Nr. 58. Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Vierteljährlich 3,50 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big. frei In's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mi tluftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Boft- Abonnements 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Deiterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Breisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Bfg., für Vereins: und Bersammlungs Anzeigen 20 Bfg Inferate für die nächste Nummer müssen bis Uhr Nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Die Grpedition in an Wochen= tagen bis 7 Ubr Abends, an Sonn und Feittagen bis 9 Uhr Bormittags geöffnet. Eernsprecher: Amt I. 1508. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Sonnabend, den 10. März 1894. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Am Mittwoch, den 7. Februar d. J., bringt der Vorwärts", Bur Naturgeschichte Dieses Muster- Schriftstück spricht Bände. Für die Ver-| Regierung für Interessen arbeiten, die sie als staatliche, säumniß der Zeit durch Ausübung des Wahlrechts bei den d. h. als solche des Allgemeinwohls anzusehen lieben. des Dreiklassen- Wahlsystems. Reichstagswahlen wird den preußischen EisenbahnDie Gründe, aus welchen die preußische Regierung mit Arbeitern, wie einzelne Unterbehörden naiver Weise scheinen so zäher Hartnädigkeit an dem elende sten aller Wahl- angenommen zu haben, keine Entschädigung gewährt, dazu Der Rechtsstreit der Hilfskaffen liegt, wie Herr Thielen sagt, kein Bedürfniß" vor. gesete festhält, werden durch ein Rundschreiben illustrirt, 23 arum liegt aber ein Bedürfniß vor für die Versäumniß und deren Aerzte. das uns das Märzlüfterl wieder einmal auf unseren der Zeit bei den Landtagswahlen? Sehr einfach: weil das Redaktionstisch wehte. Das fragliche Schreiben ist aus dem Reichstags- Wahlrecht geheim ist und man die Abstimmung 2. Beiblatt unter der Ueberschrift der Lohnkampf der Berliner Eisenbahnministerium hervorgegangen und trägt die Unter nicht kontrolliren kann, wohingegen bei dem Landtags Hilfefaffen- Aerzte" aus ärztlichen Kreisen einen Artikel, auf den schrift jenes Ministers, der sich bisher sowohl durch die Wahlrecht die Stimmabgabe öffentlich ist, der Abstim. die Bereinigung freier eingeschriebener Hilfskaffen von Berlin schrift jenes Ministers, der sich bisher sowohl durch die Lohn und Gehaltsherabsetzungen und sonstige Ersparnisse, die in seinem Ressort an der Tagesordnung sind, werden kann. Kein Eisenbahnarbeiter darf wagen, öffent Aerzte mit den Arbeitern auf eine Stufe, desgleichen die ärzt mende also in bezug auf seine Abstimmung kontrollirts und Umgegend folgendes erwidert: In der Einleitung des Artikels stellt der Artikelschreiber die wie durch die strammen Maßregeln gegen Arbeiter lich für lich für einen einen der Regierung geguerisch gesinnten lichen Vereine mit Fachvereinen, Gewerkschaften 2c. Hierauf ist und Beamte einen wohl nicht viel beneideten Kandidaten zu stimmen bei Strafe der Entzu erwidern, daß der Arzt sich wohl bestens bedanken Namen machte. Es ist also wie unsere Leser jetzt wissen, I aſſung das zeigen die Erfahrungen, welche unter würde, wenn der Bruder Arbeiter dem Bruder Arzt sich gleich Herr Thielen, der uns zu Gemüthe führt, daß ein Staats- dem Regimente des Herrn Thielen, als Leiters der stellen wollte. Wie sollte dies auch anders sein, stammen doch betrieb einmal dazu da ist, Plusmacherei zu gunsten des Eisenbahndirektion zu Hannover, die dortigen Eisenbahn- die Aerzte nur aus der Bourgeoisie und als echte Bourgeois Staats und auf Koften des Publikums zu betreiben, und arbeiter gemacht haben. Wer also von den Eisenbahn- nehmen sie Anstoß daran, daß die Krankenkassen sich nur das das andere Mal den Zweck hat, staatserhaltende Politik arbeitern bei den Landtags= Wahlen stimmte, stimmt Recht vorbehalten wollen, das Arzthonorar mit zu bestimmen. regierungsfreundlich, und diesen läßt Herr lichen Blätter, das Honorar in der Sprechstunde des Arztes auf Das Rundschreiben lautet: Thielen eine Ermunterung" zur Wahlbetheiligung eine Mark, in der Wohnung des Patienten auf zwei Mark zu Ministerium der öffentlichen Arbeiten. zukommen, indem er ihnen eine Entschädigung für die ver- normiren. In den Berliner ärztliche Mittheilungen" Nr. 2 vont fäumte Beit gewährt. Wie liebenswürdig, wie nett Herr Jahre 1892 steht ausdrücklich gedruckt,„ Entscheidend in dieser Thielen ist. Frage kann doch nur dasjenige feiu, was uns unserm Ein verbiffener Sozialdemokrat könnte behaupten, daß Biele, nämlich, daß die Berliner Kaffen bei freier Arztwahl darin eigentlich eine Bestechung liege und der§ 109 des jede einzelne Dienstleistung zur vollen Tage honoriren, näher Reichs- Strafgesetzes Anwendung finden mußte. Wir gehören erjireben. Ob die Raffen resp. die Mitglieder dieses hohe Honorar bringt u. f. w." Hieraus ist genau zu ersehen, was die Aerzte nicht zu diesen Verbissenen und sprechen deshalb Herrn Thielen aufzubringen in der Lage find, ist den Aerzten ganz gleichgiltig. von dem Verdachte frei, daß er durch Gewährung einer Stellte doch der jetzige Vorsigende des Berliner Hilfskaffenärztefolchen Entschädigung eine Art Bestechung habe ausüben Vereins die Forderung auf, daß in erster Linie für das Arztwollen. Herr Thielen hatte sicher nichts anderes im honorar zu sorgen sei, es wurde ihm aber bedeutet, daß erst die Auge, als den preußischen Eisenbahn Arbeitern die Krantenunterstüßung fomme. Es tritt immer flarer zu Tage, Bethätigung ihrer politischen Bürgerpflicht zu erleichtern; daß die sogenannten sozialpolitischen Geseze nur der Bourgeoisie und wenn diese Erleichterung zu gunsten der eben im zu gute kommen. Das Krankenkassengeset den Aerzten und vor Regimente sigenden Männern ausfällt, unter denen zufällig allem den Apothekern. auch Herr Thielen sich befindet, dann kann nur sozial demokratischer Nörgelgeist darin etwas Unrechtes sehen. zu treiben.. = Berlin, den 13. Februar 1894. Die durch den Erlaß vom 19. v. M.- P. IV( 1) 10 398 ertheilte Ermächtigung, den bei der Eisenbahn beschäftigten Arbeitern für die durch Ausübung ihres Wahl rechts versäumte Arbeitszeit auch bei fünftigen Wahlen eine Lohnvergütung zu gewähren, soll sich, wie ich der Röniglichen Eisenbahn Direktion auf den Bericht vom 3. b. m. 1 A. 762 erwidere, nur auf die Land tagswahlen beziehen. Für die Reich 3 tagswahlen besteht zum Erlaß einer entsprechenden allgemeinen Anordnung tein Bedürfniß. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. An die Königliche Eisenbahn- Direktion in Elberfeld. Abschrift zur Kenntniß und gleichmäßigen Beachtung. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. ( gez.) Thielen. An die übrigen Königlichen Eisenbahn- Direktionen. P. IV.( I) 988. Hannover, den 21. Februar 1894. Abschrift übersenden wir unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 31. v. Mts. S. 107 I zur Kenntnißnahme. Königliche Eisenbahn- Direktion. Förster. An die Königlichen Eisenbahn- Betriebsämter, " zwischen der Vereinigung Freier eingeschriebener Hilfskaffen und In dem Artikel heißt es weiter, daß der Kampf, der jetzt den Aerzten entbrannt sei, nur von dem Vorsitzenden der VerWer im Rohre fißt, schneidet sich die Pfeifen", sagt einigung gegen die Aerzte geführt werde. Diese Ansicht ist, wie ein Sprichwort, und Herr Thielen sizt im Rohre und thut jeder weiß, der unsere Organisation tennt, unrichtig. Die zur nur, was andere vor ihm gethan haben. Warum ließen Bereinigung gehörigen Kassen wählen jede für je 1000 Mitaber die bürgerlichen Parteien, die so lange in der zweiten glieder refp. für das angefangene Tausend einen Vertreter Kammer am Dönhoffsplay die Majorität besaßen, ein Wahl- resp. Stellvertreter, diese bilden die Vereinigung. Die Vertreter recht bestehen, das in so offenbarer Weise die Beeinflussung Borstand zur Leitung der Geschäfte. Sämmtliche Beschlüsse werresp. Stellvertreter wählen einen aus 7 Personen bestehenden hier durch die Regierung und ihre Werkzeuge, dort durch den nur von den Vertretern gefaßt. In den Arbeiterorganisadie herrschenden Klassen und ihre Werkzeuge ermöglicht? tionen ist der Vorstand resp. Vorsitzende nur zur Ausfüh Weil die bürgerlichen Parteien zu egoistisch, zu charakter- und rung der gefaßten Beschlüsse befugt. zu gewissenlos sind, um nicht ein Wahlsystem zu stützen, das Eine Arbeiterorganisation würde keinen Vorstand dulden, rechtigkeit fördert. die Herren Vorstände und Vorsteher der Abtheilungen des ihre eigenen Interessen auf Kosten von Wahrheit und GeZentralbureaus und der Hauptkasse, die Herren Vorstände der Hauptwerkstätten, den Herrn Telegraphen- Inspektor Fink, hier, den Herrn Eisenbahn- Bau- u. Betriebs- Inspektor Everken, hier, den Herrn Landbauinspektor Bergmann in Osnabrüd, den Herrn Eisenbahn Bau- und Betriebs Inspektor Meyer in Harburg, # den Herrn Abtheilungs- Baumeister Diesel in Detmold, den Herrn Abtheilungs- Baumeister Hengen in Gladenbach ( je besonder 3). No. S. 279 I ad. Feuilleton. Nachdruck verboten.] ( Alle Rechte vorbehalten [ 63 Das elendeste und erbärmlichste aller Wahlgesete iſt aber ganz vortrefflich geeignet, um als Werkzeug der Klassenherrschaft zu dienen, und wer immer unter den gegenwärtigen Verhältnissen in der Regierung fitt, es sind nur die Bevollmächtigten der herrschenden Klassen, die die Intereffen der letzteren wahrnehmen. welcher eigenmächtig handelte, der Vorstand als solcher würde verantwortlich gemacht werden, wenn er duldete, daß der Vorſizende nur versuchte, willkürlich zu handeln, das weiß jeder organisirte Arbeiter. Weiter heißt es, von dem Arzthonorar würden 5 pGt. Berwaltungstoffen in Abzug gebracht und die Sache so dargestellt, als ob die 5 pet. nur für die Bereinigung bestimmt seien. In Wirklichkeit ist die Sache wesentlich anders. Von den 5 pCt. werden die Rezeptformulare, die Bons zur Beweisführung Das Rundschreiben des Herrn Thielen beweist nur der ärztlichen Behandlung, die Zirkulare, betreffend Angabe der wieder, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Männer in der Mitgliederzahl und die ungeheueren Portofoften, welche bei VerUnd er steht noch immer vor ihr mit wild klopfendem jagenden Pulse, sein eigenes Herz klopfte nicht heftiger; Herzen, ein Wort erwartend, einen Blick nur, der diesen aber er umschlang diese zitternde Hand mit keinem Sturm in seinem Innern beschwören soll; aber als er den heißeren Druck und ohne ein Wort zu sagen geleitete er Schauer beinerkt, der sie überrieselt, erbleicht seine männ- sie durch den dunkelen, gewundenen Korridor in's Freie. liche Wange. In diese bewegte Stille drang das Abendläuten vom Thurme von Andelfingen her, dem die Glocken von Ossingen antworteten. Konrad richtete sich auf. " Ich muß fort!" Auch sie erhebt sich. Helene. Roman in zwei Bänden von Minna Kautsky. Sie haben den ungleichen Pakt zerrissen es war eine fittliche That!... Jezt sind Sie frei und unabhängig... heute brauchen Sie niemand zu fragen.. heute fönnen Sie Ihren Gatten selbst wählen, und eine Che schließen, die einzig diesen Namen verdient... Eine Ehe, wo sich zwei Menschen zusammenfinden in ihren feinsten, dann ist es hohe Zeit." subtilsten Empfindungen, aber auch in ihrem kräftigsten physischen Wollen und Verlangen und"... er hielt inne, in flammender Erregung und plöglichem Bagen seine zitternden Lippen sprachen nicht weiter... aber seine Augen fetten die leidenschaftliche Werbung noch fort. Und sie empfindet den ganzen Zauber dieser keuschen und frischen Männlichkeit, und es ist der berückendste, den ein Mann auf ein Weib üben kann aber gerade seine jungen flehenden Augen brachten einen Stachel in ihre Seele, ein jähes Erschrecken. " -O Wenn Sie den Zug in Dffingen noch erreichen wollen, Er rührt sich nicht er steht unbeweglich was geht in ihm vor? Da ergreift fie's wie Angst, und in zitternder Verfie weiß taum was fie thut springt sie gegen wirrung fie weiß faum was fie thut die Thür und öffnet sie. Er nimmt seinen Hut und geht ihr nach. Sie sind im Stiegenhaus oben hat das Pochen und Hämmern aufgehört. Der Kastellan wird gleich herunterkommen," flüstert sie; darauf gehen sie rascher die Treppe hinab, als flüchteten Sie tam sich ihm gegenüber plötzlich alt vor.... fie vor einem Feind. Als sie die Halle erreicht hatten, hörte ihre Blüthe war abgestreift. Eine so schreckliche Ehe, wie man im oberen Stockiverke die Thüre öffnen. die ihrige, verwüstet sie nicht den Geist und den Körper? Helene, die voran ging, beschleunigte ihre Schritte. Und kann aufs neue erblühen, was zerpflückt und zertreten Da entfuhr ihr ein leises" Ah!" ihr Fuß strauchelte ist? Wie ein großer Schmerz überkommt sie's, über ein zu über die ausgebrochene Stelle. spät erkanntes, unwiederbringlich verlorenes Glüd. Thränen stürzen in ihre Augen, die sie rasch mit den Händen bedeckt. Aber ebenso rasch hatte er sie gefaßt und vor dem Hinstürzen bewahrt. Er behielt ihre Hand in der seinen und fühlte ihre Die Sonne war schon gesunken, aber die Höhen leuchteten in einem glühenden Roth, das alles verklärte. Er hatte ihre Hand losgelassen und sie gingen die Mauer entlang, stumm neben einander her. Schon konnte man durch die Bäume nach dem Anger blicken, da war niemand, er konnte sich unbemerkt entfernen. Er blieb stehen. Leben Sie wohl, Helene." Sie sah zu ihm auf und blieb betroffen vor der ernsten nervösen Entschlossenheit, die sich in jedem Zuge seines Gesichtes aussprach. Nie vorher hat sie ihn so gesehen und sie kann nicht loskommen von diesen ernsten Augen mit dem tiefen Schatten unausgesprochenen Wehes. Er wird gehen in seiner trogigen Männlichkeit und schweigend es tragen aber sie Sie wankt und lehut sich gegen die Mauer... Etwas Außerordentliches geht in ihr vor... plöglich ist es flar sie wußte bisher nicht, was Liebe sei, weil Keiner, Keiner sie noch geliebt hat, wie er, mit jenem heiligen und großen Gefühl- das auch ihr die Brust zersprengen will und das ein Almosen verwirft, weil es nur Alles um Alles tauscht. Errieth er, was sie bewegt? In einer energischen Bewegung streckt er ihr beide Hände entgegen. Sie wirst sich an seinen Hals... ihre Arme umschlingen ihn fest. fenbwng dieser Gegenstände verursacht werden, desgleichen Porto. kosten für Geldsendungen an Aerzte. welche Liquidationen eingereicht haben, bestritten. Alle diese Ausgaben sind nur ärzt- liche und keine Kassenausgaben. Doch nicht genug damit, auch die Arbeiten, die daraus entstehen, die nur im Interesse der Aerzte liegt, muß die Vereinigung resp. der Vorstand machen. Der Verein der Berliner Hilfskasscnärzte kündigte zum ». April d. I. den Vertrag, um besser« Bedingungen zu erzielen, d. h. um von den Kassen noch mehr Rechte zu erhalten, denn daß sich die freien Hilfskassen dem Verein der freigewählten Kassen- ärzte nicht anschließen würden, wußten die Aerzte genau. Die Vereinigung kundigte den Vertrag ihrerseits, um mit dem Vereine überhaupt keinen Vertrag abzuschließen. Die Kündigung war vor sechs Monaten im Prinzip schon von der Vereinigung be- schlössen, da die Kassen an Händen und Füßen sich durch den Vertrag gebunden hatten. Der jetzige Vertrag wäre auch von den Hilfskassen nicht angenommen worden, wenn mehr Zeit zum Verhandeln gewesen wäre; die Aerzte hatten eS verstanden, die Verhandlungen hmzuziehen. Von den Gründen, welche die Vereinigung zur Kündigung veranlaßte, sollten nur ein paar hier angeführt werden. Wenn Beschwerden gegen einen Arzt von Patienten gemacht wurden, so bekam nie der Patient Recht, immer der Arzt, wenn das Unrecht des Arztes zu klar zu Tage trat, so lag dann Jrrlhum des Arztes vor, so daß in der Versammlung der Vereinigung kon- statirt wurde, eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus. Bei Liquidationen fremder Aerzte(z. B. für Unfälle auf Bauten oder in Werkstätten, ganz plötzlicher Erkrankung u. f. w.), wenn ein Vereinsarzt nicht zu erlangen war, oder sich verleugnen ließ, oder den Besuch bei Nacht überhaupt ablehnte(jetzt liegen wieder ein paar Fälle vor), wollten die Aerzte diese Kosten, trotzdem dieselben von den Aerzten laut Vertrag beglichen werden mußten, nicht zahlen. Erst nachdem vom Vorstande der Vereinigung energisch vorgegangen wurde, ließ sich der Vorstand der Aerzte herbei, diese Liquidationen fremder Aerzte, wenn sich nichts mehr entgegnen ließ, zu honoriren, nachdem vom Patienten ein Rechtfertiguugsschreiben beigebracht wurde, in dem die Forderung detaillirt war. Wenn man nun bedenkt, wie schwer den Arbeitern das Schreiben wird, so begreift es sich wohl, daß Viele auf Ersatz der Honorarforderung verzichteten, wenn sich nicht ein Kassenbeamter herbeiließ, dieses Schreiben einzureichen. Bei Unfällen, speziell in neuen Stadtvierteln, wenn weder ein Vereinsarzt, noch ein anderer Arzt zu erlangen war, die Wunden aber sofortige Reinigung, Blutstillung und Verband er- forderten, mußten die Patienten zu einem Heilgehilfen gehen resp. gebracht werden. Die Liquidationen derselben für Ver- bände, welche doch unstreitbar ärztliche Thätigkeit ist. weigern sich die Aerzte überhaupt zu honoriren. Es ist vorgekommen, daß die Honorarforderung eines Arztes für Verband 6 M. betrug, welche bewilligt wurden. Für denselben Verband, bei einem anderen Mitglied von einem Heilgehilfen ausgeführt, welcher l,S0 Mark kostete, lehnten die Aerzte die Bezahlung der Forderung runtnveg ab. Auf dem Gesund brunnen war seinerzeit nur ein Arzt angestellt, trotzdem die Vereinigung den Aerztevorstand gebeten hatte, doch mindestens einen weiteren Arzt anzugeben, welcher geneigt sei, für die Hilfskassen zu praktiziren. Als der alleinige Arzt'seine Pflichten nichterfüllte, wurde ein Arzt, welcher sich gemeldet hatte, von der Vereinigung in Vorschlag gebracht; dieser Arzt wurde vom Aerztevorstand seines sittlichen Verhaltens wegen abgelehnt. 24 Stunden später war der Grund des sittlichen Verhaltens be- kannt: der Arzt war Antisemit. Diese Beispiele dürsten genügen, sie könnten noch beliebig vermehrt werden. Das sind auch die Gründe, welche die Ver- einigung zu dem Entschlüsse veranlaßten, mit dem Verein der Berliner Hilsskassen-Aerzte einen neuen Vertrag nicht mehr ein zugehen. Es ist«ine grobe Unwahrheit, daß die Vereinigung sich heim- lich mit einzelnen Aerzten in Verbindung gesetzt habe, die Ver einigung hat sich nur mit den alten Aerzten in Verbindung ge setzt und jedem, den die Versammlung der Vertreter nicht abge> lehnt hat, zwei Verträge nebst Begleitschreiben zugesandt. Nun zu dem neuen Vertrag-, welchen der Artikelschreiber rigoros und unannehmbar bezeichnet. In dem neuen Vertrage sind dieselben Bedingungen enthalten, wie in dem alten, mit Ausnahme, daß von diesem Vereine keine Rede mehr ist. Der Vertragsentwurs ist jedem Vertreter der Vereinigung ge- druckt zugesandt worden, desgleichen dem Vorstande des Verbandes der Freien Krankenkassen in Hamburg; der Vertrags- eutwurf war in den Händen der einzelnen Vertreter eine Woche, damit dieselben ihn genau prüfen konnten, der Vertrag ist dem- nach nicht das Werk des Vorsitzenden, sondern ist von den Ver- treten, der Kassen, so wie derselbe vorliegt, nach längeren Verhandlungen angenommen worden. Auch wurde zur Aus- arbeitung desselben«ine Kommission von S Vertretern Nur das Abendroth guckt in den stillen Winkel hinein und wirft seinen glühenden Widerschein auf ihr schönes Gesicht, das aufwärts, ihm zugeivendet bleibt und auf das er Kuß um Kuß drückt. .Auf Wiedersehen!* sagen sie und sagen eS immer wieder, weil sie sich nicht zu trennen vermögen. Endlich geht er doch. Aber ehe er um die Ecke biegt, muß er noch einmal sich umsehen. Sie stebt an die Mauer gelehnt, wie in seliger Er- mattung und lächelt und grüßt mit den Augen. Und in seinem überströmenden Glück überkommt ihn der alte Uebermuth: mit beiden Händen faßt er die zarten weißen Blüthen der Waldrebe zu einem Büschel zusammen und schlingt die langstieligen Winden und Wicken darüber und formt einen großen Blumenknäuel, den er ihr' zuwirft, als seinen endgiltig letzten Liebesgruß. Die blauen und weißen Blumen umrieseln sie. Sie faßt sie zusammen, drückt sie an ihr Herz, an ihre Lippen, und während Thränen aus ihren Augen stürzen, befragt sie sich selbst über das Wunder: Ist es denn möglich'■ Ist es möglich, daß alles, was sie erstorben glaubte, nun erst z» Blüthe und Dust gekommen ist! X. Der große weitläufige Perron des Bahnhofes in Winter- thur, wo die verschiedensten Linien zusammentreffen, zeigte, wie immer während der Reisesaison, bei Ankunft und Ab- gang der Züge, eine mannigfaltige, ineinander fluthende Bewegung. Diele Reisende verlassen hier'den Zug, um die Richtung zu wechseln, andere kommen herzu. Unter Denen, welche, um die rasch nach einander eintreffenden Züge zu erwarten, den Perron auf- und abschritten, be- fanden sich auch Konrad und ein jüngerer Genosse, die sich indeß absichtlich von«inander fern hielten. Konrad hatte seinen zugespitzten Knebelbart heute noch etwas kürzer geschnitten; er trug keine Kravatte; der Hemd- kragen war weit zurückgeschlagen und der Rock bis an den Bals zugeknöpft, so daß auch kein Streifen Wäsche zum erschein kam. Eine junge Engländerin, die promenirend auf und nieder schritt und bald von rechts, bald von links an ihm vorbei schlenkerte, äußerte sich ihrer Begleiterin gegenüber sehr entrüstet über diese Inkorrektheit,„ll'üo fsllov looks shocking!" versicherte sie. Aber die Acltere kicherte, während sie hinter ihrem gewählt. Die Bereinigung hat ferner abgelehnt, mit dem Verein Berliner Hilfskassenärzte einen Vertrag einzugehen welcher in seinem Statute den einzelnen Vereinsärzten unter sagt, mit dem Vorstande der Vereinigung sowohl wie mit einem Vorstande der betheiligten Kassen in Konkurrenz zu treten, es mußte demnach jede Beschwerde dem Vorstande der Aerzte erst eingereicht werden. Außerdem stand den Aerzten das Recht zu. jederzeit auszutreten, so daß es vorkam, daß die Patienten längere Zeit sich vergebens bemühen mußten, ehe sie ärzt liche Hilfe erhielten. Die Anstellung und Absetzung der Aerzte wrrd nach§ 4 des Vertrages mit einem aus sieben Aerzten bestehenden Ausschuß gemeinsam berathen, die Aus führungen dieser Beschlüsse erfolgt von Seiten der Vereinigung. wie es auch nach dem allen Vertrage gehandhabt wurde. Die Ab- [etzinig eines Arztes soll ohne weiteres erfolgen wegen sittlicher Verbrechen oder Vergehen, darunter versteht die Vereinigung solche, wie sie ein Arzt im vorigen Jahre in Rixdorf be- gangen hat. Im übrigen soll der Ausschuß der Aerzte dieselben Funk- tionen haben, wie jetzt der Vorstand der Aerzte. Die Jnstruk- tionen und sonstigen Bestimmungen werden ebenfalls mit dem Ausschuß gemeinsam getroffen. Verbolen ist den Aerzten in keiner Weise, einen Verein zu bilden, resp. ihren Verein zu behalten, die Vereinigung schließt nur mit jedem einzelnen Arzte den Vertrag. Welcher Fachverein kann heut die Fabrikanten bestimmen, diesen oder jenen Arbeiter einzustellen, jeder Fabrikant würde die Arbeiter nur auslachen, wenn ihm so etwas zugemuthet würde. Wenn die Vereinigung noch nicht gewußt hätte, daß sie den Aerzten gegenüber keine Rechte nach dem alten Vertrage hätte, so belehrte sie der Vorsitzende der Aerzte in der letzten gemein� samen Sitzung, in der er ausführte, die Unterschrist des einzelnen Arztes unter dem alten Vertrage sei gegenstandslos, indem der Vertrag mit dem Vereine der Berliner Hilsskassenärzte ge schloffen sei. Die Garantie für Arzthonorar w. von Seiten der Kasse» bleibt ebenso gesichert, wie sie es bis jetzt war; da dieselben sich statutarisch verpflichtet haben, allen ihren Verpflichtungen zu dem festgesetzten Termin nachzukommen. Einen recht komischen Ein- druck ruft der Aufruf des Vorstandes der Berliner Hilsskassenärzte in der„Medizinischen Reform" Nr. 4 vom 27. Januar d. I. und in dem vertraulichen Rundschreiben, welches an die Aerzte ver- sandt wurde, hervor. In demselben wird im letzten Absatz der Vorstand der frei gewählten Kassenärzte angefleht, doch ja den »ölhigen Druck(d. h. event. Ausschluß aus dem Vereine der frei gewählten Kassenärzte) auf seine Mitglieder auszuüben, was inzwischen geschehen ist. Dem einzelnen Milgliede soll eventuell verboten sein, einen Vertrag k vnt den Freien Hilfsknssen einzugehen; dem Verein der Berliner Hilfs- kassen-Aerzte als solchem muß dieses aber gestattet werden, trotz- dem dieselben alle im Verein der freigewähllen Kassenärzte sind. Jetzt erinnern sich auch die Hilsskassen-Aerzte ihrer Kollegen, an welche sie sich mit dem Ersuchen wenden, ja nicht einen Vertrag mit der Vereinigung einzugehen. Als ihnen das Bestimmungs- recht der Anstellung bei der Vereinigung zustand, da waren ihre Kollegen für sie nicht vorhanden, es wäre ja dann ein kleinerer Antheii des Arzthonorars auf sie entfallen. Man ging sogar so weit, daß, als der Aerzte- vorstand der Vereinigung das Anstellungsrecht zugestehen mußte, er erklärte, an den ohne seine Zustimmung aufgenommenen Arzt kein Honorar zu zahlen. Einen schweren Kanipf hatte es ge- kostet, um wenigstens zwei Nnturheilärzte aufzunehmen: Homöopathen dürfen aber unler keinen Umständen aufgenommen werden, die wurden einfach für Kurpfuscher erklärt. Jetzt sind aber alle werthe Kollegen, damit nur ja nicht ein Vertrag zu stände komme. Wenn der Vorstand des Vereins der freien Arztwahl die Aerzte, welche einen Vertrag mit der Vereinigung eingehen, ausschließen würde, müßten logischer Weise auch die Gewerks-Krankenkassen- Aerzte, die Armenärzte und die sonstigen Aerzte, welche ander- weitige Verträge z. B. mit der Schutzmannschast, Pferdebahn, Eabrikkassen, Krankenpflegerverein, Schneider und Schuhmacher rlskasse u. a. m. eingegangen sind, ausgeschlossen werden; Was würde wohl dann noch übrig bleiben von dem Verein der sreigewählten Kassenärzte? Es sei hier ausgesprochen, daß den Kampf, den die Hilsskaffen mit ihren Aerzten jetzt ans- kämpfen, nach kurzer Zeit die freie Vereinigung der Ortskassen mit dem Verein der freigewählten Kassenärzte zu führen gezwungen f ein wird, wenn das Weilerbestehen der Kassen nicht gefährdet werden soll. Die Vorpostengefechte haben bereits stattgefunden. Dies zur Kenntniß der Mitglieder freier eingeschriebener Hilfskassen. Die Vereinigung ist keinen Augenblick im Zweifel, mit ihrem Vorgehen gegen die Aerzte den richtigen Weg ein- geschlagen zu haben; dies ergab auch die Versammlung von Vorstandsmttgliedern am 13. o. Mts., die von dem Aerzte- Fächer den Wäschelosen noch aufmerksamer betrachtete und meinte, daß dieses„Sdort ok Imsn" nur Koketterie von dem Manne sei, um seinen kräftigen, schön gebauten Hals sehen zu lassen. Konrad schenkte den Damen keine Aufmerksamkeit. Er lächelte wohl einmal, worauf sich die Beiden mit den Ellen- bogen stießen und ein„look at hiß teeth" einander zuflüsterten, aber das Lächeln schien nur seinen eigenen Ge- danken zu gelten. Der heranbrausende Zug machte diesem müssigen Zeit- vertreib ein Ende und nahm die Aufmerksamkeit Aller in Anspruch. Ein Hasten und Hinundherlanfen begann, ein Rufen nach den Kommissionärs, ein sich Rüsten zum Einsteigen, denn der Zug hatte nur einige Minuten Aufenthalt. Konrad hatte sich breit auf den Perron hingepflanzt, um sich jeden Aussteigenden genau anzusehen. Zwei Herren gingen an ihm vorüber und musterten ihn verstohlen. „Schwarzer Rock— keine Kravatte— keine Wäsche das stimmt ," flüsterten sie; der Eine kam auf ihn zu: „Mein Herr, können Sie uns sagen, wo hier der Doktor Pförtner woynt?" Konrad nickte.„Ja." Dann mit den Augen den jüngeren Genossen bezeichnend, der einige Schritte von ihm stand:„Wenden Sie sich an diesen, er wird Sie führen." Konrad grüßte und ging zurück, um gleich darauf von einem Zweite» angesprochen zu werden und hierauf von einem Tritten. Das Frage- und Antwortspiel wiederholte sich noch oft an diesem Vormittage. Mit den von allen Richtungen anlangenden Zügen waren nach und nach sämmtliche Delegirte eingetroffen. Sie wurden nach ihrem Namen befragt und hierauf ein Gasthaus in Wintcrthur ihnen bezeichnet, in deffen Saal sie sich, ohne Aufsehen zu erregen, zusammenfanden. Hier hatten sie sich zu legimitiren und erst nachdem ihre Identität unzweifelhaft festgestellt war, erfuhren sie den Ort des Kongresses aus dem Munde des rothen Post- meisters selbst. Truppweise wurden sie nun von ihm auf verschiedenen Wegen nach Schloß Wyden dirigirt. Die Einen fuhren mit der Bahn nach Andelfingen, die Anderen nach Ossingen, die Meisten zogen als fahrende vorstand einberufen war. Hoffentlich ist der Aerztevorstand be- lehrt worden, daß bei den Arbeitern nicht der Wille des Einzelnen, sondern der Gesammtheit maßgebend ist. Zum Schluß können wir erfreulicher Weise mittheilen, daß jetzt die Einigung mit den Aerzten statrgefunden hat. Der Vorstand der Vereinigung freier eingeschriebener Hilfskassen von Berlin und Umgegend. I. A.: Jul. Schindler, Vorsitzender. Polinfttje ZtebevVxtftf. Berlin, den 9. März. Aus dem Reichstage. Die ersten Stunden wurden heute ausgefüllt mit der Berathung der Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen, des Reichs-Schatzamtes und des Reichs- tages. Tie Debatte erhob sich bei keinem dieser Etats über einige allgemeine Bemerkungen. Etwas lebendiger wurden die Verhandlungen, als die gestern zurückgestellten Schiffsbauten dran kamen. Der Abg. Richter hatte für beide Schiffe namentliche Abstimmung beantragt. In der Debatte suchte der Abg. Bachem den Umfall des Zentrums, das voriges Jahr gegen diese Schiffe gestimmt hatte, zu rechtfertigen. Da er bei dieser Gelegen- heit sich ein paar dumme Redensarten über die„Minorität leistete, welche sich den LuxuS der Ablehnung erlauben könne", fertigte Richter den vorwitzigen Herrn etwas derb, aber durchaus zutreffend ab. In der Abstimmung wurde bei 228 abgegebenen Stimmen das Schiff Ersatz„Preußen" mit 134 gegen 90 bewilligt. Das zweite Schiff Ersatz„Leipzig" dagegen bei 212 anwesenden Abgeordneten mit 117 gegen 95 Stimnien abgelehnt. Einige Nationalliberale und Zentrumsabgeordnete hatten das zweite Mal mit Nein gestimmt. Die weitere Forderung: Bau eines Aviso- Dampfers Ersatz„Falke" mußte durch Hammelsprung entschieden werden, wobei sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses ergab. Es stimmten 184 Abgeordnete, davon 99 mit Nein und 85 mit Ja. Das Haus wird hierauf bis 9 Uhr Abends vertagt. Bundesrath. In der am 8. d. M. unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten des Staatsministeriunis, Staatssekretärs des Innern, Dr. von Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde dem Entwurf eines Gesetzes wegen Verlängerung des bestehenden Handelsprovisoriums zwischen dem Reich und Spanien, sowie dem Ansschußantrage zu dem Entwurf von Bestimmungen, betreffend den Nachrichten- dienst in Viehseuchen-Angclegenheiten die Zustimmung er- theilt. Der Antrag Anhalts, betreffend die Zulassung ge- mischter Privattransitlager ohne amtlichen Milverschluß für Getreide am Wallwitzhafen bei Dessau, und die Vorlage, betreffend die zollfreie Ablassung von Bleiröhren bei Ver- wendung zur Ausrüstung von Seeschiffen wurden den zu- ständigen Ausschüssen überwiesen. Endlich wurden Eingaben vorgelegt.— Eine Sitzung, die keine Sitznng ist. Wenn man es genau nimmt, ist die heutige Abendsitzung des Reichstages nur ein Abend kr änzchen, ohne jede gesetzgeberische Eigenschaft. Der Präsident„vertagte" nämlich heute Nachmittag die Sitzung bis auf den Abend 9 Uhr. Er that dies, weil ein Hammelsprung die Beschluß- Unfähigkeit des HauseS festgestellt hatte. Nach festgestellter Beschlußunfähigkeit hört aber eine Sitzung auf. Und eine Sitzung, die aufgehört hat, die also nicht mehr ist, kann selbstverständlich nicht vertagt werden. Der Prä- ident hätte eine neue Sitzung anberaumen müssen. Kein Zweifel hieran. Freilich— niemand hat ein Interesse daran, die Sitzung für ungiltig zu erklären, und so wird ein Aug- zugedrückt, und die Sitzung, die thatsächlich weder ein ver- tagter Sitzungsrest noch eine selbständige Sitzung ist, wird 'ür voll genommen.— Die UngiltigkeitserklSrung der Wahl deS Reichstags- Abgeordneten Polenz hat denbesondcrenZorn der,�reuz-Ztg. erregt. Das Blatt meint, daß in der„Wahlprüfungs- kommission sonderbare Vorgänge" sich abspielen. DaS ist nun keineswegs der Fall. Gesellen gleich von Winterthur auS zu Fuß dem alten Raubschloß entgegen, in dessen Mauern sich am Abend des 20. August sämmtliche Theilnehmer des Kongresses ver- einigt hatten. Die Winzer, die in einer Reihe von Häuschen in der Umgebung des Schlosses sich angesiedelt, waren von der Arbeit nach Hause gekommen und hatten sich bald daraus �ur Ruhe begeben. Keiner sah nach dem alten Schlosse hinüber, das wie immer in Stille und Dunkel begraben lag. Aber plötzlich wurde es darin lebendig; die Fenster er- chienen erleuchtet und die leeren Wände hallten wieder von auten kräftigen Stimmen. Tie Männer, die aus allen Gauen Deutschlands, aus Oesterreich und der Schweis sich hier zusammengefunden hatten, schüttelten sich die Hände mir jenem festen, innigen Druck, mit dem sich Brüder und Kämpfer begrüßen. Sie alle sind sich der Bedeutung des Augenblicks wohl Iiewußt, und es ist wie ein Ueberspringen von Kraft und Feuer von einem zum anderen, das seine einigende und belebende Wirkung übt. Sie alle waren Angefeindete und Verfolgte. Die meisten waren ihrer bürgerlichen Existenz beraubt, getrennt von Weib und Kind, und doch hatte keiner ge- zögert, das Mandat anzunehmen, daS seine Genoffen ihm vertrauensvoll übertragen hatten. Es war ein tiefernster, feierlicher Moment, als einer der Führer der Partei, ein Mann noch jung an Jahren, ein Denker mit klarem, weitschauendcm Blick sich erhob, um die Genossen, die sich unter den schwierigsten Um- tänden hier versammelt hatten, in warmen, freudig be- wcgten Worten zu begrüßen. Ein edles Hochgefühl leuchtete auS seinen Augen, jener Muth, jenes Feuer, die nur der Kamps für unpersönliche und hohe Ziele entzündet. Mit Befriedigung und Rührung konnte er darauf hinweisen, daß die Partei trotz der Drangsalirungen der ! etzten Jahre an Haupt und Gliedern gesund geblieben war. Ungebrochen, voll innerer Lebenskraft, von den Verhält- nisscü selbst vorwärts getrieben, verlangte sie gebieterisch nach Weiterentwicklung. Und so konnten denn Alle, die hier ver- ammelt waren, im Namen jener großen Gemeinschaft sprechen, die zu einer Macht sich gestaltet, bestimmt die Welt in neue Formen zu wandeln.' (Fortsetzung folgt.) W mn daZ konservative Blatt von.Vergewaltigung" der Minorität redet, so mag hier doch konstatirt werden, daß eine ähnliche Handlung sich allerdings am ersten Tage der Berathung über die Wahl Polenz abgespielt hat. Als bei dieser Gelegenheit näm- lich der Antrag aus Ungiltigkeit gestellt wurde, fehlten zwei Mitglieder der Rechten und wurde von dieser Seite der Autrag auf Vertagung gestellt. Diesem Antrag wurde von der Linken auch nicht widersprochen. Da er- schienen plötzlich noch die fehlenden Mitglieder der Rechten. Jetzt hatte diese die Majorität und nun wurde d e r Antrag aus Vertagung zurückgezogen und nach Wiederaufnahme derselben nieder- g e st i m m t. Die Herren von der Rechten benützten also die Majorität, mit der„Kreuz- Zeitung" zu reden, zur Vergewaltigung der Minorität. Wenn dieser Koup am nächsten Tage, wo die Kommission bis auf ein Mitglied vollzählig war, wieder korrigirt wurde, so ist keine Vergewaltigung ausgeführt, sondern eine solche ab- gewendet worden.— Die Annahme des russischen Handelsvertrages wird von niemandem mehr bezweifelt, da ein Gegner des Vertrages nach dem anderen umfällt. Man streitet sich blas darum, ob der Vertrag mit 30 oder 50 oder noch mehr Stimmen angenommen werden wird. Nicht wie bei unS. Wegen Belästigung der zwei deutschen„Nnverschämtheits"-Schreier und wegen UN- befugten Eingreifens in die Funktion der bürger- lichen Behörde haben die an der„Sistirung" oder„Ver- Haftung" betheiligten schweizer, s ch en Offiziere in A i r o l o zwei Tage Hausarrest erhalten. In der Schweiz ist man in solchen Dingen— mit Recht— etwas strenger als in Deutschland, wo Offiziere nicht einmal, wenn sie, wie in Mainz und Köln, bürgerliche Kanaillen mit Degen zerhackt und durchbohrt haben, zu Hausarrest ver- urtheilt werden. Erwähnt sei noch, daß die gesammte schweizerische Presie die.Schneidigkeit" der Herren Offiziere verspottet und geißelt. Anläßlich unserer vorgestrigen Notiz über den Airolo- Fall haben wir nachstehende Zuschrift erhalten: Berlin, 8. März 1894. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bin im Allgemeinen ein sehr scharfer Gegner Ihrer politischen Ansichten, aber ich muh Ihnen doch aufrichtigsten Dank für die richtig« und mann- haste Art ausdrücken, in der S i» ganz a l l e i n die Affäre der beiden Deutschen mit den schweizerischen Offizieren de- sprechen. Ich habe mehrer« Jahre in der Schweiz gelebt und möchte daher noch aus zwei Punkte hinweisen. Ter Ausdruck„einladen" ist in der schweizerischen Amts- spräche gleich unserem„ersuchen" oder„auffordern", man kann jeden Tag in den dortigen Zeitungen z. B. folgendes lesen: „die Bunresregierung hat die Kanlonsregierung„eingeladen" über folgende Punkte zu berichten." Ferner ist es südlich der Alpen ganz gewöhnlich, die Thören aufzulassen, wenn man ein Zimmer verläßt; die Angst vor„Zug" ist dort ganz unbekannt und man erkennt dort an dieser Angst überall den Deutschen und lächelt darüber; um zu schimpfen ist man dort zu wohlerzogen. Mit vorzüglicher Hochachtung v. A—. Mit der deutschen„Luftschen" hat's seine Richtigkeit. In der ganzen Welt erkennt man den Deutschen an der Angst vor frischer Luft, genannt„Zug". Wir sind eben— wörtlich und figürlich— so an muffige„Stickluft gewöhnt worden, daß wir vor einem frischen fröhlichen Lust- zug ordentlich Angst haben. Beiläufig ist es auch in Deutschland durchaus nicht Sitte, daß man beim Verlassen öffentlicher Lotale, z. B. von Bahnhof-Wartesälen u. s. w. die Thür hinter sich zu- macht. Und wer darob mit„Unverschämtheiten" um sich werfen wollte, würde aus dem Zank nicht Heranskommen, und könnte sehr bittere Erfahrungen machen.— Der t. Mai in Frankreich. Die sozialistische K a m m e r g r u p p e hat beschlossen, behufs einheitlicher Organisation der Maifeier sich mit sämmtlichen Arbeiter- organisationen von Paris und Frankreich in Verbindung zu sitzen. In den meisten Städten des Landes sind Fest- auSschüsse schon niedergesetzt, die nun sämmtlich mit der Kammersraktion in Korrespondenz treten werden.— Das französische Gesetz gegen die internationale Arbeiter-Assoziation, daS in den schlimmsten Zeiten der napoleonischen Sieaktion erlassen wurde, ist noch heute, nachdem die„Republik" L4 Jahre bestanden, lustig in Kraft. Und obgleich die internationale Arbeiter-Assoziation längst aufgehört hat zu sein, so kann das Gesetz, welches den Bei- tritt zu ihr nut Strafe belegt, doch gegen iede internationale Organisation der Arbeiter angewandt werden, und i st auch noch in neuerer Zeit tatsächlich angewandt worden. Unsere Genossen haben deshalb einen Antrag auf Abschaffung des Gesetzes in der Kammer eingereicht.— Ter Bombcnfegen ist noch nicht vor die franzö- fische Kammer gekommen. Das Ministerium bat um Aufschub, da das betreffende Akteumaterial noch nickst geprüft sei. Infolge dessen wurde die Interpellation ver- tagt. Unter den vornehmen Herrschaften, die den Anarchisten Eetd und ihren Segen gegeben haben, befindet sich u. a. auch die Herzogin von U z 6 S, dieselbe, die einst Herrn Boulanger mtt Gold überschüttete, um der Republik einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.— Zu viel Glück. In Rom, an der Ecke deS Kammer- palastes von Monte Citorio ist eine Bombe geplatzt, und hat etliche Personen verwundet. Wir wissen nicht, ob die römische Bombe an einem wackelnden Ministerium dasselbe Wunder verrichten wird, wie die Pariser Bombe eS jüngst gethun, aber dem Ruf des Herrn Crispi ist diese Bonibe ucwiß nicht förderlich. Sie kam g a r z u gelegen und, nach- dem jetzt in Frankreich festgestellt worden ist, daß die Bombcnwcpser deS Segens aller Reaktionäre— Minister. Bourgeois, Junker und Pfaffen— sich zu erfreuen haben, giebt es wohl keinen welterfahrenen Menschen, der nicht glaubt, daß Serr Crispi oder einer seiner Freunde die kluge Regel des lücksritterS in Minna von Barnhclm befolgt: il laut Coniger la fortuve— man muß das Glück verbessern. Freilich ob das Rezept bei Crispi noch anschlägt, ist sehr xu bezweifeln. Tie Empörung über seine Gewalt- und Bankrott Wirthschaft ist fortwährend im Wachsen, und die Kammermchrhcit, die vorige Woche das Vertrauensvotum gab, kann morgen den Laufpaß geben..... Wird Crispi sich ihn geben lassen? DaS ist vulletcht die brennendste Frage in diesem Augenblick. Wahrscheinlich löst er die Kammer ans, und regiert dann unumschränkt bis zu den möglichst hinauszuschiebenden Neuwahlen. Und diese zu„korrigiren", hat die italienische Regierung un- zählige Mittel. Bleiben dieselben erfolglos, nun, so kann noch einmal aufgelöst werden und so weiter, bis der„große Kladderadatsch" hereinbricht. Seine Befähigung zum Kladderadatsch-Staatsmann hat Crispi allerdings aufs Er- folgreichste bekundet.— Nachdem Vorstehendes geschrieben, erfahren wir, daß das blutrünstige Manifest an die Sizilianer, mit welchem Crispi neulich der Kammer Angst machen wollte, von einem Polizei-Beamten versaßt worden ist, wie der Abgeordnete Colojanni aktenmäßig nachgewiesen hat. Wer Aktenstücke fälscht, auf die er seine Politik gründet, dem ist auch zuzutrauen, daß er anarchistische Bomben bestellt hat, um sich den Folgen seiner Politik zu entziehen.— England. Mit der Einheit der liberalen Partei ist es schon vorbei: die Homeruler haben bereits an das irische Volk ein Manifest gerichtet, in welchem sie ihr Miß- trauen gegen das Kabinet Rosebery aussprechen.— Das spanische Kabinet hat wieder einmal seine Eni- lassung genommen. Der bisherige Ministerpräsident Sagasta wurde mit der Neubildung des Kabinets beauf- tragt.— iPerrlatnenksvevickike. Deutscher Reichstag. Abend-Sitzung. 9 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Graf v. PosadowZky, v. Marschall. Die Abstimmung über den Titel: Ersatz Falke wird von der Tagesordnung abgesetzt. Zur zweiten Berathung des Gesetzentwurfs betreffend A b- änderung des Zolltarif. Gesetzes vom lS. Juli 1379(Aufhebung des Identitätsnachweises) liegen folgende An- träge vor: l. Während nach der Vorlage der DundeSrath die Er- möchtigung erhalten soll, die Einfuhrscheine auch bei anderen Zollzahlungen zuzulassen, beantragt Graf S ch w« r i n- Läwitz, ganz allgemein eine solche Verwendung dieser Scheine zuzulassen und dem Bundcsralhe nur die näheren Anordnungen dafür zu übertragen. 2. Abg. Graf Mirbach will für die den Transitlägern ge- währten Zollkredite eine Zinsvergütung einführen. 3. Ein Antrag der Abgg. B a ch e m a s s« r m a n n und Genossin will auch den kleineren Mühlen, die kein Lager mit Zollkrediten haben, bei der Aussuhr ihrer Fabrikate Einfuhr- scheine ertheilen. 4. Abg. v. Stumm will das Gesetz mit dem l. Mai 1894 in Kraft setzen. S. Abg. v. P u t t k a m e r- Plavth schlägt eine Resolution vor, die der Spekulation dienenden Transitläger und die be« sonderen Begünftigunaen für die Mühlen sauszuhcbm oder den ihnen gewährten Zollkredit zu beschränken. 6. Ein Antrag des Abg. G a n> p will ebenfalls den kleineren Mühlen und Mälzereien Einfuhrscheine bei Aussuhr ihrer Fabrikate ausstellen laffen; ein weiterer Antrag desselben Ab- geordneten will die Verwendung der Einfuhrscheine erst nach Verlaus von vier Monaten nach ihrer Ausstellung gestatten. 7. Die Abgg. S p e s r e r u. Gen. wollen Dmkel und Spelt dem Weizen gleich stellen. 8. Die Abgg. H u m a n n und Genoffen wollen die Einfuhr nur gestatten innerhalb eines Umkreises von 200 Kilometer des Ortes, wo die Aussuhr erfolgt ist. V. Die Abgg. H a u ß m a n n und Genossen wollen daZ Gesetz in Kraft treten lassen qm Tage der Außerlrastsetzung der Staffel- tarife. Nachdem Abg. Speiser(südd. Vp.) seinen Antrag empfohlen, erklärt Gras PosadvtvSky, daß Dinkel und Spelt ohnehin dem Weizen gleichgestellt seien. Der Antrag wird zurückgezogen. Abg. Gras Mirbach(dt) hält die Frage der Staffeltarife für viel bedeutungsvoller für die Landwirthe des Ostens, als die Aushebung des Identitätsnachweises. Die gemischten Transit- läger werden die Aufhebung des letzteren abschwächen. Deshalb muffen sie wenigstens die Zinsen für die Zollkredite cragen. Staatssetrecär Graf Posadowstp: Wir sind bereits in Verhondluugen darüber einzutreten, wie weit die gemischten Transitläger noch ferner bestehen sollen; deshalb dürfe es nicht nöthig sein, die Vorlage mit diesem Antrage zu belasten. Abg. Bachcm(Z.) empfiehlt seiuen Antrag(Nr. 3) und er- klärt sich gegen die Beseitigung des Privilegs der Mühlen, weil dieselbe neben dem ausländischen auch deutsches Getreide ver- arbeilen; dieser Absatz würde bei Aushebung des Mühlen- Privilegs verloren gehe». Abg. v. Puttkamer-Plauth(dl.) hält die Annahme seiner Resolution stir genügend, um die bereits schwebenden VerHand- lungen über die Transitläger zu unterstütze»; eine Gesetzesvor- schrist sei nicht nothwendig. Abg. Rösicke bestreitet, daß die Mälzereien und Brauereien von der Vorlage einen Vortheil haben würden; am besten wäre es, die Gerste von dem Gesetze auszuschließen. Aber im Jnter- esse der Allgemeinheit stimnie er für die Vorlage, wenn Sicherheit geschaffen werde, daß die Aussuhrbonifilation nicht zur Aus- suhrprämie würde. Em weiterer Antrag Bachem, Bassermann und Venoffen will auch auf Raps und Rübsaat die Porlage ausdehnen und dem Bundesrath die Besugniß geben, die Verwendung der Ein- suhrscheine für andere Zollgefälle zu untersagen, falls während eines Rechnungsjahres die Ausfuhr der bezeichneten Waaren größer gewesen ist als die Einfuhr. Ei> Anrrag Rickert-Puttkamer- Planth will für alle im Zolltarif- Gesetz von 1879 genannten Waaren, die in der Vorlage nicht sämmtlich ausgeführt sind, die gemischten Transit- tagcr niitreqt erhalten. Scyatzsekretär Graf PosadowSkh hat gegen den Antrag Bachem nicyrs einzuwenden, hält ab« den Antrag Gamp für zweckmäßiger. Da der Schluß der Sitzung sich nicht voraussehen läßt, werden wir den Schluß des Berichtes morgen veröffentlichen. Vsvlaurenknvisickxes. In der Wahlprüfungökommission des Reichstags wurde in dcn letzten beiden Sitzungen über die Wahl des Abg. ro» Polenz, Amtshauptmann von Plauen(Sachsen 23, Plauen) verhandelr. Herr v Polenz war in der Stichwahl gegen den Sozialdemokralen Aldi» Gerisch mit 700 Stimmen Mehrueit gewählt. Gegen die Wahl des Polenz liegt ein Protest vor, der nebe» einer Reihe von zu Unrecht ver- botenen Versammlungen und anderen Unregelmäßigkeiten besonders ein von den, Vertreter des Herrn Polenz in der Amtsbauplmannschaft erlaffencS Verbot, ver Verbreitung von Flugblättern und Stimmzetteln rügte. Dieses Verbot, das im Amtsblatt wiederholt veröffentlicht wurde, geht zunächst von der Annahme auS, daß die Bestimmung des§ 43 der Reichs-Gewerbe-Ordnung, wonach„zur Vertheilung von Stimmzetteln und Dnietschristen zu Wahlzwecke» bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften«in» polizeiliche Erlaubniß in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht erforderlich fei," dahin ver- standen werden müffe, daß der„Wahlakt" mit dem Tage der auptwahl erledigt ist und daß im Falle einer Stichwahl die estimmung des§ 43 d. G.-O. erst wbeder vom Tage des Aus- schreibens der Stichwahl an in Kraft tritt. Entsprechend diesem Verbote wurde in den vier Tagen nach der Hauptwahl jede Verbreitung von Flugblättern und Stimm- zetteln inhibirt und gegen die Verlheiler Strafanzeige erstattet; nach dem Ausschreiben der Stichwahl aber nur die Verbreitung von Haus zu Haus gestattet. Die auf Grund der Strafanzeigen erlassenen Strafbefehle im Betrage von je 10 Mark sind, soweit dagegen gerichtliche Entscheidung angerufen wurde, in allen Instanzen aufgehoben und die Angeklagten kostenlos freigesprochen worden, und das Verbot der Flugblättervertheiluag für ungesetzlich erklärt worden. In der Kommission herrschte Einstimmigkeit darüber, daß das Verbot ungesetzlich erlassen sei, oer Antrag, deshalb die Wahl für ungiltig zu erklären, wurde aber in der Eoentual- abstimmung mit 6 gegen d Stimmen abgelehnt, da das Verbot sich angeblich gegen beide in Betracht kommenden Parteien richtete. Bei der Schlußabstimmung, welche heute Vormittag statt- fand, erklärte die Majorität der Kommission das amtliche Ver- bot nicht nur für ungesetzlich, sondern auch als relevant für das Wahlergebniß und beschloß dementsprechend mit 7 gegen 6 Stimmen, beim Reichslage zu beantragen, die Wahl des Abgeordneten v. Polenz für ungiltig zu er- klären. ZZnrkernclrlirirhken. Zum zweiten Male freigesprochen wurde der Redakteur Genosse Block, Dortmund, von der Anklage der Richter- beleidigung. Tiefelbe sollte begangen sein durch die Veröffent- lichung einer Kritik der Begründung eines Urtheils eines thüringischen Schöffengerichts, durch welches Fortbildungsschüler wegen Besuches einer sozialdemokratischen Versammlung mit drei Tagen Hast belegt wurden; in der Begründung wurde ganz unmotiv, rter Weise die sozialdemokratische Partei mit den ehren- rührigsten Schmähungen belegt. Es wurde den Agitatoren der sozialistischen Partei nachgesagt, daß dieersteren durch aufrührerische Reden bestrebt seien, den Zuhörern durch Lug und Trug Religion, Moral, Achtung vor der Obrigkeit aus den Herzen zu reißen, und sie zu dem frechen, sitten- und zuchtlosen Gesindel zn machen, dessen die Führer der Sozialdemokratie zur Durchführung ihrer Z iele bedürfen. Gegen dos erstmalige freisprechende Urtheil hatte der Staatsanwalt mit Erfolg Revision beim Reichsgericht ein- gelegt. In der letzten Verhandlung führte nun Genosse Block den verlangten Beweis, daß er wohl„Führer" und„Agitator" der sozialdemokratischen Partei sei und als solcher durch die Be- gründung deS Urtheils sich beleidigt fühlen konnte. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt vie-: Wocher. Gefängniß. Die Richter ober schloffen sich den Ausführungen Block's und felnes Verlheidigers an und sprachen ihn srei.� Bei den Gewerbegerichts-Wahlen in Köln siegten am 6. d. M. die Kandidaten der Sozialdemokraten in sechs Gruppen, die der siebenten siegte der christlich-soziale mtt nur gennger Majorität. »» Eine« ganz bedenkenden Erfolg erzielt der Genosse T h. v. Wächter durch seine Agitationsreise, die er soeben durch Rheinland-Westfalen unternimmt. Alle Ver- sammlungen sind überfüllt; das Thema: Kann ein Christ Sozialdemokrat sein und noch vielmehr die Art und Weise seines Bortrages ist gerade für jene Gegend als äußerst geschickt zu bezeichnen. Der dortigen liberale» und ultramontanen Presse ist es höchst unangenehm, über die Erfolge berichten zu müssen und so unterläßt sie es entweder ganz oder ergeht sich in hämischen Bemerkungen. Ganz aus dem Häuschen scheint das Organ der Kohlenjunker, die„Rhein-Wests. Zeitung" zu sein. In ihrer ohnmächtigen Wuth treibt sie sogar ihr« Unverschämt- heit so weit, durch Notizen zu versuchen, das B o ch u m e r Tynamitatlentat mit dem Austreten des Genoffen Wächter in Verbindung zu bringen. Die ganze Kohlen- und Schlotjunkerschaft ?i«rt nach Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie und läßt eine Gelegenheit vorbeigehen, dafür Stimmung zu machen. Den Bericht über die Wächter-Versammlung in Bochum be- ainnt obengenanntes Blatt, wie wir der„Rhein.-Westf. Arbeiter- Zeitung" entnehmen, mit folgendem Erguß:„Nachdem sich die hiesige Bürgerschaft den ganzen gestrigen Tag in einem Gefühle der Erregung über den ruchlosen Streich eipes Buben befunden hatte, der gar leicht die schlimmsten Folgen hätte haben können. mußte sie es am Abend noch geschehen lassen, daß ein« jener Versammlungen im Mittelpunkte der Stadt, in der Tonhalle, stattfand, deren Hauptzweck kein anderer ist, als der, Un- zufriedenheil und Verwirrung in die breite Masse des Volkes zu tragen. Wenn dann ein Geist erweckt wird, der in Gewalt und Empörung sich Luft macht, dann stehen die Führer rathlos da, und haben keineswegs die Macht, diesen Geist, den sie de- schworen, in ruhigere Bahnen zu lenken. Gestern handelte es sich darum, einer Volksversammlung das Schauspiel vorzuführen, daß von einem Redner die behauptete Wahrheit der sozial- demokratischen Lehren durch die theologische Wissenschast be- wiesen würde. Die edle Absicht dieser Infamie liegt klar zu Tage. Man versucht, die Sozialdemokratie verantwortlich zu machen für die Attentate, man hetzt die Polizei, Versammlungen zu verbieten und auszulösen, kurz man arbeitet mit Hochdruck darauf hin, Ausnahmezustand�gegen die Arbeiter. Polizeiliches, Gerichtliche»»e. — DerGenoss« Eichhorn, Redakteur der„Sächs. Arbeiter-Zeitung", ist wegen Beleidigung der Dresdener zPolizeidireklion bezw. der bei derselben angestellten Gendarmen zu 100 M., wegen Beleidigung des Gemeindevorstandes Werner z» R a d e b e u l zu einem Monat Gesängmß verurtheitt worden. Det'elrhc». (Wolff'S Ttlegrapheu-Bureau.) Rom, S. März. Die Deputirtenkammer genehmigte mit großer Mehrheit die Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung deS Deputirten Defelice Giufsrida wegen Verschwörung gegen die Sicherheit de? Staates und Aufreizung zum Bürgerkriege. Die Regierung wurde ermächtigt, Teselice Giuffrida in Hast zu belassen. VvirkimKen �drariftom Lv. H. 20. Sie könne» ausziehen, wenn Ihnen die ge- miethete Wohnung nicht gegeben wird. E. M., Schlrsischestraße. Für eine einfache Entbindung 3—6 M., für jeden folgenden Besuch, wenn nichts besonderes dabei zu thun war, 25-50 Pf., sonst mehr. I P. Noch nicht pnblizirt. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Konsulat. R S. 04. Ja. Alter Abonnent Wthdingerstr. 4. Erheben Sie Klage beim Gewerdegericht. E. M., Straßburg. Marburgerstr. 12. Winge 500. Rein, wenn die Sparkasse nicht freiwillig zahle» will. Westbroek. Reklamiren Sie bei der Behörde, welche Sie veranlagt hat. Für den Inhalt der Inserate über Adolph Ernst- Theater. nimmt die Redaktion dem Bublikum Charley's Tante. gegenüber keinerlei Verantwortung Schwant in 3 Att. v. Brandon Thomas. Theater. Sonnabend, den 10. März. Opernhaus. Oberon. Schauspielhaus. Die Hermannsschlacht. Deutsches Theater. Senator. Der Herr Berliner Theater. Nora. Leffing- Theater. Madame SansGêne. Friedrich- Wilhelmäädt. Theater. Der luftige Krieg. Residenz- Theater. Der Maskenball. Vorher: Vermischte Anzeigen. Neues Theater. Marguerite Bernard. Central Theater. Ein gesunder OF Junge. Adolph Erunt- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Viktoria- Theater. Der Südstern. Alexanderplatz Theater. Maria Stuart. a W National Theater. Ella.- Wildfeuer. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. American Theater. Lumpen- Susanne, oder: Die Obdachlosen von Berlin. Wallner- Theater. Geschlossen. Wintergarten. Spezialitäten- Vorstellung. = Reichshallen- Theater.SpezialitätenVorstellung. Apollo Theater. Vorstellung. Spezialitäten. Saufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Gastspiel des Frl. Clara Hrabowska vom großherzoglichen Hof Theater in Mannheim. Ella. Dramatische Phantasie in einem Aufzug von Henry John Smith. Mit Chören Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Aft von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. PassagePanopticum. Die Glocke von Fr. v. Schiller. Musit von Romberg. Dargestellt in 15 lebend. Bildern. ratweil'sche G Bierhallen Kommandantenfte.77-79. Welt. u. größt. Etablissem. Berl. Läglich abwechselnd. Programm bei freiem Entree der ersten Wiener Damenkapelle " Dittl und Auftreten von Künstlern. Spezialitäten 1. Ranges. Täglich Auftreten der Miss Webb, Taubenkönigin, mit ihren 24 dressirten Tauben. Sonntags Anf. 5 Uhr. Entree 30 Pf. 3 Regelbahnen. 6 Billards, pro Stunde 60 Pf. C. Koch, fr. Gambrinus. Ein donnerndes Soch zum heutigen Wiegenfeste unserm Kollegen Schuler. 22156 Den Parteigenossen und Genossinnen die traurige Nachricht, daß der treue Mitkämpfer für unsere Ideen, der Tapezirer Paul Müller am Donnerstag im 34. Lebensjahr plöglich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle am Urban" nach dem Neuen Jakobikirchhof in der Hermannstraße statt. Um zahlreiche Betheiligung ersuchen 345/19 Die Vertrauenspersonen des 11. Kreises. Sozialdem. Wahlverein im 2. Berl. ReichstagsWahlkreise. Den Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß am 8. d. M., Morgens 4 Uhr, im 34. Lebensjahre nach kurzem schwerem Kampfe unser braver Genosse und Vorstandsmitglied, der Tapezirer Paul Müller im Krankenhause am Urban verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle am Urban" aus nach dem neuen Jakobikirchhof in der Hermannstraße statt. 373/10 Der Vorstand. Gauverein Berliner Bildhauer Sonntag, den 11. März, Vormittags 8½ Uhr: Exkursion nach dem Reichstagsgebäude. Treffpunkt Reichstags- Tunnel"( Ecke Sommer- und Dorotheenstraße). Am Montag, den 26. März( 2. Ostertag): Matinee im Ronzerthause Sanssouci", Rottbuferstr. 4a. 148/18 Billets sind bei den Kollegen Otto Meyer, Streligerstr. 28; C. Stöger, Waldemarstraße 65, und Abends im Vereinslokal zu haben. Achtung! Bildhauer. Achtung! Sonntag, 11. März, Abends 7 Uhr, bei Norbert, Benthür. 22: Oeffentliche Versammlung mit Frauen. Tagesordnung: 1. Fortsehung des Vortrages über:„ Die zehn Gebote und die besitzenden Klassen" von A. Hoffmann. 2. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein u. Tanz. 148/17 Für ernste und heitere Vorträge ist gesorgt. Die Kommission der Bildhauer. Adtung! Bilderrahmenmacher. Antung! Sonntag, den 11. März, Vormittags 10 Uhr, Alte Jakobstrasse 75 bei Boltz: Oeffentliche Versammlung aller in der Bilderrahmen- Industrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie Hausindustriellen. Zages Ordnung: " 1. Bortrag des Genossen Dastig über: Unsere geistigen Waffen im Kampfe um unsere Existenz". 2. Diskussion. 3. Zustände in verschiedenen Werkstätten. Es ist unbedingte Pflicht aller zu erscheinen und vorher 132/4 für den lebhaftesten Besuch zu agitiren. Mit follegialem Gruß: Der Einberufer. Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Gr. öffentl. Versammlungen: Für Charlottenburg Sonntag, den 11. März, Nachm. 2 Uhr, in Bismarckshöhe, Bismarckstraße 80. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht des Delegirten der chemischen Für Berlin Nord Am 8. d. M. verstarb unfer altes Industriekonferenz. 4. Verschiedenes. Mitglied Johann Schwarz. Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. d. M., Nachmittags 4 Uhr, von der Müllerstraße, statt. Sonntag, den 11. März, Vorm. 10 Uhr, im Wedding- Park, Müllerstraße 176. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 161/17 Die Arbeiter und Arbeiterinnen der chemischen Industrie, sowie die und begleitender Muſik v. Paul forberg Säle für Versammlungen Charitee nach dem Chariteekirchhof. Gasanſtalts- Arbeiter sind noch besonders hierzu eingeladen. Dirigent: Adolph Wiedecke. Regie: Mar Samst. Hierauf: Wildfeuer. Luftspiel in 5 Aften v. Friedr. Halm. Regie: Fritz Schäfer. Raffeneröffnung 62 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Novität! Zum 5. Male: Novität! Ein gesunder Junge. Posse mit Gesang und Zanz in 3 Aften von Jean Kren. Musik von Julius Einödshofer. Anfang der Vorstellung 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. American- Theater. Dresdener- Straße 55. Jeden Abend 81/2 Uhr: Lumpensusanne oder: und Festlichkeiten find noch an verschiedenen Tagen zu haben. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Täglich: Spezialitäten- Borstellung und Konzert von nur Künstlern 1. Ranges. Auftreten der Ballet- Gesellschaft Columbia( 10 Damen), Balletmeisterin Rosa Fricka. Auftreten der Elite- ParterreAkrobaten u. Pantomimentruppe Hermandez. Im Mädchen- Pensionat. Romische Pantomime mit Ballet. The Willon's, Doppel- Jongleure. Joië di Dios, Rostüm- Soubrette. Geschw. Howala, Duettiſtinnen. G. Cordes, Gesangs- Humorist. Sonntags 6 Uhr. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree Wochentags 50 Pf. A. Zimmermann. Die Obdachlosen von Berlin. Nur noch wenige Tage. Parodistisch- realistisches Traumbild aus dem Müllwinkel( frei nach dem Ber Präuschers anat. Museum brecher- Album) bearb. v. Oskar Wagner. Lumpensusanne, gen.„ Die Gräfin", täglich von früh 9 bis 10 Abends für erwachs. Herren. Dienstag u. Freitag ein schon geprüftes Mädchen Franziska Häser. Die Bombe, Aftervermietherin im Müllwinkel des Sonnenaufgangs" Brunwald heit " Damentag. Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand 298/11 d. Maschinisten- u. Heizervereins Berl. Danksagung! Für die vielen Beweise herzlicher Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Die Agitationskommission. J. A.: O. Schüler, Tresdomstr. 30. Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 12. März, Abends 8½ Uhr: Theilnahme und die zahlreichen Stranz Bezirks- Versammlung für Moabit. spenden bei der Beerdigung meiner theuren, unvergeßlichen Frau sage ich Zagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitallen Freunden, Kollegen u. Genoffen, glieder. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. insbesond. dem Biber'schen Männerchor innigsten Dart. C. Görner, Gastwirth, Bergstr. 43. 22176 Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Konferenzen der Vertrauensleute finden statt: Heute, Sonnabend, Abends 81/2 Uhr, im Norden, Hochstr. 30, Genossenschafts- Buchdruderei Morgen, Sonntag, Bormittags 10 Uhr, im Süden, Stalizerſtr. 126. ( Eing. Genossensch. m. beschränt.Haftpfl.) zu Solingen. Sonntag, den 15. April 1894, Nachmittags 5 Uhr, im Lokale des Herrn Karl Eru, Raiserstraße: Ordentl. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. Vorlage der Bilanz. 2. Neuwahl des Vorstandes und Aufsichtsrathes. 3. Verschiedenes. 463/20 Der Vorstand. Grosse Versammlung Der Korbmacher am DF mit Frauen Uhr, Sonntag, 11. 5. M., Abbs. 6 Ur. bei Bolz, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: Vortrag der Frau Alma Palm über: Das moderne Elend und seine Ursachen". Nachher gemüthlich. Beisammensein 203/10 Der Einberufer. Josephine Delclisseur. Schluß sonntag, April. mit Tang. Gäste willkommen. mit bewegter Vergangenden Martin Bendix Berl. Bock- Brauerei Täglich: Auftreten des Tempelhofer Berg: beſten Bandredners d. Jehtzeit 55. Bock- Saison. H. Blank. Ferner u. a.: ,, Direktor Hippe" von Martin Bendix, fowie Eugen Bocher, Sächsischer Original- Humorist, Alfred Bender. Anfang Wochentags 1/2 Uhr, Sonntags 62 Uhr. Täglich: [ 2221b Gr. Militär- Concert. Circus Renz, ( Karlstraße.) Sonnabend, den 10. März cr.: Abends 71/2 Uhr: Sanssouci", Auf auf zur fröhlichen Jagd! Kottbuserstr. 4a. Sonntag, den 11. März 1894: Stettiner Sänger Anfang Alcazar. Dresdenerstr. 52/53( City- Passage.) Zleu! Neu! Bummel- Fritze. Posse mit Gesang in 2 Bildern. Neues Variété- Programm. Entree 15 Pf., reservirt 30 Pf. R. Winkler. Castan's " In der Urania" finden Sonder- Vorstellungen statt: Sonntag, 1. April, Sonntag, 29. April; Dienstag, 15. Mai( dritter Pfingstfeiertag) und Sonntag, 27. Mai, sämmtlich Vormittags 9 Uhr. Billets à 50 f. Der Vorstand. 488/6 Kranken- u. Begräbnißkasse der Berliner Gürtler u. Bronceure. ( Eingeschr. Hilfskaffe Nr. 60.) Donnerstag, den 15. März, Abends 8 Uhr, in Th. Bolk' Feßfälen, Alte Jakobstraße Nr. 75: Außerordentliche General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Protest gegen die Wahl des Rendanten. 2. Beschlußfaffung, ob die felbe giltig oder nicht event. Neuwahl des Rendanten. Zutritt haben nur großjährige Mitglieder. Mitgliedsbuch als Legitimation unbedingt erforderlich. Um recht regen Besuch bittet Der Vorstand. 2225b Gesangv. Donnerst. u.Freit. Bentral- Kranken- n. Sterbekasse| Dirigent frei. Bombolke, Gräfeſtr. 33. der Tischler u. s. w. Filiale Berlin D.( Moabit). Mitglieder Versammlung am Sonntag, 11. März, Vorm. 101/2 Uhr, in der Attienbrauerei Moabit, Thurmstraße. Zagesordnung: 1. Berlegung zweier Zahlstellen. 2. Wahl von zwei Beitragssammlern. 3. Aerzte- Frage. 4. Verschiedenes. 303/8 Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, Vormittags 1014 Uhr, Rosenthalerstraße 38: Dorfrag von Herrn Dr. Völkel: Auferstehung". Die Mitglieder werden ersucht, recht Stolt nehme ich zurück. zahlreich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. NB. Der Bevollmächtigte August Rosenhayn wohnt Rathenowerstraße 43, Quergeb. 8 Tr. Orts- Krankenkasse Panoptikum. Boxhagen- Rummelsburg Parforce- u. Kastadenritt. Ballet von 100 Damen. Meute von 40 Hunden. Außerdem: Grande Quadrille de la Neu! haute équitation, ger. von 6 Damen und 6 Herren; 6 Rappen u. Caroussel von 30 Pferden, vorgeführt v. Herrn R. Renz; die gr. Tremplinsprünge, 7 Uhr. zum Schluß der Riesensprung über Entree 50 Pf. 40 Soldaten unter Bataillonsfeuer; Eine Neu! Vision: Psammenit, Wahl- Versammlungen zur Erfazwahl von Vertretern für die Generalversammlung finden im Restau rant Bowinkel, Hauptstraße 83 hierselbst statt: Mittwoch, 21. März, Abds. 71/2 Uhr: Erfahwahl für einen ausgeschiedenen Im Borverkauf 3. itarischen Spiele in d. Luft, ausgef der lebende Mumienkopf. 21. März, 2bbs. 81/2 Uhr: 40 Pi Ganz neues Programm! Montag: Viktoria- Brauerei. Dienstag: Böhmisches Brauhaus. von der Troupe Daineff; die Handtrobaten Gebr. Detroit, 2c. Conntag:& Vorstellungen( Nachm. E. Strauss, tumenſtr. 46, 4 Uhr( 1 Kind unter 10 Jahren frei): empfiehlt sich unter Garanterie zur Grosse Komikervorstellung; Abends Anfertigung gut passender Herren71/2 Uhr: Auf auf zur fröhlichen Jagd! garderobe. Lager v. Stoffen z. Ausw. Fr. Renz, Direktor. Solide Preise. Bertreter versicherungspflichtiger Kaſſen. Gäste sind sehr willkommen.[ 441/13 Die Beleidigung gegen Fräulein 2224b W. Freiberger. Altes Schützenhaus, Linienftr. 5, empfiehlt feine Säle. Sonnabend der 7. und 28. April find frei geworden. 2120b Musikinstrumente. AlleBlass, Streich- u.Schlags instrumente, Spieldosen, 3. Drehen u. selbstspielend, Musik- Automaten fertigt Aug. Kessler, 51. Laufigerstr. 51. auferes Blattes liegt der heutigen Th. Fork, Krekſchmar u. 5o., Für die hiesigen Abonnenten Ersatzwahl für 12 ausgeschiedene Nummer ein Prospekt der Firma mitglieder( Arbeitnehmer). Hummelsburg, den 5. März 1894, Der Kassenvorstand. M. A. Rohr. 57632 463/19 vereinigte Tischler- u. Tapezirermeister, An der Stralaner Brücke Nr. 3, bri. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ar. 58. Sonnabend, den 10. März 1894. 11. Jahrg. Varlamenksbertchke. Deutscher Reichstag. «7. Sitzung vom 9. Mär,. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Thielen. Graf Posa d o w s k y. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der zweiten Berathung des ReichshauShalts-Etats für 1894/93 und zwar Etat der Reichs-Eisenbahnen. Die Budgetkommission beantragt, die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr um 300 000 M.. aus dem Güter- verkehr um 2S00 000 M. zu erhöhen. Preußischer Eisenbahn-Minister Thiele« führt aus. daß die Veranschlagung der Einnahmen auf denselben Grundlagen wie früher erfolgt ist. Die Kommission hat die Grundlagen verlassen und die auf Schätzung beruhenden Ergebnisse des laufenden Be- triebsjahres zu Grunde gelegt. Die ersten 10 Monate des laufen den Jahres brachten eine erhebliche Mehreinnahme, die man bei Ausstellung des Etats nicht erwarten konnte. Aber trotzdem ist das alte Verfahren dem jetzt von der Kommission eingeschlagenen vorzuziehen, denn eine feste Grundlage bieten nur abgeschlossene Belriebsjahre. Wenn man richtig verfahren will, dann müßte man auch die dem gesteigerten Verkehr entsprechenden Mehrausgaben einstellen Deshalb sollte das Haus bei dem alten Verfahren bleiben. Abg. Hammacher(nall.): An dem Beschlusie der Kom> Mission trägt die Negierung selbst Schuld, denn es werden dem Eisenbahnetat nur kümmerliche Mittheilungen über die Ent. Wickelung des Eisenbahnverkehrs gemacht, so daß sich die Mit- glieder des Reichstages lein richtiges Bild über die Einnahme- Verhältnisse bilden können; denn den Jahresbericht der Reichs- Eisenbahnen werden die Mitglieder kaum in die Hände be kommen. Wir haben doch allgemein das Gefühl, daß mit der Annahme des russischen Handelsvertrages eine Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse eintreten wird. Daß auch die Aus- gaben erhöht werden, ist nicht nothwendig, denn wenn sich Aus� gaben nothwendig zeigen, so können dieselben über den Etat ge macht werden. Abg. LingenS(Z.) erklärt, daß feine Freunde sich den Aus- führungen des Vorredners anschließen. Tie Erhöhung der Einnahmen wird gegen die Stimmen der Deutschkonservativen und einiger Mitglieder der Reichspartei angenommen. Bei den Ausgaben tritt Abg. LiugeuS(Z.) für die ausgedehntere Sonntagsruhe der Eisenbahnbeamten ein; er habe aus den Erklärungen in der Kommission entnommen, daß seinen Wünschen sehr weit entgegengekommen sei, wofür er der Ver- waltung danke. Auf eine Anregung des Abg. Hammacher(natl.) erklärt Minister Thielen, daß die Beamten jetzt vollständig den preußischen Beamten in der Vorbildung gleich. Bei den Ausgaben zur Erneuerung des Ober- b a u e s und der Betriebsmittel empfiehlt Abg. Hammacher (natl.) die Errichtung eines besonderen Erneuerungsfonds. Minister Thielen: Die Generaldirektion glaubt mit den vorhandenen Lokomotiven und Wagen auskommen zu können. Die bei der Uebernahme auf das Reich neu ausgestatteten Reichs- Eisenbahnen kommen jetzt in eine Periode größerer Emeuerungen, aber die Verwaltung will die Erneuerung des Oberbaues und die der Wagen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander vornehmen. Di« Einrichtung besonderer Erneuerungsfonds zum Beginn der Verwaltung wäre sehr zweckmäßig gewesen: aber die jetzige Finanzlage ist wohl nicht geeignet für die Bildung besonderer Fonds. Die Sache wird aber im Auge behalten werden. Auf eine Anfrage des Abg. Hammacher(natl.) giebt Geh. Rath Wackerzapp Auskunft über die Neuordnung des Pachtverhältnisses des Reiches zur Wilhelm-Luxemburgbahn, das eine Mehrausgabe von 300 000 M. veranlaßt. Die laufenden Ausgaben werden darauf genehmigt. Bei den einmaligen Ausgaben für die Herstellung einer voll- spurigen Eisenbahn von Wingen über Meisenthal nach Münzthal bittet Abg. Adt(ntl.) um eine Fortführung der Linie nach der Pfalz. Zur Vermehrung der Betriebsmittel sind 1 000 000 M. aus- geworfen. Abg. Hammacher(ntl.) bemängelt, daß der Bedarf nach der Rnneinnahme der Strecken berechnet sei. Minister Thielen erklärt, daß man den Bedarf nach der Streckenlänge, nach der Brutlo-Einnuhmc oder nach der Netto- Einnahme berechnen könne; die erste Berechnung sei zu hoch; die anderen beiden weichen, wie der Minister zur Beruhigung des Reichstags mittheilt, nur wenig von einander ab. Abg. von Stumm(Rp.) erkärt, daß er und die meisten Abgeordneten, Herrn Hammacher vielleicht ausgenommen, nicht beruhigt feien. Nach kurzer weiterer Debatte werden die einmaligen AuS- gaben genehmigt. Die Petitionen verschiedener Eisenbahnbeamten werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, nachdem Abg. Hammacher eine Berücksichtigung der Wünsche der 1371 übernommenen Eisenbahnbeamten empfohlen und Geh. Rath Wackerzavp eine wohlwollende Prüfung in Aussicht ge- stellt hatte. Der Etat deS ReichsschatzamteS, soweit er nicht der Budgetkommisflon überwiesen»st, wird ohne Debatte erledigt. Beim Etat des Reichstages behält sich Abg. Lieber(Z.) «inen Antrag vor, die Ausgaben zu erhöhen, um im neuen Rcichstagsgebäude ausreichende Handbibliotheken zu beschaffen. Der Etat wird genehmigt. Es folgt die Berathung der ausgesetzten drei Titel der ein- maligen Ausgaben für die Marineverwaltung: je eine Million Mark erste Raten für ein Panzerschiff«Ersatz Preußen" und für einen Kreuzer.Ersatz Leipzig" und 1 200 000 M. erste Rate für einen Aviso.Ersatz Falke". Referent Abg. Lieber führt auS. daß die drei genannten Schiffe, namentlich aber.Preußen" so lange in Betrieb sind, daß die Periode, für welche man sie als tüchtig hatten kann, bald abgelaufen ist. so daß gerade noch Zeit für den Erfatzbau bleibt. Eine Ueberstürzung des Baues solle nicht stattfinden; im Gegentheil, die kaiserlichen Werften seien jetzt so schwach beschäftigt, daß gerade nur der nothwendige Stamm von Ar- beilern gehalten werden könne. Um eine Vermehrung der Flotte handele es sich nicht, sondern nur um einen Ersatz, wenn auch selbstverständlich der Bau nach einem anderen Typ erfolgen solle als vor 30 Jahren. Staatssekretär des Reichs-Marineamts Hollmanu: Es wird der Beobachtung des Reichstages nicht entgangen sein. daß der vorliegende Etat hinsichtlich der Schisssneubauten eine große Entsagung und Selbflbeschränkung zeigt. Der Etat schließt be- züglich der Schiffsneubauten mit IZ�/e Millionen Mark ab. Sie müssen eine ganze Reihe von Jahren zurückgehen, um wieder auf eine so niedrige Ziffer zu stoßen. Dazu nehmen w»r als Restbestand aus der Bergangenheit nur 1 Million in das neue Jahr hinüber, so daß uns also nur W/4 Millionen zur Verfügung stehen. Seit Anfang der siebziger Jahre hat nur»n einem Jahre der Marineverwaltung weniger zur Verfügung ge- standen. Konnte man früher der Marineverwaltung vorwerfen, daß sie zeitweise über ein Dutzend Millionen für Neubauten bewilligter Summen in das neue Etatsjahr hinüber- nahm, so haben wir jetzt in dieser Beziehung völlig reinen Tisch gemacht. Von den im Bau begriffenen Schiffen nehmen wir in das Jahr 1895/98 nur noch zwei mit hinüber mit Schluß- raten von etwa drei Millionen. Alles andere ist denn fertig. Würden in diesem Jahre keine Neubauten bewilligt, so würden wir vor der größten Verlegenheit stehen. Bedenken Sie auch, daß die diesmaligen Forderungen keine Vermehrung, sondern nur einen Ersatz betreffen. Mit kleineren Schiffen können wir uns nicht begnügen. Wir werden immer in der Minderzahl mit unseren Schiffen sein, um so mehr müssen die wenigen Schiffe in der Qualität die vorzüglichsten sein. Ich bitte Sie, uns das Schiff zu bewilligen. Abg. Richter(freis. Vp.): Diese Forderung ist seit dem vorigen Jahre nicht dringender, sondern nur kostspieliger geworden, denn die Gesammtkosten des Panzerschiffes würden nicht hinter 20 Mil- lionen zurückbleiben. Man hat im vorigen Jahre den Bau nicht auf dieses Jahr vertagt, sondern ihn mit Rücksicht auf die Finanzlage und die hohen Ausgaben für die neue Heeresver- stärkung abgelehnt. Der Flottengründungsplan sieht zwar 14 Panzerschiffe vor, ist aber vom Reichstag zu keiner Zeit für maßgebend erachtend worden. Außerdem stand damals noch nicht der Bau des Nordostsee-Kanals in Frage und man bedurfte zweier Flotten. Ferner sind heute bereits 7 Panzerschiffe fertig und zwei im Bau begriffen, welche im Flotten-Gründungsplan gar nicht vorgesehen waren, es sind dies die sogenannten Panzer- Fahrzeuge, von denen aber zwei Drittel so gut wie Panzerschiffe sind. Von einem„Ersatz" kann hier gar keine Rede sein, denn das neu zu erbauende Schiff soll theurer und größer sein als das alle. Der Staatssekretär hob hervor, welche Entsagung und Selbst beschränkung darin liege, in diesem Jahr nur ein Engagement für 30 Millionen an neuen Schiffen zu verlangen. Nun, der Himmel verhüte, daß diese Entsagung einmal nicht mehr Platz greift, wenn man die Finanzlage günstiger ansieht. Es sollen noch 5 andere Panzerschiffe in den nächsten 10 Jahren in Zwi schenräumen von zwei zu zwei Jahren ersetzt werden, für je 20 Millionen, macht 100 Millionen. Die Logik des Herrn Res« renten bezüglich der Dauer der Brauchbarkeit unserer Schiffe würde ausreichen, auch diese Forderungen zu bewilligen, denn diese 5 Schisse dati�n von 1874 und sind von derselben Art wie „Preußen". Man möchte eine große Hochseeflotte schaffen, deren Zweck weit über den Schutz unserer Küste hinausgeht, die einen Kampf in atlantischen Gewässern oder im Mittelmeer ausnehmen kann. Das sind übertriebene Anschauungen über die Bedeutung unserer Marine und die Finnnzkraft, welche Deutschland neben seinen Militärlasten für die Marine auswenden kann. Wir begegnen hier wieder den Spuren der subjektiven Lieb haberei für die Marine, der wir überall entgegentreten müssen. Die Erfahrungen mit den groben Schiffen sind nicht zünstig. Das zeigt uns wieder die„Brandenburg." Wer ist icher, daß in der Unruhe des Krieges die Schiffe das leisten können, was den im Frieden dafür aufgewandten Millionen ent- spricht?(Sehr richtig! links.) Im Abgeordnetenhaus streicht man 130 000 M. für Erweiterung des Museums, bestimmt dazu, die Pergamenischen Alterthümer unter Dach und Fach zu bringen, und hier verwendet man Dutzende von Millionen für neue Panzerschiffe. Diese Finanzpolitik können wir nicht mitmachen.(Beifall links.) Referent Abg. Lieber: Ich kann auf die Zahlen des Abg. Richter über die Floltenverhältnisse anderer Staaten hier nicht eingehen. Das betreffende Material ist den Kommissivnsmit- gliedern als hochvertraulich mitgetheilt worden, ich kann also in öffentlicher Sitzung nicht davon Gebrauch machen. Abg. Richter: Ich verwahre mich auf's Entschiedenste da- gegen, als ob irgend eine Indiskretion von meiner Seite vorläge. Abg. Jebsen(natl.) ist kein großer Freund der Panzer; er hätte lieber die Zahl der Kreuzer zum Schutze unseres Handels vermehrt gesehe»; er stimmt aber doch für die Forderung, weil es sich nur um einen Ersatz handle. Abg. Böckel(deutsche Resormpartei): Wenn die Regierung nicht einmal die Mittel zur Deckung der Militärvorlage hat, dann sollte sie angesichts der schlechten Zeiten nicht noch Mehr- ausgaben für die Marine machen. Zwei Milliarden Schulden haben wir bereits erreicht. Deshalb werden wir gegen alle Mehrforderungen der Marine stimmen. Abg. v. Kardorff(R.-P.): Wenn wir den Bau jetzt auf- chieben, dann müssen wir später mehr auf einmal bauen, als gut ist. Deshalb stimmen wir für den Titel. Abg. Bachem(Z.): Wir stimmen mit schwerem Herzen(Lachen links) für die Forderung. weil es sich hier um einen nothwendigen Ersatz handelt, nicht um einen Neubau. Sie(links) fühlen sich natürlich vollständig rei von aller Verantwortung; Sie wollen Ihren Wählern Ihre Sparsamkeit zeigen.(Lachen links.) Für den gegenwärtigen Stand der Flotte sind wir nicht verantwortlich; aber im Interesse der Würde und des Ansehens Deutschlands wollen wir sie auf diesem Stande erhalten. Die schlechte Finanzlage hätte Herr Äöckel bei der Militärvorlage, die eine dauernd- Mehr- belastuug von 60 Millionen Mark herbeigeführt hat, berücksichtigen ollen. Hoffentlich dauert die Sparsamkeit des Herrn Böckel bis zur nächsten Militärvorlage an. Abg. v. Leipziger(dk.): Auch wir wollen eine Vermehrung der Flotte nicht, aber die Mehrzahl meiner politischen Freunde wird für diesen Ersatzbau stimmen, damit die einmal vorhandene "Motte erhalten wird und damit den kaiserlichen Werften die lrbeit zugeführt wird, die nothwendig ist. um einen tüchtigen Arbeiterstand zu erhalten. Wir, die wir unter der Roth am meisten leiden, stimmen, wenn auch schweren Herzens, für die Bewilligung. Abg. Richter: Daß die großen Panzer sehr bedenkliche Konstruktionen sind, erkennen nicht nur Techniker an, das hat im vorigen Jahre auch die Mehrheit des Reichstages durch den Abg. Fritzen anerkannt. Damit schließt die Debatte. Der Ersatz Preußen wird mit 134 gegen 97 Stimmen be- willigt. Zur Minderheit gehören die Sozialdemokraten, die süd- deutsche Volkspartei, die beiden freisinnigen Gruppen, die Anti- emiken mit Ausnahme des Abg. Förster-Neustettin, die wild- konservativen Abgg. v. Dallwitz und v. Buddenbrock, sowie Abg. Werdeck, endlich vom Zentrum etwa ein Drittel der An- wesenden. Die Polen betheiligten sich an der Abstimmung über- Haupt nicht. Für.Ersatz Leipzig" wird ebenfalls 1 Million Mark verlangt. Abg. Jebsen(natl.) macht namens eines TheileS seiner Freunde das Bedenken geltend, daß man zu einem ganz neuen Typ übergehen wolle, daß man hierbei zu viel erperimentire. Abg. Richter(freis. Vp.): Die Sache liegt hier anders, als beim vorigen Titel. Um einen Ersatz handelt es sich in keiner Weise. Die„Leipzig" hat 4 Millionen gekostet, der angebliche Ersatz soll über 15 Millionen kosten. Mit der Größe des Schiffes wächst die Besatzung desselben: das l'/efache der Kriegsbesatzung muß unterhatten»verde», um die Ablösung bewerkstelligen zu können. Diese Schiffsart ist in dem Flottengründuugsplan gar nicht enthalten, trotzdem der Plan noch nicht einmal ausgeführt ist; und 1889 wurde erklärt, daß für Schiffe wie„Leipzig" ein Ersatz überhaupt nicht gefordert werden soll, daß diese Schisse noch auf Jahre hinaus für den Dienst in überseeischen Gewässern ausreichen. Sie sollen nicht zum Kamps mit Seemächten, sondern ,or Samca, Neu-Guinea ic. verwendet werden. Abg. von Kardorff(Rp.): Das Schiff soll den ganze deutschen Handel in allen Meeren schützen. Staatssekretär Hollmann: Die in der Denkschrift von 1389 ausgesprochene Absicht, mit der Zeit das Kreuzergeschwader bei Seite zu stellen, ist leider ein schöner Gedanke geblieben. Die Marineverwaltung hat kein besonderes Interesse, eine große Anzahl Schiffe im Ausland zu hatten, während es im Inland an Mannschaften fehlt; aber die Umstände waren stärker als wir. Seit 1889 ist unser Kreuzergeschwader dreimal ist Ost- asien, dreimal in Ostafrika, einmal in Samoa, einmal in Neu- guinea, einmal in Chile und jetzt in Brasilien dringend gebraucht worden. Es liegt also eine dringende Nothwendig- keit für ein solches Geschwader vor. Die Kreuzer- Fregatte .Leipzig" mußte in, vorigen Jahre wegen See- Untüchtigkeit zurückgezogen werden, sie genügte schon lange nicht mehr den Anforderungen. Man hat sich mit Recht darüber lustig gemacht, daß dieses Admiralschiff Mangel an Kohlen und eine schwache Maschine hat und von Ort zu Ort geschleppt worden mußte. In der Denkschrift von 1392 wurde entgegen der Denk- schrift von 1389 daS Kreuzergeschwader wieder eingestellt. weil man inzwischen die Erfahrung gemacht hatte, daß es unentbehr- lich ist. Unser Kreuzergeschwader muß der Machtstellung des Deutschen Reiches entsprechen. Nur der deutschen Marine fehlt dieser Typ der sogenannten geschützten Kreuzer noch ganz. Die russische Marine hat eine ganze Reihe davon, selbst die kleineren Marinen wie die von Argentinien. Chile. Brasilien, China, Japan haben eine Reihe solcher Schiffe. Ich bitte Sie inständigst. die For- derung zu bewilligen. Abg. Richter: ES könnte fast scheinen, als ob es uns an Kreuzern fehlte. Wir haben deren 13. davon sind 9 erst seit 1837 gebaut. Niemals hat man geklagt über mangelnden Schutz seitens der deutschen Flotte. Beim Vergleich mit ander, u Marinen muß man alle Schiffsklassen vergleichen, denn jede Marine hat ihre eigenen Typen. Wir haben besonders die Zahl der kleineren Panzer vermehrt. Damit schließt die Debatte. In namentlicher Abstimmung wird die Forderung mit 117 Segen 95 Stimmen verworfen. Von den Nationalliberalen immt diesmal die Hälfte mit Nein, außerdem eine größere Anzahl der Deutschkonservativen und die größere Hülste vom Zentrum. Für einen neuen Aviso„Ersah Falke' sind als erste Rate 1 200 000 M. eingesetzt. Die Kommission empfiehlt die Be- willigung. Abg. Nichter beantragt die Streichung. Die Bezeichnung „Ersatz Falke" sei etwas weit hergeholt und nur ein Vorwand. Der„Falke" sei schon seit 4 Jahren abgängig.(Hört, hört!) Vize-Admiral Hottmann: Das Schiff ist lhatsächlich zun, Ersatz sür„Falke" bestimmt. Avisos für unsere Flotte sind ganz unentbehrlich, sie bedeuten für die Flotte, was die Avantgarde sür die Armee. Abg. Richter: Seit 1839 sind 2 Avisos vom Stapel ge- lausen und 1 bewilligt. In, Ganzen haben wir alle Avisos, die in der Denkschrift verlangt wurden. Avisos sind nothwendig, aber nur von sekundärer Bedeutung. Für die Forderung stimmen 85, dagegen 99; das Haus ist daher nichts mehr beschlußfähig; die Verhandlung wird ab- gebrochen. Schluß nach V2? Uhr. Der Präsident vertagt die Sitzung aus heut« Abend Uhr._ Herrenhaus. 3. Sitzung vom 9. März 1394. 1 U h r. Am Ministertische: v. Sch ellin g und Kommiffarien. Der Gesetzentwurf, betreffend das Pfandrecht an Privat- Eisenbahnen und Kleinbahnen und die Zwangsvollstreckung in dieselben wurden der um drei Mitglieder der Eisenbahn- Kom- Mission verstärkten Justizkommission überwiesen. Den Gesehentivürfen, betreffend die Abänderung von Amts. gerichts �Bezirken und betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts n der Stadt Ronsdorf, wird aus Antrag der Justizkommission die verfassungsmäßige Zustimmung ertheilt. Tie Petition des Vorstandes des hannoverschen Etädtevereins auf Erlaß eines neuen Sparkassen-Gesetzes beantragt Bürger- meister Dr. K o h l i namens der Kommission der StaatSregierung zur Erwägung zu überweisen. Das Haus beschließt nach dem Vorschlage der Kommission. Der Vorstand des Westfälischen Städtetages wünscht den Erlaß eines Gesetzes, welches eine Nutzbarmachung neuer Apotheken- konzesfionen für die Gememden ermöglicht. Stadtralh Rieß vertritt den Antrag der Kommission, die Petition der Staatsregierung als Material zur anderweitigen gesetzlichen Regelung deS ApothekenkonzessionSwesens zu über- weisen. DaS HauS beschließt demgemäß. Die Petition des Buchhändlers Gocksch und Gen. in Leipzig, betreffend die staatliche Prüfung der jüdischen Geheimgesetze, ist zur Verhandlung im Plenum für nicht geeignet erachtet worden. Aus grund des ß 30 der Geschäftsordnung wird beantragt, die- "elbe ohne Diskussion. �ür erledigt zu erklären. Das Haus best�'.gt nach diesem Antrage. Schluß 2l/t llh*;. Nächste Sitzung Donnerstag, den 14. März, 11 Uhr.'(Novelle zum Gesetz über die Kirchenver- assung und Synodalordnung.) Abgeordnetenhaus. 32. Sitzung vom 9. März 1394. 11 Uhr. Am Regieruiigstische: Bosse. Die zweite Berathung des EtatS wird beim Kapitel HöhereLehranstalten" im KultuSetat fortgesetzt. Abg. Knörcke(frs. Vp.): Der Etat giebt kein erfreuliches Bild und ist sür das Schulwesen knapper bemessen als im Borjahr. Abg.«lattfelter(Z.) wünscht, daß den nicht etatsmäßigen �".......... �--------- muneration gewährt werde. Hilfslehrern für die aushilssweise gegebenen Stunden eine Re- Abg. Sltiwidt-Warburg(Z.) beklagt, daß in sämmtlichen Volksschule» der Berliner höheren Lehranstalten kein konfessio- neller katholischer Religionsunterricht besteht, während in allen Volksschulen ein solcher Unlerricht obligatorisch ist. Geheimrath Gruhl: Die Lösung der Frage habe große technische Schwierigkeiten, weil die Katholiken über ganz Berlin verlheilt seien. Abg. Wetekamp(frs. Vp.) weist nochmals darauf hin, daß verschiedentlich die Maximalpflichtstundenzahl erhöht ist. Abg. Schmidt-Warbnrg(Z.): Die Verwaltung scheine zu denken: Immer langsam voran, damit die preußische Schul- Verwaltung nachkommen kann. Weite Wege spielen in Berlin auch für die Kleinen keine Rolle, da sie die Pferdebahn be- nutzen. Minister Bosse: Die Verhandlungen seit 1878 haben auch chon Resultate gehabt. Es bedarf noch der Verhandlungen mit der Stadt über die Beschaffung der nöthigen Klassen, ich hoffe aber, daß wir bald zum Abschluß dieser Frage kommen. Abg. Schröder(Pole) bemängelt die Vorbildung der höheren Lehrer in bezug aus Pädagogik und Geschichte und wünscht die Einführung deS polnischen Sprachunterrichts auch in Westpreußen. Geheimrath Stauder erwidert, daß die Lehrer auch in Pädagogik und Geschichte genügend geprüft werden. Für die Einführung des polnischen Sprachunterrichts in Westpreußen liege ein Bedürsniß nicht vor. Nach weiteren surzen Bemerkungen der Abgg. Dannenberg (Z.) und Sdsrüder werden die an eine Reihe von Äinstalten und Fonds vermöge rechtlicher Verpflichtung zu leistenden Zahlungen bewilligt. An Zuschüsse« für die vom'Stante zn unterhaltenden Anstalten sind 5 b47 073 M. erforderlich, 5)02 064 M. mehr als für 1393/94. Abg. Bandelott)(kons.) bittet die Regierung um möglichste Förderung der Anlage vc n Spielplätzen für die Schuljugend und auf wohlwollende Unterstützung der Bestrebungen zur Förderung der Jugendspiele. Nach weiterer unerheblicher Debatte erhält das Wort der Abg. Szmnla(Z.): E'�r ist inil den vom Minister abgegebenen Erklärungen hinsichtlich des polnischen Sprachunterrichts an den Gymnasien nicht zusriedeti. In Leobschütz habe man diesen Unterricht, obwohl das Gymnasium ausschließlich von Deutschen besucht werde; dagegen fehlt er an den Gynmasicn, die einen stärkeren Prozentsatz polnischer Schüler haben, so in Gleiwitz. Ra- tibor, Beuthen, Königshütte, Pleß. Neustadt. Der Unterricht in pol- nischer Sprache sei nicht blos mit Rücksicht auf das Dolmetjchwesen, sondern überhaupt für Handel und Wandel in Oberschlesien ganz un- entbehrlich. Von den Offizieren! werde dort auch einige Kennlniß des Polnischen und Russischen verlangt. Wie sollen sie sich diese an- eignen, wenn nicht durch Schulunterricht? Andererseits eröffne der neue Handelsvertrag mit Nußland eine so weite Perspektive für die künftige Erweiterung d»es Absatzmarktes von Oberschlesien, daß auch aus diesem Grunde die Möglichkeit, polnische Sprach- kennntnisse zu erwerben, geschaffen werden müsse. Der Titel wird bewilligt, desgleichen die Staatszuschüsse für die vom Staat gemeinschaftlich zu unterhaltenden Anstalten. An Zuschüssen für die von anderen zu unterhaltenden, aber vom Staate zu unterstützenden Anstalten sind 1 377 734 M. aus- geworfen. Abg. Krah(freikons.): Nach dem Gesetz vom 25. Juli 1892 soll für die höheren Schulen das Dienstalterszulagen-System die Regel sein. Es steht aber den Gemeinden frei, bei dem bis- herigen Stellcnetat zu bleiben. Nur eine verschwindend geringe Anzahl von Gemeinden ist beim Stellenetat geblieben und diese meistens deswegen, weil sie den durch die Durchführung der Dienst-Nlterszulagen erforderlichen Mehraufwand nicht ausbringen können. Die Lage der Lehrer an diesen Anstalten ist aber im Verhältniß zu derjenigen an Anstalten, welche das neue System durchgeführt haben, eine ungünstige und mißliche. Geh. Rath Bohtz: Der Staat ist nicht in der Lage, den Anforderungen der Lehrer an den städtischen Anstalten in bezug auf das Aufrücken zu folgen. Der Titel wird nach langer Debatte genehmigt. Den Fonds von 50/2l0 Uhr bcinerkten Passanten einen Qualm aus dem nach der Komlnunikation am Schlesischen Thor hinaus belegene»», ca. achtzig Meter langen, z,vcisiöckigen Fabrikgebäude aufsteigen, und schon »venige Minuten darauf schlugen die Flammen hermis, sodaß bei Eintreffen der sofort alarmirten Feuerivehr das ganze Gebäude in Flammen stand. Im rechten Parterre dieses Grundstücks be- findet sich die Farbwaarenfabrik von Otto Grimpe, daneben die Paffementeriesabrik von John Georg Buhlmann, und auf der rechten Seite die Blechwaaren- Fabrik von Zeiger, während die erste und zweite Etage ausschließlich von Buhlmann als Fabrik- und Lagerräume benutzt»vurde. Gegen»AlO Uhr erschienen die ersten Züge unter Leitung des Branddirektors Giersberg, der sofort einen Angriff von der Südost- Seite her vornehincn ließ, da die dahinter liegenden Maschinengebäud« stark bedroht schienen. Mittlerweile waren noch acht Löschzüge mit drei Dampfspritzen eingetroffen, die gewallige Wassermassen auf das Feuer schleuderten, das erst gegen 12 Uhr so weit beherrscht war, daß eine Gefahr für die Nachbarschaft nicht mehr bestand. Die Löscharbeiten dauerten indeß noch bis früh 3 Uhr. Die Färb- »vaarenfabrik von Grimpe ist fast gänzlich zerstört. Einen große» Schaden erlitt auch die Buhlmannsche Fabrik. Unglücksfälle schwerer Natur sind glücklicher Weise nicht zu verzeichnen, doch »virrde einem Feuermann der Fuß infolge Herabsallenden Mauer- werks gequetscht, so daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch ge- nommen werden mußte. Polizeibericht. Am 7. d. M. Abends stolperte ein Gelb- gießer in seiner Werkstatt beim Niedersetzen eines Tiegels mit etiva 90 Pfund geschmolzenem Metall, so daß dieses sich über den Boden ergoß und ihm schwere Brandwunden zufügte. Am 8. d. M. Morgens gerieth eine Frau in der Großbeerenstraße unter die Räder einer Droschke und wurde an der Brust so be- deutend verletzt, daß ihre Uebersührung in das Krankeiihaus erforderlich wurde.— In der Lindenstraße wurde ein Hand- merker in seiner Werkstatt«»hängt vorgefunden.— Nachmittags schoß ein Wildhändler in seinem Geschäft, in der Friedrichstraße, auf seinen Sch, vager einen Schuß aus einem Revolver und ver- letzte ihn am Oberschenkel.— Abends entstand in der Passeinenterie- Fabrik von Buldinann, Köpnickerstr. 3—5 Feuer, das dieThätig- keit der Feuerwehr längere Zeit in Anspruch nahm. Jin Lmpe des Tages fanden außerdem sechs kleinere Brände statt. Ttzesker. Nationaltheater. Mit nicht geringem Aufwände hatte >err Direktor Samst sich ain Donnerstag Abend«ine dramatische Phantasie geleistet, die wie ein vor kurzem an die Redaklione» versandter Reklamezettel verkündete, einen in Deutschland akkli- matisirten Engländer, einen Herrn Fabrikbesitzer Henry John Smith zum Verfasser hat. Das Stück ist aus nicht ersichl- lichen Gründen bereits an einigen Provtnzialbühnen,»vie behauptet »vird, mit Erfolg aufgeführt worden, so daß Berlin ein wenig nach- hinken muß. Glücklicheriveise stellte sich bei der Premiöre sehr bald heraus, daß dies Malheur nicht besonders groß war. Die dramatische Phantasie,„Ella" mit Rainen— handelt von einem guten Kind, das, wenn wir recht gehört haben, von einein Böseivicht, dem es angekettet war, wegen einer kleinen Morithat auf eiue einsame Insel verbannt ist und hier nach einer drei- viertelstündigen, von schlechtem Gesang begleiteten Deklamation " in ihrem heimlichen Bräutigam, einem vollwangigen Ritter, I festgestellt, daß der Redakteur der antisemitisch agrarischen genau festzusetzen. Sei der Arbeitgeber schon an und für sich einen Erlöser findet. Neuen Niederschlesischen Zeitung", Otto Balla,( früher Re- über das öftere Wegbleiben seines Arbeiters( des Kaffenbevoll Eine Handlung also, wie sie im Weihnachtspuppenspiel die dakteur des Stöcker'schen Bolt") im Sommer vorigen Jahres mächtigten) von der Arbeitsstätte ungehalten, so werde er aber durch Herzen artiger Kinder entzückt. Ueber die Musit, mit der„ Ella" während der Verbüßung einer dreimonatlichen Strafhaft die Re diese Beläftigungen durch die Polizei häufig derart aufgebracht, ausstaffirt ist, läßt sich ungefähr das Gleiche sagen, wie über daktion des genannten Blattes vom Gefängniß aus ge daß er, um ihnen zu entgehen, zum nächfiliegenden Mittel, zur die Handlung selber. Harmlos und auch möglichst leitet hat. Es geschah dies in der Weise, daß er mit Entlassung des Arbeiters( des Raffenbevollmächtigten) schreitet. wenig aufregend, als ob fte für sorgfame Mütter zum Einlullen Genehmigung der Staatsanwaltschaft täglich den Besuch eines Ein weiteres Unrecht gegenüber den Bevollmächtigten der Rasse präparirt wäre. Einiges Intereffe wurde der Vorstellung den. Abgesandten seiner Zeitung empfing, der die von ihm im Gesei es auch, ihnen, falls sie am Tage des Termins arbeitslos noch dadurch verliehen, daß ein ehemaliges Mitglied des Schau- fängniß geschriebenen Artikel abholte. Ein Zeuge bestätigte noch sind, teine Entschädigung für entgangenen Arbeitsverdienst spielhauses, Frau Sophie Burska in der Titelrolle gastirte. ausdrücklich, daß er zwei bis dreimal täglich ungehinderten zu zahlen. Redner empfahl die Entsendung einer BeschwerdeDie Dame spielt mit einer Leidenschaft, die auf das Personal Butritt zu Balla gehabt habe. Mit sozialdemokratischen Re- fchrift an das Reichs- Versicherungsamt. Die Kassen haben das des Nationaltheaters fast beängstigend wirfte; wenigstens faben dakteuren verfährt man bekanntlich, und ganz besonders in gefeßliche Recht, zu den Terminen Vertreter zu entfenden und wir das brave Fräulein Samst, dem es als Fischerin vergönnt preußischen Gefängnissen, nicht so rücksichtsvoll. Dafür leben nur für Reisekosten aufzukommen, alle anderen entstehenden war, die Leidensgeschichte der Berbannten anzuhören, noch wir aber auch in einem„ Rechtsstaate"! Kosten haben die Berufsgenossenschaften ริน tragen. nie so ängstlich seine Arme vor jeder Bewegung hüten, als am Donnerstag. Leider schlug bei Frau Bursta die Verve der Leidenschaft zuweilen in die bekannte Gespreiztheit über, vor der sich eine echte Künstlerin ebenso sehr hüten sollte, wie Fräul. Samit zu Unrecht vor der Anwendung ihrer Arme that. Die zu einem Dugend in dem Stück auftretenden Nixen zeigten mit Gifer, gehören wollten, das bei aller Dual, die es auch für die Mit: glieder des National- Theaters" mit sich bringt, immerhin dem feuchten Salzwasser vorzuziehen ist. Der dramatischen Fabrikantenphantafie folgte Salm's Luftspiel„ Wildfeuer". In diesem harmlosen, für heutige Anforderungen allerdings sehr abgelebten Dichtwerk gab Frau Bursta die Hosenrolle des Renn mit vollendeter Anmuth. Das zahlreich anwesende Publikum spendete, wie immer, überreichlichen Beifall. soit dit organit 21 Ueber einen intereffanten Betrugsfall gegen die Reichs Diese Kosten zu sparen beziehungsweise die ihnen unpoft, der fürzlich seinen Abschluß gefunden hat, berichtet die bequeme Vertretung der Kaffen zu beseitigen, sei nach seiner Meinung der einzige Zweck der polizeilichen Scherereien. furz vor Schalterschluß einen Brief mit einem angeblichen In- Bevollmächtigten ein, dann wären diese genöthigt, die VerD. Verf. 3tg." Der Uhrmacher F. in W. lieferte eines Abends Treten die Krantentassen nicht mit aller Entschiedenheit für ihre halte von 400 m. Papiergeld durch seinen Bruder zur Post. tretung derselben aufzugeben.( Lebhafter Beifall.) Meier Bei der Ankunft am Bestimmungsorte wog der Brief, dessen( Tischlerkasse) äußerte sich im Sinne des Referenten. Er habe Gewicht bei der Einlieferung auf 21 Gramm festgesetzt war, nur es durchgefeßt, daß ihm auch die Auslagen für die Zeit, in der 19 Gramm. Da der Brief äußerlich gar feine Beschädigung er arbeitslos war, bezahlt wurden. Stuhlmann( Vorsitzender zeigte, so legte der Entfartungsbeamte dieser kleinen Differenz der Steindruckertaffe) erklärte, daß auch die Bevollmächtigten fein Gewicht bei, glaubte an einen Irrthum bei der einliefernden seiner Kaffe eventuell ihr Amt niederlegen, wenn nicht Remedur Boftanstalt und überwies den Brief ohne weiteres zur Bestellung. geschaffen werde. Auf Vorstellung hin habe ihm ein RegierungsBei der Eröffnung des Briefes im Geschäft des Adressaten fanden rath erklärt, er müsse das Interesse der Berufsgenossenschaften fich aber weber Gelb noch Briefbogen, sondern zwei zusammen: wahrnehmen.( Aha!) Buzer Buch bola bestritt der Polizei Buchholz gefaltete Stücke Packpapier als Einlage vor; der Umschlag das Recht zu ihrem Vorgehen, für welches sich im Gesetz war an der unteren Rante glatt aufgeschnitten und mit einem fein Anhalt vorfinde, und rieth ebenfalls zur Beschwerde ans eingeflebten Papierstreifen sauber und vorsichtig verschlossen Reiche Versicherungsamt. Die dortigen Arbeitervertreter würden Schiller's Lied von der Glocke wird seit einigen Abenden worden. Der Verdacht einer Beraubung des Briefes lenkte sich dafür sorgen, daß die Frage im Plenum berathen werde. im Passage Panoptikum dem Ohr und Auge näher gebracht. Es auf verschiedene Beamte und da kein Grund vorlag, die meier( Tischler) verlangt die Festsegung bestimmter Terminsist wohl entschuldbar, wenn man etwas beklommen der Auf- Angaben des Absenders in Zweifel zu ziehen, so wurde für fest stunden auf den Polizeibureaus, und einen einheitlichen Sah der Entführung eines solchen Wertes in einem Juftitut entgegenfieht, gestellt erachtet, daß der Brief während der Beförderung beraubt fchädigung( etwa 2 M. pro Termin). Durch monatliche, nicht welches fein Publikum sonst nur durch mehr oder weniger worden sei und dem Absender wurde der beanspruchte Ersatz- wie jetzt einzelne, Zusendung derselben könnten bedeutende Erwunderliche Spezialitäten" zu amüsiren sucht. Wir müssen aber betrag gezahlt. Bald darauf nahm die Sache eine eigenthüm- sparniffe an Bestellgebühren erzielt werden.( Sehr richtig.) Nach gestehen, daß die Erinnerung an die sonstigen Kunststücke des liche Wendung. Ein Poftinfpektor entdeckte, daß das Backpapier, längerer Diskussion wurde beschlossen, folgende Beschwerde des Theater Variétée bald in uns verwischt war, als die ersten welches als Briejeinlage gedient hatte, einen bogenförmigen Arbeitervertreter- Bereins in Gemeinschaft mit den BevollmächTatte der bekannten Romberg'schen Komposition erflungen waren. Eindruck enthielt, welcher burch das kräftige AufEin Orchester und ein gemischter Chor, beides nicht umfangreich, drücken des Aufgabeftempels auf den Briefumschlag entstanden tigten der Krankenkassen Berlins an das Reichs- Versicherungsamt einzusenden: aber durchaus genügend, thaten ihr Bestes, um die Zuhörerschaft zu sein schien. Wäre dies der Fall, so wäre damit bewiesen Die anwesenden Unfall- Bevollmächtigten der verschiedenen für sich und das von ihnen recht gut einstudirte Wert gewesen, daß schon in dem Augenblick, als der Brief zur Post Krankenkassen Berlins protestiren ganz energisch gegen den einzunehmen und da der Inhalt der herrlichen Dich gegeben wurde, das Packpapier den Inhalt des Briefes gebildet Tagesbefehl vom 27. Dezember 1893 des fgl. Polizeipräsidiums. fung auch dem Auge durch fünfzehn, zum großen hätte. Dieser Beweis ist durch die Thätigkeit des Gerichtschemikers Die Bevollmächtigten haben gar feinen Anlaß, sich noch länger Theil prächtig gelungene lebende Bilder vorgeführt wurde, so Dr. Jefe rich geglückt. Derselbe konute durch gelungene photo- unter Polizei- Aufsicht stellen zu lassen, wie es gegenwärtig der läßt sich sagen, daß der Direktion des Passage- Panoptikums für graphische Aufnahmen die volle Uebereinstimmung des Eindrucks ihr Wageſtück, denn ein solches war es immerhin, aufrichtige und mit der Rundung des Aufgabestempels nachweisen und auf grund Fall ist; sie erwarten, daß den Bevollmächtigten der Krankenlassen ebenso anstandslos der entgangene berechtigte Arbeitsungetheilte Anerkennung gebührt. Von den plastischen Dar der mikroskopischen und mikrochemischen Unterſi chung noch weitere fassen ebenso anstandslos der entgangene berechtigte Arbeitsftellungen wirften namentlich die Liebesglück", Die Brant", Beweisgründe dafür angeben, daß der Brief fein Geld, son verdienst ausbezahlt wird, wie den übrigen Arbeitervertretern. Die Vertreter ersuchen das Reichs Versicherungsamt, das Auf der Brandstätte"," Abschied"," Friede" und" Sprengung der dern nur das Backpapier enthalten habe. Es wurden daneben königl. Polizeipräsidium veranlassen zu wollen, obige Verfügung Form" benannten, in ihrer finnigen Gruppirung, die meistens auch über die Vermögenslage des Absenders sehr ungünstige zurückzunehmen, da anderenfalls den Vertretern die Möglichkeit durch prächtige Transparentbilder noch besonders wirkungsvoll Thatsachen ermittelt und das strafgerichtliche Verfahren infolge gemacht wurde, wahrhaft erhebend. Das bei der Vorstellung, deffen gegen ihn eingeleitet. Das letztere endete vor kurzem da- genommen wird, die Interessen der Verletzten und der Krankenfaffen fernerhin wahrnehmen zu können." Ser wir beiwohnten, zahlreich anwesende Publikum folgte mit mit, daß der Absender des Briefes wegen Betruges au einem Die nicht vertretenen Krankenkassen sollen aufgefordert Interesse der Aufführung und gab seine Befriedigung nament- 3 abre Gefängniß verurtheilt worden ist. Bei der Straf werden, sich der Beschwerde, die der Vorstand ausführlich belich nach dem Schlußbilde durch stürmischen Beifall zu erkennen. abmessung erwog der Gerichtshof die ungeheuere Frechheit in gründen soll, anzuschließen. Nach Erledigung von Angelegenwelchen viele rechtschaffene Beamte durch den Angeklagten geheiten unwesentlicher Bedeutung erfolgte Schluß der Versammlung. rathen waren. Wegen Rückerlangung des zu Unrecht ausgezahlten Ersatzbetrages hat die Poft die erforderlichen Schritte eingeleitet. Gerichts- Beitung. der Ausführung des Betruges und den schweren Verdacht, in Soziale teberlicht. Achtung! Militär-, Lieferungs- und Zivilschneider Berlins! Der Streit der Rieler Kollegen nöthigt uns, alle Kollegen der angegebenen Branchen zu Sonntag, Bormittag 101, Uhr, Johannisstr. 20 bei Müller zu einer Versammlung mit Frauen einzuladen. Ein Schreiben aus Riel, welches an den Arbeitenachweis gerichtet wurde, zeigt an, daß die Kieler Geschäfte ihre Arbeiten in Berlin anfertigen lassen, wo die Firmen: der Deutsche Offizierverein, Bergeru. Gollani und Lucas benannt werden. Kollegen, darum ist es eines jeden Pflicht, daß alle Kraft angewendet wird, um dieses nicht noch weiter einreißen zu laffen. Die Kollegen, welche schon Arbeit angenommen haben, müssen ihr Solidaritätsgefühl erinnert werden, damit die Kieler Kollegen zu ihrem Sieg gelangen. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 11. März, Nachmittags 3 Uhr, Außerordentliche in Gratweil's Bierhallen, kommandantenstraße 77-79: Generalversammlung. Mitgliedstarte legitimirt. Abends 7 Uhr, ebendaselbst Vortrag von Frl. Wabniz über: Die Stadt des Lichts." Nachdem gemüthliches Beisammensein. Freireligiöse Gemeinde, Rofenthalerstr. 38. Sonntag, den 11. März, Bormittags 10% Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Boelfel über:" Auferstehung". Nachmittags 4-6 Uhr, Jugendbildungs- Stunden unter Leitung von Frl. Jda Altmann. Abends 7 Uhr: Gefellige Versammlung. Bortrag des Herrn Walbec Manaffe über: Bessing's Frauengestalten. versammlung am Sonntag, den 11. März, Bormittags 10 Uhr, AdmiralHolz- und Breiterträger Berlins und Umgegend. Große öffentliche ftraße 18c( Märkischer Hof.) Vortragverein Mehr Licht". Sonntag, den 11. März, Abends 7 Uhr, in Specht's Festfälen, Marfgrafenftr. 88, Distusfion über: Freiland und frei ländische Einrichtungen. Achtung! Schuhmacher. Sonntag, den 11. März, Vormittags 9% Uhr: und Arbeiterinnen der Große öffentliche Bersammlung aller Arbeiter mechanischen Schuhfabriken.( Stehe Sonntag, Inferatentheil.) Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter( E. H. 29.) Samburg, Filiale 4, Berlin. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 10. März, Abends 8% Uhr, bei Schlüter, Kleine Martusstr. 10. Tagesordnung: affenbericht. Neuer Berliner Handwerkerverein. Sonnabend, ben 10. März, abends 9 Uhr, Rosenthalerstr. 88: Bereinsversammlung Agitationsverein des Arnswalder- Friedeberger Wahlkreises. Gonnabend, den 10. März, Abends 8 Uhr, Versammlung. Vanko. Frauen- und Mädchen- Bildungoverein des arbeitenden olles für Berlin und Umgegend. Wanderversammlung der Filtale Mord am Sonntag, den 11. März, Nachmittags 8 Uhr, im Lofale des Herrn ehmann, Wollantitr. 113. Tagesordnung: Bortrag der Genoffin Frl. Schlen über: Ausbeutung und Erziehung. Arbeiter- Bildungsschule. Sonnabend, Abends 8-10% Uhr. Oft= Reichenbergerstr. 183: Unterricht in: Boltsthümliche Medizin. In allen Laufe des Gemefters, eintreten. Hang zur Beleidigung. Einer gewissen Sorte von Preßmameluden mißfällt es jedes Mal, wenn der Vorwärts" die Strafen, die über unsere Genossen als Redakteure und Agitatoren verhängt werden, unter der Rubrik" Unterm neuen Kurs" veröffentlicht. Es wird die Meinung ausgesprochen, daß Beamtenbeleidigungen, um welche es sich in einem großen Prozentsaz von Verurtheilungen handelt, provozirt wurden, um die be treffenden Genossen als Märtyrer erscheinen zu lassen. Erst vor furzem wurde die Beleidigung des Oberwachtmeister Hentsch zu Nauen durch die Genossin E. Ihrer zum Gegenstand solcher Meinungsäußerungen gemacht. Das Urtheil in diesem Prozeß, welches nunmehr rechtsfräftig geworden, ist nach verschiedenen Seiten von hohem Interesse. Es zeigt erstens, wie bornirt die Meinung unserer Gegner vor der Provokation und dem Märtyrerthum ist, und giebt außerdem einer eigenartigen Anschauung Ausdruck von dem Begriff Beamtenbeleidigung und von den Umständen, welche als strafverschärfend gelten. Während der letzten Reichstagswahlperiode fand in Pichelswerder eine öffentliche Bersammlung statt, in welcher die Genoffin E. Jhrer referirte. Diese Versammlung wurde von dem überwachenden Kollegen! Jett gilt es, eine Schuld zu tilgen, Oberwachtmeister Hentsch aufgelöst als es 11 Uhr war und nicht welche die Berliner Militärschneider im Jahre 1890 sofort Schluß der Versammlung eintrat. Frau J. gab ihrer gemacht haben. Lege fich jeder Kollege eine wöchentliche Meinung über die Auflösung dem Beamten gegenüber dahin gtrasteuer auf, welche auf Listen eingezeichnet werden Ausdruck, daß sie sagte: enn die Versammlung eine tönnen. Die Kollegen sämmtlicher Militär- Wert- Schule, Marfusftraße 31: Unterricht in Rechnen. Süd- Ost Schule, tonservative gewesen wäre, hätten Sie sie nicht stätten werden dringend ersucht, sich zu diesem Zweck aufgelöft".( So steht es wörtlich im Urtheil.) Diese Aeuße: Listen bei 3ilm, Schübenstr. 18, bei Freygang, noch rung fagt weiter nichts, als daß die Handhabung des Vereins- und heute Sonnabend abzuholen, damit Abends bei der Lohn AusDenn Bersammlungsgesetzes, sowie der neben diesen in Betracht kommenden zahlung schon damit begonnen werden kann. Bestimmungen( Polizeiverordnungen 2c.), den verschiedenen Parteien schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Also, Kollegen, ergegenüber eine verschiedene ist. Die Beleidigung des Beaniten soll scheinet Mann für Mann in der oben angegebenen Versammlung. barin liegen, daß demselben durch jene Worte eine parteiische, mithin J. A.: Th. Jermin, Berlin, Großbeerenstr. 20. pflichtwidrige Handlungsweise vorgeworfen worden fei. Die Zu welchen Konsequenzen unsere famose Gefinde: Ringeklagte meinte dagegen, daß, wenn man ihre Aeußerung, die Ordnung führen kann, geht wieder einmal aus folgendem Vorfie nicht bestreitet gethan zu haben, überhaupt als Beleidigung fall hervor, der sich, dem Geraer Tageblatt" zufolge, auf dem auffaffe, höchstens die höhere Berwaltungsbehörde, deren willen Rittergut Raimberg ereignete. Dort hat eine Anzahl Dienst los ausführendes Organ Henisch sei, sich beleidigt fühlen könne. boten ohne Kündigung den Dienst verlassen, nachdem sie einen Das Gericht nahm indeß an, daß die Angeklagte sich verschlossenen Raum erbrochen, um zu ihren dort vom Ritter: ber Mart bei Reftaurateur Schulz bewußt gewesen sein muß, den Beamten durch gutspächter verwahrten Sachen zu gelangen. Die Ursachen sind in ftraße 35 bei Queitfch. jene Worte beleidigt zu haben.(!!) Es wurde sogar besagter Notiz näher nicht angegeben; jedenfalls lag für fie be- Brandenburg a. S. Hauptstraße, Winter's Salon. Dom Echöffengericht zu der Spandau Beweis, daß gründete Ursache vor, den Dienst zu verlassen. Da sie nun Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend eine fonfervative Versammlung nach 11 Uhr Abends vorausgesehen haben mögen, daß der gnädige Herr" kraft dieser Alle Bufchriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine betreffend getagt habe, und nicht aufgelöst sei, als unerheblich ab- alten vermoderten„ Gesinde- Ordnung" sie gehörig chikaniren find zu richten an:. Senter, Bergmannstr. 14, Sofa Dr. Sonnabend: Theaterverein Aurelia, Mendelssohnftr. 9 bei Miethe Abends 9 Uhr. gelehnt. Für den Ort Pichelswerder war der Beweis einer werde, griffen sie zur Selbsthilfe und setzten sich auf gewaltsame Vergnügungsverein Ginigteit, Manteuffelstr. 67, Abends 9 Uhr. Bitherklub solchen Thatsache nicht genügend zu erbringen, weil ein Zeuge Weise in Befiz ihrer Halbfeligkeiten. Und der Befiger jenes Nordklub Ge= ben Gid verweigerte, und aus diesem Grunde erfolgte auch die Rittergutes ist der Reichstags- Abgeordnete Baumbach, ein Gemüthlich lett, Lindenstr. 105, im Bürgergarten. Berurtheilung in zweiter Instanz zu 75 M. Geldstrafe. As eifriger Vertheidiger dieser Ordnung". ob Pichelswerder mit Preußen identisch ist! Als strafverschärfend Versammlungen. Unterrichtsfächern fönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch jest im Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Vorsitzender Ad. Neumann. Alle Aenderungen im Bereinstalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Honnabend, Abends 9 Uhr: Uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Grüne Giche, Rirdorf, Hermann- u. Knesebeckbei Beyerle. Syrania, Landsbergerstraße 31 bei fraßen- Ede Musehold. bet Sanges Echo, Naunynstraße 86, Subetl. Glück zu Freundschaft 2, Friedenstraße Nr. 48 bei Zollfübn. Lieber= Esmeralda, Fruchtstr. 70 bei Ritsche. Brinzen- Allee 67. - Hand in Hand 2, Friedrich sberg, Friedrich Karifir. 11 bei einecke. franz in Brandenburg, Mengert's Boltsgarten. Gesundbrunner Männerchor, Gesundbrunnen, Bringen Allee 10. Frisch auf, Friedrichsberg, Rummelsburgerfire bei der Rummelsburg, Goethe- und Kantstraßen- Ede bet Greinert. Immers grün, Tegel, Spanbauerfir. bei Rentner. Frisch auf 2, Schönwalde in Vorwärts 7, Lorbeerzweig, SwinemünderFreie Gloden, Staligerstr. 104, bet Winter. Sangesfreund, Dragonerstr. 32, bei Ramlowsky.- Deutsche Eiche 2, Gefelliger Berein Deutfche Giche, stohlen- fer a, bet Bech, felligfeit, Brenzlauer Allee 26, bei Drühler, alle 14 Tage.- Theaterverein Leffing. Langeftr. 9, bet tezerosti. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Sonnabend. Paul Nickel'scher Musikverein Allegro bei Spindler, Reichenbergerstraße 118, - auch das steht wörtlich im Urtheil wird angesehen, daß nh Ecke Forsterstraße. ,, die Angeklagte bereits wegen Beleidigung des Offizierstorps Turnverein Gesundbrunnen. Die 2. Männerabtheilung turnt heute vorbestraft sei und offenbar einen Hang habe, Be von 8%-10% Uhr in der Turnhalle, Freienwalderstr. 39. Bühnenverband Normanta jeden legten Sonnabend im Monat bet amte und Angehörige höherer Stände zu be= ,, Das Vorgehen der Unfallversicherungs Berufs- abends 9 uhr bei Schulz, Brunnenſtr. 116. Leichniß, Königsbergerftr. 24. Privattheatergesellschaft Schneeglöckchen, leidigen. Wir überlassen es den Freifinnigen" und den Theaterverein Berliner Blättern anderer Richtung, über die Frage der Beamtenbeleidi- genossenschaften refp. der uteren Verwaltung 3- Bar jeden Sonnabend nach dem 1. und 15. Abends 9 Uhr, Köpenickergung, dem, ang zur Beleidigung" und den Straf- behörden Theaterverein essing. Jeden ersten und legten Sonngegen die Bevollmächtigten der Straße 55a. abend im Monat 9 Uhr abends Sigung bei Rudolph, Krautftr. 6.- Privat verschärfungsgründen nachzudenken. Der Hang zur Beleidigung Krantentassen", lautete die Tagesordnung der Versamm Theatergesellschaft Beneta, Sigung mit Damen feden Sonnabend Abend ist anscheinend eine neue Krankheit sozialdemokratischer Redakteure lung des Berliner Arbeitervertreter- Vereins", welche am 7. März br bei Pape Rolbergerstr. 22. Theatergesellschaft Edelweiß, und Agitatoren, die jedoch mit der Klemm fu cht( Kleptomanie) bei Seefeldt, Grenadierftr. 33, stattfand. Bu derselben Sonnabend 9% ühr, Sigung mit Damen bei Navul Adree, Chorinerstr. 53. oder dem Hang zum Stehlen der Ordnungsbrüder nicht hatten viele Kaffenvorstände ihre Bevollmächtigten entfendet. uttania, s uhr, Sigung in Zäger's Gesellschaftshaus, Gartenstr. 18-14 Fidelitas. Verein Morgenstern, 9 ubr, Sigung mit Damen im Reftau. Theate Einleitend bemerkte der Vorsitzende Gutheit( Maschinenbauer), rant von Krone, Wörtherstr. 11. Nach der Gigung Fidelitas. viel gemeinsam haben dürste. Das Kapitel eigenthümlicher Polizei- Strafbefehle ift daß diefe Angelegenheit auf Beschluß der vorigen Versammlung verein Bohem'ta bei Kummer, Acerfir. 18, Sigung und Aufnahme neurMitglieder. Borussia, Sigung 8% Uhr, bei Schröder, Wienerstr. 31. Gefelliger Verein Freundschaft, jeden Sonnabend Abend 9 Uhr im abermals bereichert worden. In der Reudnißer Straße in Leipzig auf die Tagesordnung gefeßt sei. Durch den Tagesbefehl des spielten, wie die Leipz. Gerichtsgtg." mittheilt, mehrere Knaben Röniglichen Polizeipräsidenten vom 27. Dezember 1898 hätten Restaurant Bauß, Blumenftr. 10, Sigung mit Fidelitas. Bergnügungsverein Azalta 9% Uhr bei D. Heindorf, Barnimmstr. 16. mit dem kleinen, aus Pappe bestehenden Boden einer Papier an dem bisherigen Modus der Vergütigung von Zeitverfäumnisjen Bergnügungsverein 2uftige Jugend Abends 9 Uhr, im Restaurant der Krankenkassen- Bevollmächtigten Aenderungen platgegriffen, Gründer, Köpnickerstr. 100.- Bergnügungsverein Luftige Becher Abends Taterne, indem sie es in die Höhe warfen und wieder auffingen. Die eine gemeinsame entschiedene Stellungnahme der Kaffen- 9% Uhr Mendelssohnftr. 9. Bergnügungsverein& armen Sylva Sigung Das will ein hinzugekommener Schuhmann verboten haben und als das Spiel trotzdem nicht beendet wurde, erstattete er die An- vertreter durchaus hervorrufen mußte. Bisher war es Ufance, uhr im Restaurant von D. Wits, Mariannen- Ufer 2. zeige. Daraufhin wurde gegen einen der Knaben ein Strafbefehl für einen halben Tag Zeitversäumn' bei Wahrnehmung von gnügungsverein Harmi os, Gigung mit Damen Sonnabend, Abends Uhr, Sotalterminen auf einer Unfallstätte oder dem Polizeibureau Blumenstr. 46 bet Went. Mitglieder pünktlich. Theaterverein Freundes auf einen Tag Haft erlassen. Aus der Begründung des Straf 3 M. in Ansatz zu bringen, die auch stets bereitwilligst gezahlt treis uhr, im Restaurant Raporte, Solmsſtr. 1. Vergnügungsverein befehls geht hervor, daß die Polizeibehörde in dem Werfen jenes wurden. In dem Tagesbefehl, der, wie man annehmen müsse, Rauchtiub Blaue Quafte, Sonnabend& Uhr bei Mücke, N., Wöhlertstr. 2. Luftig, Sigung Abends 8% Uhr, bet Falbe, Reichenbergerstr. 149. fleinen Pappstückchens eine Gefährdung des Publikums" erblickt auf Insinuation seitens der Berufsgenossenschaften beruht, Rauchflub Dornröschen, Sigung Abends 9 1hr, bei Krüger, Jennhat. Selbstverständlich hat der Vater des Knaben auf gericht sind die Reviervorstände angewiesen, durch ihre Organe Rauchflub Eiserne Pfeife, Mittwoch und Sonnabend Gigung bei liche Entscheidung angetragen. Sollte sich das Gericht der ( gewöhnlich Kriminalbeamte des betr. Reviers) in Fabriten, weinert, Adolffir. 20, Abends 8 Uhr. Echieß- Klub Fein Korn, Köp: polizeilichen Auffaffung anschließen, so würde der arme Junge Werkstätten oder Bauplägen 2c. beim Arbeitgeber genau recherchiren niderftr. 28a, Restaurant Saun, tagt Gonnabend und montag. Rauchtlub natürlich für sein ganzes Leben als„ borbestraft" gelten. zu laffen, wie viel Stunden der Arbeiter: bezw. Raffen- Ver- othe Neire, Abends 9 Uhr bei Steuer, Weinftr. 22. Hoch das gleiche Recht für Alle! In einer Gerichts- treter effettive Arbeitszeit versäumt habe und wie hoch der Schilling, Büdlerstr. 58. Berein ehemaliger Schüler der verhandlung vor der Straffammer zu Glogau wurde am 3. d. M. Tagesverdienst sich beläuft, um dann danach die Entschädigung 30. Gemeindeschule, Abends& Uhr, Restaurant Freitag, Koppen" Geselliger Berein Linde jeden Sonnabend 9 Uhr bei Grawe, Brunnenstr. 147. straße 5. Rauchklub Weiße Wolte, Bernauerstr. 14, bei Henoch. Stattlub orbischer Knoten, jeden Sonnabend 9 Uhr bei Karl ftraße 65. Gefelliger Berein Italia, jeden Sonnabeno tm efiaurani Boite, Rolbergerstr. 23. Statflub Kreuzbube bet Steuer, Weinftr. 22. Statflub Revolution Abends Reichenbergerstr. 73, bei Fauftmann. Kartenflub Nulle tagt jeden Sonnabend und Montag im Restaurant Humboldhein, Hochstr. 320. Statklub Blaue Blouse, jeden Sonnabend bei Wuttte, Graudenzer ftraße 2. Stattlub Ginigteit bei Grube, Mariendorferstraße, Ece Solmsstraße. Sof, Admiralstr. 18c. Touristenverein Wanderlust Abends 9 Uhr im Restaurant Märkischer Beutscher sozialdemokratischer gefeklub in Paris. Sue St. Sonore 314 Cafe du Lion de Belfort. Jeden Sonnabend öffentliche Ver fammlung; reiche Bibliothek, Zeitungen, französischer Unterricht. Londen. Der einzige hiesige sozialdemokratische Verein Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels 1840 begründete Rommunistische Arbeiter: Bildungsverein befindet sich nach wie vor 49 Tottenham Street, Tottenham Court Rd., W. London. Eachverein der Photographen. Jeden Sonnabend bet Knoblauch, Modeaften hordag Rommandantenstr. 15, Abends 9 Uhr. Bansk Forening Freja", Oranienstr. 51. Kl. 9. Besogende ere velfommen. Dermischtes: ver Erdbeben. Wien, 9. März. In Mürzzuschlag wurde gestern Nachmittag ein mehrere Sekunden andauerndes heftiges Erdbeben verspürt. Briefkaffen der Redaktion. J. P. Ja. Melden Sie sich bei einem aktiven Militärarzt Ihres Aufenthaltorts. 7. K. W. 52. Ja, wenn es m guter Absicht geschehen ist. C. B. 99. Nein. Wenden Sie sich aber, falls Sie verflagt werden sollten, an einen Rechtsanwalt. Dudelheim 68. Nein. Legen Sie die Beschwerde bei der Zivilkammer des Landgerichts ein. F. B., Stolp i. P. Wenn dem Bürgermeister durch den Vorstand die Befugniß nicht übertragen ist, nein. Beschweren Sie fich beim Regierungspräsidenten. O. B., Offenbach. Es giebt keine solche Stadt. N. 5. Das Verlangen der Mitgliederliste ist nicht berechtigt. Beschweren Sie sich dagegen beim Oberpräsidenten. Eckbusch 44. Nein. G. R. Bitterfeld. In dem Falle kann überhaupt nicht auf Einwilligung geschieden werden. Darum hat der Mann als Haupt der Familie Anspruch auf alle Kinder, falls die Frau ihn freiwillig verläßt. Berthold Hecht. Einigen Sie sich mit der Charitee auf ratenweise Abzahlung, und halten Sie die Raten pünktlich inne. Sie gehen dann des Wahlrechts nicht verlustig. W. G. 30. Neiu, der Mann haftet nicht für die vorehelichen Schulden seiner Frau. Crefeld 100. In Krefeld gilt das französische Recht. Die Bestimmungen desselben über die Verjährung sind uns nicht bekannt. P. Brandt, Schöneberg, Kaiser Friedrichstr. 3. Es ist nichts zu machen, da dieser Betrieb nicht als Handelsgewerbe angesehen werden dürfte. Brieflich antworten wir nicht. Freie Volksbühne. Frik Weidt, Klük in Mecklenburg. Das richtet sich nach Landesrecht; fragen Sie einen dortigen Juriften. 100 N. R. Sie müssen sich einen Rechtsanwalt des Land. gerichts, wo die Klage zu erheben ist, nehmen. Sch. 1008. 1. und 2. Ohne besondere Ronzession nicht. (§ 33 der Gewerbe- Ordnung.) Die Bestrafung geschieht nach § 17 des Gesezes vom 3. Juli 1876. Strafbar ist der Inhaber des Geschäfts, nicht der Hauswirth. M. B. in B. Sie können nicht klagen, da ein Vertrag noch nicht zustande gekommen war. Das Schreiben der Firma vom 19. Februar enthält noch feinen verbindlichen Vorschlag. Paul Köhler, Friedrichshagen. Wenn der Bater schon verurtheilt ist, braucht nur das Ürtheil vollstreckt zu werden. Ausgeklagte Forderungen verjähren erst in 30 Jahren. Berger, Junkerstraße. Sie erben die Hälfte. Postabonnent Barmen. Erkundigen Sie sich bei einem Rechtsanwalt am Wohnsitz der Eltern. Abonnent Schönleinstraße. Kommen Sie in die Sprechs W. W. 1. An das Provinzial- Schulkollegium. 2. Nein. Der mündliche Vertrag ist giltig. stunde. P. M. Ja, wenn der Reisende Ihnen nicht Duittung der Firma vorgelegt hat oder sonst zum Inkasso legitimirt war. Grüner Weg 81. Die jest giltige Reichsverfassung fennt feinen Eid der Abgeordneten. R. G. 117. 1. Nein. 2. Klage gegen den Burschen auf Herausgabe des Schlüssels. Gustav Sabor, neben der Markthalle, 159 Invalidenstr. 159, neben der Markthalle, Am Sonntag findet für die 5. Abtheilung eine Vorstellung im empfiehlt zur Frühjahrs- Saison sein reichsortirtes Lager garnirter u. ungarnirter National- Theater statt. Zur Aufführung gelangt: Damen- und Kinderhüte Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Aften von Friedrich Schiller. Die nächste Vorstellung für die 5. Abtheilung findet nicht am 22. März, sondern am 1. April Batt. Beginn der Vorstellung: 2 Uhr. Verloosung: 1 hr. in elegantefter Ausführung zu äußerst billigen Preisen. Trauerhüte in größter Auswahl von 1,75 Mark an. Elegante Einsegnungs- Anzüge 5758L* Am Sonntag findet für die 2. Abtheilung eine Vorstellung im n blauen und schwarzen Stoffen und Kammgarnen zu billigsten Preisen empfiehlt Lessing- Theater statt. Zur Aufführung gelangt: Sodoms Ende.. Drama in 5 Atten von Hermann Sudermann. Beginn der Vorstellung: 22 Uhr. Verloosung: 12 Serr F. Wilke, Andreasstr. 26, hat eine" Bahlstelle übernommen. Die Mitglieder können sich ohne besonderen Ausweis in diese Babe 397/16 umschreiben lassen. Der Vorstand der Freien Volksbühne. J. A.: Julius Türk. SW., Golmsstr. 24. Rixdorf. Arbeiter! Parteigenossen! Sonntag, den 11. März, Vormittags 10 Uhr: Große öffentliche Gewerkschafts- Versammlung in den Viktoria- Sälen, Hermannstraße 45. Tagesordnung: 1. 3weck und Nußen der Gewerkschaftskartelle. Referent: Genosse H. Faber- Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Genossen ist es, für zahlreichen Besuch zu agitiren. 2220b Der Einberufer. Achtung! Maurer. Achtung! Sonntag, den 11. März, Vorm. 11 Uhr: Mitglieder- Versammlung der Filialen I und II des ZentralVerbandes der deutschen Maurer im Lokale des Herrn Gründer, Söpnickerstr. 100. Tagesordnung: 249/14 1. Bericht der Delegirten vom Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Gewert schaftliches. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist jedes Mitglied verpflichtet zu erscheinen. Die Verwaltungen. Achtung! Rixdorf. Achtung! Julius Lindenbaum, Frankfurterstr. 139. Echt Stonsdorfer Likör à Str. 1,20, 5 Str. 5,50, 10 2tr. 10, 50 Str. 47,50, 100 Str. 90 Mart. Eugen Neumann& Co., Juh. Conrad Neumann, 6a, Belle- Alliance- Plak 6 a. 81, Neue Friedrichstraße 81. 8, Dranienstraße 8. 610 Eine Frau mit 3 Kindern im Alter von 10 Monaten bis zu 6 Jahren, welche augenblicklich allein dasteht und wegen drei Monate Miethe exmittirt werden soll, bittet edle Menschenfreunde um Unterstügung. 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März, Nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Lehmann, Wollankstr. 113: Wander- Versammlung der Filiale Norden. Zages Ordnung: 1. Bortrag der Genoffin Fräulein Schley über:„ Ausbeutung und Erziehung". 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste willkommen. Avis! Billets zu dem am 2. Osterfeiertag stattfindenden Vergnügen sind bei der Kassirerin Mt. Roschnitty, Streligerstr. 34, Hof 4 Tr., zu haben. 461/2 Der Vorstand, Pape's Colberger Salon", Colbergerstraße Nr. 23. Sonntag, den 11. März 1894: Gr. Familien- Kränzchen verbunden mit Gesang, Vorträgen und Festrede zum Benefiz für den Tanzlehrer Richard Hartmann ( Mitglied des Tanzlehrer- Vereins Solidarität"). Billet 20 Pf. Anfang 5 Uhr. 2226b Ende??? Neueste Frühjahrs- und Sommerhüte für Damen und Kinder empfiehlt in reicher Auswahl zu sehr billigen Preisen 5755L* Th. Sabor, Oranienstrasse 204, nahe der Koppenr. Roh- Tabak A. Goldschmidt, 4435L am hiesigen Plage wie bekannt grösste Auswahl! 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Berantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2178b* 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 58. Soziale Uebersicht. An die Bilderrahmenmacher! Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Hausarbeiter! Von neuem treten wir an Euch heran mit der Mahnung, betheiligt Euch an der Arbeiterbewegung, schließt Euch dem Fachverein an! Denn nur so seid Ihr imftande, die Nebergriffe des Unternehmerthums abzuweisen. Um nun den Richtorganisirten Gelegenheit zum Anschluß an den Fachverein zu geben, haben wir am Sonntag, den 11. März, Vormittags 10 Uhr, eine öffentliche Versammlung nach der Alten Jakob straße 75 einberufen.( Siehe Annonce.) Es ist unbedingte Pflicht aller, dort zu erscheinen und für den Besuch der Versammlung lebhaft zu agitiren. Der Arbeitsnachweis unseres Fachvereins befindet sich Fürstenstr. 7 bei Max Jéannerét. Ferner ersuchen wir alle Kollegen die bei Krüger, Fürstenstr. 4 oder Roth u. Co., Görlitzer Ufer in Arbeit treten wollen, erst Rücksprache mit unserm Arbeitsvermittler zu nehmen. Der Vorstand. Achtung! Militärschneider! Da noch fortgesetzt hier Arbeit angefertigt wird, die in Riel die streifenden Kollegen zurückweisen, so sehen wir uns veranlaßt, energisch dagegen Stellung zu nehmen. Zu diesem Zweck findet heute Abend bei Freigang, Schüßenstr. 18/19( Restaurant) eine Werk tattoelegirten Sigung der Militärbranche statt. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist zahlreiches Erscheinen erforderlich und erwarten wir starke Betheiligung aller Militärgeschäfte. " Die Agitation3 Rommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Kartoffeln statt Brot. Als der Abg. Bebel im Reiche. tag behauptete, die Lebenshaltung des deutschen Wolfes gehe stetig zurück, wurde er scharf angegriffen. Nichtsdestoweniger ist Diese Behauptung richtig. Professor Jaruschef schänt in seinen Uebersichten der Weltwirthschaft" den Konsum von Brot: getreide in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung im JahresDurchschnitt 1880/ 81-1884/ 85 auf 184,97 Kilo, im Jahresdurch schnitt 1885/ 86-1889,90 auf nur noch 176,08 Stilo. Hier beträgt der Rückgang über 8 Kilo. Noch mehr hervortretend ist die Abnahme des Konsums, wenn wir den Jahrgang 1885/86 mit dem Jahrgang 1889/90 verglichen. Im ersteren betrug der Konjum rund 174 Kilo, im legeren nur noch 162 Kilo, war also um 12 Kilo pro Kopf zurück gegangen. Das Getreide ist zu theuer, darum Kartoffeln her. Das Kartoffellied der sächsischen Weber fann bald auf der ganzen Linie gesungen werden, voraus gesetzt, daß die herrschende Klasse noch lange so weiter zu„ reformiren" in der Lage ist. Einen vernünftigen Beschluß faßte der NusSonnabend, den 10. März 1894. 11. Jahrg. Agrarische Arbeiterfürsorge. Auf je 1000 Versicherte in wollte, ihr sogar die 2 M. für die Transportkosten des Ver Deutschland entfielen durchschnittlich in den landwirthschaft- unglückten abgezogen wurden. Herr Noa stellt die Sache dahin betrieben 1,35 und in den Kleinbetrieben 1,05 Werlegte. Das zugegen war, sondern daß die Auszahlung durch seine Frau lichen Großbetrieben 3,44 entschädigte Berleyte, in den Mittel- klar, daß er bei der Lohnzahlung am letzten Sonnabend nicht genügt, um zu erkennen, wen es in erster Linie angeht, wenn erfolgt wäre, er sei aber gewillt, dem Verunglückten die volle großen Aufgaben, welche der land- und forstwirthschaftlichen dahingehend aus, daß die vorliegende Fabrikordnung vollständig das deutsche Reichs- Versicherungsamt u. a. folgendes fagt:" Die Woche zu zahlen. Nun sprachen sich verschiedene Kollegen Unfallverhütung vorbehalten sind, lassen sich am besten durch einen gefeßwidrig sei. Herr Noa wurde vor Allem darauf aufmerkſam Vergleich der Unfallzahlen nach den Arbeitsvorgängen würdigen. gemacht, daß er seinen schönen Worten betreffs seiner Humanität und da zeigt es sich mit Deutlichkeit, daß die Ursachen vieler boch endlich einmal die That folgen und wenigstens die nöthigen geſetzund schwerer Unfälle, neben einer mangelhaften Arbeitsbeauflichen Schußvorrichtungen in seinem Betriebe anbringen laffen möge. sichtung, insbesondere in den Unvollkommenheiten und Mängeln der Nachdem noch verschiedene Kollegen die Mißstände, die sie wäh ländlichen Betriebsstätten( Böden, Speicher, Scheunen u. f. w.), rend ihrer Arbeitszeit bei Herrn Noa wahrgenommen, zur Sprache Wege und Arbeitsmittel zu suchen sind. Neben einer ent- brachten, wurde folgende Resolution gestellt: sprechenden Belehrung der Unternehmer und Arbeiter gilt es fammlung beauftragt den Vorstand, auf die Noa'sche Fabrik be Die heutige Verdaher, um die durch die Unfälle der Landwirthschaft erwachsenden fonders acht zu geben. Sie fordert die Arbeiter auf, jeden Fall großen Kosten und das durch die Unfälle verursachte Unglück und von Uebergriff beim Vorstand zur Kenntniß zu bringen, damit Elend herabzumindern, die Betriebsstätten sicherer zu gestalten der Vorstand demgegenüber die nöthigen Schritte ergreift". und wirksame Schutzvorkehrungen gegen Unfälle bei den länd- Herr Noa meinte, diese Resolution enthalte ein Mißtrauen lichen Arbeitsleistungen zu treffen." gegen ihn sowohl als auch gegen die Werkstattkommission. Käme diefe Resolution zur Annahme, so werde er ganz streng und mit allen gesetzlichen Machtmitteln gegen die Arbeiter vorgehen, wobei dann auch die Werkstattkommission abgeschafft würde. Die Refolution gelangte troh der Drohung einstimmig zur Annahme. Der vorgerückten Zeit wegen wurden die andern Punkte der Tagesordnung bis zur nächsten Versammlung vertagt. Ob die Herren Großgrundbesitzer sich freilich daran kehren werden, ist eine andere Frage. Es ist ihnen auch kaum zuzumuthen, daß sie außer an ihre Diners, die Sauhatz und andere Sports auch noch daran denken sollten, wie Leben und Gesundheit ihrer Arbeiter zu sichern wäre. " brachten wir in Nr. 51 unseres Blattes vom 2. März längere Zum Weberstreik in Lawrence( Nordamerika) Die Orts- Krankenkasse für Handlungsgehilfen und Ausführungen eines dort lebenden Genossen, in denen die Lehrlinge hielt am Freitag, den 2. März, eine außerordentliche Ursachen des großen Ausstandes näher erörtert waren. Heute Generalversammlung ab, die zu dem Zweck einberufen war, um geht uns ein Bericht über eine Versammlung des Soz. Arbeiter eine Interpellation Heymann und Genossen über die Geschäfts. vereins zu Lawrence zu mit dem Ersuchen, die in derselben führung des Vorstandes zu besprechen. Bunächst wurde ein Anangenommene Refolution zum Abdruck zu bringen. Diese hat trag der Gewerbedeputation, die Geschlechtsfranken betreffend, nach einigen unwesentlichen Stürzungen folgenden Wortlaut: In abgelehnt. Nach der Begründung der Interpellation durch Heyanbetracht, daß die Washington Mills seit ihrer Wieder- mann, welcher die Rechtsprechung des Vorstandes, sowie sein Ver aufnahme der Arbeit die Löhne ihrer Arbeiter verschiedene Male fahren gegenüber den Angestellten und seine Haltung gegenüber schon reduzirte, in anbetracht ferner, daß diefelbe schon längst der Aufsichtsbehörde besprach, und nach einer Beantwortung der die niedrigsten Löhne bezahlt und jetzt wieder eine Lohnreduktion Interpellation durch den Vorsitzenden Jastrow, ging der Antrag von 10 pet. ihren Arbeitern zumuthete, erklärt der Sozialistische ein, über die Interpellation zur Tagesordnung überzugehen. Arbeiter verein den seit einer Woche begonnenen Streit als einen Nach sehr heftiger Geschäftsordnungs- Debatte und unter lebAkt der Nothwehr und einen gerechten Kampf für die Interessen hastem Protest der Minderheit wurde derselbe angenommen. der gesammten Arbeiterschaft von Lawrence. Alsdann fanden Erfahwahlen zum Vorstande statt. Gewählt Deshalb verspricht dieser Verein diesen Streit mit aller wurden die Arbeitnehmer Tischler und Fri. Kwasniewska, sowie Kraft moralisch, sowie auch finanziell unterstützen zu wollen. Arbeitgeber Schreyer. Die übrigen Punkte wurden der vorAußerdem fordern wir alle redlich denkenden deutschen Ar- gerückten Zeit halber vertagt. beiter auf, im gleichen Sinne zu wirken, und ihre ganze Kraft einzusetzen, um diesem Kampf zum Siege zu helfen, eingebent sprach am 4. März Genosse Giegrist über:„ Gewerbegerichte". Im Dentschen Holzarbeiter- Werband( Bahlstelle Rigdorf) der Worte: Ihr Sieg ist unser Sieg, ihre Niederlage unsere Nachdem Redner die wichtigsten Baragraphen erläutert hatte, Niederlage." Deshalb deutsche Arbeiter und deutsche Vereine, thut Alles schuß der hanseatischen Versicherungsanstalt für Invaliditäts- was in Euren Kräften steht, um diesen Kampf siegreich durchund Altersversicherung. Er beschloß, eine Heilanstalt für Brust- zuführen. frante für 30 bis 100 Rrante an einem Punkte des Harzgebirges Sendungen sind zu richten an die Deutsche Weber- Union" mit einem Kostenaufwande von 275 000. zu errichten. Frei- Nr. 2, Lawrence, Maff.( N. A.) Mathes" Halle, Hall Street. lich die Ursachen der Lungenkrankheiten, die soziale Noth, bleiben dadurch unberührt. H Die Einführung einer kommunalen Biersteuer beschloß die Stadtverordneten Versammlung von Ruhrort mit 13 gegen 9 Stimmen. Die Steuer tvitt am 1. Juli in Kraft. Dersammlungen. ging er auf die örtlichen Verhältniffe ein und forderte die AnForderungen anerkannt werden. Dem mit großem Beifall aufwesenden auf, in der Agitation nicht nachzulassen, bis unsere genommenen Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion. Der dritte Punkt der Tagesordnung, Wahl eines Delegirten zur Kottbuser Konferenz, wurde durch die Wahl des Kollegen Ostermann er ledigt. Unter Vereinsangelegenheiten kritisirte Kollege Korte die mißlichen Zustände in der Werkstatt von Stange, Bergstr. 17. Der Bevollmächtigte machte noch bekannt, daß die Mitgliederversammlungen immer am Sonntag nach dem 15. stattfinden, wenn keine öffentliche Versammlung tagt. wie allen anderen ArbeiterDie Arbeiter Bildungsschule( Ostbezirt) hielt am 4. März in Schmiedel's Festsälen, Alte Jakobftr. 32, eine Versammlung Zuviel Pech auf einmal hatte die Gemeinde Ober- ab, in der Genosse Jahn über„ Die Geschichte der Volkswirth genossen, welche am 5. März stattfand, hielt der Genosse In einer Versammlung der Kornträger und Berufstalbach( Reg.- Bez. Kassel) mit ihren protestantischen Seel- fchaft" sprach. In dem beifällig aufgenommenen Vortrage wies hieme einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:" Die forgern". Der Reichs herold" erzählt folgende Geschichte der Referent darauf hin, daß die Nationalökonomie eines der Arbeitslosigkeit und ihre Ursachen". Dem Vortrage folgte eine des Dorfes von drei Pfarrern: Nummer 1 war Herr P., wichtigsten Lehrfächer der Schule ist. In gleichem Sinne äußerte furze, aber lebhafte Debatte. Otto und Sauer animirten die geborener Hanauer; derselbe war Inhaber der hiesigen Pfarr sich Lohfe. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden Anwesenden unter Hinweis auf die Mißstände in ihrem Beruf ftelle vom Jahre 1878-1880. Er knüpfte innerhalb dieser Beit auf, fich zahlreich an dem vom Bitherverein„ Einigkeit" zum zum Anschluß an den Verein der Getreidearbeiter. Sauer stellte ein Liebesverhältniß mit einer Gänsehirtin und mit noch einer Besten der Schule am 11. März stattfindenden Konzert und Ball fest, daß gerade in den staatlichen Speichern, den föniglichen verrufenen Frauensperson an, die Sache wurde ruchbar, er zu betheiligen." wurde seines Amtes entsetzt und zog nach Amerika. Nummer 2 Proviantämtern, die Löhne sehr herabgedrückt sind. Der Staat sei war ein Herr D., geborener Brandenburger; derselbe brauchte Der Verein zur Wahrung der Interessen der Stock. hier mit der Einführung von Menschenkraft überflüssig machenden mehr Geld, als ihm sein Einkommen bot, er griff in die Pfarrei arbeiter hielt am 28. Februar seine regelmäßige Mitglieder Maschinen zuerst vorgegangen. Wie er gehört, fei in einem dieser tasse, die Folge waren 9 Monate Zuchthaus und Amtsentsetzung; versammlung ab. Nach einem recht beifällig aufgenommenen Institute in einem Tage eine Arbeitsmenge geleistet worden, ihre Bezahlung nach dem alten, behördlicherseits derfelbe zog auch ab. Nummer 3 war ein Herr F.; er Vortrag des Genossen Hermann beschäftigte sich die Ver- die, war hier Pfarrer vom Jahre 1884-1891. Derfelbe über- sammlung mit den Werkstattverhältnissen in der Fabrik des festgestellten Tarif berechnet, früher für jeden dabei thätig geftrahlte seine beiden Vorgänger noch in den Eigen- Herrn Noa. Der Kollege Kramer gab zunächst eine Dar wefenen Arbeiter 8 M. abgeworfen hätte; jetzt habe jeder die schaften, die nun einmal ein Seelsorger nicht haben soll. ftellung der Mißstände in jener Fabrik und verliest sodann einige sehr schwere Arbeit für den üblichen Tagelohn von 3 M. machen Er machte eine Erholungsreise, tam bis nach Stuttgart, Paragraphen der ominöfen Fabrikordnung, von denen hier einige müssen. Es stehe zu befürchten, daß die Maschine in Zukunft auch den Speicherarbeitern verlobte sich dort mit einem Fräulein, und hatte doch zu folgen mögen Hause eine Frau mit fieben Kindern, schrieb auch im Laufe der§ 4. Von jedem Arbeiter wird im allgemeinen verlangt fategorien das Leben schwer machen werde; spüre man doch Zeit 60 Liebesbriefe an seine Stuttgarter Braut, welche dieselben, Achtung und Gehorsam gegen seinen Vorgesetzten, Müchternheit, schon recht unliebsam jezt ihre Konkurrenz, wo erst die Anfänge als sie erfuhr, daß sie betrogen war, zusammenpackte und an ehrenhaftes Betragen, fittlicher Lebenswandel, Stillschweigen einer allgemeinen Einführung von Maschinen vorhanden seien. das Konsistorium zu Kassel zur Einsichtnahme übersandte. Wie über Muster und Fabrikgeheimnisse.§ 9. Eine Verminderung Die Stärkung der Organisation sei um so nothwendiger, als nun einmal noble Passionen Geld fosten, so brauchte der Herr oder Vermehrung der regelmäßigen Arbeitszeit ist statthaft, zur bereits Anzeichen für die Absicht der Unternehmer nach Borwieder mehr, als sein Gehalt auswarf; es wurde wieder in die eventuellen Nacht- oder Sonntagsarbeit sind die Arbeiter nach nahme weiterer Lohnreduktionen sich bemerkbar machten. Otto Kasse gegriffen und die Folge von alledem war wieder ein Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet.§ 14. Von bezeichnete es als die nächste Aufgabe der Speicherarbeiter Vierteljahr Zuchthaus und Amtsentsegung. Herr F. ist nun jedem Arbeiter wird erwartet, daß er ununterbrochen und Kornträger, den alten Tarif vom Jahre 1873, welcher mit Frau und 7 Kindern der Gemeinde Obertalbach zur Last thätig und bestrebt ist, teste Arbeit zu liefern. Gs damals die Zustimmung der Berliner Kaufmannschaft und gefallen auf grund des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz. sind deshalb Echlafen, Zeitunglefen, unnöthiges Verlassen der des föniglichen Polizei Präsidiums gefunden hatte, wieder Eine Gemeinde, deren Ortsbürger ihrer Mehrzahl nach in den Arbeitsstätte, Besuch in anderen Werkstätten, müßiges Zusammen zu erobern. Angeführt wurde noch, daß die Profitwuth der Eisen- und Kohlen- Bergwerken Rheinlands und Westfalens, in stehen, Lärmen zc. während der Arbeitszeit verboten.§ 15. Unternehmer nicht davor zurückschrecke, gesundheitsschädliches der Gegend Frankfurts und im Staatswalde ihrem Verdienste Branntwein darf in der Fabrik weder eingeführt noch daselbst Getreide unter das Publikum zu bringen. Die Versammlung nachgehen, um ihre Familien, wenn auch fümmerlich, doch ehr getrunken werden. Betrunkene werden sofort entlassen; leichtes beschloß dann, nachdem mehrere Redner dafür eingetreten waren, lich durchzuschlagen, wird durch dieses Gesetz gezwungen, einen Bier zu trinken ist gestattet.( Große Seiterkeit.)§ 17. Daß den zu Pfingsten in Halle a/ S. stattfindenden Kongreß aller im Mann zu unterstützen, der sein Brot mit Füßen getreten, der Einsammeln von Beiträgen, der Verkauf von Loosen 2c., das Handelsgewerbe beschäftigten Personen durch zwei Delegirte Die Wahl derselben soll in einer demnächst einnie einen Pfennig in die Gemeindekasse gezahlt, sondern die Ge- Werben von Abonnenten, das Verbreiten von Druckschriften, zu beschicken. meinde drückte und quälte, wo er nur fonnte." Recht nette sowie jede Agitation in der Fabrik, welche lediglich eine Stätte zuberufenden öffentlichen Versammlung vorgenommen werden. Ordnungssäulen, an denen sich die Gemeinde gründlich den der Arbeit ist, sind auf das firengste verboten.§ 18. Jeder Bezüglich des 1. Mai wurde vom Bureau aus den Versammelten Magen verdorben haben dürfte. Arbeiter ist verpflichtet, die in den Fabrikräumen aushängenden auf eine Frage hin anempfohlen, denselben nach Möglichkeit Unfallverhütungsvorschriften, sowie alle durch Aushang bekannt zu feiern und im übrigen an den von der Partei veranstalteten Krankenkassen Auflösung? Die letzte Generalversamm gemachten Verordnungen genau zu befolgen. Trotz der Unfall- Feierlichkeiten theilzunehmen. lung der Zentral Kranten und Sterbekasse der verhütungsvorschriften ist es vorgekommen, daß ein Arbeiter vor Eine öffentliche Versammlung der Kürschner tagte am Tischler und verwandter Berufe zu Hannover cinigen Tagen verunglückte, als er einen Riemen auf die Haupt- 5. März. Genoffe Hoffmann sprach in einem beifällig aufhat bekanntlich das Weiterbestehen der Kasse beschlossen. Eine welle legen wollte, und hierzu die sehr defekte Leiter, in der genommenen Vortrage über: Das moderne Raubritterthum" große Anzahl der Mitglieder ist mit diesem Beschluß jedoch nicht sogar einige Sprossen fehlen, benutzte. Dem Unglück dem sich eine recht rege Diskussion anschloß. Zur Feier des einverstanden. So hat sich in Söln ein Komitee gebildet, lichen rutschte die Leiter unter den Füßen weg, er griff ersten Mai soll in der nächsten Versammlung Stellung genommen melches in einem Aufrufe die Kassenmitglieder auffordert, ihre auf die Welle, auf der ein Riemen loſe ſchleifte, werden. Die Versammlung beschäftigte sich sodann mit der FestStimmen dafür abzugeben, den Vorstand zu veranlaffen, eine verwickelte sich mit dem Arm darin und wurde mit herum fegung des Beitrages zur Bestreitung der Kosten für das Bureau außerordentliche Generalversammlung einzuberufen, welcher die geriffen; als man den Unglücklichen herunternahm, war der Arm der Gewerkschaftskommission. Von einigen Rednern wurde die Tagesordnung: Auflösung der Kaffe unterbreitet werden soll. vollständig gebrochen. Herr H. Noa, der in der Versammlung in Ansatz gebrachte Summe von 30 M. für zu hoch bezeichnet. Begründet wird der Antrag damit, daß durch die großen Anzugegen war, erklärte, daß weder er noch sein Bruder die Ver- Auf Antrag des Kollegen Thomsen soll der Delegirte die Anforderungen, welche die Regierung und die Gesetzgebungsmaschinerie fertiger der Fabrikordnung seien, sondern daß sich ihm ein Drucker, gelegenheit in der Kommission zur Sprache bringen. Für die besonders an die eingeschriebenen Freien Hilfskassen stellt, sowie der eine solche Fabrikordnung für eine andere Fabrik angefertigt gemaßregelten Kollegen der Firma S. Wachtel, Hamburg, wurden durch die wirthschaftliche Krisis diese gezwungen feien habe, zur Herstellung der Fabrikordnung angeboten babe. Jm 25 9. bewilligt. fort und fort den Beitrag zu erhöhen oder die Unterstützungen übrigen sehe er gar nicht so genau auf die Anwendung der in = " zu verringern. Die gesunden Mitglieder der Kasse treten infolge der Fabrikordnung vorgeschriebenen Paragraphen. Auf die An- Friedrichsfelde. Hier tagte am 4. März eine Versamm deffen aus( die Kranken natürlich verbleiben), wodurch die Existenz zapiung, ob sein Betragen denn immer der Fabrikordnung ent- lung, in der Genosse Rohrlak über die Gemeinderaths- Wahlen der Kasse immer mehr in Frage gestellt werde. Dann heißt es sprochen habe ,. erwidert er, daß er einmal dem Mädchen einen referirte. In der darauf folgenden Diskussion befürwortete Gewörtlich weiter: Stoß gegeben und daß sie dabei gefallen,( Große Heiterkeit) liegt noise retti sehr warm die Betheiligung an den GemeindeFür uns ist heute der Standpunkt der Selbsthilfe hinfällig. daran, daß ihm das Mädchen so dreift entgegengetreten sei. raths- Wahlen. Sodann giebt der Genosse Borpahl den Be Warum sollen wir die Arbeitgeber bei der ungeheuren Summe Betreff des Unglücksfalles drücke er fein größtes Bericht aus dem Wahlkomitee und bestimmte die Verfammlung als der Beitragsleistung noch länger entlasten, während es in unserer dauern aus, ihm sei das selbst sehr nahe gegangen; Kandidaten für diese Wahl die Genossen Joseph Ecleben, BäckerHand steht, sie mit einem Drittel zu belaften? Die Konsequenz hätte er gewußt, daß die Leiter in so schlechtem meiſter, Berlinerstr. 66, als Ansässiger, Nepomuk Pretki, Prinzendes Gesagten ist allerdings: Austritt aus den eingeschriebenen Zustande sei, so hätte er längst eine beffere besorgt. Allee, als Miether. Am Sonntag, den 11. d. Mits., findet eine Hilfskaffen und Masseneintritt in die Ortsfassen, welche unserer Roll. Krämer erwidert: Er und verfchiedene andere Kollegen Agitationstour statt. Treffpunkt früh 614 Uhr, Restaurant Schulz, feits erheblich ausgebaut werden können. Damit wird uns dann haben Herrn Noa vergebens mehrmals auf den schlechten Zustand Prinzen- Allee. aber auch das Recht der Vertreterwahlen zu der Unfall, Alters- der Leiter aufmerksam gemacht. Betreffs der Humanität des und Invalidenversicherung gegeben, welches für die Arbeiter von Herrn Noa führt Redner an, daß, als die Frau des Verunglückten höchster Bedeutung ist und unseren Rassen heute nicht zusteht. Ludwig am Sonnabend den Lohn für den einen Tag abheben DER BABAKINDUSTE 271 Bum 18. März Arbeiter! Genossen! erscheint das Volksblatt", Organ für die arbeitende Bevölkerung, auf Kauft nur Cigarren mit der rothem Papier gedruckt in einer der Bedeutung des Gedenktages entsprechenden ExtraKontrollmarke der Nummer. Einzelpreis 15 Pf. Wiederverkäufern hoher Rabatt. Tabakarbeiter. Nachfolgend verzeichnete Fabrikanten und Händler führen nur Cigarren mit der Bestellungen werden baldigst erbeten an die Expedition des„ Volksblatt"; Berlin SW., Beuthstraße 2. Sonntag, den 18. März, Buchhandlung des Vorwärts" Berlin SW., Beuthstr. 2. Eine Broschüre, die sich besonders zur 5740 Massenverbreitung ist der Saal des Schweizer- Gartens sowie der Alhambra, WallnertheaterKontroll- Schutzmiarke der Tabakarbeiter. traße 15, noch an Vereine zc. zu vergeben. Händler können nur veröffentlicht werden, wenn dieselben ausschließlich Waare mit Schuhmarke führen, jede andere Veröffentlichung beruht auf Täuschung, S. * Wilhelm Börner, Ritterstr. 15, H. F. Dinslage, Rottbuserstr. 4. R. Fiebig, Böckhstr. 21. Guft. Lochmann, Brandenburgstr. 82. Michaelis, Alerandrinenstr. 40. $. G. Schmidt, Gräfestr. 68. Carl Schonheim, Gräfestr. 8. Julius Stark, Schönleinstr. 10. SO. Carl Abert, Pücklerstr. 6. Behnke u. Kinzel, Schmidstr. 21. Carl Böhlert, Mariannenstr. 5. G. Carl, Admiralstr. 25. G. Fischer, Skaligerstr. 128. George, Mariannenstr. 35. Theodor Goecke, Wrangelitr. 125. E. Gosda, Manteuffelstr. 8. A. Kunze, Forsterstr. 2. desgl. Grünauerstr. 34, Lobbes, Adalbertstr. 58. * Wilh. Mertens, Cuvrystr. 34. Rosenthaler Vorstadt. Reinhold Anders, Strelitzerstr. 45. Carl Basemann, Prinzen- Allee 57. H. Baumgarten, Swinemünderstr. 48. Franz Döring, Ruppinerstr. 21. R. Gefelle, Ruppinerstr. 19. Gustav Hennig, Coloniestr. 147. August Hirte, Swinemünderstr. 67. Emil Höhne, Ackerstr. 89. Löffler, Badstr. 42-43. B. Moritz, Bernauerstr. 18. Hermann Vogel, Demminerstr. 62. C. Walter, Hussitenstraße 35. Max Winkelmann, Ackerstr. 153. Georg Wolter, Ackerstr. 58. H. Zechert, Putbuserstr. 37. Schönhauser Vorstadt. Wilhelm Brall, Swinemünderstr. 4. C. Herm. Diet, Pappel- Allee 2. * Johann Hahu, Fehrbellinerstr. 3. Lorenz Heidemann, Danzigerstr. 10/13. Theodor Stampehl, Mariannenstr. 26. Rudolf Maguus, Weinbergsweg 10. Stübner, Reichenbergerstr. 157. Herm. Wicht, Dresdenerstr. 16. SW. W. Kinzel, Alexandrinenstr. 103. * Heinrich Schröder, Kreuzbergstr. 15. E. Schulze, Friesenstr. 23. 0. Louis Auders, Krautsir. 16. August Dahnke, Koppenstr. 98. A. Gräff, Holzmarktstr. 42. August Heck, Gr. Frankfurterstr. 4. desgl. Weidenweg 96. Th. Hodde, Langestr. 108. Erhard Hoffmann, Memelerfir. 82. Johann Liebich, Memelerstr. 8. * August Motes, Posenerstr. 11. Johann Schirlik, Holzmarktstr. 63. Otto Schreiber, Blumenstr. 51c. Rich. Schulze, Friedrichsfelderstr. 21. Otto Unterberg, Koppenſtr. 8-9. B. Unterlauff, Frankfurter Allee 117. Gustav Vogel, Koppenstr. 83. W. Wolf, Andreasstr. 60. P. Wotschke, Andreasstr. 3. C. * Robert Drescher, Linienstr. 50. Mag Flataner, Landsbergerstr. 72. Hermann Gumpel, Barnimstr. 42. Carl Blauzwirn, Linienstr. 21. Oranienburger Vorstadt. Adolf Adelt, Reinickendorferstr. 64b. * Lonis Dechaud, Ruheplatstr. 24. Franz Frank, Röslinerstr. 2. Paul Franke, Eichendorffstr. 15. Wilhelm Göppner, Fennstr. 1a. Jakob Götting, Lindowerstr. 9. August Hinge, Pantstr. 14a. Fr. Jordan, Reinickendorferstr. 37 a. Oskar Klose, Reinickendorferstr. 20. Paul Müller, Hochstr. 2a. Franz Nofffe, Borsigstr. 28. Paul Pflug, Reinickendorferstr. 39. Wilh. Steinbach, Antonstr. 1. A. Tiet, Invalidenstr. 124. Carl Werner, Gerichtstr. 25. 2. Malkowitz, Kastanien- Allee 95/96. H. Mehnert, Diedenhofenerstr. 3. Gustav Pinner, Tresckowstr. 32. Aug. Schönfeld, Danzigerstr. 16. NO. Hermann Bailoff, Pallisadenstr. 79. Beyer, Landsberger Allee 131. H. Kraft, Landsbergerstr. 112. Paul Krämer, Greifswalderstr. 30. Gebr. Lewy, Marienburgerstr. 37. Gustav Mirak, Georgenkirchstr. 12. Jakob Reul, Weinstr. 11, Hof 3 Tr Gustav Richter, Landsberger- Allee 145 NW. Paul Böning, Bremerstr. 56-57. Joh. Bösenberg, Beusselstr. 64, * Robert Keru, Stromstr. 45. G. Reincke, Stromstr. 5. Rudolf Runge, Rostockerstr. 13. Carl Stiller, Stephanstr. 24. Stralau- Rummelsburg. Theodor Ritter, Kantstr. 6. J. Ulbrich, Schillerstr. 1. Friedrichsfelde- Lichtenberg. Wiesner, Prinzen Allee 24. Anton Kopp, Friedrich- Carlstr. 4. Rixdorf. Heinrich Barth, Berlinerstr. 186. Leop. Magerl, Hobrechtstr. 10. Weissensee. Emil Apitsch, Langhansstr. 135. Liebschwager, Gustav- Adolfstr. 16. Georg Schröder, Lothringerstr. 42. Reinickendorf, Burgus, Martstr. 5. F. Schellenberg, Scharrnweberstr. 107. Tempelhof. August Reisen, Berlinerstr. 44. Den momentan schlechten Geschäftsverhältnissen Rechnung tragend, verkaufen wir von heute ab: Herren- Paletots von 8 M. an 5747L* Hrn.- Valetots, soust 13-24 M., jezt von 12 M. an Srn.- Paletots, jouit 24-36 M., jezt von 18 M. an Hru.- Anzüge, sout 15-25 M., jezt von 9 M. an Hrn.- Anzüge, sonst 25-40 M., jezt von 18 M. an Hru.- Jaquets, soust 10-12 M., jezt von 5 M. an Hrn.- Hosen, soust 4-9 M., jezt von 2,50 M. an Burschen- Paletots, sonst 12-20 M., icht von 6 M. an Burschen- Anzüge, soust 10-25 M., jekt von 5 M. an Knaben- Paletots, sonst 5-12 M., jcht von 2,50 M. an Knaben- Anzüge, sonst 4-12 M., jcht von 2,50 M. an Schlafröde, eleg., sonst 12-24 M., jezt von 8 M. an Reisemäntel, schwarze Salonanzüge, Frads spottbillig. Einsegnungs- Anzüge zu halben Preisen. Diese Preise stehen in keinem Verhältniß zu den stadtüblichen Detailpreisen. 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