwischen Gumbinnen und Angerburg eine Quartier benutzt werden sollen. Damit erklärt sich auch die Schomeldungen, die über Rom kommen, besagen, General Schlacht stattgefunden, deren Geschützdonner hier deutlich zu ver- nung meines Gutshofes. Weshalb sie aber unsere Vichherden ver Joffre habe seinen Abschied als Oberstkommandieren- nehmen war. Die Russen haben Dresche bekommen und die Unse- brennen, die ihren Truppen doch als Nahrung dienen fönnten, ist der verlangt und als Grund das schlechte 3urigen haben etwa 8000 Gefangene gemacht. Jedenfalls scheint es schlechterdings rätselhaft. Ueberhaupt erscheint mir die Psychologie sammenarbeiten unter den Generälen an- jezt so, als ob wir vor den Kosaken verschont bleiben dürften. des Kosaken immer mehr als ein Buch mit sieben Siegeln. Eine gegeben. Besizersfrau, deren Mann im Felde steht und deren Gut unmittel bar an die russische Grenze stößt, erzählt z. B. folgendes:„ Gleich nach der Mobilmachung erschien plötzlich eine Kosafenpatrouille auf nahm alle meine Kourage zusammen, trat den Kerls energisch entgegen und befahl auf Russisch, augenblicklich das Feuer zu löschen; sie könnten sich dann in der Küche melden und jeder würde eine Die Schlacht bei Gumbinnen hatte mit einem unzweifelhaften Tasse Kaffee bekommen. Das imponierte ihnen, sie löschten tats Sieg für uns geendet. Trotzdem mußten die deutschen Truppen sächlich das Feuer, tranken ihren Kaffee und entfernten sich unter zurückgezogen werden, weil sie sich gegen die vom Süden an- devoten Danksagungen. Als aber der Besitzer eines Nachbargutes rückende russische Uebermacht nicht länger hätten halten fönnen. es ebenso zu machen versuchte wie ich, wurde er schlankweg über Das habe ich aber erst hier in Königsberg erfahren. Heute früh den Haufen geschossen!" morgens saß ich noch nichtsahnend zu Hause an meinem SchreibSchwere Anklagen gegen Franzosen Engländer. Königsberg, 22. August. Nun size ich hier in Königsberg. Das Leben ist gerettet, sonst aber nichts. Mein Hof, bis auf das Wohnhaus, liegt in Asche. und Gs fam alles jo plößlich und unerwartet, daß mir die Erlebnije unserem Hof und ging jofort baran, eine Scheune anzuzünden. Ich des heutigen Tages noch wie ein Traum erscheinen. Ich muß mich immer wieder erst davon überzeugen, daß dies alles furchtbare Wirklichkeit ift. Königsberg, 26. Auguft. Berlin, 30. Auguft.( W. T. B.) In Longwy ist eine maschinelle Einrichtung vorgefunden worden, die dazu gedient hat, die Gewehr- und Karabinergeschosse oben abznplatten und mit einer von der Spitze ausgehenden trichterförmigen Ausbohrung zu versehen. In den Taschen französischer und englischer Soldaten hat man bereits zahlreiche Dum- Dum- Ge- tisch, um eine Eingabe an den Landrat fertig zu machen, als vor Heute besuchte ich mehrere Bekannte, die in der Schlacht bei schosse, das heißt Hohl- oder Bleispißengeschosse gefunden. dem Fenster plötzlich der Kopf eines Kosakenoffiziers erscheint. Gumbinnen verwundet worden sind. Alle waren voll Ingrimm und Durch die Entfernung eines Teiles der aus Hartmetall be- Aus diesem Hause ist geschossen vorden!" ruft er auf Deutsch. Empörung über die russische Kriegführung, die allen Satzungen des stehenden Geschoßmantelspite tritt beim Aufschlagen der daß weder von mir noch von meinen Leuten ein Schuß abgegeben Gumbinner Schlacht einen Patrouillenritt in Littauen, dicht an der Ich nötige ihn ins Wohnzimmer und gebe ihm die Versicherung, Völkerrechts widerspricht. Ein Dragoner, der einige Tage vor der weichere Geschoßkern nach vorn herans, schlägt sich breit und worden sei und daß wir von der Anwesenheit der Russen überhaupt russischen Grenze, gemacht hatte, erzählte von den entsetzlichen Vers verursacht besonders grausame und mit unnötigen Leiden ver- nichts gewußt hätten. Er scheint sich dabei zu beruhigen, und ich wüstungen, die die Kojaken dort angerichtet haben. Ich fand mich, bundene Verwundungen. Deutschland sieht sich genötigt, mit frage ihn, ob ich ihm eine Flasche Wein vorseßen dürfe. Wir fagte er, in meiner Heimat schließlich nicht mehr zurecht; kein Sof den allerschärfsten Maßregeln vorzugehen, wenn diese durch verboten." antwortet er, aber für ein Glas Tee wäre ich Ihnen von erschlagenen Männern, Frauen und Kindern lagen an den nehmen während des Feldzugs keinen Tropfen Alkohol, es ist streng und kein Haus stand mehr, alles war niedergebrannt, und Leichen das Völkerrecht( vergl. insbesondere Artikel 23 Absatz 1e der dankbar." Ich lasse ihm Tee und ein Frühstück servieren, wir Wegen." Er zeigte mir dann eine Nagaifa", die er einem getöteten Hanger Landkriegsordnung) verbotenen Geschosse von unseren unterhalten uns ganz gemütlich miteinander. Als er aber fertia Kosaken abgenommen hatte. Das Mordinstrument besteht aus einem Feinden noch weiter verwendet werden sollten. ist, erklärt er mir mit der gleichgültigsten Miene:" Nun muß ich furzen Stiel, an dem ein Bündel Lederriemen von etwa 30 Zentis meine Pflicht tun und den Hof anzünden lassen, denn es ist aus mefer Länge befestigt ist. In einige der Riemen sind Bleifugeln Ihrem Hause auf meine Truppe geschossen worden." Meine Be- eingefnüpft. So sieht die offizielle Peitsche aus, die zur militäris Vom Fiasko der Revanche- Idee. teuerungen helfen nichts, er gestattet mir nur, meine Leute und schen Ausrüstung der Kosafen gehört. Daneben führen die Kerle mich in Sicherheit zu bringen, und er verspricht worum ich aber auch besondere, sozusagen inoffizielle Nagaifen bei sich, die Straßburg i. E., 30. August.( W. T. B.) Aus Mülhausen ihn nicht gebeten hatte, mein Wohnhaus zu verschonen. Die sie in der Brusttasche versteckt halten, und die an ihrem Stiel nicht bom 28. d. M. wird der Straßburger Neuen Zeitung" berichtet: unglückliche Vichherde, die sich auf der Weide befand, wurde darauf ein Bündel Riemen, sondern nur einen einzigen, aber aus Draht Ueber den zurückgeschlagenen Borstoß der Franzosen auf das Elsaß von den Kosaken in den Stall getrieben, die Tür fest verschlossen geflochtenen Strang mit einem Bleifnopf am Ende haben. Die wird nachträglich noch bekannt, daß die Franzosen, die Mülhausen und dann an alle Gebäude Feuer angelegt. Inzwischen hatte ich Wirkung dieser furchtbaren Waffe ist der eines Schrotschusses ähn achtzehn Stunden besetzt hielten, eine große Wagenladung fran- meine Leute und mich auf Leiterwagen gesetzt, und nun ging es lich. Das ist das Handwertszeug, mit dem Väterchens Heldenschat zösischer Gesetzbücher mitgebracht hatten sowie eine weitere Bagage fort, so schnell wie die alten Ackergäule laufen konnten. Schwarze die wehrlosen ostpreußischen Grenzbewohner bearbeitete, die sich mit französischen Schulbüchern und Atlanten; in diesen war Elsaß- Rauchwolfen und das klägliche Gebrüll meines Viches waren der nicht mehr flüchten konnten! Lothringen als Teil der französischen Republik eingedruckt. Im letzte Gruß der untergehenden Heimat.. Berlin, 29. August, vormittags. Rathaus zu Mülhausen mar bereits ein französisches Aushebungs- Wir versuchten die nächste Bahnstation zu erreichen; hier ging Nach vierzigstündiger Fahrt bin ich heute mit meinen Beuten bureau eingerichtet und die französischen Wappen waren an den aber kein Zug mehr, und so mußten wir weiter. Ueberall tauchten hier eingetroffen. Wir turften nicht länger in Königsberg bleiben. Rassenschränten angebracht. schon Kosakentrupps auf, und ich habe unsere dichten ostpreußischen Was aus uns werden wird, weiß ich noch nicht. Die Konfessionslosen und der Krieg. Ist es eines großen Volfes würdig, Sas, von einer Maschinengewehren aus. In der Hoffnung, dadurch erstklassiges Welt von Feinden umgeben, auf seine Stärke troßt und nur Gott fürchtet? Die Ausdrücke, mit denen man Japaner glaubte beTegen zu können, lassen sich schwer wiedergeben; man forderte außerdem, man solle sie niemals wieder in unserem Lande zu Tassen, nachdem wir es doch gewesen sind, die sie gerufen haben. Als ob nicht eine innere Notwendigkeit für den Deutschen wäre, andere Völker und Länder an seinen geistigen Fortschritten, an den Segnungen seiner Zivilisation, seinen Erfindungen und Werten teilnehmen zu lassen, sie in den Bereich seines bielgestaltigen Handels zu ziehen, der Lehr= Die Zusammensetzung der Fliegerformationen im französischen meister der Welt zu werden in kultur und Sitte! Heere gestaltet sich folgendermaßen: je zwei bis drei Gruppen von Der Gedanke ist doch unfaßlich, daß wir jemals uns hermetisch| Flugzeuggeschwadern bilden mit einer oder mehreren Arbeiterabschließen, wie durch eine chinesische Mauer, und ersticken an sektionen ein Fliegerregiment. Im Anfang des Krieges besaß unserer eigenen Fülle.... Frankreich zwei Fliegerregimenter von je 34 Zügen. Um genügend Offiziere hierfür zu bekommen, wird diesen die im Dienste des Luftfahrwesens verbrachte Zeit als ein Kommando in besonderer Stellung angerechnet. Material zu bekommen, gestaltete man die Bedingungen für Angriffsflugzeuge sehr scharf. Der armierte und mit drei Millimeter= Spezialstahlblech gepanzerte Flugapparat soll mit Führer, Mitfahrer, Brennstoff und Munition mindestens eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde erzielen, dabei in sieben Minuten eine Höhe von fünfhundert Metern erreichen können und auf einem stätten sah sich der Vorsitzende der freireligiösen Gemeinte Berlins, zwei Meter hoch eingezäunten Platz von einem halben Kilometer Genosse Adolf Hoffmann, veranlaßt, an das Kriegsminis Länge aufzusteigen und zu landen vermögen. sterium folgendes Schreiben zu richten: Und lag denn wirklich ein Treubruch auf seiten Japans bor? Da wird mit einem Anerkennungsschreiben gehöfert, das ein verdienter Militärinstrukteur, dem die jetzige Generation in Japan sehr viel verdankt, von seinen Schülern erhalten hat. Man bedenkt nicht, daß die Ausstellung eines guten Führungszeugnisses zu den einfachsten Formen guter Lebensart gehört. Alle Kultur beruht letzten Endes auf einem gegenseitigen Durchdringen der Völker und Absorbieren des Besten, was Fremde bieten können. Ist Japan uns verpflichtet, so haben wir auch von ihm manche Anregungen erhalten man braucht nur auf das Gebiet des Kunstgewerbes hinzuweisen. Dankbarkeit für erhaltene Wohltaten ist die Tugend des Privatmannes; mit der Politik der Völker hat sie an und für sich nichts zu tun.... Japan glaubt seiner Bündnispflicht gegen England nachzukommen, indem es sich an dem Kesseltreiben gegen Deutschland und dem von England inszenierten Beutezug beteiligt.... Keineswegs aber liegt zu einer personlichen Berunglimpfung Japans und der Japaner, abgesehen natürlich von der durch England diftierten Form des Bruches, Veranlassung vor. In allen Kriegen der Neuzeit hat Japan sich als Kulturbolf erwiesen; Kriegsgreuel, wie unsere europäischen Gegner, Belgier, Franzosen und Russen, sie heraufbeschwören, haben ihm bisher ferngelegen. Auch Feinde, so ungleich auch in diesem Fall die Kräfte sind, können sich in ihrer Eigenart tennen, vielleicht besser würdigen lernen als vorher. Politische Uebersicht. Militärische Stellvertreter. Mit der Stellvertretung des Kriegsministers ist Generalmajor Wild von Hohenborn beauftragt worden, der bisher Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements war. Stellvertretender Chef des Generalstabs der Armee ist der General der Infanterie Freiherr Kurt von Manteuffel, bisher Direktor der Kriegsafademie. Stellvertretender Kommandierender General des Gardeforps ist der General der Infanterie und Generaladjutant Alfred von Loewenfeld. Maßnahmen gegen die Kriegsnot. Die Hamburger Bürgerschaft stimmte mit großer Mehrheit den sozialdemokratischen Anträgen zu, die den Senat ersuchen, auf größere Beschleunigung in der Ausführung von Anordnungen hinzuwirken, die sich beziehen auf Jnangriffnahme und Wiederaufnahme von Staatsarbeiten und Lieferun= gen, die nach Möglichkeit an hamburgische Unternehmer zu vergeben sind mit der Verpflichtung, in erster Linie hamburgische Arüblichen tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erfüllen. Kriegsvorbereitungen in Griechenland? beiter zu beschäftigen und unter allen Umständen die gewerbsKonstantinopel, 29. August.( W. T. B.) Das griechische Ferner soll Ehefrauen der zum Heeresdienste Ein= Generalkonsulat ließ eine Verordnung des griechischen Kriegsberufenen im Falle der Bedürftigkeit ein Zuschlag zu den im ministers anschlagen, der zufolge sich die Reservisten und Reichsgesetz festgesetzten Mindestbeiträgen von mindestens Landsturmmänner aller Waffen im Falle der Mobilmachung 200 Prozent und für die unterhaltungspflichtigen bei ihren Truppenteilen zu stellen haben. Angehörigen von 100 Prozent gewährt werden. Die französische Luftflotte. Während vor einigen Jahren die Franzosen noch einige AnJm Bundesrat soll der Senat dahin wirken, daß bis auf weiteres den Spiritusbrennereien die Herstellung von Trinkbranntwein verboten werde. Die Papstwahl. Rom, 30. Auguft.( W. T. B.). Nicht amtlich. Nach der Triverummet, Auf Grund eines Vorfalles in den Spandauer StaatsmertAn das Königl. Preuß. Kriegsministerium zu Händen des Herrn Kriegsministers. Auf Aufforderung der Spandauer Staatsiverkstätten nach Arbeitskräften meldete sich unter anderen ein Arbeiter aus der Fichtestraße, welcher, nachdem er ärztlich untersucht und tauglich befunden wurde, den Bescheid erhielt, er könne sich als eingestellt betrachten und solle sich am nächsten Morgen einfinden. Am nächsten Morgen wurde er nach dreistündigem Warten gefragt, welcher Religion er angehöre. Auf seine wahrheitsgemäße Antwort, daß er konfessionslos sei, wurde ihm von dem Einstellungsbeamten erwidert, daß im Be= triebe der Staatswerfstätten Konfessionsloje nicht geduldet werden könnten, da Menschen, die an nichts glauben, zu allem fähig wären." Er stelle ihm anheim, sich nachtaufen zu lassen.( Was nicht nur ein Verstoß gegen die Religion und Gewissensfreiheit, sondern eine Verleitung zur Heuchelei wäre.) Da nun von meinen Söhnen bisher drei in den Krieg ziehen, die sämtlich konfessionslos sind, ohne daß darin der geringste Anstoß genommen wurde, und da ferner in Deutschland mindestens 325 000 onfessionslose sind, von denen ein großer Teil bereits im Felde steht, so fann es sich nach meiner Auffassung bei dieser Aeußerung nur um eine Entgleisung und persönliche Ansicht des betreffenden Beamten handeln, die im striften Widerspruch mit der von höchster Stelle gefallenen Aeußerung, daß es icht feine fon= fessionellen Unterschiede, feine Parteien gebe", stände. Bemerken will ich noch, daß es allgemein anerkannte Tatsache ist, daß die Konfessionslosen nicht zu den Unintelligenten gehören, daher dem Lande durch das Vorgehen des Beamten jogar ein Schaden erwachsen kann. Vor allen Dingen muß aber das Vorgehen des betreffenden Beamten als eine Beleidigung aller Konfessionslosen, ganz besonders aber derjenigen, die bei der Fahne ihre Schuldig= feit tun, aufgefaßt werden; denn könnte man solchen Leuten, wie der Beamte sagte, alles zutrauen", so dürfte man die= selben noch viel weniger im Heere einstellen, als in den Staatss werfstätten. Indem ich um eine gefl. Rüdäußerung als Vater von dreien im Felde stehenden Söhnen und Vorsitzender der zirka( mit Fas milie) 12 000 Mitglieder starken konfessionslosen Berliner Freireligiösen Gemeinde. 11mt Reftifizierung des des betreffenden Beamten bitte, zeichne ich hochachtungsvoll Adolf Hoffmann Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses Berlin O., Blumenstr. 22 I. Dem Genossen Hoffmann ist darauf vom Kriegsministerium frengungen mater, ließen sie das Feuer ihrer aeronautiſchen Begeisterung bald ber- jammelt; zwei nordamerikanische, Gibbons und O'Connel, werden folgendes Schreiben zugegangen: Ausländische, darunter zwei Deutsche, drei Desterreicher, zwei Ungarn, sechs Franzosen und zwei Engländer. Das Konflave wird morgen nachmittag um 5 Uhr beginnen. Berlin, am 29. August 1914. Herrn Adolf Hoffmann. Auf das Schreiben vom 6. 8. 14. Die Zurüdweisung eines fonfessionslosen Arbeitsuchenden in einem Betriebe der Heeresverwaltung in Spandau ist, wie die angestellten Erhebungen ergeben haben, auf das von dem Leiter des Betriebes nicht gebilligte Vorgehen eines Angestellten. in untergeordneter Stellung zurückzuführen. fliegen, Am Anfang dieses Krieges standen, wie die Internatio- am 2. oder 3. September erwartet. Von den 60 voraussichtlich an nale Revue über die gesamten Armeen und Flotten" schreibt, dem der Papstwahl teilnehmenden Kardinälen sind 32 Italiener und 28 französischen Heere vier kriegsbrauchbare Lenkballons zur Verfügung, deren jeder aber nicht mehr als achttausend Kubikmeter faßte. Die Standorte dieser vier Luftschiffe sind Toul, Verdun und viel= Belfort. Im letzten Augenblick beeilte man sich, noch drei Nach dem„ Giornale d'Italia" wurden heute vormittag in einer. Teicht sind es auch vier- Luftschiffe mit einem Inhalt von 22 000 furzen Zusamenkunft der Kardinale die letzten Vereinbarung: n Rubikmeter fertigzustellen, von denen drei je vier Motoren besitzen, über das Konklave getroffen. Heute nachmittag leisteten die an während das vierte über nur drei Motoren verfügt. Besonders wesenden Whitglieder des Kontlaves und das Personal, das mit haftig arbeitete die französische Seetesverwaltung in letter Zeit ihnen eingeschloffen werden wird, über zweihundert Personen, den am Ausbau ihre Flugzeugflotte. Namentlich der Angriff von Flug- Eid. Nach demselben Blatte sollen jeden vormittag und jeden abendr zeuggeschwadern auf Luftschiffe war der Gegenstand häufiger zwei Abstimmungen stattfinden, so daß die Dauer des Konflave Uebungen. Zu Angriffsziveden baute man einige Doppeldecker sehr verkürzt werden wird und nicht unwahrscheinlich ist, daß man ringschäzung der Konfessionslosen nicht allein für diese Kriegszeit, mit zwei Motoren von je hundert Pferdestärken und rüstete sie mit am Mittwoch den neuen Papst haben wird. Der Zar hat eine schlimme Nacht. Aufrecht im Bett fist er und spricht mit Stöhnen: „ Ich hab's getan, weil man mich dazu zwang. Nun ist es da, und die Kanonen dröhnen. Wie wird es enden? Dauern, ach, wie lang? Und nichts um mich als hundert feile Schranzen, Und starre Horden meines eignen Stamms Was bin ich ihnen? Schmuckstück nur vom Ganzen? Nur Name, Puppe, Trommel des Tamtams!" Der Zar keucht schwer: Ich rief mit großen Worten Don Peterhof bis fernhin zum Ural! Was aber drängt sich aus den dunklen Pforten Der Kerker endlos, fürchterlich und fahl?" Die Juden nahen- Deiner Opfer Schemen In toten Augen noch des Lebens Qual, Pogromgeheht von Baku bis zum Njemen, Und füllen stumm des Jarenschlosses Saal. Und sie auch kommen, die in wildem Hassen Aufstanden für der Freiheit höchstes Gut, Die für den Geist und für die Not der Massen Verspritzt in Strömen ihr Märtyrerblut, Die stets aufs neu den frechsten der Gewalten, Genannt von Dir der Russen„ Recht" und„ Staat", Die Stirn entgegen und das Herz gehalten Der Russen- Erde mitleidswerte Saat! Und mehr und mehr! Die lang gequälten Finnen! Die leidgeprüften Polen auch, o Zar!! Und von des Kaukasus bekrönten Zinnen Der nie gezähmten Bergesvölker Schar! Von Geisterstimmen scheint die Nacht zerrissen Es keucht der Jar, zerbrannt das Hirn, wie toll Und sinkt mit einem Schrei in weiche kissen: „ Das ist das Heer, mit dem ich siegen soll!" B Ruhige Fragen. Daffan. Rein Zweifel, daß das deutsche Volf, in allen feinen Schichten, ber schweren Zeit eine Opferwilligkeit ohne gleichen entgegenbringt. Das Kriegsministerium hält es für selbstverständlich, daß die Arbeiter bei ihrer Einstellung nicht nach der Konfession ge= fragt werden und hat Vorkehrungen getroffen, daß sich derantige Fragen nicht wiederholen, Im Auftrage. I 11.my. Wir hoffen, daß dadurch die durch nichts gerechtfertigte Gesondern für alle Zukunft endgültig zu Grabe getragen worden ist. Die Spenden für das Rote Kreuz und die Fürsorge jeder Art die Leute einen ganz energischen Brief schreiben. Sie müssen Dir müssen sich allmählich auf viele Hunderte von Millionen belaufen. das Geld zurückschicken." Wäre es nicht angezeigt, eine allgemeine übersichtliche Rechnungs-" Das werden sie schon nicht machen, die Leute. Und kein Wort darlegung über diese Gelder in die Wege zu leiten? Und wäre mehr darüber. Uns machen die zwanzig Mark nicht ärmer, der es nicht noch viel mehr angezeigt, die Auskunft über die zuständigen Notleidenden aber gibt es jetzt Tausende und abermals Tausende. Stellen, von denen aus die Hilfe nun wirklich den Bedürftigen zu- Anna soll das Eisen auftragen." fließen soll, einheitlich zusammenzufassen und flar und deutlich Ja. Jeden Tag flingelt cin Bettler. Alle erzählen sie das der Bevölkerung befanntzugeben? Vorläufig herrscht selbe. Keine Arbeit, Frau, Kinder. Und die Anna, dieses dimme über diese Dinge im Volfe durchaus Verwirrung Mensch, gibt auch jedem eine Etulle. Aber morgen werde ich öffnen, und Ungewißheit! wenn's flingelt. Einen Topf voll Wasser kann jeder ins Gesicht friegen. Und Grobheiten, so viel er mur haben will. Zwanzig Und ich wollte doch Ist es ferner in dieser Zeit angebracht, daß die Tägliche Mart, und nur unter deinem Namen allein. Rundschau" einen langen Feldzugbrief von einem Leutnant ver- schon immer meinen Namen in der Zeitung gedruckt jehu. Aber öffentlicht, der auch jetzt noch, der schönen Friedensgewohnheit des nicht einmal das Kasernenhofes zufolge, unsere Soldaten, die ihn aufopfernd aus den Schlachtlinien führen, burchweg als„ er I 8" bezeidmet? So Waldverwüstungen in in der Abendnummer der„ Täglichen Rundschau" vom 26. August. Der Kaiser sprach im Hauptquartier nur von„ Kameraden". Aber freilich ein Leutnant. * Und sollte der Krieg nicht es gibt ja doch keine Parteien nicht die Kreuzzeitung" veranlassen, die Angehörigen der Arbeiter partei einmal nicht als„ Genossen" in Anführungshäfchen zu vermelden? Immerhin gönnt ihr diesen ewigen Scherz. Und ob die„ Genossen" auf den östlichen oder westlichen Kriegsschaupläßen mit oder ohne Gänsefüßchen für ihr Vaterland sterben, wird ihnen füglich schnuppe sein.... Nicht einmal das. , Guten Abend, Elise." " Nun Du dankit ja gar nicht. Sieh mich doch an hat sich vielleicht etwas Schlimmes ereignet. Hast Du Aerger mit dem Mädchen gehabt?" „ Laß mich." " Wie blaß Du nur bist. Rede. Was ist geschebn? Es ist doch nicht etwa eine schlimme Nachricht eingetroffen. Oder doch?" „ Nein. Aber ein Unmensch bist Du, ein großer. Und ein Proß. Frau Rawitsch itch hat mir am Nachmittag Deinen Namen gezeigt in ihrer Zeitung." " Frau Rawitsch? Wer ist das?" " Das ist die Frau, die über uns wohnt. In der Spendenliste steht Dein Name. Ganz deutlich. Friedrich August Stripp. Zwanzig Mart. Gott, o Gott, daß ich das erleben mußte." „ Und darum diese Niedergeschlagenheit?" " Also ist es doch wahr, daß Du mich betrogen hast." Betrogen habe ich Dich?" " Jawohl. Um diese zwanzig Mark hast Du mich betrogen. Ich habe kein ganzes Kleid mehr im Schrank, Du aber wirfst zwanzig Mart zum Fenster hinaus." Unsinn. Wie fannst Du nur so reden. Ich habe das Geld zur Linderung der allgemeinen Not gespendet. Die ist doch so groß." Und ich muß mich wohl gar nicht einschränken. Und ein neues Kostüm für den Herbst brauche ich auch nicht? Nein?" Wir sind noch alle Tage satt geworden. Und Kleider hast Du gerade genug. Ja, Kleider. Alles alte Lumpen. Ich schäme mich schon, über die Straße zu geh'n. Daß Du es auch weißt. Aber ich werde an Rußland. Das größte Waldgebiet der Welt, das sogar die riesigen Urwälder Amerikas an Größe übertrifft, befindet sich innerhalb der russischen Grenzpfähle. leber 440 Millionen Desjatinen russischen Bodens sind mit Wald bestanden, von dem 350 Millionen Desjatinen Staatseigentum sind. Mit diesem natürlichen Reichtum wird jedoch, so berichtet die Holzwelt", in den Riesenwaldungen Forst- und Baumfrevel im größten Umfang ge trieben. Russische Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit tun nicht das geringste, um die Natur, die hier im Laufe der Jahrhunderte einen enormen Volksreichtum angesammelt hat, zu unterstützen und um diesen Reichtum für alle Zeiten Zinsen tragen zu lassen. Die Forstwirtschaft liegt liegt völlig völlig danieder; die weitausgedehnten Waldbrände der letzten Jahre haben ein übriges ge tan, den Holzbestand zu vernichten. Diese Waldbrände, die in diesem Jahre einen besonders großen Umfang angenommen haben, sind in einigen Waldgebieten direkt zum Volfsunglück ges worden und haben die Bevölkerung ganzer Ortschaften ruiniert. Dennoch tut, wie furz vor dem Ausbruch des Krieges aus Rußland berichtet wurde, die Forstverwaltung nichts, das Unglück zu befämpfen. Planlos und meist viel zu spät geht man en die Löscharbeiten, zu denen die Bauern herangezogen werden, die ihre Ernte auf dem Felde deswegen verkommen lassen müssen. Deshalb geben die Bauern auch nie oder zu spät Nachricht von Waldbränden. Erst wenn meilenweite verbrannte Flächen die Verheerungen des Feuers ankündigen, rückt allmählich die Regierung zur Bekämpfung des Waldbrandes vor. Vorbeugungsmaßregeln fennt man in Rußland nicht. Die Maßnahmen, die sich gegen das Feuer richten, bestehen regelmäßig darin, daß sämtliche in Frage kommenden Behörden den Brandherd befichtigen, hinterher gut frühstücken und wieder abfahren. Damit ist die Tätigkeit der Regierung erschöpft. Sprachreinigung. Drt der Handlung: Kinderspielplatz eines Berliner Vorortes. Ein paar Mädels unterhalten sich über das übliche Gesprächs thema: den Krieg. Die Wogen der Begeisterung gehen höher und höher Du, jezt wo wir mit die Russen kämpfen, dürfen wa nich mehr Pardong" sagen!" " Wie denn?" " " Na„ uf Wiedasehn!" Aus Groß- Berlin. Ein schnurriger Patriotismus. Jund Säuglingsheime jest teilweise geleert. Andererseits find I mit Begleiter Silberhorn vom Freiwilligen Fliegertorps geffartet, einzelne Säuglingskrankenhäuser infolge des heißen Sommers um die Bedingungen für die Feldflieger- Prüfung zu erfüllen. In und seiner Gefahren für den Säugling überfüllt. der Nähe von Alt- Glienice stürzte der Apparat in größerer Höbe Es ist vorläufig nicht erforderlich, neue Krippen und aus unbekannter Ursache ab. Beide Flieger waren sofort tot. Der Auf welche wunderlichen Einfälle Hauseigentümer Heime zu gründen. Wohl aber ist es nötig, Mittel aufzu- Apparat wurde zertrümmert. fommen, zeigt ein Schreiben, das auf Veranlassung der Eigen- bringen, die es den Müttern ermöglichen, ihre Kinder zu Hause timerin des Hauses Danenstraße 22 der Frau eines zur zu behalten und hier sorgsam zu ernähren und zu pflegen, mit Amerikanischer Gepäckverluft. Fahne Einberufenen durch den Verwalter, einen Polizei einem Worte: das Band zwischen Mutter und Kind nicht zuweilende ondergesandtschaft ein Bureau errichtet hat zweds ReDer hiesige amerikanische Botschafter gibt bekannt, daß die hier beamten, zugestellt wurde. Es lautet: lodern, sondern enger zu fünpfen. Nur wenn die Mutter geflamierung von verloren gegangenem oder zurückgebliebenem Gepäd. Auf Anordnung der Eigentümerin, Frau Willing, verbietet zwungen ist, auf Arbeit zu gehen, und wenn das Kind frank lamierung von verloren gegangenem oder zurüdgebliebenem Gepäck. Unterzeichneter Ihnen, die Wohnung außervertraglich zu ver- ist, so Ulsie sich von ihm tagsüber oder ganz trennen, um das sich mit dem Bureau for reclaiming lost or uncalled for baggage, Jeder, der Nachricht von solchem Gepäd geben kann, wird ersucht, laffen, da dem Magistrat hierdurch durch Steuer- Rind in eine der genannten Anstalten zu geben. Die Hilfe Amerikanische Gesandtschaft, Berlin, Kaiserhof, in Verbindung zu ausfall Verluste entstehen. Jeder Vertrag bleibt unUm sie zu setzen. nachsichtlich bestehen. Ebenso Sachen, Möbelstücke pp. aus der für Mutter und Kind erfordert reiche Geldmittel. Wohnung zu entfernen.§ 289 des Strafgesetzes lautet: beschaffen, beschloß die Versammlung die Einrichtung von ( Hier folgt der Wortlaut des gegen unbefugtes Rüden ge- Kriegspatenschaften. Hierbei handelt es sich nicht etwa Die Zentrale für private Fürsorge, E. V., Flottwellstraße 4, richteten Paragraphen, und dann heißt es weiter): darum, ein Kind oder eine Mutter ins eigene Haus aufzuschreibt uns: Bitte sich danach zu richten und dieses aufzubewahren. Wer nehmen und hier zu verpflegen, sondern vielmehr darum, die wenn in dieser Zeit ohne zwingenden Grund Dienstboten, private Die wiederholten Hinweise in der Presse, wie unsozial es ist, im Ariege Stadt oder Staat schädigt, um sich unterhaltskosten für sie zu übernehmen. Für die Unterbrin- Lehrkräfte usw. entlassen werden, oder wenn Frauen in wirtschaft oder anderen Vorteile zu verschaffen, wird gung der Kriegspaten sind Anstalten in genügender Anzahl in bestraft. Groß- Berlin vorhanden. Nur die Mittel fehlen. Erfreut sich J. A.: H. Hartrampf, Verw. Arme Frau Willing, armer Herr Hartrampf! Welche eine Familie eines gewissen Wohlstandes, hat sie das Glück, geStrafe muß nach jenem Schreiben beide erwarten, weil sie, unde, die Not nicht kennende Kinder zu besigen, so fann sie ,, um sich oder anderen Vorteile zu verschaffen", die Frau eines andere Not lindern, wenn sie für die Kriegszeit eine Batenins Feld Gezogenen und diesen selbst durch solche Schreiben schaft übernimmt. Diese Patenschaft kann eine verschiedene sein. zu ängstigen suchen und dadurch im Kriege Stadt oder Staat Entweder werden die Kosten für die Unterbringung eines schädigten". Die Mieterin hat sich natürlich nicht ängstigen 6 m.) oder wenn Tag und Nachtpflege erforderlich, in einem schädigten". Die Mieterin hat sich natürlich nicht ängstigen Rindes tagsüber in einer Krippe übernommen( monatlich lassen, sondern erwartet mit Ruhe, ob sie verklagt wird und wird dann die Unterbrechung des Verfahrens auf Grund des Kind erfranft ist, in einem Säuglingsfrankenhaus'( monatlich wird dann die Unterbrechung des Verfahrens auf Grund des Säuglingsheim oder Asyl( monatlich 30 M.) oder, falls das Gesetzes vom 4. August beantragen, das bekanntlich ergangen ist, damit durch Klagen gegen die zur mobilen Armee Einberufenen und deren Familien weder diese noch die Stadt berufenen und deren Familien weder diese noch die Stadt oder der Staat geschädigt werden. Das Ende der Seidenraupenaffäre. Die von der Polizei gegen die Lichtenberger Arbeiter Jugend im April dieses Jahres im Anschluß an die bekannte Seidenraupenversammlung eingeleitete gerichtliche Aktion hat am Sonnabend vor der vierten Straffammer des Landgerichts III ihren Abschluß mit der Freisprechung des Genossen Fricke gefunden. e= 90 M.). Auch wenn das Kind noch nicht geboren ist, kann schon die Frau, die das Kind erst erwartet und die nicht mehr ardie Patenschaft übernommen werden. In diesem Falle wird beiten kann, unterstüßt und zwar soll der Frau damit die Möglichkeit gegeben werden, die Geburt zu Hause unter dem Beistand einer tüchtigen Hebamme und unter der Betreuung einer nachzuweisenden Hauspflegerin abzumachen. Nur in dringend sten Fällen soll eine Aufnahme in einer Entbindungsanstalt stattfinden, die Kosten dann hier erstattet werden, und zwar im Betrage von 50 M. für den Einzelfall für Batenkinder, deren Verbleiben in der Familie möglich und ratsam ist, was in jedem Falle zunächst anzustreben ist, wurde eine etwas niedrigere monatliche Unterstützung in Aussicht genommen. Unseren Lesern ist erinnerlich, daß am 6. Juli das Schöffengericht Berlin Lichtenberg den In der Versammlung wurde gleich bekannt, daß eine nossen Fride zu 15 M. Geldstrafe berurteilte, weil er einen öffentlichen Aufzug" veranstaltet habe. Nach der größere Anzahl von Personen sich zu Kriegspaten bereit erklärt Auflösung einer Versammlung gingen Fride ebenso wie viele haben. Schriftliche Anmeldungen werden in dem Ausschuß für andere in derselben Richtung nach Hause. Die Polizei und das Mutter, Säuglings- und Kleinkinderfürsorge im ReichstagsGericht hatten angenommen, das Nachhausegehen sei ein öffent- gebäude, Hauptgeschoß, Zimmer 15, erbeten und zwar an Herrn licher nicht genehmigter Aufzug. Fricke, der der Polizei als Leiter Oberarzt Dr. Rott, der zugleich mit der Hilfe der Hauptstelle einer Jugendversammlung im Café Bellevue bekannt war, wurde für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Groß- Berlin diese Anverurteilt. Nach Fällung des Urteils haben wir dargelegt, daß gelegenheit bearbeitet. das Nachhausegehen aus einer Versammlung feinesfalls ein Auf- gelegenheit bearbeitet. aug" fein fönne. Die Straffammer stellte sich auf denselben Standpunft. Neue Schulen für Lazarettzwecke. „ AufAm 1. Oktober sollten die so dringend benötigten Schulgebäude in der Dunckerstraße, in der Zellestraße und in der Bechliner Straße in Benußung genommen werden. Wie jezt die Schuldeputation bekannt gibt, ist aber in Aussicht genommen, die Räume diefer neuen Schulen für Lazarettzwede zu benußen, so daß die geplante Verwendung für den Gemeindeschuldienst bis auf weiteres unmöglich ist. 133 Kriegspatenschaft. Der Ausschuß für Mutter-, Säuglings- und Kleinkinderfürsorge der Abteilung Kriegswohlfahrtspflege des Roten Kreuzes hat eine gemeinschaftliche Sigung mit allen Intereffenten auf diesem Gebiete von Groß- Berlin im Reichstagsgebäude zusamenberufen. Die zahlreich besuchte Versammlung einigte sich auf folgende Gefichtspunkte: In Anbetracht dessen, daß infolge der Arbeitsnot allein stehende Frauen und ihre Kinder, ebenso arbeitslose Familien oft noch ungünstiger dastehen und in größere Not geraten find als die Angehörigen der Kriegsteilnehmer, ist es dringend er forderlich, die Kriegswohlfahrtspflege auch auf diese auszudchnen. Die Hoffnung, daß sich namentlich für Frauen vermehrte Arbeitsgelegenheit finden würde, hat sich bis jetzt leider nicht erfüllt. Da die Mütter ihre früher in Anstalten ver pflegten Kinder nach Haus genommen haben, sind die Krippen Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 Wie soll man wandern? Anleitungen und Winke von Engelbert Graf. Preis 20 Pf. Mit Rucksack und Wanderstab. Von Jürgen Brand. Preis 20 Pf. Jugend- Liederbuch. Preis 25 Pf. Die Arbeiten Einberufener müssen mit erledigt werden. In dem Fabrikboten der Meierei Bolle findet sich am Sonnabend, den 29. Auguft, folgende Bekanntmachung des Direktors „ Für die Beamten: Carl Bernet: Pünktliches Erscheinen. Vermeidung des unnüßen Hin- und Herlaufens im Bureau. Miterledigung der Arbeit für die zur Fahne einberufenen Beamten. Ich bin genötigt, den Verstoß gegen obige Bestimmungen von nun ab zu bestrafen, eventl. sofortige Entlaffung eintreten au laffen. Die Arbeitslosigkeit ist sehr groß und finden Arbeitsangebote tüchtiger Leute in großen Mengen statt. Ich bitte daher bringend alle Angestellten um Beachtung der Vorschriften, damit Teine Veränderungen notwendig sind." lich gesicherter Lage Arbeiten ausführen, durch welche andere jich ernähren müssen, haben sichtlich bereits genügt, so daß diese Verirrungen feltener au werden beginnen. Vielleicht kann durch einen ähnlichen Hinweis auch in folgender Beziehung ein Wandel gefchaffen werden. Viele unserer Mitbürger erklären sich zurzeit bereit, deutsche Flüchtlinge aus dem Auslande und neuerdings auch unsere geflohenen Landsleute aus Ostpreußen unentgeltlich bei sich aufbereitschaft hocherfreulich. Man vergißt aber, daß diese Hilfsbereite zunehmen und zu versorgen. An sich ist natürlich auch diese HilfeKlasse unserer Mitbürger, welche täglich mehr und mehr hervortritt, schaft zugleich in bedenklichster Weise dazu beiträgt, die Notlage einer noch start zu vermehren bzw. die Möglichkeit, diefer Notlage zu eben durch Abvermieten einiger Zimmer fristen fonnten. Jetzt find steuern, zu beeinträchtigen. Es handelt sich um die zahlreichen Bensionsinhaberinnen und Zimmervermieterinnen, die bisher ihr ihre Mieter Studenten, junge Kaufleute, Beamte, Arbeiter usw. meist zu den Fahnen einberufen, und so ist ihnen die Eri stenzmöglichkeit fast gänzlich abgeschnitten. Nur einige wenige sind in der Lage, die Miete weiter zu zahlen oder gar Abzahlungen auf Möbel zu leisten, die noch nicht ganz abgezahlt sind und deshalb ver wenn die zahlreichen deutschen Flüchtlinge, die hier in Berlin ein fallen werden. Sehr vielen von ihnen könnte geholfen werden, Unterkommen finden sollen, ihnen in Quartier gegeben würden. Um diesen Gedanken in die Praxis zu übersehen, hat die„ Zen. trale für private Fürsorge", Flottwellstraße 4, in Verbindung mit dem Verein für das Deutschtum im Auslande", Kurfürstenstr. 105, welcher sich zurzeit in besonderer Weise der Fürsorge für die deutschen Flüchtlinge widmet, beschlossen, bei Zimmervermieterinnen und Pnsionsinhaberinnen, deren Notlage notorisch ist, Flüchtlinge gegen angemessene Bezahlung unterzubringen. Der Zentrale für private Fürsorge" sind aus ihrer armenpflegerischen Arbeit zahl= reiche solcher Klientinnen bekannt und mit Hilfe der von ihr zu liefernden Angaben wird der Verein für das Deutschtum im Auslande" die Unterbringung veranlassen. Einige Geldmittel jind speziell für diesen Zwed bereits bewilligt worden, natürlich wird es aber größerer Summen bedürfen. Die erfte Volksküche in Steglit. wird am 1. September in der Gemeindeschule Friesenstraße eröffnet werden. Die Ausgabe der Speisen findet täglich von 12-2 Uhr statt. Die einzelnen Portionen zum Preise von 10 bis 25 Pf. fönneen auch zu Hause verzehrt werden. Mittellofe Bürger erhalten beim Bezirksvorsteher Speisemarken gratis. Die Auszahlung der Familienunterstübung für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer erfolgt am 1. unb 16. jeden Monats im Albrechtshof, Echüßenfaal. Für die Buchstaben A- K vormittags von 9-1 Uhr, für L- Z nachmittags von 3-7 Uhr. Die Benachrichtigungsfarten find jedesmal mitzubringen. Auskunftssfelle für Arbeiterversicherung. Die Landesversicherungsanstalt teilt mit: Eine unter Zeitung von Mitgliedern der in Betracht kommenden amtlichen Stellen geWer sich der Anordnung nicht unterwirft, die Arbeiten für zur bildete Kriegs- Auskunfts- und Silfsstelle für Fahne Einberufene mit zu erledigen, hat Entlassung zu gewär Arbeiter und Angestelltenversicherung" wird vom tigen, denn Arbeitslose gibt es genug. Jawohl, es gibt genug Ar- 1. September ab täglich von 3% bis 6 Uhr nachmittags im Dienst. beitslose, welche die Arbeit für die Einberufenen norläufig gern gebäude der Landesversicherungsanstalt Berlin, übernehmen. Ein probates Mittel der Meierei Bolle, die Arbeits- Am Köllnischen Part 3, unentgeltlich in allen Angelegenheiten der lofigkeit zu benutzen, um die Beamten zur Leiftung von Mehr- Arbeiter und Angestelltenversicherung Auskunft geben und jede arbeit für die ins Feld Gezogenen zu veranlaffen. So schlagen Silfe zur Geltendmachung von Ansprüchen leisten. Alle Gefuche So schlagen manche Patrioten aus der jetzigen fritischen Situation für fich find möglichst mündlich und persönlich anzubringen. Wir möchten bemerken, daß auch im Arbeiterjekretariat Engel noch Vorteile heraus. ufer 15 über Arbeiterversicherung Auskunft erteilt wird. Abgestürzte Flieger. Auf dem Flugplatz in Johannisthal ereignete sich gestern morgen 8 Uhr 15 Min. ein schwerer Flugunfall. Der Flieger Post vom Freiwilligen Fliegerkorps war heute morgen auf einer Taube Wetteraussichten für das mittlere Rorddeutschland bis Dienstagmittag. Etwas fühler und im westlichen Binnenland noch ziemlich heiter, aber veränderlich; im Often und an den Küsten vielfach woltig, nur vereinzelt etwas Regen. Heines Werte Zeitungs- Ausgabestellen und Inseraten- Annahme. 3 Bände 4 Mart. Buchhandlung Vorwärts Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125,( Or anienb. Tor) für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9- Nm. 8, Sonnt. 9-11. Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Rg. Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: Neanderstraße 12 nahe d. Köpenicker Straße. Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. Potsdamer Str. 117 a. d. 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Wahlkreis: St. Frik, Brinzenstr. 31, of rechts part. Geöffnet bon 11-12 und von 4-7 Uhr. 4. Wahlkreis: Often: Robert engels, Markusstr. 36. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 11hr. Petersburgerplay 4( Laden). Geöffnet von 9-2 und von 4-7 1hr. 4. Wahlkreis, Südosten: Baul Böhm, Laufiperplaz 14/15. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Immanuellirchstr. 12( Hof). Beöffnet von 11-12 und von 4-7 116r. 6. Wahlkreis( Moabit): Salomon Joseph, Wilhelmshavener Straße 48. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Wedding: 3. Hönisch, Müllerstr. 34a Ede Utrechter Str., Laben Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: 2. 28olga ft Wattstraße 9. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Adlershof: Karl Swaralose, Bismardstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Köpenider Str. 6. Baumschulenweg:. ornig, Marienthaler Str. 18, I. Bernau, Röntgental, Zepernick, Schönow, Schönbrück und Buch: Heinrich Brose, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf, Falkenberg und Falkenhorst: Paul Gensch, Bohnsdorf, Genossenschaftshaus Paradies". Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sejenheimer Str. 1. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 11hr. Eichwalde, Schmöckwitz: Dstar Mahle, Bismardstr. 4. Erkner, Neu- Zittau: Emil Zwang, Scharnweberstr. 10. Fredersdorf- Petershagen, Eggersdorf: Uffenwasser, Petershagen. O Friedenau, Steglitz, Südende, Groß Lichterfelde, Lankwitz: Q. Berniee, Alsenstr. 5 in Steglit. Geöffnet von 11-1, und von 4-7 Uhr. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schöneiche, KI.- Schönebeck: Ernst Wertmann, Friedrichshagen, Stöpes nider Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Mar Gonschur, Parkstr. 23 Karlshorst: Richard Rüter, Rödelftr. 9, II. Königs- Wusterhausen, Wildau, Niederlehme: Friedrich Baumann, Bahnhofstr. 2, Eingang Beestower Straße. morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Hohenschönhausen: Otto Seitel, Wartenbergstraße 1( Laden). Geöffnet von 8,-2 und bon 4-7 Uhr. Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdort: B. eßberg, Rauls. dorf, Ferdinandstraße 17. Mariendorf: August Leip, Chausseestr. 29. Marienfelde: Emil Beinert, Berliner Str. 114 II. Neuenhagen, Hoppegarten: Gustav Bergmann, Wolteritr. 3. Neukölln: M. Heinrich, Nedarstr. 2, im Laden. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr; Neukölln, Briz: Rohr, Siegfriedstraße 28/29. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Nieder- Schöneweide: Bilhelm Unruh, Brüdenstr. 10, II. Nowawes: Wilhelm I appe, Lutherstr. 2. Ober- Schöneweide: fred Bader, Wilhelminenhofstr. 17, Laden. Beöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, Niederschönhausen, Nordend, Frz.- Buchholz, Blankenburg: Rigmann, Mühlenftr. 30. Geöffnet bon 11-1, und von 4-7 Uhr. Reinickendorf Ost, Wilhelmsrah Schönholz: und P. Gurich, Provinzftr. 56, Laden. Geöffnet v. 11-1, u. 4-7 Uhr. Rummelsburg. Boxhagen, Stralau:. Rosenfranz, AltBorhagen 56. Geöffnet von 11-14, und von 4-7 Uhr. Schenkendort b. Königs- Busterhausen: Chr. antife, Dorfstr. 10 Schöneberg: Wilhelm Baumier, Martin Lutherstr. 69, im Laden. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Spandau, Nonnendamm, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: Roppen, Breitestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends." Waidmannslust, Tegel, Borsigwalde, Wittenan, Hermsdorf, Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Freie Scholle. Reinickendorf- West: Baul seien ait, Borfigwalde, Räuschstraße 10. Geöffnet von 11-1, u. von 4-7 Uhr. Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: Joh. Krohn, Borussiaftr. 62. Treptow: Hob. Gramenz, Riefholzstraße 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Weißensee, Heinersdorf: R. Fuhrmann, Sedanstr. 105, part. Geöffnet von 11-1, und von 4-7 Uhr. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf: Baul Schubert, Wilhelmsaue 27. Zeuthen, Miersdorf: Ernst Hüttig, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte werden geliefert. Sonntags find die Ausgabestellen gefchloffen. Hierzu 1 Beilage Berantw. Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Inferatenteil verantw.:Eh. Glocke, Berlin, Drud u. Berlag: Bortvärts Buchbr. u. Berlagsanftall Paul Singer& E., Berlin SW. >..m Stilagr des.HmSrts" Sfrliiitt Biilblilall. 3u �affaKes 50. TodeÄage. lSb4.— ZI. August.— 1414. Lassalles Vermächtnis. Fünfzig Jahre sind an diesem Tage darüber hingeflossen, daß der Tod einen der Besten, von denen die Arbeiterbewegung weiß, aus voller Wirksamkeit herausriß: Ferdinand L a s s a l l e, der aus der Enge der Breslauer Judenstadt herauswuchs zu dem kühnen Geist, der ein Jahr vor seinem Ende die Arbeiter Deutschlands aufrief, sich um ihn zu scharen als eigene Partei, der so den Grund legte zur deutschen Sozialdemokratie. Ein Mensch— der gewiß auch seine Schwächen hatte; ein Denker— der sich wohl, fest- gewurzelt in dem System der Hegelschen idealistischen Philo- sophie, nicht zu der Höhe ökonomischer Erkenntnis erhob, wie sie ein Marx erklomm. Aber ein ganzer Mensch doch, eine Persönlichkeit von ernstestem Streben und edelstem Wollen, ein Denker von umfassendstem Wissen und eminenter Klarheit. Ein hinreißender Gestalter seiner Gedanken, ein kaum übertroffener Agitator. Ein S ä e m a n n, wie ihrer die Geschichte nur wenige kennt. Der Same, den er in die Furchen schleuderte, ist auf- gegangen. Die Partei, die er schuf, ist aus ihren dürftigen Anfängen emporgewachsen zur Viermillionenmacht: und schon öffneten sich an den keimenden Halmen die ersten goldfarbenen Blüten des Erfolges; schon kündete ein Meer verheißungs- voller Knospen die Zeit der Erfüllung.... Freilich, noch warten wir auf sie, die Zeit der Ernte. Und was zu zukunftsfroher Kraft gedieh, schüttelt just fünfzig Jahre nach des Säemanns Tod furchtbarer Gewitter- stürm. Noch wissen wir es nicht: Wird sein strömender Regen nur erquicken, beftuchten? Oder werden seine Schlössen niederschlagen und Schaden anrichten?... Das aber wissen wir doch: Vernichten wird er, was auch kommen mag, die keimenden, knospenden Felder nicht. Dazu hat die große Schafferin Zeit, hat die wirtschaftliche Entwickelung den Boden zu gut gedüngt und fruchtbar gemacht. Dazu war auch der Same zu gut, zu gesund. Dazu gab ihm, der ihn ausstreute, zu viel von seinem Geist und seinem Sonnen- drang.... * Keiner hat wie Ferdinand Lassalle die„Idee des vierten Standes" verfochten, den weltgeschicht- ltchen Beruf des Proletariats gefeiert. Er mochte irren, wenn er, in ideologischem Gedanken- gang, an die„Idee des Staates" glaubte und übersah, daß dar Begriff des Staates kein ewiger ist, sondern jeweilig bedingt durch die ökonomischen und sozialen Voraussetzungen. Aber worin er nicht irrte, das war seine Ueberzeugung, daß erst die Herrschaft der arbeitenden Klasse, die Herrschaft der„Idee des ArbeiterstandeS" in einem Staatswesen, einer Volksgemeinschaft„einen Aufschwung des Geistes, die Eni- Wickelung einer Summe von Glück, Bildung, Wohlsein und Freiheit" herbeiführen könne,„wie sie ohne Beispiel dasteht in der Weltgeschichte". Mit Recht wies er hin auf den Gegen- satz zwischen dem„persönlichen Interesse", das notwendig jeden„privilegiert en" Stand beherscheu müsse, und der K u l t u r e n t w i ck e l u n g der Nation.„Es ist(für jene Privilegierten) ein fortgesetztes Leben wie in Feindes Land, � und dieser Feind ist die sittliche Gemeinschaft des eigenen Volkes, in der man lebt, und f ü r welche zu streben alle wahre Sittlichkeit ausmacht." Sie kann sich nur vollenden in dem Staat, in dem das Proletariat die Macht errungen hat:„Hier bei der Herrschaft des vierten Standes findet sofort der immense Unterschied statt, daß der v i e r t e Stand der letzte und äußerste, der enterbte Stand der Gesellschaft ist, welche keine ausschließende Bedingung weder rechtlicher noch tatsächlicher Art, weder Adel noch Grundbesitz, noch Kapitalbesitz, mehr aufstellt und aufstellen kann, die er als ein neues Privilegium gestalten und durch die Einrichtungen der Gesellschaft hindurchführen könnte...." Und Lassalle spricht die ergreifenden Worte: »Dieser vierte Stand, in dessen Herzfalten daher kein Keim einer neuen Bevorrechtung mehr enthalten ist, ist eben des- halb gleichbedeutend mit dem ganzen Menschen- geschlecht. Seine Sache ist daher in Wahrheit die Sache der gesamten Menschheit, seine Freiheit ist die Freiheit der Menschheit selbst, sein« Herrschaft ist die Herrschaft aller. Wer also die Idee des ArbeiterstandeS als das herrschende Prinzip der Gesellschaft anruft, in dem Sinne, wie ich Ihnen dies entwickelt, der stößt nicht einen die Klaffen der Gesellschaft spaltenden und trennenden Schrei auS; der stößt vielmehr einen Schrei der Versöhnung auS, einen Schrei, der die ganze Gesellschaft umfaßt,«inen Schrei der Ausgleichung für alle Gegen- sähe in den gesellschaftlichen Kreisen, einen Schrei der E i n i- g u n g, in den alle einstimmen sollten, welche Bevorrechtung und Unterdrückung des Volkes durch privilegierte Stände nicht wollen, einen Schrei der Liebe, der, seitdem er sich zum erstenmal aus dem Herzen des Volkes emporgerungen, für immer der wahre Schrei des Volkes bleiben und um feines In» Haltes willen selbst dann noch ein Schrei der Liebe sein wird, wenn er als Schlachtruf des Volkes ertönt." Fo feiert er die Sache des Proletariats als die Sache der Freiheit, die Sache der Menschheit, die Sache der Kultur; und ruft den Arbeitern zu:„Die hohe weltgeschichtliche Ehre dieser Bestimmung muß alle Ihre Gedanken in An- s p r tl ch n e h m e n. Es ziemen Ihnen nicht mehr die Laster der Unterdrückten, noch die müßigen Zeristreuungen der Ge- dankenlösen, noch selbst der harmlose Leichtsinn der Unbe- deutenden. S i e sind der Held, aus welchen die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll." So begeistert und erzieht er daS Proletariat für seinen weltgeschichtlichen Kampf um die Macht. Und lehrt es er- kennen, wie zugleich die ökonomischen und gesell- schaftlichen Verhältnisse, die„realen Machtfak- toren", reifen für seinen Sieg. Denn solche gewaltigen Umwälzungen lassen sich nicht„machen":„Man kann immer nur enier Revolution, die schon in den taffächlichen Verhältnissen einer Gesellschaft eingetreten ist, mich äußere rechtliche Anerkennung und konsequente Durchführung geben. Eine Revolution machen wollen, ist die Torheit unreifer Menschen, die von 5en Te>> setzen der Geschichte keine Ahnung haben. Eben deshalb ifl es aber auch ebenso unreif und ebenso kindisch, eine Revoliv< tion, die sich bereits einmal in den Eingeweiden einer Ge< sellschaft vollzogen hat, zurückdämmen.,, zu wollen." » Freiheitliche Entwickelung und Demokratie schienet Lassalle untrennbar verknüpft aber auch mit nationales Einheit, Freiheit und Selbständigkeit. Unds gerade heute ist es vielleicht an der Zeit, auch hieran zu er? innern.„Das Prinzip der freien, unabhängigen Nationalitäten ist die Basis und Quelle, die Mutter und Wurzel des Begriffs der Demokratie überhaupt"/ heißt es im„Italienischen Krieg".„Die Demokratie kamt nicht das Prinzip der Nationalitäten mit Füßen treten, ohne selbstmörderisch die Hand an ihre Existenz zu legen, ohne sich jeden Boden theoretischer Berechtigung zu entziehen, ohne sich grundsätzlich und von Grund auS zu verraten." Oder an anderer Stelle:„Das Prinzip der Nationalitäten! wurzelt in dem Recht des Volksgeistes auf seine eigene gw schichtliche Entwickelung und Selbstverwirklichung." Und in� dem er an Fichtes Ausspruch anknüpft, daß, um seine nationale Existenz zu sichern, ein Volk in einen„regelmäßigen Fortschritt der freien Verfassung" hineinkommen müsse, führt! er aus: „Ist ein noch so großer, überallher versammelter Haufe von Leuten«in Volk? Gowiß nicht. Zu einem Volke ist vielmehr noch erforderlich, daß dieser Haufe in ursprünglicher Weise von dem- selben identischen und bestimmten Geiste beseelt sei, der einem Volke eben durch Rassenbestimmung, Tradition und Geschichte vermittelt wird. Dies ist ein Volk, aber nur erst an sich. Das Volk ist dann zu vollendeter Wirklichkeit gelangt ober das Volksein ist dann, wie Fichte sagt, in sein Bewußtsein und sein wahrhaftes Sein übergegangen, wenn es diesen ge- meinschastlichen, eigenen, ursprünglichen Geist nun auch selbst herausgesetzt und entwickelt. Alle Geschichte und aller Drang eine? Volkes besteht in nichts, als in der Verwirklichung dieses Geistes. Ein Volk ist frei, wenn es diese Selbstverwirk- lichung seiner bewußt ausführen kann. Ein solche? Volk läßt sich aber nie erobern oder zu einem Anhängsel eines anderen machen, weil es dann, statt wie bisher sich selbst zu verwirklichen, einem anderen und fremden Geiste und Willen hingegeben ist, und somit jetzt wahrhaft beherrscht, aus Freien in Sklaven verwan- delt wäre. Dieser Gegensatz ist der prinzipielle und daher ei« so blutiger und unversöhnlicher, daß, solange die Geschichte steht, noch nie«in wahrhaft freies Volk von außen unterjocht worden ist, vielmehr durch die Energie, nicht von sich ablassen zu wollen und dies gar nicht zu können, selbst unter den ungünstigsten Der- hä-ltnissen und mit der größten Uebermacht ringend gesiegt hat." Wie Lassalle kämpfte und wirkte für die Herrschaft des „vierten Standes", so kämpfte und wirkte er deshalb auch für die nationale Freiheit und Selbständigkeit der Völker; trat ein für die d e u t s ch e-E i n h e i t auf den Trümmern Oesterreichs, das damals mehr noch als heute Teuffche und Nichtdeutsche zusammenschloß; trat ein für d'e Freiheit der Polen und grüßte den nationalen Eini» gungs- und Befreiungskampf, der sich 1859 von /lm Grabe Zeröinanö Laslalies. Wohl mag den Blick ein Trauerflor umfangen, Wohl mag die Wehmut diesen Sarg umsteh», Hier ziemen Tränen selbst auf Männerwangen, Und Eisenbrüstc muß der Schmerz durchWehn. Hier, wenn nur je, rcchffertigt sich die Klage. Stimmt denn zum ernste« Trauerklang die Saiten, Laßt weh erzitternd sie bei jedem Schlage, Bis sie verstummen, Grabestöne läuten. Ihr, die ihr stets als Freunde um ihn weiltet, Tie seiuer Größe eure Knie gebeugt, Tie ihr dcö Daseins Freuden mit ihm teiltet, Tie er mit feines Geistes Milch gesäugt, Wer von euch hat noch Recht, ihn sein zu nennen? Wer schmeichelt noch inS Antlitz ihm, inS bleiche? Jetzt, wahre Freunde, gebt euch zu erkennen'. Dem Proletariertum gehört die Leiche.-- Wir schwören, dir ein Denkmal zu errichten, Wie keines noch auf Heldcngräbcrn stand, Bon Marmor nicht, noch prunkenden Gedichten, Gemodelt nicht in ftrmder Künstler Hand! Ties Denkmal sei das Werk, wozu dein Hammer Das Fundament gelegt mit mächt'gcn Schlägen, Wir bauen weiter nun mit Axt und Hammer Und wollen nie die Arbeit niederlegen! Und bis es steht, bis weit in starkem Bogen Ter Bau sich über unfern Häupter» hebt, I« seinen Schatten all' die Müden zogen, � Der Geist der Freiheit durch die Räume schwebt, Soll nimmer Zwietracht unfern Bund berühren, Dein Banner uns zum starken Ganzen einen, Dein Borbild uns zum Kampf und Siege führen! Tics schwöre» wir, dies halten wir, die deine«! tAu» dem Nachruf, den Georg Herwegh iewem Freunde widmeteü Lassalle als Redner. War Ferdinand Lassalle in seinem Wirken und Wollen un- ermüdlich, so besaß er auch die Kraft und die Gabe, seine Wort« den Hörern seiner Reden und den Lesern seiner Schriften ins Herz zu senken,— als Samenkörner, die so leicht kein Sturm wieder davontragen kann. Wenn er sprach, strömten die Massen herbei, und stundenlang konnten sie, ihm lauschend, ausharren, ohne zu ermüden Im Druck verbreitet, wirkten diese Reden noch Jahrzehnte hindurch als bestes Werbemittel der wachsenden Partei; und noch heute zünden sie, reihen sie hin. Mag uns auch manches in ihnen gar zu pathetisch scheinen— eS ist doch auch uns noch, als gewännen die toten Buchstaben Leben, Klang und Farhe. Lassalle war kein Stegreiftedner. Wohl verstand er es, auch an den Augenblick anzuknüpfen, blitzschnell jede Situation zu er- fassen und sie in treffsichere Worte umzumünzen: das Protokoll der mündlichen Verhandlung des Lassalleschen Kriminalprozesses, daS nach dem Stenogramm veröffentlicht wurde, erbringt den Be- weis. Aber die eigentlichen großen Reden, die er hielt, wurden am Schreibtisch geboren; und doch sind eS keine Kinder der Lampe. Wenn Lassalle sie niederschrieb, sah er gewiß die Schar seiner Hörer vor sich, die Worte klangen ihm in den Ohren. Nur so konnten sie ihr quellendes Leben erhalten. Wie ein solides und doch mit reichem Schmuck geziertes Haus steht jede Rede und jede Schrift Lassalles vor uns. Die Quadern sind fest aufeinander gefügt, und kaum zeigen sich Risse. Mit fesselnder Logik und seltener Klarheit wachsen Lassalles Vorträge und Aufsätze empor; jeder Gedanke ist scharf gepackt und fest um- rissen, und konsequent geht jeder folgende aus dem früheren hervor. Prächtig ist es, wenn hier und dort eine Frage aufgeworfen wird, deren erste Antwort zunächst nur die Wiederholung der- selben Frage ist— freilich geläutert von unklarem Beiwerk, prä- ziser, klarer... Vielleicht dann noch einmal eine Antwort, die nur dazu dient, allerlei Schalen und Häute abzustreifen, die Frage noch genauer, noch präziser zu machen... Bis sie so scharf, so blank zutage tritt, daß die letzte, beste, ganz richtige Antwort gleichsam aus ihr von selbst hervorwächst. Er macht hier und dort Abschweifungen; auf den ersten flüchtigen.. Blick scheinbar über- flüssig, tragen sie schließlich doch nur wieder dazu bei, den Haupt- gedianken der Rede zu ergänzen und zu vervollkommnen, sind so wenig unnötige? Beiwerk wie ein Erker, der sich harmonisch in die Front eines schmucken Hauses fügt. Schon diese scheinbaren Abschweifungen vom eigentlichen Gang der Untersuchung zeigen, daß bei aller logischen Klarheit des Auf- baues doch keine triste Eintönigkeit die Vorträge und. Darlegungen beherrscht. Das gilt von der inneren Gliederung wie von der äuße- ren Gestaltung, von der Sprache, dem Stil im engeren Sinne de» Wortes. Wunderbar versteht dieser Redner die Abtönung; um so packender wirkt sie, als sie in Harmonie steht mit den Gedanken, als sie voller innerer Wahrheit ist; dort eilt seine Rede hin wie ein sonnenschillernder Bach, spielend, plätschernd; dann schwillt sie zu einem massigen, rauschenden Strom, der unaufhaltsam seinen Weg zieht; hier endlich braust sie wie ein Orkan... und immer ange- messen den Gedanken, den Dingen, die zum Ausdruck gebracht werden sollen. Oft überstürzt der Eifer einer Behauptung die längeren Perioden mit einer Welle kürzerer, scheinbar atemloser Bestäti- gungen, knapper Schlußsätze. Keiner wird sich dem Banne entziehen können, wenn in langsamer Steigerung in einer Reihe gleichmäßig gebauter, mit den gleichen Worten beginnender oder endigender Perioden eine Folgerung in allen Tiefen ausge- schöpft, eine Anklage voller Wucht dem Gegner ins Gesicht ge- schleudert, eine Tatsache bis auf den Grund durchleuchtet wird. Man lese etwa in„Macht und Recht" jene Sätze, die beginnen:„Ging Macht vor Recht oder Recht vor Macht, als die preußische National- Versammlung im November 1848 mit Bajonetten auseinanderge- sprengt wurde? Ging Recht vor Macht oder Macht vor Recht, als die zur Revision einberufene Kammer trotz des Artikels 112 der ok- troyierten Verfassung im Jahre 1843 von neuem aufgelöst wurde?" und so fort. Besonders kunstvoll gebraucht Lassalle nicht selten einen parallelen Bau seiner Sätze,— gelegentlich, um diese Parallele in ihrem letzten Teil über sich selbst hinaus zu führen, wie etwa in dem Vortrag über„die Feste, die Presse und den Frankfurter Abgeord- netentag", wo er die Grundsatzlosigkeit des Liberalismus mit der stereotypen Wendung höhnt:„Das ist die Einigkeit der großen libe- ralen Partei I", um mir den Worten abzuschließen:„Das ist die Einigkeit der großen liberalen Partei; die Einigkeit eines Narren- Hauses." Alles in Lassallcs Darlegungen ist Leben, Bewegung. Kein! trockenes Hinzählen. Immer wieder unterbricht der Redner sich selbst durch Fragen, durch Ausrufe, durch Parenthesen,— kleine Inseln, die auf dem Strom seiner Leidenschaft schwimnlen. Lebendig läßt er den Gegner, den er angreift, mit Einwänden selbst zu Worte kommen. Setzt sich auch mit ihm in der zweiten Person ausein» ander.— Wenige lieben wie Lassalle scharfpointierte Gegenüberstellungen,— im Großen wie im Kleinen: Hier schafft er den Kon- traft, indem er in seiner Verteidigungsrede wieder und wieder Schelling, dem Sohn, Schelling, den Vater, entgegenhält, dem jammervollen Staatsanwalt den großen Philosophen. Dort, indem er einzelne Sätze und Worte scharf, aufreizend gegeneinanderstelltz „Während die Lage des Landes so ist, daß man in Sack und A f che gehen sollte, seiern sie Feste. Feste« wie sie etwa Sardinien Her wider Oesterreich erHob: wart) Kran k- reichs Wortführer, als es damals durch Napoleon Italien seine Hilfe bot und stellte sich mit wuchtigen Worten der öffentlichen Meinung entgegen, die Preußen zu Rüstungen gegen Frankreich treiben wollte. Einen Krieg gegen den westlichen Nachbar hielt er für ein nationales Unglück:„Das gute Ein- Verständnis zwischen den beiden großen Kulturvölkern, Deut- schen und Franzosen— das ist der Punkt, von welchem alle politische Freiheit, aller zivilisatorische Fortschritt in Europa, alle Vermehrung und Verwirklichung der geistigen Jdeen- nrasst, kurz, alle demokratische EntWickelung und somit alle Kulturentwickelung überhaupt unwiderruflich abhängt. An diesem Punkte hängt nicht nur das Schicksal einer bestimmten Nation— er ist die Lebensfrage der gesamten europäischen Demokratie." Aber auch darüber hinaus pries Lassalle die Soli- darität der Völker und setzte sie als Bedingung der inneren Freiheit. Das Blut des Bürgers schien ihm zu kost- bar, um es für andere Zwecke zu vergießen denn für die natio- nale Selbständigkeit und Einheit und für die Demokratie. Allzu früh entriß uns das Schicksal Ferdinand Lassalle. Den Menschen, aber nicht seinen Geist. Und Mil- lionen, die seine Worte noch heute begeistern, wirken dafiir, daß dieser Geist sich mit der Wirklichkeit vermähle, daß bald der Tag komme, von dem er prophetisch sprach:„... Em Purpursaum färbt rot und blutig den äußersten Horizont, das neue Licht verkündend: Nebel und Wolken raffen sich auf, ballen sich zirsammen und werfen sich dem Morgenrot ent- gegen, seine Strahlen momentan verhüllend— aberkeine Macht d'er Erde vermag das langsame und majestätische Aufsteigen der Sonne selb st zu hindern, die ein« Stunde später, aller Welt sichtbar, hell leuchtend und erwärmend am Firmament steht." Lassalles öerufung. ReueS über die Verhandlungen Lassalles mit dem Zentral- komitee des deutschen Arbeiterkongresses. In der Geschichte der Gründung des Allgemeinen beut- schen Arbeitervereins ist über ein Kapitel bisher nur wenig bekannt gewesen: die Geschichte der Verhandlungen Lassalles mit dem Leipziger Zentralkomitee, das Anfang November 1862 den Auftrag erhalten hatte, einen deutschen Arbeiter- kongreß einzuberufen. Man wußte, daß Mitglieder dieses Komitees, die auf Lassalles im April 1862 zu Berlin gehal- tenen und nun als Broschüre herausgekommenen Vortrag „Das Arbeiterprogramm" aufmerksam geworden waren, sich mit Lassalle in Verbindung gesetzt hatten und daß, nachdem drei von ihnen, Dr. Otto Dammer, F. W. Fritzsche und Julius Vahlteich, Ende Dezember 1862 Lassalle in Berlin aufgesucht hatten, mit ihm vereinbart wurde, er solle vom Zentralkomitee ersucht werden, seine Ideen über den geplan- ten Kongreß in einem offenen Brief zu entwickeln, und dieser offene Brief solle dann— wie das auch geschehen ist— als Programmschrift für den Kongreß gedruckt und verbreitet werden. Alles das ist richtig und schien das Wissenswerte über jene Verhandlungen zu erschöpfen. Eine Veröffentlichung des Professors Hermann O n ck e n im Jahrgang 1912 des von Grllnherg hcrausgegebnen„Archivs für die Geschichte des Sozialismus" belehrt uns jedoch eines anderen. Es sind dies die Briefe Lassalles an Otto Dammer von Mitte Dezember Franzosen zu feiern pflegten nach ihren siegreichen Re- volutionen, sie feiern sie nach ihren Niederlagen." Verhältnismäßig selten nur begegnen wir Fremdwörtern; das Pedantische der gelehrten Sprache ist bis auf leichte Reste abge- schüttelt. Metaphorische Ausdrücke, Bilder und Vergleiche nicht eben häufig; aber wo sie auftauchen, sind sie häufig von überraschender Kraft und Plastik; gelegentlich auch zu grandioser Hinmalung ge- toeitet, wie in jenem berühmten Schluß des ArbeiterprogrammS, wo er den Tag der Erlösung in der emporsteigenden Sonne sieht. Ihre Anschaulichkeit, ihre Kraft und Klarheit erhält Lassalles Rede aber vor allem durch eines: durch ihre immer sich wieder- holende Anknüpfung an das Konkrete; durch ihre Be- ziehungen der allgemeinen Theorie auf einzelne Beispiele. Weisterlich versteht eS Lassalle, dadurch selbst schwierige Probleme volkstümlich zu machen. Die Ueberleitung des Allgemeinen auf daS Spezielle ist ihm so zur Natur geworden, daß ihm unter der Hand zum mindesten die Namen Peter und Paul, Wilhelm, Christoph, Gottlieb für jene Typen zufließen, deren wirtschaftliche oder soziale Bedeutung er darlegt. Mit außerordentlichem Geschick weiß Lassalle die Beispiele, die er näher entwickelt, zu gestalten. Man muß jene Stellen im „Bastiat-Schulze" gelesen haben, in denen der Charakter der mo- deinen Arbeitsteilung und Produktion daran klar gemacht wird, wie der Schneider der h»ute volee seine Kleidung bei dem Kauf- mann kauft, der seinerseits die Anzüge bei ihm anfertigen läßt, und was sonst in dieser Kette noch alles angeführt ist,— um die Kunst populärer Darstellung schwieriger wirtschaftlicher Probleme kennen zu lernen. Niemals auch wird Lassalle seine Wirkung verfehlen, wenn er einen Kunstgriff anwendet, den er zu einer kaum noch übertreff- lichen Vollkommenheit ausgebildet hat. Mit einer eigenen Vir- tuosität macht er den Gegner dadurch lächerlich, daß er aus seinen Ausführungen unbarmherzig eine zwar ungewollte, aber in der Regel durchaus berechtigte Konsequenz zieht. Der arme Schulze- Delitzsch erregt noch heute bei jedem Leser, der Sinn für Humor hat, stille Heiterkeit, wenw Lassalle ihm nachweist, daß nach seinen Theorien logischerweise Herr Borsig seine Maschinen eigentlich für den Familienbedarf produziere, um nur den„Ueberschuß" zu ver- kaufen, daß auch das Trauermagazin„zunächst vorsorglich für die Todesfälle in der eigenen Familie" arbeite...Was dann, indem diese zu spärlich ausfallen, noch übrig bleibt, wird ausgetauscht"... Und so geht eS scherzhaft noch lange weiter. Ein glänzender Fechter, weiß Lassalle jede Schwäche de? Geg- nerS auszunutzen; mit spielender Ironie, mit beißendem Spott, mit den wuchtigen Keulenschlägen der Leidenschaft schlägt er ihn zusammen. Mit..Setzeranmerkungen" würgt er den Literatur- Professor ab, ein Tertianer und ein Student müssen helfen. Den Kampf gegen den„großen" Sozialpolitiker dcS Fortschritts überläßt er gelegentlich auch einem Zehnjährigen. Im Kampf mit dem Gegner, scheint es fast, fühlt sich Lassalle am wohlften. Aber darum mangelt ihm doch auch nicht Pathos und innere Glut, wo er von der Sache spricht, die er selber vertritt. Eine Flamme, die so leicht nicht wieder verlöschen wird. 1862 an bis zum Ende Juli 1864, und die bei weitem inier- essantesten dieser Briefe sind eben gerade diejenigen, die der Zeit der besagten Vorverhandlungen angehören. Sie sind für Lassalles Denkart so überaus bezeichnend, lassen das Echte seines sozialistischen Empfindens so klar hervortreten, daß man seinen Gedenktag kaum besser als dadurch feiern kann, daß man die Arbeiterschaft auch mit dem Inhalt dieser Briefe bekannt macht. Der erste Brief Lassalles an Dammer ist eine kurze Antwort auf dessen Einladung zum Einweihungsfest des Vereins„Bor- wärts" in Leipzig. Interessanter ist dagegen der zweite Brief. Er trägt daS Datum des 13. Dezember 1862 und ist an Dammer und dessen engere Gesinnungsfreunde gerichtet, ganz ersichtlich die Antwort auf einen Brief, worin Tammer und Genossen Laffalle ihres Vertrauens versichert und ihn außerdem ersucht haben, ihnen einiges Genauere über sein bisheriges Wirken mitzuteilen. Sehr schön antwortet Lassalle zunächst, die landläufigen Höflich- keitSphrasen seien in ernsten Dingen nicht am Platze, er erkläre daher einfach, er würde den Ausdruck des Vertrauens in seine Per- son nicht annehmen, wenn er„nicht wüßte, desselben würdig zu sein". Dann gab er einen ganzen Abriß seiner bisherigen Stellung zu der Arbeiterpartei wie überhaupt seines politischen, Wissenschaft- lichen und literarischen Wirkens: „Seit meiner Uebersiedelung nach Berlin(1857) war es mein Hauptziel, in der Wissenschaft das revolutionäre und soziale Prinzip hcrauszuringen, ihm aus der Wissenschaft eine feste, unangreifbare Burg zu bereiten— die erste und wichtigste, wenn auch nur ganz langsam und allmählich wirkende Bedingung für seine praktische Verwirklichung— und gleichzeitig durch Flugschriften im geeigneten Augenblick eine un- mittelbare, politische Einwirkung auf das Volk auszuüben..." „Die Eroberung der Wissenschaft durch das soziale Prinzip und die wissenschaftliche Durchführung und Entfaltung desselben muß zu seiner praktischen Verwirklichung hauptsächlich auf zwei Gebieten der Wissenschaft vollbracht werden: auf dem Gebiet der .Rechtswissenschaft und auf dem der National- ö t o n o m i e." ..Auf dem ersten dieser beiden Gebiete, der Rechtswissenschaft, glaube ich diese Aufgabe bereits erfüllt zu haben durch mein 1861 in Leipzig bei Brockhaus erschienenes„System der erwor- benen Rechte(2 Bände)". Es ist dies ein umfangreiches, in die schwierigsten Teile der Rechtswissenschaft vertieftes Werk, welches das Gebiet derselben von Grund aus für das demokratische und soziale Prinzip erobern soll und somit, durch jene langsam«, aber gewaltige Einwirkung, welche die Wissenschaft auf das Leben hat, dem Avbeiterstand zugute kommt, aber fieilich nicht für den Arbeiter lesbar ist."... „Die Eroberung der ökonomischen Wissenschaft für das Ziel(gemeint ist das sozialistische Endziel) durch ein national- ökonomisches Werk, welches nur die strenge wissenschaftliche Aus- führung des oben erwähnten Prinzips zu sein hat, ist nun die andere Aufgabe, die mich gegenwärtig beschäftigt. Nach sechs- zehnjährigen ökonomischen Studien und Vorarbeiten bin ich vor wenigen Wochen daran gegangen, die Ausarbeitung des Manu- stripts zu beginne n." Hierbei habe ihn die Anklage wegen seiner Rede„DaS Ar- beiterprogramm" unterbrochen. Er gedenke ihr in einer Rode ent- gegenzutreten, der er den Titel geben werde„Die Wissenschaft und die Arbeiter" und nach ihrer Fertigstellung sofort wieder an das ökonomische Werk gehen. Diese? sollte nun jedoch als schwer- wissenschaftliches Buch herauskommen. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß aus diesem von Lassalle geplanten Werk sein« im Januar 1864 herauSgekommeue in. haltSreiche Streitschrift„Herr Bastiat Schulze von Delitzsch" oder „Kapital und Arbeit" geworden ist. Nach weiteren Ausführungen schließt Lassalle die Selbstschilde- rung mit der Erklärung, deren Wiedergabe an seinem Gedenktag besonders zeitgemäß ist: „Ich habe Ihnen dies« Uebersicht gegeben, weil in dieser an- gestrengten sechzehnjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit, hervor- gegangen aus einem und demselben unverrückbar festgehaltenen Gedanken, die einfachste und beste Garantie liegt, die ich Ihnen für den Ernst geben kann, mit welchem ich mich der Sache der Arbeiter gewidmet habe. „Ich halte es nicht erst der Mühe wert, näher zu erwähnen. daß ich sechzehn Jahr« lang die Verfolgungen der Regierung ge- tragen habe, ohne jemals in irgendeinem Konflikt einen Fußtritt zu weichen. Ich halte mich somit imstdnde, den Anforderungen des Platzes zu entsprechen, den Sie mir anbieten, und erklare mich daher im allgemeinen bereit, die Forderung zu erfüllen, die Sie an mich stellen, und die Führung der Arbeiterbewegung in meine Hand zu nehmen." Aus dem Schlußsatz kann nur gefolgert werden, daß Dammer und Genossen schon Laffalle die Rolle des Führers der neuen Ar- beiterbewcgung angeboten haben und Lassall« sich zur Uebernahme grundsätzlich bereit erklärt hat. In dem nächsten Brief— 20. Dezember 1862— wird von dem Besuch der Leipziger in Berlin gesprochen, der Ende Dezember 1862 stattfand. Ihre mündlichen Verhandlungen mit Lassalle führten zu einer Aenierung des ursprünglichen Plans. Nicht in einem Vortrag, sondern in einer Broschüre sollte Lassalle seine Ideen darlegen, und zwar in Form einer Antwort auf eine an ihn gerichtete Frage über die Aufgaben der Arbeiterbewegung. DaS war gut ausgesonnen, eS stellte sich indes die Schwierigkeit ein, daß im Komitee Bedenken auftauchten, ob ihm anstehe, sich in dieser Weise an Lassalle zu wenden. Man ließ daher diesen durch Lud- wig Löwe anfragen, ob er nicht auch ohne die offizielle Anfrage die Broschüre schreiben möchte. Laffalle schlug dies jedoch rund- weg ab, und zwar aus Gründen, die wieder überaus bezeichnend für feine Denkweise sind. Er entwickelt seine Einwände in einem Brief an Dammer vom 28. Januar 1863. Erstens wolle er nicht den Schein auf sich laden, als habe er sich in die Belvegung hineingedrängt. Zweitens würde die Abfassung einer Schrift über die Ar- beiterfrage, wenn sie nicht einfach als Antwort auf eine bestimmte Frage erfolge, für ihn die Verpflichtung zu einer theoretischen Vollständigkeit bedeuten, kraft deren die Schrift einen Um- fang erhalten müßte, zu dem ihm im Augenblick die Zeit fehle. Und drittens bestimme ihn der„sehr gewichtige Grund"— hier wollen wir aber Lassalle selbst sprechen lassen: „daß, wenn der Arbeiter noch Anstand nimmt, mich brieflich um meine Anficht zu befragen und mich zu einem brieflichen Aussprechen derselben aufzufordern— beiläufig: nur hiervon, nicht von der Aufforderung zu einer B r o- schüre war die Rede—, hierin für mich der beste und durch- zchlagendste Beweis liegt, daß die Zeit noch durchaus nicht gekommen ist, wo ich die Arbeiterbewegung in die Hand nehmen könnte!" Eine merkwürdige Argumentierung. So sehr einleuchtend die zwei ersten Einwände sind, und so sehr obendrein der zweite Lassalle zur Ehre gereicht, so wenig wird der dritte ohne weiteres als wohl- begründet erscheinen. Aber er hat doch einen guten Sinn und liefert den Schlüssel zu manchen Schritten Lassalles als Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. AuS ihm läßt sich aufs deut» lichste erkennen, was Laffalle als seine Aufgabe in der zu organi. sierenden Bewegung vorschwebte. Er wollte nicht der Leiter einer pröpäg and istischen Verbindung sein, welche die At» beiter erst zum Klassenbewußtsein zu erziehen hatte, sondern wollte als politischer Führer an die Spitze einer Bewegung tr«ten, die von einem größeren Teil der Arbeiterschaft mindestens schon als Bedürfnis empfunden wurde. Die Ablehnung des Vorschlages der Leipziger durch Lassalle hatte den Erfolg, daß man nun in der Tat vom Zentralkomitee eine Anfrage, wie er sie wünschte, offiziell an ihn gestellt wurde. Seine Antwort war das„Offene Antwortschreiben", mit dessen Veröffent- lichung die Agitation für den Allgemeinen Arbeiterverein ihren Anfang nahm. Diese Reife der Arbeiter ist für Lassalle Bedingung der Ueber- nähme der Führerschaft. Deshalb lehnt er es ab, selbst zu der nach Leipzig einberufenen Versammlung zu kommen, wo über die von ihm im„Offenen Antworffchreiben" entwickelten Grundsätze und Forderungen abgestimmt werden sollte. In der Erklärung, die er für diese Weigerung gibt, zeigt sich zugleich der edlere Beweggrund seines Vorbehalts. Er schreibt: „Ich habe den Arbeitern jetzt meine Gedanken und mein Programm entwickelt. Ob sie diese zu den ihrigen machen wollen, ist ihre(der Arbeiter) Sache; muß Sache ihrer freien theo- reti schen Ueberzcugung bleiben. Hier, in diesem Punkt, darf ich, um sie zu b e st i m m e n, keinen persönlichen Einfluß auf einer Vorversammlung üben."... „Denn bedenken Sie: wenn in der Versammlung meine Ge- danken nur deshalb triumphierten, nicht weil die Arbeiter sich sie zu eigen gemacht haben, sondern weil es meiner Persönlichkeit gelänge, durch Wärme und Macht des Wortes die Schulze-Telitzsch usw. niederzuschlagen— in welchen Selbstbetrug würde ich mich da nicht hineingearbeitet haben? Ich würde glauben, eine Masse hinter mir zu haben, die s o d e n k t w i e i ch, während ich nur eine Masse hinter mir hätte, die einen Moment von dem Atem meines Mundes fortgerissen ist. Ich würde glauben, eine selbständige Bewegung hinter mir zu haben, für die ich nur ihr bewußter Ausdruck bin— und ich würde nur das Schattenspiel meiner eigenen Beweglichkeit und Rührigkeit hinter mir haben! Eine solche Bewegung würde mit .Blame und Ohnmacht schließen müssen! Nein, ich brauche, wenn ist mich an Eure Spitze stellen und Eure Sache in meine Hand nehmen soll, den Beweis, daß die Arbeiter auf demselben Gcdankenboden stehen, daß ihnen diese Dinge innerliches Eigentum geworden sind und daß sie meine persönliche Anwesenheit nicht mehr nötig haben, um zu wissen, wie sie denken sollen. Tann kann ich mit irgendwelcher Hoffnung die Ausführung übernehmen. Sonst aber ist alles eitel Schein und Wind, die Arbeiter zur praktischen Agitation in einem Sinne noch nicht reif, und ich täte im Arbeiterinteresse selbst dann viel besser, mich noch in die theoretische Arbeit und Propaganda zurückzuziehen." Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß Lassalle bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins nichts ferner lag, als die Gründung einer sozialistischen Sekte, so ist er in dieser Auseinandersetzung geliefert.„Ich würde glauben, eine selb- ständige Bewegung hinter mir zu haben, für die ich nur ihr bewußter Ausdruck bin, und ich würde nur das Schattenspiel meiner eigenen Beweglichkeit und Rührigkeit hinter mir haben." DaS ist ein prachwoller Ausspruch. Wie immer man über daS persönliche Führertum denken mag, so wird man jedenfalls zugeben müssen, daß feine Notwendigkeit vorausgesetzt, ihm von Lassalle hier eine Bedingung gestellt wird, wie sie nicht würdiger formuliert werden konnte. Nicht eine durch das tönende Wort hingerissene Massenbewegung, sondern eine auf festen Ueberzeu- g u n g e n und tief sitzenden Erkenntnissen gegründete Arbeiterbewegung wollte er zu politischem Kampfe und Sieg führon. . Di« Dinge haben ihre Logik, die stärker ist, als der kräftigste persönliche Wille. Nachdem Lassalle das Antworffchreiben in die Welt geschickt hatte, war er genötigt, seine Absichten in bezug auf sein persönliches Auftreten nach den Bedürfnissen abzuändern: wie sie der Gang der Ereignisse zeitigt«. Die Arbeiter, die zu Schulze- Delitzsch hielten, beschlossen, den vom Leipziger Zentralkomitee ein« berufenen Kongreß überhaupt nicht zu beschicken. Lassalle aber ward durch die Angriffe, die das Antwortschreiben erfuhr, so stark in die Bewegung gezogen, daß er den Kongreß nicht mehr auf sich beruhen lassen konnte. ES wurde unvermeidlich, daß er wenigsten? mit seiner Person in Leipzig erschien. Aber im wichtigsten Punkt hat er doch auch dort au seinem ersten Vorhaben festgehalten. In die Verhandlungen deS Kongresses hat er nicht mit einer Silbe eingegriffen, ihm vielmehr von Anfang bis zu Ende als stummer Zeuge beigewohnt. Es hat damals und später die verschiedenste Beurteilung erfahren, ist vielfach sehr ungünstig für Lassall« auZ- gelegt worden. Wir wissen aber nun, welches die wahren Beweg- gründe seines ihm sicherlich nicht leichtgewordenen Stillschweigens gewesen sind. Man kann in ihnen Zeugen eines Lassall« noch innewohnenden Doktrinarismus erblicken. Aber sie waren zugleich Aus- flüsse einer sittlich hohen Auffassung der Arbeiterbewegung und eines wahraft edlen Begriffes von der Voraussetzung polifischer Führerschaft. Ed. Bernstein. Lassalles Toö. In folgendem veröffentlichen wir einen Brief von Gustav L e v y in Düsseldorf, dem langjähttgen Freunde L a s s a l l e s> an Bernhard Becker, den zweiten Präsidenten des All- gemeinen deutschen Arbeitervereins. Der Brief, dattert vom 2. September 1864, gibt einen treffenden Begriff von der atemlosen Bestürzung, in die L a s s a l l e s jähes Ende seinen Freundeskreis warf. Das Schreiben lautet: Lieber Herr Becker! Ich beschwöre Sie hiermft, mir umgehend ausführliche Mit' teilungen zu machen, namentlich darüber, ob es einen Zweck haben kann, wenn jemand von hier nach Gepf reist, ob die Beerdigung unseres großen Toten schon stattgefunden und ob Sie etwa nach Genf reisen wollen, für welchen Fall ich Ihnen das nötige Geld senden würde. Nach Genf habe gestern telegraphiert an I o h- PH. Becker, aber keine Antwort bis jetzt erhalten. Gestern las ich die schreckliche Depesche in den Zeitungen und heute erhielt auch von W i l l m s die erschütternde Trauerkunde brieflich be- stätigt. Sie können denken, in welchen Zustand ich versetzt bin. und dies an sich selbst wohl am besten empfinden. Ihr Tele- gramm im„Frankfurter Journal" las ich heute. Erzeigen Sie mir den Gefallen, mir ausführlicher zu berichten und zwar um- gehend. Hatte Lassalle sich wirklich duelliert oder ist er meuchlings ermord e.t worden? Ich bin in der fürchterlichsten Unruhe, in fieberhafter Aufiegung halb verrückt, drum eilen Sie mit näheren Mitteilungen. An W i l l m S hatte ich gestern auch telegraphiert, aber nur dürftige fchrifiliche Nachricht erhalten, die am 31. abends geschrieben. Auf meine Depesch« nach Berlin bin noch ohne jede Antwort. Welche Hoffnungen sind nun begraben, eS ist zu schrecklich! Ihr bis ins tteffte Mark erschütterter Gustav Levh. Düsseldorf. 2. Septbr. 1864. Ich selbst kann unmöglich nach Genf 1) meines Zustandes, 2) des Geschäfts wegen, das ich nur mit großer Mühe noch leiten vermag, so gut es geht. Bergntwottlichsr Rcfeafigun AHUld ÄMolz» Njulöftn, Für den Inseratenteil veraptw. 4 Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u, BerlagSanjtalt Paul Singer& Co, Berlin S,