Nr. 322.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 R., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Ba. Post. Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Die Infertions- Geodhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morihplas, Nr. 151 90-151 97. Mittwoch, den 25. November 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97. Toch keine Entscheidung in Polen. Ein englisches Schlachtfchiff auf eine Ifine geraten. Unterfeeboot gefunken. Ein deutsches Der Stand der Kriegsereignisse. Die Meldung des Großen Hauptquartiers österreichischen Armeen energiſche Angriffe, bei denen Boden # 7 gewonnen wurde, ohne daß ein entscheidender Erfolg zu verAmtlich. Großes Hauptquartier, 24. No- zeichnen war. Es steht nunmehr fest, daß Englands Flotte einen neuen Zur Begegnung des nördlichen Vorstoßes unserer Truppen schweren Verlust erlitten hat. Ist doch Ende Oktober eins vember, vormittags.( W. T. B.) wurden von Warschau her russische Verstärkungen herander neuesten und stärksten englischen Schlachtschiffe, der erst Englische Schiffe erschienen auch gestern an gezogen, während umgekehrt von Weljun( halbwegs zwischen 1912 vom Stapel gelaufene Dreadnought Audacious" auf eine Mine gelaufen und gesunken. Zwar scheint die der flandrischen Küste und beschossen Lom- Kalisch und Czenstochau) her neue deutsche Truppen in den Kampf eingriffen. Sowohl auf dem nördlichen, wie auf dem 1100 Mann betragende Besagung gerettet worden zu sein, bartzyde und Zeebrügge. Bei unseren südlichen Teile dieses ausgedehnten östlichen Hauptkriegsdoch wird auch so der Verlust des gewaltigen Panzertolofjes Truppen wurde nur geringer Schaden ange- schauplakes steht nach der letzten Meldung des deutschen in England schmerzlich genug empfunden werden. Durch die Beschlagnahme der beiden türkischen Dreadnoughts hat aller richtet. Eine Anzahl belgischer Landesein- der russischen Truppen und den großen Schwierigkeiten, die Hauptquartiers die Schlacht. Bei der gewaltigen Stärke dings England zu erwartende Verluste von vornherein aus wohner wurde aber getötet und verletzt. die Beschaffenheit des Geländes bietet, war von vornherein auf zugleichen versucht. Ueberhaupt wäre es eine Selbsttäuschung, wenn man die bisherigen Schiffsverluste der englischen Marine Im Westen sind keine wesentlichen Verände- eine rasche Entscheidung der Riesenschlachten nicht zu rechnen. bereits für eine wesentliche Schwächung der britischen See- rungen eingetreten. Auf dem östlichen Kriegs- lauf der Dunajec, die sich 30 Stilometer östlich von Krakau ftreitkräfte halten wollte. Mit Recht hat die„ Deutsche Tageszeitung" vor kurzem eingehend dargelegt, daß davon gar feine Rede sein kann und daß das gegenseitige Messen der Kräfte zur See noch nicht über das Stadium vor bereitender Aktionen hinaus gediehen ist. Auf dem west flandrischen und nordfranzöschauplatz ist die Lage noch nicht geklärt. In West galizien sind die Russen über den Unterin die Weichsel ergießt, gegen Aratau vorgestoßen, ohne, wie der österreichische Generalstab meldet, mit ihrer Offensive durchgedrungen zu sein. Immerhin bedeutet dieser russische Vorstoß die weitere Ausdehnung und Komplizierung der großen Schlacht in Polen. In Ostpreußen halten unsere Truppen ihre Stellungen an und nordöstlich der Seenplatte. 3m nördlichen Polen sind die dort im Gange In den Karpathen haben die Russen einige Bässe befindlichen schweren Kämpfe noch nicht ent- genommen. Db das den Beginn einer neuen Invasion in schieden. fischen Kriegsschauplatz scheint die kurze Schlachtenpause, die durch die eingetretene stürmische und winterliche Witterung sowie durch neue vorbereitende Dperationen eingetreten war, wieder von einem energischen Ringen abgelöst werden zu Im südlichen Polen steht der Kampf in wollen. Wurden doch aus den letzten Tagen wieder heftige Gegend Czenstochau, auf dem Südflügel nördlich Artilleriekämpfe und blutige Zusammenstöße gemeldet. HollänKrakau schreitet der Angriff fort. dische Blättermeldungen berichten von bedeutenden Verstärfungen der deutschen Truppen. Offenbar werden sich die Vorstöße der deutschen Truppen gegen Dünkirchen und Calais mit gesteigerter Energie wiederholen. Die amtliche russische Meldung, daß die Generale v. Liebert und v. Pannewih in OstAuch die Begner werden inzwischen nicht müßig gewesen preußen gefangen genommen seien, ist glatt ersein, Verstärkungen nach den gefährdeten Positionen zu werfen. funden. Der erste befindet sich in Berlin, der Doch wird die Nachricht, die belgischen Truppen seien durch die Einstellung neuer Refruten wieder auf 250 000 Mann 3weife an der Spitze seiner Truppe; beide sind gebracht worden, den begründetsten Zweifeln begegnen. Denn seit längerer Zeit nicht in Ostpreußen gewesen. Oberste Heeresleitung. wie es diesen Refruten gelungen sein soll, durch den Kordon der fast ganz Belgien besetzt haltenden deutschen Truppen nach Frankreich zu gelangen, dürfte ein unlösbares Rätsel Ein deutsches Unterseeboot zum Sinken bleiben. Auch bei Soissons und Reims dauern die Kämpfe mit erbitterter Hartnäckigkeit an. Reims soll schwer unter dem Bombardement gelitten haben und statt seiner ehemals 120 000 Einwohner deren nur noch 40 000 zählen. Ueberhaupt hat das offupierte Nordfrankreich furchtbar unter der Krieg führung gelitten. gebracht. Ungarn bedeutet, hängt von den dort verfügbaren russischen Streitkräften und der Zahl der in Ungarn vorhandenen öfterreichischen Truppen ab. Immerhin ist anzunehmen, daß Desterreich dieser seit Geraumem vorauszusehenden Gefahr nicht unvorbereitet gegenübersteht. Von dem Kriegsschauplah in der Bukowina haben wir seit längerer Zeit nichts mehr gehört. Auch dort rangen nach den letzten von dort eingegangenen Meldungen auf beiden Seiten Armeen von der Stärke mehrerer Armeekorps miteinander. Jn Serbien haben die Desterreicher gute Fortschritte gemacht und seit dem 6. November außer vielem Kriegsmaterial 13 000 Gefangene erbeutet. In den letzten Tagen bereitete die mit Vehemenz einsehende winterliche Witterung der österreichischen Offensive in dem gebirgigen Gelände einige Schwierigkeiten. So sehen wir, daß auf allen Teilen des gewaltigen Kriegsschauplatzes das gigantische Ringen der MillionenArmeeen ununterbrochen andauert. Und das Signum all Berlin, 24. November.( W. T. B.) Nach amtlicher dieser Kämpfe ist kein rascher, entscheidender Erfolg, sondern Bekanntgabe der englischen Admiralität vom 23. No- ein mit äußerster Zähigkeit durchgeführtes andauerndes Einvember ist das deutsche Untersee boot U 18 durch ein sehen aller Sträfte. Diese Art der Kriegführung ist bedingt englisches Patrouillenfahrzeug an der Nord. durch die Riesenzahl der in diesem Völkerkrieg gegeneinander tüste Schottlands zum Sinten gebracht worden. stehenden Kämpfer und die moderne Waffentechnik. Und wenn Aus dem Argonnenwalde melden die Depeschen Nach Meldung des Reuter- Bureaus sind durch den engli- nicht alles trügt, wird der Krieg auch in Zukunft diesen des deutschen Hauptquartiers andauernde Fortschritte. Doch bietet der Stampf in diesem dichtbewaldeten, durch zahllose schen Torpedobootszerstörer„ Garry" drei Offiziere und drei. Charakter behalten. Taleinschnitte zerrissenen, von den Franzosen mit großem Ge- ndzwanzig Mann der Besakung gerettet worden. Ein Mann schick befestigten Gelände nicht geringe Schwierigkeiten. Das gleiche gilt von den Kämpfen gegen Verdun und den übrigen französischen Festungswerken. ift ertrunken. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes der Marine. gez.: Behnde. Ein englischer Ueberdreadnought gesunken. Westlicher Kriegsschauplah. Die französische Lesart. Im Osten und Südosten wird auf nicht weniger als sechs großen Kampfabschnitten gerungen: in Ostpreußen. bei Lodz, bei Czenstochau und Krafau, in den Karpathen, in der Bukowina und in Serbien. Das Schwergewicht bei all diesen hartnädigen Kämpfen liegt zurzeit in Polen. In Dit preußen halten die deutschen Truppen ihr Positionen. Die erneuten russischen Einfälle konnten zwar aber Meldungen aus sicherer Quelle ist der englische maliges Leid über die deutsche Grenzbevölkerung bringen, Ueberdreadnought Audacious" am 28. oder haben aber feinerlei strategische Bedeutung. 29. Oktober an der Nordküste Irlands auf eine In Polen dauert die große Schlacht mit den russischen Mine gelaufen und gesunken. Die Hauptarmeen nun bereits seit vielen Tagen an, ohne daß es bis jetzt zur Entscheidung auf der wohl 200 Kilometer langen Admiralität hält das Ereignis streng geheim, Aufregung im Lande zu vermeiden. Nach der siegreichen Schlacht bei Wloclamec wurden die Audacious" hatte ein Deplacement von Ruffen nach General von Blume 5 bis 6 Armeekorps eine Maschinenſtärke von start mit schweren Verlusten gegen Barschau zurüd- 27 000 Tonnen, geworfen. Die aus der Richtung Thorn hervorgebrochenen 28 000 pferdekräften, eine Geschwindigkeit von starken deutschen Streitkräfte unternahmen hier zugleich einen 22 Seemeilen, eine Bestückung von zehn 34,3 cmFlankenangriff gegen die von Lodz bis gegen Krakau sich ausdehnende russische Hauptstreitmacht, die General von Blume und sechzehn 10,2 cm- Kanonen, die Besatzung beauf mindestens 900 000 Mann schätzte. Gegen diese Armee trug zirka 1100 Mann. unternahmen auch von Czenstochau und Krakau die deutschen und Paris, 24. November.( W. T. B.) Der amtliche Generalstabsbericht von gestern 11 Uhr abends lautet: Heute wie gestern fanden im Norden, im Gebiet von Soissons und Reims Artilleriekämpfe statt, in den Argonnen erfolgten auf beiden Rotterdam, 24. November.( W. T. B.) Nach Seiten heftige Angriffe, die jedoch ergebnislos verliefen. Front gefommen wäre. um Heftige Kämpfe an der Yser. Amsterdam, 24. November.( W. T. B.) Der„ Telegraaf" meldet aus Sluis: Den ganzen Sonntag über wurde hier Geschüßfeuer gehört, sowohl von der ser als auch von Ypern und Dirmuiden her. Der Eindrud, daß die Stämpfe immer heftiger werden, wird dadurch und durch die fortwährenden Truppenbewegungen verstärkt. Frische Truppen marschierten in großer Bahl nach Ypern; unter ihnen sah man auch eine bisher ganz unbekannte Uniform aus einer Art grauem Samt. Heranziehung französischer Reserven. Kopenhagen, 23. November.( W. T. B.)„ Berlingske Tidende" Reserve und Territorialtruppen von 1893 bis 1910, die noch nicht einberufen oder wieder heimgesandt worden waren, einberufen. meldet aus Paris: Der Kriegsminister hat alle Jahrgänge der Deutsche Fliegerbomben. Saint Omer, 24. November.(W. T. B.) Ein deutsches Flugzeug, das Hazebrouck überflog, warf fünf Bomben ab, ein Chauffeur wurde getötet. Ein zweites deutsches Flugzeug warf zwei Bomben über B a i l l c u l ab, durch die drei Personen verletzt wurden. Die belgischen Streitkräfte. Rotterdam, 24. November.(T. U.) Wie der Korrespondent des„Nieuwe Rotterdamsche Courant" in Terneuzen mitteilt, sind vom belgischen Heere nur 30 000 bis 40 000 Mann übrig �geblieben, es werde aber bereits ein neues Heer formiert, das, wie verlautet, eine Stärke von 250 000(?!) Mann haben soll. vom östlichen Kriegsschauplatz. Noch keine Entscheidung in polen. Wien, 23. November, mittags.(SS. Z. 33.) I n Russisch- Polen i st noch keine Entscheidung gefallen. Die Verbündeten setzen ihre Angriffe östlich Czenstochou und nord- östlich Krakau fort. Bei der Eroberung des Ortes P i l i c a machten unsere Truppen gestern 2400 Gefangene. Das Feuer unserer schweren Artillerie ist von mächtiger Wirkung. Die über den unteren Du n a j e e vorgegangenen russischen Kräfte konnten nicht durch- dringen. Die Kriegslage brachte es mit sich, dafj wir einzelne Karpathen pässe dem Feinde vorübergehend überließen. Am 20. November drängte ein Ausfall ans Przemysl die Ein- schU»ßuugstruppen von der West- und Südwestfront der Festung well zurück. Der Gegner hält sich nunmehr außer Geschiitzertrag, Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. v. H o e f e r, Generalmajor. Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Die Lage in Süüpolen unverändert. Wien, 24. November.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 24. November, mittag?. Die Schlacht in Rnssisch-Polen wird bei strenger Kälte von beiden energisch fortgeführt. Unsere Truppen eroberten mehrere Stühpunkte, gewannen insbesondere gegen W o l b r o m und beiderseits des Ortes P i l i e a Raum und machten wieder zahlreiche Gefangene. Ansonsten ist die Lage unverändert. Im inner» der Monarchie befinden sich 110 000 Kriegsgefan- zenr, darunter etwa 1000 Offiziere. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Generalmajor. Die ruPsche Generalstabsmeldung. Petersburg, 24. November.(W. T. B.) Der Stab des Generalissimus teilt mit: Der Kampf zlvischen W e i ch s e l u n d W a r t h e, der im Norden von Lodz den Charakter äußer st er Hartnäckigkeit angenommen hat, dauert an. Während des 22. Novembers haben wir überall heftige Angriffe der Deutschen zurückgewiesen. Von der Seite von W e l j u n traten neue feindliche Streitkräfte auf, die das Ziel hatten, den linken russischen Flügel zu umgehen.'—' In der Kampfeslinie C zenstochau— S5 r a k a u keine wesentliche Veränderung. In den Kämpfen am 21. November nahmen wir über 5000 Oesterreicher gefangen. der Seekrieg. Zusammenstoß eines deutschen Torpedoboots mit einem dänischen Dampfer. Kopenhagen, 23. November.(W. T. 23.) Der dänische Danipfer„Anglo Dane" hatte letzte Nacht außerhalb Falsterbo einen Zusammenstoß mit einem deutschen Torpedoboot, das schwer beschädigt wurde. Zwei schwerverletzte Matrosen des Torpedoboots wurden an Bord des Dampfers gebracht, der eine starb auf der Reise nach Kopenhagen, der andere kurz nach der Ankunft hier. Einzelheiten fehlen. An zuständiger Stelle erfahren wir, daß bei dem Zu- sammenstoß der Heizer Birnbaum getötet, Oberheizer Plaschke und Oberanwärter Stange schwer verletzt und mit dem Dampfer nach Kopenhagen gebracht wurden, Oberniaschinisten- maat Reimer erhielt eine leichte Verletzung, der Oberheizer Schlegianz und Heizer Biermcister wurden leicht verwundet. Winterrüstung im Zelöe. Jnsterburg, den 21. Nov. 1914. Ein ziemlich empfindlicher Frost hat eingesetzt und aus dem weichen, hakb-geschmolzenen Schnee eine Eiskruste gemacht, die den noch nicht mit Stollen bewaffneten Pferden große Schwierigkeit m macht. Aber die Kriegsnotwendigkeiten erlauben keine Rücksicht. stmmer vorwärts, ist die Parole, um Munition, Fourage, Ersatz- stücke zur Front zu bringen. Auch die Menschen leiden unter der Kälte, besonders diejenigen, die sich in den Schützengräben, Unter- ständen und Erdhöhlen aufhalten müssen. Die Buddelei ist mühe- voller geworden, Schnee und Frost tragen nicht dazu bei, das Leben in den Schützenlöchern angenehmer zu machen. Solange man sich noch bewegen kann, geht's noch— ein Tauerlauf macht warm.?lber wenn man nur mal die Beine hochziehen und wieder niederstampfen kann und wenn man sonst stillstehen oder liegen muß, dann kann natürlich eine allzugroße Gemütlichkeit nicht aufkommen. Mir sagte ein Berliner Landwchrmann:„Man wird zum Eiszapfen, aber, am schlimmsten ist es, wenn das warme Essen ausbleibt."— „Passiert denn das?"—„Gewiß ist das manchmal unvermeidlich, zuweilen konnte nicht einmal Brot herangeschasft werden."— Als mein Kollege dazu bemerkte, daß sich solches manchmal nicht der- meiden lasse, sagte ein Unteroffizier:„Na ja, das ist auch ein Trost; es gibt nun einmal Pechvögel, die immer zu spät kommen." Von der Intendantur erfahre ich, daß in der Versorgung der Mann- schaffen im Felde mit'varmem Essen eine erhebliche Besserung ein- geführt wird, lieber Mangel an Feldküchen könne man zwar nicht klagen; die Eroberung zahlreicher russischer Feldküchen gestatte sogar eine reichlichere Ausstattung der Bcrbände, trotzdem ergäben sich aus den Umständen doch zuweilen Schwierigkeiten in dem Heran- bringen warmen Mittagessens. Dem wolle die Armeeleitung nun durch Einführung von Kochkisten abzuhelfen suchen. Man hofft, dadurch jedem Mann ein warmes Mittagsbrot zu sichern. Die Erhaltung der Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Mannschaften im Winter kann ja nicht hoch genug angeschlagen werden. Wer hätte gedacht, daß die Kochkiste eiue solche Bedeutung erlangen könnte!— Auch der äußere Mensch bedarf im winterlichen Heeresdienst erhöhten Schutzes, zumal cs ihm an- erheblicher Körperbewegung jchlt. Cs wurde mir versichert, daß warme Unterkleider in ge- der Neutralitätsbruch Selgiens. Eine Sonderbeilage der„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht unter obiger Ueberschrist eine Reihe faksimilierter Schriftstücke, zum Beweise dafür, daß zwischen Belgien und England längst militärische Ab- machungen bestanden, deren Spitze sich ausschließlich gegen Deutschland richtete. Von besonderem Interesse sind die Aufzeichnungen über eine Unterredung, die zwischen dem englischen Militärattache in Brüssel, Oberstleutnant Bridges und dem belgischen Generalstabschef, General Jungbluth, im Jahre 1912 stattfand. Das Schrift- stück lautet: „Vertraulich. Der englische Militärattache hat den Wunsch ausgesprochen. den General Jungbluth zu sehen. Die Herren haben sich am 23. April getroffen. Der Oberstleutnant hat dem General gesagt, daß England imstande sei, eine Armee auf den Kontinent zu schicken, die aus 6 Divisionen Infanterie und aus 8 Brigaden Kavallerie— insgesamt aus 160 000 Mann— bestehe. England habe außerdem alles Notwendige, um sein Jnselreich zu verteidigen. Alles sei bereit, Die englische Regierung hätte während der letzten Ereignisse unmittelbar eine Landung bei uns vorgenommen, selbst wenn wir keine Hilfe verlangt hätten. Der General hat eingewandt, daß dazu unsere Zustimmung notwendig sei. Der Militärattaefw hat geantwortet, daß er das wisse, aber da wir nicht imstande seien, die Deutschen abzuhalten, durch unser Land zu marschieren, so hätte England seine Truppen in Belgien auf jeden Fall gelandet. WaS den Ort der Landung anlangt, so hat sich der Militär- attachs darüber nicht deutlich ausgesprochen; er hat gesagt, daß die Küste ziemlich lang sei, aber der General weiß, daß Herr Bridges während der Osterfeiertage von Ostende aus tägliche Besuche in Zeebrügge gemacht hat. Der General hat hinzugefügt, daß wir übrigens vollkommen in der Lage seien, die Deutschen zu hindern, durch Belgien zu marschieren." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt dazu: „Hier ist es irnekl ausgesprochen, daß die englische Regierung die Absicht hatte, im Falle eines dcutsch-französischen Krieges sotorl mir ihren Truppen in Belgien einzurücken, also die belgische Neutralität zu verletzen und gerade das zu tun, was sie, als ihr Deutschland in berechtigter Notwehr darin zuvorkam, als Vorwand benutzt hat, um Deutschland den Krieg zu erklären. Mit einem beispiellosen Zynismus hat ferner die englische Regierung die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland dazu ver- wertet, um in der ganzen Welt gegen unS Stimmung zu machen und sich als den Protektor der kleinen und schwachen Mächte auf- zuspielen. Was aber die belgische Regierung betrifft, so wäre eS ihre Pflicht gewesen, nicht nur' mit der größten Ent- schiedenbeit die englischen Insinuationen zurückzuweisen, son- dern sie mußte auch die übrigen Signatarmäckite des Londoner Protokolls von 1839, insbesondere aber die deutsche Regierung, auf die wiederholten englischen Versuche hin- weisen, sie zu einer Verletzung der ihr als neutraler Macht obliegenden Pflichten zu verleiten. Die belgische Regierung hat das nicht getan. Sie bat sich zwar für berechtigt und verpflichtet gehalten, gegen die ihr angeblich bekannte Absicht eines deutschen Einmarsches in Belgien militärische Abwehrmaßnahmen im Ein- vernehmen mit dem englischen Gencralstab zu treffen. Sie hat aber niemals auch nur den geringsten Versuch gemacht, im Einvernehmen . mit der deutschen Regierung oder mit den zuständigen Stellen in Deutschland Vorkehrungen auch gegen die Eventualität eines sranzösisch-engliichen Einmarsches in Belgien zu treffen, trotzdem sie von den in dieser Hinsicht bestehenden Absichten der Entente- mächte, wie das aufgefundene Material beweist, genau unterrichtet Ivar. Die Belgische Regierung war somit fest enlschlossen, sich den Feinden Deutschlands anzuschließen und mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Da es zu dem Verleumdungssystem unserer Gegner gehört, unbequeme Tatsachen einfach abzuleugnen, so bat die Kaiserliche Regierung die vorstehend erwähnten Schriftstücke faksimiliert der Oeffentlichkeit übergeben und zur Kenntnis der Regierungen der neutralen Staaten bringen lassen." Verschmelzung ßinnlanüs mit Rußlanü. Amsterdam, 24. November.(T. U.) Der„Nieuwc Rotterdamsche Courant" meldet aus Stockholm: In Finn- l a n d ist ein kaiserlicher Ukas erschienen, worin ein Programm für Finnland ausgearbeitet ist, das eine vollkommene Ver- schmelzung Finnlands mit Rußland vorsieht. Unter den Bestimmungen wird bemerkt, daß die Unabsetzbarkeit der Beamten beträchtlich eingeschränkt wird, ebenso das Recht einer politischen Parteizugehörigkeit. So werden russische Beamten eingesetzt werden, um finnische Aemter einzunehmen. Das russische Preßgesetz und das Vereins- und Versammlungsrecht werden auch für Finnland in Kraft gesetzt. Der finnische Unterricht wird dem russischen Unterrichtsminister unterstellt. nügendem Maß beschafft wurden. Ein großer Teil der Truppen bekomme aber auch, soweit eS nicht schon geschehen ist, schöne warme Pelze, insbesondere ZZachtposten, Patrouillen, die Leute in den Schützengräben usw. Die Industrie bietet alles aus, um die Aus- rüstung eines möglichst großen Personenkreises mit Pelzen zu ge- statten.„Ich möchte in dieser Beziehung eine Bitte um Unter. stützung an d i e j u n g e n M ä d ch e n richten," meinte lächelnd unser Informator,„es gibt sicher fast in jedem Hause einen oder mehrere abgelegte Muffe, die— wenn sie nicht gar zu enge sind— wir jetzt ausgezeichnet gebrauchen könnten für die Leute in den Schützengräben." Diesen zarten Wink der Intendantur gebe ich hiermit weiter. Schärfer und schwerer als unsere Truppen treffen die Be- sckwerden, die der Winter mit sich bringt, die Russen. Das ver- sicherten mir Leute, die erst vor kurzem über die Grenze zurück- kamen. Ter Russe sei zum Beispiel viel mehr als der Ostpreutze gewohnt, gegen Kälte und Nässe sich zu schützen. Daher bereite der Aufenthalt im Freien bei Regen, Schiieefall und Frost den russischen Soldaten ganz empfindliche Leiden, viel mehr als den deutschen Truppen. Dazu soll noch ein anderer, sehr böser Feind vernichtend in die Heere Rußlands eingebrochen sein und ihre Zlktionskrast erheblich beeinträchtigen—die Cholera! In Rußland soll die furchtbare Seuche in nicht geringem Umfang aufgetreten sein. Die deutsche Heeresleitung hat natürlich alle Maßnahmen getroffen, um der Qjolera ein Uebcrgreifen aus die deutschen.Soldaten und die deutsche Bevölkerung zu verwehren. Ist daher auch kein Grund zu Besorgnissen vorhanden, so kann doch Vorsicht, zum Beispiel im Gebrauch pon Wasser, dessen Herkunft nicht als einwandfrei be- kannt ist, nicht schaden. Besser zuviel Vorsicht, als'zu wenig. Zu bedauern ist das Vieh, das nun ohne Obdach, ohne aus» reichendes Futter draußen kampieren muß, wie das insbesondere vei den Viehbeständen der Fall ist, deren Besitzer trotz der Ab- Mahnungen der Behörden ihre Wohnsitze verlassen haben. Land- stürmer treiben das Vieh ans den verlassenen Höfen zusainmen. Kühe, Kälber, Ochsen stehen nun auf den schneebedeckten Wiesen vor der Stadt, frieren und hungern. Die Militärverwaltang hat in den lebten Tagen Heu als Futter für die Tiere abgegeben. Aber dem plötzlich eingetretenen riesengroßen Bedarf an Futter für Rind- vieb kann sie docss nicht genügen. Mangelhafte Ernährung setzt aber natürlich die Widerstandskraft des Viehes gegen Kälte herab, und so muß manches Rind geschlachtet werden, damit es nicht eingehe. D ü w e kl, Kriegsberichterstatter. Außer für die russische Leitung wird Finnland auch zu den Kosten für die Vertretung Rußlands im Auslande heran- gezogen werden. Die finnischen und russischen Einfuhrzölle werden auf die gleiche Höhe gebracht. Russische Waren er- halten in Finnland Vorzugsrecht. Russische Bankiers und Kaufleute dürfen auch mit Finnland Geschäfte machen. Das finnische Münzsystem wird mit dem russischen in Ueberein- stimmung gebracht. Die /lgitation in?nüien. Kopenhagen, 24. November.(SB. T. B.) Nach einer Blätter- meidung aus San Franeiseo macht das dortige revolutionäre indische Komitee große Anstrengungen, einen Aufruhr in Indien hervorzurufen. Es verbreitet in Tausenden von Exem- plaren einen Ausruf, der eine Aufzählung der Greueltaten ent- hält, die die Engländer in Indien begangen haben. Die schlechte Verwaltung Englands in Indien ziehe jährlich 167 Millionen Dollar aus dem Lande. Die Gefangenenunruhen auf öer Insel Man. Rotterdam, 24. November. die von der Allgemeinheit, und nicht zuletzt von der Industrie, ! ausgebracht werden müssen. Es ist wirtschaftlich jedenfalls i richtiger. Arbeitslosigkeit gar nicht erst auskommen zu lassen, ' sondern die vorhandene Arbeit nach Möglichkeit unter alle Arbeiter I zu verteilen und dem einzelnen weniger Lohn zu gebe», oder ! auch Arbeiten ausführen zu lassen, die im Augenblick noch nicht . i nötig sind, anstatt eine große Zahl von Arbeitslosen ohne Gegen- l. sjistung.nnt Almosen zu ernähren.", �,_____ Tieie Aborte, mit denen Ingenieur S cb n l z- M e h r i n in„Technik und liLirtichaft" einen Aufsatz über die Arbeits- organifation im Kriege einleitet, treffen durchaus das richtige, wenn unter dem„weniger Lohn" nur eine Minde- umcj des bisher gezahlten Arbeitslohnes verstanden wird. die un gerechten Verhältnis zu der verminderte» Arbeitszeit steht. Das heißt, für gleiche Arbeitsleistung muß nach wie vor der gleiche Lohn gezahlt werden. Gerade diese Forde- rung begegnet aber immer noch viel zu geringem Ver- ständnis. Vielfach wird sie sogar, und das gilt leider auch von dem angezogenen Artikel, in ihr direktes Gegenteil ver- kehrt, indem offen oder versteckt zur möglichsten Ausnutzung der Arbeitslosennot ausgefordert wird. Schulz-Mehrin betont mit Recht, daß es verkehrt wäre. die industrielle Erzeugung in der gegenwärtigen Zeit nur auf. Kri�H'slieferungen einzustellen. So umfangreich und vielseitig die Bedürfnisse von Heer und Marine auch sein mögen... w kann dadurch, doch bei weitem nicht soviel Arbeit geschliffen werden, wie durch die Stillegung der Friedens- arb�rt beseitigt worden ist. Es ist deshalb nötig, auch tvZhrend des Krieges noch soviel Friedensarbeit zu leisten, wie irgend möglich. Was zu diesem Zweck vom Staat und bon den Gemeinden zu veranlassen wäre, ist von uns zu wiederholten Malen dargelegt worden. In dieser vom Standpunkt des Technikers gemachten Zusammenstellung wird dazu noch die seit langein geplante und teilweise bereits in Angriff genommene Elektrisierung der Eisen- bahn genannt, an deren Bauten ohne Zweifel eine sehr große Zahl von Arbeitskräften beschäftigt werden könnte. Nicht weniger Beachtung verdient der Hinweis auf die L a n d- Wirtschaft, der es in der Kriegszeit„verhältnismäßig noch am besten" gehe und die infolgedessen in der günstigen Lage ist, jetzt Bauten ausführen zu lassen, Maschinen und Geräte anzuschaffen und' mancherlei Verbesserungen ihres Betriebes votJunchmen. Die recht sorgfältige Aufzählung dieser und anderer Möglichkeiten, die industrielle Erzeugung zu beleben und da- durch unserer Volkswirtschaft überhaupt einen verstärkten Antrieb zu geben, erhält leider einen höchst unangenehmen Beigeschmack durch die dreiinal wiederholte Bemerkung, daß jtztzt eine günstige Gelegenheit sei, billig zu bauen. Billig deshalb» weil angeblich jetzt billigere Arbeitskräfte zu haben � sind. Herr Schnlz-Mehrin meint,„die Arbeiter sind jetzt durchaus bereit, billiger zu arbeiten als bisher, sie nehmen lieber einen geringeren Lohn als eine noch kärglichere Arbeits- losenpinterstiitzung". Wir wissen nicht, woher ihm diese Wissenschaft gekommen ist. Uns ist von einer Bereit- Willigkeit der Arbeiter, billiger zu arbeiten als bisher, n'/chts bekannt. Sic wäre ja auch höchst merkwürdig in einer Zeit, die wegen ihrer Lebensmittelteuerung viel mehr den Wunsch nach Lohnerhöhung rechtfertigt. Wenn sich doch Arbeiter oder Arbeiterinnen finden, die mit geringerem Lohn sürlieb nehmen, so tun sie es gewiß nicht aus freiem Willen, sondern unter dem harten Zwange der Not. Ter wieder- holte Hinweis auf diese billigen Arbeitskräste bedeutet daher nichts anderes, als eine dringende Aufforderung, die gegen- wältigen ungesunden Zustände aus dem Arbeitsmarkt zu planmäßigen Lohndrückereien auszunutzen. Solcher Versuch ist an sich zu verwerfen. In diesem Falle inüssen wir ihn als ganz besonders bedauerlich bezeichnen, weil die Abhandlung in einer Zeitschrift erschienen ist, die von dein Verein Deutscher Ingenieure herausgegeben wird und deren Tendenz sonst auf die unpartmsche Beurteilung technisch- wirtschaftlicher Fragen eingestellt ist. verlin und UmgegenS. Tie Modelltischler haben gegenwärtig unter ihren 700 dem Holzarbeiterverbande angehörenden Mitgliedern 75 Arbeitslose. Demnach hat die Arbeitslosigkeit der Modelltischler jetzt ungefähr denselben Umsang wie vor dem Kriege. In der ersten Zeit des Krieges war die Lage in diesem BerufSzweige erheblich ungünstiger. Damals wurden 200 Arbeitslose gezählt. Tie Arbeitslosigkeit hat dann abgenommen, weil auch die Modelltischler in den für den Heeresbedars arbeitenden Betrieben Beschäftigung fanden, zum Teil auf Modelle, zum Teil aber auch auf verwandte Berufsarbeiten. Die jetzt vorhandene Arbeitsgelegenheit bieten fast nur die Großbetriebe der Eisenindustrie, wo Großmodelle für Kriegs- artikel benötigt werden. In den Kleinbetrieben der Modelltischlerei ist fast gar keine Arbeit vorhanden, da diese Betriebe hauptsächlich Modelle für die Maschinenfabriken liesern und dieser Industrie- zweig sehr wenig beschäftigt ist. Deutsches Reich. Arbeitermangel in Essen. Gelegentlich der Aufnahme einer Anleihe von einer Million sagte am letzten Freitag der Essener Oberbürgermeister, die Stadt Essen werde durch den Krieg nur wenig in Mitleidenschast ge- zogen, Arbeitslosigkeit bestebe nicht, im Gegenteil herrsche Arbeiter- mangel. Der Arbeitsmarkt zeige starke Anspannung, für ver- schiedene Berufe seien überhaupt keine Arbeiter zu bekommen.� Von Berliner Blättern(„Vossische Zeitung" vom 21. Iii) wird diese Aeußerung aufgegriffen, um nachzuweisen, daß die Wirtschaft- lichcn Verhältnisie Deutschlands besser seien als die Englands und Frankreichs. Man brauchte dagegen nichts einwenden, wenn nicht die Gefahr bestünde, daß durch tendenziöse Zurechtstntzung der Aeußernngen des Essener Oberbürgermeisters der Zuzug von un- gelernten Arbeitern nach Essen gefördert und so die für diese Arbeiterkategorie bestehende Arbeitslosigkeit noch vergrößert würde. Tatsächlich— und s o hat auch der Oberbürgermeister gesagt— wird Essen wenig vom Krieg in Mitleidenschast gezogen. Tie Zahl der Arbeitslosen in Essen ist gering, sie rekrutiert sich fast aus- schließlich aus ungelernten Arbeitern, denen sich aber schon mehr und mehr Arbeiter des Baugewerbes zugesellen. Nur in einzelnen Spezialberusen tqnaliftzicrte Metallarbeiter. Schlächter usw.) zeigte sich zeitweise Arbeitermangel. Es empfiehlt sich deshalb dringend. nicht, wie es vielfach geschieht, ohne weiteres nach Essen zu reisen, sondern erst durch die Organisationen A u s k u n s t über Arbeits- gelegenheit einzuholen. Daß die Lage in Essen, die Maßnahmen der Stadt, Kritik ver- dienten/ versteht sich von selbst. Es ist bezeichnend, daß am Freitag dem einzigen sozialdemokratischen Stadtverordneten, als er diese Kritik gelegentlich der Beratung der Anleihe üben wollte, das Wort durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung entzogen wurde. Mus Industrie und Handel. Gegen den Auskauf von Reichsgoldmünzen. Mehrsach sind in letzter Zeit ReickSgoldmünzen aufgekauft worden, um sie ins Aus- land auszuführen. Derartige Handlungen wirken der wünschen?- werten Konzentration des GoldgeldeS in der ReickSbank entgegen, und sind auch sonst in hohem Maße geeignet, das Wirtschaftsleben zu schädigen. Aus Grund der bestehenden Gesetze kann ihnen zwar cntgegeilgetreten werdeu, wenn sie die Boraussetzungen deS Landesverrats erfüllen oder verbotene Zahlungen in das feindliche Ausland bezwecken. Um sie auch dann, wenn diese Voraussetzungen nicht nachzuweisen sind, zu verbieten und unter Strafe zu stellen, hat der Bundesrat gestern eine Verordnung beschlopen. wonach jeder, der es unternimmt, Reichsgoldmünzen zn einem ihren Nennwert über- steigenden Preise zu erwerben, zu veräußern oder solche Geschäfte über ne zu vermitteln, mit Gefängnis bis zu einem Jahre und zugleich mit Geldstrafe bis zu 5000 M. bestraft wird. Ebenso soll bestrast werden, wer zum Abschluß oder zur Vermiltelunc, solcher Geschäfte auffordert oder sich erbietet. Gleichzeitig ist aus Einziehung der Münzen zu erkennen, die zu der Straftat gebraucht oder bestimmt sind. Erfolg der österreichischen Kriegsanleihe. Wie aus Wien tele- graphiert wird, weisen nach der vorläufigen Zusammenstellung die bis heute vormittag eingelaufenen Zeichnungen den Betrag von rund 144 1 000 0 00 Kronen aus. Die Frist sür die Zeichnung ist verlängert worden. Kriegsbeute des Kapitals. Der„ D a i l h C h r o n i c l e" macht darauf aufmerksam, daß ein Syndikat im Eise»Handel bestehe, das vom KriegSamt höhere Preise verlange als von Privatpersonen, namentlich für Wellblech. Mus öer Frauenbewegung. frauenhaft. Jil der Zeitschrift der„Deutschen Vereinigung sür Frauen- stimmrecht" gelangt„auf besonderen Wunsch mehrerer Mitglieder" ein Aufsatz von Ida Boy-Ed zum Abdruck:„Lieben oder Hassen?" Einige Sätze seien daraus wiedergegeben: Und ich fühlte, daß uns England beschimpft hatte(durch das Bündnis mit Japan) wie noch nie ein Volk es einem anderen gegenüber gewagt hat— und ich hatte einen jähen, entsetz- Ii che n Haß in mir. Er ist so stark geblieben, wie in jenem Moment seiner Geburt.... Ter Seemann, der immer zwischen Eisen, Männern und Wasser lebt, hat eine wunderbare Verehrung für Frauen und Kinder. Aber auch er muß hart werden, auch gegen Frauen und Kinder, wenn sie eng- l i s ch e n Männern gehören:... Und der Haß gibt dem ohnmächtigen Warten der Mütter so etwas wie eine Sättigung— oder es ist wie ein Verströmen, wo sonst das Uebermaß der Oual uns zersprengen müßte.... Es gibt nicht nur eine heilige Liebe, es gibt auch einen hei- ligen Haß— und das ist dieser gerechte, starke offene Haß. der sich keinen verhüllenden Mantel umhängt, sondern sagt, was er ist. Und den wollen wir hegen— bis wir ihn ablegen können, wie eine Waffe, die mcht mehr zeitgemäß ist. Generationen nach uns werden das erst können. Die einzige Bemerkung, die die Redaktion sür nötig hält, ist die, daß der Haß fast immer aus verschmähter Liebe komme,„aber wir.ver achten England. Verachten es um der Gewissenlosigkeit willen, mit der es diesen Krieg begonnen hat, und um der Feigheit willen, mit der es ihn führt!" Englische Frauen, Stimmrechtsorganisationen, sandten am Vc- ginn des Krieges einen wehmütigen Gruß an die deut- s che n Frauen. Ohne ihrer Würde etwas zu vergeben, boten sie die Hand und mahnten, daß es die Aufgabe der Frau sei. über den Krieg hinweg an der Verständigung der Nationen zu arbeiten. Deutsche Stimmrechtlerinnen, wenn es auch nur eine der drei großen Gruppen ist, antworten mit Haß und Verachtung. Die englischen Frauen haben mit ihrem Manifest ihrem Vaterlands sicher nicht geschadet.' Die deutschen haben aber mit ihrer befrem- denden Antwort dem deutschen Vaterlande ganz gewiß nicht g e- n ü tz tl Hintrrbliebenenfürsorge und uneheliche Kinder. Der Reichstag vom 4. August hat in Uebereinitimmung mit einer Petition des„Bundes für Mutterschutz" beschwisen, die Kriegs- Unterstützung auch auf uneheliche Kinder, bei denen die Ver- pslichtung des Vaters zur Alimentich:ung festgestellt ist, auszu- dehnen. In Konsequenz dieser Beschlüsse beaniragh der„Tentsche Bund für Mutterschutz", Ortsgruppe Berlin, nunmehr in einer Petition an den Bundesrat, auch bei der F Ü r s o r g e f ü r die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen die unehc- lichen Kinder mit einbeziehen zu wollen. Es ist zu hoffen, daß der Bundesrat wie der demnächst zu- sammentreteitde Reichstag in derselben Einstimmigkeit, mit der rie am 4. August den Vorschlägen zur Einbeziehung der unehelichen Kinder in die KriegSsürsorge zugestimmt haben, nunmehr auch diese Verbesserung der Lage unehelicher Kinder beschließen werden, die im Sinne einer gesunden Bevölkerungspolitik von außerordcnt- lichcr Bedeutung ist._ Soziales. Der russische Kapellmeister. Wer einen Entschädigungsanspruch geltend macht, muß sich nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch anrechnen lassen, was er durch anderweitige Verwendung seiner Arbeitskraft erwirbt oder zu erwerben böswillig unterläßt. Diesen Grundsatz hatte der Musiker Lochmann unbeachtet gelassen, der gestern vor dem Gewerbegericht gegen den K a p e I l m e i st e r d. S p a- n o w s k i auf Entschädigung für 23 Tage in Höhe von 390 M. klagte. Unmittelbar nach Kriegsausbruch verlangte das Publikum des Cafe Keck, der Beklagte, ein Russe, solle die Kapelle nickit mehr leiten. Er trat auch zurück, gab aber seinen Musikern die be- ruhigende Erklärung, er werde nach wenigen Tagen die Leitung wieder übernehmen. Schon am nächsten Tage stellte sich jedoch ein anderer Herr vor, der u. a. auch dem Kläger zumutete, zu einer geringeren Gage weiterzuspielen. Anstatt pro Abend 15 M. sollten nur noch 10 M. bewilligt werden. Dieses Anerbieten lebnte der Kläger ab. stellte seine Mitwirkung in der Kapelle ein und erhob einen Entichädigungsanspruch. Das Gericht sprach ihm durch Urteil nur ein Drittel— 130 SW. mit der Begründung zu: Kläger hätte unser Vorbehalt seiner weitergehenden Ansprüche das Anerbieten annehmen und die Diffr- rcnz einklagen müsse».,__ Fallen Teputotarbeiter unter das Ausnahmrqcsey gegen das Gesinde'? Ter Dcputatarbeiter Lehmann, der bei einem Gutsbesitzer in Arbeit war, sollte durch widerrechtliches Verlaffen deS Dienstes das Gesetz vom 24. April 1854 übertreten haben, das die Verletzung der Dienstpflichten deS Gesindes und der ländlichen Arbeiter betrifft. Das Landgericht in Gnesen verurteilte ihn. Da er Deputatarbeiter gewesen sei, so gehöre er zu den Personen, die durch den§ 2 c des genannten Gesetzes dem Gesinde gleichgestellt seien und gemäß 8 1 bestrast werden könnten, wenn sie sich„hartnäckigen Ungehorsam oder Widerspenstigkeit gegen die Befehle der Herrschaft oder der zu ihrer Aufsicht bestellten Personen zu schulden kommen lassen, oder ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagen oder verlassen". TaS Kammergcricht hob jetzt auf die Revision des Angeklagten das Urteil ans und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Die Feststellungen des Landgericht seien nicht ausreichend, um die Anwendbarkeit de? Gesetzes vom 24. April 1854 auf den An- geklagten zu rechtfertigen. Das Landgericht sage, alle Deputat- arbeitcr sielen unter den ss' 2c dieses Gesetzes. Tas sei aber nicht richtig. Nicht alle Dcputatarbeiter fielen darunter, sondern nur diejenigen, die von dem Besitzer eines Landgutes oder einer anderen Acker- oder Forstwirtschaft. gegen Gewährung einer Wohnung in den ihm gehörigen oder auf dem Gute befindlichen Gebäuden und gegen einen im voraus bestimmten Rohn behufs der Bewirtschaftung angenommen sind. Das Gesez von 1854 würde also nur auf den Angeklagten Anwendung finden können, wenn er nicht nur gegen Lohn, sondern daneben auch noch gegen Gewährung einer Wohnung der bezeichneten Art angenommen worden wäre. Das landgerichtliche Urteil lasse aber nicht erkennen, ob Angeklagter auch gegen Gewährung einer Wohnung in einem dem Gutsbesizer gehörigen oder auf dem Gute befindlichen Gebäude angenommen worden sei, oder ob er sich die Wohnung im Orte von seinem Verdienst selber verschafft habe. Jm letteren Falle wäre das Gefeß von 1854 auf den Angeklagten nicht anwendbar. Das Landgericht müsse entsprechende Nachprüfungen vornehmen. Gerichtszeitung. Vor dem Schaufenster eines Warenhauses. Gegen Ueberspannung der Haftpflicht des Hauseigentümers wendete sich ein am Montag vom Reichsgericht erlassenes Urteil. Ein Fräulein hatte am 3. Juli 1912 in dem Warenhaus der Firma Jandorf u. Co. in der Bellealliance- Straße in Berlin Einfäufe besorgt und war dann vor einem Schaufenster des Warenhauses nochmals stehengeblieben, um Waren zu besichtigen. Zu dieser Zeit waren Angestellte der Firma Lenau im Auftrage der Inhaber des Warenhauses damit beschäftigt, über dem betreffenden Schaufenster ein 2 Meter langes Firmenschild, das sie zur Reparatur in der Werkstatt gehabt hatten, wieder zu befestigen. Zu diesem Zweck benusten sie eine zusammengebundene Leiter, die oben gegen eine Berzierung des Hauses stieß und dadurch das Herabfallen eines Studstückes zur Folge hatte. Dieses Verzierungsstück ist der Klägerin auf den Kopf gefallen und hat jie verlegt. Infolgedessen hat fie Schadenersatzansprüche gegen die Firma Renau und gegen die Inhaber des Warenhauses erhoben. Das Landgericht Berlin hat die Ansprüche der Klägerin gegen beide Angeklagten abgewiesen. Dagegen hat, das Kammergericht zu Berlin die Ansprüche sowohl gegen die Firma Lenau als auch gegen Fandorf u. Co. dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Zur Begründung seines Urteils führt das Kammergericht aus, daß die Firma Lenau bei der Ausführung der Arbeiten für Anbringung von Vorsichtsmaßregeln hätte sorgen müssen, damit das vor dem Warenhaus verfehrende Publikum hinreichend geschützt gewesen wäre. Jr bezug auf die Haftpflicht der Firma Jandorf heißt es in den Entscheidungsgründen, daß die lebernahme der Arbeiten durch die Firma Lenau sie nicht davon entband, ebenfalls für eine Beaufsichtigung der Arbeiten und für eine Sicherung des Verkehrs vor ihrem Schaufenster zu sorgen. Gegen dieses Urteil hatte die Firma Jandorf u. Co. Revision beim Reichsgericht eingelegt und hervorgehoben, daß sie sich auf die Tüchtigkeit und die Umsicht der Firma Lenau bei den Arbeiten habe verlassen dürfen. Da es sich hier um einen technischen Mangel gehandelt habe, hätte sie auch bei ihrer besonderen Aufsicht nicht eingreifen fönnen. Das Reichsgericht trat der Beklagten bei, bob das Urteil des Kammergerichts auf und wies die Sache an die Borinstanz zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zurüd. Vorsätzliche Brandstiftungen. § 8 des Gejeges über den Belagerungszustand bedroht unter anderem ,, borsägliche Brandstiftung" mit dem Tode. Bei Vorhandensein mildernder Umstände fann statt der Todesstrafe auf zehn bis zwanzigjährige Buchthausstrafe erkannt werden.§ 4 des Einführungsgefeßes zum Strafgeseßbuch hingegen bedroht borjägliche Brandstiftung" nur dann mit dem Tode, wenn das Verbrechen des§ 307 des Strafgesetzbuchs vorliegt, wenn also der Brand den Tod eines Menschen verursacht hat oder die Brandstiftung in der Absicht begangen ist, um unter Begünstigung derselben Mord oder Raub zu begehen oder einen Aufruhr zu erregen, oder wenn absichtlich Löschgerätschaften entfernt oder unbrauchbar gemacht sind, uni das Röschen zu verhindern oder zu erschweren. Im Gegeniaß zu einer Anflage der Staatsanwaltschaft entschied die Straffammer des hiesigen Landgerichts, daß§ 8 des Belagerungsgefeßes nur soweit aufrechterhalten ist, als er mit§.4 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch übereinstimmit. Diese Streitfrage spielte in zwei Brandstiftungsanflagen hinein, mit denen sich gestern das Schwurgericht zu beschäftigen hatte. beten. Frauenleseabende. Mittwoch, den 25. November, abends 8 Uhr. Briz- Buckow. Bei Becker, Cbausseestr. 97. Vortrag, Diskussion. Alt- Glienicke. Im Jugendheim, Rudower Straße 54, Vortrag der Genosfin Ryned. Hermsdorf. Der angesezte Leseabend fällt aus. Eingegangene Druckschriften. nach welchem sich derjenige strafbar macht, der zu einer Zeit, als Adlershof. Die Beihnachts- Jugendschriftenausstellung findet am 28., die Verhinderung noch möglich war, von der beabsichtigten Begehung 29. und 30. November im Jugendheim, Bismarditr. 31, Duergebäude bar. eines gemeingefährlichen Verbrechens Kenntnis erhält, jedoch keine terre, statt. Die Ausstellung ist geöffnet am Sonnabend von 6-9 Uhr, Anzeige erstattet oder den Bedrohten warnt: – Der aus Böhmen Sonntag 4-9 Uhr, Montag 6-9 Uhr. Da in diesem Jahre große Ausstammende Angeklagte, welcher bei dem Molkereibefizer Birkholz in wahl in guten Jugendschriften vorhanden ist, wird um regen Zuspruch geKarlshorst beschäftigt war, hatte in der Nacht zum 9. September dieses Jahres in einer über dem Stall gelegenen Wohnung einen Brand angelegt. Als der Brand bemerkt wurde, war die Wohnung völlig ausgebrannt, und nur dem energischen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, daß das ganze Gebäude nicht bis auf die Grundmauern niederbrannte. Vor Gericht bat Rechtsanwalt Dr. Mar Kantorowicz, die Schuldfrage bezüglich der Frau zu berneinen, da diese völlig unter dem Einfluß ihres Mannes gestanden und aus Furcht vor Mißhandlungen nicht gewagt habe, die verbrecherischen Pläne ihres Mannes zu verraten. Es liege hier der Fall des sog. Notstandsparagraphen 54 des Strafgesehbuchs vor. Aber auch der Mann müsse freigesprochen werden, da er die Tat offenbar nur in einem auf Krankheit und Operations furcht zurüdzuführenden Verwirrungszustande begangen habe. Die Gefchworenen verneinten die Schuldfragen. Darauf erfolgte die Freisprechung der beiden Angeklagten. Schwurgericht des Landgerichts II. Der Angeklagte Schlächter Paul Eine zweite Brandstiftung beschäftigte zu gleicher Zeit das Finke aus Siethen bei Ludwigsfelde begoß, als er eines Nachts in erregtem, durch reichlichen Alkoholgenuß getrübtem Zustande nach Hause kam, einen Waschkorb mit Wäsche mit Petroleum und zündete es an. Dann ging er in seine Scheune und steckte das darin befindliche Stroh in Brand. Bald darauf hörte man das Hilfegeschrei der Hausbewohner, die Sprite rasselte heran und man mußte einzelne Bewohner mit Hilfe der Feuerwehr durch die Fenster retten. Auch in diesem Falle verneinten die Geschworenen mit Rücksicht auf das Gutachten des Medizinalrats Dr. Störmer über die zurechnungsfähigkeit die Schuldfrage und es erfolgte auch hier die Freisprechung. Kleine Nachrichten. Studenten- Rundgebungen. Sabrgang VII. Weltkrieg. Karl Renner: Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrift. Seft 11-12. Aus dem Inhalt: Statt des Weltkongresses May Adler: Ferdinand Laffalles fünfzigster Todestag. Eduard Bernstein( Berlin): Was Striegsfürsorge und Sozialdemokratie. hat die sozialdemokratische Parteipreise während des Krieges zu tun? Heinrich Beer: Der Karl Heinzen. N. Troyky: Professor Majarht über Rußland. Julius Deutsch: Strieg und Parteiorganisation. Krieg und die Gewerkschaften. Friedrich Engels: Die Kommunisten und Friedrich Hahn: Zur Soziologie des Rechts. Josef Luitpold Stern: Die deutschent Dichter und der Krieg. Rundschau. Bücherschaut. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, IV. Ho rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 3 bis 6 1hr, ant Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt, Jeder für den Briefkasten be stimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Eilige Abonnementsquittung beigefügt ist, werben nicht beantwortet. Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. 21.11. -w www N. 23. 21. 1. Zu sehr verschiedenartigen Dienstleistungen, die sich aus der Kriegsführung ergeben. Eine Aufzählung würde ein Buch füllen. 2. Rein. 3. Die Ansprüche für den Verwundeten oder für die Familie des Gefallenen sind dieselben, mag der Betreffende sich freiwillig oder nicht frei willig gemeldet haben. 4. Wenden Sie sich an einen Arzt. 5. Wenden Sic 2. 14. Wegen rheumatischer BeWie ein W. T. B.- Telegramm meldet, ist es in Genf zu einer sich an den österreichischen Konsul. schwerden mur landsturmpflichtig. 3. S. 277. 1. Wafferbruch. 2. Nein. Rundgebung von Studenten gegen den dortigen Professor Claparede E. M. 25. Sie können auf Herstellung des ehelichen Lebens flagen, gekommen, der erflärt hatte, wenn belgiſche Städte von den und wenn nach Verurteilung zur Herstellung des ehelichen Lebens ein Jahr Deutschen zerstört worden seien, so sei dies geschehen, weil die Zivil- fruchtlos verstrichen ist, auf Ehescheidung wegen böswilligen Berlassens bevölkerung sich außerhalb des Gefezes gestellt habe, lagen. An jich ist die Ehefrau verpflichtet, die von Ihnen bewohnte WohG. B. 31. Eine Einberufung fann indem sie auf die deutschen Truppen schoß Bei der nächsten Vor nung zu teilen. Moeste. Nein. A. M. 25. Nein. $. 5. 100. Unseres Grachtens nein. lejung verlas, als der Professor erichienen war, ein Student einen erfolgen. S. 84. 1. Lassen Sie es auf eine Klage ankommen. 2. Für Verdienste; Protest, in dem der Rücktritt des Professors gefordert wurde. wird an Militär- und Zivilpersonen verliehen. 7. S. 101. Rein. Die Angelegenheit tam vor den Großen Rat. Einstweilen wurde. K. 92. Die Einziehung ist möglich; eine Reklamation aus dem von die Vernehmung des Professors beschlossen. In der Märzsizung des Ihnen angegebenen Grund fann dann noch einmal versucht werden. Großen Rats foll dann eine Antwort erteilt werden. Die Studenten B. W. Ch. Waren Sie mit den Birt über die Beendigung zum 1. d. haben inzwischen das Kolleg des Profeffors bohtottiert. Mts. einig, so ist der Vertrag troß der gegenteiligen Vertragsvorschrift mit demt 1. d. Mts. beendet, Simeonftr. 8. Die Aufforderung hat zunächst nur den Zwed der Einregistrierung. Eine Einberujung ist immerhin noch möglich. 52. A. 1. Leider nein. 2. Eine Borstellung beim Regierungspräsidenten ist zulässig, verspricht aber feinen Erfolg. R. V. in 2. Lassen Sie sich von einem Arzt oder einem Bausachverständigen oder von der Polizei bescheinigen, daß die Beschaffenheit der Wohnung gesundheitsgefährdend ist. Klagen Sie dann auf Aufhebung des Vertrages und be antragen Sie gleichzeitig unter Ueberreichung des Attestes, eine einstweilige Verfügung zu erlassen, die Sie ermächtigt, sofort mit allen Sachen zu ziehen. 2. P. 4. Gewiß ist eine Unterstübong zulässig und notwendig. . B. 1886. Eine Stinge wäre nicht ohne Aussicht auf Erfolg. D. B. 100. Das Mädchen ist franken. und invalidenversicherungspflichtig. Die niedrigste Marte ist zu fleben. E. R. 30. Wegen Unterleibsleiden untauglich. S. 2. Da ein Urteil gegen den außerchlichen Bater des Kindes ergangen ist und der Bater ins Feld gezogen ist, so brauchen Sie nur auf die polizeiliche Auskunft darüber Bezug nehmen, daß der Betreffende ins Feld gezogen ist, und erhalten die 23. M. W. 8. Nein. Striegsunterstübung für das uncheliche Kind. " Rasch getröstet. Jin Neuen Wiener Tageblatt" erschien dieser Tage folgende Anfündigung: 22jährige, fesche, temperamentvolle Offiziers= witwe, bolle, feiche Erscheinung, sucht ehrbare Befanntichaft eines ebenfolden Herrn. Briefe unter„ Einsam, verlassen" an die Expedition. Man muß sagen, diese junge Frau eines verstorbenen Kriegers hat den Schmerz rasch überwunden. Parteiveranstaltungen. Vierter Wahlkreis. Jugendfektion. Heute Mittwoch, den 25. d. W., abends 8 Uhr, in den Andreasfestjälen, Andreasstr. 21 Bortrag des Ges offen Lieste. Jugendsettion Neukölln. Heute abend 129 Uhr bei Bartsch, Hermannftrabe 49 T: Versammling. Tagesordnung Forfießung der Diskussionüber allgemeine Geschichtsbegriffe. Referent: Genosse Pied. Bir bitten alle jungen Arbeiter und Arbeiterinnen über 18 Jahre für guten Besuch zu jorgen. Karlshorst. Mitgliederversammlung Dienstag, den 1. Dezember, abends 8, 11hr, im Restaurant" Fürstenbad" Reinickendorf Weit. Donnerstag, den 26. November, abends 8 Uhr, im Lofal von Hallmann, Scharnieberstraße 54: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Derter:" Belgien und seine Bewohner". Vereinsangelegenheit. Im ersten Falle war wegen vorfäßlicher Brandstiftung und Brandlegung in betrügerischer Absicht( Versicherungsbetrug) der Melfer Anton Runge angeflagt. Gegen die Ehefrau Marta R. war auf Grund des§ 139 des Strafgesetzbuchs Anklage erhoben worden, B. Schöpflin. Steinarbeiter! Donnerstag, den 26. November, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Das Ergebnis der Umfrage. 2. Antrag, bes Vorstandes zur Unterstügung ausgesteuerter, arbeitsloser Kollegen. 3. Verschiedenes. Kollegen, welche die Fragekarten noch nicht ausgefüllt bezw. abgegeben haben, werden ersucht, dies fofort zu tun. Ohne die Mithilfe der Kollegen fann ein zutreffendes Bild der gegenwärtigen Berufsverhältnisse nicht gegeben werden. 172/ 19* Die Ortsverwaltung. Annahmestellen für ,, Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Sahnisch, Aderstr. 174. 0. Karl Melle, Petersburger Blas 4. Gustav Bogel, Roppen itrage 82. M. Wengels, Markusft: 36. NO. 2. Zucht. Immanuelfirchitr. 12. J. Reul, Barnimit. 42. N. A. Wolgast, Wattstraße. 9. 6. Fischer, Baftianstraße 6. Karl Mars, Greifenhagener Str. 22. J. Hönisch. Müllerstr. 34a 5. Rogel, Porzingitr. 37. A. Ties. Invalibenjir. 124 NW. Salomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt, Bärwaldstr 42. Tachn, Hagelberger Str. 27. S. St. Fris, Brinzenstr. 31. S. Lehmann, Rottbujer Damm 8. SO. Paul Böhm, Laufizer Blaz 14/15. V. Horich, Engelufer 15. Adlershof. Karl Schwarzlose, Bismardstr. 28. Baumschulenweg.$. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. Borsigwalde. Paul Kienast, Räuschstr. 10. Charlottenburg. Gustav Scharnberg, Seienbeimer Str. 1. Friedrichshagen. Eruit Wertmann, Köpenider Str. 18. Grünan. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal. Mar Gonschur, Parkstr. 23. Karlshorst. Richard Rüter, Möbelstr. 9, II. Köpenick. Emil Wißler, Kieperitr. 6, Laden. Lichtenberg. Ctto eifel, Bartenbergit. 1. Nowawes. Wilhelm Jappe, Lutherstr. 2. Nieder- Schöneweide. Wilh. Unruh, Brüdenstr. 10. Lanfwik. Heute abend 8%, Uhr Mitgliederversammlung bei Giegl, Ede Kaiser- Wilhelm- und Seydligstraße. Referent: Reichstagsabgeordneter Mitteilung. Dem verehrten Publikum Groß- Berlins die ergebene Mitteilung, daß ich einen großen Posten moderner Herren Winter Ulster, allerbeste Ausführung, welche für mein Engrosgeschäft angefertigt waren und infolge des Krieges nicht liefern kann, dem Privatpublikum im Einzelverkauf zu enorm billigen Preisen abgebe. 525b Serie I 22 Mark Serie III 30 Mark Serle II 26 Mark Serie IV 36 Mark Der Verkauf findet Donnerstag, Freitag von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, Sonnabend bis 9 Uhr und Sonntag von 12-2 Uhr statt. G. Lachotzki, Königstr. 46. III. Etage, im Hause von Belmonte. Selbst der weiteste Weg ist eine Geldersparnis. An diesen Tagen findet kein Engrosverkauf statt. Orts- Krankenkasse Ziehung: 3., 4., 5. Dezbr. Tischler und Pianoforte- Arbeiter Tiſchler und Piano Wohlfahrtszu Berlin. Donnerstag, den 3. Dezember 1914, abends 8 Uhr, findet int Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 5, die ordentliche P Geld- Lotterie der Deutschen Kolonial- Gesellschaft 227 273 Lose. 7334 Geldgew.== Mark: Briefkasten der Expedition. Patienten in Beelik, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heil ftätte bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der leberweisung von Freieremplaren sofort ihre genaue Adresse ( Abteilung, Pavillon usw.) cinsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden, bis Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland Donnerstag mittag: Ein wenig milder, zeitweise ein wenig aufflarend, vorwiegend trübe und nebelig, im Rüstengebiete weit verbreitele, im Binnenlande mehr vereinzelte, im allgemeinen geringe Niederschläge. Geschenkartikel für unsere Krieger! 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Bez. 496. Am Sonntag, den 22. No: vember, verstarb unser Genosse, der Hausdiener Karl Gießel Antlamer Str. 34. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. November, nagmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zions- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/11 Der Vorstand. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Den Kollegen hiermit Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Butt Hermann Stechow ( Sektion der Ladierer) am 22. November bernorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. November, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes in Neutölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/1 Die Ortsverwaltung. Am 25. d. Mts. verschied nach längerem Leiden mein heißgeliebter Mann, unser guter Sohn und Bruder, der Uhrmacher Max Eisermann im blühenden Alter von 29 Jahren. 3m tiefsten Schmerz zeigt dies allen Freunden und Bekannten an Emilie Eisermann geb. Mehlich. Gustav u. Christine Eisermann. Walter Eisermann. Die Beerdigung findet am 26. d. Mts., nachmittags 2%, Uhr, von der Halle des Südwest- Kirch hojes in Stahnsdorf aus statt. Allzu früh und fern von der Heimat starb am 18. Dftober auf dem Kampfplatz in Belgien den Heldentod fürs Baterland unser unvergeßlicher, heißgeliebter Sohn, der die Stüße unseres Alters war, unser lieber Bruder, Schwager und Dutel 1189 Willi Birk Unteroffizier in einem ReserveInfanterie- Regiment, im blühenden Alter von 24 Jahren. Dies zeigen schmerzerfüllt an Die tieftrauernden Eltern und Geschwister. Ihm der Friede, uns der Schmerz. Am Sonntag, den 22. d. M., entschlief fanft nach schwerem Leiden meine liebe Frau und herzensgute Multer Auguste Käpernick im 62. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Wilhelm Käpernick. Elisabeth Küpernick. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Stapelle des Philippus Apostel- Friedhofes, Müllerstr. 44, auf dem städtischen Friedhof statt. 118A Danksagung. Für den Beweis aufrichtiger Teilnvhme bei dem Dahinscheiden meiner innigftgeliebten Frau, unserer guten Mutter, Tochter, Schwester, Schwä gerin und Schwiegertochter fagen wir allen Bekannten sowie allen Kollegen und Kolleginnen, dem Vorstand und dem Personal des Konsumvereins der Firma Mix u. Genest unferen herzlichsten Dank. 526b Oskar Welsch u. Sohn. Familie Sommer. Familie Kuchta. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau, unserer guten Mutter, Schwägerin und Tante Elisabeth König fagen wir allen Beteiligten, insbesondere den Her: en Geifel und Lewin fowie den Botenfrauen der Borwärts" Filiale Lichtenberg 135 T Frele Turnerschaft Charlottenburg unseren herzlichsten Dank. ( M. d. A.-T.-B.) Am Montag früh verstarb nach langem, schwerem Leiden unser lieber Turngenosse, der Uhrmacher Max Eisermann. Ehre seinem Audenten! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. November, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhojes in Stahnsdorf aus statt. Treffpunkt der Turngenossen Baber hof Charlottenburg 1, Uhr. 186/19 Der Vorstand. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Nachruf. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Grundmann am 18. November an den Folgen eines Unfalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 254/17 Der Vorstand. Am 22. November, abends 9 Uhr, entschlief sanft nach langem Leiden inein lieber Mann und guter Vater, der Former August Krüger im vollendeten 52. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Frau Anna Krüger geb. Rühl. und Tochter Trudchen. Berlin N 39, Müllerstr. 163a, III. Aufgang. 118a Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus ApostelStirchhofes, Müllerstraße, Ede See straße, aus statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unser lieber Vereinsbruder, der Schrift jezer 104 Paul Zigawe am 20. November auf dem östlichen Kriegsschauplak gefallen ist. Ehre seinem Andenken! Der Spar- und Darlehnsverein „, Hoffnung". Am 9. d. Mts. fand den Zod auf dem Schlachtfelde in Belgien unser braver Kollege Paul Neumann aus Fürstenwalde. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 118 Bergmanns Elektr.- Werke. Die Kollegen der Abt. Widerstandsbau, Meister Künkel. Die trauernden Hinterbliebenen. Allen lieben Freunden und Befannten und dem Wahlberein fage ich für die mir aus Anlaß des Hinscheidens meines lieben Mannes er wiesene Teilnahme meinen herzlichsten Dank. 146A Neukölln, den 24. Robbr. 1914. Emma Salewski. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, fagen wir den Mitgliedern des Wahlbereins sowie allen Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dank. Wwe. Adolfine Schlieper nebst Kindern. Danksagung. 124A Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange meines innigftgeliebten Mannes, unseres guten Baters, des Landwehrmannes Willi Klaus sage ich hiermit allen Freunden, Be fannten und Verwandten, namentlich aber den Verwundeten im St. NorbertKrankenhaus und seinen ehemaligen Kollegen, meinen herzlichsten Dant. Berlin, 24. November 1914. Witwe Elise Klaus nebst Kindern. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick. dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade 8, 11.( Stadtb. Börs.) Dem Andenten unserer auf dem Kriegsschauplah gefallenen Genoffen! Am 4. November fiel auf dem Schlachtfelde im Osten der Gürtler Otto Kähne 207/5 Alexandrinenirage 9, 7. Abt. Bezirk 234. Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 2. Berliner Reichstagswahlkr. Bei den Kämpfen im Besten fiel der Tischler Richard Staub Steliger Straße 65, 9. Abt. Bezirk 610. Am 23. August fiel bei den Stämpfen im Westen der Former Alfred Groth 233/10 Schwedenstraße 12, 19. Abt. Bezirk 831. Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Reichstagswahlkr Bei den Kämpfen im Westen fiel am 26. Oftober der Arbeiter Friedrich Mieland. 243/4 Sozialdemokrat. Wahlverein Niederbarnim. Bez Waidmannslust. Verein der Berliner Buchdrucker u. Schriftgießer Am Montag, den 23. November, abends, erlag plötzlich einem Herzschlage unser Kollege, der Buchdruckerinvalide Wilhelm Moritz im 62. Lebensjahre. Als langjähriger Kassenbote unseres Vereins hat der Verstorbene in treuer Pflichterfüllung seines Amtes gewaltet bis ein zunehmendes rheumatisches Leiden ihn zur Invalidität zwang. Wir verlieren in ihm ein treues, langjähriges Mitglied und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Der Vorstand und die Verwaltung. Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem Golgatha- Friedhof in der 28/11 Barfusstraße statt. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. Kleine Anzeigen. Verkäufe. In Freien Stunden. Wochenfchrift für das arbeitende Volt. Romane und Erzählungen. Abonnements momentlich 10 Pf. nehmen alle Ausgabestellen des Vorwärts" entgegenProbehefte gratis. Betten! Prachtvolle! 5,75, 7,50, 9,75, Brautbetten 12,75, 15,75. Daunenbetten! 19,50, 22,50. Neue Aussteuerwäsche spottbillig! Plüschportieren, Leinenportieren, Stores. Gardinenauswahl! Brachtteppiche! 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Berlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. 498 für Frankreich ein FriedenSborschlag auf der Grundlage der W- tretung von Metz Und eines Teiles des Elsah annehmbar wäre. 1-t Tage daraus brachte die„Morning Post" ein Telegramm au§ Rom, daß die Deutschen den Frieden mit Rußland suchten. Jetzt haben die„Daily News" eine Meldung ihres Korrespondenten in Washington wiedergegeben, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika von deutscher Seite um ihre Friedensvermittelung angegangen worden sei. Da die„Daily News", obgleich Regierungsblatt, während des jetzigen Krieges die verschiedensten Meldungen gebracht haben, die auf gleicher Höhe mit denen des„Daily Chronicle" und der„Morning Post" standen, muß diese Nachricht über nahe Friedensaussichten mit größter Vorsicht auf» genommen werden, da sie offenbar nur dazu bestimmt ist, in England eine gute Stiinmung zu erhallen. Es ist augenblicklich ganz undenkbar, daß die deutsche Regierung Friedens» Verhandlungen wünscht. Der Mindestpreis für den Frieden ist die Aufgabe Belgiens und die Zahlung einer Anzahl von Milliarden als Kriegsentschädigung. Außerdem steht Deutschlands Heer auf feindlichem Boden, seine Flotte ist noch gar nicht in Aktion getrelcn. Daher würde ein Friedensvorschlag der deutschen Regierung dem Volke als ein Verrat und als Vergeudung aller bisher gebrachten Opfer erscheinen. Ein Krieg, der um die Weltherrschast begonnen worden ist, wird nicht nach 3—4 Monaten aufgegeben. Erklärungen ües bulgarifthen Minister- prästöenten. Sofia, 24. November. lW. T. B.) S o b r a n j e. Der Präsident des Ministerrates Radoslawow erklärte in der Be- anrwortung der Kritiken der Opposition, daß die Regierung der Neutralität, die sie seit dem Beginn der europäischen Krise erklärt habe, treu bleibe, und daß sie diese Neutralität stets in loyaler Weise ausübe, trotz der ungerechtfertigten Vorwürfe, die ihr von der Opposition gemacht würden, und die sie mit Energie zurückweise. Da gewisse Mächte geglaubt hätten, über diesen Gegen» stand eine Bemerkung aussprechen zu müssen, hat die Regierung sogleich Erklärungen abgegeben, die als genügend angesehen wurden. Gegenwärtig billigten alle Großmächte die Haltung Bulgariens. Dieses unterhalte die freundschaftlichsten Beziehungen zu Rumänien, Griechenland und selbst zu dem kriegführenden Serbien. Seine Be» Ziehungen zu der Türkei seien außerordentlich aufrichtig. Die Re- gierung sei glücklich, der Nation mitteilen zu können, daß sie die Integrität des Territorialbesitzes gesichert habe. Der Ministerpräsident Radoslawow fügte hinzu: Wenn die Umstände uns zwingen, in Verhandlungen für eine Vergrößerung unseres nationalen Besitzstandes einzutreten, so werden wir eS mit dem Wohlwollen des gesamten europäischen Konzerte« tun, mit dem wir die bestmöglichen Beziehungen unterhalten wollen. Laute anhaltende Beifallsrufe folgten den Worten. Kriegsbekanntmachungen. Rückgabe der Einzahlungen an deutsche Kriegsgefangene in"Rußland. Die russische Postverwallung hat jetzt erklärt, den Post- anwcisuugsverkehr der Kriegsgefangenen zwischen Deutschland und Rußland vorläufig noch nicht zulassen zu können. Die bei deutschen Postanstalten etwa schon eingezahlten, nach Rußland bestimmten Postanweisungsbelräge werden den Absendern wieder zurückgegeben werden. Aufklärung über die nicht angekommenen Feldpostbriefe. Berlin, 24. November. jW. T. B.) In Zeitungen und Zuschriften an die Postverwaltung ist vielfach die Frage aufgeworfen worden, wo die nicht angekommenen Feldpostbriefe bleiben. Die Antwort out diese Frage, die namentlich auch wegen der jetzt öfter bekannt gewordenen Diebstähle von Feldpostbriefen für weite Kreise von Jnieresse ist. gibt eine im Reich-postomt gefertigte Tarstellung. die unlängst den Redaktionen zahlreicher Zeitungen überiandt worden ist. Wie wir hören, ilt das Reickspostamt bereit, diese Schrift„W o bleiben die nickt angekommenen Feldpostbriefe?" k o st e n f r e i unmittelbar an Interessenten abzugeben. Diese hätten nur den Wunsch durch Postkarte der geheimen Kanzlei des Reichs- Postamts in Berlin W 66 mitzuteilen. Arbeitskräfte gesucht. Das stellvertretende Generalkommando des V. Armee- k o r p s bittet um Aufnahme nachstehender Mitteilung: Zahlreiche dem stellvertretenden Generalkommando deS V. Armeekorps vorliegende Gesuche um Befreiung von dem Heeresdienst gründen sich darauf, daß die eingezogenen Leute in ihren Berufs- stellungen unentbehrlich find und keine Vertreter zu finden seien. Insbesondere fehlt es an landwirtschastlichen Beamten aller Art, Inspektoren, Vögten, Pflugführern, Maschinisten, Schmieden, Stell- machern, an Bäckern, Müllern, Fleischern, kaufmännischen An- gestellten, Bauhandwerkern, Sattlern. Es wird daher allen stellungsnchenden Leuten dieser, aber auch anderer Berufe empfohlen, ihre Adresse und Berussstellung dem stellvertretendenGeneralkommando des V. Armee- korpS, Reklainationsbureau Posen, Postanit O 1, Zimmer 114, mitzuteilen, damit Vertreter für die Militär- Pflichtigen nachgewiesen werden können. Selbstverständlich müßte jeder von diesen sich Meldenden, falls er eine Stellung findet, dies dem Generalkommando anzeigen. Krieg und Spekulation. Tie Frage der Höchstpreise für wichtige Bedarfsartikel wird zweifellos in der nächsten RrichstagSsitzung erörtert werden. Für Getreide sind durch Bundesralsbesckluß Höchstpreise festgesetzt, die selbst von Interessenten als Phantasiepreise bezeichnet werden. Und doch kann der Bundesrat für seine Preise geltend machen, daß im freien Markt schon höhere Preise bezahlt wurden. Es muß zunächst nach den Ursachen geforscht werden, wie die nie dagewesenen Preise entstanden sind. Ferner muß untersucht werden, ob hierfür eine innere Berechtigung vorhanden war. Gleich bei Ausbruch des Krieges entstand bei manchen Frauen esite wahre Panik. Sie glaubten, daß schon bald gar kein Mehl, Salz, Zucker usw. mehr zu haben sei und die Frauen des leidlich zahlungsfähigen Mittelstandes stürmten die Mehlläden und kauften für alles verfügbare Geld Borräte an Nahrungsmitteln ein. Es wurde der Mehlbedarf für ein ganzes jJahr gedeckt. Viele dieser „vorsichtigen" Hausfrauen werden nun wohl init Schrecken sehen, daß sie jetzt Besitzerin einer prachtvollen Mehlwürmerzucht sind und sie in der Lage wären, eine Nachiigallenmastanstalt zu gründen, vorausgesetzt, daß sie eine hinreichende Zahl der lieblichen Sänger erdalten könnten. Tie Panik der Hausfrauen wurde von wucherischen Mehlhändlern hinreichend ausgenutzt. Man forderte und erhielt Preise, die die Mehlhändler, die über einige Vorräte verfügten, plötzlich zu reichen Leuten machten. Einige Militär- bedörden, u. a. der Oberkommandierendc in den Marken, schritten ein, indem sie Höchstpreise für notwendige Lebensinittel festsetzten. Die Frauen konnten Anfang August für ihre sinnlosen Einkäufe noch geltend machen, daß man nickt wissen könne, ob nicht die ganze Ernte verderben würde. Dieser Angstgrund wurde in der nächsten Zeit beseitigt. Die Ernte wurde bei gunstiger Witterung gut ein- gebracht. ES traten aber im Getreidehaudel keine normalen Verhältnisse ein. Neben den gewöhnlichen Getreidehändlern erschienen die Einkäufer der Proviantämter der Armee und kauften viel größere Quantitäten als in Friedenszeiten. Auch die Magistrate der Städte kauften. Für jeden Sack Getreide fanden sich drei Käufer, die sich gegenseitig überboten. Da jeder folgende Tag höhere Getreidepreise brachte als der vorherige, so warf sich die ganze Schar der Speku« kanten, die sich sonst an den Handelsbörsen herumtreibt, auf Ge- treidespekulation und trieben die Preise. Jetzt wäre es Pflicht der Regierung gewesen, einzuschreiten. Hätte man die Julipreise, also für Berlin 171,60 M. für eine Tonne Roggen und 204,20 M. für eine Tonne Weizen als Höchstpreis fest- gesetzt, dann hätten die Landwirte einen höheren Preis gehabt, als er ohne den Krieg gewesen wäre. Denn wir haben Jahre gehabt, in denen wir aus Ernte und Einfuhr viel weniger Nahrungsmittel hatten wie in diesem Jahre. Ein solches Jahr war daS Notstandsjahr 1891. Damals hatten wir nach der Erniestatistik eine Roggen- ernte von 4 782 804 Tonnen, Weizen und Spelz 2 706 839 Tonnen und 18 558 379 Tonnen Kartoffeln. Nun wird gesagt, daß die Schätzungen aus den Jahren von 1899 zu niedrig waren. Will man mit den späteren Jahren vergleichbare Ziffern haben, dann muß man die Erntezahlen bei Roggen um 18 Proz.. bei Weizen um 12 Proz., bei Spelz um 27 Proz. und bei Kartoffeln um 17 Proz. erhöhen. Tut man dieleS. dann ergibt eS folgendes Bild: Roggen Weizen u. Spelz Kartoffeln Ernteertrag.. 6 643 703 3 037 621 21 713 303 Tonnen Einfuhr. Ausfuhr 842 520 905 332 Zusammen.. 6 486 228 3 992 953 21 713 303. Aussaat für daS nächste Jahr. 965 385 403 239» 728 621, für Verbrauch. 5 520 843 3 587 714 15 984 682, Da Deutschland damals 49 966 000 Einwohner hatte, hatten je 1000 Einwohner für menschliche und tierische Ernährung sowie iür gewerbliche Zwecke ll0,5 Tonnen Roggen, 71,8 Tonnen Weizen und 320 Tonnen Kartoffeln zur Verfügung. Hiermit ist man in jenem Jahre ausgelommen. Große Vorräte waren nicht vorhanden, denn seit 1887 hatten wir keine reiche Ernte gehabt und bei dem damals geltenden Zoll von 5 M. für 100 Kilogramm Brotgetreide war in den Jahren 1888 bis 1891 nicht mehr eingeführt als nötig war. Welche Vorräte bat Deutschland in diesem Jahr? Nach den Saatenstandsberichten hatten wir eine Durchschnittsernte. Die ge- nauen Ernteergebnisse sind noch nicht bekannt. Ans einigen Gegenden, namentlich aus Süddeutschland, klagte man über geringe Ergebniffe. Dort wird aber wenig Brotgetreide gebaut. Andere Gegenden, Sachsen, Schlesien usw hatten gute Erträge. Setzt man die Durchschniltserträge des JahreS 1903/12 ein, dann verfügen wir über folgende Mengen: Roggen Weizen u. Spelz Kartoffeln Ernteertrag.. 11047149 4 492 376 45 963 679 Tonnen Aussaat für 1915 1 065 603 384 942 6 683 212 für Verbrauch. 9 981 546 4 107 434 39 280 467 Da wir jetzt mit 68 061 000 Einwohirern rechnen müssen, haben je 1000 Einwohner 146,7 Tonnen Roggen, 60,3 Tonnen Weizen und Spelz und 577 Tonnen Kartoffeln für menschliche und tierische Nahrung und für gewerbliche Zwecke zur Verfügung. Auf je 1000 Einwohner kommen also allein ans der Ernte 36,2 Tonnen Roggen und 257 Tonnen Kartoffeln mehr, aber 11,5 Tonnen Weizen weniger, als wir 1891 auS Ernte und Einfuhr hatten. Man wird aber bei Weizen die argentinische Einfuhr hinzusetzen müssen, denn diese kommt im Frühjahr und war beim Ausbruch deS Krieges noch zum größten Teil vorhanden. Die hier eingesetzten Ernteergebnisse sind keineswegs hoch. Die Ernte von 1913 brachte 12 222 394 Tonnen Roggen, aso 1175 275 Tonnen mehr, 5 094 425 Tonnen Weizen und Spelz, also 602 049 mehr und 54121 146 Tonnen Kartoffeln, also 8 157 467 Tonnen mehr, als wir für 1914 eingesetzt haben. Wäre die Regierung rechtzeitig energisch eingetreten, dann hätten die Preise gar nicht die Höhe erreichen können. Denn 1891 waren die Preise in Berlin für Roggen 211,20 M., für Weizen 224,20 M. und für gute Speisckartoffel 63,80 M. für 1000 Kilogramm. Für die Höhe der festgesetzten Preise fehlt also jede innere Be- rcchtigung,_ politische Uebersicht. Zur Tagung des Reichstags. Reichskanzler von Betffmann Hollweg wird die neue Kriegskreditvorlage am 2. Dezember im Reichstage be- gründen und dabei natürlich anch die ganze politische Situation einer Betrachtung unterziehen müssen. Auf Anregung der Sozialdemokraten ist in das Gesetz über die K r i e g s u n t e r st ü tz u n g auch die Für- sorge für uneheliche Kinder ausgenommen worden. Diese Bestimmung dürste nunmehr eine Erweiterung er- fahren. Der„Bund für Mutterschutz" hat dem Reichstage und dem Bundesrat eine Petition zugehen lassen, in der ver- langt wird, auch bei der Fürsorge für die.Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen die unehelichen Kinder mit ein- beziehen zu wollen._ Die Kreditvorlage. Durch den dem Reichstag nunmehr zugegangenen Entwurf eines Gesetzes betreffend die Feststellung eine? zweiten Nachtrags zum ReichShaushaltSetat für das Rechnungsjahr 1914 wird der Reichskanzler ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außer- ordentlicher Ausgaben abermals die Summe von fünf Milliarden Mark im Wege deS Kredites flüssig zu mächen. Ferner wird der Reichskanzler ermächtigt, zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichöhauptkaffe über den im Etat« gesetz angegebenen Betrag hinaus nach Bedarf Schatz- a n w e i s u n g e n bis zur Höhe von vierhundert Millionen Mark auszugeben. In den Erläuterungen heißt eS, daß von dem neubewilligten Kredit ein Betrag bis zu zweihundert Millionen Marx nach näherer Bestimmung des Bundesrates bereitgestellt wird zur Gewährung von Wochenbeihilfen während des Krieges, sowie zur Unterstützung von Gemeinden oder Gcmeindeverbänden auf dem Gebiete der KricgswohlfahrtSpflege, insbesondere der Erwerbs- losenfür sorge und der die gesetzlichen Mindestsätze über- steigenden Unterstützung von FamUien in den Dienst eingetretener Mannschaften._ Der Revers in den staatlichen Verkehrsbetriebe» Bayerns. Die Vertreter der freien Gewerkschaften Baverns haben folgende Eingabe an das bayerisch«: Gcsamtstaatsministcrium gerichtet: „Während Zehntauscirde von Mitgliedern der freien öftwerk- schaften im Felde zur Verteidigung unseres Vaterlandes kämpfen, Taufende gefallen oder verwundet ihr Blut vergaffen haben, viele unserer Mitglieder wegen persönlicher Tapferkeit vor dem Feindck mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden find, hält daS K g l. bayrische S t aa t S m i n i st e r i u m der VcrkehrSan- stalten noch immer jenen bekannten Revers ausrecht, der sich gegen die freien Gewerkschaften und gegen die sozialdemokratische Partei richtet. Unsere Mitglieder sind berufen, das Vaterland zu verteidigen und sie erfüllen diese Pflicht mit der gleichen Aufopferung, wie die Angehörigen aller anderen Parteien und Verbände. Bei der Mobilmachung, die so hohe Anforderungen an dai gesamte Personal der Verkehrsanstalten stellte, haben sich die Mitglieder des süd. deutschen Eisenbahner-BerbandeS und die der freien Gewerkschaften an Pflichteifer von niemanden übertreffen lassen. Selbst der Herr Verkehrsminister hat in einem öffentlichen Dankschreiben anerkannt, daß das gesamte Personal in muster« gültiger Weise seine schwere Pflicht erfüllt hat. Durch die Tat ist also in der Stunde der Gefahr bewiesen, daß voller Verlaß auf die Angehörigen der freien Verbände ist. Durch den Einfluß einer großen politischen Partei in Bayern ist der Revers entstanden. Die maßgebenden Stellen wurden in den Glauben versetzt, die Angehörigen der freien Gewerkschaften würden in der Stunde der Gefahr gegen die vaterländischen Jnter- essen arbeiten. Alle diese Befürchtungen haben sich nun als völlig grundlos erwiesen. Dennoch wird der Revers aufrecht erhalten. Noch immer mutet man bei der Einstellung in die Betriebe der Verkehrsanstalten unseren Mitgliedern eine Verzichtcrklä- rung auf ihre Organisation zu. Das wird besonders in der ernsten Zeit als demütigend und erbitternd empfunden. Anders sind die preußischen Behörden verfahren. Mit großer Genugtuung konnte überall begrüßt werden, daß die vorher getroffenen besonderen Matznahmen gegen Angehörige der Sozial. demokratischen Partei und der freien Gewerkschaften mit Ausbruch des Krieges beseitigt wurden. Als durch die Tat bewiesen werden konnte, daß die Voraus- setzungen zu einer Ausnahmebehandlung unserer GesinnungS- und Verbandsmitglieder nicht zutrafen, stellten die preußischen und auch die Behörden der übrigen Bundesstaaten die notwendige gleiche staatsbürgerliche Behandlung her. So erhoffen auch wir ein gleiches Borgehen in Bayern. Daß der bekannte Revers auf keinerlei Tatsachen sich stützen konnte, war schon vor Ausbruch des Krieges bewiesen; er ist lediglich entstanden auS den besonderen bayrischen Parteiverhältnissen, die aber in dieser ernsten Zeit nicht ausschlaggebend sein dürfen. Wir konnten deshalb annehmen, daß der Revers fallen werde. Leider ist da? bis jetzt nicht geschehen. Deshalb sehen wir uns veranlaßt, in dieser Eingabe nochmals einen dringenden Appell an das gesamte bayrische StaatSministerium zu richten, durch Auf- Hebung deS von der Verkehrsverwaltung eingeführten Reverses jenen Ausnahmezustand zu beseitigen, der gerade jetzt, wo die gesamte deutsch« Nation einig und geschlossen daS Vaterland verteidigt, die Gefühle der Arbeiterschaft auf daS äußerste verletzen muß. Ter Herr Ministerpräsident Dr. Gräf von Hertling hat wiederholt in der Abgeordnetenkammer erklärt, das Koalitionsrecht der Arbeiter wahren und schützen zu wollen. Von ihm erwarten wir besonder?, daß er seinen ganzen Einfluß im Ministerrat ein- setzen möge, um restlos alle Ausnahmebestimmungen zu beseitigen» die bisher unbercchtigterweise noch aufrecht erhalten sind." Keine Arbeitslosenunterstützung in Breslau. Die von der Studienkommission zur Einführung einer Arbeits- losenunterstützung einstimmig empfohlene Vorlage ist vom Magistrat der Stadt abgelehnt worden. Der bedauer- liche Beschlutz wird damit begründet, daß die Zahl der Arbeitslosen augenblicklich nicht außergewöhnlich groß ist und daß der Nationale Frauendienst die übrigen mit versorgen solle Ihm will der Magistrat weitere Mittel zu diesem Zweck zuwenden. Ebenso wurde beschlossen, 5 Missionen Mark zur Fortführung unterbrochener städtischer Bauarbeiten aufzunehmen. Da damit doch nur einem Teil der Arbeitslosen geholfen werden kann, wird es wohl noch ein Nachspiel in der Stadtverordnetenversammlung geben. Schwer bestraste Entfernung von der Truppe. Verhängnisvolle Folgen hat für einen Namurkämpfer die Sehn- sucht nach seiner Frau nach sich gezogen. Der Landwehrmann Neu- mann hatte die Kämpfe bei Namur mitgemacht und hatte später auch im Osten gefochten, wo er an einigen schlachten teilnahm. Mit anderen Soldaten wurde er dann nach einem weiter südlich ge- legenen Kriegsschauplatz transportiert. Auf der Fahrt dorthin kam N. in die Nähe seines Wohnortes. MS der Militärzug auf der zuständigen Station einige Zeit hielt, packte den Soldaten die Sehnsucht nach seiner Frau. Teils aus diesem Anlaß, teils auch aus dem Grunde, um sich frische Wäsche zu holen, faßte N. den Entschluß, den Aufenthalt zu benutzen, um schnell einmal auf einem Zweirade nach dem Hc,matort z fahren. Einem anderen Soldaten gab er Bescheid und wt diesen, er möchte eS dem Hauptmann melden, daß er fort sei und bald wiederkomme. Als er von der Heimat zurückkehrte, war der Zug aber bereits weggefahren. Nun wagte sich N. nicht nach seinem Garnisonort zurück, und er scheute sich auch,' seinen Truppenteil aus irgendeine Weise zu erreichen. Die Folgen sollten für ihn recht bitter sein. Das Kriegsgericht der immobilen Garde verurteilte ihn wegen unerlaubter Entfernung im Felde über sieben Tage zu dem niedrigsten Strafmaß von sechs Monaten Gefängnis._ Abzug der Amerikaner aus Mexiko. New Aork, 24. November.(W. T. B.) Das Rcuterschs Bureau meldet: Die Einschiffung der ameri- kanischen Truppen, die Veracruz besetzt hielten. hat begonnen. Sic werden nach den Vereinigten Staaten zurückkehren. Letzte Nachrichten. Kämpfe der Franzosen in Marokko. Paris, 24. November.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas: Der Generalresident Liautey berichtet über die Zu- sommeustöße im Gebiet von Khenifra, daß die Franzosen am 13. November das Lager der Zaian nahe bei Khenifra unversehens angriffen und dem Erdboden gleichmachten. Eine von Khenifra zurückkehrende französische Kolonne wurde von starken marokkmu- schen Kontingenten angefallen, umzingelt und zu einem sehr hcsti- gen Kampfe gezwungen. Die in Khenifra zurückgebliebenen Mann- schaften konnten rechtzettig helfend eingreifen uckd die Kolonne be- freien, die eine große Anzahl von Offizieren und etwa hundert europätsche Soldaten verloren hatte und einen Teil des ArtilleriematerialS zurücklassen mutzte.— Die Garnison von Khenifra wies alle Angriffe ab, bis eine HilfS- kolonne aus Tadla eintraf, die bereits unterwegs die angreifen' cn Marokkaner zurückgeschlagen hatte. Am 19. November unternahmen die Franzosen einen allgemeinen Angriff und warfen die Ma- rokkaner in die Berge zurück. Die Franzosen gelangten wieder in den Besitz des zeitweilig zurückgelassenen Kriegsmaterials und bestatteten die am 13. November Gefallenen. Schiller- Theater 0. Theater für Mittwoch, 25. Nov.: 8 Uhr: An der Spree und am Rhein Theater des Westens. 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Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Gløde, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierau 1 Beilage u. Unterhaltungsbl,