Nr. 66. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis bränumerands: Bierteljährl 3,30 monatl 1,10 wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost bonnement: 1,10 Mart pro Ronat Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. • Vorwärts Berliner Volksblatt. 32. Jahrgang. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zuläffig 2 fettgedrudte Morte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt. Morisplak, Nr. 151 90-151 97. Sonntag, den 7. März 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97. Italien und Griechenland vor ſchwerwiegenden Entscheidungen 111 Demission des griechischen Kabinetts. Athen, 6. März.( W. T. B.) Nichtamtlich.( Meldung der Agence d'Athenes.) Ministerpräsident Venizelos hat in der Kammer erklärt, daß das Kabinett demissioniere, weil der König die Politik der Regierung nicht billige. Der türkische Krieg. Rußland und die Dardanellen. " Petersburg, 5. März.( W. T. B.) Birschewija Wjedos mosti" führt zu den Aeußerungen Greys im Parlament über die Dardanellenfrage aus: Durch die Rede Greys wird der Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Was wird Italien tun? Amtlich. Großes Hauptquartier, den 6. März 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplah. Den Engländern entrissen wir südöstlich von Ypern im Gegenangriff einen Graben. Die französischen Versuche, uns aus der auf der Loretto- Höhe eroberten Stellung wieder hinauszudrängen, scheiterten; die Angriffe wurden abgewiesen, 50 Franzosen blieben in unserer Hand. Unter diesem Titel veröffentlicht die National3eitung" die Auslassung einer in Rom sehr befannten politisch diplomatischen Persön teil habe und auch jetzt im Mittelpunkt des allgemeinen Interlichkeit", die an den Staatsgeschäften unmittelbaren Anesses stehe. Dieser Gewährsmann hat sich letzter Tage nach dem genannten Blatte folgendermaßen ausgesprochen: ,, Es wäre unnütz und auch der Wahrheit widersprechend," so führte der Staatsmann aus ,,, wollte man leugnen, daß Italien in der allernächsten Zeit vor wichtigen und weit: tragenden Entscheidungen steht. Die fieberhafte Erregung, die seit dem Beginn des unheilvollen Krieges auch bei uns alle Kreise ergriffen hat, hat ihren Höhepunkt er. reicht. In der Champagne setzten die Franzosen ihre Angriffe bei Perthes und Le Mesnil fort; alle Angriffe schlugen fehl. Bei Perthes machten wir fünf Offiziere, 140 Franzosen zu Gefangenen. Im Gegenangriff entrissen wir den Fran- tönnen. Mit Ruhe und Aufmerksamkeit verfolgt man hier in Eindrud hervorgerufen, als wenn Grey die Worte Sfafonows in der Duma absichtlich nicht verstehen wollte. Safonow sprach in Verbindung mit der Rede Goremyfins es flar aus, daß Rußland eine große geschichtliche Zukunft an den Ufern des Schwarzen Meeres und an den Pforten Konstantinopels hätte. Auf diese Weise hat die russische Regierung durch den Mund ihres berufenen Bertreters 30sen ein Wäldchen nördlich Perthes und ein stantinopel für Rußland zu sichern. Dadurch ist eine Grabenstück ihrer Stellung bei Le Mesnil. ihren unerschütterlichen Entschluß befundet, Nonandere Deutung der Worte Sialenoms ganz ausgeschloffent. stehenden Diplomaten, daß Rugland bereits bor Beginn des Arieges Der Petrogradski Courier" erfährt von einem hoch die Frage der Dardanellen mit beu allierten wiederholt behandelt und niemals die Bedeutung des Besizes Konstantinopels für das russische Lebensinteresse geleu habe, England, babe, ſtets, ge antwortet, daß es für diese Ansprüche bolles Verständnis habe., Bir haben ganz bestimmte Gründe, anzunehmen, daß die Frage der Dardanellen nach Beendigung des Krieges zwischen den Altierten in einem für uns günstigen Sinne bereits erledigt ist. Abermalige Beschießung der DardanellenForts. Ergebnislos verliefen französische Angriffsversuche auf unsere Stellungen bei Vauquois und bei Confenvone sowie östlich Badonviller und nordöstlich Celles. Deftlicher Kriegsschauplatz. Nachdem die gesamte Kriegsbeute in dem Waldgebiete nordwestlich Grodno und um Augustow geborgen ist, ohne daß die Russen uns froß energischer Gegenmaßnahmen daran zu hindern vermochten, stehen die dort bisher verwendeten Truppen nunmehr für andere Operafionen zur Verfügung. Sonst um Grodno und bei Lomza nichts Konstantinopel, 6. März.( W. Z. B.) Die Agence Milli erfährt von den Dardanellen, daß die feindliche Flotte gestern mit sieben ihrer großen Einheiten die Umgebung von Gheitly und die Forts Kum- Wesentliches. Kale und Sedul Bahr erfolglos beschossen hat. Erkundungsabteilungen, die sie landen wollten, wurden durch das heftige Feuer unserer Batterien zurückgewiesen. Aufklärungsgefecht bei Korna. Konstantinopel, 6. März.( W. T. B.) Die Agence Milli erfährt aus Bagdad: Ein Angriff, den türkische Aufklärungstruppen, unterstügt durch Freiwillige auf Chabie südlich von Korna unternahmen, endete erfolgreich. Eine Anzahl englischer Gefangener und Verwundeter fiel in die Hände der Türken. Nach Aussagen der Gefangenen hat der Feind schwere Verluste erlitten. Der Seekrieg. Nordöstlich Prasznysz brach ein russischer ein russischer Angriff unter schweren Verlusten für den Feind zusammen, auch nordwestlich Plonsk wurde ein russischer Angriff abgewiesen. Südlich der Weichsel nichts zu melden. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 6. März.( W. T. B.) Amtlich wird verlautAmerika und die Konterbande- Blockade. bart: 6. März 1915: New York, 5. März.( W. T. B.) Sun" spricht die Ansicht aus, Partielle Vorstöße der Russen im Abschnitte östlich daß eine Erklärung wirklicher Blockade feinen Protest der Ver- Pietrkow in Polen scheiterten in unserem wirkungsvollen einigten Staaten rechtfertigen würde, fährt aber ført: Diese Artilleriefeuer. Im übrigen hat sich an dieser Front und an illegitime, fomplizierte Konterbande Blockade ist eine neue Politit, die nicht nur den Handel ruiniert, sondern auch iener in Westgalizien nichts Nennenswertes ereignet. eine Beleidigung der Vernunft und eine Herausforderung des unIn den Karpathen dauern die Kämpfe um einige abhängigen Geistes der neutralen Staaten ist. Es wäre eine grobe Höhenstellungen noch an. Ungünstige Witterungs- und Sicht. Beleidigung und ein baarsträubendes Unrecht, wenn Großbritannien, verhältnisse herrschen vor. das früher der unbeugiame Vorfämpfer des Rechtes der Neutralen war und unser alter Verbündeter, zusammen mit Frankreich danach Im Kampfgebiete in Südost galizien ist nach den handeln würde. Nur ein Lichtstrahl erhellt den trüben Ausblick: Ereignissen der letzten Zeit vorübergehend Ruhe eingetreten. Asquith erklärte in seiner Rede im Unterhause, daß die Vorschläge, die von den Vereinigten Staaten bezüglich der Aufhebung des Kriegsgebietes gemacht wurden, nicht verworfen worden jeien. Es ist denkbar, daß das englisch- französische Projett, Deutschland abzuschließen, nichts anderes ist als ein Versuch, die Aufhebung des Kriegsgebietes zu erzwingen. Englische Verlegung der schwedischen Neutralität. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Italiens Intereffen als Mittelmeerstaat und seine Vormachtstellung gegenüber dem Balkan verpflichten die Regierung, nach allen Seiten auf der Hut zu sein, um jederzeit sich gegen neue, sich überstürzende Ereignisse vorsehen zu Rom den Gang der Dinge und zieht aus ihrem Verlauf dic Konsequenzen, die sich für Italien und seine Bolitik ergeben." Mit fast elementarer Gewalt hat die Strömung der öffentlichen Meinung Regierung und Boff in eine bestimmte 8 a hu gedrängt, von der abzukommen jest wohl kaum Rpm Die Waliofeit gegeben ist. Das Biel, bas dem allgemeinen Volkswillen vorschwebt, steht der Nation unverrückbar vor Augen, auch ohne daß die verantwortlichen Leiter irgendwelche Wünsche geäußert oder Forderungen aufgestellt haben. Sie können den nationalen Drang zügeln, aber es liegt nicht mehr in ihrer Macht, ihn zu unterdrücken. Dieser Hinweis fagt genug, um die Lage zu be= greifen und die Umstände zu würdigen, die sie zu einer so ernsten gestaltet haben. Die Regierung kann nicht die Absicht hegen, sich dem Verlangen des Volkes zu entziehen, denn es ist ihre Pflicht, überall und zu jeder Zeit sich von den alleinigen Interessen Italiens leiten zu laffen. Auch diejenigen, die sich vor der leidenschaftlichen Stimmung, die alle Köpfe beherrscht wir haben dafür den Ausdruck montatura", freihalten und rein sachlich die Entwickelung betrachten, verkennen nicht die Notwendigkeit für die Regierung, dem Willen des Woles nachzugeben, weil es dem nationalen Staatszwed entspricht. Ich weiß, daß diese Politik uns einer lebhaften Kritik von gewiffer Seite ausseht, aber unsere Berantwortlichkeit wird ge= deckt durch die Einmütigkeit der öffentlichen Meinung, die zuerst bestimmte Forderungen erhoben hat, und zugleich gestärkt burch das Bewußtsein, einen Weg aus den Schwierigkeiten herausgefunden zu haben, auf dem ein Entgegenkommen möglich ist. Vielen scheint dieser Weg ungangbar, aber er ist ber ein= zige, der zu einer Verständigung führen kann, denn schließlich, so schlecht er aussieht, er führt von einem drohenden Abgrund weg, und das scheint im gegenwärtigen Augenblick doch das Best e." Der römische Korrespondent der Köln. 3tg." gibt, wie sich der Deutsche Courier" melden läßt, Ausführungen der Turiner Stampa" wieder über die jetzt im Vordergrund stehende Frage der Verhandlungen mit Oesterreich über die von den Italienern ersehnte Grenzregelung. Die öln. 8tg." meint, der Aufsatz verdiene Beachtung, da hinter der Stampa" mächtige parlamentarische Einflüsse zu stehen pflegen. Vielleicht sei auch eine Mahnung Giolittis an die Regierung darin zu erblicken, die nationalen Hoffnungen auf diplomatischem Wege zu erfüllen.„ Stampa" erklärt, augenscheinlich hätten bisher keinerlei Verhandlungen über diesen Gegenstand stattgefunden, woraus nicht zu folgern sei, daß die beiden Kaisermächte sich unbedingt ablehund den Engländern in scharfen Worten das im höchsten Grade verhalten. Die völlig passive Hattung der beiden Staaten nend gegen eine Erörterung über ein derartiges Abkommen Schimpfliche und Ehrlose ihrer Handlungsweise vorwarf, blieb die erklärte sich dadurch, daß Italien seinerzeit die Zusicherung aufgezwungene englische Besagung an Bord. Selbst die Vorhaltung einer wohlwollenden Neutralität gegeben habe, solange diese des schwedischen Kapitäns, daß deutsche Unterseeboote eine Be- andauere, liege kein Grund vor, irgendeinen weiteren Schritt schießung selbstredend beantworten würden, und also die englischen zu unternehmen. Es sei einfältig, von Oesterreich den ersten Hamburg, 5. März.( W. T. B.) Die, Hamburger Nach Soldaten den Kapitän und die gesamte schwedische Befaßung größter Schritt zu erwarten. Es könnte sein, daß Oesterreich keine richten melden aus Stockholm: Eine überaus schwere Lebensgefahr ausfesten, machte auf die Engländer nicht den ge- Anerbietungen gemacht habe, weil wir nichts gefordert Kränkung der schwedischen Neutralität durch Eng- ringsten Eindruck. Weiter jagte der schwedische Kapitän aus, er habe haben, daß es bereit ist, etwas zu bieten, wenn man nur Land wird aus Karlskrona gemeldet: Kapitän Nilsson, der einen an einem anderen Tage seiner Reise einen englischen Handels- eine Forderung stellt und daß zwischen seinen und unseren schwedischen Frachtdampfer von Spanien nach Karlskrona führte, dampfer des sogenannten London- Collier- Typs gesehen, der die Interessen ein für beide Teile nüblicher Verwurde bei Dover angehalten. Eine Anzahl englischer Soldaten stieg schwedische Flagge führte. Die Aussagen des Kapitäns, der als gleich möglich wäre. Ein diplomatisches Vorgehen an Bord, und ihr Befehlshaber erklärte dem Kapitän:" Ich habe eine durchaus vertrauenswürdige Persönlichkeit geschildert wird, taliens könne vollkommen logisch, klar und ehrenvoll sein, Befehl, auf dem neutralen Dampfer eine Strede weit mitzufahren, machen in Schweden einen sehr tiefen Eindruck. In politischen weil es weiteres nicht anstrebe als seine geographischen, damit meine Leute auf etwa fich zeigende deutsche Unterseeboote Streifen wird versichert, daß eine genaue Untersuchung des historischen und militärischen Grenzen und fchießen tönnen." Obwohl der Kapitän förmlichen Protest einlegte 8wischenfalles angeordnet werden würde. die Vervollständigung seiner Bevölkerung. GriechenlanA vor öer Entscheiüung. Athen, 6. März. lW. T. B.) Meldung der Agence d'Äthencs. Unter dem Vorsitz deS Königs fand gestern um M Uhr nachmittags die Beratung der ehemaligen Minister- Präsidenten statt. Llnivesend waren VenizeloS, Dra- gumiS, Theotokis. Rhallis und der Chef des Generalstabs General D n s m a n i s. Venizelos setzte in langer Rede auseinander, welche Politik die Regierung zu befolgen für notwendig befinde. Sodann sprachen nach- einander Theotokis, Dragumis und Rhallis. Venizelos ergriff dann von ncnem das Wort. Sodann hob der König die Sitzung auf und dankte den Teilnehmern. Als Venizelos den Palast verließ, wurde er von der Menge mit stürmischen Beifallskundgebungen empfangen. Paris, s. März.(28. T. 33.)„Echo de Paris' meldet au§ Athen: Studenten veranstalteten gestern abend eine Kund- gebung zugunsten der Verbündeten. Sie durchzogen die Stadt und brachen vor den Gesandtschaften der Verbündeten in Hoch- rufen aus. die Lage in Mhen. Athen, 6. März.(X. U.) Tie Gerüchte über eine völlige Modili- sation de? griechischen Heeres sind unbegründet, doch darf nicht ge- leugnet werden, daß Griechenland sich am Vorabend ernster Ereig- nisse befindet. Tie Jntcrventionsgclüste der Kriegspartei im Mini- sierium sind durch das Bombardement der Tardanellen und die offenbar gemachten Versprechungen der Engläirdcr sehr erstarkt. Es fragt sich, ob und wie lange der König und Venizelos dem auf sie ausgeübten Druck noch werden Widerstand leisten können. Die Eni- schlösse des letzten Kronrats sind zur Stunde noch nicht bekannt, dech glauben sehr gut informierte Kreise nicht an eine sofortige be- wassnete Intervention. Es verlautet, oatz die griechische Regierung zunächst von der türkischen Negierung Garantien für das Schicksal der in der Türkei lebenden Griechen verlangt. Man beabsichtigt anscheinend in Athen, Faustpfänder von der türkischen Regierung zu fordern. Von der Höhe der griechischen Forderungen dürfte die Entscheidung abhängen. Die Diplomaten der Tripelentente haben jedenfalls in den letzten Tagen eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet. ES ist ihnen auch mit allen Mitteln gelungen, fast die gesamte Presse auf ihre Seite zu ziehen. Die Stimmen der wenigen Warner verhallen ungehört in der allgemeinen Hetze. Die Rückwirkung des PccssefcldzugeS auf die allgemeine Volksstimmung ist nicht ausge- blieben. Die große Mehrheit der Bevölkerung erblickt, irregeführt durch die Artikel der gesamten Presse, das einzige Heil Griechen- lands im Anschluß an die Mächte des Dreiverbandes. Der englische Gesandte wurde mehrmals auf seinen Fahrten ins Auswärtige?lmt von der Volksmenge erkannt und stürmisch begrüßt. Irgendwelche Ausschreitungen gegen Angehörige anderer Nationen sind jedoch bis zur Zeit nicht bekannt geivorden. Tie Erregung der Athener selbst ist ungeheuer. Andauernd stehen große Volksmengen vor den Re- gierungSgebäuden dersamnicit und erwarten stundenlang irgend- welche entscheidenden amtlichen Bekanntmachungen. Gerammtes Unterseeboot. Berlin, tt. März.(W. T. B.) Von der englischen Presse ist die Nachricht verbreitet worden, daß der früher norwegische. jetzt englische Dampfer„T h o r d i s" am 28. Februar bei Beachy Head ein deutsches Unterseeboot, das ihn angeblich angegriffen hat, gerammt und zum Sinken gebracht habe. Bei Besichtigung des Dampfers im Dock seien wirklich Beschädi- gütigen von Bodenplatten und Schraubenflügeln festgestellt worden. Wie uns von zuständiger Seite hierzu mitgeteilt wird, hat tatsächlich am 28. Februar ein Dampfer versucht, eines unserer Unterseeboote durch Raminen zum Sinken zu bringen, das Unterseeboot hat aber nur geringfügige Be- schädlgungen erlitten und ist wohlbehalten nach seinem Ans- gangshafen zurückgekehrt. westlicher Kriegsschauplatz. ?n üen Karpathen Ruhe wegen gewaltiger Schneefälle. Wien, ö. März.(W. T. B.) Die Blätter melden: Auf der ganzen Front, namentlich in den Karpathen, sind wieder ge. waltige Schneemassen gefallen. Die mächtige Schneedecke im Vereine mit dem unaufhörlichen dichten Schneetreiben, das keinen Ausblick gestattet, macht jede militärische Aktion unmöglich. Selbst wo die beiden Fronten ganz nahe aneinander heranreichen, behindert das Wetter die Gefechtstätigkeit, so daß gestern auf der ganzen Linie Ruhe herrschte. Besonders unangenehm macht sich der Witterungswechsel in den Karpathen fühlbar, wo auf den Höhen ohnehin viel Schnee liegen geblieben war, so daß hier im Augenblick jede Bewegung der Tiuppen ausgeschlossen ist. Westlicher Kriegsschauplatz. der französische Tagesbericht. Paris, 5. März.(W. T. V.) Amtlicher Kriegsbericht von 3 Uhr nachniittags. Sllördlich ArraS bei Notre Dome de Lorette nahmen wir den größten Teil der vor- geschobenen Schützengräben, welche wir vorgestern verloren hatten, tvieder ein. Wir machten etlva 150 Gefangene. Der Feind beschoß wiederum die Kathedrale von Reims. In der Champagne nördlich Souain, Lemesnil und Beau Ssjour seit dem gestrigen Abendbericht nichts Neues. In den Argonnen warfen wir bei VauquoiS zwei Gegenangriffe zurück und machten neue Fortschritte, indem wir dem Feind empfindliche Verluste beibrachten und zahlreiche Gefangene machten. Wir sind Herren deS größten Teiles deS Dorfes. Paris, 6. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend 1 1 Uhr. In den belgischen Dünen richteten wir den vorgeschobenen Schützengraben ein, der gestern von unseren Truppen eingenommen worden war.. Die Deutschen versuchten ihre Schützengräben bis an die unsrigen vor- zuschieben, doch wurden sie von unserem Feuer zwölfmal zerstreut. Nördlich A r r a s. im Gebiete von Notre Dame de Lorette. waren unsere Gegenangriffe von einem vollen Erfolg gekrönt. Am Donnerstagabend nahinen wir eine Kompagnie gefangen und erbeuteten Maschinengewehre. Am Freitag erwiderten wir einen neuen feindlichen Gegenangriff und warfen die Angreifer bis hinter ihre vorher eingenommene Stellung zurück. Wir nahmen die vorgeschobenen Graben- stücke, die seit zwei Tagen in ihrem Besitz waren, wieder ein und machten zahlreiche Gefangene. Reims wurde den ganzen Tag beschossen. In der Champagne und in dem Gebiet von Perthes machten wir merkliche Fortschritte. Donnerstag- abend war eine Kompagnie Garde in unseren Linien ein- geschlossen und verblieb, trotz der Versuche, sie zu befreien, in unseren Händen. Am Freitag gewannen wir Gelände auf der ganzen Front, eroberten Schützengräben nordwestlich von Perthes und besetzten nördlich von demselben Torfe einen Vorsprung, wo wir Gefangene machten. Wir eroberten L00 Meter Schützengräben auf 200 Bieter Tiefe jenseits der Kuppe, welche nordöstlich Le Mesnil liegt. Wir rückten in den benachbarten Gehölzen vor. Schließlich setzten wir uns in den Besitz mehrerer Schützengräben in den Schluchten nordwestlich von B e a u- S e j o u r. Nach dem eigenen Ein- geständnis von Gefangenen sind die Verluste des Feindes äußerst groß. Die Stimmung unserer Truppen ist aus- gezeichnet. In den Argonnen machten wir im Westteile des Dorfes Vanquois, dem einzigen Teile, in dem sich die Deutschen noch halten, bedeutende Fortschritte. Im Le Prötre Walde nordtvestlich von Pont-ä-Mousion wurde ein deutscher Angriff niühelos zurückgewiesen. Bei B a d o n- v i l l e r und Celles rückten unsere Angriffe bis unmittelbar vor die feindlichen Drahthindernisse vor. Wir wiesen einen Gegenangriff zurück. Im Elsaß, am Hartmannsweilerkopf, nahmen wir Schützengräben und eine Feldbefestigung und er- beuteten zwei Maschinengewehre. Der Kampf in ßlanöern. Der belgische Korrespondent des �Het Volk" gibt eine bemerkenswerte Darstellung der verunglückten Offensive, die die Ver- kündeten an der User Ende Januar unternommen hatten. Er schreibt:„Die einzige Tatsache, die ein belangreiches Bordringen bedeuten kann, ist der langsame, aber ausdauernde Aufmarsch der Verbündeten an der Küste. Die Aktion steht hier in epger Ber- bindung mit der klusschiffung der neuformierten eng- tischen Heereskräfte, die man gegen Mitte März erwartet und die, wie man erwartete, in O st e n d e geschehen sollte. Bis zum 28. Januar schien es wahrscheinlich, daß die Verbündeten ihr Ziel zu dieser Zeit erreichen könnten, lieber Nieuporl waren sie bis Lombaertzyde, St. Joris und hernach bis vor Westende borge- drungen. plber eS wäre zu schön, wenn der Erfolg einer der Par- teien immer treu bliebe. Tiesmal empfanden dies die Verbün- deten. Am 2g. Januar beschlossen die Franzosen einen kräftigen 'Angriff, der nicht das erhoffte Ergebnis lieferte und sie zwang, einen Teil des früher eroberten Terrains zu räumen. Dadurch tritt die Frage wieder in den Vordergrund, ob es den Verbündeten gelingen wird, gegen Mitte März die Küste zu säubern.— Ter Kampf war einer der hartnäckigsten, vielleicht der hartnäckigste seit der großen Schlacht an der User vom lö.— 31. Oktober, obgleich hier nur einige Kompagnien an den Feind gerieten. Die französische Artillerie eröffnete um 8 Uhr morgens ein geregeltes Feuer auf die deutschen Schützengrabenlinien, die von den Dünen nach Loinbaert- zhde laufen. Als bestätigt wuroe, daß die See längs dem Zentrum und rechls geräumt war,' gingen die Infanteriekolonnen zum Sturm über und entfalteten ihre Reihen, je näher sie dem Ziel kamen, um sich nicht dem feindlichen Artilleriefeuer auszuliefern. Dann stürmten sie auf die zweite Reihe der Schützengräben los und über- rumpelten ihre Verteidiger. Mit wilder Energie rückten die Infanteristen, zumeist Farbige, einer ansehnlichen Abteilung deutscher Verstärkung entgegen. Ans einen übermächtigen Feind stoßend, muhten sie ein erstesmal, wild kämpfend, weichen. Sie erneuerten den Angriff, aber wurden ein zweitesmal ziirückgeschlagen. Indes gelang es einer französischen Abteilung, auf dem rechten Flügel einige Schanzen aufzuwerfen. Diese wurden besetzt, und dann legten Pontonniers eine Brücke an. Aber als sie vollendet war, schlug ein Kanonenschuß das mühsam vollbrachte Wert in Trümmer. Doch trachteten die Deutschen vor- gebens, die Schützen aus ihrer Stellung zu vertreiben.— In den Dünen spielte sich das Gefecht rings um die„Große Düne" ab. Die Schützen erklommen die Höhe und stürmten mit dem Bajonett auf den Feind los. Von einem anderen Hügel wurden sie unter ein starkes Gewehrfeuer genommen, und von der Küste mähte ein Mitrailleur in ihren Gliedern. Ter Angriff richtete sich vor allem gegen ein von den Deutschen besetztes kleines Fort. Hier waren es die Deutschen, die scbwere Verluste hatten. Aber hoch war auch der Preis, den die Franzosen bezahlten: nur sechs Soldaten konnten eS bemeistern. Sie hielten es bis in den Nachmittag— bis der letzte Mann unter den Kugeln den Heldentod starb.— Ein neuer Angriff wuvde unternommen, aber vergebens. Nach halbtägigem Kampf zogen sich die Franzosen zurück. Es war un- leugbar eine Schlappe. Doch nahmen die Verbündeten, weit ent- fernt von Entmutigung, am 5. Februar die Offensive aus und gewannen einen Teil des verlorenen Terrains zurück. Aber„der Fisch wird teuer bezahlt". das verbot üer Versammlungen in Italien. Rom, Zlnfang März.(Eig. Ber.) Durch das folgende Eommunique der„Stefani" ist in.Italien die Aufhebung der verfassungsmäßigen Versammlungsrechte be- kannt gegeben worden: ..Mit Rücksicht auf die internationale Lage hat der Minister- rat beschlossen, den Präfekten'Aiuveisungen zu erteilen, alle Versammlungen oder jede andere für die öffentliche Ruhe gefähc- liche Kundgebung an öffentlichen Orten oder in den dem Publi- kum zugänglichen Lokalen zu verbieten." Durch diese Maßnahme, die an die schlimmste Zeit der Reaktion erinnert, will man alle Kundgebungen für oder gegen den Krieg verhindern. Ter unmittelbare?lnlaß des heutigen Verbots ist in den blutigen Ereignissen von Reggio Emilia zu suchen. Dort sollte der Trieftiner Abgeordnete B a t t i st i zugunsten des Eingreifens Italiens in den Krieg sprechen. Einig« Tausend der dortigen organisierten Arbeiter hatten beschlossen, die Versamm- lung zu verhindern; als sich diese Gegendemonstranten trotz der Truppenkordons dem Theater nähern wollten, wo Battisti sprach, gaben die Carabinieri Feuer, töteten zwei Demonstranten und ver- Wunbeten fünf andere schwer. Im Anschluß an dieses Ereignis wurde beschlossen, dem Verbot der öffentlichen Versammlungen, das am 0. August erlassen worden war, nun auch das Verbot der privaten Versammlungen folgen zu lassen. In Italien gelten als öffentliche Versammlungen solche, die unter freiem Himmel stattfinden oder zu denen jeder Zutritt hat; sie müssen der Poltzei 21 Stunden vorher angemeldet werden und können von Ver- tretern der Polizei besucht werden, denen aber nicht das Recht zu- steht, dem Redner das Wort zu entziehen. Private Versammlungen sind solche, zu denen Einladungskarten ausgegeben werden, auch wenn man diese an der Tür verleilt; sie bedürfen keiner vorherigen Anmeldung, und die Polizei hat zu ihnen keinen Zutritt. Alle bisherigen Versammlungen gegen oder für den Krieg waren im Sinne der Verfassung„vrivate Versammlungen". Durch ihr Ver- bot ist die öffentliche Meinung mundtot gemacht worden. Im Namen der sozialistischen Parlamentssraktion hat Gen. Turati heute in dcx Kammer gegen dieses Verbot protestiert und gesagt, daß 'man durch diese Aufhebung eines verfassungsmäßigen Rech! es Tumulte provozieren werde. Sicher hat das Kabinett durch dies Verbot, das als Polizeimaß- nähme bequem sein mag, die innere Lage in Italien nicht vc:- bessert. In einem freien Lande hat das Volk das Recht, seiner Meinung Ausdruck zu geben. Man hätte gut getan, die Freunde des Krieges sich ausschreien zu lassen: es sind meist junge Leute, die leicht ermüden. Sowohl prinzipiell als praktisch ist die Maß- nähme nicht zu billigen. Tie Knebelung der öffentlichen Meinung macht eine schon ernste Lage noch ernster. Auch die zahlreichen Demo n st ratio neu gegen die Teuerung, deren ernsteste bis jetzt der Generalstreilversuch in Neapel war, werden durch das Verbot getroffen. Unsere Partei hat diesen Kundgebungen ihre Sympathie gezeigt, einmal, weil es sich um Manifestatione» proletarischer Unzufriedenheit handelte, dann, weil sie glaubt, daß die Unruhen im Innern die Regierung von Abenteuern nach außen abhalten werden. Vielleicht hat man dabei allzusehr die Lehren der Geschichte vergessen. Große Un- Zufriedenheit und drohende Ausstände im Innern haben sehr oft Regierungen bestimmt, eine Ablenkung in der äußeren Politik zu suchen: sie find kein Gegengift gegen den Krieg, sondern erhöhen die Chancen des italienischen Eingreifens. Die Sozialisten sollten nicht außer dem Auge lassen, daß eine Tesparadopolitik selten eine weise und gute Politik ist. Die Zeiten sind unheilschwanger. Wenn die Regierung das Gefühl hat, die Zügel fest in der Hand zu halten, kann sie das volle Maß ihrer Verantwortlichkeit er- messen. Lösen aber die Demonstrationen gegen die Teuerung den Eindruck aus, daß die Regierung den Massen nicht mebr die Wag- schale halten kann, so könnte es sehr leicht geschehen, daß sie den Krieg als das kleinere Uebel ansieht. Die„Norüü. /lllg. Ftg/ gegen Sen Amsterdamer„Telegraaff. Berlin, 6. März.(SB. T. B.) Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" schreibt: In einem der gebässigen Artikel, tn denen der Amsterdamer„T e l e g r a a f" die«ache der Entente- mächte gegen Deutschland verficht, erlaubt die? Blatt sich eine direkte Fälschung der Aeußerungen, die der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes im Oktober vorigen Jahres gegenüber dem holländischen Abgeordneten Troelstra getan hat.„Herr Zimmer« mann, schreibt das genannte Blatt, war offenherzig genug, zu verstehen zu geben, daß ein siegendes Deutschland nicht an die poli- tische und territoriale Integrität unseres Landes rühren, aber uns zu einer wirtschaftlichen Annäherung, d. h. zu einem Beitritt der Niederlande zu der deutschen Zollunion zwingen würde." Der„Telegraaf" spekuliert darauf, daß sich die Erinnerung an das, was der llnterstaatssekretär wirklich gesagt hat, unterdessen verwischt haben mag. Wir wiederholen daher die Aeußerungen des Unterstaatssekretärs, soweit sie sich auf das� wirtschaftliche Gc- biet bezogen, und zwar nach dem in der holländischen Presse er- schienenen Text: „Ueber die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Krieg ist jetzt nocki nichts Sicheres zu sagen. Ich kann ,nir vorstellen, daß sich im Anschluß an den Krieg eine wirtschastlickie Annäherung zwischen ver- schiedenen Staaten vollzieht, und daß Holland eS selbst in seinem Interesse findet, sich daran anzusckiließen. Aber auch in solchem Falle soll etwa« Neues zwischen uns und Holland nur auf freundschaftliche Weise zustande kommen." Der Unterstaatssekretär hat also kein Wort von»Zwang", sondern das gerade Gegenteil gesagt. Nationalistische Tollheit und sozialistische Kritik. Genau so gut wie in anderen Ländern gibt es auch in Frank- reich Phantasten, die, während die Krieger an der Front um jeden Fußbreit ringen, die Karte Europas an ihrem Schreibtisch einer gründlichen Revision unterziehen. Eine solche Beschäftigung hilft ihnen über trübe Stunden hinweg und hilft die Sorgen deS Augenblicks verscheuchen. So hat ein bekannter französischer National- ökonom, Dves Guyot, vor kurzem in London einen Vortrag gc- halten, in dem er die Lluflösung Deutschlands in die denkbar kleinsten Bestandteile forderte, und so glauben in diesen Tagen wieder einmal einige überhitzte Köpfe zu PrriS die Notwendigkeit der Rheingrenze„beweisen" zu sollen. Erfreuliche rlvcise wird selbst von politisch rechtsstehenden Frau- zosen dieser Unfug bekämpft, und sogar ein rohalistischer General hat jüngst im„Matin" auf den törichten Widerspruch hingewiesen, der darin bestehe, daß man auf der einen Seite von der Befreiung der Nationen rede und auf der anderen dem deutschen Volke, das man doch angeblich von dem Joch des Militarismus, des„Kaisens- mus" usw. befreien wolle, das Recht abspreche, selbständig über seine Zukunft zu bestimmen. Mit größter Schärfe aber werden die Ansprüche der franzö- sischeu Eroberungspolitiker von dem Genossen Jean Longuet in einem Artikel der„H u m a n i t ä" zurückgewiesen. Er erinnert daran, wie zu Beginn des Krieges selbst das reaktionäre„Echo de Paris" als Kriegsziel hingestellt habe, daß kein Teil der Welt, keine Rasse, kein Volk sich mehr unterdrückt fühlen dürfe, und er schwingt dann seine Geißel über die französischen„Pangermanisten", deren politische Philosophie sich in gar nichts von der jener deutschen Imperialisten unterscheide, die sie zu bekämpfen vorgäben. „Wir wurden bald überschwemmt von ihren verbrecherischen Dummheiten über die Zerstückelung Deutschlands, die Zerstörung der deutschen Einheit, die Wiederherstellung des Deutschlands, so wie es vor 1878 war, ja vor dem westfälischen Frieden. Die histo- rische EntWickelung der Gegenwart und die ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen der modernen Welt unterdrückten diese Herren ruhig mit einem Federstrich, um an ihre Stelle ihre kindischen Einbildungen zu. setzen." Longuet zitiert dann die erwähnten Ausführungen des„Matin" und fährt fort: „Unsere Pariser Pangermanisten betrachten sich noch nicht als geschlagen. Indem sie für den Augenblick ihre bösartigen Hirn- gcspinste, das Europa des sechzehnten Jahrhunderts wiederherzu- stellen oder uns auf die Zeiten der Karolinger oder Ludwigs XIV. zurückzuführen, aufgeben, haben sie ein neues Steckenpferd bestiegen. Rehen der... Zurückforderung Elsaß-LothringenS... nehmen sich unsere diplomatischen Akademiker heraus, die alte chauvinistesche Forderung deS linken Rheinufers, der reindeutschen Bezirke der Pfalz, von Trier, Mainz und Koblenz, ja von Köln hinzuzufügen — obwohl wir, ach, noch nicht den Eindringling von dem linken Ufer der Maas verjagt haben." Genosse Longuet erinnert seine Landsleute daran, daß Bis- marck und Bkoltke mit denselben strategischen Erwägungen, die jetzt für die Ausdehnung der französischen Grenze bis zum Rhein angeführt würden, seinerzeit ihren Anspruch auf Strasburg und Metz begründet hätten. Die Folge sei der gegenwärtige Krieg, und jedenfalls könne es kaum etlvas Bedenklicheres geben als die „verrückten Pläne" der Nationalisten, die dazu beitragen müßten, daß die Sache Frankreichs, die sich heute der Unterstützung der Jcmofoittfdßcn Elemente in allen ventralen Ländern erfreue, schwer diskreditiert werde. Besonders interessant ist, daß sich Longnet für seine Auffassung der Dinge auch auf die englische Regierung beruft: er sehe noch das Achselzucken, daZ die Wünsche der Chauvinisten bei den eng- tischen Ministern hervorgerufen hätten, als er vor kurzem Gelegen- hcit gehabt habe, sie um ihre Meinung zu fragen. yerve verteidigt die„Sarbaren". In seinem jüngsten Artikel in der„Guerre Sociale" fragt der Sozialist Gustave H e r v h die Hetzer Maurice BarrsS und Genossen vom.Echo de Paris", ob Frankreich wirklich dadurch ge» rettet werden könne, daß man jeden, der die Deutschen nicht für eine .schmutzige" Rasse erkläre, an das Kreuz schlägt? Hervs erzählt nach der„Tägl. Rundschau': .Zu Beginn des Kriege», als man in Paris auf die Deutschen Jagd machte, wären beinahe auch eine reizende Bayerin und ihr kleines Töchterchen der unsere noble Rasse perionisizierenden Menge zum Opfer gefallen. Ich erklärte den Fall dem Polizeipräfekten, und vierzehn Tage hindurch fanden Mutter und Kind Zuflucht in einem befreundeten Hause. Alle Tage ließ ich den kleinen Ab- kömmling der.schmutzigen" Rasse auf der einen Schulter reiten, ivährend die andere Schulter von dem Kinde eines unserer Kolonial- beamten eingenommen war. lind ich wüßte selbst heute noch nicht mit Bestimmtheit anzugeben, welche der beiden Kleinen die ent- zückendere war. Heute besindet sich jene bayerische Dame wieder in ihrer Heimat und vergilt unseren Gefangenen hundertfach das Wenige, das man für ihre Kleine, die noch dazu die Tochter eines bayerischen Offiziers war, hat tun können. Oder ist vielleicht auch jener deutsche Soldat ein Mitglied dieser.schmutzigen' Rasse, der, obgleich ihm ein Bein abgenommen war, seinen französischen Bett- nachbar wie ein Kind pflegte und ihm nachts heimlich sein eigenes Essen zusteckte? Oder jener andere Gefangene, dem unsere Militär- ärzte einen Zettel auf die Mantelkapuze genäht hatten, auf dem zu lesen war:.Gefangener, aber wie ein Freund zu behandeln, rettete unter eigener Lebensgefahr sieben der llnsrigen, die zu ertrinken drohten, aus der User I" Und so gibt es noch tausend andere Züge von deutschem Edelmut zu berichten, wie es in den Briefen unserer Soldaten häufig geschieht. Es ist das eine Rasse, die, wenn sie auch nicht unseren, mitunter etwas wirren Freiheit S- g e i st besitzt, dennoch stramme Eigenschaften aufweist, so Tapfer- keit, Vaterlandsliebe, Zähigkeit und ein wunderbares OrganisaiionS- talent, das aus ihrer Industrie die erste der ganzen Welt gemacht hat... Ich kenne ein Volk, das keine„schmutzige" Rasse ist, und dieses Volk hat vor kaum einem Jahrhundert, durch seine Macht berauscht und von Hochmut erfüllt, weil es einen Thron und einen Altar umgestürzt und seinen Adel verjagt hatte, seinen Nachbarn die französische Kultur mit Bajonettstichen und Kanonenkugeln auf- zwingen wollen und ganz Europa in Feuer und Blut getaucht, Öaben Sie von diesem Volke schon einmal sprechen hören, Herr Barrls?* Abwanderung der Einwohner des okkupierten französischen Gebietes. Bern, S. März.