Nr.303.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 25 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer m illustrierter Sonntagss Beilage„ Die Neu Welt" 10 Pa. Post. Albonnenient: 1,70 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutsland und Desterreich Ungarn 2,50 art, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements rehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Big., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedrudte Borte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Donnerstag, den 5. November 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97. Fortschritte der Angriffe auf auf Ypres. Vernichtung eines englischen Unterseebootes. Die Meldung des Großen Hauptquartiers Amtlich. Großes Hauptquartier, 4. November 1914, vormittags.( W. Z. B.) Unsere Angriffe auf Ypres, nördlich Arras und östlich Soissons, schriften langsam, aber erfolgreich vorwärts. Südlich Verdun und in den Vogesen wurden französische Angriffe abgewiesen. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet. Oberste Heeresleitung. Die französische Darstellung der Kriegslage. Der Seekrieg. Vernichtung eines englischen Unterseebootes. Troelstra über die Haltung der deutschen Sozialdemokratie. London, 4. November.( W. T. B.) Der Sekretär drücke von seiner Reise in Deutschland, und die, ölnische Genosse Troe Istra berichtet in Set Volf" über Einder Admiralität meldet: Heut am frühen Morgen feuerte 3eitung" gibt diesen Bericht wieder. Troelstra sagt, ein feindliches Geschwader auf das zur Küstenwache als die Frage, ob die Sozialdemokratie nicht besser die gehörende Kanonenboot" Halcyon", das auf einer Erkundi- Kriegskredite verweigert hätte, in der Fraktion be gungsfahrt begriffen war. Ein Mann des Halcyon" wurde raten wurde, waren sich Anhänger und Gegner der Kredite verwundet. Nachdem das Kanonenboot die Anwesenheit der beinahe allgemein darüber einig, daß eine Partei, die ein feindlichen Schiffe gemeldet hatte, zogen sich diese zurück. Drittel des Volfs vertritt, in einer Lebensfrage wie diejenige, Obgleich fie von leichten Kreuzern verfolgt wurden, konnten die am 4. August dem deutschen Volk gestellt wurde, sich nicht sie doch nicht vor Anbruch der Dunkelheit zum Kampf gestellt könne das tun, eine Partei wie die deutsche Sozialdemokratie enthalten durfte. Eine kleine Sekte, sagte man mir, werden. Der hinterste deutsche Kreuzer streute bei dem Rüd- nicht. Darum wurde dieser Gedanke verworfen. zuge eine Anzahl Minen aus. Durch die Explosion einer derselben wurde das Unterseeboot D 6 zum Sinken gebracht. Zwei Offiziere und zwei Mann, die ich auf dem Verdeck des an der Oberfläche des Wassers schwimmenden Unterseebootes befanden, wurden gerettet. Die gesperrte Nordsee. Kristiania, 4. November.( W. T. B.) " Hierauf kam die Haltung der deutschen Partei mit Bezug auf Belgien zur Sprache. Stets hatte, so versicherte man mir, in den Kommissionen des Reichstags unsere Partei Baris, 3. November.( W. T. B) Ein amtliches Communiqué die Achtung der Neutralität der kleinen Staaten von 3 Uhr 30 Min. nachmittags bejagt: Auf unserem linken Flügel im Kriegsfalle verlangt. Wie kam es nun, daß sie am scheint der Feind das linte Ufer der fer fromabwärts 4. Auguft sich nicht gegen die Verlegung der belgischen NeuDigmuiden gänzlich preisgegeben zu haben. Auf tralität verwahrte? Diese Frage stellte ich dem Vorsitzenden den Chausseen der überschwemmten Gebiete vorgeschobene Rekognos der Fraktion, unserem Parteigenossen Haase, und seine zierungsabteilungen haben die Uebergänge der 9ser ohne Morgen- Antwort lautete: Die Erklärung unserer Partei war von große Schwierigkeiten befest. Südlich Digmuiden und bladet" schreibt über die durch England angefündigte vornherein durch die Fraktion gestellt und dem Präsidenten gegen Gheluvelt hin ist unsere Vor wärtsbewegung besonders Sperre der Nordsee: Heute ist die Meldung eingetroffen, des Reichstags mitgeteilt worden, bevor die Fraktion etwas merkbar gewesen. In der Gegend nördlich Lys wurde trotz der von England habe die Nordsee von Island bis Schott- von der Verlegung der belgischen Neutralität erfahren hatte. den Deutschen mit beträchtlichen Beständen ausgeführten Angriffe land gesperrt. Ein Kommentar ist überflüssig. Es ist Die Fraftion hat sich stets, so oft sich dazu die Gelegenheit unsere Front überall gehalten oder vor Tagesende wieder hergestellt. Dies ein unerhörter Uebergriff gegen das bot, mit aller Entschiedenheit für die Beachtung der Neue Angriffe der Deutschen gegen die Vorstadt von Arras, gegen Lihons und Le Quesnoy en Santerre find ge- internationale Völkerrecht und die Rücksichts- Neutralitätsverträge ausgesprochen." Beim Durchgehen der deutschen Blätter ist mir nun aufscheitert. Im Zentrum, in der Aisne gegend und im Walde lofigkeit gegenüber den neutralen Mächten ist auffallend und gefallen, daß erst nach dem 4. Auguſt das Ultimatum an de l'Aigle verzeichneten wir einige Fortichritte.. Deftlich in die Augen springend. Der Schaden scheint im sonder Belgien und die darauffolgende Entwickelung in der Presse Bailly haben sich unsere Streitkräfte, die sich auf den Abhängen barsten Mißverhältnis zu den Vorteilen zu stehen, die gemeldet wurde. Ausländische Blätter und Berichte wurden der Hochebenen nördlich der Dörfer Chavonne und Soupir fest- England dadurch erreicht. Wir erfahren, daß die englische in diesen Tagen, so weit möglich, zurückgehalten. Die Mitgehalten hatten, laut den letzten Nachrichten sich auf das Tal weiter Regierung den interessierten Ländern vorher nichts teilung des Reichskanzlers, daß Belgien wahrscheinlich schon gegen Osten hin zurückziehen müssen. Wir behaupten unsere mitgeteilt und nicht untersucht hat, wie die Sperrung von betreten sei, war mit der Erklärung verbunden, daß hier ein Stellungen oberhalb Bourg und Comin auf dem rechten Flußufer. Eine der Regierung aufgefaßt würde, deren vitalste Inter- Unrecht geschehen sei, das wieder gutgemacht werden würde. heftige Kanonade fand während des Tages zwischen Reims und der Maas, ebenso auf den Hautes de Meuse statt. Neue essen sie berührt. Wir fragen, ob nicht bald der Zeit- Die Erklärung rief laut den Reichstagsberichten große BeAnstrengungen der Deutschen im Argonnerwalde wurden ver- punkt gekommen ist, wo ein gemeinsames Auftreten wegung hervor. Die Absprache der einzelnen Parteien, daß hindert. Wir find fortgefahren, Fortschritte zu machen nordwestlich der neutralen Mächte angebracht wäre. Auf die zur Verstärkung der Stellung gegenüber dem Ausland feine Erörterung stattfinden solle, war Anlaß zu der vorgängigen Bont a Mousson. Auf unserem rechten Flügel gab es einige unseren Feststellung, sowohl der Rede des Präsidenten wie der ErWaffen günstige Detailaktionen längs der Seille. flärung unserer Fraktion. Sicherlich hat der Vorfall in dent deutschen Reichstag bewiesen, daß diese vorhergehende Vereinbarung ihre bedenkliche Seite gehabt habe. Nach der Sizung stand die Presse unter militärischer Zensur, war keine öffentliche Einspruchsversammlung möglich, hielt der Reichstag feine Sigung mehr und war schließlich Deutschland in einen so schweren Kampf verwickelt, daß dort der Burgfriede", den selbst wir in unserem Lande kennen, in verstärktem Maße als bei uns jede Aeußerung von Kritik und Widerstand verhinderte. Die Kämpfe an der belgischen Küste. Rotterdant, 4. November.( T. U.) Aus Aardenburg wird dem ,, Nieuwe Rotterd. Courant" gemeldet: Seit 13 Tagen wird bei Täglich kreuzen deutsche, West- Nosebeke hartnädig geftritten. franzöfifche und englische Flugzeuge über West- Noſebele, das in der Nähe von Rousselaere liegt. Hervorgehoben wird, daß die deutschen Biloten ein große Rauchwolfen entwvidelndes Mittel mitführen, mit dessen Hilfe sie sich gegenüber den feindlichen Geschossen unsichtbar machen.(?) Stimme der kleinen Länder hört niemand. Amerika ist auch neutral. Der Neutralitätsbegriff eriſtiert nicht mehr, wenn jeder Uebergriff der kriegführenden Mächte schweigend geduldet wird. Die erste Wirkung war, daß die Kriegsversicherung erhöht wurde. 聯 Ropenhagen, 3. November.( W. Z. B.) Zur Sperrung der Nordsee schreibt das Regierungsblatt" Politiken": Keine Maßregel in diesem Kriege hat Dänemark so unmittelbar berührt wie diese, die für die dänische Schiffahrt tief ein greifende Folgen haben wird, die für den Augenblick noch nicht zu übersehen sind. Nach Blättermeldungen hat die größte Wenn also in dieser Hinsicht nichts geschehen ist, was man das Recht hatte, von der deutschen sozialdemokratischen Partei Frankreich und die italienischen Freiwilligen. Schiffahrtsgesellschaft Dänemarks, die Forenede Dampskibsselstab, zu verlangen, so ist es von mehr praktischem Intereſſe, zu Der römische Schullehrer Guiseppe d'Amato, der von der vorläufig alle Fahrten nach England eingestellt. italienischen ſozialistischen Partei zur Unterfildung berkein Mißbrauch einer fremden Flagge. war, ist in " menschenunwürdig geschilderten Lage italienischen London, 3. November.( W. T. B.) Die Morning Post" willigen nach Frankreich geschickt worden Er kommt vor ein Kriegs- meldet, daß nach Privatnachrichten aus Liverpool vom 1. November Montélimar verhaftet worden. gericht unter der Anklage, Freiwillige zur Desertion ange- die Behauptung unrichtig ist, daß die„ Emben" unter japanischer Flagge in den Hafen von Penang eingefahren sei. stiftet zu haben. Sie habe vielmehr den Ueberfall mit dem Unternehmungsgeist und dem Schneid ausgeführt, die sie bei ihren früheren Taten bewiefen hat. Vom österreichisch- serbischen Kriegsschauplah. Neue österreichische Erfolge gegen die Serben. fragen, wie sie sich gegenüber den Strömungen verhalten gegenüber möglichen Versuchen, Belgiens Unabhängigkeit und Landesgebiet anzutasten. Was ich darüber aus bürgerlichen Kreisen und selbst fortschrittlich- liberalen Kreisen vernahm, erfüllt mich mit Angst über die Zukunft der fleinen, aber heldenhaften und für uns so sympathischen belgischen Nation. Antwerpen lockt den deutschen Imperialismus wie ein Magnet. Was wird, wenn Deutschland siegt, das Ende davon sein? Ich fragte Herrn Haase, was die deutschen Sozialdemokraten über eine mögliche Angliederung von ganz werde, die sich in zahlreichen Kreiſen Deutſchlands kundgeben Der Krieg und die Kolonien. Belgien oder einen Teil des Landes denken. Seine Antwort Die Verteidigung Tsingtaus. London, 3. November.( W. T. B.)„ Daily Telegraph" Wien, 4. November.( W. T. B.) Vom süblisen Kriegsmeldet aus Peking: Chinesische Pressemeldungen aus Schantung ihauplage wird amtlich gemeldet: In weiterer Vorrüdung berichten, daß das deutsche Artilleriefeuer plansind unsere Truppen südlich und südwestlich Sabac neuerdings auf mäßig alle vorgeschobenen japanischen Verschanzungen verden Feind gestoßen. Der sofort angefeßte Angriff schreitet günstig nichtet und damit jeden Angriff auf unbestimmte Zeit hinausfort. Während der Kämpfe auf der Romanja wurden insgesamt Lautete: „ Die deutsche Sozialdemokratie ist jeder Angliederung Feind, sowohl aus demokratischen Gründen wie im Interesse von Deutschland selbst. In der Erklärung vom 4. August hat die Fraktion diesen Standpunkt vorangestellt, und auch seither haben die leitenden Organe der Partei dies wiederholt ausgesprochen." Ich glaubte, auch die leitenden Parteigenossen fragen zu müſſen, ob ihre Partei das ihrige tun würde, um ihre Ehre 7 Offiziere und 647 Mann gefangen, 5 Geschüße, 3 Munitions, schiebt. Das gesamte Glacis hinter Tsingtau ist mit Minen und die des deutschen Volkes zu wahren, indem sie eine ſtrenge wagen, 2 Maschinengewehre, viel Munition und Striegsmaterial er- überfät, die elektrisch entladen werden. beutet. Den Montevaarinern wurden über 1000 Stück Vich, das sie aus Bosnien mitnehmen wollten, abgenommen. Anm. d. Red.: Diese Meldung ist vor den englisch- japanischen Angriffen gegen Tsingtau erstattet. letzten unparteiische Untersuchung über die Greuel fordern würde, die gemäß den Berichten in Belgien verübt worden sein sollen. Haases Antwort darauf lautete: Eine französische Erklärung. A Itammer in Johannesburg, die Bahnen gegen das Risiko der Gefahr durch die Aufständischen zu entschädigen. Hierdurch wurden die normalen Raten wieder hergestellt. Verhängung des Kriegsrechts in Rhodesia. Die Deutschen in England. London, 2. November.( W. T. B.) Laut ,, Daily Telegraph" wird die Zahl der allein in London internierten Deutschen und Desterreicher auf 5000 geschätzt. Jede der triegführenden Mächte hat der Gegnerpartei eine unmenschliche Weise der Kriegführung und Uebertretung des Demission türkischer Minister. Kriegsrechts vorgeworfen. Ich halte es für geboten, daß nach Konstantinopel, 3. November.( W. T. B.) Finanz Beendigung des Krieges, wenn eine sachliche Feststellung der minister Dschawid hat seine Entlassung nachgesucht. Tatsachen möglich ist, ein unparteiischer internationaler Ausschuß ( Instanz) diese Behauptungen im Interesse der historischen Wahr- der öffentlichen Arbeiten Mahmud Pascha, der Der„ Neuen Fr. Presse" zufolge haben auch der Minister heit untersucht: zur Entlastung derer, die zu Unrecht beschuldigt Bost minister Dscan Effendi und der Handelssein mögen, und zur Verurteilung der Schuldigen." London, 2. November.( W. T. B.) Das Reutersche Bureau" Schließlich habe ich mir in der Ueberzeugung, daß der minister Elbustani Effendi ihre Entlassung eingereicht. meldet aus Salisbury vom 31. Oktober: In Süd- Rhodesia iſt das Krieg das Volk und die Sozialdemokratie aller Länder über- Diese Ministerien werden interimistisch von Mitgliedern des Kriegsrecht verhängt worden. rumpelt hat, die Frage gestellt, ob wir nun auch durch den Stabinetts verwaltet. Frieden überrumpelt werden. Wie wir uns dabei zu verhalten haben, ist eine Frage der Ausführung. Allein namentlich in einem Lande wie Deutschland ist gegenwärtig jede der Regierung mißliebige Stimme unterdrückt. Wie lange wird das dauern? Und wird, wenn die militärischen Gewalten es weiterhin jo regeln, die deutsche Sozialdemokratie den festen Willen und den Mut haben, sich dennoch vernehmen zu lassen, dennoch ihre Macht zu zeigen und zu brauchen, um sich keinen Friedensvertrag aufdringen zu lassen, der sich zu ihrem Recht wie zu den Forderungen und dem Bestand anderer Völker und zu deren Wünschen im Gegensatz steht. Gewiß, sie ist noch eine Minderheit in Deutschland, allein eine große, und eine, die eine große Verantwortung gegenüber der Internationale und der Menschheit hat. ch richtete daher an Haase diese Frage:„ Kann das sozialistische Proletariat die Friedensunterhandlungen, wenn die Zeit dafür gekommen ist, der Regierung und den Diplomaten überlassen?" Seine Antwort lautete: Auf die Friedensverhandlungen muß das Volk einen entscheidenden Einfluß ausüben. Das sozialistische Proletariat darf sich dabei nicht ausschalten lassen." Vom österreichisch- russischen Kriegsschauplatz. Der österreichische Rückzug in Südpolen ungestört. Wien, 4. November.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Die Bewegungen unserer Truppen in Russisch- Polen wurden gestern vom Feinde nicht gestört. Eines unserer Korps nimmt aus den Kämpfen auf der 2yfa Gora 20 Offiziere und 2200 Wann als Gefangene mit. An der galizischen Front ergaben sich bei Podbuz südlich Sambor über 200, heute früh bei Jaroslau 300 Ruffen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Generalmajor. Russische Mißerfolge in der Bukowina. Die Gefangenenbehandlung in Oesterreich. Bordeaux, 3. November.( Meldung der Agence Havas.) Die Regierung veröffentlicht eine Erklärung, die daran erinnert, daß sie ebenso wie die russische und englische bei Striegsbeginn der Pforte ausdrücklich versichert habe, daß fie ihre Unab hängigkeit und Integrität refpeltieren werde, wenn die Türkei die Neutralität bewahre. Unglücklicherweise habe Wign, 4. November.( W. T. B.) Der frühere ameritaman feither häufig bedauernswerte Zuwiderhandlungen gegen die Neu- uische Geschäftsträger in Merito, O'Shaugnessy, der tralität konstatiert, besonders die immer wachsende Zahl der Stellen, wurde vom hiesigen amerikanischen Botschafter mit der Aufgabe bein Spezialmission bei der hiesigen amerikanischen Botschaft eintraf, die den deutschen Offizieren anvertraut wurden, den Empfang traut, über die Verhältnisse der in Desterreich- Ungarn inter deutscher Waffen und Munition und die Aufnahme, die der„ Goeben" nierten, dem Schuße des amerikanischen Botschafters unterstellten und der„ Breslau" selbst in dem Augenblide bereitet wurde, Engländer und Franzosen sich persönlich zu überzeugen. Ueber wo wir unseren Wunsch nach gutem Einvernehmen durch eine feine Wahrnehmungen, die O'Shaugnessy vor einigen Tagen bes wohlwollende Haltung bezüglich der Kapitulationen bewiesen hatten. endigte, erklärte er gegenüber einem Vertreter des Neuen Wiener Die Erklärung erinnert an die von den türkischen Schiffen ohne Tagblatts", was er gesehen, habe ihn vollkommen zuvorherige Ankündigung oder Herausfordernng begangenen friege- friedengestellt. Sowohl in den niederösterreichischen als in rischen Akte. Rußland und Frankreich wollten im Ein- den ungarischen Interniertenlagern habe er Engländer und Fran verständnis mit England hoffen, daß die Akte den deutschen Difi- Seite Rosen nach ihren Wünschen und Beschwerden befragt. Von keiner zieren zuzuschreiben seien; sie schlugen daher der Türkei vor, ihre Französin, die berechtigt gewesen wäre, das Land zu verlassen, jei ihm irgendeine Beschwerde unterbreitet, eine Politik nicht von Berlin leiten zu lassen, und zwar durch die zog sogar bor, in Ungarn zu bleiben. Die bemittelten fofortige Entlassung aller deutschen Offiziere. Internierten dürfen, wie D'Shaugnessy feststellte, sich Nach dem Zusammentritt des Großen Rates hat sich die nach eigener Wahl in Hotels der ihnen zugewiesenen Türkei darauf beschränkt, die Zurüdberufung der tür- Orte einmieten und selbst für sich sorgen. Die Unbemittelten find fischen Schiffe in die Meerengen vorzuschlagen und hat gemeinsam untergebracht und werden von der österreichischen beerklärt, sie wolle in Frieden mit Rußland, Frankreich und ziehungsweise ungarischen Regierung berpflegt, wobei fie diefelbe England bleiben. Der Dreiverband war der Ansicht, daß hielten, sie fönnen auch gegen landesübliche Entlohnung Arbeit reichliche Verköstigung wie die österreichisch- ungarischen Soldaten erunter diesen Bedingungen die Türkei schwerlich eine friedliche annehmen und das dadurch erworbene Geld zur Aufbefferung ihrer Haltung beibehalten könnte, denn es war klar, daß die Deutschen, Lage verwenden. In nichtamtlicher Eigenschaft besuchte O'Shaugnachdem sie den Bruch verursacht hatten, ihn vollständig für sich nessy auch verwundete Russen in den Spitälern und ausnügen würden. den Dreiverband die gleichen Unzuträglichkeiten, wie ein offener zu können, daß er auch in diesen Fällen wirklich menschenfreundliche Ueberdies hatte der Vorschlag der Pforte für internierte Serben in Ungarn. Er erklärte, er freue sich, fagen Krieg, denn er zwang diefen, einen Teil seiner Kräfte ab- Behandlung durch Behörden, Aerzte und Pfleger wahrgenommen 3uziehen, um sich gegen Angriffe zu bewahren, die man nicht mehr als imaginäre Gefahr ansehen durfte. Da die darzutun, haben die Botschafter des Dreiverbandes am 31. Oftober ibre Päffe verlangt. habe. Türkei es nicht für nötig hielt, die Aufrichtigkeit ihrer Absichten Spannung zwischen China und Die Lage auf dem Balkan. " Japan. Die Petersburger, Retsch" fonstatiert voll Besorgnis eine ständig Budapest, 4. November.( W. T. B.) Die bei Stuth sowie Zürich, 4. November. Der Balfanberichterstatter der zunehmende Spannung zwischen China und Japan.„ Die nördlich von Ezernowig bei Rootyornit geschlagenen russischen" Times" versichert, Bulgarien werde neutral bleiben energischen Proteste der chinesischen Regierung in Tolio geben eine Abteilungen haben sich gegen Sniatyn zurüdgezogen; fie ver- und jede Aktion in Mazedonien vermeiden. Der Corriere deutliche Vorstellung von der Stimmung der Leiter der äußeren fuchten sich dort zu vereinigen, was jedoch mißlang. Die della Sera" bemüht sich darzulegen, daß es im Interesse Bolitik in Pefing und lassen keinen Zweifel bestehen, daß hier in Verluste der Russen sind sehr bedeutend. Sniatyn wurde Italiens fei, den Balkanbund wieder erstehen der legten geit ein faroffer Umschwung zu unvon uns wieder besetzt. Vor Czernowit bleiben die Russen zu lassen. Italien und Bulgarien wären in der Lage, die gunst en Japans stattgefunden hat.... Zu Beginn des ruhig. Situation auf dem Balkan zu beherrschen. Rumänien deutsch- japanischen Krieges gelang es Japan, mit China ein Ueberwäre voraussichtlich geneigt, Bulgarien eine Gebietserweiterung einkommen zu treffen und seine Erlaubnis zur Landung einer Armee zuzugestehen. In diesem Falle könnte sich Bulgarien, meint das Mailänder Blatt, gegen Adrianopel werfen fönnen. Auch Griechenland wäre entschlossen, den Krieg gegen die Türkei durchzuführen. Der russisch- türkische Krieg. * Neutralität Rumäniens. tralität beobachten. auf chinesischem Boden zu erlangen. Die Regierung der chinesisch en Republik proflamierte ihre Neutralität, verlangte aber eine Bombardement von Akaba. Garantie der Unantastbarkeit des chinesischen Terris Roustantinopel, 3. November. Das Hauptquartier vertoriums, dessen Schutz, auf das Ersuchen der Chinesen, öffentlicht folgende amtliche Meldung: Die englische Flotte die Vereinigten Staaten von Amerika auf sich nahnien. hat am 1. November Ata ba an der ägyptischen Grenze Durch diesen Schritt gab die Pekinger Regierung deutbombardiert und einen Landungsversuch gemacht. Aber Frankfurt a. M., 4. November.( W. T. B.) Wie die Frank- lich zu verstehen, daß sie ihre Handlungen in Zukunft streng nachdem vier Engländer gefallen waren, warfen sich die übrigen furter Zeitung" aus Mailand erfährt, ist dem" Secolo" aus mit der Politik der Vereinigten Staaten in Einklang halten würde, wieder in die Boote. Obgleich die Engländer Tausende von Petersburg berichtet worden, daß der rumänische Ge- die in offenem Widerspruch zu den Interessen Artilleriegeschossen verfeuerten, wurde auf unserer Seite nur fandte erklärt habe, Rumänien wolle strengste Neu- Japans steht. ein Gendarm getötet. Auf diese Weise, fährt das Blatt fort, fonnte man schon damals Dasselbe Blatt meldet aus Mailand: Die von verschiedenen unausbleibliche Reibungen zwischen China und Japan voraussehen. Der Golf von Akaba, in dessen Nordwinkel der gleichnamige Seiten gemeldete Nachricht von dem bevorstehenden Abschluß einer Die nachfolgenden Ereignisse haben diese Annahme gerechtfertigt. Ort liegt, ist der östliche der beiden schmalen Meerbusen, die die ins italienisch englischen Militärfonvention zum China verfolgt aufmertiam die Operationen der Japaner und ist Note Meer vorspringende Sinai- Halbinsel zu beiden Seiten be Schuße von Aegypten wird nunmehr aus Rom englischerseits bestrebt, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. Formell i ft grenzen. Bon Ataba nordwärts über Land zum Mittelmeer geht mit dem Bemerken dementiert, daß Kriegsschiffe im Suezkanal die chinesische Regierung im Recht, denn Javan hat die Grenze zwischen dem türkischen Balästina und der zu Aegypten zum Schuße von Aegypten genügten. Italienischerseits die Grenzen der für die Kriegsoperationen vorgesehenen Zone in gehörenden Sinai- Halbinsel. Akaba ist von beträchtlicher strategischer wird das Dementi damit begründet, daß man das Heer in Schantung überschritten. Aber fügt das Blatt ohne näheren Wichtigkeit für die durch die Sinai- Halbinsel nach dem Suezkanal Europa brauche, und weiter, daß seinerzeit Differenzen, die Beweis hinzu das Verhalten Chinas den Neutralitätsverlegungen marschierenden türkischen Truppen und die unter den Beduinen zwischen England und Italien bezüglich der Bucht von Solun und Deutschlands und Japans gegenüber ist leider bei weitem nicht gleichArabiens geworbenen Hilfskräfte. des Schmuggels über Aegypten nach Crenaika bestanden mäßig. haben, nicht zur Befriedigung von Italien gelöst Die Proteste Chinas hätten natürlich für Japan worden sind. feine ernste Bedeutung, wenn hinter China nicht die Vereinigten Staaten Nordamerikas ständen, Die englische Darstellung. London, 4. November.( W. T. B.) Die Admiralität teilt mit: Bei seiner Ankunft in taba an der türkisch- ägyptischen Grenze fand der Kreuzer Minerva" die Stadt von Soldaten besetzt, anscheinend bewaffnete Gingeborene unter einem deutschen Offizier. Minerva" bombardierte das Fort und die Truppen. Die Stadt wurde geräumt, worauf eine Truppenabteilung gelandet wurde, welche das Fort, die Kasernen, das Pojiamt und Speicher zerstörte. Der Feind erlitt einige Verluste, die Engländer dagegen hatten keine Verluste. Ein türkischer Angriff? Die militärische Lage in der Cyrenaika. Die an der Schwächung des japanischen Einfluffes Rom, 4. November.( T. 1.) Nach dem„ Corriere della Sera" auf dem Stillen Ozean start interessiert sind." hielt General Ameglio dem König Vortrag über die militärische Nach Mitteilungen in der russischen Presse soll China starfe Lage in der Cyrenaika. Diese sei keineswegs unbedentlich. Sträfte in Shantung angesammelt haben. Bezeichnend Die Wirkung der bisherigen militärischen Ecfolge werde dadurch ist ferner die Haltung der chinesischen Regierung dem jezigen Vers aufgehoben oder wenigstens abgeschwächt, daß die Askaribataillone, bündeten Japans, Rußland gegenüber. Einer Meldung aus Irkutst die infolge der Lage in Aethiopien abberufen worden seien, nicht zufolge, werden die Arbeiten der russisch- chinesisch mongodurch weiße Truppen ersetzt werden können. Nach dem Ein- lischen Kommission, der die Regelung der mongolischen treten der Türkei in den Krieg sei eine Aus- Frage übertragen worden ist, durch die Forderungen Chinas gehemmt, dehnung der islamitischen Bewegung auf die daß Rußland ihm hinsichtlich der vor zwei Jahren in den BannLondon, 4. November. Exchange Telegraph meldet aus Cyrenaita zu befür hten. Ameglio fordert die sofortige freis der russischen Eroberungspolitik gezogenen Mongolei KonKairo: Es verlautet gerüchtweise, die Türken sammelten Ridberufung der staribataillone, doch stehen dieser zeifionen mache. China ist bereit, der russischen Regierung als 100 000 Samele an der Grenze, um sie zu einem Vorstoß Schwierigkeiten entgegen. Die Lage in Abessinien sei noch un- Kompenſation dafür die Konzeffion für die Bahn Charbin durch die Wüste zu benutzen. Britische Kriegsflar. Außerdem könnte das türkische Vorgehen gegen Aegypten igun zu verleihen. Es ist aber unverkennbar, daß die chinesische fchiffe liegen bereit, um einen Angriff zu erwidern, falls den Suezkanal sperren. es den Türfen gelingen sollte, bis zum Suezkanal vorzuRegierung die schwierige Lage Rußlands im fernen Often ausnuten will, um dem Eroberungszug Rußlands in der Mongolei einen dringen. Damm zu setzen. Kriegsrecht in Aegypten. London, 3. November. Das Reutersche Bureau meldet aus Kairo vom 3. November: Der britische General Maxwell hat die militärische Kontrolle des Landes übernommen. Das Kriegsrecht wurde erklärt. Annexión Aegyptens. Verschiedene Blätter melden, daß deutsche Offiziere in den Beduinenlagern der Cyrenaita eingetroffen feien. Wenn auch ihre Aufgabe der Vormarsch gegen Aegypten sei, so sei doch die Anwesenheit dieser Deutichen auch für Italien gefährlich. Italienische Truppenfendungen. Hang, 4. November.( W. T. B.). Aus Paris wird über London berichtet, daß die italienische Regierung wegen der unruhigen Haltung der eingeborenen Bevölkerung in Tripolis die Entsendung einer Kavalleries und 3 weier Infanterie Wien, 4. November.( W. Z. B.) Die„ Neue Freie Presse" Brigaden nach dort beabsichtige. meldet aus Stonstantinopel: Dem Tanin" zufolge " haben die Engländer Aegypten anneftiert. Sie Vom südafrikanischen Kriegseruannten den Dafel des Khedive, den Prinzen Hussein Stia mil Pafcha, zum Generalgouverneur nnd seinen Sohn, den Bringen Stema I Eddin Bascha zum Obertommandanten. Schauplatze. Die Erhebung im Oranjefreistaat. " Die chinesische Presse. Die nächsten britischen Peking, 3. November.( W. T. B.) Die Exchange Telegraph Compagnie meldet unter dem 31. Oktober: Von morgen ab wird teine englische Beitung hier erscheinen, da die Deutfchen die Peling Gazette" angekauft haben. Organe werden in Tientsin erscheinen. Die Deutschen übernehmen zugleich die finanzielle Kontrolle über die gesamte chinesische Presse in Beling und besigen ferner ein ihnen die Kontrolle gebendes Finanzinteresse über die drei wichtigsten chinesischen Blätter in Tientsin. Die italienische Ministerkrise. Das Bombardement von Zioworojfijst. Rom, 4. November.( W. T. B.) Die Zeitungen bestätigten London, 3. November.( W. T. B.)„ Morning Post" meldet Carcano den Schatz und Orlando die Justiz überLondon, 4. November.( 28. T. B.) Der englische Vizefonful in aus Kapstadt: Die Gefahrenzone ist im nördlichen Teilnehmen werden, und daß die übrigen Minister ihre Porteheute morgen, daß Sonnino das Ministerium des Aeußern, Noworojjijo meldet, daß zwei türkische Kreuzer am des Dranjefreistaates, wo de Bet im Felde steht. Er feuilles behalten.„ Corriere d'Italia" sagt, viele unter den 30. Oftober den Hafen bombardierten. Der englische zwang tatsächlich Engländer dazu, sich seinem Kommando anzu bekanntesten radikalen Abgeordneten und selbst einige reformiert Dampfer Fribrifa" wurde in rand geschossen. Auch schließen. Da die Eisenbahnen bekanntgaben, daß sie die Güter- sozialistische Abgeordnete hätten versichert, daß die Anwesenheit Wagenfabriken und Strumpfwirkereien gerieten in Brand. Der beförderung nach dem Rand nur auf Gefahr des Absenders aus- Sonninos im Ministerium sie zu einer wohlwollenderen angerichtete Schaden beläuft sich auf vier Millionen. führten, beschloß das Schagamt infolge von Vorstellungen der Handels- Haltung auch im Parlament bewegen würde. - die Sorge um die Srot- versorgung. Amtlich wird gemeldet: Der Minister für Handel und Gewerbe und der Minister des Innern haben an die Oberpräsidenten einen Erlaß gerichtet, in dem eS heißt: „Wie wenig bisher die unter den heutigen Verhältnissen selbstverständliche Pflicht, mit dem täglichen Brot haus- zuhalten und nicht zu vergeuden, die ganze Lebensführung unseres Volkes beeinflußt hat, zeigt die Tatsache, daß an vielen Orlen, namentlich Norddeutschlands, auch heute noch in Gast- und Speisewirtschaften jeder Art den Gästen Brot und anderes Gebäck zum beliebigen Genuß zur Verfügung gestellt wird. Der Brotverbrauch der Gäste wird zwar in den Preisen der Speisen und Gelränke mitbezahlt. Diese Gepflogenheit ist aber geeignet, den verschwenderischen und gedankenlosen Verbrauch des Brotes zu fördern. Wird für das genossene Brot besondere Bezahlung verlangt, so wird ctn solcher überflüssiger Verbrauch des.Brotes bald eingeschränkt werden. DieS mag in der Menge wenig ausmachen� Es handelt sich aber jetzt darum, das Gebot, eine verständige Sparsamkeit mit dem Brote walten zu lassen, täglich möglichst weiten Kreisen der Bevölkerung in Erinnerung zu bringen. Dazu wird auch dieses Mittel beitragend Tie Durchführung der hier von den preußischen Ministern ge- gebenen Anregungen würde nicht viel anderes bedeuten als er- bcbliche Gewinne der Ga st Wirte auf Kosten ihrer Gäste, ohne daß tatsächlich eine„verständige Sparsamkeit" angeregt würde. Im übrigen darf auf die Ausführungen in dem Gutachten des Gen. Hetzschold verwiesen werden, die wir in anderem Zusammenhange weiter unten wiedergeben. » Wie bereits gestern kurz gemeldet, hat der preußische Handels- minister auch angeordnet, daß ein besonderes Weizenauszugs- m e h t bis zu 30 Prozent hergestellt werden dürfe. Diese Erlaubnis kommt der Herstellung feinerer Kuchen zugute, ist aber vom Stand- Punkt der gesamten Volksernährung nicht unbedenklich. Denn der für die Brotbäckerei zur Verfügung stehenden Gesamt- mane von Weizenmehl geht auf diese Weise das beste Korn- mehl verloren, was um so schwerer ins Gewicht fällt, als zu dem Weizenmehl schon ohnehin 10 Prozent Roggenmehl zu- gesetzt werden müssen. ES würde wohl angängig sein, wenigstens ein niedrigeres Maximum des WeizenmehlauSzugS festzusetzen. In jedem Falle würde eS sich empfehlen, daß der Bundesrat auch hier eingreift und die Regelung dieser Frage nicht den einzelstaatlichen Regierungen zuweist. « Ein beachtenswertes Gutachten zu der Lage der Brot- Versorgung ist dem Berliner„Nationalen Frauendienst" von dem Leiter der Berliner Organisatton der Bäcker und Konditoren, dem Genossen Hetzschold zugegangen. Die Geschäftsstelle deS „Nationalen Frauendienstes" hatte sich mit der Frage beschäftigt, welche Einschränkungen in der Herstellung von Backwaren vor- genommen werden könnten, um die Brotversorgunz des Volkes während deS Krieges zu erleichtern. Ehe sie aber der Bäcker- innung bestimmte Vorschläge unterbreitete, hatte sie den Wunsch, die Bäcker selbst, insbesondere auch die Gehilfen über die Wirkung aller Maßnahmen auf das Gewerbe und auf den BeschäftigungS- grab, zu hören. Hier hat nun Gcnofle Hetzschold folgendes erwidert: „... Die Einschränkung des Klein-WeißgebäckeS würde weder den Zweck der Ersparnis erreichen, noch würde diese Maßnahme volkswirtschaftlich von Nutzen sein, sondern müßte in dieser Richtung schädigend wirken. Der Zweck der Ersparnis wird um deswillen nicht erreicht, weil die Einschränkung des Kleingebäckes eine erweiterte Produktion des größeren Weißbrotes bedingt — deswegen bedingt, weil Kinder und Kranke, namentlich Magen- leidende, auf das Weißbrot nicht verzichten können und weil serner Wohlhabende und im Geschmack Verwöhnte(wie hoch der Preis auch immer sei) auf das Weizenbrot nicht verzichten werden. Daher vermehrter Konsum des Groß-WeizenbroteS. Kann der Verbrauch von Weizenbrot nicht auf ein bestimmtes Quantum für jede einzelne Person beschränkt werden— was kein vernünftiger Mensch verlangen wird— so ist, selbst ohne den Mehrverbrauch bei größerem Weizenbrot jede Einschränkung deS Kleiu-GebäckeS„ein Schlag ins Wasser"... Außerdem stände den Wohlhabenden und Besierfituierten(da für diese der Preis keine Rolle spielt) der Kuchenkonsum im auS- gedehnten Maße zur Verfügung. Die bessere Kuchenbäckerei erfordert bessere Weizenmehle, zu deren Erzeugung eine größere Verschwendung des WeizenkorneS bedingt ist. Die Kuchenbäckerei einzuschränken, ist praktisch kaum durchführbar; sie zu verbieten, würde ein schwerer volkswirtschaftlicher Fehler sein.... Bei Verbot oder Einschränkung des Klein-Weißgebäckes der Kuchen- und Konditorwaren würden— je nach dem Grade deS Ver» bots oder der Einschränkung— von den zirka 8000 in Groß-Berlin be« sibäfliglen Bäcker« und Konditorgehilfen mindestens 1000 bis sogar 2000 arbeitslos werden. WaS das für die Volkswirtschaft bedeutet, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, ist ja die Arbeitslosigkeit in unserem Gewerbe groß genug.... Im übrigen ist in der Sitzung des Reichsamts des Innern festgestellt worden. daß ö bis 10 Proz. besseren Roggenmehls zun, Weizenbrot, auch zum Kleingebäck, verwendet werden kann. Dasselbe sieht auch die BundesratSvcrordnung vor. Zunächst ist also Nervosität in dieser Beziehung nicht angebracht, weil sich vieles dabei durch sich selbst Von'iriteresfierter Seite wird auch jetzt der Versuch gemacht, der„Vergeudung und Verkrümelung" des Weißgebäckes auf den RestauralionStischen entgegenzutreten und eine Bezahlung der Brölchen durch die Gäste zu erwirken. Damit soll gleichfall» eine „Ersparnis" erzielt werden. Letztere würde allerdings nur für die Lokalinhaber eintreten. Daß jemand glauben könnte, daß jene,„die eS dazu haben", auf das Kauen und Verkrümeln deS Gebäckes auS Uebermut oder Langeweile verzichten würden, namentlich des Preises wegen, ist doch kaum anzunehmen. Es würde dies im Gegenteil eine nicht zu rechtfertigende Brolverteuerung für minderbemittelte arme Arbei- terinnen und Verkäuferinnen lein, denen ihre armselige Mittags- suppe verteuert, eventuell dadurch sogar ganz entzogen würde, wozu kein Menschenfreund seine Hand bieten wird. Nicht genug kann daher immer wieder gewarnt werden vor übereilten Schritten, die im Inland Erbitterung schaffen, im Ausland ein schiefes Bild über unsere Ernährungsmöglichkciten bieten. Falls zur Sicherung der Volksernährung weitere Schritte unternommen werden müssen, dann wird man in der organisierten Arbeiterschaft den besten' Bundesgenossen mit dem tiefsten Verständnis für des Volkes Wohlfahrt finden. Voraussetzung aber ist— und das scheint mir die wicht, gste Tagesförderung zu sein—. daß durch bedeutend- Herabsetzung dcr� jetzt viel zu doch bemessenen Höchstpreise für Getreide, sowie- schleunigste Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln der Rah- rungsmittelwucher gründlich verhindert wird. Politische Ueberflcht. Verhaftung eines freigesprochenen. Durch Wolffs Telegraphenbureau wird mitgeteilt: Vor einigen Tagen ging eine Nachricht durch die Presse, daß ein Russe niit Namen Konzew trotz begangener schwerer Ma- jestätsbeleidigung freigesprochen worden sei.(Es handelte sich, wie wir erläuternd bemerken möchten, um einen Fall, bei dem die Richter nach eingehender Beratung zu der Ueber- zeugung gekommen waren, daß die Beleidigungen ohne Ueber- legung erfolgt seien, was auf Grund der abgeänderten Maje- stätsbeleidigungsparagraphen die Freisprechung zur Folge haben mußte. D. R.) So erfreulich es ist, daß unsere Richter im Gegensatz zu denen der feindlichen Staaten das Recht ohne Ansehen der Person sprechen, so wurde doch durch die Frei- sprechung eine durchaus begreifliche Erregung im Volke er- zeugt. Daher hat, wie wir hören, das Oberkommando in den Marken eingegriffen und den Russen Konzew verhaften lassen. Außerdem ist vom Staatsanwalt gegen das Urteil Revision eingelegt._ Grundsätze für die Auszahlung der Familien« Unterstützungen. Ueber die Anwendung einzelner Bestimmungen der beiden Gesetze über die Familienunterstützungen und die Aufwands- entschädigungen an soldatenreiche Familien sind vielfach Zweifel hervorgetreten. Die Reichsregicrung hat daher soeben an die Bundesregierungen eine Zu- sammenstellung der aufgetauchten Fragen und ihre Stellungnahme dazu übermittelt. Im allgemeinen wird empfohlen, die Bedürfnisfrage bei der Gewährung der Familienunterstützungen wohl- wollend zu prüfen. Grundsätzlich soll kein Bedenken bestehen, die Unterstützungen auch dann zu bewilligen, wenn arbeitsfähige Angehörige infolge augenblicklicher Arbeitslosigkeit in eine vorübergehende Notlage geraten sind. Von den Angehörigen der vor dem Feinde stehenden Familien- Väter wird alles fernzuhalten sein, WaS nieder- drückende Empfindungen in ihnen auszulösen ge- eignet ist. Dazu zählt die in einzelnen Fällen bekannt ge- wordene Verweisung an die öffentliche Armenpflege, die nicht gebilligt werden kann. Im einzelnen seien folgende Grundsätze der Reichs- regicrung über zweifelhafte Fragen hervorgehoben: Anspruch auf Familienunterstützung haben vom l. Oktober ds. Js. ab die Familien derjenigen Mannschaften, die im Herbst d. I. ihre zwei- resp. dreijährige Dienstpflicht vollendet haben und nicht entlassen sind, ebenso die Familien der Mannschaften der Reserve, sobald diese in den Dienst eintreten. Anspruch auf Unterstützung haben auch die Familien der beim Kriegsausbruch einberufenen, im Ausland weilenden Mannschaften, die nicht mehr in die Heimat zurückkehren konnten, wenn sie als Kriegsgefangene fest- gehalten werden. Da die Wohltaten des Gesetzes den Familien solcher Mannschaften zuteil werden sollen, die in den Dienst eintreten, ist kein Unterschied zu machen, ob die Mannschaften auf Grund einer Einberufungsorder oder in- folge freiwilliger Meldung in den Dienst ein- treten. Anspruchsberechtigt sind auch die Familien der- jenigen Mannschaften, die noch nicht militärpflichtig sind oder noch keine endgültige Entscheidung über ihr Militärvcrhältnis haben, infolge der Mobilmachung aber zum Kriegsdienst eingezogen werden oder als Kriegs- freiwillige eintreten. Dagegen können die Angehörigen der- jenigen Militärpflichtigen nicht berücksichtigt werden, die bei der diesjährigen Friedensaushebung tauglich befunden und jetzt zur Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht herangezogen sind. Auch die Familien derjenigen Mannschaften, die nach den Bestimmungen der Wehrordnung als Freiwillige eintreten, haben keinen Anspruch auf Unterstützung, ebensowenig die Angehörigen von Kriegsfreiwilligen, die das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Wohl aber sind den Angehörigen solcher Kriegsfreiwilligen, die außerhalb jeden Militärverhält- nisses, wie die als dauernd untauglich Ausgemusterten, stehen und sich im wehrpflichtigen Alter befinden, Unterstützungen zu gewähren. Aufwandsentschädigungen an soldatenreiche Familien werden auch während des Krieges gezahlt, jedoch erhalten Familien der Mannschaften, die— der Reserve, Landwehr oder dem ausgebildeten Landsturm angehörig— erst infolge der Mobilmachung zum Heere einberufen werden, keine Aufwands- entschädigung. Ebensowenig begründet der Eintritt als Kriegs- steiwilliger einen Anspruch auf Aufwandsentschädigung. Das gleiche gilt bei der Einberufung eines unausgebildeten Landsturm- Pflichtigen oder eines Ersatzreservisten. Familien, deren An- spruch schon vor der Mobilmachung begründet war. erhalten auch während des Krieges die Entschädigung, weil der Sohn auch während des Krieges seine gesetzliche Dienstpflicht erfüllt. Auch die Familien der mit Meldeschein eingetretenen Frei- willigen sowie derjenigen Militärpflichtigen, die bei der dies- jährigen Friedensaushcbung tauglich befunden und vorläufig beurlaubt waren, inzwischen aber eingestellt sind, haben An- spruch auf Entschädigung._ Gegen den Kartoffelwucher. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, daß die ort- liche Festsetzung von Kartoffelpreisen nicht ihre volle Wirkung entfalten kann, da ja den Besitzern und Händlern die Möglichkeit bleibt, die Ware aus dem Bezirk herauszubringen und anderswo teurer zu verkaufen. Daß daneben auch andere Machenschaften möglich sind, um die Höchstpreise zu umgehen, beiveist eine Zuschrift an das„Berliner Tageblatt", in der es heißt: Die Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln ist an ver- schiedenen Orten durch die örtlichen Behörden erfolgt. ES zeigt sich nun mehrfach das Bestreben, diese Festsetzungen dadurch zu umgehen, daß für die Zuführung der Kartoffeln an den Käufer und die Benützung der erforderlichen Säcke ganz unVerhältnis- mäßige Entschädigungen gefordert werden. Es dürfte angebracht sein, dieser Umgehung der behördlichen Maßnahmen alsbald entgegenzuwirken. Die einzig wirksame Gegenmaßregel gegen derartige Praktiken dürfte, wie das„B. T." ganz richtig bemerkt, einzig in dem Erlaß allgemeiner Vorschriften über Höchstpreise für Kartoffeln bestehen, durch die zugleich auch die zulässigen Auf- schläge geregelt werden müßten. Gegen die Entziehung der Vorräte durch Wegbringen in andere Bezirke hat das Generalkommando des 10. Armeekorps(H a n n o v c r) aus militärischer Macht- Vollkommenheit heraus eine Maßnahme getroffen, die immer- hin beachtenswert ist. Es hat, einem Telegramm zufolge, alle Kartoffeln im Korpsbezirk mit Beschlag belegen lassen und den Versand n a'ch außer- halb untersagt. Ein solches Eingreifen der militärischen Behörden kann gewiß die Aktionen der Gemeinden unter- stützen; aber es handelt sich doch dabei um ein kompliziertes und nicht überall zu erwartendes Verfahren. Die Tatsache. daß in Hannover dazu gegriffen wurde, ist nur ein Beweis mehr dafür, wie nötig ein schnelles Eingreifen deS Reichs ist. • Ter Forderung nach Festsetzung von Höchstpreisen für Kar- toffeln schließt sich erfreulicherweise jetzt auch die„Tägl. Rund- schau" an. Nachdem sie die allzu späte Festsetzung der Höchstpreise für Getreide und Futtermittel bedauert, die Möglichkeit einer Herabsetzung der Höchstpreise durch die Landeszentralc begrüßt und die Befürchtung ausgesprochen hat. daß die Höhe der Futtermittel» preise zu einer Einschränkung der Viehzucht und danach zu einer Fleischknappheit führen werde, erklärt sie es für eine Unter» lassungssünde, daß der Bundesrat nicht auch für die Kar» toffeln Höchstpreise festgesetzt habe, obgleich er ja ausdrücklich anerkenne, daß die Kartoffel neben dem Getreide das Haupt» Nahrungsmittel bilde und nicht zu hohe Preise haben dürfe. Ter Verfasser des Artikels, Dr. Dieckmann, schließt seine Ausführungen wie folgt: Die ohnehin stark geschmälerten Untcrhaltsmittel weiter Volksschichten vertragen eine durch ungesunde Spekulationen be- wirkte Verteuerung wichtigster Nahrungsmittel nicht. Wir sind es unseren draußen heldenmütig kämpfenden Brüdern schuldig, daß wir die Nahrungssorgen mit allen Mitteln verscheuchen und daß wir ihren Angehörigen daheim den Lebensunterhalt möglichst er, träglich machen. Von solchen Gedanken ließ sich auch der Bundes- rat leiten, als er seine Verordnung erließ, die das Gemeinwohl bezwecken soll. Nur sollte baldigst Versäumtes nachgeholt und ganze Arbeit verrichtet werden. » DaL sozialdemokratische AgitationSkomitee für Hessen-Rassaü beschloß, auf die Genossen in den Gemeindevertretungen einzu- wirken, damit diese bei den Regierungspräsidenten in Wiesbaden und Kassel wegen Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln und Mehl vorstellig werden. Auch sollen in allen größeren Orten öffentliche Versammlungen abgehalten werden, um energische Maßnahmen gegen die Teuerung zu verlangen. Strenge Verfügungen im Elsaß. Eine Verordnung des stellvertretenden kommandierenden Ge» neral» in Straßburg für den Befehlsbereich des stellv. XV. Armee« korps lautet: Jede deutschfeindliche Kundgebung sowie jede Lerbreitung un« wahrer Nachrichten über den Krieg ist verboten. Wer sich einer deutschfeindlichen Kundgebung, sei es öffentlich oder nichtöffentlich, schuldig macht, ferner wer böswilliger- oder fahrlässigerweise unwahr« Nachrichten über den Krieg verbreitet, oder zur Zuwiderhandlung gegen da« erlassene Verbot auffordert oder anreizt, wird mit Gefängnis bi» zu einem Jahre bestraft. sofern nach den bestehenden Gesetzen nicht höher« Strafen be- stimmt find. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Reichstags-Dispositionen. Der Reichstag wird nicht bereits am 24. November, bi« zu welchem Zeitpunkt er vertagt ist, sondern vermutlich erst am 2. Dezember zusammentreten. Inzwischen wird die Regierung mit den Vertretern der Fraktionen in Verbindung treten, um eine Vereinbarung über das zu erledigende Arbeitspensum zu er- zielen. Man rechnet damit, daß der Reichstag nur drei Tage zusammenbleibt und dann wieder auf längere Zeit vertagt wird. Durch den im Sommer erfolgten Schluß der Session fiel da« reichlich vorhandene Arbeitsmaterial unter den Tisch. Alle Vor- lagen, auf deren Verabschiedung Wert gelegt wird, müssen nunmehr neu eingebracht werden, ebenso werden sich die Fraktionen darüber schlüssig machen müssen, welche Initiativanträge sie wieder einzu- bringen gedenken. Di« einzelnen RcichSämter werden dem Reichstag vorläufig umfangreichere Vorlagen nicht zugehen lassen. Nur da« dringend Notwendige soll zunächst erledigt werden. Profeffor v. Wencksteru gefalle«. Im Kampf gegen Frankreick, fiel, wie gemeldet wird, der BreSlauer Professor der Nationalökonomie v. Wenckstern, der. bevor er sich dem Studium widmete, eine militärische Laufbahn eingeschlagen hatte. Er trat besonders hervor durch seine lebhafte Flottenagitation sowie durch ein heute vergessenes Buch gegen Karl Marx._ Die amerikanischen Wahlen. Re« Dork, 4. November.