Nr. 239.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 m., möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., füz politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983. Die Kämpfe in und um Mülhausen i. Els. Mittwoch, den 2. September 1914. Die elsässische Bevölkerung Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984. und die deutschen Truppen. nige, daß die Bevölkerung sich mit dem deutschen Volke eins fühlt. einer Liste, die sie von Belfort mitgebracht hatten. Am Donnerstag einmaligen Vive- la- France- Ruf auf dem Neuquartierplak und dem traf immer mehr französisches Militär ein. Zwischendurch dauerten Jubel der kleinen Zahl der dort versammelten Personen ist nichts die Verhaftungen deutscher Bürger fort. Auf jede Denunziation vorgekommen, was auch nur zu der Vermutung berechtigte, daß hin wurden Verhaftungen vorgenommen; teilweise mußten die Mülhausens Bürger auf deutsche Truppen geschossen oder sich sonst Verhafteten wieder freigelassen werden, zum Teil wurden sie als unfreundlich gegenüber den deutschen Truppen benommen hätten. Geiseln nach Belfort geschleppt. Freitag und Samstag hörten wir während der ganzen Zeit wurde von der Mülhauser Bürgerschaft ständig fernen Geschüßdonner, Samstag auch wieder Gewehrfeuer. den durchmarschierenden deutschen Truppen mit aller Freundlich Von einem Mitglied der Mülhauser Gemeindevertretung wird Sonntag, den 23. August, vormittags 8 Uhr, wurde die französische feit entgegengekommen, Essen und Trinken auf den Straßen an sie uns geschrieben: Trifolore feierlich auf dem Mülhauser Rathaus verteilt, wurden sie mit Zigarren und sonstigen Liebesgaben beAm Freitag, den 7. August, verließen die Zibilbehörden bie gehigt. Die Franzosen requirierten alles mögliche, schenkt, sodaß es unrecht wäre, der Bevölkerung an und für sich unStadt Mülhausen. Samstag abends 7 Uhr zogen die Franzosen, 4000 Paar Schuhe, ebensoviele Hemden, Hunderte von Ar- freundliches Verhalten zum Vorwurf zu machen. Aber selbst wenn nachdem sie die schwachen deutschen Truppen aus den Vogesen beitern für Schanzarbeiten, die während des fortgesezten Kanonen- festgestellt werden sollte, daß einzelne Personen sich zu Unfreundzurückgeworfen hatten, in die Stadt ein. Am Neuquartierplaz donners vorgenommen wurden. Montag, den 24. August, abends lichkeiten, ja sogar zu tätlichen Angriffen hätten hinreißen lassen, hatte sich eine Menge von 200 bis 300 Personen angesammelt, sehr 8 Uhr, zogen dann die Franzosen ganz plöhlich ab und gaben die was aber bis jetzt in keiner Weise geschehen ist, denn auf eine Aufbiele der Schule noch nicht Entwachsene, einige Angestellte und eine geschaffenen Befestigungen und Verschanzungen tampflos auf. forderung der Stadtverwaltung, solche Vorgänge zu melden, und Anzahl älterer Leute. Von diesen alten Leuten umarmte einer Dienstag wechselten wieder deutsche und französische Patrouillen auf die Aussehung einer Belohnung von 1000 M. ist keine einzige feinen in der französischen Armee als Offizier dienenden miteinander ab, ohne daß es zum Kampfe tam. Am Mittwoch- derartige Meldung ergangen so dürfte man dieses Verhalten der Schwiegersohn, ein anderer umarmte den Obersten des Regiments, morgen wurde dann auch die eingeführte französische Zeit gesamten Bevölkerung unter feinen Umständen zur Last legen und da er früher in diesem Regiment gedient hat und eine Anzahl wieder durch die deutsche Zeit ersetzt. sie dafür verantwortlich machen wollen. Die drei in Betracht komLeute riefen:„ Vive la France!". Am Sonntagnachmittag griffen menden Kommandierenden Generäle haben der elsaß- lothringischen die deutschen Truppen die Franzosen an. Die Stadt wurde, da Bevölkerung öffentlich ihren Dank ausgesprochen dafür, daß die eine französische Batterie auf einem Berge oberhalb der Stadt Mobilmachung in Elsaß- Lothringen sich in geradezu glänzender stand, stellenweise mitbeschossen. Das Bombardement dauerte den Weise vollzogen habe. Dieser Umstand allein beweist schon zur Geganzen Nachmittag und die ganze Nacht fort. Die Bevölkerung fuchte Schutz in den Kellern. Abends 9 Uhr begannen die FranGenosse Leopold Emmel, der Vertreter Mülhausens im Deshalb sollte man auch in Altdeutschland Bedenken tragen, leichtzosen den Rückzug. Teile ihrer Truppen verteidigten den Ring- Deutschen Reichstage, schreibt uns: fertig Anklagen gegen das elsaß- lothringische Volk zu erheben. Kein bahndamm bis Montag vormittag. Dann erfolgte der Einmarsch Die Behauptung, daß Mühauser Bürger auf deutsche Truppen Mensch billigt in Elsaß- Lothringen solche Dinge, wenn sie borgeder Deutschen. Am selben Abend fano in der Stadt eine große geschossen hätten, ist in Altdeutschland start verbreitet worden und kommen sein sollten. In Mülhausen und der näheren Umgebung Schießerei mittels Maschinengewehren und Infanteriegewehren die deutschen Truppen, die zuletzt nach Mülhausen kamen, haben sind sie nicht vorgekommen. Deshalb protestiere ich sehr entschieden statt. Die Ursache war ein französischer Flieger, der die Stadt unter dem Einfluß dieser Behauptung sich zu mancher Unfreund- dagegen, daß diese Märchen weiterverbreitet werden und später überflog und von den Truppen beschossen wurde. Im Anschluß lichkeit gegenüber den Bewohnern Mülhausens verleiten laffen. eventuell als historische Wahrheit aufmarschieren. Zu diesem Prohieran behaupteten Angehörige der Truppen, sie seien aus Häusern Dieser Behauptung muß aber entschieden widersprochen werden. Ich test fühle ich mich um so mehr gezwungen, da ich selbst geborener und umschlossenen Gebäuden beschossen worden. Da an den folhabe die Striegstage in Mülhausen miterlebt. Abgesehen von dem Altdeutscher bin. genden Tagen noch eine Reihe von französischen Gefangenen innerhalb der Stadt gemacht wurden, so besteht die Möglichkeit, daß bon diesen Soldaten auf deutsche Truppen geschossen worden ist. Andererseits ist aber auch festgestellt, daß die deutschen Truppen an Fensterpfeilern die fchlagende Geschosse, Anschlagen Funken entwidelten und eine Staubwolfe aus. löften, als aus den Fenstern abgegebene Schüsse betrachteten. Dieser Umstand sowie die oben erwähnte Szene bei dem Einmarsch der Franzosen dürfte dann der übereifrigen altdeutschen Presse Anlaß gegeben haben, etwas zu leichtfertig über die Unzuverlässigkeit der elsässischen Bevölkerung herzuziehen. Bedauerlich ist auch, daß sich selbst die Militärpersonen durch diese Vorgänge zu harten Maßnahmen gegen die Bevölkerung verleiten ließen. beim a n= Zwischen den Schlachten. Westlicher Kriegsschauplah. Neue englische Rüstungen? Und endlich sagt der Brüsseler Telegraaf", allerdings im nach der Offupation erschienenen Blatt in seiner Nummer bom 24. August: Wir können uns nicht den Entschuldigungen anschließen, die London, 28. Auguft.( W. T. B.) Wie die Blätter melden, für die lendenlahme Art, wie die franzöfifche Armee uns zu Hilfe(?) auf die Schlachtbank geführt, unter dem Stachel der behat Churchill mitgeteilt, daß englische Seefoldaten gekommen ist, vorgebracht werden. Man hat unsere Jungen Ostende und die umliegenden Bezirke besetzt hätten. Kitchener fordert zum Eintritt in eine zweite Ersatz- geisternden Zurufe:" Fürchtet Euch nicht, die Franzosen kommen!" armee von 100 000 Mann des regulären Heeres auf. Die Altersgrenze beträgt 19 beziv. 35 Jahre. Die Zahl der Meldungen zum ersten Ersakheere sei befriedigend gewesen. Abreise der belgischen Königin aus Antwerpen. Die Deutschen in Brüssel. " Von Montag bis Freitag hatten wir Ruhe. Freitag nachmittag berließ die Zivilverwaltung, Post, Reichsbant, Bahnpersonal wieder die Stadt. In der Nacht vom Freitag auf Samstag entstand in dem Vorort Burzweiler eine ähnliche Schießerei, wie sie am Montag in der Stadt vorgekommen. Die Auffassung der deutschen Truppen, daß aus Häusern auf sie geschossen worden sei, führte dazu, daß in Burzweiler von deutschen Truppen 43 Häuser niederAntwerpen, 31. August. Die Königin hat Antwerpen heute vor geschossen und in Brand gesteckt wurden, außerdem zwei große mittag verlassen, um ihre Kinder nach London zu begleiten. Fabriken. Der Inhaber der zusammengeschossenen Fabrik Bernheim genügt als Dragoneroffizier in einem deutschen Regiment Seiner Dienstpflicht. Ueber 1000 Arbeiter sind infolge des Niederbrennens der beiden Fabriken brotlos geworden. Sechs Männer, darunter ein Varteigenosse, der keiner Müde etwas zu leide getan hätte, wurden bei dieser Gelegenheit erschossen, 74 Personen in Haft genommen, die alle, da bestimmte Anklagepunkte gegen sie nicht formuliert werden konnten, wieder freigelassen werden mußten. Frauen und Kinder mit Säuglingen wurden nachts im Regen auf das freie Feld gebracht. Die Stadtverwaltung ließ durch Rechtsanwälte über diese Vorgänge alle Beteiligten zu Protokoll vernehmen. Der französische Truppentommandant hat diese Akten mitgenommen, denn nur Frankreich hat großes Interesse an der Schaffung eines derartigen Gegenfazes zwischen Deutschland und dem Elsaß, und die Allzueifrigen sehen daran, wem sie eigentlich mit ihrem Vorgehen gegen die Elsässer gedient haben. Das Amsterdamer Handelsblad" meldet nach der Frankfurter Zeitung", daß Bürgermeister Mag von Brüssel sich die größte Mühe gebe, um 8wischenfällen vorzubeugen. Er hat einen strengen Polizeidienst mit Hilfe der Bürgerwehr eingerichtet, die mit Säbel und Revolver bewaffnet sind. Die Postbeamten tun Hilfspostdienst. Auf dem Kongreßplag, der die ganze Unterstadt beherrscht, stehen auf die Stadt gerichtete deutsche Kanonen. Der deutsche Kommandant überläßt die Kontrolle vollständig dem Bürgermeister und die Belgier dürfen ruhig ihre Nationalfarben im Knopfloch tragen und die National fahne an den Häusern flattern lassen. " Belgische Anklagen gegen Frankreich und England. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Tag für Tag fämpften unsere Truppen. Ihr Heldenmut zwang der ganzen Welt Bewunderung ab. Ihr hartnäckiger Widers stand bereitelte den ganzen Ueberrumpelungsplan der Deutschen und darum sagen wir geradeheraus, daß Frankreich trotz aller auf gestellten Pläne seine Pflicht verabsäumt hat und wir beziehen die Engländer in diesen Tadel ein, mit dem Vorbehalt, daß der Brite nicht so rasch hier sein konnte wie der südliche Nachbar, dem wir alle unfere Eisenbahnzüge und unser ganzes Material zur Verfügung stellten. Und nun, nachdem sie unsere Söhne haben morden lassen beginnen fie ihren(?) gut einstudierten(?) Plan auszuführen, der allein darin besteht, ihr eigenes Gebiet vor der Invasion zu bewahren und den Kampf auf unserem Boden auszufechten." An der Ostgrenze. 10000 russische Gefangene mehr. Berlin, 1. September.( W. T. B.) Nach weiteren Mitteilungen des Hauptquartiers ist die Zahl der Gefangenen in der Schlacht bei Gilgenburg- Ortelsburg noch größer gewesen als bisher bekannt. Sie beträgt 70 000 Mann, darunter 300 Offiziere. Das gesamte Artilleriemate rial der Russen ist vernichtet. Die Laatfte Rieuws( Center Ausgabe) stellen die Frage, ob Vom östlichen Kriegsschauplah. VI. Ostfront, den 29. August 1914. Maschinengewehre, Kleinkalibrige, Schnellfeuergeschüße und die Belgier allein, ohne Bundesgenossen, den Kampf vom 5. bis Von Sonntag bis Dienstag war wieber Ruhe. Dienstag 19. Auguſt geführt hätten. Sie berufen sich auf eine offizielle Note hatten wir abwechselnd deutsche und französische Patrouillen in der des belgischen Ministeriums vom 17. August, die folgendes erklärte: Stadt, ohne daß es zu einem Kampfe kam. Mittwoch, den Gebt dem Cäsar, was des Cäsars ist. Die französische Reiterei 19. August, morgens 9 Uhr, begann ein Infanteriefeuerkampf am scheint, obzwar sie das belgische Gebiet betreten hat, nicht mit Automobile sind die entscheidenden Kriegswerkzeuge geworden; sie Bahnhof. Die deutschen Truppen rückten durch Dornach gegen die geholfen zu haben, die Deutschen an der Maas festzuhalten. Alle geben dem Kriegsbilde heute das Gepräge. Halt! Noch ein Wertan der Festhaltung und Umschließung des deutschen zeug muß genannt werden: das Flugzeug; gerade dieses hat in franzöfifchen Truppen vor. Von 10 Uhr ab schoß die französische Ehre den Kämpfen der letzten Tage eine wichtige Aufgabe erfüllt, mit Artillerie mit schweren Granaten auf die vordringenden Deutschen Angriffs fommt den Belgiern zu, ohne Einschränkung." Genter Flandre Libérale" 21. August entlehnt erstaunlicher Genauigkeit die Stellungen und Bewegungen des und warf sie mit starken Verlusten zurück. Das Arbeiterviertel in Der Dornach wurde zum Teil zusammengeschossen, der Vorort dasselbe Blatt die Säße:„ Wir können es jetzt wohl sagen: Feindes erkundet. Der Kommandierende wußte, wie er zu handeln Es find noch keine Engländer in Belgien. Das englische hatte. Brunnstadt litt auch gewaltig unter dem französischen Expeditionstorps ist in Dünkirchen und Calais ausgeschifft. Es ist Der alte Landsknecht war sozusagen ein Kunsthandwerker bes Artilleriefeuer. Infolge einer Flankenbewegung der deutschen im Anmarsch nach Belgien, aber wir haben nicht warten können. Truppen hatten auch die Franzosen starke Verluste. Um 4 Uhr was das französische Heer betrifft, so war dieses durch Kavallerie Krieges. Körperliche Gewandtheit, Kühnheit und Verschlagenheit nachmittags rückten die Franzosen wieder in Mülhausen ein. Am vertreten, die sich am Mittwoch noch fern vom Land befand und machten den Mann. Und seine Taten waren sein Stolz und sein felben Abend verhafteten sie den Bürgermeister durch zahlreiches Fußvolt, das durchaus zu fern war, um inter- Glüd. Ihm umwob sich das Kriegsspiel mit einem Schein von Boefte und Romantit. Heute nichts mehr davon: der Krieg ist Sofmann und eine Reihe angesehener Personen auf Grund venieren zu können, prosaisch geworden wie ein Fabrifiktrieb. Nur noch höchst selten hat der Soldat Gelegenheit, im Nahkampf, Mann gegen Mann, als lfdeiter oder Fechter persönliche Bravour zu zeigen. Die Technik hat ihn zum Maschinenarbeiter gemacht, zum Massenproduzenten... Ter leitende Ingenieur gibt das Zeichen; unter furchtbarem Getöse setzt sich die Maschinerie in Bewegung und verrichtet ihre blutige Arbeit. Für das leitende Hirn des ganzen Kampfapparates, den Ober- kommandierenden, kommt es darauf an, den Tod und Verderben bringenden Maschinen den richtigen Standort zu geben, sie in dichte, ungedeckte Massen des Feindes hineinspielen zu lassen. Der leitende Kopf der Ostarmee, Generaloberst von Hindenburg, versteht offenbar dies« Kunst.— Die Deutschen zu umspannen, dann selbst nach Nordwesten vorzustoßen, war das Ziel der Russen. Fast schon, so schien es, hatten sie gewonnenes Spiel. War doch bereits die Räumung des Gebiets bis Marienwerder angeordnet worden. Da zog sich, ohne daß die Russen es merkten, ein eiserner Gürtel um sie zusammen. Die Ordonnanzen flogen, der Telegraph arbeitete; Truppenkörper setzten sich in Bewegung, um den 5lreis zu schließen. Nicht voll- ständig! Es blieb ein Loch.... Nach dreitägigem Ringen war die Schlacht entschieden, der Feind auf der Flucht, die Deutschen hinter ihm her. Nun sehe ich die Spuren. Der Kriegslärm ist verstummt, ermattete, verstaubte Krieger kehren zurück. Viele, die dabei waren, versichern mir: Mit wahrer Wut drängten die Sol- daten vorwärts, die Offiziere konnten sie nicht halten.— DaS wilde Begehren, die Russen zu schlagen, ist gewiß nicht bloße Freude am Vernichten gewesen, der Zorn über den gestörten Frieden hat die deutschen Krieger aufgepeitscht.— Ich sah kein siegestrunkenes Auge, hörte keinen berauschenden Siegesgesang, vernahm keinen lärmenden Freudentrubel. Stumm und still suchten die zurückkehrenden Soldaten ihre Quartiere auf. Ich glaube, sie hatten ein ähnliches Gefühl wie der Arbeiter, der abends von ermüdendem, unangenehmem, aber notwendigem Tage- werk aufs Lager sinkt. Der Dorfpolizist ruft mit heiser tönender Schelle die Be- wohner zusammen, verkündet den Sieg, fordert auf zu illumi- nieren und die Häuser zu beflaggen. Glockengeläut dringt durchs offene Fenster zu mir herein. Morgen werden Dankgottesdienste abgehalten. Verwundete bringt man ins Dorf, Leichtverletzte und tödlich Getroffene. Ihnen zu helfen ist aller Bemühen. Nun kommen Transporte von gefangenen Russen. Die meisten schauen zu Boden, verwahrlost oder unterernährt sehen sie nicht aus. Ein Kranz Bewaffneter umgibt sie; Dorfleute sind ihr frei- williges Geleit. Nur neugierig ist man, kein Schmäh- oder Droh- wort fällt. Schaurige Geschichten von Grausamkeiten der Russen laufen um, von vergewaltigten Frauen, verstümmelten Mädchen. Ein alter Mann aus der Gegend, er nannte mir seinen Namen, wollte es nicht glauben. Es würde viel geschwindelt, meinte er; bis zum vorigen Sonntag sei er in seiner Ortschaft geblieben, da seien die Russen eingezogen und es sei nichts geschehen. Ein deutsch sprechender russischer Offizier habe zu ihm gesagt: Bleiben Sie ruhig hier, es geschieht Ihnen nichts. Und er habe nichts von Ge- walttaten gehört, solange er dageblieben sei. So meinte der Alte. Hoffentlich hat er recht und nicht nur für sein Dorf! Wilhelm� Düwell, Kriegsberichterstatter. vom österreichisih-russlsihen Kriegsschauplatz. Der Stand der Niesenschlacht. Wien, t. September. sW. T. B.) Die Meldungen der Krieg«- berichterstatter der Blätter aus dem KriegSpressequartier stimmen darin überein, daß die österreichisch-ungarische Offensive im Norden unter anhaltenden harten Kämpfen stetig fortschreite. Sie ist nach vorwärt« in der Breite bedeutend gewachsen. Die Haupt- entscheidung in der Nordfront steht bevor. An der Ostfront ist die Lage stationär, jedoch günstig. Durch die Meldungen über die Besamtlage der Millionenschlacht erscheint die Annahme begründet, daß eine ähnliche Taktik von den Führern der öfterreichisch-ungarischen Truppe befolgt wird, wie sie von dem deutschen Generalstab gegenüber Frankreich so erfolgreich angewendet wurde. Die östliche Armeegruppe behauptet sich in ihrer vorzüglichen Stellung fortgesetzt gegenüber einer großen feindlichen Uebermacht. Hinsichtlich der bevorstehenden großen Entscheidung werden allgemein günstige Erwartungen gehegt. Die bisherigen Erfolge sind außer durch die geniale Führung durch die unbestreitbare todesverachtende Haltung der öfterreichisch-ungarischen Offiziere und Mannschaften er- rungen._ der Seekrieg. die dlockaöe von Kiautschou. Einem Privattelegramm der„Frankfurter Zeitung" zufolge hat der japanische Botschafter in London, angekündigt, daß die Blockade der Küste von Kiantfchou am 27. August 9 Uhr morgens be- gönnen hat.__ die Kriegstätigkeit in öer Lust. Von der Tätigkeit der Lenkballons und der Nugzeuge hören wir verhältnismäßig wenig. Das hat recht gute Gründe. Denn Luftschiffe sowohl wie Flugmaschinen sind in erster Linie Auf- klärungsmittel, deren kriegerische Aktionskrast von den Laien vielfach überschätzt worden ist. Es macht sich ja so hübsch, ivenn nian allerhand romantische Geschichten von der Vernich- tungsarbeit dieser neuesten Kriegswaffe zusammenfabuliert, allein die Leistungen auf diesem Gebiete scheinen einstweilen recht bescheidene gewesen zu sein. Was übrigens von vornherein zu erwarten war. Ein Zeppelin soll allerdings in Lüttich mit großem Erfolg eingegriffen haben. Aber ob seine Bomben nur Verheerung uud Verwimma in der Stadt selbst angerichtet oder ob sie bei dem Bombardement eines Forts irgendwelche Rolle gespielt haben, steht völlig dahin. Vermutlich aber handelte es sich in Lüttich auch nur um emen Demsnstrationsakt wie in Antwerpen. Bomben aus der Lust lassen sich einst- weilen kaum mit der Präzision abwerfen, um Festungswerken oder Kriegsschiffen sonderlichen Schaden zuzufügen. Auch der von gewissen Seiten, selbst militärischen Sachver- ständigen, erwartete Krieg in den Lüften selbst, die wechselseitige Bekämpfung von Lenkballons untereinander und Flugzeugen und lenkbaren Luftschiffen andererseits, ist offenbar ausgeblieben. Man beschränkt sich augenscheinlich in der Hauptsache auf den Aufklärungs- und Meldedienst. Hier liegt— soweit nicht allzu- starker Sturm und unsichtiges Wetter die Tätigkeit der Luft- fahrzeuge einschränkt— die H a u p t st ärke der Lustflotte. Das oben Ausgeführte wird auch bestätigt durch folgende Meldungen. Nach einer Korrespondenz der„Köln. Z t g." aus Luxemburg soll dort in der Nacht von: 22. auf den 23. August ein französischer Lenkballon Bomben abgeworfen haben. Das Blatt schreibt darüber: „In der Nacht vom Samstag zum Sonntag, um 12% Uhr, wurde das Bahnhofsviertel durch einen fürchterlichen Knall in Aufregung versetzt. Aber auch in der Stadt wurde an vielen Stellen der Schlag vernommen, als wäre er in unmittelbarer Nähe erfolgt. Was war geschehen? Aus der Bahnhofswirtschaft liefen die Gäste, Zivil und Militär, heraus, Offiziere kamen aus ihren Quartieren mit dem Revolver in der Faust, Rufe und Stimmengewirr durcheinander. Der erste Gedanke war, daß die Franzosen eine Ueberrumpelung ausgeführt hätten. Aber kaum einige Sekunden nach dem ersten Schlag sahen Zlugenzeugen aus der Höhe einen leuchtenden Körper fallen, der sich zischend fort- während überschlug und einen Flammen- und Funkenregen um sich streute. Er fiel auf dem Bürgersteig vor dem Fürsten- Pavillon zu Boden. Und wieder einige Sekunden später gab es im Hinterbau des Hotel International lBeffort) ein lautes Krachen und Splittern, aus einem Loch im Dach, dicht am Giebel, der an die Joseph-Junck-Straße stößt, stieg es wie eine Rauchwolke, die aber rasch verwehte und sich als Staub heraus- stellte. Ein franzöfiscbes Flugzeug— wahrscheinlich ein Lenk- b a l l o n, dessen Silhouette einig« gesehen haben wollen— war von Bonneweg herübergekommen und hatte fünf Bomben geworfen, offenbar zu dem Zweck, die Bahnhofsanlage zu zer- stören. Die erste Bombe fiel unweit des Bahneinschnitts in einen Garten auf der Bongeschgewann, die zweite nicht weit davon ins steie Feld, die dritte auf das Geleise südlich der neuen Bonneweger Brücke. Diese Bombe riß beim Platzen ein m e h- rere Raummeter messendes Loch und beschä- digte hauptsächlich die unterirdisch verlegten W e i ch e n z ü g e. An der Hinterstont der Häuser, die dort an den Bahneinschnitt stoßen, waren durch den Luftdruck alle Fensterscheiben gesprungen, und auch in der Bonnewcger Straße waren von der Brücke her stadtwärts viele Scheiben geplatzt. Die vierte Bombe, anscheinend ein Frühzünder, fiel, wie gesagt, vor dem Fürstenpavillon auf den Bürgersteig und blieb dort liegen. Nach einer Meldung des(englischen) Bureaus Reu- t e r soll umgekehrt ein deutscher Flieger am Sonntag, den 30. August, Paris überflogen und dort Bomben ab- geworfen haben. Wie die„Franks. Ztg." sich über Rom inelden läßt, soll das Flugzeug in einer Höhe von 2000 Metern mittags eine ganze Stunde über Paris geschwebt und drei Bomben herabgeworfen haben. Die erste fiel auf eine Druckerei, die zweite explodierte vor einem Bäckereibesitzer, der an der Kasse saß; der Mann wurde durch Splitter leicht verwundet. Die dritte fiel in die Rrie Recolette. Zwei Frauen wurden schwer verwundet. Die Bevölkerung glaubte zuerst, daß eine Gasexplosion vorliege und lief an der Stelle zu- sanrmen, wo die Detonationen gehört wurden. Bald erschien Feuerlvehr und Polizei und sperrten ab. Auch diese Nachrichten beweisen, daß es sich beim Bom- bsnwerfen aus Luftfahrzeugen um Zufallstreffer handelt. Ein entscheidendes Eingreifen in die kriege- rischen Aktionen durch das Bombardement einer Luftflotte ist danach während dieses Feldzuges auch für die Zukunft kaum zu erwarten. Welcher Wert Flugzeugen und Lenk- ballonS aber für den Erkundungsdienst zukommt, wird sich erst nach Beendigung des Krieges übersehen lassen. kriegsbekanntmachungen. Ein neuer Gnaüenerlaß. Berlin, 1. September.(W. T. B.) Allerhöchster Erlaß betreffend Begnadigung der wegenWehrpflicht- Verletzung usw. Verurteilten. Wir Wilhelm, von GotteS Gnaden König von Preußen usw., wollen allen Personen, die sich bis zum heutigen Tage der Verletzung der Wehrpflicht(§ 140 Reichsstrafgesetzbuch) oder der unerlaubten Auswanderung(Z 860 Ziffer 3 Reichsstrafgesetzbuch) schuldig gemacht haben, soweit Uns das Be- §nadigungsrecht zusteht, den Erlaß der verwüsten Geldstrafe, Freiheitsstrafe und Kosten in Aussicht stellen, wenn sie während des gegenwärtigen 5krieges unverzüglich, jedoch spätestens tnnerhalb dreier Monate vom heutigen Tage an ge- rechnet, im Deutschen Reich, in einem Deutschen Schutzgebiet oder auf einem Schiffe der Kaiserlichen Marine sich zum Dienst stellen und ihr Wohlverhalten während ihrer Abwesen- heit glaubhaft nachweisen. Ausgeschlossen davon bleiben diejenigen, die 1. das 43. Lebensjahr vollendet. 2. die deutsche Reichsangehörigkeit verloren haben und Staatsangehörige eines ausländischen Staates sind. 3. als dienstunfähig befunden werden, sofern sie wegen ihres körperlichen ZustandeS ihre derzeitige Dienstfähigkeit nicht annehmen konnten. Ich beaustrage Sie, für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen. Großes Hauptquartier, den 29. August 1914. (gez.) Wilhelm. (ggez.) Beseler. v. Falkenhayn. v. Loebell. An die Minister der Jusfiz, des Krieges und des Innern. die Haltung Rumäniens. Mit großer Bestimmtheit treten Nachrichten auf, nach denen die Russen für Serbien bestimmtes Kriegsmaterial transportieren. An der Donaumllndung werden angebliche Vorbereitungen für Transporte russischer Truppen nach Serbien ge- troffen. Die Benutzung des Donauweges bedeutet einen Bruch der rumänisch-bulgarischen Neutralität. Bewahrheiten sich diese Meldungen, so wird Rumänien sich bald entschließen müssen, ob eS seine Neutralität den Russen gegenüber eventuell mit b e- waffneter Hand verteidigen will. Man wird sich erinnern, daß zu Beginn deS Krieges wiederholt berichtet wurde, daß Ruß- 1 land an der rumänischen Grenze größere Truppenmaffen konzentriere. Rumänien ist also von Anfang an einem starken russischen Druck ausgesetzt gewesen. Ob dieser Druck zu offener Feindseligkeit über- gehen oder ob Rumänien den russischen Zumutungen nachgeben wird, können vielleicht schon die nächsten Tage zeigen. Der Ausgang der Riesenschlacht in Polen wird vielleicht für diese Entscheidung schließ« lich bestimmend sein.__ Eine Erklärung üer hollänüischen sozialistischen Kammerfraktion. In einer außerordentlichen Sitzung der holländischen Zweiten Kammer, die am 26. August zum Zwecke der Beratung einiger Not« gesetze stattfand, gab T r o e l st r a im Namen der sozialdemo- kratischen Kammerfraktion eine Erklärung zum gegenwärtigen Kriege ab. Die Erklärung wird eingeleitet mit einem b r ü d e r« l i ch e n Gruß, den die holländische sozialistische Kammer- fraktion den zur Vaterlandsverteidigung einberufenen Prole- tariern der kriegführenden Nationen entbietet. Gerade das Jahr, in dem das SSjährige Bestehen der Internationale hätte gefeiert werden sollen, habe die großen, bis zur allerletzten Stunde durchgeführten Versuche der proletarischen Friedensmacht, den Krieg zu verhindern, fehlschlagen sehen. Jetzt, da die Schlacht- selber vom Blute Tausender Proletarier getränkt seien, müsse darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Arbeiter der verschiedenen Nationen keine Ursache hätten, einander zu hassen; im Gegenteil, ihre gemeinsame Arbeit in den internationalen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen war auf die brüderliche Hebung ihrer Klasse ge- richtet. Die Verantwortung für den Krieg trage der Kapitalismus. Die sozialistische Kammerftaktion fordere die Proletarier auf, der Internationale treu zu bleiben, obwohl ihre Macht noch zu gering war, den jetzigen Krieg zu verhindern. Auch unter den größten Schrecken des Krieges und der Not, die in seinem Gefolge gehen, müßten die Arbeiter dem Sozialismus treu bleiben, um beim ersten Schimmer einer Friedens« Möglichkeit dafür wirken zu können, daß ein Friede unter Anerkennung der Selbständigkeit der Völker geschlossen werde. Als sozialistische Kammerftaktion eines kleinen Landes, dessen Regierung für das Ausbrechen deS Kriege« nicht verantwort- lich und entschlossen sei, seine Neutralität strikte aufrechtzuerhalten, erachte sie sich in doppeltem Sinne berufen, alle Freunde des Friedens und insbesondere die Arbeiterklasse aufzufordern, bei der Erfüllung ihrer nationalen Pflicht jeder chauvinistischen Verhetzung fernzubleiben und alles zu tun, damit aus den Greueln diese? Krieges die Ein« ficht geboren werde, daß nur die Festigung eines internationalen Verbandes der freien Völker Europas jeden kapitalistischen Weit- kämpf nach Macht und Profit und damit jeden Krieg unmöglich machen könne. Der österreichische Lanösturm. Wien, 1. September. stellten Sätzen für das Existenzminimum. Die städtische Unterstützung erreicht ja dieses Existenzminimum(für eine alleinstehende Person monatlich 32 M., für ein Ehepaar 44 M.) nicht, die Kriegsfürsorge kann die Differenz bewil ligen. Die erst im vorigen Monat beschloffene Arbeitslosen" Versicherung in Frankfurt a. M., die mit dem 1. Juli 1914 in Kraft treten und am 1. Januar mit den Auszah lungen beginnen sollte, ist in Anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse verschoben worden. Das kostbare Material. Wir lesen in einem militärischen Artikel der„Voff. Ztg/ über das„Vernichtungsprinzip": „Will man ein charakteristisches Merkzeichen der Neuzeit lichen Kriegführung im Gegensatz zu der älteren Heerführung hervorheben, so dürfte dies am ehesten das Vernichtungs- prinzip sein, da« gerade in der Neuzeit mehr wie je betont wird, und das auch dem jetzigen Kriege bei Anlage und Durch- führung seinen Stempel aufdrückt. Die alte methodische Krieg- sührung der vornapoleonischen Zeit konnte ein solches Vernich- tungsprinzip nicht durchführen, weil das Werkzeug des Krieges. das geworbene Söldnerheer, ein zu kostbares Material war, als daß man et einer Vernichtung hätte aussetzen können. Es mußte geschont werden. Di« Schlachtenentscheidung mit ihren großen Opfern und Verlusten wurde vermieden. Die Heerführung wich ihr an» und suchte durch kluges, kunstvolles, aber verlustloses Manövrieren ihre Operationszwecke zu erreichen.... Alle diese Verhältnisse änderten sich mit der französischen Revolution und dem Auftreten der Volksheere. Eine u n g e- heure Volkskraft, ein großes Menschenmaterial stand dem Feldherrn nunmehr zur Verfügung. Das Heer konnte rücksichtslos eingesetzt werden, Verluste spielten nicht mehr die große Rolle wie stüher, sie konnten leicht ersetzt werden. Die neue Gefechtsführung— lose Schützenlinien an Stelle der alten geschlossenen Linienforma- tionen, individuelles Schützengefecht an Stelle der kunstvollen, schwer zu erlernenden Evolutionen der Lineartdktik—«rmög- lichte die Ausbildung großer Massen in verhältnismäßig kurzer Zeit. Napoleon war der erste, der diese verändert« Lage in ihren äußersten Konsequenzen begriff und in der Praxis ausnutzte. Seine Kriegführung und.Strategie ist ohne das Volksheer und dessen rücksichtsloses Einsetzen undenkbar. Seitdem bildet daS völlige Niederwerfen des Gegners, das Bestreben, ihn völlig zu vernichten, daS charakteristische Merkmal moderner Krieg. führung." Welch ein Fortschritt!_ Landesverräter. Der Ortskommandant von Colmar, Oberstleutnant z. D. von Mellenthin, veröffentlicht nach einem Wolff-Telegramm folgende Bekanntmachung: Ter Maler Jean JaqueS Waltz, genannt H a n s i, der Rechtsanwalt Albert Helmer, der Zahnarzt Sgrk Kuck, alle ivä 8Hf SslNSk« WklZe££ bei den französischen Truppen befinden, werden für Lande»der» rät er erklärt. Wer ihnen Aufenthalt gewährt oder ihren Anfent- halt verheimlicht, der wird nach Kriegsgebrauch erschossen." Die geistliche Oberbehörde gegen Wetterl6. Der in Straßburg erscheinende klerikale„Elsässer" veröffentlicht in Fettdruck folgende bischöfliche Erklärung gegen den Abgeordneten Wetterls, der bekanntlich Abbs, also katholischer Geistlicher ist: »Der frübere Redakteur Wetterls, der immer erklärt hat, daß er auf dein Boden der deutschen Verfassung stehe, als deutscher Bürger seine Pflicht loyal erfülle, und der den Eid als Reichstags- und Landtagsabgeordneter geleistet hat, soll nach einem Bericht der„Kölnischen Volkszeitung"(Nr. 7S8 vom 21. August) im»Echo de Paris" einen von ihm unterzeichneten Artikel veröffenllichr haben, der mit seinen stühcren Erklärungen und Eiden in offen- barem Widerspruch steht. Sobald wir die Tatsache authenttsck, fistgestillt haben, werden wir uns veranlaßt sehen, gegen Wetterls mit kanonischen Strafen vorzugehen. Strahburg, 1. September 1V14. Adolph, Bischof von Sstaßbmg. Standrecht. Nach einer Bekanntmachung deS Ortskommandanten von Colmar, die das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitet, wurde durch kriegsgerichtliches Urteil vom 28. August 1214 her Stein- Hauer Alexander Keufling in Logelbach wegen Landes- Verrats zum Tode verurteilt. DaS Urteil wurde am 2S. August durch Erschießen vollstreckt. Der Verurteilte hatte einem stanzösischen Posten die Pfadfinder als Personen verraten, die der Landesverteidigung Dienste geleistet hätten. Er hatte da» durch den Posten zum Schießen auf einen Knaben veranlaßt, den «r für einen Pfasfinder hielt. Ter Knabe wurde durch zwei Schüsse schwer verwundet. In Diedenhofen wurde nach einer Bekanntmachung des Kommandanten der Bergmann Brey standrechtlich erschossen, weil er am 20. August die Stellung einer deutschen Feldwache verriet. Das Homerule-Kompromist. London, 1. September. Im Unterhaus erklärte Premier- minister A s q u i t h bei Vertagung des Hauses bis zum 9. September, er hoffe, daß es möglich gemacht werden könne, ohne Wiederaufleben der Streitigkeit durch Verhandlungen zu einem Abkommen über H o ni c r u l e zu kommen._ Das Ende des Mbret. Balona, 31. August.(Meldung der„Agenzia Stefani".) Zwischen den muscl manischen Aufständischen und der Bevölkerung von Valona ist einUebereinkommen erzielt worden. Die rot-schwarze Fahne wird gehißt werden. Die Aufständischen werden morgen als Freunde in die Stadt einziehen, nachdem die Absetzung des Fürsten und derRegierung anerkannt worden ist. Notabeln von Valona haben unter großer Begeisterung von der Stadt Besitz genommen._ Die Papstwahl. Rom, 1. September. Heute früh versammelten sich die Kardinäle aus das Zeichen der Glocke zum Konklave; man versichert, daß zwei Abstimmungen stattfinden würden, die um 11 Uhr vormittags und 6'/, Uhr nachmittags zu Ende sein würden. Auf dem Petersplatz, wo die Truppen aufgestellt sind, bewegt sich eine neugierige Menge, darunter, viele Priester; alle Welt sieht nach dem Schornstein aus Zink auf der Sixtinischen Kapelle, aus welchem der Rauch der nach jedem Wahlgang verbrannten Stimmzettel, die„Sfumata". aufsteigen wird. Vor der Pforte hält der Konklavemarschall Fürst C h i g i mit 14 Schweizern die Ehrenwache; die Dreh- kreuze, durch welche die Verbindung des Konklaves mit der Außenwelt geht, werden von Kapitänen des Konklaves, apostolischen Protonotaren und Prälaten überwacht. « Ergebnislose Abstimmungen. Rom, 1. September. Um 11 Uhr 36 Minuten vormittags stieg au« dem Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle des Vatikans der erste Rauch auf. ein Zeichen dafür, daß die erste Ab- st i m m u n g heute früh für die Papstwahl zu keinem Er- g e b n i s führte. Viele Tausend Personen waren auf dein St. Petersplatz versammelt; sie zerstreuten sich, als der Rauch, ver- schwand. Um 11 Uhr 45 Minuten stieg zum zweiten Male Rauch au« dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Dies läßt vermuten. daß heute vormittag zwei Abstimmungen stattfanden, hie ergebnislos blieben._______ Letzte Nachrichten. Die Wegführung von Frauen und Kindern aus SaaleS. Tie„Norddeutsche Allg. Ztg." bringt nach einem W. T. B.» Telegramm die näheren Angaben eines der betroffenen Beamte» über die Wegführung von Frauen und Kindern aus Saales. Darin heißt es zum Schluß: Es stellte sich heraus, daß elf Beamtenfraucn mit zwanzig Kindern und zwei erwachsenen Töchtern aus dem Orte Saales weggeführt worden sind, außerdem drei Frauen von Angestellten deS Sanatoriums Tannenberg mit fünf Kindern. Die Frauen und Kinder der Beamten wurden von frcmzösi- schen Gendarmen festgenommen und zunächst eingesperrt. Am 21. d. M, wurden sie aus zwei Ochsenwagcn verladen und ab» geführt. In einer Fabrik in St. Die wurden sie abgeladen. Wd- teres ist über ihr Schicksal nicht bekannt. Deutsche Eisenbahner für Brüssel. Amtlich. Magdeburg, 1. Scpt.(W. T. B.) Am Dienstag nachmittag ist eine von der Eisenbahndirektion Magde- bürg zusammengestellte und aus Eisenbahnbeamten und-arbeitern bestehende Eisenbahnbau. und Betriebskolonne nach Brüssel abgereist. Die Kolonne ist 420 Mann stark und steht unter der Leitung des RegierungZbaumeisters Goldschmidt-Magdeburg. Sie begiebt sich in beschleunigter Fahrt auf Anordnung des Chefs des Feldeisenbahnwesens nach dem belgischen Kriegsschauplatze, um die zerstörten Eisenbahnlinien im Rücken unseres Heeres wiederherzustellen und in Betrieb zu nehmen. Verurteilter Polizeikommissar. Frankfurt a. M., 1. Sept.(W. T. B.) Die Strafkammer hat heute den Kriminalkommissar Karl Schmidt, der in Frankfurt a. M. Leiter der Sittenpolizei gewesen ist. wegen Bestechung zu zweiJahren Zuchthaus und ünfJahrenEhrverlust verurteilt. Die Mitangeklagte. Bordellbesitzerin E. B o h n ex t, ist zu neun Mcmaten Ge- jäßßttiä ttfil&ü. Aus Industrie und Handel. Gegen den Konventionszwang. Die Anerkennung der Grundsätze, die das Handelsministerium kürzlich den Konventionen der Textilindustrie zur Pflicht machte, will es jetzt von sämtlichen Konventionen erzwingen. In einem Rundschreiben fordert der Handelsminister sämtliche Konventionen auf, bis spätestens 8. September folgenden Regeln zuzustimmen: 1. Die bestehenden Konventionalbedingungen dürfen wäh rend des Krieges nicht verschärft werden. Verschärfungen, die seit dem 1. Juli 1914 beschlossen wurden, sind unverzüglich rüdgängig zu machen. 2. Für die Dauer des Krieges sind außer Kraft zu fetzen: a) Bestimmungen, welche die Mitglieder einer Konvention hindern, die gänzliche oder die teilweise Auflösung oder die Wandlung in Nota befindlicher Aufträge mit einzelnen Abnehmern zu vereinbaren, URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Lüttich und das belgische Land. Walhalla Theater D Weinbergsweg 18-19. Eröffnungs- Vorstellung Sonnabend, 5. Sept.( Kleine Preise.) Rose- Theater. Deutschland über alles. Vaterländisches Schauspiel in 4 Aften bon Dreher. Anfang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger! Glänzendes Programm. Anfang 8 Uhr. Sonntags7, Uhr Für Militär: personen und deren Angehörigen völlig freier Zutritt zu d. Stettiner Sängern Theater. und Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am Sonntag, den 30. August, verstarb unser Genosse Gustav Wobig Putbuser Str. 14. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. September, nachmittags 1 Uhr, in Buch statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/15 Der Vorstand. Nachruf. Am Freitag, den 28. August, berstarb unser Genosse, der Zigarrenhändler Konstantin Zarzycki Tresdowstr. 34. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Karl Kohlhase am 29. August im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Am Sonntag, den 30. August, verschied nach schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann Franz Timm Eckertstraße 16. Dies zeigt tiefbetrübt an Ernestine Timm geb. Hofemeister, nebst Kindern. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. September, nachmittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes guten Baters, fagen wir allen Beteiligten sowie dem Verband der unseren herzlichsten Dank. 29856 b) Bestimmungen, welche die Mitglieder einer Konven-| trok veränderter Wirtschaftslage in eine Zwangslage brachten. Um tion hindern, ihren Abnehmern Zahlungsaufschub seinen Forderungen entsprechenden Nachdrus zu gesen, fündigt der zu gewähren oder fie verpflichten, gegen fäumige Abnehmer Handelsminister bei Nichtbefolgung einen bereits vorbereiteten ein gerichtliches oder ein schiedsrichterliches Verfahren eingesetzlichen Eingriff an. zuleiten. Anmerkung zu Ziffer 2. Die Außerkraftsezung der vorerwähnten Bestimmungen hat zur Folge, daß die an ihre Verlegung geknüpften Rechtsfolgen( Vertragsstrafe, Ananspruchnahme bestellter Sicherheiten usw.) nicht in Wirksamfeit gesetzt werden dürfen. 3. Die Konventionen werden ihre Mitglieder anhalten, vertrauenswürdigen Abnehmern möglichstes Entgegen= Verlängerung des englischen Moratoriums. Im Unterhause teilte Lloyd George mit, daß die Regierung beschlossen habe, das Moratorium in der gegenwärtigen Form um mindestens noch einen Monat zu verlängern. Frauen- Leseabende. Hermsdorf. Heute Mittwoch, den 2. September, abends 8%, Uhr, tommen zu zeigen und in jeder Weise gegebenenfalls ins- bei Eggebrecht, Albrechtstr. 1. besondere durch weitere Milderung der Konditionsbedingungen, als sich aus Ziffer 1 und 2 ergibt. bestrebt sein, die Ueberwindung der gegenwärtigen schweren Zeiten zu erleichtern. Die Forderungen des Handelsministers sind dadurch notwendig geworden, daß einzelne Konventionen ihre Abnehmer durch Verweigerung des Kredite und der Lösung laufender Aufträge CARMEN SYLVA Carmen Sylva Cigaretten Beste Qualitäten Freie Elternvereinigung Spezialarzt ,, Süd- Ost", Die Spielabende" finden vom Freitag, den 4. d. Mts., ab wieder regelmäßig Dienstag und Freitag im Märkischen Hof", Ad: Schneider und dem Gesangverein miralstr. 18c, ſtatt. Bite Auguste Puhlmann nebst Kindern. Westmann Berlin W., Mohrenstraße 37a ( Kolonnaden), Berlin NO., Große Frankfurter Straße 115( nahe Andreasstr.) Von Mittwoch bis Sonnabend Extra- Preise! Alpakka Staubmäntel, Gummimäntel, 15.M. 20, schwarze Mäntel M. Uebergangsmäntel, farbig, schwarz, Modelle mäntel M. Plüsch-, Astrachan 36, Pelzmäntel, lang 125 von Sehr großes an Trauer- Magazin Billigste Preise. Sonntag 8-10 geöffnet. Vermögen. H.B. Fol. 2 Gebäudekonto I Asschreibung. • Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125,( Oranienb. Tor) für Syphilis. 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September 1914, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, großer Saal: Annahmestellen für„, Kleine Anzeigen Außerordentliche General- Versammlung. Berlin C. A. Hahnisch, Aderstr. 174. 66 Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten.- 2. Die Regelung der Lohnbezüge 82. für die Familien der Einberufenen. 3. Unser Verband und feine Leistungen während des Krieges. 0. Petersburger Blaz 4. Gustav Vogel, Koppenstraße N. Wengels, Markusstr. 36. NO. 2. Zucht, Immanueltirchstr. 12.. Neul, Barnimitr. 42. N. H. Fischer, Bastianstraße 6. A. Wolgast, Wattstraße 9. Karl Mars, Greifenhagener Str. 22. J. Hönisch, Müllerstr. 34a. 5. Vogel, Lorgingstr. 37. A. Ties, Invalidenstr. 124. NW. Salomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt, Bärwaldstr 42. Tachn, Hagelberger Cir. 27. S. St. Friz, Prinzenstr. 31. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm, Laufizer Plaz 14/15. P. Horie, Engelujer 15. Adlershof. Karl Schwarzlose, Bismardstr. 28. Baumschulenweg.$. Hornig, Mari Mbaler Str. 13, I. Borsigwalde. Paul Kienast, Rausch. 10. Charlottenburg. Gustav Scharuberg, Sesenbeimer Str. 1. Friedrichshagen. Ernst Werfinann, Köpenider Str. 18. Grünau. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal. Mar Gonschur, Parkstr. 23. Karlshorst. Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Köpenick. Emil Wißler, Kiezerstr. 6, Laden. Lichtenberg. Ctto citel, Wartenbergstr. 1. Nieder- Schöneweid. Wilh. Unruh, Brüdenstr. 10. Nowawes. Wilhek Jappe, Lutherstr. 2. Ober- Schöneweide. Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17, Laden. Pankow. Ctto tikmann, Mühlenstr. 30. Reinickendorf. V. Gursch, Provinzftr. 56, Laden. Neukölln. M. Heinrich, Nedarftr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Rohr, Siegfriedstr. 28/29. Rummelsburg. A. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Schöneberg. Wilhelm Bäumler, Martin- Luther- Str. 69 im Laden. Spandan. Köppen, Breitestr. 64. Steglitz.. Bernsee, Alsenstr. 5. Tempelhof. Joh. Krohn, Borussiaftr. 62. Treptow. Robert Gramenz, Kiesbolzstr. 412, Laden. Weisensee. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Schillert, Berliner Allee 253. Wilmersdorf. Paul Schubert, Wilhelmsaue 27.. H.B. Mart Mart Fol. 65 168,82 13 Hypothekengrundstüdkonto 678,52 19 Hilfsreservefonds 20 Hypothekentonto 15 Grundstüd- Hypotheken- Zinsentonto . E. G. m. b. H. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht! 35/12 Die Ortsverwaltung. Trinken Sie nur Rauer's Mischungen denn sie biefen den besten Ersatz für reinen Bohnen- Kaffee Rauer's feinste Mischung M.1.10 pro Pfund Marke Gelb: Marke Weiss pro Pfund 1.00M pro Pfund 80 Pf. ganz besonders empfehlenswert! Kaffee- Rösterei. Rauer& Co. nur Berlin C.54 Neue Schönhauserstr.3 Wir unterhalten weder Filialen noch Niederlagen Heines Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Haben Sie Stott? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick. dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade 8, 11.( Stadtb. Börs.) Arbeiter- Baugenossenschaft ,, Paradies", Berlin M Geschäftsstelle Bohnsdorf bei Grünau i./M. Bureauzeit täglich außer Donnerstag von 9-11 Uhr vormittags, Donnerstag von 5-8 1hr nachmittags. Montag nachmittags von 5-8 Uhr: Berlin, Reichenberger Str. 16, bei Manz eh. 46 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 2. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Zionsgemeinde, Nieder Schönhausenam Grund- und Bodenkonto 3 Gebäudekonto II. Abschreibung • • • • 47 Grund- und Bodenkonto 4 Abschreibung. Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 67/15 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldreher Franz Timm Edertstraße 16, am 30. August an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners. tag, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenballe des ZentralFriedhofes in Friedrichsfelde aus ſtatt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise berzlicher Teilnahme und die zahlreichen KranzSpenden bei der Beeerdigung unserer lieben Mutter Auguste Wandelt 127 Gebäudekonto III 48 Grund- und Bodenkonto 21 Hinterlegungskonto 22 Inventartonto Abschreibung. 45 Gebäudekonto IV Abschreibung. Grundstückskonto. 60 Staffatonto 62 Bankkonto 65 Hypothekenforderung 68 Gebäudekonto V Abschreibung. . . • • . Bilanz am 31. März 1914. 64 490,30 13 090,- 77 580,30 62 450,17 605,22 61 844,95 9 279,55 71 124,50 62 479,23 605,65 61 873,58 9179,80 71 053,38 100, 153,40 152,40 1, 112 618,76 1 137,89 111 480,87 7 325,22 118 806,69 342,11 9 819,08 78 118,40 115 187,40 1 159,90 • 114 027,50 79 Grundstüdfonto 75 Bostschecktonto 77 Baukonto VI 83 Grund- und Bodentonto 88 Konto für rückständige Mieten usw. • 7 127,38 121 154,88 202,65 203 688,11 236 458,12 1.859,05 Haftfumme. Dieselbe betrug am 31. März 1913 Vermehrte sich im Laufe des Geschäftsjahres unt 28 Reservefondskonto 49 Haushypothekenzinsentonto 71 Konto für Rüdlagen 72 Erneuerungstonto 73 Konto für Wohlfahrtszwede 76 Schuldverschreibungs- Binsentonto 80 Geschäftsanteilfonto 82 Sparfondskonto 84 Darlehnkonto 85 Schuldverschreibungskonto 87 Pflichtipareinlagenkonto Gewinn und Berlustkonto Schulden. Mart 121 000, Kleine Anzeigen. Verkäufe. Monatsanzüge und Sommer ulster von 5 Mart sowie hojen bon 1,50, Bebrodanzüge von 12.00, Frads von 2,50, jomie für torpuiente 788,34 Figuren. Neue Garderobe zu stauneut 32 436,84 billigen Preisen, aus Bjandleiben ver 527 242,18 fallene Sachen lauft man am billigsten 5 335,33 bei Raj, Muladftraße 14. 236,67 30 000, In Freien Stunden. Wochenschrift für das arbeitende Bolt. Romane Abonnements 33 211,54 und Erzählungen. 6 000,- möchentlich 10 Pf. nehmen alle Aus912,40 gabestellen des Vorwärts" entgegen. 15 484, Probehefte gratis. 51 302,44 50 326,98 18 220, 92 051,24 5 759,71 Anzahlung. Insgesamt 990 307,67 Mitgliederbewegung. Am 31. März 1913 waren vorhanden Eingetreten bis 31. März 1913 find Insgesamt 990 307,67 . 14 784 M. 1464 " Beträgt am 31. März 1914 16 248 W. Geschäftsguthaben. 14 885 M. 649 b) " c) Tod Beträgt am 31. März 1914 15 484 0. Der Aufsichtsrat. Die Revisionskommission. sagen wir allen Freunden, Bekannten Dasselbe betrug am 31. März 1913 und Verwandten, insbesondere dem Bermehrte sich im Laufe des Jahres um Sparverein ,, Goldene 110" und dem Gesangverein Gesundbrunner Har: 106/10 monie" unseren besten Dant. . • 616 Genossen 119 735 Genossen 44 Gen. 8 6 58 Ausgeschieden am 31. März 1914: a) durch Kündigung. Uebertragung Mithin am 31. März 1914 677 Genossen Der Vorstand. F. Hoppe. G. Dorner, Borj. P. Schiffke. Möbel. Bequeme Teilzahlung bei mäßiger Möbelschak, Brunnenstraße 160, Eingang Anklamer straße. Kaufgesuche. 257/2 Verschiedenes. Batentanwalt Müller, Gitsainer ftrage 16. 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Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl Nr. 239. 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwo, 2. September 1914. Feldpost- Abonnements. V Ich beantrage, die Verpflichtung zur Räumung wegen Nichtzahlung des Mietzinses nicht auszusprechen, oder nur unter der Bedingung auszusprechen, daß ich innerhalb einer Frist von drei Monaten die fällige Mietrate nicht gezahlt habe. Aehnlich kann der Mieter auch vorgehen, wenn bereits ein Urteil auf Räumung ergangen ist. Er kann dann einen ähnlichen Antrag, wie den oben gestellten, an das Vollstreckungsgericht richten und dem etwa hinzufügen: bergischen Armee, die ausschließlich nicht unbeträchtliche Ver- verordnung vom 18. August erweitert die Rechte des luste von Landwehr Regimentern melden. Richters. Nach dieser Verordnung kann nämlich der Richter nicht Ferner wird die Verlust liste 2 der Marine, die nur Zahlungsfrist bewilligen, sondern auch auf Antrag des Schuld105 Tote, Verwundete oder Vermißte des Kreuzers ners im Urteil anordnen, daß die Verpflichtung zur Magdeburg" enthält, veröffentlicht. Räumung wegen der Nichtzahlung des Miet= Wie unsere Leser an anderer Stelle Die Aufstellung der Verlustlisten. zinses nicht eintritt oder nur unter einer Be= ersehen, ist durch Verfügung des Kriegs- stehenden Truppen schreibt General ber Infanterie 3. D. von Blume Ablauf einer auf höchstens 3 Monate zu bemessen= Ueber die Aufstellung der Verlustlisten der in der Front dingung, insbesondere erst nach dem ruchtlosen z. ministeriums den Angehörigen des Heeres folgendes: den Frist, eintritt. Es kann also der Mieter einer Räu Die Feststellung erlittener Verluste kann nur bei den ein- mungsklage gegenüber beantragen: und der Marine das Lesen des„ Vorwärts" zelnen Kompagnien, Schwadrogen und Batterien erfolgen, da die hierzu erforderliche Bersonentenntnis sich auf diese Kreise beschränkt. gestattet. Die im Felde Stehenden sind am Abend eines Schlachttages wird der Kompagnie- pp.- Führer feſtzustellen suchen, über wie viele Mannschaften er noch verfügt. am Verlauf des Krieges, an den Vor- Manche der Fehlenden hat er fallen sehen; ob tot oder nur verwundet, konnte er nicht erkennen. Ueber andere erhält er gängen des öffentlichen Lebens auf das on Kameraden Auskunft, freilich auch oft nur unsicher. Von vielen der Fehlenden weiß niemand anzugeben, was lebhafteste interessiert, das Lesen ihrer aus ihnen geworden ist. Bei der heutigen Kampfweise Ich beantrage ferner, die Vollstreckungsklausel nur für den tommen die Truppen leicht durcheinander, einzelne von Fall zuzulassen, daß ich innerhalb 3 Monaten die fällige MietZeitung ist den Volksgenossen in Waffen ihren Truppenteilen ab. Der erfahrene Führer weiß, daß rate nicht gezahlt habe. sich biele bon ihnen nach und nach wieder einfinden Das sind wenig Rechtsbehelfe, die dem Mieter zur Verfügung ein dringendes Bedürfnis. werden, und beruhigt sich hierbei vorläufig um so mehr, als die Sorge für die Herstellung der Schlagfertigkeit seiner Truppe, für stehen. Alles ist in das Ermessen des Richters gestellt, von dem Der„ Vorwärts" kann den im Felde deren Ernährung, für Nachtlager, Instandsetzung der Waffen, Er- allerdings der Bundesrat angenommen hat, er werde von der ihm gänzung der Munition usw. seine und seiner nächsten Gehilfen Kräfte erteilten Befugnis zugunsten des Schuldners in allen Fällen, in als aufs äußerste in Anspruch nimmt. Nach furzem Schlaf auf nadtem denen wirtschaftliche Stalamität vorliegt, weitesten Gebrauch machen. Boden werden die Nachforschungen nach dem Verbleib der Fehlenden Die Bundesratsverordnung ist keineswegs etwa einseitig nur für wieder aufgenommen. Aber faum sind einige weitere Nachrichten Mieter, sondern für alle Schuldner gegeben. Es kann aljo darüber gesammelt, da beginnt der Kampf aufs neue, oder die Truppe auch der Hausbesißer gegenüber hypothekengläubi. wird, sei es zur Verfolgung, ſei es zum Rüdzuge, in Marsch gefest. gern Nachsicht bis auf 3 Monate beantragen und ferner be Sogenannte Ruhetage gehören bei unserer Art der Kriegführung zu den Seltenheiten; Zeit und Gelegenheit zu mühsamen Nachforschungen antragen, daß die für den Fall der Nichtzahlung der Hypothekenund zu genauen schriftlichen Arbeiten, zumal in den Tagen, die ainsen vereinbarte Fälligkeit des Hypothekentapitals größeren Gefechten nachfolgen, find äußerst knapp. Die Verlust um drei Monate hinausgeschoben werde listen aber, die zu jenen Arbeiten gehören, müssen möglichst vollfehlen sie nicht nur ihren Zweck, sondern ihre Veröffentlichung kann trügerische Hoffnungen erweden. Deshalb dürfen die Verlustlisten Stehenden von den Angehörigen Feldpostbrief zugesandt werden. Feldpostbriefe bis 50 g schwer(„ Vorwärts" nummern im Umfang bis zu 12 Seiten) find portofrei. Auch können die im Felde Stehenden bei ihrer zuständigen ständig sein und dürfen keine falschen Angaben enthalten, sonst verFeldpostanstalt auf den Vorwärts" geradezu schädlich wirken, indem sie hier unbegründete Trauer, dort abonnieren. Der Bezugspreis beträgt bei den Truppen erst dann als reif zum Abschluß betrachtet werden, dann 1,50 M. pro Monat. Die Feldpostabonnenten erhalten die Nummern täglich direkt durch die Post im Umschlag zugestellt. 48 Mann. 15. Verlustliste. Grenadier- Regiment 3: Verwundet: 1 Offizier, 3 Unteroffiziere, Grenadier- Regiment 4: Berwundet: 1 Unteroffizier, 2 Mann. Landwehr- Infanterie- Regiment 6: Verwundet: 2 Mann. Reserve- Infanterie- Regiment 13: Tot: 1 Mann. Infanterie- Regiment 20: Verwundet: 5 Mann. Landwehr- Jufanterie- Regiment 30: Verwundet: 1 Mann. Infanterie- Regiment 32: Vertvundet: 1 Mann. Füfilier- Regiment 39: Tot: 2 Mann. Verwundet: 1 Unteroffizier, 8 Mann. Reserve- Infanterie- Regiment 51: Verwundet: 1 Mann. Ersay- Bataillon Infanterie- Regiment 55: Verwundet: 4 Mann. Infanterie- Regiment 57: Verwundet: 1 Mann. Ersatz- Bataillon Landwehr- Infanterie- Regiment 66: Tot: 1 Mann. Infanterie- Regiment 76: Verwundet: 4 Mann. Infanterie- Regiment 83: Tot: 1 Mann. Verwundet 4 Offiziere, 8 Unteroffiziere, 85 Mann. Grenadier- Regiment 89: Verwundet: 1 Unteroffizier, 9 Mann. Infanterie- Regiment 91: Tot: 1 Mann. Infanterie- Regiment 92: Verwundet: 3 Mann. Infanterie- Regiment 93: Verwundet: 1 Mann. Reserve- Infanterie- Regiment 93: Tot: 2 Offiziere 2 Unteroffiziere, 3 Mann. Verwundet: 1 Offizier, 5 Unteroffiziere, 23 Mann. Vermißt: 6 Mann. Infanterie- Regiment 94: Verwundet: 1 Mann. Infanterie- Regiment 112: Verwundet: 1 Offizier, 4 Mann. Infanterie- Regiment 118: Tot: 1 Mann. Infanterie- Regiment 161: Verwundet: 3 Mann. Jäger- Bataillon 1: Verwundet: 1 Mann. Reserve Jäger- Bataillon 3: Tot: 1 Mann. Jäger- Bataillon 4: Verwundet: 1 Offizier, 6 Mann. Jäger- Bataillon 5: Verwundet: 1 Offizier, 3 Unteroffiziere, 42 Mann. Reserve- Jäger- Bataillon 14: Verwundet: 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 1 Manu. Reserve- Husaren- Regiment 2: Verwundet: 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 1 Mann. Jäger zu Pferde 3: Verwundet: 1 Unteroffizier. Jäger zu Pferde 6: Verwundet: 1 Mann. Jäger zu Pferde 7: Verwundet: 3 Mann. Jäger zu Pferde 8: Verwundet: 1 Unteroffizier, 3 Mann. Jäger zu Pferde 9: Verwundet: 1 Unteroffizier, 3 Mann. Jäger zu Pferde 10: Verwundet: 2 Mann. Aus Groß- Berlin. Nerven behalten! " Unter diefer Spikmarke bringt Hermann Friedemann im März" . Aber schon sind Taten der Unbeherrschtheit geschehen, waffen11.. der Erkennungsmarten, die jeder Offizier und Soldat im folgende beachtenswerte Mahnung: ung des Lazaretts, in dem sie Aufnahme gefunden haben, außer lose grembe find geschlagen, Eigentum ist zerstört worden. Schlimmer Verbleib nicht zu erlangen war und in absehbarer Zeit nicht mehr aber als dies alles find die Gerüchte. wenn von den fehlenden Mannschaften der Tod durch Einlieferung Kriege um den Hals trägt, oder die Verwundung durch Mittei Zweifel gestellt ist, oder wenn eine zuverlässige Kunde über ihren erwartet werden kann. Legeres ist besonders dann der Fall, wenn Mannschaften tot oder lebend in Feindeshand gefallen sind. In ungewissen Fällen dieser Art erfolgt die Aufnahme in die Verlustliste mit dem Vermerk„ bermißt". Sie sind überall. Sie wachsen aus dem Boden und fallen aus der Luft. Sie schlagen einem wie Dampf entgegen in der ewig siedenden Straße. Unter den Linden. Morde, Kriegserklärungen, Berhaftungen, Greueltaten. Alles wird leidenschaftlich geglaubt. Die Fernsprecher schnurren und schrillen, auf der Straße wird es zum Paroxysmus. Vielleicht ist es aussichtslos, sich der Flut entgegenzuwerfen. Rimmt man hinzu, daß auch die Beförderung der Verlustlisten durch die Feldpost an die Zentralstelle sowie ihre Sichtung und Drucklegung durch diese eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, so wird kein Billigdenkender über Mangel an Rücksichtnahme auf be- Wir sollen es dennoch versuchen. Jeder, dem es noch möglich ist, mit rechtigte Ansprüche der Bevölkerung flagen, wenn die Veröffentlichung der Verlustlisten an Schnelligkeit hinter leicht begreiflichen Wünschen dem gedruckten Wort zu Menschen zu reden. Bis wir die Feder zurückbleibt. Von den im Felde vorkommenden Todesfällen wird fortwerfen, ist dies unser Posten und unsere Pflicht. übrigens in der Regel seitens der Kompagnie- pp.- Führer den Angehörigen unmittelbar oder durch Vermittlung der Gemeindebehörden gesondert Kenntnis gegeben, sobald sie festgestellt sind." Miete und Krieg. III. Wie steht es mit den Mietverträgen der Tausenden nicht zur Fahne Einberufenen, aber infolge des Krieges und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit in Not Geratenen? weiter. Sie fönnen um Unterstüßungen einkommen. Leider wird Für diese geht der Mietvertrag wie alle anderen Verträge ihnen in der Praxis bei weitem nicht soviel gewährt, als zur Ernährung, Behausung und Bekleidung erforderlich ist. Es liegt auf der Hand, daß die Unterstützungen in erster Reihe für die Ernährung Verwendung finden müssen. Wenn hier und da, insbesondere auf dem Lande, den Empfängern von Unterstüßungen erklärt wird, sie sollten diese zur Bezahlung der Miete verwenden, so sind die Empfänger hierzu feineswegs verpflichtet. Außerdem reichen die Unterstützungen, wiewohl das Gesetz dies zuläßt, selten dazu aus, die Miete bezahlen oder auch nur eine Rate auf die Miete leisten zu können. Die Unterstützungen haben, wie wir hervorheben wollen, auch in diesen Fällen nicht den Charakter von Armenunterstützungen. Seid schwergläubig! Freuet Euch der guten Nachricht, aber mißtraut allem, was grell ist und ungeheuerlich. Verschließt Euch der Sensationsnachricht: sie ist immer falsch; halter Euch, wenn das gleiche Gerücht in verschiedenen Formen auftaucht, an die bescheidenste Fassung: sie ist die wahrste. Glaubt den gedruckten Erzählungen, von wem sie auch kommen, nicht vor der dritten Bestätigung! Seid leidenschaftlich kalt. Aber kämpfen werden wir wider das Ungetüm aus Papierdreck und Feuer, das von der Aufpeitschung des Wahnsinns lebt. Wider Gespenster und Ungeheuer. Wenn wir ihnen nicht Widerstand leisten, dann starrt uns das grinsende Schrecknis an. Ward nicht ant ersten Cholerabakterien die Brunnen zu vergiften? Kriegstage amtlich berichtet, Franzosen hätten versucht, mit Die Nachricht war falsch; aber wer liest das Dementi? Seid dreimal umpanzert wider die eigene Phantasie! Hütet Euch vor den Nachtgespenstern: Euer Glaube macht sie zur Wirklichkeit. Der giftige Haß, den sie Euch einflüstern, ist kein guter Zorn, er kann uns nicht helfen. Aber seine Saat geht in Feindesland auf: und unsere Soldaten, unsere Berwundeten oder Gefangenen werden es büßen. Denkt daran. Wir führen Krieg.... Nur vor dem eigenen Bewußtsein können und wollen wir nicht alles, was uns bis heute menschenwürdig schien, den Stolz unserer Erkenntnis verleugnen. Ein Bezirk in unserem Innern muß unbestechlich bleiben, wissend und schonungslos klar. Denn von hier aus wird unser Nervensystem regiert. Weh uns, wenn diese menschlich helle Instanz versagt! Es werden auch ohne Nachhilfe der Greucl genug geschehen; die Wut wird keines Schürens bedürfen. Wir aber vergessen nicht, daß auch in diesem Kriege die Welt nicht unter. Rechtlich kommen für die in Not Geratenen, die die Miete nicht zahlen können, zwei Bundesratsverordnungen in Betracht. Die eine datiert vom 7. August( Reichsgesetzblatt S. 359), die andere vom 18. Auguſt( Reichsgesetzblatt S. 377). geht und daß wir für die kommenden Tage ein Durch die Verordnung vom 7. August ist das Prozeß- Menschentum aufzusparen haben. Es ist so ungericht ermächtigt, eine mit der Verkündung des Urteils beginnende endlich leicht, den Wahnsinn zu rufen, wie es Bahlungsfrist zu bestimmen. Die Zahlungsfrist fann für schwer ist, ihm Halt zu gebieten." den Gesamtbetrag oder für einen Teilbetrag der Forderung erfolgen. Sie bezieht sich auf alle Mietforderungen. Die Zahlungs- Die Kommunalwahl im 42. Kommunalwahlbezirk an Stelle frist ist auf Antrag des Beklagten zulässig. Sie darf nur für des Genossen Dr. Arons ist auf Sonntag, den 13. September, diejenigen Forderungen bewilligt werden, die vor dem festgesetzt. Für die Genossen dieses Bezirks( 16. Abteilung) 31. Juli 1914 entstanden waren. Sie kann also für alle ist zu heute abend ein Extra- Bahlabend festgesezt, an dem alles Mietverträge eintreten, die vor dem 31. Juli 1914 geschlossen sind. auf die Wahl Bezügliche besprochen werden soll. Die Mietforderung braucht natürlich erst nach dem 31. Juli fällig zu sein. Der Vertrag muß aber vor dem 31. Juli geAntrag etwa dahin an das Gericht richten: Feldartillerie Regiment 1: Verwundet: 2 Unteroffiziere, 4. Feldartillerie- Munitionstolonne, 8. Armeekorps: Tot: 1 Unter schloffen sein. Der Mieter kann also der Klage gegenüber einen offizier. Ersatz- Abteilung Fußartillerie- Regiment 14: Tot: 1 Unteroffizier, 3 Mann. Verwundet: 4 Offiziere, 7 Unteroffiziere, 41 Mann. Vermißt: 1 Unteroffizier, 5 Mann. Pionier- Bataillon 27: Tot: 1 Mann. Verwundet: 3 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 26 Mann. 1. Mobile Landwehr- Pionier- Kompagnie, 8. Armeekorps: Berwundet: 2 Unteroffiziere. Ersay- Bataillon der 82. Infanterie- Brigade: Tot: 4 Mann. Verwundet: 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 17 Mann. Vermißt: 1 Offizier, 7 Mann. Die Verluftliften werden in den nächsten Tagen in den Speditionen des Vorwärts" zur Auslegung kommen. Unseren Abonnenten ist alsDurch den Krieg und Arbeitslosigkeit bin ich in eine Not- dann Gelegenheit gegeben, dieselben einzusehen. Der genaue lage geraten, und beantrage deshalb, auf Grund der Verordnung Tag, an welchem die Listen zum ersten Male ausliegen, wird des Bundesrats vom 7. August, mir eine Zahlungsfrist bis zu noch bekannt gegeben werden. 3 Monaten zu gewähren. Es kann auch der Mieter, ohne eine Klage abzuwarten, den Vermieter vor das Amtsgericht laden, seine Schuld anerkennen und Zahlungsfrist beantragen. Ein dahingehender Antrag würde etwa so lauten: Der Not preisgegebene Familien von Kriegsteilnehmern. In unserer Redaktion häufen sich die Klagen von Frauen Einberufener, die mit ihren Anträgen auf Unterstüßung ab. Im Juni habe ich mit dem Vermieter Haltefest einen Miets- gewiesen worden sind, weil sie von der Firma, bei welcher bertrag vom 1. Oftober abgeschlossen, nach dem ich eine Monats- der Einberufene tätig war, Zuwendungen erhielten. Diese miete bon 24 Mart am 1. Oftober zahlen soll. Hierzu bin ich Zuwendungen betragen von der Firma Auer pro Woche 8 bis Ersatz- Bataillon der 84. Infanterie- Brigade: Lot: 1 Offizier, nicht in der Lage.( Nähere Darlegung des Notstandes.) Ich be- 9 Mk., von der A. E. G. wöchentlich 6 Mt. Diese Abweisung 6 Mann. Verwundet: 4 Unteroffiziere, 26 Mann. Vermißt: 7 Mann. antrage, mir eine Zahlungsfrist von 2 bis 3 Monaten zu geben ist völlig ungerechtfertigt. Wir haben verschiedene Klagen und lade den Vermieter zur Verhandlung über die Bestimmung Außerdem enthält die Verlustliste das Verzeichnis einer Anzahl einer Zahlungsfrist vor das Königliche Amtsgericht Berlin- Mitte dem Herrn Oberbürgermeister übermittelt, in der Hoffnung deutscher Truppenangehöriger, die in dem neutralen ( zu laden ist vor das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Vermieter auf Abhilfe. Es sollte das gar nicht nötig sein. Es handelt Hollandzurüdgehalten werden oder in dortigen wohnt). sich immer um die Steuerstelle in der Wrangelstraße. In Lazaretten untergebracht sind. Es sind darunter ver- Sat eine Voll stredung in das Vermögen des Schuldners treten Mannschaften der Infanterie- Regimenter Nr. 16, 25, 58, des stattgefunden, so kann der Mieter an das Vollstreďungsgericht dieser Kommission ist der Stadtrat Venzky Vorsitzender. Es Grenadier- Regiments Nr. 89, Füsilier- Regiments Nr. 90, Jäger-( Amtsgericht) den Antrag richten, die. Vollstreckung auf Grund der ist kaum glaublich, in einer Zeit, in der die Not gelindert Bataillons Nr. 7 und 9, Kürassier- Regiments Nr. 4, Dragoner- Verordnung vom 7. August auf längstens 3 Monate einzustellen. werden soll, Familien von Einberufenen direkt dem Elend Regiments Nr. 7, 17 und 18, Ulanen- Regiments Nr. 3, Husaren- Diese Rechte des Mieters, deren Inkrafttreten allerdings aus- preiszugeben. Es sind Frauen abgewiesen worden, weil man Regiments Nr. 12 und Feldartillerie- Regiments Nr. 3. schließlich vom Ermessen des Gerichts abhängig sind, gewährt die annahm, fie erhielten von der Firma Auer Unterstüßung, was Dazu kommen die Verlust listen 5 und 6 der württem- Bundesratsverordnung vom 7. Auguft. Die Bundesrats- aber in Wirklichkeit nicht einmal zutraf, weil der Ehemann erst kurze Zeit bei der Firma in Arbeit stand. Ter genannten Firma wird es schon zuviel, den Frauen für dir Kommission Bescheinigungen auszustellen über die Nichtzahlung von Zu- Wendungen. Diese Zuwendungen sollen nach dem Gesetz nicht berücksichtigt werden. Wie lange soll dieser Zustand in der Kommission des Herrn Stadtrat Venzky noch andauern, dast viele Familien unbercchtigterweisc abgewiesen und der Not direkt ausgesetzt werden? Wie lange sollen die Familien in dieser Kommission schlechter behandelt werden, als die in anderen Kommissionen? Wer will für diese Ungeheuerlichkeit dir Verantwortung übernehmen? Wozu ist das Gesetz da, wenn es unbeachtet bleibt? Die dritte Bürgerspeisehalle wird vom Roten Kreuz am Donnerstag, den 3. September, eröffnet, und zwar in der Bötzowbrauerei, Prenzlauer Allee, Eingang Saarbrücker Straße. Die Speisen werden wie in den übrigen Spcisehallcn des Roten Kreuzes von Aschingcr geliefert. Schulfeiern. Aus Anlaß der Siege unserer Armee bestimmt der Oberbefehlshaber in den Marken, daß am 2. September, dem Sedantage, der Unterricht in allen Schulen in Berlin und der Provinz Brandenburg ausfällt und Schulseiern staltfinden. Die vielfach vorhandene Auffassung, die Ellern brauchten ihre Kinder nicht an solchen Feiern teilnehmen lassen, ist falsch. Diese Ver- anstaltungen gelten als Schulunterricht, und wer feine Kinder nicht daran teilnehmen läßt, hat Schulstrafen zu erwarten. Die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung verhandeltem ihrer letzten Sitzung einen sozialdemokratischenAntrag, der die Errichtung einer Entbindungsanstalt und die Gewährung kostenloser Geburts- und Wöchnerinnenhilfe verlangte. Der Antrag wurde einem Ausschuß überwiesen. Das gleiche Schicksal erlitt ein Antrag. der die Inangriffnahme von Notstandsarbeiten fordert. Für die bei der Ernte helfenden Arbeiter wurden 1000 M. Zehrgelder bewilligt. Bei der Verhandlung eines Magistratsantrages auf Errichtung einer Darlehnskasse, monierten unsere Genossen die geringe Unterstützung, die jetzt an die Notleidenden gezahlt werde. Eine Anfrage unserer Genossen, ob der Magistrat einem sozialdemokratischen Antrage zu- gestimmt habe, der verlangte, den städtischen Arbeitern den vollen Lohn weiterzuzahlen, wurde nicht beantwortet. Ferner schlägt der Magistrat vor, den angenommenen Antrag auf Gewährung eines lOOprozentigen Zuschlages zur Staatsunterstützung für die An- gehörigen der Kriegsteilnehmer dahingehend abzuändern> daß in Notfällen über diesen Prozentsatz hinausgegangen, in anderen Fällen, in denen die Not nicht so groß ist, auch weniger gezahlt werden kann. Zeitungshändler gegen Scherl. Zu den bürgerlichen Zeiiungsunternehmungen, die den Krieg sensationell ausnutzen, gehört auch die Firma Scherl G. m. b. H. Zu dem„ Lokalan zeiger", der mit Sensationen aller Art vollgestopft morgens und aibends dem Publikum offeriert wird, hat sich seit Beginn des Krieges noch ein neues, von demselben Verlage berausgegsbenes Blatt gesellt, die„Deutsche KriegZzciUmg". Dieses Blatt erscheint allabendlich und wird für S Pf. von den Händlern vertrieben. Es soll das noch nach Schluß der Abendblätter bekannt gewordene Allerneueste vom Kriegsschauplatze mitteilen. Oft genug kommt es aber vor, daß nichts Neues mehr eintrifft; die„Deutsche Kriegszeitung" wird aber doch gedruckt, denn wenn sie auch nicht vom Publikum stark verlangt wird, so versuchen doch viele hundert Händler, die jetzt infolge der großen Arbeitslosigkeit darin noch die einzige Erwerbsmöglichkeit erblicken, durch den Perkauf des Blattes einige Pfennige zu verdienen. Nun weigert sich aber der Verlag, die nicht verkauften Exemplare wieder zurückzunehmen, wie es all- gemein beim Zeitungsvertrieb üblich ist. Die Händler geben dann, anstatt etwas zu verdienen, noch bares Geld zu. Den Verdienst steckt der Verlag in die Tasche. Am Montagabend wurde noch nach 10 Uhr eine zweite Ausgabe der„Deutschen KriegSzeitung" mit einer inzwischen eingetroffenen Meldung des Großen Haupt- quartierS herausgegeben. Dadurch war die erste Ausgabe wertlos geworden, abgenommen wurde sie den Händlern aber nur gegen Umtausch von halb so viel Exemplaren der neuen Ausgabe. Dazu kam dann noch, daß ein anderer Zeitungsverlag ein Extrablatt mit derselben Meldung gratis verteilte. Die Händler wurden infolge» dessen ihre„KriegSzeitung" nicht los und mußten sich noch vom Publikum beschimpfen lassen. Zu alledem kam noch, daß die Händler von den Angestellten des Scherl-VerlageS«ine Behandlung erfuhren, die ihnen ganz und gar nicht angemessen erschien. Geklagt wurde auch über Bevorzugung bestimmter Händler, die ihre Exem- plare früher erhielten als andere, trotzdem sie sich später eingefunden hatten. Alle diese Mißstände führten gestern abend dazu, daß mehrere Hundert Händler den Berkauf der„Deut- scheu KriegSzeitung" ablehnten und daS Gebäude in der Zimmerftraße verließen. Trotzdem ihnen nirgends eine andere Beschäftigung in Aussicht steht, verzichten sie darauf, für einen Ver- lag zu arbeiten, der ihnen keine Verdienstmöglichkeit, wohl aber eine Behandlung bietet, die sie sich trotz der traurigen Zeit nicht gefallen lassen wollen. Geschäft ist Geschäft. Lebhafte Erregung soll am Dienstag unter den Passanten und Besuchern des Cafe Bauer ein Plakat hervorgerufen haben, auf dem die Besitzer für die Einholung der eroberten russischen Kanonen reservierte Balkonfitze zum Preis« von 4 und d M. anpriesen. Wie uns versichert wird, wurde die Erregung dadurch nicht geringer, daß in dieser schweren Zeit der Not ein Cafehausbesitzer, dessen Geschäft auch jetzt glänzende Einnahmen abwirft, für sich einen Extraprofit auS den Kriegsereignissen herausschneiden wollte. DaS Wenigste, was man erwarten konnte, wäre gewesen, daß die Extra- einnahmen an irgendeinen Fonds zur Linderung der Not abge- führt würden. Das war aus dem Plakat nicht zu ersehen. Schließ- lich sah sich der Wirt gezwungen, die Plakate zu entfernen. Ein tödlicher Straßenunfall hat sich um Montagnachmittag gegen 0 Uhr in Charlottenburg ereignet. Vor dem Hause Spandauer Straße 31 lief der dreijährige Fritz Fritzsche kurz vor einem in der Richtung nach Berlin fahrenden Straßenbahnwagen der Linie auf das Gleis und wurde umgestoßen. Der Kleine geriet mit dem Oberkörper unter den Schutzrahmen und erlitt schwere innere und äußere Verletzungen. Obwohl der Knabe durch Anheben des Wagens mittels Winden befreit wurde, konnte er doch nur noch als Leiche geborgen werden. Tie Einstellung zum Straßenbahndienst ist nack uns zugegangenen Mitteilungen recht minimab Am Montag und Dienstag haben sich infolge der öffentlichen Aeußerung der Direktion der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft viele Arbeiter in dem Depot in der Brandenburgstraße gemeldet. Aber nur ein geringer Teil sei angenommen worden und auch nur solche, deren Wohnung im Westen und nicht weiter als eine halbe Stunde vom Bahnhof ent- fernt liegt. Sehnliche Mitteilungen werden auch von Arbeitern ge« macht, die sich am Leipziger Platz beim Vertrauensarzt meldeten; von 25 Mann seien, etwa nur fünf angenommen worden._ ""LerantMsrtlicher ffieMtemi ajsttfe Melepp, NeuMo.• Für de» Ter Direktor der Meierei Volle schreibt uns unter Bezugnahme auf unsere gestrige Bemerkung über seine Anordnung au die Be- amten, die Arbeit für die Einberufenen mit zu übernehmen, widrigenfalls Entlassung erfolgt: „Wenn ich von einer Miterledigung der Arbeit nur eines ganz kleinen Teiles meiner Leute, nämlich meiner Beamten, spreche, so geschieht das nur aus dem Grunde, weil wir weitgehendste Unter- stützungen für unsere Leute eintreten lassen, trotz des Rückganges des Geschäfts nicht die geringsten Gehaltsabzüge für die hier Be- schäfligten vornehmen und die Beamtenposten möglichst frei halten wollen; Arbeitslose stellen wir, so viel es in unseren Kräften steht, ein." An unseren kritischen Bemerkungen des Erlasses des Herrn Direktors dürfte diese Rechtfertigung kaum etwas ändern. Der Hinweis auf die große Arbeitslosigkeit und die Drohung mit der Ent- lassung ist sicherlich nickt geeignet, den Erlaß schmackhaft zu machen. Wollte der Herr Direktor sich mit den Beamten verständigen, so wäre der von unS kritisierte Erlaß überflüssig gewesen. Eine Kriegsauskunfts- und Hilfsstelle in Angelegenheiten der Arbeiter- und AngestcUtenversicherung wird vom 1. September ab täglich von 3>/z— 8 Uhr in den Räumen der Landesversicherungsanstalt Berlin, Am Köllnischen Park 3, tätig sein. Auskunft und Rat in Fragen au» der sozialen Gesetzgebung, insbesondere auch an der Förderung von Anträgen auf Bewilligung von Invaliden- und Hinterbliebenenrente, wird unentgeltlich erteilt. Den Besuch von Gendarmen erhielten am Sonntag auf der Insel Picheiswerder eine Anzahl Personen, die sich am dortigen von den Behörden freigegebenen Badestrand tummelten. Die Beamten forderten die am Strand Spielenden auf, sich entweder anzukleiden. oder ins Wasser zu begeben. Bei verschiedenen Personen erregle diese Aufforderung ein gewisses Erstaunen, um so mehr, als den Badenden bisher noch keinerlei Schwierigkeiten bereitet worden ist. Die Beamten stellten daraus mehrere Personen fest, auch eine Dame, die sich in einer Zelteinfriedigung befand, wurde notiert. Sollen etwa die Festgestellten mit Strafmandaten bedacht werden, weil sie etwas taten, woran bisher niemand Anstoß nahm Z Ein schwerer Bauunfall hat sich am Montag in Charlottenburg zugetragen. In der Schloß- straße dortselbst wird gegenwärtig ein Neubau errichtet, bei dem auch die Maler Peter Rittig aus der Scharnweberstraße 9 und Ludwig Neumann, Steinmetzstraße 20 wohnhaft, beschäftigt waren. Beide arbeiteten in der Höhe des zweiten Stockwerls auf einem Gerüst stehend. Plötzlich brach das Laufbrett und die Maler stürzten rück- lings in die Tiefe. Sie erlitten Kopfwunden, schwere Brust- quetschungen, sowie Verletzungen an den Beinen. Die Verunglückten erhielten auf der nächsten Unfallstation Notverbände und wurden von dort auf ihren Wunsch nach den Wohnungen geschafft. Selbstmord eines Arztes. Auf furchtbare Weise hat der in der Westfälischen Straße ö9 in Halensee wohnende Augenarzt Dr. Richard Somya seinem Leben ein Ende gemacht. Er stürzte sich mit verbundenen Augen aus einem Fenster seiner im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straße hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er fast auf der Stelle starb._ Die Potsdamer Bürgerspcisehallen find jetzt in den Rärnnlich- leiten Nauener Straße 27 und im Eiienbahnhotel eröffnet. Der Preis für eine Portion Mittagessen ist auf 20 Pf. herabgesetzt worden. Der Zutritt zu den Speisehallen steht jedermann gegen vorherige Lösung einer Speisen, arle ohne Nachweis der Bedürftig- keil frei. Was bei dem Verkauf der Speisemarken in der Be- völkerung beanstandet werden dürfte, ist die Auswahl der Verkaufs- stellen. Man hat es für richtig befunden, Warenhäuser und andere Geschäfte damit zu betrauen. Uns scheint es, daß Fürsorge- maßnahmen, die darauf berechnet sind, im Stillen Nor und Elend zu lindern, nicht in Warenhäusern etabliicrt werden dürfen. Die Königliche Bibliothek wird vom 3. September ihren Ans- lcihebctrieb in beschränktem Umfang bis auf weiteres wieder auf« nehmen. Bücher können entleihen alle Behörden und Institute, so- weit die letzteren noch in ordnungsmäßigem Betriebe sind, iowie diejenigen Benutzer, welche dringliche, namentlich wissenschaftliche Arbeiten auszuführen haben und den Lesesaal zu benutzen verhindert sind. Die Ausleihe bezieht sich in allen diesen Fällen nur aus Berlin und seine Vororte. Eine Versendung durch die Paketfahrt findet nicht statt. Die in der Benutzungsordnung gesetzten Fristen in bezug ouf.die Aushändigung werden nicht in allen Fällen inne- gehalten werden können. Die AuZleihestelle ist wie die übrige Bibliothek von 9—3 Uhr geöffnet. Vermißt. Wer über den Verbleib des Fräsers Georg Langner, Petersburg. Maschinenfabrik von Nobel, Mitteilungen machen kann, wird gebeten, dieselben an die Eltern LangnerS, Berlin??. SS, Schul- straße 48, gelangen zu lassen. Gefunden wurde eine Handtasche mit Inhalt. Dieselbe kann bei Friedrich Manz in Stralau, Barfeldstr. 1, vorn III, in Empfang genommen werden.— Desgleichen wurde am Sonntag aus der Schillerwiese(Schillerpark» eine Damenuhr gefunden. Dieselbe ist abzuholen bei Browatzki, Ofener Str. 1. Parteiveranstaltungen. Neukölln. Heute abend 81/, Ubr, bei Bartsch, Hermannstr. 48, Ver- sammluug der Jugcndsektion. Auf der Tagesordnung steht der erste von den fünf Vorträgen des Genossen Dr. Duncker über:„Das Wesen des Kapitalismus." (kharlottenburg. Die yugendsektion veranstaltet am DonnerZ. tag abend einen Spaziergang nach dem Stadionsee. Abmarsch 8 Uhr Sophie-Charlotte-Platz, Ecke Kaiserdamm. Nachzügler 8'/, Uhr Bahnhof Reichskanzlerplatz. Bei schlechtem Wetter VolkZhaus. Gewerkschaftliches. Der Krieg unö üie Gewerkschaften. lieber die Wirkung des Krieges auf den Buchdrucker- verband unterrichtet eine Statistik, die einer Gauvorsteherkonferenz unterbreitet wurde. Das von den Gauvorständen nach dem Stande vom 15. August erbrachte Material erstreckt sich nur über 59 000 Mit- glieder, 11 000 fallen also aus, von denen ein ganzer Teil gewiß noch als arbeitslos angesehen werden kann. Es waren bis dahin zum Heeresdienst eingezogen 11519 gleich 20 Proz. der 59 000 Mit- glieder, arbeitslos 14 952(25 Proz.), zu verkürzter Arbeitszeit(in Schichten) beschäftigt 6825(12 Proz.), krank 1903(3 Proz.), als Invalide sind zu unterstützen 1025, vollbeschäftigt waren nur noch 23 796(40 Proz.). Die Zahl der direkt Arbeitslosen nimmt ständig und ganz rapid zu, die der Vollbeschäftigten dagegen entsprechend ab. ES muß also ein Ausgleich geschaffen werden, der unter diesen bedauerlichen Umständen nur der sein kann, daß das wechselseitige Arbeiten weit mehr zur Einführung gelangt. Der Verband will daS Seinige dazu beitragen, indem er im allgemeinen für das Aus- setzen Unterstützung gewährt. Wenn von den gänzlich Arbeitslosen ein ansehnlicher Prozentsatz in Schichten arbeiten könnte, so wäre dies auch au» dem gleichen Grunde besser als der augenblickliche Zustand, denn von den 14 952 Mitgliedern sind 82 Proz. bezugs- berechtigt. In Berücksichtigung, daß 11 000 Mitglieder von der Statistik nicht ersaßt sind, ist anzunehmen, daß die Arbeitslosigkeit am 15. August größer und Fälle von Aussetzen zahlreicher find. LnjeraterUeU verantw.: Th.GlockilBerlin. Druck u.«erlag:Borwärtjl Aus ein? Umfrage des Verbandes der Zimmerer vom 17. August haben 633 Verbandszahlstellen mit zusammen 48 861 Mit- gliedern geantwortet. Demnach waren am 17. August Verbands- Mitglieder zum Militär eingezogen... 15 062 30,83 Proz. arbeitslos........ 5 340----- 10,93„ in Arbeit........ 28 459---- 58,24, Dieses Resultat dürfte nach dem 17. August noch starke Ver- änderungen erfahren, weil im Innern Deutschlands der Landsturm erst nachträglich aufgerufen ist und die Einziehung der Diensttaug- lichen erst nach und nach erfolgt. Auch werden die ArbeitSverhält« nisse sich ändern. Immerhin gewähren diese Zahlen den ersten einigermaßen sicheren Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse. Aus- geschriebeu sind zwei weitere Erhebungen für den 24. und 31. August. Die Zentralinstanzen des Zimmererverbandes werden anfangs Sep- lember über die notwendigen und möglichen KciegSmaßnahmen Be- schluß fassen._ Tic Arbeitslosigkeit in der Glasindustrie. Tie Glasindustrie ist besonders stark abhängig vom Expori; deshalb ist die Geschästsstockung in der jetzigen Zeit in dieser Jndu- strie besonders groß. Ta es nun auch an Rohprodukten fehlt und Kohlen bisher schwer heran kamen, so haben die meiste» Betriebe ihre Pforten geschlossen. Ter Glasarbeiterverband hat eine Statistik über die Arbeits- losigleit aufgenommen, an der sich 153 Zahlstellen mit 15 290 Mit« gliedern beteiligten; 39 Zahlstellen mit 2867 Mitgliedern sandten die Bogen nicht pünktlich oder gar nicht ein. An dem Resultat dürfte aber dadurch nichts geändert werden. Von den 15 290 Mitgliedern wurden bis zum 23. August 2240 verheiratete und 778 ledige zum Heeresdienst eingezogen. Das ist rund der fünfte Teil der ber-ch- tenden Mitglieder. Arbeitslos waren am 24 August 824? Mit- glieder oder rund 54 Proz. Rechnet man die zum Heere ßung� zögerten ab, so sind gut zwei Drittel aller Dkitgliedcr arbeitslos. An Beschäftigung standen am 24. Augusts nock 4023 oder 26,31 Proz. der berichtenden Mitglieder. Ein größerer Prozentsatz von den in Beschäftigung stehenden hat Unterkunst in anderen Industriezweigen gefunden. In der Glasindustrie ar- beiten nur noch wenige Betriebe. Leider ist bisher noch sehr wenig darüber kaut geworden, daß die reichen Glasindustriellen mit ihren großen Dividenden beob- sichtigen, den Arbeitslosen zu helfen, und so werden die Glasarbeiter allein auf die Hilfe ihrer Organisation angewiesen tein, die aber den Arbeitslosen auch nur dann längere Zeit gewährt werden kann, wenn die noch in irgend welcher Beschäftigung stehenden Mitglieder ihre Beiträge nach besten Kräften weiterzahlen. Inwieweit mit einer Besserung des Geschäftsganges zu rechnen ist, kann niemand sagen, aber der verlorene Export wird jedenfalls noch nach Beendigung des Krieges sich schwer fühlbar machen, und deshalb ist es die moralische Pflicht der zu Hause gebliebenen Mit- glieder, dafür zu sorgen, daß den im Felde stehenden Brüdern der einzige Rückhalt, die Organisation, gewahrt bleibt. Gerichtszeitung. „Mütterkonferenzen" vor Gericht. Auf den Kriegsschauplatz der„M ü t t e r k on f e�r e n- z e n" führte eine Privatklage, die gestern die 9. Straf- kammer des Landgerichts I in zweiter Instanz beschäftigte. In den von dem Stadtsekretär Waldemar Sch m i d t k e ins Leben gerufenen und geleiteten„Mütterkonferenzen" war, wie seinerzeit berichtet wurde, ein Zwiespalt ausgebrochen. Eine Gruppe der Mitglieder geriet in heftige Opposition gegen den Vor- sitzenden und richtete gegen diesen Angriffe, die sich schließlich zst Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft verdichtet haben. Dies? Anschuldigungen wurden zurückgewiesen. Zur Abwehr hatte der Vorstand eine Generalversammlung in den Saal des Lehrerver- einshauses berufen, auf der es ungemein stürmisch zuging. Tew Kaufmann G r ü n b a u m, der aus Herrn Schmidtke nicht gut z» sprechen war, wurde der Zutritt zum Saal verwehrt. Er macht? nun seinem Unmut dadurch Luft, daß er von der Saaltür aus laute Zwischenrufe in den Saal schleuderte. Er soll auch Beleidigungen gegen den Vorsitzenden Schmidtke ausgestoßen haben. DaS Schöffen- gericht hatte seinerzeit den Angeklagten Grünbaum zu MO Mark Geldstrafe verurteilt und dem Privatkläger die Publikationsbesug- tüs in mehreren Zeitungen zugesprochen. In der gestrigen Verhandlung, in der der Vorsitzende trotz d?S wiederholten Hinweises auf den Ernst der Zeit einen Vergleich nicht zu erzielen vermochte, wurde die ganze Kriegsgeschichte noch einmal aufgerollt. DaS Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß d>? ganze Sache doch sehr auf die Spitze getrieben und die erkannte Strafe mit Rücksicht auf die ganze Situation viel zu hoch sei. S'? wurde auf 190 M. Geldstrafe herabgesetzt und die Publikation nUk tu der Form des Urteil-Aushanges an der Gerichtstafel verfügt. öriefkasten öer Redaktion. Die juristisch« Sprechstunde findet L i u d« u st r a ß« KS, dorn vi«? Treppen— Fahrstuhl—, Ivochentäglich von S bis 7 Uhr abends, statt- Jeder für den Briefkasten bestimmte» Anirage ist«in Buchstabe and ein« Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt- Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, werde« oich> beantwortet. Eilig« Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — C. I. 100. 1. Wenden Sie sich an die Militärbehörde. Die zuständige Instanz kennen wir nicht. 2. Leider nein. 3. Keineswegs. Ihr? Frau hat Anspruch.-nif Unterstützung.— A. am Tage warm. Im Osten ziemlich kühl und vorwiegend bewötv; in de» meisten Orten etwas Regen.____ Lüchdruckerei u. Berlagsanstalt Mul Sing«.& Co.. Berlin SW./