Nr. 306. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pa. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Beitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. 16 Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrgang. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplat, Mr. 151 90-151 97. Sonntag, den 8. November 1914. Tsingtau gefallen. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Ruffifche Kavallerie über die Warta geworfen. Ein zweiter englischer Kreuzer gefunken. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, 7. NovemAmtlich. Berlin, 7. November. Nach amtlicher Meldung des ReuterBureaus aus Tokio ist Tsingtan nach heldenhaftem Widerstand ber 1914, vormittags.( W. T. B.) am 7. November morgens ge= fallen. Nähere Einzelheiten fehlen ten auch gestern, besonders südwestlich Ypres, noch. Fortschritte. Ueber 1000 Franzosen wurden zu Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. Gefangenen gemacht und 3 Maschinengewehre Behncke. Unsere Angriffe in Richtung Ypres erbeutet. Troelstra und die Haltung der deutschen Sozialdemokratie. Genosse Troelstra, der Leiter der holländischen Sozialdemokratie, hat bekanntlich auf seiner Reise, die er kürzlich durch mach- Deutschland, Schweden und die Schweiz machte, auch Gelegenheit nach dem Fortbestand der sozialistischen Internationale zu genommen, mit bekannten deutschen Parteigenossen die Frage erörtern. Ueber seine Unterredung mit Genossen Haase haben wir bereits in Nr. 303 berichtet, jezt schreibt er über die Anfichten Karl Kautskys und Eduard Bernsteins im Amsterdamer Parteiblatt Het Volt": Französische Angriffe westlich Noyon sowie Kautskys Antwort auf meine Frage: Ist die Internationale tot? Tautete: Nein! Gewiß ist ihr zusammenhang Das Schicksal der Tapferen, die auf dem verlorenen Poften im fernen Osten gegen eine Uebermacht kämpften, hat sich erfüllt. Lange haben sie dem Ansturm der englisch auf die von uns genommenen Orte Bailly under geworden. Es sind Gegenfäge vorhanden, aber feine prinjapanischen Streitkräfte widerstanden, der Ausgang des Chavonne wurden unter schweren Verlusten für Kampfes war aber vorauszusehen. Als Ruhmestat können weder Japaner noch Engländer ihren Ueberfall in der Kriegsgeschichte buchen. Politisch wird Japan jekt in Ostasien noch anmaßender auftreten als bisher. Der Seekrieg. Keine deutschen Verluste an der chilenischen Küste. Rotterdam, 7. November.( W. T. B.) Zuverlässigen Nachrichten zufolge haben nach Aussage des deutschen Admirals in Balparaiso die deutschen Schiffe in dem Seegefecht an der chilenischen Rüfte teine Verluste erlitten. Nur wenige Leute find leicht verwundet. Die„ Good Hope" gesunken. den Feind abgewiesen. Der von uns eroberte und nur schwach besetzte Ort Soupir und der Westteil von Sapigneul, der dauernd unter schwerstem französischem Artilleriefeuer lag, mußten von uns geräumt werden. Bei Servon wurde der Feind abgewiesen, im Argonnerwald weiter zurückgedrängt. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz wurden drei russische Kavalleriedivisionen, die die Warta oberhalb Kolo überschritten hatten, geschlagen und über den Fluß zurückgeworfen. Im übrigen Oberste Heeresleitung. London, 6. November.( W. T. B.) Die Admiralität hat folkam es dort zu keinen Zusammenstößen. gende zuverlässige Nachrichten über den Seekampf an der chilenischen Küste erhalten: Am 1. November stießen die englischen Schiffe " Good Hope" und" Monmouth" auf die deutschen Kreuzer Scharnhorst"," Gneisenau"," Leipzig" und" Dresden". Beide Geschwader fuhren in südlicher Richtung bei starkem Winde und beträchtlichem Nachrichten aus Valparaiso und New York legen den Seegange. Das deutsche Geschwader wich dem Kampfe bis zum Schluß nahe, daß die Konzentration deutscher Schiffe auf Sonnenuntergange aus, wo das Licht ihm einen bedeutenden Vor- Grund von drahtlosen Nachrichten erfolgte, die sie von deutteil gewährte. Der Kampf dauerte eine Stunde. Auf der„ Good schen Spionen im Auslande erhalten hatten. Es wird gesagt, Hope" und der„ Monmouth" entstand zu Beginn des Kampfes es sei bekannt, daß die Deutschen in jedem südamerikanischen Feuer; aber die Schiffe tämpften weiter, bis es nahezu dunkel Hafen Spione haben, die auf drahtlosem Wege Nachrichten erwar. Da erfolgte die erste Explosion auf der„ Good halten, während das bei den Engländern nicht der Fall ist. Sope". Das Schiff tenterte. Die Monmouth" änderte Wenn das eine Erklärung unseres Unglücs ist, so würde ihren Kurs, schien aber nicht wegkommen zu können und wurde es ein schlechtes Licht auf unseren Nachrichtendienst sowie auf bon der Glas gom" geleitet, die während des ganzen Kampfes die maritimen Dispofitionen werfen, die notwendig von dem mit der„ Leipzig" und der„ Dresden" gefochten hatte. Nun näherte Nachrichtensystem abhängen. Die Nation wird stets einen sich der Feind wieder und beschädigte die Monmouth. unerwarteten Schlag ihrer Lieblingswaffe mit Ruhe und Die„ Glasgow" wurde ebenfalls unter das Feuer des Panzer- Selbstbeherrschung aufnehmen, aber sie wird darauf bestehen, freuzers genommen und zog ab. Nun griff der Feind wieder die daß alle Umstände, die ihn herbeiführten, aufs genaueste unterMonmouth" an, mit welchem Ergebnis, ist nicht sicher sucht werden. Der Schlag gegen die Schiffe des bekannt. Die„ Glasgow" ist nicht schwer beschädigt; weder Admirals Cradock und die Ausdehnung des Krieges Otranto" noch Canopus" haben am Kampfe durch den Anschluß der Türkei an unsere Feinde mögen dazu teilgenommen. Die Foreign offices" erhielt einen Bericht beitragen, die britische Nation zu einem lebhafteren Gefühl aus Valparaiso, daß ein Kriegsschiff an der Küste von Chile ihrer Verantwortung und ihrer Gefahren aufzurütteln. gestrandet sei. Es könnte die Monmouth" sein. Ener" " gische Maßregeln find ergriffen worden, um die etwaigen Ueber- Zur Stimmungsmache lebenden zu retten. Die Admiralität meint, daß die englischen Schiffe sehr tapfer gefochten hätten, aber die Uebermacht der zipieller Art. Keine der sozialistischen Parteien der Welt will ihren Zusammenhang mit der Internationale verlieren und feine Partei nimmt eine Haltung ein, die ihr Verbleiben in der Internationale unmöglich macht. Der Krieg hat das nationale Gefühl auch in breiten Schichten des Proletariats stark gewedt, aber feiner einzigen sozialistischen Partei artet das nationale Selbstbewußtsein aus; nirgends, soweit ich sehen fann, nimmt es Formen von nationalem Haß und nationaler Verachtung an; nirgends zeigt sich das Verlangen nach Vergewaltigung von fremden Nationen. Einzelne Parteigenossen mögen sich vergessen und unter dem Einfluß des furchtbaren Krieges die Grenzen überschritten haben, die durch die Internationale gezogen worden find; aber wir haben alle Ursache, anzunehmen, daß die sozialistischen Parteien überall mit solchen Entgleisungen nicht einverstanden sind. Am meisten scheint die Internationalität durch die Zustimmung zu den Kriegstrebiten gefährdet zu sein. Ich kann nicht untersuchen, ob diese Zustimmung überall angebracht und durch die Umstände gerechtfertigt war. Die Diskussion darüber kann erst nach dem Kriege in voller Freiheit und mit voller Sachkenntnis geführt werden; so viel aber kann man bereits sagen, daß die Zustimmung zu den Kriegskrediten nicht aus Gedankengängen heraus erfolgte, die mit den Grundsägen der Internationale unvereinbar find. Ueberall galt diese Zustimmung einzig der Abwehr und nirgends der Eroberung. Wir fönnen nicht wissen, was der Krieg noch bringt und wieweit er die nationalen Gegen sätze noch verschärft; aber wir haben alle Ursache, anzunehmen, daß der Höhepunkt der nationalistischen Aufregung über schritten ist. Die Friedenswünsche und die Friedenspropaganda werden die internationalen Beziehungen wieder verstärken und die sozialistischen Parteien der Internationale werden sich bemühen, gemeinschaftlich einen für alle Nationen heilsamen Frieden herbeizuführen, so daß nach dem Friedensschluß die Internationale wieder fräftig und geschlossen dasteht. Nach Kautsky erörterte Troelstra die Frage der Internationale mit Bernstein. Nach Troelstras Angaben führte Bernstein aus: „ Ich bin fest überzeugt, daß dieser Krieg bewirken wird, daß die internationale Arbeiterklasse verstärkt aus ihm hervorgeht. Hoffentlich sehr bald, sicher aber in nicht zu ferner Zukunft. Ohne Zweifel hat der Krieg uns manches Unangenehme gebracht, aber wenn man bedenkt, wie plöglich er gekommen ist, daß in der Sigung des Internationalen Sozialistischen Bureaus vom 29. Juli noch mit feinem Wort die Neutralität von Belgien erwähnt wurde, daß kein Mensch daran dachte, daß Belgien in den Krieg hineingezogen werden könnte, dann soll man aus dem Umstand, daß die Internationale den Krieg nicht verhindern konnte, lernen, wieviel Arbeit sie noch vor sich hat, und daß sie in der kommenden Zeit noch viel notwendiger sein wird als früher. Der Friedenswille der Völker soll aus diesem Kriege noch fräftiger zum Vorschein tommen, als er fich früher zeigte. Die Kämpfer der Internatio für japanische Truppenfendungen. nale der Arbeiter haben zu lernen und sollen lernen. Aber von Feinde war infolge der Abwesenheit des Canopus" zu beträchtlich. Der Korrespondent der Moskauer Zeitung„ Rußkoje Nach der deutschen Darstellung war die Monmouth" Slowo" drahtet aus Dalny, japanische Abgeordnete hätten ihm gesunken. Nun wird von englischer Seite amtlich das Kentern erklärt, die öffentliche Meinung Japans stehe der Absendung von der„ Good Hope" gemeldet. Somit scheinen beide Kreuzer gesunken zu sein. Die Wirkung des deutschen Seesieges in England. den Kämpfen für das Werk der Verbindung der Arbeiter aller Länder zu einem großen Bund für den Völkerfrieden und für die soziale Befreiung sollen sie nicht ablassen." japanischen Trupppen nach dem europäischen Kriegsschauplab sehr ihren Standpunkt in der Nationalitätenfrage und in der Auf den Einwurf Troelstras, ob die Sozialdemokraten günstig gegenüber. Japan müsse daran denken, wie stark die Konkurrrenz Deutschlands im Falle einer Niederlage des Drei- Frage der Volkswehr nicht geändert haben, antwortete Bernstein: berbandes sein würde und deshalb sei es unumgänglich, japanische Truppen nach Europa zu senden. Der Wunsch ist wohl hier der Vater des Gedankens. Die London, 7. November.( W. T. B.) Die ,, Times" schreibt: Die Abwesenheit der„ Canopus" ist, wenn sie tatsächlich ab- Lage im fernen Often ist keineswegs so, daß Japan sich wegen der wesend gewesen ist, um so bemerkenswerter, als sie, wie offi- schönen Augen Rußlands zu dem Abenteuer verleiten lassen könnte, ziell mitgeteilt wird, ausdrücklich ausgeschickt worden war, starte Truppenabteilungen auf die europäischen Schlachtfelder zu senden. um das britische Geschwader zu verstärken. Auch hier kann ich mit einem bestimmten ein antworten. Mir ist nicht bekannt geworden, daß dieser Krieg irgendein Argument gegen unsere bisherige Haltung zutage gefördert hätte. Er hat alles bestätigt, was wir bisher gesagt haben. Es hat fich gezeigt, daß es eine Illusion war, wenn man die Rüstungsfosten für eine Versicherungsprämie gegen den Krieg ansah, wodurch dem Staat die Kosten eines Krieges erspart würden.. Protest gegen Sie englische Noröseejperre. Kristiania, 7. November. Die Sperre der Nordsee durch Eng- IVtnd beschäftigt in steigendem.Grade die öffentliche Meinung in Norwegen:„M o r g e n b l a d e t" teilt mit, daß Norwegen, Däne- mark und Schweden in London gemeinsame Schritte zum Protest gegen diese Maßnahme unternommen haben, und fährt fort, gegen Englands Völkcrrechtsbruch aufs energischste Stellung zu nehmen. In seiner Morgennummer sagt das Blatt, das Seegefecht bei �armouth. wo deutsche Kreuzer quer durch das englische Minen- seid an Englands Küste gelangt seien und Granaten in den engli- schen Hafen hineingeworfen hätten, beweise, daß der Schutz durch die englischen Minenfelder etwas illusorisch geworden sei. Den Weg, den die deutschen Schiffe gegangen seien, wolle England in Fürsorge für die Neutralen auch deren Schiffe gehen lassen, die Gefahr liefen, von deutschen Granaten getroffen zu werden. NlS die russische Flotte ISOl vor der Doggerbank auf englische Fisch- dampfer geschossen hatte, schnaubte die englische Presse und das Volk vor Wut und die russische Flotte mutzte sich die Schmach ge» fallen lassen, von der englischen über den Atlantischen Ozean zwangsweise begleitet zu werden. Wenn man jetzt annehmen wollte, daß England, welches sich nach amtlichen Angaben aus- schließlich zum Schutze der Rechte eine? kleinen neutralen Landes in den Krieg gestürzt habe, RostdschestwenskyS Rolle in der Nord- sce spielen wolle, so würde dies bedeuten, daß England allen Respekt vor seinen eigenen stolzen Erinnerungen verloren hätte; da England nunmehr auch den Pentland-Firth und den Minch- Kanal als geschlossen erklärt habe, sei faktisch das neutrale Skan- dinavien von England vollkommen blockiert. Hätte Skandinavien 50 Unterseeboote, so wäre dieser Völkerrechtsbruch vielleicht nicht passiert. In seiner Abendnummer fährt„Morgenbladet" fort, es sei erfreulich, daß die Gesandten der drei skandinavischen König- reiche gemeinsam in London Protest eingelegt hätten. Am 5. Novem- ber habe die Sperre in Kraft treten sollen, aber die neutralen Länder hätten noch keine nähere Instruktionen erhalten. Vieles deute darauf hin, daß die englische Bekanntmachung übereilt sei. vom westlichen Kriegsschauplatz. Drei deutsche Jlugzeuge heruntergeschossen? Paris, 7. November.(Indirekt.)(Spezialtelegramm der Telegraphen-Union.) Nach hier eingetroffenen Nach- richten sind in den letzten Tagen drei deutsche Flugzeuge bei Souai heruntergeholt. Ein neuer Transport englischer Truppen. Zürich, 6. November.(T. U.) Eine amtliche Veröffent- lichung des englischen Generalstabes gibt, wie hierher gemeldet wird, bekannt, daß am l2. Oktober 8l> l)OV Mann in Calais, B o u l ogne und anderen Orten gelan- det worden seien. Der Bericht beklagt es, daß die Franzosen an der Lys keinerlei Verteidigungsarbeiten an- gelegt hätten. LFrkf. Ztg.".) Eine Million englischer Soldaten genügt nicht. London, 6. November.»M o r n i n g Post" schreibt in einem Leitartikel: ES ist zu hoffen, daß, wenn das Parlament zusammen- tritt, die Regierung in gewissem Grade den Schleier lüften wird, damit die Nation erkennen kann, wieviel in den letzten drei Monaten getan wurde und wieviel noch zu tun übrig bleibt. Noch wünschens« werter ist, daß die Führer der Nation in klarer Weise erklären, daß der Krieg eine Frage des Seins oder Nichtseins für England ist. Das ist der richtige Weg, jeden Mann heran» zubringen. Die deutsche Regierung bereitet diesen Krieg seit Jahren vor, die gesamte männliche Bevölkerung Deutschlands scheint unter Waffen zu stehen. Die Berechnung der Negierung war. daß Frank- reich zerschmettert und Rußland geschlagen würbe. Diese Berechnung wurde durch die Aktion Englands durchkreuzt. Aber seine Kriegs- erklärung ist nicht genug, sie ist nur ein Fetzen Papier und muß durch Englands Soldaten bekräftigt werden. Der Beweis ist nicht erbracht, daß eine Million Soldaten genug sein wird. 5ür öle allgemeine Wehrpflicht in Englanü. London, 6. November.(W. T. B.) Der Londoner Korre- spondent des Manchester Guardian" schreibt: Die Gerüchte über die allgemeine Wehrpflicht nehmen täglich mehr Gestalt an. Der Rückgang der Rekrutierung schuf eine Lage, die ein weitschauendes Kriegsamt berücksichtigen muß. Die Re- gierung hat jedoch, soweit ich erfahre, das Prinzip der all- genieinen Wehrpflicht nicht in Betracht gezogen, obwohl ein sehr starker Druck in dieser Richtung geübt wurde. Geplant wird ein Zwischending, um einen Druck auf die wehrfähige Bevölkerung auszuüben. vom österreichisch-rustisthen Kriegsschauplatz. die Lage„imveräitüert�. Wie», 7. November.(W. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart: 7. November. Die Lage auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz ist unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Hoefer, Generalmajor. vom österreichisch-serbischen Kriegsschauplatz. Erfolge gegen öle Serben. Wien, 7. November.(W. T. B.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 7. November. Die Angriffe gegen den hinter Astverhauen und Drahthindcr- nissen verschanzten Gegner im Räume Cer-Planina und südlich Schabatz schreiten langsam vorwärts. Gestern wurden die taktisch wichtigen Höhen von Misar genommen, hierbei 200 Gefangene gemacht. Im Einklänge niit dieser Operation begann auch gestern der Angriff gegen die sehr gut gewählten und ebenso her- gerichteten Stellungen bei Krippanj. Details können noch nicht verlautbart werden. Eine Reihe serbischer Schanzen wurden gestern mit bewundernswerter Tapferkeit im Sturni- angriff genonlinmen und hierbei zirka 1500 Gefangene gemacht, vier Geschütze und sechs Maschinengewehre erbeutet. Vorzüglicher Geist und Zustand unserer Truppen läßt gün- stigxs Fortschreiten auch dieser schwierigen Operation er- warten. der türkische Krieg. Nelüung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 6. November.(W. T. B.) Amtliche Mitteilung des Hauptquartiers. Gestern wurde bei der russischen Armee keine Bewegung bemerkt. Die Engländer landeten zum zweiten Male Truppen in Akaba, aber Gendarmen und eingeborene Stänime griffen sie an. Nachdem ein Offizier getötet worden war, warfen die Engländer ihre Munition fort und ergriffen die Flucht. Heute morgen bombardierte die russische Flotte zwei Stunden lang Songuldak und Kozlu im Schwarzen Meer. In Kozlu wurde der Dampfer„Nikea", mit 648 Tonnen Wasserverdrängung, welcher dem Griechen Arvanitidis gehörte, zum Sinken gebracht. In Songuldak wurden im französischen Viertel die französische Kirche, das fran- zösische Konsulat und zwei Häuser zerstört, sonst aber kein Schaden angerichtet. Die Truppenmacht an üer kaukasischen Grenze. Mailand, 7. November.(T. II.) Nach Berichten des„ E o r- riere della Sera" aus Petersburg stehen auf russischer Seite an der kaukasischen Grenze gewöhnlich drei Armeekorps von je zwei Infanterie-, einer Jäger- und einer Kapalleriedivision. Das Kam- mando zweier Korps ist in Tiflis, das de§ dritten Korps in Wladi- kawkaS. Das dritte kaukasische KorpS hat jedoch jüngst an der Weichsel mitgekämpft. Die Türken verfügen an der kaukasischen Grenze über drei Armeekorps von je drei Divisionen, dazu über 16 000— 20 000 Kurdenreiter. Man glaubt in Petersburg, daß die Türken wegen der vorgerückten Jahreszeit nicht über die hochgelegene kaukasische, sondern mit der Richtung Täbrii über die persische Grenze auf russisches Gebiet dringen werden. Der persische Gesandle in Petersburg bestreitet, daß ein Bündnis oder überhaupt ein Ab- kommen zwischen Perfien und der Türkei bestehe.(»Franks. Ztg.") vom süöaftikayjsthen Kriegs- schauplatze. Neue Ausammenstöße. London, 7. November.(W. T. B.) Aus Kapstadt meldet das Reutersche Bureau von heute: Ein Kommando der Aufständischen überschritt gestern nachmittag die Eisenbahn bei Bloemhof in Westtransvaal, wurde aber von Regierung?- truppen unter den Kommandanten Tclareh und Swatz a n g e- griffen. Letztere machten 5 Gefangene. Die Aufständischen überschritten spät abends den Vaalfluß nach dem Freistaat und wurden von dem Kommandanten Oberst Limmer verfolgt. Zur Erhebung in Süüasrita. Rotterdam, 6. November.(W. T. 58.) Ter„Nienwe Rotter- damsche Courant" veröffentlicht einen Brief seine? Korresponden- ten in Johannisburg vom 8. Oktober, in dem eS u. a. hxißt: Daß die Deutschen bei dem ersten Treffen 266 Mann gefangen nahmen, diente nicht dazu, die Begeisterung für den Krieg zu wecken. Nur langsam kommen Einzelheiten von dem Treffen bei Zand- fönte in, wo fast zwei volle Schwadronen des ersten Regiments berittener Kopfschützen und eine Abteilung der Transvaalischen reitenden Artillerie in die Hände der Deutschen fielen. Mittags war die Munition verschossen, die Stellung unhaltbar, die beiden Kanonen unbrauchbar gemacht. Die Engländer und Afrikander hißten die weiße Flagge. Oberst Grant fiel verwundet in die Hände der Deutschen, die erst unsere Toten begruben, dann die ihrigen und alle Verwundeten gut behyndelten. Zwei Schwa- dronen, die vom Hauptquartier zu Hilfe geschickt wurden, wurden von den Deutschen unter heftiges Maschinengewehrfeuer genommen und gaben den Versuch auf, nachdem sie einige Verluste erlitten hatten. Ties ist alles, was der Zensor durchließ. Zum Schluß heißt es in dem Brief: Wenn Botha das Oberkommando übernimmt und nach Windhuk vorrückt, wird die Zufuhr frischer Mann- schaften für seine Armee ein schwieriges Problem sein. Die letzte Reserve besteht aus Wehrfähigen von 45 bis 66 Jahren. Vorläufig will man es mit Freiwilligen versuchen. Wirtschaftliche Gründe erschweren die Lage. Botha hat bisher 2666 Freiwillige, 213 berittene Schützen und 1855 Infanteristen aufgerufen. Jetzt fängt an mit dem Aufruf berittener Kommandos an und hofft, 166 berittene Schützen zu erhalten, die Transvaal und der Oranje- staat aufbringen sollen. Das soziale Kriegsprogramm öer englischen /lrbeiter. Von unserem Londoner Korrespondenten. Der englische„Arbeiter-NotauSschuh", der zur Wahrung der sozialen Interessen der Arbeiter am?lnfang des Krieges gegründet wurde, hat in einer in London abgehaltenen vollbesuchten Tele- giertenkonferenz ein Aktionsprogramm vereinbart. ES ist ein Programm der in 14 großen Arbeiterkonserenzen in den größten Städten des Reiches verkündet werden soll. Die von der Konferenz angenommene Erklärung lautet wie folgt: Die Nation steht erst am Anfang einer Krise, die gründlich« und drastische Aktionen von feiten d.es Staates und der Munizipien erfordert. Eine kühne, weitreichende Aenderung, der sich die amt- liche Bureaukratie wahrscheinlich widersetzen wird, kann nur durch den starken Druck einer wohlorganisierten und wohlgeleiteten Volksagitation erreicht werden. Darum unterbreitet der Ausschuß in breiten Umrissen das Programm, welche? er angesichts der entweder bereits erstandenen oder sicherlich bald erstehenden Bedingungen für wesentlich hält. Wir fordern die gesamte sozialistische und Arbeiterbewegung auf, durch ihre nationalen und lokalen Organisationen diese For- derungen der Regierung aufzuzwingen vermittels einer unver- züglichen nationalen Kampagne, die sich in öffentlichen V e r- s a m m l u n g e n, in der Verteilung von Literatur, in der An- nähme von Resolutionen von sozialistischen, und Arbeiterorgani- sationen und in anderen wirksamen Wegen ausdrücken soll. Das Programm soll die folgenden Forderungen enthalten: „1. Vertretung der Arbeiter und Arbeiterinnen in allen im Zusamnrcnhang mit dem Kriege gegründeten nationalen und lokalen Ausschüssen ösfentlichen Eharakters. 2. Fürsorge sür die im Krieg verwundeten oder gefallenen Soldaten und ihre Angehörigen wie folgt: a) Bei gänzlicher Erwerbsunfähigkeit hat ein gemeiner Soldat ein Minimum von einem Pfund(26 M.) pro Woche für die Dauer der Erwerbsunfähigkeit zu erhalten, b) Bei teilweiser Erwerbsunfähigkeit ist der Verdienst, so- weit er unter das Minimum von einem Pfund fällt, aus den öffentlichen Fonds zu ergänzen. c) Renten für die Frauen und Hinterbliebenen der im Felde Gefallene» sollen nicht geringer sein als der gesamte— endgültig festzusetzende— FamilientrennungS-Zuschuß. den die Frauen der im Felde stehenden Soldaten erhalten. ck) Unverehelichte Gattinnen und Mütter sind als voll- berechtigte Hinterbliebene zu behandeln. tz e) Seeleute und ihre Hinterbliebenen sind in gleicher Weise wie Soldaten zu behandeln. k) Die Zahlung von Jnvalidiäts-, Erwerbsunfähigkeit?-, Hinterbliebenen- und Familientrennungsrenten hat durch den staatlichen Verwaltungsapparat bei Beseitigung der gegenwär- tigen Wohltätigkeitsorganisationen zu erfolgen. 3. Gründung kooperativer Armeekaatincn, um den Soldaten preiswerte Lebensmittel zu sichern. 4. a) Beschaffung von produktiver Arbeit bei Standardlöhnen für die Arbeitslosen. d) Wo die Arbeitsbeschaffung untunlich, ist Unterhalt zu gewähren, der die Aufrechterhaltung des Heims und alles zu einem gesunden Leben Notwendige sichert; die jetzt zwecks Ber- ringerung der Unterstützung so oft angewandten inquisitorischen Methoden müssen beseitigt werden. c) Gewerkschaften sind auS EtaatSgeldern in ge- nügendem Maße zu subventionieren, um ihre arbeitslosen Mit- glieder ohne Gefährdung ihrer sonstigen Hilfsquellen hinreichend unterstützen zu können. 5. Förderung und Entwickelung der heimischen Lebensmittel- Produktion durch die nationale Organisation der Landwirtschaft, bei drastischer Reduktion aller Lebensmittel- frachten. 6. Schutz des Volkes gegen übermäßige Preise, insbesondere von Lebensmitteln, durch die Festsetzung von Höchstpreisen und, wo ratsam, durch Requisition der Bedarfsartikel. 7. Nationale Mutterschaftsfürsorge durch die Grün- dung von Mutter- und Säuglingsheimen. Beschaffuug von Nahrungsmitteln für schwangere und stillende Mütter, eincS Arztes oder Hebamme bei Entbindungen und von häuslichen Hilfskräften für arbeitsunfähige Mütter. 3. Obligatorisch« Versorgung von Schulkindern mit Kleidung und Mahlzeiten dreimal täglich und alle Tage in der Woche. 9. Die Fortsetzung der(jetzt geübten) StaatSkontrolle der Eisenbahnen, Docks und ähnlichen Unternehmungen nach dem Kriege zum Zwecke einer besseren Organisation der Produktion und Verteilung." Zur Propagierung dieses Aktionsprogrammes sind fllr den 7. November Konferenzen in London, Bristol, Cardiff, Plymouth, Manchester, LeedS, Liverpool, JpSwich. Birmingham, Glasgow, Dundee, Newcastle, PortSmouth und Leicester anberaumt worden. weitere Vergeltungsmaßnahmen gegen Mslänöer. Nachdem als Vergeltungsmaßnahme gegen die Verhaf- tungen der Deutschen in England von unseren Behörden bereits angeordnet worden war, daß alle Engländer zwischen 17 und 55 Jahren in Ruhleben zu internieren seien, ist dieser Anordnung jetzt von dein Oberkommando in den Marken eine andere gefolgt, die auch gegen die An- gehörigen der anderen mit uns im Kriege be- findlichen Nationen strengere Maßnahmen trifft. Für diese Ausländer gelten danach die folgenden Vor- schriften: 1. Stete Mitführung eines PolizeiausweifeZ. 2. Täglich zweimalige persönliche Meldung auf der Polizei. 3. Verbot, den Polizeibezirk ihres Wohnsitzes(grundsätzlw- sind unter Polizeibezirk die Bezirke der selbständigen Polizeiver- waltungen zu verstehen) ohne Genehmigung der Polizei zu der- lassen.(Bekanntgabe der Grenzen deZ Polizeibezirks durch die Polizei.) 4. Verpflichtung, von 8 Uhr abend? bis 7 Uhr vormittags in der eigenen Wohnung zu bleiben. Diese Bestimmungen treten mit dem 16. November in Kraft. Ihre Durchführung soll durch eingehende Kontrolle der Polizei sowohl in den Wohnungen als auch auf der Straße und in Wirt- schaften erfolgen. Zuwiderhandelnde werden sofort verhastet und in militärische Sicherheitshast abgeführt. Es liegt auf der Hand, daß diese Anordnungen die da- von Betroffenen in ihren geschäftlichen und sonstigen Verrich- tungen schwer behindern. Die Zahl der nach R u h l e b e n gebrachten Engländer ist im Laufe der letzten Tage beträchtlich angewachsen. Zu den etwa 766 bis 866 aus Berlin übergeführten Personen kommen 1566 englische Staatsangehörige, die in zwei Sonderzügen aus Hamburg gebracht wurden. AuS dem Königreich 58ayern wird von der Festnahme von 146 Engländern berichtet, im Bezirk Frankfurt a. M. sollen etwa 366 und in Dresden 166 verhaftet worden fein.— Von einem Entgegenkommen Eng» lands, das den bei uns Inhaftierten die Freiheit wiedergeben würde, ist noch nichts zu vernehmen. Japan unö Amerika. Fraukfurt a. M., 7. November.