Nr. 355.- 31. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: abonnements Brets pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt. monatl. 1,10 M möchentlich 25 Bfg. frei ins Haus Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Belt 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mari, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr ed ent br di Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 fg., für politische und gewerkschaftliche Bereinste und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Big.( guläffig 2 fettgedrutdie Borte), jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan be zeigen das erste Bort 10 Big., jedes meitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inseraie be für die nächste Nummer müjjen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morizola, Nr. 151 90-151 97. Mittwoch, den 30. Dezember 1914. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Fortgang der Kämpfe in Polen und Galizien Weitere französische Angriffe abgewiesen. Westlicher Kriegsschauplah. Die Meldung des Großen Hauptquartiers Aus der englischen ArbeiterDer französische Tagesbericht. Paris, 29. Dezember.( 2. T. 8.) Amtlicher Bericht vom 28. Dezember, 3 Uhr nachmittags: Jn Belgien rüdten wir fort gesezt vor. Weftlich Lombaertzyde sind wir augenblicklich am Fuß der Dünen, auf denen der Feind seine Verteidigungslinie errichtet Amtlich. Großes Großes Hauptquartier, den 29. Dezember 1914, vormiffags.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. bewegung. revolte und der moralische Druck, den man von oben auf die großen Geschäftsleute ausübte, brachten bald ansehnliche New York, 11. Dezember.( Eig. Ber.) Gleich zu Anfang des Krieges wurde unter dem Schüße Bei Nieuport und südöstlich Vpern ge- bes jungen Prinzen von Bales ein Fonds für die Notleidendent hat. Süblich von I per a verloren wir in der Nähe von Hollebeeke wannen wir in kleineren Gefechten einigen gesammelt. Die anfänglich herrschende Angst vor einer Volkseinen Schüßengraben. In der Gegend von Lens bei Carency Boden. räumte der Feind infolge unserer Angriffe einen 800 Meter langen Mehrfache starke französische Angriffe Summen zusammen, die aber weniger für die Unterstützung Schütengraben der vordersten Linie. Im Aisnetal und in der Champagne bekämpften sich die Artillerien mit Unterbrechungen, be- nordwestlich St. Menehould wurden unter der Arbeitslosen als für die Erhaltung der Familien der Sol sonders heftig bei Reims und in der Gegend von Berthes; der Feind schweren Verlusten für die Franzosen zurück- baten und Rekruten verwandt wurden, da sich das Kriegsminifterium als abfolut unfähig erwies, seinen Verpflichtungen Mul Ben Manshöhen, rüdten wir auf ber geschlagen. Dabei machten wir einige hundert den Soldaten- und Refrutenfamilien gegenüber nachzukommen. ganzen Front ein wenig vor. In den Bogesen beschoß der Feind Gefangene. Das Kriegsministerium nahm die Refruten, versprach für ihre den Bahnhof von St. Dié; der Berkehr wurde jedoch nicht unterbrodjen. Im Obezelsak wurde nordöstlich von Steinbach ein mont führte unter Erbeutung von drei Ma- Familien der Landesverteidiger aus den freiwillig gesammeltent Ein Vorstoß im Bois Brule wefflich Apre- Familien zu sorgen und ließ Retruten wie Familien in der Patsche figen. In Zehntausenden von Fällen mußten die deutscher Gegenangriff zurüdgewiesen. Baris, 29. Dezember.( W. Z. B.) Amtlicher Bericht vom schinengewehren zur Fortnahme eines franzöfi- Gelbern des Fonds des Prinzen von Wales erhalten werden. 28. Dezember, 11 Uhr abends. Während des ganzen Tages verfchen Schüßengrabens. Französische Angriffe Das Komitee, das den Fonds verwaltete, fümmerte fich wenig einem großen Teil der Front, jedoch meldet man, daß wir einige wefflich Sennheim wurden abgewiesen. beschoß namentlich die Stellungen westlich von Perthes, welche wir hinderte ein heftiger Sturm die Operationen auf Fortschritte gemacht haben, besonders in den Argonnen. Defflicher Kriegsschauplatz. Die Kämpfe der letzten Tage. In Ostpreußen und Polen rechts der London, 28. Dezember.( 2. U.) Reuter meldet aus Weichsel keine Veränderung. Am Bzura- und Boulogne: Ein Offizier erklärte, daß die Kämpfe in den Rawkaabschnitt schriften unsere Angriffe vor. Ießten Tagen gerade so heftig gewesen seien wie in ben heißesten Epochen der großen Schlachten In Gegend füdlich Jnowlodz wurden starke bon pern bor sechs Wochen. Bei der Beſtürmung russische Angriffe zurückgeschlagen. der feindlichen Laufgräben müßten die Mannschaften die eigenen Laufgräben verlassen und über ein kahles, flaches Gelände von etwa 200 bis 400 Meter Länge unter einem mörderischen Artillerie- und Maschinengewehrfeuer hindurchlaufen. Wenn der Sturm vorüber, sei das Terrain zwischen den Laufgräben mit Getöteten bedeckt. Dft hört man von Leuten, daß sie in einer halben Minute zwei oder dreimal getroffen wurden. Die Verluste an Sanitätsoffizieren und Ambulanzpersonen seien ebenfalls groß. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 29. Dezember.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 29. Dezember, mittags. um die Not unter den Zivilisten. In einer seiner ersten Sizungen wurde ein Brief von allerhöchster Stelle verlesen, in dent der: Vorschlag gemacht wurde, unverheiratete männliche Arbeitslose nicht zu unterftigen. Dieser Versuch, junge Arbeiter ins Heer su treiben, fand bei den zwei Vertretern der Arbeiterschaft Komitee heftigen Widerstand. Sie drohten, ihr Amt Angst vor einem öffentlichen Standal den Brief als ein Mißniederzulegen, was zur Folge hatte, daß das Komitee aus verständnis bezeichnete und zu den Aften legte. Die Verwaltung des Fonds scheint aber dennoch im Geiste der allerhöchsten Anregung gehandelt zu haben. Denn die Klagen der Arbeiterschaft nehmen tein Ende. Die letzten, die sich über die Behandlung notleidender Arbeiter beklagen, sind die Bergarbeiter. Diese haben bisher wöchentlich 10.000 Pfund zu dent Fonds beigetragen und finden jezt, daß sich die lokalen Ausschüsse, die die gesammelten Gelder verteilen, weigert, arbeitslose Bergleute zu unterstügen, und zwar unter dent Vorwand, daß diese nicht mittellos sind. Die Bergleute beDie russische achte Armee, die vor etwa einer Woche die raten zurzeit den Vorschlag, ihre Beiträge in Zukunft einent Offensive gegen unsere über die Karpathen vorgerüdten von den Gewerkschaften zu sammelnden Fonds zuzuführen. Die Kämpfe an der Küste. Kräfte ergriff, hat sich durch Ergänzungen und frische Di. Der Kabinettsausschuß, der jest den Fonds verwaltet, schlägt nunmehr vor, Gelder an Unterstützungsgesellschaften für AuLondon, 28. Dezember.( T. 11.) Ueber die Kämpfe an der visionen derart verstärkt, daß es geboten schien, unsere Truppen gehörige der freien Berufe abzuführen. Man will den AnNorbjes melbet ber, Daily Expreß": Zum ersten Male in auf die Bakhöhen und in den Raum von Gorlice zurüd- gehörigen diefer Berufe den Gang zu den lokalen Unterdiesem Beltkrieg 1914 ist es dieser Tage zu einer Massentavallerie- zunehmen. Die sonstige Lage im Norden ist hierdurch nicht fügungsausschüssen ersparen; auch soll in diesem Fall die vom attade gelommen, die französische Kürassiere und Dragoner gegen berührt. Rabinett angejezte Höchstgrenze der Unterstügung( 1 Pfund Auf dem Balkanfriegsschauplase entfalteten die Woche für die Familie) nicht eingehalten werden. Zu die deutschen Stellungen bei Nieuport ausgeführt haben. Trop großer Berlufte auf beiden Seiten verteidigten sich jedoch die Deut die Montenegriner eine lebhaftere, aber erfolglofe England hat der Krieg die Klassenunterschiede keineswegs verDas Borwärterüden unserer Tätigkeit. Bei Trebinje wurde ein schwacher Angriff auf wiſcht. ichen mit zähefter Hartnädigkeit. Truppen wird durch die umfassenden Gegenmaßregeln der Deutschen Von Anfang an ist den englischen Werbern das in Eng aufs äußerste erschwert. Auf jeder Düne, in jeder Küstensentung unsere Vorfeldstellungen mühelos abgewiesen und die feind Land mit folchem Eifer betriebene berufsmäßige Fußballspiel haben die Deutschen Kanonen und Schnellfeuergeschüße aufgestellt. liche Artillerie zum Schweigen gebracht. Gegen ein starkes ein Dorn im Auge gewesen. Es hieß, es sei eine Schande, Die Deutschen haben unter dem Dünenfande förmliche Tunnels Grenzfort Krivoshe hatten die montenegrinischen Geſchüße zu sehen, wie tausende herkulischer Fußballspieler und hundertgebaut, die mit Schießicharten für Gewehre und großen Löchern für naturgemäß nicht den geringsten Erfolg. Kanonen ausgestattet find. Eine fechsfache Verteidigungslinie erftredt fich vom Schepdoneler Kanal bis beinahe zur holländische:: Grenze über Dehnze und Audenarde. " Die Daily Mail bringt neue Einzelheiten über Bom Bardementsversuche der englischen Flotte zwischen Zeebrügge und Heyst. Das Blatt erklärt die Erfolglosigkeit des Bombardements Ein Zeppelin über Nancy. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Feldmarschalleutnant. taufende junger Männer ihrem Sport huldigten, während die Soldaten in Belgien und Frankreich ihr Leben aufs Epict segten. Entrüstete Militärs erschienen auf den Spielplätzen und hielten eine Ansprache an Spieler und Zuschauer. Man hörte ihnen nicht au oder lachte sie gar aus, wie der Sir Zoly den Malvolio auslachte:„ Denkst du, weil du fromnt bift, soll's teinen Wein und Kuchen mehr geben?" Mochten mit der Bachsamkeit der deutschen Torpedoboote, die Tag und Nacht angelangte Nachrichten befagen: Wir haben den Feind verfolgt auch die Zeitungen schimpfen und aetern, im Bolte hatte man die Rüften abpatrouillieren und bei der geringsten verdächtigen Bes und eine beträchtliche Anzahl Kriegsgefangene gemacht und Striegs- feine eigenen Ansichten über dieses Thema. Betrieb nicht der wegung auf dem Meere die Rüftenwachen alarmieren, worauf fofort material erbeutet. Gin franzöfifches Torpedoboot feuerte einige Rönig felbft nach wie vor eifrig das Pferdewettrennen? Und blenbendbelle Scheinwerfer in Aftion treten, durch die das Meer auf Granaten auf unsere Rüftenwache bei Rifili gegenüber der Infel alle Gründe, die man für das Beibehalten des Rennsports Kilometer hinaus wie mit Tageslicht erfüllt wird. Tenedos ab, aber erfolglos. Die Engländer haben neuerdings Denn auch vom Fußballspiel hängen viele Existenzen ab. anführen fonnte, gelten mit gleicher Kraft vom Fußballsport. eine 2andung bei Alaba versucht; zwei feindliche Boote Das Fußballspiel ist in England ein großes fapitalistisches den Alubs, wie die Pferde den Rennstallbesizern geunseres Gendarmeriepostens um. Sie hatten bier Tote. hören; die Spieler werden werden bon den Slubs wie die Ronftantinopel, 28. Dezember.(...) Unsere Truppen Rennpferde gekauft und verkauft und häufig werden lieferten dem Feinde eine Schlacht im Tale des Murad fluffes für einen guten Spieler 1000 und 2000 Pfund Sterling und brachten ihm eine völlige Niederlage bei. Sie nahmen bezahlt. Es scheint jegt, daß es gelungen ist, die Klubs zwei Kanonen mit Zubehör. ein Maschinengewehr, zwei zur Aufgabe ihres Programms zu bewegen. Wahrscheinlich Artillerie- Munitionswagen, 36 Maultiere und 115 Pferde und hofft man, die arbeitslosen Spieler ins Heer treiber zu machten zwei höhere und sieben Subaltern- Difiziere und 96 Mann fönnen. Ob man nun auch den Rennsport aufgeben wird? au Gefangenen. Die ruffiiche amtliche Mitteilung vom 23. Dezem im Parlament, daß es besser sein würde, die Löhne zu be Die Bemerkung des Führers der Arbeiterpartei Henderson ber erklärt, daß die Ruffen bei Sarylamhich die Dffenfive ergriffen; steuern, als den Anteil der Arbeiterschaft durch indirekte Paris, 29. Dezember.( W. T. B.) Le Journal" melbet berfuchten fich der Küste zu nähern, fehrten aber unter dem Feuer Unternehmen. Die berufsmäßigen Fußballspieler gehörett aus Nancy: Die Beschießung der Stadt durch einen 8eppelin verursachte besonders im Bahnhofsviertel großen Schaden. Mehrere Soldaten wurden verlegt. Die Bevölke rung blieb ruhig; der Zeppelin wurde heftig, aber erfolglos, beschossen. Der türkische Krieg. Türkische Erfolge. Konstantinopel, 28. Dezember.( 2. T. V.) Das Haupt- nun liegt dieser Ort im Staufajus, so daß hier zugestanden wird, quartier teilt mit: Heute von der Rautasus- Armee an- daß die türkische Armee sich auf ruffischem Gebiete befindet. Steuern auf Lebens- und Genußmittel einzutreiben, hat in England zu einer Diskussion des Steuerproblems geführt. re le ta it tel 011 Die Bemerkung knüpfte sich an die Ankündigung dcZ Schatz- kanzlers, datz im kommenden Finanzjahre Tee und Bier höher besteuert werden würden. Im nächsten Jahre wird der Er- trag der tndireften Stenern fast 100 Millionen Pfund Sterling fein. Die englischen Finanzzölle liegen auf Tee, Kaffee, Bier. Zucker. Schnaps, Kakao, Tabak, getrockneten Früchten und etlichen anderen Nahrungs- und Gcnutzmitteln. Der„New State s m an" hat ausgerechnet, daß diese indirekten Steuern für die Arbeiterfamilien einer direkten Einkommensteuer von etwa Vl3 Schilling im Pfund(7st, Proz.) gleichkommen. Die neue Einkommensteuer beträgt 2'/, Schilling im Pfund (12'/, Proz.). Da aber Einkommen von 700 Pfund im Jahre ab einen immer kleiner werdenden Prozentsatz versteuern, be- trägt die wirkliche Einkommenstener der Mittelschichten nur etliche Pence im Pfunde. Eine Familie- der Mittelklasse zahlt somit wahrscheinlich weniger Steuern als eine Faniilie der Arbeiterklasse. Von den erwähnten 100 Millionen Pfund cnt- fällt ein Viertel auf Schnapssteuer und Lizenzen, ein weiteres Drittel auf Bier- und Weinsteuern, ein Fünftel auf Tabak- steuern; der Rest fällt auf Tee, Kaffee, Kakao, Zucker, Früchte. Ter„New Statesman" glaubt, daß die Arbeiterklasse ein sehr schlechtes Geschäft machen würde, wenn sie die vor- handencn indirekten Steuern mit einer Lohnbesteuerung der- tauschen würde. Der Schatzkanzler erklärte im Parlament, daß die Regierung die Lohnsteuer ernstlich erwogen habe, aber hauptsächlich wegen der Schwierigkeiten, die die Steuerver- anlagung und Einkassierung biete, davon abgekommen sei. Tilsit— Memel! Memel, den 24. Dezember 1914. Die beiden Namen Tilsit und Memel wecken Erinnerungen an weltgeschichtliche Ereignisse. Vor 109 Jahren waren hier die Fran- zosen die Herren und Preußen war ihnen ein Mittel im Kampfe gegen Rußland. Als Rußlands Winter 1812 Napoleons Macht gc. brachen halte, wurden die Russen als Helfer in der Not gepriesen. Fast sechs Jahrzehnte später kamen wieder Franzosen nach Preußen, auch hier herauf nach dem..Entenschnabel". Wie nach der Flucht aus Moskau hielten sie in Tilsit unfreiwillig Einzug, diesmal als deutsche Gefangene! sie wurden zu Kulturarbeiten verwendet. U. a. hatten sie zwischen Tilsit und Nutz der Gilge ein neues Bett zu graben. Und der hochaufgeworfenc Tamm der Gilge spielte wiederum eine nicht unbedeutende Rolle, als die Russen im Sep- tiembcr dieses Jahres aus Tilsit vertrieben wurden. Es gelang damals mit geradezu lächerlich geringen Kräften, ihren Durch- bruchsvcrsuch über die Gilge in der Richtung Hendekrug zu verhin- dcrn. Dieser Erfolg gelang nicht halb soviel Hunderten von Deut- scheu, als es nach der Meinung der Russen Tausende mit vielen Kanone« waren. Das erfuhr man aus den Berichten russischer Offiziere, die den deutschen Truppen mit der sonstigen Beute und unverhältnismäßig viel Gefangenen in die.Hände sielen. Jetzt hat das Korps H. von Memel bis hinter Ragnit eine viel- ges:altige und eigenartige Grenzschutzstelluug formiert. Feste Ber- teidigungslinicn verschiedener Art werden durch bewegliche Forma- tionen, die gleichzeitig auch dem Angriff dienen, in geschickter Weise ergänzt. Ganz raffiniert ist hier die Multiplikation der Kräfte durch technische PerteidigungSmittel durchgeführt und die Möglich- keit schneller Krästeberschiedung geschaffen. Heber Einzelheiten kann ich natürlich nichts sagen. Nur da? will ich verraten, daß ich hier die saubersten, schämten, zweckdienlichsten und wohnlichsten Schützen. graben gesehen habe. Ich traf hier u. a. luftige Berliner Gesell- schon teils beim Kartenspiel, teils beim Erzählen von Räuber. Jeschichten. Auf die Frage.wie geht«?" zeigte man mir— leer« sserflaichen. Jeder Umerftaird Hai feinen richtiggehenden Namen bekommen. Da liest man:„Zur Kochkiste", daneben„Klub der Harmlosen", weiter„Bouillonkeller",„Zum sidelen Landwehr- mann" usw. Ten Abschluß bildet an einem Schützengraben die Villa..Zur lahmen LauS". Diese Bezeichnungen haben sich so- gar offizielle Anerkennung ertrotzt, sie werden bei Meldung unv bei Erteilung von Befehlen benutzt. Einige» Bedauern hörte ich dar- über äußern, daß man diese schönen Einrichtungen vielleicht ver- geblich geschaffen habe, denn seitdem alles aufs beste vorbereitet stt, machen die Russen keinen ernsthaften Versuch mehr, herüberzu- kommen. Vielleicht aber ließen sie sich zu einem Spaziergang nach Mit Liebesgaben nach Frankreich Ein Teilnehmer einer der zahlreichen LiebeSgabenzüae die kurz vor Weihnachten an die Front der kämpfenden Heere geiandt wur- den, schreibt unS: Alle amtlichen und freiwilligen Korporationen hatten von langer Hand Vorbereitungen getroffen, daß jeder einzelne Krieger unserer Millionenbeere zu Weihnachten eine Liebesgabe er- halten konnte. Zentrale Organisationen, Städte und Landesbezirke wetteiferten miteinander in der Sammlung und Zuführung aller nur erdenklichen Arten von Weihnachtsgaben. Die Zentvalleitung des Roten Kreuzes, als Ausschuß zur Beschaffung warmer Unter- klcidung und andere konzentrierten ihre Krastc auf diesen einen Punkt, und sie fanden die bereitwilligste Unterstützung der militari- schen Befehlshaber und der Eisenbohnverwaltungen, ohne die der Plan nicht durchzuführen gewesen iväre. Tie Sammlungen waren vcn großen VenraltungSkörpern, darunter den LandeSversicherungs- anftalicn tatkräftig unterstützt worden, und so�kam eS auch, daß ich als Arbcitcrvertrcter auf Vorschlag deS Borstandes der VcrsicherungS- anstalt Württemberg vom Reichsvcrficherungsamt und dem Kriegs- ausschuß zur Teilnahme an einem LiebeSgabenzuz berufen wurde. Tie Auswahl bereitete wohl erheblich« Schwierigkeiten, denn ich hatte die Fahrt neben Vertretern des ReichSverfickerungsamtS und anderer Versicherungsanstalten von C ö l n auS am 12. Dezember anzutreten. Tie Berichterstattung über Ausrüstung usw. erlasse man mir, da die Fülle deS Gesehenen, ohnedies eine gewaltige Einschränkung er- fordert, soweit nicht schon von vornherein ein Schweigegebot er- gangen ist und ielbftvcrftändlich Beachtung findet. Der Zug beitand aus 36 Wagen, 29 Güterwagen. 2 Auwmobil- wagen uuo 4 Ilnterkunstsivagen für die Begleitmannschaften, auch 3 Wagen mit Weihnachtsbäumen, Etwa die Hälfte der Sendung war nebst der Begleitung von Frankfurt a. M. gestellt. Tie Fahrt ging über Aachen, Lüttich, Namur, Eharleroi nach St. O u e n t i n. 20 Stunden ging eS. zuweilen schneller, zuweilen mit Aufenihalt; leider trat bald nach Abreise die Nacht ein und der andere Morgen, als es endlich zu tagen bgann, traf uns schon an der belgisch-französischen Grenze, so daß von den ersten Kampsscldern«n Belgien auf der Fahrt nichts bemerkt werden konnte. Groß wird der Verlust nicht sein, denn auf der Rück- reise, �ie durch diese Gebiete bei Tage erfolgte, war außer zerschossenen und verbrannten Häusern und entfernten FeftungS- werken vom Schauplatz der Kämpfe selbst nicht viel zu bemerken. St. Ouentin ist ein Landstädtchen, mag zirka 40 000 Einwohner zählen, mit regem Güterverkehr, aber mit wenig Großindustrie. ES bat einen ungewohnt kleinbürgerlichen Charakter, klein«, oft nur 2 Meter breite, wenig saubere Häuser, ein« Unzahl Wirt- schaffen für Bier, Wein, Kaffee. Absinth und andere„Stärkung!- mittel", aber wenig„Restaurants", wie bei un! in Teutschland fast jede Trinkstube mit zwei bis drei Tischen genannt wird. Von den 400 Wirtschaften bat die deutsche Militärverwaltung 250 ge- schlössen. Der Rest reicht anscheinend immer noch zur Versorgung der Bevölkerung und der starken Besatzung aus. Diese hat einige Lotale für sich wieder� unter den deutschen Namen Hamburger und Frankfurter Hof eröffnet, in denen da» Bier und der Wein— jotveit letzterer weg«« Beschlagnahme überhaupt zu haben ist— Tilsit verleiten, wenn der Frost die Memel mit einer iragsähigen Decke überzogen habe. Taraus rechnet man... Fast drei Wochen lang, bis zum 11. September 1914, waren die Russen Herren in Tilsit. Jetzt sind nur noch vereinzelte Spuren ihrer Zerstörungen zu sehen. Als die Russen abzogen, brannte u. a. ein Holzlager nieder, das über eine Million Mark wert gewesen sein soll. Es ist aber nicht einmal eine der wertvollen und strategisch überaus wich- tigen Brücken zerstört worden. Unbeschädigt blieb auch die eigen- artige Luisenbrücke, das sind eigentlich drei Brücken, die ein Gebiet von über zwei Kilometer, das von einigen Höhen durchzogen ist, überspannen. Die zweite dieser Brücken liegt ungefähr � einen halben Kilometer nördlich der ersten und die dritte noch ebenso weit nördlich der zweiten.— Der überraschende, stürmische HtnauSwurf der Russen lieh ihnen wohl keine Zeit, über ihren unfreiwilligen Abzug durch Zerstörung der Brücken zu guittieren. Oder sollten sie gehofft haben, wiederkommen zu können? Tie russisch« Artillerie rückte nämlich ganz gemächlich über die Luisenbrücke ab und einmal ließ ein Offizier durch«ine flüchtende Dame bestellen, er habe in Tilsit noch eine Rechnung zu begleichen. Als im November Eis- gangeinlrat, stauten sich die Schollen an einer scharfen Biegung der Memel, setzten sich fest, die Spalten froren zu und es entstand so ein Uebergang. Eines Tages sahen deutsche Wachtposten westlich der Memel einen Wagen und einen Reiter nahe an das jenseitige Ufer herankommen und in einem Gebüsch Halt machen. Nach kurzer Zeit kamen zwei Frauen und zwei Hunde aus dem Gebüsch, strebten der Memel zu. Am Ufer einiges Tasten aus dem Eise und dann setzt sich die Karawane in Bewegung. Voran ein Hund, dann eine der Frauen, hinterher die Leute mit einigen Gepäck- stücken und zum Schluß der schwarze Köter. Ter Wagen fährt wieder zurück: da» begleitende Pferd ist nun ohne Reiter, der das Gefährt zurücklenkt. Gespannt betrachten die Wachtposten den nicht ungetähr- lichen Uebergang. Er glückte; die eine der Frauen war die Wirt- schafterin eines Gutes aus der anderen Seite, ihre Begleiterin ein Dienstmädchen; sie waren die letzten Flüchllinge. Ein russischer Off:- zier hatte sie zum User begleitet und dann den Wagen zurückgefahren. Er war eS, der bestellen ließ, daß er in Tilsit noch eine Rechnung bezahlen müsse. Die macht in Tilsit freilich wenig Kummer!— Daß geschäftliche Leben blüht, die Läden sind offen. Mehrere Lichispiel- theater locken durch marktschreierische Reklame zum Besuch ein. Restaurants und Cafes sind belebt. Die Leute iind gemächlichen Wesens. In der Kleinstadt hat man Zeit... Die Russen haben sich in Tilsit wohl gefühlt, sie versicherten den Eintvohnern, Tilsit sei sg schön wie Petersburg: es besitze sogar bessere Kasernen. Die Soldaten de» Zaren befleißigten sich übrigens eines rühmlichen Wohl» Verhaltens. Ueber Ausschreitungen und Diebstähle zu Lagen soll nur wenig Anlaß gewesen sein. Bei ihrem Abzug allerdings schössen einige russische Reiter den Einwohnern in die Fenster! Dem russischen Kommando mutzten sich 12 Bürger als Geiseln stellen, sie blieben aber gegen Ehrenwort, die Stadt nicht zu verlassen, aus freiem Fuß. Weiter hatte die Stadt den Russen 50 000 Mark Kriegskontribution zu zahlen. Der Kommandeur hielt auf strenge Zucht. Gegen Ueber- griffe von Soldaten schritten die Vorgesetzten energisch ein. So hatten einmal zwei russische Soldaten in einem Restaurant gut zu Mittag gegessen, dazu eine Flasche Wein getrunken, schließlich aber die Zeche durch Drohung mit dem Revolver begleichen wollen. Ein Kellner benachrichtigte einen gerade vor dem Restaurant auf der Straße stehenden General von dem Vorfall. Ter trat ein, ließ sich den Hergang berichten, winkte einem Offizier, der die Soldaten ab- führen lassen mußte, und dann bezahlte der General die Schuld der beiden Soldaten. Auch in einer Generalversammlung des Konsum» und Sparvereins Tilsit hob der Geschäftsführer das anständige Be- tragen der russischen Soldaten bervor. Nur der schnaps scheint zu Differenzen und zu einem schärferen Auftreten des Kommandanten Anlaß gegeben zu haben. Trotz des Alkoholverbotes war an Sol- daten und auch an Zivilisten Branntwein ausgeschenkt worden. Be- kanntmachungen und Warnungen des Bürgermeisters nutzten nichts. Schließlich wurde eine Belohnung für die Anzeige heimlich« Schnaps» lager ausgesetzt. Im übrigen fanden die Tusttcr bei dem russischen Befehlshaber wohlwollend« Gnade. Ten zunächst aus 2 LS Mark bemessenen Ruvelkurs setzte er bald«ff 2,50 Mark herab— nun möchten die Russen gern wieder in Tilsit Rubel ausgeben. Vor «inigen Tagen kam ein ISjahriget Knabe von jenseits der Memel mit zwet russischen Gefangenen in Tilsit an. Er hatte die beiden, von denen der eine deutsch sprach, getroffen. Sie fragten den Knaben, wo deutsche Soldaten wären, bekamen ab« keine Auskunft. Sie gaben dann an, daß sie sich ergeben wollten, und baten den Knaben, thnen zu sagen, ob sie da nicht mißhandelt oder getötet würden. Als der Knabe dies verneinte, forderten sie ihn auf, sie als Ge- fangen« in die Stadt zu bringen. Auf die Bedingung, die Gewehre abzügeben, wollten die Russen zuerst nicht eingehen. AI» ihnen aber nochmals die Versicherung gegeben ward, daß kein gefangener Russe auffallend billig sind, die Speisen aber recht gut im Preise stehen, l Die Polizeistunde ist in einheimischen Lokalen um 814 Uhr, etwas länger sind für Offiziere und Unteroffiziere die zwei deutschen Lokale geöffnet, aber um 1014 Ubr wird überall unbarmherzig ge- schlössen, wenn nicht besondere Vergünstigung eingeräumt wurde. An dieser fehlt« es bei unserer Gesellschaft, dank der Furst'rache Sr. Exzellenz de» Staatssekretärs v. L i n d e q u i st. in einigen Fällen wicht, aber die Ausnahmen sind knapp, für zu häufiges langes Sitzenbleiben hat man in St. Ouentin— und das mit Recht— keine große Shmpathie. Im übrigen war die Aufnahme unferer Delegation, die unter des Herrn Oberregierungsrats von Gör schen- Köln Führung stand, eine hervorragend gute. Das mag zum Teil daran gelegen haben, daß der ganze Zug mit Liebesgaben der Etappeninspektion der II. Armee zur Ver- fügung gestellt werden mußte, da die ursprüngliche Absicht der di» reiten Ablieferung bei den einzelnen Truppenteilen sich aus be- stimmten Gründen nicht ausführen ließ, aber wie glaubwürdig ver- sichert wurde, finden Liebesgabenboten immer eine gute Aufnahme, obwohl sonst Zivilisten im Heeresbetrieb, selbst in der Etappe ein Uebel, und nicht einmal ein notwendiges sind. Die auf diese Art ersparte Zeit wurde nun bis zur Rückkehr mit Besichtigungen der Stadt, ihren Anlagen und besonders ihrer militärffchen Einrich» tungen und zu Ausflügen in die weitere Umgebung benutzt. Die militärischen Einrichtungen, die in Lagern und Reparaturwerk- statten, aber auch neuer Fabrikation bestehen, zeigten uns, mit welcher außerordentlichen Sorgfalt die Nachtransporte und Requi- siiionen durchgeführt werden, wie auf die kleinsten Gegenstände der größte Wert gelegt wird und was für Transportmittel und Sager- räume zur Hcranlieferuitg, Lagerung und Abgabe an die Truppen nötig sind. Di« Einzelheiten können gegenwartig nicht mitgeteilt werden, aber die Ueberzeugung ließ sich gewinnen, daß bei der .Heeresverwaltung das Kriegsmaterial mit einer außerordentlichen Sorgfalt zu erhalten versucht wird, und wenig wertvolles Material noch nutzbringend verwertet wird. St. Ouentin als Etappenstation mag gegenwärtig an aktivem Militär, Verwundeten und Sanitätspersonal fast mehr als an der stark verminderten Zivilbevölkerung zählen, wenigstens ist der äußere Eindruck ein solcher. Verwüstungen sind in der Stadt nicht zu sehen, wenngleich die Schließung zahlreicher Häuser, die Ein- auarticrung ihr ein Gepräge gibt, wie eS nur der Krieg mit sich bringt. Nur am Bahnhof haben die abziehenden Franzosen, als sie den Deutschen kampflos das Feld überliehen, an Signaleinrich- tungen usw. ihre Sjturen hinterlassen. Die Bevölkerung geht io ziemlich ihren Geschäften nach, wenigstens wird in Handwerk und Kleinhandel für die täglichen Bedürfnisse gesorgt, manchmal sogar sehr unnütz, wie der Verkauf von Zigarren und Zigaretten an 9— 10jährige Buben beweist, die damit sich öffentlich rauchend pro- duzieren. Fleisch und Brot ist ausreißend zu haben, an Kasse« und sonstigen Kolonialwaren ist Mangel, neuerdings aber reichlich in deutschen Geschäften vorrätig. Nur Milch gibt es nicht, auch im Kaffeehaus nicht. Die geringe Menge wird für Verwundete ge- braucht und reicht für diese Wohl nicht zu. Die Zahl der Verwun» deten in St. Ouentin selbst ist jetzt nicht groß. Schulen und das Stadthaus nebst Juftizpalast haben eine größere Zahl aufzu- nehmen. Im Stadthaus, das zugleich der Justtzpflege dient und worin gegenwärtig noch Recht nach französischer Zugehörigkeit ge- sprochen wird, ist der große Festsaal mit zahlreichen Gemälden den erschossen werde, übergaben sie dem Knaben auch die Gewehre, der jedes aus eine Schulter nahm, und die Gefangenen vor sich her nach der Stadt marschieren ließ. Als die aufsehenerregende Erpedition vor der Kommandantur angekommen war, schenkte der eine Russe dem Knaben sein Fernglas, der andere einige Rubel.„Mein Krieg ist nun zu Ende", sagen viele russische Gefangene.>so mochten auch diese beiden denken.— Manchmal bekommen die Grenzkämpfe einen Stich ins Komische. Am vorigen Sonntag trieb auf der Memel cm ziemlich großes Floß heran, mit einer Kanone darauf und 7 oder 8 Soldaten. Natürlich glaubte kein Mensch, daß die Russen so auf dem Präsentierteller daher kommen würden. Man bombardierte dn schwimmende„Festung" nicht, sondern fing sie bei Groß-Disseln auf, wo sie nun als Sehenswürdigkeit für die herbeipilgernden Ostpreußen liegt. Tie Kanone besteht aus einem Wagenrad und einem Baum- stamm, die Soldaten sind Puppen. Zum Tank für diese Auftnerksam- keit gingen am nächsten Tage einige Deutsche über die Memel, schlichen sich an den russischen Schützengraben, nahmen 7 Russen gc- fangen und brachten sie an dem Floß vorbei zurück. D ü w e l l, Kriegsberichterstatter. Ein österreichisches Rotbuch. Wien, 29. Dezember.(W. T. B.) Der„Neuen Freien Presse" zufolge beschloß dos österreichisch-ungarische Mi- nisterium des Aeußern, ein R o t b u ch mit einer Sammlung diplomatischer Aktenstücke herauszugeben, die sich auf Ur» fachen und Ausbruch des Krieges beziehen und die darüber zwischen den Mächten geführten Verhandlungen mitteilen. die Lage in Rustlanü. Die unter strenger Militärtensur stehende Presse in Rußland gibt— wie übrigens auck die Presse in den anderen kriegführenden Staaten— kein vollständiges Bild von den Stimmungen und An- schauungen deS Volkes. Nur selten und unter großen Schwierigkeiten dringt die Wahrheit über den Gtenz» kordon. Wir sind in der Lage, einige» über die innere Lage Rußland» aus den Briefen mitzuteilen, die dem Aus» ländischen Sekretariat deS sozialdemokratischen OrganisationSkomileeS zugegangen sind. ES bestätigt sich, daß die Arbeiter der Putilow-Werke und die Fabrik A i w a S in Petersburg als Zeichen de» Protestes gegen die Verhaftung der des„Hochverrats" angeklagten fünf sozial- demokratischen Dumaabgeordneten gestreikt haben. In der Universitär wurden Flugblätter verbreitet; ein Student hielt eine Prolcslrcde! darauf erschien die Polizei, die alle Anwesenden ausschrieb. Der Proteststreik gegen die Verhaftung der Dumaabgeordneten verdient um so mehr Beachtung, als im allgemeinen, namentlich bei den Petersburger Metallarbeitern keine Streitstimmung herrscht. So wird berichtet, daß der Anfang Oktober wieder eröffnete Metall» arbeiterverband keine Tätigkeit an den Tag legt, weil die in den staatlichen Werken beschäftigten Arbeiter— und diese sind in der Mehrzahl— nicht ohne Grund befürchten, im Falle einer Maß- regetung oder Verhaftung zu den Fahnen genffen zu werden. Jede sozialdemokratische Tätigkeit ist durch die Stimmung der Masse außerordentlich erschlvert. Tie breiten Massen der Arbeit« sind„patriotisch" gesinnt und erklären, daS„Vaterland" müsse „verteidigt" werden. In der Provinz zeigen sich hier und da sogar Spuren panjlawistischer Einflüsse unter den Ar- beitern, di« die„Befreiung" der„slawischen Brüder" als Noi- wendigkeit betrachten. T!« vorgeschrittenen Arbeiter jedoch— und ihre Zahl ist keineswegs gering— stehen sowohl dem..Patriptis- muS" wie dem PanslawismuS feindlich gegenüber. Ihre erste Frage ist:„S i n d S i e f ü r d e n K r i e g?" Aus den Kreisen der Tumaabgevrdneten wird eine Tatsache mitgeteilt, die auf den Zusammenhang zwischen dem Krieg und der inneren Politik Rußland» grelle Schlaglichter wirft. Danach soll schon ein Manifest, weit umfassender al» da» Manifest vom 17./ KO. Oktober 1005, fertig gewesen sein. AlS e» s i ch aber herausstellte, daß auch England am Krieg« teilnehmen werde, kam der Befehl, da» erwähnte Manifest nicht zu ver- öffentlichen! Von allen Seiten wird bestätigt, daß in Rußland Mangel an militärischen AusrüftungSgegenständcu l Verwundeten eingeräumt. Hier konnten die französischen Verwun- deien und können noch jetzt die deutschen auf einem Kolossalgemätdc sehen, wie im Jahre 1557 die Engländer die unglücklichen Bewohner von Tt. Ouentin fast nackend au» der Stadt vertrieben haben uno sich ihre Vergleiche dazu machen. Mebr Verwundete wurden bei einem Ausflug in le Cateau angetroffen. Dort waren mehrere große Fabriken zu Lazaretten eingerichtet. Alle Verwundeten in diesen und später auch in ande- ren Lazaretten waren über die Grüße au» der Heimol, die der Führer der Delegation überbrachte, und die Kostproben an Zi- garren als Vorboten der Liebesgaben außerordentlich erfreut. Ter Jubel und die Begeisterung äußerte sich aber geradezu stürmisch, als Kammersänger Rost-Cöln als Teilnehmer des Zuges mit präch- nger Stimme einige der Zeit angepaßte Lieder zum Vortrag brachte. Nur zu schnell verging die Zett bis zum Aufbruch und die Rufe:„Auf Wiedersehen in der Heimat", wollten kein Ende nehmen. Eine noch ernstere Seite de» Krieges zeigten in le Cateau Anschläge in franzosischer Sprache, nach denen vor kurzer Zeit der Apotheker und zwei andere Einwohner erschossen werden mußten. Sie hatten trotz wiederholter Aufforderung Brieftauben verHeim- licht, über die Zahl wissentlich unwahre Angaben gemacht, und die versprochene Fluglähmung der Tauben nicht vorgenommen. Kriegsrecht. Auf den eigentlichen Schlachtfeldern sind die Spuren der Kämpfe so ziemlich beseitigt. Die verlassenen Schützengräben sind teils als Massengräber verwendet oder sonst geebnet worden, soweit Be- satztingStruppen dafür zur Verfügung standen. An den Land- strahcn und an sonstigen passenden DeckungZarten sind die nur kurze Zeit benutzten Einbuddelungen meist noch unversehrt vot- Händen, manche iwch mit sogenannten Beguemlichketten, d. h. etwas Stroh oder sonstiger„Polsterung". Mancher brav« Kampier fans darin seinen Tod und einfache Gräber mit schlichtem Kreuz Kart am Wege geben dem Wanderer Aufschluß, daß hier Opfer gebracht wurden und ein Sohn Teutschlands den ewigen Schlaf aenießt In der Nähe von Besatzungstruppen sind die Gräber sorgfältiger gepflegt. manche sehr hübsch hergerichtet. Gleiche Sorgfalt haben zum Teil auch Gräber gefallener Feinde erfahren; der Tod schafft gleiche» Recht für alle. Die Wälder. Haine und sonstige Baumanpflanzuri- gen werden von allen.Kulturen die längste Zeit Spuren der Zer- Uörung ausweisen. Tie Bäume, selbst an Landstraßen, fallet! Ler.t BrennholzbedürfniS zum Opfer, andere wurden zerschossen oder bei der Verteidigung und dem Angriff gelichtet, und so zieht Freund und Feind dos kostbare Holz zur Unterstützung seiner Operationen heran. Das Ende ist Moder und Aich«. Wehmütig stimmen auch die von den Truppen verlassenen Hütten und sonstige Unterstände. sie sind mit vieler Mühe hergerichtet, der Witz erprobte sich an ihnen in Aufschriften und Ausschmückung, und bald schlug die Stunde deS Abmarsches, und mancher, der sich in ihnen für längere oder kür- zcre Zeit wohl fühlte, rubt nun in fremder Erde. Bei den Ausflügen, die sich über mehrere Tage erstreckten un! bei denen das Fahren oft durch notwendige Transporte und Bor schübe unterbrochen werden mußte, war auch manche Ortschaft zi sehen, die vor längerer oder kürzerer Zeit Kampfplatz war. Di Namen aufzuzählen führt zu weit, es ist zum Teil auch nicht gestatte! aber alle Teilnehmer unserer Fahrt— unter denen alle politischei Ueberzeugungen und mit Ausnahme des mohammedanischen Glauben alle Bekenntnisse vertreten waren— haften die größte Genugtuuu Nr. 355. 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. ittwoch, 30. Dezember 1914. Abonnementseinladung. Eine Zeitung gehört zum Leben eines Kulturmenschen wie das Brot zur täglichen Nahrung. Das politische und wirtschaftliche Leben ist so weitschichtig, so vielgestaltig, die Kenntnis aller Vorgänge in der Deffentlichkeit so erforder. lich, daß ohne eine Zeitung nicht auszukommen ist. Gerade die jezige Zeit mit ihren großen wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen, mit den gewaltigen Kämpfen auf den Kriegsschauplägen macht das Halten einer Zeitung zu einem unabweisbaren Bedürfnis. Landw.- Inf.- Reg. Nr. 120; Res.- Inf- Reg. Nr. 121; Inf.- Reg. nicht durch polizeiliche Strafmandate geahndet, sondern zur gerichtNr. 126. Ers.- Abt. Felbart.- Reg. Nr. 29. Landsturm- Batterie. Magazin- Fuhrpark- Kolonne Nr. 51. Aus Groß- Berlin. Die Besoldung der Beamten. Alsbald nach Ausbruch des Krieges ist durch Runderlasse sämtlicher Ressorts die Anordnung getroffen worden, daß die Besoldungen der zum Kriegsdienst einberufenen Beamten an ihre in der Heimat zurüdgebliebenen Angehörigen am Fällig. feitstermin auch dann, wenn keine förmliche Quittung des Es erhob sich Nicht jede Zeitung ist für jeden Leser geeignet. Beamten vorliegt, ausgezahlt werden können. Nicht je de Zeitung hat die gleichen Bedürfnisse zu erfüllen, die Frage, ob diese Auszahlungen auch noch erfolgen sollen, Die Staatsjede und jede Zeitung hat ein anderes Lesepublikum. Der wenn der Beamte vermißt oder gefangen ist. regierung hat Vorsorge getroffen, daß auch in solchen Fällen „ Borwärts" ist von jeher das Blatt der Berliner Arbeiter, an die Ehefrau und die im Haushalt unterhaltenen Nach schaft gewesen. Er bemüht sich, die Wünsche der erwerbs tommen die bisherigen Bezüge bis auf weiteres fortgezahlt tätigen Bevölkerung zu berücksichtigen, soweit das in der werden. Die betreffenden Angehörigen können also damit enwärtigen Zeit überhaupt möglich ist, aber er kennt die rechnen, daß ihnen am tommenden Quartalsersten nach dieser Siden und er kennt die Lage der breiten Massen. Richtung Schwierigkeiten nicht entstehen werden. Der Vorwärts" ist eifrig bestrebt, auf dem Gebiete der Ferichterstattung sich die größte Objektivität aufzuerlegen. Cerade dadurch glaubt er, auch der Allgemeinheit am wirksamsten zu dienen und am besten zu nüßen. Der Vorwärts" erscheint täglich und kostet pro Monat 1,10 M. Der Vorwärts" kann auch im Wochenabonnement Sogen werden und kostet pro Woche 25 Pf. Bestellungen können bei jeder Botenfrau, bei unseren Zeitungsspeditionen und auch in der Hauptexpedition unseres Blattes, Lindenstraße 3, aufgegeben werden. Feldpost- Abonnements. Aufnahme der Wollzüge. lichen Aburteilung gebracht. Einschränkung der Kriegsbezüge in Friedrichsfelde. Um den zum Kriegsdienst einberufenen auf Privatdienstvertrag Angestellten der Gemeinde die beruhigende Gewißheit zu geben, daß für ihre Angehörigen ausreichend gesorgt ist, hatte die Gemeindebertretung am 11. Auguſt beschlossen, diese Angestellten, also auch die Gemeindearbeiter, hinsichtlich ihrer Stellen und des Diensteintommens ebenso zu behandeln wie die zu den Fahnen einberufenen Beamten. Deren wirtschaftliche Verhältnisse während des Krieges sind nach§ 66 des Reichsmilitärgejeges geregelt, d. h. fie bleiben im ungeschmälerten Genuß ihres Einkommens. Am Montag wurde der Die auf Privatdienstvertrag Anfrühere Beschluß umgestoßen. gestellten sollen vom 1. Januar ab wesentlich ungünstiger gestellt werden als die Beamten. Es sollen an die Verheirateten nur noch gezahlt werden. Letztere sollen auch 75 Bro3. erhalten, wenn fie bereits 75 Broz., an die Unverheirateten 25 Broz. ihrer bisherigen Bezüge einen eigenen Hausstand führten beziehungsweise Angehörige zu unterhalten haben. Weshalb jetzt der Gemeindevorstand und die Mehrheit der Gemeindevertretung zu der beränderten Haltung ge fommen find, hat der Befürworter des einschränkenden Beschlusses, Gemeindevertreter Schellpfeffer, treffend wie folgt bargelegt: Als wir damale im ersten Rausch den Beschluß faßten, vermochten wir die finanzielle Tragweite nicht abzuschäzen." Der Rausch ist also jezt verflogen. Alle guten Gründe unserer Vertreter fielen auf steinigen Boden. Eine andere Vorlage verlangte und fand die grundsätzliche Zustimmung der Gemeindevertretung zur 8ahlung einer widerruflichen Unterstügung an die Hinterbliebenen der durch den Krieg zu Tode gekommenen, im Wege des Privatdienstvertrages angestellt gewesenen Personen, ohne Anstügung soll erst nach Beendigung des Krieges ein grundlegender erkennung einer Rechtsverbindlichkeit. Ueber die Höhe der UnterBeschluß gefaßt werden. Bellug gefa erin. -Durch die Einrichtung der zahlreichen Weihnachtszüge mit den für die Front bestimmten Liebesgaben mußten im Dezember die von dem Kriegsausschuß für warme Unterkleidung bisher regelmäßig veranlaßten Wollzüge zeitweilig eingestellt bewerben. Jezt ist deren Wiederaufnahme möglich geworden, und der Kriegsausschuß wird deshalb vom 7. Januar ab Die Mehrheit der Gemeindevertreter beschloß ferner, die wieder je einen Wollzug wöchentlich nach Westen und nach Me Ideftelle der Allgemeinen Drtstrantentasie Osten abgehen lassen und die Versendung von Wollsachen und für Niederbarnim bis 1. Januar 1920 beizubehalten. Die Kaffe warmer Unterkleidung an die im Felde stehenden Truppen bezahlt dafür jährlich ganze 200 M. Entschädigung und überläßt der dadurch wieder regelmäßig vornehmen. Was dank dieser Ein- Gemeinde ferner großmütig den Erlös aus den verkauften Melderichtung geleistet wird, geht aus einer Aufstellung hervor, formularen. Die Forderung unserer Genossen, dann zumindest auch nach der der Ausschuß im November bis Mitte Dezember williger Mitgliedschaften in das Tätigkeitsgebiet mit einzubeziehen, die Entgegennahme von Stranfmeldungen und Anmeldungen frei149 691 Paar Strümpfe, 158.917 Leib- und Feldleibbinden damit auch die Versicherten einen Vorteil haben, wurde in einen und 91 584 wollene Decken an die Front bringen ließ. Hierzu zahmen Wunsch" umgegoffen. Aus der Antwort auf eine Antreten noch die namhaften Sendungen, die auf anderem Wege frage des Genossen Dehlert ging hervor, daß unser Bürgermeister dank dem Roten Kreuz und dank privater Liebestätigkeit an vorläufig nicht daran denkt, die vakante Stelle eines Beigeordneten Es ist damit ein schönes Stück zu besetzen. Arbeit geleistet, wenngleich für die Zukunft noch vieles zu tun übrig bleibt. Wir weisen unsere Leser darauf hin, daß unsere fämtlichen Filialfpeditionen wie die Hauptexpedition Feldpost- Abonnements auf den Vorwärts" zum Preise von 1,10 Mark monatlich catgegennehmen. Die Zeitung wird den im Felde Stehenden von unserer Hauptexpedition als Feldpostbrief täglich nachgesandt. Bei Bestellung des Abonnements ist genau anzugeben, Ichem Armeekorps, Division, Brigade, Regiment, Bataillon, ompagnie usw. der Empfänger angehört. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 112 der preußischen Armee enthilt Verluste folgender Truppen: Generalfommando des 25. Referveforps und des Korps b. Zastrow; 2., 4. und 5. Garde- Reg.; Garde- Gren.- Regimenter Alerander, Franz, Elisabeth, Augufta. Gren., bzw. Inf. bzw. Füs- Regimenter Nr. 3, 4, 6, 16, 18, 22, 23, 27, 36, 37, 38, 39, 43, 46, 50, 51, 82, 85, 87, 109, 128, 132, 143, 144, 146, 148, 149, 152, 155, 159, 163; Rej.- Juf.- Regi menter Nr. 2, 3, 13, 19, 34, 36, 49, 77, 81, 84, 109, 213, 221, 227, 282, 223, 236, 289; Ref.- Eri.- Regimenter Nr. 1, 3; Sandw.- Inf.Regimenter Nr. 2, 6, 13, 18, 19, 22, 31, 34, 38, 46, 75, 76; Brig. Erf.- Bataillone Nr. 8, 40, 83; Mobiles Ers.- Bat. Reuter; Landst.< Bataillone Beuthen i. Ob.- Schles., Rottbus, Glogau, Lögen I, Stolp; Jäger- Bat. Nr. 2; Rej.- Jäger- Bataillone Nr. 6, 16: Radfahrer- komp. des 1. Armeekorps; Maschinengew. Abt. Nr. 1; Maschinengew.- Abt. Nr. 4; 2. Ers.- Maschinengew. Komp. des Gefährliche Kinderfreunde. Ein Unhold schlimmster Art macht den Nordosten der Stadt Das Bekleidungsbeschaffungsamt. und hauptsächlich die Greifswalder Straße und die angrenzenden Das neu errichtete Bekleidungsbeschaffungsamt, dessen Geschäfts. Straßenzüge, wie Pasteurs, Wehlauer, Kurische und Kniprodestraße kreis durch Vereinigung der bisherigen Vergebungen der Bekleidungs- für Kleine Mädchen unsicher. Bis jetzt find zwei Scheußlichkeiten des ämter naturgemäß sehr groß ist, hat seine Arbeiten bereits auf- Wüstlings zur Anzeige gelangt. Am 11. d. Mts. verging er sich an genommen, die in erster Reihe in dem seinen vielseitigen und um einem siebenjährigen Kinde, am ersten Feiertage an einem achtfaffenden Aufgaben entsprechenden Ausbau des inneren Verwaltungs- jährigen. Er sprach die Mädchen abends an, gab ihnen zehn Pfennig betriebes bestehen müssen. Die Durchführung dieser notwendigen und sagte ihnen, fie möchten ihm aus einem bestimmten Hause eine Vorarbeiten wird aber durch den Andrang der Anbieter und die uns Frau herunterholen. Die Kleinen gingen auch ahnungslos mit ihn zähligen ohne Rücksicht auf den vorliegenden Bedarf eingehenden durch verschiedene Straßen, bis er zur Laubentolonie Berlin- Kairo, Angebote in empfindlichster Weise gestört und aufgehalten. Das am Weichbild der Stadt, kam. Hier überstieg er die Umzäunung Amt erklärt daher erneut, daß der persönliche Besuch von solchen und suchte mit seinen Opfern eine Laube auf, wo er sich in der Bewerbern unt Aufträge, die hierzu nicht aufgefordert find, scheußlichsten Weise an ihnen verging, An den Folgen der hier völlig zwedlos ist, da es nur schriftlichen Angeboten und zwar nur folchen nähertritt, die durch Vermittelung der zuständigen Handels. oder Handwerkskammer usw. vorgelegt werden, welche dem Angebot ein Zeugnis beifügt. Mündliche oder ohne Vermittelung der obenbezeichneten Körperauch muß im fchaften vorgebrachte Angebote sind zwedlos; Interesse des ungestörten Ausbaues des Beschaffungsamtes dringend ersucht werden, daß Befuche von Mitgliedern der vertretenden Körperschaften zunächst weitmöglichst vermieden werden. Feu ergefährliche Gegenstände in Feldpoftbriefen. Der Polizeipräsident von Berlin macht erneut darauf aufmertbei erlittenen Verlegungen liegt das eine Kind schwer danieder. Er wußte die Kinder damit einzuschüchtern, daß er ihnen sagte, fie fämen, wenn sie zuhause von dem Borfall etwas erzählen würden, in Fürsorgeerziehung. Leider wollte es bisher noch nicht gelingen, des Scheusals habhaft zu werden. Die Kinder lönnen ihn auch nur ungenau beschreiben. Nach ihren Angaben ist es ein mittelgroßer Mann, der einen bräunlichen lleberzieher und einen schwarzen, steifen Hut trägt. Vielleicht gelingt es mit Hilfe des Publikums, den Un mensch dingfest zu machen. Zwei weitere dieser Kinderfreunde" trieben in legter Zeit in Neutölln ihr Unwesen. Sie lauerten in den Morgenstunden die Schulmädchen auf, machten sich an sie heran und belästigten sie in einer ganz gemeinen Weise. Während der eine dieser Wüstlinge sich noch fam, daß durch das Versenden feuergefährlicher Gegenstände, wie auf freiem Fuße befindet, konnte der andere, ein 28 Jahre alter Streichhölzer, Heizkörper usw., in Feldpostbriefen wiederholt Feld- Arbeiter Johann Geſche, festgenommen werden. Er wurde dem 1. Armeekorps; Feld- Maschinengew.- Zug Nr. 25( siehe Landw. postladungen durch Selbstentzündung in Brand geraten und ber Untersuchungsrichter zugeführt. Inf. Reg. Nr. 76, hinter der 12. Komp.). Stab der 5. Kav.- Div. und der 45. Brig.; Garde- Husaren; 1.( enten; Stür. Nr. 4, 7; Drag. Nr. 7( siehe Kab.- Fri.- Abt. des 21. Armeekorps); Ref.- Drag. Nr. 7; Husaren Nr. 15; Ulanen Bferbe Rt., 10, 11, 12, 13; Stab.- Gri.- Abt. des 21., 1. Landw. Gsf. des 11. Armeekorps. Stab de: Garde- Res- Felbart.- Brig.; 2. Garde- Felbart.- Reg.; Feldart.- Regimenter Nr. 2, 38, 40, 47, 55, 72, 84; Res.- Feldart.Regimenter Nr. 20, 36, 45. 2. Garde- Fußart.- Reg.; Fußart.- Regimenter Nr. 3, 4, 6, 18, 20; Rej.- Fußart.- Reg. Nr. 4. Bion. Bataillone: 1. Nr. 1, I. Nr. 2, II. Nr. 2, II. Nr. 4, I. Nr. 5, I. Nr. 6, I. Nr. 7, I. Nr. 8, II. Nr. 8, I. Nr. 9, I. Nr. 10, I. und II. Nr. 14; 1. Landw.- Pion- Komp. Eisenbahn- Bat. Nr. 4( siehe auch 12. Komp. Ref.- Inf.- Reg. Nr. 221). * * nichtet worden sind. Abgesehen davon, daß nach Ziffer 3 des Merkblatts für FeldDas Kriegsfürsorgeamt der Stadt Lichtenberg hat fürzlich Anpoftfenbungen“ Streichhölzer und feuergenichigen unter Feldpostbriefen nicht versandt werden dürfen, schädigen unter Umweisungen erlassen, die den Grundiäßen zuwiderlaufen, von denen die beschlossenen Kriegsfürforgemaßnahmen der Stadtverordneten Es heißt da: Die Empfänger von Familienunterstützungen werden darauf hingewiefen, daß fie verpflichtet sind, von ihren Unterstügungsbeiträgen auch ihre Miets berbindlichkeiten zu erfüllen. In Zukunft muß in solchen Fällen, wo die Mietsschuld böswillig nicht gezahlt wird, ein Teil der Familienunterſtügungen einbehalten und unmittelbar an der Berbeihilfe bewilligt ist und der Restbetrag des Mietszinses böswillig mieter gezahlt werden. Dies gilt auch dann, wenn eine Miets. nicht beglichen wird. das empfindlichste und machen die Wohltaten zunichte, die Liebe und Opferfinn den im Felde stehenden Soldaten zugedacht haben. Zu der Uebertretung des ergangenen Verbots der Versendung feuergefährlicher Gegenstände wird das Publikum durch das Angebot der mit einichlägigen Artikeln handelnden Firmen, unter denen sich auch die hiesigen Warenhäuser befinden, verleitet, die sogar fertige Feltpostbriefe( Bfundpädchen) mit Streichhölzern usw. feilbieten. Genaue Adreffen bei Briefen an Kriegsgefangene. Die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, gehen dem dänischen Roten In dieser Maßnahme liegt ein durchaus einseitiges Vorgehen zu gunsten der Hausbesizer, das durch keinen Beschluß der maßgebens den Instanzen zu rechtfertigen ist. Die sozialdemokratische Fraktion hat rüdhaltlos allen jenen Maßnahmen ihre Zustimmung gegeben, die darauf abzielten, den Hausbesitzern und fleinen GewerbeSie 3., 6., 8., 12., 15., 16., 17. Juf.- Reg.; Res.- Inf.- Regimenter Nr. 10, bon Briefen an in Rußland befindliche deutsche Kriegszuspringen. Sie tat es, weil nicht nur bei ihr, sondern alljeitig Die bayerische Verlustliste Nr. 130 meldet Verluste des Kreuz in Kopenhagen, das sich auch mit der lebermittelung treibenden in der durch den Krieg geschaffenen Notlage helfend bei gefangene befaßt, namentlich aus Ost- und ben Reifer- te: 1 und 7. Chebaurlegers- Reg.; Reſ.- Fuß- Poſen und Schlesien Briefe zur Weiterbeförderung zu, die nur an die Angehörigen der Striegsteilnehmer gezahlten geringen UnterBrig.- Fri.- Bat. 8; art. Regimenter Mr 2, 3; Rei.- Fußart.- Bat. Nr. 6; Bion.- Reg. mit unvollkommener Adresse versehen sind. Unter diesen Umstügungsfäßen die Miete möglich bestritten werden lann. Ingolstadt; 1. und 8. Bion. Bat.; Feld- Flieger- ibt. VB; Ref. ftänden mußten viele derartige Briefe von Kopenhagen aus wollte gerade verhindern, daß die vom Reich und der Stadt geBion. Komp. Nr. 6; Res- Fernsprech- Abt. Nr. 6; 1. Landw.- Bion.: an die Absender zwecks Vervollständigung der Adresse zurückwährten Unterstützungen nur fcheinbar den Familien der FeldKomp. Des 3. Armeekorps; San- Komp. Nr. 2 des 3. Armeekorps; gesandt werden, wodurch ein unnötiger Aufwand von Zeit, augsteilnehmer zugute kommen, in Wirklichkeit aber in die Lafchen ber Hauswirte fließen. Das Borgehen des Kriegsfürsorgeamts Geld und Arbeit eingetreten ist. fann fehr leicht bei den Kriegerfamilien Erbitterung hervorzurufen, Etappenhilfsbäder- Kol. Armeegruppe Stetten. Den Briefschreibern kann daher im eigenen Intereffe nur wenn sie sehen müssen, wie in erster Linie für die Hauswirte geder 24. Ref.- Dib.; Brig.- Erf.- Bat. Nr. 64; Reib- Gren.- Reg. Die sächsische Verlustlijte Nr. 83 veröffentlicht Verluste dringend geraten werden, auf die Adresse möglichst vollständig sorgt wird. Inf. Reg. Nr. 102: Ref. 3nf.- Reg. Nr. 102; Landw.- Inf. Reg. zu sehen: 1. Armeeforps, Division, Brigade, Regiment, Bataillon, t. 102; Rei- Inf- Reg. Nr. 103; 5. Inf.- Reg. Nr. 104; Landw. inf. Reg. Nr. 104: Gri. Bat., Bandw. Anf. Reg. Nr. 104; Schützen Kompagnie des Adressaten. jeg. Nr. 108; Rei. und Landw.- Inf.- Reg. Nr. 133; 11. Inf Rr. 2. Wenn irgend möglich auch die letzte Schlacht, an der Reg. Nr. 179; die Adrejjaten teilgenommen haben, oder sonst eine Angabe 15. Reg. Nr. 181: 16. Jaf- Reg. Nr. 182; Ref.Inf.Reg. über den Drt, von dem zuletzt eine Nachricht über die GeSr. 241; Rei. Inf. Reg. Nr. 248; Rej.- Jnf.- Reg. Nr. 245; 2. Landit. Infaat. Dresden; Landit. Inf.- Bat. Birna; 1. Jäger- Bat. Nr. 12; fuchten eingetroffen ist. Rej. Jager- Bat. Nr. 12; 2. Jäger- Bat. Nr. 13; Res.- Jäger- Bat. Str. 13. Die städtische Straßenbahn in der Neujahrsnacht. In der Neujahrsnacht wird der Verkehr auf der städtiEin Raubüberfall führte am Montag in Neukölln zur Berbastung von acht Personen. Der 27 Jahre alte völlig taube Arbeiter Erich Niegert aus der Knesebeckstraße 87 zu Neukölln weilte am dritten Feiertag in einem Lokal in der Steinmezstraße, wo er die Bekanntschaft mehrerer Männer und Frauen machte. Nachaufewege ging die Gesellschaft bis zur Ede der Hermann- und Wanzlifstraße, wo plöglich alle über Riegert herfielen und ihn zu Boden schlugen. Die Frauen entrissen ihm die Uhr mit der goldenen Kette und nahmen ihm die Börse ab, die noch 78 Mart enthielt. Der Neuköllner Striminalpolizei ist es jest gelungen, alle acht Beteiligten, fünf Männer und drei Frauen, zu ermitteln und festzu 1. Feldart. Reg. Nr. 12; Erf.- Abt., 1. Feldart.- Reg. Nr. 12; schen Straßenbahn zwischen Weddingplay und Warschauer nehmen. Ein Teil des Geldes war noch vorhanden, Uhr und Kette Ref. eldart.- Reg. Nr. 23: 4. Feldart.- Reg. Nr. 48; Rej- Feldart. Brücke( im llebergangsverkehr mit der Hochbahn) um eine aber fehlen. Reg. Nr. 54; 5, Felbart.- Reg. Nr. 64; 6. Feldart.- Reg. Nr. 68. ion.- Bat. Nr. 22. 2. Augart.- Reg. Nr. 19. 2 ajte unbekannter Truppenteile. Stunde bis 2.20 nachts verlängert. Warnung vor Ausschreitungen in der Silvesternacht. Um in der Straßenunfall. Ein eigenartiger Straßenunfall ereignete sich am Dienstag früh gegen 7 Uhr im Osten der Stadt. Als einr Automobilturmwagen der Großen Berliner Straßenbahn die Große 9: hrichten aus unvollständigen, feindlichen Gefangenenlijten. Silvesternacht Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, find die Schuß- Frankfurter Straße entlang fuhr, geriet der Kraftwagen mit einem Lufte der Brig.- Ers.- Bataillone Nr. 51, 52, 54; Inf., Ref. und fichtig einzuschreiten. Vergehen in der Silvesternacht werden diesmal Borderachse brach und die Steuerung beschädigt wurde. Das Auto Sie württembergische Verlustliste Nr. 85 enthält Ver- leute angewiefen worden, gegen Ausschreitungen streng und unnach Borderrad in ein mit Wasser gefülltes Loch im Asphalt, wobei die t. ed en 151 Ite di Бе be Staaten. fuhr, da es nicht mehr gelenkt tverden konnte, gegen einen Gas gewiffermaßen ein Grenzgebiet zwischen den Bergolbern und einem Für eine wirtschaftspolitische Annäherung der Zweibund fandelaber, der zertrümmert wurde, und stieß damn weiterfahrend weige der Tischlerei. gegen den Eingang des Bigarrengeschäfts von Deffer, so daß die Diese technische Entwicklung wedte im Vergolderberband schon Die ungarische Schwestervereinigung der mitteleuropäitä t Jalousie und das Glasfirmenschild beschädigt wurden. Das auszeitig den Gedanken an eine Verschmelzung mit dem Holzarbeiter Wirtschaftsvereinigung hielt unter dem Vorfiz des ehemaligen dem ungebrochenen Kandelaber ausfirömende Gas entzündete sich an dem Feuer in deur am Turmwagen hängenden offenen Kohlen- berband. Auf dem Holzarbeiterkongres im Jahre 1898, auf welchem Ministerpräsidenten Dr. Bekerle eine Sigung ab, in der den Hauptofen, und das Hinterteil des Automobils und das Firmenschild die Gründung des Holzarbeiterverbandes beschlossen wurde, waren gegenstand der Erörterungen die Frage bildete, wie sich das gerieten in Brand, der aber alsbalb von der hinzugerufenen Feuer- die Bergolder noch nicht vertreten. Als im folgenden Jahre der Handelspolitische Verhältnis zu Deutschland nach Beendigung des wehr gelöscht wurde. Personen wurden von dem eigenartigen Unfall Vergolderverband feinen zweiten Verbandstag in Berlin abhielt, Krieges und nach Ablauf der gegenwärtig in Kraft stehenden er wurde hier der Anschluß an den Holzarbeiterverband zwar beantragt, träge gestalten werde. Der Geheime Regierungsrat, Univerfi und geschäftsführender Vizepräsident der deutscen aber abgelehnt. Der Gedanke lehrte jedoch wieder und gewann profeff or immer mehr Boden bei den Mitgliedern. Vor dem Verbandstag, der Schweftervereinigung Dr. Wolf machte ausführliche Mitteilungen vom 16. bis 18. April in Leipzig abgehalten wurde, fand eine Ur- über die Auffassungen, die über die Frage in den Interessentenabstimmung statt, in welcher der Anschluß an den Holzarbeiter- treifen Deutschlands herrschen. Im Anschluß daran entivann sich verband mit 1019 gegen 368 Stimmen befchloffen wurde. Dieser ein Gedankenaustausch. Das Ergebnis faßte Dr. Wekeric eßlich, Beichluß wurde vom Verbandstag bestätigt und der Anschluß zum wie folgt, zusammen: Die Erfahrungen und Lehren des Arieges 1. Oktober 1906 vollzogen. und bie daraus sich entwidelude politische politische Lage, aber nicht verlegt. Bergiftet aufgefunden wurde gestern vormittag der 46 Jahre alte Zigarettenarbeiter Stirker Chanisian aus der stöpenider Str. 51. Der Mann, der aus der asiatischen Türkei stammt, hatte seit dem 1. D. Mets. ein möbliertes Zimmer gemietet. Er ist verheiratet und Bater von vier Kindern, die sich jedoch noch in seiner Heimat befinden. Gestern scheint er sich nun am Gashahn zu schaffen gemacht und vergessen zu haben, ihn wieder zu schließen. Ohne Zweifel liegt ein Unglüdsfall vor. Für einen Selbstmord des Zürken, der über genügende Geldmittel verfügte, liegen teine Gründe vor. Die oftpreußischen Flüchtlinge aller Strelfe haben ihre nächste Ber Jammlung am Mittwoch, den 30. Dezember, nachmittags 1hr, im großen Saale der Neuen Philharmonic, Röpnider Straße 96/97. Am Donnerstag, den 31. Dezember, finbet ebenda, nachmittags um 4%, Uhr, cine Jahresschlußfeter statt, zu der die ostpreugischen Flüchtlinge ohne Unterschied der Konfession vom Ausschuß der oftpreußischen Flüchtlinge ein geladen werden. Verloren wurde am Heiligabend auf den Wege Bittitoder Straße bis Mitte Beuffelstraße eine Handtajme, 29 M. Geld und 12 Schlüssel ente ballend. Der Eigentümer bittet, die Talche gegen hohen Finderlohn beim Reft. Köhler, Wittsteder Str. 19, abzugeben. Gefunden wurde beim Weihnachtsvergnügen des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeitertlaffe eine braune edertasche. Dieselbe ift abzuholen bei Frau Kogich, Belforter Straße 11. Aus der Partei. Eine Richtigstellung. Seit Mitie November ist in einigen deutschen Parteiblättern die Nachricht verbreitet worden, der Vorfigende der sozialdemokratischen Dumafraltion, Genosse Tscheidfe, habe sich für den Krieg" ertlärt. Es wurden sogar seine angeblichen Worte folportiert, man müsse den fleinen Baum der russischen Kultur vor dem deutschen Angriffe schügen." Wie uns nun aus Stodholm mitgeteilt wird, muß diese Nachricht, nach eingeholten Grfundigungen, als glatte Erfindung bezeichnet werden. Straferlaf. Mit 1887 Mitgliedern hat der Vergolderberband am 1. Dftober auch die gegenseitigen wirtschaftlichen Interessen erfordern, 1906 feinen llebertritt zum Deutschen Holzarbeiterverband vollzogen. bag bie Monarchie und Deutschland festere Seither ist die Zahl der organisierten Vergolder fast ununterbrochen wirtschaftliche Bande anstreben und dieje rechtzeitig gewachten. Zu Ende des Jahres 1912 waren es 2848, die Wirt vorbereiten, natürlich ohne Beeinträchtigung der handel voltijden fchaftstrise des Jahres 1913 hat dann allerdings einen Rüdgang auf Freiheit beider Bertragsteile, deren Aufrechterhaltung für rete Teile 2680 zur Folge gehabt, der aber unter normalen Verhältnissen in- erwünscht ift. zwischen längst wieder ausgeglichen wäre. Der gegenwärtige Weltkrieg hat den auf die Verbesserung der Die Deutsche Tageszeitung" hat allerdings bereits im voraus Soziales. 25 Mark Monatsgehalt. Lohn- und Arbeitsbedingungen gerichteten Bestrebungen der Gewerk- gegen eine solche Annäherung Stellung genommen. schaften ein vorläufiges Ziel gefegt. Die Berufstätigkeit ruht so gut wie völlig, und die Berufsangehörigen haben, soweit das mög lich war, in anderen Berufen Beschäftigung gesucht. Für eine Aber ist auch das Ende Jubiläumsfeier ist die Zeit sehr ungünstig. des Weltkrieges jegt noch nicht abzusehen, so wird über furz oder lang doch der Frieden wieder bei uns einziehen. Dann wird auch das Vergoldergewerbe wieder zur Blüte gelangen, und dann wird der Deutsche Holzarbeiterverband sich auch den Angehörigen diefer Branche wiederum als fester Rüdbalt erweisen und ihnen die Möglich feit geben, fich einen gerechten Anteil an dem Ertrage ihrer Arbeit zu sichern. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Die Firma Siemens und Salste bemüht fich feit längerer Zeit ständig, durch Jnserate in den verschiedensten Zeitungen Deutschlands, unter anderem auch im Vorwärts", Arbeitskräfte zu bekommen. Mit Rüdficht darauf, daß die Firma trop des fogenannten Burgfriedens von ihren gelben Bestrebungen, die ja Kampf gegen die Gewerkschaften der Arbeiter bedeuten, nicht abläßt, fönnen mit Dem Genossen Schubert, Redakteur am Harburger Bolts- glieder unseres Berbandes derartige Inferate nicht berüdsichtigen. blatt", ging folgendes Schriftstid zu: Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abbrud biefer Notiz Deutscher Metallarbeiterverband, Der Erfte Staatsanwalt. Berwaltungsstelle Berlin. Stade, den 19. Dezember 1914. Durch Urteil der 1. Straffammer des königl. Landgerichts Stade bom 17. April 1914 ift gegen Sie wegen Majestätsbeleidigung auf zwei Monate Gefängnis und Tragung der Kosten erfannt. Es wird Ihnen nun hierdurch mitgeteilt, daß Ihnen auf Grund Allerhöchfter Ermächtigung Sr. Maj. des Kaisers und Königs durch Erlag des Staatsministeriums vom 3. Dezember 1914 auf meinen Antrag die Strafe und Kosten in Gnaden er Lassen sind. J. A.: Kannapte. Gewerkschaftliches. Ein Jubiläum in ernster Zeit. gebeten. Aus Industrie und Handel. Auflösung des internationalen Bulverkartells. Der außerordentlichen Generalversammlung der Vereinigten Röln Rottweiler Bulverfabriken in Berlin lagen die Anträge der Verwaltung über die Kündigung des Kartellvertrages mit den in der Nobel Dynamite Trust Co. bereinigten aus ländischen Gesellschaften vor. Wie von einigen Firmen der Krieg zuungunsten der Angestellten und Lehrlinge auszubeuten versucht wird und welche Vorsicht Eltern und Vormünder bei dem Abschluß bon Lehrverträgen für ihre Pflegebefohlenen walten laffen müssen, zeigte sich in einer Verhandlung, mit der sich die 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts zu beschäftigen hatte. Die beflagte Tapifferiewarenfirma P. Lindhorft beschäftigt in ihren verschiedenen Abteilungen eine große Anzahl weiblicher Lehr linge. Diese jungen Mäbchen müssen brei Jahre lernen. Wenn sich frogbem viele Eltern bereitfinden lassen, ihrer Tochter eine jo umfassende Lehre angedeihen zu laffen, fo tun sie es naturgemäß in der Hoffnung auf eine besonders einträgliche Stellung nach vollendeter Ausbildung. Wie diese Hoffnung täuscht, zeigte der Prozeß. Die Klägerin hatte die Lehrzeit bei der Beklagten erfüllt und sollte num 50 M. Monatsgehalt befommen. Wegen des Arieges follte sie sich jedoch mit dem halben Gehalt begnügen, also mit 25 M. für den ganzen Monat. Das erschien dem Vater des jungen Mädchens denn Doch zu wenig, besonders auch in anbetracht der Tatsache, daß seine Tochter voll beschäftigt wurde. Da fie auf feine Veranianjung sidh mit dem Gehaltsabzug nicht einverstanden erflärte, wurde sie am 1. Dezember entlassen. In der Verhandlung wandte die Firma Unzuständigkeit des Raufmannsgerichts ein; Alägerin fei gewerbliche Angestellte gelvejen. Der Vater erklärt, er habe als selbstverständlich angenommen, daß feine Tochter faufmännisch ausgebildet würde, er unterließ es aber unvorsichtigeriveise, sich die Ausbildung seiner Tochter zur Handlungs gehilfin im Lehrvertrage zu sichern. Die Zeugenvernehmung ergab, baß das junge Mädchen in der Sa 1ptsache mit dem Heraussuchen der in der Farbe passenden Wollfäden für die halbfertig geliefertent Stidereien beschäftigt wurde. Das gesamte Richterfollegium äußeric sein Erstaunen barüber, daß ein junges Mädchen zum Erlangen dieser Fähigkeit drei Jahre lernen müsse. Nach dent tatsächlichen Ergebnis der Beweisaufnahme meinte aber das Kaufmannsgericht, den Rechtsftreit an das Gewerbegericht überweisen zu müssen. Dies ist nun auch dann zuständig, wenn es etwa au der Ueberzeugung gelangt, die Klägerin jei Sandlungsgehilfin. Es fann aber auch, wenn es der Nach dem flaren Wortlaut des§ 616 B.G.B. ist auch für RandSturmmänner für die Zeit Lohn zu zahlen, in der sie durch Meldungen auf dent Bezirkskommando an der Arbeit verhindert sind. Das hiesige Gewerbegericht mußte dies durch Berurteilung einer Firma zur Bahlung des Lohnes begreiflich machen. Der Vorsigende, Geh. Kommerzienrat Dr. Louis Sagen, griff Die Vergolder Deutschlands konnten in den Weihnachtstagen auf in feiner Begründung auf die Geschichte des am 23. November 1889 Auffassung folgt, Klägerin sei nur gewerbliche Gehilfin, aus den oi ben 25jährigen Bestand ihrer Zentralorganisation zurüdbliden. Ist awischen den Rheinisch Westfälischen Bulberfabriken und der einer breijährigen Lehrzeit, entnehmen, zwischen den Barteien be - Gesamtumständen des Falles, insbesondere aus der Vereinbarung auch die Zeit zum Feſtefeiern nicht angetan, so ziemt sich wohl eine Hamburger Gruppe geschlossenen Vertrages zurüid, der später stehe die für kaufmännische Angestellte gefegliche Kündigungsfrist von auf die Deutschen Sprengstoffabriken und damit auf die mit 6 Wochen zum Quartalserften. Dann hätte die Firma monatlich ernfte Erinnerung an das Durchlämpfte und an das Erreichte. Der Ver- 50 M. bis zum 1. April zu zahlen. Schon Ende der sechziger Jahre bestanden in Berlin und Köln diesen fartellierten englischen Firmen ausgedehnt wurde. Fachvereine der Vergolder. Aehnliche Vereine gab es auch in anderen trag babe fich so gut bewährt, daß er am 16. Mai 1911 bis zum Lohnobzüge gegen Landsturmmänner. Städten sie hatten aber alle das miteinander gemein, daß ihnen Jahre 1950 verlängert wurde. Indessen mußte die Gesellschaft tein langes Leben beschieden war. Stabiler erwiefen sich die Fach- nach Ausbruch des Krieges darauf bedacht sein, sich von jeder GeWird ein Arbeiter gleichviel ob er gelberbliche oder landwirtvereinsgründungen, mit denen zu Anfang der achtziger Jahre be- meinschaft mit ihren bisherigen englischen Freunden loszusagen. fchaftliche Arbeit verrichtet, ob er Privatangestellter oder Handlung. gonnen wurde. Einer der ersten Vereine, die damals gegründet Die Verwaltung habe in langen Verhandlungen sich darüber ist durch Krankheit, durch militärische llebungen, durch Kontrol wurden, war der im Jahre 1880 ins Leben gerufene Fachverein in schlüssig machen müssen, in welcher Weise die Verträge zu lösen gehilfe ist, oder sonstwie auf Grund eines Arbeitsvertrages beschäftigt Berlin, der unter Leitung des Genossen Ferdinand Ewald stand, feien. Während die englische Regierung durch ein besonderes versammlungen, durch Wahrnehmung von Terminen, durch Ausübung der fich um die damalige Gewerkschaftsbewegung in Berlin ver Gefeß den Verkehr mit deutschen Firmen untersagte, steht staatsbürgerlicher Pflichten oder sonst durch einen in seiner Person bient gemacht hat. Dieser Berliner Fachberein von 1880 hatte der Gesellschaft zur Beseitigung der Hindernisse nur der§ 728 liegenden Grund ohne sein Verschulden für eine verhältnismäßig übrigens auch noch feinen dauernden Bestand; im Jahre 1887 B. G.-B. zur Seite, der die Kündigung eines Vertrages nur für nicht erhebliche Zeit an der Arbeitsleistung verhindert, so wird er wurde, da die Organisation inzwischen eingegangen war, wieder den Fall wichtiger Gründe vorsicht. Dieser Grund müffe unter den nach§ 616 B.G.B. seines Anspruchs auf Lohn nicht verlustig. Diese ein neuer Fachberein gegründet. Aehnlich war das Schidial der obwaltenden Verhältnissen als vorliegend angefehen werden. Der Vorschrift findet auch dann Anwendung, wenn die Vergütung nachh Fachbereine in Köln, Hamburg und anderen Drten, wo wiederholt artellvertrag mit der Robel Dynamite Trust Co. Stüdlohn bemeffen ist. Neugründungen vorgenommen wurden. Eine Ausnahme machte nur foll demnach gefündigt werden, und zwar mit Rüdwirtung bis Brandenburg, wo der im Jahre 1882 gegründete Fachverein um zum 31. Dezember 1913, so daß die Erträgnisse der deutschen unterbrochen bis zum Anschluß an die Zentralorganisation bestand. Gesellschaften im Jahre 1914 bereits für alleinige deutsche Rechnung Hier in Brandenburg wurde auch die Gründung des Zentral- laufen. An die Nobel Dynamite Trust Co. ist die Auffündigung des Verberbandes der Vergolder beschlossen. Die Anregung zu dem Vertrages Anfang November d. J. ergangen. Es ist nun namentlich mit Hierbei taucht die Frage auf: ist auch dann Lohn zu zahlen, golber- Kongreß, der am 26. und 27. Dezember 1889 in Brandenburg Rüdficht auf die Intereffen der Landesverteidigung ein neues Ab unter dem Borsik von Ewald tagte, war von den Berliner Stollegen fommen zwischen den deutschen Fabriken getroffen worden, das wenn§ 616 B.G.B. durch Privatvereinbarung, Lohntarif oder Fabrit ausgegangen. Als Sig des neugegründeten Verbandes wurde Berlin in voller lebereinstimmung aller Beteiligten nach einem vor ordnung ausgeschlossen ist? Diese Frage ist zu bejahen. Die ne und zum Vorsitzenden Schumme bestimmt. Die Leiter der Drgani- gezeichneten Arbeitsplane das bisherige Verhältnis zur Landes 616 B.G.B. zu zahlende Vergütung ist Lohn im Sinne des Lohnfation wechselten in den ersten Jahren ziemlich raich. Bemerkens- verteidigung aufrecht erhält. Zwischen den Deutschen Bulverfabriken beschlagnahmegesetzes. Nach§ 2 des Lohnbeschlagnahmegesezes ijt wert ist besonders Paul Höpfner, der als Borfizenber eine rege und den Deutschen Sprengstofffabriken ist vereinbart worden, aber jede rechtsgeschäftliche Verfügung über den Lohn ohne rechtliche Tätigkeit entfaltete und dem auch die Gründung eines eigenen Ver- daß das gesamte Erträgnis zu 50 Prozent an die Pulver- Wirkung, insoweit nicht der Gesamtbetrag des Lohnes 1500 M. für bandsorgans zu danken ist, dessen Redaktion in der Folge mit dem fabriken und zu 50 Prozent an die Sprengstofffabriken geht, das Jahr übersteigt. Mithin find auf Grund dieser Vorschrift alle Amte des Vorsitzenden verbunden blieb. Im Jahre 1900 wurde wobei die Sprengstofffabriken als Erfag für das von den Abreben über Ausschluß des§ 616 B.G.B. ungültig, soweit fie fich Heinrich Späthe zum Vorfizenden gewählt, der feit 1894 als Pulverfabriken mehr investierte Kapital die Summe von 318 850 M. auf Söhne beziehen, die 1300 m. jährlich nicht übersteigen. Aber auch Verbandstaffierer fungiert hatte. Bis zum Jahre 1903 war die herauszuzahlen haben. Mit der Rhein- Siegener Gruppe, d. h. der bei höheren Löhnen fann§ 616 B.G.B. nicht durch PrivatvereinLeitung des Verbandes ehrenamtlich erfolgt, von da ab wurde der Mheinisch- Westfälischen Sprengstoff- A.- G., ist bereinbart worden, daß barung außer Kraft gesetzt werden, falls diese Vereinbarung generell Berbandsvorsitzende besoldet. Späthe hatte das Amt bis zum ihre Dividende, die bisher in der Mitte der des Dynamittrusts und getroffen ist. Denn eine solche ist mit den guten Sitten ebenso unber Hebertritt inne und fungiert jest als Angestellter der Zahlstelle der der Vereinigten Köln- Rottweiler Pulverfabriken lag. 80 Brog einbar, wie jebe allgemeine Außerfrafifebung einer zugunsten des Berlin. der von den Vereinigten Köln- Rottweiler Bulberfabriken zur Auswirtschaftlich schwächeren Vertragsteils gegebene Gefeßesvorschrift. Ob im Einzelfall eine Beseitigung des§ 616 B.G.B. zulässig ist, ift Im ersten Jahre seines Bestehens brachte es ber Verband der schüttung gelangenden Dividende betragen soll. Vergolder, Golbleiftenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Im Falle der Nichtannahme der Vertragsfündigung feitens der von Fall zu Fall zu prüfen. Durchweg muß der Erfolg einer Brij Deutschlands" auf 1200 Mitglieder, doch konnte er sich auf dieser Nobel Dynamite Trust Co. innerhalb 6 Monaten nach Beendigung fung zur Richtigkeit einer Vereinbarung führen, die Lohnausfall fir Höhe nicht halten. Im Jahre 1895 war er auf 705 zurückgegangen. des Krieges joll die Kündigung des Vertrages als vom 1. November die Fälle vorschreibt, in denen die Behinderung an der Arbeit durch Zwei Jahre später war das Tausend wieder überschritten. Im 1914 ab geschehen angesehen werden. Auf eine Anfrage teilte der die Wahrnehmung militärischer Meldepflichten herbeigeführt ist. Eine Jahre 1901 waren es 1500 Mitglieder; die folgenden Jahre brachten Vorsitzende mit, daß hinsichtlich der im übrigen Auslande befind- dahin gerichtete Vereinbarung enthält eine unter Umständen straf. eine weitere Zunahme, bis der Verband im Jahre 1906, beim lichen Unternehmungen der Gesellschaft irgendwelche greifbaren bare Uebertritt in den Deutschen Holzarbeiterverband ſeinen höchsten Schäden nicht entstanden seien. Diese Unternehmungen ständen bei Mitgliederstand mit 1844 erreicht hatte. der Gesellschaft äußerst niedrig zu Buch, so daß, falls fich für die Als Publikationsorgan benußte der Bergolberberband zunächst eine oder die andere eine besondere Rückstellung als notwendig erben Vereinsanzeiger", das Organ des Malerverbandes. Für turze weisen sollte, eine Schädigung des Gesamtunternehmens nicht au erZeit war dann die vom Regierungsbaumeister Keßler herausgegebene warten fei. Solidarität" auch Verbandsorgan der Bergolder, bis ein eigenes Generalbirektor Aufschläger gab als Vertreter der Deutschen Correfpondenz- Blatt" eingeführt wurde, dessen erfte Nummer am Sprengstofffabriken die Erklärung ab, daß aus den Beziehungen, 6. November 1892 erschien. bie zwischen den deutschen und ben englischen Fabrifen bestanden, Schon auf dem Gründungsfongres war der Anschluß der Ver- der deutschen Landesverteidigung feinerlei Nachteile erwachsen seien. golder an den Malerverband angeregt worden, und die Wahl des Trotzdem sei der lebhafte Wunsch vorhanden gewesen, die Verträge Verbandsorgans der Maler zum Publikationsorgan beweist, daß mit der englischen Gesellschaft, deren Attien sich zu 60 Broz. um Die Versammlung, in der fich die Vergolder zunächst mehr zu den Malern hingezogen fühlten, mit beutichen Befis befinden, zu lösen. welchen der Beruf auch in der Eat einige Berührungspunkte hat. 18 Attionäre 5 778 000 m. Kapital vertraten, erhob hierauf ein Mit der Zeit erhielt aber die Seiftenindustrie eine immer größere stimmig die Anträge der Verwaltung zum Beschlus. Bedeutung. Die Herstellung von Gold- und Politurleisten aber ist Anreizung zur Unterlassung der militärischen Meldepflicht. Gerichtszeitung. Ein Abgeordneter als Kläger. Eine Privatflage des Reichstagsabgeordneten estermann gegen den Redakteur des Deutschen Bauernbundes" Mich. Meyer beschäftigte das Schöffengericht Berlin- Schöneberg in seiner geftrigen Situng. Abg. Hestermann, dem Rechtsanivalt Ulrich im Termin Seite stand, war bis zum 29. Januar Hospitant der nationall ralen Bariei; er hatte an diefem Lage im Reichstage bei der Beratung des états für das Reichsamt des Innern eine Rede über Agrarpoliti? gehalten und daran eine persönliche Bolemit gegest die Linke und Mitglieder feiner eigenen Partei gefnüpft. Die Folge diefer Rede war, daß am Schluffe der Sigung der Abgeord, daß er aus den Schübengräben im Westen und Often zahlreiche nete Baffermann mitteilen fonnte, daß auf einstimmigen Beschluß der nationalliberalen Fraktion diese das Hospitantenverhältnis mit dem Abgeordneten Hestermann gelöst habe. Dieser parlamenta rische Vorgang hatte eine Breßpolemit entfesselt, an der sich die Zeitschrift Deutscher Bauernbund" in Artikeln gegen S. beteiligte. Dieje Artikel bildeten nun Gegenstand der Privatlage. Der Angeklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. Marwig verteidigt. Es tam folgender Vergleich zustande: Die Parteien bergleichen sich, dem Ernste der Zeit Rechnung tragend, dahin: Der Angeklagte erklärt: Ich habe mit den inkriminierten Artikeln lediglich den med berfolgt, die politische Tätigkeit des Privatflägers zu bekämpfen. Dagegen hat es mir ferngelegen, ihm persönlich den Vorwurf der Käuflichkeit machen zu wollen; ich kann und will diesen Vorwurf nicht erheben. Soweit in den inkriminierten Artikeln gegen den Privatkläger der Vorwurf dreister Unwahrheit erhoben worden ist, will ich die Möglichkeit zugeben, daß hier lediglich ein Irrtum auf irgendeiner Seite obwaltete. Ich fann deshalb den Vorwurf der bewußten unwahrheit gegen den Bribattläger nicht aufrechterhalten und nehme ihn unter dem Ausdrud des Bedauerns zurüd. Jah übernehme die gefeßlichen Kosten des Verfahrens." Die Privatflage wurde hierauf zurüd genommen und das Verfahren eingestellt. Feldposträuber. Briefkasten der Redaktion. Die furistische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, Briefe erhalten habe, in denen ihm unsere braven Feldgrauen ihre Freude darüber zum Ausdrud brachten, daß er, wie sie in den Zeitungen gelesen hätten, gegen einen Feldpofträuber vor einiger rechts, parterze, am Montag bis Freitag von 3 bis 6 Uhr, am L. Zeit eine hohe Strafe beantragt hatte. Durchaus ernsthaft zu von 5 bis 6 Uhr statt. Jeber für den Briefkasten bestimmten nehmende Leute hätten jogar den Vorschlag gemacht, diese Feld- ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. posträuber nach den Kriegsmilitärgesehen als Plünderer zu beantwoort wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnement beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage man ed strafen, d. h. sie zum Tode zu verurteilen. In solchen Fällen müßte Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe ma die Abschreckungstheorie in Anwendung kommen, um andere junge Sprechstunde mit. jent Postbeamte eindringlichst zu warnen. br Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf 2½ Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte V. M. 40. Benden Sie sich an die Stelle, bei der Sie di Ite aufgegeben haben. F. F. 14. Weder tollkühn, no mit Rücksicht auf die große Jugend des Angeklagten auf 1 Jahr B. 100. Die Armendirettion fann von Ihnen noch die Koj und 6 Monate Gefängnis. di langen. G. Stern 100. Die Wartezeit beträgt 10 Monate, aber auf besonderen Antrag durch Gerichtsbeschluß berkürzt teri 2. S. 100. 1. Ja. 2. Die Stadt gewährt Mietszuschuß. 3. Unter be wird nur für Kinder unter 15 Jahren gewährt. F. F. 100. fönnten Ihnen Schwierigleiten entiteben. 2. N. 1. Wahrs nicht. 2. Sa. 3. Rein. E. M. 2. 269. Wegen Herzkranthi A. G. landsturmbilichtig, Ste fönnen noch eingezogen werden. Dienstuntauglich wegen umfangreicher oder mit den verwachsener Narben und Herzfrankheit. 2. B. 62. E. K. 5. Das Testament ist in der Form gültig. Kleine Nachrichten. Im Streit erstochen. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Streit, der zwischen zwei Knechten vom Gut Amalienfelde bei Kremmen zum Ausbruch tam. Der Großknecht Shoppa hatte mit dem Acernecht Fadke Auseinandersetzungen gehabt, die bald in Tätlichkeiten Tabei stürzte Schoppa plößlich über Fadke her und brachte ihm einen so schweren Messerstich in den Unterleib bei, daß Der der Verwundete wenige Minuten darauf starb. usarteten. Strandung eines dänischen Dampfers. Wie ein Telegramm aus Kopenhagen meldet, ist der dänische Dampfer Rigmor" an der Küste von Westray, einer der DrinenInseln, gestrandet. Die Besatzung des Schiffes konnte durch einen Fischdampfer gerettet werden. Welch ungeheure Entrüstung bei unseren Kriegern in ven Schüßengräben über das schändliche Treiben der Feld.Täter wurde verhaftet. posträuber herrscht, kam in mehreren Briefen zum Ausdruck, auf die gestern der als Vertreter der Anklagebehörde fungierende Staatsanwalt von Bradke in einer Gerichts. verhandlung gegen einen Feldposträuber Bezug nahm. Die 1. Straffammer des Landgerichts III unter Vorsiz des Bandgerichtsdirektors Pioletti hatte gegen den 16jährigen Postaushelfer Paul Krause zu verhandeln. Der Angeklagte, dessen Vater selbst im Felbe steht, hatte in seiner Eigenschaft als Aushelfer bei dem Postamt in Frohnau, wie er selbst angab, zwölf feldpostpakete geöffnet und daraus Bigarren, Zigaretten, Schokolade, Feldbrillen, Taschenlampen und andere Liebesgaben entwendet. Sein Gehalt betrug 98 M. monatlich. Staatsanwalt von Bradke teilte mit, Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Galvanifeur August Anders Neukölln, Rosenstr. 23 am 26. d. Wits. an Lungenleiden geftorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. Dezember, nach mittags 2 Uhr, von der Reichen balle des Gemeinde- Friedhofes in Neukölln, Mariendorfer Beg, aus ftatt. Den Kollegen ferner zur Rachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Eduard Eitner Dieffenbachftr. 33 am 27. b. Mts. an Gehirn erweichung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 2 Uhr, bon der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, ber Reffelschmied Friedrich Klebe am 28. b. Mts. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von ber Leichenhalle des Heilands- Kirchhofes in Plößensee aus statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechanifer Max Jaap Treptow, Strüllsstr. 11a am 27. b. Mts. an Nierenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Gemeinde Friedhofes in Treptow, Kiefholzstraße, aus ftatt. Den Kollegen ferner zur Nach richt, daß unser Mitglied, der Schloffer Georg Marggraf Weinstr. 29 am 27. d. Mts, an Nierenleiden geftorben ift Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 1%, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Fried. hofes in Friedrichsfelde aus statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Hermann Reiff Levetomftr. 23 am 26. b. Mis. an Blafenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes, Müller, Ede Seestraße, aus statt. Nachruf! Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Wilhelm Hennig Manteuffelftr. 93 am 20. d Mts. durch linfall gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 129/14 Die Ortsverwaltung. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Donnerstagmittag: Ziemlich mild und zeitweise beiter, aber noch sehr veränderlich, mit öfter wiederholten, im Binnenlande meist geringe n, an der Stüfte etwas stärkeren Regenschauern. Später zunehmende Aufheit erung und Abkühlung. Dem Andenten unferer auf dem Kriegsschauplat 209/5 194/2 gefallenen Genossen! Am 15. November fiel in den Kämpfen im Osten der Hausdiener Hermann Dettloff Wallstr. 72.( Bezirk 251.) Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 3. Berliner Reichstagswahlkr. Gefallen ist im Osten der Tischler Hermann Gleiche Gravelottestraße.( 10. Bezirk.) Sozialdemokratischer Wahlverein Steglitz. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. 1. Abt. Bez. 477. Am Sonnabend, den 26. De zember, verstarb unser Genosse, der Brauer Johann Czopnick ( Saarbrüder Str. 33.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 3%, Uhr, von der Zeichenhalle des BartholomäusKirchhoics in Beißensee, Falfenberger Chauffee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Albert Grundmann ( Büdlerstr. 29, Bezirk 4) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, 31. Dezember, nach mittags 2, 11hr, von der Halle des Zentralfriedhofes, Friedrichs. felde, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 45/12 Die Ortsverwaltung. Nach wochenlanger Ungewißheit erhielt ich die traurige Nach richt, daß mein innigstgeliebter Bräutigam Edmund Arlt Reservist im 1. österreichischen Feldjägerbataillon, amt 23. Dftober bei Razclawice ( Galizien) gefallen ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Anna Schumann nebst Eltern Oswald Schumann nebst Frau fowie Geschwister Karl, Klara und Oswald. 5080 Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am 27. Dezember starb unser Sollege, der Sandsteinmet Emil Franz im 39. Lebensjahre an einem Lungenleiden. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 2%, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jalobi- Kirchofes in Neukölln, Hermannstraße, aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 173/4 Die Ortsverwaltung. Volks- Feuerbestattungs- Verein Groß- Berlin. Nachruf. Am 23. d. Mts. starb unser Mitglied, Herr Julius Keitel Buchbinder. Ehre seinem Andenken! Der Vorst and. 291/10 Am 25. Oftober fiel in Flandern mein lieber Sohn, Bruder und Neffe Erich Rohleder ( Reg. Nr. 206) im Alter 23 Jahren. von 1472 Frau L. Rohleder Neukölln. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Metallschleifer Eduard Eitner am Sonntag nach langen schweren Veiden entschlafen ist. 7686 Mit der Bitte um ftille Tei nahme zeigt dies tiefbetrübt an Frau Anna Eitner geb. Richter, Dieffenbachstr. 33. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Verein der Metallschleifer Berlin und Umgegend. Krankenunterstügungsverein. Statt Karten. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Eduard Eitner gestorben ist. 7696 ant Die Beerdigung findet Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 2 Uhr, bon der Leichenhalle des städtischen Fried bojes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Sparverein„ Südoft“. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Sparbruder Albert Grundmann verstorben ist. Beerdigung Donnerstagnachm. 21, Uhr von der Halle des städtischen Friedhofes Fried: ichsfelde. 149A A tab bit C Li 111 Bel 381 Freffer, dänische, 53-60, Bullen, dänische, 58-70; Kall s C11 Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen- Direkti Dienstag, den 29. Dezember. den Großhandel in den Zentral- Markthallen.( Dhne Verbind. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, fleisch Ia 88-97, bo. IIa 82-87, bo. Illa 75-81; Bullenfleisch Ta do. Ila 76-83; Stübe, fett 64-68, do. mager 46-50; Fresser Doppellender 130-140; Mafttälber Ia 100-110, bo. IIa 85-99. cft fleisch: Mafilämmer 88-96; gammel Ia 79-88, bo. IIa 73-78; 77-88. Schweinefleisch: Schweiite fette 78-83, sonstige 72-78; em inländisches: Startoffeln. Daberiche 50 kg 3,75; weiße Staijer 3 3,50; Magnum bonum 3.75; Boltmann 3,50-3,75; 9 rd Good 0,70-1,00; Sellerie, Schod 3,50-6,00; Spinat 50 kg 25,00- In Mohrrüben 2,30-3,00; Stohlrabi Schod 0,00; Wirsingkohl 4,00-10,00; irsingkohl 50 kg 3,50-4,50; Weißkohl Schod 3,00Weißlohl 50 kg 3,00-3,50; Rottohl, Schod 4,00-10,00; Roifobl 50 k in bis 4,00; Grünkohl 50 kg 5,00-10,00; Roblrüben Schod 3,00-5,00; Te Rüben 50 kg 12,00-16,00, Märkische Stüben 50 kg 8,00-10,00; Bu fohl, Griarter, 100 St. 00,00-00,00, Rofentohl 50 kg 22,00-26,00, rettich Echod 4,00-12,00, Petersilienwurzel Schockbund 1,00Radieschen Schodbund 2,50-3,00; 3wiebeln 50 kg 7,50-8,50;$ ch 50 kg 0,00-0,00. Verhand der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Nachruf. Am 14. Dezember berstarb an einem Schlaganfall unser Mitglied, der Maler Hermann Klauk ( Bezirk Westen). Ehre seinem Andenken! 138/4 Die Ortsverwaltung. Verhand d. Gemeinde- u.Staatsarb. Filiale Groß- Berlin. Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Nach. richt, daß der Stollege Gottlieb Zeidler welcher im Betriebe des städtischen Gaswerks Danziger Straße beschäftigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein chrendes Andenken bewahren. 36/16 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben, unvergeßlichen Tochter und Schwefter 289 Margarete Weise fagen wir allen Verwandien und Bekannten sowie der Freien Turner schaft"( erste Frauenabteilung Neutölln- Briz) und den Geschäftsleuten unseren besten Dank. Paul Weise nebst Frau und Sohn. Danksagung. 0 h 111 Für die vielen Beweise herzie Teilnahme und die zahlreichen K spenden bei der Beerdigung m lieben Mannes, unseres guten V Gottlieb Zeidler sagen wir allen Verwandten, a tannten sowie den Meistern Kollegen der Gasanstalt IV un herzlichsten Dank. Bitme Martha Zeidl nebst Kindern, Gleimstr. 2 Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Pig + Oskar Wollburg Trauer Magazin Berlin N., Brunnenstraße 56. 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Geöffnet von 11-1, und von 4-7 Uhr. 6. Wahlkreis( Moabit): Salomon Jofeph. Wilhelmshavener Chaße 48. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Ubr Wedding: 3. öniich, Müllerstr. 34a Ede Utrechter Str., Laden Geofinet bon 9-2 und von 4-7 Uhr. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: A. Wolgast 92attstraße 9. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Sarl Mars, Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 11hr. Adlershof: Sarl Schwarzioje, Bismardstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 11hr abends. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Köpenider Str. 6. Baumschulenweg:. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. Bernau, Röntgental, Zepernick, Schönow, Schön brück und Buch: heinrich role, Mühlenite. 5. Laden. Bohnsdorf, Falkenberg und Falkenhorst: Paul Gens. Bohnsdorf, Genossenschaftshaus Baradies". Charlottenburg: Guitar Petersbagen. charuberg, Sejenheimer Str. 1. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr. Eichwalde, Schmückwitz: Dslar Mahle, Bismarditr. 4. Erkner, Neu- Zittan: Emil 3wang, Scharmeberstr. 10. Fredersdorf- Petershagen, Eggersdorf: Uffenwasser, Friedenau, Steglitz, Südende, Groß- Lichterfelde, Lankwitz: Berniee, Aljenjtr. 5 in Steglig. Geöffnet von 11-1, und von 4-7 Uhr. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schöneiche, Kl.- Schönebeck: Crnit Bertmann, Friedrichshagen, stopenider Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Var Bonichur, Parkstr. 23 Karlshorst: Dstar Shaarichmidt, Auguste- Bittoria- Str. 18. 1 Köpeniek: Emil Bigler. Riegerstr. 6, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg I, Friedrichsfelde, Hohenschönhausen: Otto Seitel, Wartenbergstraje 1( Laden). Geöffnet von 8-2 und von 4-7. Uhr. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: A. Rosenfranz, Ali- Borbagen 56. Geöffnet von 11-1 und von 4-7 11hr. Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdori: P. gepberg, Kauls. dorf, Ferdinandstraße 17. Mariendorf: August Leip, Chauffeeſtr. 29. Marienfelde: Emil 23 einert, Berliner Str. 114 II. Aeuenhagen, Hoppegarten: Gustav Bergmann, Wolterftr. 3. Neukölln: M. Deinrich, Nedarstr. 2, im Laden. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 Uhr; Neuföln. Briz: Rohr, Siegfriedstraße 28/29. Geöffnet von 9-2 und von 4-7 11hr. Nieder- Schöneweide: Bilheim Unruh, Brüdenstr. 10, II. Nowawes: Wilhelm Jappe, Lutherstr. 2. Ober- Schöneweide: Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, Niederschönhausen, Nordend, Frz.- Buchholz, Blankenburg: Nigmann, Mühlenstr. 30. Geöffnet bon 11-1, und von 4-7 Uhr. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh unb Schönholz: 2. Gurich, Brovingitr. 56, Laden. Geöffnet b. 11-1%, u. 4-7 Uhr Schenkendort b. Königs- Busterhausen: Chr. antichte, Dorfstr. 10 Schöneberg: Bilhelm Bäumier, Martin Lutherstr. 69, im Laden Geöffnet von 9-2 und von 4-7 11hr. Spandau, Nonnendamm, Staaken, Seegefeld und balkenhagen: Stoppen, Breitest. 61. Geöffnet von 8 11h morgens bis 8 Uhr abends. iegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, Hermsdorf, Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Baul sienai, Borjigwalde, Räuchstraße 10. Geöffnet von 11-12. von 4-7 11hr.) Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow, Berliner Str. 16. Lempelhof: Job. Strohn, Borusstastr. 62. Treptow: Slob. Gramens, Stiefgoigstraße 412, Raben. Geöffnet von 7 lbr morgens bis 8 Uhr abends. Weibensee, Heinersdorf:. Fuhrmann, Sebanjtr. 105, part. Geöffnet von 11-1, uno von 4-7 Uhr. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Zeuthen, Miersdorf: Ernst süttig, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14. Zossen: Matuschet, Marktur. 5. Wilhelmsane 27. Königs- Wusterhausen, Wildau, Niederlehme: Friedrich Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte werden geliefert. Baumann, Bahnhofstr. 2, Eingang Beestower Straße. Sonntags find die Ausgabestellen gefchloffen. 0 Sufer Lefeffoff in der 05 Kriegszeif ie illustrierte Wochenschrift, In Freien Stunden" bringt auch im Kriege ihren Lesern fesselnden Unterhaltungsstoff. Die weltgeschichtlich hochbedeutsame 3eit, in der wir leben, zwingt mehr als je dazu, den seichten, nichtsigenden Leseschund aus Arbeiterkreisen zu verbannen und das lugenmerk auch in der Unterhaltungslektüre auf große Dinge richten. Unsere Wochenschrift„ In Freien Stunden" dient iesem Ziel, indem fie, Anfang Januar beginnend, veröffentlicht: Um die Freiheit Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernfriege von 1525 von Robert Schweichel Die größte deutsche Bauernerhebung hat in diesem Roman hre künstlerische Darstellung gefunden. Der Verfasser führt ins gleich im Anfang in eine höchst lebendige, charakteristische Szene, die schlagend offenbart, um was es in diesen verzweiFelten Rämpfen der Bauern ging: um die Befreiung von den brückenden Feudallaften, um einen gerechten Anteil an Grund und Boden, Wild und Fischfang und kirchliche Freiheit. Das Auftreten Luthers gab der längst vorhandenen Unzufriedenheit einen mächtigen Aufschwung und verschaffte dem politischen und wirtschaftlichen Kampf eine religiöse Grundlage; denn das Evangelium sah in allen Menschen Brüder und wandte sich hauptsächlich an die Mühseligen und Beladenen. Darüber hinaus sahen Weiterblickende das Heil in der Errichtung eines nationaldeutschen, christlichen Reiches- ein Umstand, der im Hinblick auf den Weltkrieg der Gegenwart von besonderem Interesse ist. Schweichel beginnt mit dem Aufstande in Rothenburg und führt uns dann mit sicherer Hand durch die wesentlichsten Ereignisse und Kämpfe jener großen Zeit. Nicht etwa in trockener Aufzählung der Tatsachen, sondern, wie es sich von einem tewerkschaftshaus. vesterfeier In sämtlichen Sälen onzert und Feier. Im großen Saal Sinfonie- Konzert Gesangsvorträge vom Ber: iner Arbeiter: Sänger.Chor. Um 12 Uhr 200 Sängern, unter Leitung des perrn Dirigenten Franz Bothe grüßung des neuen Jahres. ! Silvesterlarpjen! Lebende böhmische Am 1. Januar 1915 Kunst- Abend Konzert In Freien Stunden erscheint wöchentlich als 24 Seiten starkes Heft zum Preise von 10 Pfennig. Jedes Heft bringt außer den Romanen Auffäße( zum Teil auch illustriert) und Notizen aus allen Wissensgebieten, Skizzen oder kurze Erzählungen, sowie Scherz und Satire. Der Unterzeichnete bestellt bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 Lindenstraße 3 In Freien Stunden" nebst einer Gratis- Kunstbeilage zum Preise von 10 Pfennig wöchentlich frei ins Saus Name:. Ort und Wohnung: Diesen Bestellschein nimmt auch der Zeitungsbote entgegen. Verschiedenes. 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Da treten uns ebensowohl die einfachen Repräsentanten der großen Masse, wie die geschichtlichen Führer jener großen Bewegung entgegen. Da flingt eine Liebesgeschichte in Kampf und Streit hinein, und Poesie vereinigt sich mit Sistorie, um uns jene weltbedeutenden Ereignisse menschlich näherzubringen. Alles in Allem: Dies starke Werk eines Mannes, der mit Herz und Tat stets auf Seite des schaffenden Volkes stand, muß das brennende Interesse jedes Arbeiters, jeder Arbeiterin finden. Wer den Roman schon kennt man kann ihn gern zweimal lesen!- hat hier Gelegenheit, sich eine illustrierte Ausgabe für wenig Geld zuzulegen, denn das Wert wurde von Prof. Damberger- München mit künstlerischen Bildern geschmückt. Neben dem Hauptroman bieten wir unsern Lesern zunächst Gewastopol Novelle von Leo Tolstoi 4. In dieser höchst zeitgemäßen Novelle führt uns der berühmte russische Dichter in die Zeit des Krimkrieges, da die vereinigten Armeen der Franzosen, Engländer, Türken und Sardinier den ersten Kriegshafen der russischen Flotte im Schwarzen Meer einschlossen und eroberten. Der Verfasser befand sich als junger Offizier in der Festung und schildert aus eigener Anschauung tiefergreifend Leben, Leiden und Kämpfe der Verteidiger, ihren Mut und ihr Verzagen, ihre Tugenden und Lafter. Er beschönigt nichts, er verschweigt nichts.- Da Sewastopol auch im gegenwärtigen Kriege eine bedeutende Rolle spielt, Hafen der russischen und Angriffsobjekt der türtischen Flotte ist, werden die meisterhaften Schilderungen Tolstois mit außergewöhnlichem Interesse gelesen werden. Patentanwalt Müller, GitschinerVermietungen. Wohnungen. Charlottenstraße 87 fleine Woh nungen sofort billig. 6875* Zimmer. Möbliertes Zimmer, mit Kaffee 15,-, Maybachujer 13, II lints. 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Neben diesen Erscheinungen macht sich allerorts die fegen?; reiche Wirkung des staatlichen BranniweinverkaufS geltend. So baben die Petersburger Arbeiter in den wenigen Monaten des 'Schnapsverbots durch den Ankauf neuer Kleidung und SchuhzeugS ein verändertes Aussehen erlangt. Daneben ist auch keine he- sondere Arbeitslosigkeit in den russischen Gouvernements zu spüren. Zwar haben viele Industriezweige ihre Produktion eingeschränkt, aber cS sind auch eine ganze Reihe neuer Fabriken für die Pro duktion von Gegenständen eröffnet, die bisher aus Deutschland eingeführt wurden fFarbstoffe, Watte usw.). Aus dem Bereich der Arbeiterbewegung werden fob gende Tatsachen gemeldet: In Warschau haben die dort tätigen sozialistischen Parteien, Sozialdemokratie Polens und Litauens, Polnische Sozialistische Partei und Jüdischer Arbeiterbund, aus Grund des EinigungSvorschlageS der Brüsseler Julikonferenz des Internationalen Sozialistischen Bureaus eine gemeinsame örtlich« Leitung st-Rada") geschaffen, in die je zwei Vertreter der genamv ten Parteien delegiert worden sind. Die„Rada" hat einige Flug blätter gegen den Krieg verbreitet und ein Wirtschafte- Komitee gegründet, dessen Mitglieder von TOGO Arbeitern ge wählt wurden. Diese? Komitee errichtet Speisehallen für die arbeitslosen Arbeiter und sucht auch sonst die Not des Warschauer Proletariats zu lindern. Bemerkenswert ist es, daß eS den War- schauer Arbeitern gelungen ist. in dem zwölfköpfigen Ausschuß der Bürgermiliz drei Plätze zu erkämpfen. In verschiedenen Städten JnnerruhlandS werden Versuche gemacht, die sozialdemokratische Parteitätigkeit aufzunehmen. Aber die meisten dieser Versuche scheitern vorläufig nicht nur an den ungünstigen äußeren Verhältnissen, sondern auch an der Konfusion, die der Krieg auch in Rußland in die Reihen der Parteigenossen hineingetragen hat. Hervorzuheben ist jedoch, daß die leitenden Instanzen und die größten Organisationen der sozialdemokratischen Partei: Zentralkomitee, Organisationskomttee, lettische? Zentral kömitee, kaukasisches Landeskomitee, ferner die Organisationen in Bolen und Litauen Flugblätter gegen den Krieg herausgegeben baben und ihre Anschauungen in den Massen zu verbreiten suchten. Daß auch die beiden sozialdemokratischen Dumafraktionen einen solchen Standpunkt eingenommen haben, ist bekannt. Al«„echtrusstscheS' Kuriosum sei noch nachgetragen, daß eine sozialdemokratische Gruppe in Moskau, die den Standpunkt der Bewilligung der KrtegSkredite vertritt, zur Begründung ihrer An- schauung ein illegale? Flugblatt herausgeben mußte. Dieser Vorgang kennzeichnet aber weniger den„PossibiliSmuS" einzelner Kreise Unserer russischen Genossen, als den M a n g e l a n..P o s s i- b i l i S m u»* bei der russischen Regierung, die die.patriotischen" Aufwallungen in einigen sozialdemokratischen Kreisen im Keime erstickt. /tos dem internationalen Spitzelsumpf. Der.Rußkoje Stowo' zufolge ist der Agent der berüibtigten Petersburger Geheimpolizei N i k o l a j e w. Kavalier des Georg- Orden« und großer russischer.Patriot', wegen systematischer Spionage zugunsten Deutschlands zu IG Jah.en Zwangsarbeit verurteilt worden. die Landung der öerfaglieri in valona. Lalona, 29. Dezember,(ffi. T. B.) Meldung der Agenzia Stefan!. Heute früh wurden unter der Begeisterung der Be- völterung die italienische und die albanesischc Fahne auf dem Präfekturpalast gehißt. Die Landung deS Regiments Bord der in der Bucht bevor. B e r s a g l i e r i, da? sich an ankernden Dampfer befindet, steht darüber, daß der Krieg, wen« er schon nicht vermeidbar war, wenigsten» nicht auf deutschem Boden ausgetragen wurde, unserem Vaierlande diese Verwüstungen erspart bleiben. Auch aus un« Un- gläubige machte e« einen besonderen Eindruck, daß fast überall die Kirchen und Kirchhöfe den Mittelpunkt de? Kampfe» gebildet hatten. mese entweder unter deutsche? Feuer genommen wurden, weil sich tranzösische Beobachtungsposten oder Verteidigungsstellungen darin oder dabei befanden oder andererseits von den Franzosen und zum Teil Engländern zerschossen wurden, damit sie von den nachrückenden Deutschen nicht mehr gebraucht werden konnten.'— "*** 1«f, Auch erhabene Züge nicpi---------- W.. �_ von Menschlichkeit wurden berichtet, so wenn ein Geistlicher in hohem Alter persönlich in seinem Garten ein Grob für zirka SO Krieger schaufelt und die Leichen auf Handkarren zusammenfährt bi» Deutsche ihm Hilfe leisten konnten. Die? Grab wird kaum ein Besucher wieder Bergenen. Der Stand der Landwirtschaft in der Umgebung von St. Luentin fit sehr gut. Die Halmfrüchte find abgeerntet, dagegen stehen noch Taufende von Hektaren Zuckerrüben auf dem Felde, die erst zum kleinen Teil abgeerntet sind oder wurden. Bei allen wird da» nicht möglich seim Der Boden ist sehr gut und deshalb glaubhaft, wenn gesagt wird, daß da» vom Krieg berührte Gebiet Nordftankreicht die Vieh- und Kornkammer Frankreich» darstellt. Die Verkehrkeinrichtungen wit Bahnen und Kanälen sind sehr gut, an Kanälen viel besser al» wir eS in Deutschland jemals zu hosten gewagt haben. Mst einem Gewissen Neid sehen wir diese guten Wasserstraßen— u. a. einen Unkerirdisch geführten Verbindungskanal von 8 Kilometer Länge— und wir hofften, daß die politischen Verhältnisse in Preußen-Deutsch- land auch bald solchen Kultureinrichtungen günstiger werden. Der �wähnte Kanal zwischen Tambrai und St. Ouentin stammt schon uu? dem Jahre ISlG, al» Napoleon I. herrschte. ,. Der Zustand der Straßen ist zum Teil kehr gut. kommunale Ver- wndnnzswege sind schlechter. Ein übermäßiger Eifer, die Straßen und Brandplätz« wieder aufzuräumen, Häuser bewohnbar zu machen. wßl sich jn Frankreich und noch mehr in Belgien nicht beobachten. Manche Häuser und Mauern, selbst von Kirchen, die bei den Straßen- -ampfen gegen reguläre Truppen und die Bevölkerung verteidigt und wVlegrlften wurden, find siebartig durchlöchert, und niemand hat bis etwas getan, den Zustand zu beseitigen. Und wenn e« der Zweck � Reise war. den Teilnehmern den Ernst de» Kriege» nachdrücklich Augen zu führen und allen eine ernst«, bleibend« Erinnerung L3lan zu verschaffen so ist diesem sehr reichlich entsprochen worden. ■Jtbtt Besuch von Unbeteiligten mutz im Etappen- und Operation». sikb'ei. in da» wir einen Einblick tun dursten, störend wirken, und oe«haw dürfen die Ansprüche nicht zu weil gehen, zumal ein Vor- die belgischen Genojsenjchaften und der Krieg. Wir lesen in der.Humanito': Genosse F. H. Gorle gibt in der.Justice" ein Gespräch wieder, da« er neulich mit einigen belgischen Sozialisten in London hatte. Er hebt darin die Energie und den Mut berdor, mir dem unsere belgischen Genossen arbeiten, um da« Elend de» Volke« durch die Gewerkschaften, die Genosien- schaflen und die Gcmeindeverwaliungen zu lindern. Die Genosse» HuySmanS, Octor». Bertrond in Brüssel, Anscele in Gent, Trochet in Lültich und viele andere hätten nie weder Zeit noch Mühe ge scheut und die Situation stets mit Ruhe und Optimismus betrachtet. Das habe mehr al« einmal zur Beruhigung der exaltierten Bcvölte rung beigetragen. Durch einen glücklichen Zufall seien bis jetzt fast alle Genosie« schoflen Belgiens der Auflösung entronnen. Sie funktionierten ziem lich gut und trügen mit allen Klüften dazu bei, da? Unglück der Zeit zu lindern. Sie seien im allgemeinen zur Hälfte des TageS ge öffnet, und der Umstand, baß sie nicht viel gelitten haben, gestatte ihnen, die Beiträge wie vorher zu entrichten. Der Direktor der E noffenschaft in Löwen versicherte dem Geiiossen Gorle, daß auch sein« Gcnosienschaft verschont geblieben sei. btin'n**""'Lr'"lc gehen, zumal em "och-o" k* Nkont nicht ungefährlich ist. Di« Reise ist nicht ganz Und icamm verlausen, sie hat aber dank der Fürsorge der Leitunz Re-wfr� �tappeninspektion alle Teilnehmer hoch Ixfricdigi. Auch die lich w'fkNll und Unterbringung war dem Krieg entsprechend Vorzug- Rückrei""ch einmal ein Fautag eingeschoben werden mußte. Tie Koh>n» Ö,e belgischen Kampfgebiete und die leider verlassenen ,>j,1'l"B?wen und sonstigen großen Werke. Und die Besichtigung ®üt«rn. Wunsch, daß bald für einen friedlichen Wettbewerb und ' d' Zeit kommen möge. Der Uebergang aus deutschen drnrf 3S b.'e Rückkehr in die gewohnte Umgebung festigte den Ein- Ijäben"'cht eine Vergnügung?-, sondern eine ernste Reise gemacht zu etfia»!.•®cjn Zweck, die Verbindung zwischen Heimat und Heer zu m allen Teile angepaßt war. Todesurteil gegen einen englisthen Kriegsgefangenen. Im Döberitzer Gefangenenlager fand vor Wochen bekanntlich ein Krawall statt. Englische Kriegsgefangene weigerten sich eine» Tage» zur Arbeit zu geben unter dem vorwonde. sie seien krank. Nur nach energischer Mahnung bequemten sich die meisten, aufzustehen und anzutreten. Eine Anzahl dagegen widersetzte sich, darunter der Kriegsgefangene William LonSdale. Dieser wurde deswegen am 2, De- zember vom Kriegegericht der Inspektion der Immobilen Garde wegen tätlichen Angriffes gegen einen Vorgesetzten im Dienst vor versammelter Mannschaft und im Felde zu IG Jahren Gefängnis veiurteilt. Gegen dieses Urteil legt« der Gerichtshcrr Berufung ein. Am Dienstag, den 2S. Dezember, fand die Berufungsverhandlung vor dem OberkriegSgericht des Gardekorp« statt. Der Angeklagte wurde zum Tode verurteilt. Der Verhandlungsführer bemerkte in der Urteilsbegründung, e« sei nicht.zu verkennen, daß einige Momente für einen minder schweren Fall vorlägen. ES sei aber zu berücksichtigen, daß der Angeklagte sich eineS sehr schweren DiSziplinbrucheS schuldig gemacht habe und daß überhaupt die eng- tischen Kriegsgefangenen sich widerspenstig aufführten. ES sei ferner zu berücksichtigen, daß der Angeklagte und auch mehrere seiner Mit« gefangenen die Befehle der Borgesetzten zur Räumung de« ZelteS in höhnischer Weise nachgeäfft haben. Diesmal hatte auch der Vertreter der Anklage, KriegSgerichtSrat Dr. Kohler. die Todesstrafe beantragt, während er be» der ersten Verhandlung davon Abstand genommen hatte. Der Verhandlungsführer belehrte den Angeschuldigten schließlich. daß ihm gegen das Urteil da« Rechtsmittel der Revision zustehe. Der Brrieiviger, Justizrat Dr. Bornau, ersuchte, dem Angeklagten die Erklärung, ob er Revision einlegen wolle, zu erlaffen, bi« er mit ihm sich ausgesprochen habe, da der Angeklagt« nur der englischen Sprache mächtig ist. «. .;.!» 1■... �■■...' Genosse RetchStagSabgeordneter Eduard David sandte uns hierzu folgendes Schreiben: Der Krieg hat uns daran gewohnt. Schreckliches mit Resignation hinzunehmen. Aber zu dem Todesurteil gegen den englischen Kriegsgefangenen rm Döberitzer Lager kann ich nicht schweigen, und ich hoffe, das deutsche Volk rn seiner großen Mehrheit wird meine Empfindungen teilen. Der unglückliche junge Mann, der in das vernichtende Räderwerk der Militärjustiz geraten ist. hat nicht aus nicdri- gen, verbrecherischen Motiven gehandelt. Man versetze sich in die Gemütsstimmung eines Gefangenen! Es ist begreiflich, wenn das eine oder andere unangenehme Vorkommnis ihn mehr erregt, als den in normalen Verhältnissen Lebenden. Der Verurteilte hat sich in der Leidenschaft des Augenblicks zu einem tätlichen Angriff gegen einen wachhabenden Land- sturmmann fortreißen lassen. Für eine solche im Affekt be- gangene Handlung eines Waffenlosen gegen einen Be- waffncten waren 19 Jahre Gefängnis gewiß keine milde Strafe. Auch für die Abschreckung ist damit reichlich genug geschehen. Soll nun gar der unglückliche Faustschlaa durch den schauerlichen Akt der Hinrichtung gesühnt werden? Dagegen sträubt sich mein Gefühl. Was würden wir dazu sagen, wenn einer unserer Gefangenen in England wegen einer solchen Affekthandlung„von Rechts wegen" hin gerichtet würde? Gnade darum für den Unglücklichen im Namen der Menschlichkeit und im Interesse unserer eigenen Gefangenen in Feindesland! Berlin, 29. Dezember 1314. Dr. Eduard David, Mitglied des Reichstags. Aufhebung der Presifreiheit in Sachsen. Die stellvertretenden kommandierenden Generale der beiden sächsischen Armeekorps haben auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand die Preßfreiheit aus- gehoben. Gleichzeitig ist auch die Vereins- und Ver- iammlungsfreiheit außer Kraft gesetzt worden. Die Gründe für diese überaus scharfen Maßnahmen sind nicht bekannt: den Anordnungen ist. nach einem Telegramm des „Verl. Lokalanz.", nur beigesetzt, daß diese Verfügung der Be- völkerung und der Presse selbst keinen Anlaß zu irgendwelcher Beunruhigung zu bieten brauche. Falsche Siegesnachrichten. Generalkommando des X. Armeekorps teilt mit? Verschiedene Vorgänge in letzter Zeit machen es notwendig. ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß auch die Ausstreuung und Verbreitung nicht erweislich wahrer Siegesnachrichten unter die Strafbestimmung der Bekanntmachung vom 15. November 1914 fallen. Sie sind in hohem Grade geeignet, die Bevölkerung zu beunruhigen und das Vertraueft in die oberste Heeresleitung zu erschüttern. Gegen die Ur- Heber solcher falschen Nachrichten wird unnachsichtlich vor- gegangen und werden sie, wenn die Gesetze nicht eine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Die Verhängung einer Geldstrafe ist ausgeschlossen. Jn mehreren Fällen ist ein Strafverfahren bereits eingeleitet._ Einschränkung des WeizenverbrauchS. Jn verschiedenen Gebieten des Reiches haben die Militär- behörden einschneidende Veifügungen über die Verwendung von Weizenmehl getroffen. So ist im Bereich des 8. Armee- korps die gewerbsmäßige Herstellung des üblichen Neujahrs- gebäcks, unter Androhung von Gefängnisstrafen, verboten worden. Lieferantenprofite. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Unternehmer, welch« Kriegslieferung haben, jetzt außerordentlich gute Zeiten habea Einen Einblick, was einzelne Personen dabei verdienen, konnte kürzlich wieder einmal dadurch festgestellt werden, daß sich die Interessenten um die Beute stritten. Kamen da in Frankfurt a. M, eine Anzahl Viehhändler zu» somnien, um eine Besprechung über die Schlachtviehlieferung an eme Armeekonservensabrik abzuhalten. Man erfuhr dabei, daß sich eine tiefe Empörung der Viehhändler von Süd- und Südwestdentschland bemächtigt habe, weil der Vorsitzende de» Bunde« der Viehhändler Deutschlands, unterstützt von einigen Kapitalisten, den ganzen Einkauf de« Schlachtviehes sür die in Rede stehende Armeekonservenfabrik an sich gerissen habe. Der Vichbandel sei trotz mehrfacher Bemühungen ausgeschlossen worden. Der kluge Lreserant soll einen wöch ent« lichen Verdienst von mehr als 32 GGG Marl haben. Die versammelten Viehhändler entrüsteten sich über da« lukrative Geichäst und verlangten, daß auch sie zu den Lieferungen heran- gezogen würden. Es ist eine Einigung zwischen den Viehhändlern und ihrem BundeSvorsstzenden auf der Grundlage erfolgt, daß sie ihn jetzt durch Lieferung von Lieh unterstützen. politische Uebersicht. Haß gegen Frankreich? „Die Abrechnung mit Frankreich in höchst auffälliger Weise gegen In einem Arttkel nimmt die �„Voss. Ztg." Frankreich Stellung. Zu den beiden vom Bürgertum in diesem Weltkrieg auf die Fahne geschriebenen Parolen„Gegen den Zarismus" und„Gegen das Krämervolt, gegen das perfide Albion" träte also noch als dritte die gegen den„bösen Nachbar". Zwar konstattert die„Voss. Ztg." selbst die Tatsache, daß „da? deutsche Volk ohne Groll in den Krieg gegen Frankreich gezogen«st; wie«in böse« Verhängnis erschien e« den meisten, daß Frankreich sick eigenlltch au« mißleitetem Ehrgefühl, unter dem Druck der Bündnispflicht, für Rußland« Machlpläne schlagen und schlagen lasten müsie.' Darin will da« Blatt aber eine„Mißleitung der deutschen Empfindung" sehen: „Frankreich war weder so schwach, daß r« Mitleid erheischt, noch von einer Gesinnung erfüllt, die Mitleid verdient hätte." Was die„Voss. Ztg." mit dieser SttmmungSmache be- zweckt, ist nicht recht klar. Zur Durchführung militärischer Operationen bedarf eS nicht bei den im Lande Zurück Kriegsgesetzt. Für das Fürstentum Lippe sind am 28, Dezember zwei.Landes- herrlicde Verordnungen' erlassen worden, die mit Rücklicht auf den Kriegszustand dt« gesetzlichen Bestimmungen über die Veranlagung zur Einkommensteuer und zur Vermögenssteuer ausheben und ein-- schränken. Im wesentlichen soll die Veranlagung für 1914 auch sür 1915 gelten._ Der Landtag des Herzogtums Sachsen-Gotha ist zum 39. Dezember einberuien worden. Er hat sich mit Vor- lagen über Beschaffung neuer Staatsmittel und über KriegShilse für Gemeinden zu beschäftigen.-_ Unzeitgemäße Ehrung. Nach Meldungen bürgerlicher Blätter beschloß Gneisenau? Ge- burtSstadt S ch il d a u iBezirk Halle), welche bereits ein Gneisenau- denkmal besitzt, den ersten Hindenburgturm zu errichten. Wir glaube», daß es in der gegenwärtigen Zeit völlig u n a n- gebracht ist. Geldmittel zu Ehrungen solcher Art zu verwenden. Generalfeldmarschall von Hindenburg selbst wird eS zweifellos lieber sehen, wenn die für einen Turm aufgebrachlen Mittel dem Rotcn Kreuz oder zu Liebesgaben für die kämpsendeu Truppen zur Verfügung gestellt würden._ Wirklicher Geheimer Rat Exz. Zimmermann. Wie mitgeteilt wird, ist der Unter st aatSselretär de« Auswärtigen Amte» Zimmermann zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt und ihm der Exzellenztitel verliehen worden. Unter« staaisfekretär Zimmermann gehört dem Auswärtigen Amt feit 1992 an. 1919 wurde ihm die Stelle eine« Leiters der politischen Ab- teilung übertragen. UnteistaatSsekrelär ist er seit 19ll al« Nachfolger Stemmrich«. Zimmermann steht im 56. Lebensjahre. Erledigtes Landtagsmandat. Der Vertreter de« Wahlkreise« WieSbaden-Land im preußischen AbgeoidnelenbauS, Bürgermeister W 0 l f f- Biebrich, ist gestorben. Der Wahlkreis gilt al« sicherer Besitzstand der Nationalliberalen. Letzte Nachrichten. Hilfe für Serbien. Moskau, 29. Dezember.(W. T, B.)„Ruskoje Stowo" hat von offiziöser Seite erfahren, daß die russische Regierimg Frankreich und England um die Entsendung von Artillerie» und Kavallerieuniformen nach Serbien ersucht habe. Amerikanische Pferde für Frankreich. Basel» 29. Dezember.(W. T. B.) Wie die„Basler Nachrichten" aus Boston melden, sind 39 999 von der französischen Regierung in den Vereinigten Staaten angekaufte Pferd« auf griechischen Schiffen nach französischen Häfen verladen worden. Tie Italiener in Albanien. Nalona, 29. Dezember.(W. T. B.) Don dem für V a- lona besfiimnten Regiment Bersaglieri ist ein Bataillon noch WD.Kanina geschickt worden, ein zweites nach Arta: einem gebliebenen noch eineS besonderen Rache- oder Haßiefühls, � dritten soll heute nachmittag von der Bevölkerung der Stadt das nur durch Verallgemeinerung und Uebertreibung einzelner> Valona ein herzlicher Empfang bereitet werden. Der Polizei. zAsachen geschürt werden könnte. l dienst steht unter dem Befehl des Leutnants der Karabinieri. fa: g2 hi jei A Theater für Mittwoch, den 30.Dezbr.| Theater a. d.Weidendammerbrücke. Berliner Theater 3, U.: Peterchens Mondfahrt. 8 Uhr: ,, Extrablätter!" Deutsches Künstler- Th. $ Uhr: Luther. 810Uhr: Die deutsche Marke. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Theater in d. Königgrätzer Straße. 8 Uhr: Königin Christine. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. Trianon- Theater. 8 Uhr: Oberon. N U.: Das Liebesnest. Friedrich Wilhelmstädt. Theater. Volksbühne, Theater amBülowplatz 8 Uhr: Gasparone. Gebr. Herrnfeld- Theater 8 Uhr: So leben wir! Zwei leuchtende Punkte. Kleines Theater 8 Uhr Ernste Schwänke. Z. 1. Male: Komödienhaus 8 Uhr: Biedermeier. Lessing- Theater 8 Uhr: Jugendfreunde. Lustspielhaus 8. U. Leutnantsmündel. Metropol- Theater. 8 Uhr: Woran wir denken! Montis Operettentheater. 8 Uhr: Der liebe Pepi. Residenz- Theater 8 Uhr: Krümel vor Paris. Rose- Theater 8 Uhr: Sein ganzes Glück. Schiller- Theater 0. Eröffnungsvorstellung. Anfang 7 Uhr.. Walhalla- Theater 8 Uhr: Die Forster- Christ'l. SARRASANI Mittwoch, Freitag( Neujahrstag), Sonnabend, den 2. und Sonntag, den 3. Januar: 2 Vors je Vorstellungen 2 3. Uhr 7 Uhr Zirkus Alb. Schumann. Heute Mittwoch, abends 7, Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Um 9 Uhr: Ost und West Gr. patriot. Schaustück aus der Gegenwart in 4 Akten. Große Schluß- Apotheose. Vorher: Das gr. Sportprogramm. U. a.: Weise's rollschuhlaufende Orang Utang als Akrobat. und radfahrende Bären. Urian, C. Baron mit seinen urkom. Löwen und Tigern( Parodie). Auftreten der Gebr. Schumann. 11 WINDER CARTEN Letzte Woche! Ferdinand Bonn sowie der glänzende Dezember- Spielplan. Kleine Preise! Freitag, den 1. Januar: Voigt- Theater. Vollständig neues Programm! Badstr. 58. Badstr. 58. Heute Mittwoch, den 30. Dezember: ,, lm Altenteil" oder: Des Vaters Segen banet den Kindern Häuser. Stafseneröffn. 7 Uhr. Anjang 8 Uhr. 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