Nr. 299. niloti osó Abonnements- Bedingungen: ide • Ebonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 R., monatl. 1,10 m wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrgang. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Bfg.( aulafftg 2 fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengefuche und Schlafftellenan zeigen bas erste Wort 10 Pfg, jedes meitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Sonntag, den 1. November 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Die französische Stellung an der Aisne erschüttert. Türkische Beschießung russischer Häfen. Die Meldung des Großen HauptIler Waffen geschlagen. In Mittelgalizien] behaupten unsere Truppen die gewonnenen Stellungen nordöstlich Turka bei Stary Sambor, öftquartiers. lich Brzemysl und am unteren San. Mehrere feindliche Amtlich. Großes Hauptquartier, 31. Ok- Angriffe im Raume von Risto wurden abgewiesen. Dort sotober, vormittags. Mitteilung der Obersten Russen gefangen genommen. Mitteilung der Obersten wohl wie auch bei Skole und Stary Sambor wurden Hunderte von Heeresleitung.( W. T. B.) Unsere Armee in Belgien nahm gestern Ramscapelle und Birschote. Der Angriff auf Ypres schreitet gleichfalls fort. Zandvoorde, Schloß Hollebeke und Wambéke wurden gestürmt. Auch weiter südlich gewannen wir Boden. Polen verliefen auch gestern ohne Kampf. Der russisch- türkische Krieg. Der Seekampf im Schwarzen Meer. Frankfurt a. M., 31. Oktober. Die„ FrankDie Operationen in Russisch- furter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Die türkische Regierung teilt amtlich mit: Während ein kleiner Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabes Teil der ottomanischen Flotte am 28. Oktober im Schwarzen v. Hoefer, Generalmajor. Meere Uebungen vornahm, eröffnete die russische Ein italienischer General über den deutschösterreichischen Kriegsplan. & lotte, nachdem fie längere Zeit diesen Uebungen gefolgt war und sie zu stören suchte, am Donnerstag die Feindseligkeiten, indem sie die ottomanischen Schiffe angriff. Im VerMailand, 31. Ofober.( T. U.) General Gatti urteilt im laufe des sich nunmehr entspinnenden Kampfes gelang es Corriere della Sera": Der Kriegsplan gegen die Ruffen von seiten unserer Flotte durch die Gnade des Allmächtigen, den der Deutschen und Oesterreicher sei prächtig ausgearbeitet und ausgeführt. Niemand hätte voraussehen fönnen, welche politischen Min en dampfer" Prut", der 5000 Tonnen verdrängte Deftlich Soissons wurde der Gegner gleich- Folgen eine längere russische Invasion in Ungarn gehabt hätte. und ungefähr 700 Minen trug, zu bersenken, einem der Daher sei es ein guter Plan gewesen, entschlossen gegen den San russischen Torpedo boote schwere Beschädigunfalls angegriffen und im Laufe des Tages aus und die Weichsel vorzurücken und auf der rechten Seite in Galizien gen beizubringen und einen Kohlendampfer zu mehreren stark verschanzten Stellungen nördlich den Feind zu umfassen und auf die sjumpfigen Gegenden des Ribet kapern. Ein bom türkischen Torpedoboot„ Hairet- Millie" zurüdzuwerfen versuchen. Nur das Auftreten numerisch gewaltig abgeschossener Torpedo hat den russischen Torpedo von Vailly vertrieben. Am nachmittag wurde überlegener russischer Kräfte, worüber die Deutschen infolge ihrer jäger Kubanez", der 1100 Tonnen verdrängte, verdann Vailly gestürmt und der Feind unter uftaufflärung, welche Gatti ausdrücklich als die beste anerkennt, fenkt und ein anderer, vom Torpedoboot„ Mouavenitzweifellos unterrichtet gewesen seien, habe dann das russische Vorschweren Verlusten über die Aisne zurück- dringen ermöglicht. Die Bedeutung der San im Kriege werde da- Millie" abgeschossener Torpedo hat einem anderen russischen durch erwiesen. geworfen. Wir machten tausend Gefangene und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Im Argonner Walde sowie westlich von Verdun und nördlich von Toul brachen wiederVom österreichisch- serbischen Kriegsschauplatz. Küstenwachtschiff sehr schweren Schaden zugefügt. Drei russische Offiziere und 72 Matrosen wurden von den Unseren gerettet und, da sie zur Bemannung der bersenkten und zerstörten Schiffe gehörten, gefangen genommen. Die Kaiserliche Flotte hat durch die Gnade Gottes keinerlei Schaden erlitten, und der Kampf geht holte feindliche Angriffe unter schweren Ver- Die Kämpfe an der serbisch- österreichischen günstig für unsere Flotte weiter. luften für die Franzosen zusammen. Der Kampf auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat noch nicht zu einer Entscheidung geführt. Westlich von Warschau folgen die Russen langsam unseren sich neu gruppierenden Kräften. Grenze. Die Kaiserliche Regierung wird ohne Zweifel mit äußerstem Nachdruck gegen diese feindselige Handlung Einspruch erheben, die von der russischen Flotte gegen einen geringfügigen Teil unserer Flotte unternommen worden ist. Der Angriff auf Odessa. ( T. U.) Budapest, 31. Oftober. Die Kämpfe im sogenannten Maca- Gebiete, der von der Strina und Sabe umflossenen Gegend im Nordosten Serbiens, dauern fort. unsere Truppen dringen mit großer Energie gegen die verzweifelten Widerstand leistenden Serben vor, welche zumeist Frankfurt a. M., 31. Oktober.( W. T. B.) Die ,, Frankfurter in betonierten Schüßengräben liegen. Nach einer Schlacht Beitung" meldet aus London: Ein Lloyd- Telegramm meldet, daß verbei Ravanje verschanzten sich die Serben, doch wurden ihre schiedene( jedenfalls türkische) Torpedoboote, deren Namen unbekannt Stellungen dann von unseren Truppen im Bajonettangriff find, einen Angriff gegen Odessa unternahmen und das genommen. In einem Graben befanden sich über 600 Tote. Es wurde viel Munition und Gewehre erbeutet. Im weite- russische Kanonenboot Dones" am Eingang bes Hafens zum Sinten brachten. Ein Teil der Bemannung ertrant, wurde geund Glogowac vor. Das französische Schlachtenbulletin. Paris, 31. Oftober.( W. Z. B.) Ueber die Kriegs- ren Verlauf der Kämpfe drangen unsere Truppen bis Rapsa Iage wurde gestern abend um 11 Uhr nachstehende amtliche Mitteilung veröffentlicht: Aus Belgien ist in den letzten Nachrichten aus der Gegend Nieuport- Dirmuiden nichts Der Seekrieg. Neues gemeldet worden. Auf unserem linken Flügel macht Der Wechsel in der Leitung der britischen der Feind heftige Angriffe gegen die Front der britischen Truppen und auf den beiden Ufern des Kanals von a Admiralität. tötet oder verwundet. Dret russische Dampfer unb ein französischer Dampfer wurden beschäbigt und einige Einwohner getötet ober verwundet. Beschießung von Sewastopol. Frankfurt a. M., 31. Oktober.( W. T. B.) Die„ Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel, 31. Oktober: Der Bassée, ohne irgend Erfolg zu erzielen. Seine Tätigkeit London, 30. Oktober.( W. T. B.) Admiral Lorb türkische Kreuzer Sultan Jawns Selim" nimmt in der Gegend von Reims und auf den Maas- Fisher wurde als Nachfolger des Prinzen von Battenberg hat Sewastopol erfolgreich beschossen und höhen südlich von Fresnes wieder zu. Der erste verwundete indische Offizier. London, 30. Oktober.( W. T. B.) Die vorgestern veröffentlichte Verlustliste enthält den ersten Namen eines Offiziers des indischen Expeditionstorps. 400000 Belgier nach Frankreich geflüchtet. Baris, 80. Ottober.( 28. T. B.) Nach einer vom Ministerium bes. Innern vorgenommenen Zählung beträgt die Zahl der nach Frankreich geflüchteten Belgier 400 000 Personen. Vom österreichisch- russischen Kriegsschauplatz. Die Oesterreicher behaupten ihre Stellungen in Galizien. Wicu, 31. Oktober.( W. Z. B.) ( W. T. B.) Amtlich wird ver lautbart: 31. Oftober mittags. Nächst der galizisch- bukowinischen Grenze, nördlich Ruty, wurde gestern eine russische Kolonnel zum Ersten Seelord der Admiralität ernannt. die Stadt in Brand gestedt. Die türkische Meldung. " 7 Zum Rücktritt des Prinzen Louis von Battenberg wird dem Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus London noch berichtet, daß der Rücktritt als Folge der Angriffe angesehen wird, die einige forh- und volkstümliche Blätter, u. a." Globe", gegen Konstantinopel, 31. Oktober.( W. T. B.) Aus amtlicher den Prinzen gerichtet hatten. Diese Blätter, fügt der holländische Duelle. Der Panzerkreuzer Sultan Jawus Selim" Berichterstatter hinzu, werden am meisten darüber verwundert hat ein russisches, mit dreihundert Minen beladenes Schiff gewesen sein, daß ihr Wunsch so schnell in Erfüllung ging. Das bersentt und ein Stohlentransportschiff sowie ein russisches Schreiben, worin der Marineminister Churchill den Rüdtritt an- Ranonenboot schwer beschädigt. Außerdem hat er et a stopol mit Erfolg beschossen. Der Kreuzer ,, Midilli" hat in nahm, ist in sehr herzlichen Worten gehalten.( Köln. 8tg.) Narusti die Petroleum- und Getreideläger zerstört und 14 Transportschiffe verſentt. Der Torpedobootszerstörer ,, Berc- i- Satwest" hat in Noworossist die funtentelegraphische Station zerstört. Der Torpedobootszerstörer Jadig- Hiar- i- Millet" hat ein russisches Sanonenboot berjentt. Der Torpedobootserstörer" Muavenet- i- Millije" hat ein anderes Schiff derfelben Gattung beschädigt. Die Versenkung des Kreuzers, Schemtschug". Petersburg, 30. Oftober.( W. T. B.) Der Admiralstab gibt folgende Einzelheiten über den Verlust des Kreuzers ,, Schemtschug" bei Penang bekannt: Am 28. Oktober um 5 Uhr früh näherte sich der Kreuzer„ Emden", der einen vierten -falschen- Schornstein aufgerichtet hatte, in der Dunkelheit den Wachtschiffen, die ihn für ein Schiff der verbündeten Flotten hielten. Die„ Emben" fuhr unter vollem Dampf gegen den Schemischug", eröffnete das Feuer und schoß einen Torpedo ab, " der nahe dem Bug explodierte. Der„ Schemtschug" erwiderte das Feuer, doch schoß die„ Emden" einen zweiten Torpedo ab, der den Schemischug" zum Sinfen brachte. Von der Besabung tamen 85 Mann um; 250 wurden gerettet, 112 bon ihnen sind verwundet. In Odessa sind die Petroleumbehälter und fünf russische Schiffe beschädigt worden. Der Kreuzer amibile" hat Theodosia beschossen und in Kerfich ein Transportschiff versenkt. " Der Abbruch der Beziehungen. Rom, 30. Oktober. Die Agenzia Stefani meldet ( Wieberholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) aus Petersburg: Nachdem die Türkei die Feindselig Wtfcn gegen Rußland eröffnet hat, hat die russische Regle- rung ifitt Konsuln angewiesen, die Türkei zu der- lassen und den Schuh der Russen den Vertreter» Italiens zu übertragen. Der russische Botschafter wurde angewiesen, Konstantinopel zu verlassen. Tie italienische Botschaft wurde ersucht, der Türkei mitzu- teilen, daß Rußland den in Rußland befindlichen türkischen Untertanen gegenüber genau dieselbe Haltung einnehmen werde, die die Türkei gegenüber den russischen Untertanen einnehme. Kriegsschiffe in italienijchen tzäfen. Konstantinopel, 81. Oktober.(W. T. B.) Der italienische M a r i n e m i n i st e r hat dem türkischen Marinemini st er mitgeteilt, daß fremde Kriegsschiffe in die Häfen Spezia, Tareut, Brindisi, Venedig und Maddalena nur am Tage einfahren dürfen, und daß sie die italienischen Behörden durch Funkspruch von dieser Absicht in Kenntnis setzen müssen, um sich einschleppen zu lassen. Italienische preßstimmen. Rom, 31. Oktober.(SB. T. SS.) Alle Blätter erörtern die Mög- lichkeit eine» Angriff» der Türken auf den Kaukasus, die Gchwarzmeerküste und Aegypten und berühren schließlich auch den für Italien wichtigsten Punkt de» Tin. flusses eines von der Türkei geführten Krieges auf die libyschen Stämme..„Giornale d'Jtali" schreibt: Die italienischen Jnter- essen können auf der Balkanhalbinsel oder in Rordafrika berührt werden;«s rät aber besonnen dazu, ruhig Blut zu bewahren. Oer Seekrieg. Ein englisches yospitalschiff gescheitert. London, 30. Oktober.(W. T. B.) Da» Hospitalschifs„Chilla", da? sich auf der Fahrt von Queensferry aus befand, um Verwundete heim zu bringen, wurde bei Whitby während eine» Sturmes auf eine Klippe getrieben. Vier Leichen wurden ans Nfer gespült. Rettungsboote retteten unter den größten Schwierigkeiten zwei Boote voll Menschen von dem Wrack. Weitere Versuche mußten aufgegeben werden. Alle Frauen sind gerettet. Fünfzig bis achtzig Menschen halten sich noch an dem Schiff fest, das von Wellen überflutet wird. Das Hinter. teil ist abgebrochen. Zolgen ües Minenkriegs. London, 30. Oktober.(W. T. B.) Der M a r i n e m i t- arbeiter der„Ti m e S" erörtert das neue deutsche , M i n e n f« l d an der Nordwestküste Irlands und die Schwierig» leiten, die sich infolge der Privilegien der neutralen Schiffahrt für da» Patrouillieren in der Nordsee ergeben. Diese Privilegien be- stünden hauptsächlich dank der Rücksichtnahme, mit der die Neutralen zu behandeln zweckmäßig erscheine. ES müsse aber die Zeit � kommen, wo e» notwendig werde, zu erwägen, ob es nicht wesent- lich sei, dem neutralen Handel in jener Gegend drastischere Be- schränkungen aufzuerlegen. ES bestehe kein Zweifel, daß diese Pcstmaschinen von den Deutschen gelegt würden, um di« Be» wegungSfreiheit der englischen Flotte lahmzulegen. Damit werde eine doppe-kte Absicht verfolgt: Die Entfernungen, welche die englischen Schiffe zur Erreichung gewisser Punkte zurücklegen müßten, zu verlängern und die Routen gefährlich zu machen. Wenn daher nicht Gegen- � maßregeln ergriffen würden, würde England sich in einer u n- bequemen Lage befinden, wenn die Zeit komme, einem deutschen Seeangriff zu begegnen. Einstweilen erleide der britische und der neutrale Handel durch die Seeminen fort- dauernd Verluste. Ein verstoß Englands gegen das Völkerrecht. England hat nach der Versenkung der vier deutschen Torpedo- boote an der holländischen Küste das deutsche Lazarettschiff „O p h e l i a", das zur Aufnahme noch Ueberlebender ausgeschickt war, beschlagnahmt und nach einem englischen Hafen gebracht. Zunächst unter dem Vorwand, daß da? Lazarettschiff Minen an Bord habe. Als sich die Fadenscheinigkeit dieses VorwandeS herausstellte, begründete man die Beschlagnahme des deutschen Lazarettschiffes mit der neuen Ausrede, daß„Ophelia" eine funkentelegraphische Ausrüstung an Bord führe, mit der zum Schaden der englischen Seekriegsführung Mißbrauch getrieben werden könne. . England war aber sehr Wohl bekannt, daß auf der Haager Friedenskonferenz 1007 ein Einverständnis unter den Vertretern aller Mächte darüber herrschte, daß das Vorhandensein einer funkentelegraphischen Einrichtung an Bord eines Lazarett- schiffcs kein Grund für die Entziehung des einem Lazarettschiff zu gewährenden Schutzes sei! Der britische Kreuzer, der«Ophelia" an dem Nachsuchen nach noch lebenden Mannschaften der gesunkenen deutschen Torpedo- boote hindert«, hat damit einen Slkt der Unmenschlichkeit begangen, der sich weder völkerrechtlich noch auch vom Standpunkt selbst der rücksichtslosesten Kriegsführung aus verteidigen läßt. Außerdem sollte England im eigensten Interesse auf die unbedingte Respektierung de? Schutzes von Lazarettschiffen achten, weil eine deutsche Widervergeltung ihm selbst Verhängnis- voll werden könnte. Und solch militärischen Gründen sollte England doch jedenfalls zugänglich fein, wenn denn leider schon während eines so erbitterten Krieges humanitäre und völkerrechtlich� Bedenken kaum das Gewicht einer Flaumfeder zu haben scheinen. War eS nicht gerade England, das bei der Vernichtung der drei englischen Kreuzer durch das deutsche Unterseeboot„hl. S" be- hauptet«, zwei dieser Kreuzer seien den Torpedo? des deutschen Unterseebootes nur deshalb zum Opfer gefallen, weil sie versucht hätten, die schwimmenden Ueberlebenden deS gesunkenen Schwester- schiffS zu retten? SSei diesen Rettungsversuchen, so erklärt« man auf englischer Seite, seien die beiden anderen Kreuzer gleichfalls torpe- diert und versenkt worden, so daß nunmehr der Befehl an die eng- lischen Kriegsschiffe ergangen sei, bei dem Angriff feindlicher Unterseeboote keinen Rettungsversuch mehr zu machen. Insofern diese Darstellung richtig sein sollte, läge erst recht aller Grund vor, nun wenigstens das Rettungswerk von L a z a» rett schiffen zu sichern. Und da doch unmöglich jede Flottille ihr Lazarettschiff stets mit sich führen kann, ist eine funkentelegraphische Einrichtung an Bord der Lazarettschiffe geradezu die erste Voraussetzung für die er- folgreiche Tätigkeit dieser schwimmenden Lazarette. Da England auch fernerhin ernstlichst mit der Tätigkeit deut- scher Unterseeboote rechnen mutz, verrät sein unentschuldbares Vorgehen gegen da? deutsche Lazarettschiff zugleich ein erstaunliches Verkennen seiner eigensten Interessen! die Kämpfe in Kamerun. Bordeaux, 80. Oktober.(W. T. B.) Meldung der..Agence HavaS". General D o b b e l l, Kommandant der Verbündeten in Kamerun, hat dem Gouverneur von Franzöfisch-Westafrika mit- geteilt, daß eine Kolonne französischer und englischer Marine- ioldaten am 26. September Edea am Sanagafluß, 90 Kilo- meter von der Küste entfernt, besetzt hat. demWon öes italienischen Kabinetts! Rom, 31. Oktober.(T. U.) Der heutige Ministerrat be� schloß auf Grund der Demission des Schatzministers R u b i n i, dem König die Demission des gesamten Kabi< n e t t s anznbieten. Mit der Neubildung dürfte dem„Corrierre della Sera� zufolge wahrscheinlich S a l a n d r a betraut werden. Telegraphisch wird ferner aus Mailand berichtet, Rubini habe tatsächlich als Finanzminister seine Entlassung erbeten. Es heißt, der neue Kriegsminister habe insgesamt 700 Millionen für außerordentliche Kriegszwecke ver- langt, die der Finanzminister Rubini nicht bewilligen konnte. Die italienische Presse stellt sich in dem Konflikt fast aus- nahmslos auf den Standpunkt, der Finanzminister Rubini habe im gegenwärtigen Augenblick die Grundsätze einer gc< ordneten Finanzverwaltung der militärischen Bereitschaft des Landes unterzuordnen. Nach einer Meldung der Agenzia Stefani hat sich der König die Entscheidung über die Neubildung des Kabinetts vorbehalten. Die Italiener an üer albanischen Küste. Rom, 30. Oktober.(W.T.B.) Die„Agenzia Stefani" meldet: teute vormittag fand die Besetzung der Insel a s e n o statt. Admiral Patris telegraphierte, daß er in B a j a uud San Nicola eine Batterie und die dritte Kompagnie eines Landungsbataillons ausgeschifft habe. Anarchie in Skutari. Rom, 30. Oktober.(T. U.) Der«Corriere d'Jtalia' erfährt aus Skutari: Die Lage verschlimmert sich zusehends. Die Eifer- sucht und Uneinigkeit zwischen der christlichen und mohammedani- schen Polizei verschärft sich wegen mangelhafter Soldzahlung. Gruppen von Malissoren besetzten das Telegraphenamt und die Ottomanbank, um die Gehaltszahlung an die mohammedanische Gendarmerie gelegentlich deS BeiramfesteS zu verhindern. Weitere Gruppen besetzten daS Rathaus. Man befürchtet den Ausbruch einer Revolution. Nach der gestrigen Landung der italienischen GanitätSkolonne in V a l o n a begrüßte Admiral Patrizi die versammelten Behörden im Namen Italiens und erläuterte den Zweck der Sendung. Ruhige Haltung der Bevölkerung werde keine militärischen Matznahmen erfordern. Bei Bedrohung der Sicherheit ValonaS würde Italien jedoch einschreiten. Die englischen /lrbelter für üie hinter- bliebenen. Der englische Bergarbeiterverband beschloß auf seiner Kon- ferenz einstimmig, eine Unterstützung der Eampagne der Arbeiter- Partei, den hinterbleibenden Kriegerfamilien und Invalide« 1 Pfund wöchentliche Unterstützung zu sichern. » Die englische Presse konstatiert, daß di« während deS Januar- streikS unter den Buren verteilten 27 000 Gewehre den Aufständischen zugute kommen. veutsthenausweisungen aus yongtong. Peking, 80. Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Behörden von Hongkong und anderen britischen Be- vom östlichen Kriegsschauplatz. XL. Auß den Kämpfen im Nordosten. Bakalarzewo, 27. Oktober 1914. Es wäre durchaus falsch, zu glauben, daß an der ostpreutzischen Grenze Gottesfrieden herrschte. Wenn auch nicht zwischen so ge- wältigen Massen und mit solchen technischen Mitteln wie in Gali- zien und im Westen, so wird doch mit nicht geringerer Erbitterung auch an der ostpreußffch-russischen Grenze gekämpft. Dabei darf man nicht vergessen, daß wir uns an Größenverhältnisse gewöhnt haben, die uns früher unbekannt waren. Stehen doch hier auf deutscher Seite allem mehr Kräfte, als einst ln den schlcsischen Kriegen gegeneinander rangen. Die Russen wissen hier, daß ein frontaler Angriff ihnen schlecht bekommen würde, sie versuchen es daher mit Ueberraschungen. Wenn sie glauben, einen schwachen Punkt gefunden zu haben, konzentrieren sie auf ihn ihre Kräfte und versuchen einen Durchbruch. Leider steht ihnen dabei ein an- scheinend gut funktionierender Kundfchaftervienst zur Verfügung Davon zeugt nicht nur die Wahl der Durchbruchsstellen und die manchmal ziemlich genaue Kenntnis deutscher Batteriestellungen, es liegen dafür auch ganz konkrete Tatsachen vor. Ein sehr charak- teristischeS Beispiel erfuhr ich von einem Beteiligten, einem ruhigen, in seiner Erzählung pemlich gewissenhaften Westfalen, der die Geschichte als Unteroffizier miterlebt hatte. Die betreffende Truppe bezog in der Nacht zum 18. Oktober das hinter Wielitzken un- mittelbar an der Grenze gelegene Gut Gudden. Man sah und hörte nichts vom Gegner. Scheune und Ställe waren nach ober- flächlicher Besichtigung menschenleer. Im Wohnhaus, in der be- leuchteten Küche, befanden sich die Gutsangehörigen. Auf Be- fragen erklärten sie ganz bestimmt, auf dem Hofe und in der Um- gebung seien keine Russen. Die deutschen Soldaten begannen trotzdem eine genaue Durchsuchung. Ein an die Küche stoßendes Zimmer war verschlossen. Da kam auch schon die Meldung, daß in der Scheune, oben im Stroh, Russen versteckt seien. Man stürmte hinauf und bemerkte noch, wie eine Anzahl Offiziere aus dem verschlossenen Zimmer die Flucht ergriffen.'Auch die Guts- bewohner waren nachher spurlos verschwunden. Die Russen in der Scheune versuchten keinen Widerstand: auf Kommando kamen sie mit hochgehobenen Händen heraus, die Waffen ließen sie liegen. Unsere Leute nahmen 200 Russen gefangen. Plötzlich fielen Schusse, da! Feuer wurde immer heftiger, das ganz« Dorf schien umzingelt. Im Grauen de? nächtlichen FeuerS wurden die Artilleriepferde wild und rissen aus. Unter dem Hagel der Geschosse schrumpfte die kleine Truppe in beängstigender Weise zusammen. Ein Kano- nicr rettete die Situation. Ohne Ziel und ohne Auswahl der Geschosse feuerte er bald nach dieser, bald nach jeneck Richtung. Vielleicht täuschte er dadurch die Slngreifer über die Kräfte der Deutschen. Nach einiger Zeit»verstummte da? Feuer, die Russen zogen sich zurück. Nachrückende deutsche Truppen nahmen die Verfolgung auf, ohne jedoch in die Wälder einzudringen. Auf dem Hofe lagen 13 tote deutsche Soldaten und noch mehr Ver- wundete. Die Geistesgegenwart des Kanoniers hatte die völlige Aufreibung der Deutschen und die Befreiung der gefangenen Russen verhindert. Den Russen haben ihre Durchbruchsversuche entscheidende Erfolge nicht gebracht. Meistens werden sie unter großeb Verlusten zurückgeschlagen oder, wenn sie wirklich Positionen gewonnen haben, müssen sie sie schnell wieder räumen. Die Schlußrechnung ergibt für sie gewöhnlich eine große Einbuße an Menschen und Material. In den letzten Tagen nahmen die Deutschen wieder mehrere tau- .send Russen gesangen, am 23. bei gilipowo allein 980, darunter einige Offiziere. Ueber die Ursachen mancher Gefangennahme und der Erscheinung, daß verhältnismäßig wenig Offiziere in deutsche Gefangenschast geraten, erzählten mir gefangene Russen folgendes:„In den hinteren Schützengräben— die Russen bauen nur derer drei und vier hintereinander— liegen Kosaken und Offiziere und drohen, uns zu erschießen, wenn wir dem Feuer der Deutschen nicht standhalten. Geht eS doch zurück, dann flüchten sie, von uns gedeckt, zuerst; wir aber müssen von einem Graben in den anderen zurückspringen." Weiter hörte ich von Gefangenen, ihnen sei erzählt worden, in Sveutschland müßten die Gefangenen hungern, sie würden mißhandelt, schließlich erschossen. Auf meine Frage, ob die Soldaten da» glauben, wurde mir gesagt:«Ja, die meisten glauben es."—„Trotzdem haben Sie sich ergeben?"— „Wir hatten Hunger, seit vier Tagen nichts gegessen."— Die Erzählungen von dem Erschießen der Gefangenen sollen der Kampfes- unlust der russischen Soldaten und ihrer Neigung, sich zu ergeben, vorbeugen. Sicherlich ist das Mittel nicht wirkungslos. Mit einem Infanteristen aus Odessa, der fließend Deutsch sprach, unterhielt ich mich:„Werden viele Deutsche gefangen genommen?"— „Deutsche nicht, aber Oesterreicher. Ein gefangener Deutscher, besonders wenn er einen Helm trägt, wird wie ein Wunder an- gestaunt."— Andere Gefangene, die übrigens gar keinen ängst- lichen Eindruck machten und das soeben erhaltene Brot mit Be- Hägen verzehrten oder Zigaretten rauchten, bemühten sich, ihr russisches Geld gegen deutsches einzuwechseln. Die Nachfrage nach den Einrubelscheinen deckte aber nicht das Angebot; nur Sammler hatten für die Papierchen Interesse. Aus dem Schlachtfelde von Bakalarzewo und Gembaldowka, wo wir uns heute befänden, bemerkte ich, daß unsere Soldaten im Bau von linterständen und Erdwohnungen erstaunliche Fortschritte machen. Nachdem sie sich an diese Art Kriegftihrung gewöhnt haben, werden sie durch Gründlichkeit und Planmäßigkeit auch in dieser Beziehung den Russen bald überlegen sein. Schon jetzt zeichnen sich die Feldbauwerke, die ich hier sah, durch Anlage, Sauberkeit und Komfort sehr vorteilhast vor den Löchern der Russen aus. Sogar Fenster waren eingebaut. Um die Position bei Baka- larzewo muh hartnäckig gekämpft worden sein. Nirgends sah ich so viel Geschoßsplitter herumliegen wie hier. Kilometerweit sind die Höhen damit besät. Auf dem Felde verstreut lagen noch tote Russen, auch ein Verletzter, der noch lebte, lag noch hier. Man hatte ihn wohl für tot gehalten und deshalb zurückgelassen. Regel- mäßige Atemzüge verrieten uns, daß er noch lebte; er schlief fest und tief. Wir benachrichtigten einen Posten; bald darauf sprengte ein Sanitätsoffizier heran. Seit dem frühen Morgen tobt der Kampf. Unablässig donnern die Kanonen. Bis auf ungefähr 100 Schritte von der Batterie verspürten wir den Luftdruck unserer lö-Zentimeter-Geschoff«. Gegen Mittag ermattete daS Feuer der russischen Artillerie, die sich bis dahin sehr fleißig hatte vernehmen lassen. Um Uhr setzte da» flatternde Geknatter von Maschinengewehren ein, bald folgten Gewehrsalven der Russen. Der russische Infanterist schießt un- diszipliniert. Er feuert ohne festes Ziel, immer drauf los. Um Munition zu sparen, lassen die Führer daher oft nur aus Kom- mando feuern. Der deutsche Infanterist dagegen schießt ohne eigene? Kommando, im allgemeinen nur dann, wenn er ein be- stimmte» Ziel vor Augen hat. Wir begeben un» weiter nach dem rechten Flügel dieser Kampf» front bei Kamionka. Die zurückgewichenen Russen verteidigten einen Wald. Die Deutschen versuchen, durch einen Waldausschnitt weiter vorzudringen. Tie Passage wird ununterbrochen von russi- schen Schrapnells bestrichen. Noch hat die deutsche Artillerie die anscheinend in vorzüglickier Deckung stehende gegnerische Batterie nicht aufgefunden. Es ist fast wie ein Kampf mit unsichtbaren Geistee«. Jugend woher kommen die mörderischen, Verderben bringenden Geschosse. Aus einer Entfernung von 7. 8, 9, 10 und mehr Kilometern sausen, heulen, zischen sie heran. Aber wo il> der Schlund, der sie ausspeit? Das hügelige, von Wäldern durch- zogene Gelände verwehrt den Ausblick. Klebt die Batterie hinter dem zweiten, dritten oder vierten Hügel oder hat sie sich vielleicht hinter einem nicht sichtbaren Höhenzug verkrochen, deckt sie ein Gehölz, ein Gehöft, steht sie im Zentrum, ist sie mehr nach rechts oder links zu suchen? Man mutz den Raum füllen, ihn auf ver- schiedene Entfernungen bestreichen, um vielleicht dann Äntlvort z« bekommen und den Gegner zum Rückzug aus der nunmehr ent- deckten Stellung zu zwingen. So vollzieht sich der Kampf, wen« nicht Patrouillen nahe genug an den Gegner heran können, wen« eS nicht möglich ist, den Telegraphen bis in Sichtweite der gegnerl- schen Batterien vorzuschieben. Anscheinend weichen die Russen nun langsam zurück. Kolonnen schieben sich vorwärts; Infanterie marschiert an uns vorbei, nimmt Aufstellung hinter einer Höhe, des Kommandos zum Eingreifen gewärtig. Das sind die einzigen aktiven Truppen, die wir sehen- Wir hören das Kampfgetöse, sehen aber nur Schrapnellwölkchen. auch einige Geschosse einschlage». Nicht einmal die Schützengräben können wir erkunden, das Gelände ist zu ungünstig. Die Technik hat die moderne Schlacht ganz gewaltig mechanisiert. Die Entschei- dung bringt fast immer die aus der Ferne wirkende Artillerie. Erst wenn sie den Gegner aus den Verschanzungen treibt und seine Artillerie zum Schweigen gebracht ist, kann die Infanterie vorstoßen, wenn sie nicht große Einsätze an Menschen wagen will» Die Mechanisierung der Schlacht hat aber nicht etwa die Ansprüche an den einzelnen Soldaten herabgesetzt; im Gegenteil, er muß nun besondere Fähigkeiten an ltmstcht, Selbständigkeit und Energie entwickeln, schon allein darum, um die psychischen Wirkungen auf- zuwiegen, die daS Bewußtsein im Gefolge hat, einem unsichtbaren Feind gegenüberzustehen, einem Feind, dessen man sich im all- gemeinen nicht erwehren kann. Ein verstecktes Maschinengewehr reißt ganz unversehens Lücken in die Reihen, heransausende Ge- schösse werfen Kompagnien zu Boden. Den seelischen Wirkungen eines solchen Kampfes ist der Russe nicht gewachsen. Mit seiner Kampffähigkeit ist es gewöhnlich vorbei, sobald er die Erdlöcher oder sonstige sichere Deckungen verlassen muß; da wendet er sich zur�FIucht oder gibt sich gefangen. Bor der Artillerie haben die Russen eine höllische Angst, und das wahrlich nicht ohne Grund- Die Gräben auf der Höhe von Kamionka lagen voll toter Russe». deren Leichen von Schrapnellschüssen zum Teil furchtbar ver« stümmelt waren. In allen möglichen Stellungen hatte der furcht- bare Tod sie überrascht. In einem Graben hinter einem nieder- gebrannten Hause sah ich eine Anzahl halb und ganz verbrannter Russenleichen. Niederstürzendes brennendes Gebälk hatte die Er- schoffenen mit Flammen umhüllt; nur noch Knochenrest«, blieben übrig. Und vor diesen Gräbern lagen Wäsche- und Kleidung»- stücke, die nicht zur militärischen Ausrüstung gehören und sicher nicht aus einem russischen Bauernhaus stammten. Es war wohl Beute au» Deutschland...., Al» wir im sckineidenden Herbstwind nach Hause fuhren, das Bild des Schlachtfeldes vor Augen, dachte ich: wie mögen sich die Kämpfe gestalten, wenn eine blendend weiß« Schneedecke die Felder überzogen hat. Ob sich dann noch mit demselben Erfolg wie jetzt das Unsichtbarmachen durchführen läßt? Wenn nicht, dann werden sich nach den ersten ergiebigen Schneefällen die Russen wohl weiter in das Innere ihres Landes zurückziehen. Von Bewohnern Ost- Preußens hörte ich' übrigens die Ansicht vertreten, daß die Deut- schen. wenigstens die Norddeutschen, im Winter ganz bestimmt aktionZfähiger seien als die Russen. Danach würde sich init öeM Eintreten niedriger Temperatur die Situation der Russen aus jeden Fall verschlechtern. D ü w e k l, Kriegsberichterstatter. sitzungen in Ckina haben die Ausweisung aller deutschen und ö st erreichisch-un garischen Unter- tanen aus dem britischen Gebiet verfügt, mit Ausnahme der- jenigen, die im wehrpflichtigen Alter stehen. Diese sollen ver- haftet werden. Die Verfügung wird am 1. November rechts- kräftig. Eine merkwürüige Sesorgnis. London, 30. Oktober.(W. T. B.) Die„Times* meldet aus Toronto: An der kanadischen Grenze besteht die Besorg- nis, daß Einfälle der in den Vereinigten Staaten lebenden Deutschen und Oe st erreicher versucht werden Im Fort Erie wurde eine Bürgerwehr gebildet, um solchen Einfällen zu begegnen, die man besonders deswegen befürchtet, weil das jenseits der Grenze gelegene Buffalo über 200 000 deutsche Einwohner hat. Eine neue Verordnung gestattet nur solchen Personen freien Zutritt über die Grenze, die seit 10 Jahren amerikanisches Bürger- recht besitzen. Man will hierdurch ausländische Arbeiter fernhalten. Da Deutschen und Oe st erreichern Beschäftigung verweigert wird und diese das Land nicht Verlasien dürfen, wird die Regierung vermutlich Konzentrationslager einrichten, «m notleidende Untertanen feindlicher Staaten nebst ihren Familien zu unterhalten. Vieöer ein Märchen von aus- gestochenen /lugen. Vor kurzem ging uns folgender Brief eines angesehenen Berliner Herrn zu: Ich las dieser Tage mit großem Interesse im„Vorwärts* die Mitteilung, daß sich die verschiedentlichen Nachrichten über deutsche Verwundete, denen die Augen ausgestochen seien, bei Ihren Nach- forschungen bisher sämtlich als unbegründet erwiesen hätten. Mir ist unlängst von einem hiesigen Herrn nun die ganz bestimmte Angabe gemacht worden, daß im Heiligen- Gei st- Hospitale in Frankfurt am Main ein deutscher Verwundeter läge, dem die Augen ausge stachen und dafür ein paar Uniform knöpfe in die Augenhöhlen eingepreßt seien! Und auf gelegentliche Frage einer das Hospital besuchenden hohen Frau— ich glaube, der Kaiserin selbst— ob sie ihm etwas besonders LicbcS schichen könne, habe er nur einen Revolver verlangt, um sich zu erschießen. Dieser Mann soll im gleichen Krankensaal gelegen haben, wie der Bruder meines Gewährsmannes: ein im Oberarm verwundeter Vizefeld- webel Rect. Vielleicht könnten Sie durch Ihre Berbinhzrngen auch diesem Fall einmal nachgehen. Wir wandten uns darauf sofort an die Verwaltung des Heiligen-Geist-Hospitals in Frankfurt a. M. mit der Bitte um Aufklärung. Darauf ging uns vom Senior des Pflegeamtes deS Hospitals zum Heiligen Geist folgende Antwort zu: „Auf Ihre Anfrage vom 26. d. M. erwidern wir, daß in nnserem Hospital lein deutscher Verwundeter liegt noch lag, dem die Augeu ausgestochen und dafür Uniformknöpfe in die Augen- höhle» eingepreßt wurden. Wieder einmal zeigt sich hier, wie leicht Greuelgeschichten entstehen, ohne daß etwas dahinter steckt, und mit welcher Sicherheit sie weiter gegeben werden. Möge man doch endlich lernen, mit dem allergrößtenMißtrauen derartigen Erzählungen zu begegnen, auch wenn sie noch so sehr der- bürgt erscheinen, bis eine amtliche, zweifelsfreic Bestätigung da ist.'__ Kriegsbekanntmachungen. Die Feldpost. Amtlich. Berlin, 31. Oktober.(W. T. B.) Nach wie vor sind Zählreiche Feldpoftsen düngen unrichtig und u n d eu t- l i ch adressiert und mangelhaft verpackt. Ihre Menge, die bis Ende September täglich gegen S0 000 betrug, ist seitdem nur unmerklich zurückgegangen. Der Postbetrieb wird dadurch dauernd oufs schwerste beeinträchtigt, nicht minder leiden darunter die Interessen deS Publikums und unserer Krieger. Wenn noch jetzt Klagen laut werden, daß Feldpostbriefe Heeresangehörige dauernd nichr erreichen, ist dies in der Regel nur daraus zurückzuführen, daß die angewandten Feldadressen unrichtig waren. Hierin Wandel zu schaffen, ist vor allem Sache der Heeresangehörigen selbst. Die Militärverwaltung hat deshalb schon wiederholt die Truppen durch ihre Borgesetzten auf die Notwendigkeit hinweisen lassen, nur rich- tige Feldadressen nach Hause mitzuteilen. Die Postbehörde unterstützt ihrerseits das Publikum gern insoweit, als in den Fällen, wo die angewandte Feldadresse augenscheinlich unrichtig war, die Feldadresse postseitig auf Wunsch nachgeprüft wird. Derartige An- träge sind an die nächste Postsammelstelle oder Lber-Postdirektion zu richten. NeuerdingS bat sich auch die private Hilfsbereitschaft, wenn auch vorläufig noch vereinzelt, der�Angelegenheit angenommen und versucht, durch Einrichtung von Schreibstuben dem mit den VersendungSbcdin�unge» weniger vertrauten Publikum Be- lehrung und Hilfe zuteil Iverden zu lassen. Da das Reichspostamt der Ansicht ist, daß diese Bestrebungen amtlicher Unterstützung be- dürfen, sind die Oberpostdirektionen veranlaßt worden, sie zu för- der» und Postbemnte, auch solche im Ruhestände, anzuregen, ihre Sachkunde in den Dienst dieser Schreibstuben zu stellen. Die Wollzüge. Berlin, 3t. Okiober. lW. T. 23.) Dem ÄriegSauSschuß für warme Unterkleidung ist es durch Zusammenwirken mit den mili- täuschen Behörden gelungen, die bisher abgelassenen s e ch S W o l l- z ü g c. von denen jeder einen Wert von ungefähr zwei M i l l i o- » e n Mark darstellte, sehr rasch an die Front zu bringen und die Verteilung der mitgebrachten Spenden an die von den maßgebenden militärischen Stellen bestimmten Truppenteile zu bewirken. Auf Grund der dabei gemachten Erfahrungen wird auch bereits eine Organisation eingeleitet, durch welche die bei den Truppen ver- brauchten wollenen Kleider, Strümpfe usw. wieder nach Berlin zurückgebracht und durch entsvrcchcndc Bearbeitung für weitere Ver- Wendung tauglich gemacht werden. Spenden für den Wollaus- schütz. Strickwolle, gebrauchte wollene Unterkleider, Geld u. u. wer- den in den Stunden von 9 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags im Reichstag, Portal 2. entgegengenommen und alsbald zum Besten der Truppen weiter verwendet. Verkaufsverbot für Radreifen. Amtlich. Berlin, 31. Oktober.(W. T. B.) Der Berkauf von Reifen an Private ist verboten, außer zur Bereifung der für die Heeresverwaltung bestimmten neuen Kraftfahrzeuge. Private, welche Reifen zu kaufen wünschen, baben sich an die Be- reifungsstelle lSchöneberg, Fiskalische Straße, Alte Kaserne) zu wenden, die im Einverständnis mit der Verkcbrsabteilung des Kriegsministeriums entscheiden wird, ob und in welchem Maße der Privalbedarf auZ wieder instand gesetzten oder zurückgesetzten Reifen befriedigt werden kann. politische Ueberslcht. Die„Vergeltung". Nach einer Meldung deS Wolfffchen Bureaus hatte der„DreS- dener Anzeiger* an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. I a g o w ein Telegramm gesandt wegen derBehandlungder Deutschen in England. Darauf ist heute abend folgende Antwort eingegangen: „Auf Ihr gestriges Telegramm hin ist der a m e r i k a n i s ch e Botschafter in London veranlaßt worden„ sich persönlich über die Behandlung der deutschen Gefangenen in England Aus- k l ä r u n g zu verschaffen und, soweit die Klagen berechtigt sind, mit größtem Nachdrucke auf sofortige Abhilfe zu bestehen. Ein soeben eingegangener Bericht der amerikanischen Botschaft über die Besichtigung mehrerer englischer Gefangenenlager lautet b e- friedig end. Vergeltungsmaßnahmen wegen der Gefangenhaltung Deutscher in England werden, falls die englische Regierung der Aufforderung zur Freilassung nicht unverzüglich nachkommt, alsbald ausgeführt werden." Das Telegramm des Staatssekretärs läßt erfreulicherweise die Hoffnung, daß die deutschen Behörden davon absehen, unge- wöhnliche, von dem bisherigen Verhalten abweichende Maßnahmen gegen die in Deutschland lebenden Ausländer zu ergreifen, zumal nachdem sich noch verschiedene Vereinigungen von Engländern in deutschen Städten in Briefen und Telegrammen an die englischen Behörden gewandt haben, um für eine bessere Behandlung der Deut- scheu in England zu wirken, und ein volles Entgegenkommen der englischen Regierung nicht unwahrscheinlich ist. Die wenigstens zunächst noch abwartende und für genaue Untersuchungen besorgte Haltung der deutschen Regierung ist jeden. falls sympathischer als das Gebaren mancher Blätter, die sich gar nicht genug darin tun können, in der Vorstellung schärfster Ver- geltungsmaßnahmen zu schwelgen.„Es brauchen wichtigste Kriegs- angelegenheiten ja nicht so methodisch wie Friedenssachen«ingeleitet zu werden," schreibt ein gewisser Otto Eichler in der Wochenbeilage der„Berliner Neuesten Nachrichten" und meint:„Es gehört zu den notwendigen Eigenschaften einer großen Nation, hart zu sein, hassen und vergelten zu können."— In Dresden hat man nach einem Telegramm sogar schon Listen ausgelegt, in denen zur Unter- schrrft für die Forderung an die Reichsregierung aufgefordert wird, alle noch in Deutschland befindlichen zivilen Engländer und Russen zu verhaften, bis die Deutschen in England und Rußland würdig behandelt werden. Preisfestsetzung für Zucker. Wolffs Bureau meldet: In der Sonnabendsitzung des Bundesrats wurde eine Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Zucker diesjähriger Ernte ange- nommen. Hauptziel der Verordnung ist, die deutschen Zucker- bestände dem heimischen Verbrauche zu erhalten. Bei dieser Beschränkung der Ausfuhr ist eine gesetzliche Regelung der gesamten Zuckerindustric unerläßlich. Diese soll in der Weise erfolgen, daß zunächst 23 Proz. der Pro- duktion in den freien Verkehr abgelassen werden.— Als Grundpreis a b Majjdeburg ist für Rohzucker 9,30 M. für Lieferung bis 31. Dezember 1914 angenommen, für spätere Lieferung erhöht sich der Preis um 9,15 M. bis höchstens 10,23 M. Der Verbrauchzuckerpreis ist mit 10 M. mehr angesetzt. Die bestehenden Verträge über Roh- und Verbrauchszucker bleiben unberührt, sind also zu erfüllen. Ausgenommen sind allein die Kaufverträge über Rohzucker neuer Ernte, soweit sie nach dem 31. Oktober zu erfüllen sind. Diese werden so angesehen, als ob ein Vertrags- teil gemäß eines ihm zustehenden Rechtes zurückgetreten ist. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. � Wir haben unseren Standpunkt schon früher präzisiert. Die festgesetzten Preise scheinen uns nicht ausreichend, um eine Konsumsteigerung herbeizuführen. Höchstpreise für Kartoffeln. Für den Regierungsbezirk C o b l e n z sind jetzt Höchstpreise für Kartoffeln festgesetzt worden. Sie betragen für Speise- kartoffeln beim Einkauf vom Produzenten für den Zentner 3 M., im Zwischenhandel 3,30 M. Für besonders edle Sorten können auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden. Man muß nur hoffen und fordern, daß andere Gemein- den schleunigst dem Beispiel von Coblenz folgen. Die Preise sind unerträglich hoch, und es ist eine soziale Pflicht der kommunalen Körperschaften, die klaffenden Lücken so bald wie möglich auszufüllen, die durch die Bundcsratsbcschlüsse über Höchst- preise noch geblieben sind. Kriegstagung des sächsischen Landtags. Die sächsische Regierung beschästigt sich mit den Vorbereitungen zur Einberufung einer außerordentlichen kurzen Tagung deS Landtags, die im Januar stattfinden soll und sich aus- schließlick mit der Bewilligung weiterer Mittel zur KriegShilfe be- schäftigen wird._ Proteste gegen militärische Warnungen. Der Gouverneur von Metz wie der stellvertretende komman- dierende General des 7.(westfälischen) Armeekorps hatten bekannt- lich Erlasse veröffentlicht, in denen sie sich gegen ungerecht- fertigte Abzüge von den Gehältern der Angestellten aussprachen. Damit haben sie aber den lebhaften Unwillen der Unternehmer erregt, und die Handelskammern in Bonn, Elberfeld, Essen und Hagen i. W. sowie der Verein der Industriellen im Regierungs- bezirk Köln haben bereits derartige„verallgemeinernde" War« nungcn für ungerechtfertigt erklärt, obgleich gerade im Rheinland und Westfalen die Beschäftigung durch große Kriegs- auftrüge im allgemeinen gut, die Kürzung der Löhne und Gehälter aber gar nicht selten ist. Die Elberfclder Handelskammer geht freilich soweit, zu behaupten, daß die Militärlieferungen„vielfach keinen oder nur geringen Nutzen" abwürfen? Sie meint weiter, die Verwarnung der militärischen Stellen werde letzten Endes das Gegenteil dessen hervorrufen, was sie bezwecke, nämlich nur Ver- b i t t e r u n g bei den Unternehmern erwecken, die ihr Personal trotz gewinnloscn oder gar verlustbringenden Betriebs weiter beschäftigen und damit große Opfer auf sich nehmen.„Diese wer- den dann womöglcch dazu übergehen, einen Teil ihrer Angestellten ganz zu entlassen, insbesondere diejenigen, für die jetzt eigentlich keine Beschäftigung vorhanden ist." In breiten Kreisen des Volkes werden durch diese Unternehmer- drohungen die Sympathien für die Militärlieferanten sicher nicht erhöht werden. Polizei und Gewerkschaften. In Posen war der Zweigverein des Bauarbeiter- Verbandes zu einer selbständigen Organisation gestempelt war- den. Auf eine Anfrage, ob die Polizei immer noch daran festhalte und die Zlngabe aller Veränderungen im Vorstände usw. verlange, erhielt die Ortsverwaltung jetzt folgenden Bescheid des Polizeipräsidenten: Ich will bis auf weitere? davon absehen, daß die Verinde- rungen im Vorstande deS Zweigvereins Posen des Deutschen Bauarbciter-Verbandes hierher angezeigt werden. v. d. Knesebeck. Etwas eigentümlich mutet hier der Ausdruck„bis auf weite- res" an._ Einquartierungssche«. In der württembergischen Militärstadt Ludwigsburg scheint die patriotische Opferwilligkeit des BürgerwmS nicht sehr groß zu sein, da die Stadtverwaltung bei der Unterbringung der Soldaten in Bürgerquartieren auf den heftigsten Widerstand stößt. Der Oberbürgermeister sieht sich veranlaßt, den Anhängern der passiven Resistenz in einer amtlichen Bekanntmachung wie folgt zu drohen:„Die Abweisung der vom Ouartieramt zugewiesenen Mannschaften, die bedauerlicherweise bei einem Teil der Ein- Wohnerschaft zur Regel wird, ist durchaus unstatthaft. Im Weigerungsfalle werden nunmehr die schärfsten Zwangsmaßregeln angewandt werden.(Aufbrechen der Wohnung, gewaltsame Besitz- ergreifung von den notwendigen Gelassen.) OrtSabwesenheit ent- bindet nicht von der Ouartierpflicht." Und da? Amtsblatt fügt voller Schmerz über die Schädigung des guten Rufs der Stadt Ludwigsburg noch hinzu, daß die Abw�sung von Leuten geschehe. „von denen man es nicht glauben sollte. Die kommende Tagung des Reichstags. Uns wird geschrieben: Der Reichstag ist bis zum 24. November vertagt, er wird aber vennutlich erst einige Tage später zusammentreten. Die Ver- waltung des Reichstag? hat angeordnet, daß das Gebäude bis zum 10. November von den Körperschaften geräumt sein mutz, die sich jetzt im Reichstag niedergelassen haben. Diese Verfügung wird von einer Korrespondenz als eine Härte und unnütze Kraft- Verschwendung bezeichnet, weil das Parlament doch nur wenige Tage beisammen sei. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß der Reichstag unter den jetzigen Umständen im ReichStagSgebäude gar nicht tagen könne. Alle Räume sind besetzt, die Sitzungssäle der Kommissionen, Lese- und Schreibsaal, ein Teil der Arbeits- zimmer, die Wandelhalle, ja sogar die Wandelgänge Allerdings meint das„Berliner Tageblatt": „Schlimmstenfalls ist das Reichstagsgebäude nicht die einzige Behausung in Berlin, wo eine parlamentarische Körperschaft zu einer ein- oder zweitägigen Sitzung zusammentreten könnte." Zunächst steht noch keineswegs fest, daß die Sitzungen nur zwei Tage dauern werden, wir bezweifeln das ganz entschieden. Soll aber der Reichstag etwa die Gastsreundlichkeit des preußischen Landtags in Anspruch nehmen? DaS so prächtig zentral gelegene preußische Herenhaus steht vollkommen leer. Die Uebcrsiedelung der jetzt im Reichstag tätigen Körperschaften wäre aber vielleicht angemessener; sie bietet nicht die geringsten Schwierigkeiten. Die Arbeit der Vereine würde keine Unterbrechung zu erleiden brauchen, und die seit Wochen aufs angestrengteste arbeitenden Diener und Beamten des Reichstags erhielten eine Ablösung, die ihnen sehr zu gönnen ist._ Amtliches Ergebnis der Reichstagsersatzwahl in Heidelberg. Nach dem amtlichen Wohlergebnis der am 27. Oktober im 12. Badischen Wahlkreis Heidelberg- Eberbach- Mosbach vorgenomme- nen Reichstagsersatzwahl wurden bei 28 305 Wahlberech- tigten 4555 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Land- gerichlsdirektor Dr. O b k i r ch e r- Karlsruhe(natl.) 4345 Stimmen. Zehn Stimmen waren zersplittert. Was der Zwischenhandel einsteckt. In Ostpreußen bieten gegenwärtig die Viehhändler den Be- sitzern von Schweinen für den Zentner Lebendgewicht 30— 35 M. Nur für sehr gute Ware werden 40 M. gezahlt. Dabei kostet in Königsberg das Pfund Schweinefleisch 35— 90 Pf. Viele Besitzer müssen Schweine und Vieh überhaupt jetzt abstoßen, daher können die Händler die Preise diktieren. Was die Händler jetzt bieten, dafür nur folgendes Beispiel: Auf dem Gut Schmidtkeim, dessen Besitzer im Felde steht, bot ein Händler für fünf Bullen 1200 M.; er erhöhte schließlich sein An- gebot auf 1400 M. Einige. Tage später gab ein anderer Händler ein Gebot von 1700 M. ab und bald darauf wurden die Bullen zum größten Teil nach Gewicht verkauft und es wurde eine Summe von 2225 M. erzielt. Wäre, das erste Angebot des ersten Händlers angenommen worden, so hätte sich der Händler bei diesem Ankauf die Summe von 1000 M. als Extraverdienst in die Tasche gestecki, In vielen Fällen gelingt es, die Notlage der Besitzer auszunutzen. Die Sozialdemokratie fordert schon seit vielen Jahren die kom- munale Fleischversorgung, bei der es möglich ist, den Zwischen- Handel auszuschalten und den Konsumenten vor dem Wucher des Händlers zu schützen._ Pensionienmg deS Oberbürgermeisters von Jnsterburg. Der Oberbürgermeister von Jnsterburg Dr. Kirchhofs tritt in den Ruhestand. Die Jnsterburger Stadiverordnetenversammlung ist ohne weiteres dem Magistralsbeschluß beigetreten und hat das Pensionsgesuch genehmigt. Der Rücktritt des Jnsterburger Oberbürgermeisters steht, wie die„Kreuz-Zeitung" der.Elbinger Zeitung' entnimmt, im Zusammenhang mit seiner Abwesenheit während der Rufsenzeit. (Wiederhdlt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Abg. Baffermann in Antwerpen. Der Reichstagsabgeordnete Ernst Bassermann, der als Major der Landwehr zunächst am Feldzug in Belgien teilnahm und dann als Führer einer Munitionskolonne nach dem russischen Kriegsschau- platz ging, ist, dem„Mannheimer Generalanzeiger" zufolge, zum Adjutanten des Militärgouverneurs von Ant- werpen ernannt worden und befindet sich bereits wieder auf dem Wegs nach Belgien. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Letzte Nachrichten. Ein betrügerischer Heercslieferant. Straßburg i. Elf., 31. Oktober.(W. T. B.) Wie die Blätter melden, wurde ein hiesiger Holzhändler verhastet, der der Militärverwaltung etwa für 8000 M. Holz geliefert, dafür aber 23 000 M. verlangt und erhalten hatte. Der bestochene Bauleiter, der den Betrug mit seiner Unterschrist deckte, wurde gleichfalls festgenommen. Englische Hetze gegen die neutrale Schiffahrt. L o n d- n. 29. Oktober.