Ur. 331.-31. Ia�rg. nbonnemcnts-Bcdingungcn: Wonncments- Breis pränumerands: Bierteljährl.",30 W.. monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Eonniags- uummer mit illustrierter Sonntags- Seilage.Die Neue Well" 10 P°q. Post- l'ffionnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post> Zeitung?- Breisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2.50 Marl, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Ftalicn, Luxeniburg, Portugal. Siumänicn. Schweden und die Schweiz, Crfdieint täglich. Verlinev VolksblÄtt. vst Insettlanz-Stdilh,' beträgt für die sschsgespaltenc Kalonel. geile oder deren Raun,«0 Pfg,, fiii politilche und gewerlfchaftlichc Vereins, und Versamuituiigs-Anzeigen L0 Psg „iriein«)snr-igen"."das fetigedrueltc Wort 20 Pfg. izulässig 2 fcttgedruckir Worte), ledcS weitere Wort 10 Pia Etellengefuche und Schlasstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedc-Z weneee Wort 5 Pfg, Worte über ISIum sinben zählen für zwei Worte, Auserale stir die nächfie Nummer inüffcn bis 6 Uhr nachintttags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr adendS geöffnet. Telegratnm- Adresse: ,.Z»ilii»it«l»»Iilä> Rtrlln", Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. öS, Linüenstraße Z« Fernsprecher: Amt Moritiplnst. Nr. 17,1 i>tt— 1.»l S«. Expedition: EW. öS, �tnüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Mortstplal,, Nr. lSl Utt— Ä7. Ser Kamps Westlicher Kriegsschauplatz. Die„Times" über Sie englischen Verluste. London, 3. Dezember.(W. Z. B.) Der militärische hborrespondent der„Times" gibt die Verluste aus �4 vlX) Mann an, was ungefähr der ursprünglichen Stärke des britischen Heeres entspreche, als es ins syeld rückte. Die Verluste in der Schlacht bei Ipern und Armcntiöres betrugen etwa öOOOO Mann, Ivodon etwa 5500 aus das indische ilorps entfielen. Der Korrespondent fährt fort: Wir müssen zu geben, dag die deutschen Truppen trotz schrecklicher Verluste noch zahlreicher sind als wir und daß sie starke Stettungen einnehmen. Sie besitzen eine furchtbare Artillerie, die zerstreut aufgestellt und wohl verborgen ist. Ihr schweres Geschütz hat noch di>- Oberhand und begräbt beständig unsere Leute, indem ganze Abteilungen der Laufgräben zerstört werden. Ihre Scharsschützen sind kühn und hartnäckig. Ihre Grabenmörser und Granaten verursachen uns beständig Verluste und obwohl ihre Aufklärung in der Luft seltener wurde, cnchcincn doch yoch Tauben und-Albatros Ilngzeugc und bcobachi','!, wir tun. Tic englische,: �sstzicre uno iliuerärn-n"l.'Öc'IlCs-ivi'' iilyem Maße geschwächt. Wir haben fast die gai�Ä reguläre Reserve und den besten Teil der Spczialreservc vieler Korps an die Front gebracht. Wenn die Depots nicht länger imstande sind, einen guten und regelmäßigen Ersatz zu schicken, würde die Armee an der Front gern einen Teil der neiieit Armee als Ersatz begrüßen. Wir brauchen sedeit Mann, den wir finden können und werden bald erwägen müssen, wie wir die ncneii Aushebungen am besten an der Front verwenden können, ob als Armeen, Divisionen und Brigaden in Einheiten oder zur Auffüllung. Tpphusepiöemie in Calais. Loildo», 3. Dezember.{ W. T. 23.) Tie britische Rote-Kreuz- Gesellschaft bat zur Bekämpfung der TyphnSepidemie i n Calais 10 000 Pfd. Sterl. bewilligt, Die Verheerung von Reims. Fürich, 3. Dezember.(W, T. B.) Wie die„Neue Zürcher Zeitung" aus Tilrin meldet, ist nach Pariser Berichten der„Gazette del Popolo" die Lage von Reims furcht- b a r. Die deutschen Schiitzengräben sind bis 1800 Meter an die Vorstädte herangerückt. Von der B e s ch i e ß u u g i st kein Stadtteil verschont. Die r e i che T e r t i l i n d u st r i c der Stadt in auf viele Jahre vor- n i ch t e t. DerbishcrigeS a ch s ch a d e n w i r d ans 350Millio»cn g c s ch ä tz t. Die Kriegsöauer. London, 3. Dezember.(W. T. B.) Die„Wesiminster Gazette" schreibt: Tie Dauer des Krieges muß davon abhängen, welche F r i e d e n s b e d i n g u n g e n>vir erreichen. Wenn wir imserc Friedensbedingungen durchsetzen und die Welt von dauernder Bedrohung befreien wollen, dürfen wir nicht von eine m schnellen Friedensschluß träumen. Es wäre Torheit, davon zn sprechen, daß der Krieg schon zu N e n j a h r oder im F r n h j a h r nächsten Jahres beendet sein würde, Gestlicher Kriegsschauplatz. Die Schlacht zwischen Warthe und Weichsel. Paris, 3. Dezember.(T. ll.) Nach einer Mitteilung des ..Matin" nimmt die Schlacht zwischen Warthe und Weichsel einen immer ivcitercn Umfang an. Die Deutschen setzten diesmal ihre Verstärkungen nicht auf einen Schlag, sondern nur stück- weise ein. Diese Verstärkungen betrage insgesamt 11 Armee- torps, außerdem die 7. österreichische Reiterdivision unter General Kard. Spannung in Petersburg. Kopenhagen, 3. Dezember.>W. T. B.)„Politiken" gibt folgende Meldung der Londoner„Time S" aus Petersburg wieder: Die Hauptstadt wartet ungeduldig aus Nachrichten an? Polen. Die vor- ttegendcn Meldungen tragen dazu bei, die Spannung zu erhöhen. Trotz der klimatischen Schlvierigleitcn ballen die Deutschen ihre Stellungen bei Lodz und Lowirz, sie haben den Russen sehr schwere Berluste zugefügt. Jetzt erwarten sie Verstärkungen, aber wober soll Deutschland Verstärkungen nehmen i stehi Ms bei Die Melöung öes Großen Hauptquartiers Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Dezember, vormittags. �W. T. B.) Auf beiden Kriegsschauplätzen hak sich nichts Besonderes ereignet. Oberste Heeresleitung. * Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 3. Tezembcr. kW. T. 230 Amtlich wird oerlaui- bnrt: 3. Dezember mittags: Unsere Situation auf dem n o r d ö rt l i ch c» 5t r i c g» s ch a n p l n t> hat sich gestern nicht geändert. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabes: von Horfer, Generalmajor. *» * Wilhelm II- in Dreslau und(zenstockau. Amtlich.~Giusii<< H v. u v k a r 1 i c r, 3. D>l zembcr. W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser hatte gestern in Breslau eine Besprechung mit dem O b c r st k o m m a n d i e r c n den des ö st c r r c i ch i s ch n n g a r i s ch e n Heeres, Seiner kaiserliche» und königlichen Hoheit dem Erzherzog Friedrich, der von Seiner kaiserlichen»nd königlichen Hoheit dem Erzherzog Thronfolger Karl Franz Josef und dem E h e f des General st alles, General der Infanterie Freiherr» dtonrad von Horllcndorf, begleitet war. Später besuchte der Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt. Oberste Heeresleitung. -tc* * Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. De zembcr.(W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser besuchte heute Teile der in der Gegend von C z c n st o ch a u kämpfen- den österreichisch-nngarischen und deutsche» Truppe». Oberste Heeresleitung. General Rennenkampf gemaßregelt? London, 2. Dezember.(SB. T. B.) Die„Morningpost" meidet aus Petersburg: General Rennenkampf ist v o ni Oberbefehl enthoben, weil er in der Konzentrationsbcwegung zur Ein- s ch l i e ß u n g der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät e i n n a h m. Eine Einigung Polens. Mailand, 3. Dezember.(T. U.) In Warschau hat sich ein poliiischc-Z Komitee gebildet, daß eine Einigung Polens unter russischer Ober- Hoheit proklamiert. Ihm sind Mitglieder der Duma, des Staats- rals und der Verwallnngskörperschastcn beigetreten. In einem Auf- ruf bezeichnet das Komitee Dcnischland als den größten Feind des Polenllolkes und sagt, das galizische Freiwilligcnkorps habe leinen Ausstand der Polen gegen Rußland hervorgebracht.(Franks. Ztg.) vom österreichisth-serbischen Kriegsschauplatz. Kampftose Preisgabe Delgraüs. 2t) i e», 3. Dezember.(W.?. 83.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 3. Dezember: Siegreiches Vor- dringen unserer Truppen Über die Ziolnbara hat den lKegner ge- ziviiiigen. V e l g r a d, dessen Verteidigungsanlagen gegen Norden gerichtet lvaren, kampflos Preiszugeben, um nicht die dortige Besniiung der Gefangennahme auszuliefern. Unsere Truppen sind über die Save und aus südwestlicher Richtung in Belgrad ein- gedrungen und haben die Höhen südlich der Stadt besetzt. Die öffenk- lichcn Gebäude, auch die Gesandtschaftspalais Deutschlands und Oesterreich- Ungarns wurden sofort militärisch gesichert. An den übrigen Teile» der Gefechtssront kam es gestern, da der Feind im Rückzüge und die eigenen Kolonnen auf den grundlosen Wegen nur langsam vorwärts kommen, mir zu kleinere» Kiunpfen mit feindliche» Nachhuten, von denen zirka zweihundert Mann gefangen wurden, Mnieil. das französische Gelbbuch. Die französische Regieraug veöffentlicht durch die Agenee Havas eine Analyse des französischen Gelbbuchs, aus der dessen Tendenz. Teutschland die Verantwortung für den Ans brnch des Krieges zuzuschreiben, deutlich erkennbar wird. Wir geben nach der„Kreuz Zeitung" die wichtigsten Aus sühriingen der Änalysc wieder: Schon am 2-1. Juli machte Deiufchland am Quai d'Orsay eine drohende Mitteilung, um jeder ausländischen Jnterveution zuvor- zukommen, die geeignet ivärc, die Unterwerfung Serbiens zu vei- bindern. Am anderen Tage iveiKerte es sich, sich dein Gesuch um Verlängerimg der diesem Lande gestellien Frist anzuschließen. Am 20. Juli bemühte es sich sodann, Frankreich bloßzustellen, indem es dieses in den gemeinsamen Druck auf Petersburg hineinzu- bringen trachtete. Am 27. Juli weist v. Jagow den von England gemachten Vorschlag einer Konferenz zurück. Am 28. Juli weigert sich Deutschland hartnäckig, trotz der fast vollständigen Unter- werfung Serbiens, in Wien vorzugehen. Am 2». Juli weigerte si» der dent'che Staatssekretär immer noch, sich über den engliscken anszuipreape� Zu gleicher Zeit und während die deutschen mimäilscheii Varoereitnngen soridaucrte». mite, nabm Deutschland einen dreifachen Schritt zur EinschLchlerung u». l'erb? reitenden Rechtsers igling bei England. Rustiand und Fiu.ureich mit Beziig auf deren ÄerteidigmigsporsichtStnaj-, regeln. Bereits ist die allgemeine deuifchc Mobilmachung bei- nahe beschlossen und von den offiziösen Blättern angezeigt. Sic wird erst in der letzten Minute now hinausgeschoben. Am 30. Juli enthüllt sich die kriegerische Absicht Deutschlands noch mehr. v. Jagow erklärte, ohne sich mit Wien zn verständigen, die r u s s i- scheu V e r st ä n d i g n n g§ v o r s ch l ä g e für unannehmbar, ob; wohl Oesterreich sich geneigt gezeigt hatte, sie anzunehmen. Deutsch land fühlte, wie O c st e r r e i ch seine schroffe Halt n ii g ä u f gab. c-j lüftete seine Maske und erließ das für eine Großmacht unannehmbare Ultiinatuin, in welchem es Rußland aufforderte, innerhalb zwölf Stunden zu demobilisieren, nicht bloß an der deutschen, sondern auch an der österreichischen Grenze. Als Cambon den deutschen Siaatsselreiär v. Jagow' an seine Erklärung erinnerte, Deutschland werde nicht mobilisieren, wenn Rußland mir an der galizische» Grenze mobilisieren werde, bemerkte dieser. das sei keine feste Verpslichiung gewesen. Es ist somit deutlich fest- gestellt, daß Deutschland den.Krieg iv o l l t e. anderseits gleicht der versöhnliche Geist Frankreichs und seine Teilnahme an allen in Paris, Berlin, Wien London und Petersburg unter- nommenen Vermiltelnngsoersuchen, ob der Konflikt einzuschränken. zu milder» oder zu lösen wäre, obiger direkt entgegengesetzten Politik. Frankreich hatte Serbien angeraten, alle Konzessionen zu uiache». die mit seiner Würde eines souveränen Staates vereinbar gewesen wären. ES unterstützte das Verlangen Rußlands, eine Fristverlänge- rung zu erhalten, nud schloß sich dem englischen Vermittlnngs vorschlage an. Es ging in Berlin und Wien vor. indem eS auf die Untertverfling Serbiens hinwies, ebenso, indem eS die Aus richtigleit der russischen Verständigungsvorschläge und des englischen Vermittltt»gSangebots hervorhob. Alle seine An- strcngungeii blieben indessen vergeblich angesichts der Weigerung Deutschlands, das am 1. August Rußland den Fehdehandschuh hi»- tvars. Indessen verzweifelte der französische Minister des Aeußern noch nicht. Er ivar erstaunt zn sehen, daß Herr v. Schorn seine Abreise an dem Tage vorbereitete, als die Versöhnung zwischen Wien und Petersburg nahezu verwirklicht war. und der überraschte deutsche Botschafter stellte seine� Vorbereitungen ein und verlangte Instruktionen; aber wenige Stunden später erklärte Deutschland Frankreich den.Krieg. Das Gelbbuch bestätigt �>a-Z Orangebuch durch die Veröffent- lichung der zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser ge wechselten Telegramme, aus denen sich ein Eindruck ergibt, der dem durch das deutsche Weißbuch crlveckieii genau entgegengesetzt ist. Wilhelm kl. hatte als erster versucht, seinen persönlichen' Einfluß aus den Zaren geltend zu machen, damit dieser Serbien preisgebe. Nikolaus II. erwiderte, indem er Wilhelm ll. bat, in Wien zu inier- venieren; aber der Kaiser zeigte sich diesem Borschlage nicht geneigt und suchte nur den Zare» zn bewegen, der Vernichtung Serbiens zuzustimmen, oder aber die Verantwortung für den Krieg auf Ruß land zu schieben. Während der Zar sein Ehrenwort gab. daß die russischen Truppen mährend der Verhandlungen mit Oesterreich>m- lätig bleiben sollten, weigerte sich der Deutsche Kaiser, die nämliche Verpflichtung ans sich zu nehmen und forderte den Zaren auf, zu demobilisieren. ** ♦ Ein nentrnles Urteil. sevpenhagen, 3. Dezember. �W. T. B.3„Poliiiken" schreibt: Das französische Gelbbuch bringt nichts Neues über die Schuld am Ausbruch des Krieges. Wenn das Gelbbuch betont, daß* die deutsche Miliiärpartei den Ausbruch des Krieges wünschte, so vergißt es. daß auch in Rußland eine große Militärpartei auf den Ausbruch des Krieges drängte. Für Dänemark ist wertvoll, daß das Gelbbuch betont, daß Deutschland einen Nentralitätsbruch der drei skandinavischen Reiche in keiner Wette befürchtete, wie die politische Haltung dieser Staaten eS auch bewiesen hat. der Seekrieg. wieüer ein Unterseeboot im Spiel? MKnchc», 3. Dezember.(W. T. B.) Die„Münchener Neuesten Nachrichteu" meiden aus Amsterdam: Das englische Dampfschiff „Earl of Abcrdeen" wurde, wie„Central News" berichten, zwischen Aberdeen und Hull durch ein deutsches Unlersceboot zum Sinken gebracht. Tie Mannschaft konnte gerettet werden. Notiz de-Z Wolffschen Telegrapbcnbureaus: Nach anderer Meldung soll der Dampfer ein englisches Unterseeboot geramnit haben, i» Hull festgehalten und Kapitän und Besatzung verhaftet sein. Amerikanischer Protest. New?1ork, 3. Dezember. sW. T. B.)„New?1ork Herald" meldet aus Äashington: Das Staatsdepartement hal einen all- gemeinen P r o l e st bei der englischen Regierung gegen die Inanspruchnahme� des Rechts erhoben, amerikanische Ladungen zu beschlagnahmen, die aus bedingter Konter- bände bestehen, für n e u r r a l e Häfen bestimmt und an b e- st i m nr t e P e r s o n e n konsigniert sind. der Krieg und Sie Kolonien. Die Hesetzung von Neu-Guinea. Amsterdam, 3. Dezember.o S", dem Blatt unserer russischen Genossen, abgedruckt ist, eiltneßkiien wir folgendes über die Stellung der Sozialdemokratie Letlla�s zum Kriege: „Obwohl die Nacbrichteu, die ap£ Rußland kommen, sehr spärlich sind, kann doch zweifellos festgeWn werden, daß die Sozialdemokratie Lettlands eine richtige StellunmMm Kriege eingenommen und sich nicht auf den Weg des nationaMifchen Opportunismus hat mitreißen lassen. Unsere leitenden Jlytiiutionen haben versucht, sich mit den Vertretern der Pete rSw urger Arbeiter zwecks g ein e i n- f a in e r A k t i o n c n Tu Verbindung zu setzen, es scheint aber, daß dies bisher nicht reM gelungen ist. Es kann mit Bestimmtheit be- hauptet werden, itaß unsere Organisationen nicht zer- st ö r t sind nutz in den neuen, außerordentlich schwierigen Verhält- nisten ihr e/T ätigkeit fortsetzen. Gleich zu Beginn des Krieges stNirden die politischen Arbeiterblätter, unsere marxistische Zeitschrift wie auch unser Gewerkichafts- und Genossenschastsorgan geschlossen, nun kommen aber Nachrichten, daß das Gewerkschafts- organ bereit? wieder erscheint und die Herausgabe politischer und theoretischer Broschüren vorbereitet wird." Afghanistan unü üer Krieg. Der bekannte Korrespondent der„Nowoje Wremja", Argus, schreibt seinem Blatte aus London über die Lage in Afghanistan und über die Besürchlungen, die die englisch-indische Diplomatie hinsichtlich des Ucbergreifens des Krieges nach Mittelasien hegt: „Wenn die Regierung und die Gesellschaft hier hinsichtlich der Empfindungen der Inder und Mohammedaner in Indien voll- kommen beruhigt ist. so erregt die Haltung d e s E m i r s von A f g h a n i st a n nicht wenig Zweifel. Er hat in einer Proklamation die strengste Neutralität erklärt, zugleich aber alle seine Truppen mobilisiert, als spiele sich der Krieg an den Grenzen Afghanistans ab und als müsse man die Ueberschrestung der Grenzen von dem einen oder dem anderen Kriegführenden erwarten. ES ist bekannt, daß der Emir unter dem Einfluß türkischer Emissäre steht, hinter denen sich auch deutsche Orientforscher verbergen. Die englisch- indischen Kreise in London sind der Ansicht, der Emir warte nur auf die Gelegenheit, um einen Auf st and der Grenzvölker an- zuzetteln, die die Oberhoheit Englands anerkennen, oder gar um sich an alle Mohammedaner Indiens mit einem Aufruf zu wenden. ES ist sehr wahrscheinlich, daß der Eintritt der Türkei in die Reihe der kriegführenden Staaten auch bewirken wird, daß Habibulla-Chan die Maske der Neutralität abwirft. Dann natürlich hat Afghanistan dieRolle einesPufferstaateS zwischen Rußland und England ausgespielt und die beiden verbündeten Regierungen werden hinsichtlich Afghanistans einen neuen Vertrag schließen." Gerade diese Aussicht scheint aber für England am wenigsten verlockend zu sein. Wird der Pufferstaat Afghanistan aufgerieben oder nach persiscdem Muster in„Einflußsphären" geteilt, so steht die russische Landmacht vor den Toren Indien?. Grund genug für die Apologeten der auswärtigen Politik des Zarismus diese Aussicht in der„Nowoje Wremja" frohlockend zu verkünden. Ein kriegsgefangener Engiänüer vor dem Kriegsgericht. Unter dem Vorsitz deS Majors von Tauncnberg hatie gestern daS Kriegsgcricvt der Inspektion der immobilen Garde gegen den englischen Kriegsgesangeneii Lonsdale zu verhandeln. Durch die Au- klage wurde ihiu das Verbrechen deS tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft, begangen im Felde. eine Straftat, die das Militärslrasgesetzbuch mit dem Tode, bei minder schweren Fällen mit lebenslänglicher oder mindestens zehnjähriger Freiheit-slrafe ahndet, zur Last gelegt. Der Angeschul- digte wurde bei einer Schlachr auf belgischem Gebiet gefangeu ge- nommen und mit einem größeren Transport Gefangener nach dem Lager in Töberitz gebracht. Abwechselnd müssen die dort in den Zelten i bis 10 untergebrachten Gc- fangeiien heute und diejenigen der Zelle 11 bis 20 morgen arbeileu. Morgens um 8 Uhr gilt ein Trompetensignal zum Auf- bruch für die Gefangciieu. Als nun am 9. November zum Arbeitsaufbruch geblasen wurde, zögerte» die für'diesen Tag bcfoblencn Gefaugeneii dem Zeichen Folge zu leisten und aus ihren Zellen herauszukoniirien. Jnr Zelt S, dessen Insassen diesmal der Arbeit fern bleiben durften, lag der Angeklagte. Als der Feldwebel U.. der die Bauarbeiten zu leiten Hütte, zur seftgesetzteu Zeit keine Engländer angelreten vorfand, gab er de» Befehl, sämtliche Zelte zu räumen und die Insassen hmauSzutreiben. In Zelt 5 tollte es nun zli einein ernstlichen Zusammentreffen zimschen Landsturmleuten und den Gefangeneil kommen. Als ein Unterofstzier durch das Zelt, i» dem etwa 250 Gefangene lagen, schritt und die letzteren laut aufforderte sich zu erheben und anzutreten, wurde er duräi Zurufe verhöhnr und die Gefangenen schützten zum großen Teil Krankheit vor. Auf einen, der sich reiiilenk benahm, kegle ein Land- sturmmann an; doch schoß er nicht. weil er befürchtete, er könne einen andereii treffen. Beim Hinaustreiben der Gefaiigeiicn wurde dann auch etwas mit dem Kolben des Gewehrs nachgeholfen. Der Angeklagte stellte sich nun vor einen der Landslürmleute wütend hin, ballte die Faust und versetzte dem Mann einen Stoß vor die Brust und einen zweiten Schlag gegen das Gesicht, der aber abglitt. Der Feldwebel, der inzwischen hinzugekommen war, zog blank und versetzte dem flüchtenden Angreifer mehrere Hiebe über den Rücken. Der Engländer eilte nun unter seine Landsleute und ging dann von einem Zelt zum anderen, um den Kameraden seine Wunden, die er durch die Säbelhiebe erhalten hatte, zu zeigen. Am anderen Tage wurde dem ganzen Zelt Strafe auferlegt, weil sich der llebeltäter nicht meldete. Erst jetzt bequemte sich L. dazu. In der gestrigen Verhandlung erfolgte die Verständigung zwischen dem Angeklagten und dem Gericht durch einen Dolmetscher. Die Zeugen wurden streng zur Wahrheit ermahnt und der Verhandlungslciter niachte darauf aufmerksam, daß sich keiner etwa durch Haß für die Station des Angeklagten dazu verleiten lassen dürfe, mehr auszusagen, als er unter dem Eide verantworten könne. Der Angeklagte selbst gab die ihm zur Last gelegte Straftat zu. Er gab auch zu, daß ihm seinerzeit vom Lagerkommandanten die Bestimmungen, wonach er unter Kriegsrecht stehe und wonach die Landsturm leute, die zur Bewachung des Gefaitgenenlagers dienen, seine Vorgesetzten sind, bekannt gegeben worden seien. Es mutzte also seine Verurteilung erfolgen. Der Vertreter der Llnklage, stell- vertretender Kriegsgerichtsrat Dr. Kohler, nahm davon Abstand, die Todesstrafe zu beantragen. Er plädierte auch nicht auf lebenslängliche Gesängnisstrafe, die das Gesetz zuläßt. Er führte aus, daß die deutschen Militärgerichte türm- hoch über den Urteilen gegen Deutsche in Feindes- l a n d ständen. Durch Haß würden die Urteile in Feindesland diktiert. Er beantrage das Mindeslstrafmaß von 10 Jahren Gefängnis. Der Verteidiger. Justizrat Dr. Barnau, führte aus, daß angesichts der schamlosen Urteile, die im feindlichen Ausland gefällt loordq�j�eii, nicht der mindeste Grund vorliege, etwa gegen Kriegsgefangenen in besonders wohlwollender Weite r Rzugehen. Aber man solle den einzelnen nicht unnötig empfiiideu lassen, was Unrechtes in Feindesland begangen worden ist. Er könne sich dem Antrage des Vertreter-! der Anklage nur anschließen und bitte um die Annahme eines minder schweren Falles. Das Kriegsgericht erkannte denn auch dem- entsprechend; es verurteilte Lonsdale im Sinne der Anklage zu der gering st en Strafe von zehn Jahren Gefängnis. die Haltung Italiens. Salandras Programm. Rom, 3. Dezember. zW. T. B.) Tie Kammer nahm heute ihre Arbeiten wieder auf. Ministerpräsident Salandra erklärt unter gespanitier Aufmerksamkeit des Hauses: Dem Ministerium, das sich heute Ihnen vorstellt, ist sein Arbeitsprogramm unmittel- bar durch die Notwendigkeit auferlegt, weil es in diesem kritischen Augenblick der(beschichte die Geschicke des Landes zu lenken hat. Wähoend die durch wiederholte Beweise Ihres Vertrauens gestärkte Regierung daran ging, nützliche Verwaltungssteuern und Sozial- reformen vorzubereiten, brach ohne irgend eine Teilnahme oder ein Einverständnis von unserer Seite plötzlich und sehr schnell der Konflikt aus, den wir zum Schutze des Friedens und der Zivili- sation vergeblich zu beschwören trachteten. Die Regierung mußte erwägen, ob die Vertragsbestimmungen uns zur Teilnahme zwange»."Aber die gewissenhafteste Prüfung des Buchstabens und Geistes der bestehenden Vereinbarungen und die Kenntnis der Ursprünge und des augenscheinlichen Endzwecks des Konfliktes brachten uns zu der loyalen und sicheren Ueberzeugung, daß wir nicht verpflichtet waren, an ihm teilzunehmen. Da wir dergestalt jeder anderen Erwägung enthoben waren, so empfahl uns eine unbefangene und freie Beurteilung dessen, waS die Wahrung der italienischen Interessen erforderte, unverzüglich unsere Neu- t r a l i t ä t zu erklären. Dieser Entschluß war ein solcher, daß man sich auf leidenschaft- liche Erörterungen und verschiedenartige Beurteilungen gefaßt machen mußte. Aber später vegann allmählich in Italien und außerhalb die feste und allgemeine Ueberzeugung vorzuherrsche», daß wir unser Recht ausübten und>in richtiger Weise beurteilten, was am besten den Interessen der Nation entsprach. Indessen genügte die frei proklamierte und loyal beobachtete Neutralität nicht, um uns gegen die Folgen der ungeheuren Umwälzung zu schützen, die jeden Tag größer wird und deren Ende von niemaitdem abgc- sehen werden kann. In den Ländern und Meeren des alten Erd- teils, dessen politische Gestaltung vielleicht im Begriffe ist, sich zu ändern, besitzt Italien vitale Interessen, die es zu schützen, und ge- rechte"Ansprüche, die es zu bekräftigen hat. Es muß seine Stellung als Großmacht behaupten und sie nicht nur unversehrt erhalten, sondern auch so, daß sie nicht durch die mög- lichen Vergrößerungen änderer Staaten relativ gemindert werde. Daher mußte und wirb notwendigerweise unsere Neutrali- tat keine untätige und lässige, sondern eine t ä t i g e u n d wachsame sein, nicht eine ohnmächtige, sondern eine st a r k gewappnete, die jeder Mög lichkeit gewachsen ist.(Andauernder lebhafter Beifall. Die gesamte Kammer erhebt sich und bringt dem Ministerpräsidenten eine lebhafte Huldigung dar.) Ministerpräsident Salandra fuhr fort: Demgemäß war und ist die höchste Sorge der Regierung vollständige Vorbereitung von Armee und Marine.(Beifa.) Um sie durchzuführen, iit sie nicht davor zurückgeschreckt, die schwere Verantwrotlichkeit für weitere Ausgaben und für eine gewisse Abänderung der militärischen Organisation zu übernehmen. Die Erfahrung aus der Geschichte und noch mehr aus den gegenwärtigen Ereigniffen muß uns überzeugen, baß, Wenn die Herrschaft des Rechts aufhört, die Kraft allein die Bürgschaft für das Wohlergehen eines Volkes bleibt, die organi- ficrte und mit allen kostspieligen und vollenderen technischen Ber- reidigungsmitteln ausgerüstete menschliche Kraft.(Beifall und Bravorufe.) Wenn auch Italien nicht das Ziel hat, irgend jemanden mit Gemalt zu unterdrücken, muß es sich doch so gut wie möglich und mit der größten Stärke organisieren und rüsten, damit es nicht früher oder später selbst unterdrückt tvcrde.(Beifall.i Zu dieser unserer ersten Pflicht gesellt sich die iveiterc nicht unwichtige, die Wirkungen der Krisis zu mildern, welche infolge der vielverschlungenen Einheit des internationalen Handels und der Weltwirtschaft ganze Industrien lähmte. Handelsunternehmungcn umstürzte und tausende unentbehrliche von Arbeitern, früher als in anderen Jahren, in das Vaterland zurückkehren ließ. Auch zu diesem Zwecke waren außergewöhnliche Maßregeln notwendig: zeitweise Abweichungen von dem gemeinen Recht, Beschleunigung öffentlicher Arbeiten und weitgehende Verfügung über unsere Geldmittel. Die Regierung beantragt die alsbaldige Genehmigung aller dieser Maßregeln. Inzwischen können wir mit Genugtuung seststellen, daß der allgemeine wirtschaftliche Zustand unseres Landes sich schrittweise gebessert hat. daß Arbeit und Kredit auf dem Wege sind, zu normaler Funktion zurückzukehren und daß das Ver- trauen des Publikums sich wieder einstellt. Aber man würde sich gefährlich täuschen, wenn man glaubte, daß weitere außerordent- lichc Maßregeln uynötig seien. Die Regierung weiß wohl, daß alles angewandt werden muß, um dem Lande genügende Vorräte der ivichtigsten stoffc zu sichern; ihr Eingreifen wird nicht auf sich warten lassen, wo und wann die private Tätigkeit zu diesem Zwecke nicht ausreicht. Auch der innere Friede muß um jeden Preis gesichert werden. Tie Regierung ist aber weit entfernt, zu glauben, daß unser Volk ihn stören könnte. Es begreift, daß das Vaterland jetzt die Eintracht aller, die zu jedem Opfer bereit sind, für sein Wohlergehen und seine Größe braucht.(Beifall.) Vertagen wir den politischen und wirtschaftlichen Streit, den Streit zwischen Parteien, Ständen und Bevölkerungsklassen auf später. Heute muß sich in Wort und Tat das Gemeingefühl aller Italiener feierlich bekunden.(Bravorufe, langanhaltender Beifall.) Das erste und erhabenste Beispiel dieses nationalen Gemeingcfühls werden sicher die bevorstehenden Beratungen der obersten repräsentativen Körperschaften geben. Die Regierung. Ivelche heute ein Urteil oder Bestrebungen vom Parteistandpunkte aus für eine Per- lctzung ihrer heiligsten Pflichten halten würde, ruft die ganze Volksvertretung zu patriotischer Mitarbeit auf.(Beifall.) Rur vom Parlamente empfängt sie die Kraft, die sie braucht, um ihre schwierige Ausgabe zu erfüllen. Tie Stunde verlangt eine starke und sichere Regierung. Wenn ihre Stimme uns Stärke und Sicherheit gibt, können wir die schwere Last unserer Verantwort- lichkeit tragen und unsere emsige und unaufhörliche Arbeit fort- setzen, welcher wir die ganze Kraft unseres Geistes widmen, um die augenblicklichen Interessen unseres Vaterlandes wirksam zu verteidigen und sorgsam über der künftigen Bestimmung Italiens in der Welt zu wachen.(Lebhafter, langandauernder Beifall; die ganze Kammer erhebt sich zu einer stürmischen Kundgebung und ruft immer von neuem:„Es lebe Italien!") Hierauf begab sich das Ministerium in den Senat, um dort dieselben Gcklärungen abzugeben wie in der Kammer. *• * die Aufnahme der Neüe Salanüras. Rom, 3. Dezember.(P r i v a t t e l e g r a m m' des „B o r w ä r t s".) Die italienische Kammer wurde heute mit einer Rede SalandraS eröffnet. Aus den Erklärungen 2a- landras klang unverkennbar eiir entschiedener Grundton her- aus und die Bereitschaft zum Kriege, sobald die Interessen Italiens ein Eingreifen fordern. Als der Minister von den gerechten Forderungen sprach, die Italien geltend zu machen bat, erscholl großer Beifall; ebenso bei den Worten, daß Italien zu jeder Mitwirkung gerüstet sei, sowie bei dem Appell au die Solidarität der ganzen Nation. Bei der Schlußovation blieben nur die Sozialisten sitzen. Bei dem Hoch auf Belgien, das der Republikaner Comandini ausbrachte, erhob sich das ganze Haus. ** * Die italienische Sozialüemokratie und öer Krieg. In einem Leitartikel des italienischen sozialistischen Haupt- organs„Avanti" über die augenblickliche inncrpolitische Lage in Italien und über die voraussichtliche Stellungnahme der verschiedenen Parteien beim bevorstehenden Zusammentreten der italienischen Kammer am 2. Dezember weisen auch die Ansichten der bürgerlichen Politiker über die Absichten der Sozialisten besprochen. Ein bürgerlicher Politiker soll erklärt haben, daß die Sozialisten sich auf eine rein akadeniische und theoretische Antikricgspropaganda beschränken und sich im übrigen einer ivirklichcn Opposition enthalten würden, iveil sie eingesehen hätten, daß patriotische Gründe Italien in den Krieg treiben. Gegen diesen Gedankengang protestiert der„Avanti" aufs bestimmteste und stellt die folgenden Leitsätze auf: 1. Bei den italicnischcit Sozialisten fehlt>edeS Verständnis für diese„patrivlischen Giiuidck" um so mehr, als dieser Begriff ei» außerordentlich dehnbarer ist und zu höchst gewagten Unternehmungen führen könnte. 2. Die italienische sozialistische Partei lvird sich aufs energischste den KriegSkredilen iviversetzen, weil die Höhe derselben klar beweist. daß sie das allein für die Verteidigung des Landes Notwendige weit Übersteigen. 3. Die vorgesehene SIeuerdecknng wird wie gewöhnlich in Italien nur die ärmeren Klassen treffen, was für die sozialistische Partei ein Grund mehr ist. sich diesen hohen Ausgaben zu wider- setzen. 4. Die Parle! kann den Leuten gegenüber, welche bisher die für das Land so schicksalsschwere Politik geleitet haben, lein Ver- trauen haben; die einsige Antwort auf eine Aufforderung, diese Politik zu unterstützen, ist die Forderung, daß diese Leute für ihre bisherige, dein Lande so schädliche Tätigkeit gerichtlich zur Verant- wortung gezogen werde». S. So lange die für politische Vergehe» mit Gefängnis bestraften Parteigenossen als Feinde des Staates behandelt und betrachtet iverden, kann von der Partei nicht verlangt werden, daß sie bei ihrer Stellungnahme die„patriotischen" Gesichtspunkte der italienischen Bourgeoisie in Betracht ziehen soll. politische Ueberstcht. Aus dem Reichstage. Die freie Kommission des Reichstags war am Donnerstag zu einer Besichtigung der Gefangenen- l a g e r in Döbcritz eingeladen lvorden. Mit Rücksicht auf die Geschäftslage der'Kommission wurde jedoch davon Abstand genommen, der Einladung an diesem Tage Folge zu leisten. Die Kommission trat dann in die Beratung einer Anzahl von Hecresfragcn ein, wobei besonders über die Gefangene n- lager sowie über die Verpflegung und Behandlung der Kriegsgefangenen Erörterungen gepflogen lvorden sind. Bei dieser Gelegenheit unterhielt man sich auch über die von den Behörden angeordnete Räumung einiger Teile Ostpreußens. Die Not d e r F l ü ch t l i n g e wurde recht lebhaft geschildert lind weitgehendste Abhilfe der Klagen in Aussicht gestellt. Allerdings ist ein Teil des Not- standes auch auf die Kopflosigkeit der Bevölkerung zurück- zuführen. Auch die Arbeitsverhältnisse der Schau zarbeitcr wurden in den Kreis der Erörterungen gezogen._ Behörden und Konsumvereine. In Halle werden dem dortigen Konsumverein wegen Zugehörigkeit der Beamten durch die Postvenvaltung und die Eisenbahndirektion keine Schwierigkeiten mehr in den Weg gelegt. Auf ein Schreiben des Vereins hat die Oberpost- dircktion in Halle unterm 8. Oktober geantwortet:„Es lvird kein Einspruch erhoben werden, wenn Angehörige der Reichs- Post- und Telegraphenverwaltung dem Allgemeinen Konsum- verein Halle(Saale) und Umgegend beitreten." Und die Eisenbahndircktion teilte am 6. Oktober mit:„Wir haben nichts dagegen cinzntvcndcii, daß unsere Bediensteten fernerhin Ihrem Verein als Mitglieder angehören." Eine zurückgewiesene Erklärung. Reichstagönbgeordneter Genosse Dr. Liebknecht hat an de» Präsidenten des Reichstages eine Erklärung gelangen lassen, die seine Abstimmung über die Kriegskredite motivieren soll. Es ist zu- lässig, solche Erklärungen zu einer Abstimmung abzugeben. Diese sind in da? Protokoll aufzunehmen. Der Reichstags- Präsident bat die Aufnahme der Liebknechtschen Erklärung jedoch abgelehnt, weil sie so abgefaßt ist, daß sie, wenn sie in der Sitzung vffemlich vorgetragen worden wäre, unbedingt Ordnungs- rufe nach sich gezogen hätte._ Tie Höchstpreise sür Getreide. In der jüngst stattgefundencn Generalversaiiiiiilnng der B r o t f a b r i k a ir t e n von Rheinland und W c st- f a l e n wurde einstiimnig eine Resolution angenommen und der Reichsregienmg übersandt. Tie Resolution lautet: Der Bezirksverband„Rbeinland-Wesifalen" des Verbandes Deutscher Brotfabrilaiuen erkennt an, daß die Regierung bei Erlaß der Verordnung über Höchstpreise die Grundlage für eine gesicherte Volksernährung schaffen wollte. Die Verordnungen über H ö ch st- Preise für Getreide erfüllen jedoch d e n ch ea b s i ch- t igten Zweck nicht. Dadurch, daß die Regierung mit dem Erlaß der Verordnungen zögerte und bei Erlaß die Pveisfestsetzung vornahm unter Berücksichtigung der in der Kriegszeit sich entwickeln- den Preise ist der Höchstpreis weit über den mit' de» Volksinteressen vereinbarten Satz festgelegt. Der Verband kann es nicht als richtig anerkennen, daß die Spekulationspreise, die in den Monaten August bis Oktober sich herausbildeten, die Grundlage sind für die Höchst- preise, denn diese werden, wie die Erfahrung lehrt, die Preisnorm sein. Die Verhältnisse der Gegenwart erheischen aber, lxyä jeder Teil unserer Volkswirtsebaft sich mit dem Nutzen zufrieden gibt, der seine Existenz sichert. Die festgesetzten Höchstpreise bringen aber den Landivirten und denjenigen Händlern, die sich Getreide- Vorräte gesichert habe», ungeheuren und unverechtigten Gewinn. Hiergegen erbebt der Verband entschieden Protest. Er fordert, daß der Höckstpreis sich nicht über den D u r-ch f ch-n i t t der Preise der letzten ö J'ahre erbebt. Dieser Preis liegt aber bedeutend unter den festgefetzten Hiichstpreiseii. Der Verband hält es ferner sür notwendig, die vorhandenen Getreidevor- rä le durch die Rcichsregierung oder die Landes- r e g i e r u n g c n zu übernehmen und sie in entsprechender Weise untpr Mitbilfe der Organisationen der Mehl verarbeitenden Gewerbe der Volksernährung zuzuführen. Der jetzt geschaffene Zustand führt infolge der in§ 9 der Verordnung über Höchstpreise festgelegten Steigerung der Preise dahin, daß die Produzenten und Inhaber der Vorräte mit dein Angebot zurückhalte» und nicht einmal zu den gellenden Höchstpreisen verkaufen. Dieses hat schon jetzt zu einer bedeutenden Schwierigkeit in der Beschaffung von Mehl gestihrt, insbesondere für alle diejenigen Betriebe, die nicht in der Lage sind, große Mehlvorräte aufzuspeichern. Der jetzige Zustand wird notwendig im Gefolge haben, daß ein Teil der Bäckereibetriebe infolge von Nichtangebot von Ware geschlossen werden mutz. Die vom Perband seil Beginn des Krieges vertretene Auffassung, daß die festzusetzendenHöckitpreise die allgemeine Preis- norm bilden werden, hat sich durch die Tatsachen voll bestätigt. Ter Verband hält eine weitere E i n s ch r ä n k» n g des Ber- brauches von Brotgetreide für die Erzeugung von Alkohol für dringend geboten. Wird dem vorgetragenen Er- suchen keine Berücksichtigung gewährt, so iverden sich die heule vor- hnndenen großen Schwierigkeiten in der Versorgung mir Mehl noch mehren und die Volksernährung wird in Gefahr gebracht. Diesen ungeheuer wichtigen Interessen gegenüber müssen die Interessen der an überhohen Getreidepreise interessierten Kreise iveichen. Militärgerichtliche'tz. Daß Kiiegsgericht der Kommandantur Breslau unter Vorsitz de§ Oberstleutnants Jhssen verurteilte den Hauptmann Fritz Hsllmich von der Feld-Fliegerabteilung 35 in Posen wegen M i tz h a» d- l u u g. vorschriftswidriger Behandlung und V e l e i- digung Untergebener im Felde und im Dienst zu vier Monaten Festungshaft und 69 Mark Geldstrafe. Der VerhandluiigSführer. Militärhilfsrichter Dr. Herzog betonte bei der Urtetlsverliindigung. das Kriegsgericht habe sich im wesentlichen der Anklage angeschlossen, aber strafinilderud be- rücksichligt, daß der Hauptmann in Feindesland sich in einer sehr schwierigen Lage befunden habe, weil er wenig ausgebildete Leute und geringe Unterstützung von Umerosfizicren hatte. Der Anklagevertreter, KriegSgerichtsrat Liepe, hatte a ch t Monate Festung und 129 M. Geldstrafe beantragt. Haupt- mann Hellmich erklärte, das beantragte Strafmaß sei ihm zu hoch. Sein Verteidiger, ein Offizier plädierte, der Angeklagte habe als schneidiger, pflichtcisriger Ofsisier von strenger Dienstalisfassung, etwas scharf vorgehend, im Acrger und in Errcgmig gefehlt, gereizt durch Nachlässigkeiten der Untergebenen. Hauptmann Hellmich stammt ans Bogendorf in Schlesien und ist seit 29 Jahren Offizier. Die Vergehen passierten im August und 2. September 1914 auf dem östli-ben Kriegsschauplatz in Galizien und Rußland, wo Hauptmann Hellmich Führer einer von ihm neu errichteten Fliegerabteilung war. Er gibt zu, im allgemeinen seine Unlergebeneu vorschriftswidrig behandelt zu haben. Der Angeklagte war sehr nervös und beging die Ausschreitungen, wenn die Leute ihre Arbeit nicht ordentlich machten. Schwere Bestrafung eines französischen Kriegs- gefangenen. Da« Erfurter Kriegsgericht verurteilte den französischen Kriegs- gefangenen Artur Decharis wegen tätlichen Angriffs auf einen deutschen Untcrossizier zu 3 Jahren Gefängnis. Der Verurteilte ist französischer Eisenbahnbeamter. Er war als Z i v i l i st in Kriegsgefangenschaft geraten und wurde in das Gefangenenlager nach Erfurt übergeführt. Sur 7. November sollte er gemeinschaftlich mit 50 anderen Gefangenen Arbeit verrichten. Auf dem Wege zur Arbeitsstätte marschierten die Franzosen an den Aborten der Ge- fangenenlager vorbei. Der Angeklagte trat, ohne den beau' sichtigen- den deutschen Unteroffizier zu fragen, aus, um seine Notdurft zu verrichten. Der Unteroffizier glaubte, der Mann wolle sich von der Arbeit drücken. Er trat darum an ihn heran und versuchte, ihn nach der Arbeitsstätte zu zerren. Hierbei versetzte der Unteroffizier dem Angeklagten einen heftigen Stoß mit dem Knie. Der heißblütige Franzose setzte sich zur Wehr und faßte den Unter- osfizier an de» Hals. Dieser zog nun sein Seitengewehr und versetzte Decharis einige Hiebe. Anklagevertreter und Gericht erkannten an, daß der Angeklagte durch die Mißhandlung d e s Unteroffiziers gereizt worden sei. Er milerstehe aber den im Llricge gültigen deutschen Kriegsgesetzen. Strenge Strafen gegen Kriegsgefangene. Der in einem Gefangenenlager bei Zittau internierte russische Kriegsgefangene P o b l a w S k i stellte sich am 8. September nicht zur Arbeit. Von dem aufsichtsführenden Feldwebel zur Rede ge- stellt, behauptete er, trank zu sein. Der Feldwebel sührtc ihn zur ärztlichen Untersuchung in vaS Revier, dort erklärte er nun plötzlich: „Ich sei nicht krank!" Darauf gingen beide tvieder zur Kompagnie zurück. Der Russe war aber nicht zur Arbeit zu bewegen und ver- weigerte auch auf wiederholten Befehl jede Angabe seiner Per- sonalien. Nun erfolgte die Erhebung der Anklage wegen auSdrück« licher Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft im Felde. DaS Brigadegcricht erkannte auf zwei Jahre Gefängnis; das Obcrkriegsgericht in Dresden hat ailf eingelegte Berufung hin dieses Urteil bestätigt.__ Ter verschärfte Kriegszustand, der am 31. Juli für den Bereich des 7. Armeekorps festgesetzt und später„infolge des Wohlverhaltens der Bevölkerung" gemildert wurde, ist nach einer Bekanntmachung des Generalkommandos in Münster, vom 27. November datiert, wieder eingeführt worden. Begründet wird diese Maßnahme mit dem Interesse der öffent- lichen Sicherheit, insonderheit der überhand nehmenden Tätigkeit fremder Spionageagenten. Zugleich wird bekannt gegeben, daß die Aufhebung deö Arlikels 7 der preußischen Verfassung wieder außer Kraft gesetzt wird und die außerordentlichen Kriegsgerichte in Münster und Düsseldorf aufgehoben sind und damit die ordentlichen Gerichte wieder in Kraft treten. Diese letztere Maßnahme wird mit dem einwandfreien vaterländischen Verhalten der gesamten Be- vvlkerung begründet.___ Ein merkwürdiges Borgehen. In der Wohnung des Gauleiters des LandarbeiterverbandeS in Schlesien, Genossen Grötziicr, erschienen am Mittwoch drei Kriminal- beamle und nahmen eine gründliche Haussuchung vor. Wie aus der vorgezeigten Verfügung hervorgeht, soll sich Grötzner der Urkundenfälschung schuldig gemacht habe» dadurch, daß er A n- träge und Beschwerden von Kriegersrauen wegen Familienunterstützung mit deren Namen unterschrieb. Wegen dieser Hilfstätigkeit an ungewandten Schreiberinnen hat also Grötzner anscheinend ein Slrafverfahren zu gewärtigen. Tic Wirren in Mexiko. Die„Times" melden aus Washington: Man verfolgt hier die Entwiche tung der Ding« iu M e x i l o mit großer Besorgnis, Zapata beheuscht die Hauptstadt, Carranza ist in Veraeruz und Villa irgendwo»ördltcki der Stadt Mexiko. Es scheint min- destens drei revolutionäre Präsidenten zu geben. Die Presse unterzieht die mexikanische Politik des Präsidenten W i l s o n besonders die Zurückziehung der Truppen aus Vergxruz, einer scharfen Kritik.______ Letzte Nachrichten. Die Trümmer des belgischen Heeres. Amsterdam, 3. Dezember.(Privattele g r aMrn d e s „V o rwärt s".) Ans dem Hauptquartier in B c n r n e meldet der Korrespondent des„Nienwen CoujJlntS", daß das belgische Heer noch 70 000 Mann zähle. TägNcli kommen ans England, wo auf die Flüchtlinge ein starker Druck geübt wird, Rekruten. Das belgische Heer wird biM von der Aser wahr- schcinlich in die Gegend von Ronen werlegt! Auffallend ist die G e r i n g Wflä tz u n g, die den belgi- scheu Offizieren von Offizieren�oer anderen Nationen ciit- gegcngebracht wird. Von den belgischen Behörden ausgestellte Passierscheine werden von srbnzösischen Konimandanten n i ch t a n e r k a n n t. Diese B>ichaiidluiig steht in grellem Gegen- satz zu der Gunst, in dtVvie Engländer stehen, die sich so aufführen, als gehörl�ihnen alles. In Calais wird in einigen Tagen das� Kommando ganz in englische Hände üb er ae�en. Bei den Truppen kann von Be- geisterung keine Rede sein. Sie ziehen in dumpfer Gelassenheit nach den ihnen unbekannten Orten. Alle Soldaten sehen in ü d e aus und sind alles andere als fröhlich. Aber sie sind sehr mitteilsinii und äußerten dem Korrespondenten gegen- über den feurigen Wunsch, nach Hanse zu gehen. Tie belgischen Soldaten wollen sich selbst nicht von ihren belgischen Offizieren anführen lasseil. Man hat sie unter französischen Befehl gebracht, aber gewisse Anzeichen zeigen, daß die zum Kampf nötige Einheit fehlt. Dazu kommt, daß vom Ober- koiilinändo einige Befehlshaber erkrankten. Trotz dieser Miß- stände wird ständig schweres Geschütz zugeführt; bei Diin- kirchen werden noch junge Mannschaften ausgebildet. Festnahme von Gxiftml in Gent. Amsterdam, 3. Dezember�bsP r i v a t t el e g r a m m des „V o r>v ä r t i".) Noch einer�Vlegrophischen Meldung nahmen die Deutschen in Gent GeiftM fest nach einem Bombenanschlag durch Flieger gegen v c r p ckr g e n c B c n z i n l a g c r. Unter den Geiseln befinden sich Genosse Anseclc lind der Bürgermeister Brau n._____ Revolte in einem holländischen Interniertenlager. Amsterdam, 3. Dezember.(Privattelegramm des ,.V o r iv ä r t s".) Im Jnterniertenlager in Ze ist revoltierten gestern abend die belgischen Soldaten. Die elektrische Leitung wurde durchschnitten. Da die Militärwache nicht genügte, ließ man Polizei holen; beute morgen wurden noch Truppen aus Utrecht requiriert. Die Revolte nahm solchen Umfang an, daß die Wache Feuer geben mußte. 6 Belgier wurden getötet, 9 verwundet. Bisher konnte die Revolte noch nicht vollständig unterdrückt werden. Einberufung der französische» Kammer. Bordeaux, 3. Dezember.(W. T. B.i Der Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten P o i n c a r e beschloß, die Kammern zu einer außerordentlichen Session auf den 22. Tezem- ber in Paris einzuberufen. Die Minister reisen Ende nächster Woche nach Paris, um dem Finanzausschutz des Senats und dem Budgetausschuß der Kammer zur Verfügung zu stehen. Präsident. Poincare wird ebenfalls dann in Paris sein. leaterlür Freitag, den i Deziir. Berliner Theater 8 ülir;„Exlrabläller!" Bentsehcs Künstlcr-Th. 8 ulu;Ber große u.d. kleine Klaus. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 8 Lhl Fra ßiayolo. l4. Verlustlisten. Tie Verlustliste Nr. 32 der preußischen Armee cuthält Verluste folgender Truppen: General-stommaudo des 18. Armeekorps; General-Kommandos des 22. und 26. Reservekorps. Etappen-Jnspektion des 4. Armeekorps. 2. Garoe-Jnf. Tiv., stav; 33. und 31. Jnf.-Div., Stab; 8. Inf.- Brig.. Stab; 43. Res.-Jnf.-Brig., Stab; 82. Jnf.-Brig., Stab; 2. Garde- u. 2. Garde-Ers.-Reg.; Garde-Füs.-Reg.; 3. u. 4. Garde- Reg.; Garde-Gven.-Regimenter Augusla und Nr. ö; Garde-Schützen- Bat.; Gren.- u. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 1; Gren.-Regimenter Nr. 2, 3, 4; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 5; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 5; Res.- u. Landw.- Jnf.-Regimenter Nr. 6, 7; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 8; Grcn.-Negi- Mentcr Nr. 13, 12; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 15; Jnf.-Rcg. Nr. 16; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 18; Jnf.-Reg. Nr. 13; Inf. u. Res.-Jnf.° Reg. Nr. 23; Jnf.-Regimenter Nr. 21. 23, 24; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 24; Res.- u. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 25; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 25: Inf.-, Res.- u. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 26; Jnf.-Regimenter Nr. 29, 20; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 33; Inf.- u. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 31; Brig.- Ers.-Bat. Nr. 31; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 32; ssüs.-Regimenter Nr. 35, 36; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 36; Füs.- u. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 37; Res. Jnf.-Reg. Nr. 38; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 33; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 43 Jnf.-Reg. Nr. 41; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 44; Inf.- u. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 48; Jnf.-Reg. Nr. 43; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 49; Inf. u. Landw.� Jnf.-Regimenter Nr. 51, 52; Inf.-, Ref.- u. Landw.-Jnf.-Reg. Nr «5; Inf.- u. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 55; Inf.- u. Res.-Jnf.-Reg Nr. 56; Jnf.-Reg. Nr. 57; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 63, 61: Jnf.-Regimenter Nr. 62, 65; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 66; Jnf.-Reg. Nr. 67; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 76; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 7' u. 78, siehe Regiment v. Rosen, jetzt Weber; Jnf.-Reg. Nr. 79 Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 83; Res.- u. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 81; Res- Jnf.-Reg. Nr. 83; Jnf.-Reg. Nr. 84; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 84; Inf. Reg. Nr. 85; Füs.- u. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 86; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 86; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 87; Füs.-Reg. Nr. 93; Jnf.-Reg. Nr Ol; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 32; Jnf.-Regimenter Nr. 93, 97; Res.-Jnf- Reg. Nr. 113; Ins.- u. Laitbw.-Jnf.-Reg. Nr. 116; Inf.-, Res- u �andw.-Jnf.-Reg. Nr. 118; Jnf.-Regimenter Nr. 129, 133, 136, 142 144, 146, 147, 153, 151, 154, 158, 159, 163, 168, 171, 173, 174; Res.- Znf.-Regimente- Nr. 232, 235, 236, 238, 222, 233, 237; Reg. v. Rath nebe Brig.-Ers.-Bat. Nr. 84; Landw.-Jnf.-Reg. v. Rosen, jetzt -Jeder; Landit.-Bataillone Bartenstein. Gruppe Lätzen I u. ll �Nuskau, Neufahrwasser. Neustrelitz II, Osterode II, Schlawc; Res. zMg.-Bat. Nr. 3; Jäg.-Bataillone Nr. 5, 7; Res.-Jäger-Bat. Nr. 23 aestungs-Maschinengcw.-Abt. Rr. 2. Reg. der Gardes du Corps; Schweres Res.-Rciter-Reg. Nr. 2 ■nur.-Reg. Nr. 5; Trag.-Regimenter Nr. 1, 6; Res.-Trag.-Reg. Nr. 8; Trag.-Reg. Nr. 11; Hus.-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 6, 13, 12, J4; Illanen-Rcgimenter Nr. 3, 6, 13, 14, 15, 16; Jäger zu Pferde Regimenter Nr. 2, 3; Rcs.-Kav.-Abt. Nr. 46; 3. Landw.-Esk. des Gardekorps; 2. mobile Landw.-Esk. des 7. Armeekorps; 1. Landst. Csk. des 14. Armeekorps. Feldart.-Reg. Nr. 1; Res.-Feldart.-Rcg. Nr. 5; �eldart.-Rcg. Nr. 9; Res.-Feldart.-Reg. Nr. 13; Feldart.-Regimenter Nr. 14, 15, -!. 26. 34. 37. 38. 41, 42, 46, 53. 54. 59. 67. 75. 84; 1. Bat terie des Gcneral-GouvernemcntS Brüssel. � Fußart.- u. Rcs.-Fußart.-Reg. Nr. 1; Res.-Fußart.-Reg. Nr. 2 stußart.- u. Res.-Fußart.-Reg. Nr. 3; Fußart.-Reg. Nr. 5; Fuß� nri.- u. Landw.-Fußart.-Reg. Nr. 7; Res.-Futzart.-Reg. Nr. iriißart.-Reg. Nr. 9; Fuhart.- u. Res.-Fußart.-Reg. Nr. 13; Res. <5Ußart.-Reg. Nr. 17; Fußart.-Rcg. Nr. 23. �. VlJ i. sU 4■ TT_____ � t____ 1_ i p* �cps; I. u. II. Pion.-Bat. Nr. 5; Pion.-Bataillone Nr. 7, II. Nr. 11 Nr. 14; Pion.-Regimenter Nr. 19, 24, 25; I. Pion.-Bat. Nr. 27, Plon.-Regimenter Nr, 29� 33. 31; Pion.-Abt. der 4. Kav.-Div. siehe !■ Pion.-Bat. Nr. 2; 1. mobile Ers.-Pion.-Komp. des 3. Armee- Luftschiffer-Bat. Nr. 5; Feldluftschiffer-Abt. Art.-Munitionskolonne Nr. 9 des 1. Armeekorps. Fortifikationcn Metz und Posen. San.-Komp. Nr. 3 des Gardekorps, des 1. und des 15. Armee- mrps; Res.-San.-Komp. Nr. 45 des 23. Reservekorps; Rcs.-San. «omp. Nr. 2 der 3. Res.-Div.; Feldlazarett Nr. 5 des 7. Armee lorps. � Tiv. Brückentrain Nr. 1 des Garde-Reservekorps; Magazin- uhrpark- Kol. Nr. 18 der 2. Etappen-Jnsp.; Res.-Fuhrpark-Kol. 55 und 77 des 24. Reservekorps. Kriegsbekleidungsämter des 2. Armeekorps und Tanzig l�angfuhri. .Landwehrbezirk II, Düsseldorf . Tie bayerischen Verlustlisten Ar. 89, 93, 91 und 32 melden Verluste des 18. Jnf.-Reg. Landau; 21. Jnf.-Reg. Sulzbach; Jnf.-Reg...Prinz Arnulf", Ncu-Ulm; Brig.-Ers.-Bat. Nr. 4; � Jnf.-Reg. Bamberg; 18. Jnf.-Reg. Landau; 2. Jnf.-Reg. -Nunchen; 15. Jnf.-Reg. Neuburg a. D.; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 13; ' schweres Reiter-Reg., München. Tic sächsische Verlustliste Nr. 68 veröffentlicht Verluste des «ri"'""—--_. Freiberg und Truppenübunas »lag Königsbrück; Res.-Jäg.-Bat. Nr. 12; Res.-Zäg.-Bat. Nr. 13; Naschinen gew.-Abt. Nr. 8, Leipzig. 3. Feldart.-Reg. Nr. 32, Riesa. 2. Fußart.-Reg. Nr. 19, Dresden und Truppenübungsplatz Jeithain. San.-Komp. 1, 12. Armeekorps. Die w ü rtt e in be rg i sch e Vepsustliste Nr. 73 enthält Ver- lustc des Brig.-Ers.-Bat. Nr. 53; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 119; Füs.-Reg. Nr. 122; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 122; Jnf.-Reg. Nr. 127; Landst.- Jnf.-Bat. Leonberg. Staötverorönetenversammlung. 34. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Dezember 1914, nachmittags 5 Uhr. � Der Boriteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach a!4 Uhr mit einem Nachruf für den am 21. November verstorbenen Stadtschulrat Michaelis, dessen hervorragende pädagogische und organisatorische Verdienste um das städtische Schulwesen er eingehend würdigt. Auch der Stadtv. Rcalghmnasialdirettor G l a tz e l ist am Donnerstag gestorben; ihm widmet der Vorsteher ebenfalls ehrende Worte des Nachrufs. Die Versammlung hört die Nachrufe Itehend an. In den Hauptspeicher zu Großbeeren will der Magistrat eine Einrichtungzum Vermählen von Roggen und T ro ck c n ka r t o f fe In einbauen lassen, die 45 333 M. kosten wird. Das ans dem auf den Rieselgütern angebauten Roggen gewonnene Mehl soll hauptsächlich an die städtischen Anstalten und Bäckereien verkauft, aber auch zu angemessenem Preise zur Ernährung der städtischen Bevölkerung abgegeben werden. Ein Antrag der Freien Fraktion, die Vorlage einem Ausschuß zu überweisen, in dem man sich über die Rentabilität der kleinen: Truppen draußen die Erwerbstätigkeit wieder belebt haben. Wenn Mühlen unterhalten könne, wird vom Stadrv. M a n n(Soz.) be- kämpft, der die Dringlichkeit der Annahme der Vorlage in Anbe- tracht des Kriegszustandes scharf betont und auf ihren weiteren Zweck hinweist, der Berliner Bevölkerung die Nahrungsmittel mög- lichst billig zugänglich zu machen. Die Wahlzeit des Bürgermeisters Dr. R e i ck e und des be- soldeten Stadtrats Fischbeck läuft Ende dieses Jahres ab. Die Neuwahl soll in der nächsten Sitzung erfolgen. Vorschläge für die Wahl eines Stadt schulrats zum Ersatz für den verstorbenen Geheimral Dr. Michaelis zu machen, wird ein Ausschuß von 15 Mitgliedern eingesetzt. Für den Ankauf eines Bildnisses von Paul H e y s e, gemalt von dem Münchcner Professor Kunz Meyer, werden 2333 Mark bewilligt. Ter spezielle Entwurf für die U m w e h r u n g e n beim Neu- bau der Heilstätte in Buch und der mit 69 333 Mk. ab- schließende Kostenanschlag gibt dem Stadtv. Dr. Wehl sSoz.) Ver- anlassung, zu rügen, daß die Anstalt noch immer„Heilanstalt" ge- nannt wird obwohl schon im Juni der Name in„Heimstätte" gc- ändert sei, und zu bemängeln, daß die Bauverwallung das ganze Projekt so langsam und bedächtig behandle, während die Vollendung im Interesse der Bekämpfung sowohl der Tuberkulose wie der der- zeitigen Arbeitslosigkeit die größte Beschleunigung verlange. Stadtbaurat Hoffmann legt kurz die Gründe für die Verzöge- rung dar. Die Vorlage wird genehmigt. Es folgt die Beratung der Magistratsvorlage wegen -Gewährung von Mictsbeihilfcn an Erwerbs- und Arbeitslose. Ueber Art, Umfang und Höhe dieser Beihilfen haben wir be- reits Mitteilung gemacht. Oberbürgermeister Wcrmuth: Das Mietsproblem chat nun zwei Monate hindurch die öffentliche Diskussion umfassend be- herrscht und andere wichtigere und brennendere Fragen in den Hintergrund zu dränge» vermocht, es hat auch beklagenswerter- weise die Gestalt einer Jnteressenverfolgung ange- nommen, als ob wir mitten im Frieden lebten; es ist auf diesem Gebiete vielfach eine ernste Kampfstimmung ent- standen� Die städtischen Körperschaften dürfen mit Genugtuung konstatieren, daß es ihnen gelungen ist, die Mietsunterstützungen streng auf dem Gleise zu halten, auf dem allein sie sich in Kriegs- zeiten bewegen können. Ter Magistrat ist entschlossen, auf dieser Bahn auch weiterhin fest zu beharren. Die Ausdehnung der Miets- beihilfe auch auf die Erwerbslosen geschieht unsererseits nicht ohne große Besorgnis. Manche Stimmen, auch von erfahrenen Kom- munalpolititern, sagen voraus, daß wir gerade dadurch der Gefahr unterliegen werden, die wir eben vermeiden wollen, daß wir einer Agitation nachgeben, die wir doch nicht befriedigen können. Die Tatsache, daß der Beschäftigungsgrad in Grotz-Berlin und im Reiche zurzeit günstig ist, läßt sich schlechterdings nicht bestreiten; die Statistik darüber ist geradezu frappierend. Die Krankenkassen- statistik ergibt, daß die Krankenkassen am 1. September 981 333 Versicherte zählten, davon männliche 552 333, weibliche 429 333; am 14. November lvar die Gesamtzahl gestiegen auf 1391633; es ergibt sich also eine Steigerung um 113 333 Personen, bei den Männern um 73 333, bei den Frauen um 43 633. Sodann zeigt die gewerk- schastliche Arbeitslosenstatistik, daß bei den männlichen Arbeitern am 33. Juni 1913 die Zahl der Arbeitslosen 16 358, am 17. Novem- der 1913 17 911, am 29. Juni 1914 14 896, am 27. Juli 1914 14 191 betrug. Nach dem Kricgsbeginn zeigte sich ein Riesensprung auf 33 330, von da ab aber von Woche zu Woche eine regelmäßige Abnahme; sie sank bis zum 21. September auf 33 473, bis zum 19. Oktober aus 25 473, vn» zum 16. November auf 18 777.(Hört! hört!) Gegen die Zahl vor dem Kriege zeigt sich also jetzt kaum noch eine Abweichung, denn das Mehr gegen den November 1913 kann man nicht als beträchtlich ansehen. Bei den Frauen ist auch jetzt noch eine höhere Arbeitslosenzahl vorhanden, aber eine starke Abnahme ist auch hier eingetreten. Nachdem die Zahl der Arbeits- losen im ganzen von 19 333 auf 45 333 gestiegen war. beträgt sie jetzt nur noch 21 333. Auch bei den Nichtorganisierten Arbeitern zeigt sich einigermaßen dasselbe Bild; am 3. Oktober unterstützten wir 23258 Personen, am 14. November 18 952; auch hier also ein bedeutendes Sinken.. � Bei dieser Sachlage wäre die Frage berechtigt: weshalb gv rade jetzt eine solche Unterstützung? Die Antwort ist einmal, daß wir a u ch auf eine plötzlich steigende Arbeitslosig- keit gefaßt sein müssen. Anzeichen dafür liegen freilich nicht vor; das entbindet uns aber nicht von der Pflicht, vorsichtig und tatbcreit zu sein. Dann aber möchten wir auch das ganze System ohne Unterbrechung und im Zusammenhang ausbauen; wir möchten zeigen, daß Berlin bereit ist, auch hier alles zu tun, was es nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit zu tun imstande ist, und wir möchten auck die Grenze dieser Leistungsfähigkeit ziehen. An der M i c t s g r e n z c v o n 533 M. hält der Magistrat fest, ist mit der Wohnung ein Laden verbunden, so soll die Unter- stützung nach der auf die Wohnräume entfallenden Miete berechnet werden. Zugedacht ist die Unterstützung denen, die durch den Krieg in Not geraten sind. Wie die Arbeitslosenunterstützung soll auch die Mietsunterstützung nicht nur den Arbeitern, sondern auch den in Not geratenen kleinen Gewerbetreibenden und An- gehörigen freier Berufe zugute kommen. Tie Unterstützung selbst ist im Maximum auf 15 M. moiilitlich bemessen. Nach drei müh- seligen Stadien sorgfältiger Beratung sind wir endlich soweit gc- kommen. Die Mietscinigungsämter sind in voller Tätigkeit, wenn es auch bei ihnen noch Kinderkrankheiten geben wird; der Bundes- rat wird sie auch weiter für eine wirksame Arbeit ausstatten. Nun brauchen loir uns nicht mehr den Vorwurf machen zu lassen, wir hätten tatenlos acwartet, bis uns die Verhältnisse über den Kopf wuchsen. Wir haben gehandelt, statt Projekte aufzustellen. die nicht durchführbar sind.(Beifall.) Stadtv. Tr. Knauer(N.' L.) begrüßt die Vorlage als cincl! Schritt auf dem Wege, Schäden auf diesem Gebiete in Zukunft noch in umfänglicherem Maße auszugleichen. Tie Mictausfällc könnten die Hausbesitzer nicht als Konjunkturverluste anerkeiineu, die sie allein zu tragen hätten. Tie Grenze von 533 M. sei zu niedrig, die Pcnsionsinhaber seien nickt berücksichtigt, die Frage, was hinsichtlich der verbleibenden Mietschulden geschehen solle, sei nicht gelöst. Man werde aber zunächst die Wirkungen der Vor- läge abzuwarten haben. Redner verwahrt nochmals die Haus- besitzerorganisationen gegen die ihnen in der Oeffcntlichkeit und in der Versammlung gemachten Vorwürfe. Stadtv. Modler(A. L.) stebt auf dem Boden der Vorlage; er bat zwar einige kleine Ausstellungen zu machen, verzichtet aber auf Ausschußberatung, um den Eintritt der segensreichen Wir- kungen der Vorlage nicht aufzuhalten. Stadtv. Iben(A. L.s bringt dagegen erneut die Schmerzen der .Hausbesitzerkreise zum Vortrag und dringt in den Magistrat, dock baldigst dem bedrängten Hausbesitz von Stadt wegen zu seinem Rechte zu verhelfen. Auch bei der Mietbeibilfe kür die Familien von 5iriegZtcilnchinern bleibe für die Hausbesitzer noch sehr viel zu wünschen. � Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) erklärt für seine Freunde die glatte Annahwe der Vorlage, wie sie der Magistrat formuliert habe. Den freiwilligen Anwälten der Hausbesitzerinteressen Däst er entgegen, daß es sich um eine Unterstützung für E r- w e r b s- und Arbeitslose bandle, womit überhaupt die einzige Basis für ein Einschreiten der Stadt gegeben sei. Stadtrat Frantz: Die Vorlage wird sofort nach ihrer Annahme in Kraft gesetzt werden. Bei den Aus- ländern werden wir von Fall zu Fall entscheiden. Stadtv. Ritter(soz.'l: Auch wir werden der Vorlage zustim- men..Auch wir erkennen freudig an, daß die Erfolge unserer der Vergleich mit den statistischen Zahlen von 1913 auch nicht ganz schlüssig ist, schon weil sich unter den im Felde Stehenden auch zahlreiche Arbeiter befinden, die sonst beute in Berlin arbeitslos wären, so stimmt doch im allgemeinen das Bild. Wir haben nun den Wunsch, daß die Vorlage auch loyal und kulant durch die Untcrstiltzungskommissionen ausgeführt wird; es gilt auch hier das Wort:„Der Buchstabe tötet, der Geist snacht lebendig". Man darf nicht so engherzig vorgehen, wie es anscheinend nach der Begrün- dung geschehen soll; man soll auch die indirekten Folgen des Kriegsausbruches in Betracht ziebcn. Tic Begründung an sich gefällt uns überhaupt nicht recht; wci»� es da heißt, die Befürchtung sei nicht von der Hand zu weisen, daß in manchen Fällen durch die Gewährung einer solchen Beihilfe ein Anlaß zur Arbeitsniederlegung geschaffen werden kann, so wäre eine solche Bemerkung besser unterblieben— oder ist sie vielleicht nur ein Be- ruhigungspulver für die unentwegten Gegner>.der Vorlage? Für jeden Arbeiter, der, um eine solche Unterstützung zu� ergattern, die Arbeit niederlegt, würde ich zehn Mark mif den Tisch des Hauses legen.(Heiterkeit.) Diese Neigung, zu„ergattern", zeigt sich übri- gens doch viel mehr in den Kreisen, die Ihnen lzv-.er Mehrheit) nahestehen. Wir hätten ferner gc wünscht, daß auch dem Vermieter auferlegt würde, einen Mietsnachlaß zu gewähren; das steht aber nicht in der Vorlage und ist auch nicht beabsichtigt. Daß diejenigen Arbeitslosen, die jetzt bei den Gewerkschaften gemeldet sind, auch Anträge auf Grund dieser Vorlage stellen dürfen, setze ich als selbstverständlich voraus. Was die Landesversicherungsanstalt Berlin betrifft, so haben wir mit ihr schon auf dem Gebiet der anderweitcn Uiiterstützuiigen nicht die ailgcnehmsten Erfahrungen gemacht; ich befürchte, es wird bei diesen Mietsbeihilfen ebenso gehen. An die Mietsgrenze von 533 M. sollte man sich nicht mit kleinlicher Aengstlichkcit gebunden erachten, sondern dem Bedürfnis auch entgegenkommen, wenn dieser Betrag um ein paar Mark über- schritten wird. Stodiv. Galllind(ST. L.) äußert sich im Sinne der Kollegen Modler und Mommien. Die Hausbesitzer trügen doch auch bei der vorgeschlagenen Regelung einen Vorteil davon; einen einzelnen Stand bei diesen vom Standpunkte, der Allgemeinheit erfolgenden Fnriorgeinaßnahmen zu bevorzugen, gebe nicht an, geschweige denn dürfe man uferlosen Projekten nachgeben, die vom einseiligen Jnteresienstandvunkl diktiert seien. Stadtv. Mayeibilfe in der Höhe von S— 13 Mark. Die Austvendungc» für diese UnterstützungSmaßnahme beliescn sich bis Ende Oktober ans 1 870 000 Mark, wovon rund GOO OOO Mark auf die Familiennnterstütznng entfallen. Die zuständigen Verbandsiörperschaften haben dieser Tage be- raie», ob und in welcher Weise diese Maßnahmen weitergeführt werden können. ES>var zu berücksichtigen, daß der Umfang der Arbeitslosigkeit, der im Oktovcr aus rund 12 Prozent zurückge- gangen war, in den nächsten Monaten sicherlich stark wachsen wird. Schon der November weist größere Arbeitslosigkeit auf und Dezember und Januar werden zweifellos ein weiteres Anschwellen der Arbeitslosigkeit bringen. Tie statutarische Arbeitslosenunter- siiitzung wurde in den Monaten Januar und Februar nicht gezahlt. Es lag nahe, auch die Notständsunterstützung für diese zwei Mo- natc ruhen zu lassen. Vorstand und Bei rät kamen jedoch nach gründlicher Prüfung der Vermögenslage des Verbandes zu dem Ergebnis, die Zahlung der Notständsunterstützung n u r f ü r Januar auszusetzen, sie im Februar dagegen wieder aufzunehmen. Tagegen wurde nun eine feste Bezngsdauer von 12 Wochen festgesetzt, was nahezu einer Verdoppelung der statuta- rischen Ansprüche gleichkommt. Arbeitslose, die im Jahre 1914 noch keine oder noch nicht für 12 Wochen Unterstützung erhalten haben, können diese vom Februar an, nach Zurücklegung einer achttägigen Karenzzeit, bis aus die Höchstdauer von 15 Wochen be- ziehen. Daneben soll auch wieder eine Unterstützung der Fa- Milien der Kriegsteilnehmer bezahlt werden; sie soll zu Weihnachten in gleicher Höhe wie im Oktober zur Auszahlung kommen. Der Vorstand des Bauarbciterverbandcs hat dem Reichstage und dem Reichsamte des Innern eine Eingabe unterbreitet, die mit guten Gründen die Bereitstellung von Rcichsinittcln zur Unterstützung der Gemeinden befürwortet, die zu schwach sind, um aus eigenen Mitteln Erwerbsloscnuntcrstützung zu gewähren. Nach- dem über den Umfang der Arbeitslosigkeit berichtet ist, heißt es in der Eingabe: „Es ist leider nicht darauf zu hofscn, daß sich die Arbeits- losigkeit in oen nächsten Monaten verringern wird. Nicht allein die Wittcrungsverhältnissc werden ein starkes Anschwellen der Arbeitslosigkeit mit sich bringen, auch die Fertigstellung von Bauten, die Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden zur Vcr- ringerung der Arbeitslosigkeit in Angriff nehmen ließen, wird viele Hände zum Feiern zwingen. Darf man auch wohl hosfen, daß die Behörden weitere Bauaufträge vergeben werden, so mutz man aber doch damit rechnen,!wß viele öffentliche Haushalte durch die vielgestaltigen Pflichten, die ihnen der Krieg auscr- legt, zu sehr erschöpft sein werden, um noch wesentliches für die ?lrbeitsbeschaffting tun zu können. Und von der privaten Bau- tätigkeit ist auS Gründen, die für jeden Kenner des Wirtschafts- lebens offen zutage liegen, auch für ore nächste Zukunft nichts zu erwarten." Obwohl die Vorlage der ReichSregicrung die Verwendung von Geldern für diese Zwecke vorsieht, bleibt doch noch abzuwarten, wie die Regierung von diesem Rechte, leistungsschwachen Gemeinden die Erfüllung ihrer sozialen Kricgspflichtcn zu ermöglichen, Gebrauch macht. Aus Industrie und Handel. Wie die Höchstpreise für Kartoffeln«mgangen werden. Im Westen ist die Einführung von Kartoffelböchstpreisen fast völlig wirkungslos geblieben, wie Erfahrungen auf dem bedeutenden Kölner Markte lehren. 3,02 M. ist der Preis für Produzenten, aber in Köln wurden 2 M. und mehr von den Konsumemen gefordert, und man sah viele Frauen verzweifelnd vor der Ware stehen, die sie nicht kaufen konnten; sie wußte» nicht, daß der Preis von 3,05 M. den Landwirten bei dem Verkauf ab Erzeugungsstelle an den Händler zusteht. Ehe die Kartoffeln in Köln an die Hausfrauen kommen, kosten sie nahezu das Doppelte. Vielfach werden daneben die Höchstpreise umgangen. Aus dem wichtigen rheinischen Kartosselproduktionsgebiet in der Gegend Andernach-Koblenz-Moyen wird mitgeteilt, daß die Verlader dieieS Gebiets 50 bis 80 Pf. F u h r g e l d pro Zentner zahlen, ob- wohl eS seit Jahren üblich war. daß der Bauer seine Ware ohne Fuhrlobn zur Bahn bringt. Andere Verlader geben dein Bauern einiach de» höheren Betrag als Trinkgeld. So wird die Festietzung von Höchstpreisen umgangen, uiid der Bauer, der in normalen Zeiten etwa zwei Mark pro Zentner bekäme, streicht jetzt den doppelten Be- trag ein. Die notwendige Folge dieser Bewuchcrung der Bevölke- rung ist die Konfiskation der Kartoffeln, um die sonst eintretende allgemeine Volksschädigung zu vermeiden. Aus der Eisenindustrie. In der Hauptversammlung des Stahl- werksverbandcs wurde über die Geschäftslage mitgeteilt: Eine Anzahl inländischer Verbraucher, die ihren Betrieb infolge der Verkehrshindernisse vorübergehend hatten einstellen müsse», haben nach und nach die Arbeit wieder aufgenommen. Eine erhebliche S�l e i g e r u» g des inländischen Absatzes ist indes bei der gegen» wärtigen Lage des Marlies für die Fertigprodukte nicht zu er- warten. Der Verlauf für daS erste Vierteljahr 1915 wurde zu den bisherigen Preisen und Bedingungen freigegeben. Mit dem neutralen Auslande konnten wieder einige größere Geschäfte getätigt werden. Die französischen Sparkassri, Der„Temps" meldet: Die Einzahlungen der Sparkassen vom 21. November bis 30. November betrugen 509 844 Franken, die Auszahlungen 6 450 677 Franken. Die Auszahlungen überstiegen seit 1. Januar die Einzahlungen um 161 084 570 Franken. Soziales. Haftung des Marinefiskus wegen Bleivergiftung. Das Reichsgericht hat am Dienstag ein auf dein Gebiete des Arbeiterrechts bemerkenswertes, früheren Entscheidungen desselben Gerichts entsprechendes Urteil gegen den Marine- fiskns als Arbeitgeber gefällt. Es handelt sich um die An- Wendung des§ 618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Nach dieser Gefahrvorschrift, die für Arbeitsverträge jeder Art gilt, ist der Dienstherr verpflichtet, die unter seiner Anordnung oder Leitung vorzunehmenden Dienstleistungen so zu regeln, das; der Dienstverpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesund- heit so weit geschützt ist, als es die Natur der Dienstleistung gestattet. Trifft in dieser Beziehung den Dienstherrn selbst oder seine Angestellten, für die er nach§ 278 B.G.B, ein- zustehen hat, eine Fahrlässigkeit, so ist er dem Ge- schädigten zum Schadenersatz verpflichtet. Das gilt auch für staatliche Betriebe. Natürlich muß ein u r s ä ch- licher Zusammenhang zwischen der körperlichen Schädigung des betroffenen Arbeiters und der Fahrlässigkeit feines Dienstherrn bezw. dessen Vertreters oder Angestellten gegeben sein. Der Kläger stand seit 1896 bis 1911 als Schiffsbauer im Dienst der Kaiserlichen Werft in Tanzig. Er ist nach seiner Behauptung während dieser Zeit wiederholt an Bleivergiftung erkrankt ge- 'Wesen, und zwar zuletzt Im April 1911; infolgedessen ist er völlig erwerbsunfähig geworden. Tatsächlich hat sich bei K. jetzt eine so vollständige Lähmung des rechten Armes eingestellt, daß er nicht einmal mehr imstande ist, einen Bleistift in der rechten Hand zu halten. Hierfür macht er den Rcichsinarincfisliis verantwortlich, indem er behauptet: seine Vorgesetzten hätten seine früheren Blei. vergtflnngen gekannt und hätten ihn deshalb von jeder Berührung mit Bleifarben abhalten müssen; der Fiskus habe auch nach In- krafttveten der Bundesratsverordnung von 1906 über den Verkehr mit bleihaltigen Farben nicht die darin aufgestellten Vorschriften beobachtet. Der beklagte MarineftSkuS wendet hiergegen ein: der Kläger fei nur ein einzigcsmal, und zwar im Jahre 1904, an Blei- Vergiftung erkrankt gewesen, die Bundesratsverordnung von 1906 sei deshalb nicht anwendbar; vor allem aber fehle der ursächliche Zusammenhang: der Kläger sei nämlich Ncurastheniter und daraus sei seine Erkrankung, insbesondere die Lähmung des Armes, zurück- zufuhren. Das Landgericht Tanzig nahm an, ein vom Fiskus zu ver- tretendes Verschulden liege insofern vor, als er nicht die nötigen Vorkehrungen zur Verhütung von Erkrankungen getroffen habe. Ter Kläger sei zu 60 Proz. erwerbsunfähig. Es seien 40 Proz. aus die BIcivergistnng und 20 Proz. ans die Neurasthenie zu rechnen. Es verurteilte den Fiskus zur Zahlung einer Rente von rund 660 Mark. Tas Oberlandesgcricht Maricnwcrdcr erkannte den Renten- anspruch im volle» Umfange bis zum 52. Lebensjahre als dein Grunde nach gerechtfertigt an. In seinen EntscheidiingSgründcn führt das Oberlandesgcricht aus: Es ist als erwiesen anzusehen, daß der Kläger tatsächlich noch im April 1911 an Bleivergiftung erkrankt ist. Diese Erkrankung hat nach dem ärztlichen Guiachten zwar nicht die jetzt bestehende Lähmung des rechten Armes zur Folge gehabt, sondern diese Lähmung ist hysterischer Natur. Sie steht aber mit der Bleivergiftung im Zusammenhang, insofern der Kläger als Neurasthenikcr"während seiner Bleierkrankung seine ganze Vor- stellung auf die ihm bekannten Folgen der Blcivergistuiig richtete und dadurch(infolge der psychischen Einwirkung) die völlige Löh- mnng des Armes zur Entstehung gelangte. Ter ursächliche Zu- sainmenhang zwischen der Bleiertrankniig des Klägers im Jalirr 1911 und der Lähmung des Armes ist deshalb gegeben. Die Ver- trcter und Angestellten des Fiskus, dje die vom Kläger im Jahre 1911 vorgenommene Arbeit(Abkratzen eines alten Farbenanstrichs) angeordnet haben, mußten auch damit rechnen, daß diese alte Farbe bleihaltig sein konnte. Sic muhten deshalb darauf achten, daß die Vorschriften der Bundesratsverordnung von 1906 befolgt, daß ins- besondere bei der Arbeit Mundschwämme benutzt wurden. Das aber ist nicht geschehen. Das Verschulden seiner Vertreter und Ange- stellten muß der Fiskus nach§ 278 B.G.B, gegen sich gelten lassen. Der Klageansprnch ist hiernach dem Grunde nach gerechtfertigt. Tas Reichsgericht wies am Dienstag die vom Marincfiskns gegen dies Urteil eingelegte Revision zurück. Tie in diesem Urteil niedergelegten Grundsätze finden auf alle jene durch sogenannte Gewcrbekrankhcitcn verur- sachten Minderungen der Erwerbsfähigkcit Anwendung. Solche Fälle rechnen nicht als Unfälle, weil die Plötzlichkeit des den Unfall hervorrufenden Ereignisses fehlt. Ter Bundesrat ist berechtigt, die Gewerbekrankheiten den Unfällen gleich- zustellen. Da dies noch nicht geschehen ist, finden die dem Arbeiter rücksichtlich der Höhe des Schadenersatzes ezünstigerrn' allgemeinen zivilrechtlichen Vorschriften auf solche Fälle An- Wendung.__ Gerichtszeitung. Pensionatsprellcr. Ein Schwindler, der in der Rolle eines Dr. von C o n ra d y uns der K g l. Charit� zahlreiche Pensionats- inhaberinnen sowie Klavier- und Sprachlehrerinnen empfind- lich geschädigt hatte, wurde gestern aus der Untersuchungs- Haft der 2. Strafkammer des Landgerichts 1 vorgeführt. Es handelte sich um den Kaufmann Julius Jocoby, der schon über die Hälfte seines Lebens in den Zuchthäusern und Gefängnissen zugebracht hat. Der Angeklagte ist jetzt 36 Jahre alt, hat aber schon über 29 Jahre Gefängnis und Zuchthans hinter sich. Nach Verbüßung seiner letzten Strafe in München kam er nach Berlin, wo er die jetzt zur Anklage stehenden Straftaten verübte. In der Maske eines„Tr. von Conrady, Oberarzt an der Königl. Charite" erschien er u. a. bei mehreren Sprachlehrerinnen und gab an, daß er für seine Schwägerin, eine Frau von Gordon, Sprachunterricht suche. Im Lauf« des Gesprächs bat er dann um ein Glas Wasser. Während dieses geholt wurde, verstand es der Angeklagte mit fabelhafter Geschicklichkeit, mittels eines Nach- schlüssels irgendein Behältnis zu öffnen, in dem er Wertsachen vermutete. In den meisten Fällen fielen ihm goldene Uhren oder die Geldbörsen der Awhnnngsinhaberinnen in die.Hände. Tic gestohlenen Wertsachen versetzte er mit Hilfe eines Passes, den er einem amerikanischen Musitclolvn, einem Neger namens Holman. in dem Apollo-Hotel gestohlen hatte. Mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen gemeingefährlichen Verbrecher handele, vor dem das Polizeipräsidium hatte öffentlich warnen lassen, erkannte die Straflammer ans 3 Jahre Gefängnis. GcschwidrigeS Urteil. Der Gerichtsbericht, nach dem unter Vorsitz des Landgerictus. direktorS Voges ein Arbeiter wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt ist, ist nicht zutreffend. Es ist auf drei Jahre Gefängnis, nicht aber auf Ehr- vertust erkannt. Die irrige Berichterstattung findet sich auch in anderen Zeitungen und beruht offenbar auf einen Hörfehler deS Gerichtsreporters. kleine Nachrichten. Ein skrupellojer Kriegsspekulant. Wiederholt haben wir darauf hingewiesen, daß der starke Be- darf an Liebesgaben aller Art profitlüsternen Spekulanten die Möglichkeit gibt, als„Liebesgaben" dem Publikum minderwertigen Schund für teures Geld anzuhängen. Wie skrupellos einzelne in der Herstellung von„Liebesgaben" sind, wird in der Bonner „Deutschen Reichs-Zeilung" wie folgt erzählt: Vor einigen Tagen mußte ein Militär-Transportzug an der Herwarlhstraße vor dem Bahnhof halten. Ich sah, wie ein Soldat auS einem Wagen stieg und etwa zwanzig Zigarren mit beiden Händen zerdrückte. Mit den Worten:„Da. sost Zeug können wir nicht brauchen," gab er die zerdrückten Zigarren einem jungen Manne. Die Umstehenden ließen sich die Zigarren zeigen, und was sah man? Unglaublich! Nicht ein halbes Gramnr Tabak war an diesen fonder- baren R a u ch st e n g e l n. Sie bestanden von innen und außen aus braunem, dem Tabak ähnlich gemachten Papier. Und dieses Zeug sollten unsere Krieger rauchen. Ich weiß nicht, wo man ihnen die papiernen Zigarren gegeben hat, hier in Bonn— was ich aber nicht glauben kann— oder auf einer anderen Station. Jedenfalls verdient eine solche„Liebestätigkeit" niedriger gehängt zu werden. Eine Menschenfreundin. In der„Kirchen-Zeitung der Pfarre St. Andreas"(Nr. 42) lesen wir folgenden Abschnitt aus dem Kriegstagebuch eines Freiburger Pfarrers: „10. September. Daß unfern Kriegern im Felde die beste und reichliche Nahrung gehört, und daß die Zurückbleibenden an sich sparen müssen sür ilsre Verteidiger, das hat am schnellsten und freudigsten das schlichte, einfache Volk begriffen, jenes Volk, das für gewisse Leute nur der„Pöbel" war. Dagegen haben einzelne— wohlgemerkt, nur einzelne— Vertreter des vornehmen Volkes es fertiggebracht, bei der Einguartierung während der Vlobilmachung die Mannschaften im Souterrain, auf deutsch Keller, schlafen und in der Waschküche essen zu lassen: auch mußten sie von den Soldaten mittels der gedruckten amtlichen Vorschrift belebrl werden, was ein Kriegermagen zum Leben bekommen muß. Eine sehr reiche D a in e, die entsprechend ihren» Vermögen und ihrer Wohnung mit einer starken Kriegerschar bedacht war, kaufte persöu- lich in größerer Menge— Hundekuchen ein, das gebe eine vorzügliche Suppe für die Einquar- r i e r u n g. Stände es in meiner Macht, so müßte diese WeibS- verson nach dem Frieden gerade so lange als der Krieg dauerte, eine Badekur und Sommerfrische bei Hundekuchen durchmachen. Ihre Tat rechne ich unter die himmelschreienden Sünden." Folgenschwerer Zusammenstoß. Durch Zusammenstoß eines Automobils mit einer Lokomotive wurde der Inspektor eines Sanitätsdepots S ch a r n a ck aus Rasten- bürg gelötet, Frau und Tochter verletzt, während zwei kleine Kinder unverletzt blieben.__ Grostfeuer in einem oberbaycrischcn Torfe. Durch eine große Feuersbrunst wurden in der Nacht zum Donnerstag in dem a» der Isar gelcgenencn und durch seinen Geigenbau berühmten Marktflecken M i l l t e n w a I d 2S Häuser eingeä-ichert. Ter Schaden ist sehr groß. Menschenverlusie sind nicht zu beklagen. Die Abgebrannten, die wenig versichert sind, konnten größtenteils nur das nackte Leben retten. Explosion in einer englischen Pulverfabrik. Wie aus London genieldet wird, sind bei einer Erplosion in einer L y d i t f a b r i k in einem Torfe bei Bradford sechs Personen getötet und zahlreiche verwundet worden. parteiveranftaltungen. Vierter ZLalilkreis, Stralauer Viertel. Sonnabend, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, findet in den Markgrasensälen, Markgrascndamm 3s, ein Lichlbildervortrag statt über„Bilder vom Kriege"(120 Bilder). Vortragender ist Gen. H B a r e n t h i n. Bezirk Pankow. Heute Freitag, abends Uhr. findet bei Ebers- bach eine öffentliche Frauenversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht das TKema;„W e r hilft d e n F r a u e n d e r K r i e g e r U n d d e r Arbeitslosen?" Reserentin Genossin Z i c tz. Jugenöveranstaltungen. Britz-Buckow. Sonntag, den 6. Dezember, nach m, 2 Uhr. rnnd ein Spaziergang unternommen. Ti effpunkl Henncmann- Ecke Rungiusstraßc. Abends 0 Uhr: Zusanimenlunst bei Becker, Chausseestr. 97. Eingegangene Vruckschristen. Tos Bolk und sein Staat. Politik aus dem Nachlatz von M. Haus- hoser. Herausgegeben von A. Cohen. 3,50 M., geb. 4,50 M. E. Nein- Hardt. München. Krtegsdepcscheu l 0 t t. Monat Oktober Nach amtlichen Berichten zusa mwcngcsiellt. 40 Ps. Boll u. Pickardt, Beilin diW. 6. Das Bötkerringen 1911. Heft 2." Von F. M. Kircheisen. 50 Ps. H. R. Sauerländer, Aarau(Schweiz). Briefkasten üer Reöaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindcnftr.!i, IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von!t bis 6 Ubr, am Sonnabend von S bis« Ilffr statt. Jeder für den Briefkasten be- stimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bei- zufügen. Briefliche Antivori wird nicht erleilt. Anfragen, denen keine Abonnernentsguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. W. B. KL. Ja, stellen Sie Autrag bei der Steuerkasse.— W. S. 100. Haben Sic Ihren Austritt vor dem Amtsgericht erst 1913 erklärt, so müssen Sie Kirchensteuer auch»och für 1914 zahlen.— R. S. 50. In beiden Fällen wird voraussichliich eine Verstümmelunqs- zutage von 27 M. pro Monat gewährt, dazu eine Teilrcnle von 540 M jährlicher Vollrente.— Weisibach. Ist zulässig.— C. 31. 98. Eine Einziehung ist möglich.—d leistet und Sie verurteilt werden, kann Ihnen der Lohn gepfändet weiden.— E. S. 29. Beantragen Sic Weiterzahlung der Unterstützung cvent. verlangen Sie einen Mietszuschutz.— S. 17. VerlangenSie vom Wirt aus Grund Ihres Mielsvertrages eine Beseitigung der Ruhestörung. Wrtterausfichten für das mittlere Norddeutschland bis Sonnabendmittag: Zunächst ostwärts sortichreiicnde langsame Er- wärmung und Trübung Im Westen und an der Küste weit verbreitete Rcgenjälle. Dann wieder vielfach heiter, aber kühler. Oestlich der Oder nur vereinzelt etwas Regen. M Mtitlen Usern Us dem killeMUM gefofleien Smisse«! Am 24. Oktober fiel be! den Kämpfen im Osten unser Bezirks- sührer des Bezirks 326, der Diener 217/17 Adolf Grtinwald Gubener Str. 22. SoeisIdemoKr. Wahlverein f. d. 4. Berliner Reichstagswahlkr. Am 4. November siel in den Kämpfen im Westen der Maler Franz liuszkowski Gleimstr. 17. 7. Abt.. Bez. 578. Am 19. Oktober in den Gefechten im Osten der Kutscher Fnitz Liepner Gleimstr. 10. 7. Abt., Bez. 579. In den Kämpfen im Westen der Former. Pollimann Rostocker Sir. 81. 14. Abt, Bez. 693. Am 17. Sevlembcr in den Kämpfen im Westen Gusiav Abraham Führer Str. 10. 21. Abt., Bez. 759. In einem Angriffsgefecht am 11. November im Maschinensormer Albert Fleischer Buttmannstr. 11. 18. Abt., Bez. 80So. Lorialckemokr. Wahlverein f. d. 8. Berliner Reichstagswahlkr. Am 25. Oktober fiel unser Genosse 10/9 Paul Fromm Finowstr. 10. Sozialdemokrat. Wahlverein Niederharnin,. Bez. Lichtenberg. Weste» der 234/18 Gesangverein Neu-Erwacht. Allzufrüh und fern von der Heimat sielen im blühenden Alter unsere Sangesbrüder Max Friedrich und Erich Blum. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 53/8 Der Borstand. Sozialdemokratischer Watilverein Äit-Glienecke, Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Franz Karoiw (Garicuftadt.Akazierrhos) am DienStag früh verstorben ist. Die Einäscherung findet am Sonnabend, nachmittag 3 Uhr. im Krematorium Baumschulen- weg statt. lim rege Beteiligung bittet 196/7 Der Vorstand. Treffpunkt 2 Uhr an der Eick- irischen. Verband der iilhopphen. Steindruckeriuerwandteii Berufe (Deutscher Senefelder-Bund). Kachrnfc. Am 27. November verstarb unier Mitglied, der Steindrucker Gustav Deminatus im Aller von 28 Jahren au Zuckerlraiilheit. Ferner verstarb ain 29. No- venrber unser Rkitglied, der Stein- drucker »ermann Lück im Alter von 49 Jahren infolge einer Venenentzündung. Wir werden beiden Kollegen ein ehrendes'Andenken bewahren! 108/2 Die Verwaltung. Verband d, Brauerei- u. Ihlen- arbeiteru. verw.ßeruisgenossen. Zahlstelle«erli». DenMitglicdern diene zur Nach- richt, datz unser Kollege, der Flasdienkellerabeiter Meliriel» kunlimann lschultheitzbranerei, Abt. 6) verstorben ist. Ehre seiner» Zlndenkenl Die Beerdigung erfolgt beute nachmittag 3 Uhr von der Halle des Pius-KirchhoseS in Hohen- schönhausen, Berliner Skr. 3l. aus. 14/17 Rege Beteiligung erwartet _ Die Ortsverwaltung. Unser Jugendgcnosse l�eopolä �eet�e siel, ein Opscr des Wellbrairdes, aus einem Schlachtseid im Westen. Dem langjährigen Freunde ge- denkt ehrend die 290/16 tieukällner Ärbeiterjugeud. AIS Opfer des Krieges fiel im Westen unser lieber Freund und Kollege 592b Ernst lirchhübel. Wir werden ihm ein ehrendes 'Andenken bewahren. Die Kollegen der Firma C. P. Oloerä (Abt. Photo-Tischlerei). BeutscherMeialiarheiter-VerhaDd Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht. datz nutzer Mitglied, der Klempner ¥ram Trotzky (Krautstratze 33) am 2. Dezember an Herzschlag gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. Dezember, nachinittags 3>,z Uhr, von der Leichenhalle des Zlndreas- Kirch- hoses in Wilhelmsberg aus statt. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Former Paul(Zartix (Ülckerstratze 66) am 1. Dezember an Lnngen- enizündung gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 4. Dezember, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Scbastian-Kirchhojes in Reinickendors-West aus stall. Ehre ihrem'Andenken! Rege Beteiligung«twärtet 128/16 Die OrtSvrrwalning. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Lmil Primus Sti atznrannstr. 20, im Atter von 31 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den Z. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Pius-Kirchhoscs in Wilhelmsberg ans statt. 94/6 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- linterstützungs- vereind. Schmiede u. verwandten Gewerbe Beutschlands. Zahlstelle'Berlin 9. �lselirut. Am 25. November verstarb plötzlich durch Unfall unser Mit- glied und Kollege Max Blume Hussitenslr. 11. 290/15 Ehre seinem Andenken k Verband der lanezierer Filiale Berlin. Auf dem Schlachtfeld im Westen siel am 29.'August unser Mitglico Franz llalhig. Im Osten fiel am 8. Oktober unser Mitglied 178/17 Artar Schulz. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Arbeiter- Radfahrer- Bund „Solidarität", In Erfüllung der traurigen Pflicht geben wir allen Mit- gliedern bekannt, datz unser Bundes. genösse Vinn Weiß in den Kämpfen im Westen am ll. November sein Leben fürs Vaterland hingegeben hat. 12/8 Ehre seinem Andenken k vi? 1lltixll«AÄA-irr- cScdw 20' Sebnnpfer! achtet auf die gesetzlich geschützte'> Packung, um Goldfarb echt zu erhalten! JfJjDlrifarb. KrvssStlll� nur rr CA � OJEW.Z.10652.'1 ». Health shuff tobacco. fabac ä priser de sanfö. bbaka do zazywania dla zdrowra. Tabacco da naso alla saline. ist der schönste Ausflugsort? + Immer noch Pichelswerderz ""........ beim Alten Freund an der neuen Heerftraffe Verantwortlicher R.daiteur: Alfred Wrelepp, Neukölln, Für de? Inseratenteil veräntw.i Th-Glocke, Berlin. Druck u.AcrlagtVorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co, Berlin LV.