Nr. 245.- 31. Jahrg. # Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 r., möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Ba. Poste Pbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desferreich- Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pig., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. 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September, nachmittags 2 Uhr, der Genoffe Stadtparlament, ein Jahr später hielt er seinen Einzug in den Dr. Frank in der Gegend von 2uuéville badischen Landtag und als im Jahre 1906 Genosse Dreesbach vom ( zwischen Lunéville und Epinal) gefallen. Er Tode ereilt wurde, stand es für die Mannheimer Genoffen fest, bei wichtigen Anlässen als Redner vor. erhielt einen Kopfschuß und war sofort tot. Mit zwei Mannheimer Landwehrleuten zusammen liegt er bei Baccarat begraben. Er war nur einen einzigen Tag im Gefecht. Schwere, schwere Opfer fordert von uns allen der große Krieg. Viele Tausende rafft er hinweg, und zu dem persönlichen Leid der Verwandten und Freunde tritt die Trauer umt die schmerzlichen Verluste, die der Tod vieler treuer Mitkämpfer der Partei auferlegt, der Genossen, die in aufopfernder Hingebung ihre Pflicht bis zum Letzten erfüllt haben. Noch kennen wir nicht ihre Namen, um namenlose Helden müssen wir trauern. Jetzt fennen wir einen und sein Verlust läßt uns zugleich den Verlust aller empfinden. Auch noch im Tode ist Ludwig Frank Wolfsvertreter geblieben, und die Gefühle des Schmerzes und der Ergriffenheit, sie gelten allen, die wie er gefallen sind. Der Tod hat Frank gleich am ersten Tag, der ihn ins Gefecht brachte, auf französischem Boden gefällt. Frank, der ein Alter von 40 Jahren erreicht hatte, war landsturmpflichtig. Er Die Kriegsereignisse. Vom westlichen Kriegsschauplah. .hu Aus Belgien. 916 London, 6. September.( W. T. B.) Aus Ostende wird gemeldet: Ein Teil des Landes, besonders Mecheln, wurde von belgischen Genietruppen unter Wasser gesetzt. Termonde wurde geräumt. Reservisten aus Lille erzählen, das Land sei mit einer Reservisten aus Lille erzählen, das Land sei mit einer Striegstontribution von 200 Millionen belegt worden. In Lüttich beginne sich Mangel an Nahrungsmitteln fühlbar zu machen. Löwen nach der Zerstörung. ::: Armeen den Kontakt mit dem rechten Flügel des Feindes an den Ufern des Grand Morin, unter günstigen Umständen wieder auf genommen. Im Zentrum und auf dem rechten Flügel dauert der Stampf an. In Paris ist feinerlei Beränderung zu melden. Zwischen den vorgeschobenen Truppen, der Verteidigung und der Avantgarde des gestern größere Ausdehnung annahm. Die Franzosen rückten bis zu rechten deutschen Flügels fam es zu einem Zusammenstoß, der dem Durcq vor, ohne größeren Widerstand zu finden. Die Lage der verbündeten Armee ist im allgemeinen gut. Maubeuge' sezt seinen Widerstand heldenmütig fort. London, 7. September.( M. T. B.) Ein amtliches Communiqué gibt einen allgemeinen Ueberblick über die französischen Operationen in der letzten Woche und fagt: Eine Hauptattion hat nicht stattgefunden. Es hat Treffen gegeben, die lediglich Zwischenfälle bei der strategischen Südgugsbewegung der verbündeten Truppen sind, bie durch den anfänglichen Sufammenstoß in Belgien verursacht wurde und durch die ungeheure Macht, welche die Deutschen nach Berlin, 7. September.( W. T. B.) Die Norddeutsche Allgem. hatte sich als Striegsfreiwilliger gemeldet und ging am 31. Auguft geitung führeibt: Bir hatten Gelegenheit, ben Direktor ber nach kurzer Ausbildung zur Front. Jetzt liegt er mit anderen Deutschen Bant, Dr. Helfferich, zu sprechen, der foeben aus Landwehrmännern aus Mannheim unter französischer Erde! Belgien zurüdgelehrt ist. Dr. Helfferich war unter anderem auch in dem westlichen Kriegsschauplatz geworfen haben. Ein tragisches Geſchick! Denn gerade Frank hatte in den letzten Löwen. Er erzählt, daß von einer totalen Zerstörung der Stadt Taktische Mahnungen Jahren mit all seiner Energie die Politik der deutschen Sozial- nicht die Rede sein könne. Zerschossen und niedergebrannt find Taktische Mahnungen des Generals Joffre. demokratie gefördert, die auf eine Verständigung mit dem fran- nur die östlichen Quartiere, in denen nach der friedlichen Uebergabe Frankfurt a. M., 6. September.( W. T. B.) Die Frankfurter zösischen Wolfe gerichtet war. Er hat hervorragenden Anteil an der Stadt unsere Truppen in heimtüdischer Weise systematisch Zeitung" meldet: General Joffre erließ einen an alle franzöfifche dem Zustandekommen jener Berner Konferenz, bei der sich zum und anhaltend beschossen worden sind, vor allem die Straßenzüge, Armeen erlassenen Tagesbefehl, in welchem die Gründe für die Vererstenmal deutsche und französische Volksvertreter vereinigten, die vom Bahnhof und aus der Richtung von Tirlemont nach dem lufte und Niederlagen einiger Armeekorps angegeben werden. Immer, um das Werk der Annäherung und Versöhnung zu fördern, bei Stadtinnern führen. Eine grausame Fronie des Schicksals will, daß wenn man Infanterie zu einem Angriff auf weite Entfernung vorder Jaurès und Bebel die Verſtändigung forderten, um den die Straße von Tirlemont nach dem Stadtzentrum den Namen geführt habe, bevor die Artillerie in Aktion getreten sei, sei die InZusammenstoß zu vermeiden. Nun ist der Zusammenbruch doch„ Rue des joyeuses entrées"( au Deutsch etwa: Straße zur fröh- fanterie in das Feuer der Maschinengewehre geraten und habe Vergefomanen und hat unter seinen Trümmern auch Ludwig lichen Ankunft) führt, wie noch auf den blau und weiß emaillierten lufte erlitten, die zu vermeiden gewesen wären. Außerdem sei der Frank begraben! Straßenschildern zu lesen ist. Alle Häuser und Wände sind in diesen Infanteriekampf nicht immer in genügend verteilter Ordnung geführt Die deutsche Sozialdemokratie verliert in ihm einen Straßen mit Kugelspuren dicht übersät; ein Beweis, wie jedes worden, wodurch der Gegner die Infanterie vernichten und die Mann, der mit großen Gaben und unermüdlichem Eifer einzelne Straßenviertel gestürmt werden mußte. Dagegen ist Dffenfive aufhalten konnte. Der Tagesbefehl gibt auch interessante für ihre hohen Ideale eintrat. Frank war einer der besten die ganze füdliche Hälfte der Stadt und auch ein Teil Aufschlüsse über die deutsche Tattit, namentlich die der KavallerieRedner des Deutschen Reichstags; sein schönes volles Organ des Westens so gut wie unversehrt geblieben. Zahlreiche divisionen, die stets von bereit gehaltener genügender Infanterie füllte mühelos den weiten Raum, ein schlagfertiger, feinge- Säuser tragen hier Inschriften, wie:„ Sier wohnen gute unterstützt worden sei. In Zukunft solle auch die franzöſiſche schliffener Wiz schärfte die Polemif, aus reichem und um- Leute, bitte schonen!"- Das Rathaus, die Perle Löwens, Kavallerie mehr auf diese Umstände achten. fassendem Wissen waren die Argumente geschöpft. Frank ist völlig erhalten. Es ist durch unsere Truppen gerettet worden. war auch ein Meister in der Kunst, parlamentarische Si- Offiziere, die an dem Straßenkampf in Löwen beteiligt waren, ertuationen rasch zu erfassen, Blößen der Gegner zu erspähen zählen, daß unsere Leute die Dampfsprigen hervorholten, um den und sie geschickt mit nie versagender Schlagfertigkeit auszu- Brand der dem Rathause benachbarten Häuser zu löschen und so nuzen. Dazu ein unermüdlicher Arbeiter in den Kom- diefes architektonische Kleinod vor dem Untergang zu bewahren. miffionen. Und wie im Reichstag, so hatte er auch im ba- Sie führten das Rettungswert durch, obwohl sie bei der Löscharbeit Die Russen beschießen Lemberg. dischen Landtag und in der Mannheimer Stadtvertretung fortgesetzt von den Löwener Bürgern weiter beschossen wurden. Wien, 6. Sept.( W. T. B., nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: eine hervorragende Tätigkeit entfaltet. Leider gelang es nicht, die wertvolle Universitätsbibliothek zu Am 3. September beschossen die Russen die in weitem Umkreis um Persönlich war Frank ein liebenswürdiger, hilfsbereiter retten. Bon der Kathedrale ist der Turm eingestürzt, das Schiff ist die Stadt Lemberg errichteten Erdwerke. Unsere Truppen waren Mensch, ein Mann von umfassenden Interessen, der in erhalten. gleicher Weise auf dem Gebiete der Gesezeswissenschaften wie der Kunstentwickelung die Fortschritte der Menschheit verfolgte. Bombenwürfe auf Gent. Aus London wird vom 6. September gemeldet: Heute Doch in diesen furchtbaren Zeiten versagen die Worte, früh flog eine Taube in großer Höhe über die Stadt hin, aus bersagen die Klagen und sei es die Klage um eines der wert. Der zwei Bomben geworfen wurden, die erste fiel auf das Dach vollsten Leben, ein Leben, bestimmt, für die große Sache der einer Schlosserwerkstatt, die zweite auf den Boulevard des Menschheit zu wirken, jezt aber vor der Erfüllung vernichtet Hospices. Es wurde nur Materialschaden angerichtet. ist. Wir wollen nicht klagen, wir müssen standhalten bis ans Wir glauben annehmen zu dürfen, daß diese Londoner Ende, um dann mit neuer Arbeit beginnen zu können, die Nachricht nicht richtig ist, denn Gent ist eine offene, unbefestigte das Werk wieder aufnimmt, das den Händen Franks ent- Stadt, die nach den Satzungen des Völkerrechts vor solchen Angriffen geschützt sein sollte. glitten ist. Die Todesnachricht. Die Nachricht vom Tode Franks ist amtlich noch nicht bestätigt. Sie wurde in Mannheim von einem zurückgekehrten badischen Feldprediger mitgeteilt und findet eine weitere Be stätigung in dem Briefe eines Offiziers an eine Mannheimer Familie. Zurückgekehrte verwundete Soldaten geben allerdings an, Frank sei nur verwundet; doch ist die Hoffnung auf die Richtigkeit dieser Angaben leider nur sehr gering. Aus Franks Lebenslauf. Ein Fliegerabfturz. Vom österreichisch- russischen Kriegsschauplah. jedoch bereits abgezogen, um die offene Stadt vor einer Beschießung zu bewahren, und weil auch operative Rücksichten dafür sprachen, Lemberg dem Feinde ohne Kampf zu überlassen. Das Bombardement hatte sich somit nur gegen unverteidigte Deckungen gerichtet. Die Armee Dantl ist neuerdings in heftigem Kampfe, an der sonstigen Front herrscht nach den großen Schlachten der vergangenen Wochen verhältnismäßige Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs von Hoefer, Generalmajor. Zur Lage in Ostgalizien. Ein Telegramm des Genossen Hugo Schulz aus dem österreichischen Striegspressequartier vom 3, September 11 Uhr abends gibt folgende Darstellung der Striegslage: Der Frankfurter 8tg." wird aus Budapest gemeldet: Die Lage der Ostgruppe ist troz ihres abschattweisen Ein in deutschen Militärdiensten stehender Pilot, der in Be- Burüdgehens günstig. Der Sieg Auffenbergs eröffnet neue gleitung eines Leutnants von Aachen aus Erkundungsflüge zwischen Möglichkeiten auf die Kiewer Armee nördlich von Lemberg Lüttich und Namur ausführte, liegt verwundet in einem hiefigen umfassend zu wirken. Die Oſtarmee hat übrigens auch Spital. Der Pilot, der hier Ingenieur ist, hat sich nach Budapest starke eigene Reserven und reichliche Munitionszufuhr, so daß transportieren lajien, um in der Nähe feiner Eltern zu sein. Er ist man volles Vertrauen in die Abstoßungskraft der eigenen mit einer Rumplertaube am 20. August abgestürzt und lam mit dem Defensive haben kann. Leutnant in einem belgischen Dorf unter belgische Verwundete zu liegen, gegen die er fich mit seinem Begleiter verteidigen mußte bis eine deutsche Batrouille erschien. Der Leutnant starb während des Transports nach Lüttich. Französische und englische Darstellung der Kriegslage. Budwig Frant war am 23. Mai 1874 in Nonnenweiher in Baden geboren, ist also nur wenig über 40 Jahre alt geworden. Nach Beendigung seiner juristischen und volkswirtschaftlichen Studien ließ er sich in Mannheim als Rechtsanwalt nieder. Schon Paris, 7. September.( W. T. B.) Ein Communiqué von bordem hatte er regen Anteil am politischen Leben genommen. I gestern abend besagt: Auf unserem linken Flügel haben unsere Die siegreiche Armee Auffenbergs hat acht Lage schwierigster Blutarbeit hinter sich. Auch ungeheure Geländeschwierigkeiten hatte die Armee zu überwinden. Je tiefer sie eindrangen, desto sumpfiger wurde das Gebiet. Die Russen schoben immer neue Reserven vor. Endlich, nach langen bangen acht Tagen gelang es doch, die beiden Flanken der russischen Armee zu umfassen und sie vollständig zu schlagen. Bei der Armee Auffenberg allein wurden mehr als 15 000 Stussen gefangen. Der Kommandant der russischen Osttrnppe ist General I iv a n o f f. Er ist ein hervorragender Artillerist und ein Reorganisator des russischen Artilleriewesens. Dies erklärt es auch, warum gerade bei der Kiewer Armee die Artillerie eine so große Rolle spielt. Dazil gesellt sich eine große numerische Ueberlegenheit der Russen, die sich bei unserer Osttruppe sehr empfindlich fühlbar macht. Auch viele schwere Geschütze haben die Russen. Trotzdem ist die Widerstandskraft unserer Ost- tnippen ungebrochen. Der Seekrieg. Verluste öer englischen Marine. Berlin, 7. September. sW. T. B.) Die heute hier ein- getroffene„TimeS" vom 2. d. M. enthält eine Nachtragsvcrlustliste der Admiralität, in der Namen der Besatzung der geschützten Areuzer „Arethusa" und„Fearleß" sowie der Torpedoboots- Zerstörer„Druid",„Laertrs" und»Phönix" enthalten find. Ein pastagieröampfer auf eine Mine geraten. London, 6. September.(W. T. B.) Die Admiralität gibt bekannt, daß der Passagierdampfer„Nuno" der Wilson- Linie am 3. September nachmittags nahe der englischen Ost- küste auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. Die Be- mannung und die Passagiere seien gerettet, bis auf etwa 20 Russen, die aus Paris geflüchtet waren. Kriegsbekanntmachungen. Löhnung öer Einberufenen. Mehrfach find Anfragen an uns gerichtet, welche Löhnung de» zur Fahne einberufenen jedoch noch nicht auf dem Kriegs- schauplatz Verwendung findenden Mannschafte» zusteht. Nach von unS eingezogener Information steht diese» Mann- schaften nicht die Friedenslöhnung, sondern die für immobil« Formationen besonders festgesetzte höhere SriegSlöhnung zu. Sie beträgt monatlich neben freier Bcrpflegiing und freiem Quartier: für Gemeine, berittene... 11,40 M. », unberittcn«.. 9,90„ , Gefreite, berittene,.. 12,90, ». unberittene.. 11,40, die Zelöpost. In der„Nordd. Allg. Ztg." werden folgend« Mitteilungen ge- macht: Am 14. August d. I. wurde die Feldpost eingerichtet. Di« oberste Leitung des FeldpostwesenS auf dem Kriegsschauplatze und die ein- heitliche Regelung und Ueberwachung des DienftbetriebeS bei allen Feldpostanstalten hat der Feldoberpostmeister. Ihm unterstehen außer Feldoberpostinspektoren die Armeepostdirektoren und alle Feld- Postanstalten. Dem Armeepostdirektor liegt die Herstellung und Erhaltung der Postverbindungen der betreffenden Armee mit der Heimat usw. nach Anordnung deS FeldoberpostmeisterS ob. Er leitet die Post bis in die Hauptquartiere der Armeekorps oder bis in deren Nähe und von dort zurück. Dem Armeepostdirektor unterstehen Armeepostinspek- toren zur Ueberwachung des Postbetriebs, Feldpostanstalten mit Feldpostbeamten und ein Postpferde- und Wagendepot. Die Reife nach Srufsel. B r ü s s e l, 2. September 1914. I. Kriegerisch ausgerüstet, mit straffen Beinbandagen und be- riemten Rucksäcken, im sieghaften Bewußtsein unserer LegitimationS- Talismane in der Brieftasche, so dämmerte uns am Kölner Haupt- bachnhof«in aoldklarer Morgen. Viele, viele wollten mit uns, wenn auch nicht alle über die Grenze; Soldaten und Saniiätsleute mischten sich dichtgedrängt mit den verschiedenen Möglichkeiten des Zivils, und als endlich unser Zug in die Halle dampfte, da gab es für einige Minuten ein Durcheinander, das allen königlich preußischen Bähnpolizeivorschriften widersprach. Nach langem Warten besinnt sich unsere Lokomotive auf ihre Mision: Hurrageschrei aus den Fenstern, Gesang. Wir schlendern an kleinen Stationen vor- über, Militärzüge und Transporte überholen und begegnen uns, und man sieht im Vorbeifahren graue und rote Streifen und hört abgeriffene Begrüßungsrufe. Winken und Tücherschwenken an jedenr Uebergäng, aus jedem Häuschen, das auf grünen Feldern steht, und'in D...... erscheint über der Landschaft, wie ein strahlender Sonnenkönig, der Zeppelin, umwittert vom Nimbus der Bomben, die er verderbenbringend abwarf, uird von Kugeln, die nach ihm gesandt wurden. Nachen! Ein Zug mit Verwundeten läuft«in und eS schallt vielhundertstimmig von Zug zu Zug:„Guten Tag. Kameraden! Woher kommt Ihr, wo geht schr hin? Habt Ihr neue Nachrichten?" Die Ankommenden, die mit ihren verbundenen Armen und lahmen Beinen, soweit sie es können, aus dem Mteil steigen, stauen sich a» unseren Fenstern, und bald ist alles erzählt. 70 000 Ruffen— daß es noch mehr sind, wußten wir da noch nicht— gefangen! Hurra! Alle sind frohgemut; kein einziger, auf. dessen Gesicht sich der Schmerz der Verwundung oder Ermattung nach schweren Stra- pazen widerspiegelt. Wir steigen aus und besehen»ns mit einigen Soldaten eine Schar Gefangener, drei Engländer und sieben Fran- zosen. Gleichgültig sitzen die Engländer und reagieren auf nichts; eine unendliche Trauer aber liegt in den schlaffen Blicken der Fran- zosen. Hier zeigte sich schon, was uns während des ganzen Aufent- balts in Belgien, sobald wir mit deutschen Soldaten sprachen, auf- fiel: sie haben eigentlich keinen Haß gegen die Franzosen, denen sie zubilligen, daß sie eben auch ein Vaterland zu verteidigen haben. Stärker schon ist der Groll gegen die Belgier, denen man die Eni- setzlichkeiten des Franktireurkrieges niemals verzechen kann. Hem- mungslos aber ist die feindliche Abneigung gegen die englischen Söldner, und es kommt schon gelegentlich vor, daß ihnen unsere Truppen im Dialekt des jeweiligen Landesteiles Titel beilegen, bei denen man sich freut, daß sie nicht verstanden werden. Aber solche Schimpfereien werden von anderen Soldaten zurückgewiesen. „Es sind ebensolche Menschen wie wir, sie müssen doch mit und können nichts dafür," so sagt einer bei einer solchen Szene mit un- versälscht hamburgischer Aussprache, und die anderen werden still. Auch wir versuchen, zwei Soldaten klarzumachen, daß man auch i» Worten den Gesangenen Menschlichkeit zeigen soll. Darauf kommt die Antwort:„Ja, gewiß— aber die Engländer haben es doch gar nicht nötig, niemand hat ihnen was tun wollen; die Sol- datcn arbeiten für Tagelohn und sie kriegen Lohnerhöhung, wenn sie siegen. Die sollen wir noch mit Seidenhandschuhen anfassen? Nee!" Man hat schwere Mühe, die Leute umzustimmen. Und sie fchilderNt um uns zu widerlegen, Einzelheiten von ihren Zusammen- Für jedes Armeekorps ist ein Fcldpostamk, für jede Division eine Feldpostexpedition«ingerichtet. Dem Armeepostdirektor werden zur rechtzeitigen Herstellung der Postverbindungen— soweit es die Kriegslage gestattet— über die bevorstehenden Absichten und Marschbewegungen von dem Armeeoberkommando die nötigen Mitteilungen gemacht. Daß diese Mitteilungen bisher bei der strengen Geheimhaltung unseres Aufmarsches recht beschränkt gewesen sind, wird man wohl verständlich finden. Infolgedessen war eZ für die Armeepostdirektoren besonders schwierig, frühzeitig vorausschauende Maßnahmen zu treffen. Gerade die Geheimhaltung unseres Aufmarsches, welche die Vorbedingung zu unseren bisherigen Erfolgen gewesen war, ist ein Grund gewesen, weshalb in der ersten Zeit die Feldpost nicht so arbeiten konnte, wie es von den Angehörigen in der Heimat so- wohl wie von der Truppe so sehnlichst gewünscht wurde. Die Heeres- Verwaltung hat diesen Wunsch wohl verstanden und gewürdigt. Hinzu kommt, daß im Verlaufe der letzten Wochen die Etappen- Verbindungen auf unserem äußersten Nordwestsllügel noch eine ganz besondere Ausdehnung infolge der großen Marschleistungen unserer Truppen angenommen hatten. Die Armeepostdirektoren konnten hier mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Personal, Pferden und Postwagen die Beförderung der ins unermeßliche gehenden Briefsendungen überhaupt nicht bewältigen. Auf Anordnung des Herrn Kriegsministers sind daher vor einigen Tagen dem Reichs- Postamt für die Feldpost eine bedeutende Anzahl von Kraftwagen überlassen worden, die auf die einzelnen Armeen und deren Etappenlinien verteilt worden sind. Ebenso hat der Herr Chef des Feldeisenbahnwesens im Interesse der Feldpost angeordnet, daß so- weit angängig alle Militärzüge Feldpost mitbefördcrn sollen. Wenn neben diesen Verkehrserleichterungen die im Armeever- ordnungsblatt"(vom 1. Sptember Nr. 242) nochmals bekannt- gegebenen Bestimmungen über die Beförderung durch die Feldpost sowohl vou den Truppen als auch von den Angehörigen in der Heimat genau beachtet werden, kann man mit Sicherheit annehmen, daß ein geregelter Feldpostverkehr nunmehr eintritt und die Klagen über seine bisherigen Unregelmäßigkeiten aufhören werden. Die Beförderung von Privatpaketen durch die Feldpost ist zur- zeit noch ausgeschlossen(f. Feldpostdienstordnung§ 23). ES schweben aber bereits Erwägungen, wie auch in der Paket- besörderung Erleichterungen eintreten können. Sobald die Eni- scheidung hierüber, welche von den Bewegungen des Heeres abhängt, getroffen ist, werden diese Vereinbarungen zur allgemeinen Kennt- nis durch die Presse bekannt gegeben. Der englische öotschaster über Sie Kriegserklärung. Die englische Regierung veröffentlicht die Darstellung ihres Botschafters in Berlin über die letzten Verhandlungen vor dem Kriegsausbruch. Sir Edward Goschen berichtet: „Am 4. August(dem Tage des englischen Ultimatums) war ich bei dem Staatssekretär v. I a g o w und bot alles auf, um die belgische Neutralität zu schützen. Herr v. Jagow schlug eine nochmalige Besprechung mit dem Reichskanzler vor, ich begab mich daher zu diesem. Ich traf den Reichskanzler in sehr erregter Stimmung. In einer Red«, die ungefähr 20 Minuten dauerte, führte er aus, daß der Schritt der englischen Regierung unverantwortlich sei. Wegen eines bloßen Wortes, Neu- tralität genannt, das gerade von gegnerischer Seite im Kriege so oft beiseite geschoben werde, wolle England einer befreundeten Nation Krieg erklären, mit der seine Beziehungen sich gerade i n letzter Zeit vertrauensvoller gestaltet hätten. Me seine(deS Reichskanzlers) Bestrebungen, mit Großbritannien in Freundschaft zu bleiben, seien zunichte gemacht durch diesen furcht« baren Schritt. Was wir getan hätten, sei ihm unbegreiflich und nur mit der Handlungsweise eines Menschen vergleichbar, der einem anderen in den Rücken falle, während dieser mit seinen Angreifern um sein Leben kämpft. Ich protestierte auf das entschiedenste gegen diese Auffassung und erklärte, daß ebenso, wie der Durchmarsch durch Belgien für Deutschland, nach den Worten JagowS, eine Frage auf Leben und Tod sei, es auch für Großbritanniens Ehre eine Lebensfrage wäre, die eingegangenen Verpflichtungen ein- zuhalten.„Aber um welchen Preis wollen Sie diese Verpflich- tungen erfüllen?" wandte der Reichskanzler ein,„haben Sie daS bedacht?" Ich versuchte, ihn zu überzeugen, daß die Furcht vor den Folgen uns nicht abhalten könne, unsere Verpflichtungen zu er- füllen, aber Se. Exzellenz war so aufgebracht und erschüttert von unserem Vorgehen, daß ich die Zwecklosigkeit eines weiteren Argu- mentierens einsehen mußte. Abends gegen Sss Uhr besuchte mich Herr Zimmermann vom Auswärtigen Amt und teilte mir mit, daß die deutsche Regie- rung nicht in der Lage sei, auf unser Ultimatum eine bestlemgenoe Antwort zu geben. Inzwischen hatte das„Tageblatt" in einer besonderen Ausgabe verbreitet, daß wir den Krieg erklärt bätten, und bald hatte sich eine riesige Menschenmenge um unser Bot- schaftsgebäude versammelt, die laut johlte und scindliche Rufe ausstieß. Die kleine Polizeimacht, die ausgesandt war, um das Palais zu beschützen, erwies sich als zu schwach, und die Haltung der Menge wurde immer drohender. Solange nur ge- lärmt wurde, nahm ich von dem Auflauf keine Notiz, als aber kurz darauf die Fensterscheiben klirrten, und Steine in unfern „Drawing Room" fielen, in dem ich mich mit den Herren der Bot- schaft befand, hielt ich es für gut, an das Auswärtige Amt zu telephonieren. Herr v. Jagow benachrichtigte sofort den Polizei- Präsidenten, worauf berittene Polizei herbeieilte und die Straße säuberte. Nachdem die Ordnung hergestellt war, kam Herr v. Jagow und sprach sein Bedauern über das Vorgefallene aus. Er ver- sicherte mir, daß die Verbreitung der Extrablätter auf den Straßen von der Regierung nicht gutgeheißen wäre. Die Nachricht sollte erst am nächsten Morgen bekannt werden. Herr v. Jagow berief sich darauf, daß die Menge angeblich durch höhnische Gesten der an den Fenstern stehenden Mitglieder der Botschaft gereizt worden sei. Am nächsten Morgen, dem 5. August, sandte mir der Kaiser einen Adjutanten mit folgender Meldung:„Se. Majestät habe ihn beausttagt, sein Bedauern über die Geschehnisse von gestern abend auszusprechen. Ich möge jedoch aus diesen Vorfällen erseben, welche Empörung das Volk darüber empfinde, daß Großbritannien sich mit anderen Gegnern gegen die einstigen Bundesgenossen von Waterloo vereinige." Der Kaiser ersuche mich, dem König zu sagen, daß er bisher auf die ihm verliehenen englischen Würden und Ehrenstellen stolz gewesen sei, aber nach dem, was geschehen, auf sie verzichtet habe. „Ich füge hinzu." bemerkte Sir Edward,„daß diese Mitteilung noch verschärst war durch die Art und Weise, in der sie mir über- mittelt wurde." Zum Schluß lobt der ehemalige Botschafter die zuvor» kommende und rücksichtsvolle Behandlung, die den Mitgliedern der Botschaft und den mitreisenden britischen Untertanen bei der Abfahrt von Berlin zuteil geworden sei. ftößen mit den englischen Truppen. Wiederholt sei es vorgekommen, daß diese die weiße Flagge hißten, um beim Herannahen der Deut- scheu, auf 60 bis SO Meter Entfernung, mit allen Kräften zu feuern. Unsere Soldaten würden von den Franzosen, von denen sie lachend sagen, daß sie schlecht schießen, sonst aber„gute Kerle" seien, noch eine bessere Meinung haben, wenn sie sich nicht die Turkos mit- gebracht hätten. Diese sind, nach den übereinstimmenden Erzäh- lungen, von unbezähmbarer Tapferkeit und Wildheit, und sie lassen sich bei der Gefangennahm« eher töten, als daß sie ihre Waffe abliefern. Endlich, endlich kommen wir nach Herbesthal, der Grenz- station. Schon hatten wir uns gefreut, glatt weiterfahren zu können, als es auf einmal hieß:„Alle Zivilisten heraus! Vorn zur Kontrolle!" Beim militärischen Kommandanten des Bahnhofes hat man ein umständliches Legittmieren zu überstehen, aber endlich wird der Passierschein ausgestellt, und die Fahrtarte kann gelöst werden. 6,40 Mark für eine Fährt vierter Klasse von der Grenze nach Brüssel— Donnerwetter! Die Eisenbahnverwaltung scheint den Preis für die Fahrkarte nicht nach der Kilometerlänge, sondern nach der Länge der Stunden zu berechnen, die man in diesen Tagen für eine Fahrt nach Brüssel braucht. Am Schalter drängt sich es bunt: Deutsche, die vor vier Wochen geflohen waren und nun nach den Resten ihrer Habe sehen; Frauen, die zu ihren zurückgeblie- benen Familienangehörigen wollten; Geistliche und„neutrale" Aus- länder. Endlich ist alles fertig, und wir kommen auf belgisches Gebiet. Das erkennen wir freilich nur an den französischen Schil- dern und Reklametafeln und an den düster blickenden Leuten, die unserem Zuge aus den Fenstern und an den Wegen nachsahen; kein Winken und kein Rufen mehr. An allen Uebergängen, an allen wichtigeren Punkten der Eisenbahnstrecke stehen kräftige deutsche Landwehrmänner und hakten Wache. In W e I ck e n r a e d I, der Grenzstation auf belgischem Gebiet, funktioniert der Eisenbahnbetrieb längst mit erstaunlicher Sicher- heit, und alles regeln unsere blaumützigen Eisenbahnbeamten. Unser Zug fährt endlich in Dolhain ein, das nach vielen Meldungen ein Raub der Flammen geworden sein soll, weil man aus den-Häusern ein vernichtendes Feuer auf unsere gen Lüttich vorrückenden Truppen gerichtet habe. Diese Meldungen waren sicher sehr übertrieben. Die Straßen deS kleinen Ortes, der jetzt unheimlich still daliegt, find unversehrt; nur auf einem Hügel recken sich schauerlich dieBrandmauern eines größeren Hauses in die Höhe, und durch leere Fensterhöblcn sieht man den blauen Himmel. Am Bahnhof haben sich die deutschen Truppen ein sinnvolles Lager zurechtgemacht. Ein zeichnerisch Veranlagter malte neben einer deutschen Kriegsdepcsche einen ungeheueren Franzosen, ein Vor- spiel zu den vielen zeichnerischen Grüßen, die dem Vorbeifahrenden entgegenwinken. Aus alten EisenbahnwaggonS und verfallenen Bauhütten liest man:„DieLandwehr stirbt, doch sie ergibt sich nicht." „Wilhelm der Zweiie, König von Preußen, Kaiser von Europa." An einer anderen Stelle rollt man an einer ungeheueren Landkarte von Europa vorüber; über die Köpfe unserer Diplomaten hinweg wurde mit dicker, schwarzer Umrandung Belgien, ein Teil des öst- lichen Frankreich und die Ostseeprovinzen darauf für Deutschland annektiert! Di« häufigste Inschrift aber lautet vor allem an den kleinen Blockstationen:„Zeitungen! Zeitungen! Werft Zeitungen heraus!" Nachrichtenhungrig sind unsere Truppen da draußen; die Züge rollen an ihnen vorbei, nur ein verhallende? Wort kann ihnen das Wichtigste zuschreien, und sie haben, ohne den Wachtdienst zu versäumen, lange Stunden der Muße genug, um nach aktuellem Lesestoff zu dürsten. Im gemächlichen Tempo durchquert unser Zug die Ardeunen. Im grünen Glänze liegt die Landschaft, ruhig weidet das Vieh, die Bauern bringen Heu und Getreide herein und nichts gemahnte an den Krieg, wenn nicht die zahlreichen Tunnels die mühselige Arbeit in Erinnerung brächten, die hier deutsche Eisenbahntruppen zu leisten hatten. Aus Furcht vor der deutschen Invasion hatten oie Belgier bekanntlich die großen Tunnels von Dolhain bis gängen eine Menge Lokomotiven aufeinanderfahrea— in dem Tunnel bei Dolhain waren es nicht weniger als siebzehn— die sich darin aufbäumten und sich ineinander bohrten. Kisten Dynamit sollten gleichzeitig den ganzen Tunnel in die Luft sprengen. Daraus wurde eS nun nichts. Bei der Keffelexplosion wurden die Zündschnüre durchnäßt und versagten, und unsere Truppen fanden die Dynamitkisten unversehrt. Aber welch angestrengtester Arbeit bedurste es, um die Maschinen zu entfernen, die auf- gerissenen Schienen zu flicken und die gebirgige Strecke wieder passierbar zu machen! Heute sieht? bei den Tunnels und auf den Strecken wieder ordentlich aus, als wären sie nie von wilder Zerstörungslust angegriffen worden; nur noch ein zerschellter Waggon, der unten am Damme liegt, und eine verrostete und explodierte Lokomotive erinnern an die Tage bor vier Wochen. In V e r v i e r s, von dessen Rathaus die schwarz-weiß-rote Flagge weht und dessen zahlreiche Fabriken eine weiße Fahne heraus- gehängt haben, ist alles ruhig; scheu duckt sich eine Schar Arbeits- loser hinter den Häusern in der Nähe einer Unterführung. Kein Schornstein raucht, keine Maschine dröhnt; die lebhafte Textil- industrie von Verviers, die zahlreiche Beziehungen zu Deutschland hatte, ist lahmgelegt. In L ü t t i ch aber, wo unser Zug innerhalb der Stadt eine lange Weile halten muß, gärt es weiter unter dem wallonischen Volke; vorbeiziebende deutsche Patrouillen erzählen, daß noch immer hinterrücks geschossen werde, und später wind über die Gleise ein etwa dreizehnjähriger Bengel geführt, der sich mit dem Browning vergnügt hatte. Unser Zug wird indessen von zahl- reichen Kindern umschwärmt, oie den deutschen Soldaten An» sichtskarten, Zigaretten und allerhand Getränke verkaufen und gute Geschäfte mache». Scherzworte fallen zu drallen belgischen Mädchen herüber, doch stolz gehen sie ihres Weges. Tann geht eS weiter, das unvergleichliche Panorama der Stadt enthüllt sich; wir fahren in den Bahnhof ein, wo es von deutschen Truppen wimmelt. Zug um Zug langt an und rollt ab, Truppenmassen kommen und gehen; Offiziere melden sich beim BabnhosSkommandanten, der an der Halle von seinem Stab umgeben sitzt und tausenderlei Geschäfte hat. Hinter dem großen Gitter, das den Bahnhof von der Straße trennt, sammelt sich die Bevölkerung in Mengen und starrt und starrt.... Endlich weiter nach Brüssel. Keuchend nimmt der Zug die Höhen hinter Lütttch; rechts und links sehen wir in weiter Entfernung einige Forts, von� denen die deutsche Flagge weht. Dann— T i r l e m o n t; alles stürzt an das Fenster. um die Brandmauern zerstörter Straßen zu sehen. Rötlich glänzt der Abendhimmel, doch seine Röte wird überglänzt von blinkendem Feuerschein im Westen. In Löwen br e nnt es�immer noch, und jeder spürt das Schicksal der unglücklichen Stadt. Vor der großen Eisenbahnbrücke Löwens halten wir. Rechts und links alles niedergebrannt und in Dunkel gehüllt. Im rasenden Lauf eilt ein Soldat an den Abteilen vorbei:„Wir mußten wieder Häuser anstecken. Einen von unS,«inen Radfahrer, haben wir heute darin gesunden; die Arme und oie Beine lvaren ihm ab- gehauen!" Alles erschaudert; selbst den Berliner Sanitätssoldaten. die sich vorher keine Gelegenheit zu faulen Witzen entgehen ließen. verging die Lust zum Skat. Schweigend verbringen wir weitere lange Stunden bis Brüssel. Achtzehn Stunden hatte die Fahrt gedauert! Cm Appell öes Rsichskanzlers an üie Amerikaner. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' bringt folgende Mit- teilung des Reichskanzlers an die Vertreter der „United Preß" und der„Associated Preß", die beiden wichtigsten amerikanischen Telegraphenagenturen: Großes Hauptquartier� 2. September 1914. Ich weiß nicht, was man in Amerika über diesen Krieg denkt. Ich nehme aber an, daß dort inzwischen der Telegrammwechsel Seiner Majestät des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland und dem König von England bekannt geworden ist, der unwiderleglich vor der Geschichte Zeugnis dafür ablegt, wie der Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht gewesen ist, den Frieden zu erhalten. Diese Bemühungen mutzten aber hergeblich bleiben, da Ruß- land unter allen Umständen zum Kriege entschlossen war und England, das durch ein Jahrzehnt hindurch den deutschmnd- lichen Nationalismus in Rußland und Frankreich ermutigt hatte, die glänzende Gelegenheit, die sich ihm bot, die so oft betonte Friedensliebe zu bewähren, ungenutzt vorübergehen ließ, sonst hätte wenigstens der Krieg Teutschlands mit Frankreich und England vermieden werden können. Wenn sich einmal die Archive öffnen werden, so wird die Welt erfahren, wie oft Deutschland England die Freundeshand entgegengestreckt hat. Aber England wollte die Freundschaft mit Deutschland nicht. Eifersüchtig auf die Enwicke- lung Deutschlands und in dem Gefühl, daß es durch deutsche Tüchtigkeit und deutschen Fleiß auf manchen Gebieten überflügelt werde, wünschte es, Deutschland mit roher Gewalt niederzuwerfen, wie es seinerzeit Spanien, Holland und Frankreich niedergeworfen hat. Tiefen Moment hielt es jetzt für gekommen, und so bot ihm denn der Einmarsch deutscher Truppen in Belgien einen will- kommenen Vorwand, am Kriege teilzunehmen. Zu diesem Ein- marsch war Deutschland gezwungen, weil es dem beabsichtigten französischen Vormarsch zuvorkommen mutzte und Belgien nur auf diesen wartete, um sich Frankreich anzuschließen. Daß es für England nur ein Vorwand war, beweist die Tatsache, daß Sir Edward G r e Y bereits am 2. August nachmittags, also bevor die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland erfolgte, dem französischen Botschafter die Hilfe Englands bedingungslos für den Fall zugesichert hat, dah die deutsche Flotte die französische Küste angreife. Moralische Skrupel aber kennt die englische Poli- tik nicht. Und so hat das englische Volk, das sich stets als Vor- kämpfer für Freiheit und Recht gebärdet, sich mit Rußland, dem Vertreter des furchtbarsten Despotismus, verbündet, mit dem Lande, das keine geistige, keine religiöse Freiheit kennt, das die Freiheit der Völker wie der Individuen mit Füßen tritt. Schon beginnt England einzusehen, daß es sich verrechnet hat, und daß Deutsch- land seiner Feinde Herr wird. Daher versucht es denn mit den kleinlichsten Mitteln, Deutschland wenigstens nach Möglichkeit in seinem Handel und seinen Kolonien zu schädigen, indem es, un- bekümmert um die Folgen für die Kulturgemeinschaft der weißen Rasse, Japan zu einem Raubzug gegen Kiautschou aufhetzt, die Neger in Afrika zum Kampf gegen die Deutschen in den Kolo- nien führt und, nachdem es den Nachrichtendienst Deutschlands in der ganzen Welt unterbunden hat, einen Fcldzug der Lüge gegen uns eröffnet. So wird es Ihren Landsleuten erzählen, daß deustche Truppen belgische Dörfer und Städte niedergebrannt haben, Ihnen aber verschweigen, daß belgische Mädchen wehrlosen Verwundeten auf dem Schlachtfelds die Augen ausgestochen haben. Beamte belgischer Städte haben unsere Offiziere zum Essen geladen und über den Tisch hinüber erschossen. Gegen alles Völkerrecht wurde die ganze Zivilbevölkerung Belgiens aufgeboten, die sich im Rücken unserer Truppen nach anfänglich freundlichem Empfang mit versteckten Waffen und in grausamster Kampfes- weise erhob. Belgische Frauen haben Soldaten, die sich, im Quartier aufgenommen, zur Ruhe legten, die Hälse durch- schnitten. England wird auch nichts von den D u m- D u m- Geschossen erzählen, die von Engländern und Franzosen, trotz aller Abkommen und der heuchlerisch verkündeten Humanität ver- weichet worden such und die Sie hier in der Originalpackung ein- sehen können, so wie sie bei englischen und französischen Gesänge- neu gefunden wurden. Seine Majestät der Kaiser hat mich ermächtigt, alles dies zu sagen und zu erklären, daß er volles Ver- trauen in das Gerechtigkeitsgefühl des amerikanischen Volkes hat, das sich durch den Lügenkrieg, den unsere Gegner gegen unS führen, nicht täuschen lassen wird. Wer seit dem Ausbruch dieses Krieges in Deutschland gelebt, hat die große moralische Volks- erhebung der Deutschen, die von allen Seiten bedrängt, zur Ver- teidigung ihres Recht? auf Existenz freudig ins Feld ziehen, selbst beobachten können und weiß, daß dieses Volk keiner unnötigen Grausamkeit, keiner Roheit fähig ist. Wir werden siegen dank der moralischen Wucht, die die gerechte Sache unserer Truppen gibt— und schließlich werden auch die größten Lügen unsere Siege so wenig wie unser Recht verdunkeln können. * Uns scheint es recht charakteristisch, daß hier in so scharfer Weise und im Nuftrage des Kaisers über den Zarismus so geurteilt wird, wie es die Sozialdemokratie schon zu einer Zeit getan hat, wo sie eher deswegen auf das schärfste an- gegriffen worden ist. Ihre auswärtige Politik findet wenigstens in diesem Punkte jetzt eine Bestätigung. Hervorheben möchten wir auch die Worte über die Freiheit der Völker wie der Jndi- viduen, Worte, aus denen beim Friedensschluß auch die entsprechenden Konseguenzen gezogen werden müssen. Die Abreise öer öeutschen Dotschast aus Tokio. Berlin, 7. September.(W. T. B.) Die Mitglieder unserer Botschaft in Tokio und unserer Konsulate in Japan sind am 31. August auf dem amerikanischen Dampfer »Minnesota" nach den Vereinigten Staaten abgereist. Rassenkrieg. Der bekannte Schmock Emil Ludwig, der'früher mal ein Büchel gegen den sehr deutschen Richard Wegner veröffentlicht hat. hetzt jetzt im Berliner Tageblattt" zum Rassenkrieg gegen das Slawentum. Ztur nach einer Seite bin ist dieser Krieg von innerer Be« deutung. historisch notwendig und mit dem vollen Haß zu führen, den raifige Menschen rassigen Menschen zollen. Die Slawen oder wir. das ist die Frage, und wenn sie auch diesmal noch lange nicht entschieden werden kann, so wird sie doch für ein halbes Jahrhundert entschieden. Da gibt eS aber viele und vor- zügliche deutsche Geister, die längst durch ihre Propaganda oder durch ihr eigenes Werk sich diesen Slawen leidenschaftlich hin- gegeben haben und die Durchlrünkung unserer Kultur mit der »slawischen Seele' herbeisehnten. Diese haben eS jetzt schwer, denn sie fühlen für die, denen der Krieg am meisten gilt, und die ihn wahrhaftig entfesselt haben. Es ist gerecht, daß man sie ge- währen läßt, und man mag sie bedauern. Rasse? Hm!— Den Krieg hat das offizielle Russeutum auf dem Gewissen. Dessen Vertreter ist der Blut- und Lügen- zar. Slawische Rasse? Slawische Seele?— Ein wenig Genealogie: Romanows gibt es nicht mehr; die Dynastie ! ist Holstein Gottorp. Peter III., ihr Begründer, war der Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Gottorp, und Annas, der Tochter Peters I.. des letzten Romanow. Er heiratete die Prinzessin Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst. die ihn um die Ecke bringen ließ und als Katharina II. den Zarenthron bestieg. Ihr Sohn Paul I. heiratete die Prinzessin Sophie Dorothea von Württemberg. Er wurde unter Mitwirkung seines Sohnes Alexander erwürgt. Alexander I. starb klinderlos, sein Bruder Nikolaus I. heiratete die Prinzessin Charlotte von Preußen. Dessen Sohn Alexander II. heiratete die Prinzessin Marie von Hessen und sein Sohn, Alexander III.. die Prinzessin Dagmar von Dänemark. Aus dieser Ehe stammt der jetzige Nikolaus.— War Paul ein legitimer Sohn Peters HI., dann hat Nikolaus'3Im germanisches Blut in seinen Adern. Sicher ist es indessen nicht, denn bei der Dame Katharina hat man die Wahl, welchen von ihren vielen Buhlen man als Vater ihres Kindes bezeichnen soll, Schu- walow, Orlow, Subow; in diesem Falle hat Nikolaus 31l3t germanisches Blut.— Bei den Züchtern gilt ein Gaul als Vollblut, wenn er nicht mehr als fremdes Blut hat. Läßt man das für die Zarenzucht gelten. dann hilft alles nichts: Der Trottel auf dem Zarenthron ist ein Vollblut- germane! Aber der Zar hat wenig zu sagen, die Kamarilla re- giert. Schön. Nur sind die Großfürsten ebensolche Germanen wie er. Die weiteren Kreise der Kamarilla werden gebildet von den Nachkommen jener, die den Länderraub und Völker- mord im Dienste des Zarismus geführt haben. Unter ihnen findet man Russen, Tataren und die— Pohlen, Wittgenstein, D i e b i ts ch, T o t l e b e n, Berg, 5kaulbars, Schildern-Schaldern, Osten- Sa cken.Benningsen, Fredericks, Rennenkampf, Plehwe, Hartwig usw.. usw. Es sind zum Teil Sprößlinge der baltischen Barone, also Nachfahren der Ritter des Deutsch- vrdens, zum Teil Emporkömmlinge, Söhne und Enkel deutscher Beamter, die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts rudelweise in russischen Staatsdienst traten. Die russischen Bauern haben so unrecht nicht, wenn sie die zarische Wirtschaft als„deutsche Wirtschaft" verfluchen. Die»slawische Seele" sucht man dort vergebens. Sie lebt dagegen in den Hunderttausenden Polen, Kassuben, Masuren der deutschen Armee und in den Millionen Polen, Tschechen, Slowaken der österreichischen Armee. Diese Soldaten müßten Selbstmord begehen, um die slawische Seele zu morden. Was in diesem furchtbaren Kriege unter allen Umständen vernichtet werden wird, wir hoffen es zuversichtlich, ist die Herrschaft der Bande von Mordbrennern und Verbrechern, die sich um den Thron der Gottroper Dynastie in Petersburg schart. Dieses Geschmeiß ist international. Wenn daL germanische Element darunter eine große Rolle spielt, kann das keinen anständigen Deutschen abhalten, zu wünschen, es möge je eher je lieber auf den Schindanger geraten. Die slawische Rasse aber wird leben und noch manchen Stein herbeitragen zum stolzen Bau der menschlischen Kultur. Die Kläffer, die zum Raffenkriege hetzen, werden daran nichts ändern. politisihe Ueberflcht. Brutalitäten gegen Gefangene. Die' Fälle häßlicher Brutalität gegenüber Kriegs- gefangenen mehren sich— eine Folge der unvernünftigen, weit über das Ziel hinausschießenden Hetze gewisser Blätter gegen ein paar gewiß vorgekommene unangemessene Um- Werbungen der eingebrachten Fremden. In einem Leitartikel der„Voss. Ztg." weist der Abg. Pfarrer Traub auf einen tieftraurigen derartigen Vorgang hin. Die Vorsitzende einer Hclferinnengruppe wollte einem französischen sterbenden s c ch z i g j ä h r i g e n Grafen, der als freiwilliger Gemeiner diente, den letzten Willen für seine Frau aufschreiben. Dafür wurde sie„mit Donnerwetter angefahren". Der Abg. Traub deutet an, daß dies nur e i n Fall unter vielen sei, die ihm zu Ohren gekommen seien. Man wird ihm nur beistimmen können, wenn er hinzufügt: „Da hört jede Gerechtigkeit auf." Ein ganz unerhörter Vorfall ist es auch, der in einem kleinen bürgerlichen Blatte, dem in Lieben st ein in Sachsen-Meiningen erscheinenden„Stammgast" aus Ohrdruf gemeldet wird. Da heißt es: „Bei Ueberiübrung eines Transportes Gefangener nach dem hiesigen Truppenübungsplatz wurde ein Mitgeführter, angeblich ein Geistlicher auS Belgien, von der anfgebrachien Volksmenge gelyncdr. Er soll einer der Haupträdelssührer gewesen sein, die die belgischen Einwohner zum Schießen auf die deutschen Soldaten aufgestachelt halten. Ein in seiner Gefolgschaft befind- licher Kirchendiener wurde verprügelt, kam aber mit dem Leben davon. Der Pfarrer ist tot.' Wir wagen noch nicht, an die Wahrheit der Meldung zu glauben; aber sollte es mit ihr seine Richtigkeit haben, so könnte der Vorfall gar nicht scharf genug gebrand- markt lverdcn. Er würde von einer Verrohung zeugen, die unserer Kultur geradezu ins Gesicht schlüge. Wie konnte „die aufgebrachte Volksmenge" wissen, daß der Pfarrer ein Haupträdelsführer gewesen sei? Und was konnte sie dem Küster zum Vorwurf machen?— Aber auch angenommen, Pastor wie Küster hätten wirklich in Belgien gegen unsere Truppen gehetzt.— nie und nimmer kann das den Vorivand abgeben, daß jetzt plötzlich die Lynchjustiz wieder zu Recht und Ansehen kommen darf. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Behörden den Vorfall genau aufklären und alles tun würden, daß dergleichen tiefbeschämende Dinge nicht mehr geschehen können. Die Verantwortung für sie aber fällt auf diejenigen, die in der hier so oft schon gekennzeichneten Weise die Bevölke- rung gegen die Gefangenen aufzubringen versucht haben. WaS die Agrarier wünschen. Bekanntlich hat die Regierung im Anfang deS Krieges die Aushebung der Zölle und die Oeffnung der Grenze n für die ungehinderte Einfuhr von ausländischem Vieh beschloffen. Es galt, in diesen schweren Kriegszelten die Ernährung von Volk und Armee sicher zu stellen. Gewissen agrarischen Kreisen ging das naturgemäß sehr gegen den Strich, auch wenn zu erwarten war, daß die Zufuhr infolge des Krieges nur ganz gering sein würde. Jetzt ist man glücklich so weit, offen zu protestieren. Der Vorstand der Landwirtschastskammer für die Provinz Hannover hat in seiner jüngsten Vorstandssttzung einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Er will „mil Rücksicht darauf, daß das Angebot von Schkachttieren ein so großes ist, wie man es seit Jahren nicht gekannt hat, und die Preise überaus gedrückt sind, an zuständiger Stelle die Aufhebung der Einfuhr von ausländischem Vieh beantragen, da durch dies« Einfuhr ein weiteres Fallen der so überaus niedrigen Preise zu erwarten ist'. Von den„überaus niedrigen Preisen" dürften die weitesten Kreise der Konsumenten herzlich wenig merken. Die Oeffnung der Grenzen muß. auch wenn sie nur Unwesentliches zur Fleischvcrsorgung beiträgt, um jeden Preis beibehalten werden; es wäre geradezu frevelhaft, irgend eine Maß- nähme außer Kraft zu setzen, die dazu beitragen kann, der drohenden, vielfach schon zutage getretenen Not entgegen- zuwirken. Die Landwirte haben um so weniger Anlaß, eine derartige Forderung zu stellen, weil sie wie nur wenige andere durch den Krieg in die Lage gesetzt werden, Geschäfte zu machen und auch schon mannigfach daraus ihren Vorteil ge- zogen haben.__ Verbot einer konservativen Zeitung. Auf Anordnung des Königlichen Generalkommandos des VI. Armeekorps ist'das Erscheinen der„Brieger Zeitung" vom 4. bis 8. September verboten worden. Das Blatt ist nicht nur das amtliche Publikationsorgan der Zivil- behörden von Brieg, sondern auch das Sprachrohr des konservativen Abgeordneten Dr. O e r t e l für seinen Wahlkreis Brieg-NamSlau._ Der frühere Reichstagsabgeordnete Preist verhaftet. Wie der„Franks. Ztg," aus Kolmar gemeldet wird, ist dort der frühere Abgeordnete Preiß am 2. September verhasiet worden. Justtzrat Preiß vertrat von 1893 bis 1912 den Wahlkreis Kolmar im Reichslag, wo er Mitglied der elsässischen Partei war. Unterbringung der in Frankreich zurückgebliebenen Deutschen. Ueber den Aufenthalt der nacb der Kriegserklärung in Frankreich zurückgebliebenen Deutichsn und Oesterreicher gibt die am 19. August erschienene Nummer der„Humanits' die Auskunst, daß diese nach Orten gebracht werden, die dem Kriegsschauplatz fern sd. h, im Westen und Süden Frankreichs) liegen, so z. B. nach Chrneauroux und nach Nogaut-le-Rotrou. Ferner sind 1191 Personen— teils Reichsdeutsche, teils Oesterreicher allvr Nationaliläten und Berufe in dem Mckilärlager de la Courtine im Departement Creuse unter- gebracht worden, das von der Bahnlinie Monlhiqon-LimogeS� durch- schnilten wird. Der Marsch von der Bahn nach den militärischen Baulichkeiten hat sich in aller Stille ohne Zwischenfälle vollzogen. Die Inhaftierten werden auf Staatsanweisung verpflegt und hoben ein Anrecht auf 390 Gramm Kartoffeln und 600 Gramm Brot pro Person und Tag._ „Untertanen"-AuStausch. Zwischen der russischen und der deutschen Regierung ist, nach einer Meldung des Wolfsschen Telegraphenbureaus, ein Abkommen getroffen worden, durch das den beiderseitigen Untertanen gestattet wird, das feindliche Land zu verlassen. Diese Erlaubnis erstreckt sich nicht ans Offiziere, sowie auf Personen zwischen 17 und 1b Iah- ren und auf„Verdächtige". Letzte Nachrichten. Zur Räumung Lembergs. Wien, 7. September. kW. T. B.) Richtamtlich. Die!„Wiener Allgemeine Zeitung" erklärt in Besprechung der Räumung Lembergs: Von einer Ueberraschung der Heeresleitung durch Eintreten dieses Ereignisses kann gewiß nicht die Rede sein. Tie Räumung erfolgte methodisch ohne jegliche Ueberstnrzung!, als dringend gebotene und einzig richtige strategische Maßregel, deren weiteres Hinausschieben schwere Nachteile sowohl für die Armee wie für die Bevölkerung der Stadt hätte nach sich ziehen können. Wichtige militärische operative Rücksichten erheischten die Räu- mung der Stadt. Vom rein menschlichen Standpunkte und vom Gesichtspunkte der Opportunität hätte es wohl nicht den geringsten Sinn gehabt, die offene Stadt den Gefahren einer Beschießung auszusetzen. DaS Vertrauen aller Kreise der Bevölkerung zu unserer Armeeleitung ist so fest gelvurzclt und unerschütterlich, daß es wohl überflüssig wäre, die Zweckmäßigkeit und Unerläßlich- keit der erfolgten Maßregel eingebender zu begründen, als dies der amtliche Bericht besorgt hat. Hätte Lemberg eine militärische Wichtigkeit, so wäre diese Stadt gewiß nicht unbefestigt geblieben. Man wird es nur zu begreiflich finden, wenn die unmittelbar Betroffenen die Räumung ihrer Stadt schmerzvoll empfinden. Aber das Bewußtsein, daß sie das Opfer temporärer Heimlosigkeit dem Wohl der Gesamtheit bringen, wird auch sie in ihrem schweren Kummer aufrichten. Schließlich wird auch für sie die Stunde der Erlösung schlagen. Es hat keinen Sinn, um Städte trauern, wenn Reiche befestigt werden. Em Dementi. Wien, 7. September.(SB. T. B.) Der Kriegsfreiwillige Baron Eugen Bmder-Kriegelstein teilt mit, daß die Blätter- Meldung, wonach ein Kriegsberichterstatter seines Namen? von einem russischen General angeblich erschossen worden sei, sich nicht auf ihn beziehe._ Noch cm Opfer der Seemmen. Rotterdam. 7. September.(W. T. B.) Der„Rottcrdamsche Courant" meldet aus Trrneuzen: Das englische Srouffchiff „Pathfinder" ist auf dem Tynr bei Rewcastle auf eine Mine gestoßen und gesunken. Der Verlust an Menschenleben dürste groß sein.— EtöOv Serben gefangen. Wien, 7. September.(W. T. B., nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird amtlich gemeldet: Das Armeeoberkommando hat am 7. d. M. folgenden Befehl er- lassen: Es gereicht mir zur besonderen Freude, bekanntgeben zu können, daß ungefähr 400v Mann serbischer Truppen bei dem Versuche, östlich Mitrowitza in unser Gebiet ein- zubrechen, gefangen genommen wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde von unseren braven Truppen im Süden auch serbisches Kriegsmaterial erbeutet. Dies ist sofort allgemein zu verlautbaren. Erzherzog Friedrich, General der Infanterie. Nach späteren Meldungen erhöht sich die Zahl der bei Mitrowitza gefangenen Serben auf fünftausend. URANIA Taubenstr.] 4 Uhr: 48/49. Lüttich und das belgische Land. ( Kleine Preise.) 8 Uhr: Die Weichsel und die masur. Seen. Walhalla- Theater. Direktion: Bernhard Nose und Otto Kreimeyer. Täglich abends Große Vorstellung. 8 11hr: Zum Besten der Angebörigen unserer Truppen vor dem Feind. Im Tunnel: bei gänzlich freiem Eintritt täglich Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Heute Dienstag, den 8. September, abends 8½ Uhr, in ,, Funkes Gesellschaftshaus", Triftstr. 63: Oeffentliche Kommunalwähler- Versammlung. Tagesordnung: Gr. illustrierte patriot. Konzerte. Die Aufgaben der Gemeinde im Frieden und Krieg!" 2. Kapellen. 2 Kapellen Rose- Theater. 8 Uhr: Deutschland über alles. Reichshallen- Theater. 236/ 18* Referent: Reichstagsabg. und Stadtv. Emanuel Wurm. Ansprache des Kandidaten: Kaufmann May Seckelsohn. Zentralverband Stettiner Sänger! der Zivilmusiker Deutschlands. Glänzendes Programm. Anfang 8 Uhr. Sonntags7, Uhr Für Militär. personen und beren Angehörigen völlig freier Zutritt zu d. Stettiner Sängern und Theater. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 20. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Simon am Sonnabend, den 5. d. Mts., plötzlich am Herzschlage verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. September, nach mittags 22 Uhr, auf dem Ge. meinde Friedhof Mariendorfer Beg statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/11 Der Vorstand. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Hubert am Sonnabend, den 5. September, nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. September, nach mittags 3 Uhr, auf dem Neuen Pauls- Kirchhof an der Seestraße ( Plößensee) statt. Um rege Beteiligung bittet 50/8 Die Ortsverwaltung. Auf dem Felde der Ehre starb am 26. August cr. unfer Hausverwalter, Herr Albert Höpke den Heldentod fürs Baterland. Mit seiner tiefgebeugten Gattin betrauern wir in dem Berblichenen einen Mann von großer Herzensgüte und vornehmer Gesinnung. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 146 Der Einberufer: H. Müller, Gerichtstr. 71. Verein der Stereotypeure u. Galvanoplastiker Berlins und Umgegend. Sonntag, den 20. September, im Lokal„ Zum Alexandriner, Alexandrinenstr. 37a: Vereins- Versammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Mitteilungen. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Zur Beachtung! Da verschiedene Vertrauensleute zum Militär einberufen sind, werden die Mitteilungen" Nr. 8 nicht mit der Post ver sandt. Dieselben find im Berkehrstofal Restaurant Schirm, Charlotten straße 7/8, von dem Drudereitassierer abzuholen. 135 Deutscher Tabakarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 8. September, abends 8%, Uhr: Mitglieder- Verfammlung im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11-12. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1914. 2. Bericht der Verwaltung. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der außerordentlichen Umstände ersuchen wir die Kollegen und Kolleginnen, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. 187/ 10* Die Ortsverwaltung. Berlin SO. 16. Raucher! Raucher! England boykottiert deutsche Waren Unterstützt nicht englisches Kapital! Raucht keine Zigaretten vom englischen Tabaktrust, dessen Grossaktionäre 2 Million Mark für den englischen Kriegsfonds stifteten. Dieser in London ansässige Trust, der unser deutsches Tabakgewerbe unterjochen will, verfügt auch in Deutschland über eine Anzahl von Fabriken. Wer die Marken dieser Firmen raucht, trägt Geld in Feindesland! Beachten Sie den Aushang in Zigarrenläden und Lokalen. Büro zur Bekämpfung des Tabaktrustes in Gross- Berlin I. A.: Heinze. Kleine Anzeigen. Verkäufe. Die Bewohner des Haufes H.& P. Uder, Engel- Ufer 5.md Baletots aus feinften Maßftoffen Straße 45. Achtung! Friseure! Haupt- Niederlage der k. k. österr. Tabak- Regie. Heines Werke Arbeitsnachweis straße 73, 1. 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Linien. Geöffnet 9-11 Uhr vormittags. 288/3 Telephon Amt Norden 9319. Berliner Konzerthaus Mauerstr. 82. Heute: Zigarren Zigaretten Rauchtabake. 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Ref.- Inf.- Neg. 22: vert. 1 Mann. Ref.- Inf.- Reg. 24: verw. Mann. 44 Mann. von den Kindern des Proletariats so weit als möglich fern au furzem von den staatlichen Behörden genehmigten Tunnels am halten. Kaiser- Franz- Josef Plaz, durch den eine große Anzahl von Wer helfen will, finde fich um 9 Uhr früh in den Sammel- Linien der Großen Berliner und der städtischen Straßen stellen ein. bahnen geleitet werden soll, zu beginnen. Zunächst ist es da Die Zentralstelle der Kinderschutzkommission befindet sich Linden- bei erforderlich, die Straße Unter den Linden auf der Nordftraße 3, III. Hof, II. Aufgang. Aus Groß- Berlin. Zeichen der Not. Kürzlich wurde uns mitgeteilt, eine bürgerliche Dame, 1 Mann. Inf. Reg. 25: tot 1 Mann, verw. 2 Unteroff., 37 Mann. die einer Notstandskommission im Osten der Stadt angehört, -Inf.- Reg. 26: verw. 1 Mann.- Inf. Reg. 30: verw. 1 Unteroff., habe geäußert, sie sehe, daß Straßenhändler in dieser Gegend 12 Mann. Inf.- Reg. 41: tot 1 Mann; verw. 5 Unteroff., Bananen verkaufen und daß die Kuchenware in den Bäcker50 Mann. Juf.- Reg. 63: tot 2 Off., 1 Unteroff.; verw. 1 Mann. läden auch noch Käufer fände, also könne die Not nicht Ref.- Inf. Reg. 64: tot 2 Mann; verw. 3 Off., 5 Unteroff., groß sein. 37 Mann; verm. 1 Mann. Inf.- Reg. 70: tot 2 Unteroff., 4 Mann; O diese Einfalt! Sie sieht den Notstand erst, wenn hohlberw. 1 Off., 6 Unteroff., 45 Mann. Inf. Reg. 79: tot 1 Off., äugige, bleiche Jammergestalten in Lumpen gehüllt massen5 Mann. Inf. Reg. 83: tot 1 Unteroff., 3 Mann; verw. 2 Unter- haft durch die Straßen schleichen und das blasse Elend den off., 9 Mann; verm. 1 Mann. Füs.- Reg. 86: tot 1 Unteroff., Straßenpassanten auf Schritt und Tritt entgegengrinst. 1 Mann; verw. 5 Unteroff., 41 Mann; verm. 9 Mann. Ref.- Inf. So weit sind wir glücklicherweise noch nicht, und wir wollen Reg. 93: tot 1 Off., 1 Mann; verw. 1 Off., 1 Unteroff., 3 Mann; hoffen, daß wir auch nicht dahin kommen. Aufgabe der gegen berm. 5 Mann.Inf.- Reg. 96: tot 2 Mann; verw. 1 Unteroff., wärtig betriebenen Notstandsaktionen ist es ja, dem Ausbruch 2 Mann; verm. 5 Mann. Inf.- Reg. 111: verw. 4 Unteroff., 59 eines allgemeinen, drückenden Notstandes vorzubeugen. Wie Inf. Reg. 114: tot 1 Mann; verw. 1 Off., 5 Unteroff., weit das gelingt und ob es auf die Dauer möglich sein wird, Inf. Reg. 137: verw. 3 Unteroff., 21 Mann. Ersatz- fann jetzt noch niemand wissen. Doch das ist sicher: Tausende Bat. Inf.- Reg. 140: verm. 1 Mann. Inf. Reg. 144: tot 1 Mann; von Arbeiterfamilien werden schon jetzt von schwerer Not beverw. 3 Unteroff.; verm. 9 Mann.-Ersatz- Bat. Inf.- Reg. 145: drückt. Die ins Ungeheure gesteigerte Zahl der Arbeitslosen Inf. Reg. 151: verw 1 Unteroff., 4 Mann. beweist es. Was sie an Unterstügungen beziehen, reicht kaum Inf. Reg. 152: verw. 2 Mann. Inf. Reg. 153: verw. 2 Unteroff. hin, um die Familien vor dem Verhungern zu schüßen und -Inf.- Reg. 155: verw. 1 Mann. Inf. Reg. 156: verir. 1 Mann. nur die Hoffnung, hin und wieder eine vorübergehende ArJaf.- Reg. 159: verw. 1 Unteroff.- Inf- Reg. 160: verw. 1 Mann. beitsgelegenheit zu finden, hält die Notleidenden noch aufrecht. Gewiß: Auf der Straße, jedem sichtbar, zeigt sich das Elend noch nicht. Aber es haust in den Hofwohnungen der Proletarierviertel, und wer, wie unsere in der Notstandshilfe mitarbeitenden Genossinnen, Gelegenheit hat, Einblick zu be kommen in die Familien der Arbeits- und Mittellosen, der lernt erschütternde Elendsbilder kennen. Wohl wird durch anerkennenswerte Hilfsaktionen manchem Notleidenden für den Augenblick geholfen. Aber immer drängt sich dem Mitfühlenden die bange Frage auf: Was soll werden, wenn die für den Augenblick verscheuchte Sorge um Brot binnen kurzem mieder über die Schwelle tritt? berip. 1 Mann. Inf. Reg. 171: verm. 1 Mann. Inf. Reg. 173, Refr.- Dep.: tot 1 Mann. Juf.- Reg. 174: verw. 5 Off., 2 Unteroff., 12 Mann. Jäger- Bat. 2: verw. 3 Unteroff., 3 Mann.- Jäger- Bat. 8: tot 3 Unteroff., 17 Mann; verm. 1 Off., 8 Unteroff., 31 Mann. Garde- Masch.- Gew.- Abt. 2: verw. 2 Unteroff., 1 Mann. Jägerreg. zu Pferde 2: verw. 2 Mann. Jäger zu Pferde 5: verw. 2 Mann. Jäger zu Pferde 6: vert. 1 Unteroff., 3 Mann, tot 1 Mann. Erste mobile Landwehreskadron 5. Armeekorps: verw. 1 Offizier. Feld- Luftschiffer- Abt.: verm. 2 Off., 3 Unteroff., 5 Mann. Außerdem veröffentlicht der Reichsanzeiger" die Verluftliste Nr. 6 der sächsischen Armee. Sie enthält die Berluste des 3. Bat. des Inf.- Reg. 105, des Garde- Reiter- Reg., der reitenden Abt. des Feld- Art.- Reg. 12 und der Leichten Funkenstation 26. Ferner wird die Verlustliste Nr. 9 der württembergis ichen Armee bekanntgegeben. Sie enthält die Verluste der Inf. Reg. 126 und 180, der Drag.- Reg. 25 und 26, des UI.- Reg. 20 und der Landwehreskadrons 1 und 2. um seite zwischen der Universität und der Neuen Wache bis auf eine Breite von 15 Metern auf etwa drei Wochen zu sperren, in dieser Zeit den Teil des Tunnels zu überbrücken, über den die Straßenbahn vorläufig umzuleiten ist. Es werden hier durch freilich für den Verkehr manche Unbequemlichkeiten entstehen, die sich gerade in der jezigen Zeit besonders be merkbar machen werden. Wenn die Polizeibehörde trotzdem die nangriffnahme der Arbeiten genehmigt hat, so ließ sie sich hauptsächlich durch den Gedanken bestimmen, daß diese Tunnelarbeiten zahlreichen Arbeitslosen Gelegenheit zur Beschäftigung und Verdienst geben. Die Polizeibehörde wird sich genötigt sehen, bei Bedarf zeitweise, namentlich abends, den Wagenverkehr abzulenken und zwar die von Often herkommenden von der Schloßbrücke aus burd) die Straßen Am Zeughaus und Am Kupfergraben nach der Dorotheenstraße, und den von Westen kommenden westlich) vom Opernhaus. Gleichzeitig wird der Fußgängerverkehr in der Nähe des Bauzaunes geteilt werden müssen, so daß in beiden Richtungen an diesem nur rechts vorbeigegangen werden darf. Zwecklose Auseinandersetzungen. Aus der Deutschen Tageszeitung" vom Sonntag ersehen wir, daß der christlich- soziale Reichstagsabgeordnete Lic. Mumm am Mittwochabend im Gewerkschaftshause eine öffentliche Volksverjammlung abhalten wird mit dem Thema:" Der Weltkrieg und unser Bolt. 1870 Ginigung der Stämme, 1914 Ginigung der Stände". Wir glauben, daß unsere Parteigenossen in der jetzigen Zeit den Tag des Zahlabends besser verwenden können, als mit Herrn Mumm über seine sehr unmaßgeblichen Ansichten zu disfutieren. Die Neuköllner Arbeitslosenunterstützung. Die Vorsitzenden der Wohlfahrtsausschüsse beschlossen in einer gestrigen Sigung, vorläufig folgende wöchentliche Unterstützungen an Arbeitslofe zu gewähren: Für eine Person 4 M., für ein finderloses Ehepaar 6 M. und für jedes Kind 1 M. mehr, bis zur Höhe von 10 m. Die Unterstügungen sollen für zwei Wochen gleich bewilligt, aber jede Woche ausgezahlt werden. Ist die Notlage nicht behoben, jo tann furz vor Ablauf der bewilligten 14tägigen Unterſtügung ein neuer Antrag gestellt werden. Der Betrag fann in bar oder auch zum Teil in Naturalien gegeben werden, welche bei den oben erwähnten Sägen in Anrechnung gebracht werden. Diese Regelung ist zunächst als Provisorium gedacht, um einen leberblid über die benötigten Summen zu erhalten. In der Sitzung tam das Bestreben zum Ausdrud, wenn irgend möglich, noch über diese Säße hinauszugehen. 5. Garde- Feld- Art.- Reg.: verw. 1 Mann.- 6. Garde- Feld- Art.Reg.: verw. 2 Mann. 1. Inf.- Mun.- Kol. Gardekorps: verw. 1 Mann. 3. Garde- Reserve- Feld- Art.- Reg.: tot 1 Mann, verw. Doch nicht nur in den versteckten Winkeln der Hinter1 Mann, verm. 1 Mann. 5. Art.- Mun.- Kol. Garde- Ref.- Korps: häuſer grinst das Gespenst des Elends. Auch auf der Straße, tot 1 Mann, verm. 1 Mann. Feld- Art.- Reg. 5: verw. 1 Mann. in voller Deffentlichkeit machen sich bereits deutliche Zeichen -Feld- Art.Reg. 8: veriv. 1 Unteroff., 6 Mann.- Feld- Art.- Reg. eines drückenden Notstands bemerkbar. So herrscht zurzeit 19: verw. 1 Mann.- Feld- Art.- Reg. 25; tot 1 Mann, verw. eine außerordentlich starke Nachfrage nach dem minderwerti1 Off., 3 Unteroff., 8 Mann. Feld- Art.- Reg. 47: tot 1 Mann. gen Fleisch, welches zu verhältnismäßig billigen Preisen an Jeld- Art.- Reg. 56: tot 1 Off.- Feld- Art.- Reg. 76: tot 1 Unter- der Freibank des städtischen Schlachthofes verkauft wird. In off., 2 Mann; verw. 2 Off., 4 Mann. Scharen, zu Hunderten und Hunderten drängen sich die Menschen Tag für Tag nach diesem Nahrungsmittel von zweifelhafter Qualität. Als wir das Treiben vor der Frei- Kein neues Fernsprechverzeichnis. Die Herbstausgabe des Vers. bant beobachteten, wurde uns mitgeteilt, daß sich die Käufer zeichnisses der Teilnehmer an den Fernsprechnegen in Berlin und Schon um Mitternacht, ja schon früher einfinden, um nach der Umgegend fällt diesmal aus. Wegen der veränderten Verhältnisse um 8 Uhr morgens stattfindenden Eröffnung des Verkaufs Oberpostdirektion wird aber als Erfag zu derselben Zeit, zu der infolge des Krieges hat sich dies als zweckmäßig erwiesen. Die ein Stück minderwertigen Fleisches zu erstehen. Wir hielten sonst die Ottoberausgabe erscheint, einen zweiten Nachtrag zur diese Mitteilung für eine Uebertreibung, haben uns dann aber Frühjahrsausgabe erscheinen lassen. Dieser Nachtrag wird alle Anselbst überzeugt, daß es bittere Wahrheit ist. Wir fahen um schlüsse enthalten, die seit dem Abschluß des ersten Nachtrages, also die Mitternachtsstunde etwa hundert Personen der Eröffnung feit dem 9. Juli eingerichtet worden sind. In zweifelhaften Fällen der Freibank harren. Die Wermsten opfern ihre Nachtruhe, wende man sich an das Amt, und zwar, wo besondere Auskunftsum ein Stück der hier feilgebotenen Ware zu erlangen. Einige stellen bestehen an diese. Solche Stellen gibt es in Berlin, Berlins Einsichtnahme in die Verlustlisten! von ihnen saßen auf mitgebrachten Fußbänken und Feld- Steglitz, Berlin- Wilmersdorf, Charlottenburg und Neukölln. Bei den Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die stühlen, andere hodten auf dem Mauersims oder auf dem übrigen Aemtern geben die Aufsichtsbeamten Auskunft. amtlichen Verlustlisten vom heutigen Tage ab in unseren jämt- Straßenpflaster, fröstelnd in der herbstlich fühlen Nachtlust. Eine Mufitaufführung im Mariendorfer Kriegslazarett. Beim Morgengrauen rückten neue Scharen heran, meist lichen Zeitungsausgabestellen sowie in der Hauptexpedition zur Frauen, die sich auf den mitgebrachten Siggelegenheiten gerichteten Raum veranstaltete am Sonntagnachmittag die MufitIn dem von der Gemeinde Mariendorf als Kriegslazarett Her Einsichtnahme ausliegen. niederließen, einen Stridstrumpf hervorzogen und mit abteilung der Arbeiterjugend von Tempelhof Mariendorf ein fast flammen Fingern die Nadeln hantierten, die lange Wartezeit zweistündiges Violinen- und Mandolinenkonzert. Die Verwundeten mit nüzlicher Arbeit ausfüllend. Mit der Zeit hatten sich sowie das Verpflegungspersonal nahmen die Darbietungen diefer wohl 600 bis 800 Personen eingefunden. jungen Menschen mit großem Beifall und herzlichem Dant entgegen. In Ergänzung unserer Notiz in Nr. 239 vom 2. Sep- Schußmann erscheint. Er hat hier den Verkehr zu regeln. Die Die Stunde, wo der Verkauf beginnt, ist nahe. Ein Am Schluß richteten sie an die musikalischen Gäste die Bitte, recht bald wiederzufkommen. tember weisen wir unsere Leser darauf hin, daß von heute Wartenden erheben sich von ihren Sißen, nehmen ihre ab unsere sämtlichen Filialexpeditionen wie die Schemel und Bänkchen unter den Arm, stellen sich in einem Hauptexpedition Feldpost- Abonnements auf den ,, Vorwärts" zum Preise von Feldpost- Abonnements. 1,10 Mark monatlich Krankheit und Arbeitslosigkeit haben den 37 Jahre alten Ar beiter Robert Sulla aus der Utrechter Str. 8 in den Tod getrieben, langen, geordneten Buge auf. Um 8 Uhr werden die Türen Sonntagnachmittag erhängte er sich während der Abwesenheit seiner geöffnet. Truppweise, wie sie der Schußmann abteilt, drängen Frau in der Schlafftube am Bettpfosten. Als die Frau zurückkehrte, die Menschen in den Verkaufsstand. Beim Einkauf spielen war er bereits tot. Glück und Gunst eine Rolle. Eine Auswahl haben die Käufer entgegennehmen. Die Zeitung wird den im Felde Stehenden dem der ungeheure Andrang. Man opfert die Nachtruhe, um nicht. Was der Verkäufer gibt, muß man nehmen. Und troßvon unserer Hauptexpedition als Feldpostbrief täglich nach für 45 bis 55 Pf. ein Pfund Fleisch zu kaufen, welches unter begesandt. Bei Bestellung des Abonnements ist genau fonderen Vorsichtsmaßregeln zur menschlichen Nahrung geeignet anzugeben, welchem Armeekorps, Division, Brigade, ist. Und doch sind die Leute, die sich nach der Freibank drängen, Regiment, Bataillon, Kompagnie usw. der Empfänger Tausenden reicht es nicht einmal zu minderwertigem Fleisch angehört. Kinderfürsorge. Die infolge des Krieges hereingebrochene wirtschaftliche Not, die in den nächsten Wochen eine bedeutende Steigerung erfahren dürfte, wird vor allen auch den Kindern der zu den Waffen getember, in den beiden Jugendheimen statt. Wir bitten diejenigen Die Jugendweihe in Neukölln für die schulentlassenen seinder findet am Sonntag, den 27. Sep Eltern, deren Kinder daran teilnehmen sollen, fich spätestens bis zum 10. September bei Karl Bergmann, Allerstraße 46, und Karl Gräf, Donaustraße 129, zu melden. marke in unserer Nummer vom 8. September gebrachten Rotiz er noch nicht auf der tiefsten Stufe des Elends angelangt. Bei Auch die Särge werden teuerer. Zu der unter obiger SpitzSie müssen unter dem Druck der Not auf jeden Fleischgenuß halten wir vom Sargfabrikanten Herrn Otto Rosinsti, Lichtenberg, verzichten. Der Notstand hat trop aller Silfsaktionen einen Margaretenftr. 5, ein Schreiben, worin er nachzuweisen sucht, daß erschreckenden Umfang angenommen, und dabei stehen wir erst eine Preiserhöhung der Särge infolge Verteuerung der Rohmate am Anfang der ungeheuren Katastrophe, die über die Völker rialien sowie der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge von 1 M. auf 1,50 M. erforderlich sei. Auch eine Reihe anderer durch die gegen Europas hereingebrochen ist. wärtige Kriegslage herbeigeführter Umstände und geschäftlicher Erschwer nisse zwängen ihn zu einer Preiserhöhung der Fabrikate, Die Lankwiger Auskunftsstelle für die Frauen der Genossen, die Rathausdentsch. Wo alles bestrebt ist, Fremdwörter durch deutsche Berufenen oder brotlos gewordenen Arbeiter fühlbar. Bu der vorzeichnungen zu ersetzen, will auch die städtische Verwaltung im Felde stehen, befindet sich bei dem Genossen W. Richter, Raifernehmsten Aufgaben aller Institutionen, die berufen find, während nicht fehlen. des Krieges die daheim Gebliebenen vor der äußersten wirtschaft verordnetenversammlung steht an der Spike die Erledigung stehen, wird dort Hilfe vermittelt. Auf der Tagesordnung der nächsten Stadt Wilhelm- Str. 35. Auch denjenigen Frauen, welche vor dem Umzug lichen Bedrängnis zu bewahren, hat die Kinderschutzkommission der von Einbürgerungsgesuchen. Früher lautete die Arbeiterschaft sich der Kinder der besiglosen Klasse angenommen und Bezeichnung Naturalisationsgesuch. Wie so oft, wenn man eine großzügige Kinderfürsorge eingerichtet. Jedem Kinderfreunde lacht das Herz, wenn er die glücklichen Ein Naturalisationsgesuch ist nicht ohne weiteres ein Einunter allen Umständen verdeutschen will, greift man daneben. Gesichter der Kleinen sieht, welche in der sicheren Obhut unserer bürgerungsgesuch, sondern ein Gesuch eines Ausländers um oferwilligen Genoffinnen sich vergnügen, die springen und spielen, Gewährung der deutschen Reichs angehörigkeit. In solchen die den Märchenerzählungen lauschen und mit sichtlichem Behagen gemeinsam ihre Mahlzeiten verzehren. Die Sammelstellen sind: 1. und 3. Kreis. Sebastianstr. 39. 2. Kreis. Nostizstr. 29; Schönleinstr. 6. 4. Kreis. Waldemaritr. 75; Reichenberger Str. 147; Stoppenstr. 29; Memeler Sh. 67; Jofthstr. 7. 5. Kreis. Neue Stönigstr. 7; Naugarder Straße, Ede Zelterstraße. 6. Kreis. Schwedter Str. 23/24; Stastanien- Allee 7-9; Badstr. 16; Badstraße 19; Schulstraße 29; Müllerstr. 67; Nordufer 10; TurmStraße 25/26. Gewerkschaftliches. Die Unterstützung der Arbeitslosen. Fällen muß die Gemeinde gutachtlich gehört werden im Hin- Durch Verhandlungen zwischen Vertretern des Magistrats blick auf etwaige Lasten, welche der Gemeinde erwachsen könnten. der Stadt Berlin, der Landesversicherungsanstalt Berlin und Bürger wird man, wenn man als Reichsangehöriger eine der Berliner Gewerkschaften ist die Unterstützung der Arbeitsbestimmte Zeit am Drte ansässig ist und die Staats- lofen aus Mitteln der Landesversicherungsanstalt Berlin angehörigkeit besitzt. Wer Reichsangehöriger ist und die folgendermaßen geregelt worden: Staatsangehörigkeit erwerben will, wird letztere erhalten, ohne daß die Gemeinde gefragt wird. Es ist also nicht richtig, das Wort Naturalisationsgesuch in das Wort Einbürgerungsgesuch zu übersehen. Voraussetzung ist, daß der Arbeitslose mindestens 26 Wochen innerhalb des letzten Jahres Beiträge zur Landesversicherungsanstalt Berlin geleistet hat. Miteingerechnet in diese 26 Wochen wird die Dauer einer bescheinigten Krankheit sowie die Dauer einer militärischen Uebung innerhalb der letzten 52 Wochen. Weitere Voraussetzung ist, daß der Arbeitslose verheiratet ist oder durch seinen Erwerb den Unterhalt einer Familie ge Die Spiele finden täglich für vorschulpflichtige Kinder von 8 Uhr bormittags bis 6 Uhr abends statt, außer Sonntags. Die Mütter Der Tunnelbau Unter den Linden. fönnen an den Zusammenfünften teilnehmen. Alle, die die Hände Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit: Der Berliner einigermaßen frei haben, müssen dazu beitragen, die Not der Beit Magistrat beabsichtigt, in diesen Zagen mit dem Bau des vor tragen hat, Der Wohnort des Arbeitslosen spielt keine Rolle. Es können also alle Arbeitslosen, die vorstehende Bedingungen er- füllen, Anspruch auf den Zuschuß der Landesversicherungs- anstalt erheben, gleichgültig, ob sie in Berlin oder in einem Vorort wohnen. Die Gewerkschaftsmitglieder, die obige Voraussetzungen er- füllt haben und Anspruch auf Unterstützung aus Mitteln der Landesversicherungsanstalt erheben wollen, können die für diese Zwecke auszufüllenden Fragebogen bei den Vorständen ihrer Organisationen erhalten., Ten Vorständen der Gewerkschaften gehen in den nächsten Tagen die betreffenden Fragebogen zu. Der genaue Termin, von dem ab Anträge auf Unterstützung gestellt werden können, wird von uns noch bekanntgegeben, sowie derselbe festgesetzt ist. Ter Ausschuß der Gewerkschaftskommission. Y. A.: Alwin Körsten. Serlin unü UmgegenS. Unterstützungen im Gemeindearbeiterverband. Wie am Freitag in der Versammlung der Filiale Berlin be- richtet wurde, hat sich die Verbandsleitung mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse veranlaßt gesehen, folgende Aenderun- gen im Unterstntzungswesen eintreten zu lassen: Ttrcik- und Ge- mahregeltenunterstützung werden aufgehoben. Krankenunterstützung in Höhe von 7,5l) M. erhalten Mitglieder, die keine Unterstützung aus einer Krankenkasse beziehen. 3,75 M. wöchentlich erhalten kranke Mitglieder, deren Bezüge 75 Proz. des Lohnes nicht über- steigen. Die Arbeitslosenunterstützung bleibt in voller Höhe(4—8 Wochen a 7,50 M.) bestehen. Das Sterbegeld wird auf die Hälfte herabgesetzt, es beträgt also in der 1. und 2. Klasse 30—75 M., in der 3. Klasse 22,50—56,25 Dt. Das Sterbegeld der Ehegatten be- trägt die Hälfte dieser Sätze. Für die zum Heere eingezogenen Mitglieder ruhen sämtliche statutenmäßigen Unterstützungen. Die Familien der Einberufenen, welche mindestens 26 Wochcnbeiträge entrichtet haben, erhalten folgende Beihilfen: Wenn die Reichs-, Kommunal- und Arbcitgeberunterstützung weniger als 50 Proz. des Lohnes beträgt, erhalten alleinstehende Frauen monatlich 4 M.> Ehefrauen mit Kindern'monatlich 5 M. und für jedes Kind 50 Pf. Zuschlag. Erhält die Ehefrau nur die Reichsunterstützung, so zahlt der Verband monatlich 7 M. und für jedes Kind 50 Pf.— Alle vorstehenden Sätze gewährt nach dem Beschlutz des Verbandsvor- standes die H a u p t k a s s e. Dazu beantragt die Ortsverwaltung noch folgende Sätze aus der Lokal lasse: Krankenunterstützung nach den Beschlüssen des Hauptvorstandes. Zuschuß zum Sterbegeld für Ehegatten 50 Proz. der bisherigen Sätze, das macht 15—37,50 M. in der 1. und 2. Klasse. Kindersterbegeld 15—25 M. Der Lokalzuschlag zur Arbeitslosen. Unterstützung wird von 3 M. auf 50 Pf. wöchentlich herabgesetzt. Die nach Ablauf der Leistungen der Hauptkassc gewährte Arbeits- losenuntcrstützung wird für die 1. Klasse auf 8 M., für die 2. Klasse auf 6,50 M. herabgesetzt. Die ausgesteuerten Mitglieder erhalten vorläufig auf 4 Woöhen in der 1. Klasse 8 M., in der 2. Klasse 6,50 M. pro Woche. Bezugsberechtigte Mitglieder, die den städtischen Zuschuß zur Arbeitslosenunterstützung nicht bekommen, erhalten aus der Lokalkasse einen Zuschuß von 2,50 M. wöchentlich.— Für die Familien der zum Heere Eingezogenen gewährt die Lokalkasse: Sterbegeld für Kinder 15— 25 M., Sterbegeld für Ehefrauen 30 M., Sterbegeld für im Kriege gefallene Mitglieder 30 M.— Zuschuß zur Verbandsunterstützung für Kinder monatlich 1 M. Notstandsunterstützung auf Antrag in Höhe von 5, 7 und 10 M. Die vom Referenten vorgetragenen Maßnahmen riefen eine ausgedehnte Diskussion hervor. Mehrere Redner gaben ihrer Uu- Zufriedenheit mit der Herabsetzung der Unterstützungen Ausdruck. Sie meinten, da die städtischen Betriebe keine Entlassungen vor- nehmen, so werde der Verband von der Arbeitslosigkeit nicht oder fast nicht betroffen, also sei die Verminderung der Unterstützungs- sätze nicht gerechtfertigt. Die im Felde stehenden Mitglieder konnten mit Recht erwarten, daß der Verband ihre Familien unterstütze.— Diesem Standpunkt wurde vom Vorstande entgegengehalten, daß ein großer Teil der Mitglieder zum Heere eingezogen sei und die Einnahmen des Verbandes dadurch stark zurückgehen. Dement. sprechend müßten auch die Ausgaben eingeschränkt werden. In anderen Orten mache sich schon eine größere Arbeitslosigkeit bei den Verbandsmitgliedern bemerkbar. Wenn daS in Berlin bis jetzt noch nicht der Fall sei, so müsse man doch damit rechnen, daß auch hier noch eine fühlbare Arbeitslosigkeit eintreten könne. Es sei also nötig, sich mit den vorhandenen Mitteln den Verhältnissen entsprechend einzurichten.— Vertreter des Hauptvorstandes wandten steh dagegen, daß die Ortsverwaltung besondere Unterstützungen aus der Lokalkasse beantragt. In allen anderen Gewerkschaften seien die örtlichen Zuschläge aufgehoben worden, um eine für alle Mitglieder gleichmäßige Unterstützung zu gewähren. ES sei nicht zu billigen, daß die Berliner Ortsverwaltung miS der Reihe tanze. Im Interesse der Allgemeinheit sollten die Berliner Mitglieder darauf verzichten, in dieser Zeit eine Ausnahmestellung im Unter- stützungSwesen einzunehmen. Nach Schluß der Debatte stimmt« die Versammlung einstimmig den Vorschlägen der Ortsverwallung zu. Achtung, Metallarbeiter? Die Firma Sommerfeld, Berlin SO., Skalitzer Straße, hat für die Militärbehörde Feld- flaschen herzustellen. Für diese Arbeit gab es bislang 2 M. Sck>leiferlohn pro 100 Stück. Der Preis für diese Arbeit sollte auf l M. herabgesetzt werden, was sich natürlich die Schleifer nicht gefallen ließen und die Herstellung der Arbeit verweigerten. Es darf wohl als sicher angenommen werden, daß die Militärbehörde in der gegenwärtigen Zeit auf eine nicht besonders gut bezahlte Arbeit einen Abzug nicht gemacht hat. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltung Berlin. Im Berliner Malergcwerbc hat die Arbeitslosigkeit einen solchen Umfang angenommen, daß das Lrtstarifamt sich genötigt sieht, zur Milderung des entstandenen Notstandes die siebenstündige Winterarbeitszeit schoii� vom 7. September an einzuführen. Ueber- stunden-, Nacht- und Sonntagsarbeit darf von den sieben Stunden täglich beschäftigten Gehilfen nicht mehr ausgeführt werden; wo solche unumgänglich notwendig ist, soll die Arbeit in Wechselschicht ausgeführt werden. Wird diese Wechselschicht dem Ortstarifamt rechtzeitig gemeldet, so ist nur der tarifmäßige Lohn, also keine Zulage zu zahlen, wenn die betreffenden Arbeiter nicht mehr als 42 Stunden wöchentlich gearbeitet haben. Der Tarifvertrag bleibt sonst in allen Punkten bestehen. Die beschlossenen Sonder- bestimmungen gelten nur für die Dauer des Krieges. Achtung, Töpfer! Im Einverständnis mit unseren Unter- nehmerorganisationen weisen wir nochmals ganz besonders darauf hin, daß die Bestimmungen des Lohntarifs voll und ganz aufrecht zu erhalten sind. Etwaige Verstöße gegen den Lohntarif sind sofort zu melden. Weiter werden hiermit die Kollegen verpflichtet, uns am Mon- tag, den 14. September d. I., sämtliche Bauten- von Groß-Berlin zu melden, wo zurzeit Töpferarbeiten ausgeführt werden. Dies kann telephonisch geschehen. Ferner geben»vir bekamit, daß von Donnerstag, den 10. d. M., ab da? Bureau sowie der Arbeitsnachweis wieder in der alten Weis« geöffnet sind, und zwar von 10—1 Uhr und von 4—7 Uhr, des Sonnabends dagegen von 8—1 Uhr und von 4—6 Uhr. Die Verbandsleitung. Die Berliner Steinsetzer hielten in den Sophiensälen eine Ver- sammlung ab, in welcher die von der Schlichtungskommission für den Tarifbezirk getroffenen Maßnahmen und Aenderungen im Unterstützungswesen während des.Krieges erörtert wurden. Die Arbeitslosenunterstützung ist folgendermaßen geregelt: Nach einer Mitgliedschaft von 1 bis 4 Jahren beträgt die wöchentliche Unter- stützung 4 M., nach 5 bis 10 Jahren beträgt sie 5 M. und bei über 10 Jahre Mitgliedschaft beträgt sie 7 M. pro Woche. Den Familien der eingezogenen Mitglieder soll auf Antrag eine Not- fallunterstützung bis zur Höhe von 20 M. gewährt werden, die in Raten ausgezahlt wird. Invalide Mitglieder erhalten 6 M. pro Monat. Der Vorsitzende Arlt führte aus, daß die Mittel für diese Unterstützungen der Arbeitslofenkasfe, dem Tariffonds und der Filialkasfe entnommen werden sollen. Die genannten Unter- stützungen sollen bis zum 24. Dezember gewährt werden. Mit dieser Regelung des Unterstützungswesens erklärte sich die Versammlung nach längerer Diskussion einverstanden. Weiter wurde über die Erhebung eines Extrabeitrages der in Arbeit stehenden Mitglieder verhandelt. Diese Extrabeiträge sollen nach den Ausführungen des Gauleiters Schenke eine Summe aufbringen, aus deren Be- stände im harten Winter die bitterste Not der Mitglieder nach Kräften gelindert werden soll. Eine Beschlußfassung über die Höhe dieses zu erhebenden Extrabeitrages wurde ausgesetzt, da in allen zu dem Tarifbezirk Groß-Berlin gehörenden Filialen dieser einheitlich sein muß. Zur Regelung dieser Frage und zur Eni- gegennahme weiterer Beschlüsse der Schlichtungskommission findet eine außerordentliche Versammlung statt. Achtung, stlastwirtsgebilfen! Von mehreren Seiten sind der Vcrbandsleitung Klagen darüber zugegangen, daß verschiedene Gastwirte, mit denen der Verband über die Arbeitsverhältnisse der Angestellten Vereinbarungen und Tarife abgeschlossen hat, sich nicht scheue», die augenblickliche schwere Zeit dazu zu benutzen, um Tarife und Vereinbarungen zu brechen und Verschlechterungen der Arbeitsverhältnisse der Angestellten und persönliche Vorteile der Unternehmer durchzusetzen. Die seitens der Leitung des Ver- bandes angestellten Ermittelungen ergaben die Berechtigung der Beschwerden. Tie in Betracht kommenden Gastwirte haben sich einfach, ohne mit der Organisation Rücksprache zu nehmen, über alle Vereinbarungen hinweggesetzt, und zwar zum Nachteil der Angestellten. Angesichts dieser Vorkommnisse und angesichts der schweren Zeit, die jetzt über die Bevölkerung hereingebrochen ist, richten wir an alle Kollegen die dringende Mahnung, auf dem Tarif zu be- stehen. Die darin vorgesehenen Löhne sind schon sehr gering. Tie Organisation wird zu geeigneter Zeit auf die erfolgten Maßnahmen und unwürdigen Anforderungen dieser Herren entsprechend zu antworten wissen. Verband der Gastwirtsgehilfen. Deutsches Reich. Das Tteindrnckgewerbe und der Krieg. Durch den Krieg wird besonders stark daS deutsche Steindruckgewerbe geschädigt, schon deshalb, weil dieses zum überwiegen- den Teil Erportgewerbe ist. Eine ganze Reihe von Betrieben haben schon ihre Tätigkeit vollständig oder größtenteils einstellen müssen, während andere, die für den lokalen oder Inlandsbedarf arbeiten, zurzeit in beschränktem Umfange noch weiter arbeiten können. Die Vorstände des Fachvcrbandes und des Schutzverbandes deutscher Steindruckereibesitzer haben jetzt an ihre Mitglieder einen Aufruf erlassen, in dem die Bitte ausgesprochen wird, BetriebSeinschrän- kungen nur in dem allernotwendiMen Maße vorzunehmen»nd durch Schichtwechsel usw. möglichst allen Arbeitern noch einen Ver- dienst zukommen zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß diesem Appell nachgekommen würde und die Steindruckereibesitzer die vorgenommsncn großen Betriebs- einschränkungen verringern, denn die Arbeitslosigkeit im Gewerbe ist außerordentlich groß. Nach der letzten Zusammenstellung des Verbandes der Lithographen und Steindrucker vom 1. September hat die Arbeitslosigkeit seit der vorhergehenden Statistik vom 16. August noch weiter zugenommen. Hiernach sind von rund 16 500 Mitgliedern 3323 zum Militär eingezogen, 2950 arbeiten nur halbe Tage und nur 2527 haben das Glück, noch volle Tage arbeiten zu dürfen. Die übrigen 7691 sind arbeitslos! Ein Teil davon ist allerdings krank gemeldet. Die Not der Lithographen und Steindrucker ist daher groß, aus welchem Grunde es dringend erwünscht ist, daß mehr Arbeitsgelegenheit geschaffen würde. Kuslanü. Eine Konferenz der holländischen Gewerkschaften, in der 44 Orte vertreten waren, beschäftigte sich in poriger Woche ein- gehend mit den durch die gegenwärtige Lage gebotenen Maßnabmen zur Äufrechterhaltuna der Organisationen und� Eicherstellun ihrer Leistungsfähigkeit, soweit dies nur irgend möglich ist. Nach dem»Het VolT wurde in der Diskussion besonderer Wert darauf gelegt, daß die Unterstützung aus den allgemeinen, von bürgerlicher Seite unterstützten Fonds usw. nicht den Charakter einer Armen- Unterstützung bekommen möchten. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß unseren Gewerkschaftsvertretern ein weitgehendes Mitbesttinmungsrecht eingeräumt ist, so zwar, daß sie die AuS- zahlung der Unterstützungen aus diesen Fonds an ihre Mitglieder selbst besorgen können.__ Soziales. GcwerLegehilfe oder Handlungsgehilfe? Die vielumstnttene Frage: Gehören Verkäuferinnen in Fleisch- und Wurstwarengeschäften— sogenannte Schlachte r- mamsells— zur Zuständigkeit des Gewcrbegerichts? hat gestern die Kammer 6 des hiesigen Gewerbegerichts unter Vor- sitz des Magistratsrats Schultz verneint. Es handelt sich um die Gehaltsforderung einer solchen Ver- käuferin gegen die Firma Morgenstern. Zur Zuständigkeits- frage führte der Vertreter der Firma auS: die Klägerin habe nicht nur verkauft, sondern auch beim Säubern der Geräte geholfen. Vor allem aber sei die Tätigkeit der Klägerin um deswillen alz eine gewerbliche anzusehen, weil sie die Ware auch aufgeschnitten habe. DaS Gericht kam aber zu dem Beschluß, die Streitsache dem KausmannSgericht zu überweisen, denn die Klägerin sei in der Hauptsache als Handlungsgehilfin beschäftigt gewesen. BundcSratSbesihlüsse. Durch Verordnungen des Bundesrats ist auf Grund des§ 3 des Gesetzes über die Ermächtigung de? Bundesrats zu Wirtschaft- lichen Maßnahmen die früher ablaufende Amtsdauer der Ver- treter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Versicherungsbehörden und Versicherungsträgern sowie der nichtständigen Mitglieder des Reichsvcrsicherungsamts bis zum 31. Dezember 1915 verlän- gert. Bis zu demselben Datum ist die Frist verlängert, für welche die Festsetzung der Ortslöhne im ganzen Reiche gilt.(Z 151 Abs. 1 R.V.O.)_ Arbeitsvertrag und Krieg. Die neueste Nummer(36) deS.CorrespondenzblatteS" hält feine irrige Ansicht aufrecht, die unserer Darlegung entgegensteht, daß einen wichtigen Grund zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses in keinem Fall der Kriegszustand bildet. Seine falsche Ansicht begründet daS Blatt mit der liebenswürdigen Bemerkung, unsere Auffassung sei um so bedauerlicher, als wir auf rechtlichem Gebiete die Dinge nicht sehen, wie sie sind, sondern wie wir sie gern haben möchten. Diese irreführende, verkehrte Ansicht des„Correspon- denzblattes" zeigt, wie mehrere andere Artikel, daß das„Correspon- denzblatt" noch immer von der irrigen Ansicht ausgeht, beim Verzug deS Gläubigers komme eS auf ein Verschulden oder auf ein sub- jektiveS Unvermögen zur Annahme an. Wir haben neulich schon erwähnt, daß dem nicht so ist. Eine ausführliche Begründung gegenüber der früheren falschen Ansicht kann daS„Correspondenz- Blatt" im Gewerbe- und KausmannSgericht vom 1. August 1900 nachlesen. Nach dem Erscheinen jenes Artikels war nur hier und da die falsche, jetzt wieder auslebende, dem Arbeiter ungünstige Auf- fassung anzutreffen. Unsere Auffassung deckt sich mit der Auf- fassung deS Reichsgerichts und anderer bedeutenderen Kommen- tatoren. Der Angriff des.Correspondenzblattes" gegen die Hal- tung deS„Vorwärts" auf rechtlichem Gebiet beruht auf völliger Verkennung der Sachlage. Wir haben es stets für unsere Aufgabe erachtet, das, was aus dem Gesetz für die Arbeiterklasse zu deren Gunsten folgt, mit Hartnäckigkeit zu verfechten und freuen uns, hierin Erfolg gehabt zu haben. Wir erinnern cm die jahrzehntelang umstrittene Frage, ob auf Umwegen daS Verbot einer Aufrechnung gegen den Lohn zu erreichen sei. Diese Frage ist gleichfalls vorm Reichsgericht in dem von unS dargelegten Sinne zugunsten des Arbeiters entschieden. Das„Correspondenzblatt" bedauert auch noch, daß sich der „Vorwärts" der„ungewollten Irreführung seiner Leser in seinen Rechtsausführungcn über das Mietrecht" schuldig gemacht habe. Hier folgt das„Correspondenzblatt" der Auffassung des Oberpräfi- denten. Ihr sind wir bereits am 20. vorigen Monats ent- gegengetreten. In voller Deutlichkeit und Ausführlich- keil der jetzt vom„Correspondenzblatt" wieder aufgenommenen sal- scheu Behauptung des Oberpräsidenten entgegenzutreten, unsere Ausführung sei irreführend, vermögen wir leider infolge der Zensurverhältnisse und der durch den Oberbefehlshaber in den Marken uns gegenüber aus Anlaß des Artikels vom 20. vorigen Monats erteilten dringlichen Mabnung, den Oberpräsidcnten nicht anzugreifen, nicht voll nachzukommen. Wir beschränken uns auf die Bemerkung, daß im Gegensatz zu der leider irreführenden Notiz des„Correspondenz- blatte»" die Darlegungen, die der„Vorwärts" über die Mietverhältnisse gemacht hat, als zu- treffend von einer Reihe Gerichte anerkannt sl n d. Unser Befremden darüber möchten wir nicht zurückhalten, daß in dieser Zeit, wo mehr als je die Festhaltung der wenigen Rechte der ärmeren Bevölkerung dringende Pflicht ist, daS„Correspondenzblatt", wenn auch ungewollt, uns bei der Erfüllung unserer Pflicht in den Arm fällt. Mus Industrie und Handel. Tie Kohlenförderung. Nach vorläufiger Feststellung wird man die Förderung im ersten Kricgsinonat im Durchschnitt auf 45— 50 Proz. der Beteiligungsziffer zu rechnen haben, während der Absatz sich auf etwa 30—35 Proz. stellt. Die wochcnlange Stockung des ganzen Verkehr? verhinderte den vollen Absatz der Förderung im abgelaufenen Monat, was im September fraglos der Fall sein wird, nachdem die Wagcngestellungsziffer wieder auf 13 000 Wagen pro Arbeits- tag gestiegen ist. Der Versand erstreckt sich fast ausschließlich aus Lieferung für Heeres- und Marinezwecke. ES sind starke Mengen gestürzt worden, daneben war es nötig, auch an verschiedenen Tagen zu feiern. Ter Bedarf beschränkt sich auf Stückkohlen und grobe?tüsse 1 und 2, die die Marine bezieht, während die Eisen- bahn bestmelierte Kohlen erhält. Soweit die Bestände auf Waggon? gelagert waren, haben sie inzwischen durch den aufgenommenen Versand Abgang gefunden. Große Vorräte sammeln sich in Koks- kohlen an, die in immer stärkerem Ueberfluß vorhanden sind. Die Stillegung der Koksöfen nimmt weiteren Umfang an. Auch der Brikettabsatz war im August gering; er betrug etwa 25 Proz. der Beteiligung. Die Herstellung ist stark eingeschränkt, es wird auch ein großer Teil gelagert. Fraglos wird der Absatz in den folgen- den Monaten sich wieder heben. StaatSbauten in England. Nach der„Holzwelt" hat England 80 Millionen Mark für den Bau von Häusern und Arbeiter« Wohnungen bewilligt, um den durch den Krieg arbeitslos Ge- wordenen Arbeit zu verschaffen. Parteiveranstaltungen. NiedersÄSnhanscn- Nordend. Mittwoch, den S. September, bei Monte, Beulh-, Ecke Chorlottenstrag«: Mitgliederverliunmlung. Tage»- Ordnung: Bericht über die Maßnahmen der Gemeindevertretung und de» Kriegsausschusses und anderes. Stralau. Mittwoch, den 9. September, bei Stesnicke, Alt-Stralau S: Gemeinschasllicher Zahlabend für alle Bczirlc. Friedrichssclde. Mittwoch, abends 8'l, Uhr: Gemeinsamer Zahlnbcnd bei Sudbrink, Berliner Straße. Jugendiektion Tempelhof-Wiariendorf. In der beute abend statt- findenden Sitzung im Restaurant Becker. Tempeldos, Berliner Str. 86/87, hält Genosse Kaufmann einen Vortrag über:„Reiseeindrücke in Rußland und Frankreich."— Sonntag, den 13. d. MI«., findet«ine Wanderung der Seltion nach Mahlow-Birkholz statt. Treffpunkt für Tempelhos: Kanalbrücke, Berliner Straße; für Mariendorf: Dorf-, Ecke Chausseestraße.■— Düste willkommen. Biesdorf. Mittwoch, g. September: Zahlabend im Lokal von Hirtc, Marzahner Str. 4. Tagesordnung:„Der Krieosausschuß von Biesdorf". Ober-Tchöneweide. Mittwoch, den 9. September: Gemeinschaftlicher Zahlabend im grogen Saale de» WilhelminenhoseS, Wilhelminenhos- straße. Tagesordnung:„Ferdinand Lassalle zum Gedächtnis". Referent: Ed. Bernstein. Fredersdorf- Petershagen. Während de» Kriege» gemeinsamer Zahlabend in jedem Monat bei Kirchner am Bahnhos. Jugendveranstaltuuge». Für arbeitslose junge Arbeiter und Arbeiterinnen finden jeden Mittwochvormittag Muscumsbesuche unter sachkundiger Führung statt. Morgen Mittwoch, den g. September: Besichtigung de» Museums für Naturkunde. Trestpunkl: vormittags'/,tt Uhr, vor dem Museum, Invaliden- straße 43, irgendwelche Unlostcn entstehen nicht. Alle arbeit»losen jungen Arbeiter und Arbeiterinnen mögen sich daher an diesen in Zukunft reget« mäßig stattfindenden Veranstaltungen beteilige»! Trmprlhof. Mittwoch, den 9, d, MIS.: Dortrag de» Kollegen H. Schöulant über:„Zeilgeschichtc".— Somiiaa, den 13. d. MtS., vec- anstaliet die Jugendselston eine Wanderimg nach Birkholz.— Keine Fahr- kosten. Treffpunkt: früh 7 Uhr, an der Kanalbrücke, Berliner Straße. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Aiahlsdorf au der Oftbahn. Donnerstag, den 10. September, abends 7'/, Uhr, im RalhauS, Beschlußsassung über Maßnahmen zur Linde- rung der durch den Krieg verursachten Notlage der Angehirigen hiesiger Gemeinde. Diese Sitzungen find össeittlich. Jeder Gcmcindcangehörige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Sriefkasten üer Reüaktion. Dl« suristische Sprechstunde findet Lindenftraße 69, vorn vier Treppe« — Fahrsttchl—, wochentäglich am Montag bi» Freitag von 3 bi» 6 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr, statt. Jeder für den Briefkasten bf stimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkjeichen beizu- füge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Ausragen, denen keine Abonnemcntsquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen wage man In der Sprechstunde vor. Jost. Die Frau kann bis ipätestenS am 3. Oktober zum t. Januar kündigen. Sie kann ihr Kündigungsrecht auch jetzt schon ausüben. Ein weitergehendes Recht steht ihr leider nicht zu.— H. W. lyv. Leider nein.— Meier. Der Wirt ist im Recht. Der Vertrag gilt in Ihrem Falle weiter. Sie könnten für den Klagesall nur Zahlungsfrist verlangen. Suchen Sie sich zu einigen.— Mectiantter. Treptow 100. Fordern Sie den Wirt aus, nun endlich innerhalb einer Woche das Ungeziefer zu eniscrnen. widrigenfalls Sie aus Aufhebung deS Mietsvertrages und aus Schadenersatz Ilagen werden.— C. ist. 38. 1. und 2. Nein. 3. Ja. Wetteransstchtcn für daß mittlere Norddeutschland dt» Mittwochmittag: In den Tagesstunden überall ziemlich warm und vorwiegend heiter, später, besonders im Küstengebiete, vom Westen nach Osten fortschreitende Trübung und geringe Abkühlung, ohne erhebliche Niederschläge.