Nr. 277.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pa. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luremburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. $ NOS Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands.na Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Sonnabend, den 10. Oftober 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 151 90-151 97. Die Deutschen in Antwerpen. Amtlich. Berlin.( W. T. B. 11 Uhr 22 Min.) Großes Hauptquartier, met 9. Oktober abends. Heute vormittag sind mehrere Forts der inneren Befestigungslinie von Antwerpen gefallen. Die Stadt befindet sich seit heute nachmittag in deutschem Besitz. Kommandant und Besatzung haben den Festungsbereich verlassen. Nur einzelne Forts find noch vom Feinde besetzt. Der Besiz von Antwerpen ist dadurch nicht beeinträchtigt. Zerstörung eines deutschen Luftschiffes. Die Russen in Lyck. stehe in Flammen, das große Lazarett sei verbrannt. verwundeten flüchteten. Infolgedessen würden viele von ihnen an der Grenze erwartet. Die Beschießung sei noch immer heftig. Heute habe man bemerken können, daß auf einem Fort eine Batterie außer Gefecht gesetzt wurde. Die Flut der Flüchtlinge dauere an, aus. " Chronicle" meldet aus Antwerpen: Die Sozialisten Amerikas und der Krieg. Die eben eingetroffenen amerikanischen Parteiblätter enthalten u. a. einen Bericht über eine Versammlung in New York, die sich mit dem Weltkrieg beschäftigte. Die Großes Hauptquartier, 8. Oktober, abends. ( W. T. B.) Amtlich. Vom westlichen Kriegsdie Lage sei unhaltbar. schauplate sind Ereignisse von entscheidender Bedeutung nicht zu melden. Kleine Fortschritte sind Der Erfolg der deutschen Artillerie. Bersammlung tagte am 21. September und war von unbei St. Mihiel und im Argonnenwald gemacht. Vor Antwerpen ist Fort Breendond ge- London, 9. Oftober.( W. T. V.) Der Korrespondent des Dailh gefähr 6000 Männern und Frauen verschiedener Nationalinommen. Der Angriff auf die innere Fortlinie nud damit Expreß" telegraphiert aus Ostende: Die Belgier leisten in Ant- tät besucht, die gemeinsam den Ruf nach dem Frieden auch die Beschießung der dahinter liegenden Stadtteile hat be- werven hartnäckigen Widerstand, doch sind die Deutschen ein gutes erheben wollten. Genosse Ta han sprach im Namen der gonnen, nachdem der Kommandant der Festung die Erklärung Stüd vorwärts gekommen. Das Feuer aus den schweren Geschützen russischen Juden und forderte zur Sammlung von Geldern von Antwerpen übte auf den anrückenden Feind einige Wirkung zur Unterstübung der Opfer der zarischen Despotie auf. abgegeben hatte, daß er die Verantwortung übernähme. Genosse Ingermann, der im Namen der Gruppe „ Daily Die Luftschiffhalle in Düsseldorf wurde von einer Es sind die schweren Geschütze, welche hier den entscheidenden russischer Sozialdemokraten in New York das Wort ergriff, durch einen feindlichen Flieger geworfenen Bombe Einfluß haben. Es ist ein Stampf zwischen Strupp und lebendem legte den Versammelten dar, wie die Stellung der frangetroffen. Das Dach der Halle wurde durchschlagen und Menschenmaterial. Bei Tage und meist auch in den Nächten wird 3öfifchen Sozialisten durch das Bestreben diktiert ist, die Hülle eines in der Halle liegenden Luftschiffes zerstört. bie todbringende Beschießung fortgesetzt. Wenn die Granaten cine ihre Kultur und ihren sozialen Fortschritt gegen den einIm Osten erreichte eine von Lomsha anmarschierende Stellung unhaltbar gemacht haben, rüden die Deutschen vor. Stoßen dringenden Landesfeind zu verteidigen, ebenso wie die de u tfie dann auf den Widerstand der feindlichen Infanterie und müffen schen Sozialdemokraten sich zusammengeschlossen russische Kolonne 2 yd. zurückgehen, so wird das Granatfeuer verdoppelt, bis die belgischen gegen den Einfall der Kosaken. Für die deutschen Gruppen Regimenter sich zurüdziehen müssen. Die Behörden sehen der sprach Ludwig Lore. Auch der ungarische Redner, Genosse weiteren Entwicklung der Dinge mit tiefem Ernst entgegen. Die Penyacska, trat eifrig für die Internationale ein. Deutschen können jetzt schon die Stadt mit ihren Geschützen von zweitgrößtem Kaliber erreichen. Trotz der Abreise des Ministeriums bewahren die Einwohner die Ruhe und versichern, daß die Stadt niemals erobert werden soll. ( Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Um Antwerpen. Der Angriff auf den inneren Fortsgürtel. Amsterdam, 8. Oftober. Eine deutsche Heeresabteilung marschierte auf Forts Wyneghem heute früh, das in wenigen Stunden vernichtet war. Forts Wyneghem ist das erste Fort des inneren Festungsgürtels. Forts Schooten vom äußeren Festungsgürtel, nordwestlich von Antwerpen, suchte den Einmarsch aufzuhalten, wurde aber rasch zum Schweigen gebracht. Bei diesem gewaltigen Anrücken war das belgische Heer gezwungen, über die Schelde zurückzuweichen. Verzweifelter Widerstand in Antwerpen. Westlicher Kriegsschauplah. Nach ihm gelangte Genosse Sillquit als Vertreter der amerikanischen Sozialistischen Partei zum Worte, der zunächst mit Nachdruck darauf hinwies, daß der Kapitalis mus selbst verantwortlich sei für die Katastrophe Europas. Denn das dem Rapital innewohnende Ausdehnungsbedürfnis habe die kapitalistischen Staaten von Jahr zu Jahr in immer stärkeren Gegensatz gebracht und so zum Kriege geführt. Es sei unbillig, die Sozialisten Europas dafür verantwortlich zu machen, daß sie den Krieg nicht verhindert haben. Der große Kampf im Nordwesten. Berechtigt wäre ein solcher Vorwurf nur dann, wenn die Bordeaux, 9. Oktober.( W. T. B.) Nach hier eingetroffenen wären, sondern die Macht in Händen hätten. Wären wir aber Sozialisten in den Parlamenten Europas nicht Minoritäten Meldungen hat sich der große Kampf zwischen den Verbündeten schon so weit, dann wäre es sicherlich nicht zum Kriege geund den Deutschen im Nordwesten noch ausgedehnt. Das kommen. Vorrücken der Verbündeten über Arras war ein Gegenzug Der Geist internationaler sozialistischer Solidarität," gegen das Vorrücken der Deutschen auf die Linie Armentières- schloß Sillquit, ist durch den Krieg nicht getötet worden. Tourcoing. Gestern fanden heftige Kleinfämpfe zwischen Die Reihen des organisierten Sozialismus sind für den deutschen und französischen Vorposten statt. Neue deutsche Augenblick durchbrochen, die Stimme der sozialistischen ProTruppenabteilungen sind herangerückt. Dies paganda ist vorläufig in den friegführenden Ländern erstickt. läßt darauf schließen, daß die Deutschen ihre Heere in Nord- Aber der Sozialismus wird aus diesem allgemeinen europäischen Zusammmenbruch stärker vervorgehen als er jemals war frankreich in möglichst großem Umfange verstärken. als die einzige soziale Macht, die imstande und entschlossen London kommen ständig belgische Flüchtlinge zu Tausenden ist, die tiefen Gegensäge, die die Menschheit durchziehen, zu London, 8. Oktober.( W. T. B.) Daily Chronicle" meldet aus Antwerpen: Die Stadt ist noch immer voller Menichen, da eine Menge von Flüchtlingen aus den gefährdeten Städten in Antwerpen eingetroffen ist. Es werden die äußersten Anstrengungen gemacht, das Heer zu verstärken. Der Militär tommandant hat in einem Erlaß alle jungen Männer auf gefordert, an der Verteidigung der Stadt teilzunehmen. In dem Aufruf heißt es:„ Es ist durchaus notwendig, unser Heer zu verstärken. Ich wende mich im Namen des Vaterlandes an alle jungen an, die meisten vollständig mittellos und in traurigster Ver- überwinden. Er lebt in uns allen, hier und in Europa, und Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Euer Land bra ucht Eure Hilfe. fassung. Folgt meiner Aufforderung und laßt das Land nicht der Gnade des Eroberers ausgeliefert sein." Folgen des Kaperkrieges. 11 Effen( Ruhr), 9. Oktober. Die Rheinisch- Westfälische Zeitung" verbreitet durch Ertrablatt folgende Meldung: Nichts Neues aus Paris. In Paris, 9. Oktober.( W. T. B.) Ein amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr besagt: " Die Lage ist im ganzen unverändert. Ungeachtet einiger heftiger Kämpfe, besonders in der Gegend von Roye, find die Stellungen die nämlichen wie vorher. selbst wenn dieser Krieg beendet sein wird, wird er wieder sein Haupt erheben und die Schaffenden der ganzen Welt zu höherem menschlichen Glück begeistern. Es lebe die sozialistische Bewegung!" der Lloyddampfer Schwere Verluste der afrikanischen Truppen. Genossen in den wichtigsten der am Strieg beteiligten Länder Rotterdam, 9. Oktober. Zwei unddreißig deutsche darunter Handelsdampfer, ,, Gneisenau" und viele andere große Seedampfer sowie über zwanzig Rheinschiffe sind heute im Hafen von Ant werpen auf Betreiben der Engländer in die Luft ge sprengt worden, da die Niederlande dem Verlangen, die Dampfer zum Abtransport von Flüchtlingen( der Garnison?) nach England durchzulassen, nicht stattgaben. König Albert wollte gestern vor Beschießung der Stadt diese übergeben, er wurde aber von englischer Seite daran gehindert. Noch eingehender als von den Rednern dieser Versammmlung wurde der Standpunkt der sozialistischen Parteien in den friegführenden Staaten vom Genossen Algernon Lee dargelegt, der soeben aus Europa zurückkehrte, wo er die Zeit des Kriegsausbruches miterlebt und mit den führenden gesprochen hatte. Deshalb find seine Ausführungen, die in London, 9. Oktober.( W. T. B.) Der Kriegs! orresponder Nummer des New York Call" vom 23. September bent der Times" schreibt: Die Art des Kampfes in Nord- wiedergegeben sind, auch für uns von großem Intereffe. Nach frankreich wird besonders stark von den afrikanischen Truppen ausführlicher Besprechung des Standpunktes und der Haltung der Franzosen empfunden, die wie alle Eingeborenen sehr der deutschen Sozialdemokratie betonte Genoffe Lee mit schwer die Furchtbarkeit des europäischen Krieges Nachdruck, daß seiner Ueberzeugung nach die Masse des deutbegreifen lernen. Die Verluste dieser Truppen waren zu schen Volkes den Krieg nicht wollte und von der UeberzeuAnfang des Krieges fehr groß. Ein Offizier eines maroffanischen gung durchdrungen ist, in gerechter Abwehr zu stehen. Auch Schüßenregiments sagte, daß im ersten Gefecht die Hälfte der Leute er fieht im kapitalistischen System selbst die Ursache des fielen. Derselbe Offizier drückte die größte Bewunderung für die Krieges. Er meinte aber, wenn irgendeine Gruppe von militärischen Eigenschaften der Deutschen aus. Der Durchschnitt des Menschen für dessen Ausbruch mehr verantwortlich zu machen An allen vier Ecken in Brand geschossen. Deutschen Gewehrfeuers flehe auf gleicher Höhe wie bei den Ber- fei als die andere, fo sei es die englische Regierung. Köln, 8. Oktober.( W. T. B.) Die„ Kölnische Zeitung" bündeten. Es seien im Verhältnis vermutlich mehr französische die vor 7 Jahren ein Bündnis mit Rußland schloß. Ein meldet von der holländischen Grenze: Aus Bergen op Zoom wird Offiziere gefallen als deutsche. Es sei allgemeines Gespräch, daß großer Teil des englischen Volkes sei deshalb auch entschieden über die Beschiehung Antwerpen 3 berichtet, daß die Stadt die Verluste der französischen Offiziere in den lezten zwei Monaten gegen den Krieg, was besonders in Aeußerungen von Arbeiterführern, Geistlichen und Professoren klar zum Ausdruc an allen vier Ecken brenne. Die St, Georgs Rajernel zehnmal größer waren als vorher bei den Kämpfen in Marotto. # Pomme. Lee glaubt, der Krieg wäre vermieden worden, wenn Der Krieg und die Kolonien. dem west- und mitteleuropäischen 4 Jahre länger Zeit gelassen worden wäre, die vier großen zivilisierten Länder England, Frankreich. Deutschland und Italien zu einem großen Verteidigungsbund gegen das rusiische Barbarentum zu vereinen. E Die Aktion der italienischen Sozialisten. Vor einigen Tagen richtete der„ Avanti", das ZentralDie Entscheidung über die Kolonien. organ der italienischen Partei, die Aufforderung an die LefLondon, 8. Oktober.( W. T. B.) Dem deutschen Stand- fentlichkeit, Volts abstimmungen über die Frage der punkt, daß das Schicksal der deutschen Kolonien Neutralität taliens vorzunehmen. Am 26. oder Auch Lee glaubt nicht an den Zusammenbruch der Inter- ich auf Europas Schlachtfeldern entscheide, schließt sich auch 27. September sollten überall im Lande durch die oppositionationale und wies besonders darauf hin, daß auch die fran- die" Morningpost" an, indem sie schreibt: Alle Ver- nellen Organisationen aller Art Versammlungen abgehalten zösischen Parteigenossen, die mit der Regierung ihres Landes änderungen draußen in den Solonien hängen von dem Kriege werden, um diese Frage zu behandeln. Es wurde ferner dazu ganz gemeinsame Sache gemacht haben zur Verteidigung in Europa zu Lande und zur See ab. Die Verbündeten be- aufgefordert, bei der Abstimmung nur ein kurzes I a oder ihrer Heimat, ihre Pflichten der Internationalität doch nicht herrschen das Meer und können alle deutschen Kolonien be- ein zuzulassen und nicht die in den romanischen Ländern bergessen haben. Denn auch jetzt noch bekämpfen sie aus sehen, aber der dauernde Besitz dieser Kolonien hängt von sonst üblichen langatmigen Resolutionen als Antwort auf die allen Kräften den Haß gegen das deutsche Volf. In ein- dem Sieg der Verbündeten zu Lande in Europa ab, denn Frage, ob die absolute. Neutralität Italiens aufrecht erhalten dringlichen und beredten Kindgebungen," erzählte Lee, hat ohne einen solchen kann Deutschland nicht gezwungen werden, die französische Partei dem französischen Volke dargelegt, daß die Friedensbedingungen der Verbündeten anzunehmen. Das nicht das deutsche Volk der wahre Feind ist, sondern der Kapi- Schicksal der Kolonien fann nicht als entschieden angesehen werden, bevor die englische Flotte die deutsche Schlachtflotte besiegt hat. talismus.". Der Höhepunkt des Riefenkampfes. Kopenhagen, 8. Oktober.( W. T. B)„ Nationaltidende" Vandervelde über die deutschen meldet aus London: Alle vorliegenden Nachrichten stimmen darin überein, daß die Riesenschlacht in Frankreich nun ihren Höhepunkt erreicht hat und noch in dieser Woche die Entfcheidung fallen muß. Die Kämpfe auf dem linken Flügel werden mit einer selbst unter diesen blutigen Zusammenstößen bisher unbekannten Heftigkeit fortgesetzt. Die Deutschen suchen mit einer Hartnädigkeit, von der man sich keine Vorstellung machen kann, sich der Eisenbahnlinie zu bemächtigen. Der Kampf nördlich von der Somme hat einen derart furchtbaren Charakter, daß er unmöglich lange anhalten kann. Vom österreichisch- ruſſiſchen Kriegsschauplatz. Sozialdemokraten. Aus London wird uns vom 3. Oktober geschrieben: Genosse Vandervelde, der Führer der belgischen Sozialisten, der im Auftrage der belgischen Regierung, der er angehört, nach den Vereinigten Staaten gereist ist, um den Amerikanern die Leiden des belgischen Volkes zu schildern, hat in der amerikanischen sozialistischen Presse eine Erklärung veröffentlicht, in der er die Taten der deutschen Armee in Belgien verurteilt, aber sich mit großer Toleranz über die Haltung der deutschen Sozialdemokraten äußert. Er sagt unter anderem: In allen internationalen Konflikten der letzten Jahre hat sich die internationale sozialistische Bewegung einig gefunden.. So war Die Wende im galizischen Feldzug. es auch noch am Vorabend des gegenwärtigen Konflikts. Desterreich Wien, 8. Oktober.( W. T. B.) Ein militärischer Mit- batte schon Serbien den Krieg erklärt, als das Internationale Sozialistische Bureau, das schleunigst nach Brüssel einberufen arbeiter des Neuen Wiener Tagblattes" schreibt über die jüngsten Ereignisse: Immer neue Teilerfolge zeitigt worden war, sich auf den Standpunkt stellte, daß Deutschland auf das geschlossene Vorgehen der verbündeten deutschen und Desterreich und Frankreich auf Rußland einen Druck ausüben müsse, österreichisch ungarischen Armeen an beiden um den Konflikt zu lokalisieren. Und von ganzem Herzen stellen Ufern der Weichsel im Raume von Jwangorod, das kaum wir unseren deutschen Genossen das Zeugnis aus, daß fie hundert Kilometer südöstlich von Warschau liegt, bis Dymom in ihren Bemühungen zur Aufrechterhaltung des Friedens ihre am Sanfluß, 40 Kilometer westlich Przemysl. Sieg auf Sieg pflicht, ihre ganze Pflicht, und mehr als ihre über die feindlichen Nachhuten wird erfochten. An und für Pflicht taten. sich sind es zwar örtlich begrenzte Einzelereignisse in der 250 Kilometer breiten nordsüdlichen Operationslinie, im Hinblick auf das ungeheure gemeinsame Endziel aber doch schon die ineinander greifenden Glieder einer unzerreißbaren Kette, die mit ehernem Drud langsam, aber immer merklicher die russische Hauptmacht an Hals und Brust zu würgen beginnt. Es zeigt sich nunmehr zur Evidenz, daß die Konzentrierung unserer Armeen nach Westen keine taktische Niederlage, sondern vielmehr eine überlegte strategische Maßnahme bildete, diftiert von dem höheren Zwecke, den lückenlosen Anschluß an die deutsche Armee nördlich von Krakau zu sichern. Das wurde mit solcher Promptheit erreicht, daß nun mit vereinten Kräften den sich stellenden gegnerischen Truppen eine pize nach der anderen abgebrochen wird. Die Erſtürmung des russischen Brückenkopfes Sandomierz und die Zurückwerfung einer feindlichen Infanterie- Division bei Darnobrzeg im Weichsel- und Sanwinkel tragen bereits die erwarteten Früchte. Die geschlagenen Gegner fonnten sich bei der energischen Verfolgung über das Hindernis der beiden tiefen und breiten Flüsse nicht rasch genug zurückziehen und fielen samt ihrem Train abteilungsweise als Kriegsgefangene unseren noch auf dem rechten Weichselufer vordringenden Truppen in die Hände. Aber diese Bemühungen sind vergeblich gewesen. Der Krieg ist allgemein geworden. Alle direkten Verbindungen zwischen den Sozialisten Deutschlands und denen anderer Länder sind unmöglich geworden. Auf beiden Seiten stehen sich Millionen von Arbeitern als Feinde einander gegenüber. Was unserer Lage einen besonders tragischen Charakter verleiht, ist, daß auf beiden Seiten die Sozialisten in gleicher Weise davon überzeugt zu sein scheinen, daß es sich ihrerseits um einen Ver teidigungstrieg handelt. Aehnlich den französischen und belgischen Sozialisten, bei denen sich die Idee fest eingewurzelt hat, daß sie einen berechtigten Verteidigungsfampf führen, haben auch die deutschen Sozialdemokraten für die Kriegstredite gestimmt. Wir werden uns natürlich büten, ihnen wegen Wir nehmen dieser Sache Vorwürfe zu machen. Kenntnis von den Schwierigkeiten der Situation. Wenn sie die Kriegskredite verweigert hätten, dann würden sie ihr Land der Kosakeninvasion überantwortet haben. Indem fie für fie stimmten, haben sie Waffen geliefert gegen das republikanische Frankreich und das demokratische Westeuropa. Von diesen zwei Uebeln wählten sie dasjenige, das ihnen das geringere schien. Ich wiederhole, wir werfen feine Schuld auffie." der Zur bevorstehenden portugiesischen Kriegserklärung. werden scli. Der Erfolg war glänzend. Schon in der Nummer bom 28. September veröffentlicht das Blatt das erste Ergebnis unter der Ueberschrift:„ Das italienische Proletariat entwortet einstimmig auf den Appell der sozialistischen Partei." Danach hatten schon 26 sozialistische und 17 Jugendorganisationen Resolutionen gegen den Krieg angenommen. Ebenso beschlossen 6 Versammlungen nichtpolitischer Verein, 46 gewerkschaftliche Organisationen, Arbeitslosenversamlungen, genossenschaftliche und andere Gruppen. In überwältigender Weise aber zeigt sich der Erfolg der an das Volk gestellten Frage in der nächsten Nummer vom 29. September. Das Blatt schreibt darüber: " Stoßweise bekommen wir ungeheure Mengen von Telegrammen, Briefen und Karten. Wahrlich eindrucksvoll sind die Begeisterung und die Einstimmigkeit, mit denen das italienische Proletariat den Appell der sozialistischen Partei beantwortet. Aus Groß- und Kleinstädten wie auch aus den Dörfern, von Hunderten von wirtschaftlichen und politischen Vereinen, die die Masse des werttätigen Voltes umfassen, erhebt sich eine einzige Stimme, drückt sich eine einzige Hoffnung aus: die eine For= derung wird einstimmig und energisch von allen Seiten bestätigt." Und dann wird eine endlose Zahl von sozialistischen VerUntereinen, Jugendorganisationen, Genossenschaften, stüßungsvereinen usw. aufgezählt. Alle schließen sie sich dieser imposanten Friedensfundgebung an. In der Nummer vom 30. September wird diese Liste fortDie italienische sozialistische Partei hat hier einen neuen gesetzt. Sie füllt hier zweieinhalb dicht bedruckte Spalten. Weg eingeschlagen, um in der deutlichsten, nicht mißzuverstehenden Weise den Friedenswillen des ganzen arbeitenden Volkes kundzugeben. Die englischen Arbeiterorganisationen für die Rekrutierung. der London, 3. Oktober.( Eig. Ber.) Der Vereinigte Ausschuß" der britischen Arbeiterbewegung, in dem das Parlamentarische Komitee des Gewerkschaftskongresses, der Vorstand Arbeiterpartei und der Geschäftsausschuß des Gewerkschaftsverbandes vertreten sind, hat einen Aufruf an organisierte Arbeiter, die früher als Unteroffiziere im Heere gebient haben, gerichtet, in dem es heißt: ,, Arbeitsgenossen Unsere Aufrufe an die organisierten Arbeiter, sich für die neuen Armeen, die in Verbindung mit dem europäischen Krieg geformt werden, anwerben zu lassen, sind höchst erfolgreich gewesen. Aus fast jeder Ortsgruppe aller Gewerk fchaften des Bereinigten Königreichs Baben junge Leute ihr Werkzeug niedergelegt und haben sich bereit erklärt, für das Reich zu fämpfen, um seine Freiheiten zu verteidigen und seinen Verpflichtungen nachzukommen. Wir halten es nun für unsere Pflicht, einen zweiten Appell ausschließlich an jene Gewerkschaftsmitglieder zu richten, die frühere Unteroffiziere irgend eines Zweiges der königlichen Streitkräfte find. Die glänzenden Armeen aus Rohmaterial werden weit schneller leistungsfähig werden, wenn Unteroffiziere ein Opfer bringen, das bielleicht noch größer ist, als das der Rekruten, und sich für die Dauer des Krieges für den Dienst entweder im Inland oder im Ausland anwerben lassen." Der Aufruf trägt die Unterschriften der bekannten Arbeiterführer Arthur Henderson, J. A. Bowerman, W. A. Appleton, J. N. Bell, W. J. Davis, Charles Duncan, William Mosses, James Serton, Will Thorne, Ben Tillett und J. E. Williams. Bekanntlich beteiligt sich die J. 2. P., die den sozialistischen Flügel der Arbeiterpartei darstellt, an der Rekrutierungskampagne nicht, sondern betämpft diese. Ein englisches Wort an Rußland. Das englische Arbeiterblatt Daily Citizen" vom 30. SeptemUnsere weiter südlich, im Raume von Neu- Sandec, längs der Eisenbahn und Chaussee gegen Rzeszow, vorgegangene Armee warf am 7. Oktober jene Heeresteile des Gegners, die versucht hatten, die Festung Przemysl vom Westen einzuschließen, beim Dorfe Barycz, 15 Kilometer südlich der Stadt Rzeszow, wodurch dieser so wichtige Bahnknotenpunkt wieder endgültig in Besitz genommen werden konnte. Trotz wiederholten vergeblichen, mit furchtbaren Verlusten bezahlten An- Die Frankfurter Zeitung" schreibt zu der Nachricht von rennens gegen die Forts von Przemysl in den ersten Tagen bevorstehenden portugiesischen Kriegserdes Oktober rannten sich die Russen amt 6. und 7. Oktober an flärung unter anderem folgendes: Portugal sei längere den Bollwerken erneut die Köpfe ein. Nicht so sehr die Tau- Zeit von Engländ abhängig, wie ein Vasallenstaat und wenn sende von Toten und Verwundeten, die der Gegner dort liegen es England wünscht und billigt, so wird sich die Republik der ber schreibt unter der Spizmarke„ Ein Wort an Rußland": ließ, werden ihn von der Wiederholung des vergeblichen Be- langen Reihe unserer Feinde zugesellen. Ein paar deutsche Es sind viele Betrachtungen darüber angestellt worden, wesginnens abhalten, wohl aber dürfte das bedenkliche Nahen Schiffe, die in portugiesischen Häfen liegen, können allerdings halb in England nicht das gleiche warmherzige Gefühl für Rußunserer siegreichen Truppen im Westen der Festung schon in den nächsten Tagen jedem weiteren Belagerungsversuch ein verloren gehen, aber vielleicht wird dann Portugal dieselbe land wie für Frar.kreich und Belgien herrscht. Die Ursache ist unmöglicherweise endgültiges Ende bereiten. Erfahrung machen, die die Belgier mit blutigen Tränen jetzt schwer zu finden. Wir erkennen die Einfachheit und Freundlichkeit Während also auf dem polnisch- galizischen Kriegsschau- schon machen, daß ihnen der englische Schutz nichts nützt, nicht der russischen Bauern, wir anerkennen die große Tapferkeit der plaze die seit Anfang Oktober einsetzenden deutschen und öfter- uur, weil England zu schwach ist, die von ihm abhängigen russischen Truppen, aber es ist ein Zeichen einer Aendereichisch- ungarischen Erfolge die Gesamtlage in einer Weise Staaten, die es in den Krieg hineinhest, zu schützen, sondern rung im Herzen der russischen Regierung zu sehen. zu unsern Gunsten veränderten, daß es selbst für die Bericht- weil es in seiner habsüchtigen, kaltherzigen Politik auch gar Rußland ist ein starter militärischer Bundesgenosse, aber in polierstattung des Dreiberbandes immer schwieriger wird, die Tat- nicht das Interesse het, seine Bundesgenossen sich nicht verbluten tischer Hinsicht sind seine Wege nicht die unsrigen. Wenn Rußland fachen in ihr Gegenteil umzulügen, sind es auch im Süden zu lassen. unsere Truppen, die dort auf allen Linien das Gesez des Handelns recht eindeutig vorschreiben. Mit der entscheiden. Entlassungsgesuch des italienischen Kriegsden Niederlage von 4 serbisch- montenegrinischen Brigaden zwischen dem 3. und 7. Oktober dürfte der Hauptsache nach für unsere Reichslande des gesamten Guerillakrieges Glück und Ende verzeichnet sein. Vom österreich- serbischen Kriegsschauplah. " ministers. von ganzem Herzen und auf gleicher Basis zu der Gemeinschaft der Demokratien des Westens zugelassen werden will, muß es imstande sein, mehr zu bieten, als eine enorme Armee im Felde; es muß bereit sein, die politischen Freiheiten seines eigenen übt, zu gewähren." Rom, 8. Oktober.( W. T. B.) Seit einigen Tagen ent- Volkes und der kleineren Wölfer, über welche es die Herrschaft ausspannen sich in den Zeitungen Polemiken über Verwaltungs- Wladimir Burbeff, der wohlbekannte russische Reformator, fragen des Kriegsministeriums. Hente abend hat, wie die ist eben in Raumo festgenommen worden. Nach langen Jahren des Agenzia Stefani" meldet, der Kriegsminister General ist eben in Raumo festgenommen worden. Nach langen Jahren des Grandi dem Ministerpräsidenten sein Entlassungs- Waterland-uals Lohn, ist er ins Gefängnis geworfen worden. Erils kehrte er nach Rußland zurüd, um zu kämpfen für sein gesuch überreicht. und wird vermutlich nach Sibirien verbannt werden. Er war der Ein Vertrauensvotum für die Regierung. Ansicht, daß für die fortschrittlichen Bewegungen Rußlands aus Die Zustände in Serbien. Rom, 8. Oftober.( W. T. B.) Die demokratisch dem jebigen Krieg gutes hervorgehen würde; ein langer Aufsatz Wien, 8. Oftober.( 2. T. B.) Die„ Reichs post" melbet: liberale Linke hat heute eine Tagesordnung an- mit diesen Hoffnungen erschien vor einigen Tagen aus seiner Auf dem Wege über Bulgarien aus Reuserbien ein- genommen, in der sie unter Anerkennung der Tatsache, daß Feder in den" Times". Und er kehrte zurüd nach Rußland, um getroffene Reisende bestätigen, daß in Serbien schredliche eine wachsame und bewaffnete Neutralität seine Auffassungen mit seinem Schwerte zu unterstützen. Jetzt sitzt Zustände herrschen. Die bisherigen Kriegsverluste der Serben den politischen Forderungen des Augenblicks entspreche, der er im Gefängnis, und wenn Rußland in großer Not diese despo betrügen an 75 000 Tote und Verwundete. Für letztere sei die Regierung, welche mit sicherem Blick für die Bedürfnisse tische Torheit macht, sollte es wenigstens nicht überrascht sein, ärztliche Hilfe durchaus unzureichend. Das Publikum, welches durch des Landes mit allen Mitteln die höchsten nationalen wenn die Arbeiter in demokratischeren Ländern die offiziellen serbischen Siegesmeldungen eine Zeitlang getäuscht Interessen zu wahren wissen werde, ihre Vertrauen unsicherheit und Argwohn fühlten über seine Abwurde, habe jetzt erfahren, daß all diese serbischen Siege tatsächlich ausspricht. nie existierten, wodurch eine verzweifelte Stimmung hervorgerufen Amerikanische Friedensvermittelung? Wir wissen nicht, warum Burßeff festgenommen ist. Es ist wurde. Vom Könige, der schiver frank sei, höre man wenig. Die Prinzen Alexander und Georg Sätten viel zu geringe Autorität, uni New York, 9. Oftober.( T. 11.) Der Staatssekretär des möglich, daß alte Rechnungen gegen ihn in Erinnerung gebracht das über ihrem Lande und über ihrem Hause schwebende Unheil Auswärtigen Bryan hat auf einer Friedensversammlung wurden. Sein einziger Fehler war jest, daß er Rußland politisch durch einen entsprechenden Einfluß auf die Bevölkerung abzu- geäußert, daß Präsident Wilson mit Ungeduld auf eine frei und demokratisch zu machen wünschte. Es ist möglich, daß ihm wehren. In Sofia eingelaufene Meldungen berichten fortgesetzt Möglichkeit warte, die einleitenden Schritte zu ein Brief an die Zeitungen verargt wird, in dem er zu Beginn der über heftige Rämpfe in Serbisch- Mazedonien sowie in Griechisch erneuern, Friedensvermittelung großen Krise eine Amnestie in Rußland anregte. Er meinte, Magabonien zwischen den kämpfenden Nationen herbeizuführen. Das wäre ein guter Ausgangspunkt für einen Befreiungskrieg. Die um eine fichten. Hr. 277. 3l. Iahrgayg. Snlaze drs DwSrl«" Serlim NcksM Aoavabnld. tv. Vttodn 1914. Das Wirken Ser Konsum- genossenschaft. Ein Jahr schiverer wirtschaftlicher Krise war es. das der soeben vom Lorstand der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend herausgegebene 15. Geschäftsbericht umfaßt In diesem Bericht spiegelt sich der siegreiche Gedanke der Genossenschaft sorbeit wieder, der, allen Widerständen trodend. sich durchringt. Und gerade in der Zeit des schwer- slen wirtschaftlichen Notstands, der die Kommunen Groß- Berlins außerordentlichen Hilfsmaßnahmen zwang, hat die konsumgenossenschaftlich Organisation sich als eine für die notleidenden Schichten segensreich wirkende Einrichtung erwiesen. Abgesehen davon, daß die Genossenschft im Gc- schäftsjahr an der von der organisierten Arbeiterschft Ber- lins für die Notleidenden eingeleiteten Hilfsaktion regen Anteil nahm, hat sie sich bei der Versorgung der Bevölkc- rung Berlins init billigem Fleisch dem Magistrat der Stadt Berlin in der selbstlosesten Weise zur Verfügung gestellt: fa sie hat sogar bei dem Flcischerkauf im vorigen Jahre 77 000 Mark zligesetzt. Auch sonst bemühte sich die Leitung der Genossenschft, die Mitglieder mit billigen Nahrungsmitteln zu versehen. Kaum zeigte sich ain Ende des Geschstsjahres eine Besserung auf dem Wirtschstsmarkte, als plötzlich die Kriegsercignisie erneut das gesamte Wirtschaftsleben aufs tiefste erschütterten. Inwieweit die Konsumgenossenschft unter dem Kriege leiden wird, kann in dem vorliegenden Geschftsbericht nicht zum Ausdruck kommen, da derselbe mit dem 30. Juni abschließt. Heute läßt sich indessen bereits sagen, daß die Mitglieder bei Ausbruch des Krieges, als eine Anzahl Gcschstsleutc das konsumierende Publikum durch wucherisch Preistreibereien zu schröpfen suchten, in ihrer Genossenschaft c'n-en treuen Rückhalt fanden. Und während der bisherigen �Dauer des Krieges hat die Konsumgenossen- schtst klar die Tendenz zum Ausdruck gebracht, ihre Mitglie- �er— soweit es in ihrer Macht liegt— vor erheblichen Preissteigerungen zu bewahren. Eine solch GeschäftSpraris muß sich auch für die Zukunft die Sympathien der Mitglie- der sichern. Und darin liegt zugleich die Gewähr, daß die Konsumgcnossenschastsbewcgung auch den Krieg mit seinen furchtbaren wirtschftlichn Folgen kraftvoll überdauern wird. « Aus den: Bericht selbst ist zunächst bemerkenswert, daß der letzte im Bezirk Groß-Berlin bestehende Konsumverein Tegel übernommen worden ist. Tie Mitgliedcrzahl stieg im Laufe des Geschäftsjahres um 9369. sie, betrug am Schlüsse desselben 86 514. Die Zahl der Verkaufsstellen erhöhte sich von 114 auf 125. Trotz der Wirtschaftskrise kann der Geschäftsbericht eine Steige- rung des Umsatzes in den Verkaufsstellen um 2 368 973,08 Mark verzeichnen, er erreicht« im letzten Geschäftsjahr die respektable Sumnic von 17 356 250,50 Mk. Als ein Beweis der innerlichen Festigung der Genossenschaft ist die Tatsache anzusehen, daß der Durchschnittsunrsatz pro Mitglied im ver- flosscnen Geschäftsjahr um 6,24 M. auf 200,62 M. stieg. Der Turchschnittsumsatz pro kaufendes Mitglied betrug 275,27 M, 23 462 Mitglieder oder 27,12 Proz. hatten keine Markcnblätter abgeliefert. Als eine Neuerung von besonderer Bedeutung ist es anzusehen, daß die Gesck?äftslcitung im letzten Jahre den Vertrieb billiger Mich in die Hand genommen hat. Ver- anlaßt durch die fortgesetzte Verteuerung dieses wichtigen Nahrungsmittels— stieg doch der Milchpreis biS auf 26 Pf. Pro Liter— trat die Geschäftsleitung mit der Interessen- gvmeinschaft Märkischer Milchproduzenten in Verhandlun- gen. Sie erreichte, daß die Interessengemeinschaft Milch zu einem Preise liefert, der cS der Genossenschaft ermöglicht, an die Mitglieder daS Liter zu 20 Pf. abzugeben. Diese Maßnahmen riefen natürlich unter den Händlern eine leb- hafte Erregung hervor. Ihre Bestrebungen, die Leitung der Konsumgenossenschaft zu bewegen, die Milch zu einem höheren Preise abzugeben, scheiterten. Unter dem Dnick der Verhältnisse mußten alsdann die Molkereibesitzer und Milch- Händler den Milchpreis auf 22 bezw. 24 Pf. herabsetzen. Aus dem Kapitel: Produktivbetriebe ist be- sonders hervorzuheben, daß die Bäckerei durch die am 15. Dezember 19!3 erfolgte Inbetriebnahme des zweiten Bäckereigebäudes eine erhebliche Vergrößerung erfahren hat. Wenn man bedenkt, daß zurzeit 28 Doppelauszugöfen in Betrieb sind« so kann jetzt bereits von einem modernen Riesenbetrieb gesprochen werden. Dabei ist für die Eni- Wickelung dieses Betriebes noch Platz für weitere 12 Oefen vorhanden. Von dem gewaltigen Umfang der Produktion zeugt die Tatsache, daß im Berichtsjahre nicht weniger als 5 838 328 Stück Brot der verschiedensten Art gebacken wor- den sind-aö einer Sunnne von 2 907 935.01 M. entspricht. Hinzu kommt noch die Herstellung für 298 458,60 M. Kuchen. Insgesamt bclief sich der Umsatz auf 3 206 393.61 M. oder 18.45 Proz. mehr als in? Vorjahre. Die Gei?ossenschaft ver- fügt noch über eine Konditorei, eine Mineral- Wasserfabrik, eine Kaffeerösterei, ein« Butte- r e i, eine Kraft zentrale und verschiedene Neben- betriebe, darunter die Schlosserei, die Tischlerei-Reparatur- Werkstatt?ind die Wäscherei An Personal wl?rdcn insgesamt 1277 Personen, 470 männliche und 807 weibl'che beschäftigt, deren Lohn- und Arbeitsverhältnisse tariflich geregelt sind. Einen Beweis steigenden Vertrauens zur Genossenschaft liefert die Sparkasse. Wohl waren die Einzahlungen in Anbetracht des ungünstigen Wirtschaftslebens bei weitem nicht so hohe wie'm vorigen Jahre. Während noch im vori- gen Jahre ein« Steigerung der Einzahlungen von 70 Proz. zu verzeichnen war, kann in dielem Jahre nur über eine solche von 15,3 Proz. berichtet werden. Dagegen sind zweisel- los d?lrch die wirtschaftliche Notlage die Auszahlungen um zirka 70 Proz. gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der Bestand der �pargutinhabcr belief sich am 30. Juni 1914 auf 5 383 836.80 M.. gegenüber 3 820 529,29 M. des Vorjahres. Ten Kricgsereignisscn vorausgreifend, erwähnt der Bericht, daß Ende Juli 1914 auch auf die Sparkasse der Ge- nosscnschaft ein Ansturm eingesetzt habe. Derselbe habe aber nur eine Woche gedauert. Allein vom 27. Juli biß 8. August sind zirka eine viertelmillion Mark autgezahlt worden. Nicht ohne Interesse ist die Berufszugehörigkeit der Ge- nossenschaftsmitglieder. Aus der aufgestellten Tabelle geht hervor, daß die in gewerblichen Betrieben beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinnen gewissermaßen die Träger der Konsumgenossenschaft sind. Ihre Zahl beträgt allein 50 068 männliche und 34 140 weibliche Mitglieder. Selbständige Ge- werbctreibende sind 1488, Angehörige der freien Berufe 534. in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigte Arbeiter 32 und Personen ohne bestinunten Beruf 252 als Mitglieder vor- Händen. Ohne Zweifel bringt der gegenwärtige Krieg nicht nur für die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiterklasse, sondern auch für die Konsumgenossenchaften eine Zeit schwerster Prüfung. Aus den in der Einleitung bereits angegebenen Gründen glauben wir fedoch. daß es den Konsuingenossenschasten gelingen wird, zum Wohle der Wirt- schaftlich Schwachen diese Periode ungeschwächt zu überwinden. Das kann allerdings nur möglich sein, wenn die Mitglied- schast nicht nur ihrem eigenen Unternehmen die Treue be- wahrt, ihren Bedarf im eigenen Geschäft deckt, sondern auch an dem weiteren Ausbau der Konsumgenossenschaft tätigen Anteil nimmt. volksbilöung und Krieg. In den Tagen, da die Menschheit unter dem ersten aufwühlen- den Eindruck des kriegerischen Zusammenstoße» der größten Militärmächte der Delt stand, schien eS einen Augenblick, als sei alle Arbeit für die kulturelle Fortentwicklung der Nationen zur Ruhe und zum Schweigen verdammt. In den Köpfen lebte nur ein Ge- danke: der Krieg! Niemand glaub!», daß die Erregung, die an- gesicht» de» Krieges die Menschheit durchz?tterte, Raum und Ruhe lassen würde für künstlerische» Genießen und wissenschaftliche Fort- bildung der Masse de» Volke». Die Museen wurden geschlossen, der Schulunterricht schien in Frage gestellt und an die populäre Vortragstätigkeit, da» lvissenschaftltche VolkSbildung»- Wesen, dachte kein Mensch. Diese Arbeit ist so ganz Friedens- arbeit, daß niemand wagte, ihr eine Existenzmöglichktit in der rauhen Luft der Kriegszeit zuzutrauen. Und doch hat sie mehr als manches ander« den glücklichen Ausgang de» Kriege» vorbereiten helfen, denn ein intelligentes, geistig strebsame» und hochstehendes Volk wird auch im Felde schwer zu überwinden sein. Ferner ist zu bedenken, daß e» ein Jenseits de» Krieget geben wird, in dem die MenschheitStntwicklußg wieder die ruhigen Bahnen friedlichen Wirtschaftsleben» tvandeln muß. Dann wird«s viel, viel auf- zubauen und neu zu ordnen geben, und bei dieser Tätigkeit wird die geistige Kraft de» Volke» von größter Wichtigkeit sein. Es gilt, sie dafür zu erhalten und zu fertigen. Aus dem Kriege und aus seinen Folgen werden den Rationen für ihr zukünftige» Leben tausend Fragen und Aufgaben erwachsen, die leichter gelöst werden können, wenn wir schon die Kriegtzeit benutzen, um sie vorzubereiten. Zu dieser Arbeit, die eine streng wissenschaftliche sein muß, sollt» da« ganze Volk herangezogen merden, da» ja auch am Kriege selbst in allen seinen Schichten unterschiedslos Anteil nimmt. E» wurden denn auch bald Stimmen in der Oeffentlichkeit laut, die i»r einer Einstellung der Kulturarbeit warnten und sogar einen Ausbau der Volcktbillmngttätigkeit auf allen Gebieten gerade im Hinblick auf den Krieg forderten. Die Mass« der Bevölkerung ge- wähnte sich auch allmählich an die neue Situation, und die Stim- mung wurde ernster, und der ersten Aufregung folgte eine Be- ruhigung der Gemüter und«ine Sammlung der Geister. Und so schicken sich denn alle für da» wissenschaftlich« Volk»- bildungSwescn tätigen Institute an, ihre Pforten zu öffnen. Jedes arbeitet, wie die Lehrpläne und Lehrerkollegien zeigen, im Rahmen der besonderen Weltanschauung und mit der wissenschaftlichen ForschungSmethodc, der e» auch vor dem Kriege zuneigte. Die Verschiedenheit der wissenschaftlichen Weltanschauungen, dieser wichtige Ansporn für den Fortschritt der Forschung, zeigt, daß sie ihr DaseinSrecht auch im Kriege hat. Alle Unterrichtsprogramme aber suchen in den Swffgebieten. deren Behandlung sie ankündigen, Beziehungen zu den durch d«? Krieg lebendig gewordenen Gedanken. So finden wir z. B. im Lehrplan der Freien Hochschule die Ankündigung folgender Vortragsreihen:„Der Krieg und das Bevölkerungsproblem'.„Krieg und Volkswirtschaft',„Der Krieg und die Bibel' und„Der moderne Zahlungsverkehr im Kriege'. Aehnlich sieht das Programm des Vereins für volkStüm- liche Kurse von Berliner Hochschullehrern aus. Es enthält Kurse wie:„England vor dem Kriege',„Philosophie des Kriege»' und„Der Krieg und die von ihm geschaffene Kunst'. DaS gleiche Aussehen hat der Unterrichtsplan der Humboldt» a ka de m i e. Neben diesen Instituten stand von jeher die BildungSanstalt der organisierten Arbeiterschaft Berlins, die Arbeiter» bildungSschule. Auch sie wird ihre Tätigkeit in einem etwas veränderten, den Forderungen deS TageS angepaßten Gewände fortsetzen. Auch der Arbeiterschaft hat der Krieg neu« Probleme gestellt, deren Lösung nicht nur für das Proletariat, sondern für die ganze Nation wertvoll ist, und zwar sowohl für die unmittel- bare Gegenwart alS auch für die Zukunft. So ist z. B. die Stellung der Gewerkschaften im Kriegt eine Frage von rrößter nationaler Bedeutung. Die Gewerkschaften haben durch ihre auf Besserung der materiellen Lage der Arbeiter gerichtete Friedens- arbeit ungeheuer viel zur Vorbereitung deutscher Siege und durch ihre klugen Maßnahmen nach Ausbruch des Krieges viel zur Auf- rechterhaltung einer ruhigen Stimmung in der Bevölkerung bei- getragen. Es ist darum wichtig, daß der hohe Wert dieser Krieg«» arbeit der Gewerkschaften weiten Kreisen in ausführlichen Bor- trägen dargelegt wird. Der Krieg hat alle Fragen de» Völkerrechts aufgerollt, und e« ist anzunehmen, daß«r dem Völkerrecht in der Zukunft neue Formen geben wird. Dorum ist'e» für die politisch denkende Ar- beiterschaft wichtig, die Entwicklung und Verfassung des Völker- recht? in der Vergangenheit kennen zu lernen. Ebenso dürfte der vor unseren Augen sich abspielende gewaltigste aller Kriege starkes Interesse für frühere Kriege wachrufen. Die Kenntnis de» Ver- laufe? der vergangenen Kriege muh unser Verständni» für die gegenwärtigen kriegerischen Ereignisse erhöhen, weshalb die Ver- tiefung in"'ne vom Standpunkte de» historischen Materialismus betrachtete.riegSgeschichte für die Arbeiterschaft sehr be- deutungsvoll ist. Erforderlich für das Zurechtfinden in der zu- künstigen Gestaltung de» Wirtschaftsleben» der Völker, die durch den Krieg sicher beeinflußt wird, ist sodann die Vertrautheit mit der Entwicklung der Wirtschaftsformen der vtrgangenheit. Diese Gebiete werden in dem neuen Lehrplan der Arbeiter- bildungSschule behandelt werden. Daneben wird die Schule den wissenschaftlichen Sozialismus und die Naturwissenschaften pflegen. So sollen auch im wissenschaftlichen BildungSinstitut der Ber« liner Arbeiter die Gebiete des Wissens erörtert werden, die durch den Weltkrieg in den Vordergrund deS öffentlichen Interesses gerückt sind. In ihrem inneren Wesen wird die Schule aber auch mrt ihrem neuen Lehrplan bleiben, ivas sie war, denn sie wird nach wie vor die wissenschaftlichen Probleme mit der ForschungSmethode des Sozialismus zu durchleuchten haben. L. Ms Groß-öerlin. Kriegsfürsorge der Lanöesversicherungs- anstatt Serlin. Von der Landesverfichcrung geht unS die nachstehende Zuschrift zu: „In der heute stattgehabten Sitzung des AllSschusses der Landesversicherungsanstalt Berlin machte der Vorsitzende des Vorstandes, LandeSrat Dr. Freund. Mitteilungen über die bisherige Durchführung der Äriegssürsorge für arbeitslose Versichertc. Die Landesverficherungsanstalt Berlin nimmt sich vor allem der Familienväter und Familien- mütter an, während ledige Personen grundsätzlich der Fürsorge durch die Stadtgemeinde Berlin unterliegen. Bis jetzt sind rund 13 000 Anträge bei der Landesversicherungsanstalt angen. von denen der weitaus größte Teil mit über 0000 bewilligt wurde. Die zur Auszahlung kommende Untcrstützungssumme beträgt wöchentlich 50—60000 M. Die höchste FaiNilienunterstützung wurde mit mehr als 80 M. monatlich festgesetzt. Für die Auszahlung der Unterstützungen ist ein besonderes Lokal in der Schicklerstraße gemietet, welches täglich von 9—1 Uhr geöffnet ist. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, durch unwahre Angaben oder Verschweigung von Tatsachen die Unterstützung zu erlangen. Sind doch Fälle vorgekommen, wo dieselbe Person an verschiedenen Tagen bei derselben Unterstützungskommission den Antrag stellte. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß etwa 700 Personen, denen bereits Unterstützung bewilligt war. stet- willig auf dieselbe verzichteten, weil sie inzwischen Arbeit ge- funden hatten. Auf der andern Seite haben zahlreiche Per- sonen, denen Arbeitslosenunterstützung gewährt wird, die An- nähme von Arbeit nach außerhalb abgelehnt. Diesen Personen ist natürlich die Bescheinigung der Arbeitslosigkeit durch den Arbeitsnachweis versagt worden, so daß die Arbeitslosenunter- stützung in Wegfall kommt. Nachdem der erste Andrang zu der Arbeitslosenunterstützung vorüber ist, sind die Arbeiten jetzt so gefördert worden, daß über jeden Antrag am Tage des Eingangs desselben entschieden werden kann.' Zu dieser Zuschrift möchten wir bemerken, daß auch wir der Meinung sind, daß die Antragsteller geimssenhafte und' sachgemäße Angaben machen müssen. Das liegt im allge- meinen Interesse und erleichtert die Erledigung der Gesuche. Wenn aber die Prüfung stattgefunden hat, wie daS durch die eingesetzten Kommissionen geschieht, und die Anträge werden der Landesverfichcrung nach dieser Prüfung überwiesen, so müßte man doch meinen, daß alle Voraussetzungen für eine schnelle Erledigung im Sinne der Antragsteller gegeben sind. Das war um so mehr zu erwarten. als in diesen Prüfungskommissionen auch Vertrauens- Personen der Landesverfichcrung sitzen. ES herrscht jetzt in diesen Koinmissionen, die ihre Tätigkeit doch ehrenamtlich ausüben, ein großer Unwille über die Landesversicherungs- anstatt, der nur beseiftgt werden kann, wenn nach den Gesichts- Punkten verfahren wird, die der Vorsitzende der Landes- Versicherungsanstalt Dr. Freund in der ersten Sitzung des Vorstandes aufgestellt hat. Nicht darum handett eS sich. Personen Unterstützung zuzuwenden, die ihrer nicht bedürftig sind, sondern darum, der Bedürftigkeit schnelle und reichliche Hilfe zu gewähren. Gerade, wenn unser Voll in der jetzigen Zeit vor Unterernährung bewahrt wird, wird es nach dem Kriege um so eher in der Lage sein, mit allen Kräften wieder an die Arbeit gehen zu können lind die Wunden zu heilen, die ein Krieg dem Wirtschaftsleben schlägt. ES ist allseitig mit großer Freude begrüßt worden, daß auch die Landesversicherüng der Stadt Berlin einen Weg ge- funden hat, in der jetzigen Zeit mit ihren reichen Mitteln helfend einzugreifen. Möge dafür gesorgt werden, daß diese Hilfe auch eine wirksame werde. Die Dienstanweisung für die Gemeindeschulrekiore« ist von der Berliner Schuldeputation neu aufgestellt und so von dem Provinzial- Schulkollegium genehmigt worden. Einige» daraus dürste in weiteren Kreisen, vor allem bei den Eltern, die für ihre Kinder auf die Benutzung der Volksschule angewiesen sind, Be» achtung verdienen. An der Spitze steht al» 8 t die folgend« Zweckbestimmung unserer Volksschule: „Die Gemeindeschulen sollen lebendige Gottesfurcht und Vaterlandsliebe in die Herzen der Kinder pflanzen, den Sinn für das Gute, Edle und Wohlanständige in ihnen wecke»?, ihr« geistigen und leiblichen Kräfte entivickeln und ihnen die Kenntnifle und Fertigkeiten mitteilen, die jedem gesunden Gliede unsere» BoUe» unentbehrlich sind.' Bei der Ueberwachung der Regelmäßigkeit des Schulbesuch« und der Behandlung etwaiger Schulversäumnisse soll»ach§ 10 der Rektor so verfahren: „Der Rektor wird vor Anwendung strengerer Maßregeln durch ernste, aber freundliche Ermahnung und Belehrung der Eltern und Erzieher über den Schaden, den sie den Kindern durch Femhalten von? Unterlicht zufügen, dahin zu wirken suchen, daß unextsthul» digte Schulversäumnisse, soweit irgend möglich, vermieden werden. Bleiben seine Erinnerungen und Vorstellungen fruchtlos, so ist alsbald die Strafverfolgung auf dem vorgeichriebenm Weg« ein» zuleiten.' Zur S ch u l z u ch t sagt§ 14: .Die Strafe de« Nachbleiben« darf nur unter Aufficht eine« Lehrers und nach vorhergegangel?er Benachrichtigung der Eltern flailfinden Der Rektor muß dahin wirken, daß die tvegen körper» licher Züchtigungen ergangenen Ministerialerlaffe vom 3. April 1888, vom 22. Okiober 1883 und 19. Januar 1900 genau befolgt werden.' Der Ministerialerlaß vom 3. April 1888 hob ftühere Regierung«- versügungen auf. die dem Züchtig ungtrecht hinsichtlich Art oder Maß der Ausübung engere Grenzen zogen, als die Gesetze e» tun. Er mahnte aber zu rechtem Gebrauch der gewährten Freiheit und droht« für Mißgriffe strenge disziplinarisch« Ahndung an. D-x . Eine wohltätige Stiftung ist in Neukölln auf Anregung Minifterialerlaß bom 19. Januar 1900 erinnerte, daß Ueberschreitung| so ist das verständlich. Wenn aber überhaupt jede heitere oder Für die Angestellten 60-120 m. und für die Arbeiter bis 30 M. oder unangemessene Anwendung des Züchtigungsrechts nicht auf humoristische Darbietung, jedwede harmlose Komit, alle pro Monat. milde Beurteilung zu rechnen hätten. Er sprach die Erwartung aus, Tanzproduktionen ohne Unterschied einfach untersagt werden, so daß alle mit der Schulaufsicht oder Schulleitung betrauten Personen glauben wir, daß derartige Maßnahmen trok des Ernstes der Zeit mehrerer Neuköllner Bürger gegründet worden. Aus der Stiftung zu weit gehen. Wir glauben auch nicht unpatriotisch zu sein, auf maßvolle Handhabung des nur für Ausnahmefälle beſtimmten wenn wir annehmen, daß das Verlangen mancher Behörde, die sollen Witwen und Waisen gefallener Krieger, die zur Zeit des Züchtigungsrechtes ihr stetes Augenmerk richten und jedem Mißbrauch Veranstaltungen müßten einen durchweg patriotischen Charakter Feldzuges in Neukölln ansässig waren, unterstützt werden, solange tragen, um die Billigung des Zensors zu finden, nicht nur zu fie in Neukölln wohnen bleiben. Wohlhabende Bürger haben für unnötigen Härten führt, sondern auch keineswegs die beabsichtigte diese Stiftung schon große Summen gezeichnet. Wirkung erzielt, die vaterländische Gesinnung zu fördern. unnachsichtlich entgegentreten würden. Auch auf das Verhalten der Kinder außerhalb der Schule foll nach§ 15 der Rektor„ im Interesse der guten Sitte und des öffentlichen Wohles" einzuwirken suchen, durch Ermahnungen und bei Uebertretung durch Strafe. Zu den ernsteren Verfehlungen wird gesagt: § 16: Wenn Kinder wegen Vergehen oder Verbrechen nicht strafrechtlich verfolgt werden, so bewirkt der Rektor auf Anordnung des Kreisschulinspektors die Bestrafung im Wege der Schulzucht und hat die Schuldeputation hiervon in Kenntnis zu setzen. Falls weitere Maßnahmen der Fürsorge in Frage kommen, hat er auf dem vorgeschriebenen Dienstwege bei der Schuldeputation entsprechende Anträge zu stellen." Vom Verhältnis zwischen Schule und Haus handelt Bei Beschwerden der Eltern über einen Lehrer ermittelt der Rektor den Sachverhalt unter Wahrung des dem Lehrer gebührenden Ansehens und erstrebt die gütliche Beilegung der Sache. Sind seine Bemühungen ohne Erfolg, so übergibt er die Beschwerde dem Kreisschulinspektor zur weiteren Veranlassung. Wenn ein Lehrer von Angehörigen eines Schulkindes beleidigt ist, so stellt der Rektor den Tatbestand fest; fann die Sache durch Verhandlung mit dem Beteiligten nicht erledigt werden, so ist der Schul deputation Anzeige zu erstatten." Möchten bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Schule und Haus alle Beteiligten nach Kräften dafür sorgen, daß dieser Wunsch ist im Vorwärts" oft genug ausgesprochen worden nicht Staatsanwalt und Strafrichter das letzte Wort haben! Berlins Versorgung auf dem Wafferwege. Auf den märkischen Wasserstraßen dürfen nur Schiffe verfehren, die nicht über 65 Meter lang und nicht über 8 Meter breit sind. Vor einiger Zeit traf in Rathenow ein Dampfer ein, der 8,55 Meter breit war. Er hatte 180 Schweine und 15 Kälber für Berlin an Bard. Ausnahmsweise wurde diesem Schiffe mit Rücksicht auf seine Ladung die Weiterfahrt nach der Reichshauptstadt gestattet, jedoch nur auf eigene Gefahr für Schiff und Ladung. Für die Zukunft sollen aber solche Fahrzeuge nicht mehr zugelassen werden, um die Gefahr einer Verstopfung von der wichtigen Havelwasserstraße fernzuhalten. Konfektions- Notarbeit. Die vom Ausschuß für Konfektions- Notarbeit am 9. v. Mts. in der Rosenstr. 9/13 eröffnete Arbeitsausgabestelle hat nach ihrem ersten Monatsbericht bisher bereits 2200 infolge des Kriegs arbeitslos gewordene Konfektionsarbeiterinnen als ständige Arbeiterinnen einstellen können. An diese sind in dem abgelaufenen vierwöchigen Zeitraum bereits über 55 000 M. an Löhnen gezahlt worden, die den am meisten Bedürftigen zugute gekommen sind, da der Ausschuß solchen Arbeiterinnen Beschäftigung gewährt, die nicht schon infolge der Einberufung des Mannes zur Fahne, aus Mitteln des Reichs und der Gemeinden Kriegsunterstützung beziehen. In der vom Ausschuß am 26. v. M. in der Stralaur Str. 3/6 eröffneten Ausgabestelle für Hand striderei von Strümpfen erhalten ferner bereits mehr als 800 bedürftige Frauen und Mädchen ständige Beschäftigung mit dem Stricken von Strümpfen, Bulswärmern und Leibbinden zu angemessenen Löhnen. In beiden Stellen hat außerdem eine größere Bahl infolge des Krieges arbeitslos gewordener kaufmännischer und gewerblicher Angestellter regelmäßige Beschäftigung gefunden. Der Ausschuß beabsichtigt, sobald der infolge des Strieges erschwerte Bezug der Rohstoffe dies gestattet und durch regelmäßigen Eingang der erheblichen, bei der Industrie bestellten Warenmengen Gewähr dafür gegeben ist, daß die neu anzunehmenden Arbeitskräfte ständig beschäftigt werden fönnen, unter wesentlicher Vermehrung der Arbeiterzahl noch weitere Arbeitsausgabestellen einzurichten. Kriegsteilnehmer und Umzug. Das deutsche Volf erträgt mit einem Opfermut sondergleichen die Schwere der Zeit. Um aber die geistige Spannkraft und die Lebensfrische des Volkes mit allen Kräften zu erhalten, muß auch E muß möglich sein, auch andere Gedanken zu fassen als nur die Gelegenheit gegeben sein, die Spannung zu unterbrechen. mit dem Krieg zusammenhängenden, um das seelische Gleichgewicht seine heilsame Kraft und Wirkung ausüben kann. Es ist durchaus herzustellen.... Es muß auch Stunden geben, wo das Vergessen nicht unpatriotisch und gefühllos, sondern kann geradezu als ein Zeichen der Widerstandskraft und des Vertrauens unseres Voltes auf die Zukunft angesehen werden, daß es sich von niederdrückenden Stimmungen durch harmlose Zerstreuung, durch ablenkende Unterhaltung, durch heiteren Frohsinn von Zeit zu Zeit loszulösen bermag. Aus der Frauenbewegung. Die Frauen und die Parteiarbeit. Genossinnen! Sofort nach Ausbruch des Krieges hat der Parteivorstand in seinem Aufruf alle Barteimitglieder dringend ermahnt, der Organisation und der Parteipreffe die Treue zu bewahren. Diese Mahnung galt auch Euch, Geoffinnen! Ja, fie galt und gilt noch heute Euch in besonderem Maße. Ueberall hat der Strieg große Lücken in die Reihen unserer Organisationen geriffen. Lücken, die leider zum großen Teil nicht wieder gefüllt werden, weil viele der unsrigen den Tod auf dem Schlachtfelde erlitten haben und noch erleiden werden. Unter den uns Entrissenen sind auch fehr viele Funktionäre; deren Aufgaben mit zu bernehmen und nach besten Kräften zu erfüllen, ist jetzt Eure Ehrenpflicht. Aus diesen Gründen muß auch den Künsten harmlosen Frohfinns Raum gegeben werden; dem gesunden Humor, der frischen aufmunternden Seiterfeit, selbst der wißigen Grotesterie und der erzentrischen Komit muß ihre Berechtigung auch heute in ernster Beit zugestanden werden. Auch der Tanz, soweit es sich um Kunst tänze, Spizen-( Ballett-) tanz, Spiegeltänze, Lichttänge und dergl. handelt, gehört unseres Erachtens mit zu den Darbietungen, die selbst der heutigen Zeit trob ihren Ernstes Rechnung tragen. Aber auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus ist die völlige Unterbindung der Varietévorstellungen mehr als bedenklich. Nicht Da wird es an Bezirks- und Abteilungsleitern fehlen, an nur wird die Anzahl der Arbeitslosen durch die unbeschäftigten Kassierern und Hilfskassierern, an Personen, die die Einladungen Artisten, Musiker, technisches Personal, Kontrolleure, Kellner usw. zu den Sizungen und Versammlungen verbreiten und was es vermehrt und die Unternehmer mit ihren Unterpächtern, sowie die immer sonst für Aufgaben im Dienste der Organisation zu erHausbefizer, ebenso die Engagementsvermittler empfindlich ge- füllen gibt. schädigt, sondern auch die vielen kleinen und großen Industriezweige, die für die Bedürfnisse des Varietés arbeiten und produzieren, werden in Mitleidenschaft gezogen. nationalität ihres Berufes, schwerer getroffen als andere Berufe. Die deutsche Artistenschaft ist an sich, gerade infolge der Inter. Bunderte von Artisten sind fluchtartig unter Zurüdlassung ihrer Requisiten und Apparate und oft nicht einmal mit heiler Haut aus Feindesland zurückgekehrt und sind nun subsistenzlos und ohne Arbeitsgerät auf deutschem Boden. Aus diesen Erwägungen heraus bitten die Artisten, von außer. ordentlichen Maßnahmen soweit als irgend möglich abzusehen und Birkus- oder Varietévorstellungen, die sich im angemessenen Rahmen halten, einschließlich heiterer und Tanzdarbietungen nicht zu untersagen oder unmöglich zu machen. Aus der Dahme gelandet wurde Donnerstag in der Nähe des Sportdenkmals bei Grünau die Leiche einer unbekannten Frau von etwa 50 Jahren. Die Tote ist 1,55 Meter groß, hat ergrautes Haar und trug einen dunklen Rock, eine weißgestreifte Bluse und einen schwarzen Gürtel. Auf Geigen hat es ein Schwindler abgefehen, der in den legten Tagen an drei verschiedenen Stellen mit Erfolg aufgetreten ist. Er spricht Schüler an und bittet fie, ihm aus einem näher bezeichneten Haufe einen fleinen Koffer herunterzuholen. Wenn sich die Knaben weigern, so nimmt er ihnen furzerhand Geigenkasten und Notenmappe aus der Hand, sagt, sie sollen schnell machen, er würde solange warten und ihnen auch ein Trinkgeld geben. Eingeschüchtert kommen die Schüler auch seinem Verlangen nach, um nachher die Entdeckung zu machen, daß sie einem Schwindler ins Garn gegangen sind, der unterdessen mit der Geige verschwunden ist. Nachdem der Gauner anf diese Weise in Neukölln und in der Simplonstraße zwei gute Geigen nebst Kästen erbeutet hatte, fiel ihm gestern wieder in der Eckertstraße eine Bioline in die Hände. Der gefähr liche Schwindler, der sein Treiben noch weiter fortsetzen dürfte, wird eifrig von der Kriminalpolizei gesucht. Volkskunstabende. Der Verband der Freien Boltsbühnen veranstaltet heute, Sonnabend, den 10. Oftober, in Berlin in folgenden vier Schulsälen seine bekannten Voltstunstabende: 1. Klosterstraße 4, Gymnasium zum Grauen Klofter, 2. Pantstraße 19, Lessing- Gymnasium, 3. Dresdener Straße 113, Luisenstädtische Oberrealschule, 4. Pasteurstraße 44/46, Königstädtische Oberrealschule. Wo Beiträge nicht immer kassiert werden können, weil es den Mitgliedern an Mitteln fehlt, weil sie frank oder arbeitszu den Mitgliedern und zu den Frauen unserer im Felde los find, da gilt es, die wertvollen persönlichen Beziehungen stehenden Parteigenossen aufrecht zu erhalten, da gilt es, diesen Trost zuzusprechen, fie innerlich aufzurichten und ihren Blick hoffnungsfroh in die Zukunft zu lenken. Kurzum: Eine Fülle von Aufgaben harren Eurer. Die sozialistischen Ideale, die lebendig sind in unserem Hirn und Herzen, werden uns die Kraft geben, neben dem großen und wichtigen Pflichtenkreis, den uns die sozialen Hilfsaktionen allerorts auferlegen, unsere heiligen Aufgaben in der Parteiorganisation nicht zu vernachlässigen. Unsere treue Pflichterfüllung in schwerer Zeit wird in hohem Maße dazu beitragen, auch innerhalb unserer Drganifationen den Geist der Solidarität mach und lebendig zu erhalten. Und könnte es wohl einen schöneren Dank an unsere im Kampfe fürs Vaterland stehenden Genossen geben, als wenn sie bei ihrer Rückkehr ihre Organisation, die Waffe zur Verwirklichung der Ideale des Sozialismus, unversehrt wiederfinden? Deshalb Genofsinnen, tut allerorts Eure Pflicht! Luise Ziek. Gewerkschaftliches. Gewerkschaften und Militärbehörden. Den wirtschaftlichen Sorgen der Arbeiterschaft hat wohl nie jemand ferner gestanden als die Leute, denen mit Ausbruch des Krieges neben der Kommandogewalt auch die über das Wohl und Wehe der Bürger anvertraut wurde. So mancher tüchtige Offizier hat sicher die Klagen über die sich aus dem gegenseitigen Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern für die letteren ergebenden Nachteile für übertrieben oder gar für erfunden angesehen. Jetzt ist die Militärgewalt im öffentlichen Interesse genötigt, diesen Klagen nachzugehen, und da ergibt sich in ungezählten Fällen die Notwendigkeit, zugunsten der benachteiligten Arbeiter einzugreifen. Zum Sprachrohr für die einer Besserung ihrer Berhält< nisse bedürftige Arbeiterschaft hat sich wie in Friedenszeiten schon Kürzlich brachten wir die Mitteilung, daß die Angehörigen von Kriegsteilnehmern, die beim Umzug ihren Wohnsitz nach einer anderen Gemeinde verlegt haben, nur noch die staatliche KriegsIn den Vororten finden am Sonnabend, den 10. Oftober, auch in der Kriegszeit die Gewerkschaftsbewegung gemacht. Wo unterstützung erhalten, da sowohl die alte wie die neue Wohnsitzgemeinde sich weigere, den kommunalen Zuschlag von 100 Prozent ebenfalls vier Volkskunstabende statt, und zwar in Charlotten- es sich um Arbeiten handelt, welche militärischen Zweden dienen, weiter zu zahlen. An diese Mitteilung knüpften wir die Hoffnung. Realschule in der Boddinstraße: Tegel: Oberrealschule am Bahn- ist der früher kaum benkbare Fall eines Verkehrs zwischen Gewerkdaß es den Gemeinden die 100 Prozent Zuschlag zahlen, leicht hof; Schöneberg: in der Aula der Hoherzollern- Schule, Bel- schaftsleitungen und Militarbehörden vielfach beinahe zu etwas sein würde, über die fernere Fortzahlung eine Verständigung zu erziger Straße Ede Eisenacher Straße; Eintrittskarten find zu Natürlichem geworden. Aber auch mit anderen das Arbeitsverzielen. haben: in den Konsumläden Apostel- Paulus- Straße 40, Sedan hältnis betreffenden Beschwerden mußten die GewerkschaftsLeider hat sich unsere Hoffnung nicht erfüllt, denn wie wir straße 81, Restaurant Zettlig, Sedanstraße 60, Jürgens, Barbarossa- leitungen sich an die Kommandogewalt wenden. hören, sollen die Gemeinden es abgelehnt haben, den Zuschlag für straße 5a, Spedition, Martin- Luther- Straße 69, beim Genossen So schrieb der Bergarbeiterverband an den stellvertretenden Generalfommandeur des 7. Armeekorps: die Umgezogenen weiter zu zahlen. Ist das der Fall, dann besteht Herter, Grunewaldstraße 30 und beim Schuldiener. Der Eintrittspreis beträgt überall 10 Pf. Beginn 8 Uhr. nur noch die Hoffnung, daß das Generalfommando bei dem Bochum, 31. August 1914. ebenfalls darüber Beschwerde geführt wurde die Gemeinden an An Seine Exzellenz Herrn General der Kavallerie ihre Pflicht erinnert. Aber hier tut schnelle Hilfe not, um die Ein Kunstabend fand am Sonntag, den 4. Dktober, im GewerkFreiherr von Bissing, Frauen der Eingezogenen nicht ganz der Verzweiflung zu überlassen, schaftshause statt, der diesen Namen sehr zu Unrecht führte, wie stellvertretender Generalfommandeur des 7. Armeekorps denn es wird niemand behaupten wollen, daß eine Frau von einer einige zuschriften, die uns aus Leserkreisen augingen, zeigen. Die in Münster. Darbietungen der Mitwirkenden hatten in Wahrheit mit Kunst auch Leider sehen wir uns veranlaßt, Eurer Ergellenz einen ähn monatlichen Unterstügung von 9 M. leben könne. Und es dürfte nicht das geringste zu tun. Zum Teil standen sie auf einem so lichen Fall zu unterbreiten, wie er vor kurzem in der Militärauch sicherlich nicht die Kriegsfreude der kämpfenden Männer erniedrigen Riveau, daß sie eine starke Opposition im Bublifum her- werkstätte in Lippstadt vorkam, zu dem Eure Exzellenz in dan höhen, wenn sie erfahren, daß ihre Angehörigen hier Not leiden vorriefen. Wir wissen nicht, wer für die Veranstaltung verantwort fenswerter Weise durch öffentlichen Anschlag Stellung nahmen. müssen, weil sich die Gemeinden nicht verständigen können. lich ist, möchten jedoch hervorheben, daß sie nicht mit den vom Ver Das veranlaßt auch uns, mit dem nachfolgenden Fall uns ver bande der freien Voltsbühnen eingerichteten Bolts- trauensvoll an Eure Exzellenz mit der Bitte zu wenden, auch kunstabenden verwechselt werden darf. den gemaßregelten Bergleuten nach Möglichkeit helfen zu wollen. Die Lippische Bergberwaltung hat sich schon vor zwei Jahren an den streifenden Bergleuten dadurch schwer gerächt, daß fie Hunderte von ihnen aussperrte. Diese mußten Haus und Hof verlassen und meist nach Westfalen auswandern. Jest sollen nun zwar ein Teil dieser Ausgesperrten„ borläufig zur Arbeit angenommen, werden, aber ein Teil, jedenfalls diejenigen, welche Vertrauensleute ihrer Kameraden in unserem Verbande waren, sollen auch jetzt noch gemaßregelt und ausgesperrt bleiben. Die Verfügung der Lippischen Bergverwaltung lautet: " Fürstlich Schaumburg- Lippische Hoffammer. Ein Krieger Friedhof in Köpenick. Im Weichbilde der Stadt Köpenick soll ein neuer Friedhof errichtet werden, der ausschließlich Straßenunfälle. An der Spandauer Brücke versuchte der Radfür Kriegsteilnehmer bestimmt ist. Zwischen der Stadtverwaltung fahrer Heinrich Dehmel furz vor einem herannahenden Straßenund der Stadtkirchengemeinde schweben bereits Verhandlungen über bahnwagen der Linie 47 das Gleis zu freuzen. Er geriet dabei eine gemeinsame Beteiligung an der Verwirklichung des Planes. gegen einen aus entgegengesetter Richtung fommenden Wagen der Danach gibt die Stadt Köpenick einen ihr gehörigen Teil des Fried linie 5, wurde umgestoßen und geriet unter den Schußrahmen. hofgeländes an der Rudower Straße unentgeltlich her und die Der Verunglückte erlitt Quetschungen an der Brust, den Beinen und Kirchengemeinde verzichtet auf Gebühren. Der neue Friedhof soll Händen und wurde von der von Baffanten herbeigerufenen Feuerdazu dienen, daß verstorbenen Kriegern ein würdiges Begräbnis wehr nach dem Hedwigs- Strantenhause gebracht. Bur gleichen Beit 2 Uhr nachmittags zuteil wird. Die Köpenicker Stadtverordnetenversammlung wird sich ereignete fich ein Unfall in der Katzbachbereits in der nächsten Sizung mit einem entsprechenden Dringlich- straße. Dort wollte ein Herr Karl Kleiber einen Straßenbahnteitsantrage des Magistrats beschäftigen. wagen der Linie 43 während der Fahrt besteigen, tam zu Fall und trug Duetschungen an der Brust und am Rücken davon. Der Verunglüdte fand im Urban- Krankenbause Aufnahme. Eine VerkehrsIm Hinblick auf den Kriegszustand sind an verschiedenen störung trat in der ersten Nachmittagsstunde des Freitags im Norden Orten Deutschlands Verordnungen oder Verfügungen ergangen, ein. In der Müllerstraße war einem Wagen der Wirtschaftsgenoffendie den Betrieb von Spezialitätentheatern und ähnlichen Unter- fchaft die Achse gebrochen und das Gefährt sperrte das Gleis. nehmen völlig lahmlegen; auch werden manche dieser Verordnungen, während der halbstündigen Dauer der hierdurch verursachten Bedie lediglich verlangen, daß in Betrieben, die aus§ 33a fon- triebsstörung wurden die Wagen der Linien 22, 25, 26, 28, 29, 45, zeffioniert sind, die Darbietungen dem Ernste der Zeit Rechnung 68 und 168 durch die Egerzierstraße abgeleitet. tragen", häufig so interpretiert, daß den Unternehmern praktisch feine Möglichkeit bleibt, Vorstellungen überhaupt zu geben. Die Internationale Artiſtenloge sieht sich veranlaßt, folgendes darzuTegen: Das Varieté und die Artisten. Jugendveranstaltungen. Für die arbeitende Jugend Berlin- Süd findet morgen Es wird auch unserseits zugegeben, daß Varieté- und Birkus Sonntag, abends 6 Uhr, in der Arbeiter- Bildungsvorstellungen dem Ernste der Zeit Rechnung tragen müssen. Aber schule, Lindenstr. 3, IV. Hof III, ein geselliger Abend dieser Appell an das Tattgefühl der Unternehmer darf doch wohl statt. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind dazu nicht dazu führen, daß bei der gegenwärtigen Lage der an sich herzlich eingeladen. Eltern und Erwachsene sind willkommen. schwer geprüfte Artistenstand und die Unternehmer jeder Erwerbsmöglichkeit beraubt werden. Wenn heute an Indezenz grenzende Darbietungen, schlüpfrige Vorträge, zweideutige Couplets nicht geDie Firma: J. Neumann Zigarren- Fabriken, Johannisstr. 20/21, No. I. 3960. Büdeburg, den 18. August 1914. In Verfolg des gefälliger. Schreibens vom 10. b. m. teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß das Gesamtbergamt in Obern firchen Anweisung erhalten hat, bei der gegenwärtigen Lage, wo der politische Sader ruht und die Angehörigen jeder Partei bestrebt find, ihr Bestes einzusehen, um dem bedrängten Vaterlande zu helfen, die ausgesperrten Arbeiter nach Möglichkeit vorläufig zur Arbeit wieder anzunehmen, falls fie willens find, in Zukunft treu zum Werke zu stehen. Ausgeschlossen von dieser Vergünstigung sollen nur solche Arbeiter werden, welche sich früher durch eine besondere Agitation gegen das Werk hervorgetan haben und von denen anzunehmen ist, daß sie nach ihrer Einstellung von neuem den Frieben zwischen dem Wert und seiner Belegschaft stören würden. gez.: Freiherr v. Kappher. An Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Brunstermann in Stadthagen." Was der erste Teil gut macht, stößt der lettere nicht nur um, sondern schafft neue Verbitterung, weil nicht nur die Ver trauensleute erstens als hezerische Agitatoren hingestellt werden, jondern zweitens das„ treu zum Werke stehen" nur so zu ber stehen ist, daß die Arbeiter von ihrem gejeblich garantierten stattet werden, so muß das gebilligt werden. Wenn russische zahlt, wie uns nachträglich noch mitgeteilt wird, an die Angehörigen Tänze, französische Chansons, englische Sportakte verhoten werden, ihrer im Felde stehenden Angestellten und Arbeiter folgende Beträge: Organisationsrecht(§ 152 der Gewerbeordnung) keinen Gebrauch 277. 38. 3hrs Bezirks- Beilage des„ Vorwärts“ für Süden- Weften. Nr. Jahrg. dblatt Verluſtlisten. Die Verlust liste Nr. 46 der preußischen Armee ent hält Verluste folgender Truppen: Inf.- Brig. Nr. 43, Stab; Garde- Gren.- Reg. Augufta; 4. Bat. der Garde- Ers.- Brig.; Landw.- Inf.- Reg. Nr. 4; Ref.- Inf.- Regimenter Nr. 5, 18; Inf.- Regimenter Kr. 20, 22; Ref.- Inf.- Reg. Nr. 22; Landw.- Inf.- Regimenter Nr. 23, 25; Res.Inf.- Reg. Nr. 32; Füs.- Regimenter Nr. 36, 37, 38; Inf.- Reg. Nr. 43; Res.Inf. Reg. Nr. 48; Landw.- Inf.- Reg. Nr. 49; Inf.- Reg. Nr. 57; Brig.- Erf.Bat. Nr. 58; Ref.- Inf.- Reg. Nr. 59; Inf.- Reg. Nr. 71; Ref.- Inf.Reg. Nr. 72; Brig.- Ers.- Bat. Nr 78; Res.- Inf.- Reg. Nr. 81; Brig.Grf.- Bat. Nr. 84; Res.- Inf. Reg. Nr. 88; Gren.- Reg. Nr. 89; Inf.- Reg. Nr. 95; Res.- Inf.- Reg. Nr. 98; Inf.- Regimenter Nr. 116, 129, 130, 144, 145, 152, 172; Inf.- Reg. v. Rath; Jäger- Bat. Nr. 8; Garde- Maschinengewehr- Abt. Nr. 2. 2. Garde- Drag.- Reg.; Drag.- Regimenter Nr. 6, 12; Leib- Drag. Reg. Nr. 24; Leib- Hus.- Reg. Nr. 1; Res.- Hus.- Reg. Nr. 2; Ulanen Regimenter Nr. 12, 16; Jäger- Reg. zu Pferde Nr. 4.. 13. Feldart.- Brig.- Stab; 1. und 2. Garde- Feldart.- Reg.; Felbart.- Regimenter Nr. 5, 6, 15, 22, 37, 42, 46, 54, 61, 80, 81, 83. Fußart.- Regimenter Nr. 4, 8; Res- Fußart.- Regimenter Nr. 8, 9, 14, 16; Fußart.- Reg. Nr. 20. Bion. Bat. Nr. 1; 1. Pion.- Bat. Nr. 16; Erf.- Pion.- Bat. Nr. 19; Pion.- Bat. Nr. 30. 3. Inf.- Munitionstolonne des 7. Armeekorps. Feldlazarett Nr. 7. des 9. Armeekorps. Die Verlustliste Nr. 22 der bayerischen, Armee enthält Verluste des 19. Infanterie- Regiments und des Reserve- InfanterieRegiments Nr. 6. Die Verluftliste Nr. 25 der sächsischen Armee bringt Berlufte der Infanterie- Regimenter Str. 139, 177, 179. Jugendveranstaltungen. ( Teilnahme an der Jahresfeier der arbeitenden Jugend.) Treffpunkt vor Brit Budow. Eonntag, den 11. Oftober, Ausflug nach Lantmiz. mittags 9 Uhr vor den Idealbauten. Nachzügler treffen sich um 1 Uhr vor dem Rathaus.. Die Teilnehmer des Skizzierausfluges treffen sich ebenfalls vormittags 9 Uhr vor den dealbauten. Freitag, den 16. Oktober, Zusammenkunft im Lokal von Beder. Eingegangene Druckschriften. Ferien des Lebens. Automobilfahrten von E. Sober. 3 M., geb. 4 M. Betrachtungen zur Franenfrage bon Grete Meisel eg. 3,50.. geb. 4,50 M. Brometheus Berlagsgesellschaft, Berlin W. 30. Das Mietsverhältnis im Kriege von G. Haberland. 24 G. A., Unger. Berlin C. 2. Die Welt der höheren Erkenntnis und der Ueberzeugung von A. Ginram. 184 S. Selbstverlag, Hamburg, Papendamm 18. Der deutsche Krieg. 3. Heft. 50 Pf. Herausgegeben von E. Jadh, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart- Berlin. f Das junge Deutschland und der große Krieg. Von B. Bonfels. 1 M. B. Schmidfunz, München- Wien. Neueste Erfahrungen und Erfindungen. 11. Heft. Herausgegeben von Dr. L. Vanino. 70 Pf. A. Hartleben, Wien 1. 10. Oktober 1914. Wachtfeuer. Künstlerblätter zum Kriege 1914. Böchentlich ein Heft Der Zirkel, Berlin, Wilhelmftr. 48. 20 Bf. Der Weltkrieg 1914. Bon E. F. Maltowsky. Heft 3 bis 6. Seit 10 Pf. Reutlingen, Enzlin u. Laiblin. Kriegs Chronit 1914. Nr. 1/2. Erscheint wöchentlich. 35 Pf.H. Sternfeld, Leipzig. Ruffische Expansionspolitik. 1774-1914. Bon- Dr. F. Quadflieg. 4 M. F. Dammler, Berlin W 30. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen- Direktion über Freitag, den 9. Oktober. Fleisch: Rindfleisch ber 50 kg. Defen den Großhandel in den Zentral- Marithalten.( Dhne Berbindlichkeit.) fleisch Ia 80-89, do. Ila 75-78, bo. IIIa 62-73; Bullenfleisch la 77-82, bo. IIa, 67-75; Stübe, fett 65-70, bo. mager 60-65, Freffers 65-73, bo. holl. 55-63, Bullen, bán. 58-66. Kalbfleisch: Doppellender 115-125; Mastfälber Ia 85-90, bo. IIa 65-84; Stalber ger. gen. Hammelfleisch: Mafilämmer 85-88; Hammel Ia 80-84, bo. Ila 77-80; Safe 74-85. Schweinefleisch 68-75, Gemüse, inländisches: Kartoffeln, Daberiche 50 kg 3,50-4,00; weiße Kaifertronen 3.50-4,00; Magnum bonum 3,50-4,00; Borree, Schoo 0,60-0,80; Sellerie Schod 3-6,00; Spinat 50 kg 8,00-10,00 Mohrrüben 2,25-2,50; Bohnen 50 kg 15,00-25,00; Bachsbohnen 50 kg 15,00-20,00; Stohlrabi Sod 0,60-1.00; Wirsingtohl Schod 4,00-8,00; Birsinglobl 50 kg 3,00-3,50; Weiglohl Schod 3,00-7,00, Beißfobl 50 kg 1,76-2,25; Roftobi, Shod 4,00-8,00; Rotfobl 50 kg 2,50 bis 4,00; Hohlrüben 50 kg 3,00-5,00; Teltower Rüben 50 kg 5-12; Blumento bl, Erfurter, St. 6,00-18,00, Rosen tobl 50 kg 22-25, Meerrettich Shod 5,00-12.00, Petersilien wurzel Schodbund 1,00-3,00; Radieschen Schodbund 0,70-1,00; Salat Schod 2,00-3,00; 3wiebeln, 50 kg 6,00-7,00; Tomaten 50 kg 7,00-10,00; Biefferlinge 50 kg 20,00-30,00; Champignons 50 kg 25,00-40,00; Gurken, Schod 1,25-2,50; Senfgurten, Schod 7,00-10,00; Einlegegurlen, Schod 0,60-1,50. Kürbis 50 kg 2,00-3,00. 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Sie taten doch nur, was alle Bürger sonst für sich in Anspruch nehmen: sie organi- sierten sich, schloffen sich unserem Verbände an und machten, als ihnen ihr geringer Lohn nicht entsprechend den Löhnen anderer Bergreviere erhöht wurde, von ihrem gesetzlich gewährleisteten Streikrecht Gebrauch. Dafür sollten sie nicht geächtet werden, wenigstens solltap sie jetzt bei dieser ernsten Zeit durch Rück- nähme all der Maßregelungen wieder als gleichberechtigt an- erkannt werden, wie das Se. Majestät der Kaiser in seiner be- kannten Ansprache vom Schloß in Berlin ausdrücklich ge- wünscht hat. Um eine geneigte Berücksichtigung dieser unserer Eingabe bittend, zeichnet Verband der Bergarbeiter Deutschlands. H. Dachse, Vorsitzender, Mitglied des Reichstags. Darauf erhielt der Verband folgende Antwort: VlI. Armeekorps. Stellvertr. Generalkommando. Abt. I. d. Nr. 5763. Münster, den 16. September 1914. An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Bochum. Unter Bezugnahme auf Ihre Eingabe vom 31. 8. 1914 teile ich Ihnen hierdurch ergcbenst mit, daß die Fürstlich Schaumburg. Lippische Hofkammer auf meine Veranlassung hin verfügt hat, daß sämtliche seinerzeit au» Anlaß des Streiks ausgesperrten Bergarbeiter, soweit sie sich zur Arbeit melden und Platz für sie vorhanden ist, wieder eingestellt werden. Der Kommandierende General. gez. Frhr. v. B i s s i n g, General der Kavallerie. Verlln unS Umgegend. Die Lage der Hutmacher wurde in der am Donnerstag abge- haltenen Versammlung der Filiale Berlin deS HutmacherverbandeS folgendermaßen dargestellt. Nach dem Ausbruch des Krieges trat eine so starke GeschästSswckung ein, daß die Zahl der Arbeits- losen in der ersten KriegSwoche 609 betrug und bis zur dritten Woche auf 817 stieg. Dann trat der Verband mit den Unter- nehmern in Verhandlung, um nach Möglichkeit Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Die Betriebe nahmen ihre Tätigkeit wieder auf, in- folgedessen ging die Zahl der Arbeitslosen nach und nach zurück. Gegenwärtig sind noch 239 Arbeitslose(139 männliche und 199 weibliche) vorhanden. Die Arbeitslosen gehören meistens der Seidenhutbranch« an. Die Betriebe dieser Branche sind wegen Mangel an Arbeit gänzlich geschlossen. So wie in Berlin ist die Lage in ganz Teutschland.— Anfangs zahlte der Verband die statutenmäßigen Sätze der Arbeitslosenunterstützung. Später wurden dieselben herabgesetzt, um eine längere Dauer der Unter- stützung zu ermöglichen, so daß jedes Mitglied, wenn auch nach längerer als der im Statut vorgesehenen Zeit, die Gesamtsumme der statutenmäßigen Unterstützung erhalten kann. Dadurch wird also der Zeitpunkt der Aussteuerung hinausgeschoben. Im ganzen Reich« hat der Verband hereit» 199 999 M. Unterstützung aus- gezahlt. Die Miigliederzabl ist in Berlin von 1196 auf 1943 zurückgegangen. 78 von den Berliner Mitgliedern stehen beim Militär. Eine Reihe von Unternehmern haben die Arbeitslosigkeit be- nutzt, um die Löhne zu kürzen. Eine Firma, die für ihre Ware nicht einen Pfennig weniger bekommt al« früher, hat den Wochen- 'lohn nach Ausbruch des Kriege» um 5 M. herabgesetzt. Später, «IS die Arbeiter dieser Firma wieder voll beschäftigt wurden. beantragten sie. ihnen wieder den vollen Lohn zu zahlen. Darauf antwortete die Firma, die Arbeiter sollten sick sckämen, in dieser Zeit den vollen Lohn zu verlangen. Die Arbeiter sind der ent- gegengesetzten Meinung. Eine kürzlich ahgehaltene Konferenz von Vertretern der größten Filialen de» Verbandes hat beschlossen, daß die Unter- stützungen in der bisherigen Weise weitergezahlt werden. Trotz der immer noch starken Arbeitslosigkeit können die Unterstützungen noch auf Monate hinaus gewährt werden, so daß jeder Arbeit»- lose die statutenmäßige Gesamtsumme der Unterstützung erhält.— Die Kassenstunden in den Betrieben, die in der Zeit der größten Arbeitslosigkeit aufgehoben waren, sind jetzt wieder eingeführt. deutsche» Neich- Der Bauarbeiterverband ist kein politischer Berein. Al» der Zweigverein Deutsch-Rasselwitz de? Deutschen Bau- arbeiterverbande» im Sommer ein Vergnügen veranstalten wollte, versagte die Polizeibehörde die Genehmigung, weil e» sich um ein „öffentliches" Vergnügen handele. Al» darauf ein geschlossene» VereinSvergnügen angemeldet wurde, erhielt der Zweiaverein eine Verfügung des AmtSvorsteherS. wonach er gar kein Verein sein gllte, während der„Maurcrverband"(gemeint war der Deutsche auarbeiterverband. Sitz Hamburg) zweifellos ein politischer Ver- «in sei. �n der Verfügung hieß eS: „Sie geben in Ihrer Zuschrift an, daß„unser Verein kein politischer Verein, sondern ein gewerkschaftlicher Verband" sei. Daraus geht hervor, daß die von Ihnen vertretene Verbindung überhaupt kein Verein ist. Nach dem Inhalt de» neuen Reichs- Vereinsgesetzes glaubt mancher nichtpolitische Verein, der Polizei- behörde die Befugnis abstreiten zu können, die Einreichung der Satzung zu verlangen. Jedoch mit Unrecht. Wohl ver- pflichtet das neue Gesetz zur Einrcichung der Satzung nur solche Vereine, die eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecken. Aber trotzdem kann heute die Polizeibehörde aus Grund landesrechtlicher Vorschriften immer noch die Einreichung der Satzung von nichtpolitischen Vereinen fordern, selbst von reinen Geselligkeit»- und Vergnügungsvereinen. Das von Ihnen überreichte Statut und Streikreglement ist für den Deutschen Bauarbeiterverband gültig. Als Satzung für einen Zweigverein Deutsch-Rasselwitz ist das Statut aber nicht anzusehen.' Diese» Statut gilt für den Zentralverband der deutschen Maurer; dieser ist zweifellos eine Vereinigung zur Einwirkung auf staatliche Einrichtungen, also ein politischer Verein; denn da» Gegenteil ist aus dem Vcrbandsstatut nicht ersichtlich. Die in der nament- licken Liste verzeichneten Personen sind offenbar nur Mitglieder des Deutschen Bauarbeiterverbandes; daß Sie unter sich noch einen selbständigen Verein in Deutsch-Rasselwitz bilden, ist weder behauptet noch bewiesen." Gegen diese Verfügung legte der Vorsitzende des Rasselwitzer Zweigverein» Beschwerde bei den höheren Instanzen ein. In« zwischen kam nun der Krieg, der auch eine andere Taktik in der Behandlung der Gewerkschaften durch die Behörden mit sich brachte. Schon am 12. August erhielt der Zweigvereinsvorsitzende auf dem Bureau der Ortsbehörde den von oben kommenden Bescheid, daß weder der Deutsche Bouarbeiterverband noch sein Zweigvcrein Deutsch-Rasselwitz ein politischer Verein sei. Der Vorsitzende hat darauf seine Beschwerde zurückgezogen. Die Pariser Fiuauze». Pari», 8. Oktober.(89. T. B.) Dem.TempS' zufolge find drei Pariser Stadträte in Bordeaux eingetroffen zweck» Beratung mit den Ministern wegen de« riesigen Ausfall» in den Pariser Finanzen. Die Arbeitslosigkeit verursachte Ausgaben in Höhe von neunMillionen Frank monatlich, überdies wurden drei Millionen verausgabt für Frauen und Kinder Eingezogene», bevor der Staat eingriff. Seit August gingen zum Beispiel die Erträge au» Verbrauchssteuern und Ottroi um fast 69 Proz. zurück. Daher droht ein großes Defizit In der Sitzung der Pariser Handeiskammer mst Vertretern von acht großen Syndikaten wurden Transport- und Verkehr«- schwierigkeiten besprochen, besonder» im Postdienst, und ein- mutig scharf kritisiert. Man sprach sich dahin au», daß die ArbeitSmöglichkeiten vermehrt werden müßten, be- sonder» für Gebrauchsgegenstände, wie Schuhwerk, Winterkleidung, Hemden, Strumpswaren usw. Hinsichtlich der bisher größtenteils au» Deutschland kommenden pharmazeutischen Präparate wurde empfohlen, das Publikum aus die gleichen französischen und belgischen Artikel hinzuweisen, jedoch nicht zu Mitteln zu greifen, wie England bei deutschen Patenten. Die Steigerung der Fleischpreise. Wenn auch die Preishausse des Monats August im September sich nicht mehr in gleich stürmischer Weise fortsetzte wie im ersten KriegSmonat, so brachte der September doch noch erhebliche, den Konsum weiter belastende Preiserhöhungen für Fleisch. �Allerdings machen sich die Preissteigerungen örtlich und nach den Fleischarten sehr verschieden geltend. Das geht soweit, daß in größeren Plätzen die verschiedenen Gegenden oft ganz abweichende Bewegungen der Fleischpreise aufweisen. Ein typisches Beispiel hierfür ist Berlin. Hier sind von Juli bis September die Fleischpreise im Osten und Zentrum der Stadt, dann aber auch noch im Norden am stärksten gestiegen, weniger stark im Süden, noch weniger im Nordwesten und Südwesten. Im Westen dagegen ergibt sich für die gleichen Notie- rungen sogar ein Minus gegenüber Juli. Wenn auch bei dieser Gelegenheit auf die Unzulänglichkeit aller PreiSnoticrungen, auch der amtlichen, auf denen unsere Vergleiche beruhen, hingewiesen werden muß, so ist doch aus ihnen soviel zu schließen, daß i n Gegenden mit starker A r b e i t e r b e v ö I ke r u ng die Preise für die vielbegehrten Fleischsorten weit stärker ge- stiegen sind als in Gegenden, wo die an sich teureren Fleisch- sorten mehr gekauft werden. Im allgemeinen gehört Berlin zu den Städten, in denen die Fleischpreise seit Juli sehr erheblich ange- zogen haben. An der Spitze steht fretlich Königsberg, wo die Verteuerung gegen Juli ganz außergewöhnlich ist. Selbst Kalb- fleisch, das meist billiger geworden ist, hat hier ein« scharfe Preis- steigerung erfahren. Sehr stark verteuert hat sich Fleisch auch in Posen. Ueberhaupt kann man beobachten, daß in den Städten des Osten» die Verteuerung am stärksten gewesen ist. während in Mitteldeutschland und im Westen vielfach die Preissteigerung ge- ring, teilweise sogar eine Verbilligung gegenüber-Juli«ingetreten ist. Eine Verbilligung weisen z. B. die Plätze Hannover, Dortmund und Essen auf. Auch Aachen zeigt geringer« Preise an, wobei freilich zu berücksichtigen ist. daß dort im Juli die Preise bereits sehr stark hinaufgegangen waren. Absolut standen auch im September die Preise noch immer sehr hoch. Was nun die Bewegung der Preise für die verschiedenen Fleischgaitungen betrifft, so tritt deutlich auf der einen Seite eine ziemlich allgemeine Verbilligung von Kalbfleisch; auf der anderen«ine Verteuerung von Rind- und Schweinefleisch zutage. Sehr stark und fast ohne Ausnahme sind die Preis« für Schweineschmalz und Schweine- s pe ck in die Höhe gegangen. Im Gegensatz zu der Bewegung der Fleischpreffe in Friedcnszeisen zeigt, sich gegenwärtig eine größere Selbständigkeit der einzelnen Markt- gebiete, in denen die Preisbewegung weit unabhängiger von der in benachbarten oder gar weiter entlegenen Gebieten erfolgt, al» e« früher der Fall gewesen ist. Die Belastung de» Konsum« durch die hohen Fleischpreis« ist' bereits jetzt so stark, daß breit« Schichten der ärmeren Bevölkerung ihren Verbrauch schon merklich « i n s ch r ä n k e n m ü s s e n. Soziales. /jus Industrie und Handel. Aufhebung der Getreidezölle i« Oesterreich-Uuguru. Wie«, 8. Oktober.(89. T. ffl.) Die Amtsblätter werden morgen st, Wien und Budapest Verordnungen betteffend die zeitweise Außerkraftsetzung der Zölle für Getreide. Hülsen- früchte, Mehl und Mehlprodukt« veröffentlichen. Die ver- »rdnungen treten sofort in Kraft. Gehaltskürzungen eine» Militirlieferante«. Mit einer interessanten ZeugniSklage hatte sich gestern die 5. Kammer deS Berliner Kaufmannsgenchts zu befassen. Vier weibliche Angestellte des Fabrikanten Fritz Wagner klagten gegen diesen auf Ausstellung eines anderen Zeugnisses. Sie nahmen sämtlich an einem bei allen gleichlautenden Passus im Zeugnis Anstoß, in dem es heißt:„Ihre Kündigung ersolgte, weil sie sich weigerte, die Erklärung abzugeben, daß sie an einem an�ha» Geschäft gerichteten anonymen Schreiben unbeteiligt ge> Wesen sei." In der Verhandlung machte der Beklagte dazu folgende Ausführungen: Nach Ausbruch des Krieges hatte er die Absicht, da? ganze Personal durchzuhalten. Um das durchführen zu können, wollte er eine allzemeinc Gehaltskürzung von zehn Prozent vor- nehmen. Auf eine dahingehende Rundfrage stellte das Personal die Gegenfrage, in welcher Höhe die Abzüge gemocht werde«' sollten. Inzwischen lief auch da» den Anlaß zu den Prozessen gebende anonyme Schreiben ein, welches da» Vorhaben de» Fabrikanten in wenig schmeichelhafter Form charakterisierte. ES legte dem Be- klagten nahe, daß er als Militärlieserant besonder» Veranlassung Bütte, die vollen Gehälter � zu zahlen. Dem ganzen Inhalt de» Schriftstücks nach mutzte der anonyme Briefschrciber unter den Angestellten zu suchen sein. Der Beklagte wandte sich nun nicht etwa an das Personal direkt, sondern er ließ ein Rundschreiben folgenden Inhalts an sämtliche Angestellten ergehen. Jeder An- gestellte solle ihm eine eidesstattliche Versicherung de» Inhalts ab- geben, daß er weder direkt noch indirekt an dem anonymen Brief beteiligt sei, noch daß er die Informationen dazu gegeben habe. Während die Mehrzahl der Gehilfinnen die gewünschte eidesstattliche Versicherung abgaben, weigerten sich die vier Klägerinnen. Sie wurden deshalb unter Auszahlung des vollen Gehaltes sofort entlassen. Zu dem wahrheitsgemäßen Vermerk im Zeugnis hielt sich der Beklagte für berechtigt. Die Klägerinnen, dagegen erklären übereinstimmend, daß sie an dem betreffenden Schreiben völlig unbeteiligt seien und sich gänzlich schuldlos fühlten. Sie wollten sich über mittag nur. erst erkundigen, ob sie zur Abgabe einer der- artigen Erklärung verpflichtet sind. Sie seien durch den Vermerk im Zeugnis über alle Maßen geschädigt, denn kein Chef wolle sie auf ein derartiges Zeugnis hin engagieren. Der Vorsitzende, Mazistratöassessir Dr. Henschel, machte den Beklagten darauf aufmerksam, daß der KündigungSgrund nicht ins Zeugnis gehöre, und daß auch andererseits der Prinzipal vom Angestellten keine eidesstattliche Versicherung verlangen könne. Ein derartige? Verlangen fei sogar im vorliegenden Falle eine kränkend« Zumutung. Denn der Angestellte werde dadurch indirekt einer un- ehrenhaften Handlung verdächtigt. Dies« Verdächtigung liege auch erneut in der betreffenden Wendung im Zeugnis, so daß den Klage- rinnen wohl zu glauben sei, sie bekämen aus die? Zeugnis hin keine neue Stellung. Die Parteien unterwarfen sich daraufhin folgendem Tchieds- fyruch: Die Klägerinnen geben dem Beklagten nicht«ine eideS- stattliche Versicherung, sondern die einfache Erklärung ab, daß sie mit dem anonymen Schreiben in keiner Verbindung stehen. Der Beklagte stellt seinerseits den Klägerinnen neue Zeugniff«»ii»/i» denen der beanstandete Zusatz fortgelassen ist. Gerichtszeitung. Gewerkschaftsbeitritt und Erpressung. .. Seit Jahrzehnten ist von den Vertretern der Sozialdemo- kratie im Reichstag darauf hingewiesen, daß die Praxis des Reichsgerichts, in der Androhung einer Arbeitsnieder- legung für den Fall der Nichtgewährung bestimmter Arbeits- bedingungen eine Erpressung zu sehen, dem Rechts- gefühl und auch dem Gesetz widerspricht. Tatsächlich führt eine solche Praxis dazu, ohne Vergleichsver. Handlungen von dem Recht des Streiks Gebrauch zu machen. Die Vertreter bürgerlicher Parteien und schlleßuch die Regierung anerkannten das Berechtigte der gegen diese Praxis geltend gemachten Bedenken. In der Literatur geschah das gleiche. Auch im Ausland war mgn über die geschilderte Praxis erstaunt. Die Motive zum norwegischen Strafgesetz- buch erklärten die Praxis des Reichsgerichts für ungeheuer- lich. Tie Regierung legte dann dem Reichstag einen Gesetz- entwurf vor, der den erhobenen Klagen Rechnung tragen sollte. Der Entwurf gelangte nicht zur Verabschiedung, weil seine Fassung völlig unzulänglich war und die Regierung einer einwandfreien Fassung nicht zustimmte. Wie notwendig eine gesetzgeberische Aktion auf diesem Gebiete ist, zeigte eine am Donnerstag vor dem Ersten Strafsenat verhandelte Straf- fache. In dieser anerkannte zwar das Reichsgericht, daß dem Landgericht ein Verständnis für die Berechtigung geWerk- schoftlicher Organisationen zu fehlen scheine, verwarf aber dennoch die Revision aus dem formellen Grunde, daß die „tatsächliche Feststellung" für das Reichsgericht unangreifbar sei.— ES handelte sich um ein Urteil deS Landgerichts Traunstein vom 7. April, durch welches der Zimmermann Schmid, der Tagelöhner Huber und der Bauhilfsarbeiter Formann wegen versuchter Er- Pressung zu je 19 Tagen Gefängnis verurteilt worden sind. Im Sommer 1913 wurde in Traunstein der Neubau eines Kranken- hauseS errichtet. Die Angeklagten waren hierbei tätig und suchten als treue Anhänger ihren gewerkschaftlichen Orgamsationen die Nichtorganisierten Kollegen zum Beitritt zu diesen Organisationen zu veranlassen. Da» Landgericht hat nun festgestellt, daß die An- geklagten bei ihren Werbeversuchen verschiedene Drohungen an- gewendet haben; z. B.:„Wir lassen Dich nicht auf den Bau, Du kriegst sonst keine Ruhe." Das Landgericht hat ferne- ange- nomine«, daß der Vermögensvorteil, den die Angeklagten den be- treffenden Verbänden in Form von Mitgliedsbeiträgen verschaffer» wollten, ein rechtswidriger gewesen sein würde, da diesen Verbänden ein rechtlicher Anspruch auf solche Beiträge nicht zustehe. Deshalb wurde der Tatbestand der versuchten Erpressung für festgestellt erachtet. Die Revision der Angeklagte« wurde vom Reichsgericht mit folgender Begründung verworfen: Wenn das Landgericht ange- nommen hat, daß die Angeklagten den fraglichen Arbeiterorganifg- tionen die Beiträge des Arbeiters F. zuwenden wollten und hierin einen rechtswidrigen VcnnögenSvorteil erblickt, so ist dies formell nicht zu beanstanden, die Verurteilung wegen versuchter Erpressung also gerechtfertigt. Es ist aber nicht zu verhehlen, daß die Auf- fassung der Strafkammer überraschend ist. DaS Urteil verrät einen gewissen Mangel an sozialem Empfinden»der mangelnde Kenntnis der Arbeiterverhältnisse. Denn e» dürfte doch allgemein bekannt fein, daß dies« Organisationen den Zweck haben, durch feste» Zu- sammenhalten und Ausschluß der Nichtorganisierten Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen gegenüber den Unternehmern zu erlangen. Warum et hier anders gewesen und den Angeklagten nicht darum zu tun gewesen sein soll,' den F. zum Beitritt zu ihren Organisa- tionen zu veranlassen, ist allerdings nicht so leicht einzusehen. Indessen dieS liegt auf tatsächlichem Gebiete, und das Reichsgericht ist außerstand«, in dieser Beziehung Abhilfe zu schaffen. So zutreffend die Darlegungen des Reichsgerichts über den Wert gewerkschaftlicher Organisationen sind, so wenig kann das Ergebnis befriedigen, daß die Verurteilung der drei Arbeiter aus formalen Gründen nicht ausgehoben wurde. kleine Nachrichten. In öen Toü gefolgt. Ein erschütternde» Familiendrama spielte sich dieser Tage in dem märtifiben Städtchen Dahme ab. Wie der„Anzeiger für Dahme' berichtet, war der Frau de» BanldirektorS Lrtur See- mann durch die Militärbehörde der Tod ihres Mannes, der als Reserveleutnant im Feld« stand, gemeldet worden. SuS Gram über den schweren Verlust beschloß die grau, mit ihren Angehörigen au« dem Leben zu scheiden. Im Einverständnis mit ihrer Mutter er- schoß Frau Seemann zuerst ihre Mutter, ihre zwei K i n d e r im Alter von 7 und 4 Jahren und dann sich selbst. Wie die Unglückselige. vor ihrer Tat selbst niederschrieb, ist sie in den Tod gegangen, weil sie ohne ihren Mann, den sie über alle» liebte, nicht länger leben zu können glaubte. Sriefkasten üer Redaktion. Di« juristische Sprechstunde findet Lindenstrahe 8, vierter Hos recht», parterre, am Montag bis Freitag von 8 di» 6 Ubr, am Sonnabend von 8 bis S Ubr statt. Jeder für den Briestasten be- stimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl al« Merkzeichen bei- »usügen. Bnrüchc Antwort wird nicht«tiilt. Anfragen, denen keine «boirneminlSquittung beigefügt ist, werben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und vergleichen bringe«an in die SPrechft und« mit. Mülle» Julius, l. 6 Monate. 2. Für die Verhaftung find IS M. und ferner monatlich 24 M. BerpflegungSkoften zu zahlen.— V. 87. Aithmalifche Beschwerden geringeren ÄradeS(Lungenerweiterung oder der« gleichen. LanMNii mpfli-htig.— M. 81.64. Nach dem Gesetz new.—». H. 199. Plaltsuk. Voraussichtlich werden Sie nur für landsturmpflichtig erachtet werde». — Sch. 89. Untere» Erachten» würde eine Beschwerde beim Versicherung»- amt. Klosterstratze, Erfolg haben. Der Invalidenversicherung gegenüber würden Sie erst dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn Sie mindesten» 23 Woche» hintereinander erwerbSunfädig waren. Dann erhalten Sie die Krankenrcnte.— I-U. Z. Wir haben JhreSinfcndurig erhalten und teilen Ihr« Meinung. Sine öffentliche Erörterung dieser Fragin ist zurzeit nicht miglich. FreireltgtSs««»«einde. Sonntag, den ll. Oktober, vor«.»Uhr" Pappel-Allee lS— 17; NeuUlln,.Jd-alpassage"; Tegel. Bahnhofstr. 15 und Ober-Schönrweide, Klaraftr. 2: Fretreligiöfe Vorlesung.— Vormittag» 11 Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie: .Fichte, ein deutscher Philosoph."— Damen und Herren al» Gäste will- kommen.' «llgrmelne Kranke«, und Sterbekasie der Metallardeiter. (v. Hamburg. Filiale vaumschulenweg. Den in Treptow wohnenden Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Gonnadend, den lv. Oktober, abend» von S'/,— 10 Uhr, im Lokal von Wolfram, SlfenstrlOl, Ecke Kietholzstraße, kassiert wird. «llgemetne FamUtrufterdekasse. Sonntag, den 11. Oktober, von g bis e Uhr, im Restaurant, Gerichtstraß« 12/13: Zahltag. «etteranSfichteu fit da» mittlere Rarddeutschland dt» Sonutogmittag: Ziemlich mild. 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Revolutionäre Bestrebungen in Aegypten. Konstantinopel, 8. Oktober.( W. T. B.) Nach dem„ Tanin", sind die Engländer fieberhaft bemüht, in Aegypten rebolu tionäre Proklamationen aufzufinden, die angeblich dorthin gebracht wurden. Es sind Haussuchungen vorgenommen worden, insbesondere in der Redaktion des Blattes" El Schuab" und im Palast des Prinzen Aziz Pascha, jedoch ohne Erfolg. Die medlenburgischen Herrscherhäuser sind mit Rußland mehr fach verwandt. In Medlenburg Streliz ist 3. 8. noch ein Russe Thronerbe. Spionageprozeß. Anaftafia Michailstone i bie Wutter Ber beutfchen Aron yelgenes Cinfommen vorhanden, biefes, fofern es ben Notbebart prinzessin. nicht erreicht, auf dessen Höhe zu ergänzen. Für Kinder von über 15 Jahren fann ein höherer Anschlag als 1,50 M. eintreten, jedoch nicht über 3 M. wöchentlich. Für die Familien der ins Feld gezogenen Krieger wird der Notbedarf um 40 Proz. erhöht, die reichsgesetzliche Unterstützung wird eingerechnet. Unterstützungen oder rechtliche Bezüge, die an Hilfsbedürftige auf Grund er Vor dem Reichsgericht fand am Freitag der Spionagefolgter Gegenleistungen, prozeß gegen den Handlungsreisenden, früheren Restaurateur zahlungen gewährt werden, sind besonders regelmäßiger Beitragsin den Notbedarf mit Alois Claer statt. Gegen Claer stand bereits am 13. November 1913 einem Drittel ihres vollen Betrages einzurechnen, so daß zwei Termin an. Der damalige Mitangeklagte Kraftwagenführer Erny Drittel der Bezüge dem Unterſtügten über den Notbedarf wurde damals wegen Spionage zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. hinaus gewährleistet find. Als arbeitslos sind alle diejenigen PerInzwischen war Claer vom Landgericht Mülhausen am 8. April 1914 fonen anzusehen, denen die Kriegslage mit ihren Folge ihre und wegen unternommener Verleitung zum Meineid zu einem Jahr ihrer Familien Ernährung ganz oder teilweise unmöglich macht, Zuchthaus verurteilt worden, weil er versucht hatte, den Zeugen auch Angehörige freier Berufe, Kleingewerbetreibende, sogenannte Morf in dieser Spionagefache zu seinen Gunsten zum Meineide zu Kurzarbeiter usw. Eine besondere Härte ist, daß Leute, die UnterLondon, 9. Oktober.( Meldung des Reuterichen Bureaus.) bewegen. Die Anklage gegen Glaer ging dahin, daß er im Jahre 1910 stügung beanspruchen und nicht in Nürnberg heimatberechtigt sind. Desterreich- Ungarn und England sind übereingekommen, ein deutsches Artilleriegeschoß in den Besitz und zur Kenntnis des mindestens vier Jahre ununterbrochen in Nürnberg gewohnt haben folgenden Zivilgefangenen die Heimlehr zu gefranzösischen Nachrichtenbureaus in Belfort gebracht habe. Die Ver- müssen. Dies trifft hauptsächlich die Arbeiterschaft. Die sozial statten: Frauen und Kindern, Männern, die nicht in militär- handlung fand unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Sie endete demokratischen Vertreter waren eifrig bemüht, diese Härte zu be pflichtigem Alter stehen oder die dienstuntauglich find, Aerzten und damit, daß Claer unter Einrechnung der ihm von dem Landgericht seitigen und die Frist auf ein Jahr herabzumindern, ebenso strebten Mülhausen im Elsaß auferlegten einjährigen Zuchthausstrafe wegen sie eine Erhöhung der Unterstützungssäge an, die nicht über die der Verbrechens gegen§ 1 des alten Spionagegesetzes zu fünf Jahren Armenpflege hinausgehen. Geistlichen. Die Gefangenen in England und Oesterreich. unter Polizeiaufsicht verurteilt wurde. Eisenbahnverhr zwischen Paris und London. sechs Monaten Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung Kopenhagen, 9. Oktober.( W. T. B.) Der Eisenbahnberkehr zwischen Paris und London ist vorgestern wieder aufgenommen worden. Der erste Zug Calais- Paris brauchte sechs Stunden. Neutraler Telegrammverkehr. Staatszuschuß für englische Gewerkschaften. Aus London, 3. Oktober, wird uns geschrieben: Die Agitation Regierungsrat Dr. Kestner vermißt. der Gewerkschaften und der Arbeiterpartei, um die Regierung zu Der als Referent für das Petroleummonopolgesetz in parlamen- veranlassen, die durch den Krieg und die von ihm verursachte tariſchen Kreiſen bekannte und als voltswirtschaftlicher Schriftsteller, Arbeitslosigkeit den Gewerkschaften erwachsenen außerordentbesonders durch sein Buch über den Organisationszwang der Star- lichen Lasten wenigstens teilweise mitzutragen, ist nun von ErKopenhagen, 8. Ditober.( W. T. B.) Das Internationale telle hervorgetretene Regierungsrat im Reichsichazzamt, Dr. Frig folg gefrönt worden. Das Handelsministerium macht heute Telegrammbureau in Kopenhagen erhielt die Erlaubnis eftner, der als Reserveoffizier an den Kämpfen auf dem west- bekannt, daß es von nun an bereit ist, Drganisationen, die ihren der Behörden, neutrale Telegramme zwischen Ländern, lichen Striegsschauplatz teilgenommen hat, wird seit dem 7. September Mitgliedern Arbeitslosenunterſtügung zahlen, Not zufüſſe zu deren direkte Telegrammverbindung gestört ist, zu empfangen. Es vermißt. Alle Versuche, Nachricht über sein Schicksal zu erhalten, gewähren. Diese Zuschüsse lassen die Rechte, die den Gewerkschaften unterstellte sich hinsichtlich dieser Tätigkeit der Kontrolle einer find bisher erfolglos geblieben. auf Grund des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zustehen, unange dänischen Bant. Nur Privat, und Geschäftsdepeschen tastet. Die Notzuschüsse werden unter folgenden Bedingungen verwerden zur Weitergeben entgegengenommen, dagegen keine Presse-, abfolgt: Militär- und Chiffredepeschen. Kriegsbekanntmachungen. Gegen die Spionage. " Kein Zwangsabonnement der„ Neuen Korrespondenz". Auf eine Beschwerde des sozialdemokratischen Parteivorstandes bom 17. August 1914 hat der Minister des Innern am 6. Oktober 1914 erwidert, daß eine Anordnung, wonach Zeitungen das 8wangsabonnement der Neuen Korrespondenz" und der unbedingte wie unverkürzte Abdrud bestimmter Artikel Berlin, 9. Dftober.( W. T. B.) Echon in Friedenszeiten haben diefer Korrespondenz zur Bedingung ihres Erscheinens gemacht wird, unsere Feinde alle Mittel angewandt, um unsere militärischen Ge- nicht besteht. Die Verfügung des Amtsvorstehers in Waldenheimnisse zu erforschen. Jezt aber wird Deutschland von Spionen geradezu überschwemmt. Ueberall im Inlande burg an die„ Schlesische Bergwacht" vom 13. August beruht auf arbeiten zahlreiche russische, französische, englische Agenten, Männer einer mißverständlichen Auslegung eines diesseitigen Erlasses. Der vie Frauen, um ihre Auftraggeber zu unterrichten. Sie tommen Amtsvorsteher wird seine Verfügung zurückziehen." zu uns mit falschen deutschen Päffen oder als Angehörige neutraler Staaten Dänemarks, Schwedens, Hollands, der Die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. Schweiz hören und sehen und berichten über das neutrale Ausland. Am schlimmsten treiben sie es in der Nähe der Grenzen. Zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und Beschäftigung von Aber auch im Innern des Landes figen sie in größeren Städten, Kriegsgefangenen ist bekanntlich ein vereinfachtes Enteignungsnun vielfach Zweifel namentlich in Festungen, Hafenplägen, an wichtigen Eisenbahnlinien. verfahren eingeführt worden. Es waren Daß uns durch diese Leute schwerer Schaden zugefügt wird, braucht darüber entstanden, ob die neuen Vorschriften auch auf schwebende nicht erst noch bewiesen zu werden. Wie kann man dagegen Enteignungsverfahren anwendbar find. Ein besonderer Erlaß des Tämpfen? Nur dadurch, daß jeder sein Vaterland liebende Deutsche Ministers der öffentlichen Arbeiten bestätigt dies jetzt. Vorausin dieser Zeit der Gefahr seine Mitwirkung nicht versagt. Man seßung ist aber, daß für die Arbeiten eine Anordnung des Staatsachte auf jeden, der sich durch wiederholten oder längeren Aufenthalt ministeriums ergangen ist. auf Bahnhöfen und in der Nähe von Kafernen, Flugplägen, Luftschiffhallen, Werften verdächtig macht. Man beobachte aber selbst auch Vorsicht und Zurückhaltung in der Unterhaltung sowohl in der Deffentlichkeit( Eisenbahn, Straßenbahn, Wirtshaus) als auch im eigenen Striegsidhauplage aus Feldpoftbriefen und bedenke, daß leichtfertige Streise. Man sei vorsichtig in der Mitteilung von Nachrichten vom Mitteilſamleit das Leben der eigenen Angehörigen gefährden kann. Jedes unvorsichtige Wort fann dem Feinde nützen, uns aber un gezählte Opfer kosten und dadurch zu einer schweren Verfündigung am Vaterlande werden. Darum nochmals: Aufmerksamkeit gegenüber Berdächtigen und Zurüdhaltung im Verkehr mit anderen. Abreise von Serben. Berlin, 9. Oktober.( W. T. B.) Serben, die aus Deutschland auszureisen wünschen, werden von der amerikanischen Botschaft aufgefordert, fich fofort bei ihr zu melden und ihre Bässe mitzubringen. Politische Uebersicht. Die preußische Kriegsvorlage. Gegen die ,, Kriegs- Ulkkarten". Nachdem schon das bayerische Ministerium gegen die unwürdigen Kriegs- Ulftarten vorgegangen ist, wird jezt auch ein Erlaß der Stellung nimmt. Es heißt da: foburgischen Regierungsbehörden bekannt, der gegen den Unfug In den Auslagen berschiedener Buchhändlerläden befinden sich bielfach namentlich in Postkartenform rohe und geschmadlose Kriegsdarstellungen. Insbesondere werden auf dem Gebiete der ausgestellten Scherzfarten die Grenzen des Geschmacks bielfach überschritten. Da solche Darstellungen weder der Würde des um seine Existenz kämpfenden deutschen Voltes noch dem Ernst der Lage entsprechen, überdies bei unseren tämpfenden Landsleuten draußen im Felde feineswegs Beifall finden, bedarf es wohl statt der Ergreifung weiterer Schritte nur dieses Hinweises, damit die Ladeninhaber Maßnahmen treffen, um die fraglichen Darstellungen aus der Auslage zu entfernen und aus dem Verkehr zurückzuziehen." Diese Verfügung dürfte wohl allgemeine Zustimmung finden. Der Kampf gegen die französische Sprache. Daß die Militärbehörden in Elsaß- Lothringen vielfach energisch Die große preußische Kriegsvorlage wird, wie die„ Berl. Pol. Nachr." mitteilen, obwohl diese Forderung sich auf mehrere hundert gegen den Gebrauch der französischen Sprache vorgehen, ist bekannt. Millionen Mart beläuft, doch nur die Bedeutung einer Ab- In welchem Umfange und mit welchem Nachdruck das geschieht, zeigt fchlagszahlung auf den vollen Erfaz für die Kriegsschäden wieder die Bekanntmachung des Etappenkommandeurs von Saarburg der beiden Brovinzen Ost- und Westpreußen bedeuten. In erster in Lothringen, in der es heißt: Linie kommt dabei die reichsgefeßliche Regelung in Betracht, welche Binnen 48 Stunden müssen sämtliche französische Inschriften Die in dem auch in dem Staatsministerialerlag vom 29. September an- an Häusern, Geschäften und Schulhäusern entfernt sein. gezogenen§ 35 des Kriegsleistungsgesetzes vom 18. Juni 1873 vor- Etappenkommandantur Saarburg verbietet von heute ab die Vergesehen ist. Die jetzt dem Landtage vorzulegende Kredit. wendung von Briefumschlägen, Rechnungs- und Brief- Vordrucken vorlage soll der Staatsregierung lediglich die zur Gewährung mit franzöſiſcher Aufſchrift, ſowie überhaupt jede fernere Benutzung der Vorentschädigung erforderlichen Mittel zur Verfügung irgendwelcher Formulare in französischer Sprache. Zuwiderhandstellen. Die Vorentschädigung wird aus bereiten staatlichen Mitteln lungen werden mit Schließung des Geschäfts geahndet. Es muß entnommen und späterhin auf die endgültig festgestellte Schaden- auch von den französisch- sprechenden Teilen der Landeseinwohner unbedingt erwartet werden, daß sie inzwischen so viel Deutsch gelernt erjazzsumme angerechnet. haben, um Bordrude in dieser Sprache zu verstehen." Mindestgebot bei Zwangsversteigerungen. Bei ges Kriegsmaßnahmen der Provinz Westfalen. Der Bundesrat hat eine Verordnung erlassen, die für die Verfteigerung förperlicher Sachen, soweit sie im Wege der ZwangsvollIn dem Bericht des Landeshauptmanns der Provinz Westfalen ftredung nach der Zivilprozeßordnung stattfindet, allgemein ein über die Kriegsmaßnahmen der Proving heißt es, nachdem von der Mindest gebot einführt. Der Zuschlag darf nur auf ein Gebot Fortführung aller Bauten usw. gesprochen ist: erfolgen, das wenigstens die Hälfte des gewöhn- Fortführung lichen Verlaufswertes des Pfandes erreicht. pfändeten Wertpapieren darf der Verkaufswert, wenn das Papier in der letzten Woche vor dem 31. Juli 1914 einen Börsen oder Marktpreis hatte, nicht unter dem legten in dieser Woche amtlich notierten Börsen- oder Marktpreis festgestellt werden. Bei Wertpapieren, die die Darlehnskaffen beleihen, darf das Mindestgebot nicht hinter dem Betrage zurüdbleiben, zu dem die betreffenden Papiere von den Darlehnstassen beliehen werden. Strafe für einen Friedensfreund. 1. daß die Organisation infolge abnormaler Arbeitslosigkeit Schaden leidet; 2. daß die Drganisation ihren Mitgliedern nicht mehr als 17 Schilling die Woche( einschließlich der Staatszuschüsse) an Arbeitslosenunterstügung zahlt; 3. daß die Organisation für die Dauer der staatlichen Notzuschüsse Extrabeiträge von ihren in Arbeit stehenden Mitgliederi erhebt. Die Höhe des staatlichen Notzuschusses beläuft sich auf entweder ein Drittel oder ein Sechstel der von der Organisation für ArbeitsTosenunterstügung verausgabten Beträge, und zwar je nach der Höhe der erhobenen Ertrabeiträge, wie folgende Stala zeigt: Maximalhöhe der von der Drganisation gezahlten Arbeitslosenunterstützung 17 Schilling 15 13 Erforderlicher Ertrabeitrag, um Notzuschuß zu erhalten. Ein Sechstel Ein Drittel 6 Pence 3 Pence 2 4 1 Bennh 2 Eine Organisation also, die ihren Mitgliedern eine Arbeitslosenunterstützung von beispielsweise 12 Schilling zahlt, wird durch die Erhebung eines Extrabeitrages von 2 Bence( 16 Cents) die Woche zu einem Notzuschuß von 4 Schilling pro Woche und Mitglied be rechtigt sein, wozu sich in den meisten Fällen noch 2 weitere Schilling auf Grund des Arbeitslosenversicherungsgesetzes gesellen würden. Entschließt sich die Gewerkschaft zur Erhebung eines Extrabeitrags von nur einem Benny, dann beträgt der staatliche Note zuschuß nur 2 Schilling, mit dem staatlichen Arbeitssosenversicherungsaufchuß 4 Schilling.axda tont 910 01 Die neuen Ansprüche der Gewerkschaften haben rückwirkende Kraft vom Anfang des Krieges an. Die Gewerkschaften fordernnun aber noch weitere und höhere staatliche Unterstützungen. Aus der Partei. Kommunalwahlen. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Düsseldorf, die Anfang dieser Woche stattfanden, erhielten unsere Genossen 2737 Stimmen, die vereinigten bürgerlichen Parteien( Liberale und Zentrum) 6235 Stimmen. Die fünf Mandate waren bisher im Besitz des Zentrums. Bei der Wahl im Jahre 1912 hatten erhalten: Sozialdemokraten 9588 Stimmen, Zentrum 14 279 und Liberale 1336 Stimmen. Diesmal waren beide bürgerliche Parteien ein Rompromiß eingegangen, das zunächst bis zum Jahre 1918 währen soll. Die Liberalen, die jetzt von 57 Mandaten 37 innehaben, traten dem Zentrum freiwillig drei Mandate der früher stets heiß. umstrittenen zweiten Klasse ab, so daß das Zentrum bei dem Kompromiß drei Size ohne Kampf gewinnt. Die Christlichsozialen, die vor zwei Jahren mit dem Zentrum gegen die Liberalen zusammen gingen, scheinen von dem Kompromiß nicht erfreut zu sein, fie be schlossen Wahlenthaltung für alle Klassen. Unsere Partei, die im Stadtparlament bisher nicht vertreten ist, In den Vororten Gerresheim und Eller erhielten unsere Kans beschloß trok aller ungünstigen Zeitumstände Wahlbeteiligung. didaten 209 und 102 Stimmen, die bürgerlichen 709 und 354. " Ein Nachspiel zu Zabern. Wegen Majestätsbeleidigung hat das Landgericht Stade am 17. April d. J. den Genossen Ernst Schubert, verantwortlichen Redakteur des Volksblatts für Harburg", zu zwei Monaten Ge fängnis verurteilt. Nachdem in dem bekannten Zabernprozeß der Oberst von Reuter freigesprochen worden war und der deutsche Kaiser ihm den Roten Adlerorden dritter Klasse verliehen hatte, Für Rechnung der Provinz sind in den ersten Tagen der brachte der Angeklagte am 16. Januar in Nr. 15 feines Blattes er die Freisprechung des Obersten, Mobilmachung durch besondere Agenten Reis vorräte im einen Artikel, in dem die und Ordensauszeichnung fomit die Stellung des Werte von einer Million Mart aufgetauft worden. An Anfäufen im Inlande hat sich die Provinzialverwaltung aber Kaisers zu den Zaberner Vorfällen einer Aritif unterzog. nicht beteiligt, sie hat nur ein Interesse dafür bekundet, daß noch Das Gericht ist der Ansicht gewesen, daß der Angeklagte aus BösIn seiner gegen das willigkeit und Gehässigkeit gehandelt habe. Lebens- und Futtermittel aus dem neutralen Auslande eingeführt Urteil eingelegten Revision machte der Angeklagte geltend, die Bewürden. So find 200 000 m. für den Ankauf von Mais, Gerste und leie ausgegeben worden. In allen Anstalten griffe der Absicht der Ehrverlegung und der Böswilligkeit seien vom und auf den Gütern der Proving soll dafür gesorgt werden, daß Vorderrichter verkannt worden. Auch hätte sein Einwand, er als im nächsten Frühjahr etwa der doppelte Bestand an jungen Anhänger einer materialistischen Geschichtsauffassung habe lediglich Ferkeln gegenüber dem Nachwuchs in sonstigen Jahren vor- dartun wollen, daß der Kaiser, seinem Charakter und seinen Ideen folgend, nicht anders habe handeln können, Berücksichtigung finden handen ist." müssen. Das Reichsgericht verwarf indessen am Dienstag die Res vision als unbegründet. Der bayerische Landtagsabgeordnete Dr. Quidde, ein führendes Mitglied der Friebensbewegung, der fich gegenwärtig im Haag befindet, versandte von dort aus einen Brief, der für den der Frieden eintrat. Daraufhin hat ein anderer liberaler Politiker von Ruf. Dr. Goldschmidt, in einer Zuschrift an die Münchener Beitung" unter fcharfer Geißelung dieser Friedensbemühungen die Ausscheidung Dr. Quibbes aus jeder politischen Organisation und aus der liberalen Frattion des bayerischen Landtages gefordert. Das find Kriegsmaßnahmen, die sich durch ihre Eigenart vor Mehrzahl der sonst getroffenen auszeichnen. Letzte Nachrichten. Bleibt Portugal neutral? = Kommunale Maßnahmen gegen die Kriegsuot. In Nürnberg wurde dieser Tage in den städtischen Kollegien über den Ausbau der städtischen Kriegs- und Arbeitslofenfürsorge beraten. Eine Kommission legte eine Denkschrift vor. Wien, 9. Oftober.( W. T. B.) Auf diplomatische Anfragen Danach erstreckt sich die Fürsorge auf die Familien der ins Feld ge- über die portugiesisch englischen Verhandlungen rüdten Rüger, soweit die reichsgefegliche Kriegsunterstügung nicht erklärte, wie die Reichspost" von diplomatischer Seite erfährt, die Die dänische Zeitung„ Politiken" bringt nach einem Telegramm ausreicht, ferner auf Familien und Einzelpersonen, welche unmittel- Lissaboner Regierung, daß sie nicht daran denke, die Neutrali des„ B. T." die offizielle Mitteilung, daß die Großherzogin Ana- bar durch den Kriegsausbruch und seine Folgen in Not geraten tät Portugals aufzugeben, und daß England sie nicht ersucht stafia von von Medlenburg- Schwerin wieder ihre ursprüngliche find. Die Unterſtügung beträgt für einen alleinstehenden Mann habe, von der Neutralität abzugehen. Die portugiesische Regierung hat einen Kredit von acht Milli Nationalität und den russischen Namen Anaftafia Michailowna an- wöchentlich 6 M., für eine alleinstehende Frau 5 M., für ein Ehepaar 9 M., für jedes Kind 1,50 M. wöchentlich. Insoweit onen zu Rüstungszweden angefordert. genommen hat. Ruffifizierung. Theater. Theater für Sonnabend, 10.Oktober: Deutsches Künstler- Th. 8 Uhr: Gewonnene Herzen Deutsches Opernhaus, Charlottenb. Scies 8 Uhr: Der Feldprediger. Dem Andenten unserer auf dem Kriegsschauplah Deutsches Theater 7. U. Ein Sommernachtstraum Kammerspiele 8 Uhr: Wetterleuchten. Gebr. Herrnfeld- Theater 8 Uhr: Er kommt wieder. Zwei leuchtende Punkte. Ende gut- alles gut! Kleines Theater. 8 Uhr: Der Hexenkessel. Gastspiel Harry Walden. Komödienhaus 8 Uhr: Es braust ein Ruf! Lessing- Theater 8 Uhr: Mein Leopold. Luisen- Theater 8% U.: Eroder Er. Der heilige Krieg. Sonntag 3, Uhr: Die Räuber. Lustspielhaus 81, U.: Graf Pepi. Residenz- Theater gefallenen Genoffen! Leon Wodiczka, Formstecher. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. ( Bezirk Friedrichshagen). Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavierarbeiter Herm. Graebnitz Laufiger Straße 36 im Alter von 29 Jahren gestorben ist. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 10. Dktober, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Thomas Kirchhofes, Neukölln, rief... bermannstraße, aus statt. 8 Uhr: Der Kaiser rief... Rose- Theater 8 Uhr: Die Waffen her! Nachm. 4 Uhr: Die sieben Raben. Schiller- Theater 0. 8 Uhr: Klein- Eva. Schiller- Th. Charlottenbg. 8 Uhr: Grüne Ostern. Thalia- Theater 8: Kam'rad Männe. Theater am Nollendorfpl. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpolierer Rudolf Hahn Schliemannstraße 23 im Alter von 41 Jahren ge= storben ist. am Die Beerdigung findet Montag, den 12. Dktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der EliasGemeinde, Nieder SchönhausenNordend, Blankenfelder Straße 6, 8 Uhr: Immer feste druff! aus ftatt Sonntag 3, Uhr: Immer feste druff! Volksbühne( Montis Operettenth.) 814 U.: Minna von Barnhelm. Walhalla- Theater SU.: Berlin im Felde. URANIA Taubenstraße 48/49. Heute 8 Uhr: Die Weichsel u. d. masurisch. Seen. Voigt- Theater. Badstr. 68. Badstr. 58. Morgen Sonntag, den 11. Dftober: Die Jüdin von Toledo Historisches Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Borverkauf vorm. 10-2 Uhr. Ab Montag: Der Soldatenfreund. Casino- Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. „ Mein Leben dem Vaterland". Sonntag, den 18. Oktober, nachmittags 4 Uhr: Kriegers Heimkehr. Sonntag, den 25. Dltober, nachmittags 4 Uhr: Kriegers Heimkehr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger Anfang 8 Uhr. Sonnt. 7 Uhr. Theater Folies Caprice 8% Possen- Theater Täglich: 8% Blinkfeuer. Landwehrleute. Fest steht und tren Leonhard Haskel, Martin Kettner a. G. Gewerkschaftshaus. Sonnabendabend: Schlachtefest m. Schlachtmusik Wurstverkauf außer dem Hause. Sonntagabend im Saal 4: Konzert( Opern) bei jreiem Eintritt. Anfang 7 Uhr. Merren- Ulster hochelegant, enorm billig, Jetzt 25 M. an J. Kurzberg& Co. Ma33- Schneiderei Rosenthaler Str.36 I. Etage. Nachruf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Sollege, der Tischler Alex Albrecht Markusstraße 26 im Alter von 31 Jahren auf dem Schlachtfelde in Frankreich gefallen ist. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125,( Oranienb. Tor). für Syphilis, Harn- u. 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August fiel auf dem Schlachtfelde im Osten unser treuer Kollege, der Klempner Paul Schacht Neukölln, Hermannstr. 22. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren 2016 die Kollegen vom ZentralMagazin der städt. Gaswerke. An den Folgen eines Bauchschusses starb am 14. Sept. in Frankreich unser lieber, hoffnungsvoller Sohn und Bruder, der Gefreite Rudolf Flint. Die tiefbetrübten Eltern und Brüder 197b Franz Flint. Meta Flint. Walter Flint. Max Flint. Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Pg. Monats- Garderobe! 4-500 getragene Anzüge f. Herren: Smoking, Frad- u. Gehrod- Anzüge( auch z. verleihen), Winterpaletots und Ulster jomie von Ravalieren getragene, fast neue Sachen( a.Seide), f. jed. Figur pass. in größter Auswahl z. unübertroff. billigen Preisen. 12r., deshalb billiger wie i. Raden. WassertorHirsch Kieferbaum, straße 12/13 I. für 1915 neununddreißigfter Jahrgang 000 Mostem Die neue Problem Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts lefern. 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