Nr.316a.- 31.Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Brets pränumerando: Bierteljährl 8,30 M., monatl. 1.10 M., wöchentlich 25 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pa. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost ZeitungsBreisliste Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerfichaftliche Vereine und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudie Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedrudte Borte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Donnerstag, den 19. November 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplay, Nr. 151 90-151 97. Erfolge beim Bordringen im Zentrum der Westfront. Kämpfe bei Lodz.- Russische Kavallerie über die ostpreußische Grenze geworfen. Westlicher Kriegsschauplah. Die Meldung des Großen Hauptquartiersici, bobon 380 575 000 fund Sterling für KriegsausAus den Kämpfen im Ober- Elsaß. Berlin, 18. November.( W. T. B.) Die„ Agence Savas" berbreitet eine Meldung, nach der das Württembergische Landwehrregiment Nr. 123 in Gebweiler sich der Brandstiftung schuldig gemacht haben soll. Dabei sei gelegentlich einer Meu terei ein Soldat von seinem Vorgesezten erschossen worden. Amtlich. Großes Hauptquartier, 18. NoDember, vormittags.( W. T. B.) Die Kämpfe in Westflandern dauern fort. Die Lage ist im wesentlichen unverändert. Im Argonnenwalde wurde unser Angriff Demgegenüber ist amtlich festgestellt: Das Württembergische Landwehrregiment Nr. 123 hat am 25. Oftober erfolgreich vorgetragen. Französische Angriffe durch unsere Artillerie Häuser in der Ortschaft Sengern in südlich Verdun wurden abgewiesen; ein Angriff Brand geschossen und Häuser, aus denen geschoffen wurde, gegen unsere bei St. Mihiel auf das weftliche angezündet. Alle anderen Darlegungen über Vorkommnisse Maasufer geschobenen Kräfte brach nach aninnerhalb des Regiments sind erlogen. einen Angriff unternommen. Bei diesem Angriff wurden Der Sturmangriff der Garde bei Ypern. fänglichem Erfolg gänzlich zusammen. Unser Angriff südöstlich Ciren veranlaßte London, 18. November.( T. 11.)( Indirekt.) Das englische 339 gaben bestimmt seien. Er schlug eine Erhöhung der Einkommensteuer bor, die tatsächlich einer Verdoppelung nahekommt und 12% Millionen Pfund Sterling mehr einbringen soll. Ferner beantragte er eine höhere Belastung des Bieres und eine besonder Be= steuerung des Tees in Höhe von drei Pence das Pfund sowie die Beschränkung der Abzahlung an den Tilgungsfonds. Außerdem müßten 321 325 000 Pfund Sterling aufgebracht werden. Schazkanzler Lloyd George schlug die Ausgabe einer Anleihe von 350 Millionen Pfund Sterling 3% prozentiger Rente zum Kurse von 95 Bros. bor, die im Jahre 1928 zu Pari einlösbar ist. Er teilte dabei mit, daß die Regierung bereits ein Angebot zur Uebernahme bon 100 Millionen Pfund empfangen hat. Das Unt rhaus nahm die gesamten Vorschläge der Regierung an. offizielle Preſſebureau beschreibt den Angriff der preußischen Garde die Franzosen, einen Teil ihrer Stellungen auf- Ein Angriff auf Genossen Keir Hardie. mit: Obwohl dieſer ſtarke Angriff der Gardetruppen mißlungen zugeben. Schloß Chatillon wurde von unseren Zur Behandlung der Kriegsgefangenen. bei pern am 11. November auf die englischen Truppen und teilt ist, ist noch feine Entscheidung herbeigeführt. Vielleicht erreichten die Versuche zur Einnahme von pcrn damit ihren Gipfel, vielleicht bildete dieser Angriff aber auch den Schluß der zweiten Serie von Angriffen auf diesen Punkt. Weiter wird dann noch der uner. schrockene Mut, mit dem die Deutschen gegen den Feuerhagel anstürmten, warm gerühmt. Vom österreichisch- russischen Kriegsschauplatz. Eine Schlacht in Russisch- Polen. London, 17. November.( W. T. B.) Unterhaus. Der Liberale Jones lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf gewisse Truppen im Sturm genommen. In Polen haben sich in der Gegend nördlich vom Arbeiterführer Seir Sardie gemachte Angriffe auf Lodz neue Kämpfe entsponnen, deren Entschei- ben König und die der britischen Nation verbündeten Völker. Keir dung noch aussteht. Südöstlich Soldau wurde der Feind zum Rückzug auf Mlawa gezwungen. Auf dem äußersten Nordflügel ist starke russische Kavallerie am 16. und 17. geschlagen und über Pillkallen zurückgeworfen worden. Oberste Heeresleitung. Bergewaltigung von Frauen war immer eine Begleiterscheinung hardie habe in Zeitungsartikeln beispielsweise geschrieben: Die des Krieges. Sogar die„ Times" und andere Blätter, die sich ihrer Berantwortlichkeit bewußt sind, haben beträchtliche Beſtürzung über das gezeigt, was in heimischen Truppenlagern borging. In einem anderen Artikel heißt es, es bestehe tein Zweifel, daß beim Einbruch der Deutschen in Belgien Greise, Frauen und Kinder getötet und verstümmelt worden sind. Kann aber jemand behaupten, daß sich diefelben Sachen nicht auch in den von den Verbündeten wieder eroberten Städten und Dörfern ereignet haben? Jones führte weiter aus, daß seit Erscheinen dieser Artikel die Ergebnisse der aß ſeit G Wien, 18, November.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Operationen der Verbündeten zwangen die rassischen Hauptkräfte in Russisch- Polen zur Schlacht, die sich an der ganzen Front unter günstigen Bedingungen entwidelte. Eine unserer Kampfgruppen machte gestern über 3000 Gefangene. griffen, um zu verhindern, daß wirklich für neutrale Länder be- Rekrutierung in Südwales beträchtlich zurüdgegangen seien. Weiter Gegenüber diesen großen Kämpfen hat das Vorbringen russtimmte Dele, Essenzen und Kupfer getroffen würden. sischer Kräfte gegen die Karpathen nur untergeord: Asquith erörterte sodann die Frage der Minen in der nete Bedeutung. Beim Debouchieren aus Grybow wurde starke Nordsee und zählte wiederum die Beweggründe auf, die zu der Kavallerie durch überraschendes Feuer unserer Batterien zersprengt. Der Stellvertreter des Generalstabes: von Hoefer, Generalmajor. Offenbar entspricht diese Schlacht in Russisch- Polen, von der der österreichische Generalstab berichtet, den Kämpfen bei Lodz, von denen in der Meldung der deutschen Obersten Heeresleitung die Rede ist. Vom österreichisch- serbischen Kriegsschauplah. Verfolgungsgefechte in Serbien. Wien, 18. November.( W. T. B.) Vom südlichen Kriegs. schauplab wird amtlich gemeldet: Auf dem südöstlichen KriegsIchauplaze mehrfache größere Stämpfe an den zerstörten Kolu baraibergängen. Eigene Kräfte bereits am jenseitigen Ufer. Am 16. November wurden 1400 Gefangene gemacht, viel Kriegsmaterial erbeutet. habe Keir Hardie geschrieben, russische Zeitungen spotteten über England und sagten, Rußland werde bei der Schlußabrechnung einen größeren Anteil bekommen, weil es größere Opfer gebracht Entscheidung der Regierung geführt hätten. Er behauptete, es be habe. Was Belgien betrifft, so habe England über Neutralität gut stehe, ein Gegensatz zwischen dem Verhalten Deutschlands, das den Vorschriften der Haager Konvention betreffend die Intereffen der reben. Wenn es der englischen Regierung aber gepaßt hätte, die Neutralen keine Rechnung trüge, und dem Berhalten Englands, das belgische Neutralität zu zertreten, so würde sie es getan haben, dedie Abmachungen gewissenhaft beobachte. Deutschland hätte die rade so, wie sie Rußland dasselbe in Persien tun ließ. Keir Hardie Saager Konvention von 1907, die es ratifiziert habe, verlegt, denn habe über den Patriotismus, indischer Fürsten gespottet, die deuterstens würden die Minen nicht derart gelegt, daß sie unschädlich liche Winke von England erhalten hätten. Ferner habe er gewären, sobald sie sich losrissen, und zweitens würden keine Vormenen. McKenna erklärte, es seien in England 14 500 Untertanen feindlicher Staaten interniert, ohne Ginbeziehung der Kriegsgefangenen und der auf den Schiffen Festgenom Wenn man diese Ziffer mit der Anzahl der polizeilich registrierten Deutschen und Desterreicher vergleiche, gelange man zu dem Ergebnis, daß sich noch 29 000 auf freiem Fuße befinden. Auf eine Anfrage wegen der Sohlenwerte in dem Vereinigten Königreich, die irgendwie unter Kontrolle feindlicher Untertanen gestanden haben und noch stehen, antwortete McKenna, alle diese Unternehmungen seien gründlich geprüft und die nötigen Vorfichtsmaßregeln von den Militärbehörden und der Polizei ergriffen worden; niemand stünde gegenwärtig unter solcher Stontrolle. fichtsmaßregeln zur Sicherheit der friedlichen Schiffahrt ergriffen. äußert, die Verbündeten fämen nicht vorwärts. Sie hätten eine Asquith fuhr fort: Die letzten Minen werden von Deutsch- Lügenfabrik eröffnet, wo Geschichten über deutsche Greuel auf Beland nicht dauernd überwacht. Nichts ist getan worden, ftellung verfertigt würden. Und schließlich habe Keir Hardie von um der Schiffahrt die Gefahrzone mitzuteilen. Infolgedessen König Georg als unserem föniglichen Ofenhoder gesprochen, wähgeht eine Anzahl neutraler und britischer Fischerboote und Kauf- rend er hervorgehoben habe, daß Kaiser Wilhelm wie ein Soldat die fahrer verloren. Vicle Untertanen neutraler Staaten und Nichts fombattanten famen ums Leben. England enthielt sich während Gefahren an der Front teile. der letzten zwei Monate des Krieges absichtlich vollständig, Minen außerhalb der territorialen Gewässer zu gebrauchen, war aber schließlich gezwungen, Maßregeln zu ergreifen, als Antwort auf das deutsche Minenlegen und die Bewegungen der deutschen Unterſeeboote. Es beschloß daher, in dem jüdichen Teile der Nordsee ein Minenfeld anzulegen, um die Eingänge des Kanal zu verteidigen. Sierbon wurde gemäß den Bestimmungen der Haager Stonvention den Interessenten Mitteilung gemacht, ebenso wurde die Zugänge zu der englischen Küste und nach neutralen Ländern, so weit es in der Macht der englischen Flotte war, sicher gemacht; obwohl die Veränderungen der gewöhnlichen Fahrstraßen einige Unannehmlichkeiten und einige Verzögerung für die Schiffahrt verur sacht, fönnen diese angesichts der Umstände nicht als sehr bedeutend betrachtet werden. Die britische Regierung weiß sehr wohl, daß in den neutralen Ländern eine lebhafte Unruhe hierüber herrscht, den wird, und vertraut darauf. daß die öffentliche Meinung der neutralen Länder in feiner Hinsicht gejtört werde, immer voraus Londen, 17. November.( W. T. B.) Unterhaus. Ein Ab. gejezt, daß die britischen Lebensinteressen im Verlaufe des gegen geordneter ersuchte um genaue Aufflärung über die Politit, die die wärtigen Konflikts en sprechend sichergestellt sind. Die Politik der Regierung bei der Erklärung von Oelen und Kupfer als Regierung verfolgt weder das Ziel, den britischen Handel zu fördern, Ronterbande verfolgt habe. Premierminister Asquith ant- noch den neutralen Handel zu schädigen, sondern ausschließlid wortete: Die britische Regierung hat aus verläglicher Quelle er- den Feind zu verhindern, Güter zu empfangen, die seine Macht fahren, daß Dele, Kupfer und gewisse andere Stoffe, die unter den während des Krieges gegen die Streitkräfte Englands und seiner gegenwärtigen Umständen in Deutschland und Desterreich eingeführt Verbündeten stärken könnten. werden können, dort sicher ausschließlich zu militärischen Zweden verwendet werden. Die britische Regierung hielt es deshalb für gut, Premierminister Asquith über Kriegskontrebande und Nordseeminen. Das Unterhaus bewilligt 10% Milliarden aber sie ist überzeugt, daß die Politik vollkommen verstanden wer- Es ist sehr schwierig, feitzustellen, ob die Gefühle der einzelnen Mark. Schazkanzler Lloyd George legte die Finanzlage diese Artikel der Liste der als unbedingte Sonterbande geltenden ausführlich dar und sagte, daß für den Zeitraum bis zum 31. März Gegenstände hinzuzufügen. Alle möglichen Maßregeln wurden er- 11915 eine Summe von 535 Millionen Pfund Sterling erforderlich Auf die Anfragen der Abgeordneten King und Roberts, dje fich für eine mildere Behandlung der Elsässer, Solsteiner, öfterreichischer Staliener und Ungarn einsetzten, erwiderte McKenna: freundlich oder anders find, aber foweit als möglich werden Perfonen, die Nationalitäten angehören, welche den Verbündeten freundlich gesinnt sind, von der Internierung ausgenommen und es wird ihnen jede mit dem Gesez zu vereinbarende Rücksicht gewährt. Mckenna bedauerte, daß die Umstände des gegenwärtigen Krieges die Ansicht nicht rechtfertigen, daß die Ungarn als im allgemeinen freundlich gesinnt betrachtet werden könnten. Bezüglich der Einschränkungen in der Beleuchtung onbons erklärte der Minister, die von der Admiralität vorgeschla genen Verfügungen würden bereits milder gehandhabt, die Geschäfte dürften bis 6 Uhr abends hell erleuchtet sein. Der Minister erklärte sich bereit, weitere Erleichterungen eintreten zu lassen, sobald die Admiralität diese mit der Sicherheit vereinbar finde. Konstantinopel und Sie Dardanellen. Konstantinopel ist der Brückenkopf der schmalen Meerenge, die dos Mittelländische mit dem Schwarzen Meer verbindet. Die ersten militärischen Operationen gegen die Türkei richten sich gegen die Dardanellen, die aus dem Aegäischen Meere, dein sich zwischen Griechenland und Kleinasien erstreckenden Teil des Mittelländischen Meeres, in das Marmarameer und durch den Bosporus, eine andere Meerenge, in das Schwarze Meer führen. Aus ihrer Lage am Bosporus erklärt sich die gewaltige militärische, politische und kommerzielle Bedeutung der türki- scheu Hauptstadt. Sie liegt an den wichtigen Wegen, die nach Südost-Europa, Kaukasien, Transkaukasien und Nordanatolien führen. In das Schwarze Meer münden Flüsse, die für den zsntral-europäischcn Binnenverkehr von ungeheurer Bedeutung sind. Die von Regensburg an schiffbare Donau, um die sich die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie gruppieren, nach deren Unterlaus Serbien, Bulgarien, Rumänien gravitieren, mündet in das schwarze Meer. Ebenso der Tnjepr, die wich- tigste Wasserstraste des südwestlichen Rußlands, längst deren sich schon in früher Zeit der Handel nach dem Norden bis an die Tünamündung in die Ostsee vorwagte. In einem Teil des Schwarzen Meeres, in das Asowsche Meer, mündet der Ton, in dessen Gebiet der bekannte russische Staatsmann Witte mit allen Mitteln des neuen Merkantilismus eine hochentwickelte Eisenindustrie in verblüffend kurzer Zeit in das Leben gerufen hati der Don ist mit dem größten europäischen Strom, der Wolga, verbunden, die ihre Fluten in das Kaspische Meer wälzt. Bei dem Mangel an Eisenbohnen bietet das Schwarze Meer noch immer den kürzesten Zugang zu der gewaltigen südöstlichen Grenzscheide Europas und Asiens, dem Kaukasus, und zu Ar- menien, dem festungsartigen Hochland, das strategisch alles Land von Kleinasien bis an den persischen Golf beherrscht. Wer Konstantinopel besitzt, beherrscht das östliche Mittel- meerbecken und das Schwarze Meer. Tie günstige Lage der Stadt bewog Konstantin, der als erster christlicher Kaiser gilt, im Jahre 330 nach Christi seine Residenz aus Rom nach Bhzanz zu verlegen, das nach seinem kaiserlichen Förderer, Konstan- tinopcl, Stadt des Konstantin, genannt wurde. Im Mittel- alter war es der Sitz der griechischen 5paiser und eine Haupt- stütze des italienischen Orienthandels. In der Mitte des ' la. Jahrhunderts Wurde es von dem aus den sibirischen und turanischen Ebenen hervorgebrachten Nomadenstamm der Türken erobert, die bald die christliche Welt mit dem Schrecken ihres Namens erfüllten. Die Balkanhalbinsel, die Donau- länder einschließlich Ungarn, das Schwarze Meer mit seinem ganzen Küstengebiet fielen in ihre Hände. Das Jahr 1683 bedeutet endlich eine Wende. Vor den Toren des von chnen hart bedrängten Wiens erlitten die Türken eine schwere Niederlage. Kaiserliche Truppen holten den Halbmond von der Osener Burg nieder und drangen in fast ununterbroche- nem Siegeslauf bis tief nach Serbien vor. Nirgends hielt die lose Heeresorganisation und veraltete Taktik der Türken dem wohleinexerzierten Berufsheer des Kaisers stand, das von Feldherren wie dem Prinzen Eugen geführt wurde. In der Abwehr des Islams fand sich Oesterreich-Ungarn, das damals sein heroisches Zeitalter erlebte. Bis an dos Ende des 18. Jahrhunderts blieb der Kampf gegen die Türkei eine respektierte Tradition der österreichischen Politik. Um diese Zeit tritt ein radikaler Umschwung em: die Erhaltung der Türkei wurde Glaubenssatz. Das war natürlich keine bloße Kaprice eines Diplomaten. der sich in Gegensätzen zu bewegen liebt. In seinem Vor- marsch auf Konstantinopel erwuchs Oesterreich em starker Konkurrent, gegen den es sich mit dem Sultan zu gemein- samer Abwehr verbündete. � r. Schon unzählige Male ist Rußland eine großartige Welt- wirtschaftliche Zukunft prophezeit worden. Man sagt ihm ungeheuere Mineralschätze nach und bemerkt, daß seine Be- völkerung von fast 17V Millionen Menschen einen ungeheueren Markt bietet. Das ist aber mehr Hoffnung als Erfüllung. Tie großen Schätze, die die russische Erde birgt, werden ins Phantastische übertrieben, die z. B. in Ural sehr grotze Ent- 1 Ostdeutschlands Sturmtage. in. Soltmu. Was man jetzt so„Bahnhof" nennt! Daß mall in dieser Zeit kein Handgepäck abgeben, nicht auf jedem Bahnhof telegraphieren. im Wartesaal nichts zu effen noch zu trinken haben kann, das ist eben der Krieg! Aber weshalb mag auf dem Bahnhof Soldan sogar die Halle der Bedürfnisse vernagelt worden seini Ganz gleich, aus welchem Grunde— die Folgen lassen sich erraten.... Im Orte steht alles in höchster Gefechtsbereist chaff.... „Soldau ist geräumt! Das Betreten verboten!"... Das Nislio der Gefahr muhte ich auf meine Kappe nehmen. Beim Gang durch Soldau bekam ich zum ersten Male das Ge- fühl, das mich die folgenden Tage noch oft beschlich: daß jene Recht haben, die da sagen, nur wer dies da gesehen hat, könne es fassen, glauben, begreifen. Wir alle haben Brandrumcn ge,ehen. der und jener sah vielleicht schon ganze Ortschaften vom Feuer zerstört. Aber dies hier—' das ist eben Frcuer und Bombardement: ein Ozean von Steinen und Geröll, wie ihn denn doch wohl kein Einsturz, kein Brand zusammendringt. Ganz abgesehen davon, daß wir Menschen zudem, besonders wir Sozialdemokraten, ele- mentare Katastrophen schließlich doch noch mit ganz anderen Augen und Gefühlen besehen, als diese grausigen Kriegszerstörungen. Mein freundlicher Führer zeigte mir nicht bloß, er berichtete auch: 5000 Einwohner hatte Soldau vor dem Kriege; zetzt— nach der zweiten Flucht vor den Russen— leben sie in der Umgegend herum, die bedauernswerten Menschen; bisher hat man ste mit Liebesgaben gefüttert, aber nun ist's damit zu Ende, und tvaS werden soll, weiß kein Mensch. Dann aber das Allerscheutzlichste: Tie Russen plündern— schließlich sind sie dann ja in Feindes- land. Wer aber kann Plünderung und Plünderung, Plünderer und Plünderer auseinanderhalten, wenn in Soldau bis zum 9. Ndvember einschließlich aus den verlassenen, aus den demolierten Säusern tagtäglich alles Mögliche herausgestohlen wurde, wo doch die Russen nicht mehr oder noch nicht wieder im Orte waren, und das Städtchen jetzt von unseren eigenen Truppen stark besetzt lag. Die paar Soldauer, die ich sprach, haben sich über diese Vor- kommnisse und über das Diebsgesindel, von dem Gendarmerie und Soldaten einiges abfaßten, sehr bitter geäußert. Ich werde mich wohl hüten, ihre Worte wiederzugeben. Mit einem Rundblick über den von gänzlich niedergebrannten und zerschossenen Häusern umsäumten Marktplatz nahm ich trauri- gen Abschied, nicht ohne noch einmal das Auge auf jenes hohe Haus links hinten geworfen zu haben, das der Eigner inmitten des Kriegslärms und zwischen der ersten und der zweiten Flucht hatte richten lassen--- der Kranz schwebte noch immer unversehrt und hoffnungsgrün- am Dachbalken. Und was das Allermerk» würdigste war: die Kanonaden der letzte» Tage, die wieder jo viel fernung zwischen den Kohlenlagern und Eisenerzen wird der- gessen, die Tauer der intensiven EntWickelung des inner- russischen Marktes unterschätzt und besonders die— ungünstige geographische Lage Rußlands übersehen. Rußland hat keinen freien Zugang zum Weltmeer. Allerdings existiert der Schiffahrtsweg von Archangelsk, an der Dwinamündung ins Weiße Meer, einem Teil des nördlichen Eismeeres, um das Nordkap in den Atlantischen Ozean. Doch ist dieser regelmäßig nur von Mai bis Oktober passierbar. Darum bemüht sich jetzt die russische Regierung, niit starken, in Kanada gekauften Eisbrechern die Einfuhr von Kriegsmaterial zu sichern. Einmal schien Rußland schon am Ziele seiner Wünsche. Peter der Große, von dessen Regierung an man �Rußland zu den europäischen Großmächten rechnet, zwang Schweden in einem zwanzigjährigen Kriege zur Abtretung von Lifland, Estland, Jngermannland und einem Teil von Finnland. Zur dauernden Erinnerung gründete er an der Mündung der Newa, in dem Finnischen Meerbusen, im Jahre 17V3 Petersburg. Solange Teutschland politisch zersptittert, militärisch ohnmächtig war, boten die russischen Ostseehäfen einen un- kontrollierten Zugang zum Atlantischen Ozean. Aber heute darf sich kein russischer Panzer über die schützende Minen- sperre wagen, kein russisches Handelsschiff seine Flagge zeigen, kein Dampfer mit Kriegsmaterial passieren. T i e Ostfee i st ein deutsches Meer. . Gleichzeitig mit dem Bestreben, an der Ostsee festen Fuß zu fassen, gingen die Bemühungen, Süd- und Zentralrußland einen Hofen zu geben. Ter Krieg Peter des Großen gegen die Türkei verlief unglücklich. Aber einer Zarin, der Kaiserin Katharina II., einer deutschen Prinzessin aus dem Hause Holstein-Gottord, blieb die Ausführung seines Testamentes vorbehalten. Sie eroberte den nördlichen Teil des Schwarzen Meeres. Von Peter dem Großen bis auf unsere Tage gilt der Kampf gegen den Türken, der ein Kampf um das Schwarze Meer und dessen Schlüssel, den Bosporus und die Tarda- nellcn, ist, als Leitmotiv der russischen Politik. Nicht weniger als vier große Kriege führte Rußland im 19. Jahrhundert gegen die Türkei. Seine Truppen drangen bis vor die Tore Konstantinopels. Aber der Erfolg entsprach nicht den Opfern. Oesterreich fürchtete das Andreaskreuz auf der Hagia Sofia, die Umklammerung durch Rußland im Norden, Osten und isüdosten. Engtand sah in Rußland bis in das 20. Jahr- hundert den gefährlichen Konkurrenten in Asien. Erst der russisch-japanische Krieg belehrte es eines Besseren und über- zeugte die englischen Staatsmänner, daß eine Eroberung Indiens durch Rußland eine politische Unmöglichkeit ist. Da- mit änderte sich die englische Politik gegenüber Rußland. Jahrzehntelang war sie von der Furcht bestimmt, daß Kon- stantinopel in russische Hände komme und einer gegen den Suezkanal operierenden Flotte als Basis dienen werde. Seit- dem da§_ Prinzip:„der Balkan den Balkanvölkern" eine Selbswerständlichkeit geworden ist, fällt auch dieser Anlaß zu einer ontirussischen Politik Englands weg. Aber im Jahre 1854 war seine Russenfurcht so groß, daß es, als Nikolaus I. die Türkei unier nichtigen Vorwänden angriff, im Verein mit Frankreich eine Flotte nach der Halbinsel Krim entsandte, welche die russische Flotte zerstörte, ein Heer landete und Sewastopol zur Uebergabe zwang. Der Krimkrieg endete 1836 mit einer eklatanten Niederlage Rußlands. Tieselbe Haltung nahm England nach dem letzten russischen-türkischen Krieg 1877/78 ein. der zur faktischen Vernichtung der euro- väischen Türkei führte. Oesterreich-Ungarn und England er- hoben Protest, und auf dem Berliner Kongreß mußte sich Rußland zu bedeutend milderen Friedcnsbestimmungen der- stehen. England erhielt damals die Hinsel Zypern zur Ver- waltung gegen das Versprechen, die asiatischen Provinzen der Türkei gegen einen russischen Angriff zu schützen. Heute ist die Insel von den Engländern annektiert und eine Opera- tionsbasis der englisch-französischen Flotte, die den Eingang in die Tardanellen forciert. Tie Beziehungen Deutschlands zur Türkei waren lange Jahre äußerst bescheiden. Erst in den letzten Jahrzehnten begann ein lebhafter deutscher Kapitalexport noch der enro- väischen und asiatischen Türkei. Frankreich, England und Rußland fühlten sich in einem Erdstrich, den sie als ihre un- zerstört hatten, waren bis dahin dem eben aufgerüsteten jungen Hause ferngeblieben, trotzdem es über viele seinesgleichen hervor- ragte. Wer an Symbole und so'was glaubt, der mag sich aus dieses Zufallsspiel irgendeinen paffenden VerS machen. In der Nähe des Bahnhofs hatte ein Marketender seine Bude aufgeschlagen; doch außer Tilsiter Käse und— Zucker gab's nichts mehr zu kaufen. Da kam mancher Soldat in Bedrängnis. Weit schlimmer aber ging es den Bauern der Nachbardörfer, die— sofern sie nicht geflohen waren— allerlei Bedarf, besonders an Mehl, nicht zu decken vermochten, nachdem ihnen mit Soldau ihre bis- herige Bezugsquelle zerstört war. Tiefdunklc Nacht im Wartesaal des Soldauer Bahnhofs. End- lich brachte cm junger Musketier ein Lichtstümpfchen aus der Hosentasche, und wir konnten nun wenigstens die Hand vor den Äugen sehen. Auch das Gespräch kam jetzt in Gang, und siehe da! Ein Haufen Brandenburger saß neben mir: Soldaten aus Berlin, Kottbus, Frankfurt; sie wurden wegen leichter Lungen-, Herz-, Bronchienerkrankungen ins Lazarett gebracht. Gut ging'S ihnen also gerade nicht, aber keiner klagte darum. Nur eins quälte sie — das jetzt 15 Wochen alte Lied: Keine Nachrichten! Von Sause und vom Kriege wissen wir gar nichts!(Ich hab'S den Leuten nicht gesagt, aber bei mir selber sprach ich: Warum werden nicht Vorkehrungen getroffen, den Soldaten wenigstens den Inhalt der Mitteilungen aus dem Großen Hauptquartier bekannt- zugeben?) In ein fesselndes Gespräch kam ich mit einem Soldaten aus Kassel. Der wußte, was er wollte! Darum ließ er sich vor allen Dingen die Frage beantworten:„Wie ist die Stimmung in Berlin?"— •• * Zwischen Soldau und Teutsch-Eylau kamen auf jeder Station fragende Menschen an den Eisenbahnzug. Flüchtlinge aus Soldau: „Bon wo kommen Sie?"—„Wie steht es dort?"—„Haben die Russen heute wieder geschossen?"—„Werden die Russen wieder durchbrechen?"—„Werden wir bald zurückkönnen?"—„Für immer?"—„W tri) noch immer geplündert?"—„Kom. men noch Verstärkungen für uns?"—„Wie viel?"—„Werden die Russen wieder in die Sümpfe bei Soldau getrieben werden, oder werden diesesmal unsere armen Soldaten dran glauben müssen?" IV. FlllchtlingSclrnb. Zum ersten Male auf all meinen Reisen kam ich nach M a r i e n b u�r g. In jeder anderen Zeit hätte sich«in Besuch dieser alten Stadt des deutschen Ritterordens, eine Besichtigung des Schlosses— mindestens von außen— ganz von selber ver- standen. Am ö. und am 10. November 1314 gab es in Marien- bürg ganz andere Dinge zu sehen als Kirchen, Rathäuser, alte Schlösser. Während Fremde mit Gell) in der Tasche das letzte Nacht- quartier Marienburgs(ein seltenes Ereignis für dieses Städtchen!) bestrittene Domäne betrachteten, in den Hintergrund gedrängt. Fast keine größere politische Ausemanöersetzung der letzten Jahre ist ohne Bezug auf die orientalische Frage. Aber die widerstreitenden Interessen erschienen nach den Balkan- kriegen durch politisch-wirtschaftliche Interessengemeinschaften zwischen Teutschland, Frankreich und England ausgeglichen werden zu können. Die Verhandlungen waren, wie die füh- renden Staatsmänner der drei beteiligten Länder bei keiner Debatte über auswärtige Politik zu erklären verabsäumten, sehr weit gediehen, als der Weltkrieg alle Hoffnungen ver- nichtete._ Uebertrieben? Eing in London lebende, an einen englischen Arzt ver- heiratete Deutsche schreibt aus London, den 3. November. folgenden Brief, den wir ohne jede Aenderung zum Abdruck bringen: ..... Ich möchte darauf hinweise«, daß die Artikel in her „Kölnischen Volkszeitung" und den„Hamburger Nachrichten" von Dr. Beters über die Deutschen in England sehr übertrieben waren. Die Deutschen sind nicht gerade beliebt hier, augenblick- lich. L'esl la guerre! Aber die Regierung hat sich durchaus anständig benommen. Wenn es zu Massenberhaftungen und Einsperrungen in„Konzentrationskamps" gekommen ist, so nur auf Grund der Zeitungshetzen. Der„Globe" in erster Linie hat alles getan, um die Gefühle deS Publikums gegen die „Aliens", naturalisiert oder nicht naturalisiert, aufzuhetzen, so daß das„Home office" schließlich dagegen Stellung genommen hat und die weitere Veröffentlichung dieser Korrespondenzen untersagt hat. Es war ihnen aber inzwischen gelungen, das Publikum aufzuwiegeln, und wenn immer mehr Aliens fest- genommen wurden, so geschah es nach meiner festen Uebcrzeu- gung auch teilweise, um sie vor der Wut des Mobs zu schützen. ES kam zu Ausschreitungen, und es kann wieder zu solchen kommen. Was nun die Behandlung in den Kamps anlangt. so kann ich nur sagen, daß die der Kriegsgefangenen durchaus nicht schlechter ist, als die der Soldaten. Ich weiß es aus per- sönlicher Erfahrung. Victor Lopa, der Sohn von Frau Winter, der zuerst in Olympia und dann nach der JZle of Man kam, schrieb, daß er sehr�gut behandelt wird. Sie bekommen keine Betten, aber die Soldaten auch nicht. England hat keine Kasernen, wenigstens nicht in dem Matzstabe. UeberdicS sind in den Kamps meist Leute interniert, die infolge des Krieges beschäftigungslos und oft obdachlos sind. Was sollen sie wohl tun, wenn sie freigelassen werden? Die verheirateten Männer kamen, soweit Platz war, in die Farmtolonie, dort baben sie sogar Betten und die Behandlung ist sicherlich gut. Ich hatte mit Dr. Müller gesprochen, er ist Oesterreicher und macht den besten Eindruck. Für die zurückgebliebenen Frauen und Kinder wird nach Möglichkeit gesorgt. Im übrigen sind meistenteils Kellner, Köche, Barbiere eingesperrt, wie gesagt, Leure, die infolge der patriotischen Stimmung sowieso brotlos waren. Tic bemitteltere Klasse ist noch auf freiem Fuße. Es wäre zu bedauern, wenn Deutschland gegen die Engländer vorginge. Es würde eine ganz andere Klasse getroffen werden, überdies nur unnütz böses Blut machen und die Lage der Deutschen bier nur erschweren. Würdest Du über daS, was ich Dir mitgeteilt habe, auch den„Vorwärts" und die„Frankfurter Zeitung" unter- richten? Ich bin so gut unterrichtet, wie nur jemand hier und komme infolge meiner Tätigkeit mit den verschiedenen Jnsii- tutioncn und den Familien der„Aliens" in Berührung, bin überdies infolge meines Denkenz und Fühlens ganz neutral. Ich bedauere vieles, kann es aber verstehen und versuche nur gerecht zu sein." Wir möchten dazu bemerken, daß uns noch eine Reihe Briefe ähnlichen Inhalts von in London lebenden Deutschen zuge» gangen sind._ Ein belgischer Soldatenbrief. Ein holländischer Parteigenosse schreibt uns: Amsterdam, 13. November. Ein bekannter belgischer Ge- nosse, dessen Sohn als Freiwilliger bei den Karabinieren in der belgischen Armee dient, schickt mir die Abschrift eines Briefes dieses Sohnes, der ihn am 22. Oktober aus dem Lazarett in Calais ver- schickte. Wir geben den Inhalt wieder: „Seit meiner Einstellung habe ich drei Schlachten mitgemacht. die für das Karabinierregiment unheilvoll waren. Ich will Ihnen die Details des letzten Gefechtes, an welchem ich teilnahm, erzählen. Es war drei Uhr morgens, am Mittwoch. Wir nahmen den Weg nach Peroyse, ein Ort zwischen Dixmuiden und Nteuport. Wir gemietet hatten, lag das FlüchtltngSelend der Armen aus dem Bahn- bof vor allen Blicken bloß. Die sonst so ängstlich gehüteten heiligen Hallen des Wartesaals I. und II. Klasse beherbergen jetzt genau so gut wie der weniger vornehme Bruder III ter und IV ter all die Not, den Kummer und Hunger dieser bedauernswerten Kriegsopfer. Man kann sich kaum der Tränen erwehren, wenn man die vielen, vielen kleinen Kinder sieht, den Stolz und die Hoffnung des Reiches, die sonst so frischen Gesichtchen der Dorf- und Kleinstadtjugend bleich und übermüdet, matt und teilnahmslos. Auf einem Raum von knapp drei Quadratmetern zählte ich— in einer Ecke des mit Stein- fliesen belegten BorflurS— 16 Kleine: dicht an, ja beinahe aufeinander gebettet, zu hartem, kaltem Kinderschlummer. Eins mit Stickhusten darunter und alle viel zu leicht bedeckt für die rauhe Um- gebung und die kalte Jahreszeit. Auch das Schicksal der steinalten Weiber— eine zählte 87— greift ans Herz. Die Familien sind auseinander gerissen: die Väter großenteils im Kriege, die Mütter mit den Kindern oder mit ein paar Kindern auf der Flucht, die anderen irgendwo in der Well— ob sich die ganze Familie einst wieder zusammenfinden wird(und wann?), das soll die Zukunft lehren. In einem Winkel ist eine junge Mutier eingeschlafen, ihr Söhnchen schlummert zu ihren Füßen; plötzlich fahrt sie mit schwerem Seufzer in die Höhe:„Wo ist mein Jung?" Es wird alles Erdenkliche getan, den armen Menschen zu helfen, aber dieses Massenleid, diese Massennot spottet aller Hilfsorganisa- turnen. So gut wie möglich sucht man die Bedürftigen unterzu- bringen und zu verpflegen, man stellt Flucht lingszüge aus Wagen aller Gattungen zusammen, die dielen als Wohn- und Schlafstätte und schließlich als Beförderungsmittel dienen müssen. Manche, die ihren Zufluchtsort selber beyimmen wollen, kratzen das Fahr- geld zusammen; die anderen lassen sich verschicken und trauen den guten Menschen, daß sie ihnen ein erträgliches Obdach im West- fälenschen, Posenschen oder sonstwo in Deutschland bereiten werden. Als ich im Marienburger Wartesaal Abschied nahm von dem großen Haufen Unglück, der hier zusammengeballt war, ließ gerade ein angetrunkener Soldat seinen„Witz" leuchten, und„Ein Ka- viarbrötchen!" schrie er, daß einem der Ekel in die Kehle stieg. «» « Für Dienstag morgen war Alle«stein mein Ziel. Auf dem Wege dorthin sah ich Verwundetenzüge, Flüchtlingszüge und die gerade zur Gestellung entbotenen Landstürmer junger und aller Jahrgänge. Deren Gespräch drehte sich in allen Wagen darum: weshalb man sie wohl zwinge, die paar Groschen für die Fahrt auS der eigenen Tasche zu bestreiten, und wo ich nur konnte, beruhigte ich, indem ich sagte: sie würden diesen Betrag ja wohl zurück- erstallet bekommen. Allenstein mit seinen 43 000 Einwohnern stand gerade wieder mitten in einer Russenpanik, die sich zunächst noch rncht beschwichtigen ließ, obschon Markt in der Stadt abgehalten wurde und trotz- dem das Generalkommando am Abend zuvor bekannt gemacht hott«: es gebe keinerlei Grund zu Besorgnissen. waren berufen, die Verteidigungslinie der �ser zu verstärken, die 50 DM Deutsche zu durchbrechen suchten. Wir begaben uns also in die Lausgräben gleich hinter der User. Den ganzen Tag dauerte ein Artilleriegefecht. Zweimal in der Nacht war ich Schildwache: ich hatte die Gelegenheit, das jämmerliche Schauspiel eines halben Dutzends brennender Bauernhöfe zu betrachten. Nur einzelne, schnell wieder verschwindende Erscheinungen des Feindes sah man am anderen Ufer. Inzwischen schienen die„Boches"(Boches oder Alboches ist der neue Schimpfname für die Deutschens, die dort schon seit Sonn- ahend standhalten, zu erwachen. Genau sechs Uhr versuchten mehrere Kolonnen die Ebene zu durchziehen. Die Schlacht fing an. Wir meinten, daß wir geschützt seien in unseren Laufgräben, als plötzlich auf unserer Rechten sich ein Geschrei erhob. Ein Augen- blick genügte, um eine zahlreiche feindliche Kolonne zu sehen, die uns in der Flanke und von hinten angrifr. Eine Panik brach unter unseren Truppen aus. Hinterm Ufer dehnten sich weite Wiesen ohne jede Deckung aus. Tic feindlichen Mitrailleusen hatten bald die Hälfte der Unseligen zur Strecke gebracht. Im Nu werden wir umkreist und viele Kameraden verloren noch das Leben. Mit sieben Mann werden wir kriegsgesangen gemacht. Das ist alles, was übrig ist von den 140 Mann, die unsere Kompagnie bildeten. Aber Verstärkungen kamen unsererseits schneller hinzu. Man versuchte uns nach der anderen Seite der Dser mitzunehmen. Mit zweien wurden wir in einen Laufgraben geschleppt.... Wir wollten zusammen aus dem Laufgraben herauskriechen, als ein Preuße herbeilief. Zwei Kugeln wurden abgefeuert, die eine erreicht meinen Freund, die andere ging fehl. Lch glaubte, meine letzte Stunde sei gekommen. Trotzdem versuchte ich zu fliehen, aber der„Boche" griff mich beim Bein. Als ich mich losriß, verstauchte ich mir den Fuß, aber ich war frei. Trotz der Schmerzen und während die Kwgeln um mich her pfiffen, floh ich über Leichen und Sterbende. So erreiche ich einen Bauernhof, wo Gendarmen mich pflegten, denn ich hatte mich beim Ueberspringen eines Grabens auch noch den rechten Fuß verstaucht. Nach langem und peinlichem Weg erreichte ich eine Kirche und wurde von da per Automobil zum Bahnhof Veuzne geführt, der schon mit Verwun- deten überfüllt war. Es war zehn Uhr. Da hörte ich, daß die Deutschen zurückgeworfen seien. Abends um sechs Uhr wurde ich mit noch 600 Leichtverwundeten, Belgier, Franzosen und Engländer, per Eisenbahn nach Calais geführt, wo wir Freitagmorgen 4 Uhr ankamen und wo es sich herausstellte, daß ich, ohne es zu verspüren, auch noch eine deutsche Kugel in die Ferse bekommen habe. vom weftflanüerischen Kampfplatze. A m st e r b a m, 17. November.(Privattelcgramm des „B o r w ä r t s".) Der Kriegsberichterstatter der„Tpd" meldet, dafi die Eroberung von Dixmtiidcn kein strategischer Gewinn war. In Belgien sind frische französische Truppen angekommen, um die Bundesgenossen zu verstärken und die ermüdeten Belgier abzulösen. Diese wurden nach Paris gesandt, wo sie jetzt zur Bc- wachung der Befestigungen verwendet werden sollen. Ueber A p e r n versichert derselbe Korrespondent, daß die Stadt durch das Bom- bardcmcnt wohl litt, aber von einem Niederbrennen könne keine Rede sein. Ebenso sei die berühmte Tuchhalle unbeschädigt. Die belgischen slbgeorüneten. Amsterdam, 17. November.(Privattelegramm d. „V o r w ä r t s".) Wie das holländische Parteiorgan„H e t Volk" berichtet, verboten die deutschen Behörden in letzter Zeit den belgischen Abgeordneten bei einer Strafe von 10 WO Franks ohne besondere Erlaubnis ihren Wahlkreis zu ver- lassen. Die von B r o c q u e v i l I e s vor 20 Monaten in einer geheimen Sitzung der belgischen Kammer abgegebenen Er- klärungen sollen, demnächst veröffentlicht werden zum Beweis, daß die belgische Regierung ihre � Neutralitätspflicht beobachtete._ politisthe Ueberstcht. TLo steht der Feind? Ueber eine„Kundgebung gegen Rußland" berichtet das „Berliner Tageblatt" in folgender Weise: „Zu einer bedeutungsvollen Kundgebung gegen Rußland und die von ihm drohende politische und kulturelle Gefahr ge- staltete sich gestern im Festsaal des Abgeordneten- Angesichts dieser menkwürdigcn Sachlage legte ich großen Wert daraus, festzustellen, weshalb auch die Allensteiner Bevölkerung, ob- wohl verhältnismäßig weit vom Schuß(50 Kilometer von der Grenzei, so unruhig"geworden und geblieben ist. Ende August war das Gerücht da gewesen: die Rüsten kommen! Die Zivilbehörden Allcnsteins suchten der Furcht und der Flucht mit allen Mitteln zu steuern, und schließlich mahnte der Ober- bürgermeister: die Einwohner sollten sich nicht von alten Wasch- w c> b e r n ängstlich machen lassen. Den Tag darauf waren die Russen in der Stadt! Allerdings nur für 24 Stunden, aber sie waren da. In jenen Tagen geschah es auch, daß nicht etwa Russen, sondern Allen st einer Einwohner das Bahnhofsrestaurant nebst der Wohnung des Wirtes plünderten und demolierten. Der Schaden beläufi sich auf 14 000 Mark— am 31. Lktober sind fünf Allensteinerinnen unter Zubilligung mildernder Umstände zu Gc- fängnisstrafen von 6 bis S Monat verurteilt worden. Wenn eine Stadtverwaltung das Pech hat, daß ihr eine Pro- phezeiung so vorbeigelungen ist, wie jene vom Monat August, dann darf sich kein Mensch darüber wundern, daß die Allensteiner und die Allensteinerinnen in den Tagen um den 10. November von ihren Schreckensvorstcllungen nicht abzubringen waren. Zudem behaupteten sie, zu wissen, daß die Regierung bereits drei Waggons Akten fluchtfertig gepackt habe, daß auf dem Güterboden des Bahn- Hofs in gleicher Weise alles bereit fei, auch der BergungSzug für die Beamten schon unter Dampf stehe— der Zivilbevölkerung aber die Auskunft gegeben worden sei: sie�habe auf die Gestellung solcher Züge nicht zu rechnen. Daß die Schulen seit dem 7. geschlossen waren, wußte alle Welt, und schließlich hatte sich auch die Kunde verbreitet: die Familien der höchsten Beamten hätten sich auf den Weg gemacht... Nun wurde mir klar, daß da kein Halten sein konnte.... Zum Glück gibt cS aber noch Nerven in Ostpreußen! � Als ich in einem Blumenladen ein paar Ansichtskarten kaufte, bestellte ein junger Bauer aus der unmittelbaren Umgebung Allenstcins zum nächsten Vormittag ein B r a u t b u k c t t für 8 Mark und ein Jungfernbukett für einen Taler. Dem machte �er Russe keine Kopfschmerzen. �apan im öreißigjährigen Krieg. ES dürfte nicht allgemein bekannt fein, daß Japan schon ein- mal eine, wenn auch ziemlich sekundäre, Rolle in einem großen Weltkrieg gespielt hat. Tie Wellen des dreißigjährigen Krieges schlugen auch an die fernen Gestade Nipons. Damals wie heute stand Japan auf feiten d-r Gegner Oesterreichs. Katholizismus und spanisch-Portugisische Kolonialpolitik, vom 15. bis U. Jahrhundert unlösbar verbunden, hatten im Jnsclreich dcS Ostens ein zunächst sehr ergiebiges Feld ihrer Tätigkeit ge- fundcn. Ein äußerst lebhafter Handel ging von Japan nach dem portugiesischen Macao und dem gleichfalls portugiesischen Goa sowie Hause? die Eröffnung der von der Vereinigung für staats- bürgerliche Bildung und Erziehung veranstalteten Erörterungs- abende über„DaS Zarenreich und feine Grenzvöltcr". Der Bor- sitzende der Vereinigung, Staatsminifter v. H e n t i g, betonte in einer einleitenden Ansprache die Notwendigkeit, eine Erörterung der durch den gegenwärtigen Krieg geschaffenen zahllosen poli- tischen Probleme gerade mit der Sphinx Rußland zu beginnen; und der Schrifsteller Axel R i p k c hielt einen Vortrag über die moskowitische Staatsidee. Er führte darin aus. die Slawophilen lehrten, daß die russische Kultur eine Einheit im Gegensatz zu Westeuropa sei und dazu bestimmt sei, einmal die Welt zu beherrschen. Dementsprechend hat sich dann der russische Imperialismus ausgebildet, der die fremden Nationalitäten innerhalb der Grenzen des Reiche» vernichtet und die slawischen Nationen außerhalb der Grenzen zu umfassen strebt, und der weiter nach allen Seiten hin neue Grenzen sucht, alles mit Mitteln, die er vom Tai- tarentum übernommen hat. Die Deutschen müssen ihren Blick fest gegen Osten richten, und die o e u t s ch e Pflugschar- tief ins russische Land hineinziehen, getreu dem Vermächtnis der alten sächsischen H e l d e n k a i s c r. dem Erbe der großen Hohenzollcrnsürsten und der Arbeit unzäh- liger deutscher Geschlechter, die bor uns dahingegangen sind und slawische Sümpfe in deutschen Kulturboden verwandelt haben. Hieran schloß sich eine längere Diskussion, die der bekannte Historiker der Berliner Universität, Geheimer Rcgierungsrat Professor Dr. Dietrich Schaeser mit einem lebhaften Appell an daS deutsche Volk zur entschlossenen Durchführung des jetzigen Kampfes gegen Rußland und die ruf- fische Gefahr einleitete... Während hier also Rußland dem deutschen Volke als der gefährlichste Feind hingestellt wurde, sprach zur gleichen Zeit der Präsident des Hansabundes, Geheimrat� Professor Dr. Rudolf Rteßer vor einer Zuhörerschaft, in der sich auch der Vizepräsident des Reichstags Dr. P a a f ch e und der Präsident der Seehandlung, Exzellenz Dombois, be- fanden. Der Präsident des Hansabundcs führte nach Be- richten in bürgerlichen Blättern aus: „Er betonte einleitend, daß in Deutschland gegenwärtig vor allem ein Haß gegen England herrscht, der bei weitem den Haß gegen Rußland und gar die Feindschaft gegen Frankreich weit übersteigt. Das liege daran, daß man in erster Linie England für den gegenwärtigen Welt- krieg verantwortlich mache, obwohl natürlich England der Welt glauben machen will, daß es in seiner Großmut und Selbstlosig- kcit nur aus Schutz für das arme schwache Belgien die Waffen ergriffen habe.... DaS deutsche Volk ist sich darin einig, daß der Friede erst geschlossen werden darf, wenn Englands Alleinherrschaft zur See gebrochen ist. Eigene Wünsche des deutschen Volkes gehen dahin, daß nicht wieder die Feder verderben möchte, was das Schwert geschaffen hat. Von der englischen Bevormundung wollen wir frei werden und bis zu diesem Ziele gleich den Brüdern im Felde durchhalten bis zum Ende. Bis dahin gilt das Wort, mit dem die deutsche Jung- Mannschaft jetzt in den Kampf und in den Tod zieht:„Deutsch- land, Deutschland über alles, über alles in der Welt!" Die Frage:„wo steht der Feind?" wird durch diese beiden Vorträge nicht gerade übereinstimmend gelöst! Ter Segen der billigen russischen Zlrbeiter. In den letzten Jahren ist in Ostpreußen eine lebhafte Spionage für Rußland getrieben worden. Welche Wege dabei eingeschlagen worden sind, beweisen folgende Fälle: Als ein russischer Kriegs- gefangener durcb die Jiisterburger Gegend geführt wurde, sagte er. daß er diese Ortschafien gut kenne, da er hier als Arbeiter beim Chausseebau bcschäfligt gewesen sei, wobei russische Offiziere als Schachtmeister fungiert hätten. Als die Russen in B e r s ch k a l l e n(Kreis Jnsterburg) waren, sprach der russische Oifizier zum Geistlichen deS OrteS:„Guten Morgen. Herr Pfarrer!" Als ihn der Pfarrer erstaunt fragte, woher er ihn kenne, antwortete der Offizier, daß er vor drei Jahren, als die Nonne in Ostpreußen gehaust hätte, längere Zeit in Ostpreußen mit russi» schen Arbeitern sich als Holzfäller aufgehalten hätte, um die militärischen Verhältnisse auSzu- kundschaften. Damals habe er sich auch in diesem Orte auf- gehalten und den Piarrer kennen gelernt. nach dem spanischen Manila, ja, es wurden damals bereits V'r- bindungen zwischen Japan und Mexiko angeknüpft. Hand in Hand mit der spanisch-potugisischen kommcrziell-ko'onisatorischen Expan- sion ging eine intensive Missionsiätigkeit: Jesuiten, Augustiner, Dominikaner, Franziskaner entfalteten eine eifrige Propaganoa. Um 1600 zählte man nahe an eine Million Christen in Japan. Speziell die südwestlichste der Hauptinseln, Kiuschin(mit Nagasaki), konnte als ziemlich gewonnen für den Katholizismus gelten. Mehrere Daimios oder LehnZsürsten waren zu dem fremden Glau- ben übcrgetreien und zweimal gingen von den kleinen Fürsten- Höfen Japans Gesandtschaften an den Papst. Nicht zu verkennen ist übrigens, da die katholischen Bekehrer. um den durchweg ver- lotterten und verluderten buddhistischen Klerus auszustechen,� aller- Hand nützliche Einrichtungen— Krankenhäuser usw.— schufen und sich dadurch in dem vom Fcudaladel hart gedrückten und von den einheimischen Pfaffen ausgeplünderten unteren VolkSklasscn einen nicht unerheblichen Anhang schufen. Ter Konkurrenzneid der buddhistischen Pfasfenschaft hätte schwerlich dem Bekehrungswerk großen Abbruch getan, wenn nicht die unverkennbaren politischen Aspirationen, die hinter den fremden Missionaren standen, den Ärgwohn der Gewalthaber erweckt hätten. Die Ankunft der Potugiesen fiel in eine Zeit, in der Japan großen inneren Umgestaltungen entgegenging. Der Feudalismus hatte das altjapanische Reich in eine Unzahl größerer oder kleinerer Einzelherrschaften aufgelöst. Längst war der Zentralkaiser— der Mikado— zu einem Schattenbild herabgesun en. Aber auch das Hausmeiertum der Schogune, das in einigen sich ablösendenjjroßcn Feudalfamilien erblich geworden war, drohte demselben Schicksal zu verfallen. Die Kriege zwischen den auf ihre kleinen Vasallen, die Samurai, gestützten Teilfürsten rissen nicht ab. Einige dieser Teilsürsten stiegen zu bedeutender Macht empor und schließlich bildete sich wieder eine faktische Zentralregierung, indem der Daimio Nubuncga und sein Nachfolger Hideyoschi die übrigen Teil- fürften unter ihre Gewalt beugten. Robunega, den seine Eroberungspolitik in Konflikt mit buddhi- stischen Klostcrherrschaften gebracht hatte, begünstigte die katholi- schen Missionare, um an ihnen ein Gegengewicht gegen den ein- beimischen ÄleruS zu haben und sich ihrer zu seinen zentralistischen Zwecken zu bedienen. Aber schon Hidehoshi wurde mißtrauisch, um so mehr, als inzwischen Portugal an Spanien gefallen war (dem eZ bis 1640 angehörte) und die Anwesenheit der Spanier ihn in seinen imperialistischen Anschlägen aus die Philippinen störte, ja, ihm für Japans eigene Sicherheit fürchten ließ. DaS Christentum wurde verboten und eine blutige Verfolgung über seine Anhänger verhängt Sie blieb wirkungslos und Hidevoshis Nachfolger, der Begründer der Dhohun-Dynastie der Tokugawa, Jeyasu, schien zunächst wieder in die Bahnen Nobunegas einlenken zu wollen. Aber das gute Verhältnis zwischen den Katholiken und der japanischen Zentralgewalt stellte sich nicht wieder her; bielmehr spannen sich bedenkliche Fäden zwischen den noch nicht ganz unter- worfenen und auf den Rest ihrer Selbständigkeit eifersüchtigen Zur Kriegstagung des sächsischen Landtags wird uns noch geschrieben: Die Hauptsitzung findet am 25. Nobem« ber statt. Die Regierung wird eine Vorlage über umfangreiche Maßnahmen zur Milderung der Kriegsnot einbringen, und zwar in Form größerer Anleihen. Zwischen der Regierung und Ver- tretern der Fraktionen haben bereits vertrauliche Vorbesprechungen stattgefunden. Ein Kampf um die Höchstpreise für Getreide. Für die Stadt Görlitz gelten zurzeit die für die Hauptstadt der Provinz Schlesien, in der Görlitz liegt, festgesetzten Höchstpreise für Getreide. Kürzlich e:schien nun in der bürgerlichen Lokaipresse eine Bekanntmachung der„Landwirlschaillichen Kreiskommission", in der angekündigt wurde, daß Verhandlungen über eine anderweiiigs Festsetzung der Höchstpreise für Görlitz schweben. Bis zur Be- endigung dieser Verbandlungen— hieß es weiter— gelten für Görlitz nicht die Breslauer, sondcrrt die Dresdener Höchst- preise, für Roggen also pro Tonne nicht 2l2 sondern 225 M„ und für Weizen 40 M. mehr. Hiergegen wandle sich unser Görliyer Parteiorgan schon deshalb ganz energisch, weil auf völlig ungesetzliche Weise die Höchstpreise hinaufgesetzt werden sollten; denn nach§ 3 der BundeSralsverordnung über die Festsetzung der Höchstpreise ist die Zustimmung deS Reichskanzlers erforderlich, sobald der Hauptort, nach dem die Festsetzung der Höchstpreise für einen Nebenorl erfolgt, in einem anderen Bundesstaate liegt. Auch der Magistrat der Stadt Görlitz vertrat in einer Zuschrift an die Presse diesen Standpunkt und betonte ausdrücklich, daß für Göilitz zunächst nur die Höchstpreise für Breslau, das vom Regierungs- Präsidenten als Hauptort für Görlitz bestimmt worden ist, maßgebend seien. Die landwirtschaftliche Interessenvertretung, die„Kreiskommission Görlitz", antwortete in einer weiteren Bekannimachung: Die Zentral- stelle für Heeresverpflegung in Berlin habe aus Anfrage den Bc- scheid gegeben, Görlitz liege erheblich näher zu Dresden als zu Breslau, demgemäß müsse nach§ 3 der Bundesratsverordnung vom 28. Oktober für Görlitz der Höchstvreis für Getreide der des HauplorteS Dresden gelten. Diesem Versuch, eigenmächtig Getreidehöchslpreise festzusetzen, trat der Magistrat in einer öffentlichen Erklärung entgegen mit dem Hinweis, daß immer noch für den Handel mit Getreide die Verfügung des Regierungs- Präsidenten zu Liegnitz gelle, nach der im ganzen Regierungsbezirk Liegnitz als Hauptmarklort lediglich der Großhandelsplatz in Breslau in Frage komme. Und was lagt der Reichskanzler zu dem Bemühen, die für Sachsen festgesetzten Höchstpreise kurzerband auf Teile der Provinz Schlesien zu übertragen, ohne die gesetzlich vorgeschriebene Zuslinimniig des Reichskanzlers einzuholen? (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Berweudung von Kriegsgefangenen für Eisenbahnbauten. Im Osten werden die Kriegsgefangenen nicht nur als Land- arbeiter beschäftigt, sondern es wird auch geplant, sie bei Eisenbahn- bauten zu verwenden. Der erste größere Versuch soll beim Bau der neuen Bahnlinie von CzerSk nach Lienfelde gemacht werden. Von Unternehmern sind Angebote eingefordert worden für den Fall der Verwendung von Kriegsgefangenen. Insgesamt soll bei der ganzen Eisenbahnstreckc eine Ersparnis an Baukosten von eineinhalb Millionen Mark gemacht werden, wenn Kriegsgefangene beschäftigt werden. Dabei sind allerdings die UnterhaltSkosten der Gefangenen nicht in Betracht gezogen worden, so daß die Ersparnis wesentlich geringer sein wird. Wir möchten dazu noch bemerken, daß eine Verwendung der Gefangenenarbeit nur soweit erfolgen sollte, als keine dcukschen Arbeiter zur Verfügung stehen. Tie Flüchtlinge Ostpreußens. Der Staatskommissar für da? Flüchtlings- Wesen in Ostpreußen, Landeshauptmann von Berg, teilt mit: Tie Auskunft- und Nachrichtenstelle des Verbandes der Vater- ländischen Frouenvereine in Königsberg i. Pr., Tragheimer Kirchen. stratze 74, beabsichtigt die Veröffentlichung von Listen der vermißteir Flüchtlinge, die sie bisher durch die Königsberger Zeitungen bewirkt hat, in nächster Zeit einzustellen. Im übrigen wird die Stelle sich aber auch weiter in der bisherigen Weise betätigen. An alle Per- fönen, welche Angehörige unter den Flüchtlingen suchen oder Flüchtlinge, die vermuten, daß sie selbst von Angehörigen gesucht werden, ergeht die Aufforderung, ihren derzeitigen A u s e n t- Teilsürsten und dem spanischen Hofe an. Und zu derselben Zeit. begann der große Gegensatz zwischen Spanien-Oesterreich und seinen Gegnern, der bald Europa in den längsten aller Kriege stürzen sollte, auch nach Japan überzugreifen. Engländer und namentlich Holländer kamen nach Japan, ausschließlich um Handels- Verbindungen anzuknüpfen und ihren spanisch-portugiesischen Kon- kurrenten das Wasser abzugraben. Jedwede Ideologie lag den kühlen Rechnern von Amsterdam und Rotterdam fern; gern und willig verzichteten sie auf alle Missionstätigkeit. Die relative Schwäche ihrer damaligen Kolonialmacht ließ Holländer und Eng- länder als minder gefährlich gegenüber der noch immer agresiiven spanisch-portugiesischen Politik erscheinen. Jeyasu begünstigte die neuen Ankömmlinge und erließ wohl nicht ganz ohne ihren Ein- fluß das Edikt von 1614, das erneut das Verbot des Christentums in Japan aussprach und die katholischen Priester, einheimische wie fremde, des Landes verwies. Bis zu einer blutigen Verfolgung trieb es indessen der religiös gleichgültige �-hogun Jeyasu nicht; auck, wurden die Handelsbeziehungen zu Spanien-Portugal vor- läusig noch nicht abgebroch:n. Unter Jchasus Nachfolgern, namentlich unter seinem Enkel, dem gewalttätigen Jemitsu, verschärfte und steigerte sich die christen- und zugleich sremdenfeindliche Haltung der herrschenden Klassen Japans. TaimioS und Samurai schwuren scharenweise den katholischen Glauben ab— wie ein paar Jahrzehnte später der hohe und niedere Adel Frankreichs den Protestantismus. Wie in Frankreich waren es kleine Leute, Bauern, Handwerker, Tag löhner, die allen blutigen Verfolgungen, allen Martern, die raffinierte Grausamkeit ersann, dem bis zum Unerträglichen gesteigerten Steuerdruck Trotz boten. 1637 kam es aus der Insel Kiuschin zu einem gewaltigen Aufstand, der nach seinem Haupibrennpunkt der Shimabara-Aufstand genannt wird. Der Heldenmut, mit dem das Bauernheer der japanischen Christen facht und die Grausam- keit, mit der die Bewegung schließlich in Strömen Blutes erstickt wurde, gemahnen an den berühmten Cevennenaufftand der zur Verzweiselung getriebenen hugenottischen Bauern Zentralfrank- reich?. Niederländische Geschütze halfen die letzte Feste der japani- schen Christen niederlegen. Die spanische Weltmacht, die zur gleichen Zeit in Eeuropa die schwersten Schläge erlitt, hatte ihren letzten Stützpunkt in Ostasien verloren. Längst schon waren alle Beziehungen zu Spanien abgcbroch-n; jetzt wurden auch bei Todes- strafe— die nicht auf dem Papier stehen blieb— alle Portugiesen aus Japan verwiesen. Jede Spur des Christentums wurde aus- gerottet und die Absperrung des JnselreichS gegen alle Fremden mit äußerster Konsequenz durckgeführt. Nur die Holländer er- hielten für die Hilfe, die sie dem siegreicken Shogunat geleistet hatten, die freilich auf das engste beschränkte und an die demütig- sten Bedingungen geknüpfte Erlaubnis, im Hafen von Nagasaki aus der künstlichen Insel Deshima Handel treib:» zu dürfen. Der auf ein raffiniertes Polizeisvstem gestützte FeudalabsolntiSmuZ der Tokugawa versenkte Japan in einen vicrteltausendjährigen Schlaf, aus dem es erst der Tonner fremder Geschütze wieder erweckte. haltsort unter gleichzeitiger Angabe des Ories und Streifes| Wetteraussichten für das mittlere Deutschland bis Freitag threr ostpreußischen Heimat sowie den Heimatsort des von ihnen mittag: Ziemlich talt und troden, zeitweise nebelig, sonst heiter. gesuchten Flüchtlings der oben genannten Auskunftstelle mitzu- Rur im öftlichen Küstengebiet noch vielfach wolfig. In der Nacht teilen. Dadurch wird die Auskunftstelle in die Lage versezt werden, zu Freitag an vielen Orten östlich der Oder leichter Frost. auch weiterhin sich gegenseitig fuchende Familienangehörige zus fammenzuführen und anderen Personen, denen an einer Auskunft nach dem Verbleib eines Flüchtlings gelegen ist, diese Auskunft zu erteilen. Die Erteilung erfolgt baldmöglichst und kostenlos. Aus Groß- Berlin. Zwei amtliche Warnungen. Soziales. Hat der verwundete Kriegsteilnehmer Anspruch auf Krankengeld? Kleine Nachrichten. Ein verunglückter Lazarettzug. Die Münchener Neuesten Nachrichten" melden: Der bahe rische Lazarettzug IV der freiwilligen Krankenpflege, ge stiftet von Oberleutnant à la suite Grafen Moh, wurde bei einem Eisenbahnzusammenstoß in Lille schwer beschädigt. Der Lazarettzug tam am letzten Dienstag um 2 Uhr früh im Vorbahnhof Lille an. Nachdem er etwa 20 Minuten gestanden war, erfolgte ein fürchterlicher Stoß, begleitet von einem gewaltigen Krachen. Der Lazarettzug wurde auseinandergerissen, die Lofomotive mit mehreren Wagen eine Strede fortgeschoben, die Insassen Eine Entscheidung des Versicherungsamts Karlsruhe, die aus den Betten geschleudert. Ein Materialzug mit 60 Wagen war Dem Kriegsministerium find Anzeigen zugegangen, daß sich diese Frage bejahte, hat Aufsehen erregt. Es ist vielfach über- bon rückwärts auf den Lazarettzug aufgefahren. An den aus 31 sweifelhafte Personen als Dolmetscher gemeldet sehen, daß die Frage natürlich nur unter der Voraussetzung Wagen bestehenden Razarettzug waren 3 Güterwagen angehängt, und versucht haben, die ihnen für die Anbietung ihrer Dienste zu bejaht ist, daß die Arbeitsunfähigkeit innerhalb der 2 davon waren mit Liebesgaben beladen. Im dritten befanden gegangenen Dantschreiben des Kriegsministeriums zu mißbrauchen. drei Wochen nach dem Ausscheiden aus der sich Pferde unter Aufsicht von 2 Offiziersdienern. Die Lokomotive Es wird dringend davor gewarnt, diesen Personen deshalb zu bertrauen, weil sie sich im Besize einer Mitteilung vom Kriegs- bersicherungspflichtigen Beschäftigung ein- des Materialzuges bohrte sich derart in den letzten Güterwagen, Ueber diesem minifterium befinden, wonach fie dort vorgemerkt worden sind. Diese trat und der Erkrankte sich im Inland befand.(§ 14 der daß dieser auf die Lokomotive gehoben wurde. Güterwagen lag der vorlegte mit aufwärts ragenden Rädern. Vormertung ist bei einer sehr großen Zahl von Personen erfolgt, Reichsversicherungsordnung.) Der Wagen stellte sich senkrecht auqf, die Insassen, 9 Pfleger, die sich bei Kriegsbeginn zur Berfügung stellten. Eine Prüfung Der Kläger war bis zum 31. Juli 1914 Mitglied der Auge- mußten ihn durch die zertrümmerten Fenster verlassen; einer der der Verhältnisse der einzelnen Persönlichkeiten konnie natürlich meinen Ortskrankenkasse in Karlsruhe gewesen. Er mußte zum Pfleger hatte eine Gehirnerschütterung erlitten. Die letzten jechs nicht stattfinden, hat beziv. hätte aber vor ihrer Verwendung im Seeresdienst eintreten und wurde am 20. Auguſt( also innerhalb der Wagen des Lazarettzuges, die glücklicherweise keine Verwundeten Heeresdienste stets stattgefunden. Die Mitteilung, die diese Leute drei Wochen) im Krieg verwundet. Seine Verpflegung erhielt er mit fich führten, waren aufeinander und ineinander geschoben und in Händen haben, entspricht der Gepflogenheit des Kriegsmini- im Städtischen Krankenhause Karlsruhe auf Kosten der Militär- fich führten, waren aufeinander und ineinander geschoben und vollständig zertrümmert. Auch der Materialzug wurde schwer fteriums, jedem Antragsteller eine Antwort zu erteilen. verwaltung. beschädigt. Die beiden Offiziersdiener sind tot. Desgleichen ein Mann bom Materialzug, zehn Mann vom Materialaug wurden schwer vers let; die Verwundeten wurden ins Lazarett gebracht. In einer Zeitungsannonce erbot sich ein Unternehmen, über das Schicksal der im Felde stehenden Soldaten eingehende Berichte zu erstatten. Der Annonce war eine solche Fassung gegeben, daß man zu der Ansicht verleitet werden konnte, die Auskunft würde unentgeltlich erteilt werden. Eine Anfrage bei der betreffenden Firma hatte zur Folge, daß diese die Ausfüllung eines Fragebogens über die Zugehörigkeit zu Kompagnie, Bataillon, Regiment usw. und die Vorauszahlung von 2,50 Mart für" Bemühungen" verTangte, die nach Mitteilung der Firma in der Kontrolle aller amtlichen Belege" und Verlustlisten sowie Bescheiderteilung bestanden. Hiernach wäre die betreffende Firma nicht in der Lage, mehr mit zuteilen als die amtliche Stelle, das Zentral- Nachweise- Bureau des Kriegsministeriums, das die Auskunft außerdem schneller und unentgeltlich erteilt. Vor derartigen Unternehmungen kann daher nur gewarnt werden. Heimatgrüße für einen Kriegsteilnehmer. Kriegsteilnehmer find dankbar für jedes Lebens- und Liebeszeichen, das ihnen von daheim zugeht. Aber mit Klagen über Kummer und Rot, die uns etwa bedrücken, wollen wir sie möglichst verschonen. Die Schatten der Sorge sollen nicht aus der Seimat bis zu ihnen heranreichen und ihnen nicht die Freudigkeit rauben. Sehr im Gegensatz zu dieser Forderung hat ein Berliner Hauseigentümer einem Mieter, der zum Heeresdienst ein berufen wurde, recht sonderbare Briefe nachgeschickt. Die Frau des Kriegsteilnehmers blieb Miete schuldig und gab Stücke ihrer Wirtschaft gegen Geld meg, wovon der Hauswirt begreiflicherweise nicht erbaut war, so daß es zu unerquicklichen Auftritten fam. Gines Tages nahm der Wirt aus der Wohnung der Mieteschuldnerin, beren Mann Schneider ist, Kleiderstoffe an sich, um sie in Verwahrung zu behalten. Wenn Kunden sich einfänden, für die an Stelle des Mannes der Bruder der Frau die Anfertigung von Sachen übernehmen würde, sollte für den Stoff sogleich an den Hauswirt bezahlt werden; nur Arbeitslohn und Verdienst sollten der Frau zufallen. Die Frau berichtete ihrem Mann, wie es ihr in seiner Abwesenheit erging, und der Mann wandte sich brieflich an den Wirt. Und nun antwortete dieser ihm mit Briefen, die über die Frau rüdsichtslos flagten. Ein paar Proben dieser eigenartigen Heimatgrüße werden genügen. Ein Brief des Wirtes beginnt: Es ist traurig, wenn Ihre Frau nicht nur unsere Gegend, sondern Sie mit Lügen der gräßlichsten Art überschüttet." Er erzählt dann, daß er von den Stoffen, weil der Lieferant einen Teil abgeholt hatte, das Uebrige in seinen Besitz genommen habe.„ Mein Die Krankenkasse verweigerte die Zahlung von Krankengeld, weil nach ihrer Ansicht der§ 214 der R.V.O. auf Kriegsteilnehmer nicht anzuwenden sei und verwundeten Kriegsteilnehmern ein Krankengeld nicht zustehe, da ihnen kein Arbeitsverdienst entgehe. Das Versicherungsamt Karlsruhe hat sich dieser Ansicht nicht angeschlossen, sondern hat die Kasse zur Zahlung des Krankengelbes verurteilt. In der Begründung heißt es: Die Reichsversicherungsordnung trift ihre Bestimmungen unter Vorausfehung friedlicher Berhältnisse. Durch das Notgesetz vom 4. August 1914 sind der Unbilligkeit und Härte in den wesentlichsten Punkten ge= steuert worden; im übrigen müssen die gesetzlichen Bestimmungen finngemäß den veränderten Verhältnissen angepaẞt werden. Erwerbslosigkeit besteht in dem Mangel einer freigewählten Beschäftigung unter freier Lohnvereinbarung. Wer Kriegsdienste leistet, übt feine auf Griverb gerichtete Tätigkeit aus. Kriegs. Töhnung ist kein Arbeitsentgelt. Für unsere deutsche Auffassung gibt es tein Kriegshandwer! mehr, wir haben feine Söldner, die gegen Lohn fämpfen. Macht die Krankheit den Versicherten arbeitsunfähig und liegt dafür ein ärztlicher Nachweis vor, dann ist auch Krankengeld zu zahlen. Nirgends wird ein Nachweis dafür verlangt, daß ein wirklicher Schaden entstanden ist, denn auch dem freiwillig Versicherten, der nicht erwerbstätig ist und vermögend sein kann, wird, wenn Arbeitsunfähigkeit vorliegt, Krankengeld bezahlt. Zu erwägen wäre noch, ob der Anspruch auf Krankengeld ruht", so lange der Krante auf Kosten der Militärverwaltung im Lazarett volle Verpflegung erhält. Nach§ 216 RVO. find jedoch die Fälle, nach denen der Anspruch zu ruhen hat, erschöpfend_ge= regelt; der vorliegende Fall ist dort nicht unterzubringen. Auch § 134 tommt nicht in Frage, denn die Krankenhilfe wird nicht von der Kasse, sondern von der Militärverwaltung geleistet." Soweit das Reichsversicherungsamt Karlsruhe. Die von ihm behandelte Frage beschränkt sich, wie eingangs erwähnt, auf einen Fall, in dem innerhalb der ersten drei Wochen nach dem Eintritt in die mobile Armee die Vermundung eintrat und der Verwundete sich in Deutschland befand. Man darf gespannt sein, ob auch nur in diesem Umfang das Oberversicherungsamt die Entscheidung bestätigen wird. Gerichtszeitung. Wechselschieber. Borgehen geschah, um Ihnen die hiesige Kundschaft zu erhalten Mit welcher Sorglosigkeit Leute, die von Wechseln nichts und wenigstens etwas der geftundeten Miete zu erhalten." Der- verstehen, solche ausstellen und mit welchem Raffinement die felbe Brief spricht davon, daß in der Wohnung fich Müßiggänger Unkenntnis des Publikums über die Verantwortung für Wechsel und Verleumder" aufhalten. Bereits drei Wochen vorher hatte ausgenutzt wird, zeigte eine dreitägige Verhandlung in Halle, der Wirt in einer Feldpostkarte gemeldet: Hier ist der Bruder über die uns nachstehender Bericht zugeht: Ihrer Frau eingezogen, sowie verschiedene Damen( folgen ein paar unleserliche Worte), welche Ihre Frau nicht vorgestellt hat, stete Gäfte." Später schrieb er in einem Brief: Die beiden Damen, die hier verkehrten und von welchen die eine hochschwanger, sollen angeblich abgereist sein. Es verkehrt nunmehr ein anderes weibliches Wesen hier, außerdem drei Herren, was dieselben in der Wohnung treiben, entzieht sich meiner Beurteilung." Schließlich stand noch in dem eingangs erwähnten Brief: Ihre Frau soll lieber ihre Wohnung sauber halten, teine Stechliffen an das Fenster nageln und barauf Obacht geben, daß die Damen ihrer Gesellschaft halbnackend die Flure und Treppen und den Hof betreten." Was hatte es mit all diesen Gästen auf sich? Der Schneider und seine Frau find aus Ungarn nach Berlin zugezogen, und andere hier wohnende ungarische Staatsangehörige waren es, die in dieser Kriegszeit ihre Landsmännin besuchten. Die Damen sollen in sogenannten Brinzeßfleidern, die den Hals frei ließen, sich auf Flur, Treppen und Hof gezeigt haben. Halbnadend" erschienen sie dem Wirt. = Wir wissen wirklich nicht, was wir von diesem Hauswirt und feinem wütendem Geschimpfe halten sollen. Es ist doch ein starkes Stüd, einem Kriegsteilnehmer so über sein aurüdgelassenes Seim zu berichten. Der Mann wird beim Militär vorerst in einer Garnison als Schneider beschäftigt, Doch auch an ihn kann es jederzeit kommen, daß er als Stämpfer an die Front gehen muß. Mit welchen Empfindungen soll er da feine Pflicht tun können, wenn man durch solche Briefe ihm Sorge un das Heim bereitet hat? Der Mann, den wir vor derartigen Briefen geschüßt sehen möchten, gehört zwar nicht dem deutschen, sondern dem österreichisch- ungarischen Heere an. Aber nicht wahr? über sein Recht auf Schuß brauchen wir heute, wo Oesterreicher und Ungarn Schulter an Schulter mit den Deutschen stehen, wohl nichts mehr zu sagen. Letzte Nachrichten. Die Einberufung des französischen Parlaments. ier. Bordeaux, 18. November.( W. T. B.) Die Regierung hat über den Zeitpunkt der Einberufung der Kammern noch feinen Beschluß gefaßt. Es gilt aber für sicher, daß die Kammern zwischen dem 15. und 20. Dezember zusammen. treten werden. Es ist auch noch nicht bestimmt und hängt von der militärischen Lage ab, wann die Regierung nach Paris zurückkehren wird. Der Temps" meint, die Rückkehr werde einige Tage vor dem Zusammentritt der Kammern erfolgen. Zur Beschädigung der Kathedrale von Reims. bibliothek von Reims, Jadart, hat der französischen Akademie der Baris, 18. November.( T. U.) Der Konservator der Stadt. Inschriften in Paris am Sonnabend einen ausführlichen Bericht über den wirklichen Zustand der Kathedrale erstattet. Dieser Bes richt rechtfertigt, wie die Zeitungen feststellen, die Hoffnung, daß die zerstörten Teile der Kathedrale zum allergrößten Teil wiederhergestellt werden können. Der Brand insbesondere habe das Baumert in seiner Innenkonstruktion nicht gefährdet. Selbst die Orgel sei wohlerhalten. Auch die alte Remigius- Kirche sei unbeschädigt, ebenso die Bibliothek der Stadt mit ihren 80 000 Bänden und 1500 auftripten. Das Erzbischöfliche Palais müsse als verloren an gesehen werden. ( Frtf. 8tg.) Die Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 18. November.( W. T. B.) Mitteilung vom Stabe der Kaukasus- Armee: An der türkischen Grenze in der Gegend von Batum dauerte das Feuergefecht am 16. November an. Anstrengungen der Türken, aus der Gegend von Erzer um vorzustoßen, waren erfolglos. Gine Bande Kurden wechselte in der Provinz Aserbeidschan Gemehrschüsse mit unseren Pionieren, die den Feind zerstreuten. Bon anderen Truppenteilen ist nichts zu melden. Beyers im Kampf mit Engländern. Kapstadt, 18. November.( W. Z. B.)( Meldung des Reuterfchen Bureaus.) Anhänger der Regierung unter Oberst Celliers gerieten am 15. November in einen Kampf mit den Buren unter Beyers, die 1500 Mann start sein sollen. Der Kampf dauert noch an. Die Buren verloren eine Anzahl Tote und Verwundete. Don den Kämpfen in Deutsch- Ostafrika. Die Gebrüder Badenheim, die bisher zu den Kreisen der Hoch finanz in Halle gezählt wurden, standen jest wegen Betruges in dreitägiger Berhandlung vor der Straffammer. 64 Firmen find Hadenheims mit 1000 bis 1500 echseln die unglaublichste Wechselmit einem Gesamtverlust von 820 000. Hereingelegt, indem reiterei trieben. Von einem Hotelier aus Nauheim, der ihnen jeit vielen Jahren 9400 M. schuldete, haben sie für 64 000 M. Wechsel ergaunert, und eine Hotelbefizerswitwe aus Nauheim stellte ihnen bei einer Schuld von nur 8400 M. nach und nach für 51 000 m. Wechsel aus. Die Angeklagten nugten die Dummheit dieser Frau so aus, daß sie sich 22 Wechselunterschriften in einem Bierteljahr von ihr geben ließen. Alle b Tage unterschrieb sie einen neuen Wechseln die vorigen erledigt seien. Ein Berliner Hotelier gab bei Wechsel, nachdem man ihr vorgeschwägt hatte, daß mit den neuen London, 18. November.( W. T. B.)„ Times" veröffentlicht 7000 M. Schulb 16 000 M. Wechsel, ein Berliner Gastwirt für einen aus Nairobi vom 11. November datierten Brief eines Teil5000 M. Schuld 11 000 M. Wechsel, während ein schon in Konkurs nehmers an den Kämpfen in Deutsch- Ostafrika. Der Schreiber gegangener Charlottenburger Restaurateur Wechsel über Wechsel in hatte sich der Somalitruppe angeschlossen, die an der deutschen nicht festzustellender Gesamthöhe an Hackenheims geben mußte. Grenze ein Gefecht mit den deutschen Truppen hatte. Es wäre Ein Hallescher Hotelier, bei dem das gesamte dortige Offizierkorps diesen beinahe gelungen, die britischen Truppen zu umzingeln. Der verkehrt, gab bei 5000 M. Schuld 29 000 M. Wechsel. Alle 14 Tage Stommandant einer Abteilung der Rings African Rifles sei während unterzeichnete er neue Wechſel. Insgesamt sind 30 solcher Berber ersten zehn Minuten des stampfes gefallen. Die Deutſchen sonen in ähnlicher Weise mit teilweise geringeren Beträgen herein. gefallen. Die zahlreichen Wechsel, die die Hadenheims so in die hätten fecha Engländer gefangen genommen und vier verwundet hände bekamen, benutzten sie, um sich bei Banten Geld zu ver- fotie mehrere Maultiere erbeutet. Die Engländer hätten schaffen. So zahlten ihnen auf die erschwindelten Wechsel Bank 15 Deutsche gefangen genommen und acht verwundet. haus Stedner bis zu 125 000 m., Bankier Rosenberg bis zu 235 000 Mark und Bantier Friedmann u. Co. 75 000 M. Weitere sechs Banken gaben noch Beträge von 3500 bis 2400 m. her. Jedem Bankier beteuerten die Brüder, daß sie nur mit ihm allein ars beiteten, und wurde troßdem einer unruhig, so legten fie eine ge fälschte Bilanz vor, die einen Jahresüberschuß von 250 000 M. aufwies, obwohl die Firma tatsächlich seit 1902 mit Unterbilang at meldet aus Petersburg: Aus London wird dem„ Rußkoje Frankfurt a. M.,( W. T. B.) Die„ Frankfurter Zeitung" beitete. Geschäftsfreunde, Nachbarn, Bekannte und Handwerker wurden unter den unglaublichsten Vorspiegelungen veranlaßt, Geld Slowo" gemeldet: Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, auf die Wechsel vorzuschießen. zum Schuße der Eisenbahnlinie Mukden- Pe. King Truppen von den Philippinen nach China zu schaffen. ar Jakob Hadenheim benuste sogar sein Amt als Borstandsmit Ein tödlicher Automobilunfall hat sich am Dienstagmittag in alieb der Ortskrankenkasse, um Geld aus seinen erschwir delten Schöneberg ereignet. An der Ecke der Belziger und Eisenacher Wechsel herauszuschlagen. Er drängte den Rendanten der Orts Straße lief der neunjährige Josef Zielinski aus der Apostel- Paulus- frankenkasse zur Hergabe von 6000 m. gegen faule Wechsel und Straße im Gifer des Spieles blindlings gegen ein herannahendes wollte vom Hauptfaffierer gar 1000 M. in bar pumpen. Das glüdte Auto und wurde, obwohl der Führer mit aller Kraft bremste, um ihm nicht. Einem Tischlermeister suchte der edle Vertreter der Hochgerissen und überfahren. Der Knabe erlitt einen Schädelbruch finanz Wechsel aufzuschwäben und ein Darlehen von 1400. und schwere innere Verlegungen, denen er fast auf der Stelle erlag. abzunehmen, indem er ihm versprach, daß er ihm die Neueinrichtung der Krankenkassenräume zudrehen" werde. Als die Firma dann Selbstmordversuch einer Siebzehnjährigen. Aus unglüdlicher im Dezember 1913 Konturs machte, stellte sich heraus, daß die AnLiebe versuchte am Dienstag die 17jährige Schülerin des Befta- geklagten seit 1902 mit Unterbilang arbeiteten, seit 1906 falsche Tozzi- Fröbelhauses in Schöneberg, Liesbeth Schneider, ihrem Leben Bilanzen machten und ganz berworrene Bücher führten. Das führte ein Ende zu machen. Das junge Mädchen trank in einem unbe- neben der Betrugsanflage noch zu einer Anklage wegen Konkurs. wachten Augenblid an der Unterrichtsstätte Karbolsäure. Die Tat bergehens. wurde von anderen Schülerinnen bald darauf entdeckt und so gelang es einem hinzugerufenen Arzt durch Anwendung von Gegenmitteln die schon Bewußtlose wieder ins Leben zurückzurufen. Das Gericht ertamte auf 4 Jahre gegen den einen und auf 3 Jahre 4 Monate Gefängnis gegen den anderen Angeklagten. Da sie rücksichtslos Existenzen ruinierten und andere mit einer Last bis an ihr Lebensende bepadt haben, wurde auch Ehrberluft von mitglied des Hausbesibervereins zum Stadtverordnetenkandidaten in Aussicht genommen. Stadtverordneten- Erfazwahl in Charlottenburg. Bei der Erfakwahl zum Stadtparlament im 4. Bezirk der zweiten Abteilung 5 Jahren ausgesprochen. Jakob Hadenheim war als Vorstands. in Charlottenburg lourde der Kandidat aller bürgerlichen Parteien, Rechtsanwalt Dr. Erich End, mit 121 Stimmen gewählt. Amerikanische Truppen zum Schuhe chinesischer Eisenbahnen. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Tegel. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied Wilhelm Krüger an feinen im Felbe erhaltener Wunden geftorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 1hr auf dem Regeler Friedhoj tatt. Rege Beteiligung erwünscht Die Bezirksleitung. Danksagung. Für die vielen Beweife berzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Mannes Rudolf Müller fage ich hiermit allen Berwandten und Bekannten, dem Gefangverein Immergrün, fowie den Parteigenoffen meinen innigsten Dank. Witwe Berta Müller geb. Schumacher Zegel, 19. November 1914. Verantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglig. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.