( 5 Pfennig) jjtfltttftflff rtttffßttfrg( 5 Pfennig) Ur. 351. Abonnements-Bedingungen: Monnements- Preis pränumerando: Bierteljädri. SM MI., mvnatl. U0 M!.. wöchentlich 25 Psg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Bell" IV Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZellungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2LV Mark, sür daS übrige Ausland « Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxem dura. Portugal, Nutitünicii, Schweden und die Schweiz. crlldtln! laglich. 31. Jahrg. Die Tniertlons-GebObr beträgt für die fechSgefpallene Kolonel- zeile oder deren Raum(50 Pfg., für politische und aewerkschastliche Vereins- und VersamminungS-Anzeigen 00 Pfg, „Kleine Hnieigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wntere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t> Uhr nachmittags in der Expedition Telegramm- Adresse: „Sdaiaidmilkat Rtrlla". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlanda. Reöoktion: SV. HS, Kinöenstraße Z. Ferusprecher: Amt Moritzplah. Nr. 151 SO— lol 97. Montag, den 14. September 1914. Expedition: Sw. HS, Ändenstraße 3* Fernsprecher; Amt Moritiplatz, Nr. 151 SS— 151 97. Zurückgewiesener klusfall aus klnwerpen. Jlucht öer Russen aus Ostpreußen. Berlin, den 13. September, 12 Uhr 40 Minuten abends.(W. T. B.) Amtlich. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben die Operationen, über die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden können, zu einer neuen Schlacht geführt, die günstig sieht. Die vom Feinde mit allen Mitteln verbreiteten, für uns ungünstigen Nachrichten sind falsch. In B e l g i e n ist heute ein Ausfallaus Antwerpen, den drei belgische Divisionen unternahmen, zurückgeworfen worden. In Ostpreußen ist die Lage hervorragend gut. DierussischeArmeeflieht in voller Auflösung. Bisher hat sie mindestens 130 Geschütze und 20—30 000 unverwundeteGefangene verloren. westlicher Kriegsschauplatz. kruppsche Oeamte gefangen? Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Die Antmerpcner„Nicuwe Gazct" berichtet merkwürdige Details über drei deutsche Flieger, denen am Montag bei Streißen in Ostflandcrn der Apparat beruntergeschosscn wurde, Alle drei waren Beamte des Hauses Krupp. Zwei von ihnen, die Herren A. R. Jacob und von Schenk haben selbst an die belgische Regierung eine Menge Kanonen geliefert und sogar der Aufstellung dieser Geschütze in den neuen Ant- werpener Forts beigewohnt. Der dritte war der aus dem Krupp-Prozetz bekannte Herr von Motzen. Soweit das Antwerpener Blatt. Bürgschaft für die Meldung können wir natürlich um so weniger übernehmen, als die Tendenz der belgischen Presse, möglichst„sensationelle" Gefangene zu verzeichnen, unleugbar ist. So ist ja auch seinerzeit gemeldet worden, der erste Gefangene dieses Krieges sei Leutnant von Forstncr gewesen. Hamburger Eisenbahner für Oelgien. Wie ein Privattelcgramm dem„Lokal-Anzeigcr" meldet, der- liehen am Sonnabend 550 Beamte der Eiscnbahndirektion Altona, Oberbeamte, Stationsvorsteher, Assistenten, Bahnmeister, Zugführer, Schaffner. Weichensteller und Bahnwärter, in einem Sonderzuge den Hamburger Hauptbahnhof, um sich nach Brüssel zu begeben, wo sie die dort schon befindlichen deutschen Eisenbahner verstärken sollen. vom östlichen Kriegsschauplatz. Amtlich. Großes Hauptquartier, 12. September. sW. T. B.) Die Armee des Generalobersten v. Hindenburg hat die russische Armee in Ostpreußen nach mehrtägigem Kampf vollständig geschlagen. Der Rückzug der Russe» ist zur Flucht geworden. Generaloberst v. Hindendurg hat in der Verfolgung bereits die Grenze überschritten und meldete bisher über zehntausend«nverwundete Gefangene, etwa achtzig Geschütze. Außerdem Maschinengewehre, Flugzeuge, Fahrzeuge aller Art erbeutet. Tie Kriegsbeute steigert sich fortgesetzt. Der Geiievalquartiermeister. v. Stein. sWiedeiholt, da nur in einem Teil der Auslage.) die Russen vor üer ßestimg Lotzen. Wie Berliner Blätter berichten, war die ostpreuhische F e st u n g Lätzen vor der Schlacht bei Tannenberg von den Russen um- zingelt. Ter Chef der russischen Truppen erließ zu der Zeit eine Proklamation an den Kommandanten der Festung, in der er diesen zur Uebergabe der Festung ausforderte, tts wurden dabei folgende Schriftsätze gewechselt: 14. August, 5,40 vormittags. An den Herrn Kommandanten von der Festung Lätzen! Lätzen ist schon von den Truppen der russischen Kaiserlichen Armee ganz eingeschlossen. Unnützlich ist eine weitere Verteidi- gung der Festung. Mir ist befohlen, Sie zu beauftragen, die Festung freiwillig uns zu übergeben— damit kann man vor- meiden unnützliche Verluste. Sie haben zu Ihrer Verfügung vier Stunden, um die un- sere Bedingung zu überlegen. Wenn Sie nicht wollen mit dieser Bedingung zufrieden sein, so wird man mit offener Kraft die Festung nehmen und in diesem Falle doch kein Stein auf Stein nicht aelassen wird. Chef der Kolonne, gez.: K 0 n w r a t j e w. Di« Antwark auf dieses Schreibe» lautete: Feste Bojen. Lätzen, den 14. August, 10 Uhr vormittags. Ew. Exzellenz! Ew. Exzellenz bringe ich mein lebhaftes Bedauern zum Aus- druck, daß die von Ew. Exzellenz vorgeschickten Parlamentäre, 1 Major, 1 Adjutant, 1 Trompeter, von meinen Truppen an- geschossen worden sind. Ein vorgeschobener Posten hat sie von der Seite bzw. vom Rücken aus gesehen und will die Parla- mentärflagge nicht bemerkt haben. Ich werde den Vorfall peinlich untersuchen und stelle strenge Bestrafung in Aussicht. Ew. Exzellenz können versichert sein, daß von meinen Truppen streng nach den Gesetzen des Völkerrechts gehandelt wird. Die Verwundeten sind in das Lazarett aufgenommen; sie erhalten dort beste Pflege und werden nicht als Gefangene be- handelt. Sobald es deren Zustand erlaubt, werden diese ausgeliefert werden. Was Ihre Aufforderung anbetrifft, die Feste zu übergeben, so weise ich dieselbe für mich und meine tapfere Besatzung als im höchsten Grade beleidigend zurück. Ter Kommandant der Feste Bojen, gez.: Busse. Ter russische Befehlshaber antwortete: Seine Exzellenz den Kommandanten der Festung Lätzen? 14. August, 10 Uhr vormittag?. Ihre Parlamentiere sind angekommen und Ihr Schreiben in Ewvkana nenommen. Der)mcrzliche Vorfall hat in un- jeren Herzen starken WiderhaÜ gesUureA. Ich oin oavon über- zeugt, daß die deutsche Nation das internationale Abkommen nicht verletzt und mit unseren Parlamentiers gemäß den zwischen den Mächten geschlossenen Vereinbarungen verfahren wird. Der Kommandant der Kolonne, gez.: Konwratjew. Wenige Tage nach diesem Schriftwechsel war die Feste be- reits durch unsere Truppen entsetzt. An diesen interessanten Briefwechsel möchten wir an die, die noch einer ernsten Selbstprllfung fähig sind, die Frage richten: Wie hätte wohl die große Mehrzahl der deutschen Blätter ge- schrieben, wenn deutsche Parlamentäre von Russen ange- schössen worden wären? vom österreichisih-rusfisthen Kriegsschauplatz. Rückzug der Gefterreicher auf przempfl. Wien, 13. September.(W. T. B.) Amtlich wird bekanntgegeben: In der Schlacht bei Lemberg gelang es unseren an und südlich der Grodeker Chaussee angesetzten Streitkräften, den Feind nach fünftägigem hartem Ringen zurückzudrängen, an zehntausend Gefangene zu' machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Dieser Erfolg konnte jedoch nicht voll ausgenutzt werden, da unser N o r d f lü g e l bei Rawaruska von großer Uebermacht bedroht ist und überdies neue russische Kräfte so- wohl gegen die Armee Tankl als auch in dem Raum zwischen dieser Armee und dem Schlachtfeld von Lemberg vordrangen. Angesichts der sehr bedeutenden Ueberlegenheit des Feindes war es geboten, unsere schon seit drei Wochen fast ununter- brachen heldenmütig kämpfenden Armeen in einem guten Abschnitt zu versammeln und für weitere Opera- tionen bereitzustellen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. Höfer. Der in dieser Depesche genannte Ort Grodek liegt unge- fähr 20 Kilometer südwestlich Lemberg, Rawaruska ungefähr 30 Kilometer nördlich Lemberg. Der„gute Abschnitt", in dem die zurückgehende österreichische Armee gesammelt werden soll, ist offenbar die große Lagcrfestung P r z e m y s I, von der die genannten beiden Orte 40 bis 50 Kilometer entfernt sind. Die bisher siegreiche Armee Tankl, die sich zuletzt bei Lublin (ungefähr 110 Kilometer nordwestlich von Lemberg) behaup- ten konnte, mußte befürchten, von den im Gebiete von Lemberg vordringenden Russen abgeschnitten zu werden, sie mutzte sich daher ebenfalls zum Zurückgehen entschließen. Die vorsichtig formulierte Fassung des österreichischen Generalstabstelegramms kann nicht über die Tatsache hinweg- täuschen, daß bis jetzt der Erfolg auf dem galizischen Kriegs- schauplatze mehr auf feiten der Russen als auf der der Oester- reicher war. Es ist daher eine ganz blöde Sensationsmache und Irreführung der Oeffentlichkeit, wenn eine Anzahl Berliner Abendblätter(z. B.„Tägl. Rundschau",„S-Uhr-Abendblatt" usw.) die obenstehende Meldung mit der knalligen Ilsberschrift ..Großer österreichischer.Sieg" wiederaaben. vermehrte Heranziehung üer österreichischen Lanüsturmpflichtigen. Wien, 13. September(W. T. B.) In der nächsten Zeit sollen die 1894 geborenen und dann die 1892 und 1893 ge- borenen Landsturmpslichtigen, letztere, soweit sie weder assen- tiert noch waffenunfähig befunden waren, zur Landsturm- Musterung herangezogen werden. Die bei dieser geeignet Be- fundenen werden sodann in einem nicht allzu fernen Zeit- punkte auf Grund des Landsturmgesetzes zum Dienste mit der Waffe einberufen werden. Der Krieg in den Kolonien. Kämpfe in Kamerun.— Die Engländer im Dismarck-�irchipel. Amtlich. B e r l i n, 13. September.(W. T. B.) Neber Kämpfe in den deutschen Kolonien liegen wieder verschiedene englische Meldungen vor. In Kamerun sind danach drei englische Offiziere ge- fallen und mehrere Mannschaften v-'-mundet hwd-m Einzel. heiten werden über diesen Zusammenstoß merkwürdigerweise nicht berichtet, doch ist aus den Namen der gefallenen Offiziere zu ersehen, daß Truppen aus Nigeria an dem Kampfe teil- genommen haben. Aus der S ü d s e e meldet der Kommandeur der austra- lischen Marine, daß am letzten Freitag Herbertshöhe im Bismarck-Archipel von den Engländern besetzt wor- den ist. Die funkentelegraphische Station wurde zerstört. Dem englischen Berichte ist zu entnehmen, daß die kleine Anzahl der dortigen Deutschen heldenmütigen Widerstand geleistet hat. Nach einer Meldung des„Berliner Lokalanzeigers" aus Rotterdam mußten die englischen Truppen, um die Station Herbertshöhe zu erreichen, vier Meilen in denlLald durchdringen und mehrere Minen passieren. Die Engländer verloren einen Kapitänleutnant und zwei Matrosen an Toten und hatten drei Verwundete. Zwei deutsche Offiziere, fünf Unteroffiziere und 30 eingeborene Polizisten wurden gefangen- genommen. Der BiSmarck-Archipel ist eine halbkreisförmig im westlichen Großen Ozean gelegene Gruppe von ungefähr 200 Inseln ver- schiedener Größe. Er ist ein Teil des deutschen Schutzgebiets Neu- Guinea. Die größten Inseln des Archipels sind Neu-Pommern mit 25 000 Ouadraikilometern, Neu- Mecklenburg mit 13 000 Quadrat- kilometern und Neu-Hannover mit 1500 Quadratkilometern. Die Eingeborenen sind etwa 180 000 Papuas, die auch„Kanaken" ge» nannt werden. Die deutsche Herrschaft datiert seit dem Jahre 1884: im Jabre 1809 übernahm das Reich die Verwaltung, nachdem bis dahin die Neu-Guinea-Gesellschaft das Verwaltungsrecht innegehabt hatte. Sitz des Gouverneurs und des Kaiserlichen Richter« für den BiSmarck-Archipel wurde Herbertshöhe an der Blanche-Bucht auf der Gazellenhalbinsel(Neupommern). Dem Gouverneur stand eine Polizeitruppe von etwa 100 mit Karabinern bewaffneten Einge- borenen zur Verfügung, die jedenfalls in dem Kampfe gegen die Engländer durch die europäischen Beamten usw. verstärkt wurde. Der Seekrieg. Einschränkung ües Verkehrs zwischen Inüien unü üer Türkei. Frankfurt a. M., 13. September.(W. T. B.) Die„Frank- furter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Die englische, zwischen Bagdad und Basra verkehrende Lynch-Schiffahrts- linie hat den Verkehr eingestellt. Ebenso hat England den daran anschließenden Verkehr von Basra nach Bombay aufge- hoben. Diesen englischen Maßnahmen kann, da sonstige Stö- rungcn dieser einträglichen Linien nicht zu fürchten sind, nur die Tendenz innewohnen, wegen der zunehmenden Erregung in Indien dessen lebhaften Wechselverkehr mit dem türkischen Reiche nach Möglichkeit zu unterbinden. freies Geleit für üeutsche Diplomaten. Kopenhagen, den 12. September. Der dänische Amerika- Dampfer„United StateS" kam von New Uork in Kopenhagen an. Unter den Passagieren waren drei Diplomaten aus der deutschen Botschaft in Washington. Es waren dies Baron Welczeck, Kurt von Kamphövener und I. Klevitsch, welche alle drei als Diplomaten freies Geleit von den Engländern echielten. In der Nordsee wurde das Schiff zweimal von Offizieren englischer Torpedobootzerstörer durchsucht, welche die Schiffspapiere und Passagierlisten, einsahen. Zu den Kämpfen in deutsch-Gftafrika. Ter„Frankfurter Ztg." wird aus London folgende Mel- dung des britischen Gouverneurs von Nyassaland mitgeteilt: Eine englische Streitmacht rückte am 8. September vor, um den Feind über die Grenze nach Deutsch-Ostafrika zu werfen. Tie Deutschen waren 40(1 Mann stark. Sie zogen sich zurück und griffen Karotga an, das von 50 Mann, darunter 9 Weißen, verteidigt wurde. Nach dreistündigem Kampfe traf d:e englische Hauptmacht ein, die die Deutschen gegen Songwi zurückdrängte. Mehrere Deutsche wurden getötet, drei Offiziere verwundet und gefangengenommen. Auf englischer Seite wurden vier Europäer getötet und sieben verwundet. der Reichskanzler gegen Englanö. Kopenhagen, 13. September.(W. T. B.) Ritzaus Bureau hat vom Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg nachstehende Mitteilung empfangen: Der e n g l i s ch'e P r e m i e r m i n i st e r hat in' seiner Guildhall-Rede für England die Beschützerrolle der kleineren und schwächeren Staaten in Anspruch genommen und von der Neutralität Belgiens, Hollands und der Schweiz gesprochen, die vonDeutschland gefährdet sei. Es ist richtig, wir haben Belgiens Neutralität verletzt, weil die bittere Not uns dazu zwang. Aber wir hatten Belgien volle Integrität und Schadloshaltung zugesagt, wenn es mit dieser Notlage rechnen wollte. Belgien wäre dann ebensowenig etwas geschehen, wie z. B. Luxemburg. Hätte England, als Schützer der schwächeren Staaten, Belgien unendliches Leid ersparen wollen, dann hätte es ihm den Rat erteilen müssen, unser Anerbieten anzunehmen.„Geschützt" hat es unseres Wissens Beligen nicht. Ist also England wirklich ein so selbst- loser Beschützer? Wir wissen genau, daß der französische Kriegsplan einen Durchmarsch durch Belgien zum Angriff auf die unbeschützten Rheinlande vorsah. Gibt es jemand, der glaubt, England würde dann zum Schlitze der belgischen Frei- heit gegen Frankreich eingeschritten sein? Die Neutralität Hollands und der Schweiz haben wir streng respektiert und auch die geringste Grenzüberschreitung des Niederländischen Limburg peinlichst vermieden. Es ist auffällig, daß Herr Asquith nur Belgien, Holland und die Schweiz, nicht aber die skandinavischen Länder erwähnt. Die Schweiz mag er ge- genannt haben im Hinblick auf Frankreich, Holland und Belgien aber liegen England gegenüber an der anderen Küste des Kanals: darum ist England um die„Neutralität" dieser Länder so besorgt. Warum schweigt Herr Asquith von den skandinavischen Reichen? Vielleicht weil er weiß, daß es uns nicht in den Sinn kommt, die Neutralität dieser Länder an- zutasten? Oder sollte England etwa für einen Vorstoß in die Ostsee oder für die Kriegführung Rußlands die dänische Neutralität doch nicht für ein ncüi me tangere halten? Herr Asquith will glauben machen, daß der Kampf Englands gegen uns ein Kampf der Freiheit gegen die Gewalt sei. An diese Ausdrucksweise ist die Welt gewöhnt. Im Nainen der Freiheit hat England mit Gewalt und einer Politik des rück- sichtslosesten Egoismus sein gewaltiges Kolonialreich-, bc» «ründet. Im sstamen der Freiheit hat es noch um die Wende ieses Jahrhunderts die Selbständigkeit der BurerepuMcn vernichtet. Im Nonien der Freiheit behandelt es jetzt Aegypten, unter Verletzung internationaler Verträge und eines feierlich gegebenen Versprechens, als englische Kolonie. Im Namen der Freiheit verliert einer der malayischen Schutz- staaten nach dem andern seine Selbständigkeit zugunsten Englands. Im Namen der Freiheit sucht- es durch Zer- schneidung der deutschen Kabel zu verhindern, daß die Wahr- heit in die Welt dringt. Ter englische Ministerpräsident irrt. Seit England sich mit Rußland und Japan gegen Deutsch- land verband, hat es in einer in der Geschichte der Welt einzig dastehenden Verblendung die Zivilsation verraten und die Sache der Freiheit der europäischen Völker und Staaten dem deutschen Schwert zur Wahrung übertragen. gez.: Bethmann Holl weg. Ein Seispiel. Von E di B e r n-st e i n. Mit der Ileberschrift..Eine ehrliche Stimme aus England" bringt das„Berliner Tageblatt" vom 10. September folgende Depesche aus Rom: „Die führende- liberale englische Revue„Nation" veröffent- licht eine ausführliche Abhandlung über den Krieg, die darin gipfelt/daß England den Krieg ganz ohne Grund gegen alle Treu und Glauben vom Zaune brach, daß England Frankreich niemals den Krieg erklärt hätte, falls dieses in Belgien eingerückt wäre, daß Teutschland stets loyal gegen England gehandelt habe, und daß England nur dem Zarentum und dem russischen Militaris- mus aushelfe mii den Fortschritt des Russcnvolkes hemme!" Als ständiger Mitarbeitet der„Nation" von ihrer Gründung an bis zum Zeitpunkt, wo der jetzt, tobende Krieg alle Verbindung mit England unmöglich gemacht hat/ und Freund ihres Leiters H. W. Massinghäm zweifle ich keinen Augenblick daran, daß diese demokratische Wochenschrift auch während des Krieges sich treu ge- blieben ist und, statt die Schuld an ihm einseitig anderen Ländern in dieSchUhc zu schieben, die Mitschuld der eigenen Regierung schonungs- los festzustellen sucht. Weiß ich doch besser noch als vielleicht selbst die Leser der„Nation", wie sehr ihrem Herausgeber die Erziclung freundschaftlicher Beziehungen zwischen England und Teutschland am Herzen lag. Mit unermüdlichem Eifer hat die„Nation" vom ersten Tage ihres Bestehens an die auswärtige Politik Englands unter diesem Gesichtspunkt kritisiert und, ohne deshalb eine Stellungnahme gegen Frankreich zu befürworten, mit großer Schärfe beharrlich dagegen angekämpft,- England zum Werkzeug der Ränke der mit den russischen Hetzpolitikern Hand in Hand arbeiten- den französischen Finanzwclt herabsinken zu lassen. Es entspricht durchaus der Vergangenheit Massinghams: der in den Tagen des Burenkrieges ohne Besinnen seine glänzend bezahlte Stellung als erster Redakteur des„Daily Chroniele" aufgab, um rückhaltlos gegen jenen- Krieg die Feder zu führen, wenn er auch jetzt wieder seine hervorragende scbriftstellcrische Begabung dazu aufwendet, seinem Poll klar zu machen, daß die Leiter der auswärtigen Politik Eng- lands Mitschuldige an diesem Krieg sind. Mitschuldige, sage ich. Denn so wenig ich bezweifle, daß die „Nation" in dem erwähnten Artikel scharfe Abrechnung mit Sir Edward Grcy hält, so sicher bin ich, daß sie es nicht mit ihm allein zu tun hat. Das zeigt mir unter anderem ihr Artikel über den drohenden Krieg in ihrer Nummer vom 1. August dieses Jahres, der letzten, die mir noch zugegangen ist. Der Auszug aus ihrem neuesten Artikel, der dem„Berliner Tageblatt" telegraphiert wird, mag einzelne Sätze dieses Artikels richtig auslegen und kann dabei doch ein ganz falsches Bild seines Gesamtinhalts geben. Wir haben das an den, Auszug gesehen, der dem„Berliner Tageblatt" und anderen bürgerlichen Blättern � aus dem Artikel des Genossen I. R. Macöonald im„Läbour Lcader" über den Krieg zugegangen ist. Ein Vmgleich dieses Auszugs mit der Zusammenstellung des wirklichen Inhalts des Macdonaldschen Artikels, die der„Vorwärts" veröffentlicht' hat, zeigt deutlich, daß der besagte Auszug die Aus- führungcn unseres Genossen durch Fortlassung wichtiger Punkte geradezu aus den Kopf stellt. Des weiteren zeigt das Beispiel der„Nation", welcher Freiheit sich- auch jetzt im Krieg noch die Presse in England erfreut. England ist durch den Krieg territorial nicht in gleicher Weise bedroht, wie Deutschland es ist oder wenigstens bei Beginn des Krieges war. Aber um so mehr ist seine Wcltstellung gefährdet, und dq kann es seiner Regierung wahrhaftig- nicht gleichgültig.sein, wenn eiiw angesehene Zeitschrift sie.i-t. sicher Weise.für den. Krieg, verant- wörtlich oder mltbcxasitwyrtlich' macht, wie die„NacsoN" es tut lind'dre' �NättSn" steht sichch:' nicht Mein da. Der„Manchester Guardian", der„Economisi" und.'ändere Blätter werden kaum viel anders schreiben als sie. Ihnen wie unseren sozialistischen Genossen die zum Teil einen noch schärferen Krieg führen, wird von der Regierung aus kein Zügel auferlegt. Es. untersteht auch, keinem Zweifel, daß ihnen viel mehr Blätter aus dem Ausland zugehen als uns. Man spricht bei uns beständig von„englischen Lügen". Gewiß'gibt es in England journalistisches Gesindel, das sich ein Geschäft daraus macht, das Publikum mit Märchen aller Art je nachdem zu schrecken, aufzu- stacheln oder in trügerische Siegesstimmung zu versetzen. Wo gibt es dergleichen nicht? Nicht das zu erfahren ist das Wichtigst-, sondern ein wahres Bild der ösfxntlichen Meinung derjenigen Län- der zu' erhalten, die mit Deutschland im Krieg liegen.. Ter zitierte Artikel der„Nation" ist nur ein Beweis unker vielen, wie abgeschmackt das Verdammungsurleil über alles Eng- tische ist, in dessen' Verkündung fast die ganze bürgerliche Presse bei uns sich jetzt gefällt und ein Teil des deutschen Gelehrtentums sich heiser schreit. vielen, wie abgeschmackt das Anathema über alles Englische ist, sn dessen Berkündung fast die ganze bürgerlische Presse bei uns sich jetzt gefällt und ein Teil des deutschen Gelehrtentums sich heiser schreit. Aus keinem Land sind so viel Stimmen gegen den Krieg mit Teutschland zu uns herübergedrungen, wie gerade aus England, und die erste Aeußerung aus der englischen Gelehrten- Welt über den'Krieg waren Proteste von Professoren englischer Universitäten nicht gegen Deutschland, sondern gegen den Krieg mii Teutschland. Drei englische Minister haben ihre Posten nieder- gelegt und damit aus sehr hohe Gehälter verzichtet, weil sie von diesem Krieg nichts wissen wollen, und es wären ihrer zweifels- ohne noch mehr gewesen, wenn nicht der Hilferuf Belgiens vielen englischen Liberalen den Mund geschlossen hätte. Noch in der Nummer des„Daily Chroniele" vom 31. Juli— der letzten, die mir ausgehändigt wurde— stellt dieses weitverbreitete Londoner Blatt mit Genugtuung die Abwesenheit jeder antideutschen Stimmung im englischen Publikum fest und drückte sein volles Vertrauen in die Friedensliebe der deuschen Regierung aus. Daß in den breiten Massen des englischen Volkes der Krieg nicht populär- war, bestäti- gen noch heute selbst Berichte unserer bürgerlichen Blätter. Was hat es angesichts dieser Tatsache für einen Sinn, den Zorn über die Politik Sir Edward Greys und gewisse verdammenswerte Kriegs- maßnahmen der englischen Regierung zu einer Verdammung einer ganzen Nation ausarten zu lassen, die zu allen Zeiten ihrer Ge- schichte Männer hervorgebracht hat, welche selbst mitten im Kriege mutig lieber ihre ganze Existenz aufs Spiel setzten als zu dem Unrecht zu schweigen, das nach ihrer Ansicht das eigene Land beging. Kein Volk ist während eines Krieges frei in seinem Tun. Ob es ihn billigt oder nicht, es hat, wenn er Tatsache ist, zu viel von seinem ungünstigen Ausgang zu fürchten, um sich leichthin den Ver- sügungen widersetzen zu können, welche die mit der Führung des Krieges betrauten Personen treffen. Es hat sie und vieles andere, was der Krieg mit sich bringt, über sich ergehen zu lassen. „Tbcir's not the reason why, Their's but to fight and die"— „Sie haben nicht warum zu fragen, Nliv ihre Haut zu Markt zu tragen", singt Alfred Tennhson in seiner Ballade über den Frevel des töd- lichen Ritts der leichten englischen Kavallerie bei Balaklava. So ist es in der Hauptsache noch heute. Der Krieg kennt, einmal ent- brannt, kein Warum mehr. Lasse man es daran genug sein, genug an den Rechten, die er für sich beansprucht. Aber überbiete man ihn nicht noch dadurch, daß man auch noch die geistigen Grund- bedingungen zukünftigen Zusammenwirkens der Kulturvölker untergräbt, daß man über das Unvermeidliche hinaus Verbitterung und Verhetzung schafft, zwecklos und zweckwidrig die geistigen Bande zerstört, welche vor Ausbruch des Krieges über die Grenzen der sich jetzt befehdenden Nationen hinweg Tausende und aber Tausende im Wirken für gemeinsam« Ziele auf den verschiedensten Ge- bieten der Kultur verbunden haben und die nach seiner Beendigung möglichst schnell wieder angeknüpft zu sehen im Interesse des Ge- deihens aller beteiligten Völker liegt. Eine Drohung öer „Deutschen Tageszeitung'.; Die„Deutsche Tageszeitung" droht, den „Burgfriedenzubrechen. In auffälliger Schrift ver- öffentlicht sie folgende Kundgebung: „Mit großer, bedeutungsvoller Einmütigkeit haben zu Be- ginn dieses Krieges alle politischen Parteien in Deutschland sich zu gemeinsamem Handeln zusammengefunden, um die siegreiche Durchführung des uns aufgezwungenen Kampfes zu unterstützen und zu sichern. Tie Behandlung von Meinungsverschiedenheiten auf dem Gebiete der inneren und der Wirtschaftspolitik wurde gleichsam nach stillschweigender Uebereinkunft aus den öffent- lichen Erörterungen ausgeschieden, es wurde ein allgemeiner „Burgfriede" zwischen den Parteien hergestellt. Wir und die uns nahestehenden Organisationen haben an diesem Burgfrieden unbedingt festgehalten; allen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die die Regierung in dieser schweren Zeit für notwendig hält, Sewacht Sie Kultur. Man hat gesagt, daß der Krieg die besten zugleich und die niedrigsten Triebe des Menschen zu bedeutender Offen- barung reize. Dieser Satz ist eine irrtümliche Um- schreibung dessen, was durch den Krieg wirklich geschieht. Der Krieg tut nicht anders, als die einfachsten Instinkte wieder zu den b e h e r r s ch e n d e n zu inachen. Darin ist wohl eingeschlossen, daß gewisse sittliche Anlagen heroisch gesteigert werden, wie etwa, daß das Gemeinschaftsgefühl einer nationalen Gruppe die im Frieden bestehenden Hem- mungen opferwillig überwindet. Daneben aber steht leider der unermeßliche Schaden, der durch den Krieg der Menschheit in ihrer Gesamtheit, von einer höheren Warte gesehen, der menschlichen Kultur zugefügt wird, der Kultur, die letzten Endes in der immer steigenden Verfeinerung der Unter- scheidungsfähigkeit, der Urteilskraft, in der Unterjochung der Triebe unter den Verstand besteht. Was geschieht jetzt, da das berühmte„europäische Gleich- gewicht" und bald wohl auch das außereuropäische krachend zusammengebrochen ist, mit den Massen der Menschen? Sie fallen in die Naturtriebe und Natursorgen zurück, über die sich zu erheben eben erst langsam, langsam der Sozialismus die Möglichkeit schuf. Essen, trinken, schlafen, zeugen und den Gegner nieder- strecken— das allein sind im Kriege des Menschen Pflichten und Genüsse. Alles, außer Kleidung, Nahrung, Metall und Kohlen, ist in einem hohen Maße entwertet. Das bedeutet in einem ge- wissen Sinne auch einen Schlag gegen die kapitalistische Welt- ordnung und ihr Kreditsystem, einen viel heftigeren Schlag aber leider auch gegen die Kultur. Wer liest noch Bücher? Die Bibliotheken, die Museen Eerden geschlossen. Aus vielen wird man Lazarette und Proviantlager machen. Ein Gemälde von Raffael oder von Feuerbach— was sind sie im Augenblicke noch wert. Was steht in den Zeitungen, sonst einem der wichtigsten Förderungs- mittel der Kultur? Ausschließlich Nachrichten J)on Kämpfen des Menschen gegen den Menschen, von Siegen und Nieder- lagen.— Die Gelehrten, die Denker, die Dichter— sie sind heute die wertlosesten unter uns allen. Alles Denken, so- weit es nicht militärisch arbeitet, ist ein Luxus. Kultur be- deutet immer feinere, immer tiefere, immer größere Aus- bildung des Hixnes- Im Kriegs gbex- gelten die Beine, das Auge. und das Herz einschließlich auch seiner Eigenschaften im übertragenen Sinne: Mut, 5iameradschaft, Opfersinn. Vaterlandsliebe— alles, das Hirn aber, nur soviel, als es militärisch arbeitet. Es ist sicher: wenn durch diesen ungeheuren Weltkrieg Europa monatelang, vielleicht jahrelang nur in Schlachtberichten gedacht haben wird, so wird die Kultur der Mensch. heit nach� dem Kriege wieder in der Mitte ihres Weges be- ginnen, sie wird wie ein lange Kranker mühselig erst wieder marschieren lernen müssen. Vielleicht waren in einigen Menschenköpfen schon göttliche Gedanken geboren, die den Wahnwitz der bisherigen Welt- geschichte durch eine neuschaffende Umwandlung des mensch- lichen Denkens für immer unmöglich machen würden. Werden diese Gedanken nach dem Kriege noch leben? Jetzt stehen wir auf den Straßen und lauschen ernst, wenn auch zuversichtlich hinaus nach unseren Grenzen, an denen unsere Väter, unsere Söhne und Brüder stehen. Es ist etwas Großes darum, daß Teutschland das Herz Europas, nun schier die ganze Welt gegen sich hat. Wir sind alle darin einig— und die Partei der Massen hat es zuerst und am mächtigsten bekannt— daß es jetzt für die deutsche Nation nichts anderes, nichts Höheres gibt, als sich ihrer Feinde sieg- reich zu erwehren. Deutschland ist aber auch das Hirn der Welt, und des- halb gibt es für alle Denkenden ini deutschen Volke keine ver- antwortungsvollere Pflicht, ckls die Schätze der Kultur auch im tönenden Lärni der Kanonen, der Kavallerieattacken und der Maschinengewehre unverletzlich im Geiste zu bewahren. Damit die Kultur nach dem Kriege weitermarschieren kann von dem Pitnkte, auf dem sie heute gezwungen stehen bleibt. H Der Untergang öer„/iriaöne unö öes V. 187. ' lieber den seinerzeit berichteten Kampf und Untergang des Torpedobootes V 187 am 28. Aügiist vor Helgoland berichtet ein geretteter Wachtoffizier' dieses Törvedobootes folgendes: Am Morgen des 28. August stand V 187 in einiger Entfernung Von Helgoland auf Vorposten. Er erhielt das Signal von einem anderen Torpedoboote:„Werde von feindlichem Torpedobootzer- störer gejagt," V. 187 versuchte dem' Kameraden- zu Hilfe zu kommen, fand ihn aber des plötzlich dichter werdenden Nebels wegen nicht, sondern sah sich nach kurzer Zeit auch zwei feindlichen Torpedoboot- Zerstörern gegenüber. Bald darauf kamen noch vier, nicht genau be- stimmbare feindliche Schiffe in Sicht. V 187 versuchte, sich angesichts dieser Uebermacht auf Helgoland zurückzuziehen, sah aber den Weg nach Helgoland durch vier neu in Sicht kommende feindliche Torpedo- bootzerstorer verlegt. Diese eröffneten auf nahe Entfernung das Feuer auf V 187. Das Boot versuchte nunmehr seitlich durch Kursänderung an den Feinden vorbeizukommen, fand aber auch diesen Kurs verlegt durch einen feindlichen Kreuzer, welcher V 187 sofort, ebenfalls auf nahe Entfernung, unter ein heftiges Feuer nahm. Von allen Seiten durch übermächtige Feinde gestellt, entschloß der Kommandant von V 187 sich, auf die verfolgenden Feinde zuzudrehen. Tie feindlichen Zerstörer stutzten zunächst auf dieses unerwartete Manöver hin, dann eröffneten sie sämtlich—, zehn an der Zahl und außerdem der Kreuzer— ein konzentrisches vernichtendes Geschützfeuer auf das deutsche Torpedoboot. Dieses erlitt schwere Beschädigungen, seine Geschütze wurden nacheinander außer Gefecht gesetzt, der Kommandant durch ein Sprengstück ver- letzt. In unabsehbarer Folge mehrten sich die Treffer, das Boot war vollständig in Rauch und Qualm gehüllt, ein großer Teil des Perso- nals tot. V 187 konnte nur noch ganz geringe Fahrt lausen. Der sd>werverwundete Kommandant befahl unter diesen Um- ständen, das Boot zu versenken. Eine mit Zeitzüvder versehene Sprengpatrone wurde in einem der unteren Räume, weitere Pa- tronen wurden vorn im Schif angebracht. Danach wurde der Be- fehl erteilt, das Beot zu verlassen. Der größe Teil der Besatzung sprang außenbords. Noch im Untergehen feuerte das hintere Geschütz unter Leitung des zweiten Offiziers auf die Zerstörer. Diese feuerten nur noch spärlich, setzten dabei aber auch dieses Geschütz außer Gefecht. Der Nest der Bedienung sprang nunmehr auch über Bord und beinahe un- mittelbar darauf ging V 187 mit dem Bug zuerst unter. Es war nie- mand mehr an Deck zu sehen. An dem Gefecht vom 28. August war auch der deutsche kleine Kreuzer„A r i a d n e" beteiligt, der ebenfalls dabei seinen Unter- gang fand. Dieser Kampf hat sich folgendermaßen abgespielt: Am 28. August morgens erhielt der Kreuzer„Ariadne" in einer rückwärtig der Vorpostenlinie befindlichen Stellung die Nach- richt, daß feindliche Torpedobootszerstörer nördlich von Helgoland gesehen worden seien. Dazu kam die Bitte von einem unserer Torpedoboote um Hilfe. Die„Ariadne" ging sofort in Richtung auf den Geschützdonner vor, suchte aber in dem immer unsichtiger werdenden Wetter zunächst vergeben? in verschiedenen Richtungen nach dem Feinde. Das Geschützfeuer verstummte.„Ariadne" ging in eine abwartende Stellung zurück und begegnete dabei dem Kreuzer„Cöln", der mit hoher Fahrt nach Westen lief. Kurz haben wir ufiiic Widerrede zugestimmt, selbst da, wo nach unserer Auffassung ein hinreichender Grund nicht vorhanden war; und wo sich Bedenken aufdrängten, haben wir sie zurückgehalten oder in eine Form gekleidet, die jede Polemik vermied. Zeit einiger Zeit gehen nun�aber durch Blätter verschiedener Richtungen Besprechungen und Schlußfolgerungen aus den für die Kriegszeit getroffenen wirtschaftlichen Maßnahmen, welche die durch diese Maßnahmen hergestellten Zustände für die Tauer se st gehalten wissen wollen und schon jetzt da- für Propaganda machen. Wir möchten es unsererseits für drin- gcnd geboten halten, solche Schlußfolgerungen und eine solche Propaganda in dieser Zeit zu unterlassen; denn wenn das nicht geschieht, so müssen derartige Auslassungen Gegen- äußerungen hervorrufen, und dann liegt die Gefahr sehr nahe, daß die gegenseitigen Aeußerungen sich zu einer Polemik aus- wachsen, durch die der innerpolitischc Burgfriede beeinträchtigt oder beseitigt wird. Schon die Gehässigkeiten, die sich hier und da bei der Besprechung von viel- leicht zu verurteilenden E i n z e l v o r g ä n g e n daraus ergeben, daß solche Fälle verallge- meincrt werden, entsprechen nicht der Würde und der Be- deutung der heutigen Zeit. Eine solche Kampfesweise sollte un- bedingt vermieden werden. Wir möchten hoffen und annehmen, daß diese Anregung Gehör finden und genügen werde. Die deutsche Landwirtschaft ist sich stets ihrer Pflicht bewußt gewesen, das deutsche Volk und Heer genügend zu ernähren. Sie hat auch in dieser Kriegszeit bisher nicht versagt und wird auch weiter nicht versagen. SolltenselbstdieErnteertr ä g- nisse nicht s o g l ä n z e n d sein, wie man vielfach vorher- gesagt hat, so wird das deutsche Volk trotzdem hinreichend er- nährt werden, namentlich wenn eine richtige und zweckmäßig organisierte Verteilung unserer Ernährungsmittel erreicht wird. Mit dieser Tatsache ist zugleich der Beweis gegeben, daß die Grundrichtung unserer bisherigen Wirtschafts- Politik richtig war. Um so mehr liegt daher Veranlassung vor, den gegenwärtigen Ausnahmezustand nicht zum Gegenstand von Betrachtungen und Folgerungen zu machen, die über diese Äricgszeit hinausgehen..." Tie Kundgebung erscheint etwas deplaciert. Es ist cigent- lich doch nirgends in der letzten Zeit in irgendwie auffallender Weise die deutsche Landwirtschaft verallgemeinernd angegriffen worden, und auch die Durchhaltung der zollpolitischen Kriegs- maßnahmen ist gerade in den letzten Tagen und Wochen und Monaten nirgends mit besonderem Nachdruck gefordert worden. Aber hier scheint wohl die„Deutsche Tageszeitung" das ganz berechtigte Gefühl zu haben, daß auch ohne lange Zcitungsein Wirkungen im deutschen Publikum die Erkenntnis mehr und mehr Platz greift; Wenn während des Krieges z. B. die Aufhebung bestimmter, die Fleischeinfuhr so gut wie ausschaltender Bcstinimungen obne Gefahr für die Volksgesundheit möglich ist, warum sollte sie dann nicht auch nach dem Kriege angängig sein? Im übrigen scheint die Erklärung eine gewisse vor- bereitende und vorbeugende Tendenz zu haben. Darauf weist besonders �dic Wendung über dieErnteerträg- nisse. Fast möchte man annehmen, sie sollte eine Art v o r h e r i g e R e ch t f c r t i g u n g für höhere Ge- t r e i d e p r c i s e s ein, als man sie allgemein erwartet. Gewiß ist eine„richtige und zweckmäßig organisierte Vertei- lung" unserer Ernährungsmittel von großer Bedeutung; aber Hand in Hand mit ihr muß ein geeignetes Verhal- ten der Landwirte gehen, das nicht unnötig mit den Produkten zurückhält und Preistreibereien verursacht. Wo es g c s ch i e hl, wird es natürlich nach wie vor die Pflicht der Presse ieiv„�pwLitz sie.�ie Jntsrest'en der breiten schichten des Volkes vertritt, d i e s e F ä l.le f e st z u n a g e l n und gehörig zu kritisieren. Daran wird natlustjch die Drohung der„Deutschen Tageßzeilung" nicht im geringsten hindern. Nichts kann überdies mehr den inneren Frieden im Volke während des Krieges gefährden, als eine Preispolitik, die für die breiten Massen die Gefahr des Elends in sich birgt. politische Ueberflcht. Aufgehobene Iaalverweigcrung und beseitigter Boykott. Nach telegraphischer Meldung bürgerlicher Blätter hat der Breslauer Magistrat sich nunmehr endlich entschlossen, die Jahrhunderthalle allen Parteien, auch der Sozialdemokratie, für politische Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Die Ver- Weigerung der Riesenhalle gegenüber der Sozialdemokratie hatte seinerzeit juel Aufsehen gemacht. Aus Straßburg wird gemeldet, daß das Generalkommando des lö. Armeekorps das bisher streng durchgeführte Verbot des daraus kamen Signale von anderen Kreuzern, daß sie sich mit feindlichen Zerstörern im Feuergefecht befänden. Während„Ariadnc" nun wieder vorging, vernahm sie erneut Geschützseuer und erblickte später im Nebel einen großen englischen Schlachtkreuzer der Lionklassc. Dieser warf sich nun auf die „Ariadne". Kurz darauf gesellte sich ein zweiter derselben Klasse, und diese beiden Riesen beschossen die kleine„Ariadne" über eine, halbe Stunde lang aus geringe Entfernungen.„Ariadne" erhielt eine große Anzahl Treffer aus den schweren 34 3-Zentimeter-Geschützen. Bald brannte das Achterschiff in hellen Flammen, dann wurde das Vorschiff durchlöchert und halb zeiKört, der Verbandplatz mit dem dort befindlichen Personale vernichtet. Wieviel Treffer im ganzen eingeschlagen sind, entzieht sich nach dem Berichte des Komman- dantcn jeder Berechnung. Tie„Ariadne" wurde auf diese Weise bald in ihrer Bclvcgungsfähigkeit stark beeinträchtigt und die ver- folgenden Gegner konnten sie als bequem und nahe liegende Scheibe unausgesetzt aufs Korn nehmen. Trotz dieses fürchterlichen und überwältigenden Feuers wur- den auf„Ariadne" die noch gefechtsbrauchbaren Geschütze weiter bedient. Die Verwundeten wurden von den Krankenträgern ord- nungsmäßig vom Oberdeck fortgeschafft. Jeder versuchte an seinem Platze vorläufig Reparaturen nach Möglichkeit und selbständig aus- zuführen. Dabei wurde der erste Offizier im Zwischendeck von einem schweren Treffer weggefegt. Plötzlich drehten die feindlickwn Panzerkreuzer nach Westen ab und stellten das Feuer ein. Der Kommandant der„Ariadne" gab den Befehl, den Brand zu löschen. Das Feuer hatte aber schon so weit um sich gegriffen, daß an ein Löschen nicht mehr zu denken war. Der Auscntbalt aNf dem Schiffe wurde durch Hitze und' Rauch'immer unerträglicher. Tic Verwundeten wurden auf die Back gebracht, wo auch der übrige Teil der Besatzung sich ver- sammelte. Ter Kommandant brachte drei Hurras auf den Deut- schen Kaiser aus, das Flaggenlied und„Deutschland, Deutschland über alles" wurde gesungen; auch die Verwundeten stimmten mit ein. Da näherte sich ein anderer kleiner deutscher Kreuzer und schickte Boote herüber. Auch einige Boote der„Ariadne" konnten noch benutzt werden und in diese wurden di« Verwundeten ge- bracht. Dann sprang der Rest der Besatzung auf Befehl de? Kommandanten über Bord. Die Nichtschwimmer unter ihnen hiel- ten sich an Sck'wimmwesten und Hängematten; alle wurden von den Booten aufgenommen. Der Kommandant der„Ariadne" ver- sucbte noch, sein Schiff in Schlevp nehmen zu lassen, aber die „Ariadne" legte sieb, nachdem sie beinahe ganz ausgebrannt war, auf die Seite und kenterte dann. Der Kommandant hebt mit hoher Anerkennung die Haltung der Besatzung und der Offiziere hervor. Besuchs sozialdemokratischer BerkehrSlokake durch Heeresange- hörige aufgehoben habe._ Weitere Beileidskuudgebungen zum Tode Ludwig Franks. Ten zahlreichen Beileidtkundgebungen zum tragischen Ende des Genossen Frank sind noch eine Reihe anderer gefolgt. Auch die nationalliberale Reichstagsfraktion hat dem Parteivorstand eine in warmen Worten gehaltene Bekundung ihrer Teilnahme zugehen lassen, ferner der zweite Vizepräsident des Reichstags, der Abgeordnete Dave, und das nationalliberale Reichstagsmitglied R i ch t h o f e n. Preisaufschläge vo» 3V bis 100 Prozent. Die„Ostdeutsche Industrie", die Zeitung für die Förderung der Industrie in den östlichen Provinzen, stellt in Nr. 17 in einem Artikel, der sich gegen die Kriegspreise richtet, folgendes fest: „Für unser Wirtschaftsleben außerordentlich wichtig« LieferungS- verbände und große Unternehmungen haben unter Plötz- licher Aufhebung aller früheren Abkommen beim Kriegsausbruch unverzüglich Preisauf« schlüge von 3 K o n f e k- tions-Notarbeit sind nach den Berichten in der Tages- presse in einer vom Verbände der Schneider und Wäschearbeiter abgehaltenen Versammlung von dem Referevtey Augabert gemacht worden, die zum erheblichen Teil nicht zutreffen und die ein unrichtiges Bild von-det. Tätigkeit d?S Avsfchnffes-zu geben geeignet sind. Zur Richtigstellung und um eine Erschwerung der vom Ausschuß im gemeinnützigen Interesse unternommenen und noch weiter auszubauenden Arbeit zu verhüten, sei demgegen- über folgendes festgestellt: 1. Dem Ausschuß, in dem die Herren Bernhard Käß und Handelsrichter Albert Kirschstein die kaufmännische Leitung übernommen haben, sind von diesen Herren die erprobten An- gestellten ihrer Betriebe selbst einschließlich der Zuschneide- Maschinen in weitestgehendem Maße zur Verfügung gestellte Der Betrieb in der ersten, vom Ausschuß am 9. d: M. eröffne- ten Ausgabestelle Rosenstr. 9-13 hat daher von vornherein i m Großen aufgenommen werden können, ohne.daß dafür zum Zuschneiden Unternehmer haben herangezogen werden müssen. Nicht nur für 79 bis 89 Personen, wie nach den Zeitungsmel- düngen in der Versammlung' behauptet wurde, ist Arbeit vor- Händen gewesen, sondern rund 1399 Arbeiterinnen sind in den beiden ersten Tagen der Betriebsaufnahme von der Ar- beitsausgabestelle Rosenstr. 9-13 eingestellt worden, von denen dank der hingebenden und im Interesse des guten Zweckschis an die Grenze des Möglichen geleisteten Mitarbeit aller Beteiligten bereits 1929 am ersten Tage Arbeit erhalten haben. 2. Der Ausschuß, dem die leitenden kaufmännischen Kräfte, die Betriebsräume, die Betriebseinrichtungen und der größte Teil des Personals kostenlos zur Verfügung stehen, und der unter Verzicht auf Gewinnerzielung und Ersatz der son>< stigen Geschäftsunkosten arbeitet, ist dadurch in die Lage der- setzt, den Arbeiterinnen Lohnsätze zu zahlen, über deren Höhe bei den beschäftigten Arbeiterinnen nur Zufriedenheit herrscht. Die Lohnsätze, die in den Betriebsräumen angeschlagen sind und die auf jedem der übertragenen Arbeit beigegebenen Kom- missionszettel vermerkt werden, sind die folgenden: Handtücher säumen 5 Pf., Bettlaken säumen 25 Pf.,' Deckenbeznge mit Bändern, mit der Hand säumen 99 Pf., Kopfkissenbezüge, mit der Hand säumen 25 Pf., Strohsäcke 49 Pf., Kopfpolstersäcke 29 Pf., Herren-Nesselhemden ohne Knopflöcher 45 Pf., Herren- Unterbeinkleider ohne Knopflöcher 59 Pf., Herren-Unterjacken ohne Knopflöcher 69 Pf., bunte Deckenbezüge 59 Pf., bunte Kopfkissenbezllge 29 Pf., Patronentaschengurte 12 Pf. Daß diese Lohnsätze nicht hätten gezahlt werden können, wenn die Arbeit, wie in der Persammlung Fom Berichterstatter verlangt worden ist, an große Unternehmer vergeben worden wäre, ist" ebenso ohne weiteres ersichtlich, wie durch die vorstehenden Zahlenangaben auch die weitere Behauptung als unrichtig er- � wiesen ist, daß die Arbeit des Ausschusses im Erfolge zu einem" Drücken der Löhne führe. Die Höhe der Lohnsätze ermöglicht es anderetseits, das den einzelnen Arbeiterinnen überwiesene Arbeitsmaß im Interesse der Beschäftigung möglichst vieler arbeitsloser Arbeiterinnen zu beschränken und doch einen, den gegenwärtigen Verhältnissen angemessenen Tagesverdienst zu gewähren. 3. Der vom Ausschuß angenommene leitende Grundsatz. wonach solche arbeitslosen Konfettionsarbeiterinncn beschäftigt werden sollen, welche auf ihre Arbeit zum Unterhalt für sich oder ihre Familien angewiesen sind, und welche nicht schon auf Grund des Reichsgesetzes über die Unterstützung von Familien in den Dienst getretener Mannschaften und der in Ergänzung zu diesem von den Gemeinden getroffenen Maßnahmen Unter- stützung aus öffentlichen-Mitteln erhakt«», hat sich bei der großen Zahl arbeitsloser Konfektionsarbeiterinnen, die ohne fefce Unterstützung dastehen, als e!n Segen für die Beteiligten und als die notwendige Voraussetzung dafür erwiesen, daß die durch die Gewährung von Arbeit erstrebte Hilfe zunächst denjenigen zugute kommt, welche ihrer am meisten bedürfen. Von diesem Gesichtspunkt aus, und da die Hilfe ohne Rücksicht auf Konfession, Organisation oder Parteizugehörigkeit gewährt werden soll, hat auch die Vermittelung der Arbeitsbedürftigen durch einen Verbandsarbeitsnachweis nicht in Frage kommen können. 4. Nach der für den Ausschuß leitenden Absicht, der Not der Konfektionsarbeiterinnen im allgemeinen und nicht nur der Not der Wäschenäherinnen abzuhelfen, haben alle solche Arbeiterinnen Arbeit übertragen erhalten, welche von den fach- verständigen die Arbeitsausgabe leitenden Persönlichkeiten an der Hand der vorgelegten Lohnbücher für geeignet erachtet worden sind, die Arbeit nach ihrer beruflichen Ausbildung so- gleich oder nach kurzer Unterweisung ordnungsmäßig auszu- führen. Der Erfolg hat bereits bewiesen, daß auch die weiter in der Versammlung nach den Presseberichten aufgestellte Be- hauptung unrichtig ist, wonach die Arbeit zum großen Teile Frauen übergeben worden sei, die nichts davon verständen." Zur öeachtungl von jetzt ab befinben sich Redaktion Expedition Verlag und Suchdruckerei des„vorwärts Linüenstraße Z und zwar Redaktion, Verlag und Suchüruckerei im 4. Hofe, Rufgang linker Seitenflügel lZahrfluhl— paternoflerwerk— dauernd im Setrieb); Expedition, Anzeigenannahme und Sortimentsbuch- Handlung vorn an der Straße im Laden. Telephon für den gesamten vorwärtsbetrieb: Rmt Moritzplatz Nr. 151 90-151 97. Stadtverordneten- Ersatzwahl. Im 42. Kommunalwahlbezirk fand gestern die Ersatzwahl für den Genossen Dr. Arons statt, der aus Gesundheitsrück- sichten sein Mandat niedergelegt hatte. Gewählt wurde der Kandidat unserer Partei, Kaufmann Max Seckelsohn, mit 1778 gegen 63 Stimmen, die auf den bürgerlichen Kandidaten, Malermeister Tempelhagen, entfielen. Eingeschriebene Wählers waren 7349, von denen etwa 2966 eingezogen sein dürften. Kriegshilfe in Britz. In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde beschlossen, eine Anleihe im Betrage von 3CK)00l1 Mark zur Deckung der Aus- gaben, die der Gemeinde infolge des Krieges auferlegt werden, aufzunehmen. 50 000 Ml. davon sollen zur Unterstützung für Arbeitslose bereitgestellt werden. Um den Umfang der Arbeitslosigkeit festzustellen, sollen sich die Arbeitslosen männlichen wie weiblichen Geschlechts an den Werk- tagen von 8 bis 1 Uhr im Rathaus, Zimmer 2 und 3, persönlich unter Vorlegung von geeigneten Legitimationspapieren melden. Der Antrag unserer Vertreter, den Arbeitslosen wöchentlich 7 M. und für jedes Kind 1 M. und entsprechend MictZzuschuß zu gewähren, wurde dem Ausschuß überwiesen. Fernerhin wurde einstimmig beschlossen, 2 Zentner Kartoffeln und 50 Waggon Briketts zu kaufen, welche unentgeltlicb an in Not Geratene abgegeben werden sollen. Die Kartoffeln sollen schon in der nächsten Woche auf Gutscheine abgegeben werden. Für die Familien der Gemeindearbeiter, welche zum Heeres- dienst eingezogen sind, wurde eine monatliche Unterstützung von 30 M. festgelegt._ Vornehme Gesinnung einer Arbeiterfrau. Eine Leserin teilt der„Voss.Ztg." nachfolgendes kleines Erlebnis als Beispiel nir den vortrefflichen Geist auch in unseren ärmsten Bevölkerungs- schichten mit.„Durch meine Tätigkeit in der Speiseanstalt für arme Volksschulkinder hatte ich ein kleines Mädchen aus einer armen Arbeiterfamilie kennen gelernt. Vor einigen Tagen traf ich die Kleine wieder und fragte sie nach ihrem Ergehen und nach ihren Eltern. Treuherzig erzählte sie mir, Vater wäre jetzt als Arbeiter in Posen, verdiene gut und schicke häufig Geld; 30 Mk. seien schon wieder unterwegs. Es ginge ihnen gut und sie litten keinerlei Not. Sie käme nicht mehr zur Speisung der Kinder, weil die Mutter gesagt habe:„Da dürfen wir jetzt nickst mehr hingehen, das müssen wir Aermeren überlassen, die es nötiger gebrauchen." An den Neuköllner Wahlrechtsraub erinnert der Verzug des Stadtverordneten Rahmig aus Neukölln. Nach einer Mit- teilung im Haus« und Grundbesitzerverein ist Rahmig nach außer- halb verzogen und hat sein Amt als Vorsitzender des erwähnten Vereins niedergelegt. Dadurch erlischt auch sein Stadtverordneten- mandat. Rahmig ist„berühmt" geworden, daß er am 17. Dezember 1008 sich von der bürgerlichen Stadtverordnetcnmehrheit hatte dazu bestimmen lassen, die Wahlrechtsverschlechternng zu begründen, ob- wohl er nicht der Vater der Idee war. Nachdem ist er nicht wieder in nennenswerter Weise hervorgetreten. Rahmig hatte früher ein Mandat der 2. Abteilung inne, aber als die Sozialdemokratie ihn dort hinauswählte, erhielt er ein Mandat der 1. Abteilung, das er bis jetzt ausführte. „Kricgsnachrichtcn" nennt sich ein neue? Druckerzeugnis, das im Verlag der Deutschen Volksbuchhandlung erscheint und alle mög« lichen Mitteilungen enthält. Kürzlich wurden Frauen, deren Männer sich im Felde befinden, von ihrem zuständigen Bezirksvorsteher auf ein Anschreiben der Druckerei Heckendorf. hier, ersucht, sich nach dem Drucker zu begeben und die„KriegSiiachrichteu" zum- Vertrieb in ihrem Stadlbezirk zu übernehmen. Die Frauen sollen pro Stück 2st, Pfennig zahlen, wäbrend sie das Exemplar sür 3 Pfennig verkaufen sollen. Der Verkauf soll von Haus zu Haus, von Tür zu Tür erfolgen. Nun werden heute nur die Zeitungen � Ivom Publikum gekauft. welche die neuesten Meldungen von den jÄriegZichauplätzeir enthalten. Druckerzeugnisse aber,, wie die„Kriegs- 'nachrichten", die über Bekanntes referieren, findendagegen weniger Absatz. Wenn auch eine Anzahl Leute den Frauen eine Nummer abkaust, so tun sie das aus dem Grunde, weil die Verkäuferinnen Frauen von Ernberukenen sind. Auf die Dauer aber wird dem Publikum das zu viel und wirkt wie eine Belästigung, auch wenn, wie angekündigt, ein Teil des Ertrages dem Roten Kreuz zugedacht ist. Die ganze Aktion, durch die Bezirksvorsteher die Frauen Ein- berufener zum Vertrieb diese? Druckerzeugnisses heranziehen, mchcht den Eindruck, als spekuliere man auf daS Mitleid. Das soEle ustter- bleiben.•_ Rus der Frauenbewegung. /llle ßrauen sinö Schwestern. Ein Berliner Blatt gibt einen Feldpostbrief wieder, in dem ge- schildert wird, wie ein Soldat in. Feindesland von der Familie seines Luarlierwirts, eines französischen Lehrers,„als ihr Sohn" be- behandelt wird. Dem Briefe hat die Tochter des französischen Lehrers folgende Zeilen an die Verlobte des Soldaten angefügt: dlaäsmoisollo! Don tos los kornrnos sont soeurs par le coeur, ä ce Titre js vous envoie mos raeilleures arnities. Nous soignons votro flance comrne vous soigneriez le inien, j'en suis süre, s' il etait chez vous. (Alle Frauen sind im Herzen Schwestern, und in diesem Sinne sende ich Ihnen meine herzlichsten Grütze swört- lich: meine beste» Freundschaslenj. Wir betreuen Ihren Verlobten genau so, wie Sie— dessen bin ich sicher— den meinigen betreuen würden, wenn er bei Ihnen wäre.) Wann wird diese Stimmung Gemeingut aller Frauen sein? Irauen-Leseabenäe. Pankow. Heute, Montag. 8l/z Uhr, für den Nordbezirk bei Schröder, Florastr. 5; für den Südbezirk bei Heinze, Berliner Str. 78, Ecke Kaiser-Fricdrich-Stratze. Eingegangene Druckschristen. Geschäftsbericht des GewerkschaftSlartellS Frankfurt a. M. IvlZ. Anhang: HauSaibcitsgcleiz. 1 M.„Volksstimme" Frankfurt a. M, Tie wirtschaftlichen Kricgsgesct,?. Herausgegeben von der „Franlsurter Zeitung". 1 M. Verlag der„Frantsurtcr Zeilung", Frank- url a. Al._ WetterauSsichtcn bis Dienstag mittag. Kühl, vorwiegend wolkig mit gelingen Niederschlägen, Später von Südwest»ach Nordost sortschreitcnde, langsame Aujheitcrung und Erwärmung. Letzte Nachrichten. Abgestürzter Flieger. Wien, 12. September. lW. T. B.) Ter Flieger Konschcl stürzte gestern auf dem Flugfelde Aspern bei Erprobung eines neuep Apparates aus einer Höhe von 15 Metern ab. Er erlitt einen Rippenbruch und eine Gehirnerschütterung. Unserem AbtellungSsührer Christiau Franke neb,. Fran die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit! ille Genossen des IV. Bezirks Schönetierg. ReutersWerke . S Biatx 4 Blaif. Buchhandlung Vorwärts Spezialarzt Dp. med. WockenfuB, Priedrichstr. 125,(Oxanienb. Tor). für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlioh-Hata-Kur(Dauer 12 Tage) Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9— Nm. 8. Sonnt. 9— 11. Heines Werke • 3 Bünde 4 Mark- Buchhandlung Vorwärts f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen. Institute: Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. Neanderstraße 12 Potsdamer Str. 1 17 iÄTiSTSÄt Für Frauen; 11— 1 Uhr. Nachweislich voUkommenstes Heilverlahren. BST" Vorzügl. 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