Nr. 330.-31. Jahrg. Bbonncmoirts-Bcdingungen: Bionncmcntä• Breis pränumerando! Bierleijährl. g�v Mk. monatl. i.io Md. wöchcmiich 2S Big. frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Big. SonnmgS- numnier mil illustrierier Sonntags- E silage„Die Reue Seit'' Ig P'o. Post« fldomr'cmcitt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post- ZcitungS- NreiSlijte, Unter Kreuzband für TeiitfMand und Oesterreich> Ungarn 2,59 Mar!, für daS übrige Austand S Stark pro Monat. PoswbonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemark, töolland, Italien, Lurembura, Portugal. vimnänien. Schweden und die Schweiz. Crfcheint täglich. Verlinev VolKsblÄkt. 5 Pfennig) Die InfertionS' Gebühr beträgt für die fechsgespaltenc kolonel- zeile oder deren Räum SN Pfg,. für politische und gewerüchastlichc Vereins- und BerfnuunlungS-Auzcigen 30 Pfg, „kleine Mnieigtn". daS seitgedruche Wort 20 Pig,(zulässig 2 fettgedrulfta Worte), jedes weitere Dort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaistellenan- zeigen das erste Dort 10 Pig,, jsd-S wcuere Wort 5 Psg, Borte über löPu». stabcn zählen für zwei Worte. Inicrote sür die nächste Nummer münen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben«erden. Die Erpedilioii ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SdÄsIätliiollni Bcriin", OSW Zctitvalorgan der roztaldemokrati'fchcn Partei Deutfchlands. Neöaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplap, Nr. ISt Sv— l.äil V7. , Expedition: SW. HS, Linüenftraße Z. Fernsprecher: Amt Morttzplap. Nr. läl SV-löl V7. Die /iMre Dr. Weill. l vie Melöung öes Großen Hauptquartiers Parteivorstand und Reichstagsfraktion veröffentlichen folgende Erklärung: Von dem Abgeordneten unserer Partei Dr. Georg Weil! haben wir seit Schluß der letzten Reichstagssession keine Nachricht erhalten. Auch unsere Nachforschungen blieben ohne jeden Erfolg. Bestätigen sich die durch die Presse gebrachten Mitteilungen, daß er in die französische Armee eingetreten ist, so hat er sich durch diese auf das schärfste zu verurteilende Handlung selbstverständlich außer halb der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Reichstagsfraktion gestellt. Weitere Schritte werden der Partei vorbehalten. Berlin, den 22. Dezember 1914. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. « Dxr Pariser„Figaro" veröffentlicht folgende Erklärung Tr. Weills: An meine Freunde in Elsaß- Lothringen! Seit KriegSaus bruch ließ ick, ohy« zu protestieren und ohne zu dementieren, in der deutschen Presse die verschiedensten Zlachrichten über mich ver- breiten. Ach schuldete meinen in Strasburg gebliebenen alten Eltern dieses völlige Schweigen und zog vor, sie selbst in Un- kenntni» zu laffen. als sie dem Groll derer auszusetzen, welche dort noch die Herren sind. Jetzt, wo meine Eltern in Sicherheit sind, habe ich die Freiheit, zu sprechen, wiedergewonnen. Ich trat am 5. August in die französische Armee ein. Wir Elsatz-Lothringer versuchten während der harten Periode der Fremdherrschaft unser Recht und unsere Hoffnung der höchsten Sorge um den Frieden unterzuordnen und kämpften nur, um im Frieden ein Regime zu erringen, welches uns erlaubt hätte, unserem Land seine Persönlichkeit und seinen Nationalcharakler zu be wahren. Diese gewollte und überlegte Resignation be- dauern wir nicht. Dank ihrer können wir ebenso wie alle anderen Franzosen überzeugt sein, nichts vernachläisigt zu haben, damit der Krieg vermieden werde. Unsere moralische Kraft in der augenblstklichen Krisis ist darum nur größer, aber der Feind hat uns selber von den Einschränkungen befreit, welche uns die Sorge um den Frieden vorgeschrieben hat. Gestern noch, während wir seine ganze Macht fühlten, hat er sich geweigert, die be- scheidensten Forderungen anzuerkennen. In seinem stolzen, blinden Wahn ging er so weit, das Bestehen einer elsatz- lothringischen Frage zu bestreiten. Jetzt hat er sie in ihrer ganzen Größe gestellt. Durch den Krieg, welchen er wollte und den er Europa aufgezwungen hat, gab er uns gleickzeitig unsere ganze Gedankenfreiheit und die Handlungsfreiheit wieder- ES gibt keine Einschränkungen für unsere Hoffnungen und für unseren patriotischen Willen mehr. Wir werden in den Rahmen der französischen Nation zurückkehren, welcher wir durch unsere Geichichle und unsere Traditionen angehören. DaS Völkerrecht. welches vor 44 Jahren verletzt wurde, wird völlig wiederhergestellt werden. Indem ich in die Armee der Republik eintrat und da- durch den Kampf gegen daS militarisierte, verpreußte Deutschland. den Unterdrücker der Freiheit aller Völker, weitersührle. bm ich überzeugt, meine Pflicht als sozialistischer Abgeordneter und elsaß- lothringischer Abgeordneter wohl erfüllt zu haben. Georges Weill, ehemaliger Reichstagsabgeordneter von Metz. westlicher Kriegsschauplatz. in feinülicher jlieger über Straßburg. Ztraßburg, den 22. Dezember.(23- T.""Jl ig zwischen drei und vier Uhr erschien ein t cgcr über unserer Stadt und lieh in der Nähe der JA-rcher Irnberg- eine Bombe fallen, die c.nen leeren er des Getreidespeicher- beschädigte. E-n.ge Spre»gstückc f.cl-n :n Handelshafen. Berleut wurde niemand. Ter Flieger, der „ 15_1700 Meter Hohe bewegte, wurde beschoflen. das befetzte französische Gebiet. Paris, 2j. Dezember.(23- T. B.) Der„T e m p s" meldet. Berichten der statistischen Gesellschaft hat das b e s e tz t e n-ösische Gebiet eine Bevölkerungszahl von '.000 Seelen, also 8.20 Proz. der gesamten französischen iifpninci Ter Wert der unbebauten besetzten Gebtete iat ungefähr 4 Milliarden, der Wirtschaftsgebäude Milliarden, der Fabriken 1.5 Milliarden, der Geschäfts- Amtlich. Großes Hauptquartier, den 22. De zember 1914. iW. T. B.) Bei Nieupork und in Gegend Wern herrschte im allgemeinen Auhe. Zur Wiedererlangung der am 20. Dezember verlorenen Stellungen bei Feslubert und Gi venchy machten die durch französische Terri- korials verstärkten Engländer gestern und heute Nacht verzweifelte Borstöße, die zurückgewiesen wurden. 3n Gegend Richebourg gelang es ihnen, in ihren alten Stellungen wieder Fuß zu fassen- Die gestrigen Angriffe der Franzosen in Gegend Albert» nordöstlich Compiegne, bei Souain und Perthes, wurden unter schweren Berlusten für sie abgeschlagen Zm westlichen Teil der Argonnen nahmen wir einige Schützengräben: östlich der Argonnen, nordwestlich und nördlich Berdun wurden die französischen Angriffe zum Teil unter schwersten Berlusten für die Franzosen leicht zurückgewiesen. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist die Lage in Ost- und Westpreußen unverändert. In Polen stehen unsere Truppen in heftigen Kämpfen um den Bzura- und Rawka-Abschnitt. An vielen Stellen ist der Uebergang über diese Abschnitte schon erzwungen Auf dem rechten Ufer der Pilica sieht der Kampf der verbündeten Truppen noch. Wir haben leider erst nach der Beröffent- lichung festgestellt, daß der gestern bekanntgegebene Befehl des französischen Generals Ioffre vom 17. Dezember 1914 folgenden Nach- sah hatte: ..Der Befehl ist heut abend allen Truppen bekanntzugeben und zu verhindern, daß er in die Presse gelangt." Oberste Heeresleitung. Xe»i» * der österreichische Generalsiabsbericht. Wien, 22. Dezember. fW. T. B.) Amtlich wird ver- lautbar!: In den Karpathen wird nahe südlich des Gr- birflskammes im Gebiete der Flüsse Nagy-Afl, Latorcza und Ung gekämpft. In G a l i z i e n gingen die Russen gestern wieder zum Angriff über, ohne jedoch durchdringen zu können. Namentlich am unteren Dnnajec hatten sie schwere Verluste. In der Nida und im Räume südlich Tomaszow entwickelten sich kleinere Gefechte. Die Kämpfe im Vorfeldc von Przemysl dauern fort. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. _ von Hocscr, Fcldmarschallentnant Häuser 1,2 Milliarden, der Wohnhäuser 5.5 Milliarden, des Handels- und Jndustriematerials 1 Milliarde; der Gesamt- wert der besetzten Gebiete ist demnach auf ungefähr 14,5 Milliarden zu veranschlagen. Der Wert der Hypothekcnschuld der besetzten Gebiete beträgt ungefähr 1 Milliarde. Die englische Rekrutierung. London, t-ffJ. Dezember.(SB. T,©.) Den Blättern zufolge hätte der deutsche Angriff auf die englische Ostküste wahrscheinlich zu einer lebbaileren Rekrutierung geführt, wenn Weihnachten nicht io nahe wäre. Um diesem Umstände Rechnung zu tragen, wurde amtlich verlautbart. daß alle Rekruten, die sich von Sonnabend, den 19., ab an- werben lassen, sofort Urlaub bis nach den Feierlagen bekommen und gleichzeitig mit einem Vorschuß auf den Sold sür die Weihnachtszeit ausgestattet werden. das Völkerrecht. „Gibt es noch ein Völkerrecht?"— Das ist die große Frage, von der seit Kriegsbeginn die Vertreter des Völkerrechts erbarmungslos geplagt werden; in der Presse und Zeit- schriften machen sie ihrem bedrückten Herzen Luft. Sie haben allen Grund dazu: der so kunstvoll und logisch gegliederte Bau ihrer Theorie ist gleich unter dem ersten Kriegsorkan zusammengebrochen wie ein luftiges Kartenhäuschen. Aber es gibt unter diesen Ideologen unverbesscrlichc Optimisten, die gezwungenermaßen den Zusammenbruch des Völkerrechts zugeben, die aber den trügerischen Wahn nicht aufgeben, daß„nach dein Kriege das Völkerrecht in höherer Forin seine Auferstehung feiern werde", daß das„reine Gold des Völkerrechts gehärtet und gereinigt aus dem Feuer des Weltkrieges" hervorgehen wird. Warten wir ab. Andere Rechtsautoritäten bestätigen freilich unumwunden die radikale Zerstörung ihrer langgehegten Illusionen; sie haben vielleicht den alten Wahrheitssatz begliffen, daß bei allen Interessen- konflikten das bewährte Prinzip gilt: Macht geht vor Recht! Wenn jedoch wieder und wieder die Frage aufgeworfen wird, ob es noch ein Völkerrecht gebe, so ist wohl eine andere Frage zeitgemäß: hat es denn jemals Völkerrecht gegeben? Zunächst ist der landläufige Begriff Völkerrecht absolut irreführend. Nicht die Völker selbst siud es. die untereinander Rechtsgebote vereinbaren, sondern es sind unter den ob- waltenden Zuständen die Herrschenden jeden Staates, die ent- sprechend ihren materiellen Interessen Verträge schließen— und, wenn sich kein anderer Ausweg bietet, dieselben auch brechen. Diese einfache Konstatierung dürfte schon begreiflich machen, wieso während des Krieges so zahlreiche„Völker"-- rechtsbrüche zu verzeichnen sind. In seiner berühmten Schrift„Zum ewigen Frieden" sagt Kant sehr treffend:„Die Bedingung der Möglichkeit eines Völkerrechts überhaupt ist: daß zuvörderst ein rechtlicher Zu- stand existiere. Denn ohne diesen gibt's kein öffentliches Recht." Unter der absoluten Herrschaft des Imperialismus und der zwischenstaatlichen Anarchie sind wir von einem Rechtszustand im Sinne Kants heute mehr denn je entfernt. So ist es denn selbstverständlich, daß dem Völkerrecht jede Rcchtsbasis fehlt, daß seine Grundbegriffe wie ein Phantom in der Luft schweben. Hören wir über diese schweNvieacndc Kardincilfrage eine anerkannte Autorität, Prof. F. v. Liszt: „Die Völkerrechtsgemeinschaft wird umgrenzt durch die gemein- same RcchtSüberzcugung. die auf der Genieinsamkeit der Kultur. und der Interessen beruht. Sic kennzeichnet sich durch den ständigen und umfassenden Verkehr ans dem Fuße der Gleichberechtigung". Der Sinn dieser gewundenen Definition ist in Uebereinstimmung mit den Tatsachen nur so zu ver- stehen, daß die Vereinbarungen, wodurch die einzelnen Staaten völkerrechtlich verpflichtet werden, nicht rechtlicher, sondern lediglich moralischer und kultureller Natur sind; an- geblich ist eine„gemeinsame Rechtsüberzeugung" vorhanden, doch es fehlt ihr die bindende Kraft des Gesetzes. Das ist die Ursache der ohnmächtigen Schwäche des Völkerrechts, daraus entspringt seine negative Rechtsnatur. Denn über den Staaten steht praktisch keine höhere Macht, keine„göttliche Obrigkeit", die mit jenen Machtbefugnissen ausgestattet wäre. in allem Ernst über die vorkommenden Rechtsbrüche zu richten. Es fehlen nicht nur solche völkerrechtlichen Gesetze, sondern jede größere Macht würde sich mit allen Mitteln dagegen wehren, das Objekt einer derartigen Rechtsprechung mit ihren ganzen Konsequenzen zu sein. Will man also gründlich verfahren, so muß aus dem„Völkerrecht auch das Prädikat„Recht" gestrichen werden, weil es darin wirklich nicht existiert. Trotz alledem führt aber F. v. Liszt fort:„Dennoch sind die Normen des Völkerrechts wirkliche Rechtsregeln; sie binden die Staaten der Völkerrechtsgemeinschaft, sie sind Po- itives Recht." Das ist freilich eine haltlose Behauptung unseres spekulattven Rcchsgelchrten, sür die er keine stich- haltige Begründung zu geben vermag. Im entscheidenden Moment— und das ist doch schließlich das Wesentliche!— tritt an Stelle des Scheinrechts die stärkste Macht; sie ist das durchschlagende Argument. Das Hochziel des Völkerrechts besteht darin, unter allen Umständen den Krieg zu verhindern; bevor diese Basis nicht erreicht ist. haben alle gutgemeinten Vereinbarungen keinen vernünftigen Sinn. Es frägt sich nur, ob es möglich sein wird, materielle Interessengegensätze durch Rechtsregeln zu überivinden; so weit die bisherigen Er- fahrungen reichen, erscheint dies ausgeschlossen. In seiner bc- stehenden Form ist aber das Völkerrecht eher ein Recht zum Kriege als zum Frieden, insofern es bisher seine Aufgabe war. die Einzelheiten der Kriegführung international zu reglementieren. Ist es aber notwendig, zu diesem Zweck das Wort Recht anzuwenden, wahrend es doch gar nichts damit gemem hat? In der oben erwähnten Schrift drückt Kant seine höchste Verwunderung darüber aus,„daß das Wort Recht aus der Kriegspolitik noch nicht als pedantisch ganz hat, der- wiesen werden können, und sich noch kein Staat erkühnet hat, sich für die letztere Meinung öffentlich zu erklären: denn noch werden Hugo Grotius, Puffendorf, Vattell und andere mehr(lauter leidige Tröster), obgleich ihr Kodex, philosophisch oder diplomatisch abgefaßt, nicht die mindeste gesetzliche Kraft hat, oder auch auch nur haben kann(weil Staaten als solche nicht unter einem gemeinschaftlichen äußeren Zwange stehen), immer treu- herzig zur Rechtfertigung eines Kriegsangriffs�angeführt, ohne daß es ein Beispiel gibt, daß jemals ein Staat durch mit Zeugnissen so wichtiger Männer bewaffnete Argumente wäre bewogen worden, von seinem Vorhaben abzustehen." In dieser Hinsicht hat sich seit Kants Tagen nicht das mindeste geändert. Wie herzlich leicht ist es doch jeder Partei, sich als die ftivol Angegriffene hinzustellen, was schon hinreicht sich völkerrechtlich zu decken; in der schönen Rolle des Jlngegriffenen sind alle Methoden der Kriegführung erlaubt. Von welcher Seite man auch das sogenannte Völkerrecht betrachtet— es ist und bleibt ein widerspruchsvolles Monstrum, dessen praktische Bedeutung gleich Null ist; einer- seits das naturgetreue Abbild der jeweiligen Machtinteressen, andererseits ein willkommenes Betätigungsfeld für cipe über- schwengliche Ideologie, die in der Reglementierung des Krieges den Sieg des Rechts und der Humanität erblickt. In Wirk- lichkeit hat das Völkerrecht auf den Krieg keinen Einfluß,„da Verträge, die die Kriegführenden untereinander geschlossen haben, mit dem Ausbruch des Krieges ihre rechtlich bindende Gültigkeit verlieren"(W. v. Blume„Strategie" S. 6). Hier finden wir aus berufenstem Munde eine volle Bestätigung der Hinfälligkeit deS Völkerrechts. Und ebenso hinfällig ist es darum, voni Bruch des Rechts zu reden, wo eigentlich kein Recht existiert._ Ein deutsch er ßlieger über Dover. Der Spezialberichterstatler der„Kölnischen Zeitung" meldet vom westlichen Kriegsschauplatz: Gestern mittag war ich an einem Ort der belgischen Seeküste Zeuge der glücklichen Rückkehr des Marine- fliegerS Oberleutnants v. ProndzynSki, der vormittags 9 Ubr 30 Mi- nuten zu einem Fluge nach Dover aufgestiegen war. Er halte Dover erreicht und dort mehrere Bomben abgeworfen, deren eine denHauptbahnbof getroffen haben dürfte. Er beobachtete zwischen Dover und Calais zwei Reihen Torpedoboots- zer störer, von England zur französischen Küste aufgestellt, äugen- scheinlich zur Sicherung deS Verkehrs; ferner im Hafen von Dover mehrere Schiffe, darunter eins der„Majestic-Klasse" ebenso Schiffe unweit Dünkirckien. In dem DownS, dem längs der englischen Küste führenden Schiffahrtsweg, sah er regen Handels schiffver- kehr. Klares Wetter herrschte dort, während wir Dunst und Regen hatten. Mit dem Winde flog er in einer Stunde von Dover zu unserer Stellung zurück. Lebhaft wurde der kühne Flieger nach diesem ersten Streifzuge eines deutschen Wasserflugzeuges bis zur englischen Küste beglückwünscht. Gestlicher Kriegsschauplatz. Eine Deschwichtigungserklärung ües ruPschen Generalstabes. Petersburg, 22. Dezember.(53. T. B.) Die Leitung des großen General st abeS erklärt: Da seitens des Deutschen Reiches und Oesterreich-UngarnS über die Lage unserer Heere und über daS Ziel unserer strategischen Maßnahmen in den letzten Tagen böswillige Nachrichten weit verbreitet worden find, glaubt die Leitung deS großen Generalstabes die russische Gesellschaft vor der Voreingenommenheit und Unzuverläsfigkeit der in der feind- lichen Presse über unsere Streitkräfte verbreiteten Meldungen warnen zu müssen. Tie Annahme einer mehr einge schränk t enFront- länge seitens unserer Heere ist daS Ergebnis eines freien Entschlusses der Militärbehörde. Diese Maßnahme findet ihre ganz natürliche Begründung darin, daß die Deutschen uns gegenüber sehr beträchtliche Kräfte konzentriert haben. Dieser Entschluß sichert uns überdies weitere Vorteile, über die der Oeffentlichkeit Aufklärungen zu geben aus Gründen der militärischen Ordnung im Augenblick unglücklicherweise nicht möglich ist. Ter russische Generalstab sollte selbst so einsichtig sein, die Wirkuilg solcher Erklärungen nicht zu überschätzen. Denn wenn er die Lage der in Polen kämpfenden russischen Armee richtig darstellt, kann er ja ruhig die Ereignisse sprechen lassen, die dann viel besser eine beruhigende Wirkung auf die russische Bevölkerung auszuüben vermögen. Stellt aber seine Erklärung eine Beschönigung der Lage dar, so wird sie bald genug durch den Verlauf der Kämpfe um so gründ- licher zerstört werden und das Zutrauen der Massen zur Heeresleitung um so ernstlicher er- schüttern! vom österreichisth-serbischen Kriegsschauplatz. Der ZustanÜ ües österreichischen Heeres. Wie», 22. Dezember.(W. T. B.) Meldung des Wiener K. St. Telegr.-Korresp.-BureauS. Die im Auslände verbreiteten Nach- richten über Desertionen oft erreicht sch-ungari scher Truppenkörper slawischer Nationalität sind ebenso unsinnig, wie jene von Unruhen in W>en, Budapest und Prag. In erster Hinsicht bieten den besten Gegenbeweis die unangenehmen Erfahrungen, die unsere Feinde selbst mit unseren Truppen machen; in zweiter Hinsicht kann auf das Zeugnis der zahlreichen Neutralen verwiesen werden, die in unserer Mitte leben und voller Bewunde- rung für die musterhafte Haltung unserer Bevölkerung feststellen, daß in Wien. Budapest und Prag normale Zustände herrschen und daß insbesondere das geschäftliche Leben durch die Weihnachtsfeier- tage sogar einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat. Was die Meldungen über Meutereien in unserer Armee anbelangt, so werden sie offenbar zu dem Zwecke verbreitet, den Eindruck der wiederholten authentischen Mitteilungen unserer Militärbehörden über die große Zahl von Ueberläufern aus der serbischen und russischen Armee zu paralysieren. der Seekrieg. Die Minengefahr an üer englischen Küste. Kopenhagen, 22. Dezember. IT. U.) Die neue Minengefahr an der englischen Küste zeigt sich viel ernster als ursprünglich ange- nommen wurde. Läng« der englischen Küste zwischen Hülst und Newcastle befinden sich so viele Minen, daß das Befahren des Ge- wässers äußerst gefährlich ist. Die englische Admiralität hat nun- mehr die Fahrt auf Hülst und Grimsby verboten, weil englische Fischerboote, die ausgesandt waren, um Minen aufzufischen, enl- deckt haben, daß das Gewässer mit Minen überfüllt ist. Viele eng- lische Schiffe, die sich gestern im Kanal befanden, erhielten von eng- tischen Kriegsschiffen die Weisung durch den St. Georg-Kanal nörd- lich um die Shetlandinseln nach Dänemark zu fahren. Mannschaften üer„Emüen� gefangen genommen. London, 22. Dezember.(W. T! B.)„Central News" meldet aus Paris: Ein Schiff der Verbündeten bat ein Boot genommen, das drei Offiziere und 14 Mann von der„E m d e n" an Bord hatte. der türkische Krieg. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 22. Dezember. �(W T.©.) Das Hauptquartier meldet: Ein ftanzösiicheS Schiff beschoß gestern die Küste nördlich Alexandrettr. ohne irgend welchen Schaden anzurichten. Bon den übrigen ktriegsschauplätzen ist n i ch t S V o n Bedeutung zu melden. Der türkische Vormarsch zum Suezkanal. Frankfurt a. Main, 22. Dezember.(W. T. B.) Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinovel: Die türkische Armee zur Befreiung Aegyptens hat vorgestern von Damaskus aus unter den: Oberbefehl Tschemal Pascha den Vormarsch nach dem Suezkanal an- getreten. Ter Bruder des Scheiks der Senussi, Mehmet Se- nussi, der kurze Zeit in Konstantinovel weilte, befindet sich im Gefolge Tschemals._ Konsul Ohlers freigelassen. London, 22. Dezember.(W. T. B.) Der frühere deutsche Konsul AhlerS ist auf Beraulassuug des Homeoffice am Sounabend nachmittag auf freien Fuß gesetzt worden. Ein bulgarisch-rumänisches Abkommen. Nach einer Meldung des„Secolo" aus Bukarest, die die „Frankfurter Zeitung" mit Vorbehalt wiedergibt, soll zwischen Rumänien und Bulgarien ein Abkommen zu- stände gekommen sein. Die Vertreter des Dreiverbandes würden in den nächsten Tagen in Sofia im Namen Serbiens die unmittelbare Abtretung Mazedoniens bis zum Wardarslusse anbieten und für den Fall des Sieges größere Abtretungen versprechen. Zrieüenswünsche im fpanischen Senat. Im spanischen Senat regle, wie die„Kölnische Ztg." meldet, bei Erwähnung deS europäischen Krieges Marquis de H e e r e r a, wie er tagte als Organ der menschenfreundlichen Ge- fühle des Senats, an, in dein Sitzungsproroll zu verzeichnen, daß die Versammlung sich der Trauer der Kriegführenden anschließe und Wünsche für den baldige» Abschluß eines wohltätigen Friedens äußere. Vom Ministertisch wurde erklärt, daß die Re- gierung sich dem Wunsche anschließe; der Vorsitzende erklärte ihm gern Folge zu geben. Die Uneinigkeit im portugiesischen Parlament. Lissabon, 21. Dezember.(T. U.s Als sich das neue Minisierimn am 14. d. M, dem Parlament vorstellte, wurde das Vertrauens- voium, wie schon gemeldet, im Senat abgelehnt. Hieraus be- schloß die Partei ver republikanischen Union den Mandatsverzicht rhrer 21 Abgeordnelen. Dadurch sank die Zahl der Deputierten unter das verfassungsmäßige Quorum von 163 herab, so daß der einzige Ausweg in der Anberaumung von Neuwahlen bestehen würde, die aber angesichts der unter den republikanischen Parteien Herrichenden Uneinigkeit bezüglich der äußeren Politik iiiwr opportun wäre. Die portugiesische Kammer wird am 22. Januar geschlossen. Neue rusilsche Lügen über Sesierreichs ßrieüenswünfche. Petersburg, 21. Dezember.(T. U.) Die„Nowoje Wrenija" verzeichnet zu dem Gerücht, daß Oc st erreich zu einem Separat- frieden geneigt sei, zwei Meldungen: Nach dem Rückzüge der österreichischen Truppen aus Belgrad habe der österreichische Gesandte in Athen den Ministerpräsidenten B e n i z e l o s ersucht, in einer Friedensvermittelung zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien Schritte zu tu». Der Gesandte habe erklärt, Oesterreich beabsichtige nicht, in Serbien GebieiSerwerbungen zu machen, und betrachie jetzt seine Aktion als erledigt. VenizeloS habe die Bermiltelung ab- gelehnt. Hierauf habe sich der österreichische Gesandte in Bukarest mit demselben Ersuchen an den Ministerpräsidenten Brattano ge- wandt, jedoch auch einen ablehnenden Bescheid erhalten. Der neue Sultan. London, 22. Dezember.(W. T. B.) Die„Times" meldet aus Kairo: Der Sultan hat an den Ministerpräsidenten R u s ch d i Pascha eiu Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß die britische Regierung ibn zum Khediviat mit dem Titel Sultan berufen und daß er die Berufung angenommen habe. Der Thron werde sich in der Familie Mehemed Alis vereiben. Der Sultan er- klärt ferner, er wünsche da« Programm wirtschaftlicher und änderer Reformen, daS bereits begonnen sei, fortzu- setzen. Er beabsichtige, die Bevölkerung in wachsendem Maße zur Anteilnahme an der Regierungsarbeit heran- zuziehen. Die französischen Sozialüemokraten für üie Kriegskreüite. Paris, 22. Dezember. kW. T. B.> Die sozialistische Kammrrgrupp« hat einstimmig beschlösse«, die SriegS- k r e d i t e mit den sechs provisorische« Budgetzwölfteln a n- znachmen. flus üen französischen Kammerausschüsien. Paris, 2l. Dezember.(W. T. B.) KriegSminister M i l l e r a n d erörterte im Armeeausschuß der K a m m e r die Frage der B c- w a f sn un g und LebenSmittelzufuhr und der Munition. Der Ausschuß erklärte einstimmig seine Zufriedenheit mit den gc- troffencn Maßnahmen und billigte die Gesetzvorlagen bezüglich der Nationalverteidigung. Der Bndgetausschuß nahm die von der Regierung geforderten Ergänzungskredite zum allgemeinen Budget an. Ministerpräsident B i v i a n i kündigte dem Ministerrat im Elyiöe an. daß die Regierung morgen eine Erklärung in den Kammern abgeben werde. Der Ministerrat stimmte dem Gcietz- enlwurf, daß die Naturalisierung der Untertanen der feindlichen Mächte in gewissen Fällen widerrufen werden kann. zu. ebenso dem Gesetzentwurf, baß der mit Geldstrase oder Gefängnis bestraft wird, der direkt oder durch einen Mittels- mann irgendwelche Geschäfte mit einem Untertanen einer feindlichen Macht abschließt. Die erste Belagerung przempfls. Dem„Arbeiterwillen" in Graz wird nachstehen» der Feldpostbrief eines Artilleristen über die erste Belagerung Przemysls zur Verfügung gestellt, der an seine in Graz lebenden Angehörigen gerichtet ist. Tie Tarstellung gibt daS furchtbare Bild der Be- lagerung plastisch wieder. ' Endlich komme ich wieder dazu, Dir ausführlich zu schreiben. Seit der Einschließung, ivelche am 14. September begann, war die Festung von der Welt vollkommen abgeschlossen und somit ein Postverkehr unmöglich. Was ich unter dieser Zeit alles erlebte, werde ich Dir mal mündlich mitteilen, das heißt, wenn mir das Leben erhalten bleibt. In der Zeit vom 26.«eptember bis 3. Lk- tober waren täglich mehrere Sturmangriffe der Russen, die aber für sie immer verlustreich und ungünstig verliefen. Schwere Artilleriekämpfe fanden ununterbrochen statt. Tie Russen sparten weder mit Menschen noch mit Munition, sie hatten mindestens doppelt soviel Geschütze und Munition zur Verfügung als wir. Ter Kampf um Przemysl übertrifft Port Arthur bei weitem an Heftigkeit. Ties ist dadurch erwiesen, daß die Russen während der Belagerung, die durch vier Armeekorps geschah, nicht weniger als 56 666 Menschen sowie mehrere hundert Geschütze und massen- hast Train verloren haben. Den Hauptantcil an der Verteidigung PrzemhslS hat wohl unsere Artillerie, die auch durch unzählige TapfcrkeitSmedaillen ausgezeichnet wurde. Tatz wir eine Hunger- kur mitmachten, dürste ja Tir einleuchten. Ein Laibchen Brot 2 Kronen, ein Liter Wein(86 Heller) 4 Kronen, ein Gulyas 2 Kronen usw., Zigaretten wurden bis zu einer Krone bezahlt (1 Stück). Tas Bild einer Sturmnacht ist beiläufig folgendes: Man kommt vom Hauptplatz aus der Stadt in der Richtung zu einem Fort. 8 Uhr abends, Stadt finster, kein Licht wegen Zielpunkt für den Feind, Straßen menschenleer, Zivilbevölkerung ist alle ab- geschoben, nur Militär ist in den Pridathäusern. In der Fern« brennen seit Wochen viele Dörfer, eben jetzt brennen ihrer sechs. Ter Himmel ist blutrot erleuchtet. Rauch und Gestank liegen in der Lust, da starker Wind herrscht, der die Flammen hoch zum Himmel peitscht. Die Russen stehen in den Dörfern, darum hat man sie in Brand geschossen. Kanonendonner und Gewehrfcuer erschallen seil den Nachmittagsstunden ununterbrochen. Tie Russen schießen schnell, weit Und sehr gut, d. h. die Artillerie, denn die Infanterie ist keinen Schuß Pulver wert. Sie beabsichtigen, auf die Forts X, X und X einen Angriff zu machen, darum schießen sie mit Feuerübermacht auf diese Werke. Sie wollen sie stürm- reif machen, das heißt, sie bringen die Geschütze auf den Forts zum Schweigen, zerstören die Jnsanteriedeckungen der Forts, die Drahthindernisse, zerschießen die Grabenmauern, damit sie ein- stürzen und das nachgebende Erdreich den Graben ausfüllt, und trachten so viel Schaden anzurichten, als irgend möglich ist. Nach- dem dies teilweise gelungen ist, setzen sie, unter dem Schutze der Finsternis und mehrerer Bodenwellen die Infanteriekolonnen zum Sturme au. Vorsichtig schleichen sie heran, aber bald werden sie von unseren Leuchtraketen und Scheinwerfern entdeckt. Gleich darauf speien unsere Geschütze und Maschinengewehre Tod und Verderben in die feindlichen Sturmkolonnen, welche sich aber dadurch nicht beirren lassen, sondern immer näher und näher rücken. In diesen Momenten spannen sich die Nerven aufs höchste. Nur wer das selbst erlebt, kann sich einen Begriff machen, welche Gefühle da den tapfersten Verteidiger beschleichen, welche gewaltige Erregung sich eines jeden bemächtigt. Nur wenige Meter vom Drahthindernis ist der Feind entfernt, da geschieht daS Grauenhaste. Mächtige Feuersäulen schießen zum schwarzen Nachthimmel empor, furchtbare SchmerzenSschreie übertönen die schreckliche Detonation, der Luftdruck wirst alles, was steht, zu Boden. Menschliche Körperteile wirbeln in der Luft herum, dann wieder Finsternis, nur durch die Feuerblitzc der Geschütze und der explodierenden Geschosse unterbrochen. ES war eine Mine, auf die der Feind geraten war. Minuten- lang die feindlichen Kolonnen im Stocken. Ein kurzer Strahl unseres Scheinwerfers belehrt uns, daß sich der Feind wieder erholt hat und schon wieder in unmittelbarer Nähe des Hinder- nisieS ist. Mehrere feindliche Sappeure sind bereits in die Stachel- drabtverhaue gesprungen und zerschneiden mit Blitzesschnelle die Drähte derselben. Doch büßen sie diese Heldentat mit dem Leben. Die nachstürzenden Massen springen über die Leichen ihrer Käme- roden und setzen die Arbeit fori. Nun ist der Teufel loS. Unsere Kartätschen beginnen ihre blutige Arbeit und wirken gräßlich. Ganze Trupps stürzen zu Boden, über ihnen weg stürmen immer neue Scharen; aber jeder Versuch, jeder Schritt vorwärts bringt den todesmutigen Stürmern unfehlbar den Tod. MamiShoch liegen die Feinde übereinander. Darüber hinweg immer neue Massen, neue Kugeln, neue Tote; aber unerschöpflich ist die Zahl l Feinde, vielen gelingt es. Leitern in die Gräben zu legen. Man haben diese schon zur Hälfte erklommen und stürzen nacheinan! leblos oder schwer verwundet in die Tiefe. Die Verteidic schießen mit rasendem Schnellfeuer; jede Kugel, jedes Gesch trifft, da die Feinde fast vor den Mündungen stehen. Schreckll Viertelstunden des MordenS sind es. Ten Kämpfenden rir «chweiy und Blut über den Körper, doch haben sie keine Zeit, e« beachten. In dem entsetzlichen Getöse hört man den eigen **yrei, nicht, nur Rauch, Feuer und Blut sind die Dinge, die! Kämpfer vor Augen hat. Nun macht sich beim Feinde ii mattung bemerkbar. Unsere Feuertätigkeit schraubt sich} höchsten Heftigkeit empor. Noch einige Minuten dauert der furc bare Kampf, feindliche Signale ertönen, und nun beginnt! Angreifer zurückzugehen. Da aber das Zurückgehen im heftig Feuer sehr fchwterig ist, lösen sich die feindlichen Truppenvcrbäi auf und fliehen in regellosen Haufen. Unsere Infanterie hinb drein bewirkt eine kolossale Verwirrung, es werden massenh Gefangene gemacht, doch auch bei uns gebt es nicht glatt> Die nachdrängende eigene Infanterie vermischt sich in der Tunk Heu Mit den Feinden und wird teilweise mit den zurückflutend Mayen mitgerissen und gefangen genommen. Es kommt a> vor. daß sich eigene Truppen gegenseitig beschießen, und bis m Den Irrtum gewahr wird, lieqt so mancher, von seinen eiaen Kameraden getötet, auf dem Schlachtfeld. Nach dem Sturme> ginnen abermals die feindlichen Projektile einzuschlagen, gewök lich aber ohne besondere Wirkung. Nun beginnt man. die v�ursachten Schäden trotz des fei, l.chen Feuers in aller Eile so gut als möglich auszubessern. mude und mU größeren oder kleineren Wunden bedeckt, kann' der Besatzung einer kurzen Ruhe hingeben, der and« Teil muß das Feuer fortsetzen. Welche Leistungen und Strapoi r''ill8!1 ö" bewalttgen hat, kann man sich aus dem ä großen- � c.nziges Beispiel au- dl ich Dir genug erzählt. Außer Kleinigkeiten bin t* V t;&• imeder zu meinen Lieben Heimkehr ieHrJ?uteS Detter und freuen uns auS triftig u Ii- desselben. Wir haben große Not an Zündhölzchen,! ich keines mehr gesehen. Auch Tabak ist keiner h' •nDC�"umer nicht, daher ist nichts zu bekomm' nicht einmal Zeitungen.' v i* o fit. 350. 31. Jahrgang. Mze des Lomiietg" Knlim WIKsdlR Mittwoch. 23. Dezember 1914. Lohnabzüge. Vdit Beginn des Krieges fand sich eine Reihe von Geschäften, die Angestellten, Handlungsgehilfen und anderen Arbeitern Abzüge vom Lohn machte. Hiergegen haben wir uns wiederholt und, wie die überwiegende Praxis der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zeigt, nicht ohne Erfolg gewendet. Gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes verstößt zunächst ein Abzug ohne ausdrückliche Einwilligung des Arbeiters. Der Ein wqnd, im Kriege seien die Einnahmen geringer, greift nur da durch, Wo ein Geschäft auf Gedeih und Verderb zusammenbetrieben wird, also nur bei.Gesellschaftsteilnehmern, niemals in dem Verhältnis des Chefs zu den Personen, die für das Geschäft, also für den In haber des Geschäfts, arbeiten. Auch wenn tatsächlich das Geschäft iirfolge des Krieges völlig stillstehen würde, ist ein Recht auf Ab zug nicht gegeben. Muß doch auch für den Fall des Konkurses oder ?!odes des Geschäftsinhabers das volle Gehalt gezahlt werden. ?lach einem viele Jahrtausende währenden Kampf ist als Sitten gesetz die Pflicht, Lohn zu zahlen, durchgesetzt. Was Jesus Sirach etwas kraß ausdrückt:„Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, d»r ist ein Bluthund", und was an anderen Stellen des Alten und Neuen Testaments in ähnlicher Weise als Sittengesetz aus- gedrückt ist, ist R e ch t s s a tz geworden. Auch Vereinbarungen, daß Lohnabzüge stattfinden sollen, sind keinesfalls ohne weiteres gültig. Wir haben mehrere llrteile mitgeteilt, die anerkannten, daß solche Vereinbarungen un gültig sind, weil die Zustimmung der Angestellten aus dem Irrtum. sie müßten sich solche Abzüge gefallen lassen, erfolgt waren oder infolge der wirtschaftlichen Not und der Furcht, sonst entlassen zu werden, abgegeben und deshalb als sittenwidrig nach§ 138 B.G.B ungültig sind. Alle Lohnabzüge und Lohnkürzungen für unzulässig zu er- klären, ist eine alte Forderung der sozialdemokratischen Fraktion Sie stellte diese Forderung schon in ihrem ersten Arbeiterschutzgesetzentwurf im Jahre 1877 auf und bat ständig die Forderung wiederholt, nur im Gesetz ausdrücklich zugelasienc Abzüge gelten zu lassen.§ IIS der Gewerbeordnung und das Bürgerliche Gesetzbuch kamen durch das allerdings nicht streng durchgeführte Verbotder Aufrechnung gegen den der Beschlagnahme cnt zogenen Teil des GehaltS(Z 394 B.G.B, und Lohnbeschlagnahmegesetz) dieser Forderung entgegen. Andere Vorschriften, wie 8 SIS B.G.B, und 8 63 S.G.B., zeigen, daß auch im Gesetz die den Sitten anständigen Geschäftslebens entsprechende Anschauung Ausdruck zu finden begonnen hat: auch für die Zeit unverschuldeter Verbinde- rung ist der Lohn oder das Gehalt weiterzuzahlen. Ter Wirtschaft- lich Unselbständige soll auch für die Zeit, wo er Mehrwert dem Unternehmer nicht schaffen kann, feinen Lohn erhalten: dies Prin- zip ist in ständigem Siege. Sache der Gerichte wird es sein, weiter dafür Sorge zu tragen, daß es auch durch den Krieg nicht leide, fondern eritarke. um später zur vollen Entfaltung zu gelangen. ES steckt in diesem Kampf gegen Lohnabzüge ein Teil des Kampfes der Arbeit um ihr Recht gegen den Besitz. Mit Recht haben Gc- werbe- und Kaufmannsgerichte es als unbillig erachtet, daß im Zeichen des Friedens der volle Gewinn dem Unternehmer zufallen, in der Zeit des Krieges aber das Risiko des Geschäfts auf den Teil qbgewälzt werden soll, der an dem Gewinn im Frieden keinen An- teil hatte. In der Tat wäre das eine recht falsche Anwendung des für Kriegszeiten allseitig anerkannten Grundsatzes:„Einer für alle, alle für einen."_ Ms Groß-Serlin. In öer Straßenbahn. Ein paar feldgraue Landwehrmänner sitzen in der Elektrischen. Man sieht ihnen auf den ersten Blick an, daß sie schon Pulver gerochen haben. Ihre Uniformen sind un wahrsten Sinne des Wortes„feldgrau", und»hre Stiefel haben sicher schon manchen Sturm erlebt. stnb allej»erheiratete Männer, Familienväter. Aus ihrer Unterhaltung SCl}£ Dlle hat nicht schlecht geguckt, als Du zur Tur »inkamst, wat?" fragt der eine seinen Nebeiiinann. „Na, und ob", sagt der schmunzelnd,„und nu will se mir ja nicht mehr fortlassen. Ick war lange genug fortg� Meint' se setzt könnten mal andere so lange drauhen bleiben. Alle'lachen hell auf. Der andere fährt fort zu Iprechen- ..Na. meine Frau ist ja vernünftig und ,ck Hab ,hr auch ver sprochen, wieder bald Geld aus dem Felde 0u schicken, wie �»°°-»">«-°!-°« x-milien aus d-m Feld- unt-rMtzt, D-r-m- der andere weniger. Sie nennen die-summen Und befriedigten Ausdruck. � qtT,r: Männer steigen ein, mit Tasche und Paket. Ter ■to rm iii S-«-- � HK*»: ich noch«-- Ter Große wehrt ab.'' t �„ Sacke ins Gesicht. Na, vorzumachen. Besser, man kmkt j �m, im Notfall Schulden haben wir nicht und ui., wieder schneidern. Sie ist sa'n tapferer Kerl. Hai NG 8 gehalten, als ich heute früh ging- � Begleiter. "Und die lieben Klemen s �9 Bübchen Hab' ich ver- bciö ttKir �, miteubrinaen, bd toßt sprachen, ein kleines Koiakenpierdch o räuspert sich. Es et zufrieden. Aber Elly!" ArA war nicht zuckt und- ioettcrt ,n seinem Gesichb ,. n0(fi � fo leicht abzuspeisen. Heute niorg ch&cn 5(f)Iaf aber gestern abend, ojch, da hat sie] ch geweint..." � . ,s 7d bdlb schwarzgekleideten Frau nuf den Per. � M�ter Soldar folgt. Er geht muhsaru an e � � eiR Arbeiter S ÄÄS!°°m. n» te SM. au..Ich-.»» 1 stehen, setz' Du Dich mal, Mama." Sie wehrt ab und drückt Iben Sohn sanft auf den Sitz. Eine junge Frau macht den j zweiten Platz noch frei, nun können beide sitzen. Ihr mütter- liches Auge ruht fortwährend auf dem jungen Soldaten, der still und müde vor sich hinstarrt. So dünn und zart und blaß ist er, kaum 20 Jahre mag er zählen. Kindlich ist der Blick, und frauenhaft wirkt der Mund. Die Mutter streichelt und zupft an ihrem Jungen herum.„Und Du hast den Arzt richtig verstanden?" fragt sie nach einer Weile.„Aber, Mutter," lächelt der Angeredete,„Du kannst mir's doch glauben, wenn ich's sage. Er hat ausdrücklich erklärt, daß es mit dem Soldatsein bei mir für immer aus ist". Einschränkung der Neujahrsglückwünsche. Vom Kriegsministerium erhalten wir folgende Zuschrift: Der Feldpostbriefverkehr nimmt dauernd an Umfang zu: nur mit Aufbietung aller Kräfte ist es jetzt gelungen, ihn ordnungsmäßig zu bewältigen. Ihm drohen aber neue Ge- fahren, wenn ein Austausch von Neujahrskarten in dem in Friedenszeiten üblichen Umfange zwischen der Heimat und den Angehörigen des Heeres in diesem Jahre stattfindet. Es ist unmöglich im Felde, wie dies in der Heimat ge- schielst. Aushilfspersonal einzustellen, um die durch den Neu- jahrsbriefverkehr entstehende Mehrarbeit zu bewältigen. Durch solche Massenversendungen würde nicht nur der Dienstbrief- verkehr, sondern auch der gewöhnliche Privatbriefverkehr leiden! Aus diesen Gründen ersucht die Heeresverwaltung das Publikum dringend, die Absendung von Neujahrsglückwün- scheu an Freunde und gute Bekannte durch die Feldpost zu unterlassen. Auch die Versendung von Glückwünschen in der Heimat sollte man einschränken. Die dadurch ersparten Sum- men würden, wie dies auch bereits in früheren Jahren viel- fach geschehen ist, wohltätigen Zwecken zuzuführen sein. Enorme Steigerung der Pachtpreise für städtisches Laubenland. Die GrundeigeutumSdepuiaiion ist die Behörde, welche auch das brach liegende der Stadt Berlin gehörende Land verwaltet. Diese Verwaltung ist schon immer eine recht fiskalische gewesen; von irgendwelchen sozialen Rücksichten hat man noch nie etwas verspürt. Was aber unbedingt verlangt werden muß, ist, daß die Stadt Berlin in der jetzigen Zeit alles tut, um den Gemüsebau auf dem freiliegenden Gelände zu fördern. Das kann aber nur geschehen, wenn nicht auf hohe Pachtpreise gesehen wird. In welcher Weise aber wirklich verfahren wird, lehrt eine Korrespondenz, die in der Ver Srotgetreiöe verfuttert, versünüigt sich : am vaterlanüe und macht sich strafbar!: Nummer vom 19. Dezember im„Laubcnkolonist" veröffentlicht ist. Der Verband der L au benkolo nisten hatte eine Parzelle auf drei Jahre gepachtet. Tie Zeit war abgelaufen. Auf den Antrag auf Pachtverlängerung bekam der Verein folgende Antwort: Städtische Grundeigentumsdeputation. Berlin, den 39. November 1914. Der mit Ihnen über die Parzelle in.... geschlossene Pacht vertrag endigt am.... Sie werden daher ersucht, uns in den nächsten 8 Tagen hierunter oder mittels besonderen Schreibens mitzuteilen, ob Sie willens find, diesen Vertrag von bis...... unter Erhöhung der Pacht von 269 auf 479 M. zu verlängern. Falls Sie VertragSvcrlängerung beantragen, so behalten wir. uns die Entscheidung hierüber vor. Ter„Laubcnkolonist" bemerkt, daß diese Steigerung ohne jeden Grund erfolgt sei, da seines Wissens von anderer Seite kein An- gebot vorgelegen habe. Interessanter ist das folgende Schreiben, das auf den Antrag auf Neberlasfung von Freiland erteilt wurde: Städtische Grundeigentumsdeputation. Berlin, 7. November 1914. In Berücksichtigung des Antrages vom 29. v. M. sind wir nicht abgeneigt, der Landpachtgenostenschaft die beiden Parzellen in.... von zusammen 47 937 Quadratmeter für den durch Abschätzung zur Benutzung als Ackerland festgesetzten Taxwert von 579 M. vom.... ab zu verpachten. Für die angrenzende Parzelle am.... zahlt die Land Pachtgenossenschaft zur Benutzung als Laubenland ebenso wie die anderen angrenzenden Pächter 4 Pf. pro Quadratmeter, wir dürfen daher diese beiden Pachtparzellen eben-alls nicht unter 4 Pf. pro Quadratmeter— 1918 M. verpachten, wir nehmen jedoch Rücksicht darauf, daß es sich hier nur um Benutzung als Ackerland handelt, ferner daß ein großer Teil der Unterpächter der Landpachtgenossenschaft infolge des Kriegszustandes einge- zogen worden ist und die Landpachtgenossenschait den betreffen- den Familienangehörigen diese Landflächen möglichst unentgelt- lich abgeben will. Tie Packldauer können wir jedoch vorläufig nur aus ein Erntejahr bis 1. Oktober ausdehnen und stellen die Bedingung, daß keine Lauben errichtet werden dürfen. Einer Antwort sehen wir innerhalb 14 Tagen entgegen. Die Ernährung des deutschen Volkes, bemerkt„Ter Lauben- kolonist", wird jetzt bestritten von den Erträgnissen eines Ernte- jahres, das vor dem Krieg lag, also mit ausreichenden Mitteln und vor allem Arbeitskräften durchgeführt wurde. Wie steht es aber im kommenden Jahre? Trotzdem die Ernte in diesem Jahre als eine gute Mittel- ernte anzusprechen ist. sind die Preise für landwirtschaftliche Pro- dukte zu kaum erschwinglicher Höhe gestiegen, und Staat und Kommunen mutzten verschiedentlich eingreifen, um diesen Preis- steigerungen einen Damm entgegenzusetzen. Den Kommunen werden auf dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung gewaltige Aufgaben entstehen. Um so mehr muß es befremden, daß nicht jetzt sckion vorbeugende Maßregeln getroffen werden. Ter Verband der Laubenkolonisten mit seiner Landpacht- genossenschaft ist in Erkenntnis der Tatsachen dazu übergegangen, seine gesamten Freiländereicn für die landwirtschaftliche Bestellung nutzbar zu machen, ja mehr noch, er versucht die Besitzer von Brachländereien zu bewegen, diese der Allgemeinheit zur Ver- sügung zu stellen, allerdings mit recht geringen Erfolgen, wie auch vorstehendes Schreiben beweist. Der Preis als Ackerland beträgt 579 M., wenn aber Lauben darauf gebaut werden, dann erhöht sich der Wert des Bodens um zirta 349 Proz. Da muß man sich wirklich fragen, wie die Grundeigcntumsdeputation eine derartige Erhöhung begründen will. Sic gibt selbst zu, daß wir uns ver- pflichtet haben, das Land nach Möglichkeit an die Familien der Teilnehmer am Kriege unentgeltlich abzugeben— eine Verpflichtung, die eigentlich der Stadt Berlin zufiele—, wie aber sollen denn die Frauen das Feld bestellen? Es handelt sich doch zum größten Teil um den Anbau von Gemüse, dazu gehört aber unbedingt Wasser, also eine Pumpe, weiter kann doch die Frau oder wer es sonst ist. die Arbeit nicht mit der Kleidung verrichten, in der sie sich auf der Straße bewegt, auch muß ein Unterschlupf vorhanden sein zum Schutz gegen eintretendes Regenwetter, auch ein Aufbewahrungsraum für die Ackergeräte, und daS ist die Laube. Weil dieselbe nun vielleicht auch ab und zu als Erholungsplätzchen benutzt wird, wird eine Pachterhöhung von 349 Proz. damit be- gründet. Wir können darin keine Förderung der Kleingartenbestrebungen erblicken, was wir aber noch bedauerlicher finden, das ist, daß die Grundeigentumsdeputation schreibt, sie darf nicht billiger sein." Diesen Darlegungen kann nur zugestimmt werden. Es genügt nicht, einige größere Quanten Mebl und Kartoffeln für den Rotfall zu beschaffen, sondern jede Gemeinde sollte, soweit sie das kann, die Produktion von Lebensmitteln fördern. Das gerade Gegenteil ist das Geschäftsgebaren der Grundeigentumsdeputation. In einer' Versammlung der Laubenkolonisten am Dienstag- abend im Gewerkschaftshause sprach der städtische Gartendirektor Brodersen über das Thema:„Wie können die Laubenkolonisten während der Kriegszeit ihre Parzelle am rationellsten bestellen?" Herr Brodersen gab recht nützliche Winke und Ratschläge, die sehr beherzigenswert und lehrreich waren. An die Erläuterung eines ganzen Wirtschaftsplanes schloß sich der Rat, in den Kolonien un- bedingt gemeinsame Dungsammelstellen, gemeinsame Samenein- käufe und endlich auch gemeinsame Spielplätze für die Kinder ein- zurichten. Im Dienst der Bolksgesundheit. An das II n t e r s u ch u n g§ a m t der S t a d t B e r l i n sind im letzten Jahr besondere Anforderungen gestellt worden. Im Etat- jähr 1913(1. April 1913 bis 31. März 1914), aus dem jetzt der Verwaltungsbericht vorliegt, hatte das Amt eine sehr beträcktlichc TätigkeitSsteigcrung. Während im vorhergehenden Jahre 28 986 Untersuchungen ausgefiihrt wurden, war diesmal die Zahl der Untersuchungen 37 399. An diesen Gesamtzahlen des vorletzten und des letzten Jahres waren beteiligt die chemische Abteilung mit 19 843 und 19 399, die bakteriologische Abteilung mit 17 241 und 26 799. Das Mehr wurde, wie mau sieht, nur durch die bakterio- logische Abteilung gebracht. Es erklärt sich das auS dem außerordentlichen Aufschwung, den die diagnostischen Untersuchungen vonJ u s e kt i o ns- I r a n k h e i t e n genommen haben. Im letzten Jahre waren unter den 19 899 geprüften Proben der chemischen Abteilung hauptsächlich 4389 Proben von Milch und 3364 von Wasser, Abwasser, Eis usw. Von den 26 799 Proben der bakteriologischen Abteilung betrafen nicht weniger als 25 729 die diagnostischen Prüfungen, die bei Infektionskrankheiten nötig wurden. Den Hauptanteil hatte die Diphtherie: sie war beteiligt mit 2l 313 Proben, wovon allein aus die Monate November bis März 3193, 3133, 2999, 2571, 3869. zusammen 14 799 entstelen. Diese 21 313 Untersuchungsaufträge bei Diphtherie kamen in 72 Fällen von beamteten Aerzten, in 5896 Fällen von privaten Aerzten oder privaten Anstalten, in den übrigen 13 347 Fällen von der Stadtverwallung. Zur Bekämpfung der Diphlherieepidemie in den G e in e i n d e s ch u l e n hatte im vorigen Jahre die Schuldeputation besondere Schritte getan und eine bakteriologische Kontrolle angeorduer. DaS Untersuchungsamt der Stadt hat in diesem Kampf gegen die Seuchengefahr wertvolle Dienste geleistet. Leider haben die Diphtherieerkrankungen auch in dem diesjährigen Herbst sich schon wieder sehr bemerkbar gemacht. Um die Kriegsuntcrstükung. In der letzten Sitzung der Deputation zur generellen Regelung von Kriegsunterstützungssragcn kam auch zur Sprache, daß in be- stiminten Unterstützungskominissioncn oder auf Steucrstellen die Meinung herrsche, daß für September keine Mielsunterstützung be- Ivilligt werden dürfe. Es wurde festgestellt, daß diese Ansicht falsch ist, auch im Widerspruch steht mit den Beschlüssen der Stadtverord- netenversammlung. ES soll durch Anschreibe» auf die Sachlage hin» gewiesen werden. Beschlossen wurde ferner, den Flauen, die Mietsunterstützung erhalten, eine Mitteilung zugehen zu lassen über die Höhe des er- reichten MietSerlasfeS, damit die Frauen vor Uebervorteilung ge- schützt werden. Es sind Fälle vorgekommen, in denen Hauswirte den Mieterinnen erklärt haben, der MietSnachlaß sei mir ein formeller. sie müßten den Rest der Miete voll entrichten. ES ist ferner vorgekommen, daß Hauswirte rasch einen neuen Mietsvertrag mit einer höheren Mietssumme mit den Mieterinnen abzuschließen versuchten. Das sollte den Zweck haben, einen MietS- Nachlaß vorzutäuschen, den Hauswirt aber in Wirklichkeit schadlos zu halten. In der Deputation herrschte über dieses Verhalten von Hauswirten allseitige-. Empörung. Die Benachrichtigung an die Frauen soll sie anch vor unnötigen Laufereien bewahren. Tie vom Bundesrat getroffene Erweiterung des Kreises der zu linterstützenden wurde auch sür Berlin akzeptiert. Leider ist aucy bis heule keine generelle Anweisung über daS Unterstützungswesen insbesondere unter Berücksichtigung der Beschlüsse der Deputation herausgekommen. Ilm den Bezirksvorstehern die Arbeit etwas zu erleichtern, soll in den Steuerkasseu eine Aufforderung au die Kriegerfrauen au- geschlagen werden, jede Aenderung im Personalbestände sofort zu melden, da im anderen Falle Bestrafung wegen Ueberhebung von Unterstützung eintreten kann. Bei der großen Zahl der Unter- stützmigsfälle sind Nachrecherchcn kaum auszuführen, sie haben auch wenig Wert, bedeuten vielfach sür die Heimgesuckten eine unnötige Belästigung. Dazu kommt, daß die Verhältnisse der Unterstützten sich selten ändern, eS sei denn, daß ein Todesfall vder GcburtSfall eintrete. Man hofft, daß der Anschlag befolgt werde, im übrigen fragt oft bei der Auszahlung der Auszahlende, ob eine Aenderung ein- getreten ist. So wünschenswert eine sachgemäße Feststellung der Verhältnisse der Unterstützungsuchenden ist, so sehr muß doch Ein- ipruch erhoben werden gegen die fortgesetzten Recherchen, die ohne Grund gemacht werden und die Empfängerinnen mit der Zeil geradezu verletzen. In vielen Kommissionen wird schon verständiger- weise so verfahren, daß Unterstützung wie auch die Mietshilfe gleich auf mehrere Monate bewilligt werden. Arbeitslosenfürsorge der Stadt Berlin. Gsschäftsstatistik für die Woche vom 30. November bi- i. Dezember 1914. 1. Bei den 23 städtischen Geschäftsstellen sind 1790 Ge- ucke eingegangen: davon lvurden abgelehnt 390. an die La»- desVersicherungsanstalt Berlin verwiesen 223. bewilligt 1303. Ausgeschieden aus der Unterstützung(überwiegend wegen Wiedereintritts in Arbeit oder Erwerb) sind 1112 Personen. 16 752 Personen bezogen Unterstützung im Gesamtbetrage von 69182 M.. davon sc 4 M. 14278 Personen, je 5 M. 2174 Personen. 2. Von der Stadt wuröen an 7124 Mitglieder von 15 Arbeiter- und A n g e st e l l t e n o r g a n i s a t i o n e n, die selbst satzungsgelnätz Unterstützung gewäbren, Zuschlag im Gesamtbclrage von 22 281 M. gczablt. Hiervon trafen aus die sreien Gewerkschastcn 6593 Mitglieder init 29 151 M. /und zwar Metallarbeiter 2759 M., Holzarbeiter 6198 M.). 3. Tie Landesversicherungsanstalt Berli n bat von 18 885 bei ihr eingegangenen, teils von den städtljcben Unterstützungokomniissionen ihr überwiesenen, teils von den Organisierten ihr eingereichten Gesuchen 13 69.5 genehmigt. Gegeniiber der Porwoche sind hinzugekommen 392 Personen. Insgesamt sind 36 363 M. an 4555 Personen gezahlt worden. (Ta die Organisierten hier nicht besonders angeführt werden, ist zu bemerken, das; eine Anzahl Organisierter unter 2 und 3 doppelt gerechnet wird.) Ruhe in der Siwefternacht. Huf Anweisung des Oberkommandos in den Marken hat für di« i l V e s, e r n a ch t in diesem Jahre der Polizeipräsident fol- gendeS angeordnet: t. Der Schlutz der T h ea l er wird auf elf Uhr festgesetzt. Ausnahmen werden nur in ganz besonders begründeten Fällen zugelassen. Lichtspieltheater und sonstige Lustbarkeiten müssen um 10 Uhr abends beendet sein. 2. Tanz- erlaubniS wird nicht erteilt. 3. Sämtlich« Sckanklokale sind in der Zeit von 1 Uhr nachts bis 7 Uhr vormitlagS geschlossen zu halten. Gäste dürfen während dieser Zeit nicht geduldet werden. Auch geschlossene Gesellschaften sind für ihre Silvesierzusammenkünfte in öffentlichen Lokalen— wie schon gemeldet— an die Schlugst u n d e um 1 Uhr gebunden. Für einzelne Lokale wird, wie auch in den früheren Jahren, eine frühere Schluhswnde festgesetzt werden. Reden und sonstige Vorträge dürfen nicht gehalten werden. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit wird erwartet, daß das Publikum fich besonders ruhig und würdig verhält,»nd Lärm und Unfug, wie er in früheren Jahren, namentlich Unter den Linden sowie in der Friedrich- und Leipziger Strotze vorgekommen ist, in diesem Jahre völlig unterbleibt, damit unliebsame Zwischen« fälle vermieden werden lind e-s polizeilichen Einschreitens nicht bedarf. Mutter und Kind vergiftet aufgefunden. Als Montagabend der Banköeamie Gautz feine Liineburaer Strotze 30 belegene Wohnung betrat, bemerkte er sofort einen starken Gasgeruch. In der ßiiche fand er dann seine 30iZhrige Frau und sein PL Jahre altes Söhnchen in besinnungslosem Zustande vor. Die hervetgerusene Feuerwehr stellte mit dem Sauerstoffapparat so- fort Wiederbelebungsversuche an, die auch bei der Frau Erfolg hatten, jedoch bei dem Kinde ergebnislos blieben. Die grau wurde noch dem Krantenhause, die Leiche des Kindes nach dem Schauhause gebracht.____ Vorficht beim Gebrauch elektrischer Kochapparate. Ter Polizeipräsident erlätzt folgende Mahnung: Au-Z Aulatz eines Todesfalles beim Gebrauche eines elektrischen Kochapparates wird zur Verhütung von weiteren Unfällen auf die Gefahren der elektrisch betriebenen Koch- und Heizapparate aufmerksam gemacht und auf die genaue Beachtung der beim Kauf angegebenen Be- dienungSvorschriften hingewieseir Ferner ist beim Rauf derartiger Apparate zweckmässig, die ausdrückliche Erklärung deS Verkäufers zu erlangen, dotz die Apparate nach den Borschnilen des Verbandes deutscher Elektrotechniker gebaut und geprüft worden find. Mangel an Hosenträger. Nu» wird die Feldpostkarte eines Parteigenossen übermittelt, in welcher der Wunich ausgesprochen ist,»datz, wer seinen lieben An« gehörigen im Feld« etwas senden will, mal ein Paar Hosenträger mit.mang schiebt I" Dieser zweifellos lehr brauchbare Artikel scheint nach dem weiteren Inhalt der Karte bei den LiebeSgabensendungen ganz autzer Acht gelassen zu werden. Der Bedarf ist aber sicher kein geringer. Deshalb geben wir diesen Fingerzeig gern an alle, die«S angeht, weiter.__ Aufhebung der Arbeitslosenunterstützung in Bohnsdorf. In der letzten Sitzung wurde von den bürgerlichen Gemeinde- crertrelern beantragt, die Arbeitslosenunterstützung aufzuheben, Be- gründet wurde der Antrag damit, datz nur noch acht Arbeitslose vorhanden sein sollen. Unsere Vertreter bekämpften energisch den Antrag. Während in anderen Gemeinden alles getan werde, um die Arbeitslosen vor Not zu schützen, will man hier am Orte, gerade jetzt zum Weihnachtsseste den Arbeitslosen die Unterstützung entziehen. Gegen die Stimmen unserer Vertreter wurde nach längerer, scharfer Debatte beschlossen, die Arbeitslosenunterstützung nur noch bis zum 31. Dezember zu zahle». Ein anderer Antrag der bürgerlichen Vertreter ging dahin, die MietSbeihilsen nur denjenigen Frauen der Einberufenen zu zahlen, die weniger als S0 M. monatliche KriegSunterstützimg beziehen. Bisher bestand der Beschlutz, den kinderlosen Frauen der Kriegs- teilnehmer und denen mit einem Kind monallich 13 M.. mit zwei Kindern monatlich 10 M., mit drei Kindern monatlich 8 M., mit vier Kindern und mehr monatlich 6 M, Mietszuschutz;u gewähren. Mit allen Mitteln wandten sich unsere drei Genossen dagegen, datz der bestehende Beschlutz auch nur im geringsten ge» ändert werde. Nach ausgedehnter Diskussion wurde dann der neue Antrag auf Verschlechterung der MictSunterstützung abgelehnt. Da« durch bleibt der alte Beschlutz bestehen. Straße» imsall. Zu einem Zusammenstotz eines Möbelwagens mit einem Stratzenbahnwagen kam es am Montag in der Kaiser» Allee. Ein Möbelwagen bog kurz vor einein in der Richtung nach Steglitz fahrenden Stratzenbahnwagen der Linie L auf das Gleis, wurde angefahren und gegen einen Gaskandelaber gedrückt, der zer- brach. Der Kutscher Böhm stürzte infolge des Anpralls von seinem Sitz und zog sich einen Schädelbruch zu. Er wurde nach dem Schöne- berger Krankenhause gebrocht. Der Mitfahrer Ruhnke kam mit ge« ringsügigen Verletzungen davon. Mus öer Partei. Heber die gegenwärtige Lage referierte der'Reichstagsabgeordncte Genosse Karl Liebknecht in Potsdam in einer von über 200 Personen besuchten Versammlung. Von einer Resolution wurde Abstand genommen. Der Vorsitzende stellte fest, datz die Versammlung ohne Ausnahme mit Liebknechts Ausführungen ein- »erstanden war, Gewerkschaftliches. Arbeitsgemeinschaft im Suchüruckgewerbe. Der Hauptvorstand des Deutschen Buchdruckervereins sUnternehmerorganisation) und der des Verbandes der deut- schen Buchdrucker haben gemeinsain einen Aufruf an die Reichs- und Staatsbehörden, die Stadt- und Gemeindever« waltungen sowie die Körperschaften des Handels, der In« dustrie und des Gewerbes gerichtet. Zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit werde« in diesem Aufruf vernünftiger- weise keine sogenannten..Notstandsarbeiten" gefordert, wohl aber wird der ganz getviß berechtigte Wunsch ausgesprochen. datz jede Beschränkung in der Beauftragung behördlicher Druck- arbeiten unterbleibt und datz. solveit irgend angängig, jetzt auch die Drucksachen in Arbeit gegeben werden, deren Ausführung fönst vielleicht erst in späterer Zeit bewirkt worden wäre. Auch eine Reihe von Arbeiterorganisationen haben ja mit dem Ausbruch des Krieges den Umfang ihrer Publikationen ein- geschränkt. Jetzt, da sich die Verhältnisse geklärt haben und manche in der erfte« Bestürzung oder in der Not deS Augen- blicks beschlossenen Matznahmen sich glücklicherweise als nicht absolut notwendig zur Erhaltung der Organisationen erwiesen haben, dürfte auch für die Arbeiterschaft die Frage akut iverden, ob die äutzerstc Einschränkung der Druckaufträge weiter notwendig bleibt, zumal ja die Organisationen nicht m demselben Matze wie die Verleger der Tageszeitungen den Umfang ihrer Blätter durch den Umfang des Jnscratentetlcs diktiert erhalten. Wie notwendig die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit gerade für das Buchdruckgewerbe ist, belegt der Aufruf des Buchdruckervcreinö und des Verbandes mit einer Reihe von Zahlenangaben. Alach einer Statistik des Buchdruckerverbandes vom 3l. Oktober waren von den 79999 Mitgliedern des Verbandes an jenem Tage 11 699— 22.5 Proz. der Gesamtzahl arbeitslos und 7 994-- 15,4 Proz. hatten nur teilweise Beschäftigung, trotzdem 19 692=» 29,8 Proz. durch Heeresdienst und Abgang zu anderen Berufen deni Gewerbe entzogen waren. Im Oktober 1913 betrug die Zahl der Arbeitslosen 5,8 Proz.; nur teilweise Beschäftigte gab es früher überhaupt nicht, obgleich fast 29999 Gehilfen mehr als jetzt ihren Erwerb fanden. Auch ein Vergleich mit anderen Gewerben und Industrien fällt stark zuungunsten der Luchdrucker aus, denn eine eben- falls am 31. Oktober aufgenommene allgemeine gcwerkschaft- liche Stotisnk ergibt nur eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 19,97 Proz.. so datz die Buchdrucker um rund 12 Proz. über dem Reichsdurchschnitte stehen oder, mit anderen Worten, eine mehr als doppelt so grotze Arbeitslosigkeit haben. Die Arbeitslosigkeit im Buchdruckgetverbc war in den einzelnen Städten allerdings verschieden grotz. Ende November hatten Berlin 31,82 Proz. arbeitslose und 2,22 Proz, teilweise beschäftigte Gehilfen. Dresden: 26,12 und 6,58, Haniburg: 25.21 und 29,54, Leipzig: 29.34 und 19,89, Aachen: 16,53 und 27.41. Sttatzburg: 15.68 und 49,38, Chemnitz: 11,35 und 22,6 Proz. Aus der anderen Kategorie von Truckorten seien erwähnt: Rudolstadt: 42,19 Proz. Ar- beitSlose, Offenbach a. M.: 41,53 Proz. Arbeitslose und 26,23 Proz. teilweise Beschäftigte. Bielefeld: 15.49 und 25,53, Würzburg: 14,98 und 37,42, Plauen(Vogtl.): 12,24 und 29,59, Potsdam: 10,19 und 37,96 Proz. Diese autzcrordentlich hohe Arbeitslosigkeit erfordert un- gemein grotze materielle Opfer. Waren in den Monaten August, September und Oktober v. I. 546 241 M. Unter- stützung für 344 467 festgestellte arbeitslose Tage notwendig so in den ersten drei Kriegsmonaten 1714 891 M. für 1 126 559 arbeitslose Tage. Tie gewährte Unterstützuna war demnach um 213,94 Proz., die Zahl der Tage um 227,94 Prozent höher. Wie die Buchdrucker, so leiden auch die Nebenberufe stark durch die infolge des Krieges eingetretenen Verhältnisse. Bei den Schriftgietzern stieg die Arbeitslosenziffer sogar bis auf 99 Proz. Leider ist zu befürchten, daß die Besserung im Geschäfts- gange, die zur Zeit der Aufnahme der mitgeteilten Zahlen bestand, nach Weihnachten wieder verloren gehen wird, und datz dam; wieder annähernd so trostlose Zustände eintreten werden, wie sie im August und September im Buchdruck- oewerbe bestanden. Die Notlage würde dann aber für die Arbeitgeber sowohl wie für die Arbeitnehmer noch viel schlimmer werden, weil die ersteren durch die voraufgegangenen Kricgsmonate in ihrer wirtschaftlichen Lage sehr stark ge- schwächt worden, und die letzteren dadurch, datz die meisten in ihren Kasse« ausgesteuert sind, der Arbeitslosenunterstützung verlustig gehen. Man kann deswegen nur hoffen, datz der Aufruf der beiden großen Organisationen in; Buchdruckgewcrbc bei allen Beteiligten Verständnis und Entgegenkommen findet. Kuslanü. Aus der dänische« Textilindustrie. DaS Organ des dänischen TexiilarbeiterverbandeS teilt in seiner neuesten Nummer mit, datz die ÄrbeitSverhällniffe in der dänischen Texlilindustrie loieder in normale Babnen einzulenken scheinen. Die Robstofs zufuhr hat sich nämlich gebessert. ES ist allerding« fraglich, ob diese Besserung anhalten wird, denn wie in England herrscht auch in Dänemarl Mangel an Farbstoffen,«olche sind zurzeit nur noch sehr schwer zu beschaffen. Mus Industrie und Handel. Diskonteruiäßiguug der ReichSbank. Der Zentralausschutz der ReichSbank tritt am Mittwoch vormittag zusammen, um— wie verlautet— über eine Er- Mäßigung des Zinssatzes von 6 auf 5 Proz. Beschlutz zu fassen. Der Schritt wird der Retchsbank dadurch erleichtert, daß der Status der Bank in den letzten Wochen recht günstig war._ Deutschlands RüstuugSindustrie für das Ausland. Zu jenen Industriezweigen, die in den letzten Jahren sich be- sonder« rapide entwickelten, gehört die deutsche Rüstungsindustrie. Sie fabrizierte nach englischem Vorbilde immer mehr auch für daS Ausland, mit dem Deutschland zum Teil heute im Kriege steht. Da« geht deutlich aus der Statistik über den Export von Kriegs« maierial aller Art nach dem Auslande hervor. Insgesamt wurde an solchem Material aus Deutschland ausgeführt: 1888 im Wert« von 10.6 Millionen Mark 1891,.. 13.3 1896... 16.6, 1901.., 24.8 1906... 61.7.. 1911,.. 108,3.. Der Wirtschaftskrieg. London, 22. Dezember. Bestimmungsott für Güter aus Indien werden seit dem 15. Dezember verlangt._ Uruguay kündigt seine Handelsverträge. Dem Auswärtigen Amt ist vom Vertreter der Republik Uruguay im Auftrage seiner Regierung mitgeteilt worden, datz der Handels« und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Uruguay vom 20. Juni 1902, sowie di« Uebereinkunst der beiden Länder vom 5. Juni 1890 zum 18. Dezember 1915 gekündigt sind.— Gleichzeitig hat die Republik ihre Handelsverträge mit Frankreich und England gekündigt._ Soziales. Aus dem Jnnungsschiedsgericht. Alach§ 113 der Gewerbeordnung kann der Arbeiter bei seinem Abgänge ein Zeugnis über Art und Dauer der Be- schäftigung fordern. Ties ist aus Verlangen auch aus die Führung und Leistung auszudehnen. Häufig lassen es Ar- beitgeber trotz des klaren Wortlauts erst auf eine Klage an- kommen, aus Gründen oft recht kleinlicher Art. Ein Beizer und Polierer der Firma Pracht«! hatte nach über dreijähriger Tätigkeit feine Stellung bei der Firma aufge- geben. Seine Arbeiten lvaren von ihm durchaus selbständig er- ledigt worden. Weil aber bei seinem Abgänge eine heftige AuS- cinandersetzung stattgefunden hatte, sollte ihm im Zeugnis über die Art seiner Beschäftigung daS Wörtchen„selbständig" vorenthalten werden. Ter Vertreter der Firma muhte zugeben, datz alle Mettmale einer selbständigen und erstklassigen Beschäftigung ge- geben waren. Dem Vorsitzenden Schiedsrichter kostete es gestern viel« Mühe, den Bettreter der Beklagten zu überzeugen, datz die Att der Be- schäftigung gar nicht von einer etwaigen persönlichen Auseinander. setzung berührt werde._ Zur Fürsorgeerziehung. Unsere Leser entsinnen sich des Anstehen erregenden Falls der Anordnung einer Fürsorgeerziehung durch das Amts- gericln in Unna. Mitbestimmend waren bei der Fürsorge- anordnung politische Ansichten des Richters. Der Vater des Knaben hatte sich dann das Leben genommen. Wir hatten den Beschluß kritisiert und auch im Reichstag wurde von der Kommission zur Vorberatung des Iugendgerichtsgesetzes der Fürsorgebeschlutz allseitig abfällig beurteilt. Der Re- daktion der Dortmunder..Arbeiterzeitung" brachte eine Kritik des Beschlusses eine Anklage ein. Genosse Hensler wurde als verantwortlicher Redakteur zu 599 M. Geldstrafe verurteilt. DaS Reichegericht hob die Sache auf und wies sie zur anderwciten Verhandlung an das Landgericht zurück. Nunmehr hat der Landgerichtspräsident in Dortmund aber als amtlicher Vorgesetzter de? Beleidigten den Strasantrag zurückgezogen. Die Staatskasse hat die nicht unerheblichen Kosten zu tragen. Bedauerlich, datz der Fall nun nicht in öffentlicher Sitzung bi« zu Ende geführt werden kann. Denn nach den Reichsgericht«- urteilSgründen wäre wohl eine voll« Freisprechung zu erwarten gewesen. Dem AmtSgerichtörat Hülsemann waren in der Kritik „objektive Unwahrheiten" vorgeworfen worden. In dem Amt«- gerichtsbeschlutz war gesagt worden, der Junge habe seine erste Stelle verlassen müssen. Richtig war jedoch, datz er die Stelle freiwillig verlassen hatte. Da« Reichsgericht kommentiert nun diese Tatsache wie folgt:„Fehlte solche Aktenkundigkeit, so handelte der Richter pflichtwidrig, wenn er die gegenteilige Tat- fache als nachgewiesen annahm und zuungunsten de« Minder, jährigen verwertete, auf den sich das Verfahren betreffend die An- ordnung der Fürsorgeerziehung bezog. Denn der Richter ist ver- pslichtet, von Amts wegen diejenigen Tatumstände, die er für er- heblich erachtet, durch geeignete Beweismittel klarzustellen, soweit sie nicht gcricktSkundig find, und verletzt seine Richterpflicht nicht nur in dem Falle, datz er wissentlich bandelte, sondern auch dann. wenn er seine AufklärungSpslicht aus Unachtsamkeit oder sonst fahrlässig versäumte." DaS Reichsgericht geht aber noch weiter und erörtert die Frage, ob Amtsgerichtsrat Hülsemann bei der Verhän�ung der Fürsorgeerziehung überhaupt gesetzmätzig verfahren ist, o b die Fürsorgeerziehung an sich zulässig und begründet war oder nicht, eine Fmge. die die Dortmunder Straf- kammer als unerheblich bezeichnet hatte. Das Reichsgericht kommt zu dem auch von uns seinerzeit ausgesprochenen ErgefmiS, datz der Beschlutz, durch den die Fürsorgeerziehung perfügt wurde, fehl gebt. Ob aber der Richter hierbei pflichtwidrig und schuld» yafterweisc gefehlt habe, sei nicht vom RevisionSrichter, sondern vom Tatrichter nach den Umständen des Einzelfalle« zu prüfen. Nachdem da» ReickiSgericht noch die Anziehung eine» unrichtigen Paragraphen festgestellt, kommt noch folgende wichtig« Feststellung: „Die Vorschrift des§ 1 Nr. 3 deS Füttorgegesetzes hat auck fach- lich wesentlich andere Voraussetzungen als die des 5 1 Nr. 2. Die VerÜbung strafrechtlicher.Handlungen wird in ihr nicht voran«- gesetzt. Sie kommt gegebenenfalls nur als Beweisgrund für da« Vorhandensein eines— bereits eingetretenen— Zustande« sitt» liche n Verderbens in Betracht. Andererseits wird erfordert, datz die Fürsorgeerziehung nicht zur Verhütung Klotz weiterer sittlicher Verwahrlosung notwendig ist, sondern zur Verhütung des völligen sittlichen Verderbens des Minderjährigen. Die? hat auch der erst« Richter im angefochtenen Urteil ver- kannt. Er ist dadurch gleichzeitig zu einer unrichtigen Be- urteilung der in der Fürsorgeerziehungssache ergangenen Beschlüsse verleitet worden. Für diese Annahme spricht insbesondere die Tat. fache, datz er— auch von seinem Standpunkt« auS— keinerlei Gewicht darauf gelegt hat, ob, wie in den Artikeln behauptet wurde, der Minderjährige nicht lediglicki bi« zum 31. August 1912 in Stellung war, sondern im Anschlutz daran anderweit Arbeit ge» funden hat. bei dem neuen Arbeitgeber„noch gegenwärtig" tätig ist und sich während dieser ganzen Zeit sehr gut gefühtt. ins» besondere als ehrlich und fleitzig erwiesen hat.(Vgl. Entscheidungen de» K..Ges. Bd. 25 A.. gegen Krankheit versichert gewesen sein. Dritten« mutz die Niederkunft der Ehefrau nach dem 2. Dezember 1914 ein» getreten sein. Tressen die beiden ersten Bedingungen, aber nicht die dritte zu, so Iverden nur da, tägliche Wochengeld und das Still. geld in dem noch möglichen Umfang, d. h. insoweit gewährt, alz sie auf die Zeit vom 3. Dezember an entfallen. Wird der Ehe» mann erst nach der Niederkunft der Ehefrau zu Kriegs-, Sanität»- und ähnlichen Diensten herangezogen, so tritt das Reich natur- gemäß erst mit dem Tage des Diensteintritts des Ehemannes in die Fürsorge für die Wöchnerin ein. Es sind dann Wochengeld und Sillgeld in dem noch möglichen Umfang, so wie die Bekannt- machung ihn geregelt hat, zu gewähren, während die einmaligen Leistungen(Seitrag zu den Kosten der Entbindung, Beihilfe für Hebammendienste und ärztliche Behandlung bei Schwangerschafts- beschwerden) wegfallen, da die Bedingungen für ihre Gewährung zu der Zeit, als diese Kosten entstanden, nicht erfüllt waren. Wenn also die Ehefrau eines am 17. Dezember 1814 zur Fahne einbe- rufenen Wehrmannes am 3. Dezember 1914 entbunden wurde, so steht ihr vom 17. Dezember ab auf längstens 6 Wochen ein tag- liches Wochengeld von 1 M., und falls die Mutter ihr Kind selbst stillt, auf längstens 10 Wochen ein Stillgeld von täglich einer halben Mar! zu._ Gerichtszeitung. Feldpostpiraten. Ein Fseldposträilber, der gleich a m e r st e n T a g e seines Dienstes bei der Postbehördc sich an den für unsere Krieger im Ffelde bestimmten Liebesgabensendungen vergriffen hatte, wurde gestern von der 3. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schulz verurteilt. Angeklagt war der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Post- ausHelfer Alexander von Maczkiewicz aus Schöneberg.— Der vier. undzwanzigjährige Angeklagte, der mit feiner Ehefrau in Schöne- berg ein Blumengeschäft betrieb, meldete sich, als dieses Geschäft infolge des Krieges schlecht ging, bei der Postbehörde. Er hatte das Glück, sofort angenommen zu werden. Am 11. November wurde er bei dem Postamt 77 gegen einen Tagelohn von 4 M. ein- gestellt. Sckon am nächsten Tage wurde beobachtet, wie er zwei Feldpostpaketc heimlich verschwinden liest. Um einen lückenlosen Schuldbewcis zu erlangen, wurde er noch weiter im Dienst be- lassen. Als er sich noch weitere vier Pakete angeeignet hatte, wurde Maczkiewicz verhaftet. Das Urteil lautete mit Rücksicht auf die ehrlose Handlung des Täters auf 2 Jahrc Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust."_ Briefkasten der Redaktion. Tie juristifchz Svrcchstunb- findet für HBonncmcn Sinsttritr. 3, IV. Hof rechts, vart'ire. am Montag Bis Freitag von 3 bis 6 Uhr, am Tonnadend von 5 Bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r i« f r a st« n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen Beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen leine Abonnementsguittung Beigefügt ist, werden nicht Beantwortet. Eilig- Fragen trag- man in der Sprechstunde vor. Serträge, SchriftstSSc und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Am Donnerstag �Heiligabend) fällt die juristische Sprechstunde aus. H. M. 14. In Frankfurt a. M. am 10, Mai 1871.— Beth. 15. Erkundigen Sie sich beim Haupttelegraphenamt Berlin, Französische Strahc. - H. Sch. 100. I. u. 3. Trifft nicht zu.-- M. 11 777. Versuchen Sie eS mit HoffmannStropsen.— R. K. 10. 1. Das ist uns nicht be- iaimt. L. Durch starke Erhitzung der Stoffe und Bestreichen der Nähte mit grauer Ouelisilbcrsalbe oder Schmierseife.—/, Uhr. von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in FriedrichSseldc aus statt. Um rege Betelligung ersucht Die OrtSverwaliung. toitral-Mani! öer Tifoler a. Berulsoenossen Deutschlands. Filiale«roß Berlin. Am 20. Dezember starb unser Mitglied, der Töpser Gustav Schlack (Bezirk Moabit) an Lungentuberkulose. Shre seinem Tlnbenken k Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 24. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von derLeichen- Halle des St. Joaannis-KirchhojcS in Plötzensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 193/1 Der Vorstand. Allen Freunden und«ekannien zur Nachsicht: heute früh 4>/, Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann. unser Bruder, Schwager und Ontel, der Putzer Kari Wender im 66. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an Dorothea W�ender geb. Sleinicke. Die Beerdigung findet Heute Mittwoch. den 23. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Halle oes Grunewalder Fricdhose», Haiensee, Bornstedt« Str. 12, aus statt. 25A Sozialdemokratischer WahlvErein Am 18. Dezember verstarb unser Parteigenosse Otto Lade Friedelfttatze 7. 2. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Dezember, nachm. 3'/, Uhr. von der Halle des alte» Jakobifirchhoscs am Hcrmannplatz aus statt. 213/16 Oer Voratand. Verband der Irelen Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwult. Xcnkttlln. Den Mitglieder» zur Nachricht, datz unser Kollege Otto Lade (Friedelstt. 7) verstorben ist. Ghee seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 23. Dezember, nachmittags 3'/. Uhr, auf dem alten Jakobikirchhos(Rolltrug) statt. 45/6 Rege Betelligung«wartet Der Vorstand. Verband der Brauerei- uJithlen- arheitern.?erw. ßerulspossen Zahlstelle Verlin. Varhrnf. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, datz unser Kollege, der Mitfahrer Emil Schwarz (Bockbrauerei. Alt. 1) am 9. Dezemb« verstorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 47/9 Hie Ortsverwaltung. Am 19. Dezember b. I.. S'l, Uhr abends, verschied nach kurzem, aber schwerem Kranken. iager mein innig geliebter Mann, mein h-rzenSguter Bruder, uns« lieber Pater, Schwieger- und Giotzvater, der als ostpreutzilcher Flüchtling hier weitte, der Kaffei, böte 734b puäolk Sziedat im fast vollendeten 65. Lebens jähre. Die» zeige» tiesbettübt an Amalie Sziedat geb. Ehnell als Frau. Hans, Willi. Gruft als Söhne. zurzeit im Felde. Paula Schröder, LuiscBarkowöki, GmmaHaupt als Töchter. Verla Sziedat als Schwieger- tochter. August Schröder. Richard Braun, Gmit Barkowski Wilhelm Haupt als Schwieger, söhne. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen, Kirchhojcs. Landsberger Allee, aus statt. Am Montag verschied nach kurzem Krantenlager meine liebe Frau, unlere gute Muller Wllhelmine Platte geb. Podklewlta im 55. Lebensjahre. Dies zeigen Uesbetrübt an Heinr. Platte nebst«Indern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Dezember. nachmittags'Iß Uhr, aus dem Zciittal-Friedhoj in Friedrichs, leide statt, 733b Verband IGemeinde-u. Staatsarb. Filiale Grofi-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kollege Oskar kaue welcher im Betriebe der Park- und Garlenverwalwng beschäjtigt war, o«storb«i ist, Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Donnerstag, den 24. Dezember, nachmittags um 3 Ubr, von der Leichenhalle des Auserstebungs- lirchhoses m Weitzeniee aus statt. 36/13 llie Ortsverwaltung Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Bezirk Chariottenburg. Am 20. Dezember starb uns« Mitglied 145/7 Karl Wender. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mttlvoch. nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS GemeindefriedhosS der Kolonie Grunewald, Barn- stedter S trotze, aus statt. Die örtliche Verwaltung. i/Wlj.avVe/r- cJtito Allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz am 24. November mein lieber Mann, unser guter Bater 3A Karl Hipel im blühenden Alter von 28 Jahren aus den«chlachtjeldern im Osten gefallen ist. Die tiefbettüble Gattin Emilie Hipel u. Kinder. Wir können DirnichtSmchr bieten, Mit nichts mehr Dich eistcun, Nicht eine Handvoll Blüten Aus Deinen Hügel streu». Monats Garderobe! 4-500 getrageneAnzüge f. Herren; Smoking, Frack- u. Gehrock-An- zügc(auch z. verleihe»), Winter- paletats und Ulster sowie von Kavalieren getragene, fast neue Sachen(a, Seide), s. jed. Figur paff. in größter Auswahl z. unübertross. billigen Preisen. ITr., deshalb billiger wie t. Laden. D!rscbkIclcrbauN...?'a7e'??°si. Fladen Sie dtott7> /ch fertige davon A nzug od. Pzltioi nach Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Lmbond� Nue Framenade 8, U.(Stadth. Bon.) t] V Carmen Sylva Cigaretten WV Trnatfrel! MWk? 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Verband der ftnt- und Blzwarenarbeiter und Arbeiterinnen Sentsehlands. Ortsvcrwaltnng Berlin. Achtung I Achtung! Hutarbeiter und Arbeiterinnen. Am Donnerstag, den 24., sowie Tonnerstag, den 34. d. M., bleibt unser Bnrea» von mittags 1 Ulir an geschloffen. 71/6 Die Ortsverwaltnng. Terwaltnng Berlin. Der Feiertage wegen sind sämtliche Bureaus und ArbeitSnach- weise an folgenden Tagen geschlossen: Donnerstag, den 24., und Donnerstag, den 31. Dezember, von nachmittags 1 Nhr ab, Freitag, den 25., und Sonnabend, de» 26. Dezember, sowie Freitag, den 4. Jannar 1913, den ganze» Tag. Die Kassierung der Beiträge in den Zahlstellen findet in dieser Woche wegen des WcihnachtsfesteS am Donnerstag» den 24. Dezember, abends von 5 bis 7 Uhr, statt. 94/19 Die Ortsverwaltnng. Theater für Mittwoch, 29. Dezbr. Berliner Theater 3 TThr: Peterchens Mondfahri 8 �„Extrablätter!'4 Deutsches Kttnstler-Th. Luther. Deutsches Opernbaus, Cbarlottenb. 8 um: oberon. Friedrich• Wilheimstidt. Theater. 8 LThT Gasparone. Gebr. Iferrnf eld-Theater 8ühr: So leben wir! Kleines Theater 8Uhr: Liebelei. Komttdlenhans zT.'jMe: Biedermeier. Lessing Theater 8 �Jugendfreunde. Lnstspielhaus 81/«U: Wolkenreiter. Residenz-Theater Krümel vor Paris. »ose Theater Z.8t Male: Seilt WM GlÜCk.. Schiller-Theater O. 8 Uhr: JjQpj Schiller Th. Charlottenbg. 8Uhr: Geographie und Liebe. Thalia-Theater 8mir:Kam'rad Manne. Theater am Kollendorlpl. 3»/. ü.: Aschenbrödel. S'l, U.: Immer feste drnfl! Theater a.d.Weidendammerbrücke. Die deutsche Marke. Theater des Westens. 8 unr: poienblut. Theater in d. Königgrätzer Straße. 7,/'u: Brand. Trlanon-Theater. Geschlossen. Walhalla-Theater Geschlossen. Tolksbtthne(MontisOperettenth.) j/'i-K, Der liehe Pepi. URANIA 4 Uhr(Halbe Preise): Die Weiebsel und die masur. Seen. Abends fe Uhr: Auf den Schlachte feldern Ostpreußens. Mos k Sclinoo. Heute Mittwoch, abends 7'/. Uhr: gJBT" Kleine Preise. Zum 2. Haie: Ost und West Großes patriotisches Schaustück aus d. Gegenwart i. 4 Akt. 1. Akt: Die Russen in Galizien. 2. Akt: Deutsohe in Belgien.— 3. Akt: Unsere Helden in Frankreich rKriegsepisodenX 4 Akt.: Angriff auf eine Festung. Die phänoni. SchluS-Apotheose. 400 Mitwirkende.— 2 Mnsik- korps,— Sängerchor.— Vorher das reichhalt. Programm. Morgen Donnerstag(Heiligabend!: Geschlossen. SÄRRAS&Nl Telephon Norden 10 408. Vorverkauf an derZirkuskasse und im Warenhaus Tietz. Nachmittags für Kinder und Militär bis zum Feldwebel: DM- Halbe Preise."W Ab 25. Dezember: Zwei Vorstellaugen. Galerie 40 PI, II. Rang un- numeriert 60 Pf., II. Bang numeriert 89 Pf., I. Bang un- numeriert 89 Pf.. I Rang numeriert 1,49 M., Seitenbalkon 1,49 M. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. WEihnacltisprogramni! Ansang 8 Uhr. 26. Dezember (zweiter Feiertag) mittags 12 Uhr: Greis Weihnachtsfest- Benefiz- Matinee Ferdinand Bonn sowie der glänzende Dezember- Spielplan. DV Kleine Preise!"MD «—An den 3 Feiertagen:— Vorstellung Kinder nachmittags halbe Preise. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. 1. Feiertag: „Ein polnischer Jnde". 2. Feiertag: „LebmannsWcihuachten" 3. Feiertag: „Gefallene Engel". Kasseneräfsn. 7 Uhr. Anlang 8 Uhr. Casino-Theater. Lothringer Stratze 37. Täglich 8 Uhr. Sin allen Feiei tagen 2 Vorstellungen. 'Abends 8 Uhr der neue Schlager. Ter gröstfe Isriolg seit Bestehen! Bureb Dick und Dünn. Nachm. 4 Uhr:.Friede auf Srden« Tazu erstkl. L-pezialit.-KriegSausnahm. Thccdcr Folie s Capricc Posstn-Theater Zum 1. Male: Horitz wird energisch. Das Lcntnaatsfenster. Landwehrleate. Harttn Kettner a. G 8?. Aktiva. Bilanz-Konto Passiva. Grundst.- u. Gebäude Masch.-. Kühl- u. pneu- mat. Mälzerei-Anlag. Elektrische Anlagen Mohilien u. Utensilien Fastagen..... Pferde...... Wagen und Geschirre Eisenbahn-Waggons. Dampfer..... Niederl. u. Ausschank Eestaurat.-Inventar u. Utens. u. Beteiligung Flaschenbier- Utensil. Vorräte...... Debitoren..... Darlehen..... Kasse inkl. Eeichsbk.- und Postscheckguth. Bankguthaben... Wechsel...... Avale... 859550,— ESekten...... Hj-potheken auf verkaufte Grundstücke Vorausbezahlte Mieten...... Vorausbezahlte Versicherungs-Prämien M. 14195270 Pf 2377563- 304265- 160405'- 1295913— 34428—1 57410— 108511--; 6081- 1747903 59 282710- 60000- 2626079- 450866 68 971420 12 563623 43 1147348:50 37233 35 1361001 67 25000- 122916 67 107501 63 , Aktienkapital... Partial- Obligationen aus 1894 Serie I.. Partial- Obligationen aus 1897 Serie II. Partial- Obligationen aus 1911 Serie III. Hjmotheken- Konto I „'« U Reservefonds.... Spezial- Reservefonds Dividende unerhoben Partial- Oblig.- Zinsen Partial- Obhg.- Präm. Kautionen..... Depositen..... Kreditoren..... Brausteuer- Accepte- Konto...... Avale... 859550,— Delkredere.... Friedr. Goldschmidt- Stiftung..... Arbeiter- Unterstütz.- Fonds...... Arbeiter-Witwen- und Waisen-Fonds.. Moritz- Potocky- N elken- Stiftung Reingewinn.... -M— �f 7200000— 315000'— 41 6500- 2200000— 2100000- 955000— 1873403 22 100000- 1674- 53862 50 2520- 693203 99 5644229 56 1884586- 1864830 125000- 110416- 176705- 206290 55 17488 35 2102741 47 28043450 64 28043450.64 Berlin, den 30. Septemcer 1914. Die auf II0/, für das am 30. September a. er. abgeschlossene Geschäftsjahr 1913/14 festgesetzte Dividende wird von heute ab gegen Einlieferung des Dividenscheines und eines Nummemverzeichnisses gezahlt, mit M 33,— pro Aktie von M. 300,— -„ 18«,-,„.„. 1«00,— an der Kasse der Commerz- u. Diskonto-Bank, hier u. in Hamburg, .,,, Nationalbank für Deutschland, hier „., von Markus Nelken u. Sohn, hier und in Breslau, „ unserer Zentralkasse. Berlin, den 22. Dezember 1914. Actien-Brauerei- Gesellschaft Friedrichshöhe vormals PATZENHOFER Seeger. Herrmann. Wild. Hoehbahn Kottbnsertor Hochbahn Kottbnsertor Theater Sanssouci Während der 3 Weihnachtsfeiertage Gastspiel„1914" Gastspiel Zeitbild m. Gesang in 4 Akten von Otto Reutter u. Max Reichardf. ====== Preise: 50 Pf.— 75 Pf.== Anfang: Konzert'/j? Uhr.:; Vorstellung 8 Uhr. 737b Gewerkschaftshaus. Während der Weihnachtsfeiertage. I. Feiertag: Turnverein„Fichte"(7. Männer- u. 1. Frauen-Abt.): Große Weihnachtsfeier. äSf"« Feiertag: Deutscher Arbeiter- Tangerbund. Nousuw�no�aft: Gunter Abend. Harlanne Geyer: Lieder znr Laute.— Lichtbilder Ein genosienschastl. Ausflug im heimischen u. fremden Lande-e. Eröffnung 5 Uhr mit Beginn des Konzerts. Anfaug der Bor- sühruugen 61/: Uhr an allen Feiertagen. Am Heiligabend: Für alle drei Feiertage: Nlhuschlsfaiai' fnrInnggksellell beim Weih- nachtsbaum u. bei Komert. Während der Feiertage kommen große Posten Gänse, Enten sowie große Posten Wild und Wildgeflägel zum Verkauf a Portion BO Pf. Priegnitzer Kälber und Schweine a Portion 70 Pf. Mittag a Gedeck 1 M. Sonntag, de» 3. Feiertag: Hühnersuppe Kraftbrühe mit Einlage Karpfen in Bier Rinderlende garn. in. Edelgem. 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Die Frage der Bestrafung der aufständischen Buren bildet den Gegenstand lebhaften Jnter- esses der Oeffentlichkeit. Tie Regierung wird wahrscheinlich den Mittelweg einschlagen, das heißt, weder zu milde noch zu streng vorgehen. Zur Aburteilung der Leiter des Aufstandes wie D e w e t und von Prädikanien wie Broekhuizen wird ein besonderer Gerichtshof aus drei Richtern mit Genehmigung des Parlament? gebildet werden. Die Generalstaatsanwälte von Transvaal und vom Oranjefreistaat werden sofort an die Vorbereitung der Fälle für den besonderen Gerichtshof herangehen. Bisher war das unmöglich, da die Mehrzahl der wichtigen Zeugen im Felde war. Die Hauptschwierigkeit bilden die aufständischen Mannschaften. Wenn man ihnen das Wahl- recht entzöge, würde B o t h a der Vorwurf treffen, daß er seinen politischen Gegner Hertzog schwächen wollte. Das könnte dazu führen, daß Hertzog seinen Einfluß wiedergewönne. Andererseils kann man sie nicht ungestraft laufen lassen, da daS den Unwillen der gegen sie zu Felde gezogenen Bevölkerung hervorrufen würde. Geldstrafen wären wirkungslos, da die Mehrzahl der Mannschaften weder Geld noch Land besitzt, und diejenigen, die sich Bothas Amnestie vom 12. November zu Nutze gemacht haben, überhaupt nicht strafrechtlich verfolgt, wohl aber mit Entziehung des Wahl- rechtes bestraft werden können. Die Auiständischen, die sich des Plü»derns oder eines anderen Bruchs der Gebräuche der zivilisierten Kriegsführung schuldig gemacht haben, werden von einer richierlichen Kommission, die in der Bildung begriffen ist, abgeurteilt werden. Schließlich soll eine besondere Kommission eingesetzt werden, die die Schadenersatzansprüche der loyalen Bürger bebandeln wird. Im Oranjefreistaat allein schätzt man den Schaden auf zwei- hunderttausend Pfund Sterling. Stanürechtliche Urteile in Tesche». Brünn, 22. Dezember.(T. U.) Die„Lidore Noving" melden: Die Bezirkshauptmannschaft in Tesche» Verlautbart nachstehendes: Am 12. d. M. wurden der 23 Jahre alte Anton G r u s ch a, Zeichner aus Warschau, und der 23 Jahre alte Josef Müller aus Neichen- berg vom Militärgerichte w Teichen zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Verurteilten, an denen da? Urteil schon vollzogen wurde, hatten am 7. d. Mts. dem dritten russischen Armeekorps den Weg von Okotschim nach Novi Targ in Galizien gezeigt und lieferten dem russischen Miltlär Berichte über die Be- wegungen und die Kraft unseres Heeres. Die Seimschaffung öer Zivilgefangenen. Bern, 21. Dezember.(SS. T. B.) Nach den von den Ver- tretungen der Nachbarländer an das eidgenössische politische De- partement gelangten Mitteilungen kann die H e i m s ch a f f u n g der deutschen, österreichisch-ungarischen und französischen Zivil- Internierten durch kollektive Transporte als beendigt an- gesehen werden. Im ganzen sind rund 1 1 000 Personen, meist Frauen und Kinder, durch die Schweiz in ihre Heimat zurückgelangt. Die Etappenkommissionen und Heimschaffungsbureaus werden nun- mehr ihre Tätigkeit am 2t. Dezember einstellen. Nur das Berner Bureau wird noch schwebende Geschäfte sowie die Abrechnung er- ledigen. Die öeutschen Kriegsgefangenen in öen Kolonien. Paris, 22. Dezember.(T. U.) Wie französische Blätter mit- teilen, sind die deutschen Kriegsgefangenen aus dem Kongo in Brazzaville eingebracht worden. ES befinden sich unter ihnen drei Offiziere und zwei Unteroffiziere. Neue Verurteilung deutscher Krankenwärter. P-riS, 21. Dezember. fT. U.) DaS Kriegsgericht des 10. Armee- korps in RenneS hat ein neues unbegreifliches Urteil gegen deutsche Gefangene gefällt. ES handelt sich um die beiden Krankenpfleger Robert Günther und Wilhelm Tie de, die beim 17. Dragoner- Regiment Dienst taten. Sie standen unter der Anklage, elnen Wandschrank erbrochen und Leinenwäsche daraus entwendet zu haben. Beide Angeklagten gaben zu. den Schrank aufgebrochen und die Wäsche herausgenommen zu haben, erklärten jedoch, die Leinwand notwendig für das Verbinden der Verwundeten gebraucht zu haben. Trotzdem sie Beweise für dies- Behauptung erbringen tonnten, wurden sie vom Kriegsgericht zu je ernem Jahre Gefängnis verurteilt. Die Vereinigten Staaten unö öie Kriegs» ausfuhr. London, 22. Dezember.(W. T. B.) Die„Times« meldet aus Washington: Das Staatsdepartement te.lt nut. daß die Regierung auS naheliegenden Gründen die Pro- paaanda für ein Verbot der Ausfuhr t> o n W a f f e n und Munition nicht billige. Es ist infolgedessen wahr- scheinlich, daß im Falle der Annahme der betreffenden Gesetz- Vorlage Präsident Wilson sein Veto einlegen wird. Kriegsbekanntmachungen. Weihnachtspakete für das F-eldheer. Dl- in der legten Novemberwoche durch die M.litärpaketdepotS SATÄ gegeben woiden., 6 Schwierigkeiten ergeben, die zwar auch wer be. den E.aPP unmöglich. Für die durchgreifende fuhrung zu den Truvpen ist zu*. �'jvuppen de« FeldmarswallS Verfolgung der ruMch-n«rme�«erkehrsm.ltel v. Hindeiivurg werden alle �Nenb b. z�uch genommen. Sie SÄ SÄ 8*»««-°- WsÄ"avn..... is si-li nicht beunruhigen- wenn',e*|t �6 we Pakete noch stehenden Kriegern die MUte.tung erh, möglich nicht eingetroffen feien. Die Zuluhrung wird I°°° '"X t,«™ ,wd G.-n» untettich.et worden. -lrb-i,'s-*",2";.,�« »«'®t«n>„trttn Generalkommando de« V. Armee v � blättern erlassenen An- Pflichtige Personen durch mililärfrew zu Es hat sich aber herausgestellt, daß eZjtamentlich noch an Monteuren, Maschinisten, Motorpflugsührern, Schmieden, Stellmachern, Vögten, landwirtschaftlichen Arbeitern, Brennern, Zieglern, Müllern, Bäckern, Fleischern, Sattlern. Schuhmachern, Schneidern und Schornsteinfegern fehlt. Es wird daher allen stellungsuchenden militärfreien Leuten dieser Berufsarten weiter empfohlen, ihre Adresse dem st e l l v e r- tretenden Generalkommando des V. Armeekorps, Reklamationsbureau. Posen, Postamtv. 1, Zimmer 144, unter Angabe näherer Familienverhältnisse mitzuteilen. politische Uebers.cht. Neue Bunbesratsbeschlüsse. In einer Sitzung des Bundesrats gelangten zur An- nähme: Die Vorlage betreffend Höckstpreise für Wolle und Wollwaren, die Vorlage betreffend das Verbot der Verwen- dung von Kartoffelmehl zur Herstellung von Seife, der Eni- Wurf einer Bekanntmachung betreffend die für eine auswar- tige Bank im Betrieb einer inländischen Niederlassung ent- standenen Ansprüche, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Sicherheitsleistung mit Wertpapieren, der Entwurf einer Bekanntmachung über Versährungsfristen und der Ent- Wurf einer Bekanntmachung betreffend die Bewilligung von Zahlungsfristen bei Hypotheken und Grundschulden. Höchstpreise für Wolle. Der Bundesrat hat beschlossen, Hoch st preise für Rohwolle und W o l l w a r e n, die für den Bedarf des Heeres und der Marine erforderlich sind, festzusetzen. Der Höchstpreis für 1 Kilogramm Rohwolle(rein ge- waschen ohne Waschlohn), jeder Herkunft, ist bei AA/A bis AAA Feinheit auf 8,85 M. festgesetzt. Tie übrigen sieben unterschiedenen Fcinheitsgrade stufen sich darunter bis zu 5,70 M. ab. Für gewaschene Wolle, einschließlich Waschlohn, sind die Höchstpreise in 5 Feinheitsstufen von 6,20 bis 9,30 M. festaelegt. Für Kammzug sind 8 Feinheitsstufen von 6,30 bis 9,75 M. vorgesehen. Für Kammgarn 2/26 A bis B ist der Höchstpreis, wenn es gefärbt ist. auf 11,65 M.. wenn es roh weiß ist. auf 10,90 M. bestimmt worden. Bei Mannschafts- tuchen ist der Höchstpreis für 1 Meter Militärtuch.. auf 10,75 M. „1„ Marinetuch.„ 11,75„ „ 1„ Kammgarnstoff„ 12,25„ festgesetzt worden. Die Höchstpreise treten am 24. Dezember 1914 in Kraft. Die Höchstpreise für Wolle sind nötig geworden, um der Preissteigening durch Spekulanten ein Ende zu machen. Bs dauerlich bleibt nur, daß d'e Höchstpreise nur für den Bedarf des Heeres gelten. Ein Schutz auch der privaten Konsument ten vor Ausnutzung ist nicht minder erforderlich, zumal ein sehr großer Teil der fetzigen Bedarfsdeckung als Liebesgaben an die Front geht, also ebenfalls dem Heere zugute kommt. Genügen die Höchstpreise? Unsere Auffassung, daß die Festsetzung von Höchstpreisen allem die Nahrungsmittelversorgung Deutschlands noch nicht genügend sicherstelle, wird auch erneut von dem Abg. Gothein vertreten. Er schreibt in der„Hilfe": „Bereits der frühere Abg. Dr. Heim hat die Forderung erhoben, daß das Reich während der KriegSzeit die gesamte Verwaltung und Verwertung der Getreide-, Mehl- und Futtermittelvorräte in seine Hand nehme. Die gleiche Forderung ist vor einigen Wochen unter Führung des Münchener Staatsrechtslehrers Brentano von einer Reihe namhafter Volks- Wirte und Sozialpolitiker erhoben worden, darunter von Männern, die sonst eines weitgehenden StaatssozialismuS nicht verdächtig erscheinen. Man soll freilich die außerordentlichen Schwierig leiten einer solchen Aufgabe nicht unterschätzen, sie ist nicht von der Bureaukratie der Reichsämter und Staatsverwaltungen allein zu lösen; es wird dazu der intensiven Mitarbeit der Männer des praktischen Lebens aus Landwirtschaft, Getreidehandel, Müllerei und Genossenschaften, schließlich auch der Männer der Wissen» schast bedürfen, um sie einigermaßen einwandfrei zu lösen. Aber nachdem die Festsetzung von Höchstpreisen diese Lösung bisher nicht gebracht hat und aller Voraussicht nach auch nicht mehr bringen wird, dürfte kaum etwas anderes übrig bleiben, als diesen gewiß recht dornenvollen und keineswegs leicht gangbaren Weg zu beschreiten. Aber außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Mahnahmen." Die Mängel bei der praktischen Durchführung des Höchst- Preisgesetzes können auch nicht durch Ermahnungen an die Bevölkerung, mit den Nahrungsmitteln sparsam umzu- gehen, ausgeglichen werden. Die minderbemittelten Kreise bedürfen der Mahnung kaum, denn ihre Lage zwingt sie sowieso zum Sparen. Wirksame Hilfe kann nur eine plan- mäßige Verwaltung und Abgabe der Vorräte bringen, die die Lebensmittelversorgung der Willkür von Produzenten und Händlern entzieht._ Kein Kartoffelmehl zur Seifenhersteklung. Der Bundesrat hat durch Verordnung die Verwendung von Kartoffelmehl und anderen Erzeugnissen aus der Kar- toffel zur Herstellung von Seife verboten. Das Verbot war erforderlich, um die bislang zur Füllung von Seife ver- wendeten erheblichen Mengen von Kartoffelmehl künftig der Brotbereitung zu erhalten. Die Seifenfabrikanten sind nach der Verordnung verpflichtet, amtliche Besichtigungen der Fabrik- und Geschäftsräume zu gestatten und gewissenhaft Auskünfte zu erteilen. Für d'e unbedingte Geheimhaltung der hierdurch den amtlichen Stellen zur Kenntnis aelangten Geschäftsverhältnisse ist durch strenge Strafvorschriften Sorge getragen. Der wissentliche Verkauf von verbotswidrig b-rge- stellter Seife ist gleichfalls verboten und unter Strafe ge- stellt. Vor Erlaß des Verbots mit Kartoffelmehl gefüllte Seife darf auch weiterhin verkauft werden. Haferhöchstpreise in Oesterreich. Wien, 21. Dezember. jW, T. B.) Tie„Wiener Zeitung' vor- öffen.licbt eine Miiüsterialverordnung betreffend die Festsetzung der Höibsipreise für Hafer, welche im Großhandel für einen Meter- zentner 23, SO bis 27.60 Kronen in den verschiedenen Kronländern betragen. Die Verordnung tritt am 26. Dezember in Kraft. Strastendemonstratione« im Haag. Am Abend des 14. Dezember haben die Haager Arbeiter unter Leitung der sozialdemokratischen Partei und des Gewerkschaftskartells eine sehr eindrucksvolle Demonstration durch die Stadt veranstaltet zwecks Erhöhung der Unterstützungen, welche an die Familien der Soldaten und an die Arbeitslosen ausgezahlt werden. Die Dem«.- stration, die ganz im Stillen und nur während ein paar Tage vor- bereitet war, überraschte die Polizei vollkommen, die ihr völlig passiv zusah und nicht den geringsten Versuch machte, die Ordnung zu stören. Von fünf verschiedenen Seiten kamen die Arbeiter plötzlich auf einem der größten Plätze der Stadt zusammen und zogen von dort durch die ganze Al.stadt. Ein bürgerliches Blatt schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 6000-, es mögen ihrer aber wohl an die 10 000 gewesen sein. An der Spitze des Zuges wurde ein schwarzes Tuch ge.ragen, worauf mit großen Buchstaben stand:„Wir wollen nicht länger hungern!" Es ist zu erwarten, daß auch in anderen Städten derartige Demonstrationen folgen werden. Tie Lage der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf stellt der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" einen von dem französi- schen Bevollmächtigten für die Ueberwachung der Kriegsgefangenen. lager erstatteten Bericht zur Verfügung, in dem es heißt: „Ich habe die Gefangenenlager in Blähe, Montauban, Albert- ville, Rouens, St. Etienne, Le Puy, Clermont und Aurillac be- sucht und kann versichern, daß die Behandlung der deutschen Kriegs- gefangenen dort überall ko r r e k t ist. Alle für ihre Unterkunft, Kleidung und Verpflegung getroffenen Einrichtungen müssen als ausreichend bezeichnet werden. Ein Verbot, deutsch zu sprechen, besteht nicht. Der briefliche Verkehr mit ihren Angehörigen und der Empfang von Postpaketen ist den Gefangenen gestattet, indes hat man in einigen Lagern eine Beschränkung dahin getrossen. daß pro Woche nur ein Brief von zwei Seiten, stellenweise auch zwei Briefe abzuschicken gestattet ist. Im übrigen gelten für alle Lager die gleichen ministeriellen Vorschriften. Die über die Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen in Clermont-Ferrand in der deutschen und schweizerischen Presse ver- breiteten beunruhigenden Gerüchte sind nicht begründet; danach sollte es mit den Gesundheitsverhältnissen im dortigen Gefangenen- lager schlecht aussehen und ein deutscher Offizier(Herr Boehmcr aus Neufchatel) sollte mißhandelt worden sein. Die Untersuchung durch einen französischen Arzt hat ergeben, daß die zusammen mit französischen Soldaten in dem Lager für einige Zeit internierten und jetzt anderweitig untergebrachten deutschen Kriegsgefangenen korrekt behandelt worden sind, und daß die Behauptung einer Miß- Handlung eines deutschen Offiziers nicht zutreffend ist. Die gesundheitlichen Verhältnisse des im Gebirge belegenen Lagers, in dem jetzt noch französische Soldaten liegen, sind durchaus nicht ungünstig."_ Gegen die Beschäftigung der Kriegsgefangenen. Die Vertreter der Landwirtschaft haben in letzter Zeit ver- sucht, die Kriegsgefangenen in größerer Zahl als bisher für die Verrichtung privater landivirtschaftlicher Arbeiter frei zu bekommen. Dazu hat sich jetzt der Kommandierende General des 7. Korps in der Hauptsitzung der westfälischen Land.- wirtschaftskammer in bemerkenswerter Weise ausgesprochen. Er sagte u. a.: „Die Verwendung der Gefangenen ist außerordentlich schwierig, denn bei den Franzosen ist ein großer Teil durch T u b e r k u- lose verseucht, und bei den Russen liegt die Gefahr der Cholera vor. Wir gehen mit dem Gedanken um, die kranken Franzosen abzusondern. Die Cholerabazillen sind gegen Kätte sehr wider- standSfähig und können, von Gefangenen hierher eingeschleppt, sehr leicht die gesährl.che Seuche hervotrufen. Diese beiden Tat- fachen mahnen uns zu größter Vorsicht. Wenn die nötigen Garan- tie» geboten werden, wollen wir die Landwirtschaft gern unter- stützen. Es ist sicher, daß die Landwirte deutsche Arbeiter bekommen können. Und die Landwirte sind auch in der Lage, ausreichende Löhn« zuzahlen. Die Kliegsgefangenenarbeit verkürzt in vielen Fallen den heimischen Arbeitern die Arbeitsgelegenhett und bedeutet oft nur ein bares Geschenk an die Landwirte._ Für ostpreustische Flüchtlinge. Die K r e i S k a s s e n der Kreise Angerburg, Darkehmen, Gol- dop, Guinbinnen, Oletzko, Pillkallen und Stallupönen befinden sich in Jnsterburg. Das LandratSamt des Kreises Goldap in Königsberg(Oberpräsidium), deS Kreises Oletzko in Berlin(Landes- wasseramt, Unterwasserstraße S), des Kreises Pillkallen in Stettin (Mottkestraße 16 I), des Kreises Stallupönen in Stettin(Mottle- straße 16 I). Strafe für Kriegsschwätzer. Das Kriegsgericht in Straßburg verurteilte den dortigen Pro- kuristen Rosenstiel wegen Verbreitung falscher Kriegsgerüchte zu einem Monat Gefängnis.— Von dem gleichen Gericht erhielt hie PensionSinhaberin Späth sechs Wochen Gefängnis, weil sie be-' schimpfende Aeutzerungen über den Kronprinzen gemacht hatte. Letzte Nachrichten. Liebesgaben für deutsche Kriegsgefangene in Frankreich. Berlin, 22. Dezember.(W. T. B.) Von der Erlaubnis, Materialgaben' den gefangenen Deutschen in Frankreich übersenden zu dürfen, hat das Rote Kreuz sofort nach Abschluß der bezüglichen Verhandlungen Gebrauch gemacht. Ein Waggon mit warmen Sachen, Lebens- und Genußmitteln ist gestern abend mit D-Zug von hier über Stuttgart nach Genf abgegangen. Ein zweiter Waggon wird in Stuttgart vom württembergischen Landesverein vom Roten Kreuz ange- hängt, zwei Waggons sind aus München, je einer aus Dresden, Karlsruhe und Darmstadt auf dem Wege nach Genf. Von hier werden die Gaben unter Begleitung eines Deutsch-Schweizers nach Frankreich gebracht, wo die Aus- händigung unter der Aufsicht des amerikanischen Botschafters erfolgen wird. Auch die Provinzialvereine Preußens sind zur Teilnahme an dieser Gefangenenfürsorge aufgeboten worden. Etwaige Geld- oder Materialspenden werden den Landes- zentralstellen oder den Provinz'alvorständen vom Roten Kreuz zuzuführen sein, in Berlin dem Zentralkomitee vom Roten Kreuz, Herrenhaus. Die Kämpfe im Kaukasus. Konstantinopel, 22. Dezember.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Kaukasusfront überraschten unsere Truppen die Russen durch einen Nachtangriff auf deren Stellungen bei EI Ageos und Arhi. 30 Kilometer östlich von Kopr.koi: der Feind erlitt schwere Verluste an Toten und Ver- wundeten und ergriff die Flucht. Die indischen Besatzungstruppen von Aegypten d-ser- tieren massenweise und laufen mit den Waffen zu uns über. ZZlinahmeitelle» für„Kleine Anzeigen" Itcrlln C. A. �ähnlich,?!ckcrftr. I7-i. v. >. r». so. Karl OJicflc. Peiersburaer Piav 4. Gustav Aogel, Koppeu« liraxc St R. Wcngrls, Rarlusftr Jü. L. Znchl. LmmaiiucirirSstr. 12. I. Sfcuf, Sarunnitr. 42. Zl. Wolgast, Vattstraßc 9.� H. Fischer. Baftianslrabe v. Karl Mars. Greifeubagener Str. 22. F. Hönisch. Müllerslr. 34a. H. Nagel. Lortziilgstr. 37. 2l. Tien. Fnvalidennr. 124. Zalomvu �osepli, DilhclniShaoencr Str. 4S. G. Tchmidr. Lärlvaldslr 42. Tachn, Hagclbcrger Ztr. 27. St. Frii>, Prinzeuslr. 3!. H. Lehmann, Kottbuicr Damm 8. Paul'Lahm, �aunyer Platz I4-!v. P. Harsch, Sugtlujcr 15, Aillersliof. Karl Schwarzlose. Bismarckstr. 28. iCauinsclmlemt eg. H. Hornig, Marien! Haler Str. 18, I. Borsigwalde. Paul Kienast, Räuschstr. 10. 4 l> irr 1 Ottenburg. Gustav Scharntzerg, Sei'enbcimcr Str. 1. Briedrirlisbagen. Ernst Wertmann, Köpenicler Str. 18. Grünau. Franz Klein. Friedrichstr. 10. ,l»1iiriinis«>>ul. Max Gouschur, Partstr. 23. liarlskorst. Richard Kijtcr, Rädctstr. 9, II. Hiöpenirli. 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