Nr. 254.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: did Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 B'q. Bojt Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements rehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Eridjeint täglich. sid Vorwärts Berliner Volksblaff. sdffatione 5 Pfennig Dle Infertions- Gebühr Geträgt für die ſechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 Bfg., für politische und gewertschaftliche Bereins. imb Bersammlungs- Anzeigen 80 Pig. Kleine Anzeigen", das fettgebrudle Bort 20 Bfg.( auläfftg 2 fettgebrudte Borte), jebes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan geigen bas erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplah, Nr. 151 90-151 97. Donnerstag, den 17. September 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 151 90-151 97. Aenderungen in der deutfchen Heeresführung. Westlicher Kriegsschauplah. Die neuen Heerführer. ( W. T. B.) Amtlich. Berlin, 16. September. Personalveränderungen in Führerstellen: Für den erkrankten Generaloberst v. Hausen General der Kavallerie v. Einem Armeeführer. Für diesen General der Infanterie v. Claer, fommandierender General des VII. Armeekorps. General der Infanterie v. Schubert, bisher kommandierender General des XIV. Reservekorps, zu anderweitiger Verwendung. Für ihn der Generalquartiermeister v. Stein zum zum kommandierenden General des XIV. Reserveforps ernannt.- General der Infanterie Graf Kirchbach, fommandierender General des X. Reservekorps, verwundet, dafür General der Infanterie v. Eben, kommandierender General des X. Reservekorps. ausbruch Kommandeur der 81. Infanterie- Brigade in Lübed war, folgende Broklamation in Polen erlassen: the Einwohner des Gouvernements Lomza und Warschau! Die russische Narew- Armee ist vernichtet. Ueber 100000 Mann mit den kommandierenden Generälen des 13. und 15. Armeekorps find gefangen, 800 Gefchüße genommen worden. asso Der Faktor Aegypten. Privaten Meldungen aus Wien zufolge foll bie Lage in Kairo fich sehr ernft geftalten. Fort während finden Revolten auf offener Straße statt, so daß man des Lebens nicht mehr ficher ist. Die Regierung hat sehr ernste Maßregeln getroffen. Wahrscheinlich werde das Standrecht verhängt werden. Die russische Wilna- Armee unter General Rennen E 19 fampf ist im Rüdauge in östlicher Richtung. Die österreichischen Armeen sind im fiegreichen Vorrücken von Galizien her. Die Franzosen und Engländer find in Frankreich vernichtend geschlagen worden. Belgien ist unter deutsche Verwaltung getreten. Alexandrien England in gemeinsamem Vorgehen mit Als im Jahre 1882 nach den Europäermorden in Ich komme mit meinem Korps als Borhut weiterer deutscher Frankreich durch seine Truppen Aegypten befeßen ließ, Armeen und als Freund zu Euch. Er hebt Euch und vertreibt versicherte Gladstone im Parlament, die britischen mit mir die russischen Barbaren, die Euch nechteten, aus Eurem Bataillone seien nur zur Aufrechterhaltung der Ordschönen Lande, das seine politische und religiöse Freiheit wieder- nung" einmarschiert und würden nach Eintritt georderhalten soll. Das ist der Wille meines mächtigen und gnädigen neter Zustände das Land wieder verlassen. Das hat seitKaisers. Meine Truppen sind angewiesen, Euch als Freunde au dem die englische Regierung zu verschiedenen Malen wiederbehandeln. Wir bezahlen, was Ihr uns liefert. Bon Euch und holt, ohne daß es deshalb wahrer geworden wäre, denn beGurer bekannten ritterlichen Gesinnung erwarte ich, daß Ihr uns sonders seit der Regelung der nordafrikanischen Einflußals Berbündete gastfreundlich aufnehmt. isphäre Frankreich Maroffo, England Aegypten fühlt sich England in dem warmen Klima des Nillandes so wohl wie die Made im Speck, und obwohl Aegypten auf dem Papier noch heute ein türkischer Vasallenstaat ist, bildet es doch einen wichtigen, einen unentbehrlichen Quaderstein des land nesh der wertvollsten Kolonie Indien stellt es eine ganz imperialistischer Politik ist die unmittelbare Verbindung von Aegypten mit Indien durch Arabien und Südpersien. In diesem Weltkrieg, der auch den Bestand des ten deshalb ein feineswegs gering zu schäßen der Faktor. Generalleutnant v. Morgen. Gegeben im Königreich Polen im September 1914. Noch immer keine Entscheidung im Westen. Wolffs Telegraphenbureau meldet: Großes Hauptquartier, den 16. September, 11 Uhr 43 Minuten abends. Die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist seit geffern un- Der Krieg und die Kolonien. verandert. An einzelnen Stellen der Schlachtfront find Angriffe französischer Trup- Gefechte zwischen Deutschen und Engländern pen in der Nacht vom 15. zum 16. und im Laufe in Südwestafrika. britischen Imperiums: an der Etappenstraße vom Mutterbedeutende Station dar, und eines der Hauptziele englischer bes 16. zurückgewiesen. Einzelne Gegenangriffeine füdafrikanische Streitmacht von berittenen Schüßen britischen Weltreichs erschüttert, ist egypder Deutschen waren erfolgreich. September.( W. T. B.)( Meldung des Neuterschen überraschte, nachdem sie zwei Nächte marschiert und sich bei Tage verborgen hatte, eine deutsche Truppenabteilung, welche eine Furt Viel kommt dabei auf die inneren Verhältnisse des einem scharfen Gefecht wurden die Deutschen zur Uebergabe ge- Landes an. Will man den ruhmredigen Worten eines Französische Ausschreitungen im eigenen ungefähr 60 Meilen von Steinkop in Namaland befest hielt. Nach Lande. Berlin, 16. September.( W. 2. B.) Unseren Truppen ist folgender Befehl des Kommandanten der 1. französischen Armee in die Hände gefallen: Tère Armée Etat- Major Ier Bureau No. 790. Q. G. A. le 26. Août 1914. Ordre Particulier No. 9. Il a été rendu compte au Général Commandant la Tère Armée par la Municipalité de Rambervillers que des soldats se sont livrés dans cette ville à des actes de violence et de zwungen. Die Kämpfe in Ostafrika. Blantyre( Nyasaland), 16. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus.)( W. T. B.) Die Deutschen ziehen sich in kleinen Gruppen überland zurück. Sie brechen die Brüde über den Songwefluß ab. Die britischen Truppen nahmen gestern eine Erkundung jenseits der Grenze vor, ohne mit dem Feind in Berührung zu kommen. pillage. Ces faits sont d'autant plus regrettables et répréhen- Vom österreichisch- serbischen sibles qu'ils ont été eommis sur le territoire français. Le Général Commandant le 21° Corps ouvrira immédiatement une enquête. à ce sujet, en vue de déférer aux Conseils an de Guerre les auteurs de ces crimes. Signé: Dubail. ( Uebersetzung.) Kriegsschauplah. Verdrängung der Gerben aus Slavonien. Es ist dem Oberbefehlshaber der 1. Armee durch die StadtWien, 15. September.( W. T. B., Amtlich.) Die über die behörde von Nambervillers zur Kenntnis gebracht worden, daß fich Soldaten in dieser Stadt zu Atten der Gewalttätigkeit und Save eingebrochenen serbischen Kräfte wurden überall zurückgeschlagen. der Blünderung haben hinreißen laffen. Diese Handlungen find Syrmien und Banat find daher vom Feinde vollständig frei. Ballo um so bedauerlicher und verwerflicher, als fie auf franzöfifchemo Boden begangen worden sind. Der fommandierende General des 21. Korps wird fofort eine Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Generalmajor. Unterfuchung in dieſer Angelegenheit einleiten, damit die Urheber Vom österreichisch- russischen dieser Verbrechen dem Kriegsgericht übergeben werden können. gez. Dubail. Kriegsschauplah. Mannes wie Lord Cromer glauben, der als englischer Prokonsul ein Vierteljahrhundert in Kairo refidierte, so verdankt Aegypten allen Aufschwung und alle Blüte seines Wirtschaftslebens lediglich den Engländern: England hat die zerrütteten Finanzen des Landes geordnet, England hat dem mit der Beitsche kuranzten Fellachen befreit, England hat die ägyptischen Handel erst auf die Beine geholfen. In Wahrheit verhalten sich die Dinge ein wenig anders. Der letzte felbständige Khedive Ismail Pascha, der von 1865 bis 1879 am Ruder war, hatte in der Art eines aufgeklärten Despoten die Einfallstore Aegyptens der kapitalistischen Wirtschaftsweise erschlossen und sich vor allem die Förderung der Industrie angelegen sein lassen. Unter seiner Herrschaft gab es Waffenfabriken, Papierfabrikation, Lichtzieherei, Spinnerei und Weberet. Wenn Ismail Pascha nicht sehr bald von gewissenlosen europäischen, hauptsächlich englischen und franzöfifchen Finanzgaunern, der Atem abgeschnürt worden wäre, hätte ohne Zweifel die industrielle Entwickelung des Landes rasche Fortschritte gemacht. Aber der Khedive wurde mit Gewalt zum Bankrott getrieben, die Engländer rückten ein und ihre erste Sorge war, die Art an die Wurzeln der ägyptischen Industrie zu legen, denn wie es stets thr wirtschaftlicher Ehrgeiz gewesen, England zur Werkstatt der Welt zu machen und den Rest der Erde zu seinem Absatzmarkt, seinem Rohstoffmagazin und seiner Kornkammer, so verfuhren fie auch mit dem Nilland. Hier sollten die Waren von Birmingham und Manchester unbeschränkt herrschen, und statt deshalb die Produktivkräfte des Landes zu entwickeln, des reinen Agrarlandes zurückzudrücken. Das gelang mit Hilfe von Steuern und Verboten aller Art, und heute ist egypten in der Tat nichts anderes als eine große Baumwollplantage Englands. Mit diesem Dokument wird die besonders bei unserer kronpring lichen Armee gemeldete Wahrnehmung, daß die französischen Oesterreichische gegen russische Bericht ging man planmäßig darauf aus, Aegypten auf die Stufe Truppen jogar im eigenen Lande plündern und rauben, bon amt licher französischer Seite bestätigt. Verbrecherischer Nationalhaß. erstattung. Wien, 15. September.( W. T. B.)( Meldung des Wiener 1. 1. Telegr.- Storrefp.- Bureaus.) Die Petersburger Telegraphen- Agentur Berlin, 16. September.( W. T. B.) Der Generalmajor Frei hat in den letzten Tagen die gewohnten phantastischen Sieges- Für den Anbau von Baumwolle hat angeblich britischer berr b. 2., Kommandeur einer Kavalleriebrigade, überreichte am melbungen aus Anlaß des Abbruches der Schlacht bei Lemberg ge- Fleiß und britische Umsicht. Wunderdinge vollbracht: die 5. September vormittags der chemischen Untersuchungsstelle beim bracht und als Beleg für dieselben von 30 000 Striegsgefangenen, Erwähnung des Staudammes von Assuan genügt, um jedem Sanitätsamt seines Armeekorps einen Rest von Staffee, nach dessen die die Russen gemacht hätten, und von einem Berluste von Autoritätsgläubigen Schauer der Ehrfurcht über den Rücken Genuß er sofort unter Vergiftungserscheinungen erkrankt war. 90 Kanonen gesprochen. Es iſt intereſſant, zu konstatieren, daß in zu jagen. Nun mag man darüber streiten, mit welchem GeGeneralmajor v. 2. hatte den staffee in einem franzöfifchen Dorfe dem offiziellen Communiqué des russischen Generalstabes vom schick die Engländer die schon unter Ismail Bascha bein der Nähe von Luneville erhalten. Die Untersuchung hat zweifels- 14. September über die Ereignisse in Lemberg nurmehr von gonnenen Bewässerungsanlagen weitergeführt haben, unbeKanonen und 8000 Gefangenen die Rede ist. Bon ftreitbar ist, daß die Konzentrierung der ganzen wirtschaftfrei ergeben, daß der Kaffee arsenige Säure, davon einen Teil in 30 Bulverform am Boden der Flasche, enthielt und zwar in einer der Armee des Generals Bruffilow wird zugegeben, daß fie fich in lichen Kraft des Landes auf die Baumwolle die verhängnisMenge, die genügte, um den Tod eines Menschen herbeizuführen. kritischer Situation befand, und daß es ihr nur nach schwerem vollsten Wirkungen hervorbringt. In rubigen und normalen Generalmajor v. 2. ist inzwischen wiederhergestellt. Rampfe gelungen ist, uns den Sieg zu entreißen. Es war zu er Beiten geht der Ertrag der Baumwolle, da der Baumwollbau warten, daß die russischen Communiqués die aus strategischen Rüd- allein auf Raubbau hinausläuft, mehr und mehr zurüd, wenn dieses Ergebnis auch durch das Wachstum der Anbaufläche Zurüdnahme unserer Armee zum Anlaß nehmen würden, Sieges- und Steigen der Preise verschleiert wird. In stürmischen nachrichten in die Welt zu pofaunen. Daß dies in so zahmer Weise Reiten aber, wenn einmal ein Rückschlag in der Weltmachtgeschieht, dürfte die Deffentlichkeit überzeugen, daß man unseren fonjunktur eintritt und die Baumwollpreise sinken, wird offiziellen Nachrichten, die nichts beschönigen und nichts verhehlen, Aegypten in eine furchtbare wirtschaftliche Katastrophe das vollste Vertrauen entgegenbringen fann. bineingeschleudert, Kriegsschauplatz. fichten trot des Sieges unferer Heereskörper Vom östlichen Kriegsschauplah. fichten trotz des Sieges unserer Heeresförper um Lemberg erfolgte Ein deutscher Aufruf an die Polen. Bie aus einem der„ Kreuz- 3tg." zur Verfügung gestellten Brief hervorgeht, hat Generalleutnant v. Morgen, der bis zum Striegs Was eS in Aegypten an eingeborener Bourgeoisie un? Intelligenz gibt, beklagt deshalb lebhaft, daß die Produktiv- kräfte des au sich so reichen Landes künstlich an ihrer Ent- faltung gehemmt werden und daß z. B. in das fruchtbare Niltal Getreide aus dem Ausland eingeführt werden muß. Auf ihren wirtschaftlichen Beschwerden und Bestrebungen er- heben sich politische Forderungen, deren nationalistisches Stich- wort heißt: Aegypten den AegypternZ und deren Ziel ist: Engländer zum Lande hinaus I So lange sich diese Ten- dcnzen nur in den dünnen Schichten der Bourgeoisie und In- telligenz zeigen, brauchen die britischen Machthaber in Kairo nicht sonderlich zu zittern, aber es bedarf nur eines An- stoßes und auch die breiten Volksmassen werden in die natio- nalistische, die jungägyptische Bewegung hineingerissen. Denn den Fellachen geht es kaum viel üppiger als in den Tagen, da die Sklavenpeitsche ständig über ihrem Rücken schwebte: die latente Agrarkrise zehrt an ihrem Mark, Verschuldung erdrückt sie und mit unheimlicher Geschwindigkeit wandelt sich hier eine Klasse von Kleinbauern in eine Klasse von Bettlern um. Dazu dämmern die Massen in einem unglaublichen geistigen Elend dahin, denn das glorreiche England hat, im Gegensatz zu Ismail Pascha, für die Entwickelung des Schulwesens weniger als nichts getan. Auch das ist ein Stück rücksichtsloser Herrschaftspolitik: im alten Virginia wurde mit 30 Hieben bestraft, wer einen Neger lesen und schreiben lehrte, und auch ostelbischen Despoten gilt der dümmste Untertan als der beste Untertan. Obwohl nun die englischen Blätter nicht das geringste veröffentlichen, was im Mutterland Besorgnis erregen könnte, sind sich die Leute an der Spitze über die Gefahren der jung- ägyptischen Bewegung recht wohl im klaren. Lange Zeit wandten sie den alten Grundsatz an: Teile und herrsche!, in- dem sie zwischen den mohammedanischen Aegyptern und den christlichen Kopten Zwietracht aussäten. Als Aegypter und Kopten sich aber einander näherten, zeigten die britischen Herren die eiserne Faust. Englische Offiziere hatten vor einigen Jahren auf der Taubenjagd bei dem Dorfe Teuscha- wai eine ägyptische Bäuerin schwer verwundet und waren von den erzürnten Bauern mit Knütteln aus dem Felde ver- trieben worden. Auf der Flucht stürzte einer der Tauben- jäger und blieb, vom Hitzschlag getroffen, tot liegen. Ob dieses furchtbaren„Verbrechens" wurden vier Bauern zum Tode durch den Strang, viele zum Auspeitschen, andere zu barbarischen Kerkerstrafen verurteilt und die Leibesstrafen im Angesicht der Bevölkerung des Dorfes vollzogen, die zu- schauen mußte: abwechselnd wurde einer gehängt und dann einer ausgepeitscht, und der britische Kommissar, der die Exe- kution leitete, ging lächelnd, eine Zigarette im Munde, da- zwischen umher! Diese Henkerstat. das„Urteil von Deuschawai", ist heute ein Losungswort, bei dessen Klang jeder Aegypter vor Grimm die Fäuste ballt. Wie diese Galgenszene dem ägyptischen Nationalismus einen tatbereiten Radikalismus eingeflößt hat, zeigt eine Auslassung des Blattes„Lewa". Dieses jung- ägyptische Organ schrieb vor einigen Jahren an dem Tage, da in London der Hindu D i n g r h a gehängt wurde, weil er einen englischen Oberst erschossen hatte: Heute erlischt diese Seele, die in Vaterlands- liebe glühte. Heute rächen sich die Engländer und stillen ihren Rachedurst. Heute wird der Sang des ägyptischen Dichters in ganz Indien widerhallen und künden, das? eine Nation, dir nach einem Leben in Größe und Freiheit strebt, mit ihrem Blut den Bode» bc- netzen muß, um ihre Hoffnungen zu erreichen. Sei gegrüßt, Dinghra, sei gegrüßt in der Finsternis des Grabes und in dem Schweigen der Gruft! Sei gegrüßt immer, wenn man deinen Namen nennt— lebend oder tot, sei gegrüßt! Der Zunder also liegt seit langem gehäuft. Mit merk- würdigen Dingen müßte es zugehen, wenn ihn ein Funke des großen Weltbrandes nicht in Flammen setzte, zumal wenn die Türken durch Blasen ein wenig nachhelfen. Eine amtliche Darstellung öer letzten kämpfe um Lemberg. Wie«, 15. September.(W. T. B.) Aus dem Kriegs- pressequartier wird amtlich gemeldet: Der Sieg an der H u c z w a hatte eine Kriegslage ge- schaffen, die es ermöglichte, zu einem Angriffe gegen die in O st g a l i z i e n eingebrochenen sehr starken russischen Kräfte vorzugehen. In Erkenntnis der Notwendigkeit, unsere nach den Gefechten östlich von Lemberg zurückgegangene Armee zu unterstützen, erhielt die in der Schlacht bei Komarow sieg- reich gewesene Armee Befehl, gegen den geschlagenen Feind nach kurzer Verfolgung untergeordnete Kräfte zurückzulassen, ihr Gros aber im Räume Narol-Uhnow zur Vorrllckung in der ihrer bisherigen Angriffsrichtung fast entgegengesetzten Direttion Lemberg zu gruppieren, was schon am 4. September durchgeführt war. Die Russen schienen nach ihrem Einzüge in die ihnen kampflos überlassene Hauptstadt Galiziens einen Flanken st oß in Richtung Lublin vorzuhaben, wobei sie unsere hinter die Grodeker Teichlinie zurückgekehrte Armee wohl vernachlässigen zu können glaubten. Indessen stand diese Armee bereit, in die zu erwartende Schlacht unserer nun von Norden gegen Lemberg anrückenden Armeen einzugreifen. Am 5. September war letztere Heeresgruppe bereits über die Bahnstrecke Rawaruska— Horyniec hinausgelangt. Weiterhin mit dem linken Flügel im Raum von Rawaruska sich behauptend, schwenkte sie mit dem rechten am 6. September bis Kurniki ein und trat am 7. September in einen ernsten Kampf gegen starke nordwärts vorgeschobene feindliche Kräfte. Mit Tagesanbruch des 8. September begann auf der 70 Kilometer breiten FrontKomaroiv— Rawaruska unser allgemeiner Angriff, der bis zum 11. September durchaus erfolgreich war und namentlich am südlichen Flügel nahe an Lemberg herangetragen wurde. Trotz dieser Erfolge wurde es notwendig, eine neue Grup- pierung unseres Heeres anzuordnen, weil sein Nordflügel bei Rawaruska bedroht war und frische, weit überlegene russische Kräfte sowohl(jegen die vorwärts K r a s n i k kämpfende Armee als auch im Räume zwischen dieser und dem Schlachtfelde von Lemberg vorgingen. In den schweren Kämpfen östlich von Grodek am 10. September waren die Erzherzöge, Armeeoberkommandant Friedrich und Karl Franz Joseph bei der dort angreifenden Division. Wie in allen bisherigen Schlachten und Gefechten, so haben unsere braven und schon seit drei Wochen ununterbrochen kämpfenden Truppen auch vor Lemberg ihr Bestes geleistet und ihre Bravour und Tüchtigkeit abermals erwiesen. In der fünftägigen Schlacht hatten beide Teile schwere Verluste, namentlich bei Rawaruska würben mehrere Nacht» «» g! i i f e bxx Rusieg blutig sbgewieseu,.Gefangene Russen, darunter biele Offiziere, wurden wieder in Masten einge- bracht. Aus Ausweisen unserer leitenden Etappcnbehörde geht hervor, daß bisher 41 000 Russen und 8000 Serben ins Innere der Monarchie abgeschoben wurden. Bisher wurden über 300 Feldgeschütze im Kampfe erobert. Resümierend kann her- vorgehoben werden, daß unsere Armee bisher in aktivster Weise und in heldenmütigstem Kampfe dem numerisch überlegenen, tapferen, hartnäckig kämpfenden Feinde erfolgreich entgegen- treten konnte. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. H o e f e r, Generalmajor. Der europäische Krieg. Durch die Presse geht ein Auszug aus dem Moni- fest der Unabhängigen Arbeiterpartei, die bekanntlich die stärkste politische Organisation deS englischen Sozialismus darstellt. Wir sind in der Lage, im Nach- stehenden die vollständige Uebersetzung des interessanten Dokuments nach dem englischen Original unseren Lesern vorzulegen. Manifest der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands. ES ist stets mit allem Nachdruck durch die Unabhängige Arbeiter- Partei behauptet worden, daß die diplomatischen Methoden, die durch die europäischen Regierungen, einschließlich unserer eigenen, verfolgt wurden und gestützt waren auf die Macht mörderischer Rüstungen- unausbleiblich entweder zu einem Weltkrieg führen müsse oder zu einem Weltbankrott— oder zu beidem. Diese BorauSsetzung, die sich auf Tatsachen und Tendenzen gründete, ist nur allzu schnell und tragisch erfüllt worden. Die Ursache des Krieges. Anstatt danach zu streben, Europa zu einer Staatengemeinschaft zu einigen, zusammengeschlossen zur Wahrung des Friedens zu vereinigen, hat sich die Diplomatie vorsätzlich bemüht. Europa in zwei bewaffnete, sich gegenüberstehende Lager zu teilen, in den Drei- verband und den Dreibund. Die Diplomatie ist hinterlistig, heimlich. ränkevoll gewesen, jede Macht bestrebt, durch Tücke und List das Beste des Nachbarn zu ergatlern. Die Diplomaten haben eine wahr« Sphäre von Neid, Täuschung und Mißtrauen um sich ver- breitet. Jedes Land ist in hohem Maße durch den Einfluß seiner Hetzpresse in Furcht und Schrecken versetzt worden. Jedes Land hat versucht,, die anderen Länder durch den Umfang und die Kostspieligkeit seiner Rüstungen zu übertreffen. Mächtige RüstungS- intereffenlen haben ihre unheilvolle Rolle gespielt, denn sie sind eS die ihren Riesenreichtum aus Verwüstung und Tod ziehen. Unter diesen Verhältnisien kann jeder kleine Funken«inen Wellbrand wie den gegenwärtigen hervorrufen. ES ist schwierig und vielleicht wertlos, zu versuchen, in diesem Augenblick den genauen Maßstab anzulegen, um die Verantwortlichkeit und die Schande zu messen, die auf die verschiedenen Länder fallen. ES ist genau so unrichtig zu sagen, daß die englische Politik ganz weiß gewesen ist, und die deutsche Politik ganz schwarz, wie zu sagen, daß die deutsche Politik völlig richtig gewesen ist, die englische völlig verwerflich. Das gewöhnliche, keine scharfen Unterschiede machende Volk in beiden Länder» mag vorbehaltlos die eine oder andere dieser beiden Alternativen annehmen— die Erfahrung lehrt, daß die Geschichte dann doch eine andere Darstellung gibt. Die Geheim diplomatie. Gegenwärtig hat Sir Edward Grey sei« Weißbuch heraus- gegeben, um zu beweisen, daß Deutschland der Angreifer ist, genau so, wie Deutschland ein Weißbuch herausgibt, um zu beweisen, daß Rußland der Angreifer ist und Rußland, um zu beweisen, daß Oesterreich der Angreifer ist. Selbst wenn man jede? Wort in dem englischen Weißbuch unangefochten lasten wollte, so fehlen doch die weiteren Anklagepunkte. Zugegeben, daß in den Tagen unmittelbar vor dem Kriege Sir E d w a r d G r e y sich um den Frieden be- mühte. ES war zu spät. Eine ganze Reihe von Jahren hat er zusammen mit anderen Diplo- maten selb st den Abgrund gegraben und eine kluge Staatskunst hätte das unvermeidliche Re- sultat vorhergesehen und vermieden. ES war nicht die serbische Frage oder die belgische Frage, die unser Land m den fürchterlichen Kampf hineinzogen. Großbritannien führt nicht den Krieg wegen unterdrückter Nationen oder wegen der belgischen Neutralität. Auch wenn Deutschland die belgische Neutralität nicht unrechtmäßig gebrochen hätte, wären wir doch hineingezogen worden. Wer glaubt, daß wenn Frankreich in Verletzung von vertragsmäßigen Rechten nach Belgien eingedrungen wäre, um nach Deutschland zu gelangen, wir gegen Frankreich die Feindseligkeiten begonnen hätten? Hinter dem Rücken deS Parlaments und des Volkes trat das Britische Auswärtige Amt in ein geheimes Ein« vernehmen mit Frankreich, dessen Existenz e» leugnete, als eS gefragt wurde. Das ist die Ursache, waruni unser Land jetzt dem völligen Ruin und der Verarmung ins Auge blicken muß, die der Krieg mit sich bringt. Verträge und Uebereinkommen haben das republikanische Frankreich in daS Schlepptau des despotischen Rußland gebracht, Großbritannien in daS Schlepptau Frankreichs. Zur gehörigen Zeit wird das alles klargemacht werden und die verantwortlichen Männer zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Wir wünschen weder die Verstärkung des deutschen, noch die de» russischen Militarismus. Aber die Gefahr liegt darin, daß dieser Krieg entweder den einen oder den andern fördern wird. England hat sich hinter Rußland gestellt, die reaktionärst«, korrupteste und brutalste Macht in Europa. Wenn Rußland ge- stattet wird, seine Ländergier zu befriedigen und seine Kosaken- Herrschast auszudehnen, werden Zivilisation und Demokratie schwer gefährdet. Hat Großbritannien zu diesem Zwecke sein Schwert gezogen? Zehntausend« unserer Benoffen stehen auf dem Schlachtfelde und wisten nicht, ob sie jemals wieder heimkehren werden, viele find schon gefallen, die Verlustliste wird bald eine entsetzliche Aus- dehnung erreichen und die Verwundeten liegen schmerzvoll auf dem Schlachtfeld, auf dem Verdeck der Schiffe und in den Hospitälern. Unter denen, die diesem Schicksal tapser entgegen gehen, sind viele unserer sozialistischen Genosten, die in der stehenden Armee dienen, in der Reserve und in Territorialtruppen. Kaum weniger schrecklich ist die Lage der Frauen und Kinder zu Hause, deren Existenz von denen abhängt, die unter den Waffen stehen, sowie die Lage der zahllosen Arbeiter und ihrer Familien, denen der Krieg Arbeitslosigkeit und Elend bringt. Selbst die größten Anstrengungen, auch wenn die Nahrungsmittelzufuhr ge« nügend ist, weiden es nicht verhindern können, daß entsetzliche Ent« behrungen unter ihnen wüten. Deutsche Arbeiter— unsere Genossen! WaS von den Soldaten, den Arbeitern und ihren Familien in unserem Lande gilt, gilt nicht weniger von denen in Frankreich. Belgien, Deutschland und anderen Ländern. Müssen wir nicht auch dies in Betracht ziehen? Für unS Sozialisten sind die Arbeiter Deutschlands und Oester- reichs ebenso wie die Arbeiter Frankreichs und Rußlands Genossen und Brüder. In dieser Stunde de§ Gemetzels und des Entsetzens empfinden wir Freundschaft und Mitgefühl für alle Opfer deS Militarismus. Wir sind bereu, unsere Nationalität und Selb- ständigkeit zu verteidigen, die uns teuer sind. Aber wir können nicht Freude empfinden an der organisierten Ermordung Zehn- taufender von Arbeitern anderer Länder, die gelötet werden auf das Kommando von Herrschern, für die daS Volk nur ein Werk« zeug ist. Der Kriegsbrand hat ganz Europa erfaßt. Bis zum lehren Moment waren wir bemüht, den Brand zu hindern. Die Nation muß nun warten auf die erste Gelegenheit für wirksame Jnter« vention. In bezug auf die Zukunft müssen wir beginnen, unsere Geister vorzubereiten auf die schwierigen und gesährlichen Kom- plikationen. die aus dem Abschluß des Kriege» hervorgehen werden. Das Volk muß überall territoriale Erweiterungen und nationale Demütigungen bekänipfeu, die den Weg für neue Kriege bahnen. Und durch ganz Europa müssen die Arbeiter darauf drängen, daß die Diplomaten eine ehrliche Politik machen, überwacht von den Arbeitern, eine Politik in der Richtung auf Unterdrückung des Militarismus und die Herstellung der vereinigten Staaten Europa?, um dadurch zum Weltfrieden zu gelangen. Wenn diese Schritte nicht getan werden, wird Europa nach der gegenwärtigen Schreckens- zeit noch mehr der wachsenden Herrschaft des Militarismus unter- liegen und noch mehr der Gefahr ausgesetzt sein, mit Blut getränlt zu werden. Der Sozialismus wird trotz alledem triumphieren. Man sagt uns, der internationale Sozialismus sei tot, alle unsere Hoffirungen, Ideale seien vernichtet worden durch den Mord und Brand des europäischen Krieges. Das ist nicht wahr. AuS der düsteren Tiefe rufen wir den Genossen jeden Landes unsere herzlichsten Grütze zu. Durch das Gebrüll der Kanonen senden wir unsere Sympathie den Sozialisten Deutschlands. Sie haben ununterbrochen und unermüdlich sich bemüht, gute Bc« ziehungen mit England herbeizuführen, wie wir sie mit Deutschland herbeiführen wollten. Sie sind nicht unsere Feinde, sondern treue Freunde. Indem sie diese« scheußliche Verbrechen den Rationen auf« gezwungen haben, haben die Herrscher, die Militaristen ihr eigenes Schicksal besiegelt. In Tränen und Blut und Bitterkeit wird die größere Demokratie geboren werden. Mit ungebrochener Zuversicht grüßen wir diii Zukunft. Unsere Sache ist heilig und unvernichlbar und unsere Arbeit ist nicht vergeblich gewesen; ES lebe die Frei- heit und die Brüderlichkeit, eS lebe der internationale Sozialismus! Der Parteivorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei. ?m Kampfe mit öen Englänöern. Dem Brief eines Parteigenossen, der verwundet wurde, ent« nehmen wir folgendes: .Nun will ich Dir mal daS Gefecht näher beschreiben: Wir hatten am Sonntag, den 23. August da« erste Nachtgefccht, und maßten breite, sumpfige Wassergräben durchwaten: wir konnten aber nicht an die Engländer herankommen, weil ein Schiffahrtskanal da« zwischen und die Brücken gesprengt waren. Hier ist K. P. gefallen. liniere Kompagnie mußte mit den nassen Sachen auf Porposten ziehe», und wir haben die ganze Nacht auf der bloßen Erde, ohne Stroh und Feuer, mit dem Gewehr im Arm gelegen. Am frühen Morgen wurden die Engländer durch unsere Artillerie vertrieben, und nun schlugen unsere Pioniere Holzbrücken und wir konnten die Engländer verfolgen. Am Mittag gegen 2 Uhr bekamen wir wieder Artilleriefeuer, und nun hieß eS, drauf auf die Engländer. Ich kann es Dir nicht beschreiben, was eS das erste Mal für ein Gefühl ist, wenn die Granaten so zehn, zwanzig Schritt im Umkreis platzen und man sieht seine Kameraden sallcn. Man wird richlig zum wilden, wütenden Tier. Nur immer vorwärts drauf auf den Feind und Rache für die gefallenen Kameraden. Wir schlugen die Engländer an diesem Tage zurück und inachien auch Gesangene. Todmüde kamen wir abends gegen 10 Uhr ins Ouartier — und nichts zu essen. Ein Slück trocken Brot und Master war für uns Kuchen und Wein. Am andern Morgen ging eS wieder beizeiten lo» und wir überschritten 8.15 Uhr vormittags die fran- zösische Grenze. Wir marschierten den ganzen Tag und kamen abends gegen 9 Uhr wieder in ein Nachtgefecht und mußten wieder die ganze Nacht im Freien bei Regenwetter zubringen. Nur zwei Bund Stroh hatte ich für mein Lager erwischt, eins zum Drauflegen und eins zum Zudecken. Nun kam der verhängnisvolle 23. August. Wir mußten wieder tüchtig marschieren und bekamen gegen 10 Uhr wieder feindliche» Artilleriefeuer. Unsere Kompagnie ging in Kompagniekolonne vor und mußte durch ein kleines Wäldchen. Hier schlug zwei Schritt von mir eine Granate ein und riß unseren Vizefeldwebel, einen Unteroffizier und noch drei Leute in Stücke. Ein grausiger Anblick. Es ging nun aber im Laufschritt durch den Wald und über freies Feld weiter. Hier bekamen wir mächtige« Artilleriefeuer von der Seite und Maschinengewehr« und Jnfanteriefeuer von vorn. Hier ist mancher Kamerad gefallen. Wir drangen bis an einen Hohl- weg vor und warteten hier bis Mittag gegen 2 Uhr auf Ver- stärkung. Von hier au» machte ich noch ungefähr b00 m mit, und die für mich bestimmte Kugel traf mich. Vorher bekam ich erst eine Kugel in den Tornister, welche mir nichts schadete. Ich lag gerade und wollte mein Gewehr abdrücken, auf emmal fühlte ich einen dumpfen Druck an der rechten Brust und da kam auch schon da» Blut geflosten. Die Kugel streifte erst oben die Brust, ging dann in die Brust hinein und streifte über den Rippen entlang, bi» sie an der untelsien Rippe wieder heraus kam. Sie ist sehr glücklich gegangen, die drei Wunden heilen großartig, nur habe ich beim Husten und Schlucken Schmerzen in der Brust. Ich lag mit meinen Wunden von nachmittag 0� Ubr bis zum anderen Morgen Vi3 Uhr ün freien Felde ohne Verband, da kannst Du Dir denken, wä» ich für Blut verloren habe; und die Kugeln pfiffen noch bis abend» um 7 Uhr um einen herum, und ich habe keine mehr abbekommen. Solche Rächt möchte ich nicht wieder durchmachen." Dreibunüfeinüliche Kundgebungen in Italien. Mailand, 16. September. Zlach einer Volksversammlung, die in Rom unter dem Vorwande einer Gedenkfeier für die unter österreichischen Fahnen gefallenen Italiener einberufen war, die aber in Wirklichkeit für die St e i l n a h m e Italiens am Kriege S t i mm u n g machen wollte, kam es auf der Straße zu Kundgebungen. Tie Menge ver- an staltete vor der belgischen Gesandtschaft eine Sympathiekundgebung. Sie wurde von der Polizei daran gehindert, vor der französischen Botschaft das gleiche zu tun und vor der österreschisch-ungarischen Botschaft zu demonstrieren. Zwei ru manische Persönlichkeiten, der Ab- geordnete Jstra.i. Präsident der rumänischen Akademie und der Abgeordnete Tianandy, Generaldirektor der Theater, sind in Rom angekommen, um wegen eines gemeinsamen Vor- gehens gegen Oesterreich-Ungarn Fühlung zu nehmen.(„Franks. Ztg.") Die englische Rekrutierung. Vcr», 16. September. rcchtigl, ihnen als Zuhörer beizuioohncn. Gewerkschaftliches. stuslanö. Tie schweizerische Gewerkschaftsbewegung und der Krieg. Obwohl die Schweiz als neutraler Staat an den europäischen Kriegswirren nicht aktiv beteiligt ist, so sind deren wirtschaftliche Rückwirkungen auf das ganz« Land und damit auch auf die Ge- werkschaftsbcwegung die gleichen wie in anderen Ländern, wa» sich auch aus den tausendfachen internationalen Zusammenhängen, die nun gestört find, ergibt. Außerdem hat die Schweiz, in der die allgemeine Wehrpflicht voni 20. bis 48. Lebensjahre ohne jede Be- schränkung durchgeführt ist, ebenfalls mobilisiert und mit AuS- nähme der jungen und alten Jahrgänge sowie der Dienstuntaug- lichen. fast den letzten Mann aufgeboten. Von den Tausenden aus« ländischer Arbeiter mußte ebenfalls ein großer Teil nach Deutsch- land, Oesterreich, Frankreich usw. zu Militär- und Kriegsdienst einrücken, während die Italiener in Scharen förmlich der Heimat zuflutelen. Eine sich kreuzende Völkerwanderung und Völkerflucht von großer geschichtlicher Bedeutung! Da ferner �>ie Verkehrsmittel hauptsächlich vom Militär bean- sprucht wurden und der Kriegsfahrplan mit seinem Schnecken- tempo die gute alte Zeit der Thurn-Taxischen„Schnellpost" wieder zu Ehren brachte, wurde fast mit einem Schlage das wirtschaftliche Leben zum Stillstand gebracht. In der Sitzung des Ausschusses des Schweizerischen Gewert- schaftsbundes vom 10. August mußten die Vertreter der Verbände bereits konstatieren, daß 60 Proz. und noch mehr Mitglieder ein- rücken mußten und von den Zurückgebliebenen bis zur Hälfte arbeitslos find. Der Malerverband hat 80 Proz. seiner Mitglieder verloren! Zahlreiche Betriebe aller Gewerbe und Industrien sinkt ganz eingestellt, andere arbeiten mit der reduzierten Arbeitszahl weniger Stunden im Tag« oder nur an einigen Tagen in der Woche. Ta unter den Arbeitslosen auch viele Arbeiterinnen sind, so geht zahl- reichen Arbeiterfamilien auch der Verdienst der weiblichen Ange- hörigen verloren und sind nun wohl viele von ihnen ohne jedes Lohneinkommen. Unter diesen Verhältnissen haben die Gewerkschaften folgende ..Kriegsmaßnahmen" getroffen. Mehrere Verbände haben für den Monat August für die Mitglieder die Beitragsleistung, aber auch mit Ausnahme der ersten Augustwoche ihr« Unterstützungstätigkeit eingestellt. Die Metallarbeiter erhoben dafür wöchentliche Extra- beitrage von 1 Fr. für die Sektionskaffen zum Zwecke der Not- fallunterstützung. Die Buchdrucker und Buchbinder hielten rasch außerordentliche Delegiertenversammlungen zur Stellungnahme ab, die Extrabeiträge und die Fortführung der Unterstützungstätigkeit in beschränktem Maße beschlossen. Die Buchdrucker erheben von ihren beschäfttgten Mitgliedern je nach der Lohnhöhe wöchentf che Extrabeiträge von 2 bis 5 Fr., die Buchbinder von 1 Fr. bei einem Wochenverdienst von über 36 Fr. Die Lithographen erheben von Mitgliedern mit über 46 Fr. Wochenlohn den doppelten Beitrag, und auch sie führen die Unterstützungstätigkeit zum Teil fort. All« drei Verbände geben auch i/fte Organe bis auf weiteres im bis- herigen Umfange heraus. Notfallunterstützung erhalten die Mitglieder oder ihre hinter- lassenen Familien wohl in allen von den meisten Verbänden. Dagegen hat die Presse aller übrigen Verbände eine starke Einschränkung im Umfang oder in der Erscheinungsweise oder in beiden Formen erfahren. Vierseitige Blätter erscheinen nur noch zweiseitig, achtseitige vierseitig, achttägig erschienene Blätter er- scheinen vierzehntägig, vierzehntägige nur noch monatlich, und die Blätter der Mailer, Schneider und Bauarbeiter haben ihr Erscheinen ganz eingestellt. Auch der„Operaio" deS Gewerkschaftsbundes ist eingegangen. Die Gewerkschaftsbeamten haben auf die Hälfte ihrer Gehälter verzichtet. Fast alle Verbandsoorstände forderten ihre arbeitslosen Mit- glieder auf, aufs Land zu gehen und den Bauern bei den reichen Erntearbeiten zu helfen. Ter Appell ist massenhaft, aber mit zum Teil unbefriedigenden Erfolgen befolgt worden. Manche städtische Arbeiter wurden von den Bauern ohne weiteres zurückgewiesen, andere fanden zwar Beschäftigung, aber nur gegen ganz geringe Entschädigung, und einer dritten Gruppe ehrlicher Arbeitswilliger soll es passiert sei», daß sie bloß die Kost, aber keinen Lohn er- hielten. Jedenfalls haben die Arbeiter ihre allgemeine Volks- solidarität mit den Bauern in wahrhaft idealer Weise betätigt und diesen damit ein gutes Beispiel gegeben. Tic Verbands- und Sektionsvorstände sind fest entschlossen, die Gewerkschaften, die großartigen Erfolge jahrzehntelanger Agi- tations- und Organisationsarbeit, aus den Knegswirrcn z» retten, um mit ihnen die Garantie für den zukünftigen Fortschritt und Aufstieg der Arbeiterklasse zu bieten. Mus Inöustrie und Handel. Ter englische Feldzug gegen den deutschen Handel. Die englischen Finanziers und Industriellen bemühen sich in außerordentlicher Weise, den deutschen Handel möglichst gänzlich vom Weltmarkt auszuscheiden. Im„Daily Citizen" behandelt W. Pitt diesen Gegenstand. Einleitend schildert er die EntWickelung des deutschen Exports seit dem Jahre 1001. Hier anschließend er- örtert er dann die Gründe, warum es dem deutschen Handel ge- lungen ist, sich überall auf dem Weltmarkt Eingang zu verschaffen. Diese Erörterung ist für die deutsche Handelswclt sehr schmeichel- Haft. Die deutschen Kaufleute, so bemerkt Pitt, wüßten sich viel besser als die englischen dem Bedarf in den verschiedensten Weit- teilen anzupassen. Einige Wochen Krieg seien aber genügend ge- wcscn, alles dies zu zersiören. Tic Waren für die Herbsisaiftm und für Weihnachten seien zwar zum großen Teil schon geliefert; sie lagern in London und anderen Handelszentren, sie finden aber jetzt keinen Absatz mehr, da die öffentliche Meinung gegen Deutschland aufgebracht ist. Aber die schwarzen Tage des Krieges werden vorübergehen. Die große Masse, so sagt Pitt, wird vergessen und verzeihen, nicht aber so die Leute von der Großsinanz und vom Handel. Er schildert dann Einzelfälle, wo deutsche Kaufleute alles verloren haben; ihre Güter sind jetzt nicht verkäuflich, lHAe sähen ihr Lebenswerk zerstört. Pitt schließt:„Verzeihung für das vergossene Blui, für die Leiden der Frauen und Kinder, für die Angst und Qualen der Männer wird einst gegeben werden. Tie Arbeiter Englands werden sich über- zeugen, datz auch die deutschen Arbeiter den Krieg nicht gesucht, daß sie in einer Zwangslage waren, ebenso wie die englischen. Es ist eine Schlacht der Nationen, nicht der einzelnen. Aber Deutschland hat das- g rötzte Verbrechen begangen, eS hat gegen das Eigen- tum gesündigt. Die Besitzenden haben schon erklärt, daß dies die unverzeihlichste Sünde ist. Die Legende„dlscke in Germany" ist aus den Hauptbüchern der zivilisierten Welt auszulöschen." Diese Bestrebungen der englischen Kaufleute und Fabrikanten werden von der englischen Regierung auf das eifrigste unterstützt. Wie wir dem oben genannten Blatte entnehmen, hat sich das eng- lische HandelSamt bakd nach Ausbruch des Krieges an die Regierun- gen aller englischen Kolonien und Dominien gewandt und Berichte eingefordert über die finanzielle und kommerzielle Situation. Vor allem wünscht die englische Regierung Auskunft darüber zu.erhal- ten, wie es möglich sei, den deutschen Handel gänzlich zu zerstören. AuS mehreren Kolonien sind Antworten bereits eingegangen; aus ihnen ist ersichtlich, daß man überall bestrebt ist, den Intentionen der englischen Regierung zu folgen. Ueberall suchen englische Firmen den deutschen Export an sich zu reihen. Daraus ist zu ersehen, daß, wie immer auch der Krieg auS- gehen wird, der deutsche Handel und die Industrie und damit die deutsche Arbeiterschaft auch nach dem Kriege noch auf lange Zeit hinaus aufs schwerste betroffen bleiben wird. Französische Anleihen. Der französische Finanzminister reichte dem Ministerrat einen Gesetzentwurf ein zur Verschmelzung der jüngsten 3>4prozentigen Staatsanleihe, deren Vollzahlung auf Schwierigkeiten stößt, mit einer etwaigen französischen Kriegsanleihe. Zertifikate der 3�prozentigen Anleihe, worauf bis jetzt nur gering« Einzahlungen stattfanden, sollen zum ZeichnungspriS von öl Proz. in Zahlung genommen werden. Die dritte und vierte Einzahlung auf die 3s4prozentige Anleihe können in Monatsraten bis inklusive De- zembcr geleistet werden. Zeichner, die mit der zweiten Rate rück- ständig sind, sollen diese bei dem dritten und vierten Termin leisten können. Gerichtszeitung. Unzulässiger Gebrauch deS Roten Kreuzes. Der Masseur, Heilgehilfe und Hühneraugcnoperateur Neise in Berlin kündigte seinen Berus auf einem Emailleaushängeschilde an. Inmitten dieses weißen Schildes befand sich ein rotcS Kreuz im Rahmen eines KreiseS, der dem Kreuz im Räume seiner Aus- dehnung einen gelben Hintergrund gibt. Die weihe Fläche deS Schildes mit den schwarzen Buchstaben der Berufsanzeige hat eine weit größere Ausdehnung. Durch die gekennzeichnete Benutzung de« roten Kreuzes auf diesem Schilde sollte R. das Gesetz zum Schutze deS Neutralitätszeichens vom 22. März 1002 übertreten haben. Dieses Gesetz bestimmt: „DaS in der Genfer Konvention zum Neutralitätszeichen er- klärte rote Kreuz auf weißem Grunde, sowie die Worte RoteS Kreuz dürfen, unbeschadet der Verwendung für Zwecke deS mili- täri scheu Sanitätsdienstes, zu wissenschaftlichen Zwecken, sowie zur Bezeichnung von Vereinen und Gesellschaften, oder zur Kennzeich- nung ihrer Tätigkeit, nur aus Grund einer Erlaubnis gebraucht werden.... Die Anwendung der Vorschriften dieses Gesetzes wird durch Abweichungen nicht auSgrschlassrn, mit denen das Zeichen wiedergegeben wird, sofern ungeachtet dieser Bbwrichung die Ge- fahr«iner Verwechselung vorliegt." Der Angeklagte war vom Landgericht in Berlin wegen Ueber- tretung dieser Bestimmungen zu einer Geldstrafe verurteilt wor- den. Begründend wurde ausgeführt: Zwo habe daS rote Kreuz selber auf dem weißen Schilde einen gelben Hintergrund. Das Ausmaß de» Kreuzes mit seinem gelben Rahmen sei aber.im Verhältnis zur Große des Schildes so aering, daß das rvte Kreuz in weiterer Entfernung mit dem Weiß des Schildes verschmelze und so die Gefahr der Verwechselung mit dem Neutralitätszeichen entstehe. DaS Kammergericht verwarf dieser Tage die vom An» geklagten eingelegte Revision. ßrauen-lleseabenöe. Köpenick. Heute Donnerttag, 8'/, Uhr, im Stadt-Theater bei Otto. Voitrag der Gcnosfin R y.n e ck. Wetterausfichte« für da« mittlere Rorddeutichland di« Aveitagmittag: Ueberall vielfach heiler und m den Tagesstunden mild, aber im Küstengebiete noch veränderlich und vereinzelie Rcgcnsälle; in den anderen Gegenden meist trocken.