Nr. 34. 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1.10 wöchentlich 25 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt 10 B'a. Bost Ibonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart. für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel. geile oder deren Raum 60 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere ort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritvlas, Nr. 151 90-151 97. Mittwoch, den 3. Februar 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Energisches Borgehen gegen die englischen Truppentransporte Verhinderung englischer Truppentransporte. Amtlich. Berlin, 2. Februar.( W. Z. B.) Ju seiner heutigen Ausgabe wird der„ Reichs- und Staatsanzeiger" folgende amtliche Veröffentlichung bringen: Berlin, den 1. Februar 1915. Bekanntmachung. | Die Meldung des Großen Hauptquartiers Amtlich. Großes Hauptquartier, den 2. Februar 1915.( W. Z. B.) Weftlicher Kriegsschauplatz. Außer Artilleriekampf an verschiedenen Stellen keine besonderen Vorkommnisse. Deftlicher Kriegsschauplah. Die Brotversorgung. In diesen Tagen bekommt es auch der letzte Konsument zu spüren, daß sein bisher heiligstes Recht der individuellen Bedarfsdeckung ftaatlicher Regelung und Beschränkung unterworfen werden kann. Bei den breiten Massen des Volkes ist allerdings stets dieser prinzipiel! I unbegrenzten Möglichkeit als eine sehr peinlich empfundene Schranke durch die Höhe des Einkommens gezogen worden. Aber vom 1. Februar ab wird jeder Konkurrent grundsäglich in seinem Brottonsum beschränft England ist im Begriff, zahlreiche Truppen und An der ostpreußischen Grenze hat sich nichts werden, wenn auch praktisch die Möglichkeit einer Ueberschreitung der borgeschriebenen Konsumshöhe für den um so große Mengen von Kriegsbedarf nach Frankreich zu ver- Wesentliches ereignet. In Polen nördlich der leichter sein wird, der schon in Friedenszeiten sich keinerlei schiffen. Gegen dieſe Transporte wird mit alle 3 Weichsel fanden in Gegend Lipno und nord- Einschränkung aufzuerlegen brauchte. Gebote stehenden Kriegsmitteln vorgegangen. Die friedliche Schiffahrt wird vor der Annähe westlich Sierpe Zusammenstöße mit russischer rung an die französische Nord- und Westküste dringend ge- Kavallerie statt. Südlich der Weichsel sind Brotkonsums braucht kein Wort verloren zu werden. Nachdem warnt, da ihr bei Verwechselung mit Schiffen, die Kriegs- unsere Angriffe im weiteren Fortschreiten. zwecken dienen, ernste Gefahr droht. Dem Handel nach der Nordsee wird der Weg um Schottland empfohlen. Der Chef des Admiralstabes der Marine gez. von Pohl. Die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote. Kein pölkerrechtswidriges Vorgehen. Paris, 2. Februar.( W. 2. B.) Amtlich wird mit. geteilt: Den letzten Nachrichten zufolge haben die deutschen Untersee boote, welche am 30. Januar englische Handels. schiffe in der Frischen See anhielten, diese erst versenkt, nachdem sie von der Besatzung verlassen worden waren. Ueber die Notwendigkeit der staatlichen Regelung des man Monate hindurch tros dringender Warnungen, besonders von sozialdemokratischer Seite aus, die Nahrungsmittelversorgung nur durch kleine Maßregeln zu beeinflussen suchte, ja sogar einen übertriebenen Optimismus über die Größe der Die französischen amtlichen Berichte über vorräte wachrief, hat man sich jezt, das heißt nach sechs die Kriegsereignisse enthalten in letzter Zeit Monaten, zu einem tiefer einschneidenden Verfahren entschlossen. geradezu ungeheuerlich zu unseren Ungunsten Sparjamteits ermahnungen mögen in einer Gesellschaft mit hochentwickeltem Solidaritätsgefühl helfen, aber entstellte, zum Teil auch völlig frei erfundene nicht in einem Staate, der sich überall auf private Interessen Angaben. Natürlich verzichtet die deutsche aufbaut. Oberste Heeresleitung darauf, sich mit derarti- Schon in Friedenszeiten ist Deutschland auf die Einfuhr gen Darstellungen im einzelnen zu befassen. von Getreide angewiesen. Jedermann ist in der Lage, ihren Wert an der verringerte sich nicht nur diese Einfuhr; die Verwüstung von Erntevorräten in Ostpreußen und im Elsaß vergrößerte deutschen Mitteilungen auch noch das alljährliche Manto, das durch die vielfach erHand der amtlichen örterte Verfütterung von Getreide ein ganz erhebliches geselbst nachzuprüfen. worden ist. Unt trotzdem bis zur Einbringung der neuen Ernte auszukommen, hält die Regierung eine Einschränkung des Brotkonsums vorerst um ein Viertel des bisherigeit für notwendig. Oberste Heeresleitung. London, 2. Februar.( W. T. B.)„ Daily Chronicle" fagt in einem Bericht aus Fleetwood: Daß der deutsche Unterseebootdienst ebenso wagemutig wie tüchtig ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden, man kann es überall von Die allgemeine Situation hat sich nicht geändert. Ein verbritischen Seeoffizieren hören. Es ist um so angenehmer das einzelter russischer Vorst of an der mittleren Bilica zu sagen, als die Offiziere und Mannschaften der in Polen wurde abgewiesen. deutschen Unterseeboote stets vornehm und sports- In den Karpathen dauern die Kämpfe im westlichen männisch vorgegangen sind. Die Bedeutung der Blockade durch " Unterseeboote. In diesem Erntejahr fehlte oder Der österreichische Generalstabsbericht. Die Verteilung der beschlagnahmten Getreide- und Mehlborräte wird bekanntlich eine neugegründete ReichsverWien, 2. Februar.( W. T. B.) Amtlich wird verlautteilungsstelle vornehmen. bart: 2. Februar 1915 mittags: Sie soll nicht nur für die Streckung der Vorräte bis zur nächsten Ernte sorgen, sondern die Vorräte auch innerhalb dieser Zeit auf die einzelnen Staaten und Gemeinden je nach Bedarf so verteilen, daß nirgends auch nur ein vorübergehender Mangel entsteht. Ob sich das, besonders in den ersten Wochen, wird wirklich Froutabschnitt an. In der Mitte der Front kämpften überall vermeiden lassen, kann erst die Erfahrung lehren. deutsche und unsere Truppen mit Erfolg. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: bon Hoefer, Feldmarschalleutnant. Bei der Bedeutung des Brotes für die Gesaminahrung gerade in den breiten Schichten des Volkes muß jedenfalls im Interesse dieser Schichten gefordert werden, daß mit aller Energic alle Maßnahmen ergriffen werden, Die London, 2. Februar.( W. Z. B.) Archibald Hurd| Tage in einem der Haupthandelswege des großen Liverpooler Hafens die eine ununterbrochene Versorgung sicherstellen. Ebenso schreibt im Daily Telegraph": Tirpik kann der ausgeführt. Der Aktionsradius dieser Boote ist bedeutend wie im Felde bei Truppenverschiebungen großen britischen Flotte nichts anhaben und schidt jetzt größer, als vor dem Kriege angenommen wurde. Es alle verfügbaren Mittel und Organe( EisenMäuse aus, um Englands Brot zu benagen. Glaubt der fragt sich. ob Deutschland über die genügende Anzahl von Tauch- bahnen, Wagen und Pferde) unter Zurücksesung booten verfügt, um diese riskante Taftit, die mit allerlei Gefahren privater Interessen rüdsichtslos in den Chef der deutschen Flotte wirklich, daß er Großbritannien auf verbunden ist, großzügig durchzuführen. Man darf auch nicht ver- Dienst der militärischen Notwendigkeiten die Stnie zu zwingen vermag, wenn er einige Handelsschiffe gesien, daß alle bisher versentten Schiffe flein und von geringer gestellt werden, ebenso muß auch das Ziel der versenkt? Es ist einen Monat her, seit Tirpitz seine Drohung sahrgeschwindigkeit waren. Die Tauchboote haben selbst Brotversorgung im Inlande verfolgt werden. aussprach, und seitdem wurden nur einige fleine Schiffe ver- feine große Fahrgeschwindigkeit und besigen nur fleine Kanonen; fie Reichsverteilungsstelle als Zentrale und die Kommunen als ſentt. Und wenn er drei Dußend oder 300 Schiffe in den würden also vermutlich schnellen und gut armierten Schiffen nichts vermittelnde Organe werden alles anvenden müssen, um keine Grund bohrt, wird seine Politik doch fehlschlagen. Die Zer- anhaben fönnen. Dafür ist eigentlich schon der ungestörte Truppen- Stockung in der Brotversorgung eintreten zu lassen, dazu die Heranziehung staatlicher und störung der Handelsschiffe der ersten Seemacht ist ein Ein- transport nach dem Kontinente ein genügender Beweis. Wenn die Eventuell wird geständnis der eigenen Schwäche und bedeutet nichts Beutezüge der deutschen Unterseeboote ernsthaftere Formen annehmen militärischer Hilfe( z. B. für den Transport von Getreide) anderes, als daß der Feind im eigentlichen Seefrieg teine foten, so müßte ein Begleitinstem eingeführt werden. Man weiß notwendig werden. So wird z. B. die Eisenbahnbehörde bereits, daß schnellfahrende Zerstörer einen guten Schutz gegen( etwa durch Einstellung von Eil- Hilfszügen) wesentlich zur Fortschritte macht. Wenn die Deutschen die britischen Kriegs- Tauchboote bieten. Das letzte ausfunftsmittel wäre, die britischen Beschleunigung beabsichtigter Maßnahmen beitragen können. schiffe versenken könnten, so würden sie nicht ihre Zeit auf Handelsschiffe unter eine neutrale Flagge zu stellen. Die Leute, die Jedenfalls darf man sich an den verantwortlichen fleine Handelsschiffe verschwenden. Deutschland schadet sich im Falle der„ Dacia" eine drastische Attion anempfehlen und in Stellen nicht mit dem Troft abfinden, daß bei örtlicher dadurch selbst; denn je weniger britische Schiffe verfügbar bezug auf die britischen Rechte gegen den internationalen Handel borübergehender Snappheit leicht ein Ersatz des Brotes durch sein werden, desto mehr neutrale Schiffe werden die Ver- extreme Standpunkte einnehmen, sollen ihre Anschauungen angesichts andere Nahrungsmittel eintreten werde. Für die ärmeren bündeten benötigen. Deutschland wird dann nicht in der der Unterfeebootfragen einer Revision unterziehen. Die Bloda de Schichten fäme dabei überhaupt nur die Kartoffel in Frage, Lage sein, die notwendigen Schiffe für seinen Ueberseehandel durch Tauchboote tönnte im nächsten Kriege verwirklicht die aber schon einen starten Bestandteil der regelaufzutreiben; denn England hat die größere Börse und den werden und sie würde für uns auf der Insel biel mäßigen Nahrung größeren Kredit, und kein Neutraler wird die Nordsee mit ernsthaftere Dimensionen annehmen als für ein Reich hinter dem des Brotes erheblich zurückbleibt. Die Nahrung ihren Minen und anderen Gefahren aufsuchen, wenn er eine mit Berbindungen zu Lande. Ladung für einen britischen oder französischen Hafen bekommen tann. Minenexplosion im Kattegat. London, 2. Februar.( W. Z. B.)„ Daily News" ihreibt in Göteborg, 2. Februar.( W. T. B.) Als der Minenleger, Edda" einem Leitartikel: Die Verfentung dreier englischer mit der Zerstörung einer Mine, die ein schwedischer Dampfer im Schiffe an der Küste von Lancashire ist eine Episode, die Kattegat gefunden hatte, beschäftigt war, explodierte die Mine. Zwei zum Nachdenten einlädt. Die Operationen wurden am hellen Mann wurden getötet, sieben verlegt. Zwei | ausmacht und deren Nährwert würde in diesen Schichten bei gesteigerter Verwendung der Kartoffel übrigens völlig einförmig verden. Rechnet man aber in amtlichen Stellen mit einem auch nur zeitweiligen Ersatz von Brot durch Kartoffeln, dann wäre es natürlich völlig berkehrt, eine Erhöhung der Höchstpreise für Kartoffeln vorzunehmen, wie das unter anderm von der Landwirtschaftskammer für Brandenburg gefordert worden ist. Brotversorgung und Kriegsgetreidegesellschaft. " fehlen. Der Ausschuß hofft, feine Arbeiten Mitte Februar beendet! zu haben. Der„ Temps" schreibt dazu: Dies ist sehr wünschens wert, denn es darf nicht geschehen, daß eine große Schlacht uns in dieser Richtung ungenügend vorbereitet sindet. Musterung der französischen JahresPlaffe 1916. Pressekritik in Frankreich. Die Haltung der J. L. P. Unser Rondoner Korrespondent schreibt uns: Daß die englische unabhängige Arbeiterpartei vom Anfang an bis zum Junerhalb der von der Reichsverteilungsstelle" für Brotheutigen Tage eine fonsequent kriegsfeindliche Haltung eingetreide zu leistenden Organisation des Brotfonfums fällt der genommen, daß sie das Schlagwort von der nationalen SoliKriegsgetreidegesellschaft, G. m. b. H., eine wichtige darität entschieden abgelehnt, ist allgemein bekannt. Dagegen Aufgabe zu. Die Kriegsgetreidegesellschaft ist gegründet worden, Paris, 2. Februar.( W. T. B.) Nach dem„ Temb3" scheinen in Deutschland merkwürdige Irrtümer über die Beche die staatliche Beschlagnahme aller Getreidevorräte vom Bundes- find die Aushebungsarbeiten für die Jahres- deshalb nicht überflüssig sein, in einigen Worten die Tatdeutung dieser Organisation verbreitet zu sein. Es dürfte rat angeordnet wurde. Sie hatte zunächst die Aufgabe, durch frei flaffe 1916 in Paris gestern beendet worden. händige Auffäufe einen Borrat von Getreide anzulegen, der später 18 000 Stellungspflichtigen wurden ungefähr 12 000 tauglich Barty ist die bei weitem größte fozialistische Organisation Bon fachen ins Gedächtnis zu rufen. Die Independant Labour bei eintretendem Bedarf nach und nach abgestoßen werden sollte. Die Einsperrung der Getreidevorräte durch Landwirte und Händler befunden. Das Ergebnis blieb hinter dem der Jahres- Englands, die einzige, die im politischen Leben des Landes zwang dann die Regierung dazu, die Kriegsgetreidegesellschaft zu- flasse 1915 zurück, doch erklärt der„ Temps", es sei be- eine bedeutende Rolle spielt. Ihr ist in erster Linie die Gründung der Britischen Arbeiterpartei, deren Bestandteil sie nächst mit dem Zwangsenteignungsrecht auszustatten. As auch friedigend. ist, zu danken gewesen. Die J. 2. P. ist die einzige soziadadurch die Versorgung der Bevölkerung mit Brot nicht gesichert liftische Partei Englands, die eine eigene Vertretung int erscheinen konnte, hat dann die Regierung die Beschlagnahme aller Vorräte beschlossen. Neben den Kommunen steht das Recht Paris, 2. Februar.( W. T. B.) In einem Leitartikel der Parlament hat. Sie zählt sieben direkte Parlamentsverdér lebernahme von Vorräten auch jetzt der Kriegsgetreidegesell. Humanité" wird ausgeführt, daß es nur möglich fei, zu dem treter; aber auch von den übrigen Mitgliedern der Arbeiterschaft zu. Während die Kommunen für den Bedarf von Mehl Maximum der für den Sieg notwendigen militärischen Straft fraktion des Unterhauses, die als Kandidaten ihrer Gewerf. innerhalb ihres Gebietes sorgen, erstreckt sich die Geschäftstätigkeit anstrengung zu gelangen, wenn die Misstände im Seer und schaftsorganisationen gewählt worden sind, sind mehr als die der Gesellschaft auf den Ankauf und die Lagerung von Getreide in der Heeresintendantur endlich aufhören würden. In Hälfte Mitglieder der J. 2. P. Die namhaften englischen und Mehl in ganz Deutschland. Dabei hat sie auch jetzt vornehm- dem Artitel heißt es weiter: Eeltfame Gerüchte laufen um. Man Arbeiterparlamentarier find fast ausnahmslos Mitglieder der Tich für den Bedarf nach dem 15. Mai Sorge zu tragen, wofür spricht von zu eilig und schlecht gelieferten Ausrüstungsstüden, von I. 2. P., und unter den direkten sieben Barlamentsvertretern etwa 2½ Millionen Zonnen Brotgetreide bereitgestellt werden zahlreichen Schmarozern in der Intendantur, die auf Kosten des der 3. 2. P. befinden sich die bedeutendsten Führer der sollen. Staates ungeheure Gewinne einsteden. Man fagt, daß militärische Arbeiterpartei: Keir Hardie, Ramsay MacDonald, Philip In welcher Weise die Gesellschaft gearbeitet hat und arbeitet, Beamte aus politischer oder persönlicher Gefälligkeit Militärpersonen Snowden, Fred Jowett, George Roberts und neuerdings auch W. C. Anderson. Die J. 2. P. zählt ungefähr 60 000 geht aus den ausführlicheren Mitteilungen hervor, die wir gestern aus dem Frontdienst in die Depots bringen, van unzähligen Klagen Mitglieder, das heißt mindestens doppelt so viel als irgendeine veröffentlicht haben. Da die Gesellschaft ihre Bestände sofort über den Sanitätsdienst gar nicht zu reden. Wenn allen diesen andere sozialistische Organisation Englands je erreicht hat. Tombardiert, tommt sie mit einem relativ geringen Rapital aus. Misständen nicht abgeholfen wird, dann haben wir, und wenn lauter Wenn das an festländischen Maßstaben gemessen eine geringe Sie wurde mit einem Kapital von 50 Millionen Mark gegründet, Genies unser Heer führen, nichts zu hoffen. Zahl scheint, so darf man die eigenartigen englischen Verhältworan der preußische Staat und einige Bundesstaaten mit 21 Milüberhaupt nie darauf reflektieren fann, eine Massenpartei zu werden, nicht außer acht laffen. Die Mitglieder der London, 2. Februar.( T. U.) Allmählich beginnt man in England 3. 2. P. find nicht die Massen, sondern die Offiziere und einzusehen, daß mit amtlichen Siegesbulletins allein noch feine Unteroffiziere der politischen Arbeiterbewegung. Erst wenn Schlachten gewonnen werden. Wieber ist es das viel umstrittene man das im Auge behält, kann man den wirklichen Einfluß der J. 2. P. richtig einschätzen. Zu den Mitgliedern der Gelände von La Bassée, an das die Kritik anknüpft. Nachdem vor 3. 2. P. gehört auch die große Mehrzahl der Gewerkschafts. 14 Tagen bereits ein großer Sieg bei La Baffée gemeldet wurde, führer des Landes. Die Haltung, die die. 2. P. in dent ohne daß dort überhaupt gekämpft wurde, gibt jetzt sowohl das Striege einnimmt, ist deshalb schon an sich von sehr erheb franzöfifche wie das englische Communiqué belannt, daß die erste licher nationaler Bedeutung, die dadurch noch wächst, daß die englische Division bei La Bassée große Erfolge über deutsche Truppen auch außerhalb der Arbeiterbewegung sich regende Ovvofition zu Beginn voriger Woche erzielt habe, nachdem zuerst die Deutschen gegen den Krieg gleichfalls mehr und mehr in der J. 2. P. einige Vorteile erzielt hatten. Die„ Daily News" geht mit dieser ihren Knotenpunkt findet. t Geschichtsschreibung scharf ins Gericht. Sie stellt die verschiedenen Während der Osterfeiertage findet die Jahreskonferenz amtlichen Mitteilungen von englischer, französischer und deutscher der J. 2. P. statt, und gegenwärtig sind die DelegiertenverSeite zusammen und beweist dem Kriegsamt, daß es wichtige Rück- sammlungen der Provinzialorganisationen der Partei damit schläge verschweigt, um sie einige Tage später in der Form bekannt beschäftigt, zur Tagesordnung Vorschläge zu machen und über zu geben, daß es da und dort den englischen Truppen gelungen sei, die der Jahreskonferenz zu unterbreitenden Resolutionen zu Gelände zurückzugewinnen, daß sie vor einigen Tagen verloren beschließen. Zwei dieser Provinzialfonferenzen haben bereits hätten. Bei La Bassée sei dies befonders auffällig gewesen, und stattgefunden: die von London und die von Lancashire. aus dem Text der verschiedenen amtlichen Auslassungen von beiden Seiten, müsse man, wenn man die verschiedenen Seiten betrachtet, von denen die Rede sei, zu der Vermutung fommen, daß die Engtänder Schlappe erlitten hätten. Eine Aufklärung seitens des Kriegsamtes ander nördlich oder südlich vom Aire- Béthune- Kanal eine beträchtliche sei dringend geboten. lionen beteiligt sind. 48 deutsche Großstädte mit über 100 000 Ginwohnern steuerten 20 Millionen Mark zu und 13 gewerbliche Unternehmungen sind mit 9 Millionen Marf beteiligt. Im Aufsichtsrat finden sich neben je 5 Vertretern des Staates und der Städte 3 Mitglieder des Großgewerbes. Die Gesellschaft ist eine gemeinnügige. Ihre Dividende darf nicht mehr als 5 Broz. betragen. Darüber hinausgehende Gewinne find dem Reich für gemeinnüßige Ziede zuzuweisen. Im Falle der Auflösung der Gesellschaft wird nur der Nennwert der Anteile zurückgezahlt. Jagd auf weitere englische Schiffe. Loudon, 2. Februar.( W. T. B.) Die Dampfer Atreus" und„ Ava", die gestern in Greenod antamen, wären beinahe einem deutschen Unterseeboot in der Jrischen See zum Opfer gefallen. Die Ava" fuhr von Liverpool nach Glasgow etwa in der Höhe von Morecambe, mehrere Meilen vom Atreus" entfernt, als zwischen beiden Schiffen ein deutsches Tauchboot erschien. Dieses war jedoch so sehr mit einem dritten Schiff beschäftigt, daß die beiden Dampfer unbehelligt davonkamen. " Paris, 2. Februar.( W. T. B.) Der Marinekritiker des Temps" äußert darüber sein großes Erstaunen, daß das Temps äußert darüber sein großes Erstaunen, daß das U- Boot 21 die englisch- französische Blockade brechen und bis in die U- Boot 21 die englisch- französische Blockade brechen und bis in die Irische See gelangen konnte. London, 2. Februar.( W. T. B.) Die 2ondoner Presse stellt fest, daß es mit 75 Prozent wahrscheinlich sei, daß die deutschen aroßen Unterseeboote um Schottland herum nach dem St. George anal fuhren. Diese Fahrtleistung von mehr als zweitausend Seemeilen wird sogar im „ Daily Telegraph", als Martstein in der Geschichte des Untersee bootes bezeichnet. = 9 Westlicher Kriegsschauplah. Englische Kritik Englische Kritik der englischen Siegesbulletins. Die englische Verlustliste. London, 2. Februar.( 2. 11.) Die legte amtliche Berlufiliste gibt die Namen von 10 Offizieren an. Davon find 7 gefallen, 3 vervundet. Von Mannschaften werden 864 aufgeführt, von denen 445 als bermißt", das heißt gefangen", bezeichnet werden. nisse, bei denen eine ausgesprochen sozialistische Organisation 2 Die Londoner Konferenz wurde von dem Parteiborstandsmitglied Postbeamten Harry Dubery eröffnet. Er führte aus, daß die Haltung des Vorstandes der 3. 2. P. Bande jo gut wie einstimmig gebilligt worden im Kriege von den Konferenzen der Ortsgruppen im ganzen ist. Er betonte, daß die Haltung der Partei nicht bloß negativ und fritisch gewesen sei, sondern daß sie namentlich im Arbeiter- Kriegsausschuß auch alles getan habe, um die Intereffen der Arbeiter während der Dauer des Krieges wahr. zunehmen. Ein einstimmig angenommener Dringlichkeitsantrag. drückte Entrüstung aus über die kapitalistisen Kreise, die die Weltkrise zur Vermehrung ihrer Profite auf Kosten der Der Krieg und die Kolonien. rmen benusen, und forderte die Regierung auf, fofort die Grenzkonflikte in Angola. Kontrolle der Weizen- und Kohlenversorgung und der Schiff fahrt zu übernehmen. Eine von der Londoner City- Ortsgruppe eingebrachte ReBerlin, 2. Februar.( W. T. B.) leber blutige Vorgänge an folution, die die Haltung des Vorstandes der J. 2. P. im Der französische Tagesbericht. der Grenze bon Deutsch Südwestafrika und Striege billigte und der Arbeiterpartei für ihre Beteiligung an Paris, 2. Februar.( W. T. B.) Gestern nachmittag Angola, wobei drei Deutsche, ein höherer Bezirks der Refrutenwerbungstampagne ihre Miß3 Uhr wurde amtlich bekannt gegeben: beamter und zwei Offiziere, auf portugiesischem billigung aussprach, wurde mit allen gegen Der 31. Januar war, wie die vorhergehenden Tage, burch Gebiete getötet wurden, find jetzt Mitteilungen in die 3 toei Stimmen angenommen. Eine andere Resolution dagegen, die die Absicht ausArtillerietämpfe, die im ganzen Nordgebiete besonders deutschen Blätter gelangt. Die Nachrichten stammen vom Oktober heftig waren, gekennzeichnet. Südöstlich von 9pern unter vorigen Jahres. Der Tod der drei Deutschen ist durch eine furge sprechen wollte, daß die Berlegung der belgischen nahmen die Deutschen einen Angriff auf unsere Schüßengräben amtliche Nachricht aus Windhut nunmehr bestätigt. Ueber die Neutralität durch Deutschland die Teilnördlich des Kanals, welcher durch das kombinierte Feuer unferer näheren Umstände des Vorfalls hat sich jedoch trot vielfacher bernahme Englands am europäischen Kriege Artillerie und Infanterie sofort aufgehalten wurde. Auf der ganzen geblicher Versuche, mit Windhut darüber Fühlung zu gewinnen, rechtfertigte", erhielt ganze bier Stimmen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, die die ReFront gelang es unseren Batterien verschiedentlich, ihr Feuer glüd- noch nichts ermitteln lassen. Die Bemühungen zur Aufklärung der lidh an birigieren, daß sie im Bau befindliche Schüßengräben, Angelegenheit, namentlich zur Feststellung der Schuldfrage, gierung auffordert, bei den Friedensverhandlungen für eine drastische allgemeine Rüstungseinschränkung Unterstände und Maschinengewehre zerstörten und an mehreren werden fortgefegt. und für allseitige Verstaatlichung der RüstungsStellen die Mörser der feindlichen Artillerie zum Schweigen industrie und staatliche Kontrolle des Waffenerports einbrachten. In der Champagne verstärkten wir das System zutreten. Andere Resolutionen fordern internationale Schieds. unserer Stellungen durch ein kleines Gehölz, dessen wir uns vorgerichte und demokratische Kontrolle der auswärtigen Politif. gestern bemächtigt hatten. In den Argonnen, wo die Deuts Die Lancashirer Provinzialfonferenz, die in Liver schen unter den letzten Kämpfen anscheinend sehr gelitten hatten, verlief der letzte Tag verhältnismäßig ruhig. Von den Fronten pool stattfand, nahm eine Resolution an, die die Halin Lothringen und den Vogesen ist nichts Interessantes tung der Daily Citizen" mit feinen lärmenden Ueberschriften und feiner Sensationshascherei mißbilligt, dagegen dem Labour Der Aufstand in Nyasaland. Leader" für seine tapfere Haltung im Kriege London, 2. Februar.( W. T. B.) Das Preffebureau uneingeschränktes 2obzollt, und ferner die Redaktion des Berliner Borwärts" zu ihren Bedaß viele Rädelsführer des Eingeborenenaufstandes im mühungen beglüdwünscht, die Flut der Verleumhaffaland gefangen genommen worden feien. dungen, die die kriegführenden Völker noch mehr erbittert, einannehmen, daß der Aufstand unterdrückt sei. zudämmen und damit einen fünftigen dauernden Frieden vorzuarbeiten. zu melden. Paris, 2. Februar.( W. T. V.) Amtlicher Kriegs= bericht von gestern abend 11 Uhr: Portugiesische Truppenverstärkungen für Angola. Lyon, 2. Februar.( W. Z. B.) Der Erpres Républicain meldet aus Lissabon: Neue Truppenverstärkungen find nach Angola abgegangen, wo die Deutschen noch immer einen großen Teil des Territoriums besett halten. Der türkische Krieg. meldet, Man dürfe Argonnen herrscht im Raume Fontaine Madame und im Wald Meldung des türkischen Generalstabes. Auslandspolitik und Demokratie in Holland. Die Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar verlief sehr ruhig. Ant Vormittag des 1. Februar griff der Feind unsere Schüßengräben nördlich der Straße Béthune- 2a Baffée heftig an, wurde zurückgeworfen und ließ zahlreiche Tote auf dem Gelände zurück. In Beaumont Hamel( nördlich Arras) verfuchte deutsche Infanterie, einen unserer Schützengräben zu überrumpeln, wurde jedoch zur Flucht gezwungen und mußte bie Sprengmittel, mit denen sie ausgerüstet war, zurücklaffen. In den von Grurie starte Zätigkeit. Ein deutscher Angriff wurde zurück- Konstantinopel, 2. Februar.( W. T. B.) Aus dem Großen gewiesen. Bei Bagatelle wurde einer unserer Schüßengräben durch Hauptquartier wirb gemeldet: Dertlich beschränkte Bu zwei Minenherde zerstört und ohne Berlufte geräumt. Aus den sammenstöße der letzten Tage auf der taukasischen Front Aus Amsterdam schreibt man uns: Die Fraktion der Bogesen wird keine Attion gemeldet; es herrscht dort sehr hatten einen für unsere Truppen erfolgreichen Ausgang. Eine Arbeiterpartei in der Zweiten Rammer hat am 26. Januar bichter Schneefall. feindliche Abteilung, welche unsere Truppen bei Artwin angegriffen gegen die Vorlage über die Verlängerung der Dienstpflicht des hatte, wurde mit schweren Verlusten zurückgeschlagen und ließ, als letzten Landwehrjahrganges bis zum 31. Juli d. 3. gestimmt. fie verfolgt wurde, viel Kriegsmaterial in unseren Händen. In Damit erscheint die sozialistische Opposition, die den Burgber Gegend von Korna überraschte in der Nacht vom 30. Januar frieden vom August schon auf dem Gebiet finanzieller Maß eine kleine Abteilung zwei hinter Stacheldraht verschanzte feind nahmen abgelöst hatte, nun auch auf das militärische Gebiet Baris, 2. Februar.( W. T. V.) Der Oberausschuß für liche Bataillone und brachte ihnen bedeutende Verluste bei. Am ausgedehnt. Die Situation erfordert aber, zur Vermeidung die Verbesserung des Gesundheitswefens hat dem nächsten Tage versuchte der Feind unter dem Schuße von Kanonen von Mißverständnissen bei den Sozialisten des Auslandes, Zemps" zufolge beschlossen, dem Kriegsminister vorzuschlagen, booten in der Umgebung zu landen, wurde aber unter Zurüdlassung eine eingehendere Auseinandersetzung. Diesmal namentlich) den Spitälern und Ambulanzen, in denen chirurgische Eingriffe auszahlreicher Toter, darunter eines Hauptmanns und eines Unter- auch darum, weil ein Teil der über diese Opposition verärgerten regierungsfreundlichen Bresse, schon um die stille Bringeführt werden, eine größere Zahl chirurgisch geschulten Bersonals offiziers, zurüdgeworfen. " Verbesserung des französischen Sanitätsdienstes. zuzutveiſen, und ferner Zivilärzte, welche bisher keinen Militärbienft Der Suezkanal für die Schiffahrt geöffnet. io darstellt, als ob die Ablehnung ein taktiſches Manöver der geöffnet.ipienpreisgabe ihrer Barteifreunde zu bemänteln, die Lage getan, aber um Einstellung nachgesucht hatten, während der Kriegsdauer in den Militärspitälern und Ambulanzen einzustellen. Der Von der holländischen Grenze, 2. Februar.( T. U.) Aus Paris Fraktion gewesen sei, um die Opposition in der ArAusschuß erörterte weiterhin Maßnahmen zur Erleichterung des wird berichtet: Die Suezkanalgesellschaft macht bekannt, daß der beiterpartei, die unter der Führung des Genossen Transportes von Verwundeten zwischen der Feuerlinie und den Kanal für die Schiffahrt offen bleibe. Der Verkehr wird tagsüber Kuyper die unbedingte, prinzipielle Ablehnung aller miliAmbulanzen und Spitälern, sowie Maßnahmen, um dem Uebelstande unter Einhaltung von Vorkehrungen und militärischen Einschränkungen tärischen Forderungen verficht, zu beschwichtigen. Es wäre sicher verfehlt, zu verkennen, daß die Opposition, die weniger abzuhelfen, daß in gewissen Spitälern Medikamente und Wäschel im Hinblick auf die Sicherung der Durchfahrt stattfinden. revolutionäre Marxisten, als kleinbürgerliche und-bäuerliche Gefühlssozialisten in ihrer recht buntscheckigen aktiven Gruppe zählt, einer Stimmung in den Massen entspricht. Man darf nicht übersehen, datz sich die sozialistische Partei in Holland zu einem großen Teil aus noch stark religiös beeinflußten Volks- dementen rekrutiert und nicht wenige Anhänger von Sekten, wie z. B. Wiedertäufer, in ihren Reihen hat, deren Antimili- tarismus weniger auf den Klassengedanken als auf christliche Liebesmoral gegründet ist. Aber wenn die äußere Form des parlamentarischen Verhaltens erlauben könnte, auf eine grund- fätzlichc Aenderung der Taktik der Arbeiterpartei in der Mili- tärfrage zu schließen, d. h. auf ein Abweichen von dem im August eingenommenen Standpunkt, die von der Regierung fiir den Schuh der Neutralität Hollands ge- forderten militärischen Ausgaben und Maßregeln zu be- willigen, so macht der Inhalt der letzten Kammerverhand- lungen die Dinge klar. Er ist um so bemerkenswerter, als die Verhandlungen andererseits auch die bei manchen Genossen vorhandene Illusion, unter der bestehenden sozialen Lrdnung eine wahrhafte Demokratisierung der Auslandspolitik er- reichen zu können, erschüttert haben könnten. Was die Sprecher der Arbeiterpartei— die Genossen � r o e I st r a und Ter L o a n— bekämpften, war nicht die Organisation der Landesverteidigung, sondern die Jgno- rierung der Parlaments rechte durch die Regie- rung. Die sozialistischen Redner forderten, daß die Kammer, wenn die Regierung ihr einen Entwurf vorlege, auch die G r ü n d e der Regierung erfahre. Dazu aber wollte sich der »riegsminister diesmal ebensowenig verstehen, wie im letzten Dezember, als er die Tienstverlängerung der Landwehr um einen Moftat forderte. Aus der„demokratischen" Regie- rung war nichts herauszubringen, als daß die„Situation" die Dienstverlängerung verlange, und die bürgerlichen Abgeord- neten haben— wenngleich einige mit süßsauren Erklärungen � die Feststellung ihrer Inkompetenz hinuntergeschluckt. Die Sozialisten forderten, daß die Regierung ihre Gründe, wenn nicht in offener Sitzung, so in einem„Comits-Gcneraal" be- kanntgebe und zur Diskussion stelle. Aber Herr C o r t v a n der Linden, Vorsitzender des Ministerrats, lehnte rund- weg ab, da, wie er sagte,„vertrauliche Berichte und Gespräche mitgeteilt" werden müßten, die die Regierung„der Kam- mcr mitzuteilen nicht das Recht habe und deren Mitteilung obendrein den Interessen des Landes w i d e r st r e i t e n würde"— eine Erklärung, die weder wie ein Bekenntnis zum parlamentarischen System, noch wie ein Äompstment für die Parlamentarier aussieht. Schließlich be- kam die Kammer auch noch eine Art psychologisch-erkenntnis- theoretischer Begründung vorgesetzt: in der Politik seien nicht allein die festumgrenzten Tatsachen zu erfassen, sondern es gehöre dazu noch eine„intuitive Ueberzeugun g". Und mit dieser sei eben die Regierung versehen. Man sieht: ein Triumph der Bergsonschen Philosophie in der Politik. Da immerhin diese Argumente für eine„demokratische" Mduheit nicht völlig genügend erscheinen konnten, kettete die Regierung ihr Schifflein obendrein am Felsen des„nationalen Interesses" an. Wenn das Parlament eine genauere Einsicht in die internationalen Beziehungen Hollands verlange, sei das eine Kundgebung des Mißtrauens. Ohne Vertrauen könne die Regierung aber nicht im Amte bleiben. Und eine Minister- trise sei in diesem Augenblick eine nationale Gefahr.— So konnten prinzipienfeste„freisinnige Demokraten" aus natio- ualen Gründen die demokratische Kontrolle ablehnen. Es bleibt ihnen das Recht, sie im„Antikriegsrat" und anderen Vereini- gungen guter Menschen in Wort und Schrift zu vertreten. � Die Sozialisten zogen aus der scharfen Ablehnung ihrer Forderung die Konsequenz und stimmten gegen die Vorlage. Mit ihnen nur ein„C h r i st l i ch- H i st o r i- s ch e r", 5. h. ein Mitglied der Rechten(nicht ein Demokrat, wie irrtümlich telegrophisch gemeldet wurde. Anrn. d. Ber.). Wie sich nach dieser grundsätzlichen Auseinandersetzung das Verhältnis zwischen der Regierung und der Arbeiterpartei weiter entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Solange der Krieg andauert, braucht die Regierung allerdings die Unterstützung der Arbeiterpartei nicht, da ihr stets eine„nationale Mehr- bat" zur Verfügung stehen wird. Die Frage ist nur, wie sich die politische Gruppierung nach Friedensschluß gestalten wird. ( o gibt wohl in der Partei überzeugte Anhänger der Teil- nähme an der Regierung, die der Meinung sind, daß alles anders gekommen wäre, wenn Sozialisten im Ministerium säßen. Wobei freilich auch die Frage aufzuwerfen wäre, ob die sozialistischen Minister die Mitwirkung des Parlaments durchsetzen oder sich selbst zur Theorie von der„Intuition" bekehren würden. Soweit die Erklärungen der Regierung die internatio- uale Situation betrafen, wird wohl niemand in der Kammer das ehrliche Streben verkannt haben, in einer ohne Frage äußerst schwierigen Lage die Neutralität zugleich durch eine vorsichtige und geschmeidige Diplomatie, wie durch die Gel- tendmachung der eigenen Kraft zu sichern. Herr Cort van der Linden sagte, daß es sich nicht um eine„negative, spekulative Neutralität" handle, sondern um den festen Willen, sein Selbst zu bewahren und seine Rechte, seine Freiheit und Friedsamkeit durch die.�.at zu behaupten. Es ist in der Tat das Interesse nicht nur der bürgerlichen Klassen in Holland, durch die xtunne. des eltkrieges fest hindurchzusteuern, und solange die Regierung diesem Interesse dient, sind die unmittelbaren Interessen der Massen bei ihr zweifellos besser geborgen, als bei lener gesuhlsmatzigen Sorte von„Antimilitarismus", oesseu jähes umschlagen in kriegerischen Nationalismus man bei den französischen Syndikalisten erlebt hat. Eine Tatsache. die naturlich das Recht der Kritik und der Kontrolle, das die Vertreter der Arbeiterschaft fordern, nicht berühren kann. Ein Srief Giolittis. Tie„T r i b u n a" veröffentlicht einen Brief GiolittiS au den Abgeordneten Peano, in dem jener sich gegen Zwei Legenden wendet, und zwar gegen diejenige von seinen a n g e b- lichcn Beziehungen zum Fürsten Bülow und gegen die andere, wonach man ihm die Ansicht zuschreibt, Italien müsse in jedem Falle und vollkommen neutral bleiben. Eiolitti sagt darin:„Ich kenne den Fürsten Bülow seit vielen Iahren und habe eine große Achwng vor seiner Intelligenz und seinem Charakter. Ich habe in ihm stets einen Freund Italiens gesunden, der, wohlverstanden, stets in erster Linie das Interesse seines Landes wahrnahm, wie eS seine Pflicht ist. Ich habe den .dürsten Bülow ein einziges Mal gesehen. Ich traf ihn zufällig w.id wir sprachen in rein akademischer Weise von den großen Er- ngnisicn, aber ich habe mich wohl gehütet, in Vermutungen über die Haltung einzutreten, die Italien einnehmen müsse. Ich würde sonst gegen meine Pflicht verstoßen haben, und Fürst Bülow begann ebenfalls nicht darüber zu sprechen, da er ein Mann ist, der niemals gegen daS gute Herkommen verstößt. Was übrigens die Legende betrifft, daß ich für die Neutra- fität Italiens bin, so betrachte ich sicherlich den Krieg nicht akS ein Glück, sondern als ein Unglück, für da» man sich nur dann entscheidet, wenn es die Ehre und die großen Interessen des Landes erfordern. Ich halt« es nicht für erlaubt, das Land aus Gründen des Gefühls für andere Völker in den Krieg zu reißen. Für ein Gefühl kann jeder sein Leben von sich werfen, aber nicht dasjenige seines Landes. Aber falls es notwendig sein sollte, würde ich nicht zögern, mich für den Krieg zu erklären. Dafür habe ich den Deweis geliefert. Es könnte sein und es könnte nicht unwahrscheinlich erscheinen, daß man während der gegenwärtigen Lage in Europa manches erreichen könnte ohne einen Krieg, aber darüber kann sich derjenige, der nicht zur Regierung gehört, nicht ein voll- ständiges Urteil bilden. Was die Gerüchte über Verschwörungen und Krisen betrifft, so halte ich derartige Ereignisse für nicht möglich. Ich habe die Regierung unterstützt und ich unterstütze sie no ch." Turati gegen üen Generalstreik im Salle öer Mobilmachung» Rom, 30. Januar 1915.(Eig. Ber.) Dos Exekutivkomitee der Mailänder Parieiseklion hat dieser eine Resolution zur Beratung vorgelegt, die im Falle der Mobilmachung den Generalstreik im ganzen Lande beschließt. Gegen diese Resolution nahm vor allem Turati in längerer Rede Stellung. Er führte aus. daß die Pariei in die von Musielini ihr gestellte Falle zu gehen Gefahr liefe; Mussolini hat gesagt: wenn ihr für die Neutralität seid, müßtet ihr für den Generalstreik und für die Revolution im Kriegsfalle sein. Tieie Alternative sei nicht richtig. Ein General- streik hätte nur Sinn, wenn er die Möglichkeil de? ErkolgeS einschließt. Im Ernst könne aber niemand glauben, durch den Generalstreik den Krieg zu verhüten. Wenn man glaubt, die Partei hätte heute die Krast zum siegreichen Aufstande, so müsse man ihn jetzt inszenieren, nicht im Zeichen der Mobilmachung wenn die Negierung am besten gerüstet ist. Wenn die Partei heute erklärt, im Falle der Mobilmachung den Generalstreik zu proklamieren, so würde sie dadurch das Prestige der Regierung herabsetzen bei denen, die die Generalstreikdiohung ernst nehmen, und würde so gerade den Interventionisten dienen, die sie bekämpfen will. Turati erklärt weiter, daß die Aufrecht- erhaltung der Neuiralität sich durch Gründe durchsetzen werde, die außerhalb der Partei liegen, und führt schließlich aus, daß eine der unzähligen Erwägungen, die ihn zum Vertreter der Neutralität machien, in dem Mangel an Vertrauen liege, das er in die mili- täritche Vorbereitung und Disziplin des Landes setzt. Wie weit die Desorganisation geht, habe das Erdbeben gezeigt. Trotzdem dürfe die Partei die Regierung nicht an Maßnahmen hindern, die im Interesse des Landes geboten sein könnten.— DaS Votum über die Frage wird in der nächsten Woche stattfinden. Warum üie rumänisch-bulgarische Ver- stänöigung scheiterte. Die„Südslawische Korrespondenz' meldet aus Sofia: Der ehemalige bulgarische Gesandte in Bukarest, K a- l i n k o w, veröffentlicht in der Wochenschrist„Swobodnomujenje' Mitteilungen über die seinerzeitigen Verhandlungen zwischen Rumänien und Bulgarien und die hierbei bcob- achtete Haltung Oesterreich-Ungarns, aus denen hervor- geht, daß der österreichisch-ungarische Gesandte Prinz Fürstenberg wiederholt sowohl bei Majoreseu als bei Jonescu eindringlichst da- sür eingetreten ist, daß die Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien, welche Majoreseu erst nach der endgültigen Entscheidung der Petersburger Konserenz beginnen wollte, beschleunigt würden. Tatsächlich erklärte Majoreseu sich Kalinkow gegenüber zu diesen Verhandlungen bereit, wobei Kalinkow erklärt, er stelle die? zur Ebre der Wahrheit fest, und hinzufügt, daß die unerwartete De- Mission Geschow» sowie der Umstand, daß die Rumänen mit Teschows Nachfolger, den sie haßten, keine Verhandlungen führen wollten, schuld daran gewesen sei, daß die geplante Verständigung zwischen Rumänien und Bulgarien nicht zustande kam, daß vielmehr Rumänien sich bald darauf mit dem treulosen Verbündeten Bul- gariens verständigte. Die amerikanischen Schiffsankäufe. London, 2. Februar.