Nr. 289.-31. Jahrg. BbenncmentS'Bedlngungcn: LbonnSmentZ• Brei; pränumerandai «ierleljäbrl. 330 ÜRt.. monolt. 1,10 MI, wöchenllich 25 Pfg. frei inj HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welf 10 P'q, Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Por'ugal, Rllmänicn, Schweden und die Schweiz. OWirt täglid). Verltnev Volksblnkk. ( 5 Pfennig) Die Tnfcrtions-Gebühr Beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum W Pfg.. für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und VersmnmlungS-Anzeigen 30 Ptg. „Aleine Unreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulSffig 2 fettgedruckte Worte), ledeS westere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate sur die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: „$oziald(,ii»knt R«rlia". Zcntralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. 6$, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moriiiplak. Nr. löl i>v— ISl!»7. Dounerstag, den 22. Oktober 1914. Expedition: SW. HS, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moriffplaff. Nr. 161 90— IM S7. 2000 Engländer gefangen genommen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 21. Oktober, vormittags(W. T. B.) Am Tserkanal stehen unsere Truppen noch in heftigem Kampfe; der Feind unterstützte seine Artillerie vom Meere nordwestlich Nieuport aus. Ein englisches Torpedoboot wurde dabei von unserer Artillerie kampfunfähig gemacht. Die Kämpfe westlich Lille dauern an, unsere Truppen gingen auch dort zur Offensive über und warfen den Feind an mehreren Stellen zurück. Es wurden etwa 2000 Engländer zu Gefangenen gemacht und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist keine Entscheidung gefallen. Westlicher Kriegsschauplatz. heftiger Kampf an der belgischen Küste. Amsterdam, 21. Oktober.(T. U.) Ter Korrespondent des„Telegraaf", der aus Brüssel an die holländische Grenze gekommen ist, meldet, dast vorgestern an der belgischen Küste ein heftiges Gefecht stattgefunden habe. Ungefähr 30 000 Deutsche besetzten die Küste zwischen Ostende und Nkuport. Die englische Flotte nahm an diesem Kampfe mit ihren Schiffs- gcschützen teil. s»Frankf. Ztg.") Die englischen Verluste an öer �lisne. Mailand, 21. Oktober.v e i f- l h o f t g u t e G r u n d- d a f» r. Es'st mit den höheren Interessen unvereinbar, da? die Verbündeten von einander Rechenschaft verlangen, und wenn Kitchencr ei im Parlament oder anderwärts aufge.ordert w°rde.. daS F.a°° von Antwerpen zu erklären, so könne» fie"»t vollem Recht jede weitere Erklärung verweigern. vom österreichisch-rujstschen Kriegsschauplatz. Die Kämpfe in Galizien. Wie», 21. Oktober. sW. T. B.) Zu den letzten Er-igniffen auf dem galizischen Kriegsschauplätze schreibt d-r militärische Mitarbeiter dcS.Neuen Wiener Tageblattes. Das feindliche Oberkommando wollte Przemysl offenbar m,t allen Mitteln nehmen, um vom südlichen Kriegsschauplatz möglichst viele Kräfle nordwärts in das von den anrückenden Armeen der Ver- bündcten bedrohte Gebiet von Warschau ziehen zu können. Wenn man einmal im Besitz des stärksten Zentralpunktes Galiziens war, so Ivar man überzeugt, dieses Land auch mit einer geringen Truppcnzahl gegen alle Wiedereroberungs- versuche auf dem Westen halten zu können. Nun hat der Sieger von Kirkilisse, der General Radko Dimitriew, Przemysl nicht nur nicht eingenommen, sondern dort eine geradezu furchibare Niederlage erlitten, deren Folgen sich bereits nicht allein im Gebiet der Festung selbst, sondern vielmehr auch schon an wichtigen entlegenen Punkten seiner Siellungen fühlbar machen- Unaufhaltsam dringen unsere siegreichen Kolonnen fast überall vor- wärls. Nachdem am Ende der vorigen Woche außer dem Angriff gegen den russischen südlichen Flügel bei Starasol von unseren über Chyrow angreifenden Truppen auch die meisten befestigten Höhen im Zentrum der feindlichen Stellungen gestürmt worden waren, wurde am Sonntag auch deren Schlüsselpunkt Myziniec nach vorheriger Beschießung mit schwerer Artillerie durch Bajonettangriffe genommen. Im ganzen Raum südöstlich der Festung sowie östlich und nordöstlich bei Medyka und am rechten Sanuser bricht die Verteidigung der feindlichen Feldbefestigungen an immer mehr Stellen zusammen. Gleichzeitig rückten unsere über die Karpaihen heranniarichierenden Südkolonnen im Stryj- und Swicalal konzentrisch gegen Norden vor, wober sie den Feind unter anhaltenden Kämpfen aus einer Deckung nach der anderen warfen. Aus den bisherigen Eifszelgefechten hat sich jetzt allmählich eine zu- sammenhängende äußerst erbitterte Hauptschlacht auf einer über 150 Kilometer breiten Front entwickelt, die alle russischen Kräfte in Galizien festhält. Der Seekrieg. Der Untergang öer Torpedoboote. Amsterdam, 21. Oktober.(Privattelcgramm des „Vorwärts".) Die Londoner Presse veröffentlicht einen Mittrosciibcricht über das Gefecht mit den deutschen Torpedo- booten. Tic deutschen Matrose» hätten sich heldenhaft ge- wehrt und so lange fortgefeurrt, bis sie und die Äanonen buch- stäblich unter Wasser verschwanden. Die Zahl der Er- trunkenen wird aus 300 geschätzt. TaS Reutcrsche Bureau meldet, daß zwei Ucberlebende durch ein Schiff aus Lowcftoft aufgefischt worden seien. Unterfeeboote an öer öänifchen Küste. Kopenhagen, 21. Oktober.(W. T. B.) Gestern nach- mittag feuerte in internationalen Gewässern zwischen Nakke- hoved und Kulten Leuchtfeuer ein vorher nicht bemerktes Unterseeboot zwei Torpedos gegen das dänische Unterseeboot„Havinanden", das mit fünf Kuoten Geschwindigkeit über Wasser fuhr. Kein Schuß traf. Das Unterseeboot führte die Nationalflagge. Ein Unterseeboot unbekannter Natio- nalität wurde am Nachmittag von Nakkehovcd Leuchtfeuer ans beobachtet. Heute früh trieb am Vorstrande von Nakkehoved ein Torpedo an, der dort explodierte. Den in Frage kommen- den kriegführenden Mächten ist dieser Vorfall zur Kenntnis gebracht worden mit dem Ersuchen, in Zukunft größere Acht- samkeit zu üben. Zu dem Vorfall meldet„National Tidcnde": Das Unter- seeboot befand sich ein gutes Stück außerhalb des dänischen Hoheitsgebietes, als der Kommandant plötzlich einen weißen Streifen im Wasser erblickte. Er war sich sofort darüber klar, daß dieser von einem Torpedo herrühre, dessen Kurs den- jenigen des Unterseebootes kreuzte. Das Boot, das nur mit fünf Seemeilen Geschwindigkeit lief, konnte seinen Kurs nicht so schnell ändern und die Besatzung war auf das schlimmste gefaßt. Glücklicherweise ging der Torpedo unter dem Kiel des Bootes hindurch, ohne Schaden anzurichten. Wenige Minuten später sah der Kommandant wieder einen vcrdächti- gen Schaumstreifen auf dem Wasser, aber diesmal befand inan sich nicht in der Kursrichtung des Torpedos. Das Unter- seeboot begab sich sofort auf dänisches Hoheitsgebiet zurück und hielt scharf Ausguck: jedoch war nichts von einem fremden Unterseeboot zu entdecken. Zu derselben Zeit, als die Torpedoschüsse abgefeuert worden, wurde ein Unterseeboot, dessen Nationalität nicht erkennbar war, bei Nakkehoved Leuchtfeuer bemerkt. Notiz des W. T. B.: Wie wir von amtlicher Seite er- fahren, sind die beiden Schüsse n i ch t von einem deutschen Fahrzeug abgefeuert worden. Ein neuer französischer Dreaönought. Breest, 21. Oktober.(38. T. 93.) Der Panzer.Flandre", ein Schiff von 2 5 000 Tonnen, ist gestern vom Stapel gelaufen. Wie es in Warschau aussteht. Warschau, die Hauptstadt Polens, ist durch das Vordringen der deutschen und österreichischen Truppen in den Mittelpunkt der kriegerischen Ereignisse in Russisch-Polen gerückt. Wie es in dieser Stadt noch vor kurzem aussah, geht aus dem anschaulichen Be- richt des Korrespondenten der..Kiewskaja Mysl", des bedeutendsten Blattes Südrußlands, vom 7. d. M. hervor. Zwei Monate— heißt es in diesem Bericht— sind seit dem Ausbruch des Krieges vergangen, dessen Schwere in Russisch-Polen in der stärksten Weise empfunden wird. Viele Ereignisse und Prüfungen in kurzer Zeit: die Ereignisse folgten auseinander mit blitzartiger Geschwindigkeit und in kaleidoskopischer Mannigfaltigkeit: ste wälzten in radikaler Weise die bisherigen Lebensformen um und weckten unklare Vorstellungen von den Prüfungen, die im Schöße der Zu- kunft verborgen sind. Warschau war bisher vom Kriege nicht unmittelbar betroffen, aber als Mittelpunkt des Polenlandes, der mit seinen entferntesten Ortschaften durch zahlreiche materielle und geistige Interessen eng verknüpft ist. enrpsand es in schmerzhaftester Weise alle Schläge, von denen kein Gouvernement des Königreichs Polen verschont geblieben ist. Ein anschauliches Bild von den Schrecknissen des Krieges geben ihm die jammervollen Schilderungen der Zehntausende von Flüchtlingen, die aus den vom Feinde besetzten oder bedrohten Ortschaften eintreffen und die dort alle möglichen Schrecken durchlebt haben. Die nervöse Stimmung in War- schau wird durch die fortwährenden Nachrichten von dem so nahen Kriegsschauplatz aufrechterhalten, abgesehen von den phantastischen Gerüchten, die„unbekannt woher" verbreitet werden... Es muß indessen gesagt werden daß die Warschauer Bürger, die sich bereits an alle möglichen Uebcrraschungen gewöhnt haben, zurzeit viel ruhiger sind, als in den ersten Wochen des Krieges, wo auf Grund der im Publikum um- laufenden Gerüchte einerseits eine Räumung des ganzen Ge- bictes, andererseits der Einmarsch der Deutschen nicht nur in das polnische Grenzgebiet, sondern auch in den Mittelpunkt des Gebietes, in Warschau erwartet wurde. In der Tat begann fast gleichzeitig mit der Mobilisierung, die hier, wie fast überall, von einer Finanzpanik, dem Verschwinden des Metallgeldes aus dem Verkehr, der Verteuerung aller Bedarfsartikel, einer Stockung in der Industrie und son- stigen Anzeichen der Zerrüttung des Wirtschaftslebens be- gleitet wurde, eine Massen flucht der Beamten sämtlicher Ressorts aus den Städten und Bezirken in der Nähe der Grenze. Zu gleicher Zeit verbreiteten sich die ersten erschütternden Gerüchte über Kali s ch. Das Publi- knm setzte bereits den Tag fest, an dem die Deutschen vor Warschau eintreffen würden. In dieser Zeit wurde auch die Anregung und mit Genehmigung des Generalgouverneurs das Warschauer Bürgerkomitee gebildet, das als Ur- bild einer eigenartigen Selbstverwaltung in den übrigen Städten Polens diente, und das die Sorge für die not- wendigsten Bedürfnisse der Bevölkerung auf sich nahm. Dies alles spielte sich in der zweiten Woche nach der Kriegserklärung ab! Die Nervosität der Bevölkerung angesichts der drohenden Ereignisse erreichte ihren Höhepunkt. Da, plötzlich, offenbar in Verbindung mit einem Umschwung in der politischen und strategischen Lage aus dem gewaltigen Kriegsschauplatz, wie auch mit der zutage getretenen Vorsicht der preußischen Operationen an der Ostfront trat ein Wechsel in dem Bilde ein. Die Flucht hörte aus: einige Provinz- beamte, die, wie es sich herausstellte, frühzeitig auch die Ort- schatten verlassen hatten, die noch gar nicht vom Feinde be- droht waren, wurden nach ihrem Dienstort zurückbeordert. Andere von ihnen wurden in Warschau gelassen, damit sie bei der ersten Gelegenheit zurückkehren konnten. Ter aus dem Urlaub zurückgekehrte Präsident der Gerichtskasse erklärt-, daß die Tätigkeit der Gerichtsinstitutioncn ihren Lauf nehme. Die Gerichte nahmen ihre Arbeit auf, obgleich beispielsweise die Verbandlungen in Kriminalprozessen nicht angesetzt werden konnten, weil die Gefangenen nach den inneren Gouverne- mcnts transportiert worden waren. Tie Eisenbahner kehrten auf ihre Posten zurück. Inzwischen wurde durch die gemein- same Tätigkeit der Behörden und des Bllrgerkomitees eine gewisse Ordnung in das aus allen Fugen geratene Wirtschafts- leben hineingetragen. Die Finanzpanik legte sich. Die in die Höhe geichraubten Preise für Bedarfsartikel wurden nor- miert. Es wurden Maßnahmen getroffen, damit die Ar- beitslosigkeit wenn auch nicht beseitigt, so doch abgeschwächt wurde. Die Heranziehung zahlreicher Kräfte zur lebendigen öffentlichen Wirksamkeit wirkte beruhigend auf die Bevölke- rung. Endlich zerstreute die Kundgebung des Warschauer Generalgouverneurs, daß die Stadt verteidigt werden würde und daß die Furcht vor ihrer Besehung durch den Feind unbegründet sei, endgültig die Befürchtungen der Ein- wohnerschast. Seitdem verlief das Leben in Warschau mehr oder weniger ruhig und nahm nur, im Einklang mit den außer- ordentlichen Ümständen, sehr eigenartige Formen an. Vom Kaperkrieg. Kristiania, 21. Oktober.(W, T. B.) Aus Stavanger wird gemeldet: Der englische Dampfer„Glitre" der Salvescn-Leithlinie ist zwölf Seemeilen vor der norwegischen Küste von einem deutschen Unterseeboot in den Grund gebohrt worden. Die Mannschaft wurde gerettet. Oer Krieg unö öie Kolonien. -besehung üer Marjchall», Marianen- unü Karolinen-Inseln üurch Japan. London, 21. Oktober.(&. T.».) Das Reutersche Burean meldet aus Tokio von gestern: Das Marineministerium gibt bekannt, daß die Marschall-, Marianen- und Karolinen- Inseln a«S militärischen Gründen besetzt worden sind. Zalsche Gerüchte über pulverzigaretten unö ausgestochene Itagen. Wir konnten bereits die Unwahrheit einer großen Anzahl bon sehr bestimmt aufgetretenen und auch in der Presse weit der- breiteten Behauptungen über angebliche Grausamkeiten feststellen, die von der Bevölkerung der mit Deutschland im Krieg bestndlichen Länder gegen deutsche Zivilisten oder Militärs verübt sein sollten. Heute können wir noch zweien solcher Schauermären den Garaus machen. Der Kriegsberichterstatter des„Berliner Tageblatts" hatte vor einigen Wochen von pulvergefüllten Zigarren und Zigaretten erzählt, die unseren Soldaten zu infernalischen Zwecken verkauft oder geschenkt sein sollten; er behauptete gar. selbst Hunderte von solchen Zigaretten gesehen zu haben. Wie uns von autorisierter Seite versichert wird, sind diese Zigarren und Zigaretten nichts als kühne Phantasieprodukte. Gerüchte über Soldaten, denen„Franktireurs" die Augen aus- gestochen haben sollen, schwirren in ganz Deutschland herum. Noch nicht ein solcher Fall ist amtlich bestätigt; soweit bisher die Nach- Prüfung möglich war, hat sich die Unrichtigkeit herausgestellt. Da- bei verschlägt es gar nichts, ob solche Gerüchte mit dem Anschein der positivsten Sicherheit auftreten und ob sie gar von„Augenzeugen" nnterstüht werden. Wichtigtuerei, Kritiklosigkeit und Selbst- täuschung spielen in diesen Tagen eine unerfreuliche Rolle. Jede abgeschossene oder auch nur verbundene Nase und jedes verletzte oder zerstörte Auge Ivird sofort in ein von Franktireurs aus- gestochenes Auge verwandelt. Die„Kölnische Polkszeitung" konnte, loie wir berichteten, be- reitS feststellen, daß entgegen ganz bestimmter Behauptungen in Aachen kein einziger Soldat mit ausgestochenen Augen lag oder liegt. Auch in der Nähe von Berlin sollten solche Verwundete untergebracht sein; wo immer wir diesem Gerücht nachgingen, er- gab sich seine völlige Grundlosigkeit. Zuletzt konzentrierte es sich auf Groß-Lichterfelde. Ein verbreitetes Berliner Mitiagsblatt schrieb noch vor wenigen Tagen in Sperrdruck, daß allein im Krankenhaus Lichterfelde„zehn leichtverwundete deutsche Soldaten liegen, denen von verruchter Hand die Augen ausgestochen wurden". Auf Anfrage ist nun dem Genossen Liebknecht von dem ärztlichen Direktor des genannten Krankenhauses unter dem 18. dieses Monats folgende Antwort zugegangen: Sehr geehrter Herr! Glücklicherweise ist von jenen Gerüchten nichts wahr. Sehr ergebenst.... Prof. Rautenberg. Taraus ergibt sich von neuem die Lehre, sich in diesen Tagen gegenüber allen derartigen Nachrichten, mögen sie auch in ge- wissen Zeitungen stehen, dreifach mit dem Erz der Ungläubigkeit zu wappnen, und nie zu vergessen, daß im?lusland f a st wörtlich genau dieselben angeblichen Greueltaten von deutschen Soldaten und Zivilisten berichtet werden, wie in Deutschland von den Soldaten und Zivilisten anderer Mächte. deutsche Gefangene in Zrantreich. In der letzten Zeit sind wieder mannigfache Meldungen über schlechte Behandlung deutscher Kriegsgefangener im Auslande durch die Blätter gegangen. Andere Mitteilungen lehren aber auch loieder, wie sehr man sich hüten muß, eine derartige schlechte Ver- pflegung als allgemeine Regel anzunehmen. So veröffentlichte dieser Tage die„Tägl. Rundschau" den Brief eines jungen Mannes, der in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Darin heißt es unter anderem: „Teuerste Elter» und Geschwister! Am 7. September erhielt ich einen Schuß durch den oberen rechten Lungenflügel. Die Wund« heilt normal, so daß ich mit Sicherheit aus vollständige Genesung hoffen kann. Nun ist unser Feldlazarett 7, das von Truppen entblößt war, in französische Hände gefallen. Wir sino also französische Gefangene. Die Franzosen behandeln uns durchaus kameradschaftlich, so daß wir selbst einer längeren Gefangenschaft mit Ruhe entgegensehen können. Wir(die Verwundeten) sollen in französischen Lazaretten gesund gepflegt, unsere Aerztc und Krankenpfleger nach Deutsch- land entlassen werden. Durch diese hoffe ich. diese Nachricht an Euch gelange» zu lassen. Also kein Grund zur Unruhe. Nur ettvas Geduld, und wir sind alle wieder beisammen. Ich liege in einem französischen Schulzimmer und blättere in französischen Büchern. Da finde ich auch„Jules Verne". In den Geschichtsbüchern steht:„ha. guerre est toujours un grand nialheur." Recht haben sie." Besonders charakteristisch ist in diesem Falle noch, daß dem eiater des Bricfschreibcrs die Nachricht geworden loar, das 7. Feld- lazarett, in dem sein Sohn gelegen, sei von Franktireurs überfallen und alle darin liegenden Per- mundeten seien niedergemacht worden. Wieder ein- aal zeigt sich hier, wie leichtfertig falsche Meldungen aufkommen, ngst und Unruhe verbreiten und einseitige Vorstellungen von � nseren Feinden erwecken. Ein tvciterer Beweis zuvorkommender Behandlung deutscher esangencr in Frontreich liegt uns in einem Briese vor. den die rau eines Gewerkschaftsmitgliedes von dem Kommandanten der anzösischen Festung Cette erhielt. Er lautet in deutscher Ueber- tzung: „Geehrte Frau! Die Korrespondenz der Gefangenen sollte eigentlich nur all« 10 Tage erfolgen. Ich habe ausnahmsweise gestattet, den Brief, durch welcken die Kameraden Ihres Mannes Ihnen seinen Tod mitgeteilt haben(den 15. September im Hospital zu Cette), schon jetzt abzusenden. Ich glaube, den von ihm am 8. September geschriebenen Brief schon heute übermitteln zu müssen, obgleich er erst am 20. September abgehen sollte. Sie werden also den letzten Brief erhalten, welchen der Arme schrieb. Er starb tapfer als da? Opfer eines Krieges, den, wie Sie wissen, Frankreich weder gewollt noch gesucht hat. Ihr Mann ist, wie alle Ge- sangcnen, sehr gut in Frankreich gepflegt worden; aber seine Wunden waren schwer und hatten sich verscklimmert infolge des langen Aufcntbalts auf dem Schlachtfelde. Die Trauerehren sind ihm in Cette durch französische Soldaten erwiesen worden. Wollen Sie, geehrte Frau, mit meinem tiefsten Beileid meine achwngsvollsten Grüße genehmigen. Der Kommandant des Kriegsgefangenendepots in Cette. A. Camvagn e." Eine sehr merkwürdige Nachricht bringt die„Deutsche Tages- zeitung": Danach sollen in der letzten Woche mehrere tausend deutscher Gefangener nach Algier und Marokko gebracht worden sein. Frankreich wolle dadurch die Lage der Deutschen in un- günstigem Lichte zeigen und die befürchteten Aufstände der Ein- geborenen ersticken. Deshalb würden die deutschen Gefangenen am hellen Tage gefesselt durch die algerischen Ortschaften ge- trieben.' 1000 deutsche Gefangene sollen sich bereits im Süden Algeriens befinden und dort zum Bahn- und Straßenbau ge- zwungen werden. Die furchtbaren Strapazen dieser Beschäftigung wären bisher nur französischen Straskompagnieu vorbehalten ge- Wesen. Gerüchtweise verlaute, daß die Sterblichkeit unter den deutschen Gefangenen sehr erheblich sei. Als Wachsoldaten würden meist Schtvarze vertoendet, die die Deutschen mit empörender Grau- samteit behandelten. Diese Nachricht bedarf dringend einer amtlichen Bestätigung. Daß eine genaue Nachforschung angestellt und ihr Resultat in jedem Falle veröffentlicht würde, wäre sehr zu wünsche». die Haltung üer italienischen Sozialdemokratie. Rom, 12. Oktober.(Eig. Ber.) Im Anschluß an den Aufruf zur Wahrung der Neutralität, der vom italienischen Parteivorstand und von der Parlamentssraktton unterzeichnet worden war, hatte sich eine Polemik zwischen Reformisten und Sozialisten enttvickelt, in der die Reformisten für die Notwendigkeit eines italienischen Porgehens an Frankreichs Seite eintraten. Taraufhin hatte der „Avanti", wie bereits berichtet, eine U r a b st i m m u n g zwischen allen Partei- und Gewerkschastsorganisationen angesagt, bei der durch Ja oder Nein beantwortet werden sollte, ob man für die Aufrechterhaltung der absoluten Neutralität einträte oder nicht. Das betreffende Referendum ist noch lange nicht abgeschlossen, aber schon haben sich viele Hunderte von Parteisektionen und Gewerkschaften für die Neutralität erklärt. Während nun diese Abstimmung noch andauert, brachte ein bürger- liches Blatt in Bologna einen Artikel, in dem dem Chefredakteur des„Avanti", dem Genossen Mussolini, der Vorwurf gemacht wurde, sich in einer privaten Unterhaltung zugunsten des Krieges ausgesprochen zu haben. Es wurde weiter im„Giornale d'Jtalia" ein Brief Mussolinis veröffentlicht, der eine ähnliche Ausfassung zu enthalten schien. Nun hat Mussolini im„Avanti" erklärt, er wäre in der Tat nie ein unbedingter Gegner eines Krieges gegen Oester- reich gewesen, hielte aber dafür, daß die P a r t e i n n t e r k e i n e n Umständen die Verantwortung übernehmen dürste. Da diese Auffassung vielen nicht im Einklang mit der Haltung des „Avanti" und mit dem von Mussolini selbst verfaßten Aufruf zu stehen scheint, hat Mussolini den Partcivorstand ersucht, möglichst bald ein Urteil über sein Verhalten abzugeben rind zu entscheiden. ob er. Mussolini, etwa die Leitung des Zentral- organs niederlegen solle. Der Parteivorstand dürfte in der nächsten Woche zu einer außerordentlichen Tagung zusammen- treten, um sich über die Haltung Mussolinis schlüssig zu werden. Der Fall Mussolini zeigt, wie sehr die allgemeine Kriegslage die bisherigen Auffassungen umwälzt und erschüttert. Wenn noch von drei Monaten Mussolini den Gedanken eines Krieges mit Oesterreich zur Erlangung Trients vertreten hätte, würde ihn die ganze Partei zweifellos für geistesgestört gehalten haben. Ja, eS kann fein, daß ihm selbst Zweifel an der Normalität seiner Geistes- beschassenheit gekommen wären. Man kann nicht mit Unrecht von einer psychischen Verheerung sprechen, die der Weltkrieg anrichtet und durch die er um sich frißt. Rücktritt Mussolinis. Bologna, 20. Oktober.(W. T. B.) Die Leitung der Partei der G e e i n i g t e n Sozialisten, die hier zu- sammcngctreten ist, erörterte heute die gegenwärtige i n t e r- nationale Lage. Der Direktor des„Avanti", M u s s o- lini, brachte eine Tagesordnung ein. in der er erklärte, die von der Partei bisher verkündete Formel absoluter Neutralität sei zu verbindlich und dogmatisch gegenüber der internationalen Lage, die immer verwickelter und reicher an unvorhergesehenen Ereignissen werde. Die Partei müsse es sich daher vorbehalten, bei einem eventuellen Kriege die zukünftige Handlungsweise der Partei auf der Grundlage der Ereignisse festzusetzen. Diese Tages- ordnung Mussolinis wurde von keinem Mitglicde der Parteileitung angenommen, welche ihre früheren Be- schlüsse bestätigte und in einem Erlaß an die Arbeiter ihre Abneigung gegen einen Krieg und den ent- schiedenen Willen, in der erklärten Neutralität fest zu bleiben von neuem betonte. Infolge der Ablehnung seines Antrages ist Mussolini von der Leitung des „Avanti" zurückgetreten. Eine Rede Macöonalös. Amsterdam, 21. Oktober.(Privattelegramm des«Vor- wärt»".) Der Führer der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei Macdonald sprach am Sonnabend unter ungeheuerem Zulauf in einer stürmifchen Versammlung vor seinen Wählern in Leicester. Unter anderem sagte er. er bleibe bei der Auffassung, daß der jetzige Krieg ein Krieg der Diplomaten sei. Aber da das Land gefährdet ist. sei ein e i n m ü: i g e S Z u s a m m e n st e h e n not- wendig. Man habe gegen ihn Zitate auS seinen Reden durch die deutsche Presse ausgespielt, um ihn zu schädigen. Aber die deutsche Presse habe auch auS der „Times" verächtliche Aeußerungen über die Territorialarmee ge- bracht. Der wahre Grund der Hetze sei aber nur der. daß die Kon- servativen, die seihst daS Land durch ihre irische Politik gefährdeten die jetzige Situation zu einer Schwächung der Arbeiterpartei auS- nutzen wollen« Unsere erste Aufgabe müsse daher sein, die P a r t e i intakt zu halten und neue Anhänger zu werben. Ueber seine persönliche Stellung sagte Macdonald, ein Parla- mentarier darf nicht da? Echo jeder hervor- brechenden Leidenschaft sein. Leicester könne ihn auf zweierlei Weise ehren: Entweder durch eine Wiederwahl oder durch seine Einreihung unter jene Männer, die der Wahrheit zuliebe die U n p o p u l a r i t ä t auf sich luden. Serben unü vulgaren. Sofia, 20. Oktober.(Meldung der Agence Bulgare.) Der bulgarische Gesandte in Nisch, der sich in den letzten Tagen wiederholt mit dem Vertreter des Ministeriums des Auswärtigen über die immer schlechter werdende Lage der Bulgaren in den neuen Gebietsteilen Serbiens unterhielt, hat die Einsetzung eines gemischten ierbisch-bulgorischen U n t e r s u ch u n g s- auSschusseS für den Bezirk Etrumitza vorgeschlagen, um fest- zustellen, wie weit die Klagen der neuen Flüchtlinge berechligt sind. Die serbische Regierung verhält sich gegenüber dieser Forderung a b- lehnend. Diese Ablehnung kennzeichnet genügend die Haltung Serbiens. Die deutjchenkrawalle in London. Amsterdam, 2t. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die„Daily NewZ" schildert in einem längeren Artikel, daß durch die Ankunft von 800 b e l g i s ch e n F l ü ch t- l i n g e n in Deptford am Sonnabend in Südlondon die anti- deutichen Ausschreitungen veranlaßt worden seien. Die Ansamm« lungen dauerten von 10 bis 3 Uhr nachts. Die Polizei sei gegen die ungefähr 5000 Exzedenten machtlos gewesen und erst das herangezogene Militär konnte die Skandale beendigen. Neu»' Läden wurden dabei demoliert, darunter das Geschäft des Konfektionärs Hahn, dessen Vater naturalisiert und dessen Frau eine Belgierin sei. Unter dem betrunkenen, patrio- tische Lieder brüllenden Hafenmob hätten sich viele Frauen und Kinder befunden. Die„Daily News" protestiert gegen diese Exzesse, die sich am Sonntag noch gesteigert haben, und beklagt. daß dadurch Englands Vorrang unter den Verbündeten bezüglich der Behandlung der Deutschen zerstört worden sei und macht die H e tz p r e s s e für die Vorkommnisse verantwortlich. Sie fragt ferner. wie lange das Ministerium des Innern diese schamlose Kampagne noch dulden werde. Dieser Protest der„Daily News" ist auf die„Times" ge« münzt, die eben noch in einem Artikel schreibe», daß jeder in England wohnende Deutsche jede Gelegenheit benutzen werde, um seinem Vaterlande zu helfen. Die gewöhnlichen Auffassungen, die man von der Polizei hat, pasien bei den jetzigen Zuständen nicht, waS auch vom Publikum instinktiv gefühlt wird. Die Vernichtung der Läden mit deutschen Namen ist nur eine Folge jener Haltung, wofür den Deutschen selbst durch die zivilisierte Welt der Text gelesen wird. Die„Times" beklagen schließlich die Exzesse, weil dadurch die be- gründete Aktion gegen die feindlichen Fremdlinge diskreditiert wird. verbot eines üeutschfeinölichen Glattes. Konstantinopel, 21. Okiober.(W. T. V.) Da« französische Blatt „Stamboul", daS als Organ der stanzösischen Botschaft gilt und einen heftigen Feldzug gegen Oesterreich-Ungarn und Deutsch- land und für die Tripleentente führt, ist von der Militärbehörde auf unbestimmte Zeit suspendiert worden. Die Mitteilung der Mililärbehörde begründet diese Maßregel damit, daß da? genannte Blatt Artikel veröffentlicht habe, durch welche die Gefühle der Be- kenner des JSlamS beleidigt wurden, und damit der Anordnung der Mililärbehörde zuwidergehandelt habe, daß ein Blatt, daS die Interessen der einen Gruppe der Kriegführenden vertrete, keine ironischen Bemerkungen über die Armeen der anderen Gruppe machen dürfe. Die Stimmung in Paris. Basel, 21. Oktober.(W. T. B.) Die.Rationalzeitung" veröffentlicht einen Pariser Brief, in deine? heißt: Der Befehl des KriegSministerS, betreffend den Schutz vor deutschen Flugzeugen, beruhigt die Bevölkerung nicht mehr als die fort- währenden amtlichen StegeSnachrichten, welche durch die Erzählungen der Verwundeten und durch Briefe im Felde Stehender beträchtlich abgeschwächt werden. Was Wunder, wenn an Stelle der August- begetsterung Enttäuschung und Mißmut getreten sind. Die Mel« düngen der Blätter, welche immer wieder dartun, daß die Armee- Verwaltung nicht mit allem Rötigen versehen ist, vermehren natürlich die Sorgen um die Soldaten. Bei den Parisern kommen Nahrung« sorgen hinzu. Die Arbeitslosigkeit ist ungeheuer. Infolge des Moratorium? und de» dadurch bedingten Geldmangels wird die Krisi« auch in den Kreisen der Begüterten sehr empfunden. Die Zufuhr ist zwar vermindert, immerhin aber zurzeit noch genügend. In Pari« sind die Butterpreise von 2,40 Frank auf 4 Frank gestiegen; ebenso gingen die Preise für Gemüse und Obst stark in die Höhe. Eine amtliche Mitteilung behauptet zwar, daß die Getreideernte genüge, streist aber doch am Schlüsse die Möglichkeit, amerikanisches Getreide einführen zu müssen. Hungersnotpreise seien jedoch nicht zu befürchten. Beruhigt hat dies die ohnehin mißtrauisch gewordenen Pariser keineswegs. Ein Hilferuf aus Gelgien. Der Einmarsch der Deutschen in Belgien hat über dieses un- glückliche Land große? Elend gebracht. Handel und Industrie liegen fast gänzlich danieder. Das trifft insbesondere auch zu auf die Stadt Gent. Dort sind die große Mehrzahl der Werkstätten und Fabriken schon seit Beginn des Krieges geschlossen. Einige Fa- brikanten lassen zwar noch arbeiten, aber mehr aus philantropi- schen Gründen und nur einige Stunden die Woche. Die Organisationen der Arbeiter haben ihr mög- lichstes getan, ihre arbeitslosen Mitglieder zu unterstützen; ebenso tut der öffentliche Arbeitslosenfonds seine Pflicht. Die Stadtver- waltung selbst verteilt täglich an verschiedenen Stellen der Stadt über 10 000 Liter Suppe mit Brot an die Arbeitslosen. Tie Mittel der Gewerkschaften sind aber nur gering, zum Teil befinden sie sich in den Zcntralkassen, mit denen infolge der Besetzung durch deutsche Truppen eine Verbindung zurzeit unmöglich ist. So können schon jetzt die Gewerkschaften weit weniger zahlen als sonst in Friedenszeiten. Die Metallarbeiter, die sonst 10 Fr., und die Holzarbeiter, die früher 14 Fr. pro Woche zahlten, können ihren arbeitslosen Mitgliedern jetzt nur noch einen Frank pro Tag zahlen. Tie Zukunft sieht also für die Genter Arbeiterschaft recht trübe aus. Tie Arbeiter sekretäre der Gentcr Gewerk- schaften haben sich deshalb, wie wir dem„Daily Citizen" vom 10. Oktober entnehmen, an die englischen Gewerkschaften mit dem Ersuchen gewandt, ihnen zu Hilfe zu kommen. In dem Schreiben der Genter Genossen heißt es u. a.:„Wir können nicht voraus- sehen, wann diese schreckliche Zeit vorüber sein wird, aber mit Bangen sehen wir dem Moment entgegen, wo die Mittel der Ge- wcrkschasien erschöpft sein werden. Es wird das der traurigste Tag sein im Dasein unserer Organisation. Ein kummervoller Tag, der sicherlich kommen wird mitten im Winter, der schlimmsten Zeit des Jahre«, wenn unsere Arbeiterfamilien vom Hunger und der Kälte hart betroffen werden. Eine traurige Zukunft, an die wir nicht zu denken wagen." Tie Genter Gewerkschaften erklärten sich bereit, eine Delegation nach England zu schicken, die den englischen Arbeitern die nötige Aufklärung über die Lage zu geben bereit wäre. In banger Vor- ahnung der kommenden Ereignisse mahnen sie die englischen Ar- beiter zur höchsten Eile. Das parlamentarische Komitee der englischen Ge- werkschaften hat zugunsten der Genter Arbeiterschaft daraufhin einen Aufruf an die englischen Arbeiter erlassen, in welchem eS die Gewerkschaften auffordert, den Gentern mit Unterstützungen bei- zuspringen. Ein erfreulicher Beschluß. Der„echtrussische" Stadtverordnete in Moskau, Rechtsanwalt Schmakow hatte vor einiger Zeit beantragt, dag alle in städtischen Diensten stehenden deutschen und ö st e r r e i ch i s ch« ungarischen Staatsangehörigen von ihre» Posten entfernt werden sollten. Der Moskauer Magistrat stellte darauf fest, datz sich 17 Deutsche und Oesterreicher in städtischen Diensten besinden und zwar ade Schreiber, Lehrerinnen, Aerzte usw. Entgegen dem Antrag SchmakowS schlägt der Magistrat dem Kiewer„Mhsl" zufolge vor, alle diescPersonen in st ädti scheu Dien st en zu belassen. Es ist anzunehmen, datz die Moskauer Stadt- verordnetenversammlung diesem Antrag deS Magistrats entspricht und so ihrer Vorurteilslosigkeit in dieser Zeit der entfesielten nationalen Leidenschaften ein schönes Denkmal setzt. Drahtlose Verbindung nach Samoa. Eine seltsame Laune de- Schicksals hat eS gewollt, dah die telegrapbische Verbindung mit Samoa gerade mit Ausbruch des Krieges fertiggestellt wurde. Die bis zum 22. August vorliegenden Nummern der, Samoanischen Zeitung" bringen über die Kriegsereignisse ausführliche Nachrichten. Nach dem Durchschneiden der deutschen Kabel nach Amerika tragen die Meldungen leider englische Färbung. So findet sich neben anderen unrichtigen Meldungen die Nachricht, dah der bekannte Kreuzer„Emden" am 6. August in einer Seeschlacht bei Weihaiwai gesunken sei. Auch der Kreuzer„Augsburg", bekannt durch die erfolgreiche Beschießung des russischen Kriegshafens Libau, soll am 13. August in den Grund gebohrt sein. Seit der am 29. August erfolgten Besetzung SamoaS durch die Engländer steht der Nachrichtendienst natürlich unmittelbar unter englischer Kontrolle Nachrichten über die Handhabung desselben fehlen. prisengericht in Mexanürien. Paris, 21. Oktober.(W.T.B.) Der hiesige„New Dork Herald' tneldet auS Port Said: In Alexandrie» ist ein Prisen- g e r i ch t eingerichtet worden, welches über den österreichischen Dampfer„Koerber" und die dreizehn deutschen Dampfer „Pindos",„Rostock",„LautcnfelS",„Nenne",„RickmerS",„Helgo- land",„Gutenfels",„Bärenfels",„Derfflinger",„WerdenfelS", „Rabenfcls",„Lützow"..Annaberg" und„GoSlar" befinden wird Dies« vierzehn Dampfer liegen in Port Said und'werden nach Alexandrien gebracht werden. Kriegsbekanntmachungen. Postanweisungen für Kriegsgefangene in Graft- britannicn. Postanweisungen für Kriegsgefangene in England sind von jetzt ab zugelasien. Die Postanweisungen sind auf der Vorderseite de? für den Auslandsverkehr bestimmten Formulars mit der Adresie des königlich niederländischen Postamts m S Gravenhage zu versehen, während die Adresie des Empfängers der Geldsendung auf der Rück- feite des Abschnittes genau anzugeben ist. An der Stelle, die sonst für Freimarken zu dienen hat, ist die Bemerkung„Kriegs- gefangenensendung. Taxfrei" anzubringen. In s'Gravenhage werden die deutsch-niederländischen Anweisungen in niederländisch- englische umgeschrieben.__ politische Uebersicht. Reichstagstagung im Dezember. Wolffs Telcgraphenbureau meldet: Wie verlautet, lvird der Reichstag Anfang Dezember zu einer kurzen Beratung zilsammentrcten. Wir möchten hoffen, daß die Dezembertagung vor allen Dingen die Arbeitsloscnfürsorge von Reichs wegen regelt._ Der Reichskanzler für Arbeitslosenunterstützung. Aus eine Eingabe des Vorsitzenden der Gesellschaft für soziale Reform, des Staatsministers v. Berlepsch und des Professors Dr. F r a n ck e, die sich mit der Frage der Arbeits- losenfürsorge befaßte, ist nach der„Nordd. Allg. Ztg." folgende Antwort des Reichskanzlers crgegangen: Euer Exzellenz geneigtes Slbreiben vom 21. September, das Sie gemeinichaftlicki mit Profesior Francke an mich gerichtet, gelangte in meine Hände. Ich bin ebenso wie Sie davon durchdrungen, daß alles geschehen muß, um diejenigen unserer Volksgenossen, die der Krieg erwerbslos ge- m achthat, vorNotzuschützen. In erster Linie werden. wie sie treffend hervorheben, die Gemeinden daiür zu sorgen haben, daß die Unterstützung im ausreichenden Maße und unter Formen gewährt wird, die dem Umstand- Rechnung tragen. daß es sich nicht um A r m e n u n t e r st ü tz u n g im land- läufigen Sinne handelt. Dabei rechne ich darauf, daß die Bundesstaaten bestrebt sein werden, den Gemeinden. soweit die Geldbeschaffung Schwierigkeiten macht, mit ihrem Kredit bei zuspringen, zumal sich meines ErachtenS daS Reich nach beendetem Kriege einer Prüfung nicht wird entziehen können, inwieweit es sich seinerseits an der Unter- stützung beitragS schwacher Gemeinden be- t e i l i g e n muß. Euer Exzellenz ergebener �„ Bethmann Hollweg. Angesichts dieser Anschauung des Reichskanzlers mutet es um so sonderbarer an, daß die Kriegsvorlage, die dem preußischen Abgeordneten Hanse zu- gegangen i st, keinerlei Mittel vorsieht, die den Gemeinden die Unterstützung der Arbeitslosen erleichtern sollen. Eine einfache 5trcditgewährung, wie sie der Reichskanzler ver- langt und voraussetzt, würde gewiß nicht geniigen. Man ist berechtigt, an die Einzelstaaten wie an das Reich das Per- langen zu stellen, daß sie für die Unterstützung der Arbeits- losen wirkliche Opfer bringen; denn nur so ist es möglich, hinreichende Fiirsorgecinrichtungcn zu treffen. Immerhin wäre eine ausreichende Kreditgewährung schon etwaS. Aber selbst hier versagt die preußische Regierung! Stach hat es der Landtag in seiner Hand, auf die Re- gierung einzuwirken, daß auch für die Zwecke der Arbeits- losenunterstützung Summen ausgeworfen werden. D i e Mahnungen deS Reichskanzlers dürfen nicht vergeblich gesprochen sein: die Volksvertretung muß ihnen Geltung schaffen! Die Zeit drängt. Jede Zögerung ist verderblich. Man kann nur unterstreichen, was der Reichskanzler geschrieben hat: Alles muß geschehen, um diejenigen, die der Krieg er iv erbslos gemacht hat, vor Not zu schützen. Maftnahmen gegen den Preiswucher. Im„Berliner Tageblatt' veröffentlicht der bekannte Führer der bayerischen Bauerngenossenschaften, Dr. Georg Heim, eine Zu- schrist, die sich mit der Frage der Versorgung deS Volkes mit Nahrung beschäftigt. Er erhebt zunächst den sicherlich durchaus berechtigten Vor- Wurf gegen die verantwortlichen Stellen, daß sie mit ihrem Vor- gehen gegen den Nahrungsmittelwucher zu lange gezögert hätten. Es hätten sofort Höchstpreise festgesetzt werden müssen; eine etwa jetzt erfolgende Festsetzung könne da? Versäumnis nicht mehr gut machen. Ich habe am 8. August 1914 festgestellt, welche Preise wir un- gefähr für die neue Ernte bekommen hätien, wenn der Krieg nicht ausgebrochen wäre. Aus eigener Erfahrung kann ich konstatiere::, daß bei uns in Bayern Weizen vor Berkauf neuer Ernte mit 10 bis 10,25 M., Roggen 8,oO bis 8,80 M., Hafer 8,30 bis 8,50 M., Gerste 9 bis 9,30 M. je nach Qualität bezahlt wurden. Ich habe konstatiert, daß nach Ausbruch des Krieges noch Anfang August Weizen mit 12,50 bis 13 Mark ab Station', Roggen 9,50 bis 10 Mark, Hafer 9.80 bis 10,30 Mark gehandelt wurden.... Und wie sind nun die heurigen Preise? Heute wird für Weizen ab Station schlank 14 bis 14,50 Mark, für Roggen 11,50 bis 12 Mark, für Hafer 10,50 bis 11,50 Mark bezahlt je nach Station und Qualität. Gerste war anfänglich um 9 Mark zu haben, heute kostet flache Futtergerste, das heißt sllr Brauzwecke weniger geeignete Gerste 10,70 bis 11,20 Mark und Braugerste je nach Oualilät(Hektolikcrgewicht) bis zu 11,30 Mark, das sind aber die Preise ab Station, unsortiert, ohne Sack. Es ist überaus wertvoll, aus so berufenem Munde bestätigt zu hören, in welch erstaunlicher Weise die Preise heraufgetrieben sind. Dr. Heim sucht allerdings die Landwirte zu entschuldigen: die lleberflutung des Landes mit Händlern und Auskäufern, die sich gegenseitig überböten, trieben die Preise hinauf. Heim, der übrigens erklärt, den Landwirten 25 Prozent Auf- schlag auf daS Getreide zu gönnen(wir sind durchaus anderer Auf fasiung über den„Anspruch" auf höhere Bezahlung im Kriege)— Heim meint nun, wie heute die Dinge lägen, könnten Höchst- preise allein nicht mehr ausreichen, ja sogar s ch ä d- l i ch w i r k e n. Er verlangt, daß die vorhandenen Vorräte durch die Regierung verteilt würden, damit sie nicht vor der Zeit aufgebraucht werden könnten. Zur rechten Zeit sich einschränken müssen, sei besser, als zunächst reichlich zu haben, aber dann darben zu müssen. Der Heimsche Vorschlag verdient gewiß Beachtung. Fraglich ist nur, ob die Möglichkeit einer solchen behördlichen Einteilung der Vorräte für den Gebrauch besteht. Richtiger wäre vielleicht, schlankweg das Monopol der Regierung auf den ge- samten Getreidehandel zu fordern. DaS ließe sich wahr scheinlich leichter durchführen und müßte in jeder Beziehung segensreich wirken. ES würde überdies nicht hindern, daß zunächst, waS dringendste Notwendigkeit ist, niedrige Höchstpreise festgesetzt werden, selbst wenn dadurch voreilige Aufkäufer, wie Hein: befürchtet, einige Verluste er- leiden sollten. Diese Höchstpreise, zusammen mit Verkaufszwang, könnten eine gute Vorstufe für das Getreide Handels- Monopol sein, vielleicht auch gleich für ein Kartoffel- Monopol. Mit seiner Hilfe wäre dann eine richtige Einteilung der Vorräte, die Verweigerung der Kartoffeln für andere als Er» nährungSzwecke und dergleichen leicht durchzuführen. Das bayerische Kriegsministerium gegen Gehalts« türzungeu. Das bayerische Kriegsministerium hat die Stellen, die militärische Aufträge zu vergeben haben, angewiesen, allen Beschwerden über Gehaltskürzungen bei liefernden Firmen nachzugehen. Alle Lieferungsverträge müssen die Bedingung enthalten, daß Gehalts- öder Lohn- Herabsetzungen ausgeschlossen sind. Bei Zu- Widerhandlungen der Lieferanten hat die Militärverwaltung das Recht, vom Vertrage zurückzutreten, ohne daß dem Lieferanten ein Entschädigungsanspruch zusteht. Unternehmer, die die durch den Krieg geschaffenen besonderen Verhältnisse zur Ausbeutung der Angestellten und Arbeiter ausnutzen, werden von jeder Lieferung ausgeschlossen. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch das preußische, sächsische und württembergische Kricgsministcriuni ähnliche Verfügungen erlassen und daß alle Behörden sie aufs strengste beachten würden. Zeitungsvcrbot. Da? stellvertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armee- korpS hat einem Telegramm des„B T." zufolge, das Erscheinen der„AugSburger Postzeitnng", des führenden Blattes des bayerischen Zentrums, wegen„schwerer Störung des konfessionellen Friedens" auf drei Tage verboten. Zur Nachwahl im Ä. hannoverschen Reichstags» Wahlkreise. Im Wahlkreise des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Dr. Semler wird die sozialdemokratische Partei aus Anlaß des Kriegszustände» dem nationalliberalen Kandidaien Dr. Strefemann keinen Kandidaten gegenüberstellen. Ebenso haben die übrigen Parteien beschlossen, von einer Gcgenkandidatur abzusehen. Elsaft-Lothringen und die deutschen Städte. Der Deutsche Slädletag und der Reiwsverband deutscher Städte (Verband der Gemeinden unter 25 000 Einwohnern) haben zugunsten der E l s a ß- L o t h r i n g e r, die durch den Krieg schwer geschädigt worden sind, einen Aufruf an die deutschen Städte gerichtet, wie sie auch bereits für Ostpreußen eine Sammeltätigkeit entfaltet haben. Ebenso ben:üht sich ein besonderes, in Berlin' begründetes Komitee um die Unterstützung der geschädigten Elsaß-Lothringer. Verkehr in und mit Straftburg. Wie wir der„Rordd. Alldem. Zrg." enMebmen, bat der Gouverneur der Festung Straßburg über den Personen- verkehr innerhalb de» Festungsbereichs eine Bekanntmachung erlassen, in der eS u. a. heißt: I. Ausländer bedürfen zur Zureite nach Straßburg oder dem erweiterten Befehlsbereich der Festung Straßburg einer schriftlichen Erlaubnis. II. Reichsdeutsche, die außerhalb des erweiterte» Be- fehlsberetchs wohnen, bedürfen zur Zur eise nach der Stadt Straßburg eines Passes oder PassagierscheineS der zuständigen Behörde ihres Wohnorts. Zu einem mehr als drei Tage dauernden Aufenthalt ist schriftliche Erlaubnis deS Militärpolizeimeisters er- forderlich. III. Zum Verlassen der Stadt Straßburg nach Orten außerhalb des erweiterten Befehlsbereichs ist ein Reisepaß oder vom zuständigen Polizeirevier ausgestellter Passierschein erforderlich. Es herrscht also eine sehr scharfe Kontrolle. Sogar zum Ver- kehr innerhalb des erweiterten Befehlsbereichs der Stadt ist ein amtlicher Ausweis erforderlich, für den aber eines der üblichen Aus- weiSpapiere(Militärpaß usw.) genügt. Gegen die Choleragefahr. Der preußische Eisenbahnminister hat umfassende Vorschriften wegen der Ueberwachung der aus dem Osten kommenden Reisende» erlassen. Das Zugbegleitungspersonal ist angewiesen, in den Zügen die Reisenden auf ihren Gesundheitszustand unausfällig zu beobachten und für peinlichste Sauberkeit, besonders in den Aborten der Wagen, zu sorgen. Bei festgestellten Erkrankungen ist auf der nächsten geeigneten Station dem Bahnhofsvorstand Meldung zu erstatten, der das weitere Erforderliche unverzüglich zu veranlassen hat. Eine ärztliche Untersuchung der Reisenden auf den Grenzstationen, die an einzelnen Stellen angeordnet sein soll, ist zu unterlassen. Die Fortschrittliche Volkspartei und die Kriegstagung des Landtages. Die LandtagSfraktio» der Fortschrittlichen VolkSparter beriet in einer Sitzung die Vorlagen für die„Kriegstagung", wobei besonders eingehend über die Entschädigung für Ostpreußen gesprochen wurde. Verschiedene Anregungen sollen, da eine„öffentliche Erörterung nicht angezeigt" erscheine, durch den FraklionSvorsitzenden dem Staats- ministeritim übermittelt werden. Staatsminister a. T. v. Zedlitz und Trützschler � In der Nacht vom Dienstag zun: Mittwoch verstarb im Alter von 84 Jahren der Staatsminister a. D. Graf von Zedlitz und Trützschler. Er lebte seit einigen Jahren im Ruhestand, nach« dem er nacheinander als Oberpräsident von Posen, Hessen-Nassau und Schlesien und zwischendurch auch— von 1891 bis 1892— als preußischer Kultusininister gewirkt hatte. Als Kultusminister bemühte er sich, die preußisch- Volksschule unter lirchliche Aufsicht zu stellen. Er blieb damals aber damit erfolglos. Erst 1903 gelang eS mit nationalliberaler Hilfe unter Führung eine? anderen Zedlitz, des Abgeordneten v. Zedlitz und Neulirch, die preußische Volkslchule der Kirche auszuliefern. Prozcft Princip. Sarajewo, 21. Oktober.(W. T. B.) Aus dem weiteren Zeugen- verhör ist die protokollarische Aussage des seitdem verstorbenen Zeugen M i l a n i t s ch hervorzuheben, welcher während seines Aufenthalts in Belgrad die Verschwörer wiederholt beobachtet hatte, als er jedoch seine Wahrnehmungen dem österreichisch-ungarischen Generalkonsulat mitteilen wollte, verhaftet und von Kerker zu Kerker geschleppt, schließlich auf das Polizeikommissariat geführt wurde, wo der Polizeipräfekt ihm triumphierend einen Zeitungsausschnitt über die Ermordung des Thronfolgers zeigte, mit den Worten:„Du wolltest es verhindern, aber wir sind pfisfiger als Du. Jetzt kommt die Reihe an Oesterreich-Ungarn; wir werden eS zertrümmern. Sodann wurden mehrere Broschüren über die Tätigkeit der Narodna Odbrana und der S o k o l v e r e i n e verlesen, aus denen sich als Ziel der Bereinstätigkcit die Losreißung der süd- slawischen Länder von der Monarchie und die Vorbereitung deS Krieges gegen die Monarchie ergibt. Bei der Verlesung einer Belgrader Broschüre, Ivelche das Attentat deS Z e r a j i t s ch auf den früheren LandeSchef Varcianin verherrlicht, rief Princip:„Hoch Zerajitsch!" Auch sonst benahmen sich die Hauptangeklagten herausfordernd. Viele Zeugen, darunter ein serbischer StaatSbahn- beainter gaben eingehende Anfklärungen über die Tätigkeit der Narodna Odbrana und der Sokolvereine. Frankreich und die Kirche. Daß die französischen Klerikalen die geängstigie Stimmung der dem Einfluß der Priesterschaft noch nicht ganz ein- zogcneii Massen und das allgemeine Streben, die Parteikämpfe ruhen zu lassen, nach Kräften ausnützen würden, war vorauszu- sehen. In der Tat ist die Aktion der Kirche sowohl in der Armee wie in der zurückbleibenden Bevölkerung sehr lebhaft. Die Re- gicrung weiß anscheinend nicht recht, wie sie sich dazu stellen soll, weil sie in der gegebenen Situation auch mit den antirepublikani- schen Tendenzen eines großen Teils der Geistlichkeit rechnen muh, diese also nicht vor den Kopf stoßen darf. Andererseits kann speziell V i v i a n i, als der berühmte Mann, der„die Sterne des Himmels ausgelöscht" hat, auch nicht gut nach Canossa wandeln. So kommt in das Auftreten der Regierung gegenüber den kleri- kalen Wiedereroberungsplänen ein ziemliches Schwanken. In einer der letzten Sitzungen des Ministerrats lagen Massenpctitionen vor, die die Regierung ersuchten, sich an den jetzt von der Kirche veranstalteten öffentlichen Bittgebeten für Frankreich offiziell ver- treten zu lassen. Die Regierung beschloß die Ablehnung, mit Bc- rufung auf das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat. Die Klerikalen erwidern darauf nicht mit Unrecht, daß die Regie- rung ja sich wiederholt über dieses Gesetz hinweggesetzt habe, so namentlich als sich der Präsident der Republik bei dem Requiem für Pius X. in der Pariser Notre-Dame-Kirche offiziell vertreten ließ. Und da handelte es sich doch noch um den Papst, dessen feind- seliges Verhalten gegen das republikanische Frankreich den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und die Kirchcntrennung hervor- gerufen nud der den Priestern die Mißachtung der Staatsgesctze vorgeschrieben hatte. Auch haben sich der Präsident und die Mi- nister bei den Seelenmessen für die gefallenen Soldaten offiziell vertreten lassen, ferner hat das Marineministcrium Seelsorger auf den Kriegsschiffen bestellt.— Man geht wohl nicht fehl, wenn für die kommende Zeit einen wachsenden Einfluß des Klerikalis- MUS, vielleicht gar einen Abbau der weltlichen Gesetzgebung vor- aussieht. Die rumänische Regierung. Wien, 21. Oktober.(W. T. B.) Die„Reichspost" meldet aus Bukarest: Nach den: Tode des Königs Karol bot die Regie- rung, wie es der Brauch ist, dem neuen König ihren Rücktritt an. Der König ersuchte hierauf daS Kabinett, bis auf weiteres die Geschäfte fortzuführen. Mus öer Partei. Ein Partciblatt gibt einen jener blöden und gemeinen Hetzartikel wieder,>v:e sie in diesen Zeiten in vielen Zeitungen zu finden sind. Diesmal handelt es sich um einen Artikel der in London heraus- kommenden„Fmancial News". Unserem Parteiblalt unterläuft dgbei der Jrrium, daß eS dieses Blatt als eine„angesehene englische Finanz, eilschrift" bezeichnet. ES ist im Gegenteil cm eincSwegs angesehenes Jobberorgan und sein Herausgeber kein Vollblut- Engländer. DaS Parteiblatt tut also Unrecht'daran, diese Stimme als-irgrndwie charakteristisch für die Anschauungen des englische» Volkes anzuführen. • die sozialen Au während des Krieges. In vier Versammlungen nahmen die Berliner Genossen am Dienstagabend Stellung zu dem obigen Thema. Uns tvird über die Versammlungen berichtet: 2. Wahlkreis. In Misses Festsälen in der Deniiewitzstraste sprach Genosse Reichstagsabgeordneter Stil eilen. Der Redner zeigte zunächst, daß die Ursachen des Krieges im Imperialismus und in Wirtschaft- lichen Gründen zu suchen sind und erläuterte die Notwendigkeit der Zustimmung zu den von der Negierung verlangten Kriegskrediten. Sodann besprach der Redner die wichtigen sozialen Aufgaben, deren Erledigung während � des Krieges dringlicher denn je ist. Die Folge des abgeschnittenen Außenhandels ist große Arbeitslosigkeit oder reduzierte Lohne, wodurch wieder die Konsumkraft der Bevölkerung sinkt und weitere Schichten der Arbeits- losigkeit zuführt. Es heißt jetzt nicht nur gut ausgebildete öffentliche Arbeits- losenversicherungen in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften zu schaffen, es muß vor allen Dingen Arbeit berangeschafir werden. Das ist eine unabweisbare Pflicht von Gemeinde, Staat und Reich. Die Gewerkschaften können die ungeheuren Kosten auf die Dauer nicht tragen. Durch die Festsetzung von Höchst- preisen und die Anordnung von Verkaufszwang muß dafür gesorgt werden, daß die Lebensmittel nicht künstlich zurückgehalten und so dem Volk die notwendigsten Nahrungsmittel, wie Kartoffeln, Brot,� Butter, Fleisch noch über Gebühr verteuert werden. Die Genossenschaften können uns in dem Kampfe gegen den Lebensmittelwucher unterstützen, wie sie es bisher schon mit gutem Erfolg getan haben. Unsere Pflicht ist es, besonders dafür zu sorgen, daß die von uns geschaffenen Organisationen groß und stark bleiben, damit sie nicht nur während des Krieges, sondern besonders auch nach Beendigung des Völkerringens eine mächtige Waffe bilden für die Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse. sLeb-. haster Beifall.) Da von einer Diskussion Abstand genommen wurde, konnte der Vorsitzende die Versammlung mit dem Ausdruck der Befriedigung über den Verlauf der Versammlung schließen. Dritter Wahlkreis. In der Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvercins für den dritten Reichstagswahlkrcis, die im großen Saale des Gewerkschastshauses tagte, referierte Genosse Emil Eichhorn. Nach einleitenden Ausführungen über die allgemeine Lage, die durch den Krieg geschaffen ist. wandte er sich der Frage der Abhilfe der sozialen Nöte zu, die als Folge des Krieges auftreten. Er erinnerte an die bisher getroffenen Maßnahmen und betonte, als besondere Notwendigkeit erscheine das Eintreten für die am schwersten Getroffenen, für die Arbeiter und ihre Angehörigen. Man hätte damit zu rechnen, daß der Krieg nicht so schnell vor- übergehe. Deshalb sei es doppelte Pflicht, darauf hinzuwirken, daß Staat und Gemeinde in weitgehendster Weise die soziale Für- 'sorge in die Hand nehmen. Beim Zusammentreten des Reichs- tages wäre vorzuschlagen, daß die Unterstützungssätze für die Fa- Milien d�r Kriegsteilnehmer erhöht würden. Auch an die Woh- nungsfürsorge sei zu denken, in der Richtung, daß die erforder- lichen Leistungen auf rechtlicher Grundlage basiert werden. Vcr- langen müßten wir ferner, daß der Reichstag, wenn er im No- vembcr zusammentrete, sich mit der Unterstützung der Arbeits- losen beschäftige. Er könne vorschreiben, daß die Gemeinden zum Eingreifen gesetzliche Pflicht hätten und daß der Staat auch Mittel dazu herzugeben habe. Von Wichtigkeit sei die Schaffung von Ar- Leitsgclcgenheit, womit sich ja jetzt der Landtag zu befassen haben werde. Und endlich sei darauf zu sehen, daß es der Reichstag als eine seiner Ausgaben betrachte, den Arbeiterschutz zu hüten und dafür zu sorgen, daß dieser nicht unter den Einlvirkungen des Krieges leide. Es wäre ferner ein Notgesctz zu verlangen, das, besonders auch zur Sicherung tariflicher Verträge, bestimme: an den Arbeitsbedingungen, wie sie bei Beginn des Krieges bestanden, darf bis zur Beendigung des Krieges nicht geändert werden. Red- ner erörterte dann unter anderem noch die verschiedenen Möglich- leiten eines wirksamen Schutzes gegen Lebensmittelwucher. Schließlich gedachte er mit lebhaften Worten der außerordentlichen Bedeutung, die der Zusammenhalt des alten Stammes in den Or- ganisationcn habe. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage. Zur Diskussion meldete sich ein Genosse, der nach einigen Aus- führungen zum Vortrage sich gegen die jetzige inhaltliche Ausge- staltung des„Vorwärts" wandte. Genosse Eichhorn verwies in seinem Schlußwort auf die Rechtsbedingungen, unter denen jetzt Zeitungen erscheinen. Vierter Wahlkreis. In„Kellers Festsälen", Koppenstr. 29, sprach Rcichstagsab- geordneter Otto Büchner, der sich seiner Aufgabe mit Tempera- ment und Wärme entledigte. Mit Recht wies er eingangs seiner Ausführungen darauf hin, daß das entsetzliche Ereignis, das sich vor unseren Augen entrollt, von uns so oft vorausgesagt worden sei. Viele aber hätten eigentlich nicht daran geglaubt, hatten den furchtbaren Ernst der Situation nicht so geweitet, wie es not- wendig gewesen wäre. Eingehend schilderte Redner die Wirkungen des Krieges, besonders in volkswirtschaftlicher und sozialer Hin- ficht. Anzuerkennen sei das Vorgehen der Militärbehörden in den Fällen, wo einzelne Personen oder Stände die Kriegslage in selbst- süchtiger Weise auszunützen suchten. Sehr treffend zeichnete Ge- nasse Büchner die Aufgaben, die gelöst werden müßten, um den Schutz der Schwachen und Hilflosen zu sichern, auf daß private Interessen hinter den Interessen der Allgemeinheit zurückzustehen haben. Die Gewerkschaften sowie unsere Genossen in den Paria- menten hätten in dieser Weise energisch und wirksam gearbeitet. Notgcsetze seien immerhin noch allenthalben nötig, wie Redner im einzelnen nachweisen konnte. Desgleichen müßten ausreichende Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden. Mit einem eindrucksvollen Mahnwort an die Versam- meltcn und einem hoffnungsfreudigen Ausblick schloß Redner seinen prächtigen, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag. Mit einem dreifachen Hoch ging die Versammlung ausein- ander. Die Mitgliederversammlung, welche der fünfte Wahlkreis am Dienstag im„Unionsaale" abhielt, zeigte durch ihren guten Be- such, daß die Treue, mit der unsere Parteigenossen zu ihrer Lr- ganisation stehen, durch die gegenwärtigen Zeitverhältnissc nicht beeinträchtigt Wörden ist. Mit regem Interesse folgten die Zu- Hörer dem Vortrage des Genossen Robert Schmidt. Der Redner verwies auf die schweren wirtschaftlichen Erschütterungen, welche der Krieg als notwendige Folge mit sich bringt, er be- sprach die Matznahmen, welche zur Regelung des Geldverkehrs ge- troffen sind und wies im einzelnen nach, wie notwendig es ist, daß für die ausreichende Versorgung des Volkes mit Lebensmitteln Vorsorge getroffen und durch Festsetzung von Höchstpreisen einer Uebervorteilung der Konsumenten entgegengewirkt wird. Die schwerste wirtschaftliche Bedrängnis— so führte der Redner weiter aus— entsteht durch das Daniederliegen vieler Industriezweige und der infolgedessen eingetretenen großen Arbeitslosigkeit. � In dieser Situation haben die Gewerkschaften eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Es gilt, die arbeitslosen Mitglieder so lange wie möglich zu unterstützen. Die Ansicht, die Gewerkschaften dürften nicht ihre gesamten Mittel für die Unterstützung ausgeben, sondern sie müßten einen Teil zurückbehalten, um auch nach dem Kriege kampffähig zu sein, hält der Redner nicht für richtig. Er ist da- für, daß die Gewerkschaften in dieser Zeit ihre Gelder bis zum letzten Pfennig für die Unterstützung der Arbeitslosen verwenden, denn es sei die Hauptsache, oie Schwierigkeiten der Gegenwart zu übertoinden. Was nachher kommt, dafür werde sich auch Rat finden. Ferner verwies der Redner darauf, daß trotz der Opfer- Willigkeit der Gewerkschaften die Selbsthilfe in der Arbeitslosen- Unterstützung nicht ausreicht und deshalb Staat und Gemeinde eingreifen müssen. Der Krieg wird vom Reiche geführt, das Reich hat die Kosten desselben zu tragen. Aber zu den KricgSkosten gc- hört auch die Unterstützung derjenigen, die infolge des Krieges arbeitslos geworden sind. Hier muß das Reich eintreten, um so mehr, als viele Gemeinden gar nicht in der Lage sind, Mittel für die Arbeitslosen aufzubringen. Mit der Arbeitslosenunterstützung hängt die Frage des Arbeitsnachweises zusammen. In dieser Zeit hat sich gezeigt, daß es notwendig ist, eine Zentrale für die Ar- beitsvermittelnng zu schaffen, die frei ist von dem Einfluß der Unternehmer.— Wichtiger als die Unterstützung ist die Beschaf- fung von Arbeit. In dieser Hinsicht muß namentlich von der Post, der Straßenbahn, der Hochbahn gefordert werden, daß sie ihr Per- sonal aus den Reihen der Arbeitslosen ergänzen, um den Anfor- derungen des Verkehrs, die jetzt immer noch vernachlässigt sind, gerecht zu werden.— Wenn wir uns— so bemerkte der Redner zum Schluß— gemeinsam mit Angehörigen anderer Richtungen an der Regelung der sozialen Fürsorge beteiligen, so hat das keine Bedenken. Es geschieht nur, damit in der Fürsorge möglichst weit gegangen wird. Diese Verbindung überhebt uns nicht der Pflicht, in der Zukunft für unsere Bestrebungen weiterzukämpfen. Unsere Ideale sind nicht begraben. Sie zu erreichen erfordert allerdings noch viel Arbeit und Kraft. Wir werden diese Arbeit leisten, gc-� stützt auf unsere Organisation, die nach dem Kriege neu erstehen ivird. So können wir getrost der Zukunft entgegengehen. 8li?!klIi!MliIli'stizctiei'VsIiI?ek'eii! k. ll. 2. ßeH. REietistapwaiilkFeis. Bezirk 87. Am 19. Oktober verstarb unser Genosse, der Gastwirt �bert Hazelberger Str. 52. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Oktober, nach- mittags. 4 Ubr, von der Leichen- balle, dcy städtischen Fricdhoss in Friedrichsscide aus statt. Um rege Beteiligung bittet 207/2 Itei» Vopstaiul. Deuiscberlietallarbeltef-Vertiantl Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kesselschmied Karl Baunibach Neukölln, Kliesebecksir. 98 am 18. d. Mts. an Lungcnleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, ven 22. Oktober, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindcfried- hoses in Neukölln, Maricndorser Weg aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Will! Dolling Simon-Daibstr. 10 am 20. Oktober an Lungenleidcn. Die Beerdigung findet am Freilag, den 23. Oktober, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichen- balle des Zcntral-Fricdhoses in Friedrichsscide aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Arbeiter Wlacüslans Richter am 19. d. M. an Magenkrebs. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Oktober, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichen- Halle des St. Sebastian-Kirch- böses in Reinickendorf aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 126/11 Bie Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer WablvEFEiDE Heukölla. Am 19. Oktober verstarb unsere Parteigenossin Elisabeth Schulz Herrfurthstraße 13/14, 21. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Oktober, mechmittags l'l4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Kc- m cind c-Fried h o jcs, Maricnd orscr Weg, aus statt. 239/3 Um rege Beteiligung ersucht V«!* Vorstand. Im MM«««Ner«vs lim MM««M gesMene««SMe«! Am 16. bei den Kämpfen im Osten der Schlosser Reth Memelcr Straße 52 sucht vor Vorstand. In Belgien siel unser Mitglied ß�ari Vogt. Sozialdemokr. Wahlverein Niederbarnim. Bez. Lichtenberg. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter! Filiale tiroß-Uerlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kcllege Gustav Gstrovvski vom städtischen Kchienplatz infolge Unfalls verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerslaa, den 22. Oktober, nachmittags 2ffz Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhvss in! s Friedrichsjelde aus statt. 35/15 j Auf dem Schlachtfelde fielen die Kollegen: Anton Pawlowski vom Zentralmagazin. Wilhelm Schröder von den englischen Gaswerken. Britz Kaltenbach von der Irrenanstalt Dalldorf. Richard Brenner, Britz. Otto Streichan, Britz. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren! Die Ortsverw'altnnjy. Für unsere Truppen im ist das Beste gut genug; der gute Ruf, den die I ICapitail m Kan-, Ranch- u. Schnupftabake ■ seit vielen Jahren haben, bürgt sür die Güte derselben. Zu haben in den einschlägigen Gejchäjten. LKarl ROcker, Berlin. Grüner Weg 11«.» Fernsp�i Königstadt 3861. Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. B. Kerl. ReichstanswahlkFEis. 20. Abt. Bez. 787. Am Dienstag, den 20. Oktober, verilarb unser Genosse, derMetall- dreher •Julius König Hennigsdorjer Straße 12. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Lklober. nach- mittags 2'/. Uhr. von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraße, Ecke See- ftraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. ?erliand der Ireien Gast- und Seliankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Ferdinand Äbert Hazelberger Str. 52. Bezirk 5 | gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. d. Mts.. nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Städtischen Fricdhoss in Friedrichs- jelde aus statt.' Um rege Beteiligung ersucht 75/16 Bio Ortsverwaitung. Allen Verwandten und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, Sohn. Bruder und Schwager, der Gastwirt Eerdinand Abert nach kurzen aber schweren Leiden im 52. Lebensjahre am 19. d. M. sanst entschlascn ist. Im Namen der Hinterbliebenen Die trauernde Dattin Fiullle Abert geb. Meißner Hagclbergerstr. 52. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. d. Mts.. nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zcntral-Friedhoscs in Fricdrichssetdc aus statt. 285b Allen Bekannten und Genossen hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriger Funktionär Julius König am 20. Oktober verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. d. Mts., nach- mittags 2'/, Uhr. von der Halle des Philippus-Apostel-Kirchhoses aus aus dem Städtischen Friedhof Müllerstraße, Ecke Seestraße, statt. Die Finnktioiläre der 2«. Abteilung des VI. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Spezialarzt I»p. med. Wockenfnß. Friedrichsir. 125,(Oranienb. Tor). für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage) Blutuntersuchung, Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. 11—2 u. 5— 8, Sonnt. 9—11. Kranken-Unterstützungs- und Begräbnis-Verein der Bau- und gewerblichen Arbeifer Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Gustav Ostrowski Frankfurter Allee 79 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am donncrstag, den 22. Oktober, Nachmittags 2'/, Uhr. von der Halle des Zeiurai-gricdhojes in rzriedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 37/9 Der Borftand. Zentral- Kranken- n. Sterhekasse der Zimmerer (Ersatzkasse), Verw. Berlin I. Am 19. Oktober verstarb unser Mitglied Perdinsnd Abert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofs in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/4 Der Vorstand. Fern von der Heimat aus sran- zöjischem Boden starb am 29 Sep- lcmbcr den Heldentod mein innig- geliebter Mann, der lrcusocgende Bater meiner Kinder, unser einziger Sobn, Bruder, Schwiegcr- söhn und Schwager, der Wehr- mann Paul Helming im blühenden Alter von 30 Jahren. Leicht sei ihm die fremde Erde. Dies zeigt im tiescn Schmerz an Witwe Martha Helming geb. Vogel nebst drei unmündigen Kindern. Pankow, Oktober 1914. S0A Danksagung. 127A Für die- beim Tode unseres lieben Vaters, des Malchinensormers Karl Schneider erwiesenen Ehrungen sagen wir allen Bekannten und Freunden, insbesondere dem Wahlvcrein deS sechsten KrciieS, Abt. 9 Bez. 628, dem Deutschen Me- tallarbeitcrvcrband sowie dem Hut- inacher-Gcsangvercin„Lerche- Einig- keitt unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Willi Beckmann sagen wir allen Beteiligten Dank. 135A Familie Beckmann. Väter geben Geld aus Kinder und Mütter profitieren davon, wenn es sür Dr. Rud. Well» Ratermark geschieht, denn es ist dies ein vor- zügliches, Blut und MuSkeür bil- dcndeS Kraitnährmittcl sür Gc- sunde und Kranke. Hafermark wird ärztlich empsoblen sür Magen- und Tarmkranke, Blut- arme. BIcichsüchiige, Zuckerkranke, Wöchnerinnen, Rekonvaleszenten und Kinder. 274/4» Gcbrauchsvorschrist a. d. Paketen Paket— 1 Pfund 45 Ps., 9 Pfund 4,00 M. In Groß-Berlin srei Haus. DMARPV BERI-IX S.42 • IWÄÜtlt, Prlnzcnst.86 Zu haben in Apotheken. Drogerien und besseren Kolonial- Warengeschäften sowie in den Filialen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Spezialarzt; t. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u. Eo. konz. Laborat. j Blut. Untersuchung., Fäden l. Harn usw. FnittilM, 81, SÄ» Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar möstig. auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. mi, viumni onin Dr. Homeyer Verantwortlicher Redakteur: Alfreh Wirlepp, Neukölln. Für den Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr.u.Berlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage». NnterhaltungSbl. Nr. 289. 31. Iahrgava. ßfilnjf des.Mmrls" Srrlim Nonuerstag, 22. Oktober 19!�. Arbeitslosenunterstützung. Während für die Unterstützung der Angehörigen der Kriegs- teilnehmer heute innerhalb Groß-Berlins— abgesehen von einigen kleineren Gemeinden— einheitliche Grundsätze bestehen, herrscht für die Gewährung der Erwerbslosenunterstützung das größte Durcheinander. Die Regierung hat ihren Einfluß geltend gemacht, daß den Angehörigen der Kriegsteilnehmer ICK) Proz. Kommunalzuschlag gewährt wurden, bisher war es ihr aber nicht möglich, die Gemeinden zu bewegen, im Prinzip der Berliner Arbeitslosen- Unterstützung zuzustimmen. Zweierlei Gründe haben die Vorort- gemeinden veranlaßt, selbständig vorzugchen. Erstens wurde be- hauptet. daß die gewährten Unterstützungen in Berlin zu gering seien? und zweitens sollen die Beschlüsse des Provinziallandtages der Provinz Brandenburg, wonach den Vorortgcmeinden ein bestimmter Zuschuß zur Arbeitslosenunterstützung gewährt werden kann, der einheitlichen Regelung der Frage entgegenstehen. Beide Gründe sind nicht stichhaltig. Wohl ist die Unterstützung in Berlin zum Teil geringer als in den Vororten, aber Berlin hat seine Unterstützungssätze in der Voraussetzung beschlossen, daß auch die Landesversicherung mit eingreife. Der andere Gtunb, daß die Ausführungsbestimmungen des Provinzialausschusses zu dem Be- schlusse des Provinziallandtages dem entgegenstehen, erscheint nicht stichhaltig, wie wir bereits in Nr. 264 vom 27. September dargelegt haben. Dieses Durcheinander in der Arbeitslosenunterstützung ist vor allen Dingen aus die kommunale Zerrissenheit Groß-Berlins zurückzuführen, aber auch die spät einsetzende Initiative der Re- sidenzstadt trägt ein Teil dazu bei. Haben doch einzelne Vorort- gemeinden schon früher als Berlin derartige Unterstützungen ein- geführt. Aber ein anderer Teil der Vorortgemeinden— meistens kleinere— hat sich bis jetzt noch nicht veranlaßt gesehen, für die Gewährung der Unterstützung bestimmte Grundsätze aufzustellen, sondern die Gemeindevertretungen haben den eingesetzten Kom- Missionen einen bestimmten Betrag zu Unterstützungszwecken über- reicht und eS diesen überlassen, von Fall zu Fall, je nach dem Grade der Bedürftigkeit, zu entscheiden. Das ist ein ganz un- haltbarer Zustand. Der betreffende Arbeitslose wird hierbei stets der Gnade des Rechercheurs ausgeliefert sein. Besucht ihn ein Rechercheur, der über soziales Verständnis verfügt und vielleicht einige Ansprüche an das Leben stellt, dann wird er eine höhere Unterstützung er- halten. Das nächste Mal wird derselbe Arbeitslose vielleicht von jemand recherchiert, der der Auffassung ist, solange noch einiges Hausmobiliar vorhanden, besteht noch keine Bedürftigkeit, und seine Unterstützung wird herabgemindert oder sein Antrag abgelehnt. Von unseren Parteigenossen, die in den Gemeindevertretungen sitzen, erwarten wir, daß sie energisch darauf dringen, daß dieser entwürdigende Zustand beseitigt wird. Wie die nachfolgende Tabelle beweist, sind es bisher nur einige Gemeinden, die Arbeitslosenunterstützung nach bestimmten Grund- sätzen gewähren. Unterstützung Höchstgr. Name für Einzelpers. f. Familien Kinder b. Unterst. mannt, weibl. Ehem. Ehesr. jüng. erwachs. pr.Wochc Berlin..... 4 4 5— Neukölln.... 4 4 6 1 2— Schöneberg... 7 6,26 8 l.56 17 M. Wilmersdorf.. 6 6 6 1,66 1,66 Sieglitz.... 4.66 4,66 6 mit 3 Kindern, u. mehr 7M. Tempelhof... 44 6 Treptow.... 7 7 7 4,26 4,20 AMerShof... 4 4 5 6,56 7 M. Köpenick.... 4461 1 S M. Bohnsdorf... 44 6 Lichtenberg... 7 7 7 3 1,75 18 M. Banlow.... ähnlich den Licknenberaer Sätzen Reinickendorf.. 7 7 7 3,80 3,80 20 M, Oberschönewcide. 7 7 10 1,75 18 M, Tegel..... 7 7 10 1,75 18 M, Nicder-Schönhaus. 7 7 10,50 1,40— Kaulsdorf... 2,80 2,80 4,90 2,80 1,75— Stralau.... 4 4 6 1,75 2,60— Fredersdorf.. 2,10 1,75 0,70— In dieser Tabelle ist zunächst auffällig, daß eine so große Kommune wie Charlottenburg nicht darin enthalten ist. Dort herrscht bisher die größte Willkür. Wer Unterstützung haben will, muß jedesmal einen Antrag stellen; alsdann bekommt er vielleicht nach längerer Wartezeit eine Unterstützung. Hoffentlich wird dieses System so schnell wie möglich beseitigt. Die Gewährung der Unterstützung wird in den meisten Ge- meinden an die Bedingung geknüpft, daß die Antragsteller seit dem 1. Juni 1614 am Orte wohnen. Wer nach diesem Termin zugezogen ist, wird der Armenkommission überwiesen. Nur Steglitz hat diesen Termin für den 1. August festgesetzt und Kaulsdorf auf den 1. Juli. Am tolerantesten hierbei ist Ober- schöncweide. Tort bekommt jeder Neuzuziehende, der von seiner bisherigen Wohnsitzgemeindc Arbeitslosenunterstützung erhalten hat, dieselbe weiter gezahlt. Ferner ist Bedingung bei dem Bezug der Arbeitslosenunter- stützung, daß der Antragsteller eine bestimmte Zeit arbeitslos sein mutz. Hier setzen die meisten Gemeinden eine Arbeitslosigkeit von zwei Wochen voraus, nur Niedcrschönhausen macht achttägige Ar- beitslosigkeit zur Bedingung. Ueber ein Zusamenarbeiten mit den Gewerkschaften liegen nur von den Gemeinden Berlin, Schönebcrg, Wilmersdorf und Köpenick zustimmende Erklärungen vor. Tie Anrechnung der gewerkschaft- lichcn Arbeitslosenunterstützung wird in sehr verschiedener Weise vorgenommen. In dieser Beziehung ist Schönebcrg am weit- herzigsten; dert wird die Gcmeindeunterstützung als Zuschuß zur gewerkschaftlichen betrachtet. Dann folgen die Gemeinden Berlin, Steglitz, Tempclhof, Stralau und Köpenick, welche zu der Gewcrk- schaftsunterstützung einen bestimmten Zuschlag von 66 Proz. zahlen, Demgegenüber machen es die Gemeinden Neukölln, Wilmersdorf und Tegel umgekehrt. Dort wird die kommunale Unterstützung um die Hälfte der gewerkschaftlichen herabgemindert. Ein Teil der kleineren Gemeinden, und zwar Adlershof, Reinickendorf, Obcrschöncwcidc, Nicderschönhausen und Kaulsdorf rechnen die Ge- wcrkschastsunterstützung von der Gemeindeunterstützung in voller Höhe ab. Diese große Verschiedenheit beweist doch wohl auf das deut- lichste, daß es notwendig ist. hier so schnell als möglich nach einem einheitlichen System zu arbeiten. Dazu dürste im Prinzip das Berliner System das geeignetste sein. Dabei müßteU allerdings die Gemeinden ihre kleinliche Animosität gegen die Gewerkschaften ausgeben. Haben doch die Gewerkschaften schon bisher einen großen Teil der Lasten, die den Kommunen eigentlich zufielen, diesen ab- genommen. Bei einem Zusammengehen mit den Gewerkschaften würde«uch einTeil derArbeiteu den Kommunen«bgenommen, denn die Aufnahme der Anträge, die Kontrolle und die Auszahlung an die gewerkschaftlich organisierten Arbeitslosen nimmt nicht die Tätigkeit der Kommunen stark in Anspruch. Aus allen diesen Gründen ist es wünschenswert, wenn recht schnell eine einheitliche Regelung der Frage erzielt wird. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 66 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: 16. Armeekorps, Feldgendarmerie-Trupp; Gren.-Regimenter Nr. 6, 16; Brig.-Ers.-Bat'. Nr. 13; Jnf.-Regimenter Nr. 14, 17; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 22; Res.-Jnf.-Regimcnter Nr. 23, 27, 28, 31; Füs.-Reg. Nr. 33; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 39; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 61; Jnf.-Reg. Nr. 53; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 63; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 66; Jnf.-Regimenter Nr. 62, 63; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 67; Jnf.-Reg. Nr. 71; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 71; Jnf.-Regimenter Nr. 75, 84; Füs.-Reg. Nr. 96; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 98; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 99; Leib-Gren.-Reg. Nr. 169; Jnf.-Reg Nr. 114; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 118;HJnf.-Regimenter Nr. 144, 165, 168, 176, 171, 172, 173; Landsturm-Bataillone Beuthen i. Oberschl. und Kattowitz; Res.- Jäger-Bataillone Nr. 9, 16. Kür.-Reg. Nr. 6; Trag.-Regimenter Nr. 2, 6; Res.-Drag.-Reg. Nr. 6; Drag.-Reg. Nr. 14; 2. Landw.-Eskadron des 8. Armeekorps; 1., 2. und 3. Landw.-Esk. des 16. Armeekorps; 1. Landst.-Esk. des 2. und 6. Armeekorps Feldart.-Regimenter Nr. 6, 8; Res.-Feldart. Reg. Nr. 13; Feld' art.-Reg. Nr. 26; Res.-Feldart.-Reg. Nr. 26; Feldart.-Regimenter Nr. 39, 56, 59, 67, 69, 76, 83; Landst.-Feldart.-Abt. der gemischten 76. Landw.-Jnf.-Brig. Res.-Fußart.-Regimenter Nr. 1, 2; Fußart.-Neg. Nr. 3; Res.' Fußart.-Reg. Nr. 9; Landw.-Fußart.-Bataillon Nr. 9; Fußart.-Reg. Nr. 16; Res.-Fußart.-Reg. Nr. 15. Garoc-Pioriicr-Bat.; Pion.-Bataillone Nr. 3, 5; 1. und 2. Pion. Bat. Nr. 6; Pion.-Neg. Nr. 19; Pion.-Bat. Nr. 24; Pion.-Rcg. Nr. 29; Rcs.-Eisenbahn-Baukomp. Nr. 2. Fernsprech-Abt. des 21. Armeekorps; Feldfliegertruppe; Kraft- fahrtruppen der Etappcn-Jnspektion 1, Düsseldorf: Kraftfahrtruppen der Etappen-Jnspektion Frankfurt a. M. Jnf.-Mun.-Kol. Nr. 3 des 2. Armeekorps; 1. Mun.-Kolonnen- Abt. des 3. Armeekorps; Art.-Mun.-Kol. Nr. 3 des 2. Armeekorps. Res.-San.-Komp. Nr. 6 des 6. Res.-Korps; San.-Komp. Nr. 2 des 16. Armeekorps. Feldlazarett Nr. 8 des 11. Armeekorps; Feldlazarett Nr. 4 des 18. Armeekorps; Feldbäckerei-Kol. Nr. 2 des 9. Armeekorps. *»* Die bayerische Verlustliste Nr. 31 bringt Verluste des 1. Jnf.-Reg. und des 16. Feldart.-Regiments. Die sächsische Verlustliste Nr. 35 enthält Verlufte des Inf.- Reg. Nr. 166; des Jnf.-Reg. Nr. 166; des Landw.-Jnf.-Reg, Nr. 166; des Jnf.-Reg. Nr. 167; der Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 167 und 181; des Jäger-Bat. Nr. 12 und des Husaren-Regiments Nr. 18. Die württembergische Verlustliste Nr. 39 bringt Ver- luste des Gren.-Regiments Nr. 123 und der Kraftfahrertruppe. /tos Groß-öerlin. Gültigkeit der Arbeiter-Wochenkarte». Mit Rücksickit auf die vielfackien ArbeilScinickirnnkungen in der Industrie während de? Krieges kann nach einer Verfügung des Eisen- babnministers die Gültigkeitsdauer der Arbeiter- Wochenkarten auf 14 Tage ausgedehnt werde», wo die Verkehrsbedingungen eS er- forderlich erscheinen lassen. Die Verlängerung erfolgt mit der Maß- gäbe, daß die Karten innerhalb dieser Zeit an sechs beliebigen Arbeitstagen, die nicht unmittelbar aufeinanderfolgen müssen, benutzt werden dürfen, Million enveruntreuung eines Geistlichen in Schöneberg Nach Veruntreuung von riesigen Summen, die die Höhe von 1V4 Millionen Mark erreichen dürfte», ist seit einigen Tage» der ztveitc Pfarrer au der Kirche zum Hcilbronn in der Hellbrauner Straße zu Schönebcrg, Pastor F. Mlrbt, verschwunden, lieber den in der Gemeinde ungeheures Aussehen erregenden Vorfall werden uns folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der ini 46. Lebensjahre stehende zweite Pfarrer an der Kirche zum Heilbronn in Schönebcrg, F. Mirbt, war im Dezember 1912 an die genannte Kirche berufen worden. Mirbt, der als ein sehr wohlhabender Man» bekannt war, gelwß großes Ansehen und besaß das volle Vertrauen der Gemeinden, an denen er früher gewirkt hatte. In den letzten Jahren war der Geistliche jedoch zu Börsen- spekulationen verleitet worden und beteiligte sich mit der Mitgift keiner Gattin, die ihm über eine halbe Million Mark in die Ehe eingebracht hatte, an finanziellen Transaktionen. So kam es schließ- lich, daß Mirbt das Geld seiner Gattin, über das er freie Ver- fügung hatte, bis auf den letzten Pfennig verspielte. Um nun den Verlust wieder einzubringen, ließ sich Mirbt in Schwindeleien ein, die nur durch den Ausbruch des Krieges ans Tageslicht kamen. Seit einigen Tagcn, seit dem Ende der letzten Woche, fiel es all- gemein aus, daß Mirbt am Sonntag nicht, wie bestimmt, predigte und daß cr auch Besuche nicht mehr in seiner Wohnung empfing. Der Geistliche hatte in seiner Wohnung eine Sammelstelle für Liebesgaben eingerichtet, doch bekamen die Spender Mirbt nicht mehr zu sehen. Dienstag machte seine Gattin einigen seiner Gläubiger die Mitteilung, daß ihr Mann seit fünf Tagcn ver- fchwunden sei. Das Gerücht, daß Pfarrer Mirbt geflohen sei, verbreitete sich schnell in der ganzen Gemeinde und im Laufe der beiden letzten Tage erschienen immer neue Gläubiger des Pfarrers, die reckt hohe Beträge zurückverlangten. Ueber die Art und Weise, wie Mirbt seine Gläubiger geschädigt lsat, erfahren wir folgendes: Als der Geistlickic das Vermöge» seiner Frau verspekuliert hatte, suchte er auf jede Art und Weise Geld zu erlangen, um die Aus- fälle, die er auf der Börse erlitten hatte, wieder einzubringen. So wandte er sich an zahlreiche Mitglieder des Gemeinderates, aber auch an persönliche Bekannte und teilte diesen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, daß ein angesehenes Mitglied des Äirchcnratcs in schwere pekuniäre Bedrängnis gcratcn sei. Der Betreffende habe ihn, den Pfarrer Mirbt, gebeten, ihm das zur Weiterführung seines Geschäftes notwendige Kapital— Mirbt forderte Summen von 16 666 bis 56 666 M.— zu beschaffen. Er versprach den Gebern, für das geliehene Kapital 16 bis 12 Proz. Zinsen zu zahlen. Das sichere, biedere Auftreten des Geistlichen vcranlahte die Geschädigten fast in allen Fällen bereitwillig die verlangten Summen herzugeben. Anfangs erhielten die Geld- gcbcr die versprochenen Zinsen auch pünktlich. Bei Kriegsausbruch fingen die Zahlungen jedoch zu stocken an. Mirbt hatte nämlich, wie sich jetzt herausgestellt hat. die erschwindelten Summen, die bisher schon die Höhe von 866 666 M. erreicht haben, in mehr als zweifelhasten Spekulationen und Jndustriewertcn angelegt. An- fangs vertröstete der Geistliche seine Gläubiger, daß die Zins- Zahlungen in den nächsten Wochen erfolgen würden, bald aber mehrten sich die Besuche der Gläubiger und die Mahnbriefe so sehr, daß Mirbt der Boden unter den Füßen zu heiß wurde. Er verschwand am Freitag voriger Woche, ohne seinen Angehörigen von der Flucht Kenntnis zu geben. Offenbar hat der Schwindler sich in das Ausland begeben. Bisher konnte von dem Flüchtigen noch keine Spur ermittelt werden. Die Schrcckcustat in der Wcißcnburgcr Straße, über die wir ausführlich berichteten, hat bisher zwei Opfer gefordert. Dis Tante des Geisteskranken Paul Schulz starb im Laufe desselben Abends. Gestern morgen verschied im Krankcnhause auch seine Großmutter. Der Großvater liegt schwer danieder. Auch er wird kaum mit dem Leben davonkommen. Der flüchtige Schulz hat sich gestern auf dem Polizeipräsidium selbst gestellt. Ursprünglich hatte cr wohl die Absicht, sich von einem Automobil oder Eisenbahnzuge überfahren zu lassen. Einen solchen Selbstmord erklärte er in den Briefen an seine Verwandten für den schönsten Tod. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er die Tat in einem Zustand verübt habe, der seinen freien Willen ausschloß. Der geisteskranke Mann beschäftigte sich am liebsten mit der Lehre des Confucius und der Erfindung des Perpetuum mobile. Ter Teltower Kreistag trat am Dienstag nachmittag unter dem Vorsitz des Landrats von Achenbach zu seiner 2. Kriegssitzung zusammen. Dem Vorschlage des Kreisausschusses gemäß wurden in Verfolg des Kreistagsbeschlusses am 15. August d. I. nach- stehende Fürsorgemaßnahmen genehmigt. Die Privatdienstver- pflichteren und die dauernd beschäftigten Arbeiter des Kreises, die zum Kriegsdienst oder als Mitglieder der freiwilligen Sanitäts, kolonne vom Roten Kreuz zur Kriegskrankenpflege einberufen sind, erhalten während der Dauer des Kriegsdienstes vom 1. No- vember d.& ab, sofern sie ledig sind, 25 Proz., und, sofern sie ver- heiratet sind, 66 Proz. der Gehälter und Löhne; für Kinder unter 15 Jahren werden 16 Proz. für das erste Kind und 5 Proz. für jedes weitere gewährt mit der Maßgabe, daß die Gesamtsumme aller Bezüge nicht 96 Proz. übersteigt. Für die vom Einberufenen unterhaltenen Geschwister und Verwandten in aufsteigender Linie werden je 16 Proz. gezahlt. Die Unterstützungen in ihrer Ge- samthcit dürfen die Höhe der Gehälter und Löhne nicht übersteigen. Bis jetzt kommen rund 1166 Personen in Betracht, die bisher rund 46 566 M. monatlich Vergütungen bezogen. Ter Kreistag setzte ferner die für den Zweckverband Groß-Berlin für das Perwal- tungsjahr 1914 aufzubringende Verbandsabgabe von 23 298,56 M. für die Stadtgemeinde Köpenick aus 793,52 M.. für die Land- gemeinde Friedenau auf 2226,25 M., für Lichterfelde aus 2386,55 Mark, für Steglitz auf 3284,27 M. und für den Restkreis Teltow auf 14 613,91 M. fest. Ter Kreisausschuß wurde des weiteren zum Abschlüsse eines Vertrages mit dem Eisenbahnfiskus be- treffend Ablösung der Brückcnbaulast für die im Zuge von Staats- eisenbahncn liegenden Brücken über den Teltowkanal bevollmächtigt und genehmigt zu diesem Zweck die Aufnahme eines Darlehns von 466 666 M.; ein weiterer Betrag von 5662 M. wird auf den Etat des Teltowkanals übernommen. An der Ablösung dieser Last ist auch die Stadtgemeinde Berlin-Wilmersdorf beteiligt. Weitere Kriegsmaftnahmen in Lichterfelde. Die Gemeindevertretung bewilligte in ihrer letzten Sitzung 2666 M. zur Linderung der Not in Ostpreußen.— Den Grundsätzen des Provinzialausschusses und der Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg für die Rückerstattung von Arbeitslosen- Unterstützung wird zugestimmt. Der Gemeindevorstand hat eS ab- gelehnt, den gewerkschaftlich organisierten Arbeitslosen eine» be- stimmten Zuschuß zu ihrer Verbandsunterstützung zu gcivähren.— Von den Grundbesitzern war ein Antrag gestellt worden, wonach bei der jedesmalige» Unterstützimasauszahlung die Mietsquittung vor- gelegt werden muß. eS soll ferner darauf gesehen werden, daß die gezahlte Miete sich auf den laufenden Monat bezieht. Trotzdem dieser Antrag, der auch von den Frauen der Kriegsteilnehmer die Vorlegung der Mietsquittung verlangt, ungesetzlich ist, wurde er doch angenommen. Die Gemeinde will auch in besonderen Notfällen eine MietS- Unterstützung leisten, doch soll versucht werden, dahin zu wirken, daß die Vermieter den Mietern einen MictSnachlaß bis zu 25 Proz. ge- Ivähren._ Die Pakotpostfouduiigen ins«tzclb iiiiissoii sorgfältige Adressen aufweisen, um schnell und richtig befördert zu tvcrden. Falsche Adressierungen sind auch heute noch äußerst häufig und erschweren die Arbeit der Feldpost ungemein. In Zweifelsfällen gibt die Feldpostsmrnnelstelle in der Luckenwaldcr Straße Auskunft. In Spandau können die aus den 21. und 22. d. M. ein� berufenen Wahlvereinsversammlungen nicht stattfinden. In Spandau war eine, in Potsdam eine Versammlung anberannit. Tic Potsdamer Ttadtvcrordnctcnvcrsammlung beschloß u.a. die Errichtung einer transportablen Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen auf dem Bahnhofsvorplatz mit einem Kostcnaufwande von 4566 M. Eine diesbezügliche Eingabe war bereits von dem Kartell der Freien Gewerkschaften an die Eisenbahndirektion, der dieser Platz gehört, gerichtet worden. Des weiteren soll nunmehr die am Werner-Alsred-Bad projektierte Trinkhalle sowie ein Fahrrad- schuppen errichtet werden. Ein bedauerlicher Betricsunfall ereignete sich gestern abend auf der Havel zwischen Haselhorst und Spandau. Auf dem Schlepp- dampser Brandenburg wurde der 23jährigc Schisfsarbciter August Splettstößer aus Oberschöneweide beim Ankoppeln eines Kohlen- trasportes von der Schlcpptrosse über Bord geworfen. Obwohl sofort alle Rettungsversuche unternommen wurden, war es doch nicht möglich, den Verunglückten zu retten. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Straßcnunfall. Am Schloßplatz Ecke Breite Straße fuhr eist Straßenbahnzug der Linie 61 in die falsche Weiche und stieß gegen den Vorderperron deZ Motorwagens eines aus der entgegen- gesetzten Richtung kommenden Zuges der Linie 73. Infolge des Anpralles erlitt ein Herr, der auf dem Vorderperron des Motor- Wagens der Linie 61 stand, eine schwere Verletzung der rechten Hand, die seine Aufnahme in das Urban-Krankenhaus erforderlich machte. Während der etwa 26 Minuten währenden Störung wurden die in Betracht kommenden Wagen in beiden Richtungen abgelenkt._ Kommunale Nähstube in Weistensee. Diejenigen Personen, welche beim Geincindeverordneten Fuhr� mann in die Liste für Näharbeit aufgenommen worden sind, er- halten, soweit sie berücksichtigt werden konnten, direkte Nachricht zum Antritt der Arbeit durch das Wohlfahrtsamt. Zunächst konnten nur die Allerbedüritigsten berücksichtigt werden, später soll die Einrichtung erweitert werden. Bolkskunstabcnd in Reukölln. Der nächste Volkskunstabend deZ Verbandes der Freien Volksbühnen findet kommenden Sonnabend, den 24. d. M.. abends 8 Uhr. in der Aula der Realschule in der Boddinstraße statt. Eintrittskarten kosten 16 Pf. Programm ist frei. Auf den Plakaten in den Zahlabendstellen und an den Anschlag- säulen sind d�e Vcrlaussstellen angegeben. Konzert im Zirkus Schumann. Sonntag, den 23. Oktober, mittags 12 Uhr. veranstaltet der Ausschuß für Volkskinisl- abende im Zirkus Schumann ein Konzert mit dem Philharmonischen Orchester sDirigent: Camilla Hildebrand). Das Programm enthält nur Werke von Beethoven: Egmont-Ouvertüre, Violinkonzert i Solist Konzertmeister I. Tbornberg), Eroica-Symphonie. Eintritts- karten zu 10 Pfennig sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. In Britz findet der Volkskunstabend am Sonntag, den LZ. Oktober, abends 8 Uhr, in der Aula der 1. Gemcindeschule, Chausseestrahe, statt. Kasseneröffnung 7 Uhr. Eintrittspreis 10 Pf. Eintrittskarten sind an der Katze und an folgenden Stellen zu haben: Chausseestrahe. gegenüber der 1. Gemeinde- schule, Restaurant Lindenpark. Rudower Strahe, Ecke Marien- taler Strahe, Restaurant Tomnick. Hannemannstratze(Ideal- bauten), Zigarrenladen Friedrich Freudenreich. Rungiusstrahe, Ecke Werderstrahe, Konsumladen. Der Männcrchor„Moabit", M. d. A.-S.-B., hält seine Uebungs- stunden jetzt wieder regelmähig jeden Freitag von 9—11 Uhr unter Leitung des Chormeisters Herrn Tehmann in den Arminiushallen, Bremer Str. 72/78, ab. Arbeiterbildungsschule. Heute Donnerstag,'/z9 Uhr abends beginnt der Kursus:„Die Gewerkschaften und der Krieg." Lortragender: Emil D i t t m e r. 8 Vorträge. Eintrittspreis 50' Pf. Schullokal: Lindenstr. 3, IV. Hof, rechter Aufgang 3 Treppen. Gewerkschaftliches. Die Staöt Schöneberg und die Gewerkschafts- unterstützung. Vom Ausschuß der Gewerkschaftskommission erhalten wir folgendes Schreiben: Im„Vorwärts" vom 20. d. Mts., erste Beilage 2. Seite ist unter„Gewerkschaftliches" eine Notiz enthalten: über die neue Arbeitslosenfürsorge der Stadt Schöneberg, die in keiner Weise den Tatsachen entspricht. Die frühere Arbeitslosenunterstützung der Stadt Schöneberg gab den Arbeitslosen öv Proz. der Unterstützung, die der Arbeitslose von seiner Gewerkschaft erhielt, höchstens jedoch 1 Mark pro Tag. Die daneben laufenden Bestimmungen der Stadt Schöneberg Ivaren allerdings derartig, daß man im Zweifel war, ob diese Unterstützung wirklich ein Vorteil für die Arbeitslosen war. So nahm zum Beispiel die Stadt Schöneberg für sich das Recht in Anspruch zu bestimmen, ob ein vom Arbeitgeber gezahlter Lohn ausreichend fei. Dadurch gerieten die Errungen- schaften der Gewerkschaften, die in jahrelangen mühevollen Kämpfen unter Opferung von Millionen von Vermögen erzielt waren, in Gefahr. Es haben sich deS öfteren Arbeitgeber, die den üblichen Lohn nicht zahlen wollten, um Arbeitskräfte an den Arbeitsnachweis der Stadt Schöneberg gewandt; fand die Verwaltung des Arbeits- Nachweises dann, daß nach ihrer Meinung der Lohn ausreichte, dann wurde der Arbeitslose vor die Wahl gestellt, entweder die Arbeit anzunehmen oder die Arbeitslosenunterstützung zu verlieren. ES sind Fälle festgestellt, wo die Verwaltung deS Nachweises Schöneberg Arbeitslose veranlassen wollte, 20 und 25 Pf. pro Stunde billiger zu arbeiten, als in dem betreffenden Gewerbe üblich ist. Der Nachweis der Stadt Schöneberg wurde somit geradezu eine Gefahr für die Bestrebungen der Gewerk- schaften auf diesem Gebiet. Auch sonst haben die Klagen über die Handhabung des Nachweises der Stadt Schöneberg vielfach die in Frage kommenden Gewerkschaften beschäftigt, so daß bereits eine Aussprache der Vorstände der Gewerkschaften darüber in Vor- bercitung war, ob eS nicht sehr im Interesse der Gewerkschaften liegt, wenn die Beziehungen zur Stadt Schöneberg aufgehoben würden. Dem allem ist nun durch die Aufhebung der früheren Arbeitslosenunterstützung der Stadt Schöneberg die Spitze ab- gebrochen und kann als erledigt beiseite getan werben. Die neue Arbeitslosenfürsorge der Stadt Schöneberg, die für die Dauer deS Krieges gelte» soll, enthält nun Bestimmungen, die unter allen Ilmständen von allen Gewerkschaften ganz entschieden abgelehnt werden müßten. Die Stadt Schöneberg will die gesamten von den Gewerkschaften gezahlten Unterstützungen in Anrechnung bringen, das heißt also, um den Satz, den die Gewerkschaften den Arbeitslosen zahlen, soll die Unterstützung, die die Stadt Schöneberg den Arbeitslosen gibt, voll gekürzt werden. Das allein kann schon von den Gewerk- schaften unter keinen Umständen gutgeheißen werden und schließt jede Mitarbeit derselben entsprechend dem vor einiger Zeit in der Konferenz der Vorstände aller Gewerkschaftsrichtungen gefaßten Beschluß aus. Dazu kommt nun noch als weiteres, daß die Schöneberger Verwaltung den Gewerkschaften in liebenS- würdiger Weife auch noch zumutet, die von der Stadt Schönebcrg zugestandene Unterstützung zu verauslagen und die hier- für notwendigen schriftlichen Arbeiten sowie sonstige Verwaltungs- arbeiten zu übernehmen. Die Kosten dieser Verwaltungsarbeiten dürfen die Gewerkschaften natürlich selbst tragen. Verwunderlich ist nicht, daß die Stadt Schöneberg sich ebenso wie vordem bei der alten UntxrstlltzungSart das Recht vorbehält zu entscheiden, ob in irgendeinem Fall der vom Arbeitgeber angebotene Lohn ausreichend ist, um, wenn der Arbeitslose sich weigert, weil der Lohn niedriger als üblich ist, dann die Unterstützung zu entziehen. DaS allerbedenklichste aber ist, daß die Stadt Schöneberg in allen Fällen beim letzten Arbeitgeber nach dem Grund der Eni- lassung anfrägt. Damit hat sie alle Arbeiterschutzbestimmungen der Gewerbeordnung umgestoßen. Nach den Bestimmungen des§ 113 der Gewerbeordnung muß der Arbeitgeber dem Arbeiter ein Zeugnis über Art und Dauer oder Führung und Leistung ausstellen. Der- selbe darf nichts Schädigendes in seine Papiere einschreiben. Der Stadt Schöneberg genügt das nicht; für sie ist die unkontrollierbare telephonische Antwort des Arbeitgebers, der ja am Telephon sagen kann, was er will, maßgebend. Für die wenigen Groschen der Arbeitslosenunterstützung sollen die Arbeiter ihre erkämpften Rechte aufgeben. Wo bei all' diesen Bestimmungen man noch sagen kann, die Stadt Schöneberg habe die Arbeitslosenunterstützung erweitert, ist uns unbegreiflich. Ausland. Die Arbeitslosigkeit in Oesterreich scheint so groß zu sein wie die in Deutschland. Aus einer Statistik der Wiener freien Ge- werkschaften geht das wenigstens hervor. Die vollständige Arbeits- losigkeit wird auf 21,5 Proz. berechnet. Dazu kommen aber viele Arbeiter, die in verkürzter Arbeitszeit beschäftigt werden, so daß angenommen wird, kaum die Hälfte der Wiener Arbeiterschaft sei vollbeschäftigt. Diese Aufnahme über die Arbeitslosigkeit erstreckt sich allerdings auf den Monat August, möglich, daß inzwischen der Arbeitsmarkt sich ein wenig belebt hat. Die große Arbeitslosigkeit stellt an die Kassen der österreichi- schen Gewerkschaften natürlich erhebliche Anforderungen. Die Ver- bände mutzten, wie es die deutschen Gewerkschaften auch tun, ihre Leistungen an die Mitglieder einschränken. In Wien allein wur- den im Monat August nahezu 400 000 Kr. an Untekstützung aus- gezahlt. Auch in Oesterreich verlangen die Gewerkschaften daher, daß Staat und Gemeinden den Arbeitslosen zu Hilfe kommen Mffen, um die Familien vor der drückendsten Not zu schützen. Mus Jnöuftrie und Handel. Die Kriegsanleihe. Berlin, 21. Oktober.(W. T. 93.) Die Einzahlungen auf die Kriegsanleihen haben heute den Betrag von 3 Milliarden überschritten. Freigabe der Rheinschiffahrt. Straßburg i. Elsaß, 21. Oktober.(W. T. 93.) Die Schiffahrt ans dem Rhein oberhalb Straßburg-Kehl ist vorbehaltlich der Beobachtung der Ausfuhrverbote und der gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen wieder freigegeben. AuSftihrvergütung deS StahlwcrksverbandeS. Wie man der „Frankfurter Zeitung" berichtet, hat der S t a h l w e r k S v e r b a n d in seiner letzten Mitgliederversammlung beschlossen, znr Hebung der Ausfuhr in neutrale Länder auf jeden Export von Form- eisen eine Ausfuhrvergütung in Höhe von 12,50 M. pro Tonne zu gewähren. Französischer Ersatz für deutsche Fabrikate. Die französische Re- gicrnng hat für die Dauer des Kriege? ein besonderes Laboratorium ges-baffen, das im Zusammenwirke» mit der Privatindustrie für die Fabrikation chemischer und pharinazeutischer Pro- dukte sorgen soll, die bisher ans Deutschland oder Oesterreich- Ungarn bezogen wurden und an denen cS Frankreich vollständig fehlte. � Die Folgen des englischen Ausfuhrverbots für Holland. DaS Amsterdamer„HandelSblad" meldet aus Tilburg: Wenn das englische Ausfuhrverbot für Wolle durchgeführt wird, werden die hiesigen Wollstofffabriken binnen vier bis sechs Wochen auS Mangel an Rohstoffen geschlossen werden müssen. Der englischen Regierung liegt ein Gesuch der Großindustriellen vor, das Verbot unter der Bedingung aufzuheben, daß nach dem Auslände, besonders nach Deutschland nichts geliefert wird. Soziales. Schiebungen. Das Berliner K a u f m a n n s g c r i ch t hat sich fast täglich, oft in mehreren Fällen, mit Klagen zn befassen, bei denen die Angestellten durch unlautere Geschäftsmanipulatio- nen um ihr verdientes Geld gebracht werden. Ter Trick dieser Unternehimmgen besteht gewöhnlich darin, daß bei dem nominellen Inhaber oder bei der„Firma" nichts zu holen ist, während der eigentliche Kapitalist des Unternehmens sich längst vorher durch einen Privatvertrag gegen Forderungen des Personals gesichert hat. Der Angestellte, der doch unmög- lich Einblick in die Sozietätsverhältnisse der Firma bei seiner Anstellung verlangen kann, ist diesem Ausbcutungssystem gegenüber leider so gut wie machtlos. Ein besonders krasser Fall wurde vor der 2. Kammer deS Berliner Kaufmannsgerichts verhandelt. Es klagte dort das Personal der Kommissionsfirma I. Gandel, Schicklerstr. 5, gegen die Ge- briider Eduard und Albert Süßkind auf Zahlung des rückständigen Gehalts. Als G. zum Militär eingezogen wurde, machten die Mit- inhaber Gebrüder S. das Geschäft zu und setzten das Personal ohne Gehaltszahlung einfach auf die Straße. Darunter befand sich auch der Buchhalter W. Dieser 60 Jahre alte Mann war vor- her ein halbes Jahr stellungslos und hat jetzt wieder ein viertel Jahr umsonst gearbeitet. Zwar haben ihn die Gebrüder S. per- sönlich im Gcschäftslokal engagiert, sie waren auch mit im Ge- schäft tätig und galten dem Personal gegenüber als Chefs, aber sie konnten jetzt dem Gericht mit einem Privatvertrage aufwarten, »ach welchem sie„mit 26 Prozent am Reingelvinn, jedoch nicht am Verlust beteiligt sind". Der Kläger W. hatte bereits ein Ver- fäumnisurtcil gegen die Firma erwirkt, er konnte es indessen nichi vollstrecken lassen, weil er das Hinterlegungsgcld nicht aufzubringen vermochte. Ilm den Privatvcrtrag, den die Gebrüder S. mit dem nomi- nellen Inhaber geschlossen hatten, glaubte das Gericht nicht her- umkommen zu können. Es riet darum dem Personal, die Klage gegen die Gebrüder S., die nur als„Stille Teilhaber" anzusehen seien, zurückzunehmen und die Firma zu verklagen. Das taten denn auch die Angestellten schweren Herzens. Welchen Wert diese Klage hat, geht am besten aus der Erklärung der Gebrüder S. her- vor, daß die Geschäftseinrichtungen von ihnen auf Lcihvertrag mit Eigentumsvorbehalt gestellt wurde. Kaufmann oder Gewerbegehilfe? Um die Entscheidung der Frage, ob der Kläger kauf- m ä u n i s ch e r Angestellter sei, handelte es sich gestern in der Klage eines früheren Angestellten des„Eon- f e k t i o n a i r"(Jnh. Schottlaender). DaS KaufmannSgericht hatte die Frage verneint. Die Be- fchäftigung des Klägers bestand darin, Abonnentenguittungen nach Maßgabe von Kartolhekkarten, sowie Postnachnahmen auszu- schreiben; diese Formulare in ein Kontrollbuch zu übertragen und eingegangene Beträge in diesem Buche zu löschen. Tie beklagte Firma stützte sich außerdem auf ein vom Kläger selbst ausge- fülltes Vertragsformular, worin er eine Kündigungsfrist von 14 Tagen angegeben hat. TaS Gewerbegericht vertrat mit Recht im Gegensatz zum KaufmannSgericht die Auffassung, daß eS sich um eine kauf- männische Tätigkeit handle und deshalb auch die vierzehntägige Kündigungsfrist keine Gültigkeit habe. Es billigte aber dem Kläger nicht die geforderte sechsivöchige Frist, zulässig zum Quartals- fchluß, sondern nur vier Wochen mit 138 M. zu. Diese Summe wurde im Vergleichswege gezahlt. Aus dem Jnnungsschicdsgericht. Tarifverträge müssen auch in der Kriegszeit eingehalten werden. Diesen Grundsatz wendete das Jnnungsschieds- gericht auch gestern wieder in mehreren Schiedssprüchen an. Es handelte sich um Streitfälle aus dem Malergewerbe. 1. Attvrdnachzahlungen. In dem einen Falle forderte der Tapezierer Saupe Akkord- Nachzahlungen, die zum Teil vom April datierten. Er mußte zugeben, daß er mit außertariflichen Akkordsätzen einverstanden gewesen ist, auch bei früheren Lohnzahlungen keine weitergehenden Ansprüche gestellt hat. Er will dazu durch die Acußerungen seines Meisters bewogen worden sein, daß nur sehr geringe Preise bei den Kunden zu erzielen seien. Erst jetzt habe er erfahren, daß sein Arbeitgeber gut bezahlt worden sei und deshalb wolle er nun auch bessere Löhne haben. Das Schiedsgericht wicS den Anspruch ab. Der Vorsitzende führte dazu aus, dem Verfahren des Klägers, tariftreue Gehilfen die Arbeit durch billiges Arbeitsangebot fortzunehmen, dürfe nicht Vorschub geleistet werde». Da? Gericht ließ aber auch den Arbeit- geber nicht im Zweifel, daß er genau so verpflichtet sei, sich an den Tarif zu halten. 2. Mangelnde Lohnabrede. In einem zweiten Falle lag eine bestimmte Lohnabrede nicht vor. Der klägerische Malergehilfe hatte die Arbeit in dem Glauben angetreten, daß ihm der tarifliche Lohn gezahlt werde. Er bekam seinen Lohn nur ratenweise ausgezahlt und als er dann nach- rechnete, ergab sich ein Stundenlohn von 85 Pf. Nun forderte er auf dem Klagewege die Differenz in Höhe von 11,32 M. Der beklagte Meister, Duhring, wendete ein, er habe nur 65 Pf. zahlen wollen« wie feinen anderen Gehilfen auch. Mehr zu bewilligen sehe er sich um so weniger veranlaßt, als sich vielfach Gehilfen zu einem Stundenlohn von 50 Pf. anböten. Das Gericht billigte dem Kläger den geforderten Betrag zu. Der Kläger habe mangels anderer Vereinbarung damit rechnen können, den tariflichen Lohn zu erhalten. Der Meister hatte auch die unbedingte Pflicht, den bestehenden Tarifvertrag einzuhalten. 3. Wartezeit. In einem dritten Falle verlangte ein Gehilfe Wartezeit bc- zahlt. Er war aus Anruf des Meisters vom Arbeitsnachweis ver- mittelt worden, traf jedoch den Meister nicht an. Auf Veran- lassung von dessen Frau wartete er etwa zwei Stunden. In- zwischen war es so spät geworden, daß es sich nach Ansicht des Arbeitgebers an diesem Tage nicht mehr lohnte, anzufangen. Der Gehilfe verlangte nun die ihm verlustig gegangene Zeit, sechs Stunden a 73 Pf., bezahlt. Es kam zu einer Einigung auf Bezahlung von zwei Stunden, weil im Tarif ein Passus enthalten ist, wonach die Entlassung stündlich erfolgen kann und das Gericht daraus ableitete, mehr als die tatsächliche Wartezeit könne nicht beansprucht werden. kleine Nachrichten. Ein Wachtposten vom Zuge überfahren. Ein tödlicher Eisenbahnunfall hat sich am Monlagabend in der Nähe von Everswalde ereignet. Der Wehrmann Steffen aus Charlottenburg von der 4. Kompagnie des Landsiurm-BataillonS hatte am Montagabend den Wachtdienst auf der Eisenbahnstrecke zwischen Eberswalde und Malchow zu versehen. Als kurz nach sechs Uhr abends der fällige Güterzug, der sogenannte Milckizug, heran- nahte, trat der Wachtposten nicht weil genug vom Schienenstrang zurück. Er wurde von der Lokomotive erfaßt und so heftig zur Seite geschleudert, daß er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Steffen hatte einen Schädelbruch erlitten, an dessen Folgen er alsbald starb. Die Leickie des Verunglückten wurde nach Eberswalde geschafft. Der Wehrmann hinterläßt eine Frau mit zwei Kindern._ Ter Panamakanal wieder frei. Wie ein Telegramm aus London meldet, ist der den Panamakanal sperrende Erdrutsch soweit aufgeräumt, daß die Durchfahrt möglich ist. Parteiveranstaltungen. Charlottenburg. Die Mitglieder der Jugendsektion beteiligen sich an dem am Freitag, abends 8'/, Uhr, im Volkshause beginnenden Vortrags- kursus: Die Entwickelung der europäischen Nationalstaaten. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Steglitz. Freitag abends 6 Uhr, im Rathause. Tempeihof. Heute Donnerstag, nachmittags 5'/, Uhr, im Gemeinde- sttzungszimmer, Donstr. 42. Ädlershof. Die aui heute Donnerstag angesetzte Sitzung isindet erst am 29. d. MtS., abends S>/, Uhr, statt. Diese Sitzungen sind Sitenilich. Jeder Gemeindeangehörige ist berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Allgemeine Kranken- und Sterbckasse der Metallarbeiter (B. a. G.) Hamburg. Filiale Bernau. Sonnabend, den 24. Ok- tober, abends 8 Uhr: Mitgliederveriammlung bei Kreisel, Breiteftr. 280. Zrntral-Kranken- und Sterbekasie der deutschen Wagenbauer, Neukölln I. Freitag, den 23. Ottober, abends 81/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Griegcr, Lessingstr. 9. Anträge der Ortsverwaltung. Eingegangene Druckschriften. Heft 3 der„Neuen Zeit" ist erschienen. DaS Hest hat folgenden Inhalt: KriegSsiltcn. Don K. KautSky.— Karl Marx und Friedrich Engels in der zweiten Dhaic de§ Krieges 1870/71. � Don Ed. Bernstein.— Die internationalen Beziehungen der Gewerlschasten. Bon Adols Braun.— Die deutsche Zuckerindustrie und die BolkSernährung. Von Emanucl Wurm. — Literarische Rundschau. Nr. 3 hat als Beilage ErgänzungShest Nr. 20: Rasse und Judentum. Von Karl KautSkn. 94<5. Die Abonnenten erhallen das ErgänzungShest gratis. Im Einzel- verkauf kostet Nr. 3 der„Neuen Zeit" inkl. ErgänzungShest 75 Ps. öriefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet sür Abonnenten Lindenstr. Z, IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von it bis K Uhr, am Sonnabend von S bis 6 lldr stait. Jeder für den Briefkasten bc- stimmten Ansrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bei« zufügen. Bricslichc Antwort wird nicht erteilt. Ansrazcn, denen keine AbonnemenISquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstund« mit. W. B. 78. Wollen Sie sich in dieser Angelegenheit an den Ver« band der Schneider, Sebaftianstraße 37/38, wenden.— C. R. Nein. P. K. 11. Nein.— P. F. 15. Nur landsturmtauglich wegen chronischer Krankheiten der AtmungSorgane.— E St. Nein.— H. St. 225. Der Vertrag bleibt bestehen: nur kann gegen den im Felde Stehenden eine Klage nicht durchgesührt werden. Die Verpflichtung zur Zahlung bleibt aber.— St. 34. Leider steht Ihrer Frau ein Anspruch gegen die Kasse nicht zu.— M. F. 4. Eine solche Streichung ficht daS Gesetz nicht vor. Auch ohne dieselbe ist eine Abstellung möglich, aber allerdings nicht er« zwingbar.— M. B. 89. Die Stempelsteuer müssen Sie zahlen. Die Bemerkung aus dem kleinen Zettel stimmt.— 1914. W. St. Die Möglichkeit einer solchen Streichung besteht nicht— B. L. 38. Eine Kündigung innerhalb der zebnjährigen VcrtragSzeit ist ausgeschlossen. Sie können nur schon jetzt zum Abiaus der zehnjährigen Vertragszeit kündigen, sonst wird wohl nach der Police die Versicherung abermals verlängert.— 31. B. 100. Ihre Frau könnte mit Aussicht aus Erfolg aus Freigabe llagen.— O. E. 4. 1. Ja. 2. Nein. 3. und 4. Ja. 5. Der Anspruch ist gegen den MilitärfiSkuS geltend zu machen. Wenden Sie sich an das Kriegs« Ministerium.— 1882. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament ist gültig.— C. 93. 71. Wegen unheilbarer schwerer Er- lrankung cineS Obres dauernd dienstunsähig.—®. P. 12. Nein, nur wenn Gefahr im Verzuge war.— B. G. 7. U. 47: Untauglich wegen chronischer Krankheiten der Lungen oder deS Brustfelles. U. 49: Ün- tauglich wegen Fehler und chronischer Krankheiten deS HerzcnS. — M. SS. Wenden Sie sich an die Krankenkasse mit der Bitte, zu be- scheinigcn. daß eine Hcilstältenbchandlung des SobneS wünschenswert wäre und wenden Sie sich dann an die LandeSverfichcrungSanstalt mit dem Antrag, den Sohn in einer Heilstätte auszunehmen.— I. 93. 51. Eine Klage hätte keine Aussicht aus Erfolg.— H. P. Ein solches Manöver könnte mit schwerer Festungsstrase gcabndet werden.— C. St. 34 n. Ein Mann kann, sobald die Scheidung rcchtSkräftsg ist, ohne Warlezeit wieder heiraten. Die Wartefrist für Frauen beträgt 10 Monate, indessen in Ab- kürzung möglich.— St. S5. Zum Erlaß von PsändungS. und Ucber- weisungSbeschlüssen wie zu allen anderen ZwangSoollstreckungSmaßregeln ist die Steuerkasse befugt, ohne daS Gericht in Anspruch nehmen zu müssen.— Kernmacher 8. 1. und 2. Nein. Nur ärztliche Gründe sind sür solche» Verbot maßgebend. 3. Handelt e» sich um einen Entmündigten, so ist da» Amtsgericht zuständig. Eine Beschwerde an die AussichtSb-Hörde der bc- treffenden Anstalt ist in jedem Fall gestaltet.— 3l. 93. 4. Der Bctrcfleiidc muß zahlen.— H. B. Lichtenberg. Wenn der Wirt mit der Aushebung des Vertrage» einverstanden war, nein. Sonst würden Sie zur Zahlung verpflichtet sein, haben aber auch daS Recht aus Benutzung der Wohnung. Ist die Wohnung anderweit vermietet, io bör» die Zahlungtpsiicht aus.— 188. M. K.«ie würden mit Aussicht aus Ersolg aus Zahlung llagen können. Eine Klage aus Räumung wäre aussichtslos.— Scume 13. 1. Wegen Herzleidens zurückgestellt. 2. Degen desselben Leiden» sür un- tauglich erllärt.— R. H. 188. Keineswegs. Ter Astermieter hätte nicht ziehen brauchen.— Rath. 33. Asthmatische Beschwerden. Landsturm- tauglich.— St. Th. 1. Leider ja.— Ncubabrlsberg 99. Zu spät. WetterauSslchten für das mittlere Norddeutschland bis Freitagmittag: Kühl. Ueberwiegend wolkig und zeitweife nebelig mit öfter wiederholten, westlich der Oder noch ziemlich ergiebigen, weiter ostwärts geringeren Regensällen.