Ar.3s2g.- 31. Jahrg. Abonnements-Bedingungen; BSannernemä• Preis tränumeianbsj EietteliäötL 3,30 Mk. monail. 1,10 M!, Ivochenuicki 25 Pig, frei ins Haus. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illuslrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt- 10 P-g. Post- AbonnemeMi 1,10 Marl vro Monat. Eingelragen in die Post- ZeimngZ- Preisliste. Ilmer Kreuzband Itir Teutsibland und Oesterreich- Ungarn 2.30 Marl, für das übrige Ausland « Mar! vro Monat. Posiabonnements cefimen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Aumänien, Schweden und die Schweiz. erldKint täglich. Verlinev Volksblskt. ( 5 Pfennig) Die Tnfcrtions-Gcbiibr Okträgt für die scchsgcfvaltene Kolonel- zcile oder deren iKtiiim so Pig für Votitischc und geivcrlichaitiichc hierein,'. imd Persniniiiliiiig? Anzeigen 30 i->g. „Kleine Xnreigein', das settaedruclie Wort 20/Pfg i zulässig 2se., gedeckte Worte), icdc,.' weitere'Won 10 Pia � vTtT; ioouij)« fiabeii zahlen zur zwei Worte.?nseraie nir die nächste Nummer inuiscu Ii i' 5 Ilhr nachmittags in der Crsiedition abgegeben werden. Die Ervediiioii ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Zdiizltltlnslllil Rellin". Zentralorgan der fozlaldeinokratifcben parte» Deutfchlands. Redaktion: EW. öS, �inüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 151 90—151 97. tanntag, den 27. Dezember 1914. tkxpeöition; SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15190-15197. Die Nelüungen ües Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, 25. De zember 1914. vormittags.(W. T. B.) Zu F l a n de r n herrschte gestern im allgemeinen Ruhe Oestlich Festubert wurde den Engländern anschließend an die am 29. Dezember eroberte Stellung ein weiteres Stück ihrer Befestigungen entrissen. Bei Chivy nordöstlich B a i l l y hoben unsere Truppen eine feindliche Kompagnie aus, die sich vor unserer Stellung eingenistet hatte,- 172 Franzosen wurden hierbei gefangen genommen. Bei dem Versuch, die Stellung uns wieder zu ent- reißen, hatte der Feind starke Verluste. Französische Angriffe bei Souain und Perthes sowie kleinere Vorstöße nordwestlich V e r ö u n und westlich A p r e m o n t wurden abgewiesen. Zm Osten blieb gestern die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. * ♦ Amtlich. Großes Hauptquartier, 26. De- zember 1914, mittags.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei R i e u p o r t sind- in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember Angriffe der Franzosen und Engländer abgewiesen. Der Erfolg der Kämpfe bei Festubert mit ändern und Engländern läßt sich erst heute über- sehen. Neunzehn Offiziere und 819 Farbige und Engländer wurden gefangen genommen, vierzehn Maschinengewhre, zwölf Minenwerfer, Scheinwerfer und sonstiges Kriegsmaterial erbeutet. Auf dem Kampffeld ließ der Feind über 3999 Tote. Eine von den Engländern zur Be- stattung der Toten erbetene Waffenruhe wurde bewilligt. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering. Bei kleineren Gefechten in Gegend Lihons südöstlich Amiens und Tracy le Val nordöstlich Compiegne machten wir gegen 299 Gefangene. In den Vogesen südlich Diedolshausen und im Oberelsaß westlich Sennheim, sowie südwest- lich Altkirch kam es gestern zu kleineren Ge- fechten. Die Lage blieb dort unverändert. Am 29. Dezember nachmittags warf ein fran- -Zösischer Flieger auf das Dorf Znor neun Bom- den. obgleich' dort nur Lazarette sich befinden. die auch für Fliegerbeobachtung ganz deutlich kenntlich gemacht sind. Nennenswerter Schaden wurde nicht angerichtet. , Zur Antwort auf diese Tat und auf das neu- "che Bombenwerfen auf die offene, außerhalb des Operationsgebietes liegende Stadt Freiburg wurden heute morgen einige der in der Position de Nancy liegenden Orte von uns mit Bomben wittleren Kalibers belegt. Oestucher Kriegsschauplatz. Russische Angriffe auf die Stellungen bei Lohen wurden abgeschlagen, mausend Gesan- flene blieben in unserer Hand- 3n Nordpolen nördlich der Weichsel blieb die Lage unverändert, südlich der Weichsel schritten unsere Angriffe am Bzuraabschnitt fort. Auf dem rechten Pilicaufer südöstlich Tomaszow war unsere Offensive von Erfolg begleitet. Weiter südlich ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. ** * Der österreichische Generalftabsbericht. Wien, 25. Tezember.(W. T. B.) Amtlich wird der lautbart: Wien, 25. Dezember mittags: Auf dem nördlichen Äriegsschauptatz wurde gestern an einem gropen Teil der Front weitergekämpft. Unsere Äräfte im NagN-Ag- und La torcza- Gebiete wiesen mehrere Angriffe unter schweren Verlusten des Feindes ab. Nächst des U z f o k e r Paffes nahmen wir eine Grenzhöhe. In G a I i z i e n wurde der Gegner weiter gegen L i s k o zurückgedrängt. Zwischen W i s l o k und B i a l a hingegen fetzte er feine Angriffe den ganzen Tag und mit besonderer Intensität am Weihnachtsabend und in der Heilige» Nacht fort. Am D u n a f e c und an unserer unveränderten Front in Ruf fisch- Polen fanden teils Artilleriekämpfe statt, teils herrschte Ruhe. Auf dem B a l k a n k r i e g s s ch a u p l a tz e hat sich nichts ereignet. Im Norden wie im Süden gedenken unsere braven Trup pen dankbar der Heimat, die so reiche Weihnachtsgabew sandte. Tasi sich auch die Fürsorge des Deutschen Reichs an diesem Werke mit großen Spenden beteiligte, wurde als neuer Beweis der innigen Zusammengehörigkeit der verbün- deten Heere warm empfunden. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. von Hoefer, Feldmarfchalleutnant. Wien, 2K. Dezember.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: 26. Dezember mittags: Gestern nahmen unsere Truppen nach-ttägigen heldenmütigen Kämpfen den Uzsoker Paß. In G a l i z i e n führten die Russen ihre vor einigen' Tagen begonnene Offensive mit starken Kräften fort und ge langten wieder in den Besitz der Becken von K r o s n o nnd I a s l o. Tie Lage am unteren D» n a j e c und an der N i d o ist unverändert. Südlich Tomaszow gewann unser Augriff ostwärts Raum. Auf dem Balkankriegsschauplatz herrscht seit ehn Tagen Ruhe. Nur an der Save und Trina kommt es zuweilen zu unbedeutenden Plänkeleien. Tie Festung B i l e c a wies am 2-t. Dezember einen schwachen Angriff der Montenegriner ab. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. von Hoefer, Feldmarschallentnant. Eine Jktion öer öeutschen und englischen Wasserflugzeuge. Amtlich. Berlin, den 26. Dezember 191«. �W. T. B.l Am 23. Dezember vormittags machten leichte englische Ttreitlräfte eine» B o r st o tz in die deutsche Bucht. Bv» ihnen mitgeführte Wasserflugzeuge gingen gegen unsere Flutzmündungen vor und warfen hierbei gegen zu Anker liegende Schiffe und einen in der Röhe von tluxhaven befindlichen Gasbehälter Bomben ob, ohne zu treffen und Schaden anzurichten. Unter Feuer ge- nommen, zogen fich die Flugzeuge in westlicher Richtung zurück. Unsere Luftschiffe und Flugzeuge klärten gegen die eng- lischen Streitkräfte auf. Hierbei erzielten sie durch Bomben- würfe auf zwei englischen Zerstörern und einem Begleitdampfer Treffer. Auf letzterem wurde Brandwirkung beobachtet. Auf- kommendes nebliges Wetter verhinderte sonstige Kampfe. Ter Stellvertretende llhef des Admiralstabes. zez. B e h n ck e, Warum fing Japan mit deutsihlanö Krieg an! Von Ten Äatapama(Tokio). Warum begann Japan Krieg mit Deutschland? Das ist dick Frage, die japanische Staatsmänner, Diplomaten und prostituiertL Journalisten wieder und wieder aufwerfen, um sie mit dem Auf- gebot ihres Scharfsinnes stets im Interesse Japans so zu beant- Worten, daß der politische Kurs ihres Landes gar nicht anders sein konnte, als daß Japan ans Billigkeits- und Gerechtigkeitsgrüvden so handeln mutzte, wie es das in den letzten Monaten getan. Es sind meist drei Gründe, mit denen diese Herrschaften den japanisch-deutschen Krieg rechtfertigen. Nämlich: l. Daß Japan diesen Krieg begann, weil es mit England verbündet war und sein Verbündeter von ihm verlangte, daß es ihm helfe, den deutschen Einfluß im fernen Osten niederzuringen; 2. daß es den euroväi- schcn Krieg mit Englands Erlaubnis dazu bcnützte, Deutschland aus China hinauszutreiben, um die Integrität der chinesischen Republik wiederherzustellen; und 3. daß es mit Deutschland ab- zurechnen wünschte. Das sind die Gründe, die sie anführen, um Japans Haltung als berechtigt und notwendig erscheinen zu lasieil und der Welt die Notwendigkeit seiner Einmischung zu beweisen« Nun ist es zwciscllos richtig, daß England Japan ersucht hat, ihm im gegenwärtigen Kriege zu Hilfe zu eilen, damit es den Feind im fernen Osten schwäche. Fraglich dagegen ist, ob England das in der Weise tat, wie es jetzt zur Ausführung gelangte, das heißt, ob es wirklich verlangte, Japan solle gegen Teutschland auf jenem kleinen chinesischen Flecken vorgehen, den wir als Kiautschou kennen. Nehmen wir jedoch selbst an, daß England Japans Unter- stützung genau in der Form wünschte, wie es sie erhielt, hatte Japan dann nicht noch immer das Recht, ja die Pflicht, den Versuch zu machen, einen Krieg mit Deutschland zu verhindern? Es hätte zunächst versuchen sollen, sich mit Deutschland aus friedliche Weise auseinanderzusetzen, und von diesem das Versprechen zu erhalten. gegen keine Nation oder kein Land im fernen Osten irgendetwas zu unternehmen. Wurde etwas derartiges unternommen? Hat Japan auch nur ein freundschaftliches Schreiben nach Berlin ge- richtet, ehe es den Krieg erklärte? Soweit bekannt wurde, geschah nichts dergleichen. Das von Japan an Deutschland gerichtete UItU matum war das erste und letzte in dieser Angelegenheit. Ja, im Gegenteil, wir wissen, daß Gras Okuma, der gegenwärtige Ministerpräsident, viele Wochen vor Wsendung des Ultimatums den Redakteuren der Ji'ngoprcsse ein.reiches Mahl" versprach. Was damals nur unklar angedeutet wurde, ward nur zu bald aller Welt klar: er meinte die Kriegserklärung, die Japan dem Feinde jcincj Verbündeten aufzwingen werde. Zweitens wünscht Japan, wie wir gesehen haben, die Jntcgm tät Chinas wiederherzustellen. Es stürzte sich in einen Krieg, um Kiautschou in die Hände Chinas zurückzubringen und so die Inte- grität des chinesischen Kaiserreiches aufs neue zu schassen! Eine Politik, die für das arme und steuernüberbürdete Japan in der Tat außerordentlich generös ist. Ehe Japan aber derart großs mütig ist, sollte es vorher die Mandschurei an China zurückgeben, Merkwürdigerweise ist aber dieselbe Partei, welche sich der Anncks tierung der Mandschurei widersetzte, auch jetzt die heftigste Gcgncriu dieses Krieges. Die Bchauptuiig, mau wolle Chinas Integrität: herstellen, ist also lächerlich und lügnerisch. Fünftausend Deutsche befanden sich, nach der Behauptung des kommandierenden Generals, in Kiautschou; diese zu töten oder zu besiegen hat viele Wochen deck Kampfes und zum mindesten eine Ausgabe von 100 Millionen Den nötig gemacht— und das tut Japan für China, das cs vorher be» raubte und schwächte! Und nun kommt der dritte und letzte Grund; Japan will inik Deutschland abrechnen. Hier handelt es sich um eine Phrase, die erfunden wurde, um die Leidenschaften des gedankenlosen Pöbels zu erregen, um die Jingos für den Krieg zu begeistern und jene! Hurrastim muug zu erzeugen, die überall nötig zu sein scheint, um den Massenmord vor der Welt zu rechtfertigen. Geht man der Sache aber auf den Grund, so hat Japan in keiner Weise Ursache, mit Deutschland abzurechnen. Durch Deutschlands Besitzergreifung Kiaulschous hat Japan nur Vorteile gehabt. Sein Handel mit Kiautschou hat zugenommen; die von Teutschland in Kiautschou ausgeführten Bauten und Landesverbesserungeu brachten kommerzielle und industrielle Vorteile für Japan, die es aus andcrg Weise niemals erlangt hätie. Das zeigt die Handelsbilanz so dcut- lich, daß cs nicht einmal unsere Jingos zu bestreiten wagen. Japan ist arm und nicht in der Lage, China Geld vorzustrecken; es muß daher herzlich froh sein, wenn dies von anderer Seite geschieht. da es doch in allererster Linie den Nutzen davon hat. Weiter wäre es töricht, die bedeutenden Verbesserungen unseres RegicrungS- systcms abzuleugnen, die Japan aus deutschen Händen, durch deutsche Beamte usw. erhielt. Das Erziehungswescn, unsere Kunst. die japanische Bildung der Gegcnivart fußt nicht zum wenigsten aus deutscher Art und deutschem Einfluß. Im letzten halben Jahr- hundert sendete Japan sehr viele seiner Jünglinge nach Teutschland gg, deutMe BildunzSjtättcn, und zs sind diele Ml dLuMegz Aijscz getränkten Studenten, Künstler und Musiker, die unser modernes Leben befruchteten. Ein starker Prozentsad der Lehrer und Pro- fesioren auf unseren Universitäten sind Teutschc. Um nur ein Beispiel zu geben: Als der Krieg mit Teutschland begann, mußte die Akademie für Musik in Tokio schließen, weil tatsächlich alle Professoren Deutsche waren, die in ihre Heimat reisten! Japan„rechnete ab" mit Rußland durch den Japanisch-Russt- scheu Krieg, das heißt dadurch, daß es sich bis über die Lhrcn der- schuldete und Hunderttausende an Menschenleben verlor. Niemand dachte aber jemals daran, mit Teutschland abzurechnen, da man allgemein wußte, daß es Rußland war, welches Japan um die Siegesfrüchte des Chinesisch-Japanischen Krieges betrog. Tie Kriegsparole ist künstlich geschaffen und zuerst in der Denkschrift des Grasen H a y a t h i aufgetischt worden, der damit nichts anderes wollte, als russischen Interessen zu dienen und— zwei Fliegen mit einer Klappe— die Interessen der herrschenden kapitalistischen KlaiK in Japan zu fördern. Denn der eigentliche und allein wahre Grund ist, eine weitere Heeres- und Flottenverstärkung durchzu- setzen, die auf andere Weise nicht so leicht zu bekommen gewesen wäre. Nach Art des Kaisers eine„gelbe Gefahr" zu schaffen und sich dieserhalb in einen Krieg zu stürzen, der Japan nur Schaden bringen muß, ist ein Verbrechen gegen das japanische Volt und nichts anderes! Aber immer wieder müssen wir uns darüber klar werden, daß das Ziel Japans nicht die Eroberung Kiautschous war— wenigstens in erster Linie—, sondern die starke Vermehrung der japanischen Flotte und des japanischen Heeres, die von den beiden großen Parteien Japans gemeinsam angestrebt werden. Die Extrasession deS Reichstages hat die ge- forderte Flotienvermchrung bereits einstimmig bewilligt und in der nächsten regulären Session— Anfang Januar— kommt die Hecresverstärkung an die Reihe, um ebenso einmütig und glatt zu passieren. Tie frühere. Dppositionsstellung der beiden Haupt- Parteien gegen einander und gegen die verschiedenen Regierungen ist verschwunden— Freundschaft und Harmonie herrscht jetzt, da beiden Hunden die großen Knochen gegeben wurden, um die sie sich so lange herumgeschlagen hatten. Es gab jedoch noch einen Grund für die Freudigkeit, mit der sich Japan in den Kriegswirbel stürzte. Und zwar wollten die Militär- und Marinekasten durch militärische Erfolge den Schmutz abwaschen, der sich infolge der Bestechungsprozessc auf Ftotte und Heer gelagert hatte. Schon nach den ersten Prozessen stellte sich heraus, daß eine Bande gewissenloser Ausbeuter und angeblicher„Paterlandsfreunde" ihren Patriotismus dazu bcnützle, Japan in der gemeinsten Weise zu betrügen, daß deutsche Liefe- ranten wie englische Fabrikanten mit denen Japans in der Liefe- rung wertloser und unbrauchbarer Kanonen, Gewehre, Schiffe und Kriegsmunition aller Art wetteiferten; daß hohe und höchste ja- panische Armee- und Flottenbcamic sich von allen Seiren bestechen ließen und die ganze Heeresverwaltung(genau so wie die der Marine) ein einziger großer Korrupiionsherd war. Nur durch militärische Erfolge konnte der Mißmut des Volkes beseitigt, das Vertrauen in die„Landesverteidigung" wiederhergestellt werden. Dazu kam. daß die leitenden Kreise keine Furcht vor dem Ausgang des Krieges zu haben brauchten. Tie Erfahrungen der letzten zwei Kriege hatten gezeigt, daß Japan eine militärische Wacht geworden war, die in einem Kampfe mit einem kleinen Teile der deutschen Macht für sich nichts zu fürchten habe. Außerdem wußte man, daß England und Rußland zu Hilfe eilen mußten, wen» die Karre wider alles Erwarten schief gehen sollte. Daher kommt es auch, daß die Stimmung der öffentlichen Meinung für diesen Krieg ist. daß— mit Ausnahme der schwachen sozialistischen Bewegung— alle Parteigruppen für die Einmischung in die euro- päischen Händel zu haben waren. Damit ist aber nicht gesagt, daß das Volk selbst kriegsbegeistcrt ist. Denn die japanischen Massen sind von der Jingobegeisterung das Volksbühnentheater. Zur Weihnachtszeit öffnen sich den Bolksbühnenmitgliedern die Piarten ihres eigenen Heims, des Theaters am Aülowplatz. Tamit wird das erste wirkliche VolkStheater— vom Volke für das Volk gc- schaffen— seiner Bestimmung übergeben. Mit dem von ibr er- bauten Theater macht die Neue Freie Volksbühne der kunstliebenden Bevölkerung Berlins ein Weihnachtsgeschenk von dauerndem Wert. Hier hat die Kraft der Organisation des Volkes, einer zum größten Teil'aus Arbeitern bestehenden Organisation, ein Wer? geschaffen, das in die Zukunft weist und für alle Zeit Zeugnis dafür ablegt, daß die vereinte Kraft von Tausenden, die einzeln nichts vermögen. Großes leisten kann, wenn diese Tausende, von einer gemeinsamen Idee be- seelt, den Blick aus ein hohes Ziel gerichtet, beharrlich vorwärts stieben. Pon uns allen, die wir ims, dem Rufe Bruno Willes folgend, bor nahezu 25 Jahren der von ihm begründeten Freien Volksbühne anschlössen, hat wohl keiner geglaubt, daß wir, ehe ein Bierteljahr- hundert vollendet war, ein eigenes Theater bäum könnten. Wer damals einen so kühnen Plan gehegt hätte, der wäre wohl als Phantast belächelt worden. Im Verhältnis zur gegenwärtigen Mitgliederzahl der Volksbühnen war es nur ein kleines Häuflein kunstbegeisterter Arbeiter, das sich in den Kinderjahren der VoltSbühnenbeivegung an den Sonntagnachmittagen in einem armseligen Borstadttheater■ versammelte. wo von einem eigens zummmettgestellten Künitlerperfonal unter eigener Leitung des Vereins dramatische Werke aufgeführt wurden, in denen der Geist der neuen Zeit wehte. Doch bald zeigte sich, daß die Tätigkeit der Volksbühne ein in weiten Kreisen des Volkes vorhandenes Bedürfnis befriedigte. Tie junge Bewegung breitete sich von Jahr zu Jahr weiter aus. Sie erstarkte trotz der Fesseln, welche ihr durch die Handhabung des Bereinsgcfetzes und der Theaterzensur angelegt wurden. Auch das tat der Volksbühnen- Bewegung keinen Abbruch, daß nickt lange nach ihrem Entstehen in- folg? organisatorischer Meinungsverschiedenheiten eine Spaltung ein- trat und die Neue Freie Volksbühne sich von der Freien Volksbühne «bzweigte. Von da ab verfolgten beide Vereme auf getrennten Wegen des gleiche Ziel: dem arbeitenden Volke für mäßigen Preis gute dramatische Kunst zu bieten, und um die Banner beider Vereine scharten sich Tausende und Tausende. Um dem Bedürfnis der großen Mitzliederzahl gerecht zu werden, mußte man eine Anzahl von Theatern für die Volksbühnenvorstellungen mieten. Doch das brachte mancherlei Unzuträglichkeiten mit sich: eine gewisse Abhängigkeit von den Theaierdirekwren hinderte die Volksbühnen hier und da an der vollen Verwirklichung ihrer künstlerischen Absichten. Es war deshalb ■naheliegend, daß in beiden Bereinen feit Jahren der Plan, ein eigenes Theater zu schaffen, erwogen wurde. Tie Neue Freie Volksbühne, «m Mitgliederzahl der stärkste von beiden Vereinen, konnte diesen Plan schließlich verwirklichen. Im Bülowplotz, der vor einigen Jahren durch Niederleyung der in engen Straßen aneinander- gedrängten unwirtlichen Wohnhäuser des Scheunenviertcls entstanden üt. erwarb die Reue Freie Volksbühne ein geeignetes Baugelände. Tic Bewilligung einer größeren Hvvothek durch den Berliner Magistrat gab dem Unternehmen eine sichere finanzielle Grundlage, die durch die eigenen Leistungen des Vereins noch weiter befestigt wurde. Von dm Baukosten, die(ausschließlich der Kasten des Grund- 1 in keiner Weise ergriffen, sie sind heute genau so kühl und kritisch wie vor sechs Monaten und lassen sich durch die Stimmungsmache der Militärkaste in keiner Weise beeinflussen. Im Gegenteil, man könnte vielmehr die UnPopularität dieses Krieges feststellen als seine Volkstümlichkeit. Besonders nachdem die Regierung bekannt- gab, daß nur die Reservisten— die im Russisch-Japanischen Kriege Erfahrungen sammelten— zur Einnahme von Kiautschou ver- wendet werden sollten. Diese Reservisten sind aber sämtlich ver- heiratet und haben Familie. Dazu kommt, daß man hier sehr genau die verzweifelte Lage der deutschen Besatzung von Kiautschou kannte, die an sich nicht sehr stark war und von Haus aus keinerlei Ver- stärkung erwarten konnte. Ein japanisches Sprichwort lautet: „Niemals haue auf einen am Boden liegenden Hund!" Das heißt, schlage keinen wehrlosen Gegner, so daß kein Japaner die Belage- rung und Eroberung von Kiautschou als eine ruhmreiche, ehren- volle Kriegstat betrachtet. Ein anderes, nicht zu unterschätzendes Element unserer Be- völkerung, das der Gebildeten, ist ebenfalls ausgesprochen gegen diesen Krieg, weil es die große Dankesschuld anerkennt, die es gegen Deutschland abzutragen hat. Tie Freunde Deutschlands und deutscher Kultur— nicht seines Militarismus— sind in Japan recht zahlreich und ausgesprochen. Daher kommt es denn auch, daß die Kriegsnachrichten aus Europa hier mit dem größten Jntcr- esse erwartet und mit um so lebhafterer Besriedigmig aufgenommen wurden, je mehr sie übcrdeutsche Ersolgezu melden wußten. Man kann darüber ganz gewiß verschiedener Ansicht sein— unserer Ansicht nach würde die Erschöpfung beider Seiten ein weit wünschenswerteres Resultat sein als der Sieg einer der beiden Parteien—, aber es ist nun einmal wahr, daß man hier weit mehr für als gegen Teutschland fühlt. Reuter kabelt so etwas freilich nicht, wahr ist es darum doch nicht minder. Wie lange die unbedingte Herrschaft der Militärkamarilla an- dauern wird— wer kann es wissen? Sicher aber ist, daß die vor zwei Jahren so mächtige, populäre Antimilitärströmung bald nach dem Kriege wieder zu neuem Leben erwachen muß, weil das japa- nische Volk nicht in der Lage ist, die riesigen Steuern, die der Krieg und die fortwährenden Rüstungen notwendig machen, zu tragen. Tann wird das Volk, das weit besser politisch gebildet und geistig unabhängig ist, als man in Europa und in den Bereinigten Staaten annimmt, die Banditen des japanischen Junkermilitaris- mus ebenso zum Teufel jagen, wie wir das für Europa erhoffen, und eine wirkliche Demokratie wird für die soziale Erlösung der japanischen Volksmassen die Bahn frei machen! * ** Auflösung des japanischen Parlaments. London, 23. Dezember.(W. T. B.) Die„Times" meldet aus Tokio vom 21. Dezember: Der Plan der Regierung, die Armee auszubauen, bildet den einzigen Gvnnd für die M e i n u n g s v c r- schiedenheit unter den politischen Parteien. Da es der Majorität nicht gelang, das Kabinett durch einen An- griff auf seine auswärtige Politik und den Vorwurf, daß Japan sich England unterordne, zum Wanken zu bringen, wird sie Sonnabend, wenn die Ärnreevorlagc zur Sprache kommt, gegen die Regie- rung in Opposition treten. Sollte die Regierung unterliegen, wird das Haus aufgelöst und die Neuwahlen würden im März, die Wiedereröffnung des Hauses im Mai stattfinden? Tokio, 26. Dezember.(Meldung des Reuterschcn Bureau?.) Das Parlament hat die Regierungsvorlage, die eine Vermehrung der Armee um zwei Tivistonen verlangte, mit 213 gegen 118 Stimmen abgelehnt. Der Kafier chat darauf die Auflösung des Parlaments a n g c o r d n t t.; Keine Einmischung Japans in den europäischen Krieg. Paris, 26. Dezember.(W. T. B.l Im„Figaro" erörtert H a n o t a u r die Frage, welches die Meinung Japans über eine japanische Intervention in Europa sei. Mcbrcre stückS) 214 Millionen Mark betragen, hat der Verein bis jetzt IVi Millionen ausgebracht. Sie flössen teils aus monatlichen Pflicht- beitragen von 16 Ps. pro Mitglied, teils aus kleineren und größeren Summen, welche die Mitglieder ihrem Verein als Leihgelder gaben. Es sind also zum guten Teil Spargroschen von Arbeitern, welche dies Wer! von hoher kultureller Bedeutung fördern halfen. Als am 13. September 1913 der Grundstein zum Volksbühnen- theater gelegt wurde, rechnete man damit, daß das Haus zu Beginn des gegenwärtigen Spicljahres, also um die Zeit des Herbstanfangs, eröffnet werden könnte. Inzwischen ist nun der Weltkrieg aus- gebrochen. Wie er in das gesamte Wirtschaft sgetriebc störend ein- gegriffen bat, so hat er auch die Fertigstellung des Baues verzögert, doch nicht verhindert. Festgegründet auf der Kraft der Organisation steht jetzt das Haus vollendet da: ein eindrucksvolles Bauwerk von riesiger Ausdehnung, nächst dem Deutschen Opernbause in Char- lottenburg das größte Theater Berlins. Die Bühne ist mit den voll- kommenstcn technischen Einrichtungen ausgestattet. Ter Zuschauer- räum enthält 2666 Plätze, die im Parterre und drei übereinander- liegenden Ringen angeordnet sind. Rangunterschicdc: Samtsessel für Leute mit großem Geldbeutel und Holzbänke für die Galeriebesuchcr gibt es im Volksbühnentheater natürlich nicht. Jedes Mitglied zahlt für seine Vorstellung den gleichen Preis, also sind auch die Sitze sowie die Ausstattung der Räume im ganzen Hause durchweg die gleichem Eigentümerin des Theaters ist die Neue Freie Volksbühne, doch teilt sie sich in die Benutzung desselben mit der Freien Volksbühne. Beide Vereine haben sich ja in letzter Zeit als Verband der Freien Volksbühnen zusammengeschlossen. Tie trennenden Schranken, welche vor Jahren ausgerichtet, im Laufe der Zeit aber bedeutungslos ge- worden sind, existieren nicht mehr. Aus gemeinsamem Wege geht es wieder zum gemeinsamen Ziel. Das Ziel wird bezeichnet durch den Wahlspruch der Volksbühnen:„Tie Kunst dem Volke." Tic.erfolgreiche Vergmigcnhcit der Volksbühnen berechtigt zu der Hoffnung, daß das neueste Theater Berlins eine Pflegestäite der Kunst im besten Sinne des Wortes werde. Im eigenen Heim werden die Volksbühnen ihre hohe Aufgabe besser erfüllen können als es in gemieteten Theatern möglich war. Sie können ihr Ziel um so eher er- reichen, je größer ihre Mitzliederzahl ist. Jedes neugewonnene Mit- glied' erhöht die Leistungsfähigkeit der Volksbühnen. Möge sich die durch den Krieg leider stark gelichtete Mitgliederzahl bald wieder mehren, dann ist die Grundlage zu neuen Erfolgen gegeben. Möge die arbeitende Bevölkerung Berlins das stattliche Haus am Bülowplotz als ihr Heim betrachten, als die Stätte, zu der sie nach den Mühen und Sorgen des Werktages ihre Schritte lenkt, um im Kunstgenuß Erholung zu finden. Geist und Gemüt anzuregen und neue Kräfte zu sammeln für die Arbeit, welche der Tag erfordert, neue Kräfte aber auch für den Kampf um die Verwirklichung der höchsten Ideale des Volles. das �ob üer Schweizer öriefbeförüerer fingt ein Züricher Bürger mit gerechtem Stolze:„Fast jeder unter uns." schreibt er.„ist jetzt Postvermittler zwischen Leuten, die, durch feindliche Grenzen geschieden, auch nicht schriftlich miteinander ver- kehren können. Meist kennen wir die, deren Briefe wir besorgen, ' gar nicht; irgendein Freund, ein kaum Bekannter hat uns um unsere Vermittelung ersucht, oder Leute, die uns zufällig vor langer l Zeit einmal in xinevi Kurort« einer Gesellschaft begegnet, ent- Zeitungen seien für eine gewisse Mitwirkung eingenommen, aber die meisten seien einer etwaigen Teilnahme Japans an d e m Kriege in Europa abgeneigt. Hanotaur fügt hinzu. � Graf Okuma fei augenblicklich nicht gewillt, eine gemeinsame Aktion an der Seite der Verbündeten zu unterstützen. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 26. Tezcmbcr.(W. T. 33.) Amtlicher Be- r i ch t von gestern abend 11 Uhr: Vor Nieuport haben wir einen leichten Fortschritt gemacht. Ein feindlicher sslic- ger gegen Notre Töme de Lorette nördlich von L e n s ist zurückgewiesen worden. Heute morgen haben wir einen neuen Schützengraben in der Nähe von Puisaleine erobert und uns dort trotz mehrerer Gegenangriffe behauptet. In der vergangenen Nacht hat der Femd Tete de Fiaux in den Vogescn heftig, aber ohne Erfolg angegriffen. Ein öeutscher Ilieger über Dover. London, 24. Tezeinber.(W. T. B.) Ein deutsches Flugzeug kreuzte heute früh über T o v e r und warf e i n e B o m b e ab, die in einen Garten fiel und explodierte, aber keinen Schaden anrichtete. Tas Wetter war unsichtig und das Flugzeug nur einige Sekunden sichtbar. Es kehrte sofort über das Meer zurück. Der Seekrieg. (Desierreischische Unterseeboote gegen französische Panzerschiffe. Paris, 23. Tezember.(W. T. B.) Amtlich. Ein österreichisch-ungarisches Unterseeboot schleuderte zwei Torpedos gegen ein französisches Panzerschiff im Kanal von S t r a n t o. Eines traf den Panzer im Vorderteil und er- plädierte. Es verursachte nur geringen MaterialsHaden. Niemand wurde verletzt. Paris, 23. Dezember, l W. T. B.) Marineminister Augagneur erklärte in- einem Interview über die Beschießung eines sranzösiichen Panzers u. a.: Tics bedeutet einen einfachen Kriegszwischenfall. Ter Panzer konnte die Fahrt obne Hilfe fortsetzen und wird sehr bald den Dienst wieder aufnehmen. Ich habe keine Be- stätigung der österreichischen Nachricht über die Versenkung eines französischen Ilnterseebooies vor Pola. Immerhin ist das Ereignis nichl unmöglich und beweist namentlich die eifrige Täligkcit der fran- zösifchen Flotte. Jedenfalls in es unrichtig, daß diese zwei Unglücks- fälle, welche wederjjeographifchc noch taktische Beziehungen besitzen, mir einer großen Seeschlacht in der Adria zusammenhängen. Der türkische Krieg. Eine Meldung des türkischen Eeneralsiabes. Konstantinopel, 23. Tezember.(W. T. B.) Tas Haupt- quartier teilt mit: Als Ergänzung zur Verlautbarung von gestern empfingen wir von der Kaukasischen Armee folgende Depesche: Unsere Truppen stießen den in Jd befindlichen Feind-über die'Grenze zurück. Tie Russen ließen vor dem Angriff unserer Honptstreitkräfte ihre Stellungen bei Azab'(?), Kalender s?) und Arcoche(?) im Stich und er» griffen in Unordnung die Flucht. Diese Aktion der osmanischen Armee gibt eine deutliche Antwort auf die russischen Berichte vom 17. und 26. Tezein- der. welche besagten, die Moral der osmanischen Armee sei sannen sich in ihrer jetzigen Briefnot des magischen Zaubers unserer Neutralität auch auf dem Korrespondenzgebietc und sandten unS erst ihre Briefe, dann jene ihrer Freunde mit der Bitte, sie weiter zu befördern. Zwischen Teutschland und England, Frankreich und Oesterreich. Teutschland und Frankreich, all" den Todfeinden, die doch tausend und abertausend Fäden miteinander verkmipien, lassen wir die uns anvertrauten Briese dann ihren Schneckenaang an- treten, mit einem neuen Umschlagkleidchcn, das wir ihnen an- legen, mit unserem ehrlichen Namen auf der Rückseite oder dem Geschäftsstempcl an der Front. Und allgemach geschieht es, daß wir uns für die Leute interessieren, die einander da üi offenen Briefen ihre intimsten Tinge mitteilen; wir fangen an besorgt zu sein, wenn der eine oder der andere zu lange mit der Antwort zögert; wir kontrollieren die Fiebergrade der Verwundeten und zählen angstvollen Herzens die Pulsichläge der Mutter, der Gattin, der Schwester mit. die im niedrigen Slübchen wie im bochgcwölbten Salon ums Liebste bangen. Keine Verletzung des Bricsgeheim- niffeS ist es, wenn wir die Briefe lesen, die wir befördern sollen, nur eine selbstverständliche Vorsichtsmaßregel. Müssen wir ja eventuell Verbotenes ausmerzen, allzu starke Anklagen mildern. weil ja die Briefe unter unserem Namen reisen, wir demgemäß eine gewisse Verantwortung tragen.... Was aber sind unsere Leistungen, verglichen mit jenen, welche großen Geschäftshäusern und Banken zufallen, die von allen Gc- schäflssreunden und solchen, die es zu werden versprechen, mit der Besorgung ihrer Korrespondenz betraut werden. Mehrere haben hierfür schon eigene Angestellte, ja ganze Bureaus, und docki hat mancher Ehex, mancher der Höchsten unter den Hohen, seine Korre- spondenzlicblinge, deren Schicksale ihn ganz besonders interessieren. so daß er sich ihrer persönlich annimmt. Ter Herr Direktor freut sich zu hören, daß Babb£., dessen Vater im Felde steht, das Zahnen gut überstmidcn hat, daß Großmulters Rheumatismus besser ist, daß die zuversichllichc Stimmung anhält. Insbesondere die Frauen sind in diesen Kricgstagcn himmelhoch gewachsen, zu schier arniker Größe. In den Briefen an die fernen Gatten hebt sich das hehre Bild edler Weiblichkeit oft in schlackenloscr Reinheit ab. und manch stolze römische Matrone, deren Namen uns die Geschichte ehrflirchiia überliefert, manch vornehme Frau au? griechischem Heldengeschlccht bätte nicht wunderbarer schreiben können als hier die einfache Kaufmannssrau, die den Gatten über den Verlust des Sohnes tröstet, die auf den Trümmern ihres Heims die Flagge der Hofs- nnng aufpflanzt.... lind trüben Auges lesen wir weiter. Ta ist mancher, seit Monaten verschollen, den wir voll teilnehmender Angst mit suchen halsen, bis wir an einem beinabc schon verwehten Grabhügel stehen. Oder wir erlaben uns am ungebrochenen Jugcndmute. der hüben wie drüben ans den Schützengräben aus- steigt, wie ein wundersames Weihrauchopfer, dem Baterlande dar- gebracht.... Wie vielsprachige Rufe nach Sieg haben wir in die dumpfsn Postsacke sperren Helsen, wo sie halb erstickt, enge aneinander- gepreßt, mit den Nachbarn sicher doch noch Händel bekamen. Denn der deutsche Unbekannte, dessen Briefe wir beute besorgen, verlana' to ungestüm vom Gotte der Waffen den Sieg, wie die Franzosen aus den zum cncrncu �chlaaworte geprägten..Enderfola" pochen. der Englander i ein:„Deutschland muß fallen" herbetet und der Belgier ,emen Ruf na» Vergeltung stöhnt.... ... 6�6 bescheidene Handlanger sind wir, die Schweizer Brief- bewrderer, w was wie Kulisienschieber auf der großen Lebens- mifine, und docb lubft icder, daß er was Rechtes tut, wenn er einen .�ner in den Postkasten wirft, von einem fremden fchcmenbaftcn scharten dem andern destimmt, Schatten, die doch leiden, lieben, denen„unicrc � riefe" etwas hoffendes Lcbensrot in die Wangen treiben. gebrochen und die Russen hätten ihr in einem nächtlichen Aw griff schwere Verluste und eine Niederlage beigebracht. vom süöafrikanischen Kriegs- schauplatze. Gefangene Surenführer. Rotterdam, 2S. T-ezember.(W. T. B.) Der„Ratierdamsche Nieuwe Couranl" meldet Der Generalgouverneur von Südafrika teilt dem Staaissckretär für die Kolonien in London mit, daß der Vurenführer S a r e l?l l b e r t s am 2l>. d. Mts. bei Damheek gleichzeitig mit Erasmus und zwei anderen Aufftändischen ge- fangen genommen worden sei. Der Zar an üer Zront. Moskau, 26. Dezember.(W. T. B.) Der Zar hat sich gestern abend zur Front begeben. Strenge Naßnahmen gegen üen Eintritt in üas belgische tzeer. Brüssel, 25. Dezember.(W. T. B.) Gegenüber angeblich erneuten V e r s u ch e n d e r R e g i e r u n g, B c l g i e r z u m Dien st eintritt in ihreArmcezuveranlass e n, wird nochmals daraus hingewiesen, daß durch gesetzkräftige Verordnung des General-GouvernementS alle Befehle und Verfügungen der ehemaligen belgischen Regierung außer Kraft gesetzt sind. Wie schon vor einiger Zeit durch Maueranschlag bekanntgegeben wurde, setzt sich jeder Belgier, der versuchen sollte, einer solchen Auf» forderung Folge zu leisten, den schwer st en Strafen aus. Außerdem werden, sofern es tbm gelingen sollte, zu entweichen, seine n ä ch st e n Angehörigen dafür Haft» bar gemacht. Die belgischen Flüchtlinge in Englanü. Rotterdam, 23. Dezember. kW. T. B.) Ter„Maas» bode" meldet: Dem„Daily Cbronicle" zufolge befinden sich jetzt in England ungefähr 1 3 t> 0 0 l> belgische Flüchtlinge. Jede Woche kommen über Vlissingen ungefähr zweitausend an. politische Differenzen in Portugal. Paris, 24. Dezember. sW. T. S?.) Dem..Journal" wird aus Lissabon gemeldet, daß die politische Lage in Portugal äußer st gespannt sei. Ter Konflikt zwischen Radikalen und Gemäßigien nehme immer ernsteren Charakter an. Ter Opposi- tionssührcr Almcda habe den Ministerpräsidenten interpelliert und ihn gefragt, warum da» Kabinett nicht demissioniere, da doch der Senat der Regierung das schärfste Mißtrauen ausgesprochen habe. Ministerpräsident C o u t i n h o erwiderte, er werde solange nicht demissionieren, als er das Vertrauen des Präsidenten Arriaga besitze und der Unterstützung der demokratischen Partei sicher sei. Italien und Albanien. Valena, 2ö. Dezember. iW. T. B.) iMeldung der Agenzia Siefani.) Seit einigen Tagen hatte man Nachricht, daß sich hier Bewegungen mit nicht ganz klaren Zielen, aber mit der Tendenz auf Umsturz jeder Autorimt vorbereiteten. Eine Verordnung der Ortsbehördc hatte das Waffentragen allgemein untersagt, um einer Agitation, welche die Vertreibung der Flüchtlinge und ihre Rück- sendung nach Epirus bezweckte, entgegenzutreten._ Gestern in der Morgendämmerung wurde die Bevölkerung durch Schüsie in verschiedenen Teilen der Stadt in Aufregung der- setzt. Die italienische Kolonie flüchtete in das italienische Konsulat, und der italienische Konsul bat den Admrral Patris um La n d u n g von Matrosen von dem Hafen-Linienschifs„Sardegna". Die italienischen Matrosen gingen ohne Zwischenfall an Land. Der Befehlshaber der Gendarmeric der Stadt und andere Person- lichkeiten besuchten den italienischen Konsul und brachten ihm ihre Dankbarkeit für das, was Italien für Valona tue, zum Ausdruck. Die Matrosen nahmen die Stadt friedlich in Be- s i tz. Es herrsch» vollständige Ruhe. Rom, 25. Dezember.(W. T. B.)„Giornale d' Italic" schreibt: Die Ausschiffung unserer Matrosen in Valona ist mehr ein ein- facher Akt der internationalen Politik, als eine mili- tärische Unternehmung._ Ms Hroß-öerlin. Stille weihnachtsfeiertage. Die Weihnachtsfeiertage sind diesmal recht slill vcr- gangen: im wesentlichen blieb man im engen Rahmen der Fa- milie. Nirgends wollte rechte Weihnachtsstimmung auskommen. Ein Wunder ist das bei den fetzigen Zeiten nicht, wo vielfach der Ernährer oder der Sohn und Bruder im Felde steht oder wo aus wirtschaftlichen Gründen Schmalhans Küchenmeister ist. Tos Wetter war auch nicht besonders günstig, um einen Weihnachtsausflug zu unternehmen. Eigentliche Freude herrschte nur da. wo ein Feldgrauer auf Urlaub gekommen war. Da gab es ein Fragen nach dem Erlebten in den letzten Monaten und das Erzählen über all die Strapazen und Kämpfe wollte gar kein Ende nehmen. Um so schlimmer wird wieder die Abschiedsstunde sein, wenn es wieder hinaus geht zur harten Kricgsarbeit. Kleine Nachrichten. Am Heiligabend erschossen hat sich der 42 Jahre alte Kaufmann Max Köcher aus der Winterfeldtstratze 26. Der Grund ist nicht be- kannt.— Ein tragisches Ende hat der Rekrut Wilhelm Schulten vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment gesunden. Ter junge Soldat ver- starb plötzlich in dem Augenblick, als im Rekrutendepot in der Blücher- ftraße eine Weihnachtsfeier und Bescherung stattfand. Anscheinend hat ein Herzschlag dem Leben des jungen Mannes ein Ziel gesetzt.— In der Baubude verbrannt ist m der Nacht vom 4. zum 2. Feiertag der Bauwächter Albert Saninski aus der Pankstraße 17. Der unverheiratete Mann hatte in dieser Nacht die Kanalisationsanlagen in der Müllerstraße zu bewachen. Vorübergehend hielt er sich in einer Bau- bude vor dem Grundstück Nr. 3Ss auf. Wegen der Kälte hatte er den darin befindlichen Ofen überaus stark geheizt. Wie es scheint, babcn sich infolge Ueberheizung zuerst Kohlengase entwickelt, durch deren Einatmung der Wächter zuerst eingeschlafen und dann erstickt ist. Schließlich geriet auch noch ein Teil der Baubude in Brand und das glimmende Feuer verkohlte den Leichnam des Mannes bis zur Un- kenntlichkeit. Als um 4 Uhr morgens die Flammen emporschlugen und die Feuerwehr herbeigerufen wurde, fand diese nach Löschung des Brandes nur noch verkohlte Leichenteile. Diese wurden nach dem Schauhause gebracht.— Stach Veruntreuungen in Höhe von 46 666 M. flüchtig geworden ist der 47 Jahre alte aus Allenstein ge- bürtige Kaufmann Georg Butschkow vom Gröben-Ufer. Der Mann War seit 44 Jahren in der Holzindustrie Aktiengesellschaft von Her- mann Schütt. am Lstbahnhof als Prokurist beschäftigt.— Ein Straßenunfall.ereignete sich, am ersten Feiertag, nachmittags gegen 4i4 Uhr, in der Frankfurter Allee an der Ecke der Hubertus- straße. Dort fuhr der Triebwagen 4472 der Linie 76 auf den an der Haltestelle stehenden Anhänger eines Zuges der Linie 78 auf. Durch den Zusammenstoß erlitt ein Herr Hüstenquetschung, ein anderer Herr Quetschung der Beine. Tie beiden Verunglückten wurden in das Kreiskrankenhaus Rummelsburg geschafft. Ter Musketier Kurt Findeisen vom 48. Jnsanterie-Regiment trug eine schwere Gehirn- erschütterung davon und mußte in das Garnisonlazarett in der Scharnhorststraße übergeführt werden. Eine Einladung zu einer Weihnachtsfeier am heutigen Sonntag, den 27. Dezember, nachmittags 4 Uhr, in der Gemcindeturnhalle, Pistoriusstratze 23, erläßt der Gemeindevorstand in W e i tz e n s e e. Alle Kinder von Kricgerfamilien und Erwerbslosen sind eingeladen« Wcttrraussichten für das mittlere Norddcutschland bis Montagmittag. Im Norden trübe und nebelig mit weitverbreiteten ge- ringen Niederschlägen; in den übrigen Gegenden zeitweise auf- klärend und ein wenig kälter�_ kleine Nachrichten. Verunglückte französische Flieger. Bei der Probefahrt mit einem neuen Flugzeuge fanden, wie aus Paris gemeldet wird, zwei der besten französischen Militär- slieger � ihren Tod. der Chefpilot Rugert und der Hauptmann Des- tauche. Ein Erdrutsch in Italien. Infolge eines Erdruischcs, den die Regengüsse der letzten Tage verursacht haben, sind in V a I m o n t o n e 5 Häuser eingestürzt. Vier Tote Und zwölf Verwundete wurden geborgen. Man befürchtet, daß noch etwa zwanzig Personen unter den Trümmern jiegep." Von Rom ist ein Hilfszug abgegangen. Bombenattcntat in Teheran. Das Rentersche Bureau meldet aus Petersburg: Aus Tebe- ran wird berichtet, daß vor der britischen Gesandtschaft eine Bombe explodiert sei. Ein Zigarrenladcn wurde beschädigt und der Eigentümer getötet.'Der Täter ist unbekannt. ZlrcizlllemllWiÄkMvei'ein 'für SejiöBEberg, Bezirk 3c. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Restaurateur kDfdinsnd Heinrich Akazienstraste«4 nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre«einem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 28. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Halle des II. Städtischen Friedboses, Eydstr. (Blanke Hölle), aus statt. Der Vorstand. Trefspunkt jür Mitglieder des Gesangvereins«xchöneberger Männerchor aus obigem Friedhos -,,3 Uhr. SozialiernokraiisclierWalilvEreiD Neukölln. Am 24. Dezember verstarb unsere Parteigenossin �nnn Meitzel Pannierstratze 59. 3. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! - Die Beerdigung findet heute. den 27. Dezember, nachmittags 3 Uhr, aus dem Neutöllner Gemeindefriedhos, Mariendorser Weg. statt. Ter Vorstand. Hierdurch die traurige Nachricht, I daß mein lieber Mann, mficr| herzensguter Bater, Schwiegerund Großvater Wilhelm Hennijy am 20. Dezember injolgc Unfalles! gestorben ist. vis trauernden Hinterbliebenen. 1 Die Beerdigung findet aml Montag, den 28. Dezember, nach- l mittags 3Uhr. von der Leichenballe I des Emmauslirchhoses aus statt, j Heines Werke —— 3 ZZände 4 Mark——. Buchhandlung Vorwärts Schlosser tu Dreher finden sofort dauernde Be« schäftigung bei gutem Lohn Rlstliard Heike. Berlin-Hohenschönhausen. Tüchtige Schlosser oerlangen Oekar Friy& Co., Eisenacherstr. 44.* �Tüchtige Schmiede verlangen Oskar Fritz& Co.. Sisenacheistr. 44* TilchtigerZeichner für Automobil- Beleuchiungsaiitagen zum sosortigen Eintrttl gesucht..Kenntnisse' in Eletlrolechnil und Automobilbau er- wünscht. Offerten mit Gebalts- ansprüchen an die Expeditton des .Vorwärts" unter A. 2. Weihnachten 1$70. Aus den Erinnerungen eines französischen MalerS. Mitgeteilt von E. M ü l le r- R ö d e r. Am 24. Dezember 4876 war der Sammelplatz unseres in Paris qarnisonierenden Marschbataillons der Platz de la Trinite. Kasernen hatten wir nicht: an Marschtagen waren wir eben unterwegs, an dienstfreien Tagen hielt sich jeder zu Hause auf. Diesmal kündigte man uns an. daß es nun auch für uns Ernst werde. Endlich!—.Das wird Euch warm machen!" sagten unsere Vorgesetzten. Denn es fror entsetzlich. Auf Vorposten also! Ter Zweck unserer Sendung war: die stark bedrohte Brücke bei Suresnes zu bewachen, die Bretonen ab- zulösen, die seit zweimal vierundzwanzig Stunden dort standen und nicht mehr konnten.— Ja, das wird uns warm machen!~ Wie der ziemlich kurze Marsch ausgeführt wurde, weiß'ch nicht; vielleicht wollte man, in Voraussicht harter Arbeit, unsere Kraft« schonen— genug: der ganze Nachmittag ging darüber hin. und erst abends gegen neun Uhr erreichten wir die Brücke. In einer Entfernung von zwei- bis dreihundert Metern von der seine ney man uns noch halten, und wir standen dort zwe- stunden lang. Gewehr bei Fuß. ohne zu wi„en. was wir sollten Dann führte man uns zu dem steilen Abhang auf dem rechten Ufer des'AnsicS. Eine dicke Schneeschichi bedeckte den Boden, und die Wege, über die wir schritten, waren Rinnsale von eisigem Kot. Man zeigte uns die Brücke, die der Gegenstand unserer Wach- samkcit sein"sollte, und schränfte uns ein, die Augen offen zu halten Tie Deutschen mußten um jeden Preis verhindert werden. die Seine zu überschreiten. Andererseits wies man darauf hin. daß die Brücke sehr wahrscheinlich unterminiert sei und die Deut- sch-n die Absicht hätten, sie in die Lust zu sprengen.->- Weisung lautete: auf alles schießen, was w.r am anderen Ufer oder bei den Brückenpfeilern Verdächtiges erblicken wurden. Gut! Diesmal war die Anwesenheit des FemdeS mr uns mcht zwist'nmTi h«tn er feuerte ohne Unterbrechung auf UNS. Ä Ab'ösung der Bretonen ging keineswegs schnell vonstatten: 's. ä? s? sss und Verstecken krochen wir aur re.-- i„ s»,„nh mit der L'nken umer Kochgeichirr yaueno.~ie suäis"ss.-Mz rrj? cäs vermochten Unsere Sande waren starr vor Ka.ie, � ungeschickter als sonst. Obendrein hatte sich Steinen auf- auf die seltsame«ilhouette cmes schwarzen � ÄÄ ÄrW " tSs.ÄS'Ssi.".1°.d mmfüc"»»*** pfeifen.— Soll man nun— wie unsere Weisung lautete— einen bestimmten Punkt im Auge behalten, so liegt die Schwierigkeit nicht darin, aufmerksam zu sein, sondern vielmehr darin, sich gegen Sinnestäuschungen zu wehren. Der Punkt, den man mit leidenschaftlichem Eifer betrachtet, wird gerade zu dem, was man zu scheuen hat. Was man erspähen soll, sieht man. Und so feuerten wir die ganze Nacht aus dunkle Gegenstände, die sich um die Brückenpfeiler herumschoben. Docft das widerstand unseren Warnungen, das war ganz unempfindlich für unsere Kugeln, da» wendete und drehte sich wie durch nichts aufzuhaltende unerschrockene Feinde. Und doch ließen wir uns nur die Zeit, aufs neue zu laden; widersetzten sich unsere Gewehre unserer Hast, so griffen wir zu den Revolvern. Um einen besseren Platz zu er- langen, besser zielen zu können, verließen hv■ manchmal unsere Verstecke— und stürzten in andere Löcher, m andere Schnee- gruben.— Plötzlich ertönten von der Kirche von Suresnes zwölf Schläge. Mitternacht!—„Weihnachten!"— klang es aus einem der Löcher heraus und diese Worte ftelen uns aufs Herz. Weih- nachten!— Wir hätten wenigstens zusammentreten mögen, um unS weniger einsam zn fühlen. Weihnachten!— In der Erinnerung an sonstige frohe, schöne Feiern empfanden wir die Oede und Kälte doppelt. Furchtbare Melancholie senkte sich auf uns, eine solche Traurigkeit, daß wir minutenlang unbeweglich standen— dann schosien wir wieder: in daL Wasser, aufs andere User— und der Feind antwortete mächtig; hüben und drüben erdröhnte ein Höllen feuer.— Doch noch einmal wiederholte eine klagende Stimme:„Weih- nachten!"— Da trat Rcgnault*), wie von einer geheimnisvollen Macht getrieben, aus seinem Locke hcrails. erstieg eine hinter uns be. findlichen BodenerhShung, und ohne mehr aus die vom anderen Ufer kommenden Kugeln zu achten, stimmte er, als Held, als Tor, mit seiner herrlichen, geschulten Stimme— die in schöneren Tagen das Entzücken Gounods gewesen war— das Weihnachtslied von Adam an: dkinuit, ottrstions, c'est l'heure solennelle--. (Mitternacht, ihr Christen, das ist die feierliche Stunde.) Diese Stimme, die plötzlich die wilde Nacht erfüllte, jedes andere Geräusch übertönte, jeder Gefahr siegreich trotzte, sie er- weckte Ehrfurcht wie ein höherer Wille der Natur. Wir lauschten, und kein Kommando hätte uns in diesem Augenblick dazu gebracht, unsere Waffen zu gebrauchen. Das Feuer schwieg.— Aus unserer Seite— und auch auf der anderen, völlig. Freund und Feind auf den beiden Usern des indifferenten Flusses waren von dem gleichen Zauber umfangen. Voller Begeisterung sang Rcgnault die Weise mit vollendeter Kunst in die Nacht hinaus; und wenn»r eine Strophe beendet hatte, dann nahmen wir sie im Chore aus, unfern beklommenen Herzen zu wahrer Erleichterung. Und als das Weihnachtslied •) Henri Regnault, der hervorragende französische Maler, der dann am 16. Januar 1871 bei Buzenbal fiel. verhallt war, da herrschte Schweigen. Andächtiges und doch ent- setzliches Schweigen, aus dem plötzlich— gleich einer Flamme in der Finsternis— ein anderer Gesang aufftiegl Der kam vom andern User, und die Deutschen waren es, die ihn anstimmten: den Choral Luthers. Mit derselben Inbrunst, wie wir unser Weih- nachtslied, sandten die rauhen Stimmen ihren Hymnus herüber, uns zur Antwort. Gewehr bei Fuß, schauernd, haben wir unseren Feinden zugehört. Dann wiederum Schweigen. Ein noch tieferes, noch absoluteres Schweigen, so schien es. Die beiderseitige Begeisterung ließ nach, und im Gedanken an unsere Angehörigen fühlten wir uns hier doppelt elend. Der zwiefache Gesang hatte unfern so verschieden gearteten, feindseligen Nationalcharakter eindringlich scharf betont. — Plötzlich knallte ein. Schutz durch die stille Nacht>— und der Zauber dieser Stunde war gebrochen! Auf welcher Seite wurde ! er abgefeuert? Ich weiß«s nicht. Ein zweiter antwortete, dann noch einer— und das Schießen Hub wieder an wie vor Mitter- nacht. Die Kugeln zischten. Weihnachten war abgetan, vergessen. j Als ob nichts geschehen wäre, nahmen wir unser Handwerk wieder ! auf, als Soldaten, denen die Nacht Gefahr bringt. Das dauerte bis zum Mogren. Wir waren fast erstarrt, denn der Wind wehte entsetzlich kalt. Jetzt konnten wir nun endlich i die Gegend erkennen: die Brücke war nicht in die Lust geflogen; � vor dem grauen Schneehimmel zeichnete sich uns gegenüber dir Kirche von Suresnes ab, von deren Turm uns die WeihnachtSstunde erklungen war. Und dann sahen wir, daß wir seit Stunden auf Baumäste und Bündel welken Laubes geschossen hatten, die im Flusse dahintrieben und langsam um die Brückenpfeiler kreisten. Später erstiegen wir die Böschung, vor der wir die Nacht zu- gebracht hatten und suchten, so gut es ging, Schutz im Schnee, mit ! starrem Körper, starrer Seele.— Noch zwei Tage mußten wir tu diesen Schnccgrubcn zubringen, unsere Gewehrklappcn mit Steinen bearbeiten und aus unsichtbare Feinde schießen. Unsere Lebensmittel gingen auf die Neige: wed�e Branntwein noch Kaffee mehr. Im Laufe des Weibnachtstages'kamen einige Verwandte zu uns heraus und brachten uns Wein und Eßwaren. Hinter den von den Bretonen aufgeworfenen Schneehaufen stillten wir unseren Hunger und Durst. Die Kugeln pfiffen um uns herum— wir achteten nicht darauf... wir brauten sogar einen , Punsch, um uns zu erwärmen, einen recht unklugen Punsch— doch so geht es in den Laufgräben her; die Gefahr zählt nicht! Auch mein Vater war gekommen; er tat Dienst als National- gardist, jetzt aber heischte sein Zorn, daß er sich auch als Soldat betätigte.„Reiche mir Dein Gewehr!" sagte er zu mir und schoß auf die Häuser auf der anderen Seite des Flusses, die von den Preußen besetzt waren. Als unsere Väter sich entfernten, blickten wir ihnen traurig nach. Regnault und ich, wir dachten an Schlachtenbilder, an die Lauf- graben von Sebastopol, und wir sagten unS, daß die Wirklichkeit des Krieges ganz und gar keine Aehnlichkeit mit dem hat, was man in den Museen sieht. Am zweitfolgenden Tage traten andere an unsere Stelle. Wir kebrien nach Hause zurück— doch lieber noch wären wir draußen geblieben, im Schnee, in der Kälte, und hätten uns wütend ge- schlagen bis zum Ende dieses verfluchte» Kriegesl Und wieder soll es ein Ausverkauf werden» davon man in Berlin sprechen wird..... Eine Sensation! Aus naheliegenden Gründen wollen wir heute unsere sensationellen Ausverkaufpreise noch nicht nennen! Aber beachten Sie unsere ausführliche Anzeige, die am Freitag, den 1. Januar 1915» in dieser Zeitung erscheint. ................ Sie werden staunen! Köni�strasse 33 am Bahnhof Alexanderplatr Chausseestr. 113 beim Stettiner Bahnhot tin Mftus. ®ie Prosefforen der Nationalökonomie an der llniverfität Berlin A. Wagner. G. o. Schmoller, M. Sering. Herkner, K. Bailot erlafien im Verein mit den Physiologen M. Rubner und R. Zuntz. dem Mitgliedc des Rcichsgesundheitsamtes Geh. Rat Prof. Rost» dem Rektor der Berliner Handelshoebichnle Prof. Elybacher und dem Herausgeber der„Sozialen Praxis", Prof. E. Francke, einen Aufruf, in dem zunächst auf die Absicht Englands hingewiesen wird, Deutschland auszuhungern. Demgegenüber mutz, so fährt der Aufruf fort, das deutsche Volk mit ausreichenden Borräten in das nächste Erntejähr eintreten. Dies ist möglich, wenn jedermann, der Reiche wie der weniger Bemittelte, seine Lebensweise dem an- patzt, was unsere Landwirtschaft zu bieten hat. Die Hauptregeln sind: 1. Geht ehrerbietig und haushälterisch um mit allen nutzbaren Stoffen, verwendet sorgsam jeden noch irgendwie brauchbaren Abfall. 2. Etzt KriegSbrot(K-Brot) und fordert solches von Euren Bäckern. Es ist nahrhaft und schmackhaft wie ungemischtes Roggen- oder Weizenbrot. Kartoffeln find reichlich vorhanden. Das Brot- getreide aber reicht nur aus, wenn 10— 20 Proz. Kartoffeln ein- gebacken, oder wenn weniger Brot und mehr Kartoneln genossen werden. 3. Laßt das Weizenbrot(Brötchen. Knüppel. Schrippen, sem- meln) in der Hauptsache den Kranken und Schwachen, schränkt vor allem den Verbrauch von Kuchen, Stollen und anderem fetnen Gebäck aufs äußerste ein. denn an Weizen und Weizenmehl fehlt uns% de» bisherigen Bedarfs. 4. Spart an Fleisch, an Fett und Butter. Fetzt besteht zwar ein reichliche» Angebot an Schlachttieren, weil vielen Landwirten die aus- ländischen Futtermittel fehlen. Darau» folgt aber nicht, daß man nun um so mehr Fleisch verzehren dürste. Geschieht die?, so wird da» An- gebot bald sehr knapp werden. Vielmehr ist der Fleisch-, Fett- und Butterverbrauch schon jetzt einzuschränken, damit unser Volk später keinen Mangel leide. Wer eS kann, sammle für seinen Hausbedarf einen Borrat an Dauerware(geräuchertem Schinken und Speck. Dauerwurst) und Schmalz, und zwar bedächtig und ohne Ueberstürzung. 5. Die Grundlage der Ernährung müssen einheimische Pflanzen- froste bilden: Kartoffeln, Roggen, Weizen, Haser, Buchweizen, Ge- Müs«, frisches und eingemachtes Obst. In ausgiebiger Weise kann Fucker verwendet werden. Zucker, fast überreichlich vorhanden, ist ein vorzügliches NahrungS- und Ersatzmittel für Fett und Butter. Dazu genietze man Milch und Käse, namentlich auch Magermilch und Magerkäse, die durch ihren Eiweitzgehalt ein vortrestlicher Fleisch- ersatz sind. ES lassen sich auS den in genügendem Matze verfügbaren Stoffen sehr mannigfaltige und nahrhaste Speisen bereiten. Nicht die Rot, sondern die Borsorge gebietet die planmätzigc und veränderte Lebens- führung, die wir empfehlen. Die kleinen Unbeguemlichkeiten, welche sie mit sich bringen mag. wird jeder gern auf sich nehmen, in dem Gedanken, damit daZ Werk derer zu fördern, die im Felde und auf der See ihr Leben und ihre Gesundheit freudig für unser teures Vaterland einsetzen. sliMMwvUöeiiZI.llLZiif. Bei-ltner Theater 8 Uir:„Eitrabläfler!" Deatache« Könatler-Th. 3 Uhr:.Tagend. 8 Uhr; I-ather. Deutsches Opernhaus. Charlottenh. 3 Uhr. Fra Piavolo. 8 Uhr: ündlne. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 3 Uhr: Die Barbaren. 8 Uhr: Ciaaparone. Gebr. Herrnfeld-Theater Heute Sonnteg(3. Feiertag): 3 Uhr(halbe Preise): 8# leben wir! 8U.; 2 feucht. Punkte. Seieben wir! Kleines Theater 81/. Ü.: Liebelet. 8 Uhr: Jettehen Gebert. Komödienbana 8 LThr: Biedermeier. I-eaalne-Theater 3 Uhr: lilllont. ""j U.: Peer Gynt. Lnatsplclhana S1/, U.: Die Hnnbenlerche. S1/, ü.; lientnantamflndel. Hetropol-Theater 8 011 Woranwirdenken! Hontla Operetten-Theater 3 Uhr; Her lach. Ehemann. 8 Uhr; Der Hebe Pepl. Ileaiden B-Theater 3 Uhr: Die Ehre. 8 Uhr: Krümel ror Paria. Roae-Tbeater 3 Uhr: Oer verwonschene Prinr. 8 Uhr: Sein ganaea Glück. Schiller-Theater O. 8 � Johannisfeuer. Schiller Th. Charlotten bg. 3 Uhr: Grüne Ostern. 8 � Hosarenfleber Thalia- Theater 3 Uhr: Du Glück Im Winkol. 8 Uhr: Kam r ad Bünne. Theater am Xellendorfpl. 8v' u.: Immer feste droit! Theater a. d.Weidendammerhricke 3V, U.: SebinntterlingMeMaeM. 8.10 ü.: Die deutsehe Marke. Theater den Westens 3 Uhr; Wilhelm Teil. 8 Uhr: Waldmeister. Theater in der KöniggritzcrStraBe 8ülu Rausch. Triniton-Theater 3V, U.: Der Hüttenbesitzer. 8 Uhr: Das Elebesneat. W alhalla-Theater 3 Uhr; Schneewittchen. 8 Uhr: Die Förster-Christel. Thetdcr Folics Cepriee »Ü Possen-Theater öftz Boritz wird energisch. Das Eentnai�sfenster. Eandwehrlente. Martin Kettner a. G. Heute(3. Feiertag) 2 Vorstellungen 2 mit Ferdinand Bonn und dem con Publikum nnd Presse glänzend beurteilten Dezember- Spielplan. Kleine Preise! Kinder zahlen nachmittags halbe Preise! usstellung für Verwundeten- und Kranken-Fürsorge In Kriege Heute Abend SV« Im Haaptsltaungisaal des Reichstags iBiogang ll) Vortragp��cfKimmlc „Sie frtinlllin trspikenslege i» Kriep". Mittweeb, 30. Dezember, abends 8'/, Vortrag Kahl „Die Geeumschafl freivill. Kraskenpfl-ger". lirtria 50 PI. tär losstellenz und Vortrsr, Sennabend, i. Januar, nbende 8', Vortrag"SJÄ Kirchner .Seiekee-VertiCtuiii e. Bekimpfgit I. Kriep". 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Für den Inseratenteil verantw.:?». Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärt, Tuchdruckcrei u. BerlagSansiait Paul Singer&- To Berlin SW.