Hr. 247.- 31. m«*. BbonncmcntS'lkdingungen: Abonnements> Preis pränumerando: Pierleljährl.»#0 MI. monotl. UO Ml. wöchentlich 26 Psg. frei in» Hau». Einzeln» Nummer 5 Plfl. SonntagK- nummer mit illuitrierlcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 P'q. Posl- Abonnement: l.l0 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post» Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deulichland und Oesterreich- Ungarn 2.60 Marl, lllr das ädrige Ausland i Marl pro Monat. Poslabonnementi neymen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Ruoiänien, Schweden und die Schweiz. SIchliM»glich. Berliner Volksblnkt. f 5 Pfennig) Die Insertion;-Ledilhi' 2«trägt für die lechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Nauni 00 Psg., fSr politische und gewerlschaftliche Verein?. und VersnmmluugS-Anzeigcn 00 Pig. „kleine Mnieigen", das fettgedruclle Wort 20 Psg. izulässig 2fettgedruclie Worte), jede» weitere Wort in Pia Stellengesuche und Schlafstellen,!! zeigen da» erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über töVuci staben zählen Mr zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis � Uhr nachmittags in der Erpcditton abgegeben werden. Die Expedition' bis 7 Uhr abends geösfnet. ist Telegramm- Adresse: „Sozlaldcinohrat Rtrlln". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Ltndenstrasac 69. Fernsprecher! Amt Moritzplay, Nr. 1383. Donnerstag, den 10. September 1914. Expedition: 8Rl. 68» lUndenstraöse 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 1384. Eine neue Schlacht bei Lemberg. Die öeutfthe Invasion. Ueber den Stand und Aussichten des deutschen Vor- morsches in Frankreich finden sich in der„Wiener Arbeiter- zeiwng" folgende interessante Ausführungen: ...... Der deutsche Generalstab ist der wortkargste und schweigsamste von allen. Wir haben jetzt ein neues Beispiel dafür. Nach den„Times" haben sich bei Amiens dreitägige Kämpfe abgespielt, deren Ergebnis die Besetzung der Stadt durch die Deutschen war, und die Deutschen sind dann bis Ereil und Senlis im Departement Oise vorgedrungen, zwei Orten, die von dem äußeren Fortgürtel von Paris etwa dreißig Kilometer entfernt liegen. Diese Tatsachen hat der deutsche Generalstabsbericht nicht mitgeteilt. Er schweigt seit Wochen über die Vorgänge in Französisch-Lothringen und im Elsaß, aber auch wo er redet, begnügt er sich mit zwei oder drei Zeilen eine Schlacht anzuzeigen, die einige Tage dauert und in der Hunderttausende einander gegenübertreten. Wenn man von allem absieht, was an offiziöser Polemik gegen die englisch-französrschen Meldungen, was über Löwen und die Dumdumgeschosse und ähnliches veröffentlicht wurde, und nur zusammenstellt, was der Generalstab über die gewaltigen Kämpfe, die die deutschen Truppen im Westen und Nord- Westen nahe an Paris herangeführt haben, bisher verlautbart hat. so werden damit kaum zwei Seiten dieser Zeiwng zu füllen sein... � Es ist durchaus notwendig, sich das zu vergegenwärtigen, um zu erkennen, auf welcher schmalen Grundlage alle die Schlüsse ruhen, die aus der Kriegslage im Westen zu ziehen versucht werden. Nicht vergessen darf auch werden, daß uns jede klare Vorstellung über die von den Deutschen im Westen aufgebotenen Heersmassen fehlt. Wir wisfren nur, daß das deutsche Heer in sieben Armeen geteilt ist, wozu noch als eine abgesonderte Kraftgruppe die Streitkräfte zu zählen sind, die zur Beobachwng von Antwerpen verwendet werden. Von der Feldarmee erster Linie hat Deutschland im Westen höchstens einundzwanzig Armeekorps versammelt. Aber daß diese nur einen Bruchteil der gewaltigen Streitmacht ausmachen, sagt eine einfache Erwägung. Nach den Berichten des Generalstabes standen zum Beispiel der Armee des bayrischen Kronprinzen auf dem Schlachtfeld in Lothringen ackst französische Armeekorps gegenüber, gleichfalls acht Armee- korps in den Kämpfen bei Namur und Cambrai den Armeen Bülows und Hausens und zehn Armeekorps hat vor einigen Tagen in der Schlacht bei Reims die Armee des deutschen Kronprinzen zurückgeworfen. Mißt man nach diesen An- gaben die Stärke der deutschen Armeen, so ist klar, daß iede von ihnen oder wenigstens die genannten weit über die Stärke von drei Armeekorps hinausreichen'Missen wie denn sowohl aus den Verlustlisten hervorgeht, daß Resett�- und Landwehrformationen im größten Umfang an der Offensive nach Frankreich teilnehmen., So fehlen uns denn alle Daten, ohne die ein gegründetes Urteil zum Ding der Unmöglichkeit wird. Wir haben nur das Bild eines ununterbrochenen Siegeszuges, eines fast hemmungslosen Vormarsches der fünf nördlichen Armeen, der sie mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit tief in das französische Land und vor die Tore von Paris gefuhrt hat. Der ganze Nordosten Frankreichs ist nahezu ,n deutschen Händen. Als Ebenbild scheint sich der vollständige und m dieser Art fast unbegreifliche Zusammenbruch der franzo- fischen Widerstandskraft darzubieten. ... Will man behaupten, daß die franzosische Heeres- leitung mit dem Rückzug nach dem Süden den Plan der- folgt, sich auf günstigem Boden zu neuem Wider- stand zu sammeln, so nmß doch dazu bemerkt werden Tiocfi bor tocnicicn biejer S-Bibctitcinb tu die dazu vorbereitete zweite �Bef�tigungslinie Las re, Laon, Reims verlegt wurde, und hier ist der~u?iitand nach drei Tagen niedergebrochen. Auch gegen die Armeen der Generalobersten Kluck und Bulow wurde, wie wir setzt erfahrei, bei Amiens unglücklich gekämpft.�.�r Ruckz� ut eme Wirkung des Schlachtengeschicks, nicht deS freien EntscAusies Von der Armee des Kronprinzen ��r sagt der deutsche Bericht ausdrücklich, sie setze die Verfolgung des �Mers fort. Und dann die rasche Räumung der Festungen. � � wurde, ließ sich noch anhören, daß wcm iesten ü latzen nicht unnütz Streitkräfte festlegen wolle. Obwoh l dam 1 1,) r�kr ch selbst seinen Glauben an die heilbringende Macht der Befesti gungen, die ihm so viel Geld gekostet haben, durch die Ta Widerruft. Allein daß Festungen geräumt werden, die durchwegs die wichtigsten Verbindungslinien des vordringenden deutschen Heeres sperren würden, deren Niederringung den Vormarsch der Deutschen verzögern und ein großes Aufgebot von Streit- kräften verursachen würde, daß mit einem Wort Festungen auf- gegeben werden wie Reims, Laon und alle die Forts auf den Straßen- und Eisenbahnlinien von Belgien nach Frankreich und gegen Paris, das kann mit der Erklärung, man wolle die mobilen Streitkräfte nicht verzetteln, doch nur recht mühsam be- gründet werden. Vom Niedergang de? ftanzösischen Waffen- ruhmS zu reden, wie eS ein deutsches Blatt tut, ist vielleicht noch zu voreilig, namentlich wenn man das immerhin anders geartete Bild der Vorgänge in Lothringen und an der Grenze von Elsaß betrachtet. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht entschlagen, als ob eine tiefe moralifche Erschütterung das französische Heer ergriffen hätte. Diese pflegt ja stets die Wirkung schwerer, ernster Niederlagen zu sein, und darin liegt die hohe Bedeutnug der Aufmarschschlachten. Das außerordent- sich rasche Nachrücken der Deutschen entspricht vielleicht gerade dem Bestreben, den Gegner nicht zu Atem kommen, ihm die Zeit zur Sammlung und zur moralischen Wiederhorstellung, in der, wie Bernhardi sagt,„der Wille zum Siege wieder Form und Handlung gewinnt", nicht mehr zu gönnen. Es ist eine außerordentliche, fast beängssigende Kühnheit in dem Vormarsch der Deutschen und vielleicht werden schon die nächsten Kämpfe, die ihre Entscheidung möglicherweise im Rücken des lothringi- schen Festungsgürtels suchen werden, uns sagen, ob die Rech- nung stimmt. Denn vor der vielgestaltigen Mannigfaltigkeit deS Wirklichen und seiner UnauSmeßbarkeit verweigern die theoretische Lehre und das Beispiel der Geschichte die Antwort. die deutschen Gperatlonsabsichten. Von der holländischen Grenze meldet die„Konische Zeitung" über die Vorgänge in Paris, laut Meldungen des Amsterdamer „Telcgraaf", folgendes: Sachverständige sehen das Ziel der deutschen Operationen in einer Vernichtung des Feldheeres, während der Einnahme von Paris eine untergeordnete strategische Bedeutung bei- gemessen werde. Dir Abschwcnkung der deutschen Armeen nach Süden wird als sehr wesentlich und bedenklich angesehen. Die ftanzösische« Truppen zwischen Toul und Epinal würden da- durch gezwungen, sich zurückzuziehen, so daß die deutschen Truppen in Lothringen vorrücken könnten. Ein Tagesbefehl ües Generals Joffre. Paris, 8. September. jW. T. B.) Amtliche Meldung. Der ftanzösische Generalissimus hat an die Truppe» folgenden Tagesbefehl erlassen: Es ist jetzt nicht mehr der Augenblick, rückwärts zu schauen, sondern anzugreifen, den Feind zurück- zudräugcn und daS gewonnene Terrain zu behaupten, koste es, wa» eS wolle. Joffre unö Kitchener. London, L. September.(W. T. B.) General I 0 f f r e hat Kitchener ein Telegramm gesandt, in dem er ihm herzlich für die dauernde Unterstützung dankt, welche die britischen Truppen der französischen Armee während des ganzen Verlaufes der Operationen gewährt hätten. Diese Unterstützung sei in diesem Augenblick von höchstem Wert, und sie komme aufs kräftigste in dem Kampfe zum Ausdruck, der jetzt gegen den deutschen rechten Flügel im Gange sei. Lord Kitchener sagte in seiner Antwort, die britische Armee fteue sich, mit der französischen zusammenwirken zu können und England sei stolz auf die hohe Aufgabe, sein« Unterstützung gewähren zu dürfen, auf die General Joffte stets vertrauensvoll zählen könne. Die beschlagnahme öer französischen Flugzeuge in Reims. Wie amtlich mitgeteilt worden ist, haben unsere deutschen Truppen bei der Einnahme von Reims auch das Militär-Flugzeug- depot besetzt und dabei eine wertvolle und unserer Fliegertruppe sicherlich nicht unerwünschte'Beute gebracht.' 10 Eindecker, 20 Doppeldecker und eine Anzahl der auch in Deutschland bekannten Gnome-Motorcn fielen in die Hände der Eroberer. Besonders die Motoren, die in den.Gnome-Werken hergestellt werden, find recht gut verwendbar. Wenn sie auch erheblich mehr BetriebSstoffc brauchen, als unsere deutschen Maschinen, so zeichnen sie sidi doch durch Betriebssicherheit auS. Auch die 20 erbeuteten Doppeldecker, die meist nach dem Typ Maurice Farman gebaut sind, sind recht wohl verwendbar. Die Steuerung und Bedienung der Fhigzeugc unterscheidet sich von der deutscher Militärmaschinen nicht so stari, daß unsere Offiziere die Apparate nicht ohne weitere? steuern könnten. Der Verlust der 80 Flugzeuge und der Reservemotoren wäre für die Franzosen wohl noch zu verschmerzen, wenn nicht die Ein- nahm« von ReimS für ihre Heeresluftfahrt einen viel schwererer Schaden bedeuten würde. Reims ist gewissermaßen die Zentrale deS Militärflugwesens in Frankreich gewesen und von dort au wurden alle Operationen der Luftflotte vorbereitet und geleitet In Reims, das einen großen, ausgezeichnet unterhaltenen und mii allen Hilfsmitteln versehenen Militärflugplatz mit einer Offizier- fliegerschule besaß, war in Friedenszeiten eine Kompagnie Fliege untergebracht. Neuerdings aber hatte man Reims zum Mittel Punkt der Fliegerei gemacht und nicht weniger als drei Flieger- kompagnien mit allem Zubehör dort untergebracht. Die franzö- fische Flicgerkompagnie zerfällt in sechs Einheiten, die sogenannte» Geschwader, deren jedes wieder acht Flugzeuge umfaßt. Von diese» acht Apparaten sind sechs für den beständigen Bedarf bestimmi während die restlichen zwei für den Mobilmachungsfall und a> Reserven eingestellt werden. Für jedes Flugzeug ist ein Automobil vorgesehen, das bei großen Transporten den Apparat anhängt und mit Geschwindigkeiten von 30 bis 40 Kilometer in der Stunde übcr die Landstraße bringt. Da? Auto enthält auch Motorenreservetei!' und eine kleine Werkstätte. Jedem Geschwader ist außerdem ei» großes Werkstaitautomobil beigegeben. Die Detachements de» Reimser Fliegerlagers befinden sich in Verdun, Toul, Epinal und Belfort, umfassen also den äußeren Festungsgürtel aus der Süd- front. Durch die Einnahme von ReimS sind also die wichtigen Festungen nicht mehr in der Lage, von der Zentrale Nachliese- rungen von Mannschaften, Material, Brennstoffen usw. zu bezichc», Ohne Zweifel ist unseren Truppen auch der nicht unerhebliche Automobilpark in die Hände gefallen, der gute Dienste leisten kann. Kämpfe in Selgien. PariS, S. September.(W. T. B.) AuS O st e n d e wird vom 7. September gemeldet: Die Deutschen gingen gestern nord westlich von Brüssel zwischen Gent und Antwerpen vor. Aste Verbindungen zwischen diesen beiden Städten sind unterbrochen. Bei G v r d e g r m in der Nähe von Wetteren fand gestern ein Gefecht statt. Tie Belgier mußten sich vor der feindlichen Ueber- macht zurückziehen. Der Kommandant Comminck ist gefallen. das vorgelänöe von Antwerpen unter Vasier. Antwerpen, 9. September.(©. T. B.) Wie gemeldet wirb, s-N das südlich von Antwerpen liegende Land in einer Ausdehnung von 7V Quadratmeilcn überschwemmt werden, um die Deutschen am Einmarsch zu hindern. Die Wassertiefe wird zwischen einige:, Zoll und mehreren Fuß schwanken. Gent von öen deutschen befetzt. Haag, 8. September.(W. T. B.) Nach hiesigen Meldungen ist Gent von deutschen Truppen besetzt worden. Der Bürgermeister zog den Truppen entgegen und bat, man möge die Stadt schonen. Gent ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Ost» flandern und hat rund 17l) Einwohner. Sie ist eine der interessantesten gotischen Städte und stand im Mittelalter in hoher Blüte. Sie war in ftüheren Jahrhunderten sehr häufig der Schauplatz schwerer innerer Wirren, denn neben den reichen Kaufherren und Tuchindustriellen gab eS hier unruhige Arbeitermassen, die man als Vorläufer de» modernen Jndustrieproletariats bezeichnen kann. Die Stadt beteiligte sich auch sehr stark an dem Befreiungskrieg de, Niederländer vom spanischen Joch. Im spanischen Erbfolge kriege wurde die Stadt von Dezember 1708 bis Januar 170!! von Malborugh belagert und kapitulierte. Die Stadt ist jetzt nicht mehr befestigt. Vor dem Kriege bestand ei» starker Handelsverkehr mit Deutschland, besonders mit Blumen und Pflanzen. Frankfurt a. M., 0. September.(W. T. B., nichtamtlich,) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Amsterdam: General Bowith hat von der Stadt Gent die Lieferung von 10 000 Lite» Benzin, 1000 Liter Mineralwasser, 150 000 Kilogramm Hafer, ven Fahrrädern, Auwreserveteilen und 100 000 Zigarren gefordert, die Stadt aber mit weiteren Kriegsabgaben und dem Durchzuge von Truppen verschont- Bald nachdem der Bürgermeister von seiner Unterredung mit dem deutschen General zurückgekehrt war, feuerte ein auf einem Automobil befestigtes Maschinengewehr in Gent auf zwei deutsche Offiziere, von denen einer getötet und der andere verwundet wurde. Ter Bürgermeister fuhr sofort wieder zu dem deutschen General, um etwaige üble Folgen dieses Mißverständnisses ab- zuwenden. Crschoffener Spion. Ostcndc, 8. Sepiember. sW. T. B.) DaS Kriegsgericht ver- urteilte den am 4. August verhafteten Spion Ehrhardt zum Tode; er wurde erschossen. Englische Jurcht vor deutschen Luftangriffen. Nach einer Meldung der„Times" liegt, wie der„Kölnischen Zeitung" aus Holland berichtet wird, der Marine die Verteidigung Londons gegen einen Angriff aus der Luft ob. Wasserflugzeuge unternehmen Strcifflüge an der Ostküste Englands. Nachts arbeiten Scheinwerfer. Auf Staatsgebänden und Kasernen wurden Geschütze aufgestellt. Flugzeuge werden bereit gehalten, um feindliche Ueber- fälle abzuschlagen. die ersten Gpfer von Paris. Auf dem Pere-Lachense, dem berühmten Friedhof von Paris, liegt auf einer Marmorplatte die in Erz gegossene Gestalt eines jungen Mannes. Seine bürgerliche Kleidung zeigt die Mode von 1870, der Hut ist ihm entfallen und während die Rechte noch den Stock umkrampft, hängt die Linke erschlaffend herab. Auf den Zügen ruht noch nicht die Starre des Todes und die Brust scheint noch leise zu atmen und doch fühlen wir die Unabwendbarkeit des Verhängnisses, das sich an dem Jüngling erfüllt hat. Drunten, sechs Fuß tiefer, liegt das erste Opfer der Belagerung von 1870, gefallen auf den Wällen von Paris I Bierundvierzig Jahre lang sah Paris den Frieden. Am 3<1. August 1014 aber nahte sich zum erstenmal wieder der Feind. Er kam mit dem Winde über die Wolken her und warf von dort das erste todbringende Geschoß. Wir lesen, daß an diesem Tage, einem Sonntag, ein deutscher Flieger über Paris erschien, er kreiste stundenlang 2000 Meter hoch in den Lüften und warf drei Bomben. Die eine fiel, ohne weiteren Schaden anzurichten, auf eine Druckerei, die zweite fiel vor einem Bäckermeister nieder, der an der Kasse saß; er wurde durch Splitter leicht verwundet. Tie dritte siel in die Rue des Recollets; es gab eine heftige Ex- plosion und als die Vorübergehenden herbeieilten, fanden sie zwei Frauen schwer verwundet am Boden. Die Rue des Recollets liegt in der Nähe des Pariser Nord- bahnhofcs, in einer Gegend, die jedem Deutschen, der einmal die französische Hauptstadt besuchte, wohlbekannt ist..Mancher wird sich auch des kleinen Gäßchens erinnern, das den Faubourg-Saint- Martin mit dem Quai Valmp verlandet. ES ist eine kleinbürger- liche Gegend, man weiß dort wenig von Politik, die weit drüben am Quai dQrsay gemacht wird. Und die beiden Frauen, die die ersten Opfer der kommenden Belagerung lvaren, tragen keine Schuld an dem verhängnisvollen Bündnis mit Rußland. Wir haben uns seit einem Monat an vieles gewöhnt. Aber uns schauert doch die Haut, wenn wir an die Szene in der Rue des Recollets denken. Und kein Mensch in Deutschland wird sich des Gefühls tiefschmerzlichen Bedauerns darüber erwehren, daß es gerade zivci arme unschuldige Frauen waren, die das Opfer des ersten Angriffs auf die feindliche Hauptstadt geworden sind. Wir hören von irgendwo eine rauhe Stimme sprechen:„Was wollt ihr. das ist der KricgI" Ja, wir wissen, das ist der Krieg, ' der ungeheure Krieg von'1914, der in drei Weltteilen zu Wasser, zu Lande und in der Luft geführt wird; der Krieg, in dem Völker um ihr Dasein ringen; der Krieg, der kein Erbarmen kennt. Und nicht um Sentimentalitäten zu wecken, für die kein Räum bleibt in dieser eisenharten Zeit, nein, nur um uns selbst zur Ehrlich- kei t zu mahnen, wollen wir uns das Bild jener armen Geschöpfe vor Augen führen, die der zerschmetternde Stoß des deutschen Fliegers erreicht hat. Daß diese Bombenwürfe sein mußten, will uns nicht in den Sinn. Jedenfalls aber wollen wir den Fall der Bomben nicht mit moralischen Sonntagspredigten begleiten, wir wollen die 42-Zcntimeter-Geschosse nicht in Traktätchcn wickeln, wir wollen dem Feinde nicht seine Schlechtigkeit vorhalten, während wir uns mit Tugenden brüsten. Wir wollen nicht sittlich entrüstet sein dar- über, daß auch andere Leute nur noch ein Ziel kennen, nämlich ihr Vaterland zu verteidigen. Den Wert der Mittel, die dabei angewendet werden, �entscheidet der Erfolg allein und nicht der Sittenrichter. Denkt deshalb an die ersten Opfer von Paris und — richtet nicht I__ Die Vum-dum-Geschosse. Als vor kaum Jahresfrist die Balkankriege tobten, da glaubte mau die mit ihnen verbundenen Greuel auf das Konto der halb- asiatischen Völker setzen zu müssen. Jetzt zeigt aber der Weltkrieg der„Kulturnationen", daß die Kultur des 20. Jahrhunderts so gut wie vollständig versagt, soweit die Art der Kriegssührung in Betracht kommt. Das zeigt sich besonders in der Verwendung von Dum» TumMeschossen. Die Regierungen, die ihren Soldaten solch mörde- rische Geschosse, wie es die Dum-Dum-Geschosse sind, ausliefern, lassen sich dadurch Grausamkeiten zuschulden kommen, gegen die die Kulturmenschheit einmütig protestieren müßte. lieber die Dum-Dum-Geschosse wird in dem„Handbuch für Heer und Flotte" des Generals v. Alten folgendes gesagt: „In Jägerkreiscn werden, um großes Wild umzubringen. Halb- mantel- und Hohlspitzgeschosse angewendet, die breite und unförmige Wunden rissen.„Als im Tschitralseldzug gegen die wilden Gebirgs- stämme südlich des Pamir das Mantelgeschoß des Metfordgewehrs lVl 89 einen Mangel an aufhaltender Kraft zeigte, fertigte die Staatsfabrik Dumdum bei Kalkutta derartige Geschosse für das Militärgewehr, die daher ihren Namen tragen." Ursprünglich waren es Hohlmantelgeschosse mit geschlitztem Mantel, später Hohlspitz- geschosse.„Sämtliche Blei- und Hohlspitzgeschosse geben in klein. kalibrigcn Gewehren mit hoher Anfangsgeschwindigkeit und auf Entfernungen bis zu 200 Meter ausgebreitete, zerrissene und zer- fetzte Wunden, die schwerer sind als alle bisher beobachteten, eine Folge des Zusammenwirkens der gesteigerten Wucht und der De- sormierung deS Blcikerns." Das Blei des Geschosses besitzt infolge seines hohen spezifischen Gewichts großes Beharrungsvermögen und vermag beim Ein- schlagen den Geschoßmantel, wenn er vorn abgefeilt, eingeschnitten oder ausgehöhlt ist, an der Spitze zu sprengen. Das Dum-Dum- geschah wirkt also wie ein Sprenggeschoß. Nun ist aber der Ge- brauch von Sprenggeschossen unter 400 Gramm Gewicht durch das Petersburger Abkommen vom 4. November 1808 völkerrechtlich ver- boten worden. Das hat jedoch nur zur Folge gehabt, daß England das ursprüngliche Geschoß durch ein anderes mit gleicher Spreng- Wirkung ersetzte. England hat sowohl im Sudanfeldzug als auch im Burenkrieg Tum-Tum-Geschosse verwendet. Die Haager Konferenz von 1899 hat sich mit den Dum-Dum» Geschossen besonders beschäftigt und in ihrer dritten Erklärung ausgesprochen: „Die vertragschließenden Mächte unterwerfen sich gegen- seitig dem Verbot, Geschosse zu verwenden, die sich leicht im menschlichen Körper ausdehnen oder plattdrücken, derart wie die Geschosse mit hartem Mantel, der den Kern nicht ganz umhüllt oder mit Einschnitten versehen ist." Diese Erklärung ist von Belgien und Frankreich unterzeichnet; insoweit s i e also Dum-Dum-Geschosse gebrauchen lassen, liegt ein handgreiflicher Völkerrechtsbruch vor. England allerdings ist jener Erklärung nicht beigetreten. Aber auch England ist mindestens moralisch gebunden, da es das Petersburger Abkommen von 1808 unterzeichnet hatte und das Dum-Dum-Geschoh ein Sprenggeschoß der Wirkung nach ist, wenn es auch keinen Sprengstoff enthält. Und außerdem hat England das Abkommen der zweiten Genfer Konfc- renz vom 18. Oktober 1907 unterzeichnet, mitsamt der„Ordnung der Gesetze und Gebräuche des Landkrieges", in deren Artikel 23 Abs. 1 Nr. e verboten ist„de r Gebrauch von Waffen, Ge- schössen oder Stoffen, die geeignet sind, unnötige Leiden zu verursache n". Unnötige Leiden zu verursachen und die Heilung zu erschweren, das ist Zweck und Wirkung der Dum-Dum-Geschosse. Im übrigen ist ihr Gebrauch um so schrecklicher, als sie nur aus kurze Entfer- nungen verwendbar sind. Bei der durch die starke Reibung erzeugten Hitze beginnt das Blei bald zu schmelzen. Schon bei 000 Meter verliert es die Eigenschaft, um derentwillen es eingeführt wurde. „Dagegen ist die Durchschlagskraft gegenüber den Mantelgeschossen. auf ein Viertel herabgesetzt. Die Treffgenauigkeit und die Flug- bahnverhältnisse sind über 800 Meter hinaus so unterlegen, daß solche Geschosse gegenüber europäisch bewaffneten Truppen über- Haupt nicht in Frage kommen." ** Berlin, 9. September.(W. T. nichtamtlich.) In den Taschen gefangener französischer Soldaten, insbesondere bei Schirmcck, Moni- mcdy und Longwp, hat man zahlreiche Stahlmantelgeschossc ge- fundcn, die auf maschinellem Wege an der Spitze mit einer S Milli- meter weiten und 7 Millimeter tiefen Bohrung verschen sind. Bei Fort Longwh ist eine maschinelle Einrichtung vorgefunden, die dazu gedient hat, die Geschosse fertiger Patronen in der bezeichneten Wrise zu verändern; auch sind dort ganze Kisten mit solchen Patronen er- beutet worden. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dah Patronen in dieser Form von der französischen Heeresverwaltung an Truppen ausgegeben sind. Bei derartigen Hohlsvibengeschossen, die im all- gemeinen unter dem Namen Tum-Tum-Geschosse bekannt lind, tritt beim Aufschlagen der weichere Blcikcrn vorn heraus, schlägt sich breit und verursacht dadurch besonders grausame und mit unnötigen Leiden verbundene Verwundungen; das gleiche gilt von dem auf- gerissenen Gcschoßmantel, der schwere Zerreißungen körperlicher Gewebe hervorruft. Andere bei gefangenen Franzosen vorgefundene Patronen sind teils durch Einkerben mit stark hervortretenden Graten versehen, teils an den Spitzen abgekniffen, teils sogar gespalten. Militärische Untersuchung hat festgestellt, daß Mannschaften auf Befehl ihrer Offiziere Patronen in dieser Weise behandelt haben. Auch Geschosse dieser Art können ähnliche unnötige Pcrwundungen verursachen, wie sogenannte Tum-Tum-Geschosse. Der Gebrauch aller solcher Geschosse ist nach völkerrechtlichen Grundsätzen verboten, insbesondere nach Artikel 23 Abs. 1e Haagcc Landkriegsordnung und nach Haager Erklärung vom 29. Juli 1899, betreffend Verbot von Geschossen, die sich leicht im menschlichen Körper ausdehnen oder plattdrücken. vom öfterreichisch-russischen Kriegsschauplatz. Heginn einer neuen Schlacht in der Geegnü von Lemberg. Wolfis Tclcgraphenburcau meldet nichtamtlich: Wien, 9. September. Amtlich wird verlautbart. Im Räume von Lemberg hat eine neue Schlacht begonnen. Der Stellervertretcr des Ehefs des Generalstabes. v. H o e f e r, Generalmajor. das Wiener K. K. Telegr. Korr.-dureau gegen die Petersburger Telegraphen- Agentur. Wien, 8. Sept.(W. T. 93., nicht amtlich.) Die Petersburger Telegr.-Agentur hat die vorn Wiener K. K. Telegr. Korresp.- Bureau gemeldeten Siege der Armee Auffenberg bei Zamosc und Tyszowce dementiert und gleichzeitig von einem Riesensieg der Russen bei Lemberg sowie dort gemachter reicher Beute, von 79000 Kriegsgefangenen, der Eroberung von Hunderten von Geschützen usw. zu melden gewußt. Demgegenüber ist das Wiener K. K. Telegr. Korresp.-Bureau ermächtigt, zu erklären, daß bei Lemberg überbaupt keine Schlacht stattgefunden hat. daher von einem russischen Siege nicht gesprochen werden kann. Wie bereits gemeldet, wurde Lemberg von den österreichischen Truppen aus strategischen Griinden freiwillig geräumt. Ebenso sind die Berichte von reicher Beute der Russen und von 70 000 Gefangenen vollkommen aus der Luft gegriffen, es wäre denn. daß die russischen Truppen sämtliche Einwohner der Stadt Lemberg als Kriegsgefangene betrachten, um eine recht im- panierende Zahl herauszubekommen. Was die Erfolge der in Rußland siegreich vorgedrungenen Armeen betrifft, so genügt es, auf die entsprechenden ersten Meldungen des österreichisch- ungarischen Armeeoberkomniandos hinzuweisen, die seither glücklicherweise durch neue Erfolge nur bestätigt worden sind. Der Petersburger Telegraphen-Agentur wird es auch durch das bunteste Lügengewebe nicht gelingen, die Siege unserer Armee wettzumachen. In einem noch-wortreicheren und fast eine Spalte füllen- den Expos«* wendet sich das K. K. Telegr. Korr.-93ureau auch noch gegen serbische Behauptungen. Wir verzichten auf die Wiedergabc dieser langatmigen und pathetischen Aus- führungen._ Der Seekrieg. deutsche Schiffe vor üem englischen Prisengericht. London, 4. September. sW. T. B.) Da? erste Prisen- 8 e r i ch t hat eine Sitzung nbgehnlten. Der Gerichtshof entschied Aber die deutsche Bark„Chile", die vor Ausbruch des Krieges in Cardiff lag und dort beschlagnahmt wurde. Die Entscheidung lautete, das Schiff solle bis aus weiteres festgehalten werden. Ein gleiches Urteil fällte der Gerichtshof über die deutschen Schiffe „Rh l and",„Angela",„Katharina",„Rbcnania", „Altjr",„Scrak" und„Weser". Der Schoner„Else" wurde als Prise erklärt und seine Abschätzuug zum Bertauf an- geordnet. Krsnzer-Kleintrieg. Englische Blätter melden, daß der kleine Kreuzer „Karlsruhe" in diesen Tagen ein kleines Scharmützel mit englischen Kreuzern zu bestehen hatte. Der kleine Kreuzer„Dresden" hat, einer eng- lischen Meldung zufolge, an der Mste Brasiliens den eng- fischen Kohlendampfer„Holmwood", der eine wertvolle Kohlcnladung an Bord führte, zum Sinken gebracht. Der Kreuzer machte sich gleich nach Ausbruch des Krieges dadurch � bemerkbar, daß er in den Gewässern Nordamerikas den eng- fischen Schnelldampfer„Maurctania", der vermutlich als Hilfskreuzer ausgestattet war, verfolgte und ihn zwang, die Nähe eines schützenden Hafens aufzusuchen. Neue Opfer üer Seeminen. London, 8. September.(W. T. B.)(Meldung des Reuter- scheu Bureaus.) Zwei weitere Schlepper sind in der Nordsee auf Minen gelaufen und gesunken. Es handelt sich um die Schlepper„Imperialist" und „Revigo". Zwei Mann der Besatzung des„Imperialist" werden vermißt. Abmachungen zwischen Englanü unö Norü- amerika. London, 7. September.(W. T. B> Die„Tmres" melden aus Washington vom 4. September: Die britische Regierung hat unter Vorbehalt ihrer gesetzmäßigen Reckte der Anregung der amerikanischen Regierung ihre Zustimmung gegeben, daß keine britischen Handels schisse, die, wenn auch nur zu Verteidigungszwecken, in i t Kanonen a u S g e r ü st c t sind, amerikanische Häfen anlaufen s ollen. Das SiaalSdepariement hat die Mitteilung erhalten, daß Eng- land keinen Einspruch gegen die Erwerbung deutscher Schiffe erhebe» wird, obwohl es prinzipiell iein Eiiispruchsrechl aufrecht erbälr, und daß e? sich auf die Versicherungen des Präsideil'.en verläßl, daß die Schiffe nur in unbestreitbar neu- tralem Handel Verwendung finden. Ireie Durchfahrt durch den panamakanal. New Dort, 7. September.(W. T. B.) Ter Panamakanal ist für den Verkehr offen. Der japanische Angriff auf Tsingtau. Tokio, 8. September.enialigen österreichisch-nngarischen Botschafter in Berlin, Grasen Szoegveny-Mariä,. in welchem dieser unter anderein auf die Frage nach der wahrscheinlichen Dauer des Krieges sagte, eine bestimmte Meinung könne nie- mand aussprechen. Es scheine aber, daß. selbst der Fall von Paris nicht das Ende des Krieges bedeute; darauf lasse wenigstens die Verlegung der Regierung von Paris schließen. Erst empfindliche Niederlagen der Russen würden die Geneigtheit zum Friedensschluß be- schleunigen. Verhaftungen von Deutschen in �egppten. Frankfurt a. M., 8. September. lW. T. B.) Tie „Frankfurter Zeitung" meldet aus Stockholm: Viele Deutsche in Aegypten, die bisher auf freiem Fuß belassen waren, wurden von den englischen Behörden verhaftet aus Besorgnis, die Eingeborenen könnten durch sie Kenntnis von den deutschen Siegen erlangen. belgische und französische Flüchtlinge in England. London, 9. September.(SS. T. 93.) Die„Times" schreiben Das forldauernde Ankoinmen französischer und belgischer Flüchtlinge, deren viele ganz arm sind, au der englischen Küste, beginnt ein e r n st e S Problem zu werden. Die Vorbereitung öes Zrieöens. Ueber dieses wichtige Thema enthält die letzte Nummer der„Neuen Zeit" einen Artikel von Karl K a u t s k y, aus dem wir im Nachstehenden einiges wiedergeben. Kautsky schreibt: Ein lateinisches Sprichwort sagt, man solle den Krieg vorbereiten, wenn man den Frieden wolle. Das ist in ge- wissem Sinne richtig, darf jedoch nicht etwa dahin ausgelegt werden, als verbürge jede Kriegsrüstung den Frieden. Es kann im Gegenteil gerade durch Vorbereitung zum Krieg der Friede gefährdet werden. Wohl aber darf man umgekehrt ohne jede Einschränkung behaupten, daß während des Krieges schon der Friede vorbereitet werden muß. Ein Krieg kann stets nur eine Episode bilden, der Friede ist der normale Zustand der bürgerlichen Gesellschaft. Man führt den Krieg nicht um zu sitzgen, sondern um einen vorteilhaften Frieden zu erlangen. Auch derjenige, der den Krieg unter die zweck- mäßigen Mittel des Völkerlebens rechnet, wird nur einen solchen als einen glücklichen bezeichnen können, der das Mittel wird, einen besseren Friedenszustand herbeizuführen, als er vorher bestand. Niemand wird bezweifeln, daß ein Krieg, der einen verschlechterten Zustand herbeiführt, als ein unglücklicher und unglückseliger zu betrachten ist. Andererseits werden jedoch auch diejenigen, die den Krieg entschieden ablehnen, in einem Falle, in dem er einmal ausgebrochen ist, trachten müssen, daß er durch einen vorteilhaften Frieden beendigt werde. Aber freilich, welcher Friede ist vorteilhaft? Was dem einen„sin Uhl" ist dem andern„sin Nachtigal". Eines kann man indes auf jeden Fall sagen: für die große Masse ist ein Friede nur dann vorteilhaft: wenn er die Gewähr langer Dauer in sich trägt und den friedlichen Verkehr der Völker untereinander in keiner Weise hemmt und beeinträchtigt. Neros Motto: Oderint dum metuant, sie mögen mich hassen, wenn sie mich nur fürchten, hat sich selbst für den römischen Despoten nicht als ersprießlich erwiesen. Unter den modernen Völkern gibt es keines, das eine Zäsarenrolle spielen könnte und ebenso- wenig eine Eremitenrolle. Jedes der modernen Kulturvölker ist im Frieden auf den engsten Verkehr mit allen anderen Völkern auf dem Fuße der Gleichheit angewiesen, es kann sie weder ignorieren, noch ihnen als Herr gegen übertreten. Direkt Verderblich aber imirde ein Friede, der nur als Waffenstillstand erschiene, den jeder zu angstvollem Rüsten be- nützte. Jede ökonomische Heilung der Wunden des Krieges würde dadurch unmöglich. Am ehesten verspricht ein Friede von Dauer zu sein, wenn seine Ergebnisse in der Richtung der historischen EntWickelung liegen. Solche Ergebnisse bürgern sich rasch ein und werden bald als unverlierbare Errungenschaft betrachtet. Ergebnisse, die dem Gange der EntWickelung widersprechen, werden dagegen dauernd als quälend enipfunden. Sie lassen die beteiligten Völker schwer oder gar nicht wieder zur Ruhe kommen. In der Richtung der historischen Entwickclung liegt nun vor allem die S e l b st ä n d i.g k e i t der Völker, d. h. die Demokratie. Ihre vornehmsten Träger freilich wechseln. Vor einem Jahrhundert noch war es die Bourgeoisie und der Liberalismus. Heute ist es das Proletariat und die Sozial- demokratie. Danials wie heut? jedoch ist es eine wachsende, er- starkende Klasse, und darin liegt es begründet und nicht etwa in ideologischen Erwägungen, daß die historische EntWickelung im Sinne der Demokratie und der Selbständigkeit der Völker vor sich geht. Ihren vollkommensten Ausdruck kann diese nur in einem National st aat finden, in einem Staate, der aus einer einzigen Nation besteht, in dem nur eine Sprache gesprochen wird, nicht in einem Nationalitätenstaat. Tie moderne Pro- duktionswcise bringt die Menschen in immer innigeren Verkehr miteinander. Die verschiedenen Teile eines Staates werden ihrer ehemaligen Isolierung entrissen, ökonomisch und politisch in engsten Kontakt miteinander gebracht. Je mehr die inneren Grenzen fallen, je mehr alle Staatsbürger die gleiche Sprache sprechen, desto intensiver kann das ökonomische, geistige, politische Leben vor sich gehen. Innerhalb dieser Produktionsweise ersteht aber auch die Teilnahme der unteren Klassen am geistigen und politischen Leben, was eine Kräftigung jeder Nation bedeutet. In einem Nationalstaate verbinden sich beide Tendenzen und verstärken einander. In einem Nationalitätenstaate stoßen sie feindlich aufeinander, erzeugen die steigende Erbitterung der Nationen innerhalb des Staates gegeneinander, wirken sie lähmend auf den ökonomischeu und politischen Prozeß, und zwar um so stärker, je mehr die EntWickelung fortschreitet. Es wäre daher ein arger Rückschritt, wollte einer der großen Nationalstaaten, die an dem Kriege beteiligt sind, einen eventuellen Sieg dazu benutzen, sich nationsfremde Gebiete anzugliedern und dadurch aus einem Nationalstaat ein Ratio- nalitätenstaat werden. Das wäre großes Unglück nicht nur für den Besiegten, sondern auch für den Sieger. Es läge in solchem Vorgehen aber auch eine Verletzung der Selbständigkeit der Nationen, welche zu wahren doch jeder der großen Kulturstaaten in den Krieg gezogen ist. Jeder beteuerte, er wolle nur die eigene Selbständigkeit und Integrität wahren. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß jede Veränderung der Landkarte diesem Prinzip widersprechen müßte. Wo Nationen durch eine Fremdherrschaft unter- drückt sind, kann die Besiegung dieser Herrschaft wohl ein Mittel werden, gerade die Selbstbestimmung der Nationen zur Geltung zu bringen. Wenn zum Beispiel im Falle einer Besiegung Nußlands die Bewohner Polens, der Lstseeprovinzen, Finnlands beanspruchen würden, selbst über ihre weitere staatsrechtliche Stellung zu entscheiden, ohne jeden äußeren Zwang, so stünde das vollständig im Einklang mit den Geboten der Demokratie. Und das gleiche wäre der Fall, wenn der Krieg Aegypten und Pcrsicn ihre Selbständigkeit brächte. Das wären Errungenschaften des Krieges, die bei keinem der an ihm be- tciligten Völker, wenigstens nickt in ihren demokratiscken Teilen, irgendeinen Stachel hinterließen. Sie würden vielmehr als Fortschritte und Friedensbürgschaften freudig begrüßt werden. Vor allem aber wäre es für alle Völker notwendig, sollte der Friede ein dauernder werden, daß er die Ursachen beseitigt, die den Krieg hervorriefen. Daß ein lokaler Konflikt zwischen Oesterreich und Serbien sofort die ganze Welt in Brand setzte, ist in letzter Linie darauf zurückzusiihren, daß das S y st e m des Wettrüstens ganz Europa in zwei feindliche Heerlager verwandelt hatte, die einander nnt äußerstem Mißtrauen gegen- überstanden, jedes des Ueberfalls durch den anderen gewärtig, jedes immer schwerer gepanzert, immer mehr unter der Wucht des Panzers erliegend. Immer unerträglicher wurde dieser Zu- stand, aus dem es nur zwei Auswege gab: die Abrüstung durch gegenseitige Vereinbarung oder den Weltkrieg. Die Sozial- demokratie hat stets den ersteren Ausweg gefordert, aber im bürgerlichen Lager nur geringe Unterstützung dabei gefunden. So blieb nur die andere Alternative. Im Bewußtsein der herrschenden Klassen ist freilich der Krieg nicht dem Wettrüsten entsprungen. Sie sehen nur die letzten, kleinlichen Veranlassungen und sie preisen das Maß der eigenen Rüstung, das uns dem Feinde gegenüber stark mache, als ob es nicht auch diesen veranlaßt hätte, sich stark zu machen! Aber trotzdem kann die Logik der Tinge die Sieger, wer innner sie sein mögen, dahin drängen, durch den Krieg zu erreichen, was vor ihm nicht durch friedliche Vereinbarungen erreicht wurde: die Abriistung, zunächst vielleicht nur der Besiegten, mo- mit aber auch für den Sieger der Drang nach erneuten Rüstungen wegfiele. Man könnte fürchten, das unter den herrschenden Klassen so mächtige Nüstungskapital werde sich einer derartigen Wendung widersetzen. Wer nach dem Kriege wird so viel Zer- störtcs neu zu erbauen, so viel Ersatz verbrauchter Produktions- und Transportmittel zu fckaffen sein, daß die Schwerindustrien dadurch hinreichend Beschäftigung finden und zunächst auf er- ucute Rüstungen weniger Wert legen werden. Wie überall, kommt es natürlich auch hier nicket bloß auf das Was an, sondern auf das Wie. Eine durch einen Krieg dem Besiegten aufgezwungene Mrüstting kann für diesen leicht demütigende, degradierende Formen annehmen, hie wir ent- schieden ablehnen müßten. Wer das Ziel selbst ist auf das innigste zu wünschen. Es wäre geradezu sinnlos, wenn ein aus dem Wettrüsten geborener Krieg mit allen den furchtbaren Ver- heerungen, die er mit sich bringt, nicht eine Beseitigung der Kriegsl-rsache. sondern ihre Fortsetzung mit sich brächte und damit die Gewißheit eines baldigen neuen, noch entsetzlicheren Weltkrieges. Die Sozialdemokratie wird sicher beim Friedens- schluß in allen Staaten für die Abrüstung eintreten. Sie wird trachten, sie zu einer allseitigen zu machen. Doch selbst dann, wenn die Abrüstung einseitig nur für die Besiegten gelten sollte, wird sie ihm ökonomisch reichlichen Ersatz für etwaigen Verlust an militärischer Macht brmgen. Andererseits wird dieser ökonomische Erfolg vereint mit der verminderten Gefähr- lichkcit des Nachbarn den Sozialdemokraten der siegreichen Staaten eine starke Basis geben, um erfolgreich im eigenen Lande den Rüstungen entgegenzritreten. Noch ein drittes Moment wird bei dem Friedensschluß in Betracht kommen: die Handelsverträge. Die bestehen- dm Verträge sind durch den Krieg zerrissen, neue werden ab- geschloffen werden. Unter dem Drucke de? Krieges kann da manches erreichbar werden, was bisher unerreichbar schien. Es wäre möglich, daß der Sieger ein Interesse daran findet, dem Besiegten den Freihandel oder doch eine Annäherung daran auf- zucrlegen. Ebensogut kann aber die Konstellation beim Friedens- schluß eine solche sein, daß sie die Zusammenfassung verschiedener Staaten zu einem Zollverein ermöglicht und begünstigt. In- soweit ein solcher bestehende Zollinien abschaffte, bedeutete er einen Fortschritt und wäre zu begrüßen. Tagegen müßte frei- lich bekämpft werden, wenn er als Mittel dienen sollte, Länder des Freihandels einem Schutzzollgebiet einzuverleiben. Alles das sind internationale Grundsätze. Sie haben Gelttmg für jeden Staat. Wir können sie entwickeln, ehe es noch klar geworden ist, auf welche Seite sich die Wagschale des Erfolges neigt. Erwägungen darüber hinaus über etwaige Machtver- schiebungen und deren Konsequenzen wären zu der Zeit, ,wo vorliegende Zeilen geschrieben werden(2G August) müßige Spekulationen, Verteilung der Haut des Bären, ehe er erlegt ist. Nur eines kann man da im vorhinein sagen: Welches Land immer siegen mag, die Sozialdemokratie wird sicher die erste seiner Parteien sein, die den Friedensschluß verlangt, und sie wird stets im Sinne der Mäßigung wirken. Welche Erfolge ihr dabei beschieden sein mögen, hängt von Kraftverhältnissen ab. die sich heute nicht voraussehen lassen. Wie die Entscheidung über den Krieg, steht auch die über den Frieden noch nicht dem Volke zu. Immerhin muß sogar in einem absolutistischen Staat mit einer stark aus- gesprochenen Volksstimmung gerechnet werden. In den herrschenden Kreisen selbst bestehen beim Ab- schluß eines Friedens oft die größten Differenzen über die Friedcnsbedingungen. Bei schwankender Entscheidung kann die Rücksicht auf das Volk von Bedeutung auch dort werden, wo es sonst nichts dreinzureden hat. Erklärung. Vom Porteivorstand geht uns folgende Erklärung zu: Dos Exekutivkomitee des Internationalen Sozialistischen Bureaus hat gemeinsam mit dem Vorstand der Sozialistischen Partei Frankreichs einen„Aufruf an das deutsche Volk" erlassen, ohne Verbindung mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auch nur zu suchen. Das Exekutivkomitee hat damit seine Befugnisse, die ihm von der Internationale übertragen worden sind, überschritten, was um so befremdlicher ist, als die sämtlichen Mitglieder des Exekutiv- komitees nur einem der bei der gegenwärtigen Katastrophe be- teiligten Staaten angehören und deshalb notwendig befangen und einseitig im Urteil sein mußten/ Als der unterzeichnete Parteivorstand von dem Aufruf durch die ausländische Presse Kenntnis erhielr, hat er sofort Einspruch erhoben. Der Aufruf, dessen Wortlaut uns erst jetzt bekannt wird, stellt die Vorgänge, die zum Kriege geführt haben, im Sinne der französischen Regierung dar und geht stillschweigend über alles hinweg, was gegen die Auffassungen der verbündeten Regierungen Englands, Frankreichs, Belgiens und Rußlands spricht. Wir sehen davon ab, jetzt gegen diese Ausfassung zu polemisieren, weil uns der Zeitpunkt hierfür nicht gegeben erscheint. Für eine ssrucht- bringende Aüscinand'ersetzung über die Haltung der einzelnen Mächte in den Tagen vor. �em.Kriegsausbruch, liegt zudem das Bcweismatcrial bisher nirgends lückenlos vor. Die Einseitigkeit des Aufrufs geht schon daraus hervor, daß in ihm die Bedrohung des deutschen Volkes durch den russischen Despotismus nicht einmal erwähnt ist, d. h. diejenige Tatsache, die das deutsche Volk in seiner Gesamtheit am tiefsten erregt hat und für die Beurteilung der politischen Situation von wesentlichster Be- deutung ist. Der Ausruf läßt also jede Objektivität vermissen. Weiter entnehmen wir den Nummern 3771 und 3773 der Pariser„Humanite" vom 14. und 16. August 1914, die erst jetzt zu unserer Kenntnis gelangen, daß das Internationale Sozia- listische Bureau mit Unterstützung der Sozialistischen Partei. Frank- reichs die sozialistischen Parteien der neutralen Länder über die „Greueltaten der Deutschen" informiercu will, um dadurch auf die öffentliche Meinung dieser Länder einzuwirken. Wir erheben auch gegen dieses einseitige Vorgehen des Jntcr- nationalen Sozialistischen Bureaus öffentlich Protest. Die Sozial- demokratische Partei Deutschlands hat stets alle Greueltaten, wo sie auch immer vorkamen, verurteilt. Ob deutsche Soldaten in Feindesland in diesem oder jenem Orte bei ihrem Vorgehen die Grenzen berechtigter Notwehr überschritten haben, darüber liegt unS zurzeit kein genügendes Material vor. Auch sind uns vom Internationalen Bureau hierüber keine Mitteilungen zugegangen. Wir fühlen uns aber verpflichtet, festzustellen, daß die deutschen Soldaten, die zu Millionen durch die Schule der deutschen Partei und Gewerkschaften gegangen sind, keine Barbaren sind und an Bildung des Geistes und Herzens hinter den Soldaten keines Volkes der Welt zurückstehen. Es ist bezeichnend, daß das Exekutivkomitee des Internationalen Sozialistischen Bureaus wegen der angeblichen Greueltaten der Deutschen die öffentliche Meinung der neutralen Länder anrufen will, während es sich ü6er hinterlistige Ueberfälle belgischer Franktireurs auf deutsche Soldaten ausschwcigt und von den Greueltaten der Russen in Ostpreußen nichts zu melden weiß. Berlin, dvn 9. September 1914. Ter Partcivorstand. politisihe Uebersicht. Das F-iasko des Reichsverbandes. Das Fiasko des„Reichsverbandes zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie" wird jetzt- auch von seinen besten Freunden zugegeben. Das„Neue Deutsch» land". die Wochenschrift der frcikonservativen Partei, der Herr v. Liebcrt, der Rcichsverbandsgeneral. ja selber angehörte, begrüßt in einem„Ausblick" die Einstellung der Tätigkeit des Reichsverbandes. Seine Tätigkeit sei rein negativ ge- Wesen; das habe in der ersten Zeit eine Notwendigkeit dar- gestellt und Gutes gewirkt: „Damals mußte seine Negation in den Kauf genommen werden zugunsien des höheren Zweckes, wie denn überhaupt zeitweilig starke Negationen durchaus am Platze sind. Allmählich aber wurde der Reichsverband zur bloßen Kampf- organisation und erreichte so gerade das Gegenteil dessen, was er beabsichtigte." Mit diesem Urteil der Reichsvcrbändler über ihre Orga- nisation selber dürften wohl die Akten endgültig über das verunglückte Unternehmen geschlossen werden. Ter geächtete Wetterlä. Nachdem bereits die kirchlichen Oberbehörden über den Abbö Wetterls ben Bannfluch ausgesprochen haben, hält es auch die Partei des Herrn Abgeordneten für angebracht, l ihn von sich zu stoßen. Der„Elsäffer" veröffenksichte einem Telegramm zufolge die nachstehende Erklärung: Beim Bekaimtwerden der ersten Bruchstücke eines Leitartikels im„Echo de Paris" vom 21. August d. I., unterzeichnet von dem bisherigen Abgeordneten Wetterlö, war ich geneigt, an eine Misli- fikation zu glauben. Ich hielt es für ausgeschlossen, daß ein deutscher Abgeordneter zum Ueberläufer, zum Verräter seiner Wähler und seines Volkes werden könnte. Auch Herrn Wetterlv hielt ich trotz allem einer solchen Handlungsweise nickt fähig. Ich sehe mich jetzt schmerzlich enttäuscht; es dürfte keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der betreffende Artikel seiner Feder entstammt. Herr Wetterls hat in geradezu verbrecherischer Weise dem Programm der elsaß-lothringrschen Zentrums- Partei zuwidergehandelt. Herr Wetterlö hat sich damit des ichwersten Verbrechens schuldig gemacht, bezüglich der vor zwei Jahren der Fraktion des Landtages bestimmt abgegebenen Versprechungen. Der Verwerflichkeit seines Handelns scheint er sich bewußt gewesen zu sein, bezeichnet er sich doch selbst als„ehemaligen" Abgeordneten. Damit gibt er zu erkennen, daß er sich nicht mehr als Mitglied unserer Partei, nicht mehr als Vertreter einer Wählerschaft betrachtet, welche die Prinzipien der elsaß-lothringischen Zenlrumspartei zu den ihrigen gemacht hat. Indem Herr Wetterlö jede Gemeinschaft zur Partei und Frattion selbst gelöst, hat er dieselbe der Notwendigkeit«nt- hoben, ihn als Unwürdigen auszustoßen. K. H a u ß, Vorsitzender der Zentrumsftaktion de? Landtag». Bekanntlich wurde Herr Wetterlö nicht nur in den«lsaß- lothringischen Landtag, sondern auch in den Reichstag gewählt. Auch hier scheidet er also fortan als Mitglied der elsässischen Fraktion und als Abgeordneter aus. Reichstagscrsatzwahl in Heidelberg. Der badische„Staatsanzeiger" teilt mit, daß die Reichs- tags-Ersatzwahl im 12. badischen Wahlkreise für den zum Vor- sitzenden des Vorstandes der Reichsversicherungsanstalt Karle- ruhe ernannten bisherigen Vertreter, Regierungsrat Beck, auf Dienstag, 27. Oktober, festgesetzt worden ist. Um die Höchstpreise. In einer Bckanntmackung droht der Kölner Polizeipräsident dem Großhandel, daß rücksichtslos Höch st preise für den Großhandel festgesetzt würden, falls es nötig sein sollte; der Kleinhandel und die Konsumenten müßten vor Ueberteuerung geschützt werden. Die Bebörde, werde, wenn der Großhändler sich Iveigere, die festgesetzten Preise innezuhalten, nack dem Gesetz die Vorräte übernehmen und zu den festgesetzten Höchstpreisen auf Rech» nung und Kosten des Besitzers verkaufen. Die Berliner Händler haben sich an den Magistrat ge- wandt, um von den vorgeschriebenen Höchstpreisen wieder los- zukommen. Gegen die Bäcker macht sich eine scharfe Bewegung geltend, weil das Brot zu klein ausfällt. Diese machen wieder die Lieferanten von Mehl verantwortlich und die Mühlen schieben die Schuld auf die Geireideliefcranlcu. Den Bäckern ist bereits die Fest- sctzung von Höchstpreisen für ein bestimmtes Gewicht angedroht worden. Rückkehr von Flüchtlinge« nach den Grenzgebieten. Amtlich wird dttrck das Wolfsscke Bureau bekaniilgegebcn: Die Anfragen oft preußischer Flüchtlinge wegen der Möglich» keit ihrer Rückkehr in die Heimat sind künflig zweckmäßig in allen Gegenden, in denen Flüchllinae ttt großer Zabl sich aushalten, also in Groß-Berlin und in den Regierungsbezirken Danzig, Marien- Werder, Köslin, Stettin, Frinikfurt a. O. und Potsdam ausschließlich an die Lattdtäie des Aufenthaltsorts(in Stadtkreisen an den Ober- bürgermeisier, i» Groß- Berlin an das Kricgsbureau des Berliner PotizeipiäsidiumS) zu rjckien. Diese Amtsslellcn werden in den Stand, gesetzt tverdett. die Anfragen zu bcauttvorien. Anfrageti aus sonstig e u L a n d e s t c i l e n, in denen sich vereinzelte ostprcutzischc Fliicktlirge aufhalten, werden an das KriegS» bureau des Berliner Polizeipräsidiums zu richten sein. Aus Alle nstein wird gemeldet, daß der Regierungspräsident mit der Regierungshauptkasse und einem Teil der Beamten am ver» gangenen Sonntag von Danzig zurückgekehrt sei. Gegen den verfrühten Siegesjubel. Mit folgenden verkninfiigett und sehr notwendigen Bettterkuttgen leitet der Kriegsberichterstatter Dr. Bongard seinen am 9. September aus dem Großen Hauptquartier abgesandten Bericht ein: „Die e r st e Periode deS Krieges auf dem westlichen Kriegsschauplatz nähert sich ihrem Ende. Der Aufmarsch der ver- schiedenett Armeen ist dem ausgestellten Plane enlspreckend durch- gefübrt, und die Franzosen sind, ebenso wie die Belgier und Engländer, überall geschlagen worden. Unsere Erfolge sind ungeheuer und übertreffen weit das, was wir erhofft haben. 81 1 1 e t n sie sind noch keine endgültigen. Die f e i n d I i ck e n Armeen im Westen sind wohl geschlagen, aber noch nicht vernichtet. Wir haben noch nickt, wie im Kriege von 1879, ganze Armeen gefangen genommen. Die Gegner sind noch immer in der Lage, sick auss neue zu sammeln, und sind auch dabei, es zu tun. Ein netter Kricgsplatt m n ß aufgestellt werden, und wir dürfen tittS nicht darüber hinwegtäuschen, daß uns noch s ck w e r e K ä m p f e b e v o r- stehen. Nach allen den vielen und großen Erfolgen kann cS auch uns zustoßen, daß wir an irgend einer Stelle Miß- erfolge v e r z e i ck u e n müssen. Beizeiten uns dies vor Augen halten, ist unsere Pflicht, damit nickt Rückschläge irgendwelcher Slrt den frohen Siegesjubel in sein Gegenteil ver- kehren können und wirtschaftliche Schäden im Gefolge haben....* Eine ausländische Ente. In der Pariser„Humanite" vom 37. August finden wir eine Notiz, die sich auf Kopcnhagener Meldungen beruft und die besagt, daß die Bureaus des„Vorwärts" in Berlin von Militaristen geplündert worden seien, daß man die Druckpressen zerstört habe und daß in den Bureaus alles zerbrochen worden sei. Diese angeblichen Geivaltakte sollen eine Folge von Artikeln sein, in welchen der „Vorwärts" die Kaiserliche Regierung für die jetzigen und eben- tuell zukünftigen fatalen Ereignisse verantwortlich gemacht halten sollte. Pastzwang für Italien. Berlin, 9. September. Nach einer neuen Bestimmung der italie- irischen Regierung müssen alle Slus tänder, die sich nack Italien begeben wollen, ihren P a ß durch das italienische Konsulat visieren lassen. Letzte Nachrichten. Angehaltencs Schiff.- London, 9. September.(W. T. B.) Meldung deS Reutcrjchen Bureaus. Aus Washington wird gemeldet: Der Dampfer„Red Croß", früher Dampfer„Hamburg" der Hamburg-Airterika-Linie, der ein Dutzend Hospitalabteilungen an Bord führte und unter amerikanischer Flagge segelt, wurde kurz vor seiner Abfahrt unerwarteterweise atifgehalteu. Es wird gemeldet, daß der britische Gesandte Ador er- klärt habe, daß er die Abreise des Dampfers nicht zulassen könne, weil die Mehrheit der Mannschaft aus Deutschen bestehe, unter welchen sich viele Reservisten befänden. Theater, URANIA TaV�.tr- i Uhr: iüttlcli unil das belgiseiie Land. (Kleine Preise.) 8 Uhr; Prof. Dr. U. Donath: in Reichsballen-Tbeater. Akttintt Sänget! Herrliches Programm. Ansang 8 Ubr. Sonntags?�/, Uhr Üose- Theater. 8 Uhr: DruWand über nlles. Ualballa-Ibealer. Täglich abends sMM Vlll'Slel Sonntag nachmittag 3>/, Uhr: _ Königin I.nlse. Helft dem Roten, durch Abnahm« von Lo««nI Ziehung 30. Septbr. u. folg. Tage 19. Preuss. Rote Kreuz WMM 421000 Lose. 1B997 Geldgewinne. Die Hauptgewinne Bind Alk.: 100 60 25000 15000 110000 kleinster Gewinn 16 Mk. u«w KRr0.,AG2ld-Loie~M,3.- Porto und Liste ext» 30 Pf. empfiehlt a. Torsendet Bankgeschäft Lud. Müller&C° Berlin W.,wrÄr SM Telegr.-Adr. GIOcksmQller. n J- Btiliin Küeiiis iflfc K— Mauerslr. 82. Zimmerstr. 90/91 Mauerstr. 82. Heute: Orchester Franz v. Bion. Patriotische Gesänge, ausgeführt vom Terzett„Vaterland" Anfang 8 Uhr. Eintritt 20 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Grolles Nachmittagskonzert bei freiem Eintritt. Extra-Unlersfiitziingskasse für Buchbinder und verwandten Gewerbe zu Berlin. Sonntag. 13. d. M., vormittags IV Uhr. Dresdener Strohe 116: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Protoiolle. 2. Vorstandswahl. 3. Bericht des Rendanten. 4. Be Wuhfassung über Rechte und Pslichten der zur Fahne einberufenen Mih glteder. 5. Verschiedene Kassenangelcaenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 21b __ Der Yorgtand. I. 91.: H. Rhauda, Vors., 2uilen-User 17. Steinarhelter. Die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung ersolgt für die in Berlin wohnenden Kollegen Sonnabend, vormittags von S— 12 Uhr; für die in den Bororte« wohnende« Mollegen Sonnabend, nach. mittag? von 2—4 Uhr. 172/16» Zentralverband der Steinarbeiter. OrtaTcrwaltnng Berlin. Engeluser 15 I. JI'ÖW Raucher! Raucher! Ü England boykottiert deutsche Waren H | Wim gidilensiistliei Kapital!§ wM Raucht keine Zigaretten vom eng- iischen Tabaktrust, dessen Gross- M aktionäre Vs Million Mark für den NF � englischen Kriegsfonds stifteten. WM M,W Dieser In London ansässige Trust, der Lii unser deutsches Tabakgewerbe unter- WI M jochen will, verfügt auch in Deutsch- � |= land über eine Anzahl von Fabriken, mm M V [f Wer die Marken dieser Firmen il ä raucht, trägt Geld in Feindesland! M Beachten Sie den Aushang in Zigarrenläden und Lokalen. Büro zur Bekämpfung des Tabaktrustes MM in Gross- Berlin MM I. A.: Heinze. MM Freie Volksbühne Geschäftsstelle: Berlin C. 25, Linienstr. 227. Amt Norden No. 2944, 2945. - An die Arbeiterschaft Groß-Berüns! Die Vereinsleitung der Freien Volksbühne hat beschlossen, ihre künstlerischen Veranstaltungen fortzusetzen. Die alten Mitglieder werden ersucht, ihre neuen Mitgliedskarten aus den Zahlstellen abzuholen. Neue Mitglieder werden in allen Zahlstellen des Vereins aufgenommen. An Stelle des bereits im Frühjahr d. J. in den Karten veröffentlichten Spielplans, der in diesem Umfange nicht durchgeführt werden kann, werden besondere Spieltage angekündigt.— Folgende Stücke sind auf den Spielplan gesetzt: HenKeT s Bleich Soda Anzengruber: Die Kreuzelschreiber. Björnson: Wenn der junge Wein blüht. Dülberg: Cardenio. Goethe: Götz von Berlichingen. Halbe: Freiheit. Hauptmann: Elga. Sigurd Johnson: Berg Eywins und sein Weib. Lessing: Minna von Barnhelm. MüllersSchloesser: Schneider Wibbel. Pailleron; Die Welt in der man sich langweilt. Paul: Wie die Sunde in die Welt kam. Schiller: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Shakespeare: Was ihr wollt Shaw: Pygmalion. Opern und Operette: v. Flothow: Martha. Lortzing: Der Waffenschmied. Mozart: Die Entführung aus dem Serail. Weber: Der Freischutz. Das Eintrittsgeld für neue Mitglieder beträgt 1,10 Mark. Prospekte und Werbehefte sind in der Geschäftsstelle erhältlich. Vorstellungsbeiträge werden erst nach der Mitteilung, wann und wo die Vorstellungen stattfinden, erhoben. Die Geschäftsstelle, i. V.: G. Winkler. Allgem. Familiensferbekasse zu Berlin. Unseron Mitgliedern die traurige Naohriolit, daß unser langjähriges Vorstandsmitglied, jetziger erster Vorsitzender, Herr Karl Wächtler am 7. September verstorben ist. 288/4 Die Einäsoherung der Deiche erfolgt morgen Freitag, den 11. September, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Geriohtstr. 87/38. Bega Beteiligung erwünscht. Der Vorstand. Am Montag, den 7. d. M. ver. schied nach schwerem Krankenlager mein lieber Mann und Vater, der Restaurateur 123A Wilhelm Trick im 44. Lebensjahre. Um stille TcUnahme bitten Wwe. paulws Trlelt geb. Wolter nebst Kindern, Berlichingenftr. 5. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 11. September, nachm. 4>/, Uhr, von der Leichenhalle des PhilippuS-Ülpostel-KirchhoseS aus aus dem städttschen Friedhose in der Müllerstrahe, Ecke Scestrafie, statt. Mmü der Ireieo Gast- aod Schankwirte Deotschlaads. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Wilhelm Trick Berlichingenstraße 5, Bezirk I gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. September, nach. mittags 4V, Uhr, von der Leichenhalle deS Philippus- Apostel-Kirch- lwses aus aus dem städtischen Friedhose in der Müllerstratze, Ede Seeslratze, statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 7S/t1 Die Ortsverwaltung, Deotscher Metallarbeiter-Verband 1 Verwaltungsstelle Berlin. g Den Kollegen zur Nachricht. datz unser Mtglied, der Schlosser Wilhelm Trick Berlichtngensttatze 5 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostel-Kirch« oseS aus aus dem städtischen sriedhos« in der Müllerstratze, icke der Geestratze, statt. Rege Beteiligung erwartet 124/19 Oie Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- n. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin. Bezirk 13. Am Montag, den 7. d. M.. starb nach kurzem Krankenlager unser Mitglied Wilhelm Trick. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den II. September, nach- mittags VzS Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus. Apostel- Kirchhoses, Ecke Müller- und See- stratze, aus stall. Um rege Beteiligung bittet 258/3 Oie Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirksverwaltung Gros-Berlin Den Mitgliedern zur Nach richl, daß unser Kollege, der Chausseur Herrnsim Bender am 7. d. M. im Aller von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. d. MtS., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zenlral-Friedhoses in triedrichsfelde auS statt. 7/16 Oie Bezirksverwaltung. Am Montag, den 7. September, abends tO Uhr, entschlief sonst nach lurzer Krankheit, unser lieber Vater, Grotzvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel Karl Wächtler im 72. Lebensjahre. 11781 Dies zeigen ttesbetrübt um stille? Beileid bittend an Die trauernden Hinterbliebenen Berlin, Adoifftr. 27. Die Einäscherung findet am Freitag, den 11. d. M., nach- mittags 5 Uhr, im Krematormm, Werichtstratze, statt. � ung. die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen Verwandten, Kollegen, Freunden und Bekannten sowie den, Deutschen Transportarbeiterverband irk Grotz-Berlin) und dem Verein erliner Gastwirte sE. V.. gegründet 1871) unseren herzlichsten Dank. ü. Hentschel neb» Kindern, 22b Urbanstr. 173. s. Hant-, Harn-, Ztzranenleiden, nerv. 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Druck u. Verlag: BorwärtZ Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl. Nr. 247. 31. Iahryang. öri!»l!k des Lswiirts" Knlim NsIKsdiÄ Donnerstag, 19. Septeluber 11)14. die Wahl im 42. Kommunal- Wahlbezirk. Im 42. Kommunalwahlbezirk veranstalteten die Partei- genossen am Dienstag eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung in Funkes Gesellschaftshaus in der Triftstratze. Die Versammlung war sehr gut besucht. Der Referent, Genosse Wurm, gedachte vor Beginn seines Vortrages in warm emp- fundenen Worten des im Kriege gefallenen Genossen Dr. Frank. Stehend hörten die Versammelten den Nachruf an. Zur Behandlung des Vortragsthemas übergehend, verwies der Referent darauf, daß jetzt auch die Gemeinde bestrebt ist. die durch den Krieg verursachte Not nach Möglichkeit zu mildern. Tie Kreise, welche sich sonst nie um die Not des Volkes kümmern, halten es jetzt für ihre Aufgabe, zur Linderung der Not beizutragen. In erster Linie kommt es daraus an, den Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen und wo das nicht möglich ist, ihnen Unterstützung zu gewähren. Das Gespenst der Arbeits- losigkeit hat sich schon im Frieden bemerkbar gemacht. Jahre- lange Arbeitslosigkeit herrschte schon vor dem Kriege. Deshalb forderten wir die Einführung der Arbeitslosenunterstützung durch Staat und Gemeinde. Jetzt rächt es sich, daß unsere An- träge abgelehnt worden sind. Wären sie angenommen worden, dann hätten jetzt die Zehntausende von Arbeitslosen einen Rechtsanspruch auf öffentliche Unterstützung. Jetzt hat man ja den früher verworfenen Grundsatz, eine städtische Arbeits- losenunterstützung unter Mitwirkung der Gewerkschaften zu ge- währen, anerkannt. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß das, was jetzt unter dem Druck der Not von unseren Forde- rungen anerkannt wird, auch im Frieden erhalten bleibt und weiter ausgebaut wird. In seinen weiteren Ausführungen besprach der Redner die Forderungen, welche wir in sozialer Hinsicht an die Gemeinde stellen und zeigte, daß wir von der Verwirklichung dieser Forde- rungen noch weit entfernt sind, daß aber die Vertreter der Arbeiterklasse selbstverständlich mit gewohnter Entschiedenheit für ihre Forderungen eintreten werden. Schließlich gedachte der Referent der ausgedehnten Tätigkeit, welche Genosse Arons mit großer Hingabe und Pflichttreue als Stadtverordneter entfaltet hat, bis er zu unserm größten Bedauern durch Krank- heit veranlaßt wurde, sein Mandat niederzulegen. Die Partei- genossen schlagen jetzt einen Kandidaten vor, der schon lange der Partei angehört und die Gewähr bietet, daß er sich seiner neuen Aufgabe mit Lust und Liebe widmen wird.— Wenn auch jetzt die Parteikämpfe ruhen und unsere Auseinander- Hungen mit den Gegnern auf die Zeit verschoben sind, wo die Meinungsfreiheit nicht mehr beschränkt ist, so soll uns das nicht hindern, zu zeigen: Wir sind Sozialdemokraten und werden das bei jeder Gelegenheit, wo sich die Möglichkeit dazu bietet, öffentlich bekunden. Deshalb stellen wir auch für diese Wahl einen Kandidaten auf, der sich als Sozialdemokrat betätigt hat und in unseren Reihen mitkämpfen will. Jeder Wähler, der am Sonntag seine Stimme für unseren Kandidaten abgibt, bekundet öffentlich, daß er sich als Sozialdemokrat bekennt. Hoffentlich kommt bald der Tag des Friedens nach außen, damit wir die notwendigen Kämpfe im Innern mit frischen Kräften weiterführen können.(Lebhafter Beifall.) Hierauf nahm unser Kandidat, Genosse Max Säckel- söhn, das Wort zu einer Ansprache, in er versickerte, daß er nach besten Kräften bemüht sein werde, im Sinne unseres Programms zu wirken.(Beifall.) Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit der Auf- stellung des Kandidaten einverstanden. » Verlegung eines Wahllokals. Der Magistrat teilt mit, daß das Wahllokal(Teil l) Turn- halle der 160./188. Gemeindeschule, Stephanstr. 3, am Sonntag nicht benutzt werden kann, weil es für Militörzwccke gebraucht wird. Als Ersatzwahllokal für den Abstimmungsbezirk ist die Turnhalle der nebenan belegenen Fichte-Realschule, Stephan- straße 3, bestimmt worden. Mus Groß-öerlin. Ter Kampf um Arbeit. In der Rosenstraße 9/l3 sollte gestern früh von 9 Uhr ab an Arbeiterinnen, die infolge des Krieges arbeitslos ge- worden sind, Arbeit ausgegeben werden. Die Ausgabestelle in der Rosenstraße ist begründet worden von einem Ausschuß für Konfektions-Notarbeit, der von der Staatsbehörde durch Zuweisung von Aufträgen gestützt wird. Arbeit erhalten solche für die auszuführenden Arbeiten geeigneten ar- beitslosen Konfektionsarbeiterinnen, welche auf ihren Arbeits- verdienst für ihren und ihrer Familie Unterhalt angewiesen fiW) und welche nicht schon nach den Bestimmungen über die Unterstützung von Familien der in den Kriegsdienst getre- tenen Mannschaften Unterstützung beziehen. Die Arbeit- suchenden haben durch Unterschrift zu bescheinigen, daß sie eine solche Unterstützung nicht erhalten. Das bisherige Lohn- buch und ein Ausweis über die Person der Arbeitsuchenden lMietvertrag, Bescheinigung des Hauswirts und dergleichen) sind mitzubringen und für die Dauer der Beschäftigung bei der Ausgabestelle zu belassen. Zunächst wurden geübte Ar- beiterinnen auf Männerhemden, Männerhosen. Männer- jackcn, Bettwäsche. Handtücher und Strohsacke gesucht. Der Andrang zu dieser Arbeit war ein ungeheurer. Seit früh 6 Uhr stellten sich die Arbeiffuchenden in der Rosen- straße auf. denen man die Not und Unterernährung auf den ersten Blick ansah. Das Heer der arbeiffuchenden Frauen und Mädchen wuchs von Sffmde zu Stunde und füllte den breiten Bürgersteig. Schiitzleute ordneten die Jufftellung an. Truppweise wurden die Arbeiterinnen in den Hof gelassen, aber kaum merklich nahm die große Zahl der arbeitslosen Arbeiterinnen ab: es war, als nehme die Zahl zu. Zwischen '/« bis Vzn Uhr, als wir durch die Rosenstraße fuhren. standen etwa 7—8000 Menschen da, die sich bis nach der Spandauer Straße zu, die Kaiser-Wilhelm-straße herum aufgestellt hatten. Viele Hunderte standen auf der anderen Seite des Bürgersteigs der Rosenstraße und de� Neuen Marktes: sie nahmen wohl an, daß eine Aufstellung bei dem großen Andränge doch keinen Zweck habe. Zunächst hat es sich gestern um die Ausgabe von Probearbeit gehaiidelt. Andere Alisgabestellen sollen noch eröffnet werden. Hilfsaktion der Kirche. Es wird berichtet: Tie Berliner Kirchengemeinden, rund 70 an der Zahl, planen eine schnelle und großzügige Hilfe, um der Not zu steuern. Gencralsuperiutendent b>, Lahusen hatte zu einer Besprechung über die Hilfstätigkeit der evan- gelischen Kirchengemeinden eingeladen. Diese ergab Ueber- einstimmung dahin, daß die wohlhabenden älteren Gemeinden, etwa 18, den 40 jüngeren Kirchengemeinden von ihrem Vermögen größere Summen zur Unterstützung überlassen. Einige Gemeinden haben bereits 12 000 bis 50 000 M. zur Verfügung gestellt, um einen machtvollen Eindruck werktätiger ?!ächstenliebe für die Stellung der evangelischen Kirche im Volksleben zu erwecken und zur Nachahmung anzuregen. Der Vorschlag hat überall gezündet, so daß mit einer Summe von 500 000 M. gerechnet werden kann. Die reichen Kirchengemeinden sollten recht tief in ihren Beutel greifen, um die Not zu lindern. Aber diese Hilfe sollte sich nicht auf bestimmte Kreise erstrecken und sich der- zetteln. Die Gelder sollten dem Magistrat zur Verfügung gestellt und von seinen Organen nach Lage der Verhältnisse der Notleidenden verteilt werden. Heute leiden wir daran, daß in Berlin zu viel Stellen sich der Linderung der Not widmen und an manche Personen, die darauf zu laufen verstehen, doppelt und dreifach gegeben wird, während andere weniger beschlagene und bescheidene Menschen nichts be- kommen. �_ Stadtverordnetenwahlen in Wilmersdorf. Der Magistrat gibt bekannt, daß die Wählerlisten für die im Herbst d. I. stattfindenden Stadtverordnetenwahlen vom 1. bis 15. Septemher zur Einsichtnahme ausliegen. Die Listen sind einzusehen wochentags von 8 bis 2 Uhr und an den Sonn- tagen vormittags von 9 bis 12 Uhr Gasteiner Str. 11 II. Da nur noch eine kurze Frist vorhanden ist. so ersuchen wir alle wahlberechtigten Freunde und Parteigenossen, unverzüglich nachzusehen oder nachsehen zu lassen,, ob ihr Name in der Wählerliste enthalten ist. Legitimation ist mitzunehmen. Wer nicht in der Liste steht, darf später nicht wählen, er muß daher sofort seine Eintragung beantragen. Seit dem Wegzugs des Genossen Riedel und dem Tode Schröders ist das Wilmersdorfer Stadtparlament wieder sozialistenrein. Was das bedeutet, haben wir in den letzten Monaten und Wochen gesehen. Es sei nur an die Behandlung der Arbeitslosenfürsorge im vorigen Winter erinnert. Aber auch jetzt in der schweren Zeit der Kriegsnot ist es notwendig, daß die minderbemittelte Bevölkerung ihre Vertretung im Stadtparlament findet. Die beiden verwaisten Mandate müssen m in d e st e n s unser Kampfpreis bei den Wahlen sein. Darum versäume keiner die Wählerliste einzusehen! Arbeit gibfls so viel...! Oft genug hat man sie gehört— die bekannte Weisheit: Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Daß aber auch in der Zeit nach Ausbruch des Krieges jemand einen beschäftigungslos ge- wordenen Arbeiter mit dieser billigen Redensart abfertigen könnte, hätten wir doch nicht für möglich gehalten. In Neukölln hat ein Mieter des Hauses Knesebeck st raße 80 sich das von der Hauseigentümerin antworten lasten müssen, als er die Miete für den Monat August nicht pünktlich bezahlt hatte. Er verlor seine Stellung als Geschäftsdiener, weil der Arbeitgeber in den Krieg ziehen und den Betrieb seines Geschäftes einschränken mußte. Der Mieteschuldner erhielt auf eine der Hauseigentümerin übersandte Mitteilung über seine Lage die folgende Antwort: „Auf Ihre Karte teile ich Ihnen mit, daß Sie Ihre Miete pünktlich zu zahlen haben. Arbeit gibt'S so viel, daß Sie, wenn Sie nur arbeiten wollen, auch Arbeit finden. Sehen Sie die Zeitung nach, da wird genug verlangt. Ich muß also spätestens Donnerstag abends im Besitz der Miete sein. Frau Zimmer- mann, Knesebeckstraße 64." Es ist wohl nicht nötig, daß wir diesem Herzenserguß einer Hauseigentümerin ein Wort der Kritik hinzufügen. Nur das wollen wir feststellen, daß der betreffende Mieter bisher ein ebenso fleißiger Arbeiter wie gewissenhafter Mietezahler gewesen war. Jene Stellung hatte er ziemlich fünf Jahre hindurch inne gehabt und Mieter des Hauses Knesebeckstraße 80 ist er seit jetzt bald 2'A Jahren. Inzwischen hat er, obwohl er arbeitslos geworden war, mit geborgtem Geld die Miete für August und dann auch für September bezahlt. Andere Beschäftigung zu finden, mußte gerade ihm sehr schwer werden. Infolge eines Unfalls, den er als frühe- rer Metallarbeiter erlitten hat, ist er auf einem Auge erblindet. Wie sagte die Hauseigentümerin Frau Zimmermann?„Arbeit gibt'S so viel, daß Sie, wenn Sie nur arbeiten wollen, auch Arbeit finden."_ Die Büljnengenosscnschaft und die Not der Schauspieler Unter den Berufen, die sehr stark vom Kriege betroffen wer- den, rangiert auch der Beruf der Künstler, insbesondere der dar- stellenden. Zum gestrigen Nachmittage hatte daher der Vorstand der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigcn eine Versamm- lung einberufen, in der die Situation beraten und Rechenschaft vom Vorstand über die ergriffenen Maßnahmen gegeben werden sollte. R i ck e I t verwahrte sich eingangs seiner Rede gegen den in den Zeitungen und sonstwo erhobenen Vorwurf, daß die Ge- nosscnschaft in der jetzigen KriegSnot versagt habe.(Zuruf: „Kleines Journal!"— Stürmisches Gelächter.) Sie sei allerdings nicht an die Oeffentlichkeit gegangen, um Gaben und Unter- stützungcn zu erbitten. Aber als Mittel, der Not zu steuern, sei vor allem nach Arbeitsmöglichkeiten gesucht worden. Es wurden Kunst- abende veranstaltet, die sich gut bewährt und segensreich gewirkt hätten. Außerdem sei es gelungen, S Ensemble zu Schülervor- stcllungen für den Winter zu bilden, wofür jetzt schon über 3000 Plätze verfügt sei. Seit August habe der Vorstand mehr als 20 000 Mark an Kleinunterstützungen aus dem Fonds, der zur Verfügung steht, ausgezahlt. Für die obdachlosen Künstler seien gute, unent- geltliche Wohnungen beschafft worden. Tausende von Speisemarken konnten abgegeben werden. Eine Küche sei eingerichtet, in der gut gekocht wird und wo die Bedürftigen sich umsonst sättigen können. Dies geschehe in einem eigens eingerichteten Heim, wo Kaffee, Schrippen, Mittag, und Abendesten verabfolgt wird. 50 Kollegen seien darin untergebracht, für weitere 80 ist auch schon Sorge ge- tragen. 100 Kollegen werde Gelegenheit gegeben, täglich 2 M. zu verdienen. Wäsche und Kleider wurden auch verteilt. Der Vor- Wurf, daß die Millionen der Pensionsanstalt nicht flüssig gemacht würden, sei ungerecht. Diese stehe unter staatlicher Aufsicht und dürfe ihrer eigentlichen Bestimmung nicht entzogen werden. Eine Beleihung sei auch nicht möglich. Für die Angehörigen der Kriegs- teilnehmer sei ein Kriegsfonds gegründet. Die Genossenschaft hat bisher immer versucht, sich selbst zu helfen.(Stürmischer Beifall.) Herr Burg schildert 5as gegründete Genossenschaftsheim und seine segensreiche Bestimmung. Die Arbeit darin wird von den Künstlern selbst erledigt ohne bezahlte Kräfte.(Bravo! und Bei- fall.) Nach längerer Diskussion bittet R i ck e l t nochmals, es möge jemand nachweisen, wo und wann die Genossenschaft versagt habe. Der einzige Vorwurf, den er sich zu machen habe, fei, daß er auch hungernde Nichtgenossenschafter unterstützt habe.(Allseitige Zu- rufe: Das ist kein Vorwurf, sondern ein Lob!) Der Vorstand werde alles einsetzen, um die Not zu lindern.(Tosender Beifall.) Tödlicher Ausgang. Polizeilich beschlagnahmt wurde die Leiche des 13 Jahre alten Schlossers Hermann Ebel, der infolge Gehirnblutung gestorben ist. Ebel machte am vergangenen Sonntag mit Familienangehörigen und Freunden einen Ausflug nach Hohenschönhausen. Beim Nach- hauseweg benutzten sie einen Privatweg, den sie ftüher schon un- gestört gegangen waren. Am Sonntagabend trat ihnen ein Auf- seher entgegen und forderte sie auf, einen anderen Weg einzu- schlagen. Da sie sich weigerten mit dem Bemerken, daß andere Leute auch nicht angehalten worden seien, schlug der Auffeher dem jungen Ebel mit einem Stock auf den Kopf. Er verspürte zwar einen brennenden Schmerz, konnte aber nach Hause gehen Hier starb er gestern, nach Ansicht des Arztes an Gehirnblutung infolge des Schlages auf den Kopf. Ein spekulativer Geschäftsmann scheint ein Kaufmann aus Treptow zu sein. Er macht für sein Kolonialwarengeschäft folgende Reklame: Extra- Blatt G.... P... aus Treplow, Graetzstr... ist gefallen mit Lcbensmittelpretsen. Diese Art Reklame, die ernstesten Dinge geschäftlich auszubeuten, ist so geschmacklos, daß sie wohl noch kaum übertroffen werden kann. Auslicgen der amtlichen Verlustlisten in Charlottenburg. Die amtlichen Verlustlisten und die daraus gefertigten Auszüge für den Stadlbezirl Charlollcnburg liegen bei den Polizeirevieren und außerdem in der Volksbücherei(Hauptstelle) Wilmersdorser Str. 166/167, in deren Nebenstelle Wormser Str. 6a, in der Magi- slratsbücherei, Rathaus<1. Obergeschoß), sowie in den Magistrats- geschästsstellen III(M'litärbureau Rathaus, I. Obergeschoß. Zim- mer 110) und IV(I. Obergeschoß, Zimmer 131) während der Dienst« stunden öffentlich auS. Auskunft über Verwundete in Groß-Berlin. Bei der Linienkommandantur Berlin, Schöneberger Ufer 1, im ersten Stock, wird darüber Auskunft erteilt, in welche Lazarette die in dem Bezirk von Grofi-Berlin trans- portierten Verwundeten untergebracht worden sind. Der Be- zirk umfaßt Berlin und Vororte bis einschließlich Potsdam und Spandau. Ueber Verwundete außerhalb dieses Bezirks kann leider Auskunft nicht erteilt werden. Die Dienststunden der Auskunftsstelle sind von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, auch Sonntags._ Wegen der Pfändung von Waren bei mehreren Zigarren- filialiften, über die wir gestern berichteten, teilt uns der in der Notiz als Vertreter der Grosteinkaufsgesellschaft bezeichnete Udo Stangenberg mit, daß er die Waren in Kommission habe und wegen Forderungen an einem am Ort befindlichen Kommissionär Arrest auf die in den Filialen vorhandenen Warenbestände habe legen müssen. Diese Maßregel richte sich nicht gegen die Filialiften, sondern gegen den Kommissionär, der die Filialen eingerichtet habe. Die Inhaber der Filialen würden von ihm— Stangenberg — nicht geschädigt. Die GroßeinkaufSgesellschast deutscher Konsumvereine ersucht uns durch ihren hiesigen Vertreter um folgende Mitteilung: „Herr Udo Stangenbcrg ist nicht Vertreter der Groß- einkaussgcsellschaft und hat zu den Handlungen, die er borge- nommcn hat, keinerlei Auftrag von der G.E.G., wie derselben über- Haupt auch nichts von den Vorgängen bekannt ist. Stangenberg ist selbständiger Kauftnann, der aus unseren Tabakfabriken Ware bezieht, aber auf den die G.E.G. sonst keinen Einfluß hat.� Sieben fliegende Kohlenhändler wurden von der 5triminal- Polizei im Norden der Stadt verhaftet. Die Gauner hatten es auf Hausfrauen abgesehen, die sie dadurch schädigten, daß sie ihnen billige Kohlen anboten, aber nie die vereinbarte Stückzahl lieferten. Wenn die Frauen die Kohlen nachzählten, so mußten sie feststellen, daß an hundert ein ganz Teil fehlte. Dazu kam, daß die Schwindler beim Abtragen auch noch Bargeld und Schmucksachen mitnahmen, wo sie Gelegenheit dazu fanden. Straßenunfälle. Am Dienstag gegen 12 Uhr mittags lief vor dem Hause Turm» straße 54 ein sechsjähriger Knabe vor einem herannahenden Lehr« wagen der Straßenbahn auf das Gleis und wurde, da der Wagen auf so kurze Entfernung nicht mehr rechtzeitig zum Halten gebracht werden konnte, umgestoßen. Der Knabe geriet mit dem rechten Fuß unter den seilliche» Schutzrahmen und erlitt eine schwere Quetschung des rechten Unterschenkels. Durch Anheben des Wagens mittel» mitgeführter Winden wurde der Verungliickie befreit. Der Schwer- verletzte wurde nach dem nahen Krankenhaufe Moabit gebracht. Eine Stunde später verunglückte der gleichaltrig« Erich Lange in Neukölln, Der Knabe lies beim Spiel gegen die rechte Vorder» perronccke eines Straßenbahnwagens, wurde umgestoßen und geriet mit dem Unterkörper unter das seitliche Schutzbrett. Durch Anheben des Wagens mittels mitgeführter Winden wurde der Verunglückte au« seiner entsetzlichen Lage befreit. Die durch Straßenpassanten herbeigerufene Feuerwehr brachte den bedauernswerten Jungen, der schwere Quetschungen und innere Verletzungen erlitten halte, nach dem Krankenhauie in Buckoiv, woselbst er bald darauf verstarb. Ein dritter Unfall ereignete sich in der Grunewaldstraße. Dort wollte vor dem Hause Nr. 35 der fünfjährige Rudi Zimmermann kurz vor einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Ringlinie 5 über das Gleis laufen. Der Kleine wurde umgestoßen, kam aber glücklicherweise neben dem Wagen zu liegen. Er erlitt Hautabschürfungen am Kopf und dem linken Bein und wurde nach der nahen elterlichen Wohnung gebracht, Ein vierter Straßenunfall hat sich am Dienstagabend gegen Uhr am Kaiserdanim zugetragen. Dort wollte vor dem Hauie Nr, 44 ein Herr Dr. Poppe einen Straßenbahnwagen der Linie H während der Fahrt besteigen. Er kam dabei zu Fall und geriet unter den Beiwagen, dessen Vorderräder ihm über beide Beine hinweggingen Dr. P, erlitt einen Bruch des linken Oberschenkel» und des rechten Unterschenkels, sowie eine Zerreißung des rechten Kniegelenkes, Der Schwerverletzte fand in dem Paulinenstist in der Eschen-Allee Aufnahme._ Unterstützung Angehöriger von Kriegsteilnehmern. Die Fir- men: Berliner Dampfmühlen A.-G., Schüttmühle» Berlin und Humboldt mühle- Tegel zahlen an die Frauen der Einberufenen je 10 M. und für jedes Kind 1 M. pro Woche. Die Firma Weizenmühle Karl Salomon u. To. halte zu Beginn des Krieges außer der Unterstützung der Familien- angehörigen den noch beschäftigten Arbeitern eine Zulage von 12 M. pro Woche gewährt, weil in den Mühlen, welche Militärlieferungen baben, jetzt sehr intensiv gearbeitet wird. Infolge der durch den Krieg hervorgerufenen Arbeitslosigkeit Ist im Einverständnis mit den Arbeitern jetzt diese Zulage auf die Hälfte reduziert worden. Die so ersparten Beträge werden von der Firma dem Magistrat (Stadthauptkasse) zugunsten der Arbeitslosenunterstützung und der Familien der Kriegsteilnehmer zugeführt. Der Grundbesitzerverein Schweizerberge(Röntgental), Kreis Zepernick, gewährt den Frauen, deren Männer im Felde stehen, bis auf weiteres eine Zuwendung von 8 M. pro Monat. Die Unter- stützung ist am 29. und 39. d. M., abends in der Zeit von 7—9 Uhr, beim ersten Vorsitzenden, Herrn Hugo Anke, Berlin N. 28, Swinemünder Straße 75, vorn 2 Treppen, in Empfang zu nehmen- Aus der Spree gelandet wurde Dienstag nachmittag ein unbe- kannte? Mädchen von etwa 25 Jahren. Die unbekannte Tote ist 1,63 Meter groß und kräftig, hat blondes Haar und trug einen grau-gelb-schwarz gestreiften Rock, ebensolche Bluse, weiße Unter- Wäsche und braune Schnürschuhe. Während ihre Wäsche L. M. gezeichnet ist, trägt ihr Taschentuch nur den Buchstaben b,. „Der wahre Jakob" gelangt am Freitag, früh 8 Uhr, zur Aus- gäbe und ist, wie üblich, in Vorwärtsausgabestellen und bei den Kolporteuren zu haben. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Britz, Buckow. Freitag, den 11. September, nachmittags 5 Uhr, im Rathaus. Diese Sitzungen sind iissentlich. Jeder GemeindeangehZrige ist be- rechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuivohnen. Mus öer Partei. Einem Briefe Franks vom 29. August aus Mannheim ent- nehmen wir folgende Stelle, die über die Gründe, die zu seiner Meldung als Kriegsfreiwilliger geführt haben, Aufschluß gibt: „Ich las eben im hiesigen„Generalanzeiger" eine sinnlose Notiz. Ich darf jetzt als Soldat keine Berichtigungen schreiben. Deshalb zu Ihrer Information folgendes: Meine Meldung als Freiwilliger erfolgte schriftlich in zwei Zeilen vom Reichs- tag aus(5. August) und enthielt-lediglich die Worte:„Der Unter- zeichnete bittet, sofort zum Felddienst einrücken zu dürfen. Ich werde mich nach meiner Ankunft in Mannheim sofort zur Ver- fügung stellen." Daß ich mich„auf Beförderung" gemeldet habe, ist Phantasie oder Schlimmeres. Mein Motiv war, durch die Tat zu zeigen, daß unser Beschluß vom 4. August nicht äußerlichem taktischen Zwang, sondern einer inneren Notwendigkeit entsprang — daß es uns also mit der Pflicht zur Verteidigung der Heimat bitter ernst ist. Ihr herzlichst grüßender Ludwig Frank." . Ein Schimpfpatriot. Eine abscheuliche Ausschreitung parteipolitischer Gehässigkeit leistet sich F. H. in einem Nachruf der„Tägl. Rundschau" auf unseren gefallenen Genossen Ludwig Frank. Herr F. H. glaubt den Toten in seiner Weise zu„ehren", indem er die ganze Arbeit seines Lebens mit den gröbsten Unflätigkeitcn bedeckt. Allderdings will Herr F. H. dem Genossen Frank allergnädigst verzeihen, weil er sich für das Vaterland erschießen ließ, was Herr F. H. be- kanntlich nicht getan hat, sonst könnte er ja nicht mehr für das Vaterland schimpfen. Herr F. H. hält den Zeitpunkt für gegeben, mit Frank eine Abrechnung zu halten. Wenn sich Frank als Volksvertreter be- zeichnete, so war das„eine widerwärtige, anmaßende Phrase". Die Organisation, der Frank angehörte, ist„eine in Gehässigkeit beschränkte Partei, ein vom Leib der Nation abgeschnürtes Glied". Selbst das„dunkelgekrauste Haar" und das„scharfgeprägte semitische Wesen" des gefallenen Volkskämpfers entgehen nicht der Aufmerk- samkeit des patriotisch-alldeutschen Beobachters. Aber, wie gesagt, da Frank tot ist, kann er gnädigst in die Gemeinschaft der Nationalen aufgenommen werden. Wir dürfen wohl danken in seinem Namen! Gewerkschaftliches. verlin unü Umgegenü. Die Berliner Tabakarbeiter und der Krieg. In einer Mitgliederversammlung des Tabakarbeiterverbande wurde Stellung zu der durch den Krieg im Berus geschaffenen Lag genommen. Während die Konjunktur in den vorgehenden Monaten nicht ungünstig war und der Verband bis 199 neue Mitglieder im Monat ausnahm, trat mir Beginn des Krieges eine plötzliche und umfangreiche Stockung in der Produktion ein. Besonders in der Zigarrenindustrie, die ja in Berlin keine große ist, machte sich die Arbeitslosigkeit geltend, so daß zurzeit 217 Arbeitslose in der Berliner Tabakindustrie vorhanden sind. Sehr scharf wurde in den Betrieben gegen die beschäfliaten Angehörigen feindlicher Staaten vorgegangen, die sofort entlassen, zum Teil sogar von Gendarmen aus der Fabrik geholt wurden. Auch die Firma M a n o l i entließ plötzlich die Ausländer. Als der Verband vorstellig wurde, erklärte die Firma, daß die deutschen Arbeiter nunmehr den Vorzug haben sollten. Es ist das dieselbe Firma, welche die Heranziehung von Ausländern sonst mit Vorliebe betrieben hat. Allerdings hieß es nachher, die Firma wolle sich vor Unan- nehmlichkeiten schützen. Aehnlich lag es bei G a r b a t y. Hier wurde sogar der Vertrauensmann entlassen, angeblich, weil er für die entlassenen Russen eingetreten und auch als Aufwiegler bekannt sei. Wenigstens behauptete dies die Pankower Polizei- behörde. In Wirklichkeit ist der betreffende Arbeiter ein äußerst ruhiger, pflichtgetreuer Mensch, dem niemand derartiges nachsagen kann. Festgestellt wurde auch, daß von den entlassenen Ausländern diejenigen, die nicht organisiert sind, wieder eingestellt worden sind, obwohl einheimische Arbeiter entlassen wurden. Die ganze Aktion scheint demnach auf eine Vernichtung der Organisation innerhalb des Betriebes hinauszulaufen. Heber- Haupt ist das Verhalten der Firma ihren Arbeitern gegenüber nicht so, wie es nach dem nach außenhin gezeigten Patriotismus der Inhaber scheinen könnte. Die Last de« Krieges drückt auch den Verband mit großer Wucht, obgleich die Unterstützungssätze wesentlich gekürzt bezw. ganz auf- gehoben worden find. Diese Maßnahmen wurden aus denselben Gesichtspunkten getroffen, aus denen auch die anderen Verbände ihre statutarischen Bestimmungen geändert haben. Deutsches Reich. Fabrikarbeiterverdand. Außer den bereits bekannten Maßnahmen tHochhaltung aller statutarischen Bestimmungen, mit Ausnahme der Krankenunterstützung, und auf Antrag Notlageunterstützung für die Familien, deren Ernährer im Felde stehen) erhalten vom 14. Sept. ob alle ausgesteuerten Mitglieder eine„AuSgesteuerten-Unteritützung". Diese Unterstützung soll die Hälfte der statutarischen Unterstützungs- sätze beWagen, für welche das Mitglied bezugsberechtigt gewesen ist. Mit diesen Einrichtungen hat die Organisation Verpflichlungen übernommen so weitgehender Art, daß dieselben nur durch- führbar sind, wenn alle in Arbeit stehenden Mitglieder pünktlich und gewissenhaft ihre Pflicht dem Verbände gegenüber tun. Darüber hinaus kann eine freiwillige.Arbeitslosensteuer" geleistet werden. Zu diesem Zwecke sind Karten und Marken im Werte von 19 Pf. angefertigt worden, und steht es im Belieben der Mitglieder, so viel Marken zu entnehmen, als sie wollen. Im Porzellanarieiterverband find beinahe 3999 Mitglieder zu den Fahnen einberufen. Ueber 8999 Mitglieder sind völlig be« schäftigungslos, über 4999 arbeiten beschränkt auf 4 bis herab zu 2 Tagen die Woche oder auf 7 bis herab zu 2 Stunden täglich. Unter solchen Umständen ist eS natürlich undenkbar, die statutarischen Unterstützungen voll oder auch nur annähernd aufrecht zu erhalten. Alle statutarischen Unterstützungen sind aufgehoben. Es kann sich jetzt nur darum handeln, die allgemeine Not der Mitglieder nach Möglichkeit zu mildern. Daher können die Unterstützungen leider nur sehr minimale sein. Es werden folgende Sätze festgesetzt. Es erhalten: Verheiratete Mitglieder in der 1ö Pf.-Beitragsklasse pro Woche 1,59 M. »„ 39.„»» 3,. „„ 45„„. 4,59. •„ 69„.„„ 6,—„ Unverheiratete Mitglieder in der 15 Pf.-Beitragsklasse pro Woche 1,— M. .» 39„„„„ 2,—, 9_ * N* ff ff ff ff .» 69„„.„ 4,—„ Diese Unterstützung erhalten alle Mitglieder, welche mindestens 52 Wochen Mitglied sind, mindestens 52 Wochenbeiträge geleistet haben und nicht mehr als 6 Wochenbeiträge restieren, wenn sie mehr als 6 aufeinanderfolgende Tage völlig erwerbslos waren, vom siebenten Werklage an. Es ist kein Unterschied zu machen zwischen solchen, welche gekündigt und entlassen sind, und solchen, welche, ohne entlassen zu sein, feiern müssen. Auch diejenigen Mitglieder, welche infolge Krankheit erwerbslos sind, aber von keiner Kasse Kranken- geld beziehen, erhalten die Unterstützung Eine unterschiedliche Dauer der Unterstützung nach Mitgliedsjahren besteht nicht. Die Unterstützung gilt nicht als statutarische, sie wird also nicht auf bestehende statutarische Anrechte angerechnet, wenn die Anrechte wieder aufleben bezw. in Kraft gesetzt werden. Mus Inöustm unü tzanöel. Die Kriegsauleihe». Durch einen Druckfehler ist in dem gestrigen Artikel„Die Kriegsanleihen" der Kurs der neuen Anleihen nicht ersichtlich ge- worden. Es werden am 19. September 1 Milliarde Mark fünf- prozentiger Schatzanweisungen zum Kurse von 9 7 P r o z. zur Zeichnung ausgelegt, und serner werden Zeichnungen auf eine fünsprozentige Reichsanleihe fderen Betrag nicht begrenzt ist) gleich- falls zum Kurse von 97'/z Proz. angenommen. Wer eine Sperr« Verpflichtung auf die ReichSanleihs eingeht die zugeteilten Stücke ins Reichsschuldbuch eintragen läßt, hat nur einen Kurs von 97,39 Proz. zu zahlen.(Vgl. die Bekanntmachung der Reichsbank im Heuligen Anzeigenteil.)_ Togo und Kameru« im Jahre 1913. Ueber die Wirtschaftslage in dem jetzt von den englischen Truppen besetzten Togo äußert sich' der Geschäftsbericht der Deutschen Togo- gesellschaft für 1913/14: „In der Wirtschaftslage der Kolonie äußerten sich die Folgen der mehrjährigen Trocken Periode in weiterem Rückgange der Produktenausfuhr, und zugleich machte sich im Warengeschäft die Verringerung der Kaufkraft der Bevölkerung in einem starlen Rück- gange der Umsätze fühlbar. Die Ausfuhr über die Seegrenze i a n k bei Palmenkernen von 11 699 auf 7199 Tonnen, bei Palmöl von 3299 auf 1199 Tonnen, bei Baumwolle von 559 auf 599 Tonnen; Kautschuk ging wegen des Preissturzes auf dem Weltmärkte von 169 auf 99 Tonnen zurück. Nur Kakao setzte seine stetige Steigerung fort und erreichte 339 gegen 289 Tonnen, an Mais wurden 2599 gegen 349 Tonnen über die Seegrenze ausgeführt. Der Gesamt- wert der Ausfuhr(ohne Bargeld) mit 5 939 999 M. blieb stark hinter den 8 923 999 M. des Vorjahres zurück. An Bargeld wurden zwei Millionen mehr aus- als eingeführt. Im ersten Halbjahr des Kalender- jahres 1914 hat der Rückgang der Ausfuhr von Palmkernen. Palmöl. Baumwolle und Kautschuk sich fortgesetzt; nur Mais und Kakao zeigen eine weitere Steigerung. Bei der Baumwoll- kultur ist die Zunahme des Anbaus im Anechobezirk bemerkenswert. Die Qualität der Togobaumwolle hat sich gegen die letzten Jahre wesentlich gebessert. Durch eine neue Baumwollverordnung hofft man, gute Qualität guch für die Zukunft zu sichern. Die E i n f u h (ohne Bargeld) sank von 19 411 999 M. auf 9 421 999 M. Diese Ausfälle spiegeln sich naturgemäß auch in den Finanzen des Schutz- gebietes wieder: das Elatsjahr 1913/14 schloß mit einem Fehlbetrage von 179999 M. ab. die Bruttoeinnahmen der Verkehrsanlagen blieben um 79 999 M. hinter dem Vorjahre zurück. Abgesehen von der kleinen Strecke Agbonu— Atakpame ruhte der Eisenbahnbau. Dagegen* wurde die Errichtung der großen Funkenstation in Kamina und einer kleinen Station in Lome nahezu beendet. Ueber die Wirtschaftslage in Kamerun wird in dem Bericht u. a. folgendes mitgeteilt: Infolge der Kautschukkrise ist der Handel Südkameruns genötigt gewesen, zum großen Teil seine Geschäfte zu liquidieren, und e? wird noch geraume Zeil dauern, bis sich hier aus der jetzigen Grundlage wieder ein normales Handels- geschäft entwickelt. Trotz dieser Ausfälle hat aber der Gesamthandel des Schutzgebietes sich im Kalenderjahre 1913 gegen das Vorjahr beträchtlich gehoben. Die Ausfuhr bezifferte sich auf 29 112 999 M. gegen 23 333 999 M. im Vorjahre. Davon entfielen noch immer 12,1 Mill. auf Kautschuk, 6.2 Mill. auf Palmkerne, 2Mill. auf Palmöl, 5,2 Mill. auf Kakao, 9.9 Mill. auf Holz und 9,8 Mill. auf Elfenbein; der Wert der Bananenaussuhr betrug 63 999 gegen 17 999 M., Die Einfuhr stieg in der gleichen Zeit von 29 159 999 auf 32 274 999 M.. wozu noch 2 343 999 M. stm Vorjahre 5 983 999 M.) Bargeld kommen. Bei den einzelnen Einfuhrartikeln stehen Baum- wollgewebe mit 4,4 Mill. und baumwollene Kleidung mit 2,9 Mill. an der Spitze, dann folgen enorme Mengen von Lebensmitteln, die zum großen Teil zur Verpflegung von Eingeborenen, darunter ins- besondere Plantagen« und Babnarbeitern, aber auch Trägern usw. bestimmt sind: so ftir 1,8 Mill. getrocknete Fische, für 1,6 Mill. Reis, für 9,5 Mill. Salz. Die Braninweineinfuhr betrug nur 9,7 Mill., dagegen die von Tabak und Tabakfabrikaten 1,2 Mill. In der Hauptsache für die Eisenbahn bestimmt sind 3,4 Millionen Mark für Eisenwaren. Diese Ziffern zeigen, daß der Handel iin ollgemeinen mit stetig steigenden Umsätzen in Aussuhr wie Einfuhr rechnen konnte."_ Schiffsverbindung mit Schweden. Die Baltische Reederei G. m. b. H. eröffnete den Verkehr zwischen Hamburg und Schweden. Soziales. Der Krieg berechtigt nie zur Entlassung. Eine grundsätzlich wichtige, mit unserer wiederholt dar- gelegten Anschauung übereinstimmende, Entscheidung hat nach längeren Verhandlungen das Leipziger Kaufmanns- grricht gefällt. Das Urteil ist erst nach mehreren Terminen ergangen, in denen der Vorsitzende zunächst die Ansicht ver- treten hatte, wegen mangels an Betricbsmaterial müsse eine fristlose Entlassung gegeben sein, wenn der Betrieb sich nicht aufrecht erhalten lasse. Am 5. dieses Monats erklärte es dann im Gegensatz hierzu, eine fristlose Entlassung sei auch durch Mangel an Betriebsmaterial nicht gerechtfertigt. Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde. Ein Handlungsgehilfe war als Akquisiteur und Verkäufer bei einer Fabrik tätig. Im Frühjahr war er sechs Wochen lang krank und erhielt während dieser Zeit sein Gehalt. Dann nahm er wegen flauen Geschäftsgangs vom 22. Juli bis 5. August unbezahlten Urlaub. Am 2. August stellte die Firma ihren Betrieb wegen der Mobilmachung ein. Die Heeresverwaltung hatte das Rohöl mit Beschlag belegt. Rohöl gebraucht aber die Firma zum Betrieb ihrer Maschinen. Am 7. August meldete sich der Handlungsgehilfe zum Antritt seines Dienstes, wurde aber entlassen. Die Firma erklärte, Aufträge könne Kläger nicht erhalten, erhielte er aber solche, so könne die Firma nicht liefern, weil infolge des Mangels an Rohöl kein Bctriebsmaterial vorhanden war. Dem Kläger wurde aus den oben angeführten Gründen das für die Zeit bis zum 39. September eingeklagte Gehalt zugesprochen. Lohnklagc. Von der öulichcn Zahlstelle des Verbandes der Zimmerer er- halten wir nachstehende Zuschrift: Die Nummer 238 des„Vorwärts" vom 1. d. M. enthielt unter Soziales einen Bericht mit der Ueberschrift: Aus der städtischen Bauverwaltung, worin der Verlauf einer Kollcktivklage von acht Zimmerleuten gegen die bekannte Firma Reincke u. Eo. vor dem biesigcn Gcwcrbcgericht wiedergegeben wird. Zum Schlüsse heißt es dann: Das Gericht wies die Klagen ab, weil Reincke u. Co. nicht die richtige Beklagte sei. Wir sind nun in der Lage, ergänzend hinzuzufügen, daß die genannte Firma angesichts der von uns nach dieser Richtung hin unternommenen Sclmtts nachträglich die Lokmsordcrungen der Zimmerer auf den städtischen Bauten Carmcn-Svlva- und Badstraße in vollem Um- fange anerkannt hat. Die Löhne selbst sind am 7. d. M. zu Händen unseres Vertreters zur Auszablung gelangt. Diese immerhin recht peinliche Angelegenheit ist damit aus der Welt geschafft. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umg. Protest gegen ein Hoftheater. Zu der aus dem Verbandsorgan der Bühnengenosienschaft von uns am Freitag übernommenen iWitteilung über das Verhalten des Hofthcaters in Darmstadt teilt uns die Generaldirektion mit, daß das Hoftheater im ganzen vier für den 1. September neu verpflichtete Mitglieder gekündigt habe, auch deren Verträge sollen nach Eintritt normaler Verhältnisse in Kraft treten. Niemandem von den anderen Mitgliedern und Angestellten des Hostheaters sei gekündigt worden._ 6nef?afkn üer Neüaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindcnstraste 63, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochcntäglich am Montag bis Freitag von Z bis 6 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr, statt. Jeder für den Briestasten be- stimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemcntsqvittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. S. 45». Eine Vervflichtung für die Stadt besteht in Ihrem Falle nicht, indessen raten wir Ihnen, den Versuch zu machen.— C.(9. 7. 1. Wir haben eine solche Mitteilung nicht finden können. 2. Da die Unter- stntzungen in der Regel sreiwillige sind, kann der Firma eine Verpflichtung zur Zahlung nicht auferlegt werden. 3. Vielleicht tragen Sie die Angelegen- bcit bei der Organllatton vor.—(9. 5k. 13. 1. Wer leiner staatlich an- erkannten und umeritützten Kirchengcmeinschast angehört. 2. Ueberhaupt keiner Konfession wigebört.— K. K 900. Nein, Besuch der Präparanden- anstalt und des Seminars sind ersoi derlich.— Zwei Streitende 10. Hat 1396 noch nicht bestanden, ist erst später ins Leben gerufen worden. H. 100, Schöncwcide. tKcschah die Kündigung im Einverständnis mit Ihrem Mann, so ist sie rechlmäxig. sonst würde die Einwendung deS Wirtes ziehen.— M. K. 100. 1. Vielleicht wird das Spiegelspind, die Schränke und die Kommoden für psändbar erklärt. 2. Eine neue Klage wäre nicht erforderlich. 3. Ein verschließbares Spind oder Kommode mug Ihnen bleiben. Eine Beschwerde hätte keine Aussicht aus Erfolg.— Münch. Ein Abzug würde vom Nichter nicht für berechtigt erachtet werden. Es hätte wohl nur eine Klage aus fernere Beleuchtung bis 10 Uhr Erfolg. — B. 200. 1. Ja. 2. Nein.— L..31. Obrenleiden und Schwer« Hörigkeit.— 7-. N. 401. 1. Drei Monate. 2. Dafür ist keine Frist ge< geben.— 3t. 3. 23. Keineswegs brauchen Sie der Aufforderung zu folgen.— Stein. Nach allerdings nicht ständiger Judikatur liegt keine Slrafbarkcit vor.— L. 49. Ja, aber Ihre Nichte müßte vorher die Forderung stellen.— Otte. Die Aushebung des Lehrvertrags und die Aussetzung ist ungerechtfertigt. Klagen Sie aus Fortsetzung und eventuell aus Schadcncriatz. Zuständig ist das Gewcrbegericht.—(Eduard. Nein. Cr. 2. Fr. Mach§§ 910 und 911 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann der Eigentümer eines Grundstücks Wurzeln eines Baumes oder eines Strauches, die von einem Nachbargrundstück eingedrungen sind, abschneiden und be- balten. Das gleiche gilt von hcriiberragenden Zweigen, wenn der Eigen« tümcr dem Besitzer des Nachbargrundstücks eine angemessene Frist zur Beseitigung bestimmt hat und die Beseitigung nicht mnerbalb dieser Frist ersolgt ist. Diese Rechte stehen dem Eigentümer jedoch nicht zu. wenn die Wurzeln oder die Zweige die Benutzung seines Grundstücks nicht bcein« trächtigen. Früchte, die von einem Baum oder einem Strauch aus das Nachbargrundslück hcrübersallen, gelten als Früchte dieses Grundstücks, fallen also Ihrem Schwiegervater zu.— F. B. 29. Sie können Zahlungsfrist beantragen, außerdem beantragen Sie Unterbrechung des BersahrenS, weil Sic zur mobilen Armee gehören, da der General- Ouarticrmcister in seiner Depesche vom 27. August mitgeteilt hat, daß der Landsturm mobil gemacht ist.— U. 14. 1. Nervenleiden. 2. und 3. Chronischer Geienkrhcumatismus, der dienftunsähig macht. — W. D. 35. Ja; nach den Bestimmungen ist das richtig.— F. D. 93, H. 100 und G. M. 40. Krankheiten de» Herzens.— A. Sch. 34 Der Wirst kann die nicht unentbehrlichen Möbel zurückbehalten. Sprechen Sie mit dem Vertrag in der juristischen Sprechstunde vor.— A. T. 55. Sprechen Sie mit dem Mielsvertrag in der Sprechstunde vor. Daß die Verpflichtung zur Mielszahlung unter gewissen Modalitäten weiter geht, ist vom„Vorwärts" ausführlich dargelegt.— Wollgast. In dem Fall wäre eine Räumungsklage zulässig und durchsührbar.— B. 7. Die Unter« stützung beträgt für die Frau 9 M., für icdcS der Kinder unter 15 Jahren 6 M. monalisch. Hierzu tritt der Gcmeindczuschlag, der in den ver- schiedencn Gemeinden verschieden ist. Wenden Sie sich beschwerdeführend zunächst an den Magistrat. Wenn erklärt wird, es sei kein Geld da, eventuell a» den Oberpräsidenten oder an den OberbeschlShabcr.— P. I. 12. Mit Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde ja.— Z. 101. Im Fall der Klage würden etwa 199 M. monatlich in Jbrem Fall als angemessene Unterhaltsgelder erachtet werden.— Ich. 25. Kehlkopf und Unterleib nicht ganz in Ordnung.— 3t. B. 183. Stellen Sie sich zur Versügwig und klagen Sie eventuell die Differenz ein.— P. H. 31. Leider steht Jbnen ein Ersatzanspruch nicht zu. Wenden Sie sich aber an das Aus- wärtige Amt.— 5k. M. 44. Hat»- und Rumpffehler.— E. W. 9. Ja. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marttballen-Direktion über den Großhandel in den Zeniral-Marktballen.(Ohne Verbindlichkett.) Mittwoch. 9. September. Fleisch: Rindfleisch per 50 lex Mark: Ochsen- fleisch la 76—85, do. IIa 70-74, do. ffla 58-68; Bullenfleisch la 72—78, do. IIa 64-70; Kühe, fett 50—62, do. mager 44—50, Fresser 71—76, Bullen, dän. 62—70. Kalbfleisch: Doppellender 100—115; Mastkälber la 90-100, do. Ila72— 88; Kälber ger. gen. 55—63. Hammelfleisch: Mastlämmer 90—95; Hammel la 85— 90. do. IIa 80-90; Schase85— 32. Schweinefleisch 62—64.— Gemüse, inländisches: Kartoffeln, weihe 50 kg 3,50—4,00; weiße Kaiserkronen 3,25—3,75; Magnum bonum 3,50— 4,00; Porree, Schock 0,60—0,80; Sellerie, Schock 3—7,50; Spinat 50 kg 6,00—9,00; Mohrrüben 2,00—2,50; Bohnen 50 kg 5,00—14,00; WachSbohncn 50 kg 8,00-18,00; Kohlrabi Schock 0,60—0,90; Wirsingkohl Schock 4,00-10,00; Weißkohl Schock 3.00—8.00. Rotkohl. Schock 3,60—9; Kohlrüben Schock 3—5,00; Btumenrohl. Erfurter, 100 St. 8,00—18,00, Meerrettich Schock 7,00—12,00, do. 50 kg 00,00: Petersilienwurzel Schockbund 1,00 bis 3,00; Radieschen Schockbund 0,70— 1,00; Salat Schock i,00— 8,00; Zwiebeln, 50 kg 3,00—4,00; Tomaten 50 kg 8,00—13,00; Pfefferlinge 50 kg 32,00—40,00; Steinpilze 50 kg 00,00-00,00; Gurken Schock 2,50-4,00, Scnsgurken Schock 6,00—16,00 M.; Einlegegurken Schock 1,50 bis 1,80. Kürbis 50 kg 2,50—3,50. Wetterausfichten für das mittlere Norddeutschland bis Freitagmittag: Im Westen ziemlich warm und vielfach wollig, strich- weise Gewitter, sonst trocken. Im Osten vorwiegend heiter und trocken, am Tage wieder warm, in der Nacht zum Freitag ziemlich kühl.