Ar. 15.- 82. Jahrg. flbonncmentS'ßedingungen; r.aonuemcraä."Bieiä pränumerando! VierteMhrl. 330■.OH, monotl. LIO SKf, wöchrmüM 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfz. Sonntags- n ummer mii iHafiaertet Senntags- Beilage„Sie Neue Well" 10 iB-q- Vost« Wboraicinent: 1,10 Marl pro StRonet Eingetragen in die Post-Zeitung Z- Vreisliste, Unter iireuzband sstr Doutickland und Oesterreich> Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro fBionat Postabonnemenls neb inen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, wunämen, Schweden und die Schweij. cklcheial lüglich. Verlinev Dolll5,blcltk. ( 5 Pfennig�) Die!nfert1on$'6eb&l)r beträgt für die fechsgefpastene Kownel- geile oder deren Raum 60 Pfg., für polistfchc und gewerlschaftstcho Vereins- und Berfnmmlungs-Anzeigcii SS Pfg. „kleine Rnreigen", das feUgedruckir Watt 20 Pfg.(zuiSsfig 2 fettgedruckte Worte!, jedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weuere Wort 5 Pfg. Worte über ISBuch- staben zählen str zwei Worte. Inferaie sür die nächste Nummer niüjfen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpeditton abgegeben werden. Die Exvcditwn ist bis 7 Uhr abends getifsttet. Telegramm- Adresse: „SozialdcmoKrat Rfrlio", Zentralorgan der rozialdcmokratifchen parte» Deutfchlands. Keüaktion: SW. öS, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Ami Moristplah. Nr. la» 90—151 97. I|| Freitag, den 15. Januar 1915. Expedition: SW. 68, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplan. Nr. 151 90—151 97. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. D a r i s, 14. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von 3 Uhr nachmittags. Das andauernd schlechte Wetter behinderte unsere Operationen beinahe auf der ganzen Front. In Belgien war «türm in den Dünen längs des Meeres. Im Gebiet von N i e u- Port bis Aper» beschoß unsere Artillerie wirlsam die Feld arbeiten des Feindes. An der A i s n e nordöstlich«oiffonö war der Kampf um den Borsprung 132 während des ganzen Tages sehr heftig. Die Deutschen haben dort sehr bedeutende Kräfte angesetzt. Wir behaupteten unS auf den Höhen über den Abhängen westlich deS Borspriiuges. Im Osten mutzten wir wcichcu. Der Kampf dauert fort. Zwischen S o i s s o n s und Bertz au B a c verursachte das Feuer unserer Artillerie au wchrcrcu Stellen Explosionen inmitten der feindlichen Batterien. In der Ehampagnc von Reims bis zu den Arg u tuten fanden Artillcriclämpfc statt, die im Souaingcbict sehr heftig sind. Der vorspriiigendc Winkel der Feldbefestigung nördlich der Farm von Beau-Se'jour ist immerfort in unseren Händen. Wir errichteten dort eine« Schütze» graben, sechzig Meter von de» deutschen Schützengräben entfernt. In den Argonncn war infolge von Regen und Wind keine Infanterie- aktion. Bon den Argonncn bis zur Mosel setzte das Geschützfeuer zeitweilig aus. In den Bogcsen herrschte Nebel und dichter Schneefall. Paris, 14. Januar. sW. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr. Nordöstlich Soifsons rückte unser Gegen- angriff zwischen Cuffics und Erouy nicht vor. Wir konnten nicht aus Croutz hervorbrechen. Oeftlich dieser Ortschaft heftig an- gegriffen, wiche» unsere Truppen in der Umgebung des Dorfes Lcmoncel zurück, welches sie aber noch desetzt halten. Sie halte» ferner Sainte-Marguerite und Missy-sur-AiSne. Sonst ist kein bemerkenswertes Ereignis zn melden. Eine Ansprache poincares. Kopenhagen, 14. Januar.(2S. T. B.) Nach einer Blätter- nteldung aus Paris hielt Präsident P o i n c a r ö in Nieuport eine Aniprache, in der er sagte: Nur noch lvenige Monate Geduld! Halter noch eine zeitlang die moralische Widerstandskraft und Körper- trast aufrecht, da das Schicksal der kommenden Jahrhunderte jetzt entschieden wird. französische Repressalien gegen üeutjche Kriegsgefangene. Bo» der schweizer Grenze, 14. Januar.(T. U.) Die „Humanite" erhebt �Widerspruch dagegen, daß die französische Regierung gegen deutsche Kriegs- gefangene Repressalien anwende. EtwaS Derartiges fei Jrankreichu ii Würdig. Die von Drückeberg. Aus Amsterdam schreibt man uns: In der französischen Presse werden immer wieder die Klagen über die dienstfähigen Seute laut, die ihren Patriotismus in sorglicher Entfernung von der Front spazieren führen: Eine Zuschrift an die.Humanits" gibt über diese Menschenklasse einige bezeichnende Einzelheiten:„Was Sie bisher noch nicht gesagt haben", heißt es darin,„ist, welcher Gesellschafts- schicht diejenigen angehören, die in Paris zwischen dem Invaliden- dont und dem Fort von VincenneS hin und herpendeln oder, wie ich es dieser Tage gesehen habe, schöne Damen vom Roten Kreuz mit schönen durchbrochenen Seiden- st rümpfen ins Restaurant Paillard(das vornehmste Pariser Luxus-Restaurant) führen. Ich kenne in einer gewissen F i n a u z g e s e i l s ch a f t drei von der Sorte: den Sohn des Präsidenten des B e rwaliungsrats und den Sohn ii u b den S ch w i e g e r s o h u d e s Vizepräsidenten, die Sic nicht an der Front suchen dürfen, wenn Sie sie finden wollen." flucht englisiher Gjfiziere aus üem hollänöischen Gefangenenlager. Amsterdam, 14. Januar. iW. T B.) Infolge der neulich er- folgten Flucht einiger englischer Offiziere� aus dem holländischen Gefangenenlager sind vierzig englische Offiziere aus Groningen nach Bodegraven übergeführt worden. Kanadische Rüstungen. London, lz. Januar.(SS. T. B.) Die„Times" melden aus i�oronto: Die Regierung hol die Mobilmachung des dritten kanadischen Kontingents angeordnet. | Die Meldung öes Großen Hauptquartiers Amtlich. Großes Hauptquartier, den 14. Januar 1915.(W. T. 93.) Westlicher Kriegsschauplatz. 3n den Dünen bei Nieuport und südöstlich Hpern Artilleriekampf, besonders starkes Feuer richtete der Feind auf Westende-Bad, das er bald gänzlich zerstört haben wird. Feindliche Torpedoboote verschwanden, sobald sie Feuer erhielten. Zn Fortsetzung des Angriffs vom 12. Januar nordöstlich Soifsons griffen unsere Truppen erneut auf den Höhen von Vregny an und säuberten auch diese Hochfläche vom Feind. Zn strömendem Äegen und tief aufgeweichtem Lehmboden wurde bis in die Dunkelheit hinein Graben auf Graben im Sturm genommen und der Feind bis an den Nand der Hochfläche zurückgetrieben. Bierzehn französische Offiziere und 1139 Mann wurden gefangen genommen, vier Geschütze, vier Maschinengewehre und ein Scheinwerfer erobert. Eine glänzende Waffentat unserer Truppen unter den Augen ihres Allerhöchsten Kriegsherrn! Die Gesamtbeute aus den Kämpfen des 12. und 13. Januar nordöstlich Soissons hat sich nach genauerer Feststellung erhöht auf 3159 Gefangene, acht schwere Geschütze, eine Nevolver- kanone, sechs Maschinengewehre und sonstiges Material. Nordöstlich des Lagers von Ehalons griffen die Franzosen gestern vor- und nachmittag mit starken Kräften östlich Perthes wieder an. An einigen Stellen drangen sie in unsere Gräben ein, wurden aber durch kräftige Gegenstöße hinaus- und unter schweren Verlusten in ihre Stellungen zurückgeworfen. Sie ließen 169 Gefangene in unseren Händen. Zn den Argonnen und Bogesen nichts von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Südöstlich Gumbmnen und östlich Lützen sind russische Angriffe abgeschlagen worden, wobei mehrere hundert Gefangene gemacht wurden. Im nördlichen Polen ist die Lage unverändert. In Polen westlich der Weichsel wurden unsere Angriffe fortgesetzt. Auf dem östlichen PMca-Ufer ereignete sich nichts Besonderes. Oberste Heeresleitung. ** * Die öfterreichisihe Generalstabsmelüung. W i e n, 14. Januar.(W. T. B.) Amtlich wird berlaut- siart: 14. Januar 1-i15: Im W e st g a l i z i c n und in R u s s i s ch- P o I e u ist der gestrige Tag im allgemeinen ruhig verlansen. An unserer festgefügten Front entlang der N i d a scheiterten alle feind- lichen Angriffe der letzten Tage. In den O st k a r p a t h e n und der s ü d l i ch c n B u k o- w i n a neuerdings unbedeutende Rekognoszierungsgefechte. Der Stellvertreter drs Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnawt. Zwischenakt. Von Richard Gädkc. Im großen betrachtet, hat die kriegerische Handlung in der letzten Wochte keine Wciterentwickelung gezeigt, die Lage der feindlichen Heere ist auf allen Kriegsschauplätzen nnver- ändert geblieben. Natürlich ist das nur zutreffend, wenn man auf die äußeren Ergebnisse blickt. Welche inneren Veränderungen sich im Zustande, in der Stärke, in der kriege- rischen Kraft der Heere, in der Verteilung der. Streitkräfte vollzogen haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Wer es ist wahrscheinlich, daß sie eingetreten sind und sich später geltend machen werden. Aus den Nachrichten, die wir amtlich und gelegentlich auch nicht amtlich erhalten, lassen sich aber Schlüsse auf die wahrscheinlichen oder selbst nur auf die möglichen Absichten der feindlichen Heeresleitungen nur mit größter Vorsicht und in sebr vager Weise, ziehen. Selbst wenn man annehmen wollte, daß alle diese Mitteilungen der Wirt- lichkeit der Dinge entsprächen. Das ist aber— man möchte fast sagen: meist— nicht der Fall, da sie sich in schroffster Weise zu widersprechen Pflegen. Schon deni einzelnen Feldherrn wird es schwer, in diescni Nebel des Irrtums seinen Weg zn finden, wie viel mehr uns, die wir nicht im Ge- heimnis find, weder der eigenen noch der fremden Heeres- leitpng. Und wenn wir es einmal zu fein glaubten, dieses glücklich gefundene Korn für uns behalten müßten! Uns bleibt nur die rückblickende Betrachtung über das. was bereits geschehen ist. und auch sie nur, wenn die neue Lage unab- äyderlich fest steht und bereits der Ausgangspunkt neuer Ereignisse geworden ist. Die Tatenlosigkeit■ der letzten Woche— trotzdem Blut genug in ihr geflossen ist— hat ihrem Grund zum Teil geustß in der ungelvöhnlich schlechten Witterung, hie und da, bc- sonders im Osten, auch in der zeitweisen Erschöpfung der Truppen. Die Hauptsache aber mag doch wohl icin, daß die Kräfte der Gegner sich gegenwärtig überall die Wage halten. Die militärischen Akkumulatoren müssen erst neu geladen werden, um dann in mächtigen Gewitterschlägen da oder dort die Vernichtung des Gegners zu versuchen. Auf dem westlichen Kriegsschauplätze ist allerdings an den verschiedensten Stellen,- teilweise recht hitzig, gekämpft worden: aber alle Gefechte sind bisher von rein örtlicher Bedeutung geblieben. Die allgemeine Offensive, der Versuch, mit einer gewaltigen Anspannung die deutsche Front zurückzuNerfen oder zu durchbrechen, hat sich noch an keiner Stelle deutlicher markiert. Demzufolge sind denn auch, auf der einen wie auf der.gnderen S:eite. nur kleine, wesenlose Erfolge erzielt worden. Hier ein Schützengraben, manchmal nur von 50 Meter Länge, dort ein Hügel, einmal ein Gehöft, im günstigsten Falle ein ganzes Torf: das waren die Ergebnisse, die man uns mitgeteilt hat. lind sie wurden, wie gesägt,, vom Gegner, oft genug bestritten. Oder, wenn der eine westlich' einer Stadt Fortschritte ge- macht haben wollte, konnte uns der andere verkünden, daß östlich dieser Stadt die feindlichen. Angriffe zusanrmen- gebrachen.seien. Arn wenigsten Wert haben natürlich die französischen Mitteilungen, wonach die deutsche Artillerie batd hier, bald da durch die überlegene.Wirkung der eigenen Batterien schwer gelitten habe oder zum Schweigen gebracht worden sei. Sie hat offenbar geschwiegen, weil sie nicht noch mehr Munition unnütz verknallen, sondern nur dort scharf eingreifen wollte, wo feindliches Fußvolk zum Sturm vor- ging. Alan verschießt eben einige Schuß, um zn zeigen, daß man noch da ist und aufpaßt" dann geht man zufrieden zum Frühstück oder Abendessen in die Unterstände, zurück. Jmmerbin haben sich einige Punkte in der langen. Front herausgestellt, wo die Fränzösen hartnäckig und Tag für Tag angegriff'n haben, und man mag dem vielleicht eine symptomatische Bedeutung beimessen. Das ist zunächst natürlich am Meeresstrond und in seiner Nähe: unnötig, auseinander- zusetzen, daß die Verbündeten ein besonderes Interesse an Fortschritten in jener Gegend haben. Den Engländern siele. mehr als ein Stein von der Seele, Kenn die Deutschen nicht mehr in Ostende und Zeebrügge wären. Sodann sind die Franzosen ziemlich scharf in der Umgebung von Soissons vor- gegangen, bisher ohne jeden Erfolg. Am heftigsten und zähesten aber versuchten sie zwischen Reims und dem Ar- gonnerwalde mit wechselndem Erfolg vorzudringen. Neu- träte Beurteiler haben daraus den'Schluß gezogen, daß Joffre hier den schwachen Punkt der deutschen Linie suche und mit neugesammeltcn Kräften in der Richtung auf Rvthel (35 Kilometer nordöstlich Reims), weiterhin etwa gegen die Linie Mezieres— Hirson durchstoßen wolle. Dir. Zukunft wird zeigen, ob die Annahtpc richtig war. Schließlich sind die Franzssen nach wie vor im Ooer-Elsaß sehr rührig. Sie suchen die Z Teilung, die sie im Gebirge unr Thann behauptet haben, nach der Ebene hin auf Mühlhausen auszudehnen. Lb sie damit nur das Vorgelände der Festung Beifort er- Weilern wollen oder tatsächlich noch weitergehende Pläne ver- folgen, läßt sich gleichfalls noch nicht übersehen. Die deutsche Heeresleitung aber wird beiden Gebieten sicher schon ihre Auf- merksanikeit zugelvendet haben. Bei dieser Gelegenheit mag es interessant sein, einen Blick auf die Zusammensetzung des feindlichen Heeres zu werfen, wie sie von neutralen Zeitungen gegeben wird. Ter linke Flügel der Verbündeten Streitkräfte soll hier- nach unter dem gemeinsamen Befehl des Generals Fach stehen. Er hat zwei französische Armeen, Castelnail und MaudhiUi, sowie die Belgier unter sich, dänn folgen die Eng- ländcr unter Krench. Auch sie sind zurzeit anscheinend bereits in zwei Armean geteilt und zählen einschließlich der Inder sechs Armeekorps. Demnächst folgen der Reihe nach die Armeen von Maunury, Eare de Langte, Franchet d'Espercv, Tubail, Sarrail. Pütey(dieser im Elsa). Nimmt man die französischen Armeen nach der Normalglicderung zu je vier Armeekorps, so käuten wir nach jenen Quellen auf eine Ge- saintstärke des französischen Feldheeres von höchstens 39 Armeekorps oder rund 1 800 000 Mann. Nachprüfen lassen sich jene Angaben natürlich nicht. Vollständiger als int Westen ist die Waffenruhe im O st c n. Nachdem wir den Unterlauf der Bsura an einzelnen Stellen überschritten und weiterhin von der Rawka bis an und über die Sttcha vorgedrungen waren, ist unsere Offensive dort vorläufig zum«tillstand gekonnnen. Tie Russen ihrer- seits sollen sogar zum Angriff übergegangen sein. Nach anderen Quellen haben sie allerdings die Garde aus der Gc- fechtslinie zurückziehen und durch vier Reservedtvisionett ersetzen müssen. An der Piltza und Nida fanden in den letzten Tagen fast ausschließlich Geschützkäinpfe statt. Die Gegner stehen sich hier, wie auf dem westlichen Kriegsschauplätze, stark verschanzt gegenüber. In W e st g a l i z i e n aber ist es der sehr entschlossenen und stark überlegenen russischen Offensive nicht geglückt, über den Abschnitt des unteren Dunajec und der stark verschneiten Karvathenkämnie vorzudringen. Der Stillstand scheint hier vorläufig ein vollständiger zu sein, nur über den Uzsokpaß im Quellgebiet des Ungflnsses und weiter östlich fanden noch einige Angriffsversuche statt. Wie stark die hier vorgehenden russischen Kräfte sind, ist nicht bekannt. Dagegen scheint die Bclagerzingsarmee gegen das tapfer ver- teidigte Przeinysl zugunsten des Feldheeres so geschwächt z» fein, daß die Festung nur noch eingeschlossen ist. Es besteht also begründete Hoffnung, daß sie sich noch lange wird halten können. Sobald das Wetter günstiger wird, darf man wohl er- warten, daß der bisher so glückliche deutsche Angriff auf den russischen rechten Flügel mit aller Kraft von neuem einsetzen wird. Im S üd e n der verbündeten Donaumonarchie wird nach neutralen Zeitungen ein neiler Angriff auf Serbien vor- bereitet. Auf alle Fälle haben sich die serbischen Streitkräfte als nicht stark oder wagemutig genug erwiesen, um ihrer- seits in Oesterreich einzufallen. Es scheint, als ob sie sich auf die Verteidigung des Heimatlandes beschränken wollten oder müßten. Ucbcr den Kaukasus lauten die Nachrichten derart widersprechend, daß matt sich eilt klares Bild über die dortige Lage nickt macheit kann. In jedem Fall handelt es sich um einen Nebenkricgsschauplatz. In Aegypten sollen 125 000 Mann englischer, indischer und australischer Truppen fest- gehalten sein: eine immerhin für uns erfreuliche Folge der türkischen Kriegserklärung. Zum Schluß mag es interessant sein, aus französischen Quellen die bisherigen Gesaintverluste der Franzosen und Russen zu hören. Danach sollen die letzteren an Toten. Ver- wundeten und Gefangenen einen Abgang von 1 KäOOOO Mann erlitten haben, die Franzosen aber von 1200 000 Mann. Rechnet man hinzu den englischen und den belgischen Verlust mit je 12ä000 Man», so ergibt das die hohe Zahl von 3 100 000 Köpfen. Natürlich darf man nicht etwa annehmen, daß die feindlichen Heere uin ebensoviel bereits dauernd ge- schwächt seien. Ein erheblicher Teil der Verwundeten ist zweifellos schon wieder in die Rethen zurückgetreten. Bei den Franzosen wird letztere Zahl auf 250 000 Mann angegeben, andererseits sollen bei ihnen 498 000 Kranke und Verwundete die Spitäler gefüllt haben. Kaum nötig hinzuzufügen, daß wir kein Mittel haben, die Richtigkeit dieser Angaben zu er- härten. Aber die Quellen selbst, aus denen sie stammen, sprechen dafür, daß sie eher zu niedrig als zn hoch bemessen sind._ Gestlicher Kriegsschauplatz. die deutschen Angriffe in Polen. Mailaird, 14. Januar. lT. N.) Der Petersburger Kor- respondent der„Times" telegraphiert, daß die deutscben Angriffe in Polen auf einem IS Kilometer breiten Streifen 48 Kilometer West- lich von Warschau bei Bolinow erfolgen. Hier ständen zwei deutsche Armeekorps, von denen eins in Reserve sei. Viele schwere Geschütze seien in Position gebracht worden. Die deutschen Laufgräben lägen an einem Punkte an einem Ende des Dorfe?, während die russischen Gräben am anderen Ende des Dorfes liegen. Man glaubt, dah die Deutschen alle Anstrengungen machen, sich der Wälder von Bolinow zu bemächtigen. Seit Montag vergangener Woche tobten dort heftige Artilleriekämpfe. Die Positionen wechseln beständig zwischen beiden Parteien. NuPsche Bemühungen um die masurischen Seen. Der Korrespondent des Pariser.Journal' im russischen Haupt- quartier berichtet:.Die Deutschen verwenden in den masurischen Seen des Nachts zahlreiche gepanzerte Motorboote als Eisbrecher. die von der russischen Artillerie beschosien werden. Die Deutschen hätten ein großes Interesse, die masurischen Seen unpassierbar zu erhalten: die engen Stelle» zwischen den Seen bildeten zusammen mit den Seenflächen selbst für eine Front von 80 Werst eine fast un- cinnehmbare Schranke.' die Zelüpoft in NuPsih-polen. Man schreibt unS:____ Die Beförderung der Feldpost in Russisch- Polen ist in den rückliegendcu Wochen teilweise mit Verzögerungen verknüpft gewesen. Die Ursache dieser beklagenswerten Stockungen, die besonders die in der vordersten Linie befindlichen Truppen be- troffen haben, liegt vornehmlich in der geradezu unglaublich schlechten Beschaffenheit der Straßen und Wege, Durch die vielen Regenfälle in der letzten Zeit ist ein Teil von ihnen grundlos gctoorden, andere wiederum sind ganz zerfahren. Auch hatten die Russen einzelne Straßen streckenweise durch tiefe Quergräben für einen Verkehr un- brauchbar gemacht. Alle Vertiefungen und Löcher auf den Straßen waren bis oben mü Schlamni gefüllt. Kraftwagen können daher vielfach überhaupt nicht und beladene Postwagen nur mit geringer Belastung bei starker Bespannung und nur unter ständiger Gefahr umzustürzen oder zusammenzubrechen, verkehren. Oesters habet: Post- fahrzeuge nur durch Unterlegen von Holzdielen und mittelst Winde wieder flottgemacht werden können. Einzelne sind in der Dunkelheit in Moräste geraten und darin, trotz der größten Anstrengungen, sie wieder herauszubekommen, steckengeblieben. Die Beschaffung des unter solchen Umständen unverhältnismäßig oft eintretenden Pferde- und Wagenersatzes ist außerordentlich schwierig. Auf den Eisenbahnen muß, wie es nicht zu vermeiden ist, die Beförderung der Feldpost vor wichtigen militärische» Versanden(Truppen, Munition, Verpflegung usw.) zurückstehen. Post-Eisenbahnwagen mit Feldpost haben deshalb auf einzelnen Bahnhöfen in Polen manchmal Tage hindurch liegen bleiben müssen, bis sie die Eisenbahn weiterleiten konnte. Aber auch sonst war die Beförderung, infolge der starkeit Belastung der Eisenbahnlinien, nur sehr langsam. Man wird sich erinnern, daß ähnliche schwierige Beförderungsverhältnisse ün August und September in Belgien bestanden, und daß dort damals zeitweilig auf der nur 40 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Herbesthal-Lüttich bis zu 127 Züge gleichzeitig gelegen haben. Diese Tatsachen darf das Publikum nicht außer acht lassen, wenn neuerdings über die Beförderung der Feld- Post in Russisch-Polcn Klagen laut werden. Natürlich liegt die Schwierigkeit der Feldpostbefördcrung nicht zuletzt auch in den: riesigen Umsmige der Post selbst. Werden doch nicht weniger als 7000 bis 6000 große schwere Feldpostsäcke mit Briefen, Postkarten und Päckchen täglich aus der Heimat allein an unsere Truppen in Russisch-Polen abbefördert. � An der Verbesserung der Beförderungsverhältnisse wird von den Feldpostdienstftellen unter Leitung eines besonderen Kommissars des Reichs-Postamts fortgesetzt gearbeitet. Der Seekrieg. Die öeschießung von Scarborough unü üas Völkerrecht. Rotterdam, 14. Januar.(W. T. B.) Der Rotterdamsche „Eourant' hebt hervor, daß die englische Presse auf die Ausführungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' über die völkerrechtliche Berechtigung der Beschießung Scarboroughs und W h i t b y s die Antwort schuldig geblieben sei. Eine Ausnahme bildete der Manchester„Guardian', welcher ausführte, daß eS nur zulässig ge- Wesen wäre, die bei Scarborough befindliche Batterie Feld- g e s ch ü tz e, aber nicht die Stadt zu beschießen. Der Rotterdamsche„Eourant' bemerkt dazu, daß der Manchester „Guardin' zugebe, daß die Batterie nicht in der Nähe Scarboroughs, sondern in der Stadt selb st lag. Das Blatt betont die Un- richtigkeit der Behauptungen der englischen Presse, den Manchester „Guardian" ausgenommen, daß in Scarborough nur eine veraltete Kanone stand, während sich tatsächlich sechs neue Geschütze dort be- fanden. Der Rotterdamsche„Eourant" erklärt eS für sonderbar, daß nach allem, waS gegen die Deutschen über Scarborough gesagt wurde, der Manchester.Guardian' zugibt, daß dort eine Geschütz- batterie lag und daß das Blatt mit dieser Anerkennung so allein steht. Deutfthe Unterseeboote vor Dover? London, 14. Januar.(W. T. B.) Der„Star" meldet aus Dover, daß dort vorgestern abend Gerüchte umgingen über die Anwesenheit von Unterseebooten im Kanal. Gestern früh wurden von verschiedenen Küstenplätzen zwei feindliche Unterseeboote auf der Höhe von Dover gesehen. Die Batterien eröffneten das Feueü Der Angriff wurde ab- geschlagen. Weiter wird gemeldet, daß auf die Unterseeboote von den Höhen bei der Zitadelle mit schwerem Geschütz zweimal geschossen wurde. Der Angriff war in der Dunkelheit unter- nommen lvorden, aber die Scheinwerfer hatten die Anwesen- heit der Unterseeboote festgestellt. London, 14. Januar.(W. T. B.) Ter vorgestern nacht erfolgte zweite Angriff deutscher Unter sec- boote ist mißglückt. Das Feuer schwerer Geschütze ver- ursachtc einige Aufregung, aber man sah nichts. Die Wache meldete, daß ein deutsches Unterseeboot, welches gefeuert hatte, im Dunkeln verschwunden war. Gestern näherte sich ein zweites Unterseeboot dem Hafen, löste einige Schüsse, wurde aber von den Batterien vertrieben, ohne daß eS etwas ausrichtete. Dover, 14. Januar.(W. T. B.) Vorgestern abend um 11 Uhr 30 Minuten wurden im Hafen von Dover zwei Kanonenschüsse abgegeben. Ein feindliches Tauch- b o o t soll zu dieser Zeit bei der Einfahrt in den Hafen ge- sehen worden sein. Keine neueren Verluste üer österreichischen Flotte. Wien, 14. Januar.(W. T. B.) Gegenüber den in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten über die Ver- luste der österreichisch-ungarischen Flotte bei den Aktionen der französischen Flotte in der Adria werden folgende Tatsachen amtlich vom Flotten- kommando festgestellt: Seit dem am 16. August erfolgten Untergang von S. M. S. „Zenta" hat keines unserer Schiffe, Boote und Luftfahrzeuge, obwohl gegen sie genug Munition verschossen wurde, auch nur die geringste Beschädigung durch feindliches oder gar eigenes Geschützfeuer erlitten. Kein einziger Mann der Flotte ist auch nur verwundet worden, während von der französischen Flotte daS Unterseeboot„Curie" vernichtet und ein Schlachtschiff vom Typ„Courbet" von zwei Torpedos getroffen, also mindestens schwer beschädigt wurde. Seit dem 3. November ist außer Unterseebooten kein einziges feindliches Schiff an unserer Küste auch nur gesehen worden. Ein deutscher Dampfer in öen Grund gebohrt. Amstrrda«, 14. Januar.(W. T. v.).Telegraaf' meldet: AuS Melbourne wird berichtet, daß ein australisches Kriegsschiff am g. Januar den deutschen Dampfer„Eleonore Woermann' in Grund gebohrt habe. Die gesamte Besatzung sei gerettet worden. Der Krieg unö die Kolonien. Neue deutsche Erfolge in Angola. Madrid, 14. Januar.(T. U.) Hier ankommende offizielle por- tugiesische Depeschen auS Lissabon geben neue schwere portugiesische Riederlagen in Angola zu. Danach ist eS deutschen Truppen ge- lungen, eine Grenzwache der Portugiesen in Stärke von 650 Mann zu überrumpeln und völlig in die Flucht zu schlagen. Die Deutschen drangen in portugiesisches Gebiet ein und marschierten nordwärts gegen stärkere portugiesische Streitkräfte. Da die Deutschen jedoch von den Eingeborenen unterstützt wurden, konnlen sich die Portu- giesen auch hier nicht gegen den deutschen Ansturm halten, sondern mußten sich zurückziehen. Es sind jetzt von allen Seiten her portu- giesische Verstärlungen nach diesem Teile Angolas abgegangen und die Portugiesen werden, sobald die Verstärkungen konzentriert sind, eine Offensive gegen die Deutschen ergreifen.(Eine Nachprüfung auf die Richtigkeit der vorstehenden Metdung ist deutscherseits natürlich nicht möglich, da sich das Kabel in englischen Händen bc- findet.) Die Kampfe in öen öeutsthen Schutz- gebieten. Das Reichskolonialamt veröffentlicht über die KricgSvor- gängc in den Kolonien eine zweite Mitteilung, die unter anderem zwei zusammenfassende Telegramme des Gouverneurs von Äa- mcrun über die Ereignisse dieser Kolonie wiedergibt. Sie lauten: „Nördlicher und mitteltamcruncr Kriegsschauplatz. 27. August. Angriff der Engländer auf befestigte Stellung bei Mora abgewiesen. Feind verlor: oinen Europäer tot, einen Ge- fangenen, Maschinengewehr und 12 000 Patronen; wir nur einen Farbigen. 29. August. Nach vorausgegangenen Patrouillen- gefcchten, bei denen wir zwei Offiziere, einen Unteroffizier ver- loren, Angriff auf Garua. Feind entscheidend ge- schlagen, flüchtet nach Dola; fünf Offiziere tot, darunter zwei Stabsoffiziere, vier Weiße gefangen, etwa 200 Farbige wt, viele desertierten. Unser Verlust: ein Unteroffizier, sieben Farbige. Ende August: Patrouillcnge fechte bei Rio del Rcy, wobei unierersc.tZ zwei Weiße, darunter ein Offizier, fielen. 6. September. Von Engländern besetztes und befestigtes Nsanakang von drei Kompagnien gestürmt. Feind aufgerieben; drei Eu- ropäer wt, sechs gefangen. Unser Verlust: zwei Offiziere, ein Re- scrvegefreiier, 40 Farbige tot; ein Offizier, drei Unteroffiziere, 70 Farbige verwundet. 18. September. Wir griffen die befestigte Stellung des Gegners bei Ta k u m CR i g e r i e n, nördlich Bali) an, verloren einen Offizier; Engländer verloren viele Soldaten. 4. September. Engländer landeten bei Victoria, zogen sich am nächsten Tag bei Erscheinen unserer Truppen zurück und ver- ließen den Hafen, nachdem sie ein Magazin in Brand geschossen. 11. September. Ein englisches Kanonenboot versuchte im inne- rcn Kamerun Hafen einzudringen, geriet in unser Geschütz- feuer und zog sich beschädigt zurück. Im Lause nächster Woche Ansammlung englischer und französischer Kriegsschiffe nebst Transportschiffen: im ganzen über 30 Fahrzeuge, landeten starte Kräfte in den Krieks unter dem Schutze von Geschützen. Beider- seits verlustreiche Gefechte in den Krieks. Um voraussichtlich sehr verlustreichen Kampf um Duala auch nn Interesse der Frauen und Kinder zu vermeiden, wurde die Stadt am 27. September geräumt. Gouvernement und Kommando ins Innere verlegt. Di- bamba-Abschnitt in mehreren für den Feind verlustreichen Ge- fechten bisher gehalten; desgleichen Bomono-Abschnitt an der Nordbahn. Ter zweite telegraphierte Bericht des Gouverneurs von Ka- merun lautet: Oestlichcr und südlicher Kriegsschauplatz. 6. August. Bonga von französischem Dampfer überfallen; die Besatzung zog sich nach Jkelemba zurück. Nacht auf den 9. August: Siuga überfallen; Kompagnie Mebaiki rechtzeitig gewarnt, konnte sich zurückziehen. 22. August: Franzosen aus Wesso angegriffen Posten Mbiru; wurden von kleiner deutscher Abteilung völlig aufgerieben. Von 17 Europäern französischersetts 15 tot. Wesso vorübergehend besetzt, aus die Nachricht anrückender Uebermacht wieder geräumt. 11. September griffen Franzosen mit armiertem Dampfer Tabundi am Dscha an; sie wurden zurückgeschlagen. Drei von Midzik in den Ojem-Bezirk ein- eingedrungene französische Abteilungen wurden am 6. September bei Metsim(südlidi Ojem) geschlagen; sie verloren: vier Euro- päcr wt, darunter Stabsoffizier, und annähernd 100 Farbige; wir nur einige Verwundete. Mitte September: Französische Abteilung zweimal bei Minkebe zurückgeschla- gen, zog sich auf Mokadi zurück. Offensive auf Midzik ein- geleitet. Am 21. September nahmen französische Kriegsschiffe und 800 Soldaten nach schwerem Gefecht Ukoko. Unsere Verluste: 5 Europäer. Farbige Verluste und Verluste der Gegenseite unbc- kannt.' Am 18.«eptember wurde von vier ffanzosischen Koni- pagnicn besetzte Stellung bei K o l o n g o(am Lobaje, nordioestlicher Ilbaiigizipsel) durch eine deutsche Kompagnie genommen, und 25. französischer Versuch, Ko longo wieder zu nehmen, und Lobaje zu überschreiten, erfolgreich abgewehrt. Eingeboreue im neuen Gebiet erschweren dort Nachschub und Nachrichtendienst. Aus den übrigen Mitteilungen der Denkschrift des Kolonialamts sei hervorgehoben, daß nach einem Bericht des Rest- denten von Garua, des Hauptmanns von Cails- heim, an das Gouvernement von Kamerun hervorgeht,, daß das britische Gouvernement von Nigerien bereits 1— 2 Wochen vor der Kriegserklärung Englands an Deutschland mit einem baldigen Ausbruch der Feindseligkeiten gerechnet haben muß. Wurde doch z. B. ein nach Köln adressierter, am 23. Juli aus Garua abge- gangener Po st sack geöffnet und die Briefpost am 30. Juli lose an den Vertreter der Nigerkompagnie m Garua, nicht an die Residentur, zurückgesandt. Die Denkwhrift bemerkt dazu:„Dw englische Regierung in Nigerien hatte demnach schon Ende Juli, also vor Kriegsausbruch, die Feindselig- leiten gegen die benachbarte Kameruner Verwaltung begönne it.' der türkische Krieg. Türkische Darstellung üer Lage in /legppten. Konstantinopel, 14. Januar. biermtt Nachricht vom Tode des Kollegen lldo Kollmanii von der Sektion'Neukölln. Ehre seinem Andenke«: Beerdigung am Sonnabend, den 16. Januar, nachmittags 3 Uhr. vom Gememdefriedhos, Marien- dorser Weg, auS. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 41/6 Die Ortsverwaltung SozialdeniokraliSEherWaWyerein Kreis Biederbaraiin. Bezirk Reinickendorf-Ost. Am 12. Janoar verstarb unsere Genossin Rsrfo Klaiber geb. Haler Raschdorffstraffe 105. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet heute nachmittag 3ll, Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried» hoseS aus statt. 260/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Verwandten und Freunden die traurige Nachrichl, daff unser lieber Sohn, unser herzensguter Bruder und Neffe, der Ehemigraph Fritz Kirsclibacli nach kurzer Krankheit verstorben ist Um stilles Beileid btttet die Familie Richard Kirschbach und Frau. Die Beerdigung jindet morgen, Sonnabend, den 16. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhoses in Marzahn aus statt. 141'A 3lm 12. Januar, abends 8 Uhr, entschlief sanft mein lieber Mann, der Gastwirt 8teksil SelmiiiLl�. Dies zeigt ticsbetrikbt alt Lotty Helminsty geh Geppert. Die Einäscherung findet am somilag, den 17. d. M.. nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Kiesholzstraffe, statt. 878b Verband der Tapezierer Filiale Berlin. Aus dem Schlachtseide im Besten fiel am 23. Oktober unser Mitglied Eduard Riepert. Ehre feinem Andenken! 170/3 Tie Ortsverwaltung. In den Kämpseit bei Ipern fiel unser Mitglied 53/20 Kurt Eppstein. Ehre fernem Andenken! Berliner Volks-Chor. Am 12. Januar verstarb plötzlich unsere Kollegin ttethvig Sieleck im 26. Lebensjahre. 58A Ein ehrendes 3lndenken be- wahren ihr die Kollegen und Kolleginnen der A. E.-G. Abteilung Eiseugietzerei. Carmen Sylva- Cigaretten IM- Tmstfrel!-ME Am Dienstag, den 12. Januar, starb nach langer, schwerer Krank- heit meine liebe, gute Frau, Schwester und Schwägerin Helene Löwner im Stlter von 37 Jahren. Dies zeigt ticsbetrübt an frilz Löwner. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes aus statt. IV a o Ii r u i. Als Opfer des WeltkrieoeS fiel im Osten unser lieber Kollege, der Fensterputzer, Wehrmann Franz Schulze. Tie Kollegen der Berliner Fensterreinigungs Anstalt Arnheim u. Eo. Leicht werde ibm die fremde Erde, Zur Erschöpfte. Die groffe erfolgreiche Berwenonng. welche zur Zeit das einzigartige Kräftigungsmittel„Bioson" in Lazaretten. Krankenhäusern, durch Kranlen- kaffen für Betwundete, Erschöpfte, Erkrankte, Blutarme,?kervöse, sowie nach großen Blutverlusten, fieberhaften Krankheilen, in der Rekonvaleszenz, bei Magen- und Darmerttankungen. Ernährungsstörungen. Mattigkeit, Schwäche, bei Kindern in der Enrwickeluug iSchule� und überall da finden wird, wo es gilt, dem Körper infch die verminderte Lebenseuergie ans denkbar beste Weise zu ciietzcu, hierdurw den Kräftcvcrsall auszubauen und zur rascheren Genesung beizutragen, ist in der Wirksamkeit dieses blutbildenden Kraft- spenders begründet. Bioson hat drewial so viel Zlährlrost wie Fleisch und wird nach Professor von Noorden ebenso gut wie dieses ausgenützt. Ge- schmack und Zubercitung wie Kakao. Bioson wird von keinem änderen ähnlichen Mittel in seinen kräftigenden, belebenden Eigenschailen und seiner Billigkeit übertroffen und ist zu lN. 3,— für das große, lange aus- reichende Paket m'Apotheken, Drogerien erhältlich. 210/5 VanliSSKUNK. Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung unseres Sohnes, memes lieben Mannes, des Metalldrückers Drnno Stein, drängt es uns, allen Kollegen, be- sonders aber dem Deutschen Metall- arbciter-Berband und den Kollegen der Firma Zschancr unseren bcrz- lichsten Dank hierdurch aussprechen zu dürfe», 8736 Gustav Stein und Frau V/ifwe Marie Stein geb. Klagge. Für die zahlreiche Teilnahme und schönen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Sohnes psul Duchäteau sage■ allen Beteiligten, insbesondere der Firma Berginann Elektrische Werke, Hennigsdorser Straffe, Herrn Meister Necke, den Kollegen und Kolleginnen, Llbteilung J. sowie de» Botensratien der„VorwärtS'spedi'.ion, Müllcrstraße 34», aus diesem Wege meinen herzlichsten Dank, ZRavtlia Dnehfltean Seestr. 69, 34A Kraien-ilersäfif imdBe- iebe AMrEerliiSDimgepiL Sonntag, den 17. Jnnnar, vormittags 10'/- Uhr, Dresdener Straffe 15: Generalversamnilung. Tagesordnung: 1. Wreckmuiig vom 4. Ouarwl 1314. 2. Bericht der Revisoren. 3. Jahresbericht. 4. Borstandswahl. 5. Bereinsangelegetiheiten und Ver« schiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 37/11 Der Vorstand. F. A.: G a d e g- st. Vorsitzender. Theater «oebdahn Kvttduser Str. 6 KoHfauser Tor. � A*. AV � CT XJ« I Morilzpl. 14814. Sonnabend, den 16., und Sonr tag. den 17. Jannar: „1314" 4 Akten mit Gesang und M. Reichardc. Preis SO Pf., 75 Pf.— Beginn 8 Uhr.— Konzert 7 Uhr. Gastspiel Kriegszeitposse in Gastspiel r von Otto Reutier 10 Pf. Steuer. Rauchen gestattet! Verwaltung Berlin. Mitglieder Uersammlttugeu Tischler, Bez. Charlotienbyrg Sonntag, den 17 Januar, vormittags 1v Uhr, im„Volkshaus", Rosinenstr. 3. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neumahl der Funktionäre und der Detcgicrlett zur Generalversammlung. 3, Verbands- und Branchcnangelegenhcilen. Kis�vnmsOksn. Dienstag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, in den„Audreas-Jestfäleu", Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Kommission und der Delegierten zur Generalversammlung, 95/15 Die Ortsverwaltnng. BBBHBBBBBBMBBB■■ H■ Schnupfer! achtet auf die gesetzlich geschützte Packung, um GoJdfarb echt zu erhalten! -ÄGllläsard. �ttSS.StllW,«�- rUiAV.Z.lOß.12. Health snuff tobacco. fabac ä priser de sanft bbaka do zazywania dl» zdrowte. Tabacco da naso afla salare. bbbbbbbhbbbbbbbbbbbbbbbbbb b Gewerkschaf tsha&is. Sonntag, den 17. Januar 1915 Im groOen Saal: Bunter Abend Komische Vorträge und Lieder zur Laute Verein junger Männer. vom Eröffnung und Konzert 5 Uhr. Sonnabend. Abend: Sockbierfest Gänse, Fasanen, Hasenrüiken a Portion 89 Pf. 'AuS eigener Schlächterei konmien heute zum Berkauf: Großer Pofteu Brauuschweiger Schrotwurst, Laudlebertvurst u Kongrctzwurft. Mastkalbskeule und Nierstücke und Schweiuefchinken ohne Bein a Pfd. 1 M. Hammelkeule und Bierstucke, da» Beste was eS gibt— a Pfd. 1,1V M. Xnfnng der Vorträge 6'/., Uhr. Sonntagmittag, den 17. Januar: Gedeck n 1 M. Bwmenkohlsuppe Bouillon mit Mark Zander mit Butter Majonnaise von Krabben Ochsenfteak mtt Spargetspitzen Beinfleisch mtt Meerrettichsauce �Gänsebraten Prager Schinken in Burgunder Kalbsnierenbraten Kompott oder Salat Apselsinenipeise oder Käse Llaerreickt in seinen Vorziüxen Ist vfas�Waschpuh elngelfagone Schutzmarke Berantto. Redatt.: Alfred Wielepp, Neuköllu. Inseratenteil verantw. Dh. Glocke. Berlin. Druck u.Wl!rhög:Bl7toärtsÄuchSr7u.Verlagsck7iitatl Palll ÄngerStCo., Berlin Hierzu 1 Zulage u. Unttrhaltungsbl. Hr. 15. 32. Jahrgang. lreitag, 15. Jannar 1915. Vis Eröbebenkatastrophe in Italien. Das Erdbeben, das am Dienstag Mittelitalien, bor allem die Provinz Rom heimsuchte, hat zu viel furchtbareren Folgen geführt, als man nach den ersten Meldungen an- nehmen konnte. Auch jetzt noch läßt sich der ganze Umfang des Unglücks nicht übersehen, es scheint aber, als ob v i e l e Tausende Menschenleben zu beklagen sind. Die überlebende Bevölkerung in den von dem Beben be- troffcncn Gebieten wurde durch mehrere weitere Erdstöße von neuem in Angst und Schrecken versetzt. Von unserem römischen Korrespondenten erhalten wir über daS grausige Naturereignis folgendes Telegramm: Rom, lt. Januar. Die Verwüstung durch daS Erdbeben ist viel giüßer, als die ersten Nachrichten anzeigten; ganze Ortschaften in den Abbruzzr» find zerstört, Taufende liegen unter Trümmern begraben. Militär ist zur Hilfsaktion abgesandt, Züge Verwundeter treffen in Rom ein. Eine ganze Staüt zerstört. 3! o m, 14. Januar.„Giornale d'Jtalia" meldet, daß die Ueber- lebenden des Erdbebens in Avezzano achthundert Personen betragen. Da die Bevölkerung Avezzanos elftansend betrage, seien über zehntausend tot. Ueber den Verlauf und den Umfang des Erdbebens untsrrichten noch die folgenden Telegramme: Ziom, 14. Januar. Aus den bisher eingetroffenen Nachrichten geht hervor, daß auch Sampelino, Paterno, Cerchio, Collarmele, Pescino und das große Dorf San B e n e> dettoMarsizum großen'Teile z e r st ö r t worden sind. Avezzano ist ein Trümmerhaufen und bietet einen schrecklichen Anblick. Es sind Tausende und Abertausende Kubikmeter von Ruinen entstanden. Große Blöcke erschweren das Rettungswerl un- geheuer. Soldaten, Carabinieri und Beamte haben energisch die erste Hilfeleistung in Angriff genommen. Man erwartet andere Hilssmannschaften und Sanitätsabteilungen. Es wird bestätigt, daß die Zahl der U eberlebe»den in Avezzano nicht niehr als zehn Prozent der Bevölkerung beträgt. Die aus Avezzano in Tivoli ankommenden Züge bringen unausgesetzt Verletzte, von denen eine Anzahl im Hospital von Tivoli unter- gebracht worden ist. Die Ueberlebenden von Avezzano und Scurola geben erschütternde Schilderungen der Kata» st r o p h e, die sie betroffen. Rom, 14. Januar. Der„Messagero" meldet au? Avezzano: Einige hundert Ueberlebcnde biwakieren rund um Lagerfeuer auf dem Platze. Sie scheinen das Bewußtsein verloren zu haben und sind nicht imstande, den Unglücklichen zu helfen oder auch nur ein Wort zu sagen. Sie haben auf diese Weise die Nacht unter klarem Himmel bei großer Kälte zugebracht. Etwa fünfzig HtliS- mannschasten aus Carsoli brachten die erste Hilfe und retteten etwa zlvanzig Verletzte. Unter den Trümmern hört man Stöhnen und herzzerreißende Schreie um Hilfe. Abgeordneter Sipari teilte dem„Messagero" in einem Telegramm mit. daß das Unglück an Heftigkeit und Umfang dasjenige von Messina übertreffe. Neue Erdstöße. Rom, 14. Januar. Heute früh gegen drei Uhr wurde ein neuer Erdstoß verspürt. In einigen Stadtvierteln eilte die Bevölkerung ins Freie. Sora, 14. Januar. Heute vormittag um 8 Uhr 14 Minuten wurde hier ein neuer E r d st o ß verspürt. Die Einwohner stürzten angsterfüllt und schreiend aus den Häusern. Die Stadt ist fast völlig zerstört, fast zwei Drittel der Häuser sind eingefallen, andere sind beschädigt, zahlreiche werden abgerissen werden müssen. Der Palazzo Rossi begrub bei seinem Einsturz zwanzig Ar- b e i t e r, die auf dem Hofe beschäftigt waren. Es dürsten 400 Personen der Katastrophe zum Opfer gefallen sein, darunter viele Beamte und Mitglieder vornehmer Familien. Zahl- reiche Soldaten sind zur Hilfeleistung eingetroffen. Die öergung der Gpfer. Avezzano, 14. Januar. Nach den bis gegen sieben Uhr abends vor« liegenden Feststellungen sind bisher über zweihundert Tote und Hunderts echzig Verwundete aus den Trümmern geborgen worden. Die Opfer aon Avezzano. Avezzano, 14. Januar. Mit den Truppen sind viele VMtär- ärzte hier angelangt und haben zwei Feldlazarette aufgeschlagen. Das Rettungswerk verursacht große Schwierigkeiten infolge der starken Zerstörung der Häuser, welche vielfach nur Schutt- Haufen bilden. Unter den Trümmern des Mädchengymnasiums sind 150 S ch ü l e r i n n e n begraben worden, von denen durch die hingebende Arbeit der römischen Feuerwehr bisher nur eine lebend und zwei als Leichen geborgen sind. Die Straßen sind vollständig verschüttet, nur der Hauptplatz ist freige- blieben. Das Rettungswerk wird während der Nacht bei Fackel- schein fortgesetzt. Rom, 14. Januar.„Giornale d'Jtalia" schätzt die Opfer deS Erdbebens in der Gegend von Avezzano und Sora auf 25 000. Sora, 14. Januar. Durch das Erdbeben sind alle nicht einge- stürzten Häuser derartig beschädigt, daß sie haben geräum twcr- de n müssen. Truppen verschiedener Waffengattungen sind zur Hilfeleistung hier eingetroffen und haben bis jetzt vierhundert- fünfzig Tote und viele Verwundete aus den Trümmern geborgen und die letzteren in Zelten und Baracken unlergevracht. Brot und andere Lebensmittel werden an die Ueberlebenden ver teilt. Staötverorönetenversammlung. 2. Sitzung vom Donnerstag, den 14. Januar 1015, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 514 Uhr. Vor der Sitzung haben sich die Abteilungen neu konstituiert und u. a. den Ausschuß für die Beratung deS sozialdemokratischen Antrages betr. Heim- und Heilstättenpflege für Kinder gewählt. Diesem Ausschuß gehören auch Dupont. Hintze. Ritter, Schneider und Dr. Wehl(Soz.) an; letzterer ist Vorsitzender des Ausschusses. Zur Beratung steht zunäckist der Magistratsantrag auf Bc- willigung einer Summe von 150 000 Mark zur Hindenburg- spende, welche die deutschen Städte den Ostarmccn zum Zwecke der Beschaffung von Pelzen darbringen wollen. (Diese Spende, zu welcher u. a. Dresden, Leipzig, Danzig je 100 000 M.. München 110 000 M.. Köln 75 000 M., Mannheim 71 500 M., Chemnitz, Düsseldorf, Magdeburg, Frankfurt a. M., Posen je 50 000 M., Charlottenburg 30 000 M., Schöneberg 20 000 Mark, Neukölln 10 000 M. beigesteuert haben, ist übrigens schon am 13 Januar durch den Vorstand des Deutschen Städtetages' in Höhe von 2 Millionen Mark dem Generalfeldmarschall überreicht worden.) «tadtv. Cassel(A. L.) befürwortet eine Teiluilg des Betrages dergestalt, daß 30 000 M. abgezweigt und dein Ausschuß für die Beschaffung von Decken überwiesen werden sollen. Nachdem der Bürgermeister Dr. Neickc nainens des Magistrats sich mit der Kürzung der Summe um 30 000 M. einverstairden und wegen einer Beisteuer für den Kriegswoll-Ausfchutz eine Vor- läge angekündigt hat, bemerkt Stadtv. Heimann(Soz.): Wir wären bereit gewesen, die unverkürzte Summe zu bewilligen, haben aber natürlich kein Interesse, mehr zu bewilligen, wenn der Magistrat der Kürzung zustimmt. Der neuen Anregung bezüglich der warmen Unterklei- dung stehen wir im Prinzip auch durchaus freundlich gegenüber, wenn wir auch bedauern, daß diese Anregung so spät erfolgt, daß vielleicht der Winter vergeht, bis die Wollsachen beschafft und der- sandt sein weriwm Uns auf eine bestimmte Beitragshöhe schon heute festzulegen, sind wir aber ganz außerstande. Wir wissen ja von der ganzen Sache eigentlich nichts weiter, als was an den Litfaßsäulen steht. In dem Aufruf heißt es. daß Familien, in denen ansteckeirde Krankheiten herrschen, gebeten werden, keine Wollsachen zu bringen; soll das vielleicht die einzige Kautel gegen die Verbreitung ansteckender Krankheiten unter den verarbeitenden Frauen und unter den Empfängern sein? Dann wissen wir auch gar nichts über die Organisation dieses Wollausschusses, über die Arbeitsbedingungen, über die zu zahlenden Löhne; erst an der Hand einer Magistratsvorlage können wir uns darüber schlüssig machen. Stadtv. Cassel: Wir halten unsererseits 30000 M. für aus- reichend. Die Verarbeitung soll lediglich durch Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen erfolgen; ferner heißt es in dem Plan des Ausschusses:„Die gesammelten Gegenstände sind unmittelbar cm die nächste zur Desinfektion geeignete Stelle zu schaffen." Auch über die Preise und Löhne enthält das Ausschußprogramm Be- stimmungen. Die Vorlage wird darauf in der Fassung des Antrags Cassel angenommen. Der Entwurf für die Verlängerung der Nordsüd- bahn von der G n e i s c n a u st r a ß e bis zum Hermann- platz zum Anschluß an die von hier unter der Berliner und Bergstraße bis zum Südring durch die Stadtgemoinde Neukölln zu erbauende Untergrundschnellbahn und der mit Neukölln über Bau und Betrieb dieser Bahnstrecken abzuschließende Vertrag nebst Kostenanschlägen liegen vor. Für die Berliner Strecke sind 14 820 000 M. aus Anleihe aufzubringen. Im Anschluß an die Untergrundbahirbauten ist zwischen B e r- l i n und Neukölln eine vertragliche Vereinbarung zustande gekommen, welche sich auf die Beseitigung des Engpaffes an der Hasenheide und am Hermanplatz, den Neubau der Thielen. brücke, die einheitliche Beleuchtung der Hasenheide und des Kott- buser Dammes und die Herstellung eines Zuganges zum Bahnhof Köllnische Heide über Berliner Gebiet erstreckt. Stadtv. Düring(Fr. Fr.) beantragt für beide Vorlagen wegen der. komplizierten Natur der gemachten Vorschläge und ber gegen- seitigen Zugeständnisse Ausschußberatuna. Es sei seinen Freunden nicht ganz unzweifelhaft, ob nicht die Leistungen Berlins zu hoch bemessen sind. Jedenfalls mache Neukölln mit der Verwirklichung dieser Projekte ein feift gutes Geschäft. Objektive Prüfung sei unerläßlich, zumal angesichts der früher bei den Eingemeindungs- Projekten gemachten Erfahrungen. Die künstlich aufrecht erhaltene Trennung kommunal zusammengehöriger Gebiete mache bei den einfachsten Fragen, wie Anlegung von Verkehrswegen, Neubau von Brücken usiv. jahrelange, höchst schwierige Verhandlungen not- wendig._ Hoffentlich komme bald eine Zeit, die diese Schwierig- leiten resolut aus dem Wege räumen helfe. Stadtv. Bäscll(A. L.) erklärt ebenfalls Ausfchußberatung für unumgänglich. Stadtv. Bruns(Soz.): Immerhin haben die Unterhändler des Magistrats sich alle Mühe gegeben, die Vorlagen so zu gestalten, daß sie auch Berlin zum Vorteil gereichen. Das gilt insbesondere für den Bau der Bahn von der Gncisenaustraße nach dem Her- mannplatz. Die Hoffnung aber, daß die Widerstände, die Berlin bei den Vororten noch immer gefunden hat, einmal verschwinden würden, haben wir seit Jahrzehnten gehegt, ohne daß sie in Er- füllung gegangen wäre; ob der Krieg hier eine Aenderung bringen wird, steht nach unserer Meinung noch sehr dahin. Wir werden natürlich im Ausschutz versuchen, noch größere Zugeständnisse zu erlangen; die Hauptsache aber bleibt, daß endlich die Beckeh csver- hältnifse zwischen beiden Kommunen eine befriedigende Regelung erfahren, selbst auf die Gefahr hin, daß Berlin finanzielle Opfer bringen mutz. Die Vorlagen werden hierauf dem beantragten Ausschutz über- wiesen. Die Verhandlungen, die vom Magistrat neuerlich auf Anregung der Versammlung geführt worden sind, um eventuell auch die nördliche Schlußstrecke der Gcsundb�runnen-Neu- k ö l l n e r Schnellbahn in der Bad- und Schwedenstraße als Untergrundbahn auszubauen, haben ein negatives Ergebnis gehabt. Angesichts der Finanzlage der Stadt und der Mängel und Nachteile, die der unterirdische Ausbau der Strecke mit sich bringen würde, hat der Magistrat von einer Abänderung des be- schlossenen und genehmigten Entwurfs, der hier eine Hochbahn vor- ficht, Abstand zu nehmen beschlossen. Nach kurzen Bemerkungen des Stadtv. Thicme(Fr. Fr.) und des Stadtrats Alberti wird die Angelegenheit durch Kenntnisnahme der Magistratszuschrist fiir erledigt erklärt. In den Nahmen der zur' Sicherung der BolkScrnLhrung notwendigen Maßnahmen fällt auch die Gründung der Kriegs- g e t re i d e- G e s e l l sch a s t m. b. H., die in großen Massen Brotgetreide erwerben und es für die Monate vor der nächsten Ernte aufbewahren soll. Die Gesellschaft hat ein Stammkapital von 50 Millionen Mark, daran sind der Staat mit 21, die größeren Städte mit 20, das Grotzgewerbe mit 9 Millionen beteiligt. Der Magistrat hat für Berlin 4 Millionen Mark Beteiligung zugesagt. Tie Zustimmung der Versammlung wird deshalb erst jetzt erbeten, weil die Gründungshandlung nicht öffentlich erfolgen sollte. Im Auffichtsrat befinden sich der Oberbürgermeister und als Stellver- treter ein Stadtrat. Ein von allen Fraktionen hierzu gestellter Antrag lautet: „Die Versammlung ist mit der Beteiligung der Stadt Berlin an der Kriegsgetreidegcsellschaft m. b. H. in Höhe einer Stamm- einlage von 4 Millionen Mark einverstanden. Die Mittel sind vor- behaltlich der Beschlutzfassung über spätere Deckung vorschußweise zu verausgaben, o Zur Sicherftellung der Volksernährung hält die Stadtverord- netenversammlung es für geboten, daß der Staat oder die Kriegs- getreidegesellschaft sich in größter Beschleunigung die Herrschaft über die gesamten Vorräte an Brotgetreide sichert und deren Zuführung an den Konsum derart regelt, daß eine gleichmäßige Versorgung bis zur nächsten Ernte gewährleistet ist. Tic Stadt- vcrordnetenversammlung ersucht den Magistrat, Anträge am g» eigneten Orte nach dieser Richtung zu stellen.", Stadtv. Dovc(Ä. L.): Wir stimmen mit der gesamten Wer- sammlnng der Vorlage zu, die auf dem Boden des festen Eni- schlusses beruht, bis zum Ende durchzuhalten. Wir müssen aber auch hier eine feste Organisation fordern, und deshalb beantragen sämtliche Fraktionen, daß alsbald auch auf diesem Gebiete die Hand des Staates eingreife und auf dem Wege der Verleihung des Eni- eignungsrechts die Möglichkeit der Durchführung des Gedankens voll gesichert wird. Stadtv. Wurm(Soz.): Auch wir sind der Auffassung, daß die vorhandenen Vorräte ausreichen können, wenn in zweckmäßiger Weise damit verfahren wird. Tie chauvinistische Presse der Gegner gefällt sich in der Idee, Deutschland müsse ausgehungert werden, und der Professor Richet hat gemeint, Deutschland werde schon in fünf Monaten verhungern. Diese fünf Monate sind vorbei und wir sind nicht verhungert; wir kommen auch durch, wenn keine Verschwendung getrieben, tvenn mit den Vorräten haushälterisch umgegangen wird. Die Verschwendung von Nahrungsmitteln innerhalb der Produzentcnkreisc ist immer noch sehr groß, und es wird ihr keineswegs überall ernstlich gesteuert, wie manche land- rätlichen Erlasse und manche Erscheinungen in der Landwirtschaft und Branntweinbrennerei beweisen. Zur Branntweinbereitung sollte man Roggen und Kartoffeln heute gar nicht verwenden; dafür sind andere Materialien genügend da. Auch die Ver- Wendung des Zuckers könnte noch weit mehr ausgedehnt und statt der Höchstpreiseverfügung könnten ganz andere Matznahmen getroffen werden, die sowohl der Landwirtschaft als auch der Bc- völkerung zustatten kämen.— Sehr erfreulich ist es, daß endlich daran gegangen wird, die in Deutschland vorhandenen Vorräte in eine Hand zu bringen, welche sie in gemeinnützigem Sinne ver- wenden will. Die bisherigen bundesrätlichen Matznahmen reichen nicht aus. Die Höchstpreise, die nach unserer Meinung von vornherein zu hoch angesetzt waren, steigen automatisch vom 1. Januar ab alle 14 Tage um lk M., alle Monat um 3 M., bis zum 15. Mai. Die Landwirte bringen also den Roggen usw. keineswegs auf den Markt, denn sie machen ja ein glänzendes Geschäft, wenn sie ihn bis Mai zurückhalten, wo der Höchstpreis 235 M. beträgt. Ein Zuschlag von 3 M. pro Monat geht eben über das Notwendige weit hinaus. Die Höchstpreise stehen auf dem Papier; wir essen ja doch nicht Korn, sondern Mehl, und für Mehl existieren keine Höchst- preise. Die Mühlen bekommen kein Getreide zu den Höchstpreisen, sie müssen hinten herum Vergütungen geben, um es zu bekommen, und dazu liefert die Bundcsratsverordnung selbst die Handhabe. Es gibt nun ja Theoretiker, die die Höchstpreise für noch nicht hoch genug halten, die, wie Professor Eltzbacher, eine Erhöhung um 30 M. verlangen, um die Konsumenten auf diesem Wege zur Ein- schränkung zu bewegen. Das ist aber sogar von offiziöser Seite zurückgewiesen worden: eine Verteuerung des Brotes sei ein Schlag gegen die arme Bevölkerung.— Darum muß sich die Stadt an die Regierung wenden und ihr zu Gemüte führen, daß der Bundesrat und die ihm nachgeordneten Instanzen die Verpflichtung haben, dafür zu sorgen, daß auch Getreide gekauft werden kann. Laut Statut hat die Gesellschaft nur das Recht, Getreide zu laufen, aber ein Zwang ist nicht vorhanden. Wir hoffen, daß dieser einmütige Antrag der Vertretung der Berliner Bürgerschaft nicht ungehört bei der Reichsregierung verhallen wird; wir hoffen, daß baldigst als Ergänzung der Höchstpreise die dringend not- wendige Festsetzung der Enteignung, der Beschlagnahme der Ge- treidevorräte geschassen wird.(Beifall.) Stadtv. Mommsc»(Fr. Fr.): Die bisherige Zurückhaltung der Landwirte erklärt sich aus der Hoffnung, daß der Bundesrat doch noch höhere Höchstpreise zugestehen würde, eine Hoffnung, die sie ja wohl nunmehr zm Grabe tragen werden. Die vorgeschlagene Maßnahme billigen wir durchaus; sie ist mit dazu bestimmt, dem Glauben unserer Gegner, Deutschland werde ausgehungert werden, den Boden zu entziehen. Dazu aber wollen wir auch die Möglich- keit geben, alle Getreidevorräte zu gerechter Verteilung in eine Hand zu bringen, und diese Stelle rann nicht das Reich, sonWkn mutz diese Kriegsgetreidegesellschaft sein. Auch wer meint, daß wir genug Getreide haben, mutz unserem Antrag zustimmen. Bürgermeister Dr. Reickc: Der Magistrat hat bei seiner Be- teiligung an der Gründung der Gesellschaft ständig mit den Fraktionsführern der Versammlung in Fühlung gestanden; er durfte also auch hoffen, seine Vorlage von der Versammlung zur Annahme gebracht zu sehen. Nimmt sie auch den Zusatzantrag an, so wird der Magistrat mit ganzer Kraft im Sinne desselben vor- stellig werden; denn es handelt sich auch für ihn darum, mit aller Energie dahin zu wirken, daß bei unfern Feinden das Märchen von der Möglichkeit, ein Volk wie das deutsche auszuhungern, gründlich zerstört werde.(Lebhafter Beifall.) Die'Versammlung nimmt darauf den von sämtlichen Fraktionen gestellten Antrag unter allseitigem Beifall einstimmig am Schluß%7 Uhr._ Auslegung der Gemeinde« Wählerlisten. Die Listen liegen in den Gemeinden der Kreise Niedcr- barnim und Teltow-Beeskow vom 15. bis 30. Januar in den Gemeindebureaus öffentlich zu jedermanns Einsicht aus. Finden auch dieses Jahr allgemein keine Wahlen statt, so kann int Laufe desselben doch eine Nach- oder Ersatzwahl not- wendig werden. Daher mutz sich jeder wahlberechtigte Ein- wohner überzeugen, ob sein Name in der Wählerliste enthalten ist. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist, 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat, 4. keine Armenunter- ftützung aus öffentlichen Mitteln empfängt, 5. die auf ihn entfallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und auherdem u) entweder ein Wohnhaus in dem Gemeindebezirk besitzt, oder b) von seinem gesamten innerhalb des Gemeinde- bezirks belegenen Hausbesitz einen Jahresbetrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudestcuer entrichtet, oder c) zur Staatseinkommcnsteuer veranlagt ist oder zu den Gemeinde- abgaben nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. herangezogen wird. Als selbständig tvird nach vollendetem 24. Lebensjahre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Ehambregarnisten sind wahlberechtigt; Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders fei darauf hingewiesen datz man zur Aus- Übung des Gemeindewahlrechts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preutze zu sein braucht. Es ist nur erfor- derlich, datz man die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt. Die Listen liegen in den nachstehend aufgeführten Orten wie folgt aus: Adlersdok- Wochentäglich von 8 Uhr vormittags bis 3 Ilbr»ach- mittags im Gemeindeamt ll, Posadowskystr. 1, Zimmer 3. Am Sonntag, den 17., und Sonntag, den 24. Januar, erfolgt die Auslegung der Liste von S'/, bis 9'/. Ubr vormittags. Folgende Genossen sind bereit, sür Wahlberechtigte, welche verhindert sind, die Einsichlnahme selbst vorzunehmen, dies zu tun: August Beck, Bismarckstr. 31(Konjum-Verkaussstelle); Kaul, BiSmarckstr. 45; Smil Reu- mann. Metzer Str. S, vorn N,' Johann Fcyerstcin, DiZmarckstr. 82: Reste!, Friedenstr. U. Alt-Älicuicke. Während der Dicnitstundcn im Gemeindebureau. Buckow bei Berlin. Im Gemeindeburcau, Dorsstr. 2S. tSichwaldc Bon ö—stich von 8—3, Sonntags von 2—1 Uhr im 'Amtsbureau iMnwohnermeldeamti, Kailerallee 20, Zimmer 1. 'dticder Zchonhausen. Werltäglich von 8—8, Sonntags von 11 bis 1 Uhr im Rathaus. Zimmer 24. vlieder-Tmönewetde. Während der Dienststunden in dem Gemeinde- geschäslSzimnier, Einwohnermeldeamt. Grünauer Str. l. I. SitkotaSsee. Von 8—3 Uhr im Rathause, Zimmer 4. Rudow bei Berlin. Von 8—4 Uhr im Gemeindeamt. Schmargendorf. WeritägUch von S'/s— 3, Sonntags und am 27. d. M. von 10—12 Uhr im Rathause, Zimmer 12(Polizeiwache). Dreptow. Wochentags von S— 3, Sonntags und am 27. d. M. von Ö— 1 Uhr im Rathause, Neue�-Krug-Allee l/3, Zimmer 43. Wannsce. Im Gemeindebureau, Zimmer 5. Zeuthen. Bon 8—3 Uhr im Gemeindeamt, Kursürstenstr. 1a. Ms Groß-öerlin. Gegen üen Mshungerungsplan! Die Stadtverordneten Berlins erklärten sich gestern für Unterstützung einer Kriegsfürsorge-Matzregel, die für die nächsten Monate in die Lebensmittelversorgung des Deutschen Reiches ordnend eingreifen will. Sie stimmten dem Magistratsantrag zu, daß Berlin sich an der Kriegs- getreide-Gesellschaft zusammen mit anderen Trost- städten durch Beisteuerung von im ganzen 20 Millionen Mark Stammkapital beteiligt, wovon Berlin allein 4 Millionen bergeben wird. Ein hierzu von allen Fraktionen eingebrachter Antrag tritt dafür ein, dieser Organisation die Lösung ihrer Aufgabe durch Gewährung weitgehender Befugnisse zu er- leichtern, damit sie den Aushungerungsplan vereiteln kann. Er fordert für die Kriegsgetreide-Gesellschaft die Ermächtigung, die vorhandenen Getreidevorräte z u enteignen. Die Notwendigkeit dieses Borgehens wurde von den Rednern der einzelnen Fraktionen begründet, für die sozialdemokratische Fraktion von Genossen Wurm, der das Treiben der Getreide- und Mehlhändler beleuchtete. Tie Be- schlüsse wurden einstimmig gefaßt. In derselben Sitzung war zu beschließen über Magistrats- anträge, die mehrere für Berlin und für Neukölln gleich lvichtigs Projekte des Verkehrs- und Strastenbauwesens be- trafen. Das alte Klagelied über die kommunale Zersplitte- rung Groß-Berlins wurde in der Debatte aufs neue ange- stimmt. Dem Projekt der Fortsetzung der Nord- s ü d b a h n nach Neukölln wünschte Genosse Bruns, daß es endlich Zustandekommen möge. Die Vorlagen gingen noch an einen Ausschuß._ Keine Mietshilfe für verzogene Kriegerfrauen. Die kommunale Zersplitterung Groß-BsrlinS macht sich auch auf dem Gebiete des Unterstützungswesens stark fühlbar; das tritt besonders dann in Erscheinung, wenn der Wshnsitz von Berlin nach einem Vorort oder umgekehrt von einem Borort nach Berlin verlegt wird. Eine Reihe Familien hatte vor Ausbruch des Krieges ihre Wohnungen gekündigt und die zurückbleibenden Frauen der zum Heere Eingezogenen kamen oft in die un- angenehmste Lage. Die von ihnen bewohnte Wohnung war der- mietet, der neue Wirt aber trat vom Vertrage nicht zurück und der Umzug mußte erfolgen. Nach einem Abkommen der Groß- Berliner Gemeinden wird den von einer Gemeinde nach einer anderen verzogenen Kriegerfrauen der Gemeindezuschlag fort- gezahlt, darüber hinaus aber weitere Hilfe abgelehnt, insbesondere Miethilfe. Die erste Wohnsitzgemeinde lehnt ab und die neue nicht minder. Es kann der Fall eintreten, daß Familien, deren Er- nährer im Feld« steht, Armenhilfe neben der Kriegshilfe in An- sprach nehmen müssen. Das soll aber nach einem ministeriellen Erlaß vermieden werden. Die Genieinden müssen in solchen Fällen gel>alten sein, auch über einen bestimmt festgesetzten Zu- schlag hinauszugehen, wie das der Minister des Innern in einem uns bekannten Falle, der sich auf eine von Berlin nach Neukölln verzogene Kriegerfrau bezieht, der Stadt Berlin gegenüber zum Ausdruck gebracht hat. Leider gibt es nach dein Gesetz keine Be- schwerdeinstanz, und so bleibt selbst der ministerielle Rat, Hilfe zu leisten, auf dem Papier stehen. Eine Beschwerdeinstanz in Kriegeshilfefragen einzuführen, ist eine dringende Rotwcndigkmt. Vorläufig aber sollten die Gemeinden Groß-Berlins die verzogenen Krisgerfrauen unter der kommunalen Zersplitterung nicht leiden lassen, soweit die Misthilfe in Frage kommt. Die ausstehenden Teckenbestandsnachwoisunge«. Das Oberkommando in den Marken teilt mit, daß die durch Bekanntmachung vom 10. Januar 1916 geforderten, jetzt noch ausstehenden Deckenbestandsnachweisungen von den Firmen innerhalb des Landespolizeibezirks Berlin an die stellvertretende Intendantur des Gardekorps, Berlin NW. 7, Hegelplatz 2, von allen übrigen Firmen der Provinz Branden- bürg an die stellvertretende Intendantur des III. Armeekorps, Berlin W. 10, Genthiner Straße 2, einzureichen sind. Auf sofortige Einsendung der noch ausstehenden Nachweisungen wird nochinals hingewiesen. Etwaige Rückfragen sind an diese Intendanturen zu richten. Gin Aufruf der Bäckermeister. Auf die mannigfachen Schwierigkeitan, denen die Bäcker durch die Neuordnung der Dinge ausgesetzt sind, weist der nachfolgende Aufruf hin, den der Vorsitzende des Zweckverbandes der Bäcker- meister Groß-Berlins, Obermeister Fritz Schmidt, gestern an die Bevölkerung Groß-Berlins richtete:„Die neue Bundesrats» Verordnung voui Ib. d. M. bringt für das Bäckergewerbe ganz er- hebliche Schwierigkeiten technischer Art mit sich, die nicht alle sofort erfüllt werden können. Das Publikum wird daher gebeten, am Anfang möglichst Rücksicht zu nehmen. Das Bäckergewerbe muß sich auch erst in die neuen Verhältnisse einleben. Das Zuschicken der Waren wird auch weiter erfolgen, jedoch wird gebeten, sich die Ware für die Folge schon abends zusenden zu lassen. Früh morgens darf vor 6 Uhr keine Backwarre iegendwelchsr Art der» kauft oder auch versandt werden, auch nicht für den Wiederverkauf. 'Der Laden wird daher infolgedessen in Zukunft erst um 6 Uhr geöffnet sein. Die bisher eingebürgerte Zugabe in einzelnen Bäckereien ist in den veränderten Verhältnissen ebenfalls nicht mehr möglich. So auch können die bisherigen kleinen Gebäck- sorten, fünf oder sechs einzelne Stücke für 10 Pf-, nicht mehr hergestellt werden. Es werden jedoch Gebäcksorten vier Stück für 10 Pf. beibehalten werden. Unser Berliner Knüppel dürfte zum Bedauern der Bäckermeister in Zukunft als knuspriges Frühstücks- gebäck nicht mehr zu finden sein. In einzelnen Bezirken gedenkt man ö-Pf.-Gebäcke einzuführen, je nach Wunsch der Bevölkerung. Das bisherige Backen der Hausfrauen beim Bäcker ist dadurch schwierig geworden, daß der Bäcker für die richtige Mehl- Mischung der Behörde gegenüber verantwortlich bleibt. Da der Bäcker aber keine Gelegenheit hat, bei der Hausfrau die Kontrolle über den Prozentsatz Mehl auszuüben, dürfte diese Art Bäckerei für die Folge eingestellt werden müssen. Das Bäckereigewerbe hofft mit Unterstützung der Bevölkerung, daß der Zweck der Bundesratsverordnung, eine erhebliche Streckung der Mehle durch- zuführen, auch wirklich in Erfüllung gehen dürfte." Die Berliner Ostbahncn im Kriege. Auch die Berliner Ost- bahnen der Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen haben im Jahre 1914 an ihrem Verkehr unter dem Krieg zu leiden ge- habt. Während im Fahre 1913 7 738 630 Personen befördert wurden, waren dies im Jahre 1914 nur 7 3ö8S07. Aus die sieben Friedensmonate entfällt ein Verkehr von 4 785 485 Personen, auf die fünf Kriegsmonale dagegen nur 2 578 124. Im Durchschnitt auf den Monat ergibt dies im Frieden 683 640 Personen, im Krieg 514 625. Auch die Betriebseinnahmen sind dementsprechend etwas zurückgegangen, und zwar von 713 244 M. auf 682 658 M. Auch die Leistungen der Gesellschaft wurden eingeschränkt. Die Wagen legten statt 2 318 273 Kilometer 2 071 360 Kilometer zurück, die Motorwagen statt 1 998 050 deren 1 735 551. Die Zahl der Motor- wagen war im letzten Jahre um 5 auf 46, die der Anhängewagen um 10 auf 52 vermehrt worden. Die Zahl der beschäftigten Per- sonen stieg von 1913 auf 1914 von 205 auf 236, fiel aber infolge des Krieges auf 137. Auf der Arbeitssuchie. Immer wieder wird in der Presse auf den Arbsitermangel hingewiesen und vielfach daraus geschlossen, daß die Arbeitslosen keine Arbeit annehmen wollen, da sie ja von den Kommunen Unterstützung bekommen und infolgedessen ebensogut leben können, als wenn sie arbeiten. Wie schwer es trotzdem für manche Arbeitslosen ist, Arbeit zu erhalten, das möge die nachfolgende Zuschrift beweisen. Der Arbeitslose schreibt uns: „Da ich auch arbeitslos bin, begab ich mich am Mittwoch, den 3. Januar, frühmorgens 6 Uhr, nach dem Depo: der Wirt- schaftsgenossenschast in der Greifswalder Straße mit der Hoff- nung, gleich arbeiten zu dürfen, denn obwohl es schwere Arbeit ist, so wollte ich doch versuchen, die schweren Müllkästen zu schleppen. Aber welchen Schreck bekam ich. und mit mir noch 10 bis 12 Arbeitsuchende, als uns der Depotinspektor mitteilte, wir könnten wieder nach Hause gehen, da keine Kutscher vorhanden wären. Weil wir nicht mit Pferden Bescheid wußten, so mußten wir uns dem Unvermeidlichen fügen und gehen. Von hier aus ging ich nach Lichtenberg zu Siemens(Herzbergstraße), um als Arbeiter beschäftigt zu werden. Tor Portier erklärte mir aber:..Wenn Sie kein berufsmäßiger Arbeiter sind, werden Sie hier nicht ein- gestellt." Ebenso erging es mir in mehreren anderen Fabriken in der Herziergstrahe. In der GaSanstolt in der GreifSlvalder Straße wurden keine Arbeiter mebr eingestellt. Und dennoch wird so viel in Zeitungen geschrieben, daß es überall Arbeit gibt. Ich bin gewiß nicht arbeitsscheu, das beweist das viele Umhersuchen. Der Schreiber dieser Zuschrift ist ein 86jähriger lungenkranker Steinmetz, der eine Familie von Frau und drei Kindern besitzt. Die Frau kann zum Lebensunterhalt nicht beitragen, da in nächster Zeit das vierte Kind erwartet wird. Daß diese Familie nicht von der städtischen Unterstützung leben kann, dürfte doch jeder einsehen. Und so wie diesem Arbeiter wird eS so manchen gehen. Schon durch die Familienverhältnisse werden sie gezwungen, Arbeit anzunehmen, wo sie welche bekommen._ Mit der Teilung des Hausmülls und mit der Nutzbar- machung der Küchenabfälle für volkswirtschaftliche Zwecke beschäftigt sich ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der an die Berliner Stadtverordneten Versammlung ge- richtet ist. In der Sedald-Angelegenheit ersuckt uns Herr Geheimer Medizinolrat Dr. Lepvmann mitzuteilen, daß er niemals von irgend- einer Behörde oder Privatperson mit einem Gutachten über Sebald betraut worden sei, er kenne weder Sebald noch die Akten in der Sache und habe in keiner Weise dabei mitgewirkt, den S. in der Irrenanstalt unterzubringen. Wir bemerken, daß in unserer Notiz geiaat war. daß das Gutachten von Herrn Leppmann verrühren olle. Wir aeben deshalb gern der Mitteilung des Geheimen Medizinalrats Raum. Die Verhaftung zweier Aerzte im Westen Berlins, deren Patienten hauptsächlich aus Damen wohlhabender Kreise bestanden haben soll, ruft in weiten Kreisen Aufsehen hervor. Es wird den Aerztsn zur Last gelegt, sich strafbar im Sinne des§ 219 des Str.G.B. gemacht zu haben. In letzter Zeit sollen in einigen Fällen unerlaubte Eingriffe zum Tode der Patientinnen geführt haben. Die beiden Aerzte bestreiten, sich strafbar gemacht zu haben. Der falsche Held als Heiratsschwindler. Als Feldwebelleutnant und Ritter des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klasse trat »in Musketier von Hoersn auf, der im Felde erkrankt und zur Wiederherstellung nach der Heimat beurlaubt worden war. Dieser falsche Held hat sich jetzt auch als Heiratsschwindler entpuppt. Nachdem er seine feldgraue Uniform und die Kriegsauszeichnungen angelegt hatte, fand er bei den heiratslustigen Mädchen keine Schwierigkeiten mchr. Bis jetzt sind zwei Mädchen ermittelt worden, mit denen er sich zu gleicher Zeit verlobt hatte, ohne daß das eine von dem anderen etwa? wußte. Diese Bräute halfen dem„Helden" gern aus, als er in„aiigenblickliche Verlegenheit" geriet. Die Uniform, die Ausrüstung und die Ehrenzeichen hat der Schivindler, wie jetzt auch feststeht, in hiesigen Militäreffekten- geschäften auf„Kredit" gekauft. Siouchvergiftung zweier Kinder. Ein durch spielende Kinder verursachter Wohnunasbrmid kam am gestrigen Donnerstag in dem Hause Pannierstraße S5 in Neukölln zum Ausbruch. Die Frau eines dort wohnhaften KraftwagenführerS hatte sich mittags entfernt, um eine wichtige Besorgung zu machen und mußte ihre beiden Kinder, die Litjährige Hedwig und den 5j8hrigen Hans, allein in der Wohnung zurücklassen. Während der Abwesenheit der Mutter bemächtigten sich die Kinder einer Schachtel Streichhölzer, die in Brand geriet und verschiedene Gegenstände entzündete. Durch die starke Rauchbildung wurden die beiden Kinder, die sich auf den Korridor geflüchtet hatten, betäubt. Die herbeigerufene Feuerwehr brachte die Kinder iwch der nahen Rettungsstation am Görlitzer Bahnhof, wo es nach längeren Bemühungen gelang, die Kleinen wieder ii»S Bewußtsein zurückzurufen._®ie wurden alsdann in das Neuköllner städtische Krankenhaus übergeführt. Der Verband der Laubenkalonisten veranstaltet am Dienstag, den 19. Januar d. I., in Kellers Festsälen. Koppenstr. 29. eine große öffentliche Laubenkolonfftenversammlung. Die Tagesordnung lautet: Jedes Fleckchen Freiland zum Gemüsebau. Der Vortragende ist der Generalsekretär d«S deutschen Vereins für WobnungSreform Dr. K. v. Rangoldt. Frankfurt a. M,. der eifrige Förderer de« KleingartenwefenS. I« der Treptow-Sternwarte finden folgende Vorträge statt: Sonnabend, den 16. Januar, um 5 Uhr:„Aus fernen Landen": Sonntag, den 17. Januar, um 3 Uhr:„Das bayerische Hochland und die Königschlösier". um 7 Uhr:.Mit Ozeandampfer von Bremen nach New-Aorl"; Mittwoch, den 20. Januar, um 5 Uhr:„Aus unseren Kolonien." Nach jedem kinematogrophischen Vortrage ge- langen„KriegSfilme" zur Borfährung.— Am Sonnabend, den 16. Januar, um 8 Uhr spricht Herr Dir. Dr. F. S. Archenhold über: „Werden und Vergehen im Weltall" unier Vorführung zahlreicher Lichtbilder, am Dienstag, den l9. Januar um 7 Uhr über:„Sonne und Mond." Mi: dem großen Fernrohr werden Jupiter und Saturn beobachtet. Gefunden. Am Dienstag, den 12. Januar, ist im großen Saale des KcwerkichastShauieS ein Schvm gefunden worden. Dcrseibe ist abends zwischen 7 und 8 Uhr bei Ludwig, Oranienburger«traße 83, Hos IV rechts, abzugolen. Im Zirkus Sarrasani im Buschgebäude tritt von heute ab auch Frau Direktor Stosch-Sarrasam mit mehreren großzügigen Freiheitsdressuren vor das Berliner Publikum. Heute, Freitag, abends 7% Uhr, ist großer Gala-Abend und Sonnabend, den 16. und Sonntag, den 17. Januar, urrchmittags 3 Uhr und abends 7i4 Uhr veranstaltet die Direktion wieder je zwei Festvorstellungen. Borverkausskarten sind an den Zirkuskassen, Buschgebäude(Tele- phon: Norden 10498), und in den Warenhäusern H. Tietz zu haben. Die Kassen am Zirkus sind täglich ab 10 Uhr vormittags ununtcr- brachen geöffnet._ Gewerksthastliches. die Leiöen öer Unorganisierten. Die gewaltige Arbeitslosigkeit, die mit dem Ausbruch des Krieges einsetzte und sich nur allmählich besserte, hat manchen Unorganisierten aus seiner Stellung hinausge- warfen, in der er sich für alle Zeit gegen die Nöte des Lebens gesichert glaubte und um derentwillen er den Zusammenhang mit seinen Kollegen in der Organisation nicht suchte oder gar löste. Viele Unorganisierte waren mit ihren Familien auf die öffentlichen Unterstützungen angewiesen, die naturgemäß nicht ausreichend sein konnten, weil die Behörden in einem so kritischen Augenblicke ihre Aufmerksamkeit und ihre Mittel vor allen Dingen der Niederkämpfung des äußeren Feindes zuwenden. Da war die gewerkschaftliche Organisation ihren Mitgliedern dann ein rechter Hort, den der Nichtorganisierte entbehrte. Eine Reihe von Gewerkschaften gaben auch den Familienangehörigen ihrer Mitglieder Unterstützungen. Auch diese Hilfe wird von den Frauen der unorganisierten Ein- gezogenen jetzt schwer vermißt. Der„Holzarbeiter-Zeitung" stellt der Miinchener Gau- Vorsteher des Holzarbeiterverb«ndes den folgenden Brief zur Verfügung:. Lam, den 30. Dezember 1914. Sehr geehrter Herr Raith! Muß mich heute an Sie wenden und Ihnen ein paar Zeilen schreiben. Ich höre immer, daß die Frauen, deren Männer im Felde sind, sine Unterstützung von Ihrem Verband erhalten. Es tut mir sehr leid, daß mein Mann nicht dabei ist, er müßte sich sofort aufnehmen lassen, wenn er noch das Glück hätte, heimzukommen. Jetzt ist er Gott sei Dank noch am Leben und gesund. Sehr geehrter Herr, muß Sie mit einer Bitte belästigen. Mein Mann ist jetzt schon seit dem fünften Mobilmachungstage im Felde und ich habe jetzt bloß im Monat 27 M. erhalten und jetzt 30 M. im Monat; ich habe drei Kinder, da will es gar nicht reichen. Jetzt muß ich 4,50 M. monatlich Zins bezahlen, die Kinder brauchten Kleider und alle Lebens- mittel sind so teuer, niemand reicht einem bei uns ein Stückchen Brot. Da würde ich Sie recht freundlich ersuchen, wenn ich von Ihnen ein paar Mark erhalten würde oder wenn sie mir eine Adresse schreiben würden, denn es gäbe oft eine gute Familie, die ein wenig Almosen gibt, oder wenn Sie es besorgen würden, so würde ich Ihnen von Herzen tausend und tausendmal dafür dankbar sein. Hoffend, daß Sie mir diese Bitte nicht abschlagen. Marie St... Sägersfrau in Lam. Mein Mann kennt Sie schon, er arbeitet in der.... Säge und haben Sie schon mit ihm geredet, zum Verband zu gehen. Der Gauvorsteher R a i t h bemerkt dazu, daß er noch eine Anzahl ähnlicher Briefe-in Händen habe, denn seit Kriegsbcginn ist er von Frauen unorganisierter Holzarbeiter, die im Felde stehen, geradezu bestürmt worden. Teils baten sie um Unterstützung, zum mindesten aber um Beistand zur Erlangung der ihnen aus öffentlichen Mitteln zustehenden Beihilfen. Zu spät sehen es die Unorganisierten und ihre Frauen ein. wie töricht sie gehandelt haben, als sie den recht- zeitigen Beitritt zum Verband versäumten. Deutsches Neich. Tie ausgesperrten Alteuburger Seiden- und Klapphutarbeiter werden sich anderen Arbeitsgelegenheiten zuwenden. Für die Hut- macber ist jetzt Hochkonjunktur in der Fabrikation von Militär- kopsbedeckungen. Damit steht die Altenburger Hutindustrie vor der Gefahr, mindestens einen Teil ihrer alten Arbeiterschaft auch für die Zukunft zu verlieren. Es handelt sich un: einen Stamm gut eingearbeiteter Arbeiter und Arbeiterinnen, die fortgesetzt bemüht waren, in technischer Hinsicht das Beste zu leisten. Mit ihrer Hilfe gelang es der Altenburger Hutindustrie, nach und nach die besseren und teureren französischen Seiden- und Klapphüte aus den: Felde zu schlagen. Die Aussperrung am 3t. Dezember 1914 erfolgte in letzter Linie, weil die Arbeiterschaft sich nicht einem Tarif unter- Wersen wollte, der bis zum Jahre 1919 gelten sollte und neben einigen Verbesserungen viele Verschlechterungen enthielt. Der Uebergang des leistungsfähigen Arbeiterpersonals in andere Branchen dürfte für die Altenburger Seidenhutfabrikation von ein- schneidender Bedeutung sein. Denn mancher Arbeiter, der einen anderen Wirkungskreis fand, wird der Seidenhutbranche ganz ver- loren gehen. Schnell zu ersetzen sind aber diese Arbeitskräfte nicht, weil eine lange Lehrzeit und viel praktische Erfahrung notwendig ist. Tritt nach dem Krieg wieder größerer Bedarf an Seiden« hüten und Klapphüten, speziell besseren Qualitäten ein. wird es an Arbeitskräften fehlen. Und kann der Bedarf an Waren nicht gedeckt werden, so werden notgedrungen die besseren Hutgeschäfte wieder zum Bezug ausländischer Fabrikate greifen. Die durch viele Jahre eifriger Arbeit errungene Position der eigenen Branche ist verloren und mutz erst wieder mühsam erobert werden; wenn eZ möglich ist._ Soziales. Wandernde Gefangenenjoppen. Einen interessanten Einblick in das Zwiscbenständlersystem bei Milftärneferungen Neferte eine Verhandlung, die vor der 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattfand. Es klagte dort ein Zuschneider S gegen den Kaufmann Laserstein auf Zahlung von Provision für bestellte, aber nicht abge- nmnmene Gefangenenjovven. Diesen Anspruch begründet der Kläger wie folgt: Der Be- klagte 2. Hab« eines TageS von einem Geschäftsfreunde cvt. die Mitteilung erhalten, daß er Joppen cm die Militärverwaltung, die für das Gefangenenlager bei Posen bestimmt waren, zu liefern habe. L. habe darauf zum Kläger gesagt:„Besorgen Sie mir Joppen für 7.25 M. pro Stück. Ich nehme Ihnen jedes Quantum ab, für das Stück bekommen Sie 50 Pf. Provision." Der Kläger, als Selbstkäufer auftretend, bemühte sich nun, Joppen aufzutreiben, und er setzte sich zu diesem Zwecke mit dem Einkäufer des BreS- lauer Konfektionsgeschäfts von W. in Verbindung. Der hatte die Foppen zwar auch nicht„greifbar", aber sie konnten von der Fabrik in Thüringen sofort beschafft werdet. Das./Geschäft" kam dann in der Weise zustande, daß der Kläger 200 Stück Joppen, deren Herstellungspreis etwa 120 M. betrug, für 145 M. einkaufte. Von dem Einkäufer des Breslauer Geschäfts bekam er für die Vermitt- lung 5 M. pro Hundert, während ihm sein Chef 50 Pf. pro Joppe vergüten sollte. Auf dem Umwege über Breslau und Berlin, wo sie durch die Hände von fünf Zwischenhändlern gingen, sollten dann die Bekleidungsstücke endlich an die Militärbehörde in Posen für 9,50 M. pro Stück, also die ganze Bestellung für 1900 M. geliefert »verden. Wegen des zweiten Hunderts kam es dann zwischen dem Kläger und seinem Prinzipal zu Differenzen, weil der letztere die per Eilgut in Berlin eingetroffene Sendung nicht annahm. In der Verhandlung bestritt der Beklagte, die Annahme des Quantums fest zugesagt zu haben. Als das Gericht beschloß, ihm den Eid darüber aufzuerlegen, weigerte er sich aber, deslvegen zu schwören, und zahlte vor Urteilssällung die geforderten 20 M. Die Verhandlung zeigt deutlich die Schädlichkeit des Ztvischenhändlerfystems._ Kündigungsfrist. Ist keine andere Kündigungsfrist vereinbart, so besteht für gewerbliche Arbeiter eine 14tägige Kürldigungsfrist, gleich- viel ob der Lohn täglich oder wöchentlich bezahlt wird. Das mußte gestern durch Urteil des Gewerbcgerichts der Mrma Mosse u. Sachse klargeleat tverden. Ein v»n der Firma angestellter Stallmann, der tägliche Erst- lohnung erhielt, wurde plötzlich ohne Einhaltung einer Kündigungs- frist entlassen. Er erhob nun Anspruch auf Entschädigung für die ihm zustehende gesetzliche Kündigungsfrist von 14 Tagen in Höhe von 84 M. Der Vertreter der Firma war auch in der Verhänd- lung nicht zu überzeugen, daß auch bei täglicher Bezahlung tägliche Kündigung besonders vereinbart werden muß und lehnte jeden Vergleich ab. Das Gericht entschied zugunsten des Wägers. Natürlich hatte der Kläger dw Pflicht, sich auch während der Dauer der Kündi- gungspfrist ernstlich um Arbeit zu bemühen. Hätte er das nicht getan, dann würde er seinen Anspruch verkoren haben. Vertraglicher Ausschluß der Zuständigkeit? Die sachliche Zuständigkeit für ein Dienstverhältnis kamt, wie jetzt wieder die 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts«ntfchied, nicht durch eine Vereinbarung der Parteien festgelegt werden, sie ist vielmehr von Zell zu Kall von Amts wegen zu prüfen. Durch diese Entscheidung wird verhindert, daß Arbeitgeber kaufmännifche Angestellte wegen der für sie günstigeren An» ftellungsbedingungen zum gewerblichen Gehikfen stempeln können. In dem betreffenden Rechtsfall war der Klager H. in einer Schreibmaschinenhandlung in der Weise tätig, daß er früh morgens etwa eine Stunde je nach Bedarf Moichinen reparierte und dann eine Stadtreisetätigkeit ausübte. Nachmittags war er Verkäufer und nahm auch, wenn nötig, kleinere Reparaturen vor. Kläger war gelernter Mechaniker und dann Werkmeister. Später wurde er Reisender. Der Beklagte berief sich auf de» Vertrag, in dem es u. a. heißt:„Ihre Stellung ist bei mir eine gewerbliche." Das Kaufmannsgericht hielt sich trotz dieser Einwände mit Siecht für zuständig. Kläger sei in der Hauptsache kaufmännischer Ange- stellt er gewesen. Dieser Tatsache gegenüber sei die VertragSabrede bedeutungslos. Gerichtszeitung. Schwindel mit dem Eisernen Kreuz. Ein Schwindler, der mit einem falschen Eisernen Kreuz von 1870 71 geschmückt, verschiedene LogiSschwindeleien verübt hatte, mußte sich gestern in der Person des ö8jährigen Schnei- ders Ludwig Köter vor dem Strafrichter verantworten.— Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte tauchte vor einiger Zeit in der Roll« eines Veteranen von 1870/71 Heer auf und verstand eS, obwohl er nie einenSeldatenrock getragen hatte, seine Zuhörer durch seine Erzählungen über seine Heldentaten im deutsch-frauzösischen Feldzuge zu fesseln. Sein sicheres Auftreten verschaffte ihm auch Eingang in die Kasernen, wo er im Kasino mit Speise und Trank bewirtet wurde.— In den jetzt zur Anklage stehenden Fällen hatte der Angeklagte bei mehreren Vermieterinnen einige Tage gewohnt und war dann unter Hinterlassung der Schuld spurlos verschwuu- dei!.�— Wegen ähnlicher Straftaten wurde der Angeklagte kürzlich in Süddeutschland zu 8 Monaten Gefängnis und wegen des Tragens des Eisernen Kreuzes zu einer Haststrafe verurteilt.— Wegen der fetzt verübten Schwindeleien ei bannte die Strafkammer auf eine Zusatzstrafe vmi 9 Monaten Gefängnis. Die falsche Frau Feldwebel. Emen kleinen Kriegsschtvindel hat das D i en st m ä d ch e n MargaretheObst in Szsne gesetzt, die gestern unter der Anklage des Betrugs und des Diebstahls vor der 4 Straf- kmmner des Landgerichts I stand. Die Angeklagte war aus Breslau nach Berlin gekommen und hatte sich unter angenommenen! Rainen in einem Pensionat einquartiert. Sie trug Trauerkleidmig und erzählte mit weh- leidiger Miene, daß sie die Frau eines am 14. August vor dem Feind« gefallenen Feldwebels sei und nach Berlin habe reifen müffen, um die Papiere ihres Ehemannes in Ordnung zu bringen und für ihre Zukunft zu sorgen. Dieselbe Geschichte erzählte sie auch zwei Schwestern, die durch Zufall zu ihr a»i demselben Tisch getreten waren, als sie bei Aschinger, Kaffee trinkend, saß. Da die beiden Mädchen auch aus Breslau stammten, so erregte das Schicksal der Angeklagten deren besonderes Interesse uird da letztere durchblicken ließ, daß sie in Berlin ganz fremd sei und gern etwas von der Reichöhanptsiadt kennen lernen möchte, so erboten sich die beiden mitleidigen Seelen gern dazu, sie herumzuführen. Trotz ihrer„Schi�salsschläge" verschenakste es die„Frau Feldwebel" nicht, ihren Führerinnen in mehrere Vergnügungslcstale zu folgen, sie wußte die beiden Mädchen auch dazu zu veranlassen, die Eintritts- gelder und die Kosten der Atzung„vorläufig" für sie zu veraus- lagen, da sie angeblich kleines Geld nicht bei sich führte. Dazu lockte sie auch noch Barbeträge aus den vertrauensseligen Mädchen heraus. Die Generalabrechnung über die verauslagten Gelder sollte am Sonntag nach der letzten Zusammenkunft erfolgen. Es wutde aber nichts daraus, denn als die Mädchen der Verabredung gemäß in der Wahnimg der Angeklagten erschienen, war die Lands- männin verschwunden nnd mit ihr eine der Bermietevin gehörige Handtasche mit 80 M. Inhalt. Trotz der bisherigen Unbescholtenheit der Angeklagten ver- urteilte sie der Gerichtshof zu einer empfindlichen Strafe, die auf 9 Monat« Gefängnis bemessen wurde. Zwei Monate wurden auf die Unkeefuchungshaft angerechnet. Buo Jndustm und Handel. Russische Finanzen. Die� ruthenische Zeitung„Wistnhk Sojusa WhSwolenja Ukrainy" sagt über die finanzielle Lage Rußlands: Die Abschaffung des Branntweinmonopols hat einen jährlichen Verlust von 600 bis 700 Millionen Rubel verursacht. Die Einfuhr bau Gold in Rußland ist vorzüglich«ac Folge der Ausfuhr an Brot; dieser Ausfuhr ist durch den Krieg und die Schließung der Dardanellen Halt geboten. In dieser Beziehung ist die Kriegserklärung der Türkei an Rußland einer verloren:,! Schlacht gleichzustellen. Andererseits ist das Aufhören der Ausfuhr an Korn aus Ruß- lcmd keine Sicherheit gegen den Hunger. Die russische Regierung ist gezwungen, das Getreide zu kaufen und es in den Distrikten zu verteilen, die nicht fruchtbar sind. Auch mit der russischen Industrie steht es nicht gut, denn die Fabriken haben Diangel an Kohlen und Rohstoffen sowohl wie an Facharbeitern. In Moskau arbeiten die Baumwoll- und Woll- waremabriken nur drei bis vier Tage in der Woche. Die Preise für Baumwollprodukte sind um 20 Proz. gestiegen. Tie Folge dieser Zustände ist eine bedeutende Verringerung der Einkünfte durch die indirekten Steuern, die die vor- nehmste Grundlage der russischen Finanzen find. Die Einbringung der direkten Steuern ist auch sehr schwierig. Daher sind denn auch neue Steuern nötig. Die Regierung will die indirekten Steuern erhöhen. Die liberale Partei ist für die Erhöhung der direkten Steuern und für das Einstellen ganz neuer Steuern. Die Regie- rung will eine hohe Steuer einführen auf die Einkommen von 10 000 Iiubel an, die liberale Partei will die Besteuerung von Kapitalien von 2000 Rubel am Diese Besteuerung würde nach dem ruffischen„Wjedowosti" 120 Millionen Rubel einbringen. Ferner beabsichtigt man, die B a h n p r e i s e für Passagiere und Güter vielfach um 25 und 30 Proz. zu erhöhen. Die Postgebühr soll erhöht werden, Marken von 3 Kopeken in solche von 5, die von 5 Kopeken in solche von 10 vevwendelt werden. Auch Zucker, Tabak, Petroleum, Streichhölzer, Zigaretten usw. sollen besteuert werden. Für Tabak und Zucker soll ein StaatSmonopol eingeführt werden. Aber selbst alle diese Neuerungen»vürden im Jahre 1915 höchstens 800 Millionen Rubel einbringen, also noch nicht einmal den Verlust durch das Alkoholin»napol decken. Dazu kämmen noch die für das halbe Jahr auf 6 Milliarden geschätzten Kriegskosten. Die russischen Politiker haben daher die Absicht, für 1200 Millio- nen Rubel Papiergeld ohne Deckung in Gold auszugeben. Sie wissen jedoch, daß diese Operation sehr gefährlich ist. Während des letzten russisch-türkischen Krieges ist ja auch der Papierrubel auf die Hälfte des noimnellen Wertes herabgesunken. Man hat daher den Vorschlag unterbreitet, den Rest durch eine gezwungene Inlandsanleihe und durch eine all- gemeine Kriegs st euer auf einmal zu decken. Verwendung der beschlagnahmten Wollvorräte. Auf Veranlassung des KriegSmimstcrS»verden,»vie die .Deutsche Confection" erfährt, aus den beschlagnahmten LSoll- beständen drei Qualitäten Strickgarn als„K r i e g s w o l l e" hergestellt und zu festgelegten Einheitspreisen an die Grossisten abge- geben, die ihrerseits ebenso zu bestimuiten Preise« zu verkaufen haben. Auch die Kleinhandelspreise sind festgelegt und dem 50-GvamM-Änhänger aufgedruckt. Der Spinner hat dem Grossisten und dieser dem Kleinhändler, der die Kriegswolle ge- liefert bekommt, durch ein bestimmtes Formular zur Einhaltung der vorgeschriebenen Preise und Bedingungen zu verpflichten. Wie die genannte Fachzeitschrift ferner erfährt, sind die Nach- richten, es seien für 300 Millionen Mar? Rahmolle im Bezirke Roubaix-Tourcoing beschlagnahmt, stark übertrieben. Allerdings seien so bedeutende Wengen vorgefunden, daß dies« nicht nur zur Deckung des HeeresbedarfS an Tuchen ausreichten, sondern auch noch ungefähr 500 000 Kilogramm zur Verarbeitung an die Privat- industrie abgegeben werden könnten. Diese Abgabe werde in nächster Zeit erfolgen. Klei«» Nachrichten. Mich bringt's a weil nimmer dran. In dem Städtchen Lauf bei Nürnberg trat das neue Ge- meindekollegium zur Bureauwahl zusammen. Bei solchen Ge- legenheiten fungiert das älteste Mitglied als Vorsitzender, das jüngste als Schriftführer. Das letztere Amt ftel auf einen Mittel- standsvertreter, den Bäckermeister Götz, der sich zuerst sehr gegen die Ehre sträubte, aber wohl oder übel daran gehen mußte. Der Borfitzende, der die Nöte des Herrn erkannte, legte ihm. um ihm die Anlage des Protokolls zu erleichtern, das Protokoll von 1911 als Muster vor. Ms es zur Verlesung kam, stellte sich zur höchsten Heiterkeit aller Anwesenden heraus, daß der Schriftgewaltige das Protokoll von 1911 einfach abgeschrieben hatte. Mit den Aorten:„Mich BrrngfS« weil nimmer dran", flüchtete er schweiß- triefend von feinem Posten. „Liebesgabenpack« Wir hören jetzt öfter, daß sich Industrie, Gewerbe und Handel mit großer Fixigkeit auf den Kriegsbedarf eingerichtet hätten. Es wäre sehr gut, wenn diese anerkennenswerte Fixigkeit immer auch von der notwendigen und nicht minder angenehmen Richtigkeit begleitet würde. Leider zeigen sich manche betriebsame Firmen höchst einseitig in der Fixigkeit überlegen, und der gutgläubige LiebeSgabenkäufer, wie vielfach auch der überraschte Empfänger, hat den Schaden. Es würde sich gewiß lohnen, wenn überall amtlich untersucht würde, was in den sogenannten Feldpockungen geboten wird und zu welchem Preise. Eine derartige Untersuchung ist dieser Tage im städtischen Untersuchungsamt Bielefeld vorgenommen worden. Ueber das Ergebnis heißt es in einem amtlichen Bericht u. a.: „Die Preise für die Aaren wurden nach Abzug der Kosten für die Verpackung und das Verpacken ermittelt, welche teils vom Fabrikanten selbst angegeben, teils von zuverlässigen gewerb- lichen Sachverständigen geschätzt und dann hinreichend hoch ange- nommen wurden. Die Preise nach Abzug der Kosten für die Verpackung und da? Verpacken übertreffen die üblichen Marktpreise meist erheblich. Es stellen sich ein Pfund Butter auf 2,90 bis 4,25 Mk., 1 Pfund Margarine auf 1,35 Mark, 1 Liter Kognakverschnitt auf 6,10 bis 8.25 M." Man sieht hier, mit welcher staunenswerten Fixigkeit ein all- gemeines Bedürfnis zu unverschämten Preissteigerungen auöae- nützt ist. Die Käufer sind natürlich meist gedanlenloS genug, die Ware, die ja postfertig verpackt ist, nicht nachzuprüfen; sie geht ohne weiteres dem Empfänger zn, und der kann noch von Glück sagen, wenn seiner nicht unangenehme Uebsrrafchungen in Be° Ziehung auf die Güte der Ware harren. Untergang eines Dampfers. Wie AvhdS Bursau ans Schimenoseki erfährt, ist der Dampfer„R i l e" von der Peninsular- und Oriental-Gesellfckaft in der Nähe der japanischen Küste untergegangen. Die Passagiere und die Mannschaft wurden gerettet. Er hat genug an mir. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Naumburg geschrie- ben. Die Tochter einer hiesigen Familie sandte kürzlich als Liebes- gäbe einen selbstNefertigten Schal und Zigarren ins Feld und fügte ihrer Sendung ern Kärtchen bei, auf dem sie den unbekannten Emp- fänger bat, er möge doch mal mitteilen, ob ihm die Sachen Freude gemacht hätten. Sie hatte einen ungeahnten Erfolg: denn jetzt traf folgender Brief ein:„Geehrtes Fräulein! Soeben erhielt ich in einem Briefe die Karte an meinen Gatten, die Sie ihm ins Feld geschickt haben. Freut mich sehr, daß Sie der Krieger draußen ge- denken, aber ich möchte Ihnen doch Klarheit schaffen: wenden Sic sich mit Ihren Liebesgaben an ledige Herren und lassen Sic verheiratete Männer damit verschont. Jäger Franz M. ist verhei- ratet und Vater zweier Kinder. Bis jetzt steht es immer noch in meinen Kräften, selbst meinen Gatten zu ver- sehen, und zwar in jeder Beziehung und ihn zufrieden zu stellen. Also bstte, unterlassen Sic es, meinen Gatten jemals wieder zu belästigen. Er hat genug au mir. Frau M."— Das energische Schreiben rief in der Naumburger Familie zunächst Staunen hervor, dann aber stürmische Heiterkeit, denn die Ab- senderin des Liebesgabenpakets und des Kärtchens ist eine junge Dame von erst— elf Jahren! Ihr sollt nicht Schätze sammeln...! Unser Münchener Parteiblatt liefert einen interessanten Beweis dafür, wie Gold ausgespeichert wurde. Das Blatt schreibt: Am 4. Januar starb in München der Kurat -laver H ü t t n e r. Er amtierte als katholischer Geistlicher an der Gasteigkiribe und galt allgemein als ein Mann, der in ärmlichen Verhältnissen lebte. Nach seinem Tode fand man in seiner Wob- rnrng ein Vermögen von hundertzehntausend Mark, darunter 50 009 Mark in Gold! Auch die Zentrumspresse brachte die Aufforde- rung: Tragt das Gold zur Reichsbank! Hüttner hat ihrer Mahnung nicht Folge geleistet. Die Retchöbank hat nun ihr Gold. Jetzt wird sich wohl auch noch der Staat rühren und die Steuererklärungen des Verstorbenen nachsehen lassen. Bitte Ganarienvogel nicht vergesse«! Die neueste Nummer(7) der„Lillcr Kriegszeitung" enthält unter guter,, ernsten Beiträgen in dem vom Munchener Künstler Arnold ausgestatteten Beiblatt„KriezSslugblätter" folgendes ruh- rende Geschichtchen:»Als ich im Begriff stand, mein Geschäfts- jimmer des Botnillsns in einem kleinen Dörfchen in der Nähe des Feindes auszuschlooen, betrat ich ein Häuschen, an dessen Tür stand: „Bitte Ganarrenvogel nicht vergessen!" Eine rauhe Soldotenhand hatte in ungelenker Schrift dieses geschrieben, und zwar war dieser„Barbar" ein Sachse, woraus �das schön geschwun- gene G in.Ganarienvogel" hindeutete. Der Schützling war über- reich mit Waffer, Zucker und Futter bedacht und ward immer den nnchsvlzend«, Truppenteilen auf diese Art übergeben, von diesen verpflegt und ist so erhakten geblieben. T., Lt. und Adj. Parteiveranstaltungen. Bierter DSaytkreis(Landsberger Viertel). Am Sonntag, den 17. Januar, � abends 6 Uhr. findet im Elhsium, Landsberger Allee 40, ein Lichtbildervortrag über„Eine Reiie durch die Balkanstaaten" statt. Vortragender: Genosse A-Wieloch. Nachdem gemütliches Beisammensein. Briefkasten üer Neüaktioa. Die lurMkSe Bprechflunbe findet für Monr.enteli Linveastr. Z, IT. Kf «<519, parter«, am Montag bkS Freitag von 4 VIS 7 Ufa, am«virattbenö von S ins S Uhr statt. Jeder für den Brieflasten bestimmten Anfrage tft ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich-; Antwort«trd nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSquitmng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Bertragt, Schriftstücke»ad dergleichen dringe«an in die Sprechfunwe»it. — K. 1«. Ihre Beschwerde können wir nicht verösfenillchen. Wir ersuchen Sie, dieselbe der zuständigen Gewerkschaft zu übermitteln— G. H. Ä4. Darikber mflfcn Sie sich mit Ihrer Gewersschastsorganisation inö Ein- vernehmen setzen.— R.®. Im Adreßbuch, Ö, Teil, finden Sie Vereine her Kaninchenzüchter.—<5. 3. 4. Zu erfahren durch Paul Kaiser, Landsberger?«lee 58.— H. Z. 14. Lehrstellenvermittelung, Am Kollnischen Park S, Zimmer 142.— P. H. 54.„Rotes Kreuz"(J,Croix Ronffe"), Agence des prisanniers de guerre, Genf(Schweiz). K M. Spandau 90. Adresse: Commandant prisonniers of war, Gibraltar.— H. dt. 5. Fragen Sie dort an, Ivo Sie die Waren zu lausen beabsichtizeu.— 9k.&. 31. Wir empfehlen prinzipiell keine privaten Schuten Wenden Sie flch an den Deutschen Transportarbeiter- verband, Sektion Chausseure, Engeluser 15.— H.®. 33. Uns nicht bekannt.— Int ff« 78. Im Brieskasten ist Ihre Anfrage nicht gut in er- schöpfender Wesse zu erledigen. Besser würde es sein, wenn Sie sich an einem beliebigen Wochentage in der Zeit zwischen 12 und 4 Uhr aus der Redaktion einfinden wollten.— B. P. 80. Tessen Sie dies der zu- stbndigen GewertzchastSorga-iisatwu mit und ersuchen Sie dort um AuSkunst. — G. H. 37. Ja.—«. 3«. Ja.— 3 531 890. ES ist immerhin möglich, ba% Sie noch eingezogen werden.— A. K. 55. Sie find einstweilen zurftckjeiteBt.— E. 4ö. 10. Wenden Sie sich an das Kriegs- Ministerium.— H M. 100. Kommen oic in die Sprechstunde.— Sch. 34. Sie müssen ein Gesuch an die Ärntendepuiatwn deS Magistrats richten.— R. T. 9S. Hat nur Anspruch bis zur Einberung zum Militär. — Wafimannstratze. An das AersichenmgSanrt. Klosterstraße.— ft. 9S>. 1. Mit der Etnberufinm zum Mllltär haben Sie keinen Ansprnch mehr. — O. W. Heber diese rein strategische Maßimhme der Militärbehörde können wir nicht befinden.— P. B.«. Schösse» bekomme» jetzt Diäten. — H.®. Wem, Invalidität oder Tod vor dem 1. Januar 1912 eingetreten ist, besteht kein Anspruch aus Witwenrente.— 91. B. 13. Das Gericht fami in der Art die Kosten einziehen.— H. B. 54. Komme» Sie mit Ihrer Angelegenheit in unsere Sprechstunde.—46. Döring, Brunnen- -136 Suche L— 3 tüchtige Wagenfclilosfer, welche mil bteparaluren von Fuhr« werk-, Gleis, und Viehwagen ver- traut sind....,.. «Joseph Friedrich, Calau N.-L. geübt auf Z garettenkartons, finden in der Fatntk sofort lohnende Bc> schästiaunq. Kartonnagenfabrik, MarstliuSstr. 21.» panser und aus der Tapisseriebranche verlangt 108/8 Arbeitsnachweis, Engelufer 15 III Zimmer 67/68.