( 5 Pfennig) M0NtltgSltUSgltKe C �nnig) Kr. 279. nbonncments-Bedlngunget»; ttSonnemcntä■ Brei« pränumerando: Bierteljährl. ZM Mk, monatl. 1.10 Ml.. wöcheiulich 25 Lsg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonntag». Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt* 10 Pfg. Post- Abonnement: l.io Mark pro Monat. Eingetragen in die Post> Zeitung»- Prel»llste. Unter Kreuzband für Deutitfiland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland » Mark pro Monat, Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Stallen, Luxemburg, Portugal, ftumäuicn, Schweden und die Schweig. CrfdielBt lügllch. 3! Jahrg. VI« snsettlons-löedlldk betrSgt für die sechdgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum SO Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Lersammlnung». Anzeigen SO Big, „Alelne Snrelgen". das tettg-druSl- Wort 20 Pfg, izulässtg 2 jettgedruckt- Wortes, I-de» wittere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg„ jede» weitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buch» stoben zählen für zwei Worte, Inserate c die nächste Nummer müssen bis _ Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abend» geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozialiKnolirat Btrlli", Zentralorgan der fozi aldemohr ati fchen Partei Deutfchlands. Neüaktion: SW. öS, �Inöenftraße 3. Kernsprecher- Amt Moritzplatz. Rr. US! 90—151 97. Expedition: SM. HS, �inüenstraße 3. Kernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. Nach Antwerpens Fall. Wie im Seekriege die Tätigkeit des Unterseebootes eine Umwertung der Werte zur Folge haben wird, wodurch die Riesenpanzerschiffe in künftigen Flottenrüstungen kaum noch die Rolle spielen werden, die sie bisher spielten, so wird auch in bezug auf den Festungskrieg sehr viel umgelernt werden müssen. Denn eins hat der Verlauf dieses Weltkrieges schon unwiderleglich bewiesen: die Fortifikationskunst, und arbeite sie auch mit den modernsten Mitteln der Technik, kann artille- ristischer Leistungsfähigkeit nicht widerstehen. Die Rüstungs- fragen werden eine ganz andere Richtung nehmen müssen, die zurzeit in allen ihren Konsequenzen nicht erörtert werden kann. Gerade der Fall Antwerpens zeigt, daß eine langjährige Befestigungsorbeit und der Aufbau von scharfsinnig aus- geklügelten Befestigungslinien im Zeitraum von wenigen Tagen, ja sogar Stunden durch eine überlegene Belagcrungs- artillerie vernichtet werden kann. Ricsensummen sind nutzlos verschwendet worden. Als Belgien im März 1906 an den modernen Ausbau der Ant- werpener Befestigungswerke ging, wurden dafür 64 673 000 Frank flüssig gemacht, 32 weitere Millionen Frank wurden für Bewaffnung usw. aufgewendet. Diese rund 100 Mil- lionen Frank sind aber völlig zwecklos geopfert worden: die für sie errichteten Werke liegen jetzt in Schutt und Trümmern. Einer der hervorragendsten Rüstungstreiber Belgiens, der Senator Baron Descawps, sagte damals: „Tie wunderbare Ausbreitung unserer Industrie und unseres Handels hat uns eine in der Welt einzig dastehende Position geschaffen, uns, diesem kleinen Volke, das früher keine freie Hand nach außen strecken konnte, um Handel zu treiben; uns, deren Heimat das Schlachtfeld Europas war. Trachten wir daher heute nicht mehr nach Wohlstand, ohne auch für die Sicherheit zu sorgen. Indem wir unsere Tätigkeit auf allen Gebieten friedlicher Beziehungen entwickeln, indem wir Anteil nehmen an dem Wettstreit am Werke der Zivili- sation und des allgemeinen Fortschritts, müssen wir darauf sehen, einen ehrenvollen Platz in der Gemeinschaft der Ra- tionen zu behaupten. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Erhaltung all der Güter, deren wir uns jetzt erfreuen, und daß der Besitz all derer, die wir in Zukunft noch erwarten, nur um den einen Preis zu haben sind: die Sicherung des belgischen unabhängigen Vaterlandes." Unter dem Eindruck dieser Worte wurde die damalige belgische Rüstungsforderung bewilligt. Die Werke von Lüttich, Ramur und vor allem von Antwerpen wurden ausgebaut. Und was ist nach kaum acht Jahren noch vom„Wohlstande" und von der„Sicherheit" Belgiens vorhanden? Als erstes Opfer ist Belgien dem allgemeinen Rüstungsfieber erlegen. die Wirkung öer Sefchießung. Brüssel, 10. Oktober.(W. T. B.) Ein aus Antwerpen zurückgekehrter Berichterstatter erzählt: Unter der Bevölke- rung der Stadt rief die Beschießung eine ungeheure Panik hervor. Die Zahl der in den letzten Tagen meist nach Holland geflüchteten Einwohner wird auf 200000 geschätzt. Die Zurückgebliebenen hatten sich in mit Matratzen verbarrikadierte Keller geflüchtet. Die Kapi- tulation erschien ihnen als wahre Erlösung. Die Stadt hat verhältnismäßig wenig gelitten. Die K u n st d e n k m ä lc r, die großen öffentlichen Gebäude, insbesondere daS Museum Plantin und das Königliche Museum sind unbeschädigt. In der Kathedrale ist in das rechte Seitenschift anscheinend durch eine Granate ein kleines Loch geschlagen,-.m der Nahe der Place Berte brach in mehreren Häusergruppen ein Brand aus, welcher gegenwärtig gelöscht wird. Am äußersten Ende des Hafens brennen viel Benzintanks, aus welchen riesige Rauchsäulen emporsteigen. Die Tanks und zweifcl- los von den Belgiern oder von den Engländern angezündet worden, uni zu verhindern, daß die Benzinvorräte in die Hände der Deutschen fallen. Alle Häftlinge sind vor einigen Tagen freigelassen worden. Rotterdam, 11. Oktober.(W. T. B.) Der�„Nieuwe Rotterdamsch? Courant" meldet aus Breda: Die Ver- Wüstung in Antwerpen ist, ausgenommen die Gegend bei der Südstation, unbedeutend. Die Häuser in der Schön- straße stehen in Btand. Deutsche Soldaten helfen bei den Löscharbeiten. Eine Bombe hat die Lieb- ftauenkirche beschädigt, der Äönigspalast und die Zentral- l station sind unbeschädigt. Das deutsche Hauptquar- t i e r wurde unter Mitwirkung des Gemeinderats i m| Stadthause eingerichtet. Die Uebergabe. Amsterdam, 11. Lttober. iW. T. B.) TaS„HandclSblad" meldet aus Rovsendaal: Freitag mittag gegen 12 Uhr kamen vier deutsche Offiziere auf das Rathaus von Antwerpen, um die llcbergabe zu fordern, der nach kurzer Unterhandlung zugestimmt wurde. Tie belgischen Truppen verliehen darauf die Wälle um die Stadt Hals über Kopf. Ein Teil wich nach Norden aus und lieh sich an der holländischen Grenze entwaffnen. Ein anderer Teil, und zwar die Mehrheit, zog in wilder Flucht über die Schiffbrücke der Scheide. Die Brücke wurde um 2 Uhr nachmittags in Brand gesteckt, um die Deutschen an der Verfolgung zu hindern. Kaum hatten die letzten belgischen Truppen die Scheide überschritten, als die Deutschen an der Südseite durch das Bcrchemschc und Merxemsche Tor einzogen. Die Nacht vom Freitag zum Sonn- abend war die erste unter deutschem Befehl. Tic Belgier haben selbst die wichtigsten Befestigungen zerstört. Die Flucht öer Besatzung. Amsterdam, 11. Oktober. iW. T. B.)„Nieuws van den Tag" melden aus Roosendaal: In Vlissingen waren alle Boote von den Militärbehörden für den Transport englischer und belgischer Soldaten beschlagnahmt worden. Unter den Engländern befanden sich namentlich die Royal Naval-Brigodc sowie einige Royal-Engi- neers. Als der Rückzug aus Antwerpen am Freitag abend begann, versuchten die Deutschen sofort den Abzug zu verhindern, indem sie bei Dendermonde dem Feinde in die Flanke fielen. Tie deutsche Arfilleric schoß auf die Entfernung von acht Kilometer mit ver- blüffender Sicherheit Schrapnells in die sich zurückziehenden Ba- taillone der Nachhut. Es entstand eine Panik unter den Belgier«, während die Engländer noch die meiste physische und moralische Stärke behaupteten. Sic hatten schließlich nur die Wahl, durch das Schrapnellfeuer der unsichtbaren deutschen Artillerie aufgerieben zu werden, oder auf die holländische Grenze zurückzugehen. Auch die Engländer wählten das letztere. Bon St. NicholacS ging eS nach Elingo, wo Waffen und Munition an die holländischen Soldaten ab- gegeben wurden, sodann nach Tcrneuzcn und Vlissingen. Englische Soldaten erklärten, sie fänden es unverantwortlich, daß sie ohne gute Artillerie nach Antwerpen geschickt worden wären. Sic hätten einige Schifisgeschütze zur Verfügung gehabt. Montag befanden sich Churchill und der frühere KriegSsekretär Scely in den Forts. Amsterdam, 10. Oktober. Anscheinend beruht diese Meldung nicht auf Wahrheit, denn der„Nieuwe Rotterdamsch« Courant" m«ld«t:„Wie wir vernehmen, ist der Bericht von den 32 deutschen Handelsschiffen, die auf der Scheide in die Luft gesprengt worden sein sollen, sehr übertrieben. In der Tat scheint man die „G n e i s e n a u" im Hafen versenkt zu haben, von den anderen Schiffen sind jedoch nur die Maschinen unbrauchbar gemacht worden, das muß aber schon in der vorigen Woche geschehen sein. Die Ur- fache dies«? Vorgehen» wird wohl die Sorge gewesen sein, daß die Schiffe nicht in brauchbarem Zustande den Deutschen in die Hände fallen sollten, fall» sie in die Festung hineinkommen sollten." Das alte Rußland. A. Wells von der englischen Arbeiterpartei hatte in eng- lischen sozialistischen Blättern Rußland als Bundesgenossen Englands gefeiert und mit großer Bestimmtheit versichert, das jetzige Rußland sei ein ganz anderes als das frühere, es werde liberal werden und habe schon Beweise seiner Wandlung in Hülle und Fülle gegeben, sowohl den unterdrückten Finnen, Juden und Polen gegenüber wie auch im Hinblick auf die kon- slitutinellen Wünsche des russischen Volkes. Diesen phantasti- schen Lobpreisungen des zarischen Rußlands treten im eng- lischen sozialistischen Wochenblatt„Labour Leader" eine An- zahl russischer Journalisten entgegen, die sich in England auf- halten. In einer Erklärung, die von den russischen Journa- listen B. Eliasheff, W. Kerjentsoff, W. Maisky, S. Rappa- Port, S. Roshin und Th. Rothstein unterschrieben ist, heißt es: „Bisher sind Versprechungen nur den Polen gemacht worden, während den Finnen und Juden nichts versprochen wurde. Im Gegenteil hat jüngst der„Russische Invalide", ein in Militärkreisen weit verbreitetes offizielles Armeeorgan, die Hoffnung der Juden und Finnen ins Lächerliche gezogen und die Möglichkeit einer Besserung ihrer Lage als einen „absurden Traum" bezeichnet. Gerade gegen die Finnen wurde noch zu Beginn des Krieges ein besonders strenges Rc- giment eingeführt, und die Beschränkungen der staatsbürgcr- lichen Freiheit der Juden bestehen nach wie vor weiter. Tic Kinder der Juden, die an der Front für den Ruhm der russi- schen Armee kämpfen, sind nach wie vor von den Sekundär- schulen und Universitäten ausgeschlossen." Ein einflußreicher russischer Publizist, dessen Namen der „Labour Leader" verschweigt, schreibt: „Es ist wahr, daß sehr viele Russen jetzt für den Krieg sind. Man muß aber die Psychologie eines unterdrückten Volkes kennen, das daran verzweifelt, je sein Land frei und glücklich zu sehen, das alle Hoffnung verloren hat. je eine gute und ehrliche Regierung durch konstitutionelle Mittel zu bekommen, das den Krieg betrachtet als die einzige Aussicht auf Freiheit. Der Krieg wurde in Nußland begrüßt nicht aus nationaler Animosität gegen die Deutschen, nicht aus Furcht für die deutsche Gefahr, sondern weil das Volk in ihm die einzige Rettung von der tyrannischen Rc- gierung sah. Es ist der mystische Glaube eines verzweifelten Sklaven oder eines im Fieber liegenden Gefangenen, der Visionen der Freiheit aufdämmern sieht aus einer Kata- strophe. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens. Viele Russen meinen, Rußland werde nach der Besiegung Teutschlands sich zum Besseren wenden. Aber warum nicht zum Schlechteren? Und diese Frage fängt jetzt schon an, manchen Geist zu beunruhigen, der. als der Krieg begann, anders dachte. Sie sehen kein Zeichen der Besserung, keinen Anfang der Aenderung. keine Neigung bei der Regierung, des Volkes Wunsch und Hoffnung entgegenzukommen." Endlich veröffentlicht im selben Blatte Peter Petroff einen Brief, der von der„Times" und vom„Daily Chro- nicle" abgewiesen wurde. Ter Brief lautet: „Es ist wahr, daß gewisse russische Revolutionäre und Anarchisten alles vergessen haben und sich der Regierung an- schlössen, aber die Regierung hat nichts vergessen und nichts gelernt. Die meisten europäischen Regierungen haben Ani- nesticn erlassen, aber die russischen Gefängnisse sind jetzt noch mehr überfüllt als früher mit Zehntausenden junger Männer und Frauen, deren einzige Missetat es wahr, die Freiheit des russisdsen Volkes zu erstreben. Die Marterhöhlen in Orel, Smolensk und Schlüsselburg dienen� nach wie vor der gemeinen Peinigung der Gefangenen. Beim Kriegsausbruch sind die zwei Arbeiterzeitungen in Petersburg„Rabochata Gazetta" und„Za Pravdu" unterdrückt, die Redakteure ins Gefängnis gebracht worden. Kann Herr Wells uns sagen, warum diese Leute und alle die hervorragenden Kräfte aus der Gewerkschaftsbewegung gefangen gehalten werden, wenn „jede Partei in Rußland außer den extremen Reaktionären diesen Krieg mit Begeisterung begrüßt", wie Herr Wells ans freien Stücken versichert?" Man sieht hieraus, daß noch nicht alle russischen Revo- lutionäre ihrer Regierung gegenüber blind geworden sind. Aber man darf natürlich dieser Kundgebung von Russen, die sich im Ausland aufhalten, auch nicht zu Viel Gewicht für die Stimmung des Volks in Rußland selbst beimessen. Im schwedischen„Sociakdemokraten" vom 0. d. M. veröffentlicht der russische Parteigenosse Saria einen Artikel, um die Aufmerk, samkeit auf die harte Verfolgung unserer russischen Partei- und GewerkschaftSovganisationen zu lenken. Er schreibt:„Die Rcakrion Ainb das Schrcckensregiment rast jetzt ebenso wie bor dem Kriege. Knapp vor Kriegsausbruch wurden unsere beiden täglich erscheinen- den Parteiblätter unterdrückt. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Duma S o k o l o f f in Petersburg und K r e st e n s k b wurden verhaftet, ebenso der Schöpser unseres Slgrarprogramms P. Mas- I o s f, der verschickt wurde, mit ihm 10 Arbeiter. Ununterbrochen werden Hausdurchsuchungen in den Geschäftsstellen der Fachvereine, Krankenkassen usw. vorgenommen. Der frühere DumaabgeorZ- nete Ko sm o d ny a n s k o wurde auf direkte Anordnung des Ministerpräsidenten verhaftet, o&wohl er erklärte, nach Rußland zurückgekehrt zu sein, um sich als Kriegssreümlliger zu stellen. Nachdem man sich in der Judensrage einige Zeit Zurückhaltung aufgelegt hat, erklärt jetzt das offizielle Regierungsblatt„Ruski Invalid", daß die Gleichberechtigung der Juden»eine leere Phantasterei sei". ... Die russische Sozialdemokratie kennt die russische Regierung am besten und verbleibt auch jetzt noch ihr unversöhnlicher Feind. Aus diesem Grunde soll man den Erklärungen Burtzews, der 10 Jahre keine Gelegenheit gehabt hat. an der russischen Arbeiter- deioegung teilzunehmen, keine Bedeutung beilegen. Die russische Sozialdemokratie ist gemeinsam mit der Bauernpartei der Trudo- wici fest entschlossen, keinerlei Mittel für die Kricgsführung zu bewilligen. Falls jemals dem dcut- scheu Volke eine Gefahr drohen sollte, so bin ich fest davon über» zeugt, daß nicht nur die russische Sozialdemokratie, dje in Liebe und Achtung für die deutsche Arbeiterbewegung aufgewachsen ist, sondern auch die englische und ftanzösische Ar- beiterschaft mit allen Mitteln gegen eine Demütigung Deutschlands ankämpfen und ihre Regierungen in diesem Sinne beeinflussen werden." Das Schicksal ües englischen tzilsskorps. London, 11. Oktober.(W. T. B.) Die Admiralität teilt mit, daß der Rückzug der englischen Armee erfolgreich aus- geführt wurde. Der Rückzug der englischen Marinedlvision wurde von Gent ab durch englische Verstärkungen gedeckt. Englische Darstellung der Niederlage. London, 10. Oktober.(W. T. B.) In einer Bekannt- machung der Administration heißt es: Auf Er- suchen der belgischen Regierung sind in der letzten Woche Marinetruppen abgeschickt worden, um an der Ver- teidigung Antwerpens teilzunehmen. Sie bestanden aus einer Brigade Seesoldaten, zwei Brigaden Matrosen und einer geringen Anzahl schwerer Schiffsgeschütze. Die Belgier und die Marinebrigade verteidigten die N e t h e li n i e erfolgreich bis zum 5. Oktober. Dienstagabend aber wurden die Belgier auf dem rechten Flügel und die Seesoldaten zum Zurückweichen genötigt. Die Verteidigung zog sich auf die inneren Forts zurück. Dadurch kam der Feind in die Lage, Batterien auszustellen und die Stadt zu beschießen. Die Briten verloren dank dem Schutz durch Laufgräben keine dreihundert Mann von 8000. Die Verteidigung hätte länger fortgesetzt werden können, aber nicht solange, bis Verstärkungen hätten herankommen können. Donnerstag begann der Feind, einen starken Druck auf die Verbindungslinie bei Lokeren auszuüben. � Durch die Ucbermacht wurden die Belgier ständig zurückgedrängt. Unter diesen Uinständcn beschlossen der belgische und der englische Befehlshaber, die Stadt zu räumen. Die Engländer erboten sich, den Rückzug zu decken. General de G u i s e wünschte aber, daß sie vor der letzten belgischen Division marschierten. Nach einem langen Nachtmarsch nach St. Gilles kamen zwei von drei Brigaden in O st ende an. Der größte Teil der ersten Matrosenbrigade wurde aber von den Deutschen nördlich von Lokeren abgeschnitten. Die Mann- schasten erreichten die holländische Grenze bei Hülst, wo sie die Waffen niederlegten. Die Panzerzüge und die schweren Marinekanonen wurden sämtlich nach Ostende gebracht. Sei öen Selagerungsgesthützen vor Antwerpen. Von einem Genossen, der zurzeit das okkupierte Belgien bereist. i Ivird uns geschrieben: , 7. Oktober 1914. � Den deutschen Truppen folgt der Eisenbahner fast unmittel- z bar auf dem Fuße. Auch die Bahn von Brüssel nach Mecheln wird schon für militärische Transporte benutzt. Etwas später als ur- sprünglich vorgesehen, aber doch noch überraschend schnell, wenn früher gemachte Erfahrungen zum Vergleich herangezogen werden, setzte sich der Transportzug in Bewegung, der uns zu den Belage- rungstruppen vor Antwerpen bringen sollte. Daß fernes Dröhnen von Kanonen öfter das Rattern der Räder übertönte, als wir die Stadt Brüssel hinter uns hatten, wirkte auf uns wie etwas Ge- i wohntes. Daran, daß wir uns rasch einem Schlachtfeld näherten, mahn- ten Verwundete, die auf dem Bahnhof Vilvorde der Weiterbefördc- rung harrten, eine Anzahl Leichtverwundeter, aber auch Schwerver- letzter, die auf Tragbahren lugen. Dann begannen die Felder, auf denen vor wenig mehr als einer Woche gekämpft worden war. � In Schützengräben lagen Tornister und Kochgeschirre; abgeschossene Kartuschen zeigten, wo Geschütze gefeuert hatten; die ersten zer- schosienen oder ausgebrannten Häuser tauchten auf. Je näher wir an Mecheln herankamen, um so wüster wurde das Bild. Außer den Wachtposten war kein Mensch zu sehen; alle Belgier sind hier geflüchtet; über die Felder irrten Rinder; hungrige Hunde kamen kläffend an den Bahndamm gelaufen. Ein größeres Dorf ist sehr arg vom Geschützfeuer und den Feuersbrünstcn mitgenommen worden. Nicht zu schildern ist der Eindruck, den Mecheln auf unS machte, nachdem wir de» zerschossenen Bahnhos verlassen hatten. Tie Stadt hatte ö6 0l)0 Einwohner. Bis auf ganz wenige Personen haben alle diese Menschen die Flucht ergriffen. Eine Straße nach der andern durchschritten wir, stießen aber nur auf einige wenige i Wachtposten. Zweimal war die Stadt beschossen worden; zuerst > von den deutschen Truppen, die die Belgier auf Antwerpen zurück- e warfen, bald darauf haben belgische Kanonen große Verwüstungen I angerichtet, weil unsere Soldaten wieder vertrieben werden sollten. Noch bis vor zwei Tagen sind belgische Schrapnells in die Stadt gefallen. Verschiedene Häuser sind nur noch Trümmerhaufen, andere haben stark gelitten. Die Geschosse und noch mehr der Luft- druck haben zahllose Fensterscheiben zertrümmert. Die Feuers- brünste, die durch belgische Granaten verursacht wurden, haben unsere Soloatcn nur mit unendlicher Mühe eindämmen können, die Löscheinrichtungen sind sehr mangelhaft, und die Stadt ist ohne Wasserleitung. Wenn auch sehr großer Schaden angerichtet wurde, so ist es doch ganz unsinnig, von einer Zerstörung MechelnS zu reden, wie das letzt wieder in Belgien geschieht. Auch die berühmte Der Eindruck in England. London» 11. Oktober.(W. T. B.) Der militärische Mitarbeiter der„Time s" schreibt: Antwerpen entsprach nicht den Erwartungen, weil die permanenten Forts in den ausgesetzten Stellungen keine Chancen gegenüber der modernen Artillerie haben. Wenn eine deutsche Garnison Antwerpen halten und wir sie angreifen sollten, so würde das Resultat das gleiche sein, wenn wir genügend schweres Geschütz vorführen. Ebenso wie wir die Neutralität der Scheide respektierten, als es unser Vorteil war, sie zu verletzen, so werden wir es nicht dulden, daß die Neutralität der Niederlande aus unsere Kosten gebrochen wird. Der militärische Mitarbeiter der„M o r n i n g p o st" schreibt: Zwar ist Antwerpen kein Platz von strategischer Bedeutung, aber es kann nicht geleugnet werden, daß die moralische Wir- k u n g des Falles der Stadt bedeutend ist. Es ist auch unan- genehm, daß die deutschen. Kräfte, die vor Antwerpen standen, nun frei gemacht worden sind; aber vielleicht sind diese nicht sehr groß. verbrannte Petroleumlager. Amsterdam, 11. Oktober.(W. T. B.) Tie Belgier ver- brannten die Petroleumlager, die ganz Belgien, Nordfrank- reich und die Rheinprovinz zu versorgen hatten. flufforderung zur Rückkehr der Flüchtlinge. Amsterdam, 11. Ottober.(W. T. B.> Die Zeitung „Telegraaf" meldet aus Bergen op Zoom:„Zwei deutsche Offiziere kamen mittags in Putte an und begaben sich Mm Kommandeur der Grcnztruppen, dem sie namens des Gouverneurs mitteilten, Antwerpen stehe unter deutschem Befehl. Sie ersuchten den Kommandeur, die belgischen Flüchtlinge zur Rück- kehr zu bewegen, worauf Tauscndc sofort zurückkehrten. vom westlichen Kriegsschauplatz. französische Darstellung des Standes der Westschlacht. Paris, 19. Oktober, 3 Uhr nachm. Amtlich. Tie Aktion dauert unter befriedigenden Bedingungen an. Unsere ganze Schlachtfront wurde beibehalten, trotz heftiger Angriffe des Fein- deS. An mehreren Stellen im Gebiet zwischen La B a s s e e, Armcntieres und Cassel fanden Kavallericangriffe statt, die infolge der Natur des Terrains vereinzelt blieben. Nördlich der O i s r hatten wir wirkliche Borteile an mehreren Stellen der Aktionszone zu verzeichnen. Im Gebiet von Saint Mihiel machten wir merkliche Fortschritte. Man meldet, daß A n t- werpen gestern erobert wurde. Die Bedingungen, unter welchen der Feind den Platz einnahm, sind noch unbekannt.(W. T. B.> Paris, 19. Oktober, 11 Uhr abends. Amtlich. Die Bc- richte aus dem Hauptquartier melden Berührung der beiden Reite- reien südwestlich Lille und heftigen Kampf südöstlich und nördlich A r r a s, ebenso auch einen sehr lebhaften Angriff des Feindes auf die Maashöhen.(W. T. B.) vom österreich-russischen Kriegsschauplatz. Einzug der Oesterreicher in Przemysl. Wien, 11. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart, 11. Oktober mittags: Unser rasches Vorgehen an dem San hat Przemysl von der feindlichen Um- klammerung befreit. Unsere Truppen rücken in die Festung ein. Wo sich die Russen noch stellten, wurden sie an- gegriffen und geschlagen. Bei ihrer Flucht gegen die Fluß- Übergänge von Sieniawa und Bezajsk fielen massenhafte Ge- fangenc in unsere Hände. Der Stellvertreter des Chefs des Grneralstabes. _ von H o e f e r, Generalmajor._ Kathedrale, in deren Mauern einige Kanonenschüsse große Löcher schlugen, kann ohne Schwierigkeit restauriert werden. In den ersten Nachmittagsstunoen erreichten wir unfern Be- obachtungspunkt. Das bis dahin regnerische Wetter besserte sich, ab und zu schien bereits die Sonne. Weithin konnte der Blick nach allen Seiten über das flache Land schweifen. Dicht besiedelt ist auch das Gebiet zwischen Mecheln, vor dessen Toren beinahe die ersten Außenforts von Antwerpen liegen, bis nach der großen Stadt an der Scheide hin. Aus einer ganzen Anzahl von Ort- schasten ragen hohe Kirchtürme und zahlreiche Fabrikschlote empor. Ganz im Hintergründe erscheint die riesenhafte Silhouette deS mächtigen Turmes der Kathedrale von Antwerpen. Beim Anblick dieses Panoramas konnte man einen Augenblick lang fast vergessen, daß sich vor unseren Augen ein großes Schlachtfeld ausdehnte, auf dem mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik gekämpft wurde. Freilich, das Dröhnen der zahlreichen Kanonen erinnerte sofort an die Gegenwart. Bald heller, bald dumpfer, je nach Größe und Entfernung der Geschütze, folgte Krach auf Krach. Kein treffen- derer Ausdruck ist denkbar als der vom Donner der Geschütze. Wie viele feuerten und wo sie standen, war von uns schwer zu schätzen, denn ihre Stellung wird möglichst sorgsam verborgen. Ebenso konnten wir anfänglich von unserm hohen Standpunkt aus nicht immer unterscheiden, ob das Getöse vom Abfeuern einer deutschen Kanone oder von dem Platzen eines belgischen Geschosses herrührte. Erst allmählich konnten wir diese Unterscheidung vornehmen. Krachten die deutschen Batterien los, dann hörten wir deutlich, wie die Geschosse ihren Weg durch die Luft nahmen, sahen weit entfernt den kurzen Feuerschein beim Aufschlagen, dem gleich darauf der helle Rauch folgte, und manchmal, wenn das Geschoß gezündet hatte, kurz darauf dicken, schwarzen Oualm. Aus dem Aufblitzen und dem Rauch war erkennbar, wo belgische Granaten ausschlugen, und noch besser war zu sehen, wenn die Schrapnells in der Luft platzten, deren Streukugeln unsere Truppen aus ihren Schützen- grüben vertreiben sollten— ein erfolgloser Versuch. Ohne Unterlatz erschütterte Schuß auf Schuß die Lust. Von der Wirksamkeit der deutschen Geschosse zeugte, uns durch das scharfe Glas deutlich sichtbar, eines der eroberten Forts sowie der immer dichter werdende Oualm des Brandes der beschossenen Dörfer. Mit heller Flamme brannten Stallungen und Scheunen einer alleinstehenden großen Besitzung. Weiter rechts brannten viele Häuser eines ausgedehnten Dorfes, das neben einem Fort liegt, und dicker Rauch zog langsam über die Landschaft hin. Noch größer mußte, nach dem Oualm zu schließen, eine Feuersbrunst in einem weiter nach Antwerpen zu gelegenen Orte sein, der durch Bäume verdeckt war. Rasch nahm das Feuer an einer vierten Stelle zu, nach der in kurzer Zeit eine große Anzahl deutscher Granaten ge- schleudert worden waren, von denen wir jede einzelne einschlagen sahen. Die beiden ersten nahegelegenen Brände waren durch bel- gtsche Schüsse verursacht. Augenblicke höchster Spannung waren es, als auf einer weit entfernten Waldlichtung auf wenige Minuten ein feindlicher Panzerzug fichtbar wurde. Von einem Fesselballon aus, der als Beobackstungsftelle diente, war der Panzerzug wohl früher als von der Seekrieg. Der Kaifer-wilhelm-Kanal gesperrt. Ter Kaiser-Wilhelm-Kanal ist nunmehr aus prinzipielrü Gründen für Schiffe aller neutralen Staaten während der Dauer des Krieges gesperrt worden. Die Kaperfahrten deutscher Kreuzer. Amsterdam, 11. Oktober.(W. T. B.) Aus Sabang meldet das„Handelsblad": Ein deutsches Schiff brachte drei Offiziere und die Mannschaften des Schiffes„City of Westminster" hier ein, das vom Kreuzer„Königsberg" im Indischen Ozean versenkt wurde. Sperrung russischer tzäfen. Kristiania, 10. Oktober.(W. T. B.) Der norwegische Gesandte in Petersburg telegraphierte, der Konsul in Helsingfors habe mit- geteilt, daß die Häfen im Botnischen Meerbusen mit Ausnahme von Raumo und Maentelnoto gesperrt seien. Der Senat versuche die Aufhebung der Sperre zu erlangen. Laut Zeitungsmeldungen sind auch Sewastopel, Otscha- kow und Kertsch wegen Minen gesperrt. Falls Schiffe trotz- dem den Anlauf dieser Häfen versuchen sollten, so sei von dem Oberkommando der russischen Schwarzen-Meer-Flotte Befehl er- gangen, von den Festungen scharf zu schießen, falls nach dem Warnungsschutz nicht angehalten werde. Ausfahrt der russischen Schwarzen-Nleer-ßlotte. Bukarest, 1V. Oktober. sW. T. B.) Einer Blätter- Meldung zufolge ist gestern vormittag eine russische Flotte aus acht großen und zehn kleinen Einheiten auf der Fahrt nach Süden bei Konstanza gesichtet worden.— Tie Rumänische Seeschiffahrtsgescllschaft hat ihren Dienst Konstanza-Konstan- tinopel eingestellt. Eine falsche Darstellung. Im„Tag" bringt der Zentrumsabgeordnete Erzbergcr Material zur belgischen Neutralitätsfrage. In der Zusammenstellung heißt es u. a.: „Am 3. August passierte eS in Düsseldorf in Gegenwart meiner Schwester, daß zwei französische Flieger über dem Rhein sichtbar wurden, man schoß sie aber herunter." An dieser Darstellung ist lediglich wahr, daß an dem genannten Tage von zur Abwehr feindlicher Flieger und Luftschiffe aus- gestellten Geschützen am Rheinufer in Düsseldorf einige Schüsse ab- gegeben wurden. Französische Flieger sind an dem Tage und auch an den folgenden Tagen nicht gesehen, noch weniger herunter- geschossen worden. Der neue italienische Kriegsminister. Rom, 11. Oktober.(W. T. B.) Der König hat das Eni- lassungsgesuch des Kriegsministers Generals Grandi angenommen und den Generalmajor Zupelli zum Kriegs- minister ernannt. slus Südafrika. Man schreibt uns aus Amsterdam: Ter„Nieuwe Rotterdamsche Courant" veröffentlicht eine Kor- respondenz aus Johannesburg vom 10. September, worin die Be- mühungen der Regierung geschildert werden, kriegerische Stim- mung zu machen. Man bemüht sich auch, auf dem Land Gaben fürs Heer in nsturs zu sammeln, um dadurch den Eindruck zu wecken, daß auch die Burenbcvölkcrung für den Krieg gegen die Deutschen begeistert sei. Der Korrespondent sagt jedoch:„Die Begeisterung besteht indes noch nicht, und es gibt Leute, die finden, daß dieser Krieg in Europa geführt und ent- schieden wird, wo die Großmächte beim Friedensschluß über da? LoS der afrikanischen Kolonien bestimmen werden. Daß sie jetzt den Streit beginnen, schwere Kriegslasten tragen und Blut ver- uns bemerkt und den Batterien signalisiert worden, denn sofort wurde er das Ziel einander rasch folgender Granaten, die einen neuen großen Brand verursachten, dessen Schein noch zur Nacht leuchtete. Als die Sonne sank, traten nach Antwerpen zu alle Türm«, Schlote, Häuser und Bäume wie mit leuchtender Klarheit aus dem meilenweiten Gelände hervor und bildeten scharfgezeichnete Merkpunkte für die Batterien, die Stunde um Stunde brüllten und donnerten und ihre Geschosse in die feindlichen Stellungen warfen. In höchster Spannung harrten wir auf unserm hohen Platze aus, bis der immer kälter werdende Wind die Hände an den Ferngläsern fast erstarren machte. Dann wurde uns der Weg zu den Batterien frei gegeben. Ein Posten nach dem anderen ließ uns passieren:„Jetzt wird die Sache aber brenzlig", mahnte ein um uns besorgter bärtiger Landwehr- mann. In Deckung stehende Mannschaft wies uns die Stelle, wo noch am Vormittag durch belgische Schrapnells zwei Mann getötet, mehrere verwundet worden waren, und wo noch vor zwei Stunden wieder ein Geschoß eingeschlagen hatte. Im Galopp brachten die von sechs mächtigen Pferden gezogenen Geschoßwagen die Granaten an uns vorbei zu den Batterien oder kehrten von dort in schnellster Fahrt zurück. Schließlich standen wir nur wenige Meter von einer Batterie großer Kanonen entfernt, bei der Mannschaft und Ossi- ziere so ruhig ihren Dienst taten wie aus dem Schießplatz. Nicht weit davon feuerte eine Haubibenbatterie. Mit betäubendem Krachen sandten die Rohre die großen Geschosse in die Dämmerung hinaus; zuerst brüllend, dann mit polterndem Rallen und schließlich pfeifend und sausend nahmen die Granaten ihren Weg nach einem uns unsichtbaren Ziel. An die Gefahr mahnten nur die in Deckung stehenden Krankenträger. Die belgischen Granaten schlugen ein ganzes Stück entfernt ein. Es war schon dunkel, als wir nach Mecheln zurückkehrten. An uns vorbei rückten Fußtruppen ins Gelände vor. Den Kanonen- schüssen gesellte sich das Knattern der Gewehre; sturmreif geschossene feindliche Stellungen sollten genommen werden. In Reserve ge- halten« Abteilungen standen abseits vom Wege. Dann kamen wir an lagernden Truppen und Bagagekolonnen vorbei. Zelte waren aufgeschlagen, zahlreiche große Feuer lohten, Pferde wieherten und in all den Lärm eines LagerlebenS, wie eS romantischer auch zur Zeit des dreißigjährigen Krieges nicht ausgesehen haben kann, mischten sich die Töne einer Ziehharmonika. KriegSbilder von einer Mannigfaltigkeit, wie sie die lebhafteste Phantasie nicht auszudenken vermag, zogen heute morgen an uns vorüber, als wir im Automobil durch daS Gelände fuhren. Mit Blumen geschmückte Gräber deutscher Soldaten liegen dicht am Wege und inmitten der Felder. Bei dem eroberten Feld Waelhem konnten wir erneut die gewaltige Wirkung der deutschen Granaten bestaunen, die auch an diesem Vormittag unausgesetzt die Lust mit ihrem Getöse erfüllten. Auch daran gewöhnt man sich. Als wir zur Besichtigung einer Stellung ein Stück Weges zu Fuß gingen. achteten wir bald nicht mehr darauf, als aus einer Batterie ein Ge- schoß nach dem andern über unseren Köpfen hinweg nach Antwerpen zu sauste. gkeßen sollen zum Vorteil deS britischen Reiches, währenb die Möglichkeit besteht, daß dies zum Vorteil Südafrikas geschieht, läßt sie ihre Kriegspflicht unwillig erfüllen und gegen die Re- gierung murren. Die Gelegenheit, dieser Meinung Ausdruck zu geben, besteht aber jetzt, da eine außerordentliche Parlaments- fession in Kapstadt vom neuen Gouverneur Lord Buxton eröffnet worden ist.... Bei der Eröffnung teilte er mit, daß Gesetzent- würfe über ein Moratorium, Kriegskredite und die Anlegung einer Eisenbahn von Priska westlich in der Richtung der Grenze von Teutsch-Südwestafrika. mit welcher Anlage man schon seit Wochen eilig beschäftigt ist. Ich mutz Ihnen noch mitteilen, daß vor einigen Wochen hier ein Bericht verbreitet worden ist, daß aus der deutschen Kolonie ein Einfall in die Kap-Provinz gemacht worden sei. Es kam heraus, daß einige holländisch sprechende Afrikanders- Kolonisten, die im südlichen Teil von Deutsch-Südweftafrika wohnen und dort dienstpflichtig sind, mit Hab und Gut den Oranjefluß zu überschreiten vorgehabt' hatten. Als sie nach Schmitdrift zogen, wurden sie von einem Sergeanten und einigen Polizeidienern ein- geholt. Sie waren schon mit ihrem Zug auf einer Insel im Oranje- fluß angelangt, als sie den Kampf gegen ihre Verfolger begannen und diese mit Hinterlassung eines Toten in die Flucht trieben. Auch wird erzählt, daß sich eine kleine deutsche Truppe in der Nähe von Nakob. innerhalb des Unions-Gebiets, verschanzt und so die Gebietshoheit verletzt hat. Woraus sich ergeben soll, daß nicht nur England der Krieg aufgedrängt worden ist, sondern daß wir hier in Südafrika uns gegen das aggressive Auftreten unseres deutschen Nachbarn geradezu zu wehren haben.— Unterdes wird in der Presse gearbeitet, um einen deutschfeindlichen Geist zu wecken und das britisch-imperialistische Gefühl anzufachen." Im Milner-Park in Johannesburg ist ein großes Kriegs- gefangenenlager errichtet, wo die deutschen und österreichisch- ungarischen Dienstpflichtigen aus der ganzen Union interniert sind. Die Internierten sind in den dort befindlichen Ausstellung?- gebäuden untergebracht und machen es sich so angenehm wie möglick. Sie haben sogar einige Musikkorps und lassen sich zur Aufmunterung und zum Zeitvertreib manchmal die»Wacht am Rhein" u. dgl. vorspielen. Heeresverwaltung und Mbeiterbeschäftigung. Die Heeresverwaltung gibt in der„Nordd. Allg. Ztg." die Grundsätze bekannt, die bei der Herstellung von Arbeiten für militärische Zwecke maßgebend sein sollen. Vorausgeschickt wird, daß das Bestreben, die Leistungsfähigkeit der Militär- betriebe und der Privatbetriebe, die mit Aufträgen für die Heeresverwaltung betraut sind, unter allen Umstän- den auf der erforderlichen Höhe zu halten, ollen anderen Rücksichten vorangehen müsse. Soweit es hier- nach möglich sei, müsse auf folgendes Bedacht genommen werden: 1. Ueberstundenarbeit ist zu vermeiden, wenn die Verhältnisse es gestatten, die Aufträge mit einer ne unständigen oder kürzeren Arbeitszeit durch Einstellung einer größeren Zahl von Arbeitern zu be- wältigen. 2. Wo zurzeit in mehr als neunstündigen Schichten gear- beitet wird, ist auf die Einführung achtstündiger Schichten hinzuwirken, sobald die Leistung des Be- tricbes eine Aenderung der Arbeitseinteilung ohne Nachteil für die rechtzeitige Erledigung der Aufträge zuläßt. 3. Feierschichten, d. h. Beschäftigung der Arbeiter in ein- oder mehrtägigem Wechsel, werden dort, wo die vor- liegende Arbeit nicht ein besonderes Einarbeiten und eine dauernde Beschäftigung verlangt, angezeigt und geeignet sein, zur Linderung der Not und besseren Verteilung des Ver- dienstes beizutragen, namentlich an Orten, wo die Arbeits- losigkcit besonders groß ist. Auf langjährig im Dienste der Heeresverwaltung tätige Arbeiter und solche mit starker, nicht „Es ist herzzerreißend/ Einem Feldpostbrief, den ein bekannter Hamburger Partei- genösse seiner Frau schreibt und der dem„Hamburger Echo" zur Verfügung gestellt wird, entnehmen wir folgende Zeilen: ...... Im nächsten Dorfe gibt eS Quartier. Wir kommen mit dem 3. Zug in eine Wirtschaft. Die Frau mit ihren Kindern sitzt jammernd in der Küche. Ihr Mann ist am Morgen er- schössen. Wir erhalten warmes Essen aus der Feldküche— wieder Reis mit Speck. Kaum ist eS verzehrt, tönt der Ruf: Sechs Kilometer entfernt stehen die Engländer, fertigmachen! Müde und zer- schlagen treten wir heraus— es ist bereits dunkel geworden. Wir winden uns durch enge Gassen und stehen auf einem Stoppel- feld— schwärmen— hinlegen. Wir liegen auf dem feuchten Boden— langsam rinnen die Stunden. Abwechselnd liegen und knien wir. Der Regen rieselt fein und durchdringend hernieder. Alles steht; in der Nässe ist eS am Boden nicht mehr auszuhalten. Hier schreckt einer vorn. Ich falle, vom Schlaf übermannt, hinten» über, kaum fähig, mich wieder zu erheben. Es ist bereits d i e vierte Nacht ohne Schlaf. Endlich graut der Morgen. Ab und zu tönen Gewehrsalven durch die Stille, bald dumpf donnernd in langen Zwischenräumen ein Kanonenschutz. Bei Tagesanbruch geht es ins Quartier zurück. Die Gewehre werden zusammen- gesetzt; es wird abgehängt, und hinein geht es ins Quartier. Endlich Ruhe bis auf weiteren Befehl. Wie die Toten liegen wir, wo sich ein freies Plätzchen bietet. Mittags Gewehr reinigen und dann Mittagessen, nochmals Reis mit Speck. Dann geht's wieder weiter, an Dörfern vorbei; teilweise sind sie zerstört. Pferdekadaver liegen an den Wegen, an Biwak- Plätzen, wo AuSrüstungSgegenstände zerstreut liegen. Tornister, Käppis, alle- durcheinander. Hier hat ein Kampf in der Nacht stattgefunden. Ein großes Gebäude mit Rote-Kreuz-Flagge beherbergt über I belgische Verwundete. Einige frisch zuge- worfene Gruben zeigen die Ruhestätte der Gefallenen an. Wir stehen aus dem Marktplatz des Dorfes H..., in dem wir Quartier nehmen sollen und treffen eS mit 21 Mann gut in einer Wirt- schaft. Der Keller steht voll Bier und Wein, die Leute sind ent- flohen. AlleS Eßbare wird zusammengetragen. Ein Schinken findet sich an und wird verteilt. Eingemachte? ist vorhanden; eS wird herangebracht. Im Obstgarten läuft eine Ziege, die sich an unsere Fersen heftet und durch Stube und Garten uns nicht ver- lassen will; ein kleines grunzendes Schwein irrt auch im Garten umher. Hühner werden gegriffen und gerupft. Heute abend gibt eS Hühnersuppe. Wir ziehen uns aus und waschen uns. Eine Labung nach vier Tagen Schmutz. Dann schlafen wir. Wir haben mehrere Wachen selbst eingeteilt und stehen in der Nacht jeder eine Stunde. erwerbsfähiger Familie muß naturgemäß Rücksicht genom- men werden. 4. Wiederholt ist Klage geführt, daß mehrere Per- sonen, die einen gemeinsamen Haushalt füh- r e n, zugleich in den Betrieben beschäftigt werden und so zu- sammen einen hohen Verdienst erzielen, während Familien- Väter mit mehreren erwerbsunfähigen Kindern und Witwen abgewiesen werden müßten und Not litten. Das ist zu ändern. Berufungen auf mehrjährige Dienstzeit können angesichts der allgemeinen Notlage nicht von ausschlaggeben- der Bedeutung sein. Z. Personen, die bei Privatfirmen gegen ange- messenen Lohn in Arbeit stehen und sich bei den Dienststellen nur deshalb um Arbeit bewerben, weil ihnen diese Arbeit besser zusagt, oder weil sie hoffen, einen höheren Verdienst zu erzielen, sind von der Einstellung grundsätzlich auszu- schließen. 6. Ein Zwang im Sinne des Vorstehenden kann auf die mit Hccreslieferungen betrauten Firmen zwar nicht aus- ge ü b t werden, in vielen Fällen wird aber die vergebende Dienststelle ihren Einfluß zugunsten der Arbeitslosen mit Erfolg geltend machen können. Die Heeresverwaltung nimmt ferner Veranlassung, fol- gende Bemerkungen zu machen, die sich auf einige bei ihr zur Sprache gebrachte Vorkommnisse beziehen: 7. Landsturmpflichtige dürfen nicht deshalb von der Einstellung ausgeschlossen werden, weil sie noch nicht völlig dienstfrei sind. Erhalten sie ihren Gestellungsbefehl, dann bleibt es den Dienststellen immer noch frei, sie zu entlassen oder als unabkömmlich zu reklamieren. 8. Anschuldigungen gegen verschiedene mit Heeres- lieferungen bedachte Firmen, daß sie das Ueberangebot an Arbeitskräften ausnutzen und den Arbeitern ganz u n g e- nü gende Löhne zahlen, sind vielfach aus Arbeiterkreisen vorgebracht und auch in der Presse besprochen worden. D i e Dienststellen werden hierauf ihr besonderes Augenmerk zu richten und in Fällen auffälliger Art die Lieferanten davon zu verständigen haben, daß sie von ferneren Lieferungen und Leistungen aus- geschlossen werden müßten, wenn sie fort- fahren sollten, in der beschriebenen Art die Löhne zu drücken. Bei Neuausschreibungen wird es sich empfehlen, derartigen Vorgängen durch entsprechende Vertragsbedingungen vorzubeugen. Schließlich wird noch auf folgendes zur Beachtung hin- gewiesen: 9. Den Bedarf an technischen Kräften aller Art vermittelt der Verein Deutscher Ingenieure in Verlin NW., Sommer- straße 4a. Handwerker und Arbeiter werden im Bedarfssalle von einer im Reichsamt des Innern errichteten Zentralstelle den Behörden unmittelbar nachgewiesen. 19. Auf die Verwendung freiwilliger, un- bezahlter Kräfte als Boten, Schreiber usw. muß über- all dort verzichtet werden, wo arbeitsfähige Arbeitslose zu diesen Zwecken vorhanden sind. Ebenso ist es zu vermei- den, Personen, für deren Unterhalt in anderer Weise gesorgt ist, zu beschäftigen(Pensionäre, Angehörige von Beamten usw.. deren Lebensunterhalt auch ohne eigene Arbeit gesichert ist, usw.). 11. Firmen, die für die Heeresverwaltung liefern, ist hinsichtlich Gewährung von Abschlagszahlungen nach Möglichkeit entgegenzukommen, um ihre finanzielle Leistungs- fähigkeit, namentlich in bezug auf rechtzeitige Zah- lung der Löhne, zu erhöhen. 12. Die Strafanstalten sind während des mobilen Zustandcs zur Deckung des Bedarfs an Geräten nicht her- anzuziehen. Soweit es noch angängig ist, sind bereits erteilte Aufträge von den Strafanstalten zurückzuziehen. 13. Fortführung usw. von Bauten. a) Ausbesserungen usw. an baulichen Anstalten können nach wie vor ausgeführt werden. In der Kirche sind wohl an 200 Menschen eingebracht: Männer, Frauen und Kinder, teilweise ganz kleine, die in Tücher gehüllt, von den Frauen gehalten werden. Ein Bild des Jammers. Ich gehe in der Nacht hinein. Hier und dort wimmert so ein kleines Wurm. Es ist herzzerreißend. Ich habe Gläser mit Marmelade aufgetrieben und Brot. Die Aermsten sind dankbar und radebrechen„Deutsches Soldat brav". Wenn ich in den Häusern Kinderspielzeug sehe, möchte ich heulen. Ich sehe ein kleines Kinder-Dreirad stehen und mußte weinen. Der Krieg ist furchtbar. Manches ist nicht zu schildern, weil es sich in Worten nicht wiedergeben läßt. Jetzt geht's auf A... zu. Nur keine Straßenkämpfe, lieber im freien Felde mobilen Truppen gegenüberstehen. Das ist noch ein ehrliches Streiten." die Granate. Ein Mitarbeiter des„Nieuwe Rotterdamsche Courant" stellt in einem lebhaften Bilde von den Schrecken des Krieges vor allem die verheerenden Wirkungen der deutschen Granate dar. Er sagt unter anderem: «Wenn man das heulende, zischende Pfeifen der großen deutschen Granate durch die Luft auf sich zukommen hört— ein Geräusch, das ein schwerer, länglicher, zylinderförmiger Gegenstand verursacht, der mit solcher Geschwindigkeit heranfliegt, daß man ihn überhaupt nicht sieht— dann hat man nach dem heftigen Schreck bei der ersten betäubenden Explosion noch das den ganzen Menschen beherrschende, außerordentlich unbehagliche Gefühl, dem blinden Zufall ausgeliefert zu sein. Und wenn man dann in einer Stadt ist, deren Häuser brennen, aus einem Hospital kommt, wo man verstümmelte und sterbende junge Männer gesehen hat, die erschöpft und stumpf im Stroh lagen, auf die Straße tritt und plötzlich wieder eine Granate zischend durch die Luft pfeifen hört und mit donnernder Gewalt neben sich explodieren sieht, und in der Rauchwolke eine zu Boden geschleuderte jung« Frau mit ihrem Kinde gewahrt, die Frau eine Leiche mit aufgerissenem Körper, das dreijährige Kind im Sterben wimmernd— dann ist der Ausruf keine Phrase mehr, sondern ein aus tiefstem Herzen kommender Schmerzensschrei: Der Krieg ist «in blinde? Ungeheuer und ein nicht wiederzugebender Schrecken. Die Granate ist seine geliebte Waffe. Sie verleiht dem modernen Krieg den eigentlichen Charakter. Man muß ihr un- heimliches Pfeifen über sich gehört haben, ihr« Verwüstungen, denen man ohnmächtig ausgeliefert ist, gesehen haben, um die Art des heutigen Krieges klar zu fühlen: ein blindes, namenloses gegen- seitiges Schlachten aus der Ferne, mit riesenhaften Dimensionen, entsetzlich niederdrückend und abstumpfend, jeden Gedanken an Schonung oder erhebenden, heldenhaften Kampf ausschließend. Von der Wirkung und den Schrecken der Granate konnten sich die Truppen eigentlich kein Bild machen, ehe sie es an sich selbst d) Größere Bausen, die sich bereits in der Ausführung befinden, sind, um sie dem Einfluß der Witterung zu entziehen, unter Dach zu bringen oder darüber hinaus soweit fortzuführen, als es die verfügbaren Mittel ge- statten und vertragliche Verbindlichkeiten, die ohne Verluste für die Reichskasse nicht rückgängig gemacht werden können, es erforderlich machen. o) Neubauten, die ihrer Vollendung nahe find, sowie kleinere bereits begonnene Bauten sind zu Ende zu führen, letztere unter Umständen in einfachster oder beschränkter Form. ck) Soweit es im Interesse der Einschränkung der Arbeits- losigkeit oder aus anderen Gründen zweckdienlich er- scheint, Bauvorhaben über die vorstehend gezogenen Grenzen hinaus zu fördern, sind entsprechende Anträge an die zuständigen Stellen des Kriegsministeriums zu richten. Diese Richtlinien sind im ganzen recht verständig: von Wichtigkeit sind besonders die Anweisungen über die Ein- fllhrung der Ach t st u n d e n s ch i ch t und über das Ein- schreiten gegen Firmen, die auf die Löhne zu drücken suchen. Man darf wohl hoffen, daß die in Frage kommenden Stellen alles tun, um den Richtlinien der Heeresverwaltung Geltung zu verschaffen. Das liegt ebenso im Interesse der Allgemeinheit wie der Arbeiter. politische Ueberflcht. Landtagsersatzwahl in Karlsruhe. Die Landtagsersatzwahl für den gefallenen Genossen Dr. Frank in Karlsruhe-Ost hat am 19. Oktober stattge- funden. Es war eine echte Kriegswahl. Von 7299 Wahl- berechtigten gaben nur 632 ihre Stimmen ab: 625 von diesen fielen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, den Rechts- anwalt Dr. Mar um, dem keine Gegenkandidaten gegen- überstanden. 7 Stimmen zersplitterten. Urlaub für Landtagsabgeordnete. Der Kriegsminister macht amtlich bekannt, daß Ange- hörige des Heeres, die als Mitglieder dem preußischen Herren- hause oder Abgeordnetenhause angehören,� zu der am 23. d. M. beginnenden kurzen Tagung beider Häuser beurlaubt werdeu sollen, soweit sie nach Lage und Dienst abkömmlich sind.— Auch die im Felde befindlichen Mitglieder des Reichstags müssen, soweit als möglich, zur Teilnahme an den Verband- lungen des Reichstags beurlaubt werden. Schaffung von Arbeitsgelegenheit durch den preußischen Landtag. Der nationalliberale Landtagsabgeordnete Geheimrat Dr. G o t t s ch a I k- Solingen regt in einer Zuschrift an die„Köln. Ztg." an, man könnte die Tagung des preußischen Landtags am 22. Oktober, ohne sie in unerwünschter Weise verlängern zu müssen, noch segenbringender gestalten, wenn die Staatsregierung sich entschließen würde, gleichzeitig«inen Teil des nach st en StaatshauShaltSentwurfs erledigen zu lassen. Diejenigen Bauten, die sonst in den einmaligen und außerordent- lichen Ausgaben des Staatshaushalts ihre Deckung finden, könnten in diesem Jahre ausnahmsweise durch ein besonderes Gesetz er- ledigt werden. Der große Vorteil dieser außergewöhnlichen Maß- nähme besteht darin, daß die Arbeiten schon im November dieses Jahres in Angriff genommen werden könnten, wodurch für manche Geschäftszweige und zahlreiche Arbeitslose eine recht willkommene Beschäftigung geschaffen würde. Daß auch wir es für eine dringende Notwendigkeit halten, daß der preußische Landtag Mittelzur Bekämpfung der Arbeitslosennot bereitstellt, haben wir bereits dar- gelegt. Es wird sich aber darum handeln müssen, auch außer- etatmäßigeBeträge dafür zur Verfügung zu stellen, damit in wirklich großzügiger Weise vorgegangen werden kann. empfunden hatten, sagte«ir ein Offizier. Von einem Kugelregen und selbst von der mörderischen Wirkung der Maschinengewehre geben die großen Manöver viel eher eine Vorstellung. Aber die aus weiter Ferne im Verborgenen donnernden Kanonen machen im Manöver abolut nicht den Eindruck ihrer tatsächlichen Wirkung. Diese Wirkung schien für alle Beteiligten ein Schrecken und ein? ungeheure Vernichtung über alle Erwartung gewesen zu sein. Die Folge eine? zum erstenmal sich über eine Truppe ergießenden Granatenregens war denn auch wiederholt ein großes Entsetzen» um nicht zu sagen eine Panik. Allmählich wurde das aber überwunden. Gehorchen und ohne Schrecken manövrieren, also sich fatalistisch darein ergeben, durch die aus der Ferne geworfenen höllischen Mordwerkzeuge getötet zü werden, darauf kommt in dem heutigen Kriege zum großen Tei» der Mut, das heldenhafte Kämpfen der Truppen hinaus. Doch diese blinde Vernichtung drückt den Truppen und eigentlich auch dem ganzen Krieg seinen düsteren Stempel auf." Gin Optimist. Ein Mitarbeiter des„Nieuwe Rotterdamsche Coitrant", der nach den deutschen Siegen in Lothringen, also nach den ersten Erfolgen im Kriege mit Frankreich durch Deutschland gereist war, gibt seine dort empfangenen Eindrücke in folgen- der Weise wieder: „Es hat sich etwas geändert in dem Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich ist in den Augen der Deutschen nicht mehr das Land von Sedan und Metz, das Land der mangelhaften Leitung, der einander im Stich lassen- den Generale. Frankreich ist rehabilitiert, hat den Deutschen Achtung abgewonnen. Und dadurch werden sich die Franzosen und Deutschen für die Zukunft wie neue Menschen gegenüber- stehen. Der Franzose fühlt sich nicht mehr erniedrigt durch die Erinnerung an 1879, ist nicht wie früher gereizt durch den Anblick von Deutschen, bei denen er nicht mehr wie einst eine beleidigende Geringschätzung voraussetzt. Diese veränderte Haltung tritt niomentan unter dem Donner der Kanonen noch nicht so deutlich ans Licht; sie wird noch durch andere Gefühle, durch andere Eindrücke übertönt. Doch sahen wir auch in der Gesellschaft deutscher Offiziere den Keim dieser veränderten Stimmung im stillen hervor- treten. Das ist eine bedeutsame Hoffnung: Der Krieg, der durch den Krieg getötet wird. Das Bild einer schöneren Zu- kunft steht vor uns, einer Zukunft, in der sich Deutsche und Franzosen als Brüder fühlen werden, zwar von verschiedenen Anlagen und verschiedenem Temperament, jedoch dazu be- stimmt, einander ergänzend, helfend und stützend vorwärts- zugehen. Dazu berufen, die Kräfte auf etwas Besseres zu konzentrieren, als euch das. Streben nach gegenseitigex Ver, nichtung." Wahlprüfmigeu im Reichstag. Bon einer Korrespondenz wird die Nachricht derbreitet:«Um die Einmütigkeit aller Parteien während deS Krieges auch fernerhin zu erhalten, wird die Wahlprüfungskommission wohl vorläufig ihre Beratungen nicht aufnehmen, zumal durch die zahlreichen Einberu- fungen von Abgeordneten in den Heeresdienst auch die bisherige Besetzung der einzelnen Kommissionen bedeutende Veränderungen erfahren würde." Tazu schreibt uns ein Mitglied der Wahlprüfungskommission: ..Tiefe Nachricht hat sich die betreffende Korrespondenz rein aus den Fingern gesogen. Wenn der Reichstag seine Arbeiten wieder aufnimmt, dann bedinnt auch wieder die Tätigkeit der Wahlprüfungskommission, die noch einige sehr strittige Mandate zu erledigen hat. Von den 14 Mitgliedern der Wahlprüfungs- kommission find überdies nur drei zu militärischen Diensten ein- gezogen."- Aerztemangel? Der Vorwurf, die Heeresleitung spare mit Aerzten und lasse diele Zivilärzte, die sich als Kriegsfreiwillige gemeldet haben, auf die Einberufung warten, wird in der«Nordd. Allgem. Ztg." zurück- gewiesen. Der Einberufung ständen vielfach Hindernisse im Wege. In sehr vielen Fällen sei die Bereitwilligkeit der Gemeldeten nur „eine sehr bedingte" gewesen: „Ein hoher Prozentsatz macht sie von vornherein von der Verwendung im Wohnort abhängig. So sind beim Sani- tätsamt des Gardekorps zurzeit mehr als 300 Aerzte gemeldet, die nur in Groß-Berlin und allenfalls in der Umgebung, wo der Bedarf zurzeit voll gedeckt ist, zur Verwendung bereit sind. Im Gegensatz zu dieser hohen Zahl sind z. B. dort jetzt nur noch 4 Aerzte übrig, die sich zur freiwilligen Verfügung auch zum Dienste außerhalb Berlins und der Vororte zur Verfügung ge- stellt haben. Von den an anderen Stellen gemeldeten Aerzten will ein Teil nur im Westen, ein anderer nur im Osten Deutschlands, der nur in Reservelazaretten der Heimatprovinz, jener Mar im gesamten Heimatsgebiet, aber nicht in Festungen und ad- seits der Grenze tätig sein. Kurz, es werden derartige kaum erfüllbare Bedingungen gestellt, daß man unter Berücksichtigung der besonderen, durch die Kriegslage geschaffenen Anforderungen von Aerzten in vielen Fällen ihnen nicht nähertreten kann. Fallen also schon einerseits dadurch zahlreiche Anerbietungen aus, so zieht andererseits ein Teil der Herren, die sich anfangs «zur freien Verfügung" gestellt haben, rm Augenblick der Ein- berufung seine Meldungen zurück. Während ein Teil von diesen aus Angabe eines Grundes überhaupt verzichtet, führen andere Vertretersorgen, Krankheit der eigenen Person oder der Fa- milie, inzwischen anderswo eingegangene Verpflichtungen und sonstige plötzlich eingetretene Hindernisse an." Zum � Schluß wird angekündigt, daß in Zukunft noch zahlreiche Einberufungen erfolgen würden und der Wunsch geäußert, daß recht viele Aerzte sich wirklich zur freien Verfügung stellen möchten. Unternehmer und Arbeiter. Bor längerer Zeit(Nr. 250 des„Vorwärts") hatten wir ein Sch, reiben der Intendantur in D a n z i g abgedruckt, in dem u. a. auch die Firma Falk, Berg u. Co. in Danzig genannt war, weil sie sich angeblich geweigert habe, trotz der hohen Bezahlung durch die Heeresverwaltung, andere als nur die tariftnätzigen Löhne zu zahlen.— Darauf hat uns kürzlich die Firma eine„B e r i ch! i- a u n g" geschickt, in der sie behauptet, 33 Prozent über den Tarif- lohnen gezahlt zu haben.— Unsere Erkundigungen in Danzig haben nun ergeben, daß dies zunächst nur für die Zimmerer zugetroffen habe; und hier versuchte die Firma obendrein auch noch, die Löhn« zu reduzieren, was freilich an dem geschlossenen Widerstande der Zimmerer scheiterte. Die Maurer und Hilfsarbeiter erhielten längere Zeit hindurch tatsächlich nur die tariflichen Löhne. Erst beim Schornsteinbau wurden die Maurerlöhne gleichfalls erhöht. Drei Maurer wußten sich dann noch obendrein einen nachträglichen Lohnzuschlag durch eine Klage beim Gewerbe- gericht zu sichern._ Tie russtschen Landarbeiter. Ueber das Schicksal der russischen Landarbeiter in Deutschland erfährt man Nähere? aus einer Bekanntmachung, die der Oberpräsident der Provinz Sachsen al» Befehl des stellvertreten- den Generalkommandos Magdeburg veröffentlicht. Danach fällt für die männlichen Arbeiter im Alter von 17 bis 43 Jahren die Karenzzeit, die sie sonst außerhalb des Landes zu verbringen haben, in diesem Jahre fort.„Sie haben sämtlich den Winter über am Orte ihrer bisherigen Arbeitsstelle zu verbleiben und dürfen die Grenzen des Ortspolizeibezirks nicht ohne schriftliche Genehmigung der Ortspolizeibehörde überschreiten." Der Uebergang in eine neue Arbeitsstelle ist nur unter bestimmten Bedingungen zulässig. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft.«Sofern sich die gedachten Russen zurzeit auf einer Arbeitsstelle befinden, auf der sie bereits seit mindestens dem 1. August 1914 beschäftigt werden, sind ihre bisherigen Arbeitgeber verpflichtet, ihnen während des Winters Unterkunft und Verpflegung zu ge- währen. Hierfür ist von den russischen Arbeitern vom 1. Dezem- ber ab eine Entschädigung von 50 Pf. pro Kopf und Tag zu bezahlen, vorbehaltlich der Aufrechnung gegen eine etwa hinterlegte Kaution oder gegen Lohnbeträge, welche sie auf Grund eines für die Wintermonate etwa neu» abgeschlossenen Arbeitsver- träges verdienen." Für die übrigen Beschäftigten heißt es, sie„können, soweit sie durch Arbeitsverträge nicht gebunden sind, das Inland verlassen, sofern sie im Besitze einer direkten Fahrkarte nach einer Eisenbahnstation eines neutragen Landes und eines von der gesandtschaftlichen oder konsularischen Vertretung des neutralen Staates visierten Passes sind. Sobald die militärischen und die Verkehrsverhältnisse die un- mittelbare Rückkehr in die Heimat gestattet, wird die Erlaubnis der Abreise zur Abreis«Pflicht. Die Kosten haben auch hier die Heimreisenden selbst zu tragen, soweit nicht ihre Arbeitgeber kontraktlich dazu verpflichtet sind. Solange keine Abreise erfolgt ist, gelten für die weiblichen und nichtmilitärpflichtigen Arbeiter dieselben Vorschriften wie für jene, die im militärpflichtigen Alter stehen."-- Sollte es nicht angemessen sein, im Anschluß an dies« Bestim- mungen zum mindesten auch eine Kontrolle einzurichten, ob die Landwirte auch imstande und willens sind, den ausländischen Arbeitern eine ausreichende Unterkunft und Verpflegung zu ge- währen? Di« Unterkunftsräumlichkeiten der Gutshöfe pflegen in der Regel nicht für den Winter eingerichtet zu sein. Und dann: Was geschieht, wenn die Zurückgehaltenen nicht in der Lage sind, das vorgeschriebene Verpflegungsgeld zu zahlen? Auch den russischen Landarbeitern gegenüber darf nicht der- gessen weiden, daß es hilfsbedürftige Menschen sind. Man wird nicht verlangen, daß ihnen besondere Freundlichkeiten entgegen- gebracht werden, aber es ist doch eine soziale Pflicht, sie vor der äußersten Not zu schützen. Tie Arbeitslofigkeit in Hamburg. Am 16. September fand in Hamburg eine Arbeits- losenzählung statt, die leider auf dem Meldcsystem be- ruhte und. dadurch nur ganz unvollkommene Resultate liefern konnte. Immerhin meldeten sich als beschäftigungslos nicht weniger als 25434 männliche und 3276 weibliche An- gestellte und Arbeiter. In Wirklichkeit ist ihre Zahl, wie gesagt, natürlich beträchtlich größer. Besonders die weiblichen Arbeitslosen sind in Wirklichkeit zweifellos um ein Vielfaches so zahlreich, als es nach den eingegangenen Meldungen scheinen möchte. Es ist eine bekannte Tatsache, daß gerade Frauen sich scheuen, die öffentlichen Meldestellen aufzusuchen. Der Bericht über die Zählung sagt-u. a.: „Bei den Männern haben sich bei weitem die meisten Ar- beitSlosen im Handelsgewerbe ergeben. Von den 7118 Per- sonen waren 1442 Angestellte(Aufsichts-, Bureau- und Rechnungs- personal), und 5676 Verkäufer, gelernte und ungelernte Arbeiter. — Im Baugew er be haben sich im ganzen 3920 arbeitslose Männer gemeldet, 36 Angestellte und 3884 Arbeiter.— An dritter Stelle folgt die Industrie der Holz- und Schnitz st offe mit 2243 Arbeitslosen, fast ausschließlich Arbeitern. Fast ebenso hoch war die absolute Zahl der Arbeitslosen im Verkehrsgewerbe mit 2216 Männern, davon waren Angestellte 146 und Arbeiter 2070. Bei den weiblichen Personen entfällt der Hauptanteil der an- gemeldeten Arbeitslosen auf die Gruppe: Häusliche Dienste mit 904 Personen.— Im Handelsgewerbe hatten sich 704, davon 412 Angestellte und 292 Arbeiterinnen, gemeldet, im Bekleidungs» gewerbe 362 und in der Papierindustrie 225 Arbeitslose, zumeist Arbeiterinnen. Von allen gemeldeten Arbeitslosen haben 14 900 oder rund 53 Prozent für Angehörige zu sorgen, 13 720 haben sich als allein- stehend bezeichnet. Unter den 25 434 männlichen Arbeitslosen hatten 13 856 oder 54,5 Prozent Angehörige, unter den 3276 weiblichen Arbeitslosen nur 1134 oder 34,6 Prozent." Auch die hier ermittelten Zahlen zeigen wieder, wie not- wendig durchgreifende Matznahmen zur Be- kämpfung der Arbeitslosig hei t und zur Milde- rung der Arbeitslosennot sind. Die städtische« Zuschüsse zu den �amilienuuterstutzungen der Kriegsteilnehmer. Wir haben fortlaufend über die Kriegsfürsorgeeinrichtungen der größeren deutschen Städte berichtet. Es dürfte aber inter- essieren, auch von einer Zusammenstellung Kenntnis zu nehmen, die von der Zentralstelle des Deutschen Städtetages auf Grund einer Umfrage bei allen Städten mit mehr als 25 000 Ein- wohnern verfertigt wurde. Was die Unterstützung der Kriegerfamilien anlangt, so sind danach über die Mittel, die für solche Unterstützungen über die Mindestsätze der Reichs- Unterstützung hinaus bereitgestellt worden sind, von den Städten in der Hauptsache erst vorläufige Zahlen mitgeteilt worden. Ausdrücklich als vorläufig werden sie bezeichnet in Eifenach (10 000 M.), Greifswald(50 000 M.) und Neukölln(1 Million Mark). In Bayreuth find 20 000 M. als«Grundstock" für weitere Unterstützung der 5kriegerfamilien bewilligt worden. Ferner haben zur Verfügung gestellt: Bremerhaven 25 000 M., Breslau 1,5 Millionen Mark, Guben 150 000 M., Hannover 3 Millionen Mark. Hildesheim 100 000 M., Katwwitz 30 000 M. und Neumünster 100 000 M. als Höchstsumme. In Linden sind als monatlicher Höchstbetrag für Zuschüsse an Kriegerfamilien 30 000 M. bestimm!, Altenburg schätzt die monatlichen Ausgaben auf 20 000 M., Olden- bürg auf 10 000 M.— Die Bemessung der Unterstützung erfolgt in den Städten nach verschiedenen Systemen. Teil-- werden Zuschläge zu den Reichssätzen gezahlt, teils besondere Unterstützungssätze unter Anrechnung der ReiöbSsätze festgelegt. Die Zuschläge erfolgen meist in Prozentsätzen der Reichsunter- stützung. oder es sind die Höchstgrenzen in Prozenten der Reichs-- sätze bestimmt. Absolute Zahlen finden sich als Zuschlage seltener, sie kommen bisher überhaupt nur vor in Bernburg, Göttingen, Kiel, Siegen, Stralsund und Wesel. Die Pro- zentnalzuschläge betragen einheitlich 100 Proz. der Reichs- Unterstützung in Berlin. Lichtenberg. Schöneberg, Wilmersdorf. Bremerhaven, Charlottenburg, Düren, Hanau. Metz, Neukölln und Neumünster, 50 Proz. in Breslau. Darmstadt und Frankfurt am Main. 33% Proz. in Aschersleben, Hof und Iserlohn. Mehrere Städte haben Höchstsätze bestimmt, bis zu denen die�Unter- stützung in Prozenten der Reichssätze gewährt wird. Sie be- tragen in Altona 66� Proz., Bautzen. Guben. Naumburg, fitolp und Zittau 100 Proz., in Gera 150 Proz.. in Halle 200 Proz., dagegen in München nur 50 Proz. Daneben haben Naumburg, Bautzen und Gera noch Mindestgrenzen von 50, 75 und 100 Proz. festgesetzt.— Bei den„besonderen Unter- stütz u n gS sä tz en" zeigt sich, daß hier die Leistungen der deutschen Städte sehr mannigfaltig sind. Zumeist werden die Unterstützungen nach Monatssätzen, teilweise aber auch nach Tages- sätzen und Wochensätzen gezahlt. Für die Ehefrau und die Kwder sind fast stets verschiedene Sätze bestimmt, wobei sich zeigt, day die Ehefrau besonders bevorzugt wird. Die sonstigen Unter- stützungsbedürftigen scheinen bei diesen städtischen Unterstutzungen im wesentlichen weniger berücksichtigt zu sein. Mehrfach lind jedoch nach der Größe der Familien die Sätze untereinander sehr abgestuft, und es zeigt sich hier mehr als bei den einfachen Pro- zentualzuschlägen das Bestreben, die Reichssätze etwas zu ver- seinern.__ kleine Lokalnachrichten. Auf Fernsprechkabel haben eS Metalldiebe abgesehen, die in der Dresdener Straße, Alexanderstraße, in der Knesebeckstratze in Neukölln, in der Kantftraße in Charlottenburg Diebstahle verübten. — Von einer Bier tonne erschlagen hmrbe ein Mann, der vor oeur Grundstück Hochstraße 32b auf einen fahrenden Bierwagen steigen wollte, um ein Stück mitzufahren.— Hierbei fiel ein y>atz vom Wagen und schlug ihm so heftig auf den Kopf, daß er besinnungs- los liegen blieb. Schwerverletzt wurde er nach dem Krankenhauie gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Vcrun- glückte ist 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, einen Anflug von Schnurrbart und trug einen dunkeln Jackettanzug und einen schwarzen, steifen Hut. Von einem Eisenbahnwagen überfahren und lebenSge- fährkich verletzt wurde am Sonnabendabend der sechSundreißig Jahre alte Arbeiter Otto Hesse aus der Weberftrahe 22. Hesse war bei einem Unternehmer beschäftigt, der auf dem Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde Arbeiten ausführt. Er schob hier mit anderen Arbeitern einen mit Kies beladenen Wagen. Hierbei glitt er aus, kam zu Fall und so unglücklich zu liegen, daß die Räder des schweren Wagens über ihn hinweggingen. Sie trennten ihm den linken Arm und das linke Bein vom Körper. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er nach dem Augusta-Viktoria-Krankcnhausc in Britz gebracht, wo er in bedenklichem Zustande darniederliegt.— Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern auf einem unbebauten Gelände in der Triftstraße gefunden. kleine Nachrichten. Ter.�Hauptmann von Köpenick". Als der Krieg begann, litt es den durch seinen Gewaltstreich als„Hauptmann von Köpenick" bekannt gewordenen Schuhmacher Voigt nicht länger in seinem thüringischen Wohnort. Es drängte ihn, sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Die Militär- behörde nahm ihn in die Militärwerkstätte in Erfurt auf, wo er jetzt, wie die„Franks. Ztg." hört, als einer der fleißigsten Ar« beiter gilt._ Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Diens- tagmittag: Zunächst trübe und kühl und etwas nebelig. An den meisten Orten noch geringe Niederschläge, später im Westen zeit- weise aufklärend. MM d. Brauerei- ii Jühlen- aFhEitera.¥erw.ßeruIsgenosseD. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach- richt, datz unser Kollege, der Fah< jahrer Vilbelm Baeskow, AenossenschaftS- Brauerei Grog- Berlin, verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung ersolgt heute Nachmittag 3 Uhr von der Halle des ZionskirchhoieS in Nordend, Blankenfelder Str. 7, aus. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltuug. Snezialarzt Dr. med. WockenfaB, Frieilrichstr. 126,(Oranienb. Tor). für Syphilis, Hsrn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage) Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- stSrung. Teilzahlung. Spreohst. vorm. 9 bis nachm. 8, Sonntags 9—1. 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