Nr. 241.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pg. Bojt Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fet gedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachinittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den 4. September 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984. Deutsche Kavallerie vor Paris. Die nördlichen Sperrforts genommen. Die französische Regierung verläßt Paris. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Cept leistete er im Anschluß an Verdun Widerstand, wurde Sept., Marne. Vor der Armee des deutschenkronprinzen 11 Uhr 15 Min. abends. Bei der Wegnahme des hoch in Felsen gelegenen Sperrforts Givet haben sich ebenso wie im Kampfe um Namur die von Oesterreich zugesandten schweren Motorbatterien durch Beweglichkeit, Treffsicherheit und Wirkung vortrefflich bewährt. Sie haben uns ausgezeichnete Dienste geleistet. Die Sperrbefestigungen Hirson, Les Ayvelles, Conde, La Fere und La on sind ohne Kampf gewonnen. Damit befinden sich sämtliche Sperrbefestigungen im nördlichen Frankreich außer der Festung Maubeuge in unseren Händen. Gegen Reims ist der Angriff eingeleitet. Die Kavallerie der Armee des Generalobersten von Kluck streift bis Paris. Das West heer hat die Aisne- Linie überschritten und setzt den Vormarsch gegen die Marne fort. Einzelne Vorhuten haben sie bereits erreicht. Der Feind befindet sich vor den Armeen der Generalobersten von Kluck, von Bülow, von Hausen und des Herzogs von Württemberg im Rückzug auf und hinter die Paris, 3. September.( Meldung der Agence Havas.) Der Präsident der Republik und die Regierung haben Paris heute nacht verlassen und sich nach Bordeaux begeben. Der Aufruf der Regierung. Paris, 3. September.( W. T. B.) Präsident Poincaré und die Regierung haben folgenden Aufruf an das Land gerichtet: Franzosen! Seit mehreren Tagen stellen erbitterte Kämpfe unsere heldenhaften Truppen und die feindliche Armee auf die Probe. Die Tapferkeit unserer Soldaten hat ihnen an mehreren Punkten bemerkenswerte Vorteile eingetragen, dagegen hat uns im Norden der Vorstoß der deutschen Streitkräfte zum Rückzuge gezwungen. Diese Lage nötigt den Präsidenten der Republik und die Regierung zu einem schmerzlichen Entschluß. Um über das Heil der Nation zu wachen, haben die Behörden die Pflicht, sich zeitweilig von Paris zu entfernen. Indessen wird der hervorragende Oberbefehlshaber der französischen Armee voll Mut und Begeisterung die Hauptstadt und ihre patriotische Bevölkerung gegen den Eindringling verteidigen. Aber der Krieg soll gleich. zeitig im übrigen Lande weitergeführt werden. Ohne Furcht und Nachlassen, ohne Aufschub und Schwäche wird der heilige Kampf für die Ehre der Nation und die Sühne des verlegten Rechtes weiter gehen. Keine unserer Armeen ist in ihrem Bestande erschüttert worden. Wenn einige von ihnen sehr bemerkenswerte Verlufte erlitten haben, so sind die Lücken sofort von den Depots aus wieder ausgefüllt worden, und der Aufruf der Nefruten sichert neue Quellen an Menschen und Energie. Widerstand und Kampf! Das soll die Parole der verbündeten englischen, russischen, belgischen und französischen Heere sein. Widerstand und Kampf, während die Engländer uns zur See helfen, die Verbindungen unserer aber nach Süden zurückgeworfen. Die Armeen des Kronprinzen von Bayern und des Generalobersten von Heeringen haben immer noch starken Feind in befestigten Stellungen im französischen Lothringen gegenüber. Im oberen Elsaß streifen deutsche und französische Abteilungen unter gegenseitigen Kämpfen. 3m Osten ernten die Truppen des Generalobersten von Hindenburg weitere Früchte ihres Sieges. Die Zahl der Gefangenen wächst täglich, sie ist bereits auf 90000 Mann gestiegen. Wieviele Geschüße und sonstige Siegszeichen noch in den preußischen Wäldern und Sümpfen stecken, läßt sich nicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, sondern drei russische kommandierende Generalegefangen. Der russische Armeeführer ist nach russischen Nachrichten gefallen. bin si sid nation Jau mailed 916 sit Feinde mit der Welt abzuschneiden. Widerstand und Kampf! Während die russischen Armeen weiter vorrüden, um den entscheidenden Stoß in das Herz des Deutschen Reiches zu führen. Der Generalquartiermeiffer. von Stein. .silepsi naomsal 216 6mu verzweifelten Hoffnung, durch Rußland und England vor der völligen Rapitulation bewahrt zu werden. Zum Siz der Regierung wurde. Bordeaur gewählt, 20 wo die Verbindung mit dem übrigen Lande und auch mit England am ehesten aufrechterhalten werden kann. Auch im legten Abschnitt des Krieges von 1870/71 war Bordeaux der Hauptsitz der Verwaltung und am 12. Februar 1871 trat dort die französische Nationalversammlung zusammen, die den Frieden mit Deutschland zu genehmigen hatte. Damals war ein Teil der Minister in der belagerten Hauptstadt geblieben, während der andere zuerst nach Tours und erst später nach Bordeaux ging. Es ist die Aufgabe der republikanischen Regierung, diesen hartnädigen Widerstand zu leiten. Ueberall werden sich zum Schutze der Unabhängigkeit Frank seichs die Länder erheben, um diesem furchtbaren Kampfe seine ganze Kraft und Wirksamkeit zu verleihen. Es ist unumgänglich notwendig, daß die Regierung freie Hand behält. Auf Wunsch der Militärbehörden verlegt die Re. gierung daher für den Augenblick ihren Aufenthalt nach einem Punkt Frankreichs, wo sie in ununterbrochener Verbindung mit der Gesamtheit des Landes bleiben kann. Sie fordert die Mitglieder des Parlamentes auf, sich nicht fern von ihr zu halten, um gegenüber dem Feinde zusammen mit der Regierung und ihren Kollegen den Sammelpunkt der nationalen Einheit zu bilden. Die Regierung verläßt Paris erst, nachdem sie die Verteidigung der Stadt und des befestigten La gers durch alle in ihrer Macht stehenden Mittel ficherge stellt hat. Sie weiß, daß sie es nicht nötig hat, der bewunderungswürdigen Pariser Bevölkerung Ruhe, Entschlußkraft und Kaltblütigkeit zu empfehlen. Die Bevölkerung von Paris zeigt jeden Tag, daß sie den größten Pflichten gewachsen ist. Westlicher Kriegsschauplah. Der Zeppelin über Antwerpen. London, 3. September.( W. T. B.) Reuter meldet aus Antwerpen vom 2. September: Ein Zeppelin, der heute früh furz vor 4 Uhr über Antwerpen flog und von der Stadt ziemlich scharf beschossen wurde, vermochte gleichwohl mehrere Bomben abzuwerfen, wodurch zehn Häuser schwer beschädigt wurden. Fünf Bomben sollen auf eine Bichweide gefallen fein. " Englische Ansichten über die Dauer des Krieges. Franzosen! Zeigen wir uns dieser tragischen Umstände Amsterdam, 8. September.( W. T. B.) Die Zeitung würdig. Wir werden den endlichen Sieg erringen, wir Telegraaf" meldet aus London vom 2. September: Jederwerden ihn erringen durch den unermüdlichen Willen zum mann beginnt. langsam einzusehen, daß die Deutschen sich Widerstande und zur Beharrlichkeit. Eine Nation, die Paris nähern; man ist jedoch überzeugt, daß der Krieg nicht untergehen will und die weder vor Leiden noch vor durch eine Belagerung von Paris nicht be. Opfern zurückschreckt, ist sicher, zu siegen. endigt werden wird. Man neigt allgemein der Ansicht zu, Der Aufruf ist vom Präsidenten Poincaré und sämt- daß es nötig ist, den Krieg möglichst in die Länge lichen Ministern unterzeichnet. zu ziehen, um schließlich zu siegen. Die französische Regierung verläßt vor den auf Baris Der ,, Nieuwve Rotterdamsche Courant" schreibt: Dic bisvordringenden deutschen Armeen die Hauptstadt des Reiches. herigen englischen Verlust listen melden als verSie geht nach Bordeaur, um von Südfrankreich aus den wundet, gefallen und vermißt 188 Offiziere und Widerstand so lange als möglich aufrechtzuerhalten, in der 4939 Mann vom öfterreichisch-rusilschen Kriegsschauplatz. die Nlesenschlacht zwischen Weichsel unÜ dnjeftr. WolffS Ttlegraphcn-Bureau meldet nichtamtlich: Wien, 3. September. Die Telegramme der Kriegs- berichterstatter an die Blätter bestätige«, daß das bisherige Ergebnis der Riesenschlacht als ein vollständiger glänzender Sieg an der ganzen Nordfront bezeichnet werden kann. Am O st f l ü g e l dauert das Ringen noch an. Die Berichterstatter weisen auf die ungleichmäßige Ans- bildung nnd Wirkung der russischen Artillerie hin, welche stellenweise vorzüglich sei und anderwärts vollständig versagt habe. Hingegen heben die Berichterstatter einmütig die durch- wegs glänzenden Leistungen der Sfterreichisch-un garischen Artillerie hervor. Einige Berichterstatter weisen namentlich auf die Bravonr des Preßburger und des Kaschauer Korps hin. Sämtliche Berichte stellen fest, daß sich auf österreichisch- ungarischer Seite, namentlich in Lstgalizicn, die Spionage und die Kundschafterdieuste rufienfreundlicher Elemente unangenehm fühlbar mache». vom österreichisch-ferbischen Kriegsschauplatz. Eine österreichische Verwahrung. Wie«, 2. September.(W. T. B.)(Meldung des Wiener K. K. Telegr. Korresp.- Bureaus.) Das serbische Preßbureau fährt fort, im Ausland durch phantastische Berichte über Siege gegenüber den österreichisch-ungarischen Truppen den Anschein zu erwecken, als ob Oesterreich- Ungarn gegenüber Serbien hätte zurückweichen müssen. Diese Folgerung ist ebenso falsch wie die Einzelheiten der serbischen Berichte. Die Wahrheit ist vielmehr, daß der militärische Zweck unseres Vorstoßes in Serbien vollkommen erreicht wurde. der Seekrieg. die franzöflsche Kriegsflotte beschießt Eattaro. Wolfis Bureau meldet nichtamtlich: Wien, 3. September. Amtlich wird bekannt gegeben: Am 1, September morgens erschien die französische Mittelmeerflotte, bestehend aus 16 große« Einheiten, nämlich Schlachtschiffen und Panzerkreuzer» nnd zahlreichen Torpedofahrzengeu auf große Entfernung vor der Einfahrt in die Bucht von C a t t a r o. Sie gab vierzig Schuß an» schwerem Kaliber gegen daS veraltete Fort auf Punta d'Ostro ab, ohne den dortigen Werken Schade» zuzufüge«. Bon der Besatzung wnrden drei Mann leicht verwundet. Die Flotte dampfte dann eine Zeitlang in nordwestlicher Richtung, wendete sich sodann in südlichem KurS, um anscheiuend die Adria zu verlasien. Es handelte sich daher offenbar um«ine wirkungS- lose Demonstratio» der französische» Streitkräfte an unserer südlichen Küste. die franzöflsche darstellung. Paris, 8. September.(W. T. B.) Di« französische Flotte hat gestern die Befestigungswerke und die Reede von Cattaro de« schössen. Di» Beschießung verursachte große» Schade». Mehrere Ge« bände wnrden beschädigt nnd gerieten in Brand. Italien unö öie fremden Kriegsschiffe. Fiume, 8. September.(W. T. B.)' Dem Hafenamte ist von italianischer Seite am L. September mitgeteilt worden, daß Kriegsschiffe in die Häfen von Spezi a, Maddalena, Ta- ranto, Brindisi und B e n e d i g nur bei Tage mit vor- heriger Bewilligung, die sie mit Hilfe von drahtlosen Telegraphen tzon dem betreffenden Hafenkomnmndo erwirken, einfahren können. Vom östlichen Kriegsschauplatz. VII. Bei den Flüchtlingen. Osterode, den 30. August 1014. Höfe un!s Ställe in der Stadt dienen den Flüchtlingen aus den geräumten Ortschaften als Notwohnung. Wer genügend Klein- geld besitzt, findet ja wohl ein andere? Unterkommen. Aber die meisten der vo» der Kriegsfurie Vertriebenen bleiben vorläufig ohne ausreichendes Obdach. Die in„Hofwohnungen" sind überdies noch glücklich zu schätzen. Bei Tage hocken sie draußen in der Sonne; die Wirtschaft wird besorgt; man wäscht und kocht— Kaffee. Kaffee und Brot ist die Hauptnahrung. Kinder spielen umher, die ganz kleinen liegen in einem der mitgebrachten Leiterwagen auf dem Bettzeug. Die Größe des Leids, materielle Verluste und schwere? Un- glück in der Familie, wie auch die persönliche Widerstandskraft des einzelnen bestimmen daS Verhalten in diesen schlimmen Stunden. Manche sitzen da teilnahmslos, in dumpfem Hinbrüten haben sie anscheinend die ganze Umwelt vergessen. Ich frage eine Frau, die über ihre im Wägelchen liegenden Kinder hinweg in die Welt starrt, woher sie komme. Sie wendet den Kopf und schaut mich verständnislos an. Ich wiederhole die Frage, beschäftige mich mit einem kleinen blauäugigen, blonden Knaben. Immer noch keine Antwort.— Tröstend sage ich:„Sie können nun bald zurück, die Russen sind fort." Aus den Augen stürzen ihr die Tränen. Die Arme kann sich noch nicht zurechtfinden. Zu viel Fürchterliches ist auf sie eingedrungen. Von einem Nachbar hörte ich dann, ihr Haus sei zerstört, der Mann schon gefallen; ihr Acltester, ein Kriegs- sreiwilliger, lasse sie ohne Nachricht. Ein Mann, ungefähr b0 Jahre alt, schildert mir sein Unglück. Nahe bei Soldau, an der Grenze, besaß er HauS und Hof. Er Wirt- schaftete mit sechs Kühen, zwei Pferden, trieb Schweinezucht. Als Erbe des Anwefens muhte er mehrere Geschwister abfinden; DaS Ein Kriegsschiff, dem die Einfahrt gestaikek wurde, hak nach der Signalstation zu fahren und dort mindestens drei Meilen vom Ufer entfernt stehen zu bleiben und seine Flagge zu hissen. Die Signalstation verständigt von der Ankunft de» Schiffes den Hafen- kommandanten, der einen Marineoffizier auf daS fremde Kriegsschiff entsendet. Ein Schiff auf eine Aline geraten. London, 3. September.(W. T. 33.) Nach einer hier ein- getroffenen Meldung ist ein Dampfer auf eine Unterwasser- mine gestoßen und gesunken. Bonden 11 Mann der Besatzung sind sechs ertrunken. Die übrigen fünf Mann wurden gerettet. Es handelt sich um dasselbe Schiff, welches kürzlich die Mann- schaff eines dänischen Dampfers rettete, der in derselben Gegend auf eine Mine aufgelaufen und gesunken war. die politischen Strömungen in Rusiisch-polen. Die sozwle Gliederung eines Volkes entscheidet über die politischen Strömungen. Auch für ein Volk, das unter Fremdherrschaft seufzt, kann diese einfache Wahrheit nicht ausgeschaltet werden, und es bewahrheitet sich in Polen sehr klar. Ter Untergang Polens wurde dadurch verursacht, daß Rußland und Preußen zu militärischer Macht gelangten, während in Polen durch eine besondere Verkettung historischer Ursachen der Adel das Aufkommen einer starken Zentral- gewalt und einer Militärmacht im eigenen Interesse verhinderte. Selbst in der Stunde der höchsten Gefahr scheiterte die Verteidigung gegen den Raub seitens Rußlands, Preußens und Oesterreichs daran, daß der Held des Freiheits- kampfes von 1794, Thaddeus Kosciuszko, nicht die Macht hatte, den Adel zu einem Verzicht auf seine absolute Herr- schaff über die Bauern zu zwingen. Diese Bauernschaft wurde nicht nur nicht durch Befreiung von der Hörigkeit für die Verteidigung des Vaterlandes begeistert, sondern der Adel widersetzte sich zum Teil sogar der Bewaffnung der Bauern, weil das seine Herrschaft gefährdete. Es war das tragische Schicksal des Polnischen Volkes, daß es nicht mit seiner Adelskaste fertig wurde, die wie ein Vampyr seine Lebens- kräfte aussog und deshalb auch nicht den Raub am eigenen Lande durch die fremden Staaten verhindern konnte. Zweimal griff dann das Volk zu den Waffen gegen die Zarenherrschaft— 1839 und 1864. Bei dem ersten Aufftand handelte es sich um den Verteidigungskampf gegen den Zarismus, der die 1815 beschworene Verfassung Polens niedertrampelte. beim zweiten um den Verzweiflungskampf gegen die endgültige Vergewaltigung der nationalen Rechte Polens. Beide Male haben die Regierungen Preußens und Oesterreichs alles getan, um der zarischen Regierung die Niederwerfung Polens zu erleichtern. Aber in beiden Auf- ständen trat es auch zutage, daß selbst jetzt der Adel vor der Konsequenz einer allgemeinen Volkserhebung zurückschreckte aus Klasseninteresse. Wie stehen die Dinge heute? Die drei Teilungsmächte, die seit mehr denn einem Jahrhundert durch den gemein- samen Raub an Polen aneinander gekettet waren, stehen zum ersten Male im Kampfe gegeneinander. Jetzt wäre es sicher den Regierungen Deutschlands und Oesterreichs erwünscht, wenn sich die Polen in dem von Rußland geraubten Teile erheben würden wie ein Mann gegen die zarische Regierung. Eifrige Zeitungsschreiber werden auch nicht müde, die Polen zu diesem Heroismus aufzufordern. Leider haben sie das Mittel noch nicht angegeben, wie ein wehrloses Volk in den von russischen Truppen überschwemmten Landesteilen es fertig bringen soll, gegen die russischen Schnellfeuergeschütze, Maschinengewehre und Klcinkalibngen vorzugehen. Das sind offenbar Utopien.— Aber die Haltung der polnischen Bevölkerung ist selbstverständlich von größter Bedeutung für die Kriegführenden, auch wenn die Polen nicht zu den Waffen greifen, die sie nicht haben. Denn selbstverständlich ist es für die deutschen und österreichischen Truppen von ent- scheidendem Werte, wenn sie sich in Polen nicht wie in Feindesland fühlen, sondern auf jede Weise von der Be- völkerung begünstigt werden. Nun gibt es sicher nicht viele Elemente in Polen, die mit der zarischen Regierung sympathisieren. Aber zweifellos ist die Großbourgeoisie an diese Regierung gekettet durch ihre kapitalistischen Interessen. Die Abtrennung des Landes von wurde ihm sauer. Doch in jahrelanger Arbeit, bei bescheidener Lebensweise hatte er'Z geschafft. Noch eine gute Ernte und— Frieden Im Lande, dann hatte er seine Verpflichtungen abgelöst. Die auf dem Besitz ruhende Hypothek machte ihm weiter keine Sorgen. Dann kam daS Unglück. Eines Tage? hieß eS: Die Kosaken kommen! Di« Kosaken kamen und wurden vertrieben.... Unter solchem Wechsel hielt er eS acht Tage lang aus. Die meisten Nachbarn waren schon geflohen, ein HauS nach dem andern ging in Flammen auf. SineS TageS sielen auch in seinen Hof Granat- splitter, die Scheune brannte. Nun hieß e«: FortI Fort! Da stürmten schon die Russen heran. Nur das nackte Leben war noch zu retten. Auf einem Leiterwagen hatte man vorsorglich schon vorher die Betten verpackt. Die Pferde vor und davon! Während der Flucht starb daS kleinste Kind.„Die Frau liegt dort im Pferde- stall, sie sieht der Entbindung entgegen. Wir fanden kein anderes Unterkommen.— Was soll ich nun anfangen?" Ich weiß natür- lich keinen Rat. ZSer kann da trösten. Ich sage nur:„Tie Russen sind nun fort."„Aber mein Heim ist zerstört," sagt leise und traurig der Mann. Es gibt noch viele andere mit schwererem Leid, mit größerem Verlust. Hinaus zur Landstraße lenken mich meine Schritte. Dort, zu beiden Seiten kampieren die Flüchtlinge zu Tausenden unter freiem Himmel. Manche seit zehn Tagen. Gewöhnlich haben sich mehrere Familien zusammengefunden, die neben einer Scheune, vor einem Gebüsch oder einem Kornschober etwas Deckung suchten und fanden. Fast alle find aus Neidenburg, GeimeinsameS Leid schweißt zusammen. Man führt gruppenweise eine Wirtschaft. Einzelne retteten nur daS bisse! Zeug, das sie auf dem Leibe tragen. Andere brachten fast den ganzen HauSrat mit. Hier und da steht man auf den Leiterwagen sogar eine Nähmaschine verstaut. Heber Holzfeuerosen kocht das gemeinsame Mittagsmahl. Ein steinaltes Mütterchen hütet mit scheuen Blicken ein Stückchen Speck. DaS soll wohl nicht Gemeingut werden. Sie rettet eS für ihre Lieblinge, ihre Enkel, die daneben in den Stoppeln herumspielen. Jeder Witterung find die Armen ausgesetzt, bei Tage gewöhn- lich glühenden Sonnenstrahlen� off auctj Regengüssen« und nachts Rußland bedeutet Sen Verlust der Absatzmärkte für die Exportindustrie, die Befreiung des Landes vom zarischen Joch bedeutet gleichzeitig die Beseitigung des Druckes, der die Proletarier an Händen und Füßen gefesselt der un-- beschränkten Ausbeutung ausliefert. Das gilt auch bis zu einem gewissen Grade von den Großgrundbesitzern. Sie haben längst ihren Frieden mit der zarischen Regierung gelchlossen, die ihnen dafür einsteht, daß der Landhunger der Bauern nicht auf ihre Kosten befriedigt wird. Auch sind sie an den: Export nach Rußland als Produzenten von Branntwein und Zucker interessiert, und außerdem sind sie mit der industriellen Bourgeoisie versippt. Das Kleinbürgertum, diese politisch rege Klasse, die in Polen in noch höherem Maße als in anderen Ländern die „öffentliche Meinung" macht, ist in hohem Maße politisch verworren. Tie Intellektuellen empfinden naturgemäß die nationale Verfolgung sehr stark, die Russifizierung der Schule, das provokatorisch� Verletzen aller Kulturinteressen wird von dieser Schicht tief empfunden. Auch ein Wirtschaft- licher Grund spielt dabei mit: die zarische Regierung hält die Polen von der Staatskrippe fern, sie können nicht Beamte und Lehrer werden. Bei der Verstaatlichung der Bahnen wurden z. B. Tausende von polnischen Angestellten aufs Pflaster geworfen und durch Russen ersetzt. Auf der anderen Seite aber ist dieses Kleinbürgertum abhängig von der Großbourgeoisie und zieht mit ihr an einem Strange, Es war denn auch die Probe aufs Erempel, daß, sobald die Revolution im Jahre 1906 niedergeworfen war, eine wahre Orgie der Reaktion begann, bei der Adel, Bourgeoisie nnd Kleinbürgertum mit wahrer Bcrserkerwut sich gegen die Arbeiterschaft wandten und in Loyalität vor der zarischen Regierung erstarben. Polnische, deutsche und jüdische Fabrikanten spendeten Millionen für die Polizei, taten alles, was irgend in ihren Kräften stand, um gemeinsam mit der zarischen Regierung die Arbeiter niederzuwerfen. Und die kleinbürgerlichen Elemente taten ein übriges, indem sie Banden bildeten, die mit Revolvern ausgerüstet Jagd auf die Sozialdemokraten machten. Bei den Wahlen zur Duma siegte dank dem Wahlrecht die Partei der„Nationalen Demo- kratie", die ihrem Ursprung nach kleinbürgerlich war, aber sich beeilte, in den Dienst der Bourgeoisie zu treten. Tie polnische Fraktion war dann hyperloyal gegen die zariiche Regierung, bewilligte blindlings alle militärischen Forde- rungen. Höchstens versuchte sie durch würdelose Kriecherei kleine Konzessionen auf nationalem Gebiete zu erbetteln, ohne ihr Ziel zu erreichen und anderes als Verachtung ein- zuheimsen. Zu einem entschlossenen Kampfe gegen die zarlsche Re- gierung sind alle diese Schichten der hesitzenden Klasse auch im gegenwärtigen Moment unfähig. Wo es gilt, vorbehält- los Opfer zu bringen für die nationale Sache, versagen sie. Die arbeitenden Klassen dagegen haben in Polen nichts zu verlieren als ihre Fesseln. Ihr nationales Interesse deckt ich mit dem sozialen: der Sturz des Zarismus ist das Lebens- nteresse. Das polnische Proletariat hat während der Revo» ution betmesen, zu welchen sch'-ankenlosen Oplern es fähig ist. Dagegen ist. wie überall, die Bauernschaft politisch in hohem Grade indifferent und schwer für politische Aktionen zu organisieren, und der aktive Teil bleibt allein die Arbeiter- schast. Ihre Parole ist— gegen den Zarismus I Und sie ist sehr wohl im stände, diese Parole auch gegen den Willen der Bourgeoisie durchzusetzen, indem sie daS Kleinbauerntum und die nicht gänzlich korrumpierten Elemente des Kleinbürger- tums mit sich reißt.- Welche Umwälzungen die nächste Zeit bringen wird, daS ist heute eine Frage, die in erster Linie von der Entscheidung der militärischen Kämpfe abhängt. Aufgabe des polnischen Proletariats wird es sein, unter allen Umständen seine Interessen zu wahren, die sich mit den Interessen des inter- nationalen Proletariats und der Kultur decken. Wer dieses polnische Proletariat zum Verbündeten haben will, der inuß nicht nur durch Worte, sondern durch Taten zeigen, daß er dem Werke der Kultur und der Menschheit dient. Wer öer Gewinner fein wirb. Wer im gegenwärtigen Krieg der Sieger sein wird, ist, wenig- stens soweit der Landkrieg in Betracht kommt, kaum noch eine Frage. Im Grunde wird da nur noch um daS Mehr oder Minder gekämpft. Bleibt der Seekrieg, dessen Ausgang zweifelhaft ist und der sich auch länger hinziehen kann als jener. Wenn man aber noch nicht weiß, wer bei ihm der Sieger fein wird, so lassen zwei Notizen, die wir in der„New Aork Times" vom 7. August finden, ziemlich sichere der bereits sehr empfindlichen Kühle. Man sucht Schutz, so gut eS geht... hüüer dem Stroh, auch wohl darin; die Kinder und Kranken werden in die Betten gepackt. ES gibt viele Kranke; wie sollte eS anders sein. Schon während der Flucht starben Kinder und Frauen. Einige vor Angst und Aufregung. Nun kommt Not und Entbehrung hinzu. In einer Höhle, die in einen Strohhaufen hineingewühlt ist, liegt auf einem Unterbett eine totkranke, abgemagerte Frau. Ich dachte, sie hätte 60 Jahre auf dem Rücken. Sie zählt erst dreiund- dreißig. Tief liegen die balbgebrochenen Augen im Kopfe, Schweiß perlt auf der Stirn. Sie kann nicht mehr sprechen, keinen Wunsch mehr äußern. Männer, außer ganz alten, find nur wenige unter den Flücht- lingen. Die Wehrfähigen tragen ein Gewehr— wenn sie es noch tragen. Ein ziemlich junger Mensch, ein Maschinist, versichert mir, er sei zweimal von Russen gefangen genommen worden, aber jedes- mal sei er entschlüpft. Da» zweite Mal band ihm ein Kosak einen Strick um den Arm. Den habe er plötzlich mit seinem Messer durch- geschnitten und sei dann um ein Hau» in eine sumpfige Gegend gerannt. Der Kosak hinterdrein, bis er am Sumpfe nicht mehr weiter konnte. Und die Kugeln trafen nicht. Ta sitzt weinend eine junge Frau. Ihr Mann ist tot, ihr Vater vielleicht auch, ihr Bruder verwundet; nichts hat sie gerettet, alle? verloren. Sie steht nun allein auf der Welt und weiß nicht, wohin. Man bringt ihr zwei Kinder, ein Mädchen von eineinhalb, einen Knaben von drei Jahren. Ihrer soll sie sich annehmen, denn die Frau, die sie rettet«, hat selbst drei kleine Kinder. Die Mutter der beiden Waisen ist vor einem halben Jahr gestorben. Den Vater haben die Kosaken erschossen, seine Schwester wurde ein Opfer ihrer bestialischen Wollust.— Die junge Witwe nimmt das Mädchen auf den Schoß, der Schatten eine? Lächelns huscht über ihr Gesicht. Ich ward Zeuge furchtbaren Jammers, maßlosen Unglücks, tcy sah die Opfer menschlicher Entmenschung. Ich mutzte gehen, konnte nichts mehr anhören. Wilhelm D ü K e l l« AriegSberiHter�alter» Schlüsse darüber ziechen, wer aus ihm als der G e w i n n e r heraus- Mhen wird. Sie lauten: I. Plan, dendeutschenMarktzu bekommen. Es Verden kräftige Anstrengungen gemacht, einen Abfluß für die Rohbaumwolle zu ftnden, � die bisher nach Manchester und Liverpool ging. Gestern fanden Konferenzen statt behufs Ausfindung von Mitteln, die Fabriken dieses Landes durch Eröffnung von neuen Handelskanälen für Gewerbe in vollster Tätigkeit zu erhalten. A. Barton Hepburn, der Vorsitzende der Nationalen Chase Bank hat das folgende Telegramm an Oscar W. Underwood nach Washington geschickt: „Der Süden ist in unbegründeter Unruhe über den in Aus- ficht gestellten Rückgang der Nachfrage nach Baumwolle und dem damit verbundenen Preisfall. Die europäischen Fabrikanten mögen die gewohnte Menge von Baumwolle nicht brauchen können, aber die amerikanischen Fabrikanten werden den ganzen Vorrat brauchen. Es ist unvermeidlich, daß der ganze Uebersee- Handel Deutschlands jeder Nation verfällt, die ihn zuerst sucht und die bisherigen Kunden Deutschlands am besten bedienen kann." „Von allen Nationen sind die Vereinigten Staaten am besten in der Lage, diesen Handel zu übernehmen und festzuhalten. Zu- nächst wolle man unsere Schisfahrtsgesetze liberaler gestalten. Deutsch- land versorgte den Handel in gröberen und billigeren Baumwollen- waren mit Mexiko. Zentral- und Südamerika, Afrika, Asien und dem Orient überhaupt. Ter Handel auf dem Stillen Ozean wird unbehindert sein. Unsere Baumwolle soll nicht als Rohstoff, son- dern als Fertigfabrikate außer Landes gehen, und wenn der Krieg in Europa zu Ende sein wird, werden wir zum größten Teil den Handel in Händen haben, der jetzt darauf wartet, uns zu- zufallen." II. Die Chancen unseres Handels.(Telegramm.) Chicago, 6. August. Südamerika braucht nicht nur amerikanische Waren, sondern braucht sie sofort. Dies ist der Inhalt eines Kabel- telegramms, das heute dem Handelsbund von seinem Vertreter in Buenos AyreS, F. C. Enright, zugeht. Es lautet wie folgt: „Sendet Proben mit niedrigsten Preisen und gebt inSbeson- dere Preise an für Korsetts, Strohhüte, Kleiderhalter, alle Sorten Schnittwaren, Galanteriewaren, Seidenartikel. Dies ist unsere Gelegenheit. Infolge deS Krieges können längere Zeit keine Verschiffungen von Europa erneuert werden. Verliert keine Zeit. Gevt telegraphisch Bescheid." Als ein Ergebnis dieses Kabeltelegramms wird eine Sitzung des Ausschusses für den AuSlandShandel vom Vorsitzenden John I. Arnold sofort einberufen werden, wenn der Spezialausschutz der Handelsmarine von Washington zurückgekehrt ist. Die notwendigen Schiffe werden, nimmt man an, auf Grund eines dem Kongreß vorliegenden Gesetze?, das die Eintragung von Schiffen fremder Herkunft unter die amerikanische Flagge zuläßt, in kurzer Zeit bereit stehen."— Einer Erklärung bedürfen diese Notizen nicht. Abgefaßt am Tage, nachdem die Meldung vom Ausbruch des Kriege? Amerika erreichte, sprechen sie eine so deutliche Sprache, daß niemand sie miß- verstehen kann. Und es ist leider nicht zu bezlveifeln, daß die nächsten Tage noch eine Fülle weiterer Meldungen dieser Art in Amerika gebracht haben werden. Je größere Zerstörungen die ver- uneinigten Länder Deutschland und England einander im Seekrieg zufügen, um so größer der Gewinn für Handel und Gewerbe— der Bereinigten Staaten. die Lage in Petersburg. Deutsche Reisende, die am 27. August auS Petersburg in Stockholm ankamen, berichteten, daß dort alles ruhig sei. Der NewSkiprospekt biete das Bild einer Kleinftadtstraße, die Geschäfte sind geschlossen und die Fabrikbetriebe außerordentlich ein- geschränkt. Ende der Woche sollten mehrere Fabriken ihre Betriebe völlig einstellen. Zu der ruhigen Stimmung trägt das Alkohol- verbot bei. Die Regierung wird in allernächster Zeit der Duma ein aus- gedehntes Moratorium vorschlagen, jedoch mit wesentlichen Beschränkungen. die Lage auf üem Solkau. Ueber das Verhalten der Balkan st aaten liegen wieder eine Reihe von Rachrichten vor, die allerdings wenig verbürgt find. Ueber die Stellung Rumäniens, die zu kennen das wichtigste wäre, liegt eine neue Nachricht überhaupt nicht vor. Dagegen heißt eS, daß Rußland an Bulgarien die telegraphische Anfrage gerichtet habe, ob Bulgarien im Falle eines russisch-türkischen Krieges wohl- wollende Neutralität beobachten werde. Der türkische Minister deS Innern, T a l a a t B e h. sei aus Sofia zurückberufen worden, um an wichtigen Entschlüssen teilzunehmen, die in Konstantinopel bevorstünden. Die Haltung der Türkei errege in E n g l a n d Be- sorgniZ. Man fürchte, die Türkei sammle in Syrien ein Heer, um in Aegypten einzufallen. England lasse deshalb eine kleine Flotte von Kreuzern und Torpedojägern in den Gewässern an der syrisch- Palästinischen Grenze kreuzen. Das alles ist mehr oder weniger Kombination. Sicher ist nur. daß Griechenland und die Türkei mobilisiert haben und daß die Tviple-Entente einen starken Druck ausüben, um die Balkanstaaten in ihren Dienst zu pressen._ politische Lebersicht. General v. Waudel stellvertretender Kriegsminister. An Stelle de» Generalmajors Wild v. Hohenborn ist der Gou- verncur von Köln, General v. W a n d e l, mit der Stellvertretung des KriegSministerS betraut worden. General v. Wandel war unter dem früheren Kriegsminister v. Heeringen Chef des Allgemeinen KriegsdeparlementS, kennt den Betrieb also recht genau. Tie Regierung und die Arbeitslofigkeit. Das Regierungsblatt, die„Norddeutsche Allg. Ztg." uimrnt zu der ständig wachsenden Arbeitslosigkeit Stellung. Es erklärt die Sorge für die Arbeitslosen„als eine der wichtigsten Aufaaben des öffentlichen Lebens während der Kriegszeit". ES stellt die große Zahl der Arbeitslosen fest und sagt dann: .Wichtiger als die Gewährung unimttelbarer Unterstutzungen ist die Beschaffung ausreichender Arbeitsgelegenheiten. Hinsichtlich des Ausgleichs»wischen dem Angebot von Arbeit und der Nach- frage durch Vermittlung der Arbeitsnachweise und Arbeitsnachweis- verbände hat der Mmister für Handel und Gewerbe bereits da» Erforderliche veranlaßt. ES ist auch in einem Erlaß an die Regierungspräsidenten hingewiesen worden auf die Be- deutung von Motznahmen der Gewerbetrelbenden. durch die die Entlastung von Arbeitern vermieden werden kann. Gleichwohl sind noch Arbeitslose in großer Zahl vorhanden, und es wrrd sich nicht vermeiden lasten, daß die Kommunen emschreiten. Es ist notwendig, daß die Kommunalverwaltungen mit den Arbeitgebern und de» A rbe itero r g an»s a tr an en aller Parteirichtungen Fühlung nehmen; mü jenen, um zu erreichen, daß die Inhaber stillgelegter Betriebe sich wenigstens an der Fürsorge für ihre stellungslos gewordenen Arbeiter beteiligen, mit diesen, um zu, vermeiden, daß die Arbeits- losenunierstiltzungen der Arbeiterorganisationen sich mit der koinniunalcn Fürsorge kreuzen. Ein rasches und ent- schieden es Eingreifen i st Pflicht der Kommunen. Es wird sich empfehlen, daß auch die Kommunen in ihrer Eigenschaft als Arbeits- und Auftraggeber nicht etwa die schon in Angriff genommenen Arbeiten aus Anlaß des Krieges unter- brechen und daß sie die noch nicht begonnenen Arbeiten, zu denen sie innerhalb des geltenden HaushallSanschlageS berechtigt sind, unverzüglich in Angriff nehmen. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß eS darauf ankommt, möglichst vielen Personen einen wenn auch nur notdürftigen Verdienst zu gewähren. Es wird von einer besonders intensiven Ausnutzung der Arbeitskräfte ab- zusehen, vielmehr auf Verkürzung der Arbeits- zeit und die Einstellung einer möglichst großen Zahl von Arbeitern zu halten sein, wenn dadurch auch der Verdienst des einzelnen geschmälert wird. Die Beschäftigung freilvilliger Arbeitskräfte wird ganz unter- bleiben müssen. Es ist auch der Hinweis am Platz, daß die Frauen der eingezogenen Wehrmänner durch die vom Staat und von den Kommunen gewährten Beihilfen vielfach besser gestellt sind, als die gänzlich erwerbs- und einkommcnslofen Personen. Weiterhin gilt es, darauf zu halten, daß solche kommunalen oder einer öffentlichen Aussicht unterstehenden Anstalten, wie zum Beispiel Straßenbahnen, die infolge der Einziehung zahlreicher Angestellten zum Heere zunächst eine Einschränkung ihres Betriebes eintreten lassen mußten, alsbald den früheren vollen Be« trieb wieder aufnehmen und zu diesem Zweck eine ent- sprechende Zahl neuer Arbeitskräfte mit der notwendigen technischen Ausbildung versehen lassen. An hierfür geeigneten Arbeitskräften wird es nirgends fehlen. Werden diese Grundsätze auch bei den ständigen Betrieben der Kommuen beachtet(Gasanstalten, Elektrizitätswerke, Bahnen), und werden neue, bisher nicht beschlossene Arbeiten in Vor- bereitung genommen, so darf erwartet werden, daß damit ein wirksamer Schritt zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Kriege getan wird. Darüber hinaus haben auch die Kommunen die Möglichkeit, durch Verringerung der in Friedenszeiten von Insassen kommunaler Anstalten geleisteten Arbeit, Arbeitsgelegenheit für den freien Markt zu schaffen. Auch wird bei Vergebung öffentlicher Arbeiten und Aufträge auf die Berücksichtigung möglichst vieler Unternehmer zu achten sein. Der Staat wird es auch seinerseits nichr daran fehlen lassen, den Gefahren der Arbeitslosigkeit in ähnlicher Weise entgegenzutreten."_ Maßnahmen gegen den Notstand in Württemberg. Der Vorstand unserer württembergischen LandtagSfraktion, der sich vor einigen Tagen mit dem Ministerpräsidenten v. Weizsäcker über die Notstandsmaßnahmen besprach, hat nunmehr auch eine Aussprache mit dem Minister deS Innern v. Fleischauer herbei- geführt. Der Minister stellte die sofortige Ina»griff- nähme einer Reihe öffentlicher Arbeiten in Aussicht. So sollen bei der Neckar-Korrektion 3000 Arbeiter beschäftigt wer- den. Den Zwischenunternehmern soll dabei ein Recht auf Auswahl der Arbeiter nicht zustehen, diese werden ihnen vielmehr von den kommunalen Arbeitsnachweisen zugewiesen. Der Minister er- kannte an, daß die öffentlichen Körperschaften für die durch den Krieg in Not geratenen Volkskreise für Nahrung, Obdach und Kleidung zu sorgen hätten. Die Wohnungsfrage sei insoweit ge- löst, als nach der Verordnung des Bundesrats die Austreibung wegen Mietsforderungen, die vor dem 31. Juli entstanden sind, nicht stattfinden könne. Reiche diese Verordnung für den 1. Ok- tober als nächsten Mietszinstermin nicht aus, so müsse eine neue erlassen werden. In den größeren Städten könnten, soweit dies nicht schon geschehen, Einrichtungen zur gemeinsamen Speisung der Bedürftigen getroffen werden, und im übrigen würden bare Unterstützungen zu gewähren sein. Die Regierung lehne die Gewährung von Zuschüssen im Bedürfnisfall nicht ab. Der Minister erklärte sich auch zur Ausgabe eines entsprechenden Erlasses bereit. Auch die Notwendigkeit, für den Großhandel mit Mehl und Kar- toffeln Höchstpreise festzusetzen, erkannte der Minister an. Die Mehlpreise müßten aber, da Württemberg sein Mehl zum Teil von den Mühlen am Rhein beziehe, mit Baden und Bayern verein- bart werden. Die eingetretene Steigerung der Zuckerpreise hielt der Minister für völlig ungerechtfertigt angesichts der günstigen Rübenernte und der völligen Unabhängigkeit der Zuckerindustrie vom Auslande. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Nürnberg. Die Zahl der Arbeitslosen in Nürnberg wird auf 15 000 ge- schätzt; besonders i» der Metallindustrie, die Nürnberg beherrscht, ist die BeschästigungSlosigkeit erschreckend groß. Um der äußersten Not zu steuern, wurden zunächst 100000 M. bewilligt und zum Teil schon ausgegeben. Der Magistrat teilte mit. daß die Fürsorgemaßnahmen jeden Monat 100 000 M. erfordern würden. Nach Möglickkeit soll Arbeitsgelegenheit beschafft werden. Bereits projektierte städtische und staatliche Arbeiten sollen baldmöglichst in Angriff genommen werden. Um einer größeren Anzahl von Arbeitslosen sofort Be- schäftigung zu verschaffen, wird die Arbeit in den städtische» Betrieben auf sechs Stunden täglich reduziert; dadurch wird es möglich, 500 bis 000 Arbeitslose einzustellen. Infolge der geringeren Stundenzahl verringern sich auch die Löhne, doch wurde für die niedrigsten Lohnklassen ein Existenzminimum festgesetzt dahin, daß ledige und verheiratete Arbeiter ohne Kinder nnndestenS 16 M., Verheiratete mit einem Kind 10 M., niit zwei Kindern 17 M., mit vier bis fünf Kindern 18 M., mit sechs und mehr Kindern 19 M. erhalten. Für diese Arbeiter bezahlt die Stadt alle Versicherungsbeiträge, während sie den höher Entlohnten ab- gezogen werden. Eine Versaminlung der städtischen Arbeiter nahm nul überwiegender Mehrheit dieses Opfer auf sich, nachdem Ober- bürgermeister Dr. Geßler selbst in der Versammlung erschienen war und den Arbeitern die Notwendigkeit der Maßnahmen auseinandergesetzt hatte. Zu gleicher Zeit erklärte Dr. Geßler. der bereils sofort bei Ausbruch des Krieges aus die Hälfte seines Gehalt« zu- gunsten der Fürsorgemaßnahmen verzichtet hatte, daß er nunmehr drei Viertel seines Gehalts zu diesem Zweck zur Ver- fügung stelle.__ Arbeitslose als Polizisten. Während manche Slädte ihrem Mangel an Polizeibeamten dadurch abzuhelfen gesucht haben, daß sie eine ehrenamtliche „Bürgerpolizer" organisierten, hat M ü n ch c n erfreulicherweise b e- zahlte H i l f ö in a n» s ch a s t e n eingestellt, für die in erster Linie stellungslose gelernte Arbeiter, kauf- männische Auge st eilte und Kleinhändler genommen wurden. Um so unerfreulicher ist, wenn nach einem Telegramm der „Voss. Ztg." in München beim Bau eines Bahnhofs französische Gefangene als Arbeiter verwandt werden. Diese Art von Gefangenenbeschäftigung muß aufs schärfste zurückgewiesen werden.,_ Kommunale Maßnahmen gegen die Kriegsnot. In einer außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten in Plauen wurde einem Antrage deS Rates zugestimmt, daß sich die Stadtgemeinde Plauen an der geplanten Gründung der Kriegs- kreditbanl für das Königreich Sachsen durch Zeichnung von 200 000 Marl beteiligt. Di« KriegSlreditbank wird ür diese» Tagen aus An- regung des Ministeriums des Innern zur Unterstützung von Handel und Gewerbe ins Leben gerufen. Ferner bewilligten die Stadtverordneten in Uebereinstimmung mit dem Rate 50 000 M. zum Zwecke der Unterstützung Erwerbs- und Arbeitsloser und sonst Bedürftiger. Die Unterstützungen sollen jedoch keinerlei Verkümmerung der politischen Rechte zur Folge haben. Sie werden, soweit möglich, in Form von Naturalien verausgabt, auch sollen von der bewilligten Summe an kleine selb- ständige Gewerbetreibende Darlehen in mäßiger Höhe ausgegeben werden. In Darmstadt zahlt die städtische Verwaltung ihren ins Feld gerückten Tagelohnarbeitern neben der Familienzulage den vollen Lohn für 11 Tage vom Tage der Einrückung ab. Nach Ab- lauf dieser zwei Wochen erhalten die Angehörigen als Unterstützung die Hälfte des seitherigen Lohnes und der Familienzulage. Die Neichsuntersiützung loli hierbei nicht zum Abzug gelangen. Der Oberbürgermeister ist ermächtigt, in Fällen besondercr Dürftigkeit eine Erhöhung der städtischen Unterstützung bis zu einem Betrage eintreten zu lassen, der drei Viertel des monatlichen Lohnes mit Familienzulage unter Abzug der Reichsunterstützung entspricht. Die Stadt behält sich vor, in allen geeigneten Fällen entweder ganz oder teilweise an die Stelle der Geldunterstützungen Naturalunterstütznngeir oder Familien- oder Anstalipflege treten zu lassen. Die Stadt or> ganisiert den Kartoffelbezuo. ferner wird in einer benachbarten, bisher stillgelegten Mühle von der Stadt angekaufter Roggen gemahlen, so daß bereits jetzt Mehlvorräte im Werte von 100 000 Mark für die Stadt vorhanden sind._ Ein deutsches Ersenbahnbetriebsnmt in Czenstochau. Die königliche Eisenbahndirektion Kattowitz macht im„Amtsblatt" bekannt: Errichtung eines Betriebsamtcs und eines Maschinenamtes in Czenstochau. Für die— in dem von deutschen Truppen besetzten russischen Gebiete liegenden— Eisenbahnlinien Sosnowice— Petrikau— Russ. Herbh— Czenstochau und demnächst auch Czenstochau-- Kielce ist am 24. v. Mls. in Czenstochau ein Belriebsamt und ein Maschinenamt errichtet worden. Schutz gegen Pockenepidcmie». Der preußische Minister des Innern hat die folgende Verfügung erlassen:„Um dem Ausbruch von Pcckenepidemicn vorzubeugen, empfiehlt es sich, in denjenigen Orlen und Plätzen, in denen Kriegs- gefangene untergebracht tverden, allen Personen, welche mit Gefangenen in Berührung kommen, Gelegenheit zur Pockenschutzimpsung zu geben. Die Impfung soll auf diejenigen Personen beschränkt werden, die nicht innerhalb der letzten vier Jahre mit Erfolg ge- impft worden sind oder die natürlichen Blattern überstanden haben. Die Kreisärzte sind mit der unenigelllichen Ausführung der Impfungen zu beauslragen._ Gegen Beamten-Anmaßlichkert. Immer wieder kommen— auch aus der Umgegend von Verlin— Klagen, daß die Gemeindevorsteher oder ihre Ver- treter es sich hcrausnehmen, Frauen, die in Unterslützungs- fachen zu ihnen kommen, von oben herab zn behandeln. Dem hat jetzt der L a n d r a t d e S s ch l e s i s ch e n Kreises Waldenburg folgenden Erlaß entgegengesetzt: „Es sind mir Klagen und Beschwerden darüber»u Ohren gekommen, daß Frauen, deren Ehemänner zur Fahne ernberufeir sind und daher die Familienuirterstilyung bei den Ortsbehördcir beantragen, teilweise durch die betreffenden Angestellten der Gemeindebehörden in schroffer oder sonst u n- angemessener Weise behandelt werden. Dieses Ver« fahren ist nicht geeignet, die bisherige Begeisterung und Opfer- Willigkeit in der Bevölkerung wachzuhalten und muß durchaus verurteilt werden. Ich spreche die dringende Erwartung aus, daß sämtliche mit der Bearbeitung der Familrenunterstiitzungs- fachen befaßten Dienststellen im Kreise zn derartigen Klagen in Zukunft keinen Anlaß mehr geben, daß vielmehr die Anträge ans Unterstützung in wohlwollender Art und Weise geprüft und die Nachsuchenden, wohl meistens nur Frauen, in einem denjetzigen Verhältnissen angepaßten ruhigen Ton behandelt werden, ihnen auch bei Wohnungs- und Mictstreiligleiten m weitgehendstem Maße mit Rat und Tat zur Seite gestanden und geholfen wird." Ergänzend hinzuzufügen wäre diesem Erlaß allenfalls noch, daß die Bevölkerung nicht nur„unter den jetzigen Ver- hältnisscn" ein Recht hat, höflich und zuvorkommend behandelt zu werden. Im übrigen verdient der Erlaß Nach- a h m u n g._ Verhafteter Zeitungsverleger. Die„Nene Mülhauscr Zeitung" meldet, daß vorgestern nach- mittag Hans Brinkmann, der Verleger und Besitzer des„Mülhauscr Tagblattes", von der Zivilbehörde� verhaftet wurde. Da« Weiter- erscheinen des„Mülhauser TagblatteS" wurde verboten. Ueber den Grund der Verhaftung ist nichts bekannt. das Enüe öes albanischen Abenteuers. Rom, 8. September. Die„Agenzia Stefani" meldet auS D u r a z z o: Prinz Wilhelm zu Wied ist heute morgen um 8 Uhr an Bord des italienischen Kriegsschiffes„Misurata" nach Venedig abgereist. Die Kontrollkommission übernimmt die Regierung. Durazzo, 3. September.(Meldung der Agenzia Stefani.) Tie Kontrollkommission begab sich gestern zu den Aufständi- schon und teilte ihnen mit, daß der Fürst abgereist sei. Die Rcgic- rung Albaniens wird in nächster Zeit von der Kontrollkommission übernommen werden.— Der Fürst hat vor seiner Wreise eine Amnestie für alle politischen Gefangenen angeordnet. Mus öer Partei. Parteilitcratur. Der Verlag Bucki Handlung Vorwärts, Berlin, hat ein überaus wertvolles kleines Buch unter dem Titel„Das Recht während des Krieges" herausgegeben. Alle die vielen, durch den Krieg aufgeworfenen Slreitsragen auf rechtlickem Gebielo werden in klarer und übersichtlicher Weise behandelt. Einem jeden ist eS ermöglicht, sich bei nur einigem Nachdenken auf dem ihn interessierenden Rechtsgebiete leicht zu orientieren. Aus den behandelten Rechtsfragen heben wir hervor: Aus den KriegSnotgesetzen, Arbeitsvertrag und Krieg, Abzah- lungSgeschäste und Mieierecht, der Krieg und die lausenden Verträge, insbesondere der Kaufvertrag, Arbeiterversicherung und Krieg, An- gestelltenversicherung und Krieg, Familienrecht und Krieg, die Familienunterstützung der zum Krieg Eingezogenen usw. Der billige Preis des 30 Seiten starken, im Führerformat er- schienenen Büches von 30 Pf. erleichtert die Anschaffung. Zu be- ziehen ist das Heft durch alle Buchhandlungen. Letzte Nachrichten. Die Flucht aus Paris. London, Z. September.(W. T. B.) Der„Manchester Guardian" meldet aus Paris vom 30. August. Biete Leute haben bereits Paris verlassen und viele reisen jetzt ab. Ein großer Teil der Bevölkerung, namentlich Frauen und Kinder, soll fortgeschasst wcrdnr. 9 Aus Industrie und Handel. Erweiterung und Einschränkung der Ausfuhrverbote. Das Ausfuhrverbot für Waffen usw. ist dahin ergänzt worden, baß auch Jutegarne und Jutegewebe unter das Verbot fallen. Das Verbot der Aus- und Durchfuhr von Leder wird beschränkt auf: Ueber den Empfang dieses Schreibens ersuchen wir um gefl. daß die Verträge zustande gekommen find. Es fei viel Nachricht. Die Generaldirektion des Großherzogl. Hoftheaters " mehr vertraglich 14 Tage Kündigungsfrist vereinbart worden. Die Verträge tvaren merkwürdigerweise verschwunden. Der eine und der Hofmusit." der Inhaber leistete den Eid, daß die Schriftstücke nicht Für die so plötzlich brotlos gewordenen Hoftheater- auffindbar seien und auch nicht in der Absicht abbanden gebracht Er sagte mitglieder, die von allen Schauspielern ein derartiges Los feien, den Klägerinnen die Beweisführung zu erschweren. sicherlich am wenigsten erwartet haben, ergreift die Bühnen- den Händen gehabt, um sich zu überzeugen, welche Kündigungsfrist weiter aus, er habe am Tage vor der Kündigung die Verträge in genossenschaft Partei. Wir stehen nicht an", so sagt sie in vorgesehen sei. Die Dauer dieser Frist habe er jedoch nicht im Ge lohgares Oberleber und lohgares Brandfohlleder für Militärschuh- ihrem Verbandsorgan, gegen dieses unsoziale Verhalten der dächtnis behalten. Ein Zeuge wollte beeiden, daß ein Vertrag mit zeug, lohgares Sohlleder, lohgares Leder für Geschirre und Aus- genannten Hofbühne lebhaft Protest zu erheben, und haben vierzehntägiger Sündigungsfrist abgeschlossen worden sei. rüstungsstücke und Transparentleder. uns bereits in entsprechenden Eingaben an die Intendanz Unter Berücksichtigung dieser Sachlage willigten die Klägerinnen Das Verbot der Aus- und Durchfuhr von Gespinsten aus gewandt, um diese zu einer Aenderung ihrer Entschließung in einen Vergleich, durch den jede 50 M. erhielt. 23olle, von Militärtuchen und von Schwefelnatrium zu bestimmen." wird aufgehoben. Verboten bleibt die Ausfuhr von Rohwolle, auch gewaschen, von gekrempelter Wolle und Kammzug. Kriegsmetall A.-G. Um den Verkehr und die Verteilung solcher Metalle zu regeln, die für den Kriegsbedarf dienen und nicht in unbeschränkten Mengen im Inland hergestellt werden, hat sich auf Anregung des KriegsArbeitsfähig? Eine der verkehrtesten Maßnahmen im Kriege wäre, wie ja auch fürzlich vom Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose hervorgehoben wurde, eine Vernachlässigung der Fürsorge für franke nicht zum Heere Ausgehobenen. Und doch scheint eine dahin gerichtete Praxis leider sich in Strankenkassen einzuEs werden schleichen. Kassenmitglieder, selbst in Lungenkranke, hohen Zahl bei franfe einer auffällig Genossenschaftliche Kriegsunterstügung. Die Großeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Konsumbereine m b. H., Hamburg, hat außer den bereits früher getroffenen Maßs nahmen( Fortzahlung des vollen Gehalts an Einberufene für zwei Wochen an Ledige, für vier Wochen an verheiratete Angestellte und Arbeiter usw.) Folgendes beschlossen: An die Familien der zur Fahne einberufenen Arbeiter und Ane gestellten wird für die Dauer des Krieges eine Unterstützung ge ministeriums die riegsmetall A.-G." gebildet. Die Gesellzahlt, die im September und Oftober 15 Mt. pro Monat für die schaft ist keine Erwerbsgesellschaft und darf weder Dividenden noch Frau und 7,50 mt. pro Monat für jedes Kind beträgt, in den Liquidationsgewinne verteilen. Ihr Aktienkapital beträgt 6 Millionen einigen Stassen als arbeitsfähig geschrieben. Die Zahl der Wintermonaten ab 1. November 18 Mt. für die Frau und 9 Mi. Mart und ist mit 25 Proz. eingezahlt. Ihre Geschäftsabschlüsse frant Geschriebenen sinft in mehreren Stassen, wiewohl die für jedes Kind. werden von einer Abschätzungs- und Verteilungskommission kon- Zahl der Krankmeldungen nicht abgenommen hat. Strankenstand ist bei mehreren Rassen im Verhältnis von trolliert. Aufsichtsrat und Vorstand arbeiten ehrenamtlich und un- 5 auf 2 gesunken. Viele Klagen gehen dahin, Vertrauensärzte schreiben jetzt häufiger gesund. Ist darauf das Sinken der Krankenzahl zurückzuführen, so würde ein vom Standpunkt der Volkshygiene außerordentlich beklagenswerter Stassen fistalismus vorliegen. Die Kassenvorstände sollten einem solchen trotz der schwierigen finanziellen Lage der Kassen entschieden entgegenwirken. entgeltlich. Soziales. Protest gegen ein Hoftheater. Dem Beispiel der Berliner Hofbühne, ihren Mitgliedern einen erheblichen Teil ihrer Gagen auch während der Kriegszeit zu sichern, eiferten nicht alle Hofbühnen nach. Dem Vorgehen der Weimarer Hofbühne, dem Personal auf Grund der Striegsklausel die Entlassung zu teil werden zu lassen, hat sich jezt auch das Hoftheater in Darmstadt angeschlossen. Es ließ seinen Mitgliedern folgendes kategorische Schreiben zugehen: Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, daß wir infolge des Ausbruchs des Krieges und der dadurch herbeigeführten Verhältnisse auf Grund des§ 15b Abs. 5 des mit Ihnen bestehenden Vertrages diesen Vertrag hiermit auflösen. URANIA Sozialdemokratischer Wahlverein Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Lüttich und das belgische Land. Walhalla- Theater Weinbergsweg 18-19. B Eröffnungs- Borstellung Sonnabend, 5. Sept.( Kleine Preise.) Rose- Theater. Deutschland über alles. Baterländisches Schauspiel in 4 Aften bon Dreher. Anfang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger! Glänzendes Programm. Anjang 8 Uhr. Sonntags7/ Uhr Für Militär. personen und deren Angehörigen völlig freier Zutritt zu d. Stettiner Sängern und Theater. Todes- Anzeigen Allen Freunden und Be tannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Anna Merting geb. Glaubitz nach langem, schwerem Leiden am 2. September sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Karl Merting, Löwestr. 27. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Reichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis Petersburger Viertel. Bez. 340 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau Anna Merting am ( 2öweftr. 27) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 1. September starb nach langem, schwerem Leiden meine Frau f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau Wilhelmine Plath geb. Hainacker Müllerstr. 90a, verstorben ift. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Städt. Friedhofes, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verhand der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Plath, Wilhelmine geb. Hainacker Müllerstraße 90a, Bezirk 2 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Städt. Friedhots, Müllerstraße, Ede Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/10 Die Ortsverwaltung. Allgemeine == Orts- Krankenkasse für Zehlendorf und Umgegend. Nach dem Gesez vom 4. August 1914 betreffend" Sicherung der Leistungsfähigkeit der Krantenfaffen" sollen die Kassenbeiträge in Höhe bon 4 Proz. des Grundlohnes erhoben und nur die Regelleistungen gewährt werden. Zujolge unseres Antrages hat das Versicherungsamt des Kreises Teltow verfügt, daß die Beiträge von 4 Prozent des Grundlohnes weiter und von den Mitgliedern, welche Familienhilse nach Maßgabe der gctroffenen Bestimmungen in AnSpruch nehmen, ein Busatbeitrag von 0,20 M. für die Woche im Voraus zu erheben. Wir bringen diese Anordnungen zur Kenntnis der Arbeitgeber und unserer Mitglieder mit dem Be merken, daß Antragsformular für Inan spruchnahme der Familienhilfeärztliche Behandlung und Ver sorgung mit Arznei usw. der Kinder und Auszüge betr. Bestimmungen über Familienhilfe in unserem Kaffenlokal in Empfang genommen werden tönnen. Zehlendorf, d. 2. Septbr. 1914. Der Vorstand. F. Schweizer. Wilhelmine Plath Spezialarzt geb. eh nader. Um stilles Beileid bittet August Plath. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhoje, Müllerstraße 44-45, statt. 29945 Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125,( Oranienb. Tor) für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9- Nm. 8, Sonnt. 9-11. Vertragsabschriften! Der Die drei Zigarrenfabriken der Gesellschaft in Hamburg, Franfenberg( Sachsen) und Hockenheim( Baden) mußten, weil der Abjab völlig stodte, bis auf weiteres geschlossen werden. Den hierdurch be schäftigungslos gewordenen Arbeitern und Arbeiterinnen wird zu der Unterstützung, die sie von der Gewerkschaft, dem Deutſchen Tabatarbeiterverband, erhalten, ein Zuschuß gezahlt, um ihnen über die Zeit der Arbeitslosigkeit hinwegzuhelfen. Sollte der Ber band aus Mangeln an Mitteln die Unterstützung einstellen, so era halten verheiratete Arbeiter von der Gesellschaft eine Unterstützung von 7,50 M. pro Woche und für jedes Kind 1 M. pro Woche, ledige Arbeiter und Arbeiterinnen entsprechend weniger. stets darauf dringen, ein zweites Eremplar zu erhalten. Wie Beim Abschluß schriftlicher Verträge sollte der Arbeiter wichtig das ist, lehrte eine Verhandlung, die gestern vor dem Gewerbegericht stattfand. Die für die angegebenen Unterstützungen nötigen Summen sollen dem bei der Gesellschaft bestehenden Unterstützungsfonds, der dieses Fonds wollen die in Arbeit verbliebenen Angestellten und gegenwärtig zirka 148 000 Mt. beträgt, und nur aus Mitteln der Gesellschaft gebildet worden ist, entnommen werden. Zur Stärkung Arbeiter der Gesellschaft von jetzt ab bis zur Beendigung des Arieges einen regelmäßigen freiwilligen Beitrag leisten. Eingegangene Druckschriften. Zwei Musterarbeiterinnen der Firma Hiersemann u. Klein waren nach vorangegangener 14 tägiger Kündigungsfrist entlassen worden. Sie behaupteten, je einen Vertrag unterschrieben zu haben, daß sie von Ende Dezember vorigen Jahres fest bis Ende Dezember dieses Jahres angestellt seien und forderten, bis zum Ablauf des Das russische Schreckgespenst und sein wahrer Wert. Studie Vertrags entschädigt zu werden. Die Firma dagegen bestritt, von W. v. Borfendorf. 48 S. B. Volger, Leipzig. Eröffnung morgen abends 8 Uhr. Berliner Konzerthaus Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Städtische Fürsorge für Erwerbslose aus Anlaß des Krieges. Die städtische Verwaltung von Berlin- Wilmersdorf beabsichtigt, Maßnahmen gegen die um sich greifende Erwerbslosigkeit zahlreicher Wilmersdorfer Einwohner zu treffen. Zu diesem Zwecke bedürfen wir zunächst einer Uebersicht über die Zahl der Erwerbslosen, welche bereits seit dem 2. August dieses Jahres in Berlin- Wilmersdorf wohnen. Wir fordern daher auf: 1. a) alle erwerbslosen Handarbeiter( gelerute Arbeiter, ungelernte Arbeiter und Handwerksgesellen) sich in der Zeit von Freitag, den 4. September bis Dienstag, den 8. September, während der Stunden von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 6 Uhr in dem städtischen Arbeitsnachweis für Männer, hier, Gasteiner Straße 11, Erdgeschoß rechts, mündlich zu melden; b) alle erwerbslosen Frauen und Mädchen, die bisher in Fabriken, für Geschäfte oder für den Haushalt gearbeitet haben( Fabrik arbeiterinnen, Näherinnen, Ladenmädchen, Dienstboten, Aufwärterinnen, Reinemachefrauen usw.), sich in der Zett von Freitag, den 4. September bis Dienstag, den 8. September, während der Stunden von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 6 Uhr in dem städtischen Arbeitsnachweis für Frauen, hier, Gasteiner Str. 11, Erdgeschoß links, mündlich zu melden; 2. a) alle erwerbslosen Handlungsgehilfen und Handlungsgehilfinnen, Techniker, Handwerksmeister sowie Privatbeamte jeder Art, männlich und weiblich; b) alle erwerbslosen Schriftsteller, Privatlehrer und Künstler jeder Art, männlich und weiblich( Schauspieler, Musiker, Maler usw.); c) alle erwerbslosen Pensionatsinhaber und Zimmervermieter, männlich und weiblich, sich in der Zeit von Freitag, den 4. September bis Dienstag, den 8. September, schriftlich oder mündlich bei dem städtischen Statistischen Amt, hier, Gasteiner Str. 11, 3. Stock, zu melden. Die mündliche Meldung wird dort nur während der Stunden von vormittags 9 Uhr bis mittags 1 Uhr entgegengenommen. Die schriftliche Meldung fann durch die Post oder durch Einwurf in den dazu bestimmten Briefkasten des Statistischen Amts, Gasteiner Str. 11, erfolgen. Jede schriftliche Meldung muß enthalten: Namen und Bornamen, Geburtstag und Geburtsort, Stand oder Beruf, Wohnung, Angabe, ob verheiratet und wieviel Kinder unter 14 Jahren. Formulare für die Meldung werden auf Wunsch im Statistischen Amt während der oben bezeichneten Stunden verabfolgt. Die Meldung kann aber auch durch gewöhnlichen Brief erfolgen. Berlin- Wilmersdorf, den 2. September 1914. Der Magistrat. Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Die Sitzung der Ortsverwaltung fällt heute aus. Wann die nächste Verwaltungssitzung stattfindet, wird durch Inferat bekanntgegeben. Die Ortsverwaltung. Möbel- Angebot. Solide Möbelfirma liefert Spezial- Ein- und ZweizimmerEinrichtungen sowie Einzelmöbel gegen mäßige Binsver. gütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Ratenzahlungen. 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Gewählt worden ist zum Statthalter Christi und Träger der dreifachen Papstkcone der bisherige Erzbischof von Bologna, Kardinal della Chiesa, einer der jüngsten Kardinäle, der erst auf dem am 25. Mai dieses Jahres abgehaltenen Konsistorium zu Rom zum Kardinal er nannt worden ist. Der neue Papst hat den Namen B e n e � dikt XV. angenommen. Der neuerwählte Papst, der am 21. November 1854 in Genua geboren ist, also mit 59 Jahren die Tiara erlangt, gilt als ein weltgewandter Schüler der Rampollaschen Staatskunst. Früh zu hohen kirchlichen Würden gelangt, wurde er durch leinen Gönner, den Kardinal-Staatssekretär Rampolla, dem Papst'Leo XIII. dringend empfohlen und zunächst von Rom- polla als Privatsekretär, dann als Unterstaatssekretär in die Regierungsgeschäfte des Vatikans eingeführt. Bald wurde er der nächste Vertraute Rampollas, und als 1993 nach dem Tode Leos XIII. Joseph Sarto als Pius X. den Stuhl Petri bestieg. wurde vielfach die Meinung ausgesprochen, der neue Papst werde den in allen Geschäften gründlich eingeweihten della Chiesa zum Kardinal-Staatssekretär ernennen. Pius X. zog jedoch den ver- schlagenen Spanier Merry del Val vor. Monsignore della Chiesa blieb zunächst noch einige Zeit dem Staatssekretariat zugeteilt, da er aber die von Merry del Val befolgte Politik nicht billigte und mehrfach init diesem in Konflikt geriet, wurde er aus Rom abgeschoben und am 16. Dezember zum Erzbischof vonBolognaerwählt. Da er dadurch noch mehr in seiner Gegnerschaft zum vatikanischen Regime bestärkt wurde, erregte es im Mai dieses Jahres in den kirchlichen Kreisen Italiens ziemliches Aufsehen, daß er von Pius X. zum Kardinal ernannt wurde. Wie es damals hieß, soll seine Ernennung wie auch die des Kardinals Tecchi auf Betreiben des Kardinals Ferrata, des langjährigen Freundes von Rampolla, erfolgt sein. An die Stelle des bänerlich-glaubenseifrigen, in strengen mittelalterlichen Kirchenanschauungen erzogenen Pius X., der die Leitung der mächtigen römischen Weltkirche nicht viel anders auffaßte, als ein frommer Landpfarrer die Leitung seiner kleinen Dorfgemeinde, tritt demnach ein diplomatisch ei sah- r e n c r Weltmann, der, wenn ihin auch die klassischästhetische Bildung eines Leos XIII. fehlt, doch voraussichtlich bei der Führung der kirchenpolitischen Geschäfte des Vatikans dieselben verbindlich-diplomatischen Formen wahren wird,' wie Leo XIII. Sicherlich ein seltsamer Wechsel, aber nach den üblen Erfahrungen, die die römische Kurie mit dem venetianischen Landpfarrer auf dem Stuhle Petri gemacht hatte, war es schon dor dem Beginn des Konklave sicher, daß das mit Joseph Sarto Unternommene Experiment nicht durch die Wahl eines seiner gleichgestiinmten und gleichgearteten Vertrauten fortgesetzt wer- den würde, selbst jene Teile der Kurie, die seinen Kanipf gegen den sog. Modernismus und seine Bemühungen, den unteren Klerus der Ecclesin militans straffer zu disziplinieren, durch- aus billigten, hatten gegen die Art und Weise, wie er seinen Wahrspruch:„Alles in Christo zu erneuern", durchführte, gar Manche Bedenken— um so mehr, als diese Bemühungen Pius X, wenn sie auch die Organisation der römischen Hierarchie wster begründeten, doch dtp Stellung der römisch-katholischen Kirche unter den weltlichen Mächten keineswegs verbesserten. Was hat denn Pius X. in der großen Politik erreicht?— Frank- wich führte unter seinem Kirchenrcginient die Trennung der Kirche vom Staat durch: in Spanien verlor die klerikale Partei weh» und mehr an Bedeutung, während zugleich die offizielle spanische Auslandspolitik in steigendem Maße unter den Ein- Nuß Englands geriet: in Oesterreich-Ungarn gewann die anti- klerikale Los-von-Roni-Bewegung zusehends an Boden, und in Portugal führte die Revolution zur Vertreibung der Jesuiten und Abschaffung der bisherigen Ordensherrlichkcit. Dazu bil- beten sich in Teutschland wie in Italien innerhalb der eigenen Reihen der Katholiken feindliche Parteigruppen, die einander, �ie zum Beispiel in Deutschland die sogenannte Kölner- und Berlin-Breslauer Richtung, mit größter Gehässigkeit bekämpften. Das waren nicht gerade befriedigeirde Erfolge der päpstlichen Politik. Sie riefen im Kardinalskollegium arge Ver- stintmungen hervor, die sich noch steigerten, als der Papst Und seine Vertrautenclique alle Ermahnungen zu taktischer Mäßigung schroff abwiesen und starrköpfig an ihrer Meinung festhielten. Ein großer Teil der Kurienkardinäle zog sich designiert von Pius X. zurück, während ein anderer Teil, be- wnders die Anhängerschaft des ehemaligen Kardinalstaats- lekretärs Rampolla und seines Freundes und Schülers, des Kardinals Ferrata, die Leistungen der vatikanischen Regie- rungsclique mit argwöhnischen und feindschaftlichen Blicken derfolgte. Deshalb schieden bei der neuen Papstwahl die Vertrauten Pius X, sein bisheriger Staatssekretär, der spanische Kar- dinal Merry del Val und der Kardinal De Lai von vornverein aus. Der verbissene und fanatische Vives y Tuto, vinst der erste und einflußreichste der Ratgeber Pius X., wm nicht mehr in Betracht, da er vor ungefähr Jahresfrist, »ein religiösen Wahnsinn verfallen, unten traurigen Um- ständen geendet hat. Aber wen von den übrigen Trägern des roten Kardinal- vutes sollte die Tiara schmücken?— Rampolla, der ange- whcnste. unzweifelhaft befähigste und diplomatisch ge- stwndteste aller Kurienkardinäle, der schon 1993 bei der Papst- frjahl nahe daran war zu siegen, aber infolge des Vetos des Kaisers von Oesterreich und der Furcht mancher Kardinäle bor seinen ausgeprägt autokratischen Gelüsten gegen den Sistig unbedeutenden Patriarchen Sarto von Venedig unter- log. ist ebenfalls vor kurzem gestorben. Und Ferrata? Er >wht zwar vielleicht seinein einstigen Freunde und Gesinnungs- �Nossen Rampolla an Energie und Wissen nicht viel nach: ober wie dieser hat auch er sehr autokratische Neigungen und besitzt wegen seines hochfahrenden Auftretens unter den Mit- gliedern des Kardinalkollegiums manchen offenen und ver- steckten Feind. Eimge andere der Kurienkardinäle, die schon 1993 als „P a p a b i l i", das heißt als Anwärter auf die Papstwürde, genannt wurden, darunter vornehmlich Gotti, Agliardi und die beiden Vanutellis, sind heute sämtlich über achtzig Jahre alt und kränklich, während wieder andere, wie die Kardinäle Gn sparri und Pompiii zwar als weltgewandte Diplomaten gelten, aber nach der Behauptung ihrer Gegner mit der inneren Orga nisatkon der Kirche, dem Diözesanbetrieb, zu wenig bekannt sind. So schien einer der außerhalb Roms residierenden italienischen Kardinal-Erzbischöfe, wie z. B. Maffi von Pisa, Fer- rari von Mailand oder Richelmy von Turin fast die meiste Aussicht zu haben, zum Oberhaupt der Katholiken erwählt zu werden. Doch wollte man wohl nach den Erfahrungen mit Pius X. durchaus einen geschäftserfahrenen Diplomaten an der Spitze der Kirche sehen, und da manche der Kardinäle dem allzu hochfahrenden Ferrata als Statthalter Christi fürchteten, einigte man sich auf den versöhnlicheren Kardinal Erzbischof von Bologna. Eine Revolutionierung des bisherigen Kirchenregiments bedeutet die neue Papstwahl nicht. Der neue Papst wird im Wesentlichen derselben Bahn folgen, wie seine drei letzten Vorgänger: nur wird er sich voraussichtlich in Nebensachen versöhnlicher zeigen, wie Pius X., und den verschiedenen po litischen Verhältnissen in den einzelnen katholischen Ländern mehr Rechnung tragen. Das Papsttum ist heute so fest in seinen Ueberlieferungen und Dogmen verankert, daß ein Per- sonenwechsel auf das eigentliche innere Gefüge nur verhält- nismäßig geringen Einfluß hat. Er vermag kaum mehr, als hier und dort an der alten Fassade etwas zu ändern und zu erneuern. Auch ein Ferrata vermöchte, obgleich er eine kräf- tigere, energischere Persönlichkeit ist, als der bisherige Erz- bischof von Bologna, doch im Ganzen nur wenig am fest- gefügten historischen Bau der römischen Kirche zu ändern: der Kampf gegen den Modernismus, das Festhalten an der mittel- alterlichen Kirchen- und Staatsdogmatik bleibt— ebenso wie andererseits d i c fortschreitende An Pas s u n g an die k a p i t a l i st i s ch e E n t w i ck e l u n g. Nach öer Wahl. Rom, 3. September. Sobald die A b st i m m u n g des Konklaves beendet war, durch die der Kardinal della Chiesa zum Papst gewählt wurde, wurde Monsignore Boggiani, der Sekretär des Konklaves mit dem Zeremonienmeistcr der päpst lichen Sakristei in die Sixtinische Kapelle geführt. Der Dekan des heiligen Kollegiums mit den Doyens der Kardinalpriester und der Kardinaldiakone verbeugte sich vor dem Sitze des Kardinals della Chiesa und fragte ihn in den althergebrachten Formen, ob er die Wahl zum Papste annehme. Auf die bejahende Antwort della Chiesas wurden alle Baldachine auf den Sitzen der Kardinäle herabgeschlagen und nur derjenige Chiesas belassen. Dieser ant- wartete auf die Frage des Dekans des heiligen Kollegiums, daß er den Namen Benedikt XV. annehmen wolle. Boggiani nahm nnt Beihilfe der Zercmonienmeister das offizielle Protokoll der Wahl und oer Annahme der Wahl auf. Daraus ging der Papst in die E i n k l e id u ng s ta m m e r, wo er die weißen Strümpfe, die roten Schuhe, das weiße Geivand und den roten Rosenkranz anlegte. Kardinal della Volpe, der Dekan der Diakonc, legte ihm eine rote, goldgestickte Stola an. Darauf kehrte der Papst in die Sixtinische Kapelle zurück und setzte sich auf den Thron auf der obersten Stufe des Altars, um die Huldigung der Kar- d i n ä l e entgegenzunehmen,-die ihm zuerst den Fuß küßten und dann die Hand. Schließlich umarmte der Papst sie und segnete sie. Kardinal della Volpe steckte dem Papste den F i s ch e r r i n g an, den der Papst dann Monsignore Demico übergab, um seinen Namen eingravieren zu lassen. Darauf schritt der Papst, gefolgt von den Kardinälen, aus der Sixtinischen Kapelle und begab sich in das Innere der Peterskirche, um den Segen zu erteilen. Danach kehrte der Papst in die Sixtinische Kapelle zurück, wo die Kardinäle ihm zum zweiten Male Gehorsam gelobten. Staötverorönetenversammlung. Nachdem die Stadtverordneten in vier außerordentlichen Sitzungen nur über Maßregeln zur Bekämpfung der durch den Krieg verursachten Notstände zu beschließen gehabt hatten, wandten sie sich gestern wieder ihrer gewohnten Tätigkeit zu. Im Mittel- Punkt der Sitzung stand aber auch diesmal noch eine Angelegenheit, die dem Kriegsnotstand und seiner Linderung galt, die Beschluß- fassung über die besondere Fürsorge der Stadt für die Familien ihrer zu den Fahnen einberufenen Beamten, A n g e st e l l t e n und Arbeiter. Mit den Wünschen des Ausschusses hat dc� Magistrat, wie Stadtrat Fischbeck mitteilte, sich bereits einver- standen erklärt. Beifällig aufgenommen wurde die von ihm ab- gegebene Erklärung, daß bei Prüfung der Bedürftigkeit möglichst weitherzig verfahren werden soll. lieber die Ausschußberatung der Magistratsborlage, die über die Weitcrgewährung des D i c n st e i n k o m m e n s und der B e- z ü g e an die zum Kriegsdienst einberufenen städtischen Beamten und Angestellten sowie über die Fürsorge fiir die einberufenen städtischen Arbeiter wäh- rend des Feldzuges Bestimmung trifft, berichtet Stadtv. L ö s e r(A. L.j. Der Ausschuß hat die Magistratsvorschlöge Hinsick, tlich der ver- heirateten Angestellten dahin modifiziert, daß ihnen gewährt werden können: a) wenn sie am 1. August 1814 mindestens 1 Monat iVorlage: 3 Monate), aber nicht länger als 2 Jahre im städtischen Dienst beschäftigt waren, Ib der bisherigen Bezüge; b) bei 2— Sjähriger Beschäftigung Vi, c) bei einer Beschäftigungsdauer von über 5 Jahren Vi der bisherigen Bezüge. Hinsichtlich der Arbeiter soll folgendes gelten: 1. Die Familien der zum Kriegsdienst einberufenen oder frei- willig eintretenden städtischen Arbeiter erhalten die reichsgesetzliche Unterstützung und-den städtischen Zuschlag von 100 Proz.; 2. Soweit ein Bedürfnis vorliegt, kann den Familien der- jenigen Arbeiter, die am 1. August 1914 mindestens 1 Monat im städtischen Dienst standen, von den Untcrstütznngskommissioncn noch eine weitere Zuschußunterstützung gewährt werden. Tie Zu- schußunterstützung ist derart zu bemessen, daß die Familien i m ganzen mindestens die Hälfte, höchstens aber � des Lohnes der Einberufenen erhalten. iDer letzte Satz ist vom Ausschusse dem Magistratsvorschlag hinzugefügt worden.) Bei denjenigen Angehörigen unverheirateter Arbeiter, die Anspruch auf die Reichsunterstützung und den städtischen Zu- schlag haben, ist die Höhe der Zuschußunterstützung dem alleinigen Ermessen der Unterstütznngskommissioncn mit der Maßgabe über- lassen, daß die Gesamtsumme% des Lohnes der Einberufenen nicht übersteigen darf. 3.� Auf die in öen Vororten wohnenden Familienangehörigen städtischer Arbeiter finden die vor- stehenden Bestimmungen über die Zuschutzuntcrstützungen mit der Matzgabe Atzwendung, datz die Geschäft« der llnterstützungs- kommissionen durch eine im Finanzbureau einzurichtende Zentral- stelle versehen werden. Stadtrat Fischbeck: Der Magistrat hat sich den Ausschußvor- schlügen, deren Annähme durch die Versammlung außer Zweifel steht, bereits angeschlossen. Zur Beseitigung aufgetretener Zweifel bemerke ich, daß unter„Bedürfnis" in dieser Vorlage nicht zu ver- stehen ist, was sonst gesetzlich unter„Bedürftigkeit" berstandca wird. Wenn also z. B. eine Arbeiterfrau nicht über ganz be- sondere eigene Einkünfte verfügt, wird in der Regel ein„Be- dürfnis" anzunehmen sein. Stadtv. Wurm(Soz.) nimmt von dieser Erklärung, die im Kreise seiner Freunde entstandene Zweifel behebe, mit Befriedi- gung Akt. Stadtv. Cassel bittet den Magistrat, in solchen Fällen, wo Unterstützungskommissionen Beschlüsse gesaßt haben, die dem Willen der Versammlung oder dem Wortlaut-der Gesetze widersprechen, auf Remedur hinzuwirken, auch wenn ein formelles Beschwerde- recht gegen solche Kommissionsbeschlüsse nicht besteht. iLebhafte Zustimmung; Rufe bei oen Sozialdemokraten:„Venzkyl") Die Ausschußvorschläge gelangen darauf einstimmig zur An- nähme. In die W a i s e n d e p u t a t i o n ist als nicht stimmberechtigtes Mitglied eine Frau zu wählen. Vorgeschlagen sind: Frau Sanitätsrat Anna Behm geb. Maak, Luisenplatz 6, und Frau Dr. Klara Wehl, Lothringer Str. 42. Auf Vorschlag des Stadtv. Cassel werden, da Frau May ihre Mitgliedschaft niedergelegt hat, beide vorgeschlagene Frauen durch Zuruf gewählt. Als Bürgerdeputierter wird in die Gewerbe. deputation mit 72 Stimmen gewählt Konditoreibesitzer Koppe, Königgrätzer Str. 117, gegen Schlossermeister Winter, Königsberger Str. 7, auf den 38 Stimmen entfallen. Groß'öerlin. M unsere Abonnenten. Auf erneute Anfragen teilen wir mit, dah die illustrierte Sonntagsbeilage„Die Nene Welt" noch nicht beigelegt werden kann, weil der Druck dieser Beilage infolge Umzuges unserer Druckerei in Hamburg erfolgen must und die jetzigen Verhältnisse einen regelmäßigen Bahnverkehr nicht gewährleisten. Unsere Leser wollen sich noch etwas gedulden. Gleichzeitig machen wir erneut darauf aufmerksam, daß der„Vorwärts" wöchentlich abonniert werden kann zu einem Preise von Sä Pf. Wer aber das Monatsabonnement beibehalten will, kann den„Vorwärts" nach wie vor zu einem Preise von M. abonnieren. Bestellungen auf den„Vor- wärts" werden in jeder unserer Zeitungsspeditionen sowie in der Hauptexpcdition, Lindenstr. LS, entgegen- genommen._ Kranken- und Wöchnerinnenhilfe. Unsere wackeren Genossinnen, die sich zur Verfügung ge- stellt haben, um Wöchnerinnen und Kranke zu Pflegen, haben schon recht segensreich gewirkt. Für die Genossinnen, die sich speziell der Säuglings- und Wöchnerinncnpflege widmen wollen, haben die Genossinnen Dr. Wygodzinski und Dr. Levi in dankenswerter Weise einen Kursus abgehalten, um sie bestens für ihre Verantwortliche Tätigkeit vorzubereiten. Freudig sind sodann die einzelnen Genossinnen ans Werk gegangen, wo immer ihre Hilfe verlangt wurde. Neben der geleisteten Pflege der Kranken, der Wöchne- rinnen, der Säuglinge und der Instandhaltung der Wohnung, konnte in verschiedenen Fällen für die fehlende Wäsche für das Neugeborene und fiir die S p e i s u n g d e r K r a n k c n und Wöchnerinnen gesorgt werden. Um in allen Fällen sofort helfen zu können, ist es jedoch dringend notwendig, daß sich die Hilfesuchenden direkt an die Leiterin der Kommission für Kranken- und Wöchne- rinnenhilfe, an die Genossin Luise Kühler, Engelufer 21 III, Bureau der Hausangestellten, wenden. Telephon: Moritz- Platz 298.__ Verein„Hauspflege". Der Hauspflegeverein Berlin, der bezweckt, Familien, in denen die fürsorgendc Hausfrau durch Krankheit oder Wochen- bett an der Leitung der Wirtschast verhindert ist, durch ge- eignete Vorsorge vor dem Untergang zu bewahren, sucht seiner Aufgabe in diesen schweren Zeiten durch erhöhte Nlaß- nahmen gerecht zu werden. Erstens dadurch, daß er die Zahl seiner unentgeltlichen Pflegen den jetzigen Verhältnissen an- gemessen nach Bedarf vermehrt und ziveitens dadurch, daß er seinen Pflegefrauen besondere Fürsorge zuwendet. Durch Auflösung vieler Familien und durch Einschränkung vieler Pflegen würde das Heer der Arbeitslosen durch unsere Frauen noch vermehrt werden. Es ist deshalb Vorsorge ge- troffen, durch geeignete Beschäftigung gegen Entgelt(Strümpfe- stricken usw.) und durch Erschließung eines Lebensmittclfonds unseren Teil an der vaterländischen Arbeit durch Sorge für diese Existenzen zu leisten. Das Bureau des Vereins Hauspflege befindet sich Klein- beerenstr. 7 und ist von jetzt ab täglich in den Vormittags- stunden geöffnet._ Keine Büchsensammlungen mehr durch das Rote Kreuz. Zahlreiche Beschwerden, die durch das lleberhandnchmen der Büchscnsammlungen hervorgerufen sind, geben dem Roten Kreuz von Berlin Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß vom Roten Kreuz von Berlin Büchsen zum Sammeln auf den Straßen oder in Lokalen von Tisch zu Tisch schon seit Wochen nicht mehr ausgegeben tverden. Die Sammelbüchsen des Roten Kreuzes gelangen ausschließlich an die Inhaber von Geschäften, Gastwirtschaften und Kaffeehäusern zur Abgabe. Außerdem sind sie in großer Zahl in den Bureaus privat- wirtschaftlicher Betriebe(Banken, Versicherungsanstalten und dergleichen) aufgestellt. Auch die königliche Eisenbahndirektion Berlin und das kaiserliche Oberpostamt Berlin haben ge- stattet, daß an den Schaltern der Eisenbahn und der Post- ämter Sammelbüchsen des Roten Kreuzes von Berlin zur Lluf- stellung gelangen. Das Rote Kreuz von Berlin legt Wert darauf, festzustellen, daß die Sammlungen, die jetzt noch in der Weise erfolgen, daß das Publikum auf den Straßen, in Lokalen oder in den Untergrund- und Straßenbahn- wagen durch Sammiler angesprochen wird, nicht von ihm her- I rühren. Wir nehmen gern Kenntnis von dieser Mitteilung, da die Sammlungen in Straßenbahnwagen usw. sich zu einer argen Belästigung ausgewachsen haben. Aus persönlicher Beobachtung müssen wir feststellen, daß immer noch Kinder und halberwachsene Personen, mit Binden am Arm, mit Sammelbüchsen in den Wagen umhergehen. Diese Sammler sind von dem Verein der Kindervoltsfüchen ausgefandt und bilden eine schwere Belästigung der Bürgerschaft. Es passiert einem, daß man auf einer Fahrt von drei, vier und fünf Sammlern belästigt wird. Bestrafung der Sparsamkeit. Wir wollen bei der Durchführung der Arbeitslosen- Unterstügun den Wunsch aussprechen, daß der Magistrat vor allem sein Augen merk darauf richtet, daß die gewährten Unterstügungen recht schnell aur Auszahlung gelangen. So läßt die Auszahlung der Familienunterstützung noch manches zu wünschen übrig. Einer Frau, deren Ehemann bereits am 5. Auguft eingezogen wurde, hat bis zu Ende des Monats noch keine Unterſtüßung bekommen. Durch eine so schwerfällige Behandlung der Unterſtügungsanträge geraten aber die zu unterstützenden Familien in die allergrößte Not. Es muß daher vor allen Dingen recht schnell geholfen werden. Auskunft für die Orte Röntgental, Zepernick und Buch erteilen in Unterstüßungs- und anderen Fragen die Genossen Richard Uebler, Zepernick, Röntgenhöhe, Straße 3, und Franz Schulz senior, Röntgen tal, Siemensstr. 3. Gewerkschaftliches. Kriegsnot und Unternehmerpläne. Während verschiedene Arbeitgeberverbände in anerkennenswerter Weise bemüht sind, während des Krieges nach Möglichkeit alle Parteigegensäge auszuschalten und einen ehrlichen Waffenstillstand mit den Verbänden der Arbeitnehmer zu halten, scheinen die Hannoverschen Industriellen diese Zeit der allgemeinen Not gerade dazu außersehen zu haben, um alte Pläne gegen die radikalen Technikerverbände zur Ausführung zu bringen. Die dortige Handelskammer hat den Versuch unternommen, eine einheitliche Stellenvermittelung für Privatbeamte ins Leben zu rufen, von der jedoch die technischen Angestellten ausgeschlossen werden an der Vorbesprechung Aus den Ereignissen auf dem westlichen Kriegsschauplatz fucht sollen, obwohl ihre Vertreter in Dber- Schöne weide irgendeine schmutzige Kreatur Kapital teilgenommen und den vereinbarten Aufruf mit unterzeichnet gegen die Sozialdemokratie zu schlagen. Mehrere Ober- Schöneweider haben. Aber noch merkwürdiger als diese Beschränkung der Einwohner übersenden uns einen ihnen durch die Post zugestellten Stellenvermittlung auf das kaufmännische Personal sind die Bettel folgenden gleichlautenden Inhalts: Gründe hierfür. Der von einem Vertreter des Bundes der Fischen im Trüben. Vor einigen Tagen wurde bekannt gemacht, daß mit dem Verbrauch von Gas und Elektrizität sparsam umgegangen werden soll. Für die weniger bemittelte Bevölkerung war diese Aufforderung überflüssig. Schon vor Ausbruch des Strieges sah sich die arbeitende Bevölkerung gezwungen, die Ausgaben auf das notwendigste zu beschränken. Der Krieg hat eine bedeutende Verschärfung des schon vorher bestehenden Notstandes herbeigeführt. Noch sorgfältiger muß die Ausgabe eines jeden Nickels geprüft werden. Diese Tatsache dürfte auch dem Magistrat der Stadt Berlin nicht unbekannt sein. Um so unverständlicher ist es, daß er noch jetzt den§ 4 der Die ganze Aufmachung dieser Sudelei läßt den offenkundigen der Handelskammer, Kommerzienrat Meyer, daß in dieser Bedingungen für die Gasentnahme durch Münzgasmesser aus Zweck erkennen, die sozialdemokratische Internationale bei den Ein- Falle auch mit dem Widerspruch der Großindustriellen zu gen städtischen Gaswerfen aufrecht hält, wonach für jedes wohnern herabzusetzen. Alle Welt weiß, daß der gegenwärtige rechnen sei, die gewissen Verbänden der technischen AnRubikmeter unter dem Mindestverbrauch( 300 Kubikmeter für ein französische Kriegsminister schon lange kein Sozialdemokrat mehr ist. gestellten abhold wären", und daß alles vermieden werden Jahr) 3 Pf. verlangt wird. Diese eingezogenen Beträge sind Das wird dem Schreiber auch bekannt sein, gleichwohl berläßt er folle, was bei den Großindustriellen Anstoß erregen könne. nichts weiter als Strafgelder, die der Magistrat von der sich auf die Unwissenheit seiner Adressaten; kommt es ihm doch Jeder vielleicht noch mögliche Zweifel über den Sinn notleidenden Bevölkerung einzieht, die zum sparsamen Ver- lediglich darauf an, Stimmung gegen die Sozialdemokratie zu dieser Worte wurde durch den Syndikus der Handels brauch von Gas nicht bloß aufgefordert wurde, sondern ge- machen. kammer, den bekannten Herrn Dr. Rode, beseitigt, der zwungen ist. anschließend mitteilte, daß die Großindustriellen offene Stellen Einen tödlichen Ausgang nahm eine Schlägerei, die sich MittEs ist höchste Zeit, daß diese Bestrafung der Sparsamkeit woch in Tegel abspielte. In einem dortigen Zotal geriet der für technische Angestellte überhaupt nicht melden würden, weil Zimmermann S. mit mehreren Gästen in Streit, der alsbald in sie beschlossen hätten, den Arbeitsnachweis auf die Tätlichkeiten ausartete, bei denen auch das Messer eine Rolle spielte. technischen Angestellten auszudehnen, und weil sie die S. wurde von drei Gegnern furchtbar augerichtet; er erhielt unter je gige 8eit für die Durchführung dieses anderem mehrere tiefe Messerstiche in die Brust, von denen einer die Entschlusses für geeignet hielten. Wie die brachten ihn nach dem Verbandskrankenhause, wo er kurz nach seiner Herren ihre Mitteilungen allerdings nur als private AeußeLunge traf. Passanten fanden den Bedauernswerten auf und Industriebeamten- Zeitung" berichtet, wollen die genannten Aufnahme an den Folgen der erlittenen schweren Verwundungen rungen gelten lassen. Sie genügen aber unter allen Um starb. Die Täter wurden polizeilich festgestellt. ständen, um flar zu erweisen, daß es sich um nichts Geringeres handelt, als um den verwerflichen Versuch, mit Hilfe des Arbeitsnachweises, nach dem berüchtigten Mannheimer Vor bild, einen Schlag gegen die Koalitionsfreiheit der technischindustriellen Beamten zu führen. Und das in einer Zeit, in der die Angestellten den Unternehmern nahezu wehrlos gegenIn Frankreich hat es, wie jest festgestellt ist, der sozialdemo- technisch- industriellen Beamten angebrachte Protest wurde zudemokratische Kriegsminister fertig gebracht, Dum Dum nächst ausweichend mit dem Hinweis auf die durch EinGeschoffe einzuführen. Welch ein Hohn auf die Internatio- beziehung der Techniker angeblich bedingten„ unnügen Komnale Sozialdemokratie". plifationen" beantwortet, dann aber erflärte der Vorsitzende endlich beseitigt wird. Schnelle" Hilfe. In dieser Zeit der durch den Krieg hervorgerufenen Not weiter Kreise der Bevölkerung hat in Berlin das Heer der Hilfsbedürftigen sich rasch und sehr stark gemehrt. Außer den vielen Auskunftsstellen, die von allen möglichen Organisationen eingerichtet worden sind, haben auch die Armenvorsteher und neben ihnen jetzt noch die Bezirksvorsteher einen Ansturm von Hilfesuchenden auszuhalten. Bei manchen dieser Herren scheint mit der Last ihres Amtes und der auf ihnen ruhenden Verantwortung auch Mißtrauen und Nervosität zugenommen zu haben. Eine Frau, deren Mann Eine Frau, deren Mann feine Stelle als Kutscher verloren hatte, erzählt Sonderbares über das Ergebnis ihrer Gänge zu einem Armenvorsteher Messow und einem Bezirksvorsteher Bredered. Den Armenvorsteher hatte aunächst um Mitte August der Mann selber aufgesucht, und er wurde dann nach Verlauf von etwa einer Woche vom Vorsteher zum Zentralarbeitsnachweis geschickt, der ihn gegen Ende August zur Verwendung bei Arbeiten für militärische Zwecke nach einer der östLichen Provinzen abschob. Am 1. September begab sich auch die Frau zum Armenvorsteher und bat um Beihilfe zur Wohnungsmiete, weil der Mann ihr noch nichts von seinem Lohn habe schicken können. Der Vorsteher antwortete, fie folle nur ruhig weiter warten, der Hauswirt fönne ihr ja die Miete stunden. Als sie sich nicht hiermit zufrieden geben wollte, brachte er sie aus seiner Wohnung hinaus, Sie ging nun zum Bezirksvorsteher und trug ihm den Sachverhalt vor. Jedem Bezirkevorsteher ist ja jezt der Betrag von 200 Mart aus Stadtmitteln überwiesen worden, damit auch er bei dringender Not fofort eingreifen kann. Dieser Herr schien der Frau die Schilderung ihrer Lage nicht recht glauben zu wollen. Zeigen Sie mal Ihr Portemonnaie!" fagte er plöglich. Erstaunt überreichte fie es ihm, und er stellte dann fest, daß ganze 30 f. darin waren. Argwöhnte er nun noch, daß die Frau vielleicht verborgene Neich tümer habe? Zunächst müsse er sich noch weiter nach ihren Verhältnissen erkundigen, belehrte er fie. Dann griff er in seine Tasche und gab ihr eine Mark! Eine Bürgerspeisehalle in Schöneberg. Ein tragischer Unglücksfall " ereignete fich Mittwochabend auf dem Neuenhagener Bahnhof. Beim Abfahren eines Militärzuges standen noch einige Kinder auf den Trittbrettern, um den Soldaten zum Abschiede die Hand zu reichen. Sierbei stürzte der 18jährige Gustav Borchardt dessen Vater im überstehen! Felde steht und geriet unter die Räder des Zuges, die ihn beide Beine vom Rumpfe trennten. Der Knabe war sofort tot. Ein unerhörter Uebergriff. Berlin und Umgegend. Die Unterstützungen der Hutmacher. Ein Soll man es für möglich halten, daß Hausbesiger selbst jetzt, wo In einer am Mittwoch abgehaltenen Mitgliederversammlung bittere Not auf weiten Kreisen der Bevölkerung lastet, gegenüber des Verbandes der Hut- und Filzwarenarbeiter führte Mack el Mietsschuldnern nicht vor Praktiken zurüdschreden, die schon in ge- aus, daß der Verband bisher die statutenmäßigen Unterstügungen wöhnlichen Zeiten mit Recht als verwerflich angesehen werden? m bezahlt hat, was aber jest nicht mehr möglich ist, da zurzeit etwa Hause Görlizer Straße 65, das einem Nentier Harbaum 80 Broz. der Verbandsmitglieder arbeitslos find. Die ungemein gehört, find mehrere kleine Mieter die Miete schuldig geblieben, große Arbeitslosigkeit veranlaßte den Verbandsvorstand, darunter zwei Familien, die im Erdgeschoß des Quergebäudes eine schränkungen im Unterstüßungswesen zu beschließen, um auf mög Da beide Mieter die lichst lange Zeit Unterſtügungen gewähren zu können. Die vom Kochstube und eine Wohnküche inne haben. für Monat August geschuldete Miete auch im Laufe des Monats Borstande beschlossenen Wenderungen, die vom 29. August ab gelten, verlangte Frau Harbaum sind folgende: Die Arbeitslosenunterstügung am Drte beträgt pro nicht nachzuzahlen vermochten, Räumung zum 1. September. Dem Inhaber der Wohnküche Tag für Verheiratete in der 1. und 2. Beitragsklasse je 1 W., in fündigte sie rechtzeitig um Mitte August für 1. September und der 3. Beitragstlaffe 50 Bf., in der 4. Beitragsklasse 45 Bf. Für fchriftlich, wie im Bertrag zugefezt ist, aber gegenüber der In Ledige betragen die Säge 70 Pf. in der 1. und 2., 40 Bf. in der 3., haberin der Kochstube unterließ fie die schriftliche Kündigung. Als 85 Pf. in der 4. Beitragstlasse. Die Reiseunterstützung be Krankengeld, Fahrgeld, Umzugs- und am 1. September wieder feine Miete gezahlt wurde und auch die trägt 70 f. täglich. Räumung nicht erfolgte, ließ Frau Harbaum am 2. September Familienunterstügung für Umziehende fowie Gemaßregeltenunter die Flurtür des beiden Wohnungen gemeinsamen Korridors und stügung wird nicht ausgezahlt. Die Invalidenunterstügung wird außerdem in der Kochstube die Stubentür und die unteren Flügel bis auf weiteres fortgezahlt. Sterbegeld wird bis auf weiteres für eisernen Ofen herausnehmen. Die Bewohnerin der Kochstube gab in der ersten, SO M. in der zweiten, 20 W. in der dritten, 15 M. beider Fenster ausheben und hier auch den zum Kochen benutzten Mitglieder, die nicht zum Militär einberufen sind, gewährt: 45 M. sofort ihr 1% Jahre altes Kind zu Berwandten und hat seitdem in der vierten Beitragsflaffe. Mitglieder, die nicht berechtigt oder Tag und Nacht in der tür und fensterlosen Wohnung ausgesteuert sind, ferner solche, die sechs Beiträge schulden oder, obzugebracht, die allem Wetter und jedem Eindringling preisgegeben wohl sie in Arbeit fiehen, sich mit Rücksicht auf den Strieg weigern, Der Hauptausschuß für freiwillige Striegspflege in Schöne ist. Trifft es zu, daß diese Mieterin sogar noch einen vertrag die fälligen Beiträge zu zahlen, erhalten feine Unterſtügung. berg wird unter Mitwirkung des Roten Kreuzes von Berlin lichen Anspruch auf die Wohnung hat, so liegt hier ein unerbörter Schließlich machte der Redner darauf aufmerksam, daß jeder Arbeits am Sonnabend, den 5. September, eine Bürgerspeisehalle in Uebergriff vor, der durch eine strafrechtliche Verfolgung zu ahnden lose ohne Ausnahme sich der Kontrolle durch den Arbeitsnachweis der Stolonnenſtr. 8/9( Restaurant Goldener Schlüssel) eröffnen. wäre. Polizei ist von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden, zu unterziehen hat, denn das ist die Voraussetzung für den Bezug der Arbeitslosenunterstügung, welche die Stadt Berlin gewährt. Der Preis für das Mittagessen beträgt 10 Bf.; dieser Betrag hat aber zunächst abgelehnt, einzuschreiten. bildet indes nur einen kleinen Teil der Selbstkosten. 8uEine zähe Hauseigentümerin. Die Befizerin der Häuser Schöngelassen werden nur Personen, die im Besiz von Marken sind. Marken werden verabfolgt an Angehörige der im Felde hauser Allee 158a und b, Frau Heitmann, teilt uns unter BezugStehenden( gegen Vorzeigung des Unterſtügungsbogens) und die Sachen des Frl. 3. nicht der Miete wegen, sondern wegen eines nahme auf unsere Notiz unter vorstehender Spizmarke mit, daß fie an sonstige Bedürftige. Die Marken sind nur für den Tag Schadens an einer Tür zurückbehalten, sie jetzt aber herausgegeben gültig, für den sie ausgegeben werden. Die Ausgabe der habe. Frau Heitmann hätte das gleich tun sollen, zumal das GeMarken erfolgt von morgen ab an folgenden Stellen: richt selber feststellte, daß es sich um die notwendigsten Sachen 1. im Städtischen Arbeitsamt, Schöneberg, Grunewaldstr. 19, handelte, die nicht zurückbehalten werden durften. Ecke Schwäbische Straße, von 8-12 Uhr; 2. in der Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat August d. J. Städtischen Seefischhalle, Feurigstr. 4, von 10-12 Uhr; nächtigten im Männerasy! 14 459 Personen, wovon 7288 babeten, 3. für die Mitglieder der Gewerkschaften: a) freie Gewerkschaften im Frauenasyl 2108 Personen, wovon 630 badeten. Arbeitsnachweis bei Mohs, Ebersstr. 12a, von 8-12 Uhr; b) Gewerkverein wird erbeten für Männer und Frauen Wiesenstr. 55/59. für Heimarbeiterinnen, Nollendorfstr. 13/14, von 10-12 Uhr; Zeugen, die Montagabend 10 Uhr zwischen Brüsseler und Seec) katholische Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine, Hohenstaufen- ftraße den Vorgang mit einem Bolizeihund wahrgenommen haben, straße 2( Gartenhaus parterre), von 8-12 Uhr; d) Verband werden gebeten, ihre Adresse an Fris Stobbe, Berlin C., Parochial der deutschen Gewerkvereine( H.-D.) bei Matschutat, Tempel- straße 24-26, Bigarrengeschäft, gelangen zu lassen. hofer Straße 5, bon 10-12 Uhr. * Verloren gegangen ist ein Trauring gez. H. W. 9. 7. 11 auf dem Dunckerfeld an der Ahlbecker Straße. Mitteilungen über den Werbleib des Ringes werden an Frau A. Wittenborn, Stargarder Straße 59, 1 Treppe, erbeten. Parteiveranstaltungen. Die Neuköllner Speisehalle in der Vereinsbrauerei erfreut sich eines lebhaften Zuspruchs. Das Essen ist sehr schmackhaft und es werden täglich bis 1000 Personen dort betöftigt. Trotz der kurzen Zeit, seit der die Speisehalle besteht, hat sich gezeigt, daß die städtische Regie gut funktioniert. Bedauerlicherweise sind jedoch schon wieder Bestrebungen Bernau. Die Zentralbibliothek ist von heute Freitag, den 4. Sepvorhanden, welche dahin zielen, diese junge Einrichtung privaten tember, ab jeden Freitag von abends 8-9%, Uhr geöffnet. Händen zu überlassen. Nach den bisherigen Erfahrungen fann behauptet werden, daß bei der städtischen Regie der kommunale Zuschuß bedeutend geringer sein dürfte als bei in Aussicht genommenen Privatunternehmern. Dabei ist aber noch nicht in Betracht gezogen, daß die städtischen Portionen um die Hälfte Realgymnasiums. reichlicher sind als die des Privatunternehmers. Wir würden es daher außerordentlich bedauern, wenn dieser jüngste Zweig der Wohlfahrtspflege einem Privatunternehmer überlassen würde. Städtische Fürsorge in Wilmersdorf. Sigungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Heute Freitag, nachmittags 5 Uhr, in der Aula des Diese Sigungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltungen. Brit- Buckow. Sonntag, den 6. September: Spielpartie nach der Königsheide. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr Hennemannstraße Ede Rungius Der Magistrat teilt uns mit: Den von der Stadt bereits ftraße( Idealbauten). Montag: Zusammenkunft in Budow bei Selein, unternommenen Schritten zur Behebung der durch den Krieg ent Chauffeeſtr. 4. standenen Notlage vieler Familien beabsichtigt die Gemeinde richtenberg. Am Sonntag, den 6. September, findet eine TagesWilmersdorf demnächst Maßnahmen gegen die zunehmende Erbartie nach dem Stienissee statt. Treffpunkt früh 7 Uhr im Jugendheim, werbslosigkeit zahlreicher Einwohner hinzuzufügen. Da der Dossestr. 22, und Bahnhof Rummelsburg- Dit. Fahrgeld 50 f. Charakter dieser Maßnahmen aber wesentlich von Art und Umfang der herrschenden Erwerbslosigkeit bedingt ist, so hat der Magistrat Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis zunächst durch öffentlichen Aufruf alle in Betracht kommenden Sonnabendmittag: Vielfach wolfig und im Binnenlande meist leichte, Personen( Männer, Frauen und Mädchen) aufgefordert, sich an be- im Küstengebiet etwas stärkere Regenfälle. Dazwischen zeitweise aufklarend, stimmten Stellen der Stadt zu melden. mittags und nachmittags mild, fonit ziemlich fühl Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße 69, vorn vier Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 5 bis 7 Uhr abends, ftatt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. S. 19. Sft uns nicht bekannt. Schlagen Sie im Berliner Adreßbuch nach. 23. S. 31. Ihrem Verkäufer, aber nicht dem Hauswirt gegenüber find Sie an den Vertrag gebunden. Suchen Sie eine Einigung nach. find Sie an den Vertrag gebunden. Suchen Sie eine Einigung nach. Gardlawski. Zur Rateneinhaltung find Sie verpflichtet. P. S. 100. Gegen die Herabjegung müssen Sie Berufung einlegen. Der Weg der Be F. G. 15, R. B. 20. rujung muß auch im Bescheid enthalten sein. Ja. Zweifel 72. Sie haben nur die für die legte Lohnzahlungs periode entstandenen Beiträge zu zahlen.- Century 99. Die Provision ist zu zahlen.. R. 79. 1. Sie müssen eine angemessene Frist aur Ausführung der Arbeit sehen, drohen, daß nach Verstreichung der Frist Ste die Arbeit auf eigene Stosten ausführen lassen und können dann Shre Drohung ausführen. 2. 10 Tage.- P. R. 450. Ja. R. 23. Ein behalten kann der Wirt. Sie fonnten lieber lediglich den Weg der Einigung beschreiten. R. R. 47. Sie würden die Räumungslage mit Ausficht auf Erfolg anstellen tönnen. 8. 72. Zurüdgestellt wegen Form fehler an den Beinen. Schm. 9. Legen Sie schleunigst Beschwerde beim Oberversicherungsamt ein, berufen Sie sich in der Beschwerde auf§ 313 R.-B.-D. und teilen Sie uns das Ergebnis mit. N. W. 6. Nein. Eingegangene Druckschriften. Jahrbuch 1913 der freien Gewerkschaften in Brandenburg a. H. und ihre Einrichtungen und Körperschaften. 75 Pf. Arbeitersekretariat Brandenburg a.. Die Tat. Heft 5. Sozial- religiöse Monatsschrift für deutsche Kultur. 1,20 m. E. Diederichs, Jena. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen.( Ohne Verbindlich feit.) Donnerstag, 3. September. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg Mart: Dhjen fleisch Ia 82-92, bo. IIa 76-80, do. IIIa 64-73; Bullenfleisch Ia 78-84, do. Ila 70-76; Stühe, fett 54-66, do. mager 48-54, Fresser 75-80, Bullen, dän. 58-68. Kalbfleisch: Doppellender 100-115; Mastfälber Ia 95-105, do. IIa 75-90; Kälber ger. gen. 60-70. Hammelfleisch: Maftlämmer 95-100; Sammel Ia 83-94, bo. Ila 80-90; Schafe 85-93. Schweinefleisch 65-70. Gemüse, inländisches: Borree, Schod 0,60-0,80; Sellerie, Schod 3-7,50; Spinat 50 kg 6,00-9,00; Mohrrüben 2,00-2,50; Bohnen 50 kg 5,00-12,00; Wachsbohnen 50 kg 8,00-15,00; Stohlrabi Schock 0,60-0,90; Wirfingfohl Schod 3,00-7,00; Weißlohl Schod 2,50-7,00, Rottohl, Schod 3,50-9; Stohlrüben Schod 3-4,50; Blumento hl, Erfurter, 100 St. 6,00-16,00, Meerrettic Sod 7,00-12,00, do. 50 kg 00,00; Petersilienwurzel Schodbund 1,00 bis 3,00; Radieschen Schodbund 0,70-1,00; Salat Schod 1,50-2,50; 3wiebeln, 50 kg 3,50-4,50; Tomaten 50 kg 10,00-18,00; Pfefferlinge 60 kg 20,00-30,00; Steinpilze 50 kg 15,00-25,00; Gurten Schod 2,00-3,00. Senjgurlen Schod 6,00-16,00 m. Kürbis 50 kg 2,50.