Mr. 320. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 Mr., möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Sibonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland Mark bro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 161131. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beiragt für die fechsgespaltene Kolonel zelle ober. beren Rauni 60 Bfg., für politische und gewertschaftliche Bereinss und Berjamminungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte Bort 20 Bfg.( aulaffig 2 fettgedrudte Sorte), jebes mittere Bort 10 fg. Stellengesuche und Schlafstellenan geigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erbebition abgegeben werden. Die Expedition if Bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 151 90-151 97. Montag, den 23. November 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97. Unveränderte Lage im Weiten. Ringen um die Entscheidung in Polen. Ein neutrales Urteil über die Die Meldung des Großen Hauptquartiers im Gebirge durch meterhohen Schnee, zwar verzögert, aber Kriegslage. nicht aufgehalten. Amtlich. Großzes Hauptquartier, 22. Novem- Eigene Nachrichtendetachements( große Patrouillen) ber, vormittags.( W. T. B.) Auf dem westlichen machten in den letzten zwei Tagen wieder 2440 Gefangene; Bern, 22. November.( W. T. B.) Der Bund" ber Kriegsschauplatz ist die Lage unverändert. In die Gesamtzahl der während der Kämpfe seit dem 6. d. M. mutet in Besprechung der Kriegslage eine Polen wird noch um den Sieg gekämpft. Das gemachten Gefangenen beträgt hiermit 13 000. äußerste Kraftanstrengung der Mächte des Dreiverbandes und weist auf einen Artikel des„ Temps" hin, in dem die Rolle Ringen südlich Plozk, in Gegend Lodz und bei Japans ersichtlich öffiziös umschrieben sei, daß nämlich die Czenstochau dauert fort. Lebensinteressen der Mächte des Dreiverbandes eine weitere aftive Teilnahme Japans unbedingt erOberste Heeresleitung. Der türkische Krieg. Die Türken am Suezkanal. Konstantinopel, 22. November.( W. T. B.). Ausführheischten. Ob und wo die Japaner eingriffen, sei zweifel- Die österreichische Generalstabsmeldung. lichere Meldung aus dem Hauptquartier. Mit haft. Daß aber eine Viertelmillion friegstüchtiger Japaner das Zünglein an der Wage der Entschei Wien, 22. November.( W. T. B.) Amtlich wird verlaut Gottes Hilfe sind unsere Truppen am Suezkanal andung ausschlaggebend beeinflussen könnte, jei wohl möglich. bart: 22. November, mittags. Die Verbündeten sehen ihren gelangt. In dem Kampfe, der zwischen Kataja und Allerdings fönne die Entscheidung bis dahin längst ge- Angriff in Russisch Polen energisch und erfolgreich fort. Aertebe, 30 Kilometer östlich vom Kanal, und bei KanUnser südlicher Schlachtflügel erreicht den Sarenjawatara am Kanal felbst stattfand, find der englische Hauptmann Wilson, ein Lentnant und viele Soldaten gefallen, sehr viele Vereinzelte Gegenstöße des Feindes wurden abgewiesen. verwundet worden. Wir haben ziemlich viel Gefangene geBisher machten die K. und K. Truppen über 15 000 Ge- macht. Die englischen Truppen haben sich in regelloser Flucht zurückgezogen. Englische Kamelreiter, die sich bei den Vorposten befanden, und Gendarmen, die bisher in englischen fallen jein. Auf Grund russischer Quellen nimmt der Mit Abschnitt. arbeiter des Blattes an, daß die Russen an ihrem rechten Flügel durch Abbiegen und Verschieben einen starken Defensivhafen bildeten, mit dem sie die umfassung durchfangene. die Armee Hindenburgs abwehren wollten. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die kompakte Masse des russischen Millionenheeres scheine Auch westlich des Dunajec und in den Karpathen Diensten gestanden, haben sich uns ergeben. durch ein glänzendes Manöver Hindenburgs in ihrer Be- find größere Kämpfe in Gange. wegung gehemmt. In der Defensive sei sie aber schwer zu er schüttern. Die Russen würden mit äußerster Kraftentfaltung fechten, da die Heeresleitung wohl trisse, daß diese Schlacht unter Umständen den Feldzug, wenn nicht gor den Krieg entscheide. Vom westlichen Kriegsschauplah. Blutige Kämpfe um La Bassée. London, 21. November.( T. 11.) Die„ Times" melden bom westlichen Kriegsschauplak, daß der Ort La Bassée in den letzten Tagen der Mittelpunkt der heftigsten Kämpfe gewesen ist. Die indischen Regimenter hätten in diesen Kämpfen starke Verluste gehabt, aber ihre Aufgabe gut erfüllt. Der stellvertretende Chef des Generalstabes. von Hoefer, Generalmajor. Der amtliche russische Bericht. Petersburg, 22. November.( W. T. B.) Der General itab des Generalissimus teilt mit: Die Kämpfe zwischen Weichsel und Warthe und an der Front Czenstochau- Krakau dauern an. In Ostpreußen fanden am 20. d. M. nur kleine Gefechte statt. In Ost galizien rücken die russischen Truppen andauernd vor. Gegners. Ist der Krieg aus, dann sind die Landstriche, in denen die Verschärfte Kämpfe bei Reims. Stämpfe wüteten, am Bettelstab. Ein Land, das mehr als eine Kopenhagen, den 22. November. Politiken" erfährt aus Million feindlicher Soldaten ernähren muß, ist schon besiegt, und Paris: Lehter Tage wurden die Kämpfe um Reims wieder mit wenn dann noch die Armee geschlagen wird, dann ist es vernichtet.... Heftigkeit aufgenommen. Die Stadt sei von starken französischen Aber wenn wir auch grausam vorgehen müssen, vom Herde weg Truppenmassen besetzt. Die deutsche Linie habe einen Halbkreis den Vater, den Gatten aus den Armen feiner jungen Frau, den von Prynai bis Brunont. In den letzten 48 Stunden führten dis fiebzehnjährigen Sohn vom Halse seiner Mutter reißen, den ReDeutschen eine Angriffsbewegung aus, die beweise, daß fie große bolber in der Hand, wenn wir jede Flasche Wein, jedes Ei, jede ein Unmensch ist Türkische Erfolge im Kaukasus. Konstantinopel, 22. November.( W. T. B.) Mitteilung aus dem Hauptquartier. Infolge unseres Angriffes auf ruffische Streitkräfte, die im Tal des Muradflusses borrüden wollten, ergriffen die Russen die Flucht unter sehr starken Verlusten. Wir haben drei Feldgeschütze genommen. Unsere Streitkräfte, die auf Batum marschieren, haben die feindlichen Truppen vollständig auf das andere Ufer des Fluffes Tschuruf zurückgeworfen. Diese Gegend steht vollständig unter türkischer militärischer Verwaltung. Insere Truppen, die auf Artwin vorrückten; haben diesen Ort besetzt. Nach Nachrichten über den Kampf am Schatt- el- Arab ist festgestellt, daß die Engländer 750 Tote und ungefähr 1000 Verwundete hatten. Aktionen der türkischen Flotte. Konstantinopel, 21. November.( W. T. B.) Amtlicher Bericht des Hauptquartiers. Der Kreuger„ Ha midie" hat gestern die russischen Petroleumdepots und die Station für drahtlose Telegraphie, die sich in Tuapse, einem Ort in der Nähe von Novorossijek, befinden, bombardiert und zerstört. Ein heftiger Kampf, der neun Stunden dauerte, hat sich ant Verstärkungen erhalten haben. Belagerungsgeschütze schwersten Handvoll Meht zuerst mit guten Worten, dann mit Strenge for: 18. November zwischen den Engländern und unseren Truppen in Kalibers wären auf den Höhen der Stadt gegenüber aufgestellt. dern, wenn wir auch das letzte Arbeitspferd gegen einen Requi: Schatt el Arab abgespielt; die Verluste des Feindes sind heDie Franzosen haben einen großen Teil der deutschen Laufgräben ſitionsschein aus dem Stalle ziehen müssen mittels des Nord- Kanals unter Wasser gesezt. Reims wird un- der deutsche Soldat nicht. Für die Kinder find Milchkühe reser- trächtlich; gefangene Engländer erklärten, daß sich der Oberviert und feine Mutter, die jammernd kommt und erzählt, daß sie befehlshaber der englischen Truppen gleichfalls unter den Veraufhörlich Tag und Nacht bombardiert.( Frkf. 3tg.") und ihre Kinder feit zwei Tagen tein Stück Brot mehr gegessen wundeten befindet. haben, geht ungetröstet von unse.em Hofe. Alle Frauen, die darum bitten, bekommen Fleisch und reinigen als Gegenleistung unsere Wäsche. Mir ist es einmal passiert in E. beim Pferderequirieren, daß ein alter, schwacher Mann seine Knie vor mir beugte, während die Frau mich zu umarmen suchte und die Tochter fich wie wahnfinnig dem Pferde, das ich nehmen wollte, an den Hals warf, es mit Tränen bedeckte und dann, als das Pferd fortgeführt wurde, Der deutsche Heerwurm. Ein junger bayerischer Feldartillerieleutnant, der einer leichten Munitionsfolonne zugeteilt ist, hat seiner Mutter folgenden Brief geschrieben: " Eines unserer Geschosse, das von unferem Kanonenbook Marmariß" abgefeuert wurde, traf ein englisches Kanonenboot und verursachte darauf eine Grplosion. Einzelheiten des Stampfes fehlen noth. ( Wiederholt, da nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Das ist der Krieg! Seit vierzehn Tagen liegen wir hier in 8. Seit vierzehn Tagen teine Konserven mehr, sondern stets frisches Schweine, Kalb- und Kubfleisch für die 200 Mann der leichten Munitionstolonne. Zu seiner Fleischportion bereitet sich der Soldat noch einen Teller gerösteter Startoffeln. Bis vor einer sein Gesicht an die Türfassung und weinte bitterlich. Eines von Woche hatte so ziemlich jeder Wagenzug täglich seinen Kübel Milch; ihren Pferden wollte ich den Leuten lassen, aber es ging nicht. die Leute machten Schmarren, Pfannkuchen und aßen außer dem Ich mußte meinen Befehl ausführen. Ja, liebe Mutter, das ist gefaßten Fleisch gebratene Hübner, Tauben und Kaninchen. Unsere der Krieg. Leute hatten überhaupt den lieben langen Tag etwas zu fochen und schreiend zu Boden stürzte:" Je mourrai!" Der Sohn preste Der Krieg und die Kolonien. zu essen. Die leichte Munitionsfolonne liegt aber nicht allein hier; es forgen noch drei weitere dafür, daß alles, was zu finden ist, aufgezehrt wird. Als wir nach B. famen, war noch in jedem Stalle ein Bauerno gaul: die drei Gemeindeweiden gaben etwa sechzig Stüd Vieh Nahrung, in vielen Höfen gab es Geflügel, man fand Butter, Rahm, Much Eier. Und jezt?! Vom österreichisch- serbischen Kriegsschauplah. Kämpfe an der Kolubara. Das Schicksal der Besatzung von Tsingtau. London, 22. November.( W. T. B.) Das Reutersae Burcan erfährt, daß General Kamio zum Generalgouverneur von fingiau ernannt worden ist. Die ungefähr 3000 Mann starke deutsche Besagung wird nach den Konzentrationslagern in Japan ge. bracht. Deutsch- portugiesische Grenzplänkeleien. Vorgestern fam der Befehl, es sollten- 9000 Fr. Kriegsfontribution guian mengetrieben werden; die reicheren Bauern waren Wien, 22. Rovember.( W. T. B.) Vom süblichen aber mit ihrem Gelde geflohen. Ihre großen Bestände an une London, 21. November. Aus Lissabon wird dem Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Starke eigene Daily Telegraph" gemeldet: Am 17. Oktober hat bei gedroichenem Hafer dreichen jetzt unfere Leute. roide Glenb der Bevölkerung machen sich unsere Leute zu Kräfte haben die Kolubara bereits überschritten, doch lei Cuamato an der Grenze von Angola ein Gefecht zwischen Hause, die immer ungeduldig und unwillig Riefenſiege fordern, stet der Gegner in mehreren gut gewählten befestigten Stel deutschen und portugiesischen Truppen stattgefunden. Aut Heerwurm auf, der einfach uneriattlich ist. Wir schonen eben nad lungen noch Widerstand. Die eigene Vorrüdung wird 31. Oftober fand ein weiteres Gefecht bei Cuangar statt. Bon durch aufgeweichten Boden und feinen Begriff. Was nicht der Kampf vernichtet, frist der deutsche Llopö George präsentiert Sie Rechnung. VonunseremLondonerKorrespondenten. Wenn es bisher noch Engländer gegeben' hat, die sich diesen Krieg englischcrseits als einen fidelen Spaziergang oder als eine wohlfeile Kapitalanlage vorgestellt haben, dann werden sie von der B u d g e t r e d e, die der Schatzkanzler Lloyd George am Dienstag im Unterhause gehalten hat, gründlich ernüchtert worden seim Schon die Bemerkung des Ministerpräsidenten A s q u i t h, daß der Krieg der englischen Regierung täglich 18 bis 28 Millionen Mark koste, war vielen eine unangenehme Uebcrraschung. Aber als Lloyd George nun die ganze Rechnung präsentierte und dem Unter- Hause nicht nur die Kosten vorrechnete, sondern auch aus- einandersetzte, wie das Geld herbeigeschafft werden soll und wer dafür zu blechen haben wird, da wird es wohl manchen kriegsbegeisterten Patrioten wie ein kalter Schauer über- laufen haben. Es wird dcni englischen Volk und der Welt nichts schaden, wenn denjenigen in England, die die Lpfer des Krieges bisher nur in finanzieller Beziehung zu spüren bekommen, recht eindringlich klargemacht wird, was diese finanziellen Opfer sind. Das prahlerische Gerede von einem viele Jahrelang fortzusetzenden Krieg wird dann bald ver- stummen. Das Problem, das Herr Lloyd George zu lösen hat, ist kurz das folgende. Tie im Etat eingeschätzten Staatsein- künfte fiir das laufende Finanzjahr(das am 31. März 1915 abläuft) beliefen sich auf 297 Millionen Pfund Sterling. Infolge des Krieges rechnet Lloyd George mit einem Reve- nuenausfall von 11 Millionen Pfund. Die tatsächlichen Kriegsausgaben in den ersten acht Monaten des Krieges, von August 1914 bis zum Ende des Finanzjahres, berechnet das Schatzamt auf die unerhörte Summe von 328 MillionenPfundSter- ltng oder über 6V2 Milliarden Mark. Tie ge- samten Jahresausgaben werden also nicht weniger als 535 Millionen Pfund betragen, so daß sich ein Fehlbetrag voninsgesamt 339 M i l l i 0 n e n P f u n d ergibt. Wie soll dieses Defizit, demgegenüber alle hervorgebrachten staats- finanziellen Maßstabs versagen, gedeckt werden? Zunächst nimmt die Regierung eineKriegsanleihe von 359 Millionen Pfund Sterling oder 7 Mil- liarden Mark auf. Womit Lloyd George schon finanzielle Vorsorge für die Fortsetzung des Krieges über die ersten 8 Monate hinaus, und zwar bis Juli 1915 trifft. Außer- dem aber werden neue Steuern auferlegt, und zwar im laufenden Finanzjahr im Gesamtbeträge von lüs/jj M i l- lionen Pfund Sterling und im nächsten Finanzjahr, also dem ersten vollständigen Kriegsjahr, in der Gesamthöhe von über 65 Millionen Pfund Sterling. Die neue Staatslast wird— das darf bei den in Eng-' land bestehenden sozialen Machtverhältnissen übrigens als s e l b st V e r st ä n dl i ch bezeichnet werden— nachWesen t- l i ch. d.e.m akratischen Grundsätzen verteilt. Trotz der gerade in diesem Jahre dlirchgeführtcn einschneiden- den Finanzreforni, die ausschließlich die besitzen- den Klassen belastete, verdoppelt nun Lloyd George alle Einkommensteuern und Extra- steuernfürgroßeEinkomnicn. Es mag hier daran erinnert werden, daß in England alle Einkommen unter 3299 bis 4999 Mark steuerfrei sind, so daß die Arbeiterbevölke- rung und ein Teil des Kleinbürgertuyrs bei der Einkommen� steuer nicht in Betracht kommen. Daneben werden aber auch neue indirekte Steuern auferlegt, die vornehmlich auf die Massen des Volkes fallen, und zwar aufBierund auf Tee. Im laufenden Finanzjahr werden diese ver- schiedenen neuen Steuerquellen die folgenden Erträge lie- fern: Einkommen st euer 11 Millionen Pfund, Extra- Seim Train. Neber die Tätigkeit unsere? Trains im Ostbeere und die großen Sckwierigkeilen, mil denen der Train infolg« der schleckten Wege« »erhälmisse in Rnisisch-Polen zu kämpfen hat, gibt nachstehender Feldpostbrief eines FeldzugteilnchmerS eine anschauliche schUderung: ..... 2. R vember tSts. Die Tätigkeit deS TraiuZ im Feldzuge verdient besonder« hervor- gehoben zu werden, denn die Versorgung der Truppen mit Munition und Lebensmitteln und ebenso die Herbeischaffung von Hafer für die vielen Tausenden von Zug- und Reitpferden bildet den Hauptsaklor zur Schlagfertigkeit und Erhaltung unseres Heeres. Seil wir die Grenze in Oberschlesien überschritten und nach der Weichsel zu marschierten, hatten wir in Russisch-Polen sehr unter denkbar schlechtesten Fahrstraßen zu leiden, meist waren eS nur schmale. sandige oder lehmige Pfade, die schon von den ersten Kolonnen «Artillerie- und Infanterie-Munitionskolonnen) ausgefahren waren. Tie nachfolgenden Kolonnen(Proviantkolonnen, Fuhrparkkolonnen, Feldlazarette usw.) mußten nun wohl oder übel durch die aufgewühlte Fahrstraße ihren Wey fortsetzen; oft mußten wir ganze Strecken zu tief ausgefahrener Löcher auf der Fahrstraße mit gesälltfii Bäumen und Sträuchern notdürftig auSdesiern. Unglaubliches mußten unsere braven Zugpferde hier leisten; oft wurde ein Wagen nach dem andern unter Verwendung von Vorspannpferden der ersten Wogen aus dem tiefen Sandboden herausgeholt und aller Augen- blicke mußten die Fußmannichaften kräftig in die Speichen der Räder greifen, damit die Pferde überhaupt anzogen. Trotz dieser schlechten Fahrwege legte wohl jede Forniation durchschnittlich pro Tag 2ö Kilometer zurück. Die Folgen dieser ungeheueren An- strengungen machten sich dann auch schon in einigen Tagen bemerkbar. indem man links und rechts vom Wege, in Abständen von je einigen lOIZ Meter beiseite gebrachte Kadaver von erschossenen Zugp'erden liegen sah. Die Tiere mußten infolge Erschöpfung erschossen werden. Nach zirka vierzehnlägigem Marsche in solch' schwierigem Gelände erreichten wir die Warschauer Chaussee und alles atmete auf. denn jetzt bewegten wir uns auf einer nach deutschen Begriffen gut angelegten Fahrstraße.— Hervorgehoben zu werden verdient auch die Tätigkeit der bei den Formationen als Radfahrer oder Reiter kommandierten Befehls- Überbringer. Diese Leute, die außer den Strapazen deS Manches beim Einrücken ihrer Formation in die Quartiere täglich zu ihrem ständigen Stabe müssen und dort die Marschbeseble usw. empfangen. haben eine ganz ausopfernde Tätigkeit inne und müssen in so einer Person zugleich Intelligenz. Mul und Kraft verein« sein.— Die polnischen Bauern wachsen hier im Treck buchstäblich auf und eS graut einem davor, in so ein Bauernhaus ins Quartier zu gehen. Die Säuser haben meist nur eine Swbe, und in dieser hausen zirka 10 Personen, Eltern. Kinder und Großeltern. Sauberkeit und Lüften der Wohnung kennen die Leute hier nicht, und es kann einen nicht genug, wundern, daß sich hier nicht mehr epidemische Krankheiten entwickeln. Die Nahrung der Leute besteht früh, mit- tagö und abends aus gekochten Kartoffeln und Milchsuppc. Bei solch einer primitiven Lebensart der Bewohner hält es für uns uatürlich schwer, unS außer der Reihe mal etwas Eßbares her- 'steuer auf große Einkommen 1*� Millionen Pfund, Biersteuer 2� Millionen Pfund, Tee st euer 959 999 Pfund — also direkte Besitzsteuern 12� Millionen Pfund, i n d i» rekteKonfumsteuern3 459 999 Pfund. Im nächsten Finanzjahr werden die Erträge dieser neuen Steuern das folgende Bild zeigen: Einkommensteuer 38� Millio- nen Pfund. E x t r a st e u e r 6 Millionen Pfund, Bier- steuer 17 699 999 Pfund. T e e st e u e r 3 299 999 Pfund— also direkte Besitz steuern ii% Millionen Pfund, indirekte Konfuni steuern 29 899 999 Pfund. Die Ankündigung der n e u e n K r i e g s a n l e i h e von 359 Millionen Pfund wird in der Londoner City sicherlich mit schmunzelndem Behagen aufgenommen werden; denn sie bietet eine seltene Gelegenheit zur Betätigung der Lieb- lingsbeschäftigung aller Geldleute, nämlich: Patriotis- mus und Geschäft zu vereinigen. Die Bedingungen sind, an englischen Finanzverhältnissen gemessen, sehr ver- lockend. Der Emissionspreis ist 95 P f u n d für jeden Schuld- schein im Nominalwert von 199 Pfund bei 3�>prozentiger Verzinsung: die Schuldscheine sind spätestens am 31. März 1928, also schon in 13 Jahren al pari e i n l 0§ b a r. Wenn also der englische Staat nicht inzwischen Bankrott macht, muß der Kurswert der Schuldscheine im Laufe der Zeit fortgesetzt steigen. Nicht genug damit, hat sich die B a n k von England— die nach dem Gesagten freilich nichts riskiert— sehr patriotischerweise erbötig gemacht, in den ersten drei Jahren gegen hinterlegte Kriegs- schuldscheine Kredite bis zur Höhe des Emis- sionspreisesbeieinerZinsratevoneinPro- zent weniger als die jeweilige Bankrate zu gewähren, so daß die Schuldscheine in den ersten drei Jahren jederzeit unter vorteilhaften Bedingungen zu Geld gemacht werden können— solange die Bank von England nicht zahlungsunfähig wird, und das ist vor dem Weltunter- gangstermin selbstverständlich ausgeschlossen. Wenn das alles nicht zieht, dann muß es mit dem Kredit des englischen Staates in der Tat schlimm stehen. Man wird sich also auf einen Bombenerfolg der Anleihe gefaßt machen müssen, den man in die Welt hinausposaunen wird— was natürlich nur der Zweck der Uebung war. Der Bissen ist so lecker, daß man ihn den„kleinen Leuten", die doch gern ihre patriotische Opferfreudigkeit betätigen möchten, gar nickt gönnt; denn Schuldscheine unter dem Nominalwert von 199 Pfund(2999 Mark) werden nicht vergeben. Bei all dem ist aber nicht zu verkennen, daß die englische Finanzwirtschaft auch jetzt sich bciffüht, an ihren soliden Grundsätzen festzuhalten und einen möglichst großen Teil des Bedarfes durch Steuer, nicht durch Anleihe zu decken sucht. Wir haben schon erwähnt, daß den Besitzenden die starke Erhöhung der Einkommensteuer, die fast eine Verdoppelung bedeutet, nichts weniger als willkommen ist. Der englische Schatzminister hat auch jetzt auf diese Gefühle ebenso tvenig Rücksicht genominen, wie in seinem letzten Friedensbudget. Es wäre vielleicht auch anderswo angezeigt, einen Teil des Kriegsbedarfes durch direkte Steuern, so besonders durch die Besteuerung der Kriegsprofite, zu decken. /lrbeiterleiöen in Frankreich. Amsterdam, 2l. November.(Privattelegramm de? . Vorwärts �.) In der letzten Versammlung der Sekretäre der sozialistischen Seine-Föderation lenkte S e m b a t die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit, schon jetzt eine große wirtschaftliche Organisation, auch für die Friedenszeit, vorzubereiten. Das organisierte Proletariat soll darin durch seine Organisationen eine große Rolle spielen. Mit diesem Optimismus Sembats stimmt eine Beschwerde der .Humanits" wenig überein, die über gesteigerte Ausbeutung be- sonders bei öffentlichen Arbeiten und Armeelieferungen Nagt. Manche zustellen. Das einzige, was man hier kaufen kann, sind Eier Hühner und Gänse; jedoch fehlt uns zur Bereitung von Geflügel meist die nötige Zeit. Unsere ganze Hoffnung setzen wir jedoch auf unsere Feldpost, die sich nach langer Zeit entschloffen hat, nun auch Pakete für unS zu befördern, und wird da wohl ein jeder von seinen Angehörigen mit etwas Fressalien bedacht werden." Sanitätshunüe an üer Arbeit. Ueber die Mitwirkung von Sanitätshunden beim Suchen von Verwundeten berichteten vom westlichen Kriegsschauplatz zwei Führer an den Vorsitzenden des Polizeihundevereins in.Hägen u. a.: „Unser Kommandeur sandte uns auf unsere Bitte abends mit einer Krankenträger-Patrouille nach einer Richtung, wo im Laufe des Tages ein heftiges Gefecht stattgefunden hatte. Wir nahmen in einem Krankenwagen Platz, und hinaus ging es in einer sternenklaren Nacht auf das Schlachtfeld. Nach einer Viertelstunde wurden die Lichter gelöscht. Ab und zu hallte ein Kanonenschuß und der Knall vereinzelter Schüsse durch die nächtliche Ruhe. Nach halb- stündiger Fahrt waren wir an dem Truppenverbandsplatz angelangt, wo unsere Krankenträger die Verwundeten aufnahmen. Wir zwei Hundeführer zogen mit unseren Hunden weiter der Front entgegen. Vor uns lag ein geräumiges Feld. Verwundete, die sich selbst mühsam fortschleppen konnten, zeigten uns die Stelle, wo noch Ver- mundete liegen könnten. Unsere Hunde wurden losgelassen und streiften durch einen Wall». Da schlug ein Hund an. Der erste Verwundete war in einem Gestrüpp gefunden. Er hatte beide Knie verletzt. Wir trugen ihn an das nächste Gehöft. Daun ging's mit den Hunden weiter. Nach zwei Stunden hatten unsere Hunde acht Schwerverwundete gefunden. Wir drangen immer weiter vor. Eine Schleichpatrouille er- zählte uns, daß kurz vor den englischen Schützengräben, die sich an einer Pappelallee befanden, noch Verwundete sich befinden müßten, und ein Verwundeter aus Gevelsberg, der seinen Freund suchte, bestätigte dieses. Die Schellen unserer Hunde wurden nun abge- stellt und die Schnauzen durch Bindfaden lose zugebunden, damit die Hunde keinen Laut geben konnten und so unsere Nähe verrieten. Wir muhten an brennenden Häusern vorbei. T« setzte ein heftiges Gewehrfeuer auf uns ein; vorsichtig krochen wir durch einen Graben der deutschen Schützenlinie zu. Unter einem in der Nähe liegenden Unterholz fand unser Hund einen Schwerverletzten mit einem Bauchschuß, der auf unser Ersuchen von seinen Kameraden geholt wurde. Der Verwundete aus Gevelsberg bat un», seinen Freund zu suchen, er hatte ihm versprochen, ihn zu retten. Im Nu hatte ihn auch unser Hund gefunden. Wir krochen in den Schützengraben, um einen Augenblick vor den feindlichen Geschossen sicher zu sein, und untersuchten ihn dort. Er gab kein Lebenszeichen mehr, und nach einer Viertelstunde mußten wir feststellen, daß er zur großen Armee abberufen war. Ein Lächeln lag noch auf seinem Gesicht. Das Eiserne Kreuz auf seiner Bruft, das er eben bekommen hatte, zeugte von seinem Mut. Wir gaben unser Erscheinen in der Schützenlinie bekannt und krochen vorsichtig hinüber. Die Schützenlinie war 120 Meter vom Feind« entfernt. Wir fanden noch zwei Verwundete, die wir lang- Fabrikanten für Kriegsmaterial sollen nach der„Humanits" die Löhne auf die Hälfte herabdrücken. Die Armee selbst liefert ihnen Ausbeutungsmaterial durch Beurlaubungen. Die Gewerkschaften hatten bisher Vertrauen zum Militärgouvernement, das sich die Atbeiter durch die Gewerkschaften vermitteln ließ. Aber der Unter- nehmerbund für öffentliche Arbeiten hatte gute Freunde unter den Genieoffizieren der Reserve, die die Emschiebung von Zwischenmeisteru durchsetzten. Skandalös ist auch die Ausbeutung der Frauen in der HcereSkonfektion und SanitälSindustrie. Die Schutzgesetze werden übertreten. Tie Löhne betragen 73— 128 Centimes pro Tag. Die von verschiedenen Bäckermeistern erwirkte Beurlaubung von Gehilfen wirkt gleichfalls lohndrückend, da die Gehilfen, die schlecht bezahlte Posten verlassen, sofort als arbeitslos zum Heere einberufen werden. Auch in der Provinz find die Zustände skandalös. Stellenweise untersagen die Unternehmerverbände die Wiederaufnahme der Betriebe, um die Arbeitsbedingungen herab- zudrücke»«. Die„Humanite" fordert das Einschreiten der Regierung. Sie weist auf das steigende Murren hin und meint, daß die Unter- nehmer verantwortlich gemacht werden müßten, wenn die nationale Verteidigung unter dtejcn Zuständen leiden sollte. Ein Tagesbefehl öes Generals Joffre. General Joffre, der Oberbefehlshaber der französischen Armee, hat kürzlich folgenden Tagesbefehl ei lassen: .ES ist mir gesagt worden, daß viele Offiziere die Mannschaft derb anfahren und unfreundlich behandeln und vor allem im Eiie» ein Vorrecht baden wollen, daS ihnen nirgends voroeichrieben ist. Die Republik hat den Kops, nicht den Magen zum O fizier gemocht. Es würde mich freuen, sehen zu dürfen, daß die Offiziere nicht nur in der Tapferkeit ihren Truppen ein leuchtendes Beispiel, sondern auch in ihrem Großmut gegen die Mann- schaff für diese ein Ansporn zum heiligen Dienst für daS gemein- fame Vaterland sind. Die Truppe bedarf zum siegreichen Bestand in den täglichen Gefahren nicht nur der binreichenden und kräftigen Nabrung deS LeibeS, sondern auch der Würze für die Seele, die unter den Eindrücken de? Krieges und den Eiinnerungen an den häuslichen Kreis vieles leiden muß. Tie Würze bieiet ihr die Hoch- achiung und Freundlichkeit der Ofsiz'ere. Der Offizier macht die Stimmung der Armee. Und wir bedürfen einer gehobenen, einer freudigen Stimmung." Kriegsgefangen in Zrantreich. Ein Arbeiter aus Nürnberg schreibt an»Die Wacht", Wochen- schrift für nationalliberale Palitik, auS Gap, Südfranlreich: >... Verwundet wurde ich beim Sturmangriff auf das Fort Veduna. durch zioei Kugeln(Querschläger) am 26. September, abends 3 Uhr, am linken Oberschenkel. Ein französischer Ober- arzt sagte zu mir:.Mann. Sie haben wunderbares Glück gehabt. Sie können Gott danken, Sie könnten schon lange wt sein." Also wiederum großes Glück im feindlichen Feuerregen. Die Aerzte in. Frankreich find sehr geschickt in allen Schubverletzungen, auch geben sie sich alle Mühe, uns in kürzester Zeit wieder herzustelleir. In meinem Saale liegen 23 Mann, meist Schwerverletzte, vier mit einem Bein, die sind am lustigsten von allen, die krappeln auf allen Vieren hin und her, gerade so, als wenn nichts mit ihnen geschehen wäre. Durch das feindliche Feuer war es meiner Kompagnie unmöglich, mich zurückzutragen, ich blieb von abends 3 Uhr bis nächsten Morgen um V18 Uhr allein im Walde liegen bei Regen und kalter Nacht, bis sich eine Abteilung Infanterie(Franzosen) meiner annahm. Der führende Offizier sprach gut deutsch, war auch sehr freundlich zu mir, und gab mir Wein, Zwieback und Schnaps; ich war ganz erstarrt, hatte viel Blut verloren und erst aus einer Ohnmacht erwacht. Auch die Mannschaft gab mir zu trinken und zu essen; eS waren alle Landwehrleute; auch zeigten ihre Gesichter mir gegenüber keinerlei Haß oder Groll..." sam bis an den Schützengraben schleppen mußten, und brachten sie dann ebenfalls nach dem nächitcn Gehöft. Einen Schwcrvenvundetcit fanden wir in einem Graben und brachten ihn auch dorthin. Stach- dem ich ihn notdürftig verbunden hatte, gingen wir»nieder zurück. Da fand ein Hund hinter der Hecke einen Verwundeten, der durch die Waden geschossen war, und wir brachten ihn, da Eile not tat, zur VerbandSstelle. Silöer aus öem bombardierten Reims. „Ou�rsnte-neuvieme jour 6» lxzmdsrclement!"—„Neunundvierzigster Tag der Beschießung!"— das ist die neue Zeitrechnung der Bewohner von Reims. Jeden Morgen, noch ehe eS dämmert, kriechen sie aus ihren durch Sandsäcke geschützten Kellern hervor und eilen, Männer. Frauen und Kinder, mit einigen Flaschen Wein, Brot und kaltem Fleisch kür ein kresco-Mahl" unter dem Arm auf die umliegenden Höhen der Stadt, von wo sie dem Artillerie- dffell der französischen Batterien mit den auf den eroberten Forts Brimont, Nogent, l'Abbesse und Bedru aufgestellten deutschen Ge- schützen zusehen. Am Abend, wenn das Artilleriefeucr nachläßt, kehren sie dann wieder in die Stadt zurück, und die beiden noch erscheinenden Lokalblätter teilen ihnen mit, welchen Schaden die Deutschen am 4g. Tage der Beschießung angerichtet haben. Ein Mitarbeiter des.Daist» Graphic" erzähst, daß besoi»derS die ölte- rcn Stadtteile, die Häuser der Rue du Marc, Rue Colbert, Rue de Betheny und Rue BoucherS de Perthes schiver gelitten haben. Was die Geschosse der deutschen Artillerie nicht zerstören, vernichten ihre.mit brennendem Petroleum gefüllten Handgranaten". Von den 128 0X1 Bewohnern der Stadt sind höchstens 48 008 zurückgeblieben. Obgleich sie sich tagsüber versteckt halten oder auf die Berge flüchten, sind doch gegen 788 die Opfer des Artillerie- kampfes geworden und über 1888 mußten schwerer oder leichter verwundet fortgeschafft werden. Die meisten Verletzungen sind auf herabfallende Mauerstücke oder einstürzende Häuser zurück- zuführen. Erst recht zeigt sich aber am Abend, wie verlassen die alte Krönungsstadt der französischen Könige jetzt ist. Kein Licht darf gebrannt werden; weder auf der Straße, noch aus den Fen- stern der Häuser darf ein heller Strahl leuchten. In den Gast- Höfen ziehen die Angestellten doppelte dunkle Vorhänge vor die Fenster, ehe sie Licht anzünden. Auf der Straße herrscht ägyptische Finsternis. Da es oft regnet und man dann die Hand vor den Augen nicht sieht, muß man sich förmlich weiter tasten und fühlen. Von Zeit zu Zeit erklingt der Schritt einer Militärpatrouille, die nachprüft, ob auch kein Lichtschein aus irgendeinem Haufe den beut- fchen Geschützen ein Ziel zu bieten vermag. In den drei oder vier CaseS und Restaurants, die ihren Betrieb ausrecht erhalten haben, sieht man nur Uniformen. Schon einige Minuten vor 9 ertönt der Ruf:.On kerme! On kerme!"(Es wird geschlossen!) Man schffeßt mit größter Pünktlichkeit, und die Gäste müssen in dunkler Nacht ihre Irrfahrt nach dem off im Keller gelegenen Heim oder dem Hotel antreten..Die größte Furch: der Reimser(so meint der Mitarbeiter,. deS»Daily Graphic") ist die. die Deutschen könnten vor ihrem Rückzug, der nach ihrer im Norden bevorstehenden Nieder- läge unvermeidlich ist. noch Rache an der Stadt nehmen und fi« in Grund und Boden schießen." Von den Engländern erbeutete deutsche Schiffe. Rotterdam, 21. November.(B. T. B.)„De Maasbolde" meldet: Der deutsche Damvfer„Professor Woer» mann" wurde vom Prisengericht in Sierra Leone als gute Prise erklärt, ebenso in Kapstadt der deutsche Dampfer „Rufidji": die Ladung des englischen, für die Deutsche Ostafrika-Linie fahrenden Dampfers„Den o f© I a mt s" wurde beschlagnahmt. Kujsische Kreuzer unter englischem Kommando. Kürzlich wurde gemeldet, daß zwischen Rußland und England eine gegenseitige Unterstützung vereinbart worden sei. Man tonnte aus dieser Meldung schließen, daß englische Marine aus russische Kriegsschiffe kommandiert worden ist. Aus dem ausführlichen amt. lichen Bericht über die Versenkung deS russischen Kreuzers „Schemtschug" durch die„Emden", der erst jetzt vom russischen Marinestab veröfsentlicht wird, ist nun die Feststellung interessant, daß der Kreuzer unter englischem Kommando war und die Flagge des englischen Vizeadmirals Jerom gehißt hatte, der auch die Ver nichtung deS Kreuzers nach Petersburg me den mußte. Die „Schemtschug", die zuerst englische Truppentransporte begleitet hatte, kreuzte- zuletzt bei den Nikobarcn und kam erst am 27. CU tober nachts im Hafen Penang an. Schon am 28. Oktober, morgens 8 Uhr, wurde sie von der„Emden" angegriffen und durch zwei Torpcdoschüsse versenkt. Aus dem amtlichen Bericht ergibt sich auch, daß die Behauptungen englischer Blätter, die„Emden" sei mit russischer Flagge eingelaufen, falsch ist. Der englische Admiral rapportiert einfach, die„Emden" sei wegen ihres vierten Schorn- st. ins mit dem russischen„Askold" verwechselt worden, der auch in den englischen Geschwaderverband übergegangen ist. Die Behandlung der in England festgelegten deutschen und österreichischen Kapitalsanlagen. London 22. November.(W. T. B.) In der gestrigen Sitzung des Unterhauses brachte der Attorney-General Sir I. S i m o n ein Ergänzungsgesetz zu dem Geseke über die Handelsbe- Ziehungen zum Feinde ein, das weitere Maßnahmen zur Verhinderung von Geldzahlungen an Personen und Körperschaften in feindlichen Ländern vorsieht. Simon sagte: Das Ziel der Ergänzung ist, das Gesetz nach der gewonnenen Erfahrung auszubauen und die Verhinderung einer Zufuhr von Geld an den Feind wirksamer zu machen. Das Gesetz sieht die Schaffung einer Behörde vor, die wenigstens einen Teil des Geldes und anderen Eigentums, das sonst den Weg nach Feindesland finden würde, entgegennimmt und in sicherer Ver- Wahrung des Lande? hält. Diese Behörde wird für England und Wales der öffentliche Kurator sein, der den Titel Kustos des fctnd- lichen Eigeniumd führen wird, für Schottland und Irland werden besondere Maßnahmen getroffen werden. Alle Dividenden. Jnter- essen, und Gewinnanteile, die in Friedenszeiten an den Feind oder an eine Person, deren Adresse in Deutschland aber Oesterreich ist, gezahlt worden wären, werden an den Kustos abzuliefern sein, der dafür einen Empfangsschein ausstellt und dem Schatzamte verant- wortlich sein wird. In Fällen, wo dem Gesetze dadurch ausgewichen loird, daß keine Erklärung über Dividende oder Gewinn abgegeben wird, hat der Kustos das Recht zu bestimmen, wie groß die Tivi- dende sein soll. Ferner wird vorgesehen, daß jedermann, der feind- licheS Eigentum verwaltet oder Geld für feindliche Untertanen ein- zieht, bei Strafe diese Tatsache bekanntgibt. Durch Ausstellung der Empfangsscheine entlastet der KustoS die Person, die das Geld schuldet, ebenso wie wenn die betreffende Person dem ursprünglichen Gläubiger bezahlt hätte. Sobald der Kustos das Eigentum des feindlichen Gläubigers in Händen hat, kann dieses Eigentum zur Begleichung der Schulden des feindlichen Gläubigers ,n England flüssig gemacht werden. Es würde aus diese Weise möglich sein, Eigentum und Dividenden, die bestimmten Deutschen gehören, zur Erfüllung von Geldverpflichtungen, die diese Deutschen im Lande haben, zu benützen. Der vom Kustos ausgestellte Empfangsschein würde für eine zahlungleistende Person gegenüber einer Person oder Körperschaft, in deren Namen Zahlung geleistet wurde, eine genügende Entlastung sein. Das Gesetz beabsichtige, feindliches Eigentum für Vereinbarungen beim Friedensschluß zu verwahren, und eS sei daher klar daß es sich nicht um irgendeine Art von Kon- fiskation handelt. Die Absicht der Regierung sei vielmehr, das Eigentum b�s Ende des Krieges zu schützen, um dann in ange- messener und gerechter Weise damit zu verfahren. Das Zusatzgesetz sieht ferner Verfügungen vor, die das Gesetz mehr als bisher ver- schärfen. Sir I. Simon fuhr fort, ein deutscher Kaufmann könne eine Forderung gegen einen Londoner Kaufmann haben und diese For< derung auf einen Neutralen übertragen, so daß sie von dem Neu- tralen gegen den Londoner Kaufmann eingebracht würde. DaS muß aufhören. Dasselbe gilt von Wechseln. Wenn gefunden wird, daß eine neutrale Bank ein Londoner Akzept einkassieren will, das ihr nach Ausbruch des Krieges von einem feindlichen Untertan übertragen wurde, so wird man dagegen einschreiten können. Es gibt eine große Menge Deutscher und Oesterreicher in Deutschland und Oesterreich, die Aktien englischer Gesellschaften besitzen und diese an Neutrale verkaufen können. Deshalb wurde vorgesehen, daß nach Gesetzwerdung der Ergänzungsvorlage die Uebertragung von Wertpapieren von oder für einen feindlichen Untertan dem Empfänger keine Besitzrechte einräumt und keine im Namen eines feindlichen Untertans vorgenommene derartige Ueber- tragung in die Bücher irgendeiner Gesellschaft des vereinigten .Königreiches eingetragen wird. Eine Anzahl von Unternehmungen deutschen Charakters hätten seit Ausbruch des Krieges versucht, sich in englische Gesellschaften umzuwandeln. Die Regierung will daher Borsorge treffen, daß im weiteren Verlauf des Krieges neue Gesell- schaften nur dann einzutragen sind, wenn sie eine gesetzmäßige Er» klärung eines Rechtsanwalts besitzen, daß sie nicht zum Zwecke oder in der Absicht gegründet worden seien, sich eine Unternehmung eines feindlichen Untertans oder einen Teil davon anzueignen. Nicht nur der Handelsverkehr mit feindlichen Untertanen, sondern auch der Versuch, einen solchen Handel anzubieten, wird ein Vergehen gegen das Gesetz sein. DaS Gesetz wurde in zweiter Lesung angenommen. Das enalijche Teeausfuhrverbot. Rotterdam, 22. November.(T. 11.) Infolge des am Montag in Kraft getretenen englischen TeeauöfuhrverbotS nach allen neutralen Häsen, ausgenommen diejenigen der verbündeten Staaten und Spanien und Portugal, wurden verschiedene bereit» unter- wegs befindliche Verschiffungen in der Themse zurückgehalten. London, 22. November. lW. T. B.) Ter„TimeS" zufolge ist der Erlaß, der die Ausfuhr von Tee nach Holland, Schweden und Norwegen verbietet, noch nicht formell veröffentlicht worden. Er stelle offenbar nur einen Entschluß der Regierung dar, zu ver- hindern, daß Tee durch neutrale Länder Deutschland erreiche. Die Dezkehungen zwischen Bulgarien und der Türkei. Sofia, 22. November.(W. T. B.) Nachdem die bulgarische Regierung bei der Pforte energische Schritte unternommen hat. hat diese sich bereit erklärt, die in den letzten Tagen ergriffenen beschränkenden Maßnahmen wieder aufzuheben. Die bulgarischen Konsuln können sich also in Zukunft für ihre Korrespondenz wieder frei ihrer privaten Siegel bedienen und ihre Briefe in bulgari- scher Sprache schreiben. Tie für 24 Stunden unter- brochenen Eisenbahnverbindungen sind wieder hergestellt. verschwundene Liebesgaben. Augsburg, 2!. November. In der heutigen Magistratssitzung wurde bekanntgegeben, daß eine große Sendung Augsburger Liebes- gaben für das 3. Bayerische Landwehrinfanterieregiment— 49 Kisten im Werte von 10 000 M.—, vor 5 Wochen ausgegeben, auf dem Transport spurlos verschwunden ist. Alle Reklamationen waren Lissabon aus wuroen Verstärkungen geschickt.(„Franks. Ztg.") politische Ueberftcht. Tie Tagesordnung der nächsten Neichstagssttznng. Tie Sitzung des Re-chstags, die am Mittwoch, den 2. De. zember, nachmittags 4 Uhr, stattfindet, hat folgende Tages- ordnung: Erste und eventuell zweite Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betrefffend die Feststellung eines zweiten Nach- trags zum Reichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1914. Fürsorge für die ostprcustischen Flüchtlinge. WolffS Telcgrapben-Bureau teilt mit: Ausrufe, die in der hauptstädtischen Presse zum Abdruck gekommen sind und einzelne Zeitungsartikel könnten zu der Auffassung führen, es befänden sich die von der feindlichen Invasion aus ihrer Heimat vertriebenen Ostpreußen in tiefster Not und es geschähe seitens des Staates wenig oder gar nichts zu ihrer Unterstützung in der Fremde. Das entspricht in keiner Beziehung de» Tatsachen. Der Staat gibt Millionen her für diesen Zweck. Die Neigung, Erscheinungen, die vereinzelt in der Hauptstadt beobachtet werden können, auf das ganze Land zu übertragen und daraus allgemeine Schlüsse zu ziehen, spricht auch aus den erwähnten Aufrufen. Tätsächlich befinde» sich von sämtlichen ostpreußischen Flucht- lingen in Berlin weniger als 10 Proz. Die anderen haben in West- Preußen, Pommern, Brandenburg, Sachsen, SchleSwig-Holstein, Mecklenburg und Hannover Unterkunft gefunden, und zwar keines- wegs nur auf dem flachen Lgnde, sondern auch in Städten. Nirgends find dort etwa Massenguartiere eingerichtet, sondern für die Unter- kunft wird nach bester Möglichkeit individuell gesorgt, der Berufs. genösse beim Berufsgenossen. Ob und wie jemand arbeiten will, ist ihm ganz ebenso überlassen wie in Berlin. In mehreren von diesen erwähnten Bezirken stehen- noch Quartier« jeder Art bereit, und nichts hindert die in Berlin befindlichen oftpreußischen Flüchtlinge, ssch aus der ungenügenden Berliner Unterkunft in das behaglichere und bequemere Provinzquartier zu begeben, wo es an nichts gebricht, wo fiir Wohnung. Nahrung und Kleidung reichlich gesorgt ist. Von den Ostpreußen, die in der Provinz Unterkunft und Pflege gesucht und gefunden haben, ist in dieser Zeit noch keine Klage laut geworden. Einfache praktische Erwägungen lassen die R e i ch S h a u p t- fadt in dieser Kriegszeit als einen wenig geeignete» Zu- l u ch t S o r t für die vorübergehend aus ihrer Heimat Ver» triebencn erscheinen. Unterbringung, Ernährung, Beschäftigung sind in Berlin nicht so zufriedenstellend zu bereiten wie in Stadt und Land der Provinz. Di« soziale Not, die der Krieg unvermeid- [ich zur Folge hat, lastet naturgemäß am meisten auf der Haupt- stadt, und cS liegt durchaus im Interesse Berlins sowohl� wie der flüchtigen Ostpreußen, wenn die Provinzen die Haupt- stadt entlasten und die Flüchtigen in den stilleren und behatz. licheren Lebensverhältnissen rn der Provinz Zuflucht finden, dl« ihren heimatlichen Gewohnheiten weit mehr entsprechen. Für diejenigen Flüchtlinge aber, die aus persönlich zwingenden Gründen Berlin nicht verlassen können, ist Fürsorge auch von Staats wegen getroffen. Es ist das Kriegsbureau des Polizeipräsidiums in den Stand gesetzt worden, nach Prüfung der Per- hältniffe Unterstützungen zu zahlen. Selbstverständlich steht das Krieasbureau auch mit Rat und Tat denjenigen Ostpreußen in Berltn zur Seite, die sich in die Provinz begeben wollen. Tie Strenge der KriegSgesetze. Das Erfurter Kriegsgericht verurteilte den Ersatzreservisten Ernst Kopf vom Rekrutendepot des 90. Infanterieregiments in Gera wegen Achtungsverletzung, fortgesetzten Ungehorsam und tät- lichen Angriffs auf einen Unteroffizier zu 19 Jahren und 1 Monat Gefängnis. Der Verurteilte ist ein verheirateter Fabrikarbeiter aus dem Elsaß. Er war mit etwa 300 Kameraden in der Geraer Turnhalle einquartiert. EineS Abends kam er im angetrunkenen Zustande in sein Quartier' und verursachte hier trotz wiederholter Aufforderung des Stubenältesten, sich ruhig zu verhalten, Lärm. Auch die Ermahnung des Unteroffiziers Klötzer beachtete der An- geklagte nicht. Als ihm dann der Befehl erteilt wurde, aufzustehen, weigerte er sich mehrmals, doch erhob er sich dann, ging auf den Unteroffizier zu und versetzte ihm einen Stoß. Der Unteroffizier stieß den Betrunkenen dann zurück auf das Bett. Auf die Frage des Porsitzendcn an den Unteroffizier, ob der Angeklagte absichtlich nach ihm gestoßen oder nur getorkelt sei, er- widerte der Zeuge, daß er das nicht beurteilen könne, doch habe er den Eindruck gehabt, als habe der Angeklagte auf ihn eindringen wollen. Da'nach dem Militärstrafprozeßbuch selbstverschuldete Trunkenheil kein Entschuldigungsgrund ist, so kam die volle Schärfe der Kriegsgesetze in Anwendung. .Was für verhängnisvolle Folgen übermäßiger Alkoholgenuß für einen Soldaten in dieser ernsten Zeit zeitigen kann, mußte auch der Ersatzreservijt Leo Heimburger vom Rekrutendepot des 94. Jesantcrieregiments ,n Weimar erfahren. Er weilte am Abend des 7. September in einer Wirtschaft in Weimar. Da er geborener Elsäffer ist, so wurde er von den Gästen aufgefordert, cttvaS von seiner Heimat zu erzählen. Hierbei wurde tüchtig Bier Setrunken. Er geriet im angetrunkenen Zustande mit einem nterofiizier in Differenzen. Nach der Aussage des Unteroffiziers vor Gericht soll Heimburger später in der Kaserne mit einem Kameraden aus ihn, den Zeugen, eingedrungen sein und eine drohende Haltung eingenommen haben. Auf Grund dieser Aus- sage wurde die Verhandlung gegen Heimburger, der ursprünglich nur wegen Gehorsamsverweigerung angeklagt war, weil er den Befehl des Unteroffiziers, sich in das Bett zu legen, nicht sofort befolgt«, vertagt, da nach der Auffassung des Gerichts beabsichtigter militärischer Aufruhr vorliege und darum erneute Feststellungen notwendig seien. Das Kriegsgericht der Kommandantur Breslau verurteilte den Wehrmann Karl Pieprz vom Ersatz-Bataillon des Reserve- Regiments 38 wegen Gehorsamsverweigerung in zwei Fällen und Achtungsverletzung in drei Fällen im Dienst vor versammelter Mannschaft und tm Felde zu einem Jahr und sechs Mo- naten Gefängnis, tvobei in allen Fällen die Min- de st strafen eingesetzt wurden. Der Wehrmann kam be- trunken zum Schießen. Sein Feldwebel machte ihn aufmerksam. daß er schlecht schieße. Der Wehrmann antwortete:„Das verstehe ich besser, e» hat mir niemand was zu sagen." Ein hinzukommender Offizier fragte den Mann, was er dem Feldwebel gesagt. Der Mann antwortete:„Das muß er alleine wissen". Ter Offizier be- fahl dem Mann, militärische Haltung anzunehmen, was er nicht tat. Er warf sogar sein Gewehr weg und sprach:„Hier ist die Knarre". Nun ließ ihn der Offizier verhaften. Wir führen diese Fälle an. um darzutun, wie� schwer Milrtar- Personen jetzt unter dem Kriegsrecht bestraft werden, wenn sie sich unter der Wirkung des Alkohols vergessen. DaS sollten sich aber auch die Leute merken, die in diesen Tagen im patriotischen lieber- schwang Soldaten zum Trinken auffordern, wobei nur zu leicht die Grenze de» Zuträglichen überschritten wird. /tos Groß-öerlin. Am gestrigen Totensonntag. pilgerten Hunderttausende hinaus nach den Friedlwfen. Obwohl der Massenfricdhofsbesuch bereits am Bußtag einsetzte und die nachfolgenden Tage seinen Fortgang nahm, waren die Straßen Berlins von früh bis in die Dunkelheit oft schwarz von Menschen. Tic Verkehrsmittel genügten meist nicht, um die FriedhosSbeiucher zu befördern. Diese Wallfahrt nach den Todesäckcrn war in An- betracht des prächtigen Wetters zu erwarten, lieber den zuweilen mit Kränzen geschmückten Gräbern lag früh morgen? ein starker Herbstfrost, und als einige Stunden später die Sonne purpurrot heraufstieg, schien es, als wollte sie all cas erstorbene Leben von neuem erwecken. Doch schwerer als sonst lastete es auf den Seelen der vielen Tausenden, die gestern zu den Gräbern pilgerten. Von zwiefachem Schmerz waren so manche Besucher betreffen. Sonst trat der Gatte, der Vater den Weg zu den teuren Toten mit an, diesmal weilt er auf dem Schlachtfeld, wenn nicht gar auch ilm bereits die kalte Erde deckt, lind selbst unter denjenigen die noch mit Sicherheit ihre auf dem Schlachtfeld befindlichen Angehörigen unter den Lebenden meinten, löste der Friedhofsbesuch Gedanken kommenden Wehs aus Von dieser düsteren Stimmung wurde ver gestrigen Totensonntag beherrscht. Ein tödlicher Banunfall ereignete sich Sonnabend nachmittag im Neuen Garten auf dem Neubaukomplex des kronprinzlichcn Landhauses in Potsdam. Dort hatte die Berliner Jnstallationsfirma Wolffcrts u. Wittner eine Entwässerungsanlage auszuführen. In dem seinerzeit bei den Ausschachtungsarbeiten ausgchobencn Erdreich mußte ein vier Meter tiefer Graben gezogen werden. Die Versteifungen gaben nach und das lose Erdreich rutschte in den Graben und verschüttete drei darin arbeitende Rohrleger. Man alarmierte scfort die Pols- damer Feuerwehr. Sie war rasch mit einem Sauerstoffapparat und Schachtgcrät zur Stelle. Nach mehrstündiger Arbeit konnte man die Verunglückten aus den Erdmassen befreien. Ter 19jährigc Rohrleger Ludwig Dachs war bereits tot. Der 32jährigc Rohr- leger Wilhelm Sabielnh erlitt Obcrschcnkclbrüche und Hüft- quetschungcn und der Rohrleger Adolf Weis. 18 Jahre alt. kam mit leichteren Verletzungen davon. Dr. Mertz legte sofort Ver- bände an und oedneje die Ucberführung der Verletzten nach dem städtischen Krankenhause an. Die Leiche des Dachs wurde nach dem Friedhof gebracht, sie soll zur Feststellung der Todesursache obduziert werden. Die Schuldfrage an dem Unglück bedarf noch der Feststellung. Kleine Nachrichten. Hütet Eure Zunge«: DaS Kriegsgericht in Koblenz verurteilte einen aus Luxem- bürg stammenden Geschäftsreisenden namenS Tardcs zu drei Monaten Gefängnis, weil er in einem Eifenbahngefpräch die Kriegslage der Deutschen als überaus schlecht hingestellt hatte. Er berief sich auf ausländische Blätter, doch fand das Gericht t'.l seinem Vorgehen eine böswillige Absicht. Die Leistungen der Feldpost. Aus H öch st a. M. wird berichtet, daß dort ein Mädchen in den ersten 1ö Wochen des Krieges ihrem Bräutigam 184 Feldpostbriese geschrieben habe, also durchschnittlich zwei im Tag. Freudestrahlend habe das Mädchen versichert, daß alle 184 ihr Ziel erreicht hätten. Wenn man von solchen Einzelanforderungen hört und ferner auS dem Betrieb einer Etappenkommandantur deS XVIII. Armeekorps z. B. erfährt, daß die Auflieferung von 6 bis 10 Sendungen im Tag an einen Soldaten keine Seltenheit bedeutet, dann wird man sich ohne viel Ueberlegung klarmachen können, wie außerordentlich die Gesamtleistungen sind, die von unserer Feldpost in diesem Kriege verlangt werden. Bedenkt man noch, daß etwa ein Fünftel bis ein Sechstel der Adressen falsch oder ungenau ist, so wird man eher als beim Nennen der Gesamtzahl der Auflieferungen von Feldpostsachen im Reick(b— 6 Millionen Briefe und Karten im Tag) sich über die Ursachen vieler Anklagen gegen die Feldpost ein Bild machen können. „Warum find Tie so traurig, Mutter?" In ostpreußischen Blättern gib» Frau Margarete Kerlach-Saalau eine auSsührliche Schilderung der Rüsten- herrickiast auf ihrem Besitztum. Sie teilt mit. daß täglich Russen gekommen wären und daß sie sehr viel Vieh und alle Pfeide mitgenommen bätlen. Dann schreibt d,e grau: „Einmal setzten sich russische Soldaten zu mir. um sich auszuruhen und fragten:„Warum findSie so lraurig. Mutter? Haben Sie auch Angeh örige im Kriege? Trösten Sie sich Mutter, sie werden olle gesund wiederkehren. Wir wollen diesen schrecklichen Krieg ebensowenig wie Ihr. Schon lange sind wir aus dem wehrpflichtigen Aller, und doch mußten wir olle mit. Unsere Frauen und Kinder sind unveisorgt____ In unserem Hause quartieren sich immer die O f i i, i e r e ein. Sie waren sehr höflich und velsicheNcn, uns würde von ihrer Seite nicht» geschehen..._ Sich selbst gerichtet. Der Gärtnergehilfe Rebcner, der Sonnabend mittag in H a n- n o v e r die Tochter seines Brotherrn ermordet hatte, wurde Sonn- tag morgen in der Eilcnriede erhängt aufgefunden. Zrauenlefeabende. Vierter Wahlkreis. Der beutige Fraurnleleabend für das Petersburger Viertel findet abend» ß'/, Uhr in den„ P r a ch t f ä l e n d c S Osten»-, giantsurter Allee 15ut52 statt. Vorlraz des Rciiysjags- abgeordneten Grnoflen Otto Büchner. Marirndorf. Heute Abend 8 Ut» findet tm Lokal bei H ä ü v l e i n der Frauenteseabend statt. Wetteraussichten für da« mittlere Rorbdcutschland bis Tietis- tag mittag: Ueberall ziemlich kalt, trocken und vielfach heiter, nur zeitweise, besonder» im Küstengebiete, etwa» nebelig. Ä!l>IlIeii«iI?itl8etiesV>!iIseiÄfi Kreis iiedeiiumte. Bealrk Tecel. Am Sonnabend, den 21. November, verstarb unser Genosse, der Former Fritz Kakles im Aller von 44 Jahren. Ehr« seinem Andenken. Di« Beerdigung findet am 24. November, nachmittag» 4 Uhr. von der Leichenhalle de» Tegeler FriedhoseS au» statt. Um reg« Btleiligung ersucht Dt« Bezirksleitung. veutscli- frsiuosisdi SpriebkOehleln(Or Feldtaldaten Zusammengefteill von Georg Davidsohn Preln 15 Pf. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 3. Der Inseratenmarkt im Kriege. einen Winter durchhalten. Nicht minder gesucht sind„ Kriegsdarlehen", und so mancher arme Teufel, der eine kleinere oder größere Summe braucht, wird seine letzten Hungergroschen an jene Hyänen opfern, die aus Menschenleid und Menschenunglück noch Gold münzen. der Decke streden. Die Kleider müssen, wenn irgendmöglich, noch In übergroßem Angebot präsentieren sich die„ möblier Spiegeln die Inserate und Ankündigungen schon zu ge- ten" 3immer und Wohnungen. Hier hat der Krieg wirklich wöhnlichen Zeiten das Leben in allen Nuancen wider, so find furchtbar gewirkt. In langen Reihen bieten die bedrängten sie zur jezigen Zeit geradezu auf den Kriegszustand abge- Vermieterinnen ihre freistehenden Räume an zu„ KriegsWer Geschäfte kaufen will, kommt jest billig dazu. stimmt. Der Krieg beherrscht das Inseratenwesen fast in preisen". Kein Wunder, die Ausländer fehlen fast ganz und geschäft sofort zu verkaufen, Mann im Felde." Zahlreich vollem Umfange. Fast keine Annonce, die nicht irgendwie die möblierten" Herren sind in übergroßer Mehrzahl im erscheinen die Inserate, wo der Inhaber eingezogen ist, die mit dem Krieg zusammenhinge oder auf ihn Bezug nähme. Kriege. Es kommt noch hinzu, daß den gewerbsmäßigen Frau aber aus diesem oder jenem Grunde das Gewerbe nicht In den ersten Kriegswochen lag das Inseratenwesen wie zer- Vermietern sich viele Außenseiter angeschlossen haben, indem weiter ausüben kann. Zu Spottpreisen werden sie ausgeboten. schmettert am Boden, der Kriegsschreck hatte lähmend auf die Frauen oder Mütter von im Felde Stehenden ein oder meh- Manche verkaufen auch, weil das Geschäft stilliegt und sie Inserenten gewirft. Allmählich beginnt es sich wieder zu rere Zimmer ebenfalls zu vermieten suchen. So liest man nichts zum Zusehen" haben. heben, zumal Weihnachten vor der Tür steht. Aber der Krieg jest oft Anzeigen, in denen herrschaftlich" eingerichtete Zimdrückt fast allen Inseraten den Stempel auf. mer mit allem Komfort, wie Zentralheizung, Warmwasser der Zurückgebliebenen um die lieben Angehörigen im Felde Eine gute Zeit haben die Wahrsagerinnen. Die Sorge Da sind in erster Linie die Liebesgaben, die in vielen bad, elektrisch Licht, Nachtbeleuchtung, Telephon usw., für 25 ist groß. Man möchte den Blick in die Zukunft bohren, möchte Variationen angepriesen werden: Schlafsäcke, Belze, bis 30 M. angeboten werden. Strümpfe, Unterkleider, Pulswärmer, Hustentropfen, Kaffee- Auch die Hauswirte haben die Tugend der Bescheidenheit gern wissen, ob der Mann, der Sohn, der Bruder oder fonftver von der Stugel verschont bleibt. Der Wunsch ist extrakt, Waffeln, Schokolade, Zigarren und dergleichen mehr gelernt und inserieren Wohnungen zu Kriegspreisen". Ein begreiflich; um so unbegreiflicher aber ist es, wenn einfältige werden zum Kauf für die Soldaten angeboten. Ein anderer wenigstens vorläufiger Abschluß in der Mietesteigerung Herzen ihr Geld zu den Wahrsagerinnen tragen, die ihre erbietet sich, auch während der Kriegszeit ernstliche Käufer ist eingetreten; hier hat also der Krieg mal etwas Gutes Herzen ihr Geld zu den Wahrsagerinnen tragen, die ihre Kunst" in mehr oder weniger verhüllter Form anpreisen. für Grundstücke jeder Art" besorgen zu wollen. Einen breiten Raum nehmen auch die Anzeigen für frei- Der Krieg umfaßt alle Seiten des Inseratenmarktes. Bukunft und verstehen es, in diefer oder jener Form sich in Trotz aller Bekämpfung deuten sie immer wieder flott die willige und Zwangsversteigerungen ein, die auch zum großen Da geht z. B. den kleinen Leuten ihr Lämpchen" aus: es fehlt der bürgerlichen Bresse auf dem Wege des Inserats zu emp Teil vom Kriege beeinflußt sind und hinter denen sich oft an Petroleum, und schon erscheinen große Propagandainje- fehlen. Wir warnen Neugierige! ergreifende Familienschicksale verbergen: Sofas, Sessel, Tische, rate, die auf Gas und Elektrizität unter vorteilhaften BedinBetten, Kanarienvogel, Hund usw., alles Dinge, denen ein gungen hinweisen. Menschenherz nachtrauern kann, wenn sie als Strandgut beim wirtschaftlichen Schiffbruch verschleudert werden. Hund billig zu verkaufen oder zu verschenken infolge des Krieges", fann man oft lesen. So mancher muß sich trennen von seinem Tierchen, ohne daß er es töten möchte. Fütterung und Steuer fönnen nicht mehr erschwungen werden. Pferdehändler zeigen an, daß neue Transporte junger mittlerer oder schwererer Pferde angelangt seien; zurzeit ein begehrter Raufartikel, da die kriegstüchtigen Pferde im Felde sind. Die Damen- und Herrenmoden werden jetzt auch wieder auf halben und ganzen Seiten angeboten, allerdings bei wei tem nicht in so reicher Fülle wie in Friedenszeiten. Die Mittelschichten und erwerbstätigen Stände müssen sich nach bewirkt. Winkelfonfulenten empfehlen ihre Dienste in allen Kriegsfragen" und photographische Ateliers teilen mit, daß sie Photographien Gefallener lebenswahr vergrößern. Hier suchen ostpreußische Flüchtlinge Unterkunft und dort ein ostpreußischer geflüchteter Landwirt Stellung.„ am liebsten aufs Land". Einzelne Regimenter wenden sich an Kriegsfreiwillige ( ausgehobene Rekruten und mit Gefängnis Bestrafte ausgeschlossen). Die Arbeiter, die Militärarbeiten herstellen können, haben wohl in ihrem Leben noch keine solche Hochkonjunktur erlebt wie jetzt. Sie sind gesucht und brauchen nicht mehr hangend und bangend auf dem Nachweis herumzusiken oder von Tür zu Tür gehen. Auch der Heiratsmarkt blüht wieder. Hier hat der Kriegsausbruch ebenfalls wie ein Nachtfrost gewirkt. Doch die Lähmung ist bald wieder gewichen, und so sucht bereits wieder der seriöse" Herr die vermögende Dame, und die„ distin guierte", aber leider arme Dame den„ gutfituierten" Herrn. Ein düsteres Gepräge verleihen dem Anzeigenteil die Todesanzeigen. Sie nehmen in Friedeszeiten den kleinsten Teil ein. Jetzt beherrschen sie das Feld. Ein Meer von Schmerz und Herzeleid offenbart sich, wieviel Menschenglück hat dieses unheilvolle Ereignis vernichtet! Zot, tot, tot! Reihe um Reihe. Der Sohn oder die Söhne, der Gatte, der Vater usw. Noch vor wenigen Monaten weilten sie unter uns in blühender Jugend und Gesundheit, jezt deckt die fremde Erde ihre Glieder und der schwarze Druck verkündet uns, daß sie nicht mehr sind. Kriegspflichten! Heiligste Pflicht der Arbeiter in diesen ernsten Zeiten ist es, den von ihnen selbst geschaffenen Organisationen die Treue zu bewahren. Ein jeder organisierte Arbeiter fülle in den Organisationen die durch den Krieg gerissenen Lücken aus; werbe nach besten Kräften für die Arbeiterorganisationen! Haltet Treue, tretet ein in die sozialdemokratischen Wahlvereine, werdet Abonnenten des Vorwärts". Beitrittserklärungen zu den Wahlvereinen werden entgegengenommen im Berliner Verbandsbureau, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, 3. Hof, Aufg. IV, 3 Tr. Bestellungen auf den„ Vorwärts" nehmen die Hauptexpedition, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, sowie alle Filialexpeditionen entgegen. V. Wahlkreis. Dienstag, den 24. November 1914, abends 8 Uhr, in den Musiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über: Kultur, Mitgliedsbuch legitimiert! Im zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 223/ 15* Der Vorstand. Deutscher Arbeiter- Wanderbund „ Die Naturfreunde" Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 29. November cr., im großen Saale bes ,, Gewerk. schaftshauses", Engelufer 15: Wanderer- Abend ,, Die 4 Jahreszeiten im norddeutschen Flachlande". Vortrag mit 120 Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen des Vortragenden Genoffen Georg Krämer. teilung unter Leitung Klamphon- Konzert der musikalischen Abihres Dirigenten Herrn Reinhold Vorpahl. Einlak 5½ Uhr. Anfang pünktl. 7 Uhr. Preis der Karte 20 Pf. Einlaßkarten find in der Geschäftsstelle Fritz Kruse, Mariannenstr. 11, Horsch, Engelufer 15, Heyse, Boyenstr. 19, und im Gewerkschaftshause sowie in den Zahlstellen zu haben. Besser als Seife oder Seife und Soda wäscht sches Minlos Waschpulver wie ein Mann hängen Man achte streng lionen dran. auf diese Sohutzmarke das weltbekannte Waschpulver von unvergleichbarer_Qualität. Preis nur 30 Pfg. das 1 Pfd.- Paket. In Das Waschpulver wird in heißem Wasser aufgelöst, in den Waschkessel gegossen, in diesem die Wäsche gekocht, solche danach heiß leicht durchgewaschen und darauf gespült. dieser Weise erhält man bei leichtester Arbeit eine blendend weiße, frische und reine Wäsche. Zu haben in Drogen-, Kolonialwaren-, Apotheker- und Selfengeschäften wie en gros von der Fabrik 1/17 L. Minlos& Co. in Köln- Ehrenfeld. Am Freitag, den 4. Dezember: Thoma- Abend im großen Saale des Gewerkschaftshauses". Rezitator: Herr Fris Richard. 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