Zlr. 37.- 83. Jahrg. AbonnenKtits-Bcdlngungfli! BSonnptr.enlä- Breiz Jitämimecankas Tierteljährl. 3�0 Mk> monotL 1,10 MI. wöchentlich 25 Psg, frei ins Haus. Sinzeine Nununer 5 Psg, Sonntags- niirnrner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue LZelt�>0 P'a, Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Vost- Zeitung!- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Marl, iür das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnemen!! nehmen an: Belgien, Tänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. «umäaien. Schweden und die Schweis erscheint lZgssch. NO Vevlinev Volllsblnkt. ( 5 Pfennig�) Die TnfertlonS'Gebüfsr Betrügt für die sechsgespaltenc Koloncl. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versnmmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Klefne Hnzcigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 P,g. Etellengeiuche und Schlafftellenan- »eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- i laben zählen für zwei Worte. Jnseraie. ür die nächste tliummer müstcn bis • Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist . bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Rcrlin", Zentralorgan der fozialdeniokrati fchen parte» Deutfchlands. Reöaktion: SW. öS, Linüenftraße Z. Fernsprecher: Amt Morittplap. Nr. IS» 90— IS» S7. Expedition: SV. H8, Linöenstraße?. Fernsprecher: Amt Moritzplap. Nr. lS»S0—»S»S7. Gestlicher Kriegsschauplatz- Die Kampflage an der Ostfront. Petersburg, 4. Februar.(T. U.) Der Miliiärkritiker der „Nowoje Wremja"' schreibt über die Kampflage an der Ost- front: Die Kämpfe in Polen sind in ähnlicher Weise zum Süll- stand gekommen, wie die Operationen in Frankreich und Flandern. Aus beiden Seiten sind die Stellungen zu stark, um. den einen oder den andern der Kriegführenden zu gestatten, bemerkenswertere Fort- schritte zu machen. Das hauptsächliche Interesse an den Kämpfen konzentriert sich mithin auf die beiden äusiersten Punkte der ge- samten Riesenfront. Die Russen versuchen, den äußersten linken Flügel der Deutschen in Ostpreußen anzugreifen. Die Oesterreicher versuchen ihrerseits, unterstützt von den Deutschen, den linken russischen Flügel von den Karpathen her zu umklammern. Ein sicht- barer Erfolg ist noch nicht erzielt worden. Das enorm kalte Wetter verursacht den Soldaten große Leiden. Der rusiisihe Generalftabsbericht. Nichtamtlich. Petersburg, 5. Februar.(23. T. 23.) Amtlicher Bericht des großen Gcncralstabcs. In Ostpreußen drangen wir am 3. Februar an beiden Ufern der S ch e- s ch u p e in der Gegend von Lasdehnen unter fortwährenden Kämpfen vor. Am linken Weich selufer hielt die Schlacht an der Front B o r z i m o w— V o l i a— C h i e l I o w s k ä mit außer- ordentlicher Heftigkeit an. Große feindliche Vtassen waren angesetzt-zu dem Zwecke, unsere Front einzudrucken. Die D e u t sch e n brachten hier in einem Abschnitt von zehn Werst sieben Divisionen, unterstützt von hundert Batterien.- Einzelne Divisionen entwickelten sich auf einer Front von nur einer Werst. Unser Gegenangriff begann in der Nacht vom 3. Februar und' hatte eine Reihe von Bajoncttkämpfen zur unmittelbaren Folge. Es ge- lang uns, den Feind zum Uebergehen in die Defensive zu zwingen. Bei Borzimow eroberten wir zwei Reihen deutscher Schützengräben und warfen den Feind aus Gumina. Nach diesem hartnäckigen Kanipfc erstürntten unsere Truppen das Grundstück Volia Chiellowska, das der Feind seit zwei Tagen besetzt gehalten hatte. Indessen war die benachbarte Brennerei am 3. Februar noch im Besitz des Feindes. D i e Schlacht dauert mit gleicher Heftigkeit an. In den Karpathen entwickeln sich die Kämpfe auf der Front vom Duklapasse zu den Uebergängen von Wyschkow, bei Svidnik im Latortzatale und in der Richtung auf Uszok rückten wir vor, machten LOA) Gc- fangene und erbeuteten 10 Maschinengewehre. An den Uebergängen bei T u ch o l k a in den B e s k i d c n setzten unsere Truppen in den letzten Tagen den Feinden hartnäckigen Widerstand entgegen und nahmen mindestens zehnmal Bajonettkämpfe an. auf die sie mit Gegenangriffen ant- warteten. Am 3. Februar beschlossen wir, unsere Truppen Von diesen Uebergängen in bereits vorbereitete Stellungen zurückzunehmen. Die feindlichen Kräfte. die hier operieren, sind ganz bedeutend. Die Versuche des Gegners, über den Paß von Wyschkow gegen Tartarow hin vor- zudringen, wurden unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Zwei rusiische Armeebefehle. Berlin, 5. Februar.(W. T. 23.) Folgender Armeebefehl des russischen Hoch st kommandieren den ist in die Hände der deutschen Heeresleitung gelaugt: Roma, 6./!S. Oktober 1914. Warschau. Der Höchst- kommandierende lenkte seine Aufmerksamkeit darauf, daß in der ver- gangenen Kriegsperiode einige Korps und Divisionen eine große Menge G e s S n ye und Maschinengewehre verloren haben, wobei die Höhe der Verluste nicht immer der Gcfechtslage entsprochen hat. � Seine Kaiserliche Hoheit befahl aus diesem Grunde, die Kommandeure der Truppenteile daraus ausmerksam zu machen, daß es notwendig sei, das Kriegsmaterial etwas mehr zu schonen, wegen der Schwierigkeit seines Ersatzes und weil es äußerst un- erwünscht ist, daß unsere Gegner durch das Zurücklassen unserer Geschütze und Maschinengewehre bereichert werden. ' Gleichzeitig beiahl Seine Kaiserliche Hoheit alle Kommandeure. welche sich einer ungenügenden Schonung des Geschütz- und Maschinengewehrmaterials schuldig machen, in Strafe zu nehmen. In Urschrift gez. Kommandeur der 2. Armee. Gen. d. Kav. Scheidemann. Ein zweiter Armeebefehl hat folgenden Inhalt: „Telegramm an General Scheidemann in Warschau. Von dem Stabe des Oberbefehlshabers der Süd-Weft-Front. Warschau.� . Vorgestern, während meiner Anwesenheit in Warschau, sab ich aus den Straßen der Stadt eine ungewöhnlich große An- Die Nelöung öes Großen Hauptquartiers Amtlich. Großes Hauptquarkier, den 3. Februar 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der ganzen Front nur Artilleriekämpfe, ein vereinzelter französischer Vorstoß auf unsere Stellungen nordwestlich Perthes blieb ohne Erfolg. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der osipreußischen Grenze wurden erneute Angriffe der Aussen südlich der Memel zurückgewiesen. Ebenso mißlangen starke russische Angriffe gegen unsere neugewonnenen Stellungen östlich Bolimow. Die Zahl der dort Gefangenen beträgt seil dem 1. Februar im ganzen 26 Offiziere und annähernd 6906 Mann. Oberste Heeresleitung. * Oft ♦ Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 3. Februar.(W. D. B.) Zlmtlich wird ver- lautbart: 5. Februar 1915, mittags: �_,, In Polen und W c st g a l i z i e n ist die Lage unvcr- ändert. Tie Angriffe, die die Russen in den Karpathen stellenweise täglich wiederholen, brechen unter den schwersten Verlusten zusammen. Im Waldgebirge schreiten die eigenen Angriffe fort. Tie russische Offensive in der B u k o w i n a war bis Mitte Januar in das oberste Tal der Moldawa gelangt. Dem weiteren Vordringen der hier angesetzten stärkeren fcind- lichcn Kräfte über die Karpathen geboten zunächst unsere Stellungen bei Jakvbcnh und Äirlibaba Halt. In mehrtägigen Angriffen versuchte der Gegner um den 2V. Januar, den Widerstand der die Hauptübcrgänge deckenden Gruppen zu brechen. Da alle Versuche, unsere Höhcnstcllungcn zu stür- mcn, scheiterten, und eigene Truppen, selbst zur Offensive übergehend, am 22. Januar Äirlibaba dem Gegner entrissen, zog sich der Feind in den folgenden Tagen mit seinen Haupt- kräften in den Richtungen ans K i m p o l u n g und Mol- d a w a zurück, wo er verblieb. In den letzten Tagen haben nun neue Kämpfe begonnen. Unsere Truppen, die auch hier im Ucbcrwinden der durch Terrain und Witterung bedingten großen Schwierigkeiten hervorragendes leisten, sind i n d a s Moldawa-Tal eingedrungen, warfen den dort be° findlichen Gegner zurück und nahmen I z w o r, Ort Moldawa und B r e a z a i n B e s i tz. Die Zahl der in den Karpathen Gefangenen erhöht sich um weitere vier- tausend Mann. Ter Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: von Hoefcr, Feldmarschallcutnant. zahl von Osfizieren, Militärärzten und Misttärbeamten, die hauptsächlich mit Frauen promenierten. Dies beweist U n- tä Ii gleit dieser Militärpersonen, ihren Vollständigen Mangel a n Pflichtbewußtsein und mangelnde Aufsicht seitens der 2Zorgesetzlen, die eine solche Entfernung vom Dienste zu- lassen. Diese Üngedörigkeit hat von morgen ab zu unterbleiben und sämtliche Offiziere sich sofort zu ihrem Truppenteil zu begeben, wo sie sich ständig aufzuhalten haben. Sie dürfen nicht vergessen, daß wir uns jetzt in einem Kriege befinden. Tie kommandolosen Offiziere sind spätestens morgen zur VerHigiing des Kommandanten meines Stabes zu stellen zwecks Kommandierung zu den Ersatz brauchenden Truppenteilen. Alle Offiziere und Militärbeamten haben während der KriegSzeit die Mannichaften auszubilden oder ihren sonstigen Dienst zu versehen. Die freien Stunden der Erholung sind bei den Truppenteilen zu verbringen. Alle Ausschweifungen müssen vermieden werden, um nicht den Truppen ein böses Beispiel zu liefern und das Vertrauen zu untergraben. Jvanow. Für die Richtigkeit: Aellestsr Adjutant Stabskapitän Sulkowski. An den Chef der 2. sib. Fuukerkompaanie. Eilig. Auf Befehl des Korpskommandeurs zur unbedingten Ausführung� Chef des Stabes des IL sib. A.-K. Gen.-Major D a n i l o w." Diese Armeebefehle beweisen, welcher Geist wenigstens einen Teil der russischen Armee»md des Offizierskorps beherrscht. Mrbeiterkämpfe in Englanö. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: In England beginnt das soziale Leben wieder seinen ge- wohnten Gang zu nehmen, das heißt, es zeigt das Bild einer von bitteren � Klassengegensätzen und Klassenkämpfen zer- klüfteten Gesellschaft, wie wir sie namentlich in den letzten vier bis fünf Jahren gekannt haben. Die gleichen Ursachen haben die gleichen Folgen gezeitigt. Das Steigen der Preise, das Sinken der Reallöhne gaben den Anstoß zu den größteil Ar- beiterkämpfen der verflossenen Jahre, und nun sind es wieder das Steigen aller Lebensmittelpreise und das daraus sol- gende Sinken der Reallöhne, die neue große Arbeitcrkänipfe heraufzubeschwören drohen. Daß das Steigen der Preise eine Folge des Kriegszustandes ist, überhaupt daß das Land sich im Kriege befindet, spielt bei der Haltung der englischen Arbeiter. eine sehr geringe Rolle. Wie die englische Arbeiterschaft schon länger als ein Jahrhundert erbitterte historische Klassen- kämpfe durchgefochten und dabei die ganze Struktur der eng-. lischen Gesellschaft umgewälzt hat, ohne viel darüber zu theoretisieren. so verficht sie auch jetzt unbekümmert ihre Klasseninteressen, ohne sich im geringsten von patriotischen Skrupeln plagen zu lassen. Es ist sehr wohl möglich, daß die Wolken, die sich am sozialen Horizont Englands jetzt wieder auftürmen, sich zerstreuen werden, aber dann nur deshalb, weil die Arbeiter kanipflos erhalten werden, was zu erringen sie unter allen Umständen entschlossen sind. Durch die fortgesetzte Steigerung aller Lebensmittel- preise sind die Reallöhne der Arbeiter um ungefähr 2 5 Prozent gesunken. Die Arbeiter haben um so weniger Grund: sich'»nitt dieser Hewbhrücküng ihrer Lebens- haltckng abzufinden, als sich bereits in- einer ganzen-Anzahl von Industrien ein ernster A r b e i t e r m an g e l iüblbar macht und die Gesellschaft überhaupt den Wert' der Arbeits- kraft in' diesen Zeitläuften besser schätzen gelernt hat.-Im K o h l e n b e r g b a u- v o n S ü d- U o r k s h i r e hat sich der. Lohnkonflikt so zugespitzt, daß die Arbeiter nach einer vor- genommenen Urabstimmung nunmehr die Kündigungen ein- gereicht haben. Die Aussichten sind hier sehr trübe, wenigstens ist es ganz unwahrscheinlich, daß die Arbeiter nach- geben werden. Wenn nötig, wird ohne Zweisei die Regie- rung eingreifen, aber auch sie wird nichts auszurichten ver- mögen, es sei denn, daß sie die Grubenherren zu einem weit- gehenden Entgegenkommen gegenüber den Arbeitern zwingt. Ein Streik im Aorkshirer Kohlenrevier wäre jetzt eine recht ernste Sache. Die Liohlenknappheit ist in England ohnehin schon beträchtlich, zum Teil infolge der großen Anzahl von Kriegsfreiwilligen unter den Bergarbeitern, zum Teil auch wegen der Schwierigkeiten des Schiff- und Eisenbahntrans- Ports. Wenn die Produktion im Aorkshirer Revier gänzlich eingestellt wird, dann werden sich der in diesen Gebieten stark konzentrierten Kriegsindustrie— man denke nur au Sheffield— sehr ernste Schwierigkeiten in den Weg stellen, um von der Verschärfung der allgemeinen Kohlen» teuerung und Kohlennot zu schweigen.. Der Bergbau ist nicht das einzig? Gebiet, in dem ernste Schwierigkeiten drohen.- Auch die Eisenbahner sind außerordentlich unruhig geworden. In allen � Teilen des Landes halten die Eisenbahner Versammlungen ab, in denen sie den Vorstand ihrer Gewerkschaft dazu drängen, beträcht- liche Lohnerhöhungen zu erzwingen, um die Jlrbeiter für die gesteigerten Lebenskosten zu entschädigen. In einer Lon- doner Versammlung wurde gefordert, daß die Organisation Kündigungen einreicht, um eine sofortige L o h n er- böhung von 5 Schilling die Woche durchzusetzen. Eine andere Versammlung drohte dem Vorstand ni i t offener Revolte, wenn er nicht die Kündigungen ei»- reiche. Eine dritte Versammlung forderte von der Regierung die Garantie erhöhter Löbne. wie sie den Eisenbahngesell- scharten ihre Profite garantiert habe. Uebrigens hat es der Vorstand der Eisenbahner an einem energischen Zluftreten den Eisenbahngesellschaften bzw. der Regierung gegenüber durch- aus nicht fehlen lassen, wie man aus der Form der Versamm- lungsresolutioneu entnehmen könnte. Von der Regierung wird eine Intervention in zweierlei Richtungen erwartet. Sie kann zunächst dafür sorgen, daß den Arbeitern Gerechtigkeit willfahrt, um soweit wie möglich den wirtschaftlichen Frieden zu bewahren,.der für die Regierung und die herrschenden Klassen jetzt eine Lebensfrage ist, die Arbeiter hingegen verhältnismäßig kalt lassen kann, zumal. sie alle Trümpfe in der Hand haben. Darüber hinaus erwartet man aber von der Regierung vor allem Maßregeln, um der Preissteigerung Einhalt zu gebieten: Kontrollo der Schiff- fahrt, staalliche Lebensmittelversorgung usw. Während die Arbeiter vor allen Dingen fordern, daß den Wucherern aller Art, die sich an der Kriegsnot des Volkes mästen, das Hand- werk gelegt wird, wollen die Unternehmer eine der wichtigsten Ursachen der Lebensmittelteucrung jn dem Wegfall der ruifndjeii Zufuhr sehen Und drängen immer euer- gischer in die Regierung, die De, r da n etilen zu for» eieren u n d s i ck K o n st a n t i n o p e l s zu de m ä ch- t i g e n, um den russischen Produkten den freien Weg zu dein Mittelländischen Meer zu sichern. Daß die englische Regie- rung durchaus geneigt wäre, ihren Trängern diesen Gefallen zu erweisen, braucht nicht bezweifelt zu werden. Fragt sich nur, ob sie es kann! ES ist klar, daß die neuesten Angriffe der deutschen Unter- seebootc gegen englische Handelsschiffe die Situation erbeb- sich verschlimmert haben. Richt so sehr wegen des materiellen Schadens, den die deutschen Unterseeboote schon angerichtet baden, sondern wegen der zunehmeirden Unsicher- hcit der Schinahrt und der Besorgnis über etwaige weitere Entwickelungen. Taß man diese Angrifie schwer empiindet, das zeigt schon die Tatsache, daß die „Times" und die„Morning Post" jetzt übereinstimmend verlangen. die englischen Handelsschiffe möchten sich gegen d ie Angriffe der Unterseeboote wehren: die„Morning Post" verlangt sogar die Aus- riistunfl aller englischen Handelsschiffe, auch der Fischerboote. mit Sch ii e ll f e u e rg efch ü tz e n zum Schutze gegen Unterseeboote. Dabei kann wohl schwerlich vergessen worden sein, daß dadurch alle englischen Handelsschlsfe u.ü r i c g s- s cli i f l e n v erwandelt würden, deren plötzliche Versen- kung mit Plann und Maus völkerrechtlich zulässig iväre. Zu- vergessen scheinen aber die Herren, daß auch die e n g l i- schon Seeleute ein Wort dabei mitzureden hätten.... Ein französischer General als russischer Heerführer? Ter Vertreter des„Barl. Tageblatt" im öfter- reichi'ch-ungarischen Knegsprossequarticr, Leonhard Adelt, schreibt: „Wie ich erfahre, bestebt iatsälblich die Absicht, den nach Rußland gereisten General P a u mit der Leitung einer russi- scheu Armee zu betrauen. Pau hat sich bei der Durchreise durch Schweden in engem streife dahin geäußert, daß die Ucberreichung der französischeil Militärmcdaille an den russischen Oberbefehlshaber Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch nur der Vorwand für den eigentlichen Zweck seiner Reise sei. An- laß zu dem Auftrag gab danach die Unzufriedenheit der fran- zösischen Heeresleitung mit der ungenügend durchgeführten russischen Offensive, die nach dem gemeinsam festgesetzten Plan direkt gegen Berlin vorstoßen sollte. Im Venolg der Konferenzen über diesen Punkt, der französischerseitS als Lebens- frage bezeichnet wurde, verständigten sich die beiden Heeresverwaltungen dahin, einen bewährten Armecführcr an Ruß- land abzugeben, dessen strategische Intentionen der Verwirk- lichuiig des bisher immer wieder gescheiterten OffeusivgedankenZ dienen sollen." Greuel-Legenöen. Ttiilkhotin, ä Februar.(23. T. 23.) Die in Petersburg er- scheinende Zeitschrift„Ljetopis LSojny" veröffentlichte in Nr. 1t fol- gende zwei Bilder i„Ein von den Deutschen in Polen demoliertes Landbaus" und„Nach dein Abzugs der Deutschen". Beide Bilder augeölich von einem Maler Petrow nach der Natur gezeichnet und deutsche Greuellalen illustrierend. Das sehr angesehene und mulige Blatt„ St i s w l j a n i n" vom 20. Januar stellte fest, daß eS sich um eine plumpe Fälschung Handelle. Beide Bilder sind in der Zeilschrist„Ljetopis S o b y t i j" schon früher erschienen. DaZ erste an, 1. Januar 1906 mir der Uebcrl'chrift„Die Demolierung eines Landhauses durch die revolutionierenden Bauern", das zweite Bild am 14. Januar 1006 mit der Ueberschrift„Die Bermchwng der Barlikaden üi 2>!oSkau". Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 5. Februar.(23. 2. B.) Der amtliche Bericht »o» gester» nachmittag lautet: Nördlich der Lhs Zlriillerirkämpfr, die im Gcbirt von Nieuport besonders heftig waren. In tßotrr Tame de Lorctte(nordwestlich LcnS) wurde eü» deutscher Angriff am 3, d. M. vormittags durch unsere'Artillerie zuriiNgcworfen, die auch einer gegen die Straste SlriaS—Bsthune gerichteten Beschießung Einhalt gebot. In den Gebieten von Albert und Le Quesnoy cn Tanterre zerstörten wir mehrere Blockhäuser. Im ganzen A i s» e t a l SlrtiUenckämpfc, in denen wir die Lberhnnd bchicltrii. Die gestern abend gemeldeten drei Angriffe gegen unsere Schuhen- graben im Gebiet von Perthes, L e SN e s n i l l e s H u r l u s und Massiges wurden an den drei Stellen von feindliche» Kräften, die die Stärke je eines Bataillons er- reichten, ausgeführt. Die beiden ersten wurden unter dem Feuer unserer Artillerie völlig auseinandergetrieben: das dritte, nördlich Massiges, nützte die Explosion einer Mine aus, um vorzurücken. Alle Srrllungc» wurde» von uns zurückerobert, neue Schützengräben wurden wenige Meter von denjenigen entfernt wieder erbaut, die durch die deutschen Sappen zerstört und unbenutzbar gcwordru waren. In den Argonnen war der Tag ruhig. In WoSvre und dem Scilletal erzielten wir bei den Borvostc» Erfolge. Wir zerstreuten feindliche Transporte. In den B o g e s e n fanden einige Bcgeg- uungcn zwischen Schnccschuhläufcrpatrouillrn statt sowie ein Fortichritt unserer Truppen südöstlich»ohlfchlag(nordwestlich Hartmannswcilcr- lops). ES ist Tauwetter eingetreten. Paris, ö. Fcbrnar.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t vom Donnerstag, 1. Februar, abends: In Belgien und nördlich von Areas fanden Altilleriekampfe statt. Westlich der Straße Lens— Arras eroberten wir MV bis 300 Meter feindlicher Schuueiigräbcn. Bei Bcbalerne lnördlich Zllbcrt) traf unser Zruer feindliche Ansammlungen und Transporte. ToS Feuer unserer Ar- lillerie war sehr wirksam. Im AiSnctal wurden feindliche Batterien zum Schweigen gebracht. Wir brachten Mumtionswnge» zur Explo- nou, zerstreuten arbeitende Soldaten und schlugen Flugzeuge in die Flucht. Bor Berdun schaffen wir ein Flugzeug herunter und nahmen die Flieger gefangen. Im Elsaß brach ein deutscher An- griff bei U f s h o l z völlig zusammen. Deutsche ßlieger bombaröieren tzazebrouck. Hazebrouck, 5. Februar.(W. T. B.) Meldung der�Agence Havas. Donnerstagvormittag überflogen mehrere Flug- zeuge Hazebrouck und warfen in der Umgebung des Bahnhofes Bomben ab, welche nur Sachschaden der- ursachten. Die deiche eines üeutfchen Zliegerofsiziers gefunden. Loudou, S. Februar.(2L. T. B.)„Daily Telegraph" meldet: Die Leiche eines deutschen FliegeroffizierS in Uni- form ist an der T h e in s e m ü n d u n g gesunden worden. In der Lunge wurde eine Schropnellkugel ssstgefrellt. Man glaubt, daß es nch um«inen Flieger handelt, der am ZSeibnachten Sheerneß überflog. Die Situation in Dü'nkirchen. Kopenhagen, 5. Februar.(W. T. P.)„Nationaltibende" meldet aus Kalundborg: Der Äapiran des norwegischen Dampfers„Diana", der aus Tünkirchcn zurückkommt, berichtet von großer Nervosität in Dünkirchen, �u den zwölf Tagen, die das Schiff dort vor Anker lag. ist Dunkirchen fünfmal von Fliegern bombardiert worden. Boulogne steht völlig unter englischer Verwaltung. Ein englisches Posthaus und englische Zensur sind eingerichtet worden, sonst ist die Stadt nur noch ein großes Hospital. Seit Mitte Januar kommen große eng- lisch« Transportschiffe an. Der Seekrieg. Gpfer öer öeutsihen �-Doste. London, ö. Februar.(W. T. B.) Man fürchtet, daß der Dampfer „Borowdale" aus Eunderland, unterwegs von London nach Gran- ville, bei St.-Malo einem Unterfeebooi zum Lpfer gefallen ist. Auch die Dampfer„Soraia" und„Oconia" sind überfällig. Dementierte russische Melöung. Beriiu, ä. Februar.(W. T. B.) Durch die russische Gesandtschaft im Haag lvird als amtlich die Meldung verbreitet, daß ein russisches Unterseeboot am 29. Januar ein deutsches T o r p e d o b o o t in der Ostsee bei Moen zum Sinken gebracht habe. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilr wird, beruht diese Nachricht auf freier Erfindung. Der Krieg unö Sie Kolonien. PatrouiUengefecht bei Sonöfontein. Pretoria, ä. Februar.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Meldung ist eine Patrouille der RcgierungStruppen am 8. Fe- bruar an der Südgrenzc des deutschen Gebietes in Fühlung mit feindlichen Vorposten in der Nähe von Sandfontcin gekommen. Angeblicher französischer Erfolg in Kamerun. Paris, 4. Februar.(23. T. BT Meldung der Agence Havas. Ein Funlentelegramm des Gouverneur» von Zentralairiia meldet, daß die französischen Truppen nach zwei Gefechten am 27. und 28. Januar den Posten Bertua in Zentral- Kamerun cm 20. Januar besetzt hätten. Der Erfolg sei be- deutend, denn er ermögliche die Fortsetzung der Bewegung, welche zur Umfassung der deutschen Truppen in Kamerun führe. Mistionare in engtischer Kriegsgefangen- schaff. In den von Engländern und Franzosen besetzten Küsten- gebieten Kameruns sind die Boten der Katholischen Mission ebenso wie die Missionarfamilien der Basier- und Baptisten-Mission rücksichtslos in Gefangenschaft geführt und ihre Stationen zum Teil übel zugerichtet worden. Bon der Baptistenmission(Sitz Neu- Ruppin), die in Kamerun am 1. Januar 1914 aus scÄZ Haupt- und 49 Nebennationen 17 Missionare, darunter 16 verheiratete sowie sechs Missionsichwestern unterhielt und 3124 Christen sowie 3623 Schüler gesammelt hatte, liegen Berichte vor, die aufs neue bestätigen, mit welch unerhörter Rücksichtslosigkeit die Engländer nicht nur alles, was deutsch ist, zu zerstören suchen, sondern auch da» Ansehen der weißen Rasse durch die Afrikaner mit Füßen treten lassen. In den Berichten wird mitgeteilt, daß Anfang September sich in der Mündung deS Kamerunflusses das erste feindliche Kanonen- boot sehen ließ. Bald rückten in großen Abteilungen feindliche Truppen von der Land- und Waffer seit« in Duala ein. Ein wüstes Durcheinander, Zerstören und Plündern begann von Soldaten und Eingeborenen. Weder Privatbesitz noch sonst etwas wurde geschont. Wohl sind die Truppen, als alles drüber und drunter ging, dem Plündern der Eingeborenen mit Waffengewalt entgegengetreten, wobei mancher erschaffen worden ist; am anderen Morgen dagegen, wie z. B. in Jabaffi, haben sie die Leute zum Plündern und Rauben geradezu veranlaßt. EcschäfiSräume. Privalwohnungen, ja sogar Kapellen und Schulen sind geplündert und beschädigt worden. Dann bc» gönnen die Feinde mit der Gefangennahme aller Weißen, ob sie Waffen getragen hatten oder nicht. Männer, Frauen und Kinder, alle» wurde in rücksichtslosester Weise gefangen genommen, selbst Angehörige neutraler Staaten befanden sich unter den Gefangenen. Tie Gefangenuahms der einzelnen war sogar mit Belügung und mit falschen Borspiegelungen verbunden. Aus den Wohnungen heraus, von der Arbeit weg. auf der Straße auf- gegriffen— so wurden die Weißen zu Gefangenen gemacht, die dann an den Sammelstellen und in den Lagern unter Bewachung schwarzer Soldaten gestellt wurden. Auf das Ergreifen von fünf Postenführern am Sanaga wurden von den Engländern sogar Kopf- gelber ausgesetzt. Diese Postenführcr wurden daraus von Ein- geborenen einzeln überfallen, mißhandelt und dem Feinde aus- geliefert, welcher den Ueberbringern das Geld auszahlte. Nachdem die Weißen alle fortgeführt waren, glaubten die Eingeborenen, tun und lassen zu können, was sie wollten. Sie raubten und plünderten daher, was sie nur konnten. Such uniere Wache stahl, was sie nur konnte, so daß wir schließlich auch sie noch bewachen mußten. In ähnlicher Weise erging eS den Weißen und den Mitgliedern der Missionen auch auf anderen Stationen. JiNeressant ist noch der Bericht eines amerikanischen Staats« bürgerZ, der Ausführungen macht über den Versuch der Engländer. ihn zur Angade eines falschen Berichts über angeblickie Greueltaten der Deutschen zu veranlassen. Er teilt mit, daß die Engländer schon bald nach ihrer Ankunft rn Nyamtang verschiedentlich andeuteten, während der Reise dahin mn Wege versckiiedene Leichen von Ein- geborenen gesehen zu haben. Sie hoben hervor, daß man es nicht verstehe, wie deutsche Soldaten harmlose Eingeborene niederschießen könnten. Nachdem wir, so sagt der Amerikaner weiter, in Duala angekommen waren, wurde ich vor das Oberkommando geladen und aufgefordert, etwas über die„Grausamkeiten" der Deutschen nieder« zuschreiben. Ich weigerte mich und wurde entlassen. Bald erfolgte eine zweite Borladung. Wieder kam dieselbe Zumutung. Nachdem ich mich bereit erklärt hatte, zu schreiben. waS ich gesehen habe, konnte ich wieder gehen. Ter Inhalt meiner Niederschrift, die ich dann ein- reichte, handelte von der schamlosen Behandlung, welche unS und anderen Misstonaren zuteil geworden war. Hierauf wurde ich wieder vorgeladen und scharf verwarnt, denn meine Aufzeichnungen seien eine Anklage der englischen und stanzösischen Soldaten und eine Verdächtigung de» gesamten Kommandos. Man hatte aber den traurigen Mut. noch einen Schritt weiter zu gehen und mir in Aussicht zu stellen, am nächsten Tage aus der Gefangenschaft entlassen zu werden, wenn ich ihren Wunsch erfüllte und einen Bericht über»Grausamkeiten, berübi von deutschen Truppen", ihnen zusenden würde!»» Der Amerikaner wurde dann wegen angeblicher NeulralittitSverletzung ebenfalls nach England als Kriegsgefangener gebracht. Der türkische Krieg. Die türkischen Erfolge bei Kurna. Konstantinopel, 4. Februar.(W.T.B.) Das O»manische Jnformationsbureau teilt folgende Einzelheiten über den Kampf mit, der am 20. und 2l. Januar bei Kurna in Meso- p o t a m i e n stattgefunden hat. Sechs Bataillone der feindlichen Infanterie rückten mit vier Batterien und zwei Maschineirgewehrschwadronen, unterstütz: von drei Kanonenbooten und einem in ein Kanonenboot umgewandelten Schiffe in der Nackt in Sckwatmlinie gegen unsere Stellung am linken Flügel vor. Die feindlichen Kanonenboote, die sich gleichfalls dieser Stellung näherten, eröffneten das Feuer aus fünf Kilometer Entfernung. Nach dreistündigem Kampfe mit drei seiudlichen Bataillonen gelang c» einem andern feindlichen Regiment, das unseren linken Flügel zu durchbrechen beabsichtigte, sich bis 90 Meter zu nähern. Unsere Reserven erwiderten das Feuer heftig und gingen sodann zur Offensive über. Da inzwischen unsere Liniemrnppen auS ihren Stellungen heranrückten, mußte sich der Feind in Unordnung zurück- ziehen, wobei er überaus große Verluste erlitt. Da ein Kanonenboot beschädigt war, gestaltete sich der Rückzug zu einer regellosen Flucht. Auch die Kanonenboote mußten sich, obwohl sie sich bemühten, den Rückzug durch ein Bombardement zu decken, ebenfalls gegen Mitternacht zurückziehen. Während des Kampfe» und der darauffolgenden Verfolgung verlor der Feind 400 Mann an Toten und öOOMann an Verwundeten. Er ließ zahl- reiches Krieg»» und Sauiiätsmatenal im Stichs. Un'cre Verluste belausen sich kaum auf ein Zehntel der feindlichen Verluste. Die Au-dauer unserer Artillerie ist über alles Lob erhaben. Sie unter- brach das Feuer gegen mehr a!» dreißig feindliche Schnellfeuer- geschütze nicht einen Augenblick. Das in ein Kanonenboot um- gewandelte Schiff sing Feuer und sank. Unsere beiden Geschütze brachten zwei feindliche Maschinengewehre zum Schweigen und zwangen sie zum Rückzugs. Tie Tapferkeit unferer Truppen flößte dem Feind solchen Schrecken ein, daß er nicht cimnal seine bc- festigten Stellungen mehr zu halten vermag. Die auswärtige Politik in See Duma. Wir brachten vor einigen Tagen eilten kurzen telegrapyi- schon Bericht über die Verhandlungen vom 25. Januar in der B ud g et k o mmisi o n der russischen Reichs- d u m a. In Anbetracht der außerordentlichen Bedeutsamkeit dieser Verhandlungen bringen wir nachstehend aus dem nun vorliegenden amtlichen russischen Bericht den Teil der Ter- Handlungen, der sich auf die auswärtige Politik bezieht. Abg. E. Kowalewski(Oktobrist) wendet sich an den Minister des Aeußern Ssasonow: „Tie vorhergehenden Redner kritisierten die Minister. Ich will mich nun an den Minister wenden, den die Duma nicht nur nicht kritisiert, fondern am 8. August einmütig(?) begrüßt hat— au den Minister des Aeußern.(Ter Hinweis auf die„Einmütigkeit" ist falsch: die beiden sozialdemokratischen Fraktionen und die„Arbeitsgruppe." haben dem Mini- ster des Aeußern, im Einklang mit ihrer allgemeinen politi- schen Hallung. die sich auch durch Verlassen der Tumasihung bei der Abstimmung über die Kriegs- kredite äußerte, in der historischen Dumasitzung vom«. August vorigen Jahres nicht„begrüßt". D. Red.) Grit dem 8. August ist viel Zeit verflossen, und auf dem Kriegsschau- platz ist ein neuer großer Faktor erschienen— die Türkei. Mit dem Eintritt der Türkei in die Reihe der kriegführenden Mächte ist auch die Frage über unsere Ausgaben im n a h e n O st e n u n d a m S ch w a r z e n M e e r in den Vor- dergrund getreten. Dies allein genügt vollkommen, daß so- wohl die Duma wie die Gesellschaft mit Ungeduld auf ein neues Auftreten des Ministers des Aeußern warten. Es gibt ober Fragen, die der Miniuer des Aeußeren, entweder, weil sie nicht für die Veröfsenklichmig bestinnnt sind oder weil sie einen privaten Charakter tragen, nicht vor dem Plenum berühren möchte. Es wäre deshalb von Interesse, wenn der Minister des Aeußern sich über diese Fragen in der Budget- komnnssion äußern würde. Tie Budgetkommssuon hat den Wunsch, über unsere Stellung gegenüber Italien, Rumänien, Bulga- rien, der Meeren gensrage, Schweden, Pa- lästina. Persien und A f g�h a n i st a n unterrichtet zu werden. Wir begreisen, daß die Frage betreffend Rumänien, Bulgarien und Italien zurzeit nicht genau beantwortet wer- den kann, die Komnnssion möchte aber hören, daß das Mi- nifterium des Aeußeren über die russischen Interessen wacht. Speziell gewinnt die Frage über Palästina, obwohl sie nur einen unbedeutenden Teil der allgemeinen Frage bildet, ein besonderes Interesse, weil im letzten Jahrhundert wegen des Heiligen Landes viele Kriege geführt worden find(?). Tie Frage in bezug ans Schweden ist auch während der Kriegs- zeit von Interesse, da Schweden jetzt ein Transrtpunkt ist und die Frage der Veriindung der schwedischen und russischen Eisenbahnen und der Herstellung von Dampserverbindungcn zwischen Rußland und Schweden für uns von Bedeutung ist. Endlich eine Frage, deren Entscheidung von der Gesamt- regierung abhängt: istdieRegierung geneigt, die Stimme der Duma und der Gesellschaft bei der Ausarbeitung der provisorischen Frie- densbedingungen anzuhören? Es ist natürlich nicht Sache der Dunia, die Friedensbedingungen zu beraten: es wäre aber erwünscht, daß die Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften sich um diese Zeit in Petersburg aufhalten sollen, da dann eine ganze Reihe von Fragen zusammen nnt Männern der Präzis und des Lebens, als welche die Mit- gliedcr der Rcichsduma zu bezeichnen sind, beraten werden könnten." Abg. P. KrupenZki(Nationalist) richtet an den Minister des Aeußeren weitere Fragen über die Beziehungen Zwischen Rußland und China und über die Lage der russischen Kriegsgefangenen. Krupenski weist darauf hin, die ruinschen Gefangenen in Teutschland würden weit schlechter behandelt. als die deutschen Kriegsgefangenen�m Rußland. Der Minister des Aeußeren Ssasonow gab auf alle Fragen eine Antwort, die die Budgettommrinon befriedigte. Er fügte hinzu, er werde die Werhöchite Genehmigung Zu einem Austreten in der Duma wahrend der bevorstehenden Session erbitten.. �...__, Abg. S. Lewa,chow(äußerste Rechte) stellte einige Fragen aus dem Gebiete der äußeren Politik tofstmbar über die Beziehungen zu den Trrbündeten. D. Red.). Der Mrnister öcZ Aeußerün bemerkte m seiner illi�wort u. a., England trage mehr Lasten, als es ihm ge- fmhre. Tie Beziehungen zwischen den Verbündeten seien mehr als vortrefflich. Mg. P. Miljukow(Kadettenpartei) stellt die Frage, ob nicht die Gesahr eines vorzeitigen Friedens- s ch l u s s e s bestehe. Er erklärt, eine verneinende Antwort werde wesentlich zur Beruhigung beitragen. Ter M i n i st e r des Aeußeren: Ich beruhige. Tie Regierung tritt für die strikte Einhaltimg der Anweisungen des Allerhöchsten Maniscstes ein. Abg. P. Miljukow erinnert daran, im Allerhöchsten Manifest werde lediglich von der Vertreibung des Feindes aus den Grenzen deS Vaterlandes gesprochen, aber die� Notwendigkeit des Einmarsches in das feindliche Gebiet werde dort nicht erwähirt. Ter Minister des Aeußeren: Wir sind durch eine Vereinbarung mit unseren Verbündeten gebunden. Tie Worte des Manifestes können nicht mit einer solchen Ein- schränkung ausgelegt werden. die Untoeöimg öer Kmanzminifter ös? EntenteMächte. Paris, 5. Februar.(23. T. 23.)„Petit Patinen" meldet, daß die Unterredungen zwischen Bark. Lloyd George und Ribot streng geheim gehalten werden und daß keine Tlitteilung an die Presse gelangen wird, bevor die Unterhandlungen beendet sind. der im englischen Parlament. Lsiidon, S. Februar.(W. T. 23.) In der Sitzung des Unterhauses am VlitlwoS antwortete Bonar Law auf eine Rede des Premier- mimsterS, der sich gegen die Einbringung von Gesetzentwürfen, die einen Parteistreit erwecken könnten, ausgesprochen hatte, er fände den Lorsüilag der Regierung vernünftig und wolle ihm keinen Widerstand entgegenfetzen. In gewöhrlichen Zeiten würde die Opposition der Regierung nur sehr ungern eine solche Machtvollkommenheit ein- r üumen; die Regierung wolle aber offenbar dasselbe tun, wie die französische und kauadisclie Regierung, und die Session als K r t e g s s e s s i o n behandeln. Er erklärte sich mit der Erklärung des Eacl of Ctewe im Oberhause, die mit den Worten de» Premier- Ministers übereinstimme, einverstanden.— H o g g e(ÜB.) protestierte dagegen, daß den Mitgliedern auch das Recht ent- zogen werde, Vorlagen nicht parteimäßigen EharaktetS einzubringen, und beantragte ein Amendement in diesem Sinne. Die Regierung habe auch die Presse mundtot gemacht. Sie habe ihr bei der Entsendung eineS Gesandten an den Vatikan sür die Dauer von Lt Stunden verboten, darüber zu schreiben.— King(liberal) unterstützte den Zusatzantrag. Der Vorschlag der Regierung wurde angenommen. Grep über Siolittis Enthüllung. Loudou, 5. Februar.(23. T. B.) Zm Untcrhause wurde gestern eine große Anzahl von Fragen an Grey gerichtet über Eiolittis Erklärung im italienischen Parla» m ent in bezug aus die von Oesterreich-Ungarn er- wogene feindliche Aktion gegen Serbien im Jahre 1913. Grey sagte, die englische Regierung hatte vor Giolittis Erklärung keine Kenntnis davon, aber die Tatsache, daß eine feindliche Aktion schon im Jahre 1913 ins Auge gefaßt war, beweise, daß die Ermordung des Erz- Herzogs Franz Ferdinand 191-1 nicht die Ursache des Krieges war, obwohl sie zum Vorwande für den Beginn des Krieges gemacht wurde. Die Awilgefangenen in Englanü. Laads», 3. Februar.(W. T. B.) Im Oberhause teilte am Mittwoch Lord Lucas auf eine Anfrage mit, daß die Zahl der feindlichen Fremden, die am 27. November im Vereinigten Königreiche interniert waren, 18 229 männliche Personen betrug, die eigentlichen Kriegsgefangenen nicht eingereldnet. Frauen feien überhaupt nicht interniert worden. Zwischen dem 27. November und dem 1. Januar feien ISIS Personen entlassen worden. Die Zahl der zwischen dem 1. Januar und dem 1. Februar Entlassenen sei ihm nicht bekannt. Ueber die bei der Jnternierung verfolgte Politik sagte Lord LueaS: Die zuerst internierten feind- lia en Fremden waren verdächtige Personen. Später wurden auch andere ohne Rücksicht auf einen Verdacht der- baitet, weil sie in militärpflichtigem Alter standen. Natürlich wurden in vielen Fällen von bri- tischen Verwandten oder Freunden Lorstellungen erhoben. In einet ganzen Anzahl von Fällen haben sich außer- ordentlidie Schwierigkeiten ergeben. Das Kriegs- amt, das die ganze Veramwortung trägt, hat diese Fälle genau untersucht, die Polizei hat ebenfalls Erhebungen angestellt. Wenn der Bericht der Polizei in einem besonderen Falle zeigte, daß die Person weder gefährlich noch mittellos war. io wurde die En:- lassung von den Ministerien des Innern und des Krieges gemeinsam in Betracht gezogen. Tie Verantwortung für die Entlassung Ge- fangener trägt das KriegZamt. Neue 25H-Millwnen-Nnleihe fü? Belgien. Hamburg, 3. Februar.(W. T. B.) Tie„Hamburger Nach- richten" melden aus Brüssel: Tie Bank von England eröffnete der belgischen Regierung in Le Havre ab 1. Februar einen neuen Kredit von 230 Millionen Franken, wodurch die belgische Schuld an England auf 600 Millionen Franken angewachsen ist. Keine weitere Preiserhöhung für französisches Setreiüs! Lyon, S. Februar.(23. T. B.) Der„NouvMste" meldet aus Paris: Ter K a m m e r a u s> ch u ß für die Handel s- marine beantragt, daß die englische Regierung die Zulassung französischer Reeder bei den Versteigerungen der von der eng- lischen Flotte gekaperten Schiffe gestatte. Der Ackerbau- Minister erklärte im Kammerausschuß für Ackerbau, die Regierung habe Maßnahmen getroffen, um einer weiteren Preiserhöhung für Getreide und Mehl vorzu- beugen und die Vorbereitung der Ernte für 1915 zu sichern. Tie Ernährung des Landes sei sichergestellt, und der Getreide- preis werde wieder eine normale Hohe errctchen. Der rujsische Etat. Petersburg, 5. Februar.(23. T. 23.) Tis Budget- k o m m m i s f j o n der Duma bezifferte die ordentlichen Einnahmen mit 3 WS 057 197. die außerordentlichen Ausgaben mit 131 437 855 Rubel. Nach Ansicht der Kommission laffe der günstige Eingang der Einnahmen in den letzten Monaten annehmen, daß alle Ausgaben des Budgets, die außerordentlichen mit einbegriffen, trotz aller Schwierigkeiten durch die sinanziellen Mittel des Landes gedeckt werden können. Surtzew nach Sibirien verbannt. Ter russische Revolutionär Vurtzsw wurde nach einer Meldung aus Kovenhagen wegen angeblicher Beleidigung des Zaren auf Lebenszeit nach Sibirien verbannt. Die Be- leidigung soll Burtzew während seines Aufenthalts in Paris durch Artikel in der französischen Presse verübt haben. Burtzew kam bekanntlich nach Rußland, um als Kriegsfreiwilliger in das Heer einzutreten; er wurde aber bei seiner Landung in Finnland von den Häschern deS Zaren in Empfang ge- notmnen. Spaniens NeutralZtöt. Die spanische Kammer hat gestern den Eeietzantraz be- treffend die Errichtung von Flottenstützpunkten angenommen. Im Senat beantwortete Ministerpräsident Dato in der gestrigen Sitzung eine Interpellation des früheren Ministers Reverter. Er ernärte, die Regierung wahre strenge Neutralität; sie unterhalte herzliche Beziehungen zu allen Kriegführenden. Um eine Arbeitskrise zu vethindern. welche durch die Rückkehr von 100 000 spanischen Familien aus dem Auslande verursacht worden könnle, habe die Regierung beschlossen, zahlreiche öffentliche Arbeiten aus- führen zu lassen. Trotz der Bestimmungen über sie Kriegslonter- bande habe die spanische Regierung eine große Zahl von Erzeug- nissen aus England, Frankreich und Italien einführen lassen können. Dato schloß: In den schwierigen Augenblicken, welche Spanien durch- macht, rechne ich auf die Mitarbeit aller Volksvertreter. Unsere Einigkeit wird unsere Stärke sein! Zu? Stimmung in Norwegen. Kristiania, i. Februar.(29. T. 23.) Der ehemalige Staats- minister Michelsen äußerte sich einer Bergener Zeitung gegenüber zu dem wenig deutschfreundlichen Vortrage des früheren Ministers Konow dabin, daß der Vortrag seiner Meinung nach nicht hätte ge- halten werden dürfen. Er hoffe, Herr Konow werde keine Nach- folger zu diesem Thema finden, wie sehr auch der Vortrag zu Protesten auffordern könnte. Zur Schiffsankaufsbill. London, 5. Februar.(23. T. 23.) Das Reutersche Bureau meldet aus Z3ashington vom 3. Februar: Die demokratischen Senatoren haben beschlossen, bei RückVerweisung der Schiffsankaufsbill an eine Kommission einen Zusatzantrag einzubringen, wonach die Kom- Mission die Bill dem Senate binnen 18 Stunden wieder vor- legen soll mit einer Ergänzung, wodurch der Schutz der Neutralität gesichert wird, und einer Zeit- grenze, wonach die Regierung erst nach ungefähr zwei Jahren nach Annahme des Gesetzes mit dem Ankauf der Schiffe beginnen darf. Keine Rückgabe Kiautschous an Ehina. Die„Agenee HavaS" veröffentlicht nachstehende, aus Tokio vom 1. Januar datierte Ausführungen, welche als endgültige Darlegung der Politik Japans bezüglich T s i n g t a u s betrachtet werden sollen. Das Ultimatum Japans verlangte die Uebergobe von Tsingtau vor dem 15. September 1911, und zwar im Interesse des fernen Ostens, und um Tsingtau schließlich an China zurückzugeben. Teutschland mußte sich genau an den Wort- laut deS Ultimatums halten, im anderen Falle mußte Japan seine Handlungsfreiheit wiedergewinnen. Eng- land und Japan nahmen Tsingtau mit Waffengewalt ein; Deutschland ging also deS Vorteiles der Bedingungen des Ultimatums, denen es nicht nachgekommen war. verlustig. Deutschland hatte den Besitz von Tsingtau für 99 Jahre kraft des Vertrages, welchen China vor über 15 Jahren angenommen hatte. Die Beschlagnahme der Besitzung annullierte den gegenseitigen Vertrag nicht. China hat augenblicklich kein Recht aus Tsingtau, außer das Recht auf Wiederbesitznahme nach Erlöschen des Vertrages. Natürlich muß Tsingtau schließlich an China zurück- fallen, aber um den Verbündeten gegenüber loyal zu handeln, kann Japan die Besitzung an China nicht zurückgeben, deren Besitz in rechtlicher Beziehung eine streitige Frage bleibt. Könne man zulassen, daß Japan daS gemietete Territorium an Deutschland zurückgebe, welches japanische und englische Truppen und Schiffe während zweier Monate unter einem Kosten- aufwand von mindestens fünf Millionen Pfund Sterling blockiert hätten? Japan wird Wort kalten und hätte übrigens die Be- dingungen des Ultimatums schärfstenS beobachtet, wenn Deutschland ihm die Festung Tsingtau friedlich vor dem 15. September über- geben hätte. Die Verträge Japans mit England und Amerika zum Schutze der Integrität Chinas werden von Japan genau so gewffsen- hast beobachtet werden, wie olle anderen Verträge, welche Japan unterzeichnet hatte. Bisher konnte keine Macht, welche mit Japan einen Vertrag geschlossen hat. Japan vorWersen, gegen ein einmal gegebenes Ehrenwort verstoßen und seine internationalen Ler- pflichtungen nicht gehalten zu haben. kriessbckanntmachungen. Slbfatzrogeimig der Wollvorräte. Amtlich. Berlin, 4. Februar.(23.2.25.) DaS preußische Kriegsministerinm hat die Vereinigung des W o l l- Handels mit dem Verkauf von Kämmlingen, Wollabfällen und untergeordneten Wollsorten, die aus besetzten Gebieten nach Deutlcki- land überführt worden sind, beaustragt.— Die Vereinigung deS Wollhandels hat sich bereit erklärt, angesehene und auf diesem Tondernebict leistungsfähige Firmen, die an dieser Bewirtschaftung teilzunehmen wünschen, in ihren Verein auszunehmen.— Um den ehrenamtlichen Cbarakier der Aufgabe zu betonen, bat die Ber- einigimg de- Wollhandels auf jede» Entgelt für ihre Mühewaltung verzichtet.___ politische Uebersicht. Versammlungsrecht in Sachsen. Nach einer neuen Bekanntmachung deS MimstenumS des Innern sind in ganz Sachsen von jetzt ab alle Ver- sammlungen bei der Behörde anzumelden,„die militärische, politische, sozialpolitische oder religiöse Zwecke verfolgen". Danach fallen auch geschlossene Mitglieder Versammlungen unter die Anmeldepflicht, denn cS wird ausdrücklich gesagt, daß sich die neue Bestimmung auf„öffentliche und nichtöffentliche Ver- sammlungen" bezieht. Tie Maßregel wird unter Hinweis auf§ 9 b deS preußischen Gesetzes über den BelagerungS- zustand angeordnet. Gegen Uebertretungen ist Ge- fängnisstrase bis zu einem Jahre angedroht.— Als der große Belagerungszustand in Sachsen vor einigen Wochen auch formell eingeführt wurde, erklärte man in einer amtlichen Notiz an die Presse, daß damit weitere Einschränkungen nicht verbunden sein sollten. Die neue Anordnung ist nun aber eine sehr wesentliche Beschränkung des politischen Lebens. Wie aus früheren Erörterungen mit den Behörden zu entnehmen ist. soll durch die Pflicht der Anmeldung die Mög- lichkeit der Ueberwachung aller Versammlungen geboten werden. In Dresden wurden auch einige sozialdemokratische geschlossene Mitgliederversammlungen polizeilich überwacht. Die Kriegstagung der badischen Laudstände spielte sich äußerlich in einer Eröffnungsfeier und Sitzungen der beiden Kammern ab, wozu drei Stunden genügten. Um der ver- � fassungsmäßigen Vorschrift zu genügen, verwies die Zweite Kammer die Vorlagen an die Budgetkommission, die sie ohne lange Beratung zur Annahme empfahl. In einer einzigen namentlichen Abstimmung wurden die Vorlagen der Regierung und provisorischen Gesetze ge- nehmigt. Es bandelt sich namentlich um einen Gesetzentwurf über die Deckung des aus Anlaß des Krieges entstehenden außerordentlichen Staatsbedarfs im Betrage von zirka 70 Millionen. Die Sitzung der Zweiten Kammer leitete der sozial- demokratische Vizepräsident Geiß an Stelle des er- krankten Präsidenten. Genosse Geiß eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache. Er begrüßte die in ernster Zeit zusammen- getretenen Kollegen, besonder- die Feldgrauen. Vor sieben Monaten, beim Schluß der Kammer, hätte man nicht er- wartet, daß ein solch ungeheurer Krieg über Deutschland herein- brechen werde. Der Gewalt habe sich das deutsche Volk einmütig entgegengestellt, das Vaterland gegen Angreifer und Neider zu schützen und den Feind— bis auf eine kleine Au-nahme— von den Grenzet! fernzuhalten. Ein Wehrwall zum Schutze der Kultur und Selbständigkeit der Nation, von Sieg zu Sieg fortschreitend. verdient heute unseren Dank und unsere Anerkennung. Aber auch die in der Heimat Gebliedenen haben die Hände nicht in den Slboß gelegt und geholfen, die KriegSsÄrecken zu mildern und die wirt- scbastlichen Schäden zu heilen. Zu dieser Mithilfe trete auch der Landtag zusammen. In seiner Schlußrede gab Vizepräsident Geiß der Freude über die Cmstimmigkeit in der Hilfeleistung Ausdruck. Es handele sich um den Fortbestand des Reiches, um Sein oder Nichtsein der Nation, es gelte dem einzigen Ziel: einen ehrenvollen Frieden bald zu er» kämpfen. Möge das Volk den Tag bald haben. Mit einem Hoch auf den Landesfürsten, das Volk und die badische Heimat schloß Geiß die Sitzung. Die Kammer wurde nach der Wabl deS landständischen Ausschusses vertagt._ Zur Brotteuernng. Unter dieser Ueberschtist wendet sich die„T 2 g l. Rundschau" energisch gegen die„abnormen Mehl» und Brotpreise'. Sie schreibt: Aus dem Leserkreise gehen unS fortgesetzt Zuschriften zu, in denen gegen die herrschenden„Wucherpreise" für Mehl und Brot lebhaft protestiert wird. Man wird in der Tat zugeben müssen, daß sich das Verhältnis von Weizen- und RoggenpreiS einer-, Weizen- und RoggenmeblpreiS andererseits wesentlich zuungunsten der Masse der Verbraucher verändert hat.... Der Durchschnitts- preis für Roggen stellte sich an der Berliner Produktenbörse im Zeit» räum Jannar-Mär, 1911 auf 151 M„ für Roggenmehl gleichzeitig auf 200 M. Die Spannung betrug somit im ersten Vierteljahr 1911 nur etwa 40 M. Im Monat Januar 1915 war sie bereits auf 130 M. gestiegen, und im Februar icheinen die Weizen- und Roggen- mehlpreiie dazu ouserseben zu sein, den AuSbentungsgelüsien gewisser Spekulantenkreise zum Opfer zu iallen. Tie Roggenmehlpreise waren wenigstens am 2. Februar d. I. bereits aus 110 für die Tonne hoch getrieben. Was unter solchen Umständen die HöchstpreiSbestim- mungen für einen Zweck haben sollen, ist nicht einzusehen. Will man die Masse der Verbraucher gegen die Bewucherung bei den notwendigsten Lebensmitteln schützen, so genügt es keines- weg?, lediglich für die Landwirtschaft Höchstpreise in bescheidenem Umfange festzulegen, sondern auch für die Müllerei.... Die Preise für das Rohmaterial, für Weizen und Roggen, geben durch- aus nicht zu Bedenken Anlaß und überschreiten auch die von Friedens» fahren im allgemeinen nicht bedeutsam. Trotzdem die abnormen Mehl- und Brotpreise I Wo bleiben da die zuständigen Behörden. WaS ist das für eine KriegSpolitik, die, wie es scheint, r e g e l- mäßig auf halbem Wege halt macht! Was wir beim Markt mit Kraftfuttermitteln erlebt haben, trifft auch beim Mehlmarkt zu. Mögen sich die zuständigen Stellen beeilen, Versäumtes sofort nach- zuholen." Der„Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen" in Berlin bat sich mit einer Eingabe an die Reichs- und Staatsbehörden gewandt, in der er bittet, den Deklarativ S zwang für Kartoffeln anzuordnen. ES müsse einmal unbedingt genau festgestellt werden, wie groß unsere Kartoffelvorräte sind, um zu der Preisfrage Stellung nehmen zu können. Die Landwirte halten nämlich ihren Vorrat an Kartoffeln wieder einmal zurück, da sie erwarten, daß die Höchstpreise für Kartoffeln erhöht werden. Ausdehnung der Schnnpsbrennerei. Zur Ausdehnung des BrennereibetriebsS ist, wie die„Zeitschrist für die SpirituSlndustrie" meldet, eine Erhöhung des Durchschnitts« brandes bevorstehend. Kartoffeln und Getreide werden für die Aus- Nutzung des erhöhten Durchschnitt-brandes ausgeschlossen, dagegen dürfen Zucker und deffeu Nachprodukte neu zugelassen werden. Die Erhöhung des Durchschnittsbrandes bedeutet für die Brennereien eine erhebliche Steuerermäßigung, denn das nunmehr in den Nahmen des erhöhten DurÄschnittSbrandeS fallende Quantum Spiritus hätte sonst als Ueberbrand erheblich höher versteuert werden müssen. Der Bundesrat hat gleichzeitig die Steuer für Zucker, der zu Brennereizwecken verwandt wird, aus 2 M. pro Doppel» zentner ermäßigt. Ter Zucker muß unter besonderem Verschluß ge- hallen und,»amit er nicht zu anderen Zwecken verwendet werde» kann, mit Kohlenstaub vergällt werden. LeAe Nachrichten. Lebensmittelnot in Warschau. Frankfurt a. M., 5. Februar.(W. T. B.) Die„Frankfurter Zeitung" berichtet: Unter der Ueberschrift:„Man kann nicht warten" schreibt der„Warschowskij Tnewnik" folgendes: Seit drei Wochen bekommen die Bürgerkomitees und der Magistrat von War» schau keine Lebensmittel mehr. Bon der Station Solonci Sawod im Gouvernement Charkow sind einige Waggon- Salz abgeschickt worden, die in Warschau nach zweiundachtzig Tagen eintrafen. Solche langen Transporte sind hier keine Seltenheit mehr. Das Handelsministerium hat sich mit dem Eisenbahnministerium in Ver- bindung gesetzt und beschlossen, eine neue provisorische Eisenbahn zu bauen. In Archangelsk liegen für einige Millionen Rubel Lebensmittel, die für Warschau bestimmt sind; man weiß aber absolut nicht, wann die Waren in Warschau eintreffen werden. landirmen i Pfd. HSg 3© Pf. [Frische Eier Stück 8,1® Pf. Marmelade gemischt ca. dB« 5-Pfd.-Eimer a«30 SHlne Beringe Pfund 1 S Pt Salzheriiige 3 Stück � � Pf, A.3andorf&6 Spittelmarkt ßelie-AIiiancestr. Gr. Franklnrterstr. ßninnenstr. Eotlbnser Damm Wümersilorterstr. Nicht am Spittelmarkt, Vcrkaaj nicht an Wiederverkäufer Zusendung ausgeschlossene Frisches Fleisch (Nicht am Kottbuaer Damm) tojladen................?t°aa 1B1S Schmorfleisch........ �-6 Suppenfleisch........ ptund Sipf. Kalbfleisch............. Ptund BB*. Hirschwild Schweiriekete!ettespfd.1.QS> Schweinekamm..... p�H-HÄ Gulasch..................... Ptod?Apt. Gehacktes.............. p�d?Kpt. Rap-out Blatt Rücken iteule 1 Uf e'Srl�nl�iv'* Sm Ragout Blatt Eücken Keule »» 30,80,95,1.00! 30, 80.»5,1.10 Bytter und Kise Wurstwaren TafoSbufter..........'/j-mnd-staci; I�Apt. Schwekerkäse............. Pinna Limburger Kese............. pmnd GIpu Lsndkäse...................... stuck AIpt. Harzer Käse.............. 3 s-o-k �Zp,. Pfnna J .. Pfundl Teewurst............ Ssrünsr Mettwurst. Feine Leherw.rst......... Pfund' LandSeiemurst ROiWUrSt...................... Pinna )P1. JPL tonsenfen Kohirabj in Scheiben...........'jiDose 3�pt. Spinat.........................'/ivo-echIpt. Gemischtes Gsmüse 0°-° Gemischtes GemLss GHw. Supjien-Schotsn............>,. dosc 40 p� Junge Schoten.............-,.v»-e K0Pt. Junge Schcfcn m!lteUein,1;1Dose I�Dpü Junge Schoten fein.......-i.o°6° H.�0 Oruchspargs!--k-- Kopt... v°-c AZ?-. Zruchspargs! Kopt.... v.Dose'Z.ZZ Stangenspargel..........-kvn-e 1,30 Siangenspargel mittel....»i, Dose 1c45 erdbesrsn.................... v, Heidelbeeren................-s.vo-e �Dpt. Stschelbseren............. v°-e AOpt. RtailiNen..................... Vi Dose GZ PI. Birnen weiss und rot..........'Ii Dose � 0 PI. Lebende] Karpfen alle Grössen S�BBrnoa Pf. Essäpfel Pfund 25 Pf. Kochäpfel Pfund SlCi Pf. IMI! Pfund Pf. �tSJSÜSi'vTriäysdiSi Pfund E b« Speck fett oder mager Pfund 1a35 Kaninchen jES'.rei't Stück 33,1 .iicrniein-üericfttEresEs ilröitroiB GiearenenfsüriH. Manoli-Zigaretten Dandy3Pf Ei-echeint 2 mal wöchentlich. j Be2Mpsq5weSieii-¥e5'seishms. Untenstehende Geschäfte empfehlen sich b. Einkauf. Jetzt auch mit und ohne Mundstück iBOSMAl CIÖÄQürTEN Etwas 1 djanz Besonderes j Mfti Company Berlin N. 20 Pankstr. f�uraltg- Cigarettan Fordert v'r KPOPA-CiosPEiien Uressio Haucht Herbsten Zigaretten 4 AlkotioiTfpr'Gatr-änhB � �rauzAbr�lmm B&EJl).Messina-u.Ri'"icrtrank-Kcll. C.25 Earlelstr. Sa, Fcrusp. Kgst. 15703 � Releuchlungsge�cnstande � Buttner, A., Danzigcratr. 96. B aüe-finnaiton Arkona-Bad, Anklaraer-Str. 54. Bffli Ait-HOiillt 104 Kra�Ktss. Landaberger Str. 107, Go!lnowstr.41. Liefer. sämtlich. Krankenk. |Bad Bad Börse» Dirksenstr. 50. klral-Sai A™Sr. Diana-sgSfaÄrKder. Katlonal-Bad, Brunnenstr. S. Bad Ostend ffiil'K.'sse" Passage- Bad fÄ" Reform-Bad» Wiener Str.€5. [sciijjier-Baa, WüMbZa. "Bad in db n n wll Scblesische Str. S1. B acher- u. Konditoreisn Asmus, Wüh.» üeckermaadontr. 11. F. Breitkopf, Exerzierstr. 19 a. Waldemar Brose, Driesenerst. 3 Hermann Büß» Grünauerstr. 12. Fritz Eidiler, Bastianetr. IL. Emanuel Flöge!, Mirbachstr. 25. Br. Friedridi, Eisenbahnstr. 31. Roh. Gebler, V»rildenbruclistr.68. O.GÖrS,Wiesen8tr.31,br-Q.gTUBe Rbm. E. Großberndt, Wittstockerätr.7. A.Großkinsky, Bo-\hagenerEt.27. Guit. Heintscfcel, Bavelbergerstr. 26 ösksr Mü Bioiliääerei 7S Geschäfte in allen Staditeilen Berlins sowie in Neukölln u. 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Boeters), 22, 23, 25, 26, 27, 28, 80, 31. 34, 35. 36, 37, 38, 40, 42, 15, 46, 47, 48, 49, 59, 64, 67, 73, 73, SO, 82. 92. 98, 110, III, 112, 113, 114. 116, 118, 136, 142, 143, 146, 150, 153, 155, 163, 167, 168, 169; Regimen: Baestcrs(Keller); Erfaiz-Aegimeuter Nr. 28 und Königsberg II; Res.-Inr.-Rogimenter Nr. 1. 2, 3, 5(siebe auch Reg. Boeters), 6, 8. 13, 15, 21((siehe Reg. Boeters> 24. 26, 32, 33, 37, 38, 40, 46, 48. 49 lstehe Reg. Boeters, 32, 66, 73, 81, 83, 84, 88, 93, 201, 264. 212, 213, 217. 225, 227, 230, 231, 232. 235, 267; Landtv.-Jnf.- Regimenter Nr. 4, 3, 6, 7. 11, 12, 13, 25, 31, 34, 33, 36, 40, 46, 47. 61. 75. 76, 77, 81, 84, 99, 118; Brig.-Erf.-Bataillone Nr. 8, 26, 44; LtnÄ>w.-Brig.-Ers.-Aatl. Nr. 38; Landst.-Aalaillone Glatz, Hagenau. Kulm, Neustadt i. Wenpr., Osterode II, Pforzheim, Samter. Tilsit 1; Landst.-Ers.-Batl. II des XX. Armeekorps; Ref.- Aäg.-Batl. Nr. 15; Ref.-Mafchinenaew.-'Nbt. Nr. 3; Fcntungs- Mafchinengew.�Abt. Nr. 5(Posen); FeftungS-Naschtnengew.- Trupp 23. 2. Garde-Alauen; Kürassiere Nr. 2; Tragoncr Nr. 13, 14. 21, 23; Referüe-T-cagouer Nr. 3; Husaren Nr. 13, 15, 17; Reserve- Husaren Ilr. 9; Häger zu Pferde Nr. 10, 11; Reicrve-Kav.-Abr. Nr. 50. 2. und 3. Garde-Feldart.-Reg.; Felbari.--Regimenter Nr. 37, 60, 62, 81; Res.-Feldart.-Regimenter i'Jr. 5, 15, 50. 1. Gard«-Futzart.-Reg.; Fustart. Rcgimenter Nr. 1, 2. 9, 10, 15, 20; Rss.-Fustart.-Reginrenter Nr. 6. 7, 8, 11, 18; Landsi.-Fuß- «rtillsrie-Batl. de» XIV. Armeekorps; Ileberplanmätzige Batterie� des Abschnittkommandos Nr. 6. Pion.-Regimenter Nr. 20, 23, 24; Pion.-Baiaillone; l. Garde, k. Nr. 1. I. Nr. 4. II. Nr. 6. I. und II. Nr. 8. II. Nr. 16. I. Nr. 26; Pion.-Ers.-Batl. Nr. 1; Res.-Pion.-Komp. Nr. 52; 1. Landw.-Komp. des I. und des X. Armeekorps; 2. Landw.-Komp. der 9. Landw.- Hnf.-Brigade; Scheiiuverier-Zug des XXII. ReservekorpZ. Eisenbahn. Reg. Nr. 3. Jnf.-Munitionskolonne Nr. 2 des X. Armeekorps. Fornsikation Lodz; Arbeiter-Batl. Nr. 4; Arbeiter-Kom- pagmen. Res.-San.-Kamp. Nr. 21 des VII. Reservekorps; Feldlazarett Jlr. 5 des IV. Armeekorps; Lazarettzug Nr. 6; Freiwillige Kranken- pflege(Rotes Kreuz). Kommando der Etappen-Trains der 2. Armee; Train-Abtei- lungen Nr. 3 und 10; Korps-Brückentrain des XVII. Armeekorps; Ntagaziii-Fuhrpark-Kolonne Nr. 5 der 2. Armee siehe Kommando der Etappen-Trains der 2. Armee. «* • Tie sächsische Verlustliste Nr. 103 derönentlicht Verluste dos Ers.-Batl. Landw.-Jns.-Rea. Nr. 107; 9. Ins.- und Landw.- Jns.-Reg. Ar. 133; Ers.-Batl. Landw.- Fni.-Rcg. Nr. 133; Jns.»Re- gimenter Nr. 139, 178, 181; Res.-Jnf.-Remmenter Nr. 241, 244, 245; 1. Landst.-stns.-Batl. Tresdon; 2. Landst.-In f.-Batl. Dresden; 1. Landst.-Hns.-Batt. Leipzig; Landst-Hnf.-Batl. Pirna; Res.-Jäg.- Batl. Nr. 12; 1. Futzart,-Reg. Nr. 12; Res.-Fußart.-Äeg. Nr. 19; I. Pion.-Ball. Nr. 12; II. Pion.-Barl. Nr. 12; I. Pion.-Bail. Nr. 22; II. Pion.-Bat. Jßr. 22; Etappsn-Flugzeug-Parks Nr. 3; Flieger- Batl. Nr. 1; San.-stomp. Nr. 1, XII. Armeekorps; San.-Komp. Nr. 1, XIX. Armeekorps; tschwere Proviant-Kolonne Nr. 2, XII. Armeekorps; Feldlazarett 2, XIX. Arnreekorps; Feldlazarett 12, XIX. Armeekorps. Erinnerungen aus öen Tagen öer Kapitulation unö Uebergabe öer Festung Maubeuge. Nach heißem, opiervollen Ringen war es unseren braven RhituAäitdern und Westfalen vom VII. Reservekorps Anfang Septemper gelungen, die starke Besatzung der Festung Äiaubeuge in zähem Vordringen aus dem Borgelände zu vertreiben und auf die Verteidigung des Fortgürtels zu beschränken. Nun galt es, Forts und Zwischengelände dem äußerst rührigen, tapferen Gegner zu entreißen. Schnelle Entscheidung war im Interesse der gesamten operativen Lage dringend' geboten. Die nun folgenden hartnäckigen Kämpfe ergaben sich weniger aus dem Zustande der permanenten Anlagen der Festung. Es war vielmehr hier seitens der srarrzösischen Landesvertetoigung wovl mit Rückstast aus die Sicherung Nardsraukreichs durch das zum mindesten neutrale Belgien, schon seit Jahren nur wenig für den modernen Ausbau von Maubeuge geschehen. Bon den zahlreichen Forts und Zwischenwerken entsprach nur ein einziges einigermaßen den heutigen Anforderungen. Anders verhielt es sich indessen mit der Herrichtung des Zwischengeländes. Hier fand unsere Jnsanteri-e nicht die gleichen Verhältnisse wie in den Kämpfen um Lütticb und Namur. Während dort für den Ausbau der Zwiscbenräume seitens der Belgier wenig oder fast gap nichts geschehen war, die wenigen Anlagen sich viel- lach an zweckloser erteile und meist im toten Winkel befanden, war der Gegner vor Maübeuge mit größter Sorgsalt und Sachkenntnis ans Werk gegangen. Es zeigte sich bereits in diesen Kämpfen, die beionders in dem jetzigen Stadiuut des Krieges in Erscheinung getretene Befähigung der Franzosen, in der'Verteidigung jeden sich bietenden Vorteil deS Geländes auszunutzen und mit allen Mitteln der Feldbefestigung loercvolle Stützpunkte zu schaffen. Be- sonders geschickt hatte der Feind an vielen Punkten Scheinsiellungen angelegt, welche anfangs oit auch nrit der wertbolleu Munition unserer großen Brummer, der 42-Zentimeter-Gestfiütze, sowie der österreichischen Motorbatterien beschossen wurden, bis' es der Aus- klarum, der unermüdlichen Fliegerossiziere gelungen war, die rich- tigen Ziele festzustellen. Das Feuer, welches in diesen ersten Sepiembertagen die feind- liehen Forts überschüttete, halte eine gewaltige Wirkung. Es wurde noch der Einnahme der Festung erkannt, daß die Zerstörung an manchen Stellen der Beschießung der Forts von Lüttich und Namur in keiner Weise nachstand. Dort, wo unsere 42-Zentimeter- Geschosse einschlugen, war alles Mauerwerk nur noch ein wüster Trümmerhaufen, und es schien, als hätte ein Erdbeben mit elemen- tater Gewalt den ganzen Bau durcheinandergeschüttelt. Gleichzeitig mit der Beschießung der Forts, sowie der Zwischen- räume ging auch der Angriff unserer Infanterie vorwärts. Frei- lich an manchen Stellen nur mit großen Verlusten. Wenn dann nach_ einem geglückten Angriff oder nach Abivehr eines feindlichen Ausfalls Verwundetentrcmsporie unserer Braven nach den aus belgischem Gebier liegenden Sammelstellen� gebracht wurden, sah man häufig die in Gruppen vor ihren Häusern stehenden, nicht gerade vertrauenerweckend aussehenden Bürger die Köpfe zu- sammenstecken. Ost hörte man im Vorübergehen, sobald sie sich unbeobachtet glaubten, wie sie sich gegenseitig wenig freundliche Worte über die fremden Eindringlinge zuraunten;„Habt Ihr schon gehört, daß eine starke englische Armee von Antwerpen im Anmarsch i ist'.'" oder„Man spricht ppn enormen Verluste:: de: Deutschen!" I Ms Groß-Serlm. Sonnenuntergang. Blutrot ging die Sonne unter. Ein wunderbares Natur- schauspiol sptegelte sich an: See, eines westlich gelegenen Villenvorortes vor meinen Augen wider. Kalt wehte der Wind aus dem Osten— und merne Gedanken schweiften über die schneebedeckten Wälder zu den Schlachtfeldern, zu unseren Kämpfern in die Schützengräben!— Ta schreckten mich Kinderstimmen aus,— die Straße herauf kommen Knaben in vollständiger grauer Soldaten- uniform, gesunde, kräftige Kinder im Atter von 6— 12 Jahren; geführt von einem zwölfjährigen feschen Leutnant. Lachend und scherzend begleiten einige Damen, in Pelze gehüllt, diesen sonderbaren Zug; anscheinend Mütter der jungen Kämpfer. Vvn der aitderen Seite kommen zwei kleine blasse Buben,— frierend haben sie ihr Bündel unter dem Arm: Abendzeitungen, die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Ihr Weg ist allabendlich derselbe. Flink huschen die kleinen Gestalten in die Vorgärten der prächtigen Villen hinein, den glücklichen Besitzern derselben die langersehnte Abendzeitung zu bringen. Der Kleinste und Jüngste kommt früher von soinem Wege zurück auf die Straße. Am Zaun liegt eine angebissene Schrippe— vielleicht— hat sie ein Hund ver- schmäht, weil' der Wurstbelag fehlte. Schnell bückt sich der kleine Zeitungsträger und hebt sie auf und wischt sie an der geflickton Hose ab. Gierig graben sich die kleinen weißen Zähne in den kostbaren Fund! Ter kleine Zug ist vor dem kleineu Zeitungstrager an- gelangt. Es ertön: ein Kommando— Vorwärts marsch zum Sturmangriff! Da ein Feind— ein Russe! Tie Degen blitzen, die Gewehre sind schußbereit.— Acugstlich und mit tränenden Augen läßt der kleine blasse Junge seinen Fund fallen.— Der Leutnant ruft„Hände hoch, ergeben!"— Da springt der ältere Bruder des„Feindes" mit seinem ZeitungSbüudel blitzschnell an die Seite seines Bruders. Drohend erhebt sich die' kleine Kinderfaust— und verächtlich klingt es von seinen Lippen:„Pfui, schämt Euch— dies ist mein Bruder, ein Deutscher, und kein Russe, aber die Russen sind auch Menschen 1" Kalt und hart klingen die Worte deS zwölfjährigen Leutnants: Links schwenkt„marsch"! Lachend hört man die Damen in den Pelzen sagen:„DaZ habt ihr brav gemacht, Jungens." Tie beiden armen Kinder stehen einsam auf der Villen- straße,— der Kleinste hat seine Schrippe aufgehoben und teilt sie mit dem Bruder—! Und tveitrr geht cS die Straße entlaug. Tie Sonne ist längst untergegangen. Wann wird für diese kleinen Enterbten die Sonne auf- gehen?_ Brotkarten. Tie Frage der Kouirolle des Brotverbraüchs hat, soweit die Berliner Verwaltung beteiligt ist. in den letzten Beratungen de? Magistrats ihre Emscheidung gefunden. Man ist sich darüber einig, daß im Interesse ebensowohl des Publikums wie der Bäcker die richtige Verteilung des Brots durch die Ausgabe von Brot- karten gesichert werden muß. DaZ kann geschehen, ohne den einzelnen so erheblichen Belästigungen zu unterweifen, wie sie viel- '„Heute nacht haben die Franzosen Hunderte von Gefangenen ge- macht"—„Die Munition gebt den Prussiens aus!" Dann folgten feindliche Blicke und wer ihre stumme Sprache verstand, der merkte nur zu gut, daß es wahr sei, womit die deutsche Führung stets rechnen mußte. Hier ging es um hohen Einsatz! Siegren wir, dann war einer der wichtigsten Stützpunkte, welcher gleichzeitig eruen Rückhalt für die Belgier und die Verbindung mit Antwerpen bildete, den Franzosen entrissen. Gelang es indessen dem— wie sich später herausstellte— weit um das Toppelte über- legenen Gegner, die Deutschen zu schlagen, dann stand mit ziem- licher Sicherheit zu erwarten, daß im Rücken der Belagerer ganz Belgien, das damals noch keineswegs entwassnet war, sich erheben und der Volkskrieg in Herren Flammen entbrennen werde. Somit war vor Maubeuge eine derjenigen Lagen eingetreten. in denen nur der starke Wille zum Siege den Erfolg sichert und es schien, als ob dieser Gedanke jeden Einzelnen, vom höchsten Führer bis zum jüngste!'. Soldaten, beseelte. Ter Befehlshaber der deutschen Ernschließungsarmee, General der Infanterie von Zwehl, befand sich zu Beginn der Belagerung mit seinem Stabe in dem belgischen Städtchen Binche. Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Aller- höchst von Seiner Majestät beauftragt, über den Gang der Belage- rung zu berichten, hatte in dem nahegelegenen MonZ Quartier genommen. Angesichts der Tag und Nacht andauernden Beschießung, vor allem aus unseren 42-Zentimeter-Geschützen, sowie den Motorbatterien der Oesterreich er. gelang es,'bis zum 6. September das wichtige Fort de Boussois aus der Ostfront der Festung zum Schwergen zu bringen. Es wurde nach heftigen Kämpfen, in denen sich vor allem auch unsere Minenberfer mit großem Erfolge be- tätigten, durch unsere Infanterie besetzt und bald wehte die deutsche Fahne von seilte:: Wällen. Von diesem Augeichlick an sollte sich das Schicksal der Festung schnell erfüllen. Dg» Generalkommando hatte nach dem Fall des Foris de Bousiois seinen Gefecbisstand nach der Fetme Vent de Bise, einem Gehöft etwa 3 Kilometer östlich des eroberten Forts, verlegt. Ter Komtirmtdierende General hatte dteict: Punkt mit Rücksicht aus schnellste Nachrichienverbittdung zu seinen beiden Divisionen ge- wählt. Daß der Standort zeitweise iwch im heftigen Feuer der französischen Artillerie lag, konnte au diesem Entschluß nichts ändern.?l:ich bei den Kämpfen vor Maubeuge trat, wie so häutig, in Erscheinung, daß die Eiiuoobncr den Nachrickneudieinr mit den französischen Truppen aus das wirksamste unterstützten.<-o wurden zahlreiche Fernsprechverbindungen ausgefunden, ivclchc in die Ortschaften binier der Front der Deutschet: führten und noch 8 Tage vor der Eimvabme der Festung wurde eine Frau standrechtlich er- schassen, welche dem Feinde durch eine im Keller liegende Telephon- leitung Mitteilungen über die Stellungen und Beobachtungsstände unserer Artillerie, sowie den Ausenthalt höherer Stäbe� machte. Diese Erfahrungen beuten zur Folge, daß beim Eintreffen de» Generalkommandos bei Vent de Bise sämtliche zu dem Gehöft gehörenden Gebäude von den noch dort befindlichen Einwohnern gesäubert wurde». Der Stäb des Kommandierenden Generals, Erzellenz von Zwehl, hatte am 7. September in einem an das Gehöft Vent de Bise angrenzenden Obstgarten Ausstellung genommen. Aus dem Wohnhaine hatte man in den Garten Stühle und Tische gebracht. lieber letzteren waren große Karten mit der genauen Eintragung der jetoeiltgen Kautpfeshandlung ausgebreitet. Ueber einer dieser Karten verfolgte auch Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold von Preußen mit gespannter Äusmerksamkeit den Gang 1« Ereignisse, fach befürchtet werden. Tie Brotkarten brauchen nicht— unter Warten und Zeitversäumnis— bei einer behördlichen Stelle abgeholt zu werden, e? besteht die Absicht, sie jeder Familie im Hause selbst durch städtische VertrauenSperionen auszuhändigen. Das Vertrauens- personal, welche? der Stadt für statistische Erhebungen sich zur Verfiigmtg gestellt hat, wird auch hier als Nichtig sich erweisen. Die Brotkarte würde mit Dbreißscheinen zu versehen seilt. Nur gegen Behändignng eines solchen vorabfolgt der Bäcker das Brot. Auf Grund der gesammelten Abreitzscheine macht der Bäcker seiner- seit» seine Anwartschaft auf Lieferung von Mehl für die kommende Woche der Stadt gegenüber geltend. Die Regelung des Ltotlarten- AuSgabcwescnS und die gesamte Ueberwachung des Bäckereiwesen» kann durch ehrenamiliche Kommissionen erfolgen, die sich über die ganze Stadt verteilen. Gast- mtd Schankwirtschaften dürfen nicht wohl von der Regelung ausgeschlossen bleiben. ES steht zu hoffen, daß über Grundsätze solcher Art eine Ver- ständigtntg mit den Vororten erzielt werden wird. Dabei wird allerdings von der VoranSsttzung auszugehen sein, daß die übrigen Großstädte sich eine ähnliche Regelung angelegen sein lassen. Bis jetzt ist Groß-Berlin, so viel bekannt geworden, daS einzige Ge- tnemwesen, das den Höchstverbrauch von 2 Kilogramm für Person und Woche festgesetzt hat. Mai: wird annehmen dürfen, daß die übrigen preußischen und anderen deutschen Städte bald eine gleiche Höchstinenge vorschreiben werden. Aber nur iveirn die Ausgabe von Brotmarken erfolgt, wird sich die Begrenzung des Verbrauchs im Sinne einer Höchsimenge wirklich durchführen lassen. ES ist deshalb von größter Wichtigkeit, daß die größeren Städte sich schleunig über ein gleichartiges Borgehen verständigen. Bon besonderer Wichiigkeit scheint un-Z zu sein, daß die im Bc- sitze von Brotmarken Befindlichen auch Brot erhalten. Eine Reibe von Bäckereien haben ihre Pforten schließen müssen, weil ihre Mehl- bestände zu Ende sind und neues Mehl noch nicht geliefert war. Das wird sich bald wieder ändern durch Lieferung von Mehl. Man muß bedenken, daß bisher die Bäckermeister vom Händler bezogen und bei ihm Kredit hatten. Jetzt scheidet der Händler aus und eii tritt ein neues BezugSverhälwis sin. Die Bevölkerung scheint sich dem neuen Zustand anzupassen, wenn ihr keine Schwierigkeiten gemacht werden, Brot zu erhalten. Eine große Ausgabe hat die Konsumgenossenschaft zu erfüllen. Es war eine bekannte Tatsache, daß die Genosienschaft Brot lieferte, da? an Gewicht wie an Oualilät jede Konkurrenz aushalten konnte. Die Steigerung der Mehlpreise haben auch hier aus den Preis ein- gewirkt. Die Abgabe von Brot erfolgt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedsbücher und genauer Eintragung der zu verabfolgenden und gekauften Ouautiläten._ Krlegsversicherung und uneheliche Mütter. Ter Deutsche Bund für Mutterschutz hat kürzlich beschlossen, uneheliche Mütter, die seine Hilfe nach- suchen, bis zu einein bestiuimieu Betrage in die Kriegs- verficherung einzukaufen. Diesem Beispiel folgend, haben nun auch verschiedene seiner Ortsgruppen, Berlin u. a. beschlossen, bis aus weiteres ihren Schützlmgen im cm sprechenden Falle die Zahlung der Kriegsverstchenmg zu gewähren._ Vom städtischen Karioffelberkauf. Ter städtische Kartoffelperkauf erfreut sich beim Publikum fortgesetzt steigender Nachfrage. Der Magistrat sieht sich daher genötigt, den Verkauf in größereit Mengen ab Lagerkeller einzustellen und nur noch den Kleiuverkauf in den Es war kurz nach 2 Uhr nachmittags. Soeben waren mehrere Ordomtanzossiziere mit Befehlen an beide Divisionen� und den un- ermüdlichen, leider kurz nachher bei Reims zu früh gefallsnen Kommandeur der Arlillsric, Generalleutnant Stemm etz, abgefertigt worden, als ein Meldereiter, von weitem winkend, den: Gehört zugalloppierte. Er meldete, daß er vom Generalleutnant von Ungcr, dem Führer der 14. Reservediviston. vorausgesandt sc: und dieser in kurzer Zeit mit einem Parlamentär von den Vorposten eintreffen werde. Bald darauf sah man den General mit einem französischen Offizier, dem mau die Augen verbunden hatte, dem Gehöft zuschreiten. Es folgten nun Momente böchster Spannung. Nachdem die Binde von den Augen des Parlamentär» entfernt worden war. meldete sich dieser als der Hcuiptmann int Gencralsiabe Grenier, der im Auftrage des Kommandanten, Generals Fonrnier. an den Oberbefehlshaber der denilchen Truppen gesandt iei. General Fouruier bitte um einen Wasscnstillsiand von 24 Stunden, um die zahl- reichen vor der Front liegenoen Gefallenen zu begraben und wegen der Ilcbergabe der Festung zu verhandeln. Diese Meldung wurde in fliehendem Deutsch gesprochen. Wie er später angab, batte Hauptmann Grenier längere Zeit in Deutschland gelebt und dort Deutsch gelernt. Nachdem der Offizier seine Meldung beendet halte, erwiderte der Kommandierende General, daß er die tapfere Verteidigung der Festung zwar in vollem Maße anerkenne, einen so langen Waffen- stillstand zu bewilligen, sei ihm indesicn unmöglich. Wenn c» wirklich die Absicht de» Kommandanten sei. die Festung zu übergeben, so werde man sich viel schneller eittigen. Der Parlamentär möge nach vier Stunden mit den nötigen Vollmachten wiederkommen. Diese müßten im wesentlichen enthalten, daß die Festung mit sämtlichen Werken und allem Äricgsgerät übergeben werde und die Besatzung kriegsgcfangcn sei.„So batien Sic es sich doch wobl auch gedacht?" fragte zum Schluß der deutsche Führer und sagte. als der Franzose dies bejahte:„Nun, dazu brauchen wir ja dann nicht 24 Stunden Wafsenstillüand. Auch kann ich die Beschießung der Festung bis zu Ihrer Rückkehr nicht einstellen, denn wir haben keine Zeit zu bcrlieren!" Nachdem der Hauptmann die Frage nach irgendwelchen sonst!- gen Wünschen verneint baite. wurde er entlasset! und durch Gene- ralleutnant von Ungcr wieder zu den Vorposten begleitet. Ter Kampf wurde in den nun folgenden Stunden mit unbcr- minderter Heftigkeit fortgesetzt.?ln dem klaren, blauen Himmel de» beißen SeptembcrnachmiilagS sab man im ganzen Umkreis, vor allem gegenüber der Nord- und flstsront der Festung, die weißen Wölkchen der Sckrapnells, kenntlich bei den Franzosen an den merkwürdig großen Sprengböben, sicki entladen. Dazwischen tönte das pseisende Gebeul der sich aufwärts schranbenden schweren Granaten, verbunden mit den krachenden, obrenbetäubenden Detona- tionen der einschlagenden Gesckosse. Die Bremipunkte de» Kampfes bezeichneten ring» im weiten Umkreis in Flammen stehende Ge- böstc und Strobschober, während eine tiefschwarze Riefenwolle über der Festung Manbeuge und der in Brand geschossenen Ar- beitervorstadt lagerte. Wohl manchen mögen in diesen Ngchmitkagsstiinden wachsende Zweifel erfüllt haben, ob der Parlamentär nach Ablauf der gegebenen Zeit wiederkommen werde, ob nicht noch länge Tage Verlust- reichet Kämpfe folgen und die Franzosen erst nach Emnabme sämtlicher Forts die Festung übergeben würden. Tiefe Zweifel mußten immer begründeter erscheinen, als nach Verlaus der festgesetzten vier«tunden noch keine Nachricht aus der Festung gekommen war. Allmählich war die Sonne wie ein rotglühender Ball über einem brennenden Dorf im Westen gesunken und der Mond stand Markthallen aufrecht zu erhalten. Der Preis ist don heute ab auf 3,73 M. pro Zentner festgesetzt. Ein Preis von 3,75 M. für den Zentner Kartoffeln ist ein recht hoher, wenn man bedenkt, daff der Magistrat die Kartoffeln vor langer Zeit angekauft und den Preis im Einzelverkauf für 10 Pfund auf 33 Pf. festgesetzt hat. Der Magistrat sollte in der Zeit der jetzigen Teuerung die Kartoffelpreise nicht ohne Not höher schrauben. Das scheint aber tatsächlich der Fall. Hoffentlich bedarf es nur dieser Anregung, den Magistrat zu einer Herabsetzung des Preises zu veranlassen. Fabrikbrand in der Magazinstrahe. In der zweiten Morgenstunde wurde gestern(Freitag) die Feuer- wehr nach der Magazinstraße 17 gerufen, wo im Seitenflügel ein größeres Feuer ausgebrochen war. Es brannten die Fabrikräume der Spielwarenfabrik von Schlimper und der Buchdruckerei„Nord- Ost*(Inhaber I. Ansbach) im zweiten und dritten Stock des Ge- bäudes. Der Löschangriff gestaltete sich äußerst schwierig, da infolge der dicken Luft, die in den frühen Morgenstunden über Berlin lagerte, der Oualm nicht abzog. Es wurde aus zwei Siblauch- leitungen Wasser gegeben, und zwar mußten die Löschmannschaften über eine mechanische Leiter Vordringen. In beiden Stockwerken ist großer Schaden entstanden, da ein erheblicher Teil der beiden Be- triebe ausgebrannt ist. Das Feuer durchschlug auch die Decke nach dem ersten Stock, so daß die dort befindliche Buchbinderei und Kartonfabrik von Theodor Moeglich durch Wafferschaden in Mit- leidenschaft gezogen worden ist. In welchem Stock der Brand eut- standen ist, steht noch nicht fest. Die Löscharbeiten und die Auf- räumung der Brandstelle nahmen über vier Stunden in Anspruch. Für Nebenverdienstsuchende. Die Nebenverdienstangebote machen sich offenbar auch in der Kriegszeit bezahlt. Ueber' ein Geschäft dieser Art, das von einem Berliner Vorort aus betrieben wird, ist uns eine Mitteilung aus der Provinz zugegangen. In einer Stadt Westfalens stieß eine Frau auf eine Annonce, die ihr lohnende Beschäftigung zu verheißen schien. Sie sandle ihre Adresse ein und erhielt Antwort von einer Firma.F. M a g d a- linski Nach f., Parfümeriefabrik"(Berlin- Steglitz, A h o r n st r. 17), wie der Briefkopf angab. Der Brief ist durch Vermittlung eines Arbeiterfekretariats uns überwiesen worden. Er deckt sich Wort für Wort mit demjenigen, den im vorigen Jahr eine Firma»Gumpert und Lindemann, Parfümerien�(Charlotten- bürg), versandte. Damals veröffentlichten wir das.Gumpert und Lindemannh'che Schreiben fast im vollen Wortlaut, zu Nutz und Frommen aller Nebenverdienstsuchenden. Wir wollen das nicht wiederholen, sondern heute uns auf die Wiedergabe nur des Nötig- sten beschränken, die wohl genügen wird. „F. Magdalinski Nachf." sind, wie damals»Gumpert und Linde- mann",„seit Jahren die alleinigen Hersteller der sogenannten Sachets (Riechkissen)", die sie„sowohl in Deutschland als auch in großen Mengen nach dem überseeischen Ausland exportieren". Die Firma empfiehlt in dem Schreiben, diese Riechklssen anzufertigen, doch bittet sie, ihr— um sie„vor Verlusten zu schützen"— als»Gegen- w e r t für das zu übersendende Material" 2,90 Mark durch Postanweisung einzusenden oder durch Nachnahme zu entrichten. Hierfür wird»das komplette nötige Material zur Herstellung von vorerst 50»Riechkisien" gegeben.„dessen Verkaufswert nach Verarbeitung selbstverständlich mehrfach so hoch ist". Der Betrag wird„bei der ersten Verrechnung schon wieder in voller Höhe angerechnet"; nur wer die„übertragene Tätigkeit" nicht beginnt, verzichtet auf Erstattungsanspruch, da„die erste Sendung als Probesendung gilt". Die„Verdienstprämie" sei, fährt das Schreiben fort,„pro 100 Stück 3 M.". Die»Verrechnung und Auszahlung" erfolge durch die Firma direkt. Der„Verdienst von k 6 M. pro Tag" sei„nicht zu hoch gegriffen", richte sich aber nach„Fleiß und Gewandtheit". Der ganze Wortlaut dieses Angebots läßt den Schluß zu, daß es sich um Lieferung von Arbeit gegen Lohn handelt. Erst nach Entrichtung de» geforderten Betrages von 2,39 M. ersah die Frau bei Empfang des Arbeitsmaterials aus der beigefügten„Arbeits- anleitung"(die sich wiederum nahezu wörtlich mit der früher von„Gumpert u. Lindemann" versandten Anleitung deckt), daß sie selber die von ihr angefertigten Riechkissen auch verkaufen sollte. Bei Verkauf zu 10 Pfennig das Stück, wofür ihr die Kissen„von allen Drogisten, Friseuren und Seifengeschäften" ab- genommen würden, bleibe ihr„bei jedem Hundert ein Nutzen von 1 M.". So las sie es jetzt in der„Arbeitsanleitung", während ihr das erste Schreiben, wie oben angegeben,„pro 100 Stück 3 M." als „Verdienstprämie" in Aussicht stellte. Selber zu kassieren, sei sie— sagt die Anleitung noch—„nicht verpflichtet". Sie brauche an F. Magdalinski Nachfl nur die Adressen und Empfangsbestätigungen der Abnehmer zu schicken, dann werde ihr der Verdienst und weiteres Material für 109 Kissen(jetzt ohne Nachnahme) zugehen. Es ist wohl nickt nötig, daß wir diesen Erfahrungen der Neben- verdienst suchenden Frau eine Erläuterung hinzufügen. (F.isnnt gestorben ist die 66 Jahre alte Almoienempfängerin Bonden, geborene Hartmann, die für sich allein in der Rigacr Straße 86 eine Stube bewohnte. Den Hausgenossen fiel eS auf, daß die Frau schon seit mehreren Tagen nicht mehr zum Vorschein gekommen war. Als sie sich DonnerStaeabend nach ihr umsahen, fanden sie sie tot im Bette liegen. Nach dem Gutachten eines Arztes war sie schon vor mehreren Tagen gestorben. Ein bedauerlicher Unfall hat sich gestern aus der Havel bei Potsdam zugetragen. Die Frau de» Schneidermeisters Finster, die im Hanse Neue Luisenstraße 25 eine Aufwartung zu verseben hat. begab sich mit ihren beiden Töchtern auf das Grundstück, das an die Havel grenzt. Während die Frau beschäftigt war, begaben sich die Kinder aufs Eis. Die dünne Eisdecke hielt nicht stand und beide Mädchen brachen ein. Zu Hilfe kommende Arbeiter vermochten die sechsjährige Luise zum Bewußtsein zu bringen. Die jüngere Johanna konnte nicht mehr gerettet werden. Ter Mangel eines Gemcinde-FriedhofcS in Mariendorf wurde wieder einmal so recht bei der am Mittwoch stattgefundenen Beerdigung einer Genossin empfunden. Im Trauerzuge befand sich u. a. auch ein Kranz mit roter Schleife. Das war für den Totengräber ein Anlaß, dem Zuge hall zu gebieten und in barschem Tone die Entfernung der Schleife zu fordern. Als dem Ersuchen nicht sofort Folge geleistet wurde, drohte der Gestrenge, sogar mit Gewalt vorzugehen. Die Trauergesellschaft war besonnen genug, es nicht soweit kommen zu lassen. Die Tatsache jedoch, daß die Gesinnung Andersdenkender so wenig geachtet und respektiert wird, mußte auch in uns fernstehenden Kreisen Befremden erregen. Pflicht der Gemeinde ist es, durch die Errichtung eines Gemeinde-Fried- Hofes solche Vorgänge unmöglich zu machen. Zur Lebensmittelfürsorge in Spandau. Die Spandauer Stadtverordnetenversammlung beschloß am Donnerstag eine Beteiligung an der Kriegsgetreidegesellschaft mit einer Stammeinlage von 159 009 M. Die Kriegskommission hat als Vorsorge gegen eine etwaige Flcifchnot die Beschaffung von 209 000 Mark Konserven(Schweinefleisch, Rindfleisch. Gulasch) und von 150 009 M. geräucherten Speck und andere Dauerfletschware auf städtische Kosten beschlossen. Von der Errichtung einer eigenen Schlächterei soll mit Rücksicht auf die schlechten Erfahrungen, die die Stadt Berlin mit dem Selbsteinpökcln des Fleisches gemacht hat, davon Abstand genommen werden.— Stadtv. Dr. Kantorowicz wünschte noch die Auswerfung einer größeren Summe für Beschaffung von Gefrierfleisch.— Mit Rücksicht darauf, daß Spandau nur eine Freibadeanstalt aufzuweisen hat und sich im Sommer bei der Arbeiterschaft großer Mangel an Badegelegenheit geltend macht, empfahl die Badcdeputation, gemäß einem schon im Vorjahre gefaßten Stadtverordnetenbeschluß, die Pacht- bedingungen mit den Pächtern der Flußbadeanstalten in der Wröh- männerstratze dahin zu ändern, daß das Baden an drei Wochentagen 'owie Sonntag nachmittags von 4 Uhr ab ftei sein soll. Die Mehr- zahl der Stadtverordnelen stimmte jedoch dem MagistratSautrag zu, wonach die Weiterverpachtung der Badeanstalten in der Wröh- männerstraße auf ein Jahr zu den bisherigen Bedingungen erfolgt.— Eine Anfrage des sozialdemokratischen Kreiswahlvereins Potsdam- mit weißleuchtender Sichel über den Trümmern des zerschopenen Fort» de Boussois. Sein Licht ließ die Umrisse aller Gegenstände in der klaren Abendluft in merkwürdig scharfen Linien hervortreten. So auch einen Erdhügel dicht am Gehöft Beut de Bise, den die braven 30er am Tage vorher gefallenen Kameraden errichtet hatten. Ein schlichtes Holzkreuz, darauf mit einfacher Schrift die Namen. An dem Kreuz ein Helm befestigt. Auf dem Hügel zwei rote�Ge- schoßhüllcn und in ihnen von treuer Hand der letzte Gruß. Spät- sommerblumen! Hörten sie es wohl, die Helden, welche man dort zur letzten Ruhe gebettet hatte, in jener anderen Welt, wo die große Armee sich sammelt, das Brausen, welches in dieser Abendstunde mit einem Male fern von der Festung her durch die stille Luft über da» weite Schlachtfeld zog? Erst leise, wie die einsetzende Flut, dann weiter dringend, lauter anschwellend und schließlich wie die unaufhaltsame Brandung alle Dämme durchbrechend in einem ein- zigen, jauchzenden Siegcsruf? Allen, welche diesen Augenblick er- leben durften, wird das Hurra unserer Braven unvergeßlich bleiben, mit dem sie die Rückkehr des Parlamentärs aus der Festung und die endgültige Kapitulation von Maubeuge begrüßten. Atemlose, feierliche Stille herrschte rings im Kreise, als der Kommandierende General das an ihn gerichtete Schreiben des Generals Fournier verlas, welches Kapitän Grenier überreichte. Es enthielt das Einverständnis mit den ihm gestellten Bedingungen und ermächtigte den Ueberbringer, sofort wegen aller Einzelheiten in Verhandlungen zu treten. Man kann den Eindruck schwer be- schreiben, als jetzt erst die wirkliche Stärke des Gegners von 45 009 Mann bekannt wurde. Unsere braven Truppen hatten in diesen Septcmbertagen in schwierigster Lage gegen einen mehr als doppelt so starken Gegner gekämpft und den Sieg über ihn errungen. Nach kurzer Beratung des Kommandierenden Generals mit dem Chef des Generalstabs, Oberstleutnant Hesse, wurde dem Kapitän Grenier das am Nachmittage bereits aufgesetzte Protokoll der Uebergabe vorgelesen. Inzwischen war es völlig dunkel geworden. Nur im weiten Umkreise der Festung beleuchteten die noch brennenden Gebäude die Landschaft mit taghellem Schein, während sich im Westen über Mauheuge, wie von einem gewaltigen Fanal des Sieges, der Himmel rötete. Ueber das ihm vorgelegte Schreiben gebeugt, saß der Parla- mentär an einem der Tische im Garten von Vent de Bise. Beim flackernden Licht von Kerzen, welche man in leere Burgunderflaschen gesteckt hatte, las er die Bedingungen, welche noch am Abend unter- zeichnet werden sollten. Einmal schüttelte er mit wehmütigem Lächeln den Kopf. Es betraf die Stelle, an welcher stand, daß mit allem Kriegsgerät auch sämtliche Feldzeichen dem Sieger übergeben werden sollten. Befragt, ob er Zweifel habe, bejahte er dieses. Fabnen oder Standarten seien nichl mehr vorhanden. Man habe sie, entsprechend der Instruktion, vor der Uebergabe der Festung verbrannt. Nach beiderseitigem Uebereinkommen sollte am nächsten Nach- mittag der Ausmarsch der gesamten Garnison nach den für den Abtransport bestimmten Bahnstationen erfolgen. Noch während der Nacht sollten die Truppen entwaffnet sowie sämtliche Forts über- geben und von den Deutschen besetzt werden. Dieses alles bollzog sich ohne Zwischenfall. Es war am Nachmittage des 8. September um 2 Uhr, als der Kommandierende General, Exzellenz von Zwehl, mit seinem Stabe an der Porte de Möns von Maubeuge den Kommandanten der Festung. General Fournier, empfing. Dieser war begleitet von seinem Generalstabsoffizier, Hauptmann Grenier, und dem ersten Artillerieoffizier vom Platz. Nachdem der deutsche Führer dem Kommandanten in Anerkennung der tapferen Verteidigung der Stadt seinen Degen zurückgegeben hatte, begann vor den Augen Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold von Preu- tzen sowie Seiner Hobeit des Prinzen von Anhalt der Ausmarsch der Besatzung. Zu beiden Seiten der nach Jeumont fübrenden Straße waren die deutschen Truppen beider Divisioen, sowie die Mannschaften der österreichischen Motorbatterien aufgestellt. Be- zeichnend für die treue Kameradschaft mit unseren Verbündeten, welche in diesen Tagen gemeinsamer, schwerer Kämpfe bei jeder Gelegenheit hervortrat, war der laute Jubel, mit dem die Oester- reicher jetzt bei ihrem Eintreffen von unseren Leuten begrüßt wurden. Es war Wohl kein Zweifel, daß die ersten französischen Truppcnverbände, welche den Ausmarsch aus der Festung eröff- neten, von allen den besten Eindruck machten. Es schien vielmehr, daß hier eine besondere Auswahl getroffen war. Haltung, Ord- nung und Marschtempo zeigten bei diesen Leuten keine Spuren der voraufgegangenen großen Anstrengungen und Entbehrungen. Auch erschienen keineswegs, wie der Konmmandant gleichsam als Eni- schuldigung gesagt hatte, vorwiegend Leute älterer Jahrgänge, sondern junge, kräftige Gestalten, von meist gutem Wuchs. Es war den Offizieren gestattet worden, nach Belieben, ent- weder mit der Truppe zu marschieren oder Wagen zu benutzen. Von dieser Vergünstigung machten indessen fast nur die Venvun. deten Gebrauch. Die meisten blieben an der Spitze ihrer Leute und grüßten beim Vorbeimarsch den Kommandanten, der mit seinem Stabe seitwärts von den deutschen Offizieren stand, in strammer Haltung. Nachdem der Ausmarsch etwa eine Stunde gedauert hatte, änderte sich allmählich das Bild. Es traten größere Pausen ein und es erschienen meist keine einheitlichen Truppenteile. Die Leute kamen vielfach einzeln, oft auch in kleineren Trupps oder in zufällig zusammengestellten Verbänden vorüber. So bot der lange, acht Stunden dauernde Ausmarsch ein Schauspiel, wie es sich bunter und eigenartiger nicht beschreiben läßt. Es war wie ein Strom, der immer von neuem, scheinbar unaufhörlich, aus der engen Porte de Möns über die beiden Zugbrücken der alters Stadt- umwallung herausflutete und in dem nach den ersten Stunden der Einzelne gar nicht mehr auffiel. Es war nur noch das bunte Farbengemisch von Rot, Blau und Schwarz, welches in immer neuer Zusammenstellung, wie von einem Maler auf die Leinwand geworfen, an den Augen der Deutschen vorüberzog. In dieser Fülle der Eindrücke bleibt ein Bild von unvergeß- lichcr Wirkung allen denen gewiß unauslöschlich in der Erinnerung haften, welche es miterleben durften. Bereits zwei�Stunden waren die gefangenen Franzosen durch die zu beiden Seiten der Straße aufgestellten Linien unserer Truppen marschiert. Alles vollzog sich ruhig und würdig. Wenn auch unseren braven Leuten der Stolz über so ungezählte Ge- fangene aus den Augen leuchtete, sie achteten doch in dem ein- zelnen geschlagenen Franzosen immer noch den Soldaten und ent- hielten sich jedes verletzenden Ausdrucks. Da zog es mit einem Male wie lauter Unwille durch die Reihen unserer Braven. Ver- wünschungcn wurden laut und wie umgewandelt sahen sie alle mit haßerfüllten Blicken nach dem Zuge gelb gekleideter Gefangener, der sich jetzt aus dem Stadttore auf sie zubewegte. Erst jetzt erfuhr man, daß sich auch noch Engländer in der Festung befanden. Es waren etwa 129 Mann, meist Versprengte und Zurückgebliebene, welche sich seit der Schlacht bei Möns im August in Maubeuge gesammelt hatten. War diebHaltung der Franzosen ernst und misitärisch, so zeigte sich das gerade Gegenteil ber den Engländern. Im Gegensatz zu dem elastischen Schritt der ersteren, kamen sie ofme_ Ordnung, schleppenden Ganges, mit einem Ausdruck, der im höchsten Grade unvorteilhaft auffiel, laut sprechend vorüber. Wie nachher bekannt Spandau-Osthabelland ersuchte um Angabe der Gründe, warum schon lange vor Beginn des Krieges bei Plakatansckilägen über politische Versammlungen vorher die Genehmigung der Polizei- Verwaltung resp. des Magistrats nachgesuchl werden mußte. � Die Versammlung stimmte durch Kenntnisnahme dem Beschluß des 7. Ausschusses zu, wonach auch in Zukunft die Firma Stiickrath ohne polizeiliche Erlaubnis keine Plalate über polilische Versamm- lungen zum Anschlag bringen darf. ArbcitcrbildungSschulc. Heute Sonnabend, den 6. Februar. abends Uhr, beginnt der Kursu» des Genossen Eichhorn über „Die internationale Politik der letzten fünfzig Jahre." Schullokal Lindcnslraße 3, IV. Hof rechts 3 Treppen. Der Eintritlsprei» für den acht Vorträge umfassenden Kursus be- trägt 59 Pf. Tie Bibliothek ist von Uhr geöffnet. Der Ucbcrschnß von der gesanglichen Veranstaltung der Gesang- vereine„Neuerwacht" und„Fraucnchor Osten" am 13. November bei Obiglo in Höhe von 409,15 M. ist der Kindcrschutzlommission überwiesen worden. Tie Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde von einem Schulknaben im Aborlraum des Schiitzenhauses in der Naumburger Straße zu Neukölln aufgefunden. Wer ist der Tote? DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 1. Februar d. I»., nachmittags 2ffz Uhr, wurde ein unbekannier, etwa 69 Jahre alter Mann in hilflosem Zustande vor dem Hause Bernauer Str. 114 aufgefunden. Da der hinzugerufene Arzt nur allgemeine Körperschwäche festgestellt halte, wurde der Unbelannte nach dem städiiichcn Obdach in der Fröbelnraße geswoffl, woselbst er verstorben ist. Der Unbekannte ist etwa l,68 bis 1,79 Meter groß, hat magere Gestalt, dunkles, leicht graumeliertes Haar, grauen, kurzgeschnittenen Voll- und Schnurrbart, blasses, längliches Gesicht und trug dunklen Winlerüberzieher, schwarze Hose und schwarze Stiesel. Die Leiche besindet sich im Schauhause. Nachricht über die Identität erbittet der 12. Kriminalbezirk zu den Akten 296. IV. 55. 13. nach Zimmer 340 des Polizeipräsidiums; Hausanschluß 422; auch nimmt jedes Polizeirevier Mitteilungen entgegen. Gewerkschaftliches. verlin unü Umgcgcnö. Achtung, Holzarbeiter und Metallarbeiter! Der gegenwärtigen Situation entsprechend, ist die nach« folgende Vereinbarung zwischen den Berliner Vcrwaltungs- stellen des Deutschen Aletallarbeiterverbandes und des Deutschen Holzarbciterverbandes abgeschlossen: Vereinbarung. Zwischen dem Deulschen Metallarbeiterverband, Verwaltung?- stelle Berlin, und dem Deutschen Holzarbeitervcrband, Ver- waltungsstelle Berlin, wird vereinbart: 1. Daß in allen Betrieben der Metallindustrie, in denen während der Kriegszeit Milgliedcr deS Holzarbeiterverbandes als Metallarbeiter beschäftigt find, etwa ausbrechende Differenzen durch den Metallarbeiterverband erledigt werden. 2. Die Vertrauensleute des MelallarbeiterverbandeS übernehmen es, die Mitgliedsbücher der obengenannten Mitglieder des Holzarbeiterverbandes in bczug auf die Bcitragslcistung zu kon- trollieren. 3. Um die Fühlung des Holzarbeiterverbandes mit seinen in der Metallindustrie beschäftigten Mitgliedern aufrecht zu erbalten, soll der Holzarbeiterverband nach Möglichkeil vom Stattfinden von Versammlungen in den Betrieben verständigt werden, in denen Mitglieder des Holzarbeiterverbandcs während der Kriegs- dauer beschäftigt sind. 4. Diese Vereinbarung gilt zunächst für die Dauer deS Krieges und wird nach Beendigung des Krieges noch solange auf- wurde, hatten sie sich vor dem Ausmarsch über einen Teil der Branntwcinvorräte in der Festung hergemacht, der seine Wirkung nicht verfehlte. Nachdem alle schon längst vorübergezogen waren, folgte noch eine besonders eindrucksvolle Gruppe. Zwei Schotten, welche sich untergefaßt hatten, schwankten taumelnd vorüber. Plötzlich machte sich der eine von seinem Begleiter los und ver» suchte, laut rufend, einem unserer braven Westfalen die Hand zu schütteln. Dieser würdigte ihn indessen keines Blickes, sondern drehte ihm in stummer Verachtung den Rücken. Der bemerkcns- werte Vorgang fand seinen Abschluß, indem beide Schotten in nachdrücklicher Weise zu ihren Landsleuten gebracht wurden. So endete der Vorbeimarsch dieser englischen Kulturträger, und es folgten weiter in scheinbar endloser Reihe Scharen auf Scharen gefangener Franzosen. Viele Verwundete, zum Teil an Stöcken hinkend oder von Kameraden gestützt. Viele auf Wagen und kleinen zweirädrigen Karren. Jeder hatte versucht, an Lebens- Mitteln und Gepäck so viel als möglich fortzutragen, teils wurde es durch Fuhrwerk aller Art befördert. Weiter folgten in buntem Zuge, mit den Truppen gemischt, Trommler und Spielleute, Ver» pflegungsbeamtc und Ltrankenpfleger, Trainsoldatcn und Sanitäts» Mannschaften. Viele der Offiziere, welche ihre Degen»och nicht abgegeben hatten, legten sie jetzt im Vorbeigehen vor dem dcut- scheu Führer hin, zu dessen Füßen die im Laufe des Abends sich immer mehr steigende Zahl von Offizicrsdegcn, Trommeln, Trom- peten und Kriegsgerät aller Art Zeugnis ablegen konnte von dem Erfolge, der hier erkämpft war. Bot schon der Ausmarsch dieser Truppenmassen als Gesamt. eindruck ein Bild von ergreifender, unvergeßlicher Wirkung, so bildeten in diesem großen Rahmen kleinere Episoden, wie sie der Stift eines Zeichners jederzeit hätte festhalten können, unvcrgleich- lich packende Momente. Ein Wagen, hochaufgetürmt mit Gepäck, gezogen von einem Pferd, das ein Soldat führte. Auf dem Gepäck gelagert mehrere leicht verwundete Offiziere, deren Blicke un- verwandt nach der Festung gerichtet waren, als ob alles andere, die ganze Umgebung nicht für sie bestehe. Wer ihren Augen folgte, bemerkte, auf dem Wall stehend, mebrere Frauen, anscheinend Angehörige der Offiziere, welche ihnen bis an die Stadtumwallung das Geleit gegeben hatten. Immer von neuem zurückschauend und mit Tüchern winkend, erwiderten die Offiziere den Gruß der Ihrigen, bis der Wagen in der Ferne den Blicken entschwand, hin- aus in die weite, unbekannte Zukunft. Ein anderes Bild von noch tiefcrem Eindruck: Hoch auf- gerichtet im Sattel sitzend, ein Oberst an der Äpitze seines Regiments. Seine Züge tragen Spuren überstandcner Kämpfe und Entbehrungen, zeigen den ganzen Ernst der Ergebung in das unabänderliche Schicksal. Ein Offizier des Generalkommandos tritt auf ihn zu und bedeutet ihm, daß alle Offiziere fahren oder zu Fuß gehen, Pferde abgegeben werden müssen. Der Oberst reitet seitwärts heraus. Ohne seinen Ausdruck zu verändern, sitzt er ab, schnallt gelassen seine Packtaschen vom Sattel und nimmt seinen Degen. Dann sieht er noch einmal seinen Araberschimmel mit einem langen Blick an und klopft ihn auf den Hals. Zwei Freunde nehmen voneinander Abschied fürs Leben:„Es war ein treues Tier, ich habe es zugeritten und aus Afrika mitgebracht," sagte er im Weitergehen, seinen Degen abgebend. Dann folgte er, ohne sich umzusehen, seinem Regiment. So geht der Zug weiter, ziehen Hunderte, Tausende vorüber. zu Fuß, zu Wagen. Verwundete, Unverwundete, einzelne Trupps, ganze Kompagnien, Batterien. Bataillone, Regimenter in scheinbar endloser Reihe, bis erst nach 19 Uhr abends die letzten Gefangenen vorübergezogen sind, und der Schleier der Nacht sich über den be- deutsamen Tag senkt, der von nun an in unvergänglicher Er- innerung der Kriegsgeschichte angehört(W. T. L.) recht erhalten, tote die dann borliegenden Verhältnisse eZ not- wendig machen. Deutscher Holzardeiterverband Deutscher Meiallarbeiterverband Zahlstelle Berlin. Verwaltungsstelle Berlin. Th. Glocke. Wilhelm Güth. Adolf Cohen."Wilhelm Siering. Tie Berliner I-leischer im Jahre 1914. Bald nach dem Ausbruch des Krieges gab es im Fleischer- getoerbe reichlich Arbeitsgelegenheit, weil große Mengen von Fleisch- lonservcn für den Bedarf des Heeres hergestellt werden mußten. Wie der Jahresbericht der Ortsverwaltung Berlin de? Zentral- Verbandes der Fleischer sagt, wuchsen die Konservenfabriken wie Pilze aus der Erde, doch ist ein großer Teil derselben inzwischen wieder verschwunden. Infolge der Einberufung vieler Fleischer- gesellen zum Kriegsdienst, sowie wegen der starken Be- schäfligung in den Fleischkonservenfabriken, herrschte zu jener Zeit ein großer Mangel an Fleischergesellen. Viele, die früher den Meistern zu alt waren und deshalb keine Arbeit fanden, wurden gern wieder eingestellt. Eine große Anzahl von Fleischcrgeiellen, die seit 20— 2ö Jahren das Handwerk nickt mehr ausgeübt halten, kehrten wieder zu ihrem alten Beruf zurück und fanden Arbeit. Doch die Verhältnisse werden sich wieder ändern. Wenn der Krieg zu Ende ist und das Angebot von Fleischergesellen wieder steigt, werden auch die Meister wieder in ihre alten Gewohn- heilen zurückfallen und für geringen Lohn recht viel Arbeit ver- langen. � In den Konservenfabriken wurden auch viele weibliche Hilfs- lräs'.e eingestellt, von denen der Verband einen Teil als Mitglieder aufnahm, während ein anderer Teil bereits anderen Gewerkschaften angehörte. Dies trifft auch auf Fleischergesellen zu, die aus anderen Berufen zurückkehrten. Die Befürchtung, infolge des Krieges werde die Organisation sehr geschwächt werden, ist nicht eingetroffen, ein Beweis für die Festigkeit des Verbandes. Obgleich viele Vertrauensleute in den Krieg ziehen mußten, war es doch möglich, den Umsatz von Bei- tragsmarken zu halten. Die Agitation war nicht leicht, denn die erprobten Mitarbeiter fehlten. Aber auch diese Schwierigkeit wurde überwunden. Die Jahreseinnahme betrug 3t 844 M. An Unterstützungen wurden gezahlt an Arbeitslose 2363 M., an Kranke 1668 M., an Angehörige von Kriegsteilnehmern 2041 M., sonstige Unterstützungen 1304 M. Der Arbeitsnachweis des Verbandes besetzte in den ersten sieben Monaten des Jahres 360 Stellen, das sind für jeden Monat durchschnitt- lich öl. Im August waren es 179. im September 20ö, im Oktober 286. im. November 248, im Dezember 150. In dieser Steigerung spiegelt sich der lebhafte Geschäftsgang während des Krieges wieder. In dieser Zeit haben auch Meister, die sonst von dem gewerkschaft- ltchen Arbeitsnachweis nichts wissen wollen, Arbeitskräfte von dem- selben bezogen. Leider hat sich in dieser Zeit auch daS Umschauen nach Arbeit eingebürgert. In den Konservenfabriken bieten sich, trotz der Knappheit der Fleischergesellen, Arbeitskräfte oft zu recht niedrigen Löhnen an. Wie der Vorsitzende Bergmann in der am Mittwoch ab- gehaltenen Generalversammlung ausführte, sind trotz deS guten Ge- lchäfisganges gegenwärtig etwa 200 Fleischergesellen in Berlin arbeitslos, weil ein Teil der Konservenfabriken in letzter Zeit ge- schlössen wurden. Wenn es im Flcischergcwerbe eine geregelte ArbeilSvermitielung gäbe, dann würden die Arbeitslosen längst wieder untergebracht worden sein. Aber bei der Zersplitterung der Arbeitsvermittelung, die sich zum großen Teil in privaten Händen befindet und als Geschäft betrieben wird, ist es auch bet starker Nachfrage nach Arbeitskräften nicht möglich, die Arbeitslosen bald wieder in Arbeit zu bringen, weil jeder Ueberblick über den Arbeits- markt fehlt. Ter Tarif der Isolierer läuft ain 80. Juni d. I. ab und die Kündigung hätte am 1. April zu erfolgen. Eine Branchenversamm- luug beschloß, von der Kündiguug abzusehen, da die Zeit nicht für Lohnkänrpfe geeignet sei. Am 1. Januar waren 46 Isolierer im Kriege. Deutsches Nelch. Reichstarif für das Lederansrüstungsgcwcrbe. Der Beschluß des Kriegslederausrüstungsverbandes vom 17. De- zembcr 1914, wonach ab 15. Januar 1915 die auf Lederausrüstungs- gcgenstände beschäfligten Arbeiter und Arbeiterinnen nicht höher als nach dem Berliner Tarif und dein vereinbarten Kriegszuschlag ent- lohnt werden dürfen, hat unter den in Betracht kommenden Ar- beitern und Unternehmern große Beunruhigung hervorgerufen. Wurde doch durch die Verwirklichung dieses Beschlusses den bcrufs- fremden Arbeitern und Arbeiterinnen eine große Lohnminderung in Aussicht gestellt. In einer Denkschrift hat die Leitung des Sattler- und Portcfeuiller-Verbandcs dem Kriegsminisierium klargelegt, wie sich die Produktionsverhältnisse in der Lederausrüstungs-Jndustrie feit dem Kriege entwickelt haben und daß mehr als 30 000 berufs- fremde Arbeiter nicht für die Löhne arbeiten können, die für quali- fizicrte Sattler vor 3 Jahren festgelegt wurden. In dieser Denk- fchrist erklärte sich auch der Verband der Sattler und Portefeuiller einverstanden, die jetzt entstandenen Mißstände zu beseitigen. In wenigen Tagen war das Kriegsministerium bereit, zwischen genanntem Verband und dem Kriegslederausrüsiungsverbande zu vermitteln und gleichzeitig einen R e i ch s t a r i f für die Zeit nach dem Kriege zu schaffen. Schon am 26. Januar begannen die Ver- Handlungen. Es wurde in scchstägiger Verhandlung ein Reichs- tarif geschaffen, der für alle Betriebe, in denen Lederausrüstungs- gegenstände hergestellt werden, zur Durchführung gelangen muß. Die im Sattlerverbande organisierten Militärsattler haben in einer außerordentlichen Militärsattlerkonferenz am 31. Januar 1915 den Abmachungen zugestimmt. Die Militäreffektenfabrikanten halten am gleichen Tage ebenfalls eine Generalversammlung, in der sie beschlossen, den Vereinbarungen nur zuzustimmen, wenn die Regelung der Arbeitszeit bis zu 55 Stunden wöchentlich jedem Orte überlassen und wenn Mindestlöhne für Hilfsarbeiter und -arbeiterinncn nicht festgelegt und der Lrlszuschlag höchsten» 10 Prozent beträgt. Am 1. Februar kamen wiederum die beiden Parteien zu- sammen, wobei die Arbcitervertreter jede Aenderung der Verein- barungcn ablehnten. Unter Mitwirkung des Kriegsministeriums, und nachdem die Unternehmer nach langen Debatten ihre Ver- schlcchterungSanträge zurückgezogen hatten, wurde dem RcichStarif für das Lcderausriistungsgewcrbe Deutschlands einmütig zugestimmt. Für die Arbeiter bringt der Vertrag wesentliche Vorteile, wenn in Betracht gezogen wird, daß in vielen Teilen Deutschlands noch die öSlhstündigc und 60stündige Arbeitszeit bestanden hat, an deren Stelle jetzt die 53stündige kommt. Es wurden nicht selten auch in Berlin an erwachsene Arbeiterinnen Wochenlöhne von 10 M. ge- zahlt, die jetzt in Fricdenszeiten zumindest 14 M. und in Kriegs- zeite 16,10 M. betragen müssen. Auch ist der Vertrag geeignet, das Zwischcnhändlertum, das sich bei den Hecreslicferungen in ungemeiner Weise bereichert hat. auszuschalten, da nur Mitglieder des Kriegs-Lederausrüstungsver- bandcs Aufträge erhalten und diese wieder verpslichtet sind, dem Vertrag vollinhaltlich nachzukommen. Im Interesse der in Militär- effcktenbetrieben beschäftigten Arbeiter sowie der Allgemeinheit ist dieser Vertrag zu begrüßen und hoffen wir, daß er auch den indifferenten Arbeitern die Augen öffnet, wie durch die gewerk- schaftliche Organisation Lohn und Arbeitsbedingungen vorbildlich zu verbessern sind. Generalversammlung deS MetallarveiterverbandeS. Laut Bekanntmachung des Zentralvorstandes soll am 23. Juni und den folgenden Tagen eine ordentliche Generalversammlung deS Metallarbefferverbandes stattfinden. Nach dem Beschluß der letzten Generalversammlung war als Tagungsort Köln bestimmt. Der Bor- stand läßt die Generalversammlung in Berlin stattfinden wegen der zentralen Lage Berlins und weil dadurch eine Verringerung der Reisekosten erwartet wird. Der Vorstand begründet seinen Beschluß u. a. wie folgt: Wenn der Vorstand sich trotz der schweren, beinahe alle Mit- glieder mit ernster Sorge um ihre auf dem Schlachtfelde stehenden Angehörigen, Verwandten und Freunde erfüllenden Zeit zur Ein- berufung einer immerhin mit erheblichen Kosten verbundenen Generalversammlung entschlossen hat, so sind für diese Entschließung nicht nur statutarische Bestimmungen und der Beschluß der letzten Generalversammlung, sondern vor allen Dingen daS Bedürfnis des Vorstandes maßgebend, sich mit der Vertretung der Gesamt- Mitgliedschaft über die getroffenen und etwa noch zu treffenden Maßnahmen zu verständigen. Dem Vorstand erscheint es nicht zweckmäßig, der bevorstehenden Generalversammlung eine weilergehende Tätigkeit als die Beschäftigung mit der durch den Krieg geschaffenen Lage zuzumuten. Der Vorstand wird daher der Generalversammlung weder Aenderungen am Statut noch sonstige Maßnahmen vorschlagen, die eine dauernde Aenderung des durch die XI. Generalversammlung in Breslau beschlossenen Zustandes herbeiführen, sondern sich nur auf Vorschläge beschränken, die durch die Kriegszeit bedingt find und auch nur während dieser wirken sollen. �US Znöustrie und Kandel. Mehlverträge des Magistrats mit den Händlern. In einer Sitzung des Vereins Berliner Mehlhändler wurden Mitteilungen über den beabsichtigten Vertrag zwischen den städtischen Behörden und dem Vorstande des genannten Vereins gemacht. Dieser hat unter Hinzuziehung auch derjenigen Mchlhändler, die nicht dem Verein angehören, alle solche Firmen, die bisher mit den Bäckern gearbeitet haben, und auch manche nicht zu umgehende Kommissions- firmen anzugeben, die von der Kommune das Mehl fortan geliefert erhalten. Die Preise sind bis zum 10. Februar und dann wieder bis zum 20. nach den neulich mitgeteilten Vor- schlägen festgesetzt, während es noch zweifelhaft ist, ob später eine weitere Ermäßigung stattfindet. Die Händler haben beim Handel zu diesen Preisen einen Verdienst von 2 M. per Sack, müssen aber den Bäckern wie seither Kredit geben. Die Bäcker dürfen Vorrat auf eine Woche halten. Alle acht Tage haben die Händler dem Statistischen Amt ihre Verkäufe an die einzelnen Bäcker zur Kontrolle der Backlätigkeit der letzteren anzugeben. Die Garantie für die sachgemäße Handhabung des Vertrages, der erst noch vom Magistrat zu bestätigen ist, soll vom Vorstande des Vereins der Mehlhändler übernommen werden. Die russischen Finanzen und der russische Staatsrat Raffalovich. 11ns wird von unterrichteter Seite geschrieben: Aus den jüngst von der„Franks. Ztg." besprochenen Vorschlägen des russischen Finanzagenten in Paris, Staatsrat Artur Raffalovich, gehl hervor, daß dieser die russischen Finanzen äußerst pessimistisch beurteilt und eine Rettung derselben nur noch in einem englisch- französisch-russischen Kolleklivpump erblickt. Dieses Eingestäuduis ist doppelt werlvoll angesichts der offiziellen Stellung des Herrn Raffalovich und des Umstandes, daß er mit Recht als ein gründlicher Kenner der russischen Finanzen gilt. Ob der kluge und skeptischd Herr, der besser als einer weiß, daß i» Geldfragen die Gemütlichkeit aufhört, und der sich insbesondere über die Zugänglichkeit des englischen Geldbeutels gewiß keine falschen Illusionen macht, selbst an die Ausführbarkeit seines phantastischen Plaues glaubt, mag dahingestellt sein. Wer nur die jahrzehntelange eifrige und in jedem Bezug erfolgreiche publizistische Tätigkeit de» russischen Finanzagenten in Paris zugunsten der Placierung russischer Anleihen in Frankreich kennt, möchte versucht sein, sich über semen scheinbar plötzlich zutage tretenden Pessimismus zu wundern. Weniger über- rascht davon ist derjenige, der nicht nur den dem russischen Finanz- Ministerium unterstellten schriflstellernden Finanzagenten, sondern auch seine andere Hälfte, den Kapitalisten Raffalovich kennt. Nichts Gegensätzlicheres als diese beiden und nichts was besser illustriert, mit welcher„Ucberzeugung' dem französischen Publikum die russischen Finanzen in den rosigsten Farben geschildert worden sind. Während nämlich der Publizist und Finanzagent nicht müde wurde,.russische Anleihen in Frankreich zu propagiere«, hat sich der Kapitalist Raffalovich schon vor Jahren seines Besitzes an russischen Staatspapieren durch Vermitt- lung einer deutschen Bank verkaufsweise entledigt und dagegen andere, zum Teil deutsche, Papiere kaufen lassen. Trotzdem dieser Besitz— an sich erheblich— nur einen kleinen Teil seines Millionen-Bermögens darstellte, hat Herr R. ihn nicht mehr für sicher genug gehalten. Oder fühlte er sein Gewissen bedrückt, indem er so„vorzügliche" Papiere den anderen Kapitalisten, zumal denen in Frankreich, vorenthielt? Mag dem sein wie ihm wolle, Herr Raffalovich tat noch ein übriges: er verkaufte sogar russische Papiere über seinen eigenen Besitz hinaus, d. h. solche, die er gar nicht besaß in anderen Worten, er machte darin eine Blanko- spekulatton ä Icr baisse, und zwar mit gutem Erfolge. Auch dies durch Vermittlung eines deutschen Bankiers, natürlich aus Zart- gefüdl für die Franzosen. Da der Bedarf des französischen Publikums an russischen Pa- Pieren fürs erste wohl gedeckt sein dürfte, bleiben als Retter in der Not nnr noch der engliscke und der französische Finanzminister übrig. Mit der gewünschten Solidarhaft dieser Regierungen versehen, werden russische Siaaispapiere möglicherweise selbst für einen russischen Finanzageltteu wieder kaufwürdig. Minderung des Baumwollanbaus. Aus New Uork wird uns geschrieben: Von großer Tragweite für die gesamte, also auch für die deutsche Baumwollspinnerei, die mit 11 550 000 Spindeln rund 8 Proz. der Wcltprodukiion(146 370 000 Spindeln) liefert, verspricht eine Bewegung zu werden, die unter den amerikanischen Baumwollpflanzcrn rasch um sich greift. Diese wollen den Fuß- tapsen der Tabakspslanzcr folgen und nach deren Vorbild auf Grund einer zu treffenden Vereinbarung die Baumwollproduktion durch Verminderung der Anbaufläche beschränken, um bessere Preise zu erzielen. Zu diesem Zwecke wurde schon eine Reihe landwirtschaftlicher Verbände ins Leben gerufen. Bis jetzt findet der Vorschlag, die Hälfte der bisher mit Baumwolle bestellten Fläche mit anderen Wflanzen, in erster Linie mit Weizen, zu bebaue», unter den Baumwollpslanzern eine günstige Aufnahme. Bisffetztl Noch ist es zu früh, ein abschließendes Urteil über die Bewegung und ihre Aussichten zu fällen. Sollten die Baumwoll- preise in den nächsten acht Wochen eine wesentliche Steigerung erfahren, so fiele der Plan, die Anbaufläche auf Grund einer Ver- abredung zu beschränken, wenigstens teilweise ins Wasser. Dabei läßt sich aber nickt verkennen, daß ein Teil der Baum- Wollpflanzer an und für sich gncigt, ist, zum Weizenbau überzu- gehen. Das kommt auch schon dadurch zum Ausdruck, daß die mit Winterweize» bestellt« yläche tat letzte» Monat ta Dera» tun 20 Proz., in Oklahoma um 18 Proz. und ta Louisiana um 11 Proz. größer ist als im Dezember 1918. von den übrigen Baumwolle pflanzenden Staaten liegen noch kein» Zahlen angaben vor; aber auch dort will man die gleiche Tendenz wie in Oklahoma, Loui- siana und Texas beobachtet haben, kleine Nachrichten. Vom Spiel in den Tod. Durch den tragischen Tod ihrer Kinder sind drei Elternpaar« in Britz bei Angermünde in tiefe Trauer versetzt worden. Auf einem zugefrorenen Wasserloche, das früher zum Torfftechen gedient hatte. vergnügten sich am Donnertag nachmittag mehrere Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren mit Schlittschuhlaufen. Die Eisdecke war jedoch nicht stark genug und zwei Söhne eines Arbeiters Schön- feld und ein Sohn eines Rentiers Knieling brachen ein. Auf ihren Hilferuf versuchte der Sohn deS Bauunternehmers Dllnow feine Spielkameraden zu retten. Aber auch er wurde mit in die Tiefe gezogen. Als einige Steinarbeiter, die die Hilferufe gehört hatten, herbeieilten, war es schon zu spät. Die Kinder konnten nur noch als Tote geborgen werden. Der Kwileeki-Prozest. In dem feit fünfzehn Jahren schwebenden Prozeß be» Grafen K w i l e c k i ist am Freitag das Urteil deS OberlandeSgerichtS Bres- lau als Berufungsinstanz ergangen. Die Klage der Bahnwärter- frau Cäcilie Meyer, festzustellen, daß der angeblich am 27. Januar 1897 geborene Graf Stanislaus Kwilecki identisch sei mit dem von ihr am 22. Dezember 1396 geborenen unehelichen Knaben wurde mit der Begründung zurückgewiesen, daß der von der Klägerin angc- trelene Identitätsbeweis nicht gelungen sei. Erdbeben in Vorkshire. Die Londoner Abendblätter vom 2. d. M. melden an auffälliger Sielle: Aufregung und Beunruhigung herrschte gestern abend in Conisborough, Denby und High Malton in Dorkshire infolge von Stößen, die an Erdbeben erinnerten. Durch die Stöße wurden die Kohlengruben der Denby and CadSby Gesellschaft außer Betrieb gesetzt, weil die Rutichungen zu zahlreich waren. Eine Dame auS Malton wurde auf ihrem Stuhle herumgeworfen. Reifende aus England versichern, daß ein große» Gebiet in West- yorkshire von den Stößen mitgenommen sei. Eine Koch-Feier in Tokio. Aus Jrkutsk wird unter dem 25. Januar gemeldet: Die japanische Presse konstatiert mit Befriedigung, daß die traditionelle Feier des Geburtstages deS berühmten deutschen Bakterio« logen Koch durch den Krieg mit Deutichland nicht im geringsten beeinträchtigt worden sei. An der diesjährigen Feier in Tokio nahmen über 300 japanische Aerzte und Profesforen teil. Folgenschwere Kesselexplosion. Nach einer Habasmeldung ans V t g o erfolgte in einer dortigen Seidcnsabrik eine Äesselexplosion. Bisher wurden zehn Arbeiter tot a u s' d c n Trümmern g c- zogen._ Sriefkaften öer Reüaktion. Tie luristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, IT. Hof re»ts, parterre, am Montag bis- Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend don b bis 6 Uhr statt. Jeder für den S r i e f l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Äbonnementsauitiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechstunde vor. Verträge, Schriftstücke uud dcrglcichen bringe man in die Sprechstunde mit. T. 52. Sie haben für die Jahre 1913 und 1911 Kirchensteuern zu zahlen.— E. K. 78. 1. Die tatsächlich versäumte Zeit muß der Arbeit- gcber entschädigen. 2. Ja.— R. R. l t. 1. Sie erhält den Betrag un- gekürzt. 2. Vom Todestage an. 3. Die Unterstützung wird so lange weiter gezahlt, bis die Kriegsrente festgesetzt ist. Der Antrag ist beim Bezirfs- kommando zu stellen.— G. K. 157. Beiträge aus der Invaliden- Versicherung werden nicht mehr zurückgezahlt. Die Frau soll ihren Anspruch aus Witwenrente bei dem VersichcrungSaml in der Klostcrftraße ainnclöcn. Sie kann aber erst Rente beziehen, wenn sie dem Sinne des Öicsetzes nach invalide ist. Ein Ansvruch auh Sterbegeld aus der Krankenkasse besteht nicht.— A. B. 10. Wenden eie sich an die Steuerkasse.— F. G. 50. Sie müssen sich an einen Rechtsanwalt wenden.— 2(. K. 14« Wegen doppelseitiger Unterleibs brnchc nur landsturmpflichtig.— L. 30. Gegen schlechter Zähne nur landsturmpslichtig.— A. H. 38. Wiederholen Sic Ihre Beschwerde bei der Polizei.— H. P. 000. 1. Das kommt ans die Familienverhältnisse an. 2. Die für den notwendigen Gebrauch unentdebr- lichcn Sache». 3. Nein. 4. Ja.— B. G. 10. Wenn Ihnen der Ausenthält der Frau nicht bekannt ist, müssen Sie durch das Gerichts eine öficnlliche Aussorderung erwirken lassen.— B. C. Nach Ihrer näheren Mitteilung scheinen Sie aus jedem Wilitürverhältnis ausgeschieden zu sein: immerhin müssen Sie, wenn Sie eine Gcstellungsordcr erhalten, dieser Folge leisten.— L. 45. Die Fragebogen müssen bis spätestens 5. Februar beim Magistrat oder Polizeirevier abgegeben werden.— 31. St, l7. Eine Einziehung ist möglich.— Sch. 302. 1. und 2. Ja.— 21. W. 3. 1. Ja. 2. Die Verwendung bis in die Front ist möglich.— 3t. S. 37. Sie müssen sich ein Armenattest besorgen und beim Landgericht die Bestellung eines Armenanwalts beantragen.— Oranienburg. Die Mitglieder haben kein klagbares Recht ans Unterstützung. Die Gcwerkschaslsvcrbänbe haben jetzt vielfach beichlofsen, die Krankcnuntcrstützung auszuheben.— X!. 100. 1. Ja. 2. Der Ünsall hat mit der Invalidität nichts zu tun. Die Frau soll Antrag aus Unsallrente stellen.— 3t. I. 100. Soweit aus Ihrem Schreiben ersichtlich ist, handelt es sich um eine Pension. Dic von Ihnen angezogene Bctanntmachnng bezieht sich nicht daraus.— F. H. T. 13. Dic Frau erhält 1 M. pro Tag und das Kind 50 Pf. kktmtlicker Marktbericht der städtiichen Markiballen-Dircklion über den Großhandel in den Zentral-Marklballen.(Ohne Verbindlichleit.) Freitag, den 5. Februar. Fleisch: Rmdsieisch per 59 kg, Ochien- fteisch la 80-90, do. IIa 73-79, do. lila 69-72; Bullenfleisch la 78—83, do. IIa 69—77; Kühe, seit 63—68, do. mager 53—59, do. dänische 50—55; Fresser 56— 70, Fresser, däniiche. 50— 62, Lullen, dänische, 54— 66; Kalbfleisch, Doppellender 125— 135; Masttälber la 90—105, do. IIa 65—88; Kälber gcr. gen. 45-55. Hammeisicisch: Masllämmer 90—96; Hammel la 85—90, do. IIa 78—84; Schafe 81—85. Schweinefleisch: Schweine sctte 95— 106, sonstige 90—94, dän. sauen 72—76.— G e m ü I e, inländisches: Kartoftetn, Daberiche 50 kg 0.00; weiße Kaiseikronen 0,00; Magnurn bonum 0,00; Wöstmann 0,00— 0,00; Porree, Schock 0,50—1,00; Sellerie, Schock 4,00—7,00; Spinat 50 kg 15,00— 28,00; Mohrrüben 4,00— 5,00; Wirsingkohl Schock 6,00—11,00; Wirsingkohl 50 kg 7,00—8,00; Weißkohl Schock 5,00—11,00, Weißkohl 50 kg 7,50—8,00; Rotkohl, Schock 5,00— 11.00; Rolkohl 50 kg 6,50 bis 7,00; Grünkohl 50 kg 8,00—12,00; Kohlrüben 50 kg 4,50—7,00; Tcltowcr Rüben 50 kg 12,00— 16,00, Märkiiche Rüben 50 kg 4,00—12,00; Rosenkohl 50 kg 20,00—30,00, Meerrettich Schock 6,00—14,00; Pclcrsilienwurzel Schockbund 4,00—6,00; Zwiebel» 50 kg 14,50—15,00, Rhabarber, Hamburger, Bd. 0,12—0,15. Apfelsinen: italicnilche 50 kg 7.d(i Frank erzielte gegen 6d!töti7ä Frank im Jahre 1ö1!j, also im Berichtsjahre»in 88 98!) Frank weniger. Dabei wnrde ein Ueberschuß von ik77 205 Frank erzielt über die Sprozentige Verzinsung der Anteilscheine mit 28 908 Frank und 413 2S7 Frank Vetriebökosten hiNaüS. Vokkk Ueberschuß werden 169 244 Frank dem Amortisativnskonto, 89 999 Frank dem Reservekonto, 19 999 Frank dem Dispositionsfonds zu- geschrieben und 17 969 Frank aus neue Rechnung vorgetragen. Tie Genossenschasr hat in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens 359 999 Frank erspart. Ter Kriegsausbruch bat die beabsichtigte Erwerbung von Mühlen in der Westschweiz uno im Kanton Tessin vorläufig vereitelt. Gegenwärtig sind der Genossenschaftsmühle 89 Koiisumgenoffenschafteü und die Genossenschaitsbäckerei„Union" in Bern mit insgesamt 569 999 Frant Anteilscheinkapital ange- schlössen. Ter allgemeine Geschäftsbericht äußert sich befriedigt über den Verkehr mit dem Bund als GetreideLkkmittler, klagt da» gegen über die Störungen der Getrerdezuiuhr durch das Ausland, io daß die Mühle eine Zeitlang stillstehen mußte, woher auch der Rückgang des Umsatzes rührt. Die Weizenpreiserhöhung wird auf die ungünstig beurteilte Ernte Argentiniens zurückgeführt. Ferner soll England die Getreideausfuhr seiner Kolonien nach dein euro- päischen Kontinent verboten haben, so daß die Schweiz mit ihrer Getreideversorgung vorläufig ausschließlich auf Amerika ange» wiesen ist. In der Xaeht vom 1. uom i Februar, wenige Monate mtcb dem Tage unserer silberueu Hochzeit, verschied in- koigo eines plötzlichen heftigen Sohlagan falls meine nn- xergcßliohe. bis zu ihrer letzten Lebens stunde unermüdlich opkerwiHige Arbeits- und Lebensgefährtin Frau Paula SCllippel xed. oppermann. Dem Wunscho der Heuugegaugenen entsprechend, hat am Freitag die Beerdigung ohne Voranzeige in schlichtester Stille auf dem Zcntralfriedhof in Friedrichs- fclde stattgelnnden. Tief erschüttert teilt dies, nur hierdurch, mit Max Schippel. | ßentseher Hetallarbeiler-Yerbaii!!| Verwaltungsetelle Berlin. g Den Kollegen zur Nachricht | tag unser Mitglied, der Gürtler Kßsx Faller j am o. Februar gestorben ist. Die Beerdigung findet Heule s Sonnabend, den 6. Februar, nachmittags 3'l, Ubr, von der Leichenballe des Elisabeth-Kirch- hoies in der Prinzenallee aus slalt. IM/18 Den Kollegen ferner zur Nach« Acht, daß unser Mitglied, der Bohrer Heritisim Trogisch am 2. Februar gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 6. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Andreas- Kirchhofs in Wilhelmsberg, Hohen- Schönhausen aus statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwarlet Die Ortsverwaltung. Dentseber TransportaFbeileF-YErhaad. BczirKSverwaltung Groll-Berlin. De» Mitgliedern zur Nach- richt. dag unser Kollege, der Spedllionslutscher Milkvim Klitz von der Firma Knops u. Gehrke, AaUertorilr. 42, am 8. Februar im Alter von iü Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung hndet am Sonnabend, den 6. h MtS., nach mittags 3 Uhr, von der Leichen Halle des Neuköllner Gemeinde Friedhoses, Mariendorser Weg, aus statt. 79/17 Die Bezlrksvsrwaltung. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Oeorg Borchert j cm 3. Februar dS. IS. ver \ starb tn ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beetdigung findet am J Sonnabend, den 6. Februar, nach- I mittags 21/3 Uhr, von der Leichen- 1 valle des Luisen-Kixchhpses, Her- g mannstraße, aus statt. Tie Bezirksverwaltnng. \ öeütssbep HolzarbeiteFfeFhaii Zahlstelle Berlin. | Deti Mitgliedern zur'Nachricht, i da) unser Kollege, der Bergolder 1 Lssn EaPrivistraße 18 lim Alter vo» 44 Jahren ge- I starben ist. Ehre seinem Andenken! S Die Beerdigung findet nm 5 Sonntag, den 7. Februar, nach- i miltazs 3 Ubr. von der Halle \ öeo Friedhofes der greiiclchip'cii | Gemeinde, Pappelallee lo— 17, 8 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht SoziaiileniokraliscbeFWahiyeFelii Alt-Glienieke. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Anna Maaß im Altzr von 51 Jahren ver- starben ist. 199/3 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigmtg findet am Sonntag, den 7. Februar, nach- mittags 39« Uhr, von der Leichen- halle aus statt. Rege Beteiligung erwarlet Der Borstand. ÜÄbeF ßauaFbeileFveFbanii. Zw clgvcrein Berlin. Bezirk Süden. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. Februar unser Mit- glied, der Hilfsarbeiter Wilhelm Kette! verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beeidigung iindet heuie Sonnabend, den 9. Februar, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Halle des Zenirac Friedhofe«, Friedrich s- selde, aus statt. Bezirk Nordost. Zerner starb am 3. Februar das Mitzlied, der Maurer Wilhelm KuschKe. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Zonnabend, den 6. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des St.-Gevrgen-Kirchhoses in Weißensee, Rölckestraße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 145/17 Vor- Vorstnndi. Svezialist, gcfuifil; mir durchaus ersahrener. Schriftliche Dtterimi mit Gebalisiviiichen an B«nteviile>. HeUicckostr. t. nart, 11,10 Tüchtiger Waschillellschlöffer foiort verlangl.»olohioesle. Zg. 11.42 Sciireibmasckine n- üepsrsteure, einige gm emvf'ohleue, für dauernde Arbeit Mchen sofort «chälkoi- che<71»«!««. Berlin HV. 8. Leipziger Str. Ig. Lie'eraut an Militärbevörden.« VenMilungssiLlIa Telephon: Ami Norden 185, 1239. 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Zonntag, den 7. Februar 1915, vormittags 10 Uhr: Fortsetzung der Branshen- Versammlung der Eisen, Metall- u. Revolverdreher sowie Rnndschleiser in Lbiglos �estsäleu(früher Keller), gr. Zaal, Koppenstr. 29. tf&r- Lhne Mitgliedsbuch kein Antritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 131/19___ Ple Ortavemaltang. Bäckerei-Genossenschaft Berlin. Eingetragene Genoi'ev'chatt mit de- schräntter Hoitb'licht. Urbanfw. 79a. Am Sonntag, den 14. Febrnar |g|5. nachmittags 4 Uvr, iindei bei Müller. Neukölln, Zietenfir. 29, unsere ordentliche General-Yersaminlang statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und deS Ausfichlsrates. 2. Diskufsion und Beschlußfassung über die Bilanz. S. Statutenänderung. 4. Erfahwahl für die Vorstands- und Aufiichlsratsmitglieder. ö.(sefchästliches Bei- Vui-stsnck. 197,45 Richard Linder. Wilhelm Rodenw aid. kleisedkollserven-ksbrill ksss Kv! derber ZtrulZs 30. Der Tag des Arbeitsbeginns wird für unstr Personal am Mittwoch, den 19. d. Mts., an dieser Stelle bekannt gegeben. 11/11 I. A.: Der Betriebsleiter. Tanksagung. Für die vielen BeWeife herzlicher Teilnahme und die Äranz'penden de! der Beerdigung meine-, liebenMannes und guten Vaters lagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 13öA Die trauernde Witwe E, Jagsch nebst Tochter. Sbandau, Teegeselder Str. 19. Tauksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnah me und die vielen Kranz- spende» bei der Beerdigung meines geliebten Mannes sowie meines lieben Kindes jage ich hierdurch allen Freunbeu und Bekannten, beionders dem Redner Schütte für die traft--( reichen Worte am-sarge der beiden Entschlafenen. der Direttion der � Schullheiß-Brauerei, Abi. II,'owie, dem Personal der Abt. Is, serner! deor Dahlverein Neukölln, dem Ver- j band der Mühlen- und Brauerei- 1 arbeuer meinen herzlichsten Dank. Cteiwsi'Iisvlisnsliims. Dritter Wahlkreis: fiehtbildervortrag n. komisehe Vorträge im großen Saal. Sonnabend, v. Februar, abends: Bocilliiel'AnsM, Groster Posten Steirische Pute Rehrückeu Hasenrücken Poularde Kälber u. Hammel a Portion 80 Pf. Sonntagabend: Großer Posten HälbeF, Schweine, Ganse nnil M o Portion 80 Pf. Sonntag, den 7. Februar: Mittag a Gedeck I M. Ochsenichwanzsuppe Bouillon mit Einlage Lachs mit Butter Majonaife von Krabben Kalbsrücken nnt Edelgemufe Ochsenkamm in Rotwein Gänsebraten Rekkeule Kalbskrieandeau Präger Schinken Kompott oder Salat Sveste oder Käse ässrnm Verkäufe. Fn Freien Stunden. Wochen. ''christ kür das arbeitende Volk. Romane und Erzählungen. Abonnements, wöchenllich 19 Pf., nehme» alle Ans« gabestellen des.Vorwärts" entgegen Probeheite gratis." LLenlg getragene, aus vornehmen, Häufern stammende, fast neue Ulster. Winkerpaletols. Jackettanzüge, Rolf- anzöge. Beinkleider. Iovveit.(Geh- rockanzüge auch leihweise', Damen- Neider verlaust billig Weiß. Blücher- straße 97 I. Nähe Jobannistiich." Witwe Hanft und Kind. Tanksagung. Für die u elen Beweist herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unieres lieben Vaters ivrechen wir hierdurch unteren herzlichsten Dank auS. SchUacniann 10315 Max Schönemann mid Frau. Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin. C 51, Sovtiteristr. 6. Einladung zu der am Montag, den 15. Fe- binar 1015. ahends 6 Uhr, im GewerkichaftÄhaufe lSaal o) Berlin, Engelufer 15, stattiindenden aufierordentlichen Ansschutz- Sitzung der Bertrerer der Arbeitgeber und der Kafirnmitgiieder. Tagesordnung: 1. Wabl eines Auefchußvorfihenden. 2. Beichlußia'iimg über den Ankauf eines Grundstücks und Bebauung des- wichen zu Venvaliungszweckeii'owie Bewilligung der hierzu erforderl'chen Milte!. 3. Wahl der Vertreter des Ausschusses auf Grund des§ 79 der ttafiensatzung. 10276 Berlin, den 8. Februar 1915. Ter Vorstand der Ortskrankeukaffe für daS Maurergewerbe zu Berlin. A. Taehuc. R. Freund. Vorfitzender. Schriftführer. Heines Werke . z Lände i lHort• Buchhandlung vorwärts Sonntag »2—2 geöffnet. Speziatitfit: Weite GröBen. Bedeutend herabgesetzte Preise! Ulster MiM Plüsch- Spe prachtvolle, aus echten, om..mäntel, in feinstem füau, regulär gediog. 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Nach Ausbruch des Krieges hatte der Kaffeehausbesitzer ihn ohne Einhaltung einer Kündi- gungsfrist entlassen, weil das Publikum des betreffenden Kaffeehauses einem russischen Musiker nicht zuhören wollte. In der Nichtzahlung für die Kündigungsfrist erblickten wir einen Vertragsbruch. Es hätte Zahlung erfolgen müssen, weil der Krieg im Gegensatz zu der Auffassung des Landgerichts keineswegs die privaten Rechte der in Deutschland lebenden Ausländer schmälere. Diesen Standpunkt, betonten wir, habe auch das Reichsgericht wiederholt und mit Recht betont. Jetzt liegt das Urteil des Reichsgerichts in der ersten der- artigen Sache im Druck vor. Es datiert vom 26. Oktober und betrifft eine Patentstreitsache zwischen einem Deutschen und einem in Paris wohnhaften Franzosen, der Inhaber eines deutschen Patents ist. Das Reichsgericht vertritt den Grund- satz, daß sich der Krieg nur gegen die feindlichen Staaten und deren bewaffnete Macht richtet, und daß des- halb der deutschen Nechtsanschauung der Gedanke wirt- schaftlicher'Schädigung der Angehörigen feindlicher Staaten um jeden Preis, auch in deren privatrechtlichen Angelegenheiten, völlig fern liegt. Das Gericht führt aus: Tis Frage, ob dem Beklagten als Angebörigen eines mit uns im Kriegs befindlichen Staates gemäß Artikel 4 des llnionsver- träges zum Schutze des gewerblichen Eigentums vom 20. März 1883 (Pariser Konvention) die Priorität nach Maßgabe der Anmeldung seines französischen Patents zuzuerkennen sei, ist zu bejahen. Wenn es auch richtig sein mag, daß die völkerrechtliche Verbindlichkeit des Abkommens denjenigen Staaten gegenüber, mit denen wir uns im Kriege befinden, durch den Ausbruch des Krieges ohne Ivcitcres aufhört, so tritt hierdurch noch nicht der Inhalt der Kon- vention, solvcit er zum Bestandteil unseres bürgerlichen Rechts geworden ist, bezüglich der Angehörigen der uns feindlichen Staaten außer Kraft. Tie internationale Verbindlichkeit und die inner- staatliche Wirksamkeit sind nicht unbedingt voneinander abhängig. Beide stehen und fallen miteinander nur bei solchen Verträgen, deren Ausführung mit den Zwecken der Kriegsführung unvereinbar wäre. Davon kann aber, wenigstens vom Standpunkte des Deutschen Rechts aus, bei einem sich lediglich auf Privatrecht bc- ziehenden Abkommen, wie dem Unionsvertrage, keine Rede sein. Dein deutschen Völkerrecht liegt die Anschauungsweise gewisser nu-?läildischcr Rechte fern, daß der Krieg unter möglichster wirt- schaftlicher Schädigung der Angehörigen feindlicher Staate» zu führen ist und daß dieselben daher im weiten Umfange der Wohl- taten des gemeinen bürgerlichen Rechts zu berauben sind', vielmehr gilt der Grundsatz, daß der Krieg nur gegen den feindlichen Staat als solchen und gegen dessen bewaffnete Macht geführt wird, und daß die Angehörigen der feindlichen Staaten in bezug auf daS bürgerliche Recht in demselben Maße den Inländern gleichgestellt sind, wie dies vor dem Kriege der Fall tvar, d. h., soiveit nicht gesetzliche Ausnahmen bestehen, in allen Beziehungen. Selbstver- ständlich schließt dieser Grundsatz nicht aus, daß, insbesondere nach dem Rechte der Vergeltung, durch ein besonderes Gesetz eine andere Behandlung feindlicher Auslander vorgeschrieben wird, wie dies ja auch im gegenwärtigen Kriege mehrfach geschehen ist. Ein solches Gesetz ist aber für den gewerblichen Rechtsschutz bisher nicht ergangen. Solange dies nicht geschehen ist, hat der deutsche Richter die Bestimmungen der Pariser Konvention nach wie vor anzu- wenden. Es ist keineswegs zu vermuten, daß die gesetzgebenden Faktoren Deutschlands stillschivcigend die Bestimmungen der Kon- vention bezüglich der Angehörigen der feindlichen Staaten außer Kraft setzen wollen. Wenn man sich aber auch auf den Standpunkt stellen wollte, die Pariser Konvention sei mit Ausbruch des Krieges auch als Rcichsgefetz, soweit sie die Angehörigen der uns feind- liehen Staaten betrifft, automatisch erledigt, so würde dies doch für den gegenwärtigen Rechtsstreit unerheblich sein. Denn nach deutschem Staatsrecht bewirkt die Außerkraftsetzung eines Ge- sctzcs im Zweifel niemals die Aufhebung bereits erworbener Rechte. Die ökonomische und politische Entwickelung hat zu der Anerkennung geführt, daß auch un Kriege die Rechte der Angehörigen des gegnerischen Staates Rechte sind, deren Bruch mit der Kultur unvereinbar sind. Im Kriege 1870/71 löste die Ausweisung der Deutschen aus Paris die lebhafteste Entrüstung der gesamten Kulturwelt aus. In dem jetzt tosenden Weltkrieg haben Russen, Engländer und Franzosen Maßregeln getroffen, die weit über jenen französisch-bonapar- tistischen Bruch mit der auch im Kriege hochzuhaltenden Ge- sittung hinausgehen. Trift die deutsche Regierung hiergegen Vergeltungsmaßregeln, so ist das eine Kriegsmaßnahme des Staates. Diese berechtigt aber keineswegs den einzelnen Bürger, die Rechte des in Deutschland lebenden Ausländers zu kränken. Es ist erfreulich, daß das Reichsgericht sich gegen diese zivilrechtliche Auffassung mit Entschiedenheit ge- wendet hat._ Kriegsüberarbcit. Zwischen einem Lagerarbeiter und der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie waren Streitigkeiten über die Kündigungsfrist entstanden. Der am 12. Januar plötzlich ent- lasseneKlägerbehauptete: ursprünglich bestand Kündigungsausschluß. Als kurz nach Beginn des Krieges sich die Arbeit häufte, sollten die Lagerarbeiter täglich zwei Stunden ohne Vergütung länger arbeiten. Sie lourdcn bei ihrem Abteilungsleiter vor- stellig, erzielten zwar keine Lohnaufbesserung entsprechend ihrer Mehrleistung, erhielten aber die Zusicherung, daß ihnen als Wochenlöhncrn nur mit vierzehntägiger Frist gekündigt werden würde. Auf diese Zusage konnte sich in der gestern vor dem Gcwerbegericht stattgefundenen Verhandlung der Abteilungsleiter nicht mehr besinnen. Zwei Zeugen bestätigten sie jedoch. Demgemäß wurde die beklagte Firma verurteilt, die ge- forderten 02 M. für zwei Wochen zu zahlen. Auffallend war in her Verhandlung, daß der Vertreter der Beklagten von der Summe 20 M. in Abzug bringen wollte, die der Kläger als Unterstützung erhalten hatte, wäh- rend er auf kurze Zeit zum Militär eingezogen war. Tie mit Kriegsaufträgen reichlich versorgte Firma zahlt demnach Wohl Unterstützungen aus, läßt dafür aber ihre sämtlichen Ange- stellten täglich ohne Bezahlung eine erhebliche Zeit länger arbeiten._ Gerichtszeitung. Ein Kriegsschwindlcr. Ohne Erfolg versuchte gestern ein wegen mehrerer Fälle von Betrug angeklagter Ingenieur L o d r z, seine Schwindeleien durch unkontrollierbare Angaben über schlechte Behandlung, die ihm in Rußland zuteil geworden sei, in inilderem Lichte erscheinen zu lassen. Der Angeklagte, ein schweizerischer Staatsangchörrger, war nach seiner Angabe bis kurz vor Ausbruch des Krieges in Odessa bei einer Bleibergwerksfirma in Stellung. Nach seiner nicht zu kontrollierenden Behauptung mutzte er diese Stellung verlassen, da er nur der deutschen Sprache mächtig war und überall als Deut- scher angesehen wurde. Bei der Feststellung seiner Personalien seien ihm, wie V. weiter behauptet, seine gesamten Ersparnisse in Höhe von 8000 Rubeln von den russischen Behörden abgenommen worden. Er selbst habe dann 18 Tage in einem Viehwagen fahren und viele Tage nur von schwarzem Tee leben müssen, von dem er unterwegs zwei Pfund zufällig erwerben konnte. Wie die Berbandlung ergab, war der Angeklagte tatsächlich völlig mittellos nach Berlin gekommen. Da er von seiner in der Schweiz wohnhaften Schwester die erbetenen Geldmittel nicht er- hielt, suchte er sich dadurch über Wasser zu halten, daß er die ver- schiedenen christlichen Vereinigungen aufsuchte und mildtätige Leute zu der Hergabe kleiner Darlehen unter der falschen Vorspicgrlunsi vcranlaßte, er sei bei der Firma Erich u. Grätz oder Auer mit einem Gehalt von 200 Mark in Stellung, loelches er am nächsten Monatsersten zum ersten Male erhalte. Zu den Geschädigten ge- hört auch eine Jimmervermieterin. die er unter gleichen Borspicge- jungen um ein Darlehen von 8,50 M. betrogen hatte. Das Urteil lautete, da es sich bei den Geschädigten um Leute bandelte, die in der jetzigen schweren Zeit selbst nicht viel übrig haben, auf S Monate Gefängnis. Beschränkung der Verteidigung. In bemerkenswerter Weise wendete sich am Tonnerstag das Reichsgericht gegen die Ablehnung, einen in England lebenden Zeugen zu laden. Die Görlitzer Strafkammer hatte den Techniker Hänsch zu 2 Monaten Gefängnis wegen Urkundenfälschung verurteilt. Es hatte auf Grund des Gutachtens eines Schreibsachverständigen an- genommen, Hänsch habe eine mit«I. A. Peterson in London" unterzeichnete Eingabe widerrechtlich selbst geschrieben. Ten An- trag deS Angeklagten, die Verhandlung zu vertagen und den in London lebenden Peterson als Zeugen zu laden, hat das Gerich: abgelehnt mit der Begründung, daß ivegcn des bestehenden Kriegs- zustandes der betreffende Zeuge nicht zu erreichen fei. Gegen dir Ablehnung dieses Antrages wandte sich der Angeklagte in seinec Revision mit Erfolg. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, indem es zur Bc- grüudung etwa folgendes ausführte: Ter Angeklagte wollte mit seinem Antrag auf Ladung und Vernehmung des Zeugen P. den Beweis erbringen, daß nicht er, sondern dieser P. das Schreiben verfaßt hat. Tiefer Beweis aber durfte dem Angeklagten incht für ein und alle Male ohne weiteres abgeschnitten werden, daß das Gericht sagt, der Zeuge P. sei wegen des zwischen Teutschland und England bestehenden Kriegszustandes nicht zu erlangen. Das Ge- richt sprach damit also nur von einem zeitweiligen, aber nicht an- dauernden Hindernis, das der Ladung dc? Zeugen P. entgegenstehe. Denn daß der Zeuge P. überhaupt nicht existiert oder nicht zu ermitteln ist, sage das Urteil nicht. Es sei also doch nicht aus- geschloffen, daß eine Vernehmung des Zeugen P. zu einem anderen Beweisergcbnis und zur Freisprechung des Angeklagten führen könnte. Dem Angeklagten könne aber nicht zugemutet werden, daß er sich einer Strafe unterwirft, die sich in einem späteren Wieder- aufnahmeverfahren, in dem dann der Zeuge P. vernommen werden müßte, als zu Unrecht ausgesprochen sich ergibt, noch zumal da der Angeklagte bis dahin die Strafe vielleicht verbüßt hat. Untreue. Veruntreuungen städtischer Gelder führten gestern den Ma- gistratsburcauassistcnten Olelohr unter der Anklage deS Amts- Verbrechens vor das Schwurgericht des Landgerichts I. Tor beim Berliner Magistrat angestellte Angeklagte war in der Steuer- Verwaltung beschäftigt und hatte eine Zeitlang die Tätigkeit eines Kassierers auszuüben. In dieser Eigenschaft hat er in mehreren Fällen Gelder im Gesamtbeträge von über 3000 M. unterschlagen geeignet hatte, dazu benutzt, um seiner Wettluft auf den Llcnu- bahnen zu fröhnen. Das Olcricht verurteilte ihn zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten auf die Unter- suchungshaft.__ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 7. Februar, vorm. 3 Uhr, Vappel-Allce 15-17; Neukölln,.Jdealpassage': � Tegel, Balmhoi- siraffe 15, und Ober-Schöncweide, Klaraslr. 2: Freireligiöse Vorlegung. — Vormittags 11 Uhr. Kleine Franksurter Str. 0: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:„Gott, rieb Keller*.— Damen und Herren als Gäste willkommen._______ parteiveranftaltungen. Teltow. Sonntag, den 7. Februar, nachmittags V.ll Uhr, findet im Lokal des Genossen W. Bonow eine Mitgliederversaminlrnig statt. Bortrag des Genossen Zubcil. Die sür Sonnabend angesagte Versammlung s ii.lt aus. Jugenöveranftaltungen. Neukölln. Morgen Sonntag, pünktlich 5 Uhr, beginnt das Fest des . 1 u rd.. i � c\j„ r*- f,_ v s«» ry..,, s fi.»k» /i rt»•»» /> kh? f,».» in Programm solgt Tanz(srei). Eintrittspreis: Jugendliche 10 Ps., Er- wachsene 20 Pj. Billetts sind noch in den Heimen Fuldastrahe 55,56 uns Nogatstratzc 15. sowie auch„och abends bei Bartsch, Hermannsttaße 4ll ( F e st I o k a I), erhältlich._______ Eingegangene Drucksthristen. Der Krieg eine Notwendigkeit für Deutschlands Wcltstellung. Von Bros. Dr. Backhaus. 60 Pf.— Allgemeine Dieustpflichl. Die natürliche Folge der allgemeinen Wehrpflicht. Von L. Vorchardt. 50 Pf. K. CurtiuS, Berlin IV 35. Durstige Heckenrole» am Meer. Gedichte von Marie Vacrting. 57 S. Ncuf! u. Pollack, Berlin. Monatshefte für den»aturwiffenfchaftlichen Unterrichts aller Tchulgatluiigcn. 8. Band. 1. Heft. Herausgegeben von B.«chmid. Jährlich 12 Heile 14 M.— B. G. Teubner, Leipzig. Drauf! Gedichte. 31 Seiten.— Maair u. Plank, Berlin X 4. Ludwig Richter. Abreißkalender Ivl,?. 1,50 M. E>. 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