Ar. 42,- 32. Jahrg. RbonticmcntS'Bcdingungcn: H1- aitncmcnti• Breis Scaaumcrmti#: SSierteljöfirL a.30 Mk, monatt. Llü wöchcnliim£5 Big- srci in« Hau». Einzelne i�T-nmu'c ö igrs- Somtlagi« tiummcr mit illustrierter Sorattag?« Beilage»Die Neue Welt' 10 B'«r. Best- AdonnemeM: 1.10 Mark vro Monat. Ei ngctragert m die Post- ZeitmtgZ- Breesliiie. UniN Kreuzband für DciltlÄand lind Oejlerreich< Ungarn £»>0 Mar!, füc das Übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Posta�onnement« nebrnen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Li>geuib>!rg. Borvtgal. aunnaiiiCw Schweden und die Schircij. kNchtiltt IsgNch. Vevlinev Volksblatt. ( 5 Pfennig) Bic Tnfertions-- Gebühr beträgt für die sechsgeivalrene Koloiiel. zeilc oder deren Rannt 00 Pia., t'ii politische und geivcrkschaftliche Lereins. intd ZZersltntatluiigs.Zl.tzeigen SO P>'g. „Klein; Hnzeigen". das fcttgedrucklc Wort 20 Pfg. i zulässig 2 sevgcdrtnkte Wortei, jedes weitere Wort"ld Pag. Eiellengentche und Schlafstellenatt. zeigen das erste Wert 10 Pfg.. jed-s weitere Worts Pfg. Worte über\',»«:,> flabctt zäbleit für zwei Worte. Iniereie fite dtc nächste Nituime: müssen diu k» Uhr nachtniiiagu in der Erpeoitian abgegeben werden. Die Exveditio» ist bis 7 Uyr abends geöffnet. Telegramm- Oldrcsse: „?»?is!licmolirsl lli.'llll". Zcntmlorgim der forialdemokrati leben parte» Deutfchlands. Reüaktion: SA). v8, Livöenftraße Z. Kennsprecher t Amt Moritzplat-, Nr. 131 9S— 1»l. 37. Donnerstag, den 11. Februar 1913. Expedition: EW. dL, Lindcnstraßc Z. Kerusprechcr: Amt MoLttzPlntz, Nr. 13» 39—17»'?7. Die Kriegsziele der Zarenregierung. Westlicher Kriegsschauplatz. Das englische Unterhaus über üie Kriegs- rüftungen. I'ondo»,!). Februar. Im Uulcrbause eröffnete der Unter- staatüsekretär des Kriege.; die Debatte über den Hceresetar uitd er- örterte den liberlegenen Lharalicr des englischen Flugzeuges, das zweimal solange au-Sljalte wie andere Arten. Er besprach ferner den guten lÄciundheilözusiano der englischen Armee und den Ge- fechrswerl der Truppen. Die AZerbung schreite befriedigend fort. Der UnterstaatSsekretär machte jedoch leine Mitteilungen über die Slärle und(Äruppierung dcc Sircilkrästc. da der Feind dringend wünsche, solche Ausschlüsse zu erhalten. Er wolle leine Andeutung über die Dauer deS Krieges machen, wolle aber sagen, das; teiuer mutlos sei und daß es niemand gebe, der nicht überzeugt sei. daß schließlich die Verbündeten die Fricdensbedingungen vorschreiben wurden. Die Anstrengungen der Aalion seien ihrer Vergangenheit würdig. Die tapferen Taten des Heeres ständen aus gleicher Stufe mir den Talen, die jemals die Armee vollführt bave. Äaltcr Eong wiederholte die Versicheruitg, daß die Opposition die Zlegicrung ltnrcrslüycn werde. Gestlicher Kriegsschauplatz. Die rusfischen Militärkritiker über die Lage in polen. Petersburg, 10. Februar.«T. ll.J. Tie MUitdiiritifci: der Petersburger Presse betrachten die durch die neue deutsche Tsscnsivc geschasscnc Lage d.nrchaus ernst und nicht in zu optimistischer Weise., So schreibt der„Rußlajc Slow o":„E;* latut angesichts der gewaltigen Vorbereitungen des Feindes kaum noch daran gc- .Iwciselt werden, daß Herr von H i n d c n b u r g bereits jetzt eine E n t s ch c t d u n g zu erzwingen beabsichtigt und nicht cesr int Frühjahr, wie man bisher allgemein annahm. Tic Gründe, die ihn dazu bewogen haben, sind vielleicht nicht nur militärischer Natur, Teutschland hat cbcnsogroßcs Interesse an ciitcr schnellen Beendigung des Kriege» wie seine Gegner, vielleicht sogar noch größeres. Tie Lösung der Ötonomischeit und sinanziellen Probleme, die eine sorl- dauernde Verlängerung der Feindseligkeiten in sich birgt, wird unseren Gegnern heute leichter fallen als in drei Monaten, leichter als in eittcin halben Fahr. Dazu kommt, daß die strategische Lage des deutschen HcercS aus beiden Kriegsschanplätzen nicht ungünstig genannt werden kann. Warum also sollen die Deutschen bis zum Frühjahr warten, wenn sie sich bereit» jetzt stark genug fühlen?" Tie„N o w o j c W r c m j a" setzt ihr unerschütterliches Ver- trauen aus die Stärke der russischen Berteidigungsstcllungcir. Das Blatt schreibt:„Ter Krieg von 1011 hat es verstanden, Hindernisse zu schaffen, die selbst den mutigsten Truppen unübcrwindbar sind. Wenn wir noch diesen Ansturm aushalten, so werden die Deutschen sicherlich, gerade wie in Frankreich, zur Defensive überzugehen gc- zwuugen seilt. In Anbetracht der enormen Artillerie mengen, die die Deutschen konzentriert haben, ist allerdings vorauszusehen, daß wir kein leichtes Spiel haben werden und sicherlich alle Kräfte bis aus den letzten Mann werden einsetzen müssen. An der festen Mauer unserer Truppen werden jedoch alle Anstrengungen der Deutschen scheitern." Tic„Welscher na Wrcmja" rät dem russischen General- stab zu einer möglichsten Beschleunigung der Operationen in Oft- Preußen. Das Blatt führt aus:„Wenn es uns gelingt, in Ost- Preußen ein gutes etnck vorwärts zu kommen, so muß dieser Erfolg unbedingt Einfluß aus die Offensive der Deutschen in Mittelpolen haben, selbst wenn die Besetzung ostpreußischer Gebictsstriche nur sekundäre strategische Bedeutung hat. Es wäre sehr ratsam, diese Bewegung unseres rechten Flügels möglichst schnell ausführen zu lassen, sonst konnte der umgekehrte Fall eintreten, und wir würden durch ein Vorwärtsdringen des deutschen Zentrums un» gezwungen sehen, unseren rechten Flügel freiwillig zurückzunehmen." Eine Auslage des Petersburger„Kurjer" ist beschlagnahmt worden, weil das Blatt in seinem Gutachten über die Lage eine siegreiche Offensive der Deutschen in Erwägung zog und die Folgen einer eventuellen Räumung Warschaus durch die Russen besprach. vom österreichisch-russischen Kriegsschauplatz. Oesterreichs Vormarsch gegen ezernowitz. Budapest, ig. Februar.(20. T. B.i Nichtamtlich. Der „Pest er Lloyd" meldet aus Burdujeni: Unter dem unbeschreib- lichen Jubel der Bevölkerung sind gestern unsere Boriruppen m,d Die Meldung des Großen Hauptquartiers A in kl i ch. Großes Houpkquarkier, den 10. Februar.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von kleineren Erfolgen, die unsere Truppen in den Argonnen, am Westabhang der Vogescn bei Ban-dc-Sapt und im Hirzbacher Walde erreichten, ist nichts zu melden. OestlicHer Kriegsschauplatz. Die vereinzelten Gefechte an der ostprcußi- s6)en Grenze entwickelten sich hier und da zu Kampshandlungen von größerem Umfang. Ihr Verlauf ist überall normal. In Polen rechts und links der Weichsel sind keine Veränderungen eingetreten. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 10. Febriinr.(W. T. B.) Amtlich ivird ver- lantbnrt:>0. Februar 10IÖ, mittags. Tic allgcmeiiic Lage in Polen und W c st g a l i z i c n ist unverändert. Tic.Nömpse in de» M a r p a t h c« dauern au. Tic Bukowina ist bis zur Euczawa vom Feinde a e s ä n b e r t, der stellenweise fluchtartig zurück weicht. Mit unbeschreiblicher Freude begrüßt die Bevölkerung unsere vorrückendeu Truppen. Ter Etellvertrctcr des Cliess des Generalstabes. von H u c f c r, Ffeldmarschallmtiiaiit. Honvcdhusaren in Suczatva eingezogen. Die Stadt trug Flaggen- schmuck. Um 2 Uhr erfolgte der Einzug der Nachtruppen. Die Sol- baten wurden aus der Straße von der Bevölkerung umarmt und geküßt. Die Russen haben sich vollständig gegen Ezernowitz zurück- gezogen. In Radaup ließen sie 200 mohammedanische Soldaten zurück, in Hatna 00 Tscherlessen. Die Städte Äimpolung, Gura- humore und Suesava sind in unserem festen Besitz. Nachmittags hier au-Z Ezernowitz eingetroffene Personen berichien, daß sich der russische Gouverneur Ewreiuow gestern samt seinem Stabe und der ganzen Garnison nach Nowosielitza zurückgezogen hat. Unsere Truppen marschieren gegen Ezernowitz. Der Seekrieg. Vermehrung der englischen Marine- Mannschaften. London, 1V. Februar.(W. T. B.) Ein am 8. Februar veröffentlichtes parlamentarisches Whitepaper fordert eine Ver» mehrung der Mariucmannschastcii um 82 000 Mann. Die falsche§lagge der„Lusttania". London, 10. Februar.(SB. T. B.) Tie„ M o r u i u g- p o st" meldet aus Washington: Tas Staatsdepartement hat die Beratung über die deutsche Papierblockade und die Per- Wendung der amerikanischen Flagge durch die„Lusitania" begonnen. Letztere Frage dürfte viel Erregung verursachen. Die Verwaltung erwartet, daß sie antienglische Reden im Kongresse und Angriffe aus England in der deutschfreundlichen Presse zur Folge haben wird. Der amtliche Bericht über den Fall der„Lusitania" steht noch aus. Es wurde keine Entscheidung über einen eventuellen Protest gefällt. Amerika und der Handelskrieg. Slmstcrdaui» 10. Februar 1915.(P r i v a t t c l e- gram in des„V ö r w ä r t»".) Der Washingtoner.Korrespondent der„Stow Aorker Tribüne" meldet: Das Auswärtige Slint empfing einen Bericht, wonach Deutschland und Oester- reick' auch einen Protest Amerikas gegen die deutsche See- erklärung nicht berücksichtigen würden, da ja die Bereinigten Staaten auch nicht protestierten, als England die Rordsee als Kriegsgebict erklärte.—• Ter.Korrespondent vernimmt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten meine, Deutschland könne icdes Gebiet als Kricgsgebiet erklären, solange es die Rechte der neutralen Estaatcn dadurch nicht antaste. Russische MinisterreScn. In der Duma, deren Jnsammcntritt bereils kurz gc- meldet wurde, haben der russische Ministerpräsident und der Minister des Aeußeren ausführlich die militärische nud diplo- inatischc Lage besprochen, lieber den Verlaus der Sitzung berichtet Wolsss Telegraphen-Bureau: Petersburg, 10. Februar.(W. T. B.) Duma.(Ausführ- lichee Bericht.) Ter Präsident der Duma Rodziauto er- tlärte zu Sliisang seiner Rede, daß Rußland, welches sich beim Aus- rns des Zaren mit Millionen von Bajonetten bewaffnete, nach sechs Kriegsmonaten immer noch ausrecht, stark und unerschüttert dastehe, beseelt von einem einzigen und ungeteilten Willen. Rußland mache die Absichten und Slustrengungen eines mächtigen, zähen und verschlagenen Feindes zuschanden. Gleich dem Felsen int brüllenden Meer, sa balle die russische Armee stand, während die tapfere Flotte ohne Aushebens au dem großen Werk der Verteidigung des Vaterlandes tätig sei. Ter Präsident sagte: Gott hat unser Gc- schlecht zum Zeugen des größten Wclttampses.machen wollen zwischen zwei entgegengesetzten Grundsätzen, dem des Friedens der Volker und des Rechtes ans der einen Seile und dem des gierige nMititarismusunddergrobcn Gewalt aus der anderen Seite. Rußland hat diesen Krieg nicht gewollt und niclit gesucht, aber nachdem der Kamps nun einmal eingesetzt liai, sollen die Feinde wissen, daß wir vor keinem Opfer zurückschrecken. Wir stehen nicht allein in dein großen Kampfe. Serbien und Montenegro kämpfen mit uns und geben uns einen Beweis fiir den Triumph des Geistes über die große Kraft. lBeisall.) Das tapfere belgische Volk trat als eksies tu den Kamps ein, indem es sich nicht um den Ruin kümmerte und nnerhörtc Leiden ansbiell. Belgien setzt den Kampf auch hnile noch fort. Die Duma grüßt bc- geistert den Gesandten Belgiens, unseren treuen und erproltzen Freund, das große Frankreich, das von neuem gegen seinen Er-'- seind kämpft und eine bewunderungswürdige Tapferkeit ze!g>. Ruhm den Helden und Ruhm unseren treuen Freunden! lBeisall.) In diesem Ringen beanchten wir.' starke und leäslige' Verbündete, und in der Tat kämpft das edle und mächtige England für die gc- rechte Sache, iiiebhaste Huldigungen für den englischen Bot- schaster.) Der Präsident hob dann herbor, daß alle Bemübungen der Feinde, die dabin gingen, Zwietracht zwischen den Verbündelen zu säen, ohne Erfolg blieben. Der Horizont des Dreiverbandes sei rein und wolkenlos. Tic Duma entbiete ihren Gruß den Bol- schastcrn Frankreichs und Englands. Auch das japanische Volk, ein Volk von Recht und Gerechtigkeit, kämpfe mit Rußland zusammen. (Beifall zu Ehren des japanischen Botschafters.) Der Präsident der Duma betonte dann, daß das russische Volk in dem gegenwärtigen Kriege einen Prozeß durchmache, wie ihn die Weltgeichichte noch nicht kenne. Ter weise Erlaß des Kaisers habe sein Volk von einem Ilebcl geheilt, das seine Kraft untergrub, und es auf den Weg erleuchteter Mäßigung geführt. Ter Präsident schloß seine Siede mit den Worten: Dieser Krieg mutz ein siegreicher sein. (Lebhafter Beifall.> Wir werden kämpfen, bis die Feinde die Friedensbedingungen annehmen, die wir ihnen diktiere« weeden.-- Tie gesamte Duma bereitete daraus dem Präsidenten Rodzianko eine begeisterte Huldigung. Darauf ergriff Ministerpräsident Goremykin das Wort und sagte: Jetzt, da sich der glückliche Ausgang des Krieges immer klarer abzeichnet, fern sich der tiefe Glaube des russischen Volkes an den schließlichen Triumph in Sicherheit um. (Rufe: Es lebe unser Heer!) Der heroische Stolz Rußlands ick allen Verlusten zum Trotz so stark wie niemals bisher. Seine Macht nimmt immerfort zu. Die Taten unserer Truppen und die wen- vollen Dienste unserer Verbüiideieu, die große Slnstreiigungrn machen, um den Feind niederzuschlagen, der schon schwächer wird, bringen uns jeden Tag dem ersehnten Ziele näher. Tie feste Ein- tracht aller Siussen, die der Krieg hervorrief, ist nach der Eroberung von Galizieit, welche» die letzte B.l.nte ist, die an der Krone de» Zaren gefehlt ha b c, stärker geworden.(Bei- falLi Sticht weniger erbaulich ist die brüderliche Annäherung zwischen dem r n s s i s ch e n und po l n i s ch e n Ä o l k e, welches obne Murren die Prüfungen erträgt, die ihm auferlegt sind. Gleichzeitig wird die SluziehuugSkraft der slawischen Stämme unter- einander immer stärker. Seit dem Tage, au dem ich zum letzten Male zu Ihnen gesprochen habe, bat sich vor allem das große Er- eignis vollzogen, daß die Türkei aus die Seite unserer Feinde getreten ist. Aber ihr Widerstand ist schon von den ruhmreichen kautajisttien Truppen gebrochen worden und die glänzende Zukunft Slutzlands am Schwarzen Meere vor den Mauern von Aonstn>>- tinoprl tritt mit immer mehr zunehmender Klarheit zutage. Ter sind. Sie, die Sie von ihren heimatlichen Gegenden hierher ge- kommen sind, wissen, wie wenig der Krieg das innere Wirtichafts- leben lllußlands beeinstußt hat. Unser russischer Bauer hat noch nicht seine ganze Kraft entwickelt und gewisse Zweige des nationalen Leben» sind dank des Alkoholvervots gekräftigt worden. Tiefet Krieg bat auch die Frage der Unabhängigkeit unserer Industrie v o m Joch der Deutschen aufgcworfc n. (Beifall.) Dann bestieg Minister des Aeußeren Ssasonow die Rednertribüne. Er erinnerte zu Anfang seiner Rede daran, wie er noch vor sechs Monaten von derselben Tribüne dargelegt habe, warum Rußland angesichts des groben Anschlags Teutschlands und Oester reich- Ungarns aut die Unabhängigkeit Serbiens und Belgiens keinen anderen Entschluß fassen konnte, als den zur Per- imdiMlig Tc? mtpcu-iJieTlen Rechtes zu schreiten. Rußland habe sich in ocwundcruugKwürdiHer und einmütiger!tLelse"in seinem Anüurni gegen den sseind geeinigt, der es beravsgefordert habe. Rnßland sei Nicht uUeiu qebtieben, sondern sei unlierzügtich von Frankreich uiiö England unterstützt worden, zu denen bald Japan trat. Tie standbaficn russischen Truppen, fulsr Ssasonow fort, rcich- ten dcil Bcrbüudcicn die Hand und fügte» ibrcr Nubnrcstrone neue Lorbeeren hinzu. Tic rnssischeu Heere marschieren fest ans ihr Ziel zu und sicher!, den glücklichen Augenblick de-> schließlichen Triumphes über den Feind, der sich einen leichten Sieg vortäuscht und ver- ziveiselte Anstreiigiliigen macht, der ans alle Mittel zurückgreift, selbst auf das der Verfälichnng der Wahrbsit.?a die deutschen und östercichisch- ungarischeil Urheber dieses in so leichtsinniger Weise entfachten Brandes sich rechtfertige» ivollen, so bmuhen sie sich, ibre Länder und das Ausland zu belügen, ilidcni sie beteuern, daß sie zum Kriege gezwungen wurden. Es ist unnütz, das alre Lied zu wiederholen, daß Eduard VII. versucht habe, Deutschland durch Feinde einzutreizcn, denn die Welt tennt die Friedensliebe dieses weisen Herrschers, der den tollen Ehrgeiz der Berliner Politiker tonnte, und verstand, daß einzig die Annäherung der Mächte mit getnernsamen Interessen Europa das sichere politische Gleickigewicht verschaffen konnte. Auch hatten die Ententen, welche, von König Eduard abgeschlossen oder vorbereitet wurdeii, einen rein defensiven Ehgrakter. Ganz anders war die H a l t u n g der Deutschen in den letzten Jahren, ganz besonders gegenüber Rußland, während Rußland den jahrhundertalten Ueberlieferuiigen guter Rachbar- fchaft. die es»tit Deutschland ehrlich unterhielt, treu blieb. Teutschland stellte sich Rußland überall entgegen und suchte gegen unser Land die Rachborn aufzubringen, besonders diejenigen, mit denen Rußland durch wichtige Interessen verbunden ist. so die stau» dinavischeu Länder, wo Teutschland Mißtrauen gegen Rußland säcte, so G a l i z i e n, wo deutsches Geld die ukrainische 23 e- wegung schuf, so R u m ä u i e n, wo die Deutschen das Bewußt- sein der Gemeinsamkeit der rumänischen und russischen Interessen !U verdunkeln suchten, so schließlich die Türkei, wo die deutschen Intrigen ebenso stark zunähmen wie ihr Besitz. Tie Deutschen laben das Uebereinkommcn von Potsdam und die Versprechen ge- brachen, die sie Rußland gegeben hatten. Sic haben versucht, die engliscki-russischen Interessen zu kompronüttiere». Die gleichen Intrigen zettelten sie in China und Japan an. Glücklicherweise, ohne Erfolg davon, zu haben. Minister des Aeußeril Ssasonow fuhr fori: Ties alles ge- nügt, um den Wert der deutswe» Äehauptungeli zu beurteilen, saß sie von den Mächten des Dreiverbandes eingekreist worden seien. Ten gleichen Lßcrt besitzen die Bchanpmngen. daß nicht Teutschland den Krieg angefangen habe; denn unwiderlegbare Dokumente beweisen öoS Gegenteil. Hu den mißgünstigen Erfindungen der Deutschen gehören die Gerüchte über Juden- pogrovlS, welche die russischen Truppen angestiftet haben sollen. Ich ergreife die Gelegenheit, von der Tribüne des Parlaments herab kategorisch die Verleumdung zu dementieren; denn ivenn die jüdische Bevölkerung am Kriegsschauplätze gelitten hat, so ist dieser Uebelstand nickt zu verhindern, denn die Bewohner der scind- lichcu Gegenden haben immer zu leiden. Im übrigen erklären Augenzeugen einsnmuüg, daß die größten Verwüstungen in Polen das Werk der Desterrcicher und der Deutschen sind, l!) Der deutsche lSotschaster in Washliigton war eifrig bemüht, solche Gerüchte auszustreuen und in den Vereinigten Staaten eine uns feindlich gesinnte Stimmung zu schaffen, aber der gcsliilde Men- ichenverstand der Amerikaner bewahrte sie davor, in die grobgcstellte Falle zu gehen. Ich hone, daß die guten ruisisch-ameritanischen Beziehungen nickt durch die Umtriebe der Deutschen leiden werden. Der Minister fuhr dann fort, indem er auf die Versuche der Deutschen hinwies, Awietracht unter den Verbündeten zu säen und Gerüchte zu verbreiten, wonach einer der Verbündeten bereit sei. » inen Sonderfrieden abzuschließen. Glücklichenveise scheiterten diese Versuche kläglich. Die Welt weiß, daß die Einigkeit der Verbündeten unerschütterlich iit und täglich icster wird. Sie zielt allein aur die Zerstörung der militärischen Macht des Feindes ab, um eine Lage in Europa zu schaffen, die ihm gestattet, sich eines festen Friedens zu erfreuen. Zu diesem Werk trägt jeder der Verbündeten sein Teil bei, indem sie sich gegenseitig energisch -Utterstützen. Die Verbündeten bähen die Anstrengungen Rußlands Souzundert, das unzählige Bataillons in den Kampf mit den vor- erwähnten drei Reichel! auf einer ungeheuren Front entsandte. Unsererseits schätzen wir ungeheuer die beispiellose Tapferkeit der Verbündeten. Wir geben uns vollkommen Rechenschast von ihrer Unterstützung zu Laude und zu Wasser ab. Ick erwähne noch Belgien, das heldenhafte, dessen Taten und Leiden ihm un- sl erblichen Ruhm eintrugen. Ich benutze auch die Gelegenheit, in- mitten der Vertreter des Landes unseren Verbünderen den herz- lichen Dank für ihre tätige Hilfe auszusprechen. Unser enges Bündnis hat noch eine andere wichtige Bedeutung und hat sich neu- lich erweitert durch die Nachricht der finanziellen und wirtschaftlichen Entente, deren Bedeutung in der Er- süllung unserer komplizierten Probleme Ihnen nicht entgehen wird. Es geht aus dieser Entente Rußlands mit seinen Verbündeten bcr- vor, daß sie den Kampf mit Teutschland in dem dcftnitwcn Eni- schluß weiterführen, ihn zu einem guten Enbe zu bringen. Der Minister Ssasonoiv sagte weiter: Das kürzlich verösfent- lichte Srangebuch zeigte, daß die Ereignisse am Bosporus, die dem Eingreifen der Türkei in den Krieg unmittelbar vorangingen, das Ergebnis deutscher Hinterlist gegen das Ottomanische Reich waren. Dieses hatte die deutschen Initrüktoren unter General Sanders in der Hoffnung eingeladen, die Ausbildung der Armee zu per- voltkommnen und so seine Unabhängigkeit gegen die russische Ge- fahr, die ihm von Berlin ans vorgetäuscht tourde, zu sichern. Teutschland benutzte indessen dieses Eindringen seiner Bcauf- iragten in die türkische Armee dazu, um ans dieser ein Werkzeug zur Verwirklichung seiner politischen Pläne zu machen. Alle Hand- klingen der Türkei seit dem Erscheinen der..Goeben" in den Dar- danällen geschahen unter dem Drucke Teutschlands, aber die Be- mühungeu der Türkei, die Verantwortung dafür �abzulehneii, tcmmitcn ihren Sturz in den Abgrund nicht mehr, dem ue unrettbar zutrieb. Tie Ereignisse an der russssch-türti scheu Grenze, durch die sich die russischen Waffen neuen Ruhm erworben haben, werden Rußland der Lösung der politischen und wirtschaftlichen Probleme näher bringen, die sich an sein Strebe»»ach einem Ausgang zum freien Meere knüpfen. � Der Minister ging zu der der Duma vorliegenden Sammlung von Schriftstücken üver. die sich aus die Reformen in Ar- menieu beziehen, und sagte: Tie russische Regierung war»n- cigerutützig bemüht, das Los der Armenier zu erleichtern, und das russisch- türkische Einvernehmen vom 26. Januar 1914 ist ein geschichtlicher Akt,, in welchem die Türkei die ganz besonders Rolle Rußlands in der armenischen Frage anerkennt. Aach der Be- < ndigung des.idrieges wird diese Sonderstellung Rußlands von der Regierung in einem für das armenische Volk günstigen Sinne zum Ausdrucke gebracht tocrden. Ilnscr Eintreten für Serbien, das Rußland Ebre gebracht hat, geschah unter der machtvollen Wirkung uusercr Gefühle für die vcrschwisterte Nation, deren Seelengröße im gegenmärtigcn Kriege die enge Verbindung der beiden Länder herbeigeführt hat. Der Minister erwähnte mit Gefühlen der�Be- tciedigung, daß auch Montenegro für die gemeinsame Sache kämpfe. Er ging ditnu aus Griechenland über und sagte: Die Beziehungen Rußlands zu diesem erprobten Freunde Serbiens sind von vollendeter ldcrzlickkcit. Die Bestrebungen des grie- cht scheu Volkes, die Dualen derjenigen seiner Religion». genossen, die unter türkischem Joche seufzen, zu beenden, finden bei der Kaiserlichen Regierung volle Zustimmung. Aus R u m ä n i e n übergehend, sagte Ssasonow: Die r u s s i s ch- r um ä n i s ch e n Beziehungen sind von d a n e r h a s t e r S t e t i g le i t. Ter Minister wies auf die russe>ureundlichen Kundgebungen hin, die. unausgesetzt während des ganzen Herbstes in Bukarest und im ganzen Lande anhielten und die seindselige Gesinnung der Rumänen gegen Cestcrreich-IIngarn deutlich zum Ausdruck brachten. Ter Minister fuhr fort: Sie erwarten gewiß, daß ich nun ganz besonders über die Haltung derjenigen am Kriege nicht beteiligten Länder spreche, denen ihr eigener Vorteil ge- bietet, jtch der Sache Rußlands und jeurer Verbündeten anzu-.j schließen. In der Tat hat sich die öffentliche Meinuitg dieser Staaten, die für die Verwirklichung der nationalen Ideale lebhaft empfindet» länesst in diesem Sinne ausgesprochen. Sie werden jedoch begreifen, baß ich airs diese Frage nicht näher eingehe, da ja die Regierungen dieser.Länder, mit denen wir in freundschaftlichen Beziehungen iind, noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt haben. Nun» es ist ibre Sache, diese Beschlüsse zu süssen; denn sie allein werden ihren Völkern verantwortlich sein, wenn sie sich die günstige Gelegenheit zur Verwirklichung der nationalen Bestrebnn- gen entgehen lassen. Ich will mit besonderer Tantbarteit der Dienste gedenken, die Italien und Spanien uns erwiesen haben, indem sie den cchntz unserer Bolksgeiiosscn in den seind- lichen Läitdcrn übernahmen, und höbe auck die gute Behandlung hervor, die Schweden den heimreisenden russischen Opfern deutscher Gewalttätigkeit angedeiheu ließ. Hiervon erhoffe ick; mir gut« freundnachl'artlche Veziehuugcu zwischen Rußland und«chwede», die wir noch herzlicher ausgestalten mschtcn. Nun ginft iier Minister auf das VerliältitiZ zwischen Rußland und Persien über und sagte: Vor dem Kriege mit der Türkei war es uns gelungen, den johrhunderte alten türkisch-persischen Streit durch die Abgrenzimg des Gebietes vom Perfischen Golfe bis zum Ararat-Gebixge zu beende». Dadurch hoben wir Pcrsien den umstrittene» Landstrich von beinahe lausend Ouadrat- werf», der zum Teile von den Türken besetzt war, erhaltet!. Seit dem Ausbruch des Krieges hat Persien sich als neutral erklärt, was aber Deutschland, Oesterreich. II ngani und die Türkei nicht gehin- dcrt hat, dort eine Werbetätigkeit zu entfalten, mn Persien für sich zu gewinnen. Diese Umtriebe waren besonders stark in Afsec- b e i d s ch a u, wo es den Türtcn gelungen ist, einen Teil der das Land bewohnenden Kurden mit sich zu reißen. Unter Verletzung der persischen Neutralität überschritten sodann die oSmanischeu Truppen die Grenze Persiens, drangen, voll kurdischen Banden unterstützt, in die Gegenden ein, in denen unsere Besatzungen üaitdcn. und machten Asserbeidschan auf diese Weite zu einem Teile des russisch-türkisckscn Kriegsschauplatzes. Bei dieser Gelegenheit will ich sagen, daß die Anwesenheit unserer Truppe» iu Persien keineswegs eine Verletzung der Neutralität war; deiiu sie waren schon vor mehreren Jahren dorthin gesandt worden, um die Ord- niltlg in den uns benachbarten Gevicten ansrechtzucrhalten und ein Eindringen der Türken zu verhindern, die sich dort eine vorteilhafte Basis für ihr Vordringen in den Kaukasus schaffen wollten. Die persische Regierung war nicht imstande, wirksam einzuschreiten und erhob erfolglos Einspruch. Ich muß hier feststellen, daß das cuglisch-rus fische Verhältnis in is a ch e n Persiens mehr als je auf dem rückhaltlosen Vertrauen beider Teile und ihrer gegenseitigen Unterstützung bcrubt. was selbst für den Fall eitler Meinungsverschiedenheit eine friedliche Lösung vcr. bürgt. Ans die Dinge im äußersten Osten übergebend, sagte Ssasonow: Die Abmachungen mit Japan in den Jahren 1997 und 1919 haben im jetzigen Kriege ihre Früchte getragen; dcnit Japan ist mit uns. Es bat die Deutschen vom stillen Ozean vertrieben und sich ihres Stützpunktes Kiaulschou bemächtigt. Japan bat das Uebereinkoinmen vom 23.'August nicht unterzeichnet, weil der Ver- trag des ciiglisch-japailischc» Bündnisses die Verpflichtung schon einschließt, keinen Sonderfrieden zu machen. Tie deutsche Regie- rung darf also nicht aus cineu Frieden mit Japan Vossen, bevor sie mit England und folglich auch mit Rußland und Frankreich Frieden geschlossen hat. Unsere Beziehungen zu Japan geben uns die isicherheit, daß die Forderungen Japans an Ehina nichts cnt- halten, was unseren Interessen widerspräche. Was das Verhältnis Rußlands zu China anlangt, kann ich eine ständige Besserung feststellen. Die Unterhandlirngcu über die Mongolei werden lang- sam, aber in freimdschaftlichent Tone fortgesübrt. Ich hoffe, Ihnen nächstens ihre glückliche Beendigung und die Unterzeichnung eines dreifachen r u s s i s ch- ch i N e s i s ch- m o n a o l i s ch e n Ver- t r a g e s mitteilen zu können, der die russischen Interessen wahrt, ohne Ehina zu nahe zu treten. Zum Schlüsse drückte Ssasonow den Wunsch aus, daß der enge Zusammenschluß aller Russen um den Zarenthron, wie er sich zu Beginn des Krieges offenbarte, bis zur Volleuduitg des großen nationalen Werkes unveränderlich an- dauern möge. Nach der Rede Ssasonows, dem die Versammlung in dem Augenblicke, da er sich ans seinen Platz begab, eine stürmische Beifallskundgebung bereitete, gab eine Reihe üon Rednern Erklärungen ab im Namen der Bauern, der orthadoren Geist- lichkeit, der Polen, der Armenier, der Eslhen, der Juden, der Letten und der Muselmanen aus der Provinz Kasan, die einstimmig anerkannten, daß sich alle im gegenwärtigen Augen- blicke in dein einzigen Gedanken vereinen müßten, olle Anstrengungen zn machen, um die Macht Deutschlands, die Rnst- land bedroht, zu zerschmettern und kein Opfer zu scheuen, da» diesem Ziele näberbringt. M i l j u k o w erklärte im Nennen der parlamentarischen Fraktion der Kadetten: Durch den Weltkrieg sind zur Stunde die Reihen der Armee längst mit den Reihen der Bürgerschaft verschmolzen. Die Armee ist zur Nation gcivordcn. Im Angesichte der Gefahr entstand die Einheit der Nation, die begriffen hat, daß dieser Krieg ihre eigene Sache ist. Alle Völker haben eben ihre vater- ländische Begeisterung dargetan. Die Duma bat soeben niii Genugtuung die Rede des Ministers des Auswärtigen zur Kenntnis genommen. Wir sind überzeugt, daß für die Erfüllung unserer Hauptaufgabe, die Erwerbung der Meerengen und Konstantinopels, rechtzeitig die nötigen diplomatischen und militärischen Sicherbeitcn gestellt werden werden. sLanganbaltender Beifall.) Rußland hat volles Vertrauen zn seinen Verbündeten. Der Redner erinnerte an den Beistand Frankreichs und Englands, hob den Heldemnut Belgiens hervor und erklärte, daß das Manifest deS Generalissimus das russische Volk in seinen heiligsten Ideen ergriffen habe. Das zaristische Rußland als Hort des Rechts und des Friedens zn bezeichnen, wie dies der Tumapräsident tut. dazu gehört eine— Kaltblütigkeit, die wirklich erstaunlich ist. Aber ivichtiger als dieser schlechte Witz ist das, was Herr G o r e m l) k i n der Welt mitgeteilt hat. Zum erstenmal ist ganz offiziell von der russischen Regierung offen das Ziel des Krieges proklamiert worden, llnd dieses Ziel heißt: Eroberung Galiziens und Erobern imi v o n Konstantinope l. Ter„slampf für Recht und Freiheit" erweist sich alio als ein nackter Raubkrieg zur Durchsetzung bestimmter Macht- und wirtschaftlicher Interessen. G a- m z i e n, die„letzte Perle", braucht der Zarismus, um Polen unter sein Joch zn zwingen und das Erwachen der Ukrainer zu nationaler Selbständigkeit zu verhindern. Und die Er- oberung Konstantinopels, die Umwandlung des Schwarzen Meeres in einen russischen Binnensee, soll Rußland den lang- ersehnten Ausgang zur See verschaffen, den cS so lange vergeblich angestrebt hat. Die russischen Minister haben es sehr citig gelwbt, der Wlllt ihre Rechnung zu präsentieren. Aber wir denken, daß ihr sicheres Auftreten niemanden darüber täuschen kann, daß diese Rechnung ohne den Wirt gemacht worden ist. Die Neutralen unö öer öeutfih-englifihe Handelskrieg. Kopenhagen, Ii). Februar.(333. T. B.) Die drei nordischen Reiche haben beschlossen, ihre in Malmö begonneneu gemein- fchaftlichcn Verhandlungen fortzusetzen und über die Frage der deutscheu Nordsee sperrung sowie der englischen Erklärung zu beraten, die es zuläßt und billigt, daß die englischen Handelsschiffe sich einer neutralen Flagge bedienen, sowie auch über die Frage der treibenden Minen in den nordischen Gewästern. Tie Zeit für die neue Zusammenkunft ist noch nicht bekannt. Kopenhagen, 19. Feöinmr. i st o r i s ch c 22. Januar In Riga nicht ganz ruhig verlaufen. Nachts wurden revolutionäre Aufrufe verbreitet und rote Fahnen wurden entrollt. Troß großer Arbeits- lofigkeit erschienen Hunderte von Arbeitern nicht in den Fabriken. Leistungen öer Schweizer Post für Sie deutschen Kriegsgefangenen in Zrankreich. Bern, 9. Februar. Die Schweizer P o st vermittelte vom September bis Ende Januar an die deutschen Kriegs- gefangenen in Frankreich 86 991 Postauweisungen im Betrage von 1 618 781 Frank, ferner 109 905 Pakete und 6 050 5.9 Briefe und Karten vollständig taxfrei. ßranzöstfche Truppen nach Marokko unterwegs. Paris, 10. Februar.(T. U.) Wie erst jetzt bekannt wird, ist Anfang des MonolS Februar ein ganzes kriegsstarkes Kolonial- Infanterie-Negiment von Marseille nach Marokko verschifft worden. Diese an und für sich bereits bedenkliche Tatsache macht infolge ihrer Verheimlichung einen um so unangenehmeren Eindruck. ES liegen fast überhaupt keine direkten französischen Nachrichten mehr über die Zustände in Marokko vor. Die Regierung bestreitet in einer ber Presse übermittelten Note, daß Fez von den Aufständischen er- stürmt worden sei. Kriegsbekanntmachungen. Tie Portofreiheit der �cldpostscndnugen. Zeitungsfendungen an Angehörige des Feldbeer e S müssen vielfach bei den Ausgabcpostanstalten von der Be- sördcrung ausgeschlossen werden, weil sie schwerer als 50 Gramm. aber nicht frankiert sind. Ist außerdem der Absender auf ihnen nicht angegeben, so werden die Sendungen unanbrinigich. Empfänger und Absender wundern sich dann, wo die Sendungen verblieben sind und schieben den nach ihrer Ansicht eingetretenen Verlust der Feldpost� zur Last. DaS Publikum wird de'sbalb im eigensten Jnieresse ersucht, zu beachten, daß sich im Feldpostbrief- verkehr die Portosreiheil nur auf Sendungen bis£50 Gramm er- st reckt, daß ein Uebergcwicht bei portofreien Briefen nicht zugelassen ist, und daß deshalb alle Briefe über 20 Gramm frankiert werden müsse n. Für Briefs über 20 Gramm bis 275 Gramm kostet dos Porto 10 Pf., für noch schwerere Briefe bis 200 Gramm 20 Pf. Dies gilt auch für Sendungen mit Zeitungen. «Scldsendungen an deutsche Kriegsgefangene durch die Deutsche Bank. . Berlin, 10. Februar.(28. T. B.) Tic Deutsche Bank teilt mit, daß Ue zetzt in der Lage ist, anch die telegraphische Auszahlung von Geldbeträgen an deutsche und österreichische Knegsgefanaene in Rußland zu vermitteln. Es empfiehlt sich aus den verschiedensten Gründen, jedesmal nur einen kleineren Betrag zu überweisen und diese Ueberweisung lieber nach einiger Zeit zu wiederholen. For- '"ulare für derartige Aufträge sind, wie bekannt, bei den Geschäfts- stellen der Deutschen Bank erhältlich. Nachrichten über gefangene Marineangehörige. Berlin, 10. Februar. W. I. B.) Für das Zcntralnach- weifebureau des Reichs-Marincamts ist es feist erwünscht, in möglichst großem Umfange von Briefen' von im Avs- land gefangenen oder internierten Marincangehörigen Kenntnis zu l'ekommen. Es ist oft möglich, aus fchemvar neben lächlichen Notizen wichtige Schlüsse zu ziehen und vor allem auch auf diese Weise etwas über das Schicksal bisher„vermißter" Personen zu erfahren. Es Ivird daher im allgemeinen Jntereffc gebeten, alle derartigen Nach- richten, auch wenn sie im einzelnen bedeutungslos und nichtssagend zu sein scheinen, in Abschrift an das Zentralnachweisebureau des Reichs-Marineamts, Berlin W. 10, Mathaikirchftr. 0, einzusenden. Dringend erwünscht ist auch die stebermittelung von Nachrichten über die Einstellung von Kriegsfreiwilligen und Reservisten in Tsingtau und auf unsere Kriegsschiffe im Ausland, Zreiherr von Zedlitz über die Lanötagsfttzung. Tie bürgerliche. Presse beschrankt sich bei der Erörterung der Erklärung des Genossen H i r s ch darauf, die Gegenerklärung deö'Abg. v. Hepdcbrand zu umschreiben. Nur die „Post" glaubt nicht"auf ihre schon von früher� bekannte Tonart verzichten zu können. Unter dem Titel:„Sozial. demokratische Flaumächcrci" schreibt' Freiherr von Zedlitz: „Die sozialdemokratische Fraktion des Abgeordnetenhauses hat — dem Vernehmen nach unter dem Einflüsse des nachgerade sattsam bekannten Dr. Liebknecht— sich bewogen gefunden, in dem Schlußsatz der in der ersten Lesung deS Staatshaushalts- planes abgegebenen Erklärung über den Friedensschluß mit voller Absicht sich in entschiedenen Gegensatz zu den übrigen Parteien zu setzen. Ohne Rücksicht auf die Wirkung im Auslände wird in diesem Satze rascher Frieden verlangt und von der zu- nehmenden Friedensstimmung unter der Arbeit erbevöllerung aller beteiligte» Staaten erhofft. Diese Erklärung erinnert stark an die Leitsätze, welche Herrn LedebourS Nachfolger im Vorstände der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion. Hoch, jüngst in der„Neuen Zeil" veröffentlicht hat. Er fordert dort ohne Behinderung durch die sonst in bezug au Friedensziele sonst so scharfe Zensur sofortigen Friedensschluß unter Verzicht auf jeden KriegSgew inii, namentlich an Land. Daß an diese Flaumacherei schlimmster Sorte einige Erzeugnisse krankhafter Einbildung, wie vertragsmäßige allgemeine Abrüstung und obligatorisches SchiedZ- gcricht, geknüpft wurden, macht sie nicht eben schmackhafter. In der sozialdemokratischen Alamnacherei ist somit, wie es scheint, Methode.£b die daran beteiligten Parteigrößen gerade bei den in den Schützengräben liegenden Parleigeiiofien besonderen Beifall finden werden, kann dahingestellt bleiben, sicher aber ist es, daß die Urheber solcher Kundgebungen dadurch den An- spruch auf gleiche Wertung mit Anhängern der anderen Parteien verloirkt haben." Die erwähnten Genossen werden es verschmerzen können, von der„Post" nicht ebenso wie bürgerliche Parlamentarier „gewertet" werden zu können. Will Herr v. Zedlitz den „Burgfrieden" ausheben, so wird das natürlich nicht ohne Folgen bkeiben. Auf einen ähnlich persönlichen Ton wie die Auslassungen dcL Abg. v. Zedlitz ist auch die redaktionelle Besprechung der Landtagssitzung durch die„Post" gestimmt. EL heißt darin: „Ihr Wortführer redete zwar auch von dem Verzicht auf Er- örterungen parteipolitischer Natur, aber wie ernst er es damit meinte, bewies er dadurch, daß er Hauptforderungen des sozial- demokratischen Programms, genau wie es vor dem Kriege war, wiederholte, obwohl die Sozialdemokraten doch so gut wie jeder andere wisse», daß weder die Regierung noch irgend» eine andere Partei gewillt sein kann, heute während des Krieges auf solche Forderungen ein- zugeben und dazu Stellung zu nehmen. Die Sozialdemo- Irateu des preußischen Abgeordiietelibauseö zeigen, wie schwer, wie fast unerträglich schwer das Opfer für sie ist, während der Dauer des Krieges ihre ehemaligen Klasseiilainpfabsichten durch den vaterländischen Gemeinschaftswillen zum Schweigen zu bringen und von jeder parteiagitatorischen Betätigung Abstand zu nehmen.... Der Abg. Liebln echt konnte es sich nicht verkneifen, daran zu erinnern, daß er der Sohn feines Baters ist. der einst im Jahre 1Ü70 im Norddeutschen Reichstage samt Bebel gegen die zweite Kriegsanleihe ge st immt und wie ein Hochverräter auch dagegen gesprochen hatte. Liebknecht der Sohn leistete sich gestern einen Zwischenruf über das Recht, im Namen des deutschen Polles zu sprechen. Auf dieses Recht hat dieser Geselle niemals einen Anspruch gehabt, heute noch viel weniger als ehedem. Denn selbst die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bemüht sich, ihn von sich abzuschütteln." politische Ueberslcht. Die Lage in Oftpreuften. Ueber den zweiten R u s s e n e i n f a l l ür Ostpreußen machte der O b e r p r ä s i d c n t von Ostpreußen in der Sitzung der Kriegs- bilfskominission in Königsberg einige interessante Angaben. Die Russen hätten diesmal im Gegensatz zum ersten Einfall die Bevölkc- rung veranlaßt, die von ihnen besetzten Gebiete zu verlassen. Bei solchen Leulen, die in der Heimat hätten bleiben wollen, sei die Flucht erzwungen worden. Eine größere Anzahl Leute, die nicht gleich der Aufforderung, die Heimat zu verlassen, gefolgt wären, seien nach Rußland gebracht worden. Ein Sechstel der Provinz sei von der einheimischen Bevölkerung g e r ä u m t. Nach seiner Schätzung hätlen 220—606 000 Ostpreußen die Heimat verlassen. IL 000 Stück Vieh und 20 000 Pferde seien den Russen entzogen, und dadurch sei ein großer volkswirtschaftlicher Wert gerettet worden. Die Flucht- linge hätten von ibren Pferden und Wagen getrennt werden müssen, sonst wären das Elend und die Sterblichkeil ganz erschrecklich gewesen. Die Frage der Wiederbevölkerung sei die wichligste und schwierigste. Der Vorsitzende der LandwirtschaslSkammer. Ritlergutsbesitzer Brandes, teilte mit, daß in den jetzt von den Russen besetzten Kreisen 100 000 Pierde weggekonmien seien. Die LandwirtschaftSkanimer be- absichtige, die Flüchtlinge im Frühjahr als Arbeiter in landwirtschaftlichen Betrieben Ostpreußens unlerzubringen. Bei der Erörterung von Maßnahmen gegen die Eiitvölkeruiig deS platten Landes machte Stadtrat Rosenstock-Köiiigsberg den Vor- schlag, jeder Witwe für jedes Kind, mit dem sie auf dem Lande bleibe, eine bestimmte Prämie zu sichern. Der Oberpräsident meinte, da mir der abermaligen Heirat der Witwe eines Gefallenen die Rente wegfiele, würden sich nur wenige entschließen, nochmals zu heiraten: eine Abhilfe wäre dadurch zu chafien, daß den Wiuven, die nochmals heiraten wollten, eine KapitalSabfinduiig gewährt würde. Höchstpreise für Schweine. Die Berliner Fleischer- Innung hat. wie die „Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, die folgende Resolution ein- timmig angenommen: „Die immer niehr steigenden Preise für lebende Schweine, die in ihrer jetzigen Höhe in keinem Verhältnis zu dem Erzeiigungswert der Tiere stehen und welche die Anfertigung von Dauerware nicht nur erschwert, sondern teilweise unmöglich macht, veranlasten uns das Ersuche» auszusprechen, die Preis- festsetzung in dieser Beziehung auf ein richtiges Maß bei den Prodiizenten festzllsetzen, nach welchem dem Züchter und Mäster aber auch dem Fleischer und nicht zuletzt dem Konsumenten sein Recht wird. Sollten Massenschlachtungen von Schweinen, wie solche seitens der Regierung beabsichtigt werden, stattfinden, so weist die Berliner Fleischerinnung darauf hin, daß dieses Material sich zur Anfertigung von Dauerware aller Art niemals eignet." Selbst in rechtsstehenden Blättern wird zugegeben, daß der un- gesunden Preistreiberei auf dein Viehmarkt schleunigst ein Ende gemachr werden muß. Die Viehhändler und Ländwir'.e haben allerdings ein probates Mittel eindeckt, um der Preissteigerung ein zu beseitigen. Wie in der erwähnten Versammlung bdrichta lourde. schlagen die Händler und Landwirte vor, die Handels- gepflogenheit zu änderii und nach Lebelldgelvicht zu handeln. Da- durch würde wohl die Preis n o t i z niedriger werden, das PN- blikum, das nicht- weih, daß Schweine beim Schlachten 20 Prozent Tara(Gewicht) verlieren, würde in den falschen Glauben versetzt. die Preise, die vielleicht tatsächlich steigen, seien niedriger geworden und würde annehmen, daß die Fleischer die Perteurer seien. Am Mittwoch sind auf dem Berliner Liehmarkt zwar die Preise nach der amtlichen Notiz um drei Mark gefallen. Der Höchstpreis beträgt ober immer»och 110 Mark für 20 Kilogramm Schlacht- gewicht.- Dieser Preis ist euva doppelt so hoch als im Juli 10t 1. Der Preisrückgang fällt um so weniger in Betracht, wenn man be- denlt, alö JOo Stück über Hochstnoliz verkaust worden sind.— Warum zögert die Regierung noch immer mit der Festsetzung pon Höchstpreisen 7___ ZwangSarbeitsvertragc für russische Landarbeiter. Die russischen Landarbeiter, die sonst im Dezember das Reichsgebiet zu verlasteu hatten, mußten diesmal in Deutschland bleiben. Der stellvertretende kommandierende General deS 2. Armeekorps in Stettin hat nun befohlen, daß in seinem Äarpsbereich mit dem 12. März die Sommerkolitrakte mit Bezug ans Lohn- und Deputat Zahlung wieder in Kraft Ueteu. Noch wie vor sind die im militärpflichtigen Atter von 17 bis 4.2 Jahren stehenden Russen. wenn nicht als Kriegsgefangene, so doch als zwangsweise im LrtSpolizeibezirk Festgehaltene zu behandeln und auf das strengste zu bewachen. Das unmittelbare Ueberschreiten der Grenze bleibt nach wie vor verboten: auch die Ausreise durch neutrales Land bleibt den Frauen, Mädchen und nicht im militär- Pflichtigen Alter Stehenden verschlossen, sobald sie durch abgeschlossene Verträge gebuiiden sind. Wo es noch nicht geschehen ist, sind baldigst für die Zeit vom 12. März bis etwa Milte Dezember mit sämtlichen Russen Arbeitsverträge abzuschließen. Kommt bis zum 20. Februar ein solcher nicht zustalide, so hat der Arbeitgeber unverzüglich dem Landrat Anzeige zu erstatten und dieser dem stellvertretenden Generalkommando. Es wird dann zwangsweise der Nor- m a l v e r t r a g der L a n d w i r t s ch a f t s k a m in e r f ü r russisch e Schnitter aus de»! Jahre 1011 befohlen werden. Es wird dabei bemerkt, daß bei etwaiger Beendigung des Krieges im Laufe des Jahres»ur die freiwillig abgeschlosteneii Verträge, nicht aber die zwangsweise befohlenen, ihre Gültigkeit be- halten. Die Arbeitsverweigerung wird in allen Fällen, gleichgültig, ob ein Vertrag vorliegt oder nicht, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Bei Unbotinäßigkeiteil, Aufwiegelung und Aufhetzung er» folgt auf Antrag zeitweilige Abführung in ein Gefangenenlager. Bischofswahl in Hildesheim. Zum Bischof von Hildesheim wurde am Mittwochvormitlaa der Regent des bischöflichen Priestersemuiars in Hildesheim Professor Dr. Josef Ernst gewählt._____ Letzte Nachrichten. Gewerkschaften und Hecresersan in England. Amsterdam, 19. Februar.(P r i v a t t e l o g r S in in des„Vorwärts".) In der am Montag stattgefundcven A r m e e d e b a t t c im Unter hause appellierte der Untersekretär des Kriegsamts, Tcunant an die Arbeiterpartei, der kttegierung bei der Ersetzung wehrfähiger Arbeiter durch Frauen und Jugendliche beizustehen. Er sagte, die Nr- kruticrung sei sehr befriedigend, sie schwanke allerdings von Woche zu Woche, im Augenblick sei etwas mehr Energie am Platze.„Wir brauchen mehr Leute. Tie Zeil kommt heran, wo wir wichtige Jndustriebczirke für die Rekrutierung heran- ziehen müssen. Uni die Lücken des Arbeitsmarktes auszufüllen, appe- liere ich an die Arbeiterpartei, bei der Organisierung der Arbeitskräfte zu helfen, daß jeder zum Kriegsdienst ein- rückende Arbeiter durch einen außerhalb des militärpflichtigen Alters stehenden oder dienstuntauglichen Arbeiter oder durch eine weibliche Arbeitskraft ersetzt werde. Ich wäre der Arbeiterpartei dankbar, wenn sie an der Beseitigung der hemmenden Vorschriften nur für die Kriegszeit mithelfen würde, wenn sie beispielsweise beim Verband der Laden- angestellten für die gänzliche Ersetzung dienstfähiger Männer durch Frauen eintreten würde." I o h n H o d g e erwiderte, er protestierte energisch gegen den verdeckten Angriff auf den Patriotismus der Gewerkschaftler. In den für die Heeresverwaltung arbettenden Jndustriezweiaeu hätten die Arbeiter bei zwälfstündiger Arbeitszeit selbst in den Weihnachtstageu gearbeitet. Niemand sei vatriotischer als die Gewerkschaftler, die dem Lande ebenso dienten, wie die Soldaten an der Front. Die Tebattc wird fortgesetzt. Tennants Rede, welcher der„T a i l p E i t i z e n" vage Allgemeinheiten und Unklar- heiteu vorwarf, verstimmte die Arbeiterpartei aufs äußerste. Wardle erklärte dem Redakteur der„Tailp Citizen", daß die Arbeiterpartei gar nickt berechtigt sei, bei den Gewerkschaften vorstellig zn werden. Wenn die Regierung irgendwelche Regu- lierungen wolle, müsse sie schon an die verantwortlichen Ge- wcrkschastsvertreter herantreten. Tuncan erklärte, daß das Problem des Arbeitererfatzes erwogen werden müsse. Tie Sache gestalte sich schwierig durch die Frage, was aus den nach dem Kriege zurückkehrenden Arbeitern werden(olle. Hodge äußerte sich gegen den Redakteur der..Tailtz Citizen" mutz, daß er wünsche, das Kriegsamt möge sich lieber etwas mehr um die Beachtung der im Parlament eingebrachten Resplu- tionen betreffend anständige Lohnzahlung durch die Unter- nehmer kümmern, als die Gewerkschaftler in dieser Weise an- zuklageu.___ Tic holländische Sozialdemokratie zur deutschen Seespem. Amsterdam, 10. Februar.(Privattelegramm des ..Vorwärts".)„Her Volk" veröffentlicht eine Zuschrift ans dem Lesertrelse, in der deklagt wird, daß die Redaktion durch das unnörigL Suchen nach dem unmittelbaren Kriegsanstifter und d�r wahren llri'ache deS Krieges zu einer vecnächlässigendeu Einseitigkeit gelangt wäre. Warum schreibe„Hat Volk" gegen die deutsche Seesperre mit einer Schärsi-. die cS gegen die englische Äontrebandepolitik scheinbar nicht ausbringen kouute? Das läge nicht im Interesse der Partei und des Friedens. Man habe in der letzten Zeit so viel persönliche Meinungen über das Ausland gelesen, daß die Liste ruhig geschlossen werden' sollte.— Die Redaktion des..Het Volk" erwidert darauf, daß sie gegen die deutsche Maßregel nicht so scharf protestiert hätte, wenn dadurch nicht die Knegsgesiafir für Holland verschärft worden wäre.. Es könne ge- schahen, daß Holland dadurch in den Krieg hineingezogen würde, wenn es versuchte, fehlende Lebensmittel einzuführcu," parlamentarisches. Smdjtcrftothtng ans bcr Budgetkommission des Preußischen Landtags. Tie Budgetkoimnission des preichischcn Landtags, die am Dienstag sofort nach der EröffiiungZfitzung des Landtags zusammen- trat, beschloß, daß die Berichterstattung für die Presse nicht mehr wie bisher den einzelnen Abgeordneten überlassen loerden soll, sondern daß durch einen von der Budgctkommission zu wählenden Unterausschuß der Bericht festgestellt und zur Verbreitung an Wolffs Telegraphenbureau gegeben werden soll. Den Vorsitz in diesem Pccsseausschuß führt der Vorsitzende der Budgetkoimnission. Verlustlisten. Tie B e r l u st l i st e Nr. l-t 6 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: 5. Gardc-Ncg.: 1. u. L. Garde-örs.-Ncg.; Regimenter Alexander, Franz, Augusta; Garde-Zchützeir-Bat.: Grenadier- vziv. Infanterie- bzw. Füsilier- Regimenter Nr. tl, 17, 10, Äi,'J:> if. auch komb. Ers.- Bat. der Jnf.-Regim enter Nr. 28>,. t>8), 2 t, 28, 27. 80, 81, 82, 83, B, 87, 38,*16, 52, 58, 54, 61, 68 if. aud) komb. Ers.-Bat. der Ins.- Regimenter Nr. 28 u. 68t, 6l, 67, 60. 78. 61, 65, 66, 66, 60, 92, 95. 96, 99. 109. III, 115. 116. 118, 186. 1!5. 1l7 ls. auch Landw.- Inf- Reg. Nr. 84), 148. 161, 164, 166, 171, 172, 178, 176; Ers.-Rcg. Königsberg III; Res.-Inf.-Rcgimeiltcr Nr. 7,|o, 21. 22, 28, 25, 85, 87, 88, 58. 57, 64, 66, 67, 71 u. mid) Feld Maschim'ngcwebr-Zng Nr. 14), 72, 80, 88. 86, 67. 88. 91) 98. 1 lo, III, 155, 204, 203, 218. 214, 230, 234. 239, 240; Rcs.-Ers.-Reg. 8lr. 4; Lmidtv.-Inf.-Regim enter Nr. 7, 11, 15, 16, 17, 22, 25, 27, 28, 85, 46. 51, 55, 78, 74, 75, 78 (f. auch Maschinen getveh r-Äbt. Nr. 8), 61, 64; Kamb. Grs. Bat. des Landw.-- u. des.Res.-Jns.-Rcg. Nr. 10 und solches der Ini.-Regi- menter Nr. 23 u. 63i; Brig.-Ers.-Bataillonc Nr. 7, 8, 9. 10, II, 12, 14. 15, 16, 86(f. Rcs.-Ers.-Reg. Nr.>6 60; Landst.-Bataillonc Breslau. Burg, Cobleuz, Darmstadt. Eisenach, Frankfurt a. C.. II. Görlitz, Infterburg, Königsberg, Maricnwerder, Münster. Posen, Rawitsch, Rybnit, Lamter," Schlawc und Nr. 52; La»dst.-Ers.-Bataillone II. Allenstein, Karlsruhe, Wittenberg; Jäger-Bataillone Nr. 1, 2, 4, 11, 14; Rcs.-Fägcr-Bataillone Nr. 11, 15; l. Radfahrerkoinp. der Lcmdw.-Div. Königsberg; Radfabrcrkoulp., srühcr v. Laichst. Bat. I. Saarlouis; Maschinengew.-Abt. Nr. 6; Feld-Maschiucngew.-Jng Nr. II; Acstungs-Maschinengew.-Abt. Nr. 11. Dragoner Nr. 17. 18; Husaren Nr. l, 8. 7. Fcchart.-Regi menter Nr. 2, 8. 10, 25. 27. 80, 31, 38, 85, 87, 45, 50, 52, 57, 71, 72, 73, 75, 61, sl; Rcs.-Feldart.-Regimcnter Nr. 3, 36, 46, 50, 52; 1. Batterie des Gcncral-Gouvcruements Brüssel. 2. Garde- Futzart.-Rcg.; Fußart.-Regimenter Nr. l, 8, 10. 13; Ncs.-Futzact.-Rcgimentcr Nr. 9. 15. 16; Landa'.-Fußart.-Reg. Nr. 14. Pianier-Regimentcr Nr. 18. 19, 28, 29, 39; Piönier-Bataillonc: I. Nr. 7, II. Nr. 8. l. Nr. 9, 1. Nr. 15, II. Nr. 16, I. Nr. 17, 1. Nr. 28; Pionier-Ers.-Bat. Nr. 1. Eisenbabn-Betriebskomp. Nr. 30; Fernsprcch-Abt. des 4. Armeck. z Lnstschiffer-Ers.-Bat. Nr. 5; Feldfliegertrup'pe. Artilleric-Munitionskolonne Nr. 6 des 7. Armee?. Fortifikation Feste Bötzen. Sanitätskompagnien; Nr. 1 des Gardc-Reservekorps, Nr. 2 des 5. Nr. 1 des 15., Nr. 4 des 18. und Nr. 2 des 20. Armeekorps; Ref.- Feldlazarett Nr. 26 des 5. Reservekorps. Garde-Divisions-Brückentrain Nr. 8;'Reserve- Fuhrpark-Kolonne Nr. 28 de» 10. Rescrvekorps, Die batzcrische Verlustliste Nr. 151»idM Verluste des Ins.» Leib-Reg. München; 4., 11., 12.. 18.. 18., 21. Ins.-Neg.; Rcs.-Ini.. Regimenter Nr. 3, 6, 7. 10, 11, 13, 20; Landw.-Ink.- Regimenter Nr. 10, 15; Landst.-Inf.-Bataillonc Landau u. Haminelburg; 2. schweres "Reitev-Reg.; Res.-Kav.-Regimeulcr Nr. 1 ü. 5; 1. Landw.-Esk. des 3. ArvteekorpS; I. u. 2. Feldart.-Reg.; Ref.-Feldart.-Reg. Str. 1; 1. Fiißart.-Reg.; 2. Futzart.-Reg. Ter. Schluß der schon gestern bekanntgegebenen sächsische n Bcrlilstliste Nr 105 wird verösfentlicht. andst.-Inf.-Bat. Ellwangen: l. Landw.-Esk.>Kav.); Feldart.-Rcg. Nr 2. Landw.-Pionicrkomp.z 1!. Train-Abt. 29; Landst.-Battcriez Soziales. Ter zum immobilen Truppenteil eingezogene Prinzipal. Auf Geschäftsleute, die als Einberufeue im Dienste des Vaterlandes stehen, nimmt auch das Berliner Kaufmanns- gericht die größtmöglichste Rücksicht, indem es Prozesse gegen im Kelde stehende Prinzipale häufig aussetzt. Andererseits tritt es aber mit Recht Versuchen von Chefs, sich durch Vor- schützen von Unabkömmlichkeit durch den Krieg ihren Per- pilichtnngen gegenüber Angestellten zu entziehen, energisch entgegen. Cin solcher Fall beschäftigte die 2..Kammer des Kaufinannsgerichts. Tort klagte ein Reisender B. gegen den.Kaufmann Goldlust wegen eines Provisionsbetrages, der schon seit August vorigen Jahres offensteht. Ter Beklagte hatte schon vor Monaten eine Aus- setzuug des Prozesses durch die Angabe erlangt, er sei zu einem mobile» Truppenteil eingezogen. Ter Kläger verlangte aber jetzt . Turchführinig des Rechtsstreites, da er erfahren hatte, daß G. ! nicht bei einem mobilen, sondern bei einem immobilen Truppenteil Dienst tue. Das traf auch zu, denn der Beklagte übt in Berlin Lozarettdicnst aus. Unter diesen Umständen, so erklärte der Vorsitzende dem Bcr- treter des Beklagten, mache es den Eindruck, als wolle G. absichtlich den Prozeß in die Länge ziehen. Wenn cin Geschäftsmann als Soldat in Feindesland auf dem Marsche befindlich sei oder im Schützengraben liege, so werde man von ihm gewißlich nicht ver- langen, daß er Provisionsabrechnungen prürc. Wen» ober ein 6 lief am Tomizil seines Geschäfts Lozarrttdirnstc tue, so werde er wohl in Monaten in der Lage sein, eine Bierlclstuude zur Prüfung der kleinen Provisionsaufstellung und zum Vergleichen von 17 Posten einzuräumen. TaS Kaufmnnnsgcricht hielt diesen vom Vorsitzenden cingc- nommcncn Staudpunkt für durchaus berechtigt und beschloß dem- gemäß, dem Beklagten aufzugeben, sich innerhalb vierzehn Tagen zu der Provisionsaufstellung zu äußern. Gebt diefc Aeußerung binnen dieser Frist nicht cin. so kann er spätere Einwände gegen die Aufstellung nicht mehr geltend machen. Gerichtszeitung. Durch das Autv in den Tod. Die unheilvolle Autofahrt, die Dr. Bergmann am 31. August 1913 unternahm, und die eine schwere Verletzung eines Assessors und den Tod von dessen Frau herbeiführte, beschäftigte am Dienstag das Reichsgericht. Das Landgericht zu Kottbus verurteilte am 20. Mai 1914 den Tiplomingenienr Dr. Gcorg Bergmann aus Berlin-Oberschönc- meide wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie wegen Vergehens gegen fS 21 des KraftfahrzcuggesctzcS von 1909 zu scchs Monaten Gefängnis. Der?liigeklagte war feit 1912 bei der Automobilfabrik(„NAG") in Lberschöneweide als Ingenieur tätig und baovtsächlich mit der Konstruktion von Motoren beschäftigt. Tie Prüfung als Kraft- Wagenführer hat er am 28. August 1918 bestanden. Das polizeiliche FüHrcrzeugnis hat er einige Tage später erhalte«. Ain Sonntag, den 31. August 1913, also drei Tage nach bestandener Prüfung machte er eine dienstliche Fahrt nach Lübbenau zur Er- probang eines neuen Vergasers. Zu dieser Fahrt lud er, ohne daß er ihren dienstlichen Eharakter erwähnte, seinen Freund, einen Ge- richtsassessor, nebst Gattin ein. Ans der Hinfahrt steuerte der Monteur T. den Wagen. Zur Rüctsahrt setzte sich Dr. B. ans Steuer. Bis Lübben ging die Fahrt ohne jede Störung vonstatten. Kurz hinter dieser Stadt erblickte er vor sich einen anderen Kraftwagc», der von dem Regierungsbanmeistcr a. T. Becker geleitet wurde. mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 Kilometer fuhr und viel Slanb aufwirbelte. An biesem wollte der Angeklagte, wie e-> vorgeschrieben ist, liick-j vorüber fahren. Bei der großen Geschwindigkeit und dem Stanbe konnte er den zur Verfügung stebeuden Raum nicht richtig absdiätzen. Er stieß deshath mit dem anderen Wagen zusammen, und zwar derart, daß der scinige nach iiuts über die Böschiiug in den Graben stürzte. Die Insassen wurden sämtlich binansgeschleudert. Ter Augeklagte erlitt tciue Verletzung, der Monteur T. nur eine unbedeutende. Schwer verletzt wurde da- gegen der Assessor und seine Gattin war sofort tot. Die SdnUd des Angeklagten ist in ungenügender Aufmerksamkeit und zu schnellem Fahren erblickt worden. Tic von ihm eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht per- warfen. parteiveranstaltungen. Vierter Kreitz. Am Freitag, den 12. Februar, abend? S", Wir, fiiidet in, Gewerksämftsbaus, Engelufer 15. cin großer Lickibilderoortrag Halt. Thema:„Bilder vorn östlichen.Kriegsschauplatz". Vortragender: Eenossc Barenthin. Röntgcntal— Zepernick Buch. Donnerstag, den II. Februar. abends 8'/.. Ilbr. findet sür R ö Ii t g e n t a l und Z c v e r u l ck oer Zabl- abend im Lolal von August Lange, Siemeusstrutzc. stall. Für B u ch findet der Zahlabeno am Soiinabeud, den 18. Februar, abeuds 6'/- Uhr, im Lokal von Alex Pieotrowsli statt. Zrauenveranftaltungen. Verein für Fraue» und Mädchen der Arbeitcrklast'e. Ter nächste Vortragsabend rndcl nicht, wie bekannt gegeben, am 15. Februar, solidem erst am e r it c n März statt. Das Thema lautet:„Die Entwicklung der deutschen Malerei zu Dürer und Grüneioald".«Mit Lichtbildern, im großen Saal der Aeucu PHüfiannoiiic, KöpeNicker Str. 00/97.; Rescrent: Dr. Dcri. Gäste, Mäinicr und Frauen, willkommen. Vmtlicher Marktbericht der städtische» Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Marllhallcn. sL-hne Berbindlichleit.) Mittwoch, den 10. Feb ruar. Fleisch: Rmdstcisch per 50 tz-», Ochsen- fleisch Ta 85— 95, do. IIa 70—£4, do. lila 72— 70; Bullcnsteisch la 78— 80, du. IIa 70— 78; Kühe, seit 05— 73. do. mager 58— gl, do. däiiilche 48— 60; Fresser 60— 77, Fresser, dänische. 50— 65. Lullen, däiistckc. 55—70; Kalbfleisch. Doppellendcr 125—135; Mattkälber I» 90—105, do. IIa 65-88: Kälber ger. gen. 45—55. Hammelfleisch: Mastlämmer St— 105; Hauun! ja 85— 94, do. IIa 80—00; Schafe 82— 03. Schweinefleisch: Schweine, seile 100—112. sonstige 00—08. dän. Saue» 75—78. dä». Schweine 88— 00.— Gemüse, inländisches: Kartosseln, Daberiche 50 bx 0,(10; weiße Kaiserkronen 0.00: 5Iagnum boiium 0,00; üstoltmann p,ijO— 0,00: Porree. Schock 0,5(8—1,00; Hcllerie. Schock 4,00—7,00; Spinat 50 kj; 15,00—23,00; Mohrrüben 5,00— 6.00: Äirsingkohl Schock 8,00—14,00; Wirsingkohl 50 kg- 8,00—9,00: Weißkohl Schock 8.00—14,00, WeltztoK 50 k""8,00— 9,00 st Rotkobl. Schock 8.00— 15.00; Rollo hl 50 k» 7,50 bis 9,00; Grünkohl 50 kg- 10,00—14,00: Kohlrüben 50 ka 1,50-7,(0; Tcltoiocr ibnben 50 kz 12,00—16,00. Märkische Rüben" 50 kx-1,00-12.00; Rosenkohl 50 ka 20,00— 30.00, Meerrettich Schock 6.00—14.00; Petersitienwurzel �chockbund 4,00—6,00;.lwiebcln 50 k-e 14.00—15,50, Rhabarber, Hamburger, 100 Bd. 12—15. Apselmlen; iiaiiciiischc 50 kr; §.06— S.00, dito 200 Stück ä.uo— 9,00. Ö'JO ot. O.Olb-lo.Gi, Murria 200 St. 8,00—13,00, dito 300 Stück 8,00—14,00. Mcssina 160 Sl. 10,00—12.00, 200 St. T/.iO— 9.iXi, OCKl St. 8,00—10,00. Mc'siiia Aul« 80 St. 8,50—9,(10, do. 100 St. 7,00-8,75. do. 150 St. 7,00— 10,W'. S panische 420 el. 15.90—20.00, do. 7X4 St. 18,00—25,00, do. 1061 Sl. 21, 00— 80,00, do. 420 St. large 2-M— 30,00. Im Mmle» Useier ml im MwWiim gesallMii SWlse»! Bei Arras im Westen fiel der Zimmerer psul Xinsie K orsörer Str. 20. 7. Abteilung. Bezirk 581 a. Lorisläsmokr. Aablvseein f. d. 6. Berliner Reichstagswahlkr. SozialilEinokFafisctiErWalilvefEin I. i 4 JErl. REiclistsgswaiilkrEis Klipeilicker Viertel, Ber. 169. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Haus- diener Max Preuß Köpenicker Str. 24, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute DonnerSiag. nachmittags o'l„ Uhr, von der Halle des Thowas-Kirch- boics in Neukölln, Hermann- straße, aus statt. 219/17 ldvi»"Vvrstnntl. ÜEMllEfÜEtillSI'llEilEI'-ÜEEdZEll Venoalsunpaetelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrau- bendreher Gustav Döring am 7. Februar an Magenkrebs gestorben ist. Die Becrdigmig findet heute DoimerStag, den 11. Februar, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des neuen Iakobi- Kirchhofs in Neukölln, Hermann- straße, aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Metalldrückcr Paul Carow am 8. Februar an Magenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Februar,»ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoss in Friedrichsseide aus statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Betelligmig erwartet 182/4(die Lrtsverwaltung. 8LmIl!Ell!taliÄ Mveräu Li BJErLReiEiistagswahlkreis. 6. Abt. Bez. 365. Am Montag, den 8. Februar, verstarb unser Genosse, der Metalldrücker Pau! Carow Ezarnikaucr Straße 4. Ehre seinem Anbeuten! Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Februar, nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen- Halle des Zcmralsricdhoses in Friedrichsseldc, aus statt. lim rege Beteiligung ersuch! 262 7 Der Vorstand. Zentral-RrankEii- u. SiertiekassE dEr deiMiED Wagenbaiiep. (Bcrsicherungsvcreiii aus Gegenseitigkeit.) Fitiale Lieuköllu Ik. Den Mitgliednii zur Nachricht, daß unser Mitglied Lrns� Turow durch Unfall giotzuch geswrben ist. Edre seinem Andenke«! Die Bcerdigung findet heute Donnerstag, den 11. Februar, nackimillagS l Udr von der Halle des Gememdc-Fric hofS in Reuköckn, Mariendorfer Weg. aus statt. 238/13 Bio Ortait«r«aItung. Olllzufrüh und fern von seinen Liebelt fiel am 28. Fanuar in Erfüllung seiner Pflicht mein inniggclicbtcr Mann, treu sorgender Vater meiner Kinder. Sobn, Bruder, Schwicgersobn und Schwager, der Zimmerer Paul Kirste Pionier-Regiment Nr. 10 int blühenden Alter von 83 Fahren. Dies zeigenim ticssten Schmerz an Marie Kirste geb. Kamkc nebst Kiiident. Wer jeder so wie er, tfiäb S weder Krieg noch Rot, Otis«obi! des Volkes starb er, Getreu bis in den Tod. Veftiaiid der TapezierEf Filiale Berlin. An 6. Februar verstarb plötzlich unser langjähriges Mitglied L-eopold Busse. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung iindet deute Donnerstag, iiackimillags 4 Uhr. vom Trauerhau'« in Baumschulen- weg, Bamnichulenstraße 95, aus stall. Ilm zahlreiche Beteiligung er- sucht 179,8 Tic Ortsverwaltung. Am 24, August siel aus dem Felde im Westen unser Kollege kulillik Purrmavll im Alter von 26 Jahren. Ein ebreudes Andenken bc- wahren ihm Tie Äollegeu der Firma Aug. Tcherl G. w. b. H. Abt. Falzerei. 20A VErband der Lühograpbeö. StEindruckEf u.?EPwandt£n BefiiIe (Deutscher Senetelder-Bund;. Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß solgende Kollegen bei den Kämpjen im Westen ge- sallen find: Am 9. Januar der Stein- drucker Richard Koch. Am 12. Januar der Stein. drucker Richard Wolf infolge einer schweren Berwun- dung. Wir loerden beiden Kollegen ein ehrendes'Andenken bewahren. 180,10 Die Verwaltung Berlin I. ZEntralvBrhand dErSchiihinaebef Deutschlands. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Max Preuß gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Donnerstag, de» 11. Februar, nachmittags 3V, Uhr, von der Halle deS Tbomas-Kirchhoscs in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 170,5 Der Vorstand. Am 7. Februar verstarb unser treuer Kollege Otto Baer. Ein dauerndes Andenken de- wahrt ihm 1072b Dss Personal der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend. ?ert.d. Schneider, SehneiderinBEB undWäschearbeiierDeuiscIilands Filiale Berlin. Unteren Mtgliebern hiermit zur Nachricht, daß die Plättcnn, Kollegin Marie Kaupat am 6. Februar im 21. Lebensjahre verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Tic Bcerdigiuig findet heute Donnerstag, nachmiltagS 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Ftiedhoscs in Fricdrichssclöe aus statt. 16A17 Die Orisverwaltung. --rzdd-ica Hl......... i II obelfabrlk..Ilerolin»"" eingetragene Geiioifenschost mit tck- jchräliktcr Hafipslicht. Freitag, de» 26. Fcbi uar, abends 50, Uhr, im Geichäjtslokal; Generale erssam min n j;. Tagesordnung: 1. Bilanz. 2. Wahl des Vorstandes und des Auifichtsraies. 3. Geschäftliche-. Die Bilanz liegt im Geschäslslokaie aus. 107,19 Iber Yorwtand. L». Krebs. Karl tianert. llsbo meiuo Draocü- nieder auk�enoiumeu. iiBl. kick Leiimann Hals-, Nasen-, Obrenarzt Frankfurte,' AHee 290. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die taurige Nach- richt, daß am Dienstag nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann und treusorgender Vater, der Lbst- und Gemüse- händier Rudolf Schreiber im vollendeten 40. Lebensjahre sanst entschlafen ist. DieS zeigen in tiefstem Schmer, die trauernden Hinterbliebenen an. Witwe Zhranziska Schreiber nebst Sohn Erich. Tie Beerdiglmg findet Freitag, nachmittags 3st, Uhr, van der Leichenhalle des Philippus-Apostel- Kirchhofes ans aus dem städti- scheu Friedhof, Müller-, Ecke See- straße, statt. 1073b Bei den Kämpfen im Westen fiel unser lieber Kollege, der Täschner Willi �oroii-. Wir werden ihm stets cin ehrendes Andenken bewahren. Tic Kollegen und Kolleginnen der Firma 10S8b H. Hoffmann jr. Socken und Strickwesten"gibeST ifahn ä Kahn ö«, IVAull Ol ftaliu, Ecke MarkgrafenstraS«. Be����edakt.: �f�Wi�pp�eukölln�nferatenteU vercmuö.�TH.Eiö'ck��lIm Druck mVerlag-BorwärtSBuchdr. u. Verwgsanstaü Paul Singer L: Co., Berlin l-TV. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltungsbl. Freunden und Bekannten hier- mit die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Prifac Röder im 30. Lebensjahre nach schwerem Leiden sanst entschlajen ist. In tiefer Trauer Familie Roder. Die Einäscherung iindet am Freitag« den 12. Februar, nach- mittags 4 Uhr. im Krematorium. Gerichtstr. 38/39, statt. 1069b Kranzspenden böflichst verbeten. s, Haur-, Harn-. Frauenleiden, iieio. Schwäche. Veinkranke jeder ?-'rt. Ehrlich Hata- Kuren in n. Co. konz. Laborat. s Blut- unteriuchnng., Fäden l. Harnniw. fsiedsichstt. 8!, P�liwm Spr. 40—2, 5—9, Sonn!. 41—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. Di. Homsyel Sl Jakobs-Balsam Hausmittel I. Ua.ngew \ on Apotheker C. Trautmann, Basel. Einjjetr. Suhutzmai'ke.— Ben". Heilsalbo für Wunden u. Ver- letzuugeu jeder Art, off. Bostie, Kraiupfadcrn, Brandschaden, Ausschl., Hämorrhoid., Flechten. In den Apotheken a M. 1.60 Geu.-I)epot: St. Jakobs- Apotheke. Basel. Depots Berlin: König Salomoap., Charlotten- straße.Falkenap., Keiohenberger Straüe. l'iktoriaap., Priedrich- strahe, Keichsadler- Apotheke. Gr. Frankfurter Str. 134. 735b* Heines Werke —— 3 Lände 4 ZNark- Buchhandlung Vorwärt» MrMranketi' und Steröekasss der Hold- u. Silberarbeiter u. venDandten fierufsgenossen Deutschlands (früher Nationale Kranlenkasse usw.) Haupisitr; Bcdwilb.-Gniünil. Lr»atzka!>se. Hauptsitz; Schwäb.-Gmünd. Montag, den 15. Februar 191ö, abends pünktlich Uhi, im(öewerkfchaftshaus, Engelufer 15, Saal"Mr. 1; Mitglieder-Versammlung (§ 26 der Satzung). Tagesordnung; 1. JahreS- und Rechenschaftsbericht vom Jahre 1914. 2. Diskussion. 3. Wabl für die nach 8 26 der Satzung ausscheidenden Milglieder des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Da» Kas»eiibuch legltimiept: lim zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 1062b Der Vorstand. J. A.: 0. Holtkamp, Borsitzender, Admiralstr. 18 12, H. Futterhosen, Nr. 42. 32. Jahrgang. Zonnerstag, ü. Frbrnar 1915. Sie Englanöfteunölichkeit öer Amerikaner. Dcr Leiter der amerikaiüschcn Parteischule(Rand School), der Genosse A l g c r n o o n Lee, gibt in dein Neiv Jorker „Call" eine Erklärung für die seit dein Ausbruch des jetzigen Krieges so auffallend zu tage tretende Englandfrenndlichkeit der Amerikaner. Er sagt: Wenn die Amerikaner jetzt auf der i-seite der Verbündeten und gegen die Deutschen sind, liege die Ursache nicht darin, das; die Amerikaner britisches Blut in den Adern haben und die englische Sprache sprechen: nuch� könne eine Erklärung dafür nicht in der Tatsache zu suchen sein, das: Deutschland die belgische Neutralität verletzt hat. Wohl seien das in die Augen fallende Ereignisse, und der augenblickliche Eindruck, den sie auf den amerikanischen Geist machten, war so stark, daß es den: aincrikanischcn Volke schwer fiel, andere Tatsachen zu sehen. Aber nicht in allen Fällen haben die Amerikaner den offen- kundigen Angreifer verurteilt. Im Jahre 1904 führte Japan den ersten Schlag: Italien tat das im Jahre 1911: Bulgarien, Serbien und Griechenland ini Jahre 1919. Dennoch war die öffentliche Meinung Amerikas der angreifenden Partei günstig gesinnt und nahm im ersten Falle gegen Rußland, und in den beiden anderen Fällen gegen die Türkei Partei. Tie Deutschlandfeindlichkeit der Amerikaner müsse demnach andere Ursachen haben. Tatsache ist, daß ein starkes Gefühl gegen Deutschland in der öffentlichen Meinung Amerikas schlummerte, che noch dieser Konflikt begann. Es wurde leicht in Tätigkeit gerufen und ist von fast der ganzen bürgerlichen Presse eifrig und geschickt gepflegt worden. So wurden z. B. die von den Deutschen in Belgien augeblich verübten Greueltaten an hervorragender Stelle gebracht, während dieselben Preßorgane sich nicht gemüßigt fühlten, viel Nachdruck auf die Orgien des Antisemitismus zu legen, die sich in Nussisch-Polcn abspielen, und auf die brutalen Maßregeln, die zur Russifizierung Finnlands und zur Er- drückung der Organisationen des russischen Proletariats ge- troffen wurden. Das amerikanische Volk wird morgens, mittags und abends mit gröblich einseitigen Nachrichten und redaktionellen Bemerkungen gefüttert. Diese Ungerechtigkeit der bürgerlichen Presse in Amerika ist nichts Neues. Vor zehn Jahren crzähitc man sich in Paris allgemein, daß, wenn der„New Jork Herald" nicht wie die„Pätrie" und andere französische Chauvinistenblättcr von Petersburg Subsidicn erhalte, dies dadurch zu erklären sei, daß Petersburg nicht für Dienste bezahle, die es umsonst haben könne. Ausfällig ist nun, daß seit der Gründung des Dreiverbandes die bis dahin gegen Rußland donnernden amerikanischen bürgerlichen Blätter rußlandfrenndlich gesinnt sind. Seitdem hört man von Rußland nur noch gutes. Im Gegensatz hierzu steht aber die Haltung der Blätter zu Deutschland. Seit 10 oder 12 Jahren fühlen amerikanische Exporteure die deutsche Konkurrenz schärfer als die britische auf dem romanisch-amerikanischen und dem asiatischen Markt. Die amerikanischen Kapitalisten haben daher nur in etivas geringerem Grade als die englischen denselben Grund, der deutschen Industrie und dem dentschenHandcl Böses zu wünschen. Ein anderer und vielleicht noch größerer Faktor sind die 5 oder 6 Milliarden britischen Kapitals, die in amerikanischen Finanz, Industrie- und Handelsunternehmungen angelegt sind. Sie übersteigen bei weitem die Gesamtheit der in den Ver- einigten Staaten angelegten deutschen und in Deutschland an- gelegten amerikanischen Kapitalien. Es ist selbstverständlich, daß derart großwirtschaftliche Tatsachen ihren Einfluß auf die redaktionelle Haltung der amerikanischen bürgerlichen Presse ausüben müssen. Jedes Wort, das gegen die verbündeten Mächte heute gesprochen wird, ist auch ein Wort gesprochen gegen die amerikanischen Fabrikanten und Kaufleute, die ani Ausfuhrhandel beteiligt sind, und gegen die Inhaber der Aktien der ettglifch-amerikanischen Unternehmungen. Das jetzt in Amerika vorherrschende Volksgefühl ist bourgcois seinem Ursprung nach. Den Massen wird beigebracht, Deutschland zu hassen, weil die, die daS lehren, an England gebunden sind— nicht an das England des englischen Volkes, sondern au das England des internationalen Kapitalismus. Dieselbe Macht, die heute die Deutschfeindlichkeit züchtet, züchtete vor zwei oder drei Jahren die Türkenfeindlichkeit und vor 10 Jahren die Nussenfreundlichkeit.____ Ms Groß-öerlin. Der Kriegsbriefkasten. Ein Mann aus dem Volke: Er will seinen Schreibcbrief, der eine wichtige Eingabe enthält, in den breiten Schlitz des Briefkastens werfen, prallt im letzten Augenblick erschrocken zurück. Na. das wäre beinahe eine schöne Suppe geworden! Er besieht sich kopfschüttelnd den Kasten von allen drei Seiten und pendelt mit dem Briefe in der Hand weiter. War das nun wirklich ein Briefkasten oder eine Brief-Falle? Tie Post gibt Rätsel auf. Wer weiß, w a n n der Kasten geleert wird! Heute noch... morgen... über- morgen? Wie lange dürfte der wichtige Brief in seinem blauen Häuschen bleiben? Sonderbar, höchst sonderbar... in Kriegszeiten kennt inan auch seinen alten Briefkasten nicht mehr wieder. Eine junge Dame: Zehn Minuten später. Sorg- sam holt sie ihren Herzensgruß aus dem Bluff, liest noch einmal zärtlich die Aufschrift und läßt mit innerem Behagen das Bricflein in dem blaugepinfeltcn Metallbauch vcr- schwinden. O weh... nein, aber auch solche Dummheit! Mechanisch greift sie nach dem Spalt, rüttelt zornig an der Klappe, der Brief hat es sich längst bei Leidensgefährten bc- guein gemacht. So was aber auch! Soll man denn riechen, ob der Kasten geleert wird oder nicht? Ein alter Beamter: Er sieht bedächtig erst nach, wann geleert wird,... und steckt selbstzufrieden seinen Brief wieder in die Tasche. Ei. ei... was hat denn da der Kollege von der anderen Fakultät gemacht? Was nützt mir der schönste, blaneste Briefkasten, wenn ich nicht weiß, wann der Brief seine Amtsreise antritt? Das ist ja ein unbeschriebenes Blatt Aktenpapier, eine Verfügung ohne Unterschrift. Tja... ob ich mich mal beschweren soll? Aha, da kommt der Postrat mit dem braunen Lecrungsfack. Ter muß doch wissen, was eigentlich los ist... Der Briefträger: Hm... ja... so unrecht hat das Publikum nicht. Ein Briefkasten ohne Angabe der Lecrungs- zeiten ist nur ein halber Briefkasten. Ja, wenn wir selbst genau wüßten, wann geleert wird! Alle Woche und fast schon alle Tage anders. Aber wenigstens die erste und die letzte Leerungszeit, das könnte eigentlich vorn dran stehen. Das geht auch in Kriegszeiten zu machen. Und wenn wirklich mal eine Aenderung eintritt, ist das Leerungsschild Hchnell ausgewechselt. Werde mich aber hüten, mir den Schnabel zu verbrennen. Publikum soll sich beschweren... Erweiterte Kriegsunterstützung. Der Bundesrat hat, wie wir bereits mitgeteilt haben, be- schlössen, Kriegsunterstützung zu gewähren auch in den Fällen, in denen der Ernährer zum aktiven Heeresdienst eingezogen ist. Soweit Bertin in Frage kommt, steht die Sache so: Der Bundes- ratsbeschluß geht zunächst an die Regierungen der Einzelstaaten, von hier mit besonderen Bestimmungen an die Oberpräsidenten und daun erst an die Lieferungsverbände. Das dürste noch einige Tage dauern. Dann tritt für Berlin der ÄriegsauSschutz zusammen, der die neuen Bestimmungen für Berlin beschließt und An- Weisungen an die IlntersiützungSkoniniissionen und Bezirksvorsteher ergehen läßt. Eine Reihe llnterstützungslommissionen haben in Rücksicht auf die neue Bundesratsverordnung die Anträge von An- gehörigen aktiver Hecrespflickitiger vorläufig zurückgestellt, andere haben Abweisungen beschlossen. Wir werden gebeten, daraus hinzu- weisen, daß die einzelnen Antragstelleriuncn sich noch etwas ge- dulden wollen, bis die Anweisungen an die UnteistiitzungSkommissionen erfolgt sind. Sie können dann ihre Anträge stellen bezw. wieder- holen. Bei der Bewilligung ihrer Anträge dürfte hoffentlich Rück- ficht genommen werden auf die Zeit, in der die Einberufung erfolgt ist. Krieg und Schule. Zu wiederholten Malen haben wir uns in der letzten Zeit mit dem Thema„Krieg und Schule" beschäftigen müssen, um in Ncbcreinstimmung mit angesehenen Pädagogen unserer Meinung Ausdruck zu geben, daß es vom erzieherischen Standpunkt durchaus salscki ist, Haßgefühle gegen die jetzigen Feinde Deutschlands durch die Schule auf die unreife Jugend zu übertragen. Vor uns liegt heute ein Büchlein, betitelt„DaS eiserne Jahr IVU". verfaßt von dem Geheimen Kousistorialrat Dr. E o n r a d, Pfarrer an der Kaiser- Wilhelm-GedächtniSkirchc in Berlin. Dieses Schriftchen ist bereits in einer Auflage von GO 000 Eremplarcn hergestellt worden und wird in den Schulen Groß Berlins um den Preis von 8 Pfennig au die Schüler und Schülerinnen verkauft. Wir versagen es uns, im einzelnen auf den Inhalt einzugehen, sondern begnügen uns damit, eine charakteristische Stelle herauszugreifen. Da heißt es an einer Stelle:„Und wie die Belgier und Franzosen aus dem Hinterhalt schössen. Wie sie den Verwundeten die Augen ausgestochen und die Hände abgehackt haben! Das schrei! zum Himmel." Also alle die Greuelgeschickten, die durch die SensationSpresse Wochen- und monatelang trotz aller von deutschen Aerzten und anderen Stellen ausgehenden Dementis immer wieder verbreitet wurden, sind in das„Büchlein für Kinder" aufgenommen worden. Die SchulauffiÄtsbehördcn können allein vom erzieherischen Gesichts- punkte aus eine Verbreitung solcher Bemerkungen nicht gutheißen und sicher werden viele Eltern es ablehnen, ihren Kindern das Geld für dieses Buch zu geben.__ Bestrebungen auf Erhöbnng der Kartoffclprcisc. Der Wilmersdorfer Mogistrat hat beschlossen, beim Ober- kommandierenden in den Marken vorstellig zu werden und zu bcan- tragen, einen höheren Preis für den Kariöffelkleinverkauf festzusetzen. Der Magistrat geht dabei von der Erwägung aus, daß nur dadurch die zurückgehalteneu Kartoffclvorrütc auf den Markt gebracht werden. Wir würden es außerordentlich bedauern, wenn die Bestrebungen des Magistrats Erfolg hätten. Die Erhöhiliig der Kartoffelpreise würde jetzt die mlnderbemitteltc Bevölkerung besonders schwer treffen. Da Brot und Fleischwarcn to enorm im Preise gestiegen sind, so können sich viele Leute in erster Linie nur noch von Kartoffeln er- nähren. Will mau die vorhandenen Vorräte auf den Markt bringen, dann muß versucht werden, ähnliche Maßregeln zu treffen, wie bei der Mehlversorgung._ Berliner Grundsteucrfragcn. Auf Grund der Berliner Grund- steuerordnung waren der Konimerzienrat Dr. Pinlsch und einige seiner Verwandlen als Eigenlümer des Hauses Ticrgartenstr. 4a für daS Jahr ISIL mit Söll M. zur Gemeindegrundsteuer herangezogen worden. Der gemeine Wert des Grundstücks wurde auf 1778 000 M. geschätzt und die Heranziehung erfolgte gemäß den maßgebenden Gemcindcbeschlüsscn nach einem Satze von 8,1 pro tausend Mark. Gegen die Heranziehung beschritten Pintsch und Genossen das Verwallungsstreitverfahren. Sie warfen die grundsätzliche Frage auf, ob nicht die Stadt Berlin bei der Heranziehung zur Gemeinde- grundstener in gesetzlich unzulässiger Weise verfahre. Zur Be- gründung betonten die Kläger, Berlin sei genehmigt worden, daß das Auskommen an Gruiidsteuer löö Proz. der staatlich ver- anlagten Grundsteuer betragen dürfe, die Gemeinde Berlin erziele aber latsächliäi darüber hinaus einen JahreSübcrschuß an Ge- ineindegrundsteuer von etwa 2 Millionen, so daß bei entsprechender Umrechnung 180 Proz. der staatlich veranlagten Grundsteuer her- auskämen, anstatt 100 Proz. Der Bezirksausschuß wies die Klage, die auf eine Ermäßigung der Steuer um 032 M. abzielte, als unbegründet ab und führte unter anderem aus: Entscheidend sei, daß die Beichtüsse der Stadt über die Verteilung des Sleuerbedarfs und die Erhebung der Grund- steuer gesetzmäßig zustande gekommen und genehmigt ivorden seien. Der Einwand, daß Berlin tatsächlich uichr 100'Proz., sondern 180 Proz. der staaltich veranlagten Grundsteuer erzielt habe, richte sich gegen die gesetzmäßig zustande gekommene Verteilung des sleuerbedarfs, und darüber stehe dem Verwaltungsrichter kein Nach- prüfungsrecht zu. Die Kläger legten noch Revision ein. Das O b e r v e r w a l t u u g s g e r i ch t beschloß nach langer Beratung, die Enlscheidung auszusetzen und das Urteil nach erfolgter Entscheidung nur durch schriftliche Zustellung an die Parteien zu verkünden.____ Tie dünne Eisdecke. Beim Schlittschuhlaufen ist gestern der 10jährige Schüler Lindenau aus der Lothringer Straße 41 in Weißensee ertrunken. Der Knabe hatte sich trotz vielfacher Warnungen zum Schlittschuhlaufen auf die nur noch ganz dünne Eisdecke des Weißen Sees gewagt und war schon nach wenigen Schritten eingebrochen. Die.Hilscruse des Knaben verhallten ungehört und so mußte der Bedauernswerte ertrinken. Die Leiche konnte später geborgen werden. Ei» Opfer seines Berufes. Einem tragischen Geschick ist am Dienstag ein bekannter Groß-Lerliner Arzt, der Professor Dr. med. Richard Neuhauß zu Groß-Lichicrfeldc erlegen. Ter im 00. Lebensjahre flehende Mediziner hatte sich freiwillig zum Dienst im Sanitätswesen ge- meldet und aus seinen Wunsch war ihm die Leitung der neu erbauten Kriegsbaracke in Berlin-Lichterfelde übertragen worden. Gleichzeitig verwaltete Professor Neuhauß auch die in umniltclbarstcr Nähe befindliche große Diphtheriebarackc. Bereits in der ersten Woche seiner Tätigkeit infizierte er sich bei Herstellung von Präparaten und der Untersuchung von Diphtheriekulturen so schwer, daß die hinzu- gezogenen Aerzte nur geringe Aussichten auf Erhaltung seines LebenS machen konnten. Nach schweren Leiden ist Professor Dr. Richard Neuhauß am Dienötag gestorben. Für 500 000 Mark T au ersteif chw arcn. Die Steglitzer Gemeindevertretung bewilligte einen Kredit bis 000 000 M. zur Beschaffung von Fleischwaren. Der eingesetzte Ausschuß, dem auch Genosse Aßmann angehört, hat das Recht, Sachverständige heranzuziehen. Außerdem' wird sich � der Ausschuß auch mit der Brot- und Mehlversorgung unserer Gemeinde zu beschäftigen haben. Tie LustbarkeitSsteucr für Kinos wurde durch Gemelndebeschluß auf die Hälfte ermäßigt. Eiu verhängnisvoller Zusammeustost. - Gestern nachmittag um 31-s Uhr stießen vor dem Grundstück Seydetstraße 20 ein Pferdeomuivus und eiu Straßenbahuwageu zu- sammen. Hierbei fand der 04 Jahre alte Kaufmann Gerhard Thiele, der Kassierer bei der Diskontogcsellschaft war und in der. Dresdener Straße 114 wohnte, den Tod, während ein zweiter Fahr- gast durch Glassplitter verletzt wurde. Ter Omnibus(Linie 0) kam vom Moritzplatz gefahren und bog vor dem. Hause Sendet- straße 26 Asphaltarbeitern aus, als zu gleicher Zeit vom Spittel- markt her eiu Straßenbahnwagen(Linie 67) augcfahreu kam. Ter Führer dieses Wagens vermochte nicht mehr schnell genug zu bremsen und so fuhr der Straßenbahnwagen dem Pferdeoin uibuS in die linke Seite. Bei dem Zusammenstoß wurde die Scitenwand des Omnibusses eingedrückt und die Scheiben zertrümmert. Thiele erlitt bei dem Anprall einen Nervcnchok, verlor die Besinnung und konnte nicvt mehr ins Leven zurückgerufen werden. Ter durch Glassplitter verletzte Fahrgast konnte, nachdem er auf der Hilst- wache verbunden worden>var, nach Hause gehen. Ein falscher Burcauvorstchcr. Bei dem Justizrat Runge au? der Wilhelmstraße meldete sich Ansang vorigen Monats ein 26 Jahre alter Richard Bieblcr mit vorzüglichen Papieren, nach denen er von seinem 16. Lebensjahre an bis jetzt bei einem Rechtsanwalt in Ostpreußen beschäftigt gewesen wäre. Durch den Tod des Anwalts, so crklärle er seine Bewerbung, sei er stellungslos geworden. Auskunft über ihn könne ein Sohn de? verstorbenen Anwalts geben, der als Assessor in der Pankstraße wohne. Der Jusiizrat erhielt von dem Assessor die beste Auskunst über Biebler. Daraufhin stellte er den Mann an. Es zeigte»ch aber bald, daß Bichlcr von den Aufgaben eines Bureauvorstehers keine Ahnung halte. Am Montag ging nun von einer größeren Fabrik ein Belrag von 0 Familien der zum Heeresdienst Einberufenen. Diese Sitzungen sind öfscnlltch. Jeder Ecmeindcangehörige ift be- rechttgt, lhiie» als Zuhörer bcizuwohnem Sriefkasten üer Redaktion. Die suriftische Sprechstunde findet für Abomlentcn Lindeustr. Z. IV...>Sen>eindezu!chus erhallen. 2 Das ist möglich.— Frl.. Lichtenberg. Sie sind zur EiiibebaUung der Sachen nicht berechtigt. Fordern Sie die Betreffende aus, die Sachen innerhalb einer von Ihnen zu beftimmeiidcn Frist gegen Zahlung der Schuld abzuholen f eventuell müßleu Sie Ihre Forderung eintlageii.— Koch 20. Folgen