Nr. 272. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. O Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwärts 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlnungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes titere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Montag, den 5. Oftober 1914. Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 151 90-151 97. Der Kampf um Antwerpen.- Die Niederlage der Ruffen. Amtlich. Berlin, 4. Oktober, abends 12.05 Beschießung einer Kirche durch die Belgier. Uhr.( W. Z. B.) Großes Hauptquartier. Auf T. Die„ Daily Mail" vom 30. September schreibt: Die dem westlichen Kriegsschauplatz geht Belgier waren heute nachmittag gezwungen, die schöne der Kampf am rechten Heeresflügel und in den Notredamekirche in Termonde zu beschießen. Argonnen erfolgreich vorwärts. Die Operationen vor Antwerpen und auf dem östlichen Kriegsschauplah vollzogen sich planmäßig und ohne Kampf. Der Angriff auf Antwerpens äußeren Fortgürtel. Der Weltkrieg in Zahlen. Die soeben erschienenen D. Hübners Geographischstatistischen Zabellen bringen das neueste Zahlenmaterial über die kriegführenden Länder, das uns erlaubt, deutung dieses Krieges zu machen. Englische Schiffskanonen in Frankreich sich einigermaßen ein Bild vom Umfang und von der BeLondon, 4. Oktober.( W. T. B.) Der„ Manchester Guardian" bemerkt beiläufig, daß das Heer der Verbündeten in Nordfrankreich englische Schiffskanonen mit sich führt. Die indischen Truppen. London, 2. Oktober.( W. T. B.) Die Ausschiffung der indischen Truppen fand in Marseille statt. Unter ihnen befinden sich Ghurkatruppen aus dem Pendschab und aus Belutschistan. Die deutschen Mörser. Das Deutsche Reich mit Küstengewässern und Bodenseeanteilen umfaßt 548 000 Quadratkilometer, Desterreich- Ungarn 676 600 Quadratkilometer, zusammen 1224 600 Quadratkilometer. Rußland erstreckt sich in Europa über 5452000 Quadratkilometer, England über 318 000, Frankreich über 536 500, Belgien über 29 000, Serbien über 87 000 und Montenegro Europa einen Umfang von 9,97 Millionen Quadratkilometer 14 200, zusammen über 6 436 700 Quadratkilometer. Da ganz Die letzten Telegramme des deutschen Großen Haupthat, so machen die kämpfenden Länder 76,8 Proz. von quartiers brachten die Kunde, daß der sich auf zirka 100 Stilometer erstreckende äußere Fortgürtel Antwerpens an seiner Europa aus! In den anderen Erdteilen find die Befizungen dieser füdlichen und südöstlichen Seite durchbrochen ist, und zwar Chistiania, 3. Oktober.( W. T. B.) Gin aus Belgien heim- Länder zum Teil noch bedeutender. Die russischen Bean der Stelle, wo die Straße und die Bahn von Brüssel in gekehrter Norieger berichtet in der Annonce tidente" in Bergen sigungen in Asien umfassen 17,1 Millionen Quadratkilometer, das Antwerpener Festungsgebiet einmünden. Die Entfer- über den Eindruck, den die deutschen 42-3entimeter- die englischen 5,26. die französischen 0,8 und die japanischen nung von den Forts, die jetzt in deutschen Händen sind mörser machen. Er habe in einer Stadt nahe Antwerpen ge- 0,67, zusammen 23,73 Millionen Quadratkilometer. ( Lierre, Wavre usw.) bis zur inneren Fortlinie, die acht Forts wohnt, die von den Deutschen besetzt war. Unter der deutschen kommen noch Stiautschou mit 552 Quadratkilometer und umfaßt, beträgt 12 bis 13 Stilometer, bis zur eigentlichen den Höhen mehrere 42-3entimeter- Mörser. Es war verboten, Insgesamt machen diese Kolonien 53 Proz. von Asien aus. Artillerie, die gegen Antwerpen aufgestellt sei, befanden sich auf Aegyptisch- Arabien Stadtumwallung 15 bis 16 Kilometer. Die von dem General näher als bis auf einen Stilometer Entfernung heranzutreten. Die afrikanischen Besizungen Frankreichs bestehen aus Brialmont angelegte Stadtumwallung sollte nach einem Be- Die ganze Stadt bebte, wenn die Mörser ihre mächtigen 9,66 Millionen Quadratkilometer, Englands aus 6,19, schluß der belgischen Kammer im Jahre 1906 beseitigt und Geschosse in Abständen von einer halben Stunde- abfeuerten. Aegyptens aus 3,48, Belgiens aus 2,36 und Deutschlands durch die innere Fortlinie ersetzt werden. Wahrscheinlich wird war wie der Ausbruch eines Bulkans. aus 2,66 Mill. Quadratkilometer, zusammen aus 25,35 Mill. sie jetzt von der Besazung in aller Eile wieder hergestellt Quadratkilometer oder rund 80 Proz. von ganz Afrika. In Es mit 59 000 Quadratkilometer hinzu. worden sein. Schwierigkeiten wird sie der deutschen Belage- Vom östlichen Kriegsschauplah. östlichen Kriegsschauplatz. Australien machen die englischen Beſigungen 8,26, die franrungsartillerie nicht machen. Durch die Lücke im äußeren zösischen 0,02 und die deutschen 0,24 Millionen QuadratkiloFortgürtel können die deutschen Belagerungsgeschüße näher Die Schlacht bei Augustow. meter, zusammen 8,52 millionen Quadratkilometer oder an die Stadt gebracht werden, und in nicht allzu langer Zeit 95 Proz. von Australien aus. In Amerika ist der Anteil Königsberg, 4. Oktober.( W. T. B.) Das stell- dieser Länder viel geringer. Englands Besizungen umfassen werden die schweren Granaten in den Straßen Antwerpens vertretende Generalfommando in Königsberg hat vom 8,96 und Frankreichs 0,09, zusammen 9,05 Millionen QuadratVernichtung und Verderben ausstreuen. Das wird mit um Die Gesamtso größerem Nachdruck geschehen, je mehr Forts des äußeren Generalstab die Ermächtigung erhalten, über die bereits ge- tilometer oder etwas über/ von Amerika. Gürtels von den Deutschen außer Gefecht gesetzt werden. meldeten Kämpfe bei Augustow folgende ergänzende landfläche der Welt beträgt 145,9 Millionen Quadratkilometer, In den Mauern der eigentlichen Stadt Antwerpen Meldung zu machen: Die Russen sind in zweitägigem Kampfe wovon die kämpfenden Staaten mit ihren Besizungen 74,3 mögen jetzt rund 300 000 Menschen ohne die starke Besatzung bei Suwalki am 1. und 2. Oktober völlig geschlagen Millionen Quadratkilometer oder rund 51 Proz. einnehmen. Die Einwohnerzahl beträgt in diesen Ländern in zufammengedrängt sein. Der Hunger in seiner quälendsten und haben dreitausend Gefangene, achtzehn GeMillionen: Form, dieser häufige Gast in belagerten Festungen, wird der Schüße, darunter eine schwere Batterie, viele MaschinenBevölkerung erspart bleiben, so lange der Seeweg und damit gewehre, Fahrzeuge und Pferde verloren. die Verbindung mit England offen bleibt. Die Schrecken einer Beschießung werden aber in einer so bevölkerten Stadt um so furchtbarer wüten. Der russische Bericht. Mailand, 4. Oftober.( T. U.) Nach hier eingetroffenen Petersburger Meldungen dauert die Schlacht auf dem nordAntwerpen, das im frühen Mittelalter der Hansa ange östlichen Kriegsschauplatz an. Der Kampf bei Mariampol hörte, hat unter der Herrschaft der Spanier und der Hollän- blieb ohne endgültiges Ergebnis. Bei Suwalki findet ein erder viel von seiner einstigen Blüte verloren. Seit Anfang bitterter Kampf statt. Deutsche Verstärkungen haben die des 19. Jahrhunderts hat es sich aber zu einer mächtigen Offensive auf der Front Suwalki Augustowerund reichen Handels- und Hafenstadt entwickelt. Die Stadt griffen. Bei Raczki machten die Deutschen einen nächtlichen hat im Laufe der Geschichte manche Belagerung über sich Bajonettangriff, erlitten aber starke Verluste. Bei Mlawa ergehen lassen müssen. So im Jahre 1584/85 durch den unternahmen die Deutschen eine Offensivdemonstration. Herzog Alexander von Parma. Nach heldenmütigem Widerstand der Bürger sah sich die Stadt am 17. August 1585 zur Rapitulation gezwungen. Die alte, von Alba angelegte ZitaDer Seekrieg. delle Antwerpens wurde in den Jahren 1746 und 1792 von Zwei deutsche Kreuzer beschießen Papeete. den Franzosen genommen. Im Jahre 1832 verteidigten die Holländer Antwerpen gegen einen gemeinsamen Angriff der Bordeaux, 3. Oktober, morgens.( W. T. B.) Amtlich wird Franzosen und Belgier. Am 21. Dezember mußte die hollän- bom französischen Marineministerium mitgeteilt: dische Besakung kapitulieren, und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des belgischen Staates war damit gesichert. Welche Folgen wird die Belagerung Antwerpens vom Jahre 1914 für Belgien haben? Die deutschen Kreuzer Scharnhorst" und Gneifena u" find am 22. September vor Papeete auf Tahiti erschienen und haben das fleine Kanonenboot 3élée", welches seit 14. September abgerüstet im Hafen lag, in Grund geschossen. Hierauf beschoffen sie die offene Stadt und fuhren weiter. Die Mitteilung drückt zum Schluß die Hoffnung aus, daß den beiden Vom westlichen Kriegsschauplatz. Schiffen sehr bald die Kohlen ausgehen würden. Der französische Schlachtbericht. Paris, 4. Oktober.( W. T. B.) Die amtliche Mitteilung bon gestern abend lautet: Es ist feine Einzelheit zu melden, der Eindruck ist im allgemeinen günstig. Hierzu wird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Papeete durchaus nicht als offene Stadt gelten kann, da es ein Fort und drei Batterien mit etwa 20 Geschüßen verschiedenen Kalibers besitzt. Der frühere Minister Pichon über die Lage. Stillen Ozean. * Tahiti ist die größte der französischen Gesellschaftsinseln im Auf eine Mine gestoßen. In Europa Darunter: Deutschland Desterreich- Ungarn England Rußland Frankreich Belgien Serbien Montenegro In Asien • •• 311,32 9 · 64,93 51,39 Zusammen 116,82 • • 46,78 136,21 39,60 7,49 4,49 0,43 Zusammen . . • 195,00 . 445,30 Davon: Englische Kolonien In Afrika. Davon: • • 324,77 Russische Befizungen 30,86 Japan 72,21 Französische Kolonien 17,27 Kiautschou 0,19 116,27 Englische Kolonien 36,81 Aegypten. 15,26 Französische Kolonien 37,75 Kongo 15,00 Deutsche Kolonien. 11,45 10,56 • In Amerita • Davon: Englische Besitzungen Französische Befizungen 10,11 0,45 In Australien.. Davon: 7,24 Englische Kolonien 6,59 Französische Kolonien 0,01 Deutsche Kolonien 0,64 In Europa befinden sich rund 69 Proz. der Bevölkerung im Kriege, in der ganzen Welt 890 Millionen oder 53 Pro3.! Man darf also ruhig diesen Krieg Weltkrieg nennen. Diese Länder hatten 1912 einen Außenhandel in Millionen Paris, 3. Oktober. Jm" Petit Journal" bespricht Pichon die militärische Lage. Er erklärt: man darf sich keinem übermäßigen Optimismus hingeben. Wir werden noch London, 4. Oktober.( W. T. B.) Einer Lloydsmeldung zuIange gegen schwere Hindernisse anstürmen. Berlin wird folge stieß der Dampfer Tromo aus Arendal in der Mündung Mart: England in der Einfuhr 13,91 und in der Ausfuhr noch nicht morgen von den Russen befeht. Wir werden noch nicht des Tyne auf eine Mine und sank. Zwei Mann von der Be- 8,77; feine sämtlichen Besitzungen in den übrigen Weltteilen morgen den Festungstrieg gegen den Gegner beendigen, sakung sind ertrunken. Die Ueberlebenden wurden durch einen 10,23, 11,06; Rußland 3,22 und 3,69; Frankreich 6,67 und welcher in Gräben verstedt ist und weittragende Artillerie und Fischdampfer aufgenommen und nördlich von Shields an Land 5,44, feine Befizungen 1,31 und 1,09; Belgien 8,78 und 3,16, Kongo 0.04 mb 0.05: Gerbien gewaltige Kampfmittel besitzt, um unseren Ansturm aufzuhalten. gesetzt. 22128 deutschen negro 0,12 und 0,07: Japan 1,68 und 1,39; zuſammen an der Nordküfte von Beru burch den beutigen Arenser Der Krieg und die Kolonien. Der deutsche Handel stellte sich auf 10,69 und field" führte 6000 Tonnen Zuder für Liverpool; die Ladung hatte Die Besetzung der Schantungbahn durch Das Reutersche Bureau meldet aus Valparaiso: Der in der Einfuhr 40,96 und in der Ausfuhr 34,72 Mil Leipzig" in den Grund gebohrt wurde. Der„ Bantliarden. 8,96, der der Kolonien auf 0,16 und 0,13; der öster- einen Wert von 120 000 Pfund Sterling. reichische Handel auf 2,96 und 2,26, zusammen auf 13,81 Milliarden in der Ein- und 11,35 Milliarden in der Ausfuhr. Da der Welthandel in der Einfuhr 87 Milliarden deutsche Kreuzer Leipzig" hat das englische Delschiff und in der Ausfuhr 78,5 Milliarden betrug, so machte der Import dieser Länder 63 Proz. und der Erport rund 60 Proz. des Welthandels aus. Wird auch nicht der ganze Handel dieser Länder lahmgelegt, so muß dennoch die Weltwirtschaft unter diesem Völkerringen unheimlich leiden. Elsinor" in den chilenischen Gewässern am 15. September in ben Grund gebohrt. Die Mannschaft des Schiffes wurde in Galapagos an Land gesett. Englische Minen. die Japaner. Bureaus.) Wie aus maßgebender Quelle verlautet, wird die Tokio, 4. Oktober.( W. T. B. Meldung des Reuterschen japanische Regierung als Antwort auf die Vorstellung der chinesischen Regierung wegen der Besetzung der Schantungbahn durch die Truppen der Verbündeten erklären, daß die Linie von den Deutschen benutt Aus anderen Quellen läßt sich feststellen, daß rund 44 Proz. des deutschen Außenhandels entfallen auf die London, 4. Oktober.( W. T. B.) Das Pressebureau teilt wurde, um die Befestigungswerke von Tsingtau gegen die gegnerischen Länder. England führt aus Deutschland etwas mit: Der Sekretär der Admiralität veröffentlicht folgendes: Die englisch- japanischen Truppen zu verstärken, ferner müsse die über 10 Broz., aus Desterreich etwa 1 Proz. seines Gesamt deutsche Politik des Minenlegens, verbunden mit der Tätig- Befebung als eine unbedingte militärische Notwendigkeit beimports und führt nach diesen Ländern 8,5 Proz. seines feit von Unterfeebooten, zwingt die Admiralität dazu, aus trachtet werden, die den Rechten Chinas nach Beendigung des Erportes aus. Der Handelsverkehr Rußlands mit Deutsch militärischen Gründen Gegenmaßregeln zu ergreifen. Des- Krieges in feiner Weise schaden werde. land und Desterreich Ungarn stellt sich auf über 40 Proz. halb hat die Regierung die Genehmigung zum MinenDer Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich macht legen in gewiffen Gebieten erteilt. Ein System von 12 Proz. des französischen Außenhandels aus. Dabei führt Minenfeldern ist ausgelegt worden und wird in großem Deutschland nach Frankreich für rund 860 Millionen Mart Maßstabe entwickelt. Waren aus und kauft dort nur für 695 Millionen Mark ein. Die Erhaltung Frankreichs als guten Kunden für Deutschlands Industrie ist also von großem Interesse für die weitere wirtschaftliche Entwickelung Deutschlands. Um die Gefahr für Nichtkämpfer zu verringern, teilt die Admiralität mit, daß es von jetzt an für Schiffe gefährlich ist, das Gebiet zwischen 51 Grad 15 Minuten und 51 Grad 40 Minuten nördlicher Breite und zwischen 1 Grad 35 Minuten und 3 Grad Man darf durchschnittlich rechnen, daß die kriegführenden östlicher Länge zu durchfahren. Im Zusammenhang hiermit muß Staaten 10 M. pro Person und Tag ausgeben, das heißt daran erinnert werden, daß die südliche Grenze der deutschen zusammen 204 Millionen Mark pro Tag, 6,12 Milliarden pro Minenfelder auf 52 Grad nördlicher Breite liegt. Obgleich die Monat und 73,44 Milliarden in einem Jahre bedürfen. Grenzen des gefährlichen Gebietes hierdurch bestimmt sind, darf Zusammen mit den Verlusten der neutralen Länder werden doch nicht angenommen werden, daß die Schiffahrt in irgendeinem es rund 75 bis 80 Milliarden Mart sein, etwa so viel, Teile der Gewässer südlich oder nördlich davon ungefährlich sei. wieviel der gesamte Welthandel beträgt An S. M. Schiffe ist Befehl ergangen, oftwärts segelnde Schiffe und nicht viel weniger, als die gesamte bor neu ausgelegten Minenfeldern zu warnen. Staatschuld aller kämpfenden Länder oder als der Wert ihrer Eisenbahnen, der sich ( mit Ausnahme der japanischen Eisenbahnen) auf 88,3 Milliarden stellt. Damit ist noch keineswegs der gesamte Verlust der Volkswirtschaft in Betracht gezogen. Jeder weiß, welche Opfer Privatpersonen und die Familien der Eingezogenen tragen, in welchem Maße Handel, Industrie und Landwirtschaft unter den Schäden des Krieges leiden müssen. Nimmt man ferner an, daß der Verlust an Verivundeten und Toten in diesem Kriege prozentuell nicht größer sein werde, als in den Balfantriegen, so werden wohl 650 000 Menschen auf den Feldern ihren Tod finden und 2300 000 Menschen verwundet zurückkehren. Rund drei Millionen Mann werden also arbeitsunfähig werden.. Das ist das ziffernmäßige Resultat des Weltkrieges! Der Seekrieg. Noch ein Opfer der Minen. London, 4. Oktober.( W. T. B.) Nach einer Lloydsmeldung aus Ostende ist der englische Dampfer Dawbon" auf der Fahrt von Hull nach Antwerpen in der Nacht vom 2. sum 3. Ottober auf eine Mine geraten und gesunken. Neun Mann der Befatung werden vermißt, acht Mann wurden von einem Fischerboot aufgenommen und nach Oftende gebracht. Zwei englische Dampfer in den Grund gebohrt. London, 4. Oktober.( W. Z. B.) Die„ Times" meldet aus Lima: Der deutsche Dampfer Marie" ist in Callao mit der Bemannung des Dampfers Bankfield" eingetroffen, der Hinter der französischen Front. Zu der vorstehenden englischen Bekanntmachung erfährt . T. B. an zuständiger Stelle folgendes: Die Behauptung der englischen Admiralität, die deutschen Minenfelder gingen bis zum 52. Grad Nordbreite, ist frei erfunden. Deutsche Minen liegen nur an der englischen Küste. Das oben angefündigte Verfahren Englands, die internationalen Gewässer der südlichen Nordsee durch Minen zu verseuchen, ist ein flagranter Bruch des Völkerrechts. Uebrigens wird nicht Deutschland dadurch geschädigt werden, sondern die neutralen Staaten: in erster Linie Holland. Ein norwegischer Dampfer gescheitert. Der norwegische Damper Viking ist gestern vor Irland gescheitert. Die Mannschaft fonnte gerettet werden. Vom österreich- serbischen Kriegsschauplatz. Rückzug der Serben. Frankfurt a. M.( W. T. B.) Die Frankfurter Zeitung" meldet aus Nom: Aus Nisch kommt die Nachricht, daß die Serben und die Montenegriner ihre Stellung auf den Romaniahöhen, die Serajewo bon Nordosten beherrschen, räumen mußten, da sie gegen die schwere österreichisch- ungarische Artillerie nicht zu halten waren. Das serbische Bulletin fügt hinzu, daß nunmehr die Serben die größten Anstren gungen anderswo machen werden; doch urteilte ein Hauptmann des italienischen Generalstabes, daß vorläufig die serbische Aktion von untergeordneter Bedeutung sei, da sich keine andere Zone, so wie das gebirgige Bosnien zur Operation für kleine Kräfte wie die serbischen eignet. Ultimatum an die Pforte? Der Vossischen Zeitung" wird aus Rom telegraphiert: Ihrem Korrespondenten wird aus Kreisen der hiesigen englischen Botschaft bestimmt versichert, daß die Mächte des Dreiverband es von der Pforte die Wiedereröffnung der Dardanellen unter Stellung eines Ultimatums gefordert hätten. Bruderzwist unter den Verbündeten? Konstantinopel, 4. Oftober.( T. U.) Zwischen dem russischen und dem englischen Botschafter fand ein erregter Worfwechsel statt. Rußland wirft England vor, daß durch die übereilte Handlung des englischen Eskadrechefs wichtige russische Interessen aufs allerempfindlichste geschädigt wurden. Der Korrespondent der Frankfurter Zeitung" erfährt zuverlässig, daß Rußland mit einer neutralen Heeresverwal tung größere Abschlüsse Kriegsmaterial, besonders eines Artillerieparks, gemacht hat, deren Zustellung durch die Dardanellensperre jest größtenteils unterbunden ist. Alle Versuche der Ententemächte, die Türkei zur Oeffnung der Dardanellen zu bewegen, sind gescheitert. Ein englisches Kriegsschiff in Lissabon. London, 3. Oktober. Nach einer Meldung der„ Daily Mail" traf ein englisches Kriegsschiff am Montag in Lissabon ein. Der Präsident der Republik begab sich von Cascaes nach Lissabon, um den Kapitän zu empfangen. Man bringt den Besuch in Verbindung mit einer vorangegangenen Ronferenz in der englischen Gesandtschaft, welcher der englische und der französche Gesandte sowie der portugiesische Ministerpräsident beiwohnten. Die Neutralität Rumäniens. Bukarest, 2. Oktober.( W. T. B.) Ein heute veröffentlichtes Regierungscommuniqué besagt: Der Meinungsaustausch zwischen dem Ministerpräsidenten Bratianu, dem Führer der Konservativen Marghiloman und dem Führer der Demokraten Tafe Jonescu hatte das Ergebnis, daß die Einberufung des Kronrats nicht notwendig ist, da zu einer Aenderung in der heutigen Politik Rumäniens kein Grund vorliegt. Ministerpräsident Bratianu wird dieses Gutachten dem Könige vorlegen. und Hände ausgespreizt und im schweren Todeskampf ins Leere[ ihrem Marsch nach Richmond den Weg verlegte. Der praktische greifend. Das ist das eine Zeichen des Krieges und der endlosen Magruder sab seine einzige Rettung in der raschen Anlage von Schlachten, das man hier überall sieht: die grausige Verwüstung Verschanzungen, und da seine Truppen über feine Schanzwerkder Felder, die Vernichtung des Lebens und der Schrecken der zeuge verfügten, mußten sie mit Säbeln, Bajonetten und Kesseln, Leiden. Für die Toten ist alle Qual vorbei; Zeit und Natur wer- ja buchstäblich mit den Händen die Erde ausgraben. Die etwa ben die wehen Herzen heilen, die sie zurückließen, und die klaffenden 35-50 Zentimeter hohen Deckungen, in deren Schießscharten zur Wunden der Felder schließen, auf denen sie ihr Leben dahingaben. Täuschung des Feindes statt der fehlenden Kanonen vielfach BaumAber die Städte und die Dörfer! Wieviel Jahre und wieviel Geld stämme gelegt waren, berbargen dem Gegner die Schwäche Mawerden nötig sein, um aus ihnen wieder menschliche Wohnungen gruders und machten ihn stubig, so daß er in seinem raschen Vorzu machen. Am furchtbarsten hat Gerbéviller gelitten. Aber wieviel marsch aufgehalten werden konnte. Der Kluge General der Südandere sind noch vernichtet. Da ist Lanenvelotte, um das die Schlacht staaten konnte sich einen ganzen Tag im heftigsten Kampf halten drei Tage lang wütete, da ist Champeroux, in das die französischen und dann ohne Verluste abziehen, als der Oberbefehlshaber General Oberbefehl Batterien 14 Tage lang Granaten regnen ließen, an 2500 Stüd Lee ihn auf Richmond zurücknahm. Die Ergreifende Bilder von einer Fahrt durch die einst so blühenden Täler der Maas und Meurthe, die das Toben der Niesenschlacht in Wüsteneien verwandelt, entwirft der Kriegsbericht erstatter der„ Times". Diese bewaldeten Hügel, diese Flüsse und weiten Ebenen von Gras und Stoppelfeldern, fast ohne Hecke und jogar ohne Gräben, sind jetzt ein einziges ungeheures Schlacht feld, und da die Heere auf den Chausseen marschieren und die Chausseen zu den Städten und Dörfern führen, die die Hauptpunkte des Kampfes bilden, so ist es hauptsächlich das Feld zu beiden Seiten der Straßen, auf dem das Meer der Schlacht hin und her flutete, die graufigen jammervollen Trümmer hinter sich zurüd- den Tag, und Erbéville, wo vom 21. Auguft bis zum 5. September Das Beispiel der Amerikaner fand bald in den europäischen laffend. Alles, was man nur jehen will, fann man nur so erblicken, gekämpft wurde. Réméréville ist fast dem Erdboden gleich gemacht, Kriegen Nachahmung. Im Jahre 1866 nahmen die Desterreicher ohne die Straße zu verlassen. Ueber viele, viele Kilometer hin die und als ein drohendes, warnendes Zeichen ist auf die Wandtafel hie und da zu solchen Verschanzungen ihre Zuflucht, da sie zum Hauptchausseen zwischen Nanch und der Grenze entlang nach Osten in der Schule mit Kreide französisch geschrieben:„ Réméréville ist Laden längere Zeit brauchten, als die bereits mit Hinterladern und Norden hat die Schlacht vorwärts und zurück gewütet. Ueberall nicht mehr, weil man hier auf die deutschen Truppen geschossen bat. ausgerüsteten Preußen. Im deutsch- französischen Kriege wurden find Gräben mit Deckung und ohne Dedung, deutsche und franzö- So wird es im gleichen Fall allen andern Orten geschehen. Ein dann des öfteren Erbwälle von beiden Seiten im Frontkampf auffische. Ueberall sind die Felder aufgewühlt von tiefen runden Deutscher." Unendlich lang ist die Reihe der Städtchen, Dörfer und geworfen. Zuerst wandte General Frossard bei Spichern die neue Löchern, wo die Granaten sich eingegraben haben in das Gras und Flecken, von denen fast nichts mehr übrig geblieben ist. Wie die Methode an, und die in wenigen Stunden verstärkten und aufgroße Klumpen brauner Erde nach allen Richtungen herumsprißen Ruinen einer ungeheuren Totenstadt ragen ausgebrannte Mauern geworfenen Schanzen trugen sehr viel dazu bei, um den Rückzug ließen. Manchmal sind auf einem Raum von der Größe eines in die Lüfte... Tennisplates 5 oder.6 dieser. Löcher der Zerstörung, eines neben dem andern. Bisweilen sind. Die Granaten auf die Chaussee gefallen, und für den Wagen ist kaum Raum. Alle Gräben und Löcher sind voll Wasser. So zahlreich sind die Kämpfe gewesen, so Die uneinnehmbare Stellung der Deutschen auf dem Schlacht- konnte sich das zweite und dritte französische Korps gut verteidigen. ost haben die Stellungen, der beiden Gegner gewechselt, daß es ganz feld in Nordfrankreich, die geradezu zu einer unterirdischen Stadt" Das Mittel der„ eiligen Befestigung des Schlachtfeldes" wandte unmöglich ist, mit einiger Genauigkeit anzugeben, von welchen mit ihren tiefen Gräben und Höhlen ausgebaut ist, wird von feind- General von Werder in den ersten Tagen des Januar 1871 gegen Truppen sie besetzt waren, wer angriff und wer verteidigte, von lichen Beurteilern rüdhaltlos als ein Meisterstück moderner Feld- den mit starken Kräften zum Entsatz Belforts herbeiwem die Granaten gefeuert wurden. Nur die allgemeine Lage und Befestigung gelobt. So tritt die Bedeutung der Verschanzungen eilenden Bourbaki an. Bei der vielfachen Ueberlegenheit des Richtung ist klar, nur die allgemeine Vernichtung bleibt. Hier ist in der offenen Schlacht immer flarer hervor, und was der römische Feindes mußte er sich auf die Verteidigung beschränken und erreichte eine Reihe schöner after Bäume unbarmherzig gefällt, um die Kriegsschriftsteller Vegetius übertreibend von den römischen Le dies durch schnelle Schanzaufführungen bei Montbeliard und an Feuerlinie zu öffnen. Fort ist einer Allee etwa jeder zehnte Baum gionen fagte, sie" glichen einer marschierenden Festung". das wird der Risaine- Linie. So vermochte er die Angriffe der Franzosen durch die Granaten reinlich entwurzelt und gestürzt. Zerbrochene bei den Heeren der Gegenwart zur Wahrheit. Die Wichtigkeit von ſieghaft zurückzuschlagen. Doch waren es immer nur Teilkräfte Telegraphenstangen, niederhängende Drähte, verbrannte und ber- festen Stellungen ist seit langem in der Striegsführung anerkannt, und vereinzelte Fälle; im ausgedehnten Maße und mit einer ganzen nichtete Sopfengärten, in die das Feuer fiel, geschwärzte Kornmieten, aber die rasche, gleichsam improbisierte Errichtung von Schanzen Armee hat die neue Taktik zum ersten Mal der türkische Führer die hier verfaulen, verbogene und zerschmetterte Pflüge und Bauern- und Gräben mitten im Kampf der Massen ist doch erst seit etwa Osman Bascha im russisch- türkischen Kriege angewendet. Seine farren, verwesende Pferdeleichen in scheußlich verrenkten Stellungen, einem halben Jahrhundert üblich und immer stärker ausgebildet berühmte Verteidigung von Plewna ist das erste große Beispiel Müzen, Röcke, Sättel, Socken und Strümpfe, alle Arten von worden. Hatten die römischen Soldaten ein Lager bezogen, dann der Kriegsgeschichte, bei dem ein ganzes Heer mit Hilfe der FeldSachen, die Menschen getragen haben, alle Art von Trümmer und bauten sie Schanzen und Erdwälle, und um diese Deckungen mög- befestigungen gegen einen überlegenen Feind Vorteile errang. Schutt, die ehemals Forin und Schönheit besaßen das zusammen lichst schnell herzustellen, führte jeder Legionar eine Erdschaufel Osman Pascha wußte Blewna, das keine befestigte Stadt war, gibt das Bild einer furchtbaren Tragödie der Verwüstung, unbe- und einen Pfahl aus hartem, trockenem Holz mit sich. Bei der Be- durch die Anlage borläufiger Redouten" in ein festes Lager zu lagerung von Festungen wurden von dem Belagerungsheer ebenso verwandeln, indem er sich 4% Monate mit 60 000 Mann und fchreiblicher Wut und entsetzlichen Leidens. Und dann die Toten, diese bejammernswürdigen fleinen Wälle aufgeworfen wie von dem Verteidiger, aber all dies geschah 100 Geschützen gegen die zeitweilig 110 000 mann starte russische Haufen von Kleidern, von roten und blauen oder grauen, die einst doch nur, wenn die Truppen längere Zeit an einem Orte blieben Armee mit über 500 Geschüßen hielt. Seitdem ist die FeldbefeſtiMenschen waren, die dieses Choas schaffen halfen und als seine und ihn zum Stübpunkt ausbauen wollten. gung als das wichtigste Mittel der Verteidigung in die MilitärDie Nüglichkeit von Feldschanzen zum Schuß gegen das Feuer vorschriften aller Heere aufgenommen, und die geübten Truppen Opfer fielen! Fast alle von ihnen sind begraben worden und ruhen nun im Schuß dieser braunen alten Erde. Aber hier und da liegt der Infanterie in offener Schlacht ist zuerst im amerikanischen Se- vermögen auch beim schnellsten Aufmarsch des angreifenden Feindes noch einer, niedergestürzt auf sein Gesicht, so wie er fiel, da ihn sessionskriege erkannt worden, ber ja so manche bedeutsame Neue- im offenen Gelände sich durch Verschanzungen eine gebedte Stellung die Kugel tras, oder sorgsam auf den Rüden gelegt, aus leeren, rung in der Kriegsführung gebracht hat. Als einen Wendepunkt in au verschaffen, bei der ein feftungsähnlicher Charakter gefordert verglasten Augen zum Himmel aufstarrend. Manche Gesichter sind der Geschichte der Taktik darf man die Kämpfe General Magruders wird. Wie Großartiges unsere Soldaten in diesem Ausbau einer in ruhig andere verserri hon schrecklichen Leiden. Ihre bei Williamborg betrachten, der mit nur 11000 Mann der Süd- Feldbefestigung leisten, dafür ist die Stellung awischen Offend der Franzosen gegen die vorstürmenden Deutschen zu decken. Auch beim Rüdzug auf Meß am 18. August führten die Franzosen auf dem linken Flügel Gräben und Brustwehren auf, obwohl es den Geschichte der Feld- Befestigung. Truppen an jedem Schanzzeug fehlte, und dank dieſer Gindedungen Englische Arbeiterführer über öen Krieg. Aus Holland wird unS geschrieben: In welchem Maße einzelne Parlamentsmitglieder der englischen Arbeilerpartei sich in der R e k r u t i e r u n g S k a m p a g n e für die Armee engagierten, geht aus Berichten hervor, die wir im.Daily Citizen" finden. So sagte Charles Dune an z. B. auf einem Meeting in Willesden, England sei stolz darauf, mit Frankreich in diesem großen Ringen verbunden zu sein. Will C r o o! s sagte in einer großen Versammlung in Brighton, das britische Reich sei wie eine Familie, die innerhalb des Hauses liege, aber wenn der Feind vor der Tür stehe, sich gegen ihn zu- sammenschließe. Wenn im inneren England etwas schlecht gehe, so sei das der eigene Fehler der Engländer, die eine sich selber regierende Nation bilden. Sollen zukünftige englische Generationen eine Regierung von Blut und Eisen haben? fragte er, und als die Versammlung.nein" schrie, fuhr er fort:.Also, zeichnet Eure Namen für die neue Armee. Der Militarismus soll für immer ge- brochen werden." James Packer, der in St. Austall eine Rede hielt, sagte, Deutschfand sei verantwortlich für den Krieg, während England alles tat, ihn zu vermeide». Nach seiner Meinung hätte Deutschland schon während des Balkankrieges England angegriffen, wenn eS damals fertig gewesen wäre. Man sieht, diese Mitglieder der Arbeiterpartei lasten sich von der Kricgsslimmung in starker Weise mit fortreißen. Aber solche Reden werden nicht in der ganzen Partei gebilligt- Tic Redaltion der.Daily Citizen" z. B. führt im allgemeinen eine ruhige und besonnene Sprache. Sie bracht« vor einigen Tagen einen Aussatz, in welchem sie dem.Vorwärts", der zwar ganz auf deutscher Seite sei, einen weiten Blick nachrühmte und dessen Hallung die beste Bürgschaft für die Wiederherstellung der Jnter- nationale nannte. Auch der.Labour Leader", das Wochenblatt der Un» abhängigen Arbeiterpartei, hält sich tapfer. Dem Geschrei der bürgerlichen Presse Englands über die deutschen Kriegsgreuel in Belgien und Frankreich stellt er die Erinnerung an die englischen Greuel im vurenkrieg gegenüber und fragt:.Sollten wir den ersten Stein werfen?" Ein anderer Aussatz befaßt sich in längeren AuS- führungen mit der.unveränderten Tyrannei' des russischen Bundes- genossen und fordert«in Zusammengehen mit den Sozialisten neutraler Staaten.zur Beratung, was zu tun. damit der voll- ständige Untergang der Freiheit in Rußland und in ganz Ost-Europa verhindert werde, wenn dieser Krieg vorüber ist". Kurz, ein großer Teil der englischen Arbeiterbewegung läßt sich vom Chauvinismus nicht blenden. Nationalisten gegen Sozialisten in Frankreich. Amsterdam, 4. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärt S".) Die nationalistische Presse Frankreichs zeigt viel Eifer, um jene Auffassungen zu bekämpfen, die friedlichere Beziehungen der Völker anstreben. Ca p u S protestiert im.Figaro" gegen L o n g u c t'S Artikel in der„Humanitä", der das LebenSrecht v o n 6S Millionen Deutscher verteidigte und die gegen daS deutsche Volk gerichtete Hetze bekämpfte. Der.Figaro" sagt, sobald man in Frankreich von Humanität und Demokratie spricht, vernachlässigt man die Interessen Frankreichs. Der.T c m p S" polemisiert gegen den neulich im„Daily Chronicle" veröffentlichten Artikel VanderveldeS, der bei der Besprechung der Haltung der Sozialdemokratie den Doppelcharakter bei Krieges für Deutschland zugab und sagte, Deutschland sei weder repu- blikanisch noch kosakisch, aber es habe Republikaner auf der einen und Kosaken auf der anderen Seite. Der»Temps" erklärt die Be- willigung der Kricgskredite als brutale Verletzung der Prinzipien de» internationalen Sozialismus und als Verrat an der Demo- kratie. In der„H u m a n i t e" bekämpft auch V a i l l a n t die JriedcnSabsichten, die nach einer Mitteilung des.Journal" einigen Propagandisten der Linken zugeschrieben werden. Er schreibt, daS Zurücktreiben der Deutschen über die Grenze würde nicht genügen, oer Krieg habe die Aufgabe, den preußischen Militari?- m u s zu vernichten. H e r v i, den w i r allerdings nie ernst ge- nommcn haben, schreibt im.Guerre Soziale" eine Abhandlung über die Aufteilung Oesterreichs und Deutschlands, in der er sagt:.Wir verhandeln nur in Berlin; bis dahin diskutieren wir nicht."(l) Kriegsbekanntmachungen. paketbefö'rüerung. Dal„Armee-VerordnungSblatt" gibt bekannt: Um für die Allgemeinheit die Möglichkeit zu schaffen, den im Felde stehenden Ossizicrcn und Mannschaften Pakete mit Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken, vor allem mit wärmendem Unterzeug, zu übersenden, sollen Privatpäckereien nach dem Feld- Heer, zunächst versuchsweise, nach einem besonderen, zwischen Kriegsministerium und Reichspostamt vereinbarten Verfahren zu- gelassen werden. Die Post nimmt die Pakete an und befördert sie bis zu einem der in Deutschland von der Militärverwaltung einge- richteten Paketdepots. Bon da aus übernimmt die Militär- Verwaltung die Weiterbeförderung der Pakete bis zu den Truppen- teilen. Tie Versendungsbedingungen sind folgende: 1. Die innerhalb des Deutschen Reiches auszuliefernden Pakete dürfen lediglich BeklcidungS» und Ausrüstungsstücke enthalten und dürfen das Höchstgewicht von 5 Kilogramm nicht überschreiten. Einschrcib- und Wertpakete sind nicht zulässig. Die Vcr- Packung der Pakete muß fest und so dauerhaft sein, daß sie den Fähr- lichkeiten eines längeren Transportes(Druck, Nässe) widerstehen kann. Zur Verpackung sind deshalb Holzkisten oder starke Papp- kartons oder Säckchen aus fester Leinwand zu verwenden. In jedem Falle empfiehlt es sich außerdem, den Inhalt durch Um- hüllung mit Oelpapier zu schützen. Die Sendungen müssen gut vernagelt oder festvcrschnürt oder dauerhaft zugenaht sein. i. Tie Pakew müssen mit der g e n a u e n?l d r e s s e des Enip- fängerS unter Angabe der Kompagnie usw., des Regiments, der Division, des Armeekorps versehen sein und die Aufschrift des zu- ständigen Paketdcpots enthalte», rtls Patetdepots kommen die in BerzefchniS der PaketdepotS. Es sind zu senden für Angehörige derjenigen Truppenteile, die dem Verbände des nachstehenden Armeekorps oder Reservekorps mit gleicher Nummer oder Bezeichnung angehören nach Berlin— Gardekorps; Königsberg i. Pr.— l. Armeekorps; Stettin— II. Armeekorps; Brandenburg(Havel)— III. Armeekorps; Magdeburg— IV. Armeekorps; Liegnitz— V. Armeekorps; Breslau— VI. Armeekorps; Düsseldorf— VII. Armeekorps; Coblenz— VIII. Armeekorps; Hamburg 7— IX. Armeekorps; Hannover— X. Armeekorps; Cassel— XI. Armeekorps und belgische Besatzungs- truppen; Dresden— XII.(1. Kgl. Sächs.) Armeekorps; Stuttgart — XIII.(Kgl. Württemb.) Armeekorps; Karlsruhe— XIV. Ar- meekorpS; Straßburg i. E.— XV. Armeekorps; Metz— XVI. Armeekorps; Danzig— XVII. Armeekorps; Frankfurt a. M.— XVIII. Armeekorps; Leipzig— XIX.(2. Kgl. Sächs.) Armeekorps; Elbing— XX. Armeekorps; Mannheim— XXI. Armeekorps; Breslau— Schlesischcs Landwehr-Korps; München— I. Kgl. Bayer. Armeekorps; Würzburg— II. Kgl. Bayer. Armeekorps; Nürnberg— III. Kgl. Bayer. Armeekorps. Beispiel: An Grenadier X., 10. Kompagnie Infanterie-Regiments Groß- herzag Friedrich II. von Mecklenburg-Schwerin(4. Branden- burgisches) Nr. 24. 6. Jnfantcrie-Division, III. Armee- korps. Paketdepot Brandenburg(Havel). Das Paketdepot Brandenburg ist auch anzugeben, wenn der Empfänger einem Truppenkörper angehört, der dein III. Reserve- korps unterstellt ist. 3. Auf Pakete, deren Empfänger keinem TivisionS- oder Armeekorpsverbande angehören, sondern nur einer Armee zugeteilt sind, ist lediglich die genaue Adresse ohne Angabe eines Paket- dcpotö zu setzen. Beispiel: An Unteroffizier Z. in der Fliegerabteilung Nr. 12. Diese Sendungen werden von den Postanstalten den Paket- depots zugeführt 4. Die Adresse, in der sich auch der Absender namhaft zu machen hat, ist je nach Beschaffenheit des Verpackungsstoffes auf die Sendungen niederzuschreiben, auf- zukleben, aufzunähen oder in Form einer mit Metallöse ver- sehen«» Fahne an die Sendung anzubinden. 3. Die Pakete sind ohne Paketkarte(Paketadresse) ein- zuliefern. Das Porto beträgt einheitlich SO Pf. Findet die Ein- lieferung nicht bei einer Postanstalt, sondern unmittelbar bei dem zuständigen Paketdepot statt, so ist Porto nicht zu entrichten. 6. Die Versendung erfolgt auf Gefahr des Ab- s e n d e r S. Ersatzansprüche können weder gegen die Post- noch gegen die Militärverwaltung erhoben werden. Sollten die Paketempfängcr als verwundet, vermißt oder ge- fallen sich nicht mehr bei dem kämpfenden Heere befinden, so findet eine Rücksendung der für sie �bestimmten Pakete nicht statt. Letztere werden vielmehr zum Besten des betreffenden Truppenteils verwendet. Die Truppenteile führen Listen über diese Pakete, aus denen Absender, Aufgabeort und Empfänger ersichtlich sind. 7. Alle Pakete, welche den vorstehend aufgeführten Anforde- rungen nicht entsprechen oder mißverständliche Abkürzungen, wie z. B. Fl. A. Fliegerabtei lung, M.-K.= Munitionskolonne, enthalten, werden von der Beförderung ohne weiteres ausgeschlossen. 8. Die Annahme von Paketen findet vorläufig in der Zeit vom 19. bis 26. Oktober statt. Sobald die Pakete aus den Paketdepots abgeflossen sind, und falls von den Angehörigen in der Heimat eine Auflieferung von Paketen in angemessenen Grenzen stattfindet, wird die Aufnahme von Paketen auf Grund vorstehender Bestimmungen von Zeit zu Zeit erneuert werden. 9. Die Heercsangehörigen sind eingehend darauf hinzuweisen, ihre genaue Adressen nach der Heimat zu schreiben, da sonst die technische Durchführung vorstehender, lediglich das Wohl der Truppe im Auge habender Bestimmungen unmöglich ist. 10. Den stellvertretenden Generalkommandos gehen noch bc- sondere Weisungen zu. Der poftverkehr mit delgien. Amtlich. Berlin, 4. Oktober.(W. T. B.) Für den P o st- verkehr im Bereiche deS Kaiserlich Deutschen Generalaouverne- mentS in B e l g i e n werden Freimarken.DeutschcSS Reich" zu 3, 5, 10. 20 Pf. sowie einfache Postkarten und Weltpostkarten zu 3 und 10 Pf. mit dem Ucberdruck„Belgien" und der Wertangabe 3, 3, 10, 23 sowie 3 und 10 Centimes verwandt werden. Zu Sammclzweckcn werden solche Wertzeichen in einigen Tagen bei der Kolonial-Wertzeichenstellc oeS Briefpostamts hier C. 2, König- straße 61, zum Verkauf gestellt. Die Tätigkeit öes Noten Kreuz. Berlin, 3. Oktober.(W. T. B.) Seit Ausbruch des Krieges sind vom Deutschen Roten Kreuz aus eigenen Mitteln und Sammel- gcldern 24 B c r e i n S I a za r e t t z ü g e aufgestellt worden, 10 vom Zentral-Komitee in Berlin, die übrigen von den Landes- vereinen vom Roten Kreuz Bayern, Württemberg und Baden, vom Roten Kreuz von Berlin, vom RotenKreuz Schöneberg-WilmerS- dorf usw. Bei anderen Landesvereincn wird die Aufstellung weiterer Vereinslazarettzüge vorbereitet. Die Materialausstattung eines Zuges hat einen Wert von durchschnittlich etwa 30. bis 60 000 M. Die bei Verwendung der ersten Züge gemachten Er- fahrungen wurden sogleich zu Verbesserungen verwertet. Alle Züge sind oder werden jetzt auch mit Küchen- oder Speisewagen ausgestattet und entsprechen in ärztlicher Beziehung hohen An« sprächen. Jeder Vereinslazarettzug ist zum Transport von 320 liegenden Kranken eingerichtet und verfügt über 4 Aerzte, 4 Pflegerinnen, 36 Pfleger, 1 Rechnungsführer, 1 Schlosser, Diener. Das gesamte Personal ist vom Roten Kreuz gestellt, die Aerzte und Rechnungsführer werden auch von ihm besoldet. Tie vorge- nannten 24 Züge sind mit Ausnahme weniger im Betrieb und haben bereits vortreffliche Dienste geleistet. Wollsachen für die Truppen. R i ch t a m t l i ch. Berlin, 4. Oktober. lW. T. B.) Die Ver- orgung unserer im Felde stehenden Truppen mit warmer Unter- leidung könnte in besonderer Weise noch dadurch gefördert werden. daß Sportvereine(Wassersport, Rasensport, Wintersport, Rad- fahrer-, Jagd-Vereine usw.) oder deren Mitglieder die in ihrem Besitz befinolichen Wollsachen, und zwar Jacken(Sweater), Westen, Trikots, Kniewärmer usw. zur Verfügung stellen. Ter Kricgsaus- schuß für warme Unterkleidung, Berlin NW., Reichstagsgebäude, bittet, derartige Spenden ihm sofort zuzusenden und wird dafür Sorge getragen, daß diese durch die nächsten abgehenden Wollzüge an die Truppen befördert weroen. politische Ueberflcht. Zur Abhilfe der Not i« Ostpreusten. Unter Gegenzeichnung sämtlicher Minister hat der Kaiser einen Erlaß herausgegeben, in dem es heißt: »Auf den Bericht des Staatsministerium» vom 21. d. M. will Ich, nachdem der Feind durch die Waffenerfolge unseres tapferen Heeres aus dem Lande vertrieben ist, in Billigung der Mir unterbreiteten Vorschläge zur Linderung der Meiner treuen Provinz O st Preußen durch den Einfall russischer Truppen verursachten Not genehmigen, daß unverzüglich die zur Feststellung der Kriegsschäden erforder- lichen Maßnahmen getroffen und mit Hilfe der von Meinem Finanzminister bereitgestellten Mittel den geschädigten Bewoh- Wirtschaft?- nrid Gewerbebetriebes erm? glicht werbe. Zur Be« ratung der Staatsbehörden bei der Erfüllung dieser Aufgabe will Ich ferner die Einsetzung einer Kriegshilfskommlsswn für dw Provinz Ostpreußen uüter dem Vorsitze des Oberprästdenten in Königsberg genehmigen und zu deren Mitgliedern neben den Regierunaspräfidenten in Königsberg, Gumbinnen und Allen- stein die Vorsitzenden des Provinziallandtags und des Provinzial- ausschusses, den Landeshauptmann und den Generallandschafis- direktor der Provinz Ostpreußen und den Oberbürgermeister Meiner Residenzstadt Königsberg aus Königlichem Vertrauen berufen. Der Kommission sollen ferner zwei Vertreter der Land- wirtschaftskammer und je ein Vertreter der kaufmännischen Kor- porationen in Königsberg und Tilsit sowie der Handwerkskam- mern in Königsberg und Gumbinnen als Mitglieder beitreten, die auf Grund von Vorschlägen der Vorstände dieser Körperschaf- ten vom Staatsministerium zu bestellen sind, dem im übrigen die Ergänzung der Kommission durch Berufung von ortlich nicht interessierten Sachverständigen zu Mitgliedern überlassen bleibt. Das Staatsministerium wird mit der Ausführung die, es Erlasses beaustragt und ermächtigt, den Gefchäftskreis der Kommissioil zu regeln und sich an ihren Beratungen durch Kommissare zu beteiligen." Im Anschluß an diesen Erlaß sind dann noch durch eine Ver- fügung des preußischen Staatsministeriums vom 29. September nähere Bestimmungen über die Zusammensetzung und die Auf- gaben der Kriegshilfskommission getroffen. Tanach wird die Konimission mit schleuniger Begutachtung der bei Gewährung einer staatlichen Vorentschädigung zu beobachtenden Grundsätze betraut. Ihr liegt ferner ob. sich über die Feststellung der Kriegsschäden, die Regelung des FestsetzungkvcrfahrenS und über wirtschaftliche Maßnahmen zur Erhaltung der Lebensfähigkeit der Provinz Ost- Preußen gutachtlich zu äußern. Die Erteilung bestimmter Auf- träge im Rahmen dieser Aufgaben bleibt den beteiligten Ressort- minister» vorbehalten. In der Provinz Ostpreußen ist jetzt mit der Durchführung der angeordneten Matznahmen überall begonnen worden. Mit den versammelten Vertretern aus den Kreisen und Städten wurden die zur Linderung der Notstände vorläufig erforderlichen und die zur späteren Durchführung der Entschädigung nötigen Maßnahmen eingehend besprochen. Auch die Frage wurde erörtert, inwieweit die vom Reichsversicherungsamt und den deutschen LandeSversichc- rungSanstalten geplante Hilfsaktion zugunsten der ostpreuhischen LandeSverstcherungsanstalt mit den vom Staate geplanten Für- sorgemaßnahmcn verbunden werden könnte. Eine Erklärung der„Staatsbürger-Zeitnng". Die seit längerer Zeit nur noch wöchentlich erscheinende „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlicht an der Spitze threr letzten Nummer eine Erklärung, in der es heißt: „Infolge Eingreifens des Oberkommandos in den Marken erklärt die.Staatsbürger-Zeitung", daß sie im Hinblick auf die patriotische Haltung der gesamten Bevölkerung von nun ab ihren Charakter als antisemitisches Blatt aufgibt, und zwar nicht nur für den Krieg, sondern auch für den Frieden." Gegen die„Krtegs«lkkarteu"-Roheit. Orgien der Roheit und Geschmacklosigkeit sieht man heute viel- fach auf sogenannten„KriegSuIkkarten". Hier wird ein Franzose in Stücke zerhackt, dort ein Russe mit den Stiefeln bearbeitet,— und was dergleichen Bildchen mehr sind. Sie sind, künstlerisch gemessen, ebenso wertlos, wie sie witzlos und gemein sind und eine Vcr- höhnung des Ernstes dieser Zeit darstellen. In Bayern scheint man diesem Postkartenunsug jetzt erfreulicherweise an den Kragen zu wollen: DaS bayerische Kriegsministerium hat angeordnet, daß fortan alle Kriegskarten dem Kricgsministerium zur Prüfung vorgelegt werden müsien. Ferner wurde befohlen, daß alle an- stößigen und geschmacklosen Druckerzeugnisse dieser Art unverzüglich auS den Anlagen zu entfernen seien. Wichtig wäre vor allem, daß daS Publikum überall diese Karten so behandelt, wie sie eS verdienen— indem es sie mit dem Gefühl des EkelS ignoriert. Mahnahmen im Interesse der deutschen Zuckerindustrie. In der„Nord. Allg. Ztg." werden die Maßnahmen erörtert, die die Reichsregierung nach Unterhandlung mit allen Interessenten kreisen im Interesse der deutschen Zuckerindustrie getroffen hat. Es heißt da: „Alle Staaten sind zurzeit eifrig bestrebt, ihre Nahrungsmittel- Vorräte sich nicht nur zu erhalten, sondern nach Möglichkeit zu ver- mehren. AuS diesem Grunde wurde auch in Deutschland für Zucker alsbald nach Ausbruch des Kriegs ein Ausfuhrverbot erlassen. Dies war um so notwendiger, als die deutsche Zucker- ausfuhr regelmäßig zu nahezu acht Zehnteln nach England geht und es vor allen Dingen verhindert werden mutzte, daß»vir unsere Feinde mit einem wichtigen Nahrungsmittel von Deutschland aus versorgten. DaS Ausfuhrverbot hat seinen Zweck, die Engländer »virtschaftlich zu schädigen, auch durchaus erreicht. In England sind die Zuckcrpreise bis auf das Doppelte gestiegen, was bei einem hohen Zuckcrverbrauche der englischen Bevölkerung schwer ins Ge- wicht fällt. Auf der anderen Seite erwuchsen aus dem Ausfuhr- Verbote für unsere inländischen Zuckerinteressenten naturgemäß Schwierigkeiten... So erschien es als die zweckdienlichste Lösung, das Ausfuhrverbot für Zucker als solches zwar aufrechtzuerhalten, trotzdem aber durch für jede Einzelsendung nachzusuchende Er- laubnis ein Quantum zur Ausfuhr freizugeben, das den Bedarf der neutralen Länder in der bisherigen Höhe befriedigt und unserer Industrie den erwünschten Absatz läßt, soweit dies ohne Schädigung der Interessen des JnlandbcdarsS möglich erscheint... Allerdings muß sich die Regierung vorbehalten, die Ausfuhr zurückzu- halten, sobald Jnlandszucker�u bisherigen Preisen nicht zur Verfügung gestellt wird oder etwa Zucker in un- wirtschaftlicher Weise dem JnlandSkonsum(der menschlichen Er- nährung sowie der Verfütterung) entzogen wird. Sollte dieser Fall eintreten, so wird man nicht zögern, die Ausfuhr zu sperren und Höch st preise einzuführen. Im vorigen Bctriebsjahr hatten wir in Deutschland eine Zucker- gelviunung(auf Rohzucker umgerechnet) von rund 27 Millionen Doppelzentner; davon werden als heute noch vorhandene Vorräte angenommen 4 Millionen Doppelzentner. Wenn»nan daS Ergebnis des bevorstehenden BetriebSjahreS etwa so hoch einschätzt wie daS vorjährige, so würden wir mit einem gesamten Zuckerbestande von rund 30 Millionen Doppelzentner zu rechnen haben. Im Borjahr sind etwas über 11 Millionen Doppelzentner Zucker aller Art zur Ausfuhr gebracht worden.'�_ Löhne in einer Zeltfabrik. Ueber die Zeltfabrik Slrohmeyer m Co. in Konstanz war kürz« lich berichtet wordem Sie suchte Arbeiterinnen mit dem Hinweis, daß ihre Tätigkeit bei der Firma geradezu ein.patriotisches Werk" sei, um ihnen dann außerordentlich niedrige Preise zn zahlen. Durch den Bürgermeister von Konstanz hat jetzt die Firma diese Angaben zu berichtigen gesucht. Der Bürgermeister hat durch Ein- ficht in die ihm von der Firma gegebenen Unterlagen festgestellt. daß.eingearbeitete und gewandte Heimarbeiterinnen bei voller Tagesleistung" 2,60—8,30 M. täglich verdienten, manche auch noch mehr. Die Feststellung gibt aber zu, daß auch niedrige Lohne vorkämen, wenn Frauen in der Näharbeit.nicht genügend Uebung haben" oder„nicht den vollen Tag der Arbeit widuien". 88 i e niedrig hier die Bezahlung ist, wird leider nicht angegeben. Glänzend wrrd man auch feie Durchschnittslöhne der jyinna. die doch Aus Groß- Berlin. Die Kriegskarte. 16., 8. und 10. Oktober; Königstädtische Oberrealschule, Pasteur-| bringen: Die Aftronomie als Verwalterin der Zeit und des Kas straße 44-46, 6., 8. und 10. Ottober; Friedrich- Werdersches Gym- lenders. Die Erde als Magnet. Störungen der Kompaßstellung durch Sonnenfleden.- Orientierung der Luftschiffe und nasium, Bochumer Straße 8, 6. und 8. Oktober. Wie finden Außerdem finden Volkskunstabende statt am 10. Oktober in der Flugapparate durch Beobachtung der Gestirne. Das Zurechtfinden den Vororten: Charlottenburg: Königin- Luise- Schule, unsere Schiffe ihren Weg über den Ozean? Mit dem großen im Gelände nach Sonne, Mond und Sternen. Dandelmannstraße 66, Schöneberg: Hohenzollern- Schule, Bel- Fernrohr wird vor dem Vortrag der Komet Delavan und nach dem ziger Straße 48-53, NeufölIn: Realschule in der Boddinstraße, Vortrag Jupiter und Mond beobachtet; außerdem stehen den Be Tegel: Humboldt- Oberrealschule, Steglit: Lyzeum I, Rothen- fuchern noch fleinere Fernrohre zur fostenlosen Benuzung zur Verburgstraße, Reinidendorf- West: 2. Gemeindeschule, Auguste- fügung, mit denen beliebige Objekte selbst eingestellt werden können. Viktoria- Allee 95-96. Wer ist der Tote? Am 29. September wurde aus dem Landwehrkanal, in der Nähe der Schleuseninsel, die Leiche eines un bekannten, anscheinend den mittleren Ständen angehörigen, etwa 60-70 Jahre alten Mannes gelandet. Der Tote, welcher nur furze Zeit im Wasser gelegen hat, ist etwa 1,65-1,70 Meter groß, untersetzt, hat ein längliches Gesicht, spärliches graues Haar und Sie schmückt seit Ausbruch des Krieges die Schaufenster zahlreicher Geschäfte. Als ein Mittel der Reklame soll die Kriegskarte nebenher den Zwed erfüllen, die Passanten auf die Geschäftsauslagen aufmerksam zu machen. Von den zahlreichen Artikeln, die infolge des Krieges in den Handel gebracht worden sind, genießt die Kriegskarte zweifellos einen gewissen Vorzug. Das Studium derselben ermöglicht es nicht nur dem Passanten, sich über die Stellung der im Kampfe sich gegenüberstehenden 8 Uhr. Armeen zu orientieren, sondern auch mitunter vorhandene Lücken der geographischen Kenntnis auszufüllen. Eintrittspreis für alle Abende: 10 Pf. Billetts sind in den betannten Verkaufsstellen und an den Abendkassen zu haben. Beginn: Kriegs- Schwindler. Die den Vorgängen auf den verschiedenen Kriegsschaupläßen treiben gegenwärtig in großem Umfange ihr Unwesen. Den besten grauen Vollbart; bekleidet war derselbe mit dunkelgrau fariertem besondere Aufmerksamkeit widmenden Geschäftsinhaber tun noch Erfolg haben diejenigen Gauner, die sich auf den„ Vermißtenein übriges, indem sie gewissenhaft die Stellungen der ver- fchwindel" gelegt haben. Sie wenden sich an Bersonen, die durch hospital Rummelsburg, und schwarzen Schnürschuhen. Miteilungen über die Persönlichkeit des unbekannten Toten schiedenen Truppen durch nationale Abzeichen markieren. Für Anzeigen Angehörige suchen, die sich vor Kriegsbeginn im Auslande nimmt jedes Polizeirevier oder der VI. Kr.- Bezirk zu 3579 IV Ueberschlaue sind dieſe militärischen Anhaltspunkte nicht selten aufgehalten haben und seitdem vermißt werden, und erbitten unter 55. 14. entgegen. In ein Anlaß zu allerlei strategischen Erwägungen. So mancher deren Namen telegraphisch eine größere Summe Geld. Soldatenuniform treten auch Unterstützungsschwindler" auf. Sie Vermißt wird seit dem 22. September der Kaufmann Friedrich Gernegroß hält sich im Augenblick für ein militärisches Genie, tragen gewöhnlich noch einen Arm in der Binde und erzählen den Stuhr, 30. September 1878 zu Los- Angelos geboren, Levehowfür ihn find die Entscheidungen nur noch Fragen fürzerer Zeit- Leuten auf der Straße, was sie im Kriege alles erlebt" haben straße 14 bei Rutge wohnhaft gewesen. Er ist 1,75 Meter groß, dauer. Das Spiel der Phantasie kennt keine Grenzen, wenn und sehen hinzu, daß sie leider jetzt aller Mittel bar seien. In schlank, bartlos, hat dunkelblondes Haar, etwas Glaze, längliches einem solchen Kriegsstrategen noch mehrere Passanten willig ihr Schwesterntracht besuchen Schwindlerinnen Zimmervermieterinnen blasses Gesicht, dunkelbraune Augen und war bekleidet mit Ohr leiden. Bu immer fühneren Plänen steigern sich dann und geben an, im Auftrage des Roten Kreuzes oder irgend eines schwarzem weichen Hut, gelblichgrauem Ueberzieher, dunkelbraunem feine Betrachtungen. Wahrlich, man wähnt einen zweiten Lazaretts zu fommen, um für einen verwundeten Offizier eine Jadettanzug, schwarzen Knöpfftiefeln und Stehumlegetragen. In Rapoleon Bonaparte vor sich zu haben, wenn er gar über die Privatpflege zu suchen. Bei dieser Gelegenheit borgen sie sich seiner Begleitung befindet sich wahrscheinlich die Verkäuferin unter diesem oder jenen Vorwand bares Geld und stehlen außer Marta Beich, 12. September 1877 zu Techendorf geboren. Nachfeindlichen Stellungen einen Blazregen von Eisen, Spreng- dem, was ihnen bei der Besichtigung der Zimmer in die Hände richt über den Verbleib des Stuhr nimmt jedes Polizeirevier oder bomben, Kugeln, Kartätschen herabströmen läßt. Und solcher fällt. Eine ganze Reihe dieser Kriegsschwindler" ist durch die der VI. Kr.- Bezirt, Zimmer 346 zu 3353 IV, 51. 14 entgegen. Kriegsstrategen gibt es in den Straßen Berlins eine große Zahl. Kriminalpolizei dingfest gemacht worden. Daß aber immer noch Die Kriegskarte hat sie im Laufe der Zeit zu Helden gemacht. Anzeigen einlaufen, läßt erkennen, daß sehr viele Gauner sich auf Nur wenn zuweilen in solche friegsstrategische Leidenschaft sich das neue Gebiet gelegt haben. Eine Warnung vor ihnen ist deseine andere Stimine gehaltenen Ernstes und geringen Zweifels halb um so dringlicher. mischt, wird der Vortrag unterbrochen. Merft so ein WichtigArbeiter- Samariter- Kolonne Groß- Berlin. In dieser Woche beginnen folgende Lehrkurse: 1. Abt.: Berliner Vereinshaus, Köpenicker Str. 62( Lokalovechsel), am Montag, den 5. Oktober; 2. Abt.: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, am Montag, den 5. Oftober; 4. Abt.: Bidenhagen, Lichtenberg, Beginn in allen Abteilungen until it her Haendel, Schöneberg, Vorbergstr. 9, am Freitag, den 9. Oktober. tuer gar, daß er mit seiner Schlauheit fein gelehriges Publikum Friedrich- und Kronenstraße. Dort wurde der 55 Jahre alte Ar- Scharnweberstr. 60, am Donerstag, den 8. Oktober; 3. Abt.: Trotz alledem erweisen sich die Kriegskarten als ein hervorragendes Mittel der Information über die Kriegslage, ohne sie wäre das eingehende Studium der gegenwärtigen Vorgänge auf den Schlachtfeldern unmöglich. Volkskunstabende der Freien Volksbühnen. Die nächsten Volkskunstabende finden in folgenden Schulfälen statt: Gymnasium zum Grauen Kloster, Klosterstraße 74, 6. 8. und 10. Oktober; Leffing- Gymnasium, Pantstraße 19, 6., 8. und 10. Ottober; Luisenstädtische Oberrealschule, Dresdener Straße 113, Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich an der Ecke der bes Fahrbammes von einer Straftbroschke überfahren und so schwer beiter Johann Scholz aus der Höchstestraße 17 beim Ueberschreiten verlegt, daß er schon auf dem Wege nach der Rettungswache in der Kronenstraße verstarb. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. ,, Die Verwertung der Astronomie im Kriegswesen in der Luftflotte, in unserer Marine und im Landheer" lautet das Thema des Vortrages, den Direktor Dr. F. S. Archenhold am Mittwoch, den 7. Oftober, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal der TreptowSternwarte unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder und Filme halten wird. Der Bortragende wird folgende Punkte zur Sprache Die Kolonne Alt- Glienice hält einen Lehrkursus über: Erste Hilfe bei plöblichen Unglücksfällen" jeden Dienstag, abends 8% Uhr, in der alten Knabenschule ab. Teilnehmer können sich melden bei F. Nietner, Alt- Glienice, Köpenicker Str. 19. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Dienstag mittag: Ziemlich fühl, östlich der Oder meist bewölkt und besonders an der Küste an den meisten Orten etwas Regen, ſpäter oftwärts fortschreitende langsame Aufheiterung. Leiftungsfähiger Verlag, 200 Personal, Großorganisat., sucht aktuelle Idee oder Objekt! Ausf. Off. Leipzig, Poftſchließf. 229. 966# 9966EED Unserem Kollegen Wilhelm Jäger und seiner lieben Frau zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Die Kollegen 1726 der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Zahlstelle X. 毛毛* 柴燒 Tüchtige Sattler für Militäreffekten finden bei hohen Affordlöhnen dauernde Beschäftigung bei Ziegenhorn& Jucker, Hoflieferanten, Erfurt. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125,( Oranienb. Tor). für Syphilis. Harn- u. FrauenleidenEhrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage) Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. 11-2 u. 5-8, Sonnt. 9-11, Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. Persil wäscht und desinfiziert Wollwäsche Henkel's Bleich- Soda f. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: Prinzenstr 64 II nahe der Annenstraße. Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. Potsdamer Str. 117 a. d. Lützowstr., Sprechst. 11-2. 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