Ar. 70.- 32. Jahrg. Won nemen ts-Bedlngunge« s MoNnkments> PreiZ pränumerlmdsz VierteljÄhrl. Z,Z0 Mk. monatl. UV MI, wöchenllich 25 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»- nummer mit illustrierter Sonntag«. Beilage.Die Neue WelP 10 P'a. PostAbonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingerragen in die Poft-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband sttr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige LuAand « Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Sumötucn, Schweden und die Schweis Ölchilnl IZgstch. Berliner Volksblnkl. ( 5 Pfennig) Die Infertlon$'6ebil!)r deträgt für die sechsgespaltsne Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersnmmlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hmeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig üfellgedrucktc Worte), jedes weitere Wort 10 Pig, Stellengesuche und Schlasstelleimn- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte, Insernle für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: „SozialdcmoKrat Bcrlia". Zcntralorgan der rozialdemohratifchen Parte» Deutfcblands. KedoCtlon: SW. 68, Änöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. IS» S«—»S» S7. Expeöltion: EW. 68, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplnst. Nr.»Sl S0—»S» 97. Sie Ainterfchlacht in der Champagne. Die Alelöung öes Großen Hauptquartiers � Amtlich. Großes Hauptquartier, tzen 10. März 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Gefechkskätigkeit war durch Schnee und starken Frost eingeschränkt, in den Vogesen sogar fast behindert. Nur in der Champagne wurde weiter gekämpft. Bei Souain blieben bayerische Truppen nach langandauerndem Handgemenge siegreich. Nordöstlich von Le Mesnil drang der Feind an einzelnen Stellen vorübergehend in unsere Linie ein; in erbittertem Nahkampf, bei dem zur Unterstützung heraneilende französische Reserven durch unseren Gegenstoß am Eingreifen verhindert wurden, warfen wir den Feind endgültig aus unserer Stellung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein erneuter Versuch der Nüssen, auf Augustow durchzustoßen, mißlang. Der Kampf nordwestlich von Ostrolenka dauert noch an. Die Gefechte nordwestlich und westlich von Prasznysz nehmen weiter einen für uns günstigen Verlauf. Ein Angriff von uns nordwestlich von Nowe Miasto macht Fortschritte. » Mit den heute und an den letzten Tagen gemeldeten Kämpfen ist die ,,W intersch lacht i n der Champagne" so weit zu einem Abschluß gebracht, daß kein Wiederaufflackern mehr an dem Endergebnis etwas zu ändern vermag. Die Schlacht entstand, wie hier schon am 17. Februar mitgeteilt wurde, aus der Absicht der französischen Heeresleitung, den in Masuren arg bedrängten Russen in einem ohne jede Rücksicht auf Opfer angesetzten Durchbruchsver-. such, als dessen nächstes Ziel die Stadt Bouziers bezeichnet war, Entlastung zu bringen. Der bekannte Ausgang der Masuren- schlacht zeigt, daß die Absicht in keiner Weise erreicht worden ist. Aber auch der Durchbruchsversuch selbst darf heute als völlig und kläglich gescheitert bezeichnet werden. Entgegen allen Angaben in den offiziellen französischen Bcröffcntlichungcn ist es dem Feinde an keiner Stelle gelungen, auch nur den geringsten nennenswerten Borteil zu gewinnen. Wir verdanken dies der heldenhaften Hal- tung unserer dortigen Truppen, der Umsicht und Beharrlichkeit ihrer Führer, in erster Linie dem Generaloberst v. Einem, sowie den Kommandierenden Generalen Riemann und Fleck. In Tag und Rächt ununterbrochenen Kämpfen hat der Gegner seit dem 16. Februar nacheinander mehr als sechs voll aufgefüllte Armee- korps und ungeheuerliche Massen schwerer Artilleriemunition eigener und amerikanischer Fertigung— oft mehr als IWOW Schutz in 24 Stunden— gegen die von zwei schwachen rheinischen Divisionen verteidigte Front von acht Kilometer« Breite geworfen. Unerschütterlich haben die Rheinländer und die zu ihrer Unter- stützung herangezogenen Bataillone der Garde und anderer Bcr- bände dem Ansturm sechsfacher Ueberlegenheit nicht nur stand- gehalten, sondern sind ihm oft genug mit kräftigen Gegenstößen zuvorgekommen. So erklärte sich, daß, trotzdem es sich hier um reine Bertcidigungskämpfc handelt, doch mehr als 245V u n v e r- wundete Gefangene, darunter 35 Offiziere, in unseren Händen blieben. Freilich sind unsere Verluste einem tapferen Gegner gegenüber schwer; sie übertreffen sogar diejenigen, die die gesamten, an der der Masurenschlacht beteiligten deutschen Kräfte erlitten. Aber sie sind nicht umsonst gebracht. Die Einbuße des Feindes ist auf mindestens das Dreifache der unsrigen, das heißt auf mehr als 45 vvv Mann, zu schätzen. Unsere Front in der Cham- pagnc steht fester als je. Die französischen Anstrengungen haben keinerlei Einfluß auf den Verlauf der Dinge im Osten auszuüben vermocht. Ein neues Ruhmesblatt hat deutsche Tapferkeit und deutsche Zähigkeit erworben, das sich demjenigen, das fast zu der- selben Zeit in Masuren erkämpft wurde, gleichwertig anreiht. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wie», 10. März.(SB. T. 33.) Amtlich wird verlaut- bart: Ist. März 1915. An der Front in R n s s i s ch- P o l e« herrscht auch weiter lebhafte Gcscchtstätigkeit. In Westgalizien wurde das von unseren Truppen südlich G o r l i c e eroberte Gebiet noch erweitert. Ein au- schließender Schützengraben des Feindes wurde erstürmt, über 2vst Mann zu Gefangenen gemacht. Bei günstigeren Sichtvcrhältnissev hatte gestern in einigen Abschnitten der Karpat heufront unsere Artillc- rie durch gute Wirkung sichtlichen Erfolg. Eine nahe vor der eigenen Stellung liegende Bergrückenlinie, die von feindlicher Infanterie besetzt war, wurde infolge des flankierenden Feuers unserer Artillerie fluchtartig geräumt, und der Feind erlitt hierbei in wirksamstem Schrappncllfeuer schwere Ver- luste. Bei Eroberung einer Stellung an dieser Front wurden 3st0 Mann gefangen, viel Kriegsmaterial erbeutet. Vor unseren Stellungen in Südostgalizien herrscht im allgemeinen Ruhe. Nördlich Nadworna wurde ein Vorstoß schwächerer feindlicher Kräfte abgewiesen, gleichzeitig an anderer Stelle mehrere feindliche Bataillone, die gegen die eigene Front vorgegangen waren, zurückgeworfen, in der Ver- solgung 19st Mann gefangen. In der B u k o w i n a hat sich in der letzten Zeit nichts er- eignet. Am nördlichen Prnthufer bei Czernowitz fanden nur unbedeutende Plänkeleien statt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Fcldmarschalleutnant. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französtsche Tagesbericht. Paris, 10. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Dienstag abend. In Belgien östlich Steen- straete wiesen wir einen Angriff zurück. Nördlich A r r a s in Notre Dame de Lorettc kämpfte man den ganzen Tag. ohne daß die Stellungen des Gegners sich veränderten. In der C h a in p a g n e fanden sehr heiße Kämpfe statt, welche für uns günstig waren. Zlvischcn Souain und Perthes im Gehölz, wo wir vor drei Tagen Fuß faßten, warfen wir zwei Gegen- angriffe zurück und erzielten neue Fortschritte. Ebenfalls neue Fortschritte wurden im Gehölz östlich des vorgenannien Gehölzes in unmittelbarer Nachbarschaft von Perthes gemacht. Nördlich desselben Dorfes griff der Feind an. Auf der Kuppe nordöstlich Lc Mesnil wurde er zurückgeworfen. linser gestriger Gewinn, welcher 450 Meter betrug, erhöhte sich um 200 Meter. Wir eroberten ein deutsches Schanzwerk, erbeuteten eine Revolvcrkanone und drei Maschinengewehre und machten Gefangene. Die feindliche äußerst starke Organi- sation umfaßte gepanzerte Unterstände mit Revolverkanonen und sehr tiefe unterirdische Kammern. Nördlich Le Mesnil endlich nahmen wir einige Meter Schützengräben wieder ein, welche wir am Sonntag erobert und am Montag verloren hatten. In den A r g o n n e n zwischen Four de Paris und Bolante unternahmen wir einen Angriff, welcher uns zu Herren der ersten deutschen Linie auf 200 Meter Länge machte. Explosion in Antwerpen. Brüssel, R März.(23. T. B.) In Antwerpen ereignete sich gestern nachmittag in der Feuerwerkcrschule eine Ex- plosion, wobei drei Mann getötet und sieben ver- wandet wurden. Das Unglück erfolgte in einem Schuppen, in welchem Soldaten unter Aufsicht eines Oberfeuerwerkers Näu- mungsarbeiten vornahmen. Die Sehanölung der deutschen Kriegs- gefangenen in LNarokko. Gens, 10. März.(T. U.) lieber die deunchen Kriegsgefangenen in Marokko berichtet man dem.Genfer Joiinial*, daß ihre Zahl mehr als 4060 beträgt. Es befinden sich etwa 2000 in Rabat. 1500 in Fez. 500 in Mekines. 400 in Ehaonia und Doukkala. Keine Kranken und Schwächlichen, die in Lazaretten oder französischen Lagern sich befinden, wurden»ach Marokko gesandt. Der Gesund» heitszustand ist gut. Einige Typhusfälle. die bald nach dein Ein- treffen auftraten, sind durch Impfungen ersnckl worden. Tie Nahrung ist die gleiche wie die der französischen Seldaicn, mit Ausnahme von Wein und Dessert. Die Intendantur in Marokko funktioniert regelmäßig. Die Beschäftigung besteht in Wege- und Eisenbahnarbeiten; die Arbeitszeit beträgt sechs bis acht Stunden. je nach der Entfernung von der Arbeitsstätte. Die Arbeitslöhne sind die gleichen wie bei den französischen Truppen, ausgenommen Taschengelder. Die Disziplin ist vorzüglich, bis jetzt sind nur wenig Strafen erfolgt, darunter eine Verurteilung wegen Gehorsams- Verweigerung. Die Kriegsaufgaben öes Reichstages. Die Tatsache, daß der KTieg jetzt bereits 8 Monate lang dauert, prägte deutlich der gestern begonnenen dritten Kriegstagung des Reichstages ihren Charakter auf. Die Verhandlungen waren gestern durch einen etwas anderen Ton und Inhalt ausgezeichnet, als bei Kriegsbeginn und ini Anfang Dezember. Die große Zahl der Opfer an Menschen, die ungeheuren 5losten des Riesenringens und nicht zuletzt gewisse innerpolitische Wirkungen erzeugen not- wendigerweise eine andere Stimmung, als sie in den ersten Kriegsnwnaten vorhanden war und vorhanden sein inußte. Nachdem sich in den bisherigen Kriegsmonaten gezeigt hat, daß das deutsche Volk nicht niederzuringen ist, wie viele un- serer Gegner gehofft, vielleicht einzelne Zaghafte in unserem Lande gefürchtet hatten, muß sich das Interesse der Kämpfen- den und Zurückgebliebenen mehr den bisherigen und zukünf- tigen Kriegs Wirkungen zuwenden. Nichts ist geeigneter, derartige Gedanken anzuregen, als die Beratung des Etats, die gestern nach allgemeinen Ausführungen des Präsidenten von dem neuen Reichsschatzsekretär Dr. Helffe- r i ch eingeleitet wurde. Dr. Helfferich erschien gestern als ein Neuling auf der Bundesratsballustrade und Redner- tribüne des Reichstags. Gewisse Unebenheiten in der Form feines Vortrages mögen dem zuzuschreiben sein. Aber im ganzen zeigte doch seine Rede deutlich, welche Persönlichkeit die schwierige Aufgabe zur Durchführung der Finanzierung des Krieges und der mit dem Kriege verbundenen weiteren Kosten übernommen hat. Dr. Helfferich stammt bekanntlich aus den Kreisen der Hochfinanz(er war zuletzt Direktor der Deutscheu Bank), und die dort praktisch erworbenen Kennt- nisse verwertete er gestern in seiner ausführlichen Darstellung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands vor und während des Krieges. Dr. Helfferich benutzte erklärlicherweise diese Dar- stellung in erster Linie, um den Nachweis zu führen, daß Deutschland auch wirtschaftlich nicht niederzuringen sei. Aber seine Rede war für den aufmerksamen Hörer zugleich ein Hinweis darauf, welche gewaltigen Werte in allen moderne» kapitalistischen Staaten in diesem Kriege auf dem Spiele stehen. Dr. Helfferich machte weiter sehr charakteristische Zahlenangaben über die Kosten d e s g e g e n w ä r t i g c n Kriege s. In einem Monat werden allein von Deutschland Summen in der Höhe des gesamten Wehrbeitrages verbraucht und sämtliche kriegführenden Großstaaten geben wöchentlich U/z Milliarden für die Fortsetzung des Krieges aus. Für die gegenwärtige Aufbringung der von Deutschland erfordcr- lichen Mittel forderte Dr. Helfferich zunächst weitere 10MilIiarden Kredit, die etwa bis zum Oktober reichen würden. Hinter dieser Summe, durch die der diesjährige Etat viermal so hoch als in normalen Iahren beziffert werden muß, verschwinden die gewöhnlichen Ausgabeposten. Der neue Schatzsekretär beschäftigte sich daher auch recht wenig mit den Einzclfordernngcn des Etats, die ja so wie so nur auf roher Schätzung beruhen. Wenn der Rcichsschatzsekretär die Aufmerksamkeit des Hauses darauf richtete, daß nur durch den gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands in den letzten Jahrzehnten die Durchhaltung des Krieges für Deutschland möglich geworden sei. und er dabei die Verdienste der Landwirtschaft und der Industrie besonders hervorhob, so schien er uns dabei die Tatsache zu vernachlässigen, daß die deutsche Arbeiterschaft auch einen der wichtigsten Faktoren dieser Entwicklung bildet. Ter Vertreter der Arbeitcrsckiaft, der nach Helfferich zum Wort kam, ging auf die Ausführungen Helfferichs nicht ein, sondern machte nur in programmatischen Sätzen die Forderungen geltend, auf die die Arbeiterschaft durch ihre Leistungen vor>rnd während des Krieges Anspruch hat. Ge- nosse H a a s e wehrte sich von vornherein gegen den möglichen Einwand, daß die sozialdemokratische Fraktion als eine Art Belohnung für ihr Wohlvcrhalten Forderungen erhebe. Viel- mehr seien auch die jetzigen Forderungen nichts als die Wiederaufnahme d eralten Wünsche, des alten Grundsatzes, daß gleichen Pflichten gleiche Rechte gegenüber- stehen müßten. Und dieser Krieg zeigt zur Genüge, daß die Arbeiterschaft mindestens die gleichen Kriegslasten zu tragen habe wie die übrigen Volkskreise. Die Regierung habe aller- dings bisher keine Anstalten getroffen, die Gleichberechtigung der Arbeiterschaft wirklich in die Tat umzusetzen. Deshalb sehe sich die sozialdemokratische Fraktion gezwungen, cnt- sprechende Anträge selbst zu stellen. Ja, darüber hinaus sehe sich die Fraktion leider genötigt, Einspruch zu erheben gegen gewisse neue Hemmnisse, die die politische Bewegungsfreiheit ttflS feffSrenS f?9 Ärfegef erfahren fnT. Die soziaKemo� rtiitiirfic Presse verleugnet dadurch nicht den Burgfrieden, unter dem vernünftigerweise nur verstanden werden könne, daß man Gehässigkeiten in den Auseinandersetzungen mit anderen Parteien und der Regierung vermeide. Der vom Reichskanzler vertretene Satz, daß de in freien Volke die freie Rede gestattet sei, schließt es aus, daß das Aussprechen von grundsätzlichen Auffassungen überhaupt der- hindert wird. Genosse Haase knüpfte daran ans der Fülle des ihm zur Verfügung stehenden Materials nur ein paar Beispiele dafür an, wie durch Belagerungszustand und Presse- Zensur die freie Rede und Gedankenäußernng gehemmt wird. Gerade setzt, wo es sich um Schicksalsfragen des ganzen Volkes handele, wie bei dem Friedensschluß, müsse das Volk recht- zeitig selbst zu Wort kommen. Ebenso begründet waren die Beschwerden, die Genosse Haase zur Frage der L e b e n s in i t t e I V e r s o r g n n g vor- brachte. Als Vertreter der bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme der Polen, glaubte der Zentrnmsabgeordnete Spahn dem Genossen Haase entgegnen zn müssen. Er beschränkte sich dabei auf e i n e n Gedanken des sozialdemokratischen Redners. Genosse Haase hatte ausgeführt, daß die Friedens- sehnsucht bei allen kriegführenden Völkern gleich groß sei und daß Deuschland, dessen militärische Situation am günstigsten sei, am ehesten den Wunsch nach Frieden äußern könne. Diese Sätze hielt Abg. Spahn für mißverständlich— weshalb wissen wir allerdings nicht—, und er sprach seinerseits den Wunsch nach Fortsetzung des Krieges bis zur völligen Niederwerfung der Gegner aus. Nach einer kurzen Erklärung de? polnischen Abgeordneten S e y d a, der an die frühere Behandlung der Polen er- innerte und sich die Stellungnahme zum Etat noch vor- behielt, erwiderte der Vertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Delbrück, auf die Ausführungen des Ge- nassen Haase. Er bestritt zunächst, daß irgendwelche Ans- nahmegesetze gegen irgendeinen Volksteil beständen. Soweit man der Verwaltungspraxis hätte Vorwürfe machen können, sei auch das hinfällig, weil alle in Frage kommenden In- stanzen sich setzt einer möglichst gleichen Behandlung aller Parteien befleißigten. Was die Zeit nach dem.Kriege an- gehe, so wolle er ebenso wie der Reichskanzler das Versprechen wiederholen, daß die Frage der Neuorientierung der inneren Politik wohlwollend geprüft werden solle. Bindende Versprechungen für die Zukunft oder gar eine Zusage der Erfüllung bestimmter Wünsche gab Staatssekretär Delbrück leider nicht. A»S seinen Ausführungen verdient ein Passus hervor- gehoben zn werden, wonach der Reichskanzler und die Ver- bündeten Regierungen zwar die Verantwortung für die Tatsache des Belagerungsznstandes übernehmen, für die Praris und Anwendung des Kriegszustandes aber ablehnen müßten. Tie Reichsregiernng bemühe sich, bei Beschwerden vermittelnd einzugreifen, aber einen direkten Einfluß aus die zu der Ausführung des Belagerungszustandes allein berech- tigten Militärbehöxden habe sie nicht. Liese grundsätzlichen Bemerkungen beleuchten am besten die gegenwärtige inner- politische Situation und die Beschwerden, die Genosse Haase vorbrachte. Tie weitere Arbeit de? ReickistageS soll bis zur zweiten Lesung vorlänfia in die verstärkte Bndgetkommission ver- legt werden. Hoffen wir, daß die dort vorgebrachten drin- genden Wünsche des Volkes von der Regierung so ernsthaft geprüft werden, daß auch sie sich von der Notwendigkeit ihrer Realisierung überzeugt. Wird die Regierung dann vor Be- ginn der zweiten Lesung eine Zusage geben, wie sie vom Genossen Haase gefordert wurde, dann wird auch die zweite Lesung des Etats an einem Tage beendet sein können. französische Granatsplitter auf fchweizerijchem Soöen. ?ern, 10. März. l'W. T. D.) Tie E-hweizerische Tepeschen. Agentur meldet au? Pnmtrut: In den letzten Tagen platzten französische Schrapnells auf deutschem Boden so nahe an der schweizerischen Grenze, daß die Sprengstücke auf Schweizer Gebiet flogen, Kurz darauf erschien ein französischer Offizier, um sich wegen de? Vorfall? zn entschuldigen. Inzwischen ist die Schieß richtung g e. ändert worden. vom österreichisch-rusilschen Kriegsschauplatz. Schwere Hejchulüigungen gegen Aie rusische Krlegsführung. töic», S. März.(W. T. B.) AuS dem K r i- g S p r e s s e- quartier wird gemeldet: Heute nachmittag erschien vor der be- festigten Stellung unserer Truppen nördlich Nadworna ein russischer Parlamentär, der mitteilte, auf Befehl des russischen Kommandanten würden morgen vormittag ungefähr fünfzehnhundert Judenfamilien, welche heute bei Kamiona und Thsmieuiczaich versammelt worden seien, über die russische Linie hinaus zn den öfterreichisch-ungarischen Truppen abgeschoben werden. Ta die Judenfamilien befürchteten, von den Oestcrreichern angeschossen zn werden, sei der Parlamentär er- schienen, um dies mitzuteilen— Durch diese? unerhört brutale Bor- gehen bezweckt der Feind zweifellos, Taiiseirde von Unbeteiligten. die er brotlos und obdachlos gen, acht hat. gleich einer Viehherde vor sich herzutreiben, um sich ungefährdet unseren Stellungen nähern zn können. Die Verwirklichung dieses scheußlichen Vorhabens, das als eine Schande des Jahrhunderts bezeichnet werden muß, kann bei dem tiefsten Mitgefühl für die armen Opfer der barbarischen Willkür aus militärischen Gründen nicht geduldet werden. Der Raum vor den befestigten Stellungen muß nämlich, da ein Waffen- stillstand für daS Abschieben der Judensamilien vom Feinde weder angeboten noch unsererseits wegen des Heranziehens feindlicher Verstärkungen annehmbar ist. bei jeder Annäherung von der Seite des Feindes unbedingt unter Feuer genommen werden. Dem ms- fischen Kommandanten wurde daher durch einen Parlamentär nachstehende schriftliche Antwort übersandt: Das Ueberschreiten der eigenen Linie von Feindcsseite kann unter keinen Uli, ständen für irgend jemand gestattet werden; daher wird der Raum vor der eigenen Front unter Feuer gcbaltcn werden. Ich ennckw. die Judensamilien in Kamiona und Thsmieniczauy hiervon in Kennt- ras zn setzen. Ich füge hinzu, daß die ungeheure Verantwortung für die beabsichtigte unmenschliche Handlung, Taufende unschuldiger Landbewohner gegen unsere Stellungen zu kreiden, ausschließkick dem russischen Kommandanten zufällt, der diesen barbarischen und jedem Kriegsgebrauch hohnsprechenden Befehl erteilt hat, dies um so mehr, als keine Gewähr dafür besteht, daß diese Unschuldigen nicht bloß als Schild für die Annäherung der russischen Truppen dienen werden. Cs wird dafür gesorgt, daß dieses Verhalten vor aller Welt gebrandmarkt werde. Der Seekrieg. Drei englisihe Dampfer am Dienstag torpeüiert. London, IQ. Marz. l'W. T. B.» Die AdmiralftSt«eldet: Ter britische Dampfer„ T a w a i st a n" wurde bei Scarborough torpediert; von der Besatzung von 38 Mann wurde eia Mann gerettet. Ferner wurdeu die Dampfer„Blackwood" mit ciucr Besatzung von 17 Manu bei HaftiugS und„P r i u r» ß Victoria" mit ciucr Besatzung von 34 Mann bei Liverpool tor- pediert; die Bcsatzuugen der beiden lcytgeuannteu Dampfer wurden gerettet. Die Torpedier, mg sämtlicher Dampfer erfolgte am Dienstag- morgen.' London, 10. März. lW. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet: Der engliiche Dampfer„Prineeß Victoria" wurde 18 Meilen von Mersey torpediert. ES wurde scharf Ausguck nach Unterseebooten gehalten, aber trotz klaren WetterS wurde kein feindliches Fahrzeug wahrgenommen, bis der Steuermann um 9 Uhr 30 Minuten vormittags ein Torpedo gerade auf das Schiff zukomme» sah. ES erfolgte eine starke Explosion, worauf das Schiff begann, sich Lberzuueigen. Zwei Boote wurden niedergelassen und die Bemannung ruderte nach Mersey, wo ein kleiner Schlepper sie inS Schlepptau nahm. Das Schiff sank in 13 Minuten. Die Bemannung der.Blackwood" wurde durch ein Fischerboot in Newhaven gelandet. Die.Blackwood" wurde morgen S 6Uhr torpediert. Es war zurzeit schlechtes Wetter bei ziemlich starkem Schneefall. Alle Boote waren an Bord bereit für den Fall, daß ein Tauchboot angriffe. Die Bemannung fuhr S'/j Stunden in Booten, bis sie aufgefischt wurde. Das Ilnterseebot erschien an der Oberfläche, aber es lieh keinen Beistand.— Die.Tawaistan" wurde 12 Uhr 30 Minuten früh torpediert. Die Boote sollten gerade herabgclaffen werden, als das Schiff plötzlich mit den Booten und der Besatzung versank. Ein Matrose, der gerettet wurde, hatte sich an eine Kiste geklammert und blieb 2l/t Stunden darauf, bis er von einem Boot aufgenommen wurde. Eine Anzahl indischer Matrosen hielt sich an einer Planke und blieb eine Zeitlaug über Wasser. Die Leute konnten aber nicht aushalten.— Auf der Höhe von Mersch verfolgte gestern ein Unterseeboot den Dampfer„Clanmacrae", der jedoch entkam. Englische Represialien gegen üie Mann- schaften öeutscher U-Doote. London, 9. März.(23. T. B.) Die Admiralität gibt be- kannt, daß sie cs nicht für gerechtfertigt halte, daß den 29 Offizieren und Mannschaften de? Unterseebootes II 8 die bisher üblich gewesene ehrenvolle Be- Handlung der Kriegsgefangenen erwiesen werde, da dieses Schiff in den letzten Wochen in der Straße von Dover und im Kanal tätig gewesen sei und die große Wahrscheinlichkeit bestehe, daß es unbewaffnete Handelsschiffe angegriffen und versenkt habe oder Torpedos auf Schiffe abgefeuert habe, die Neutrale, Frauen und N i ch t k ä m P f e r an Bord hatten.?tamentlich werde das Schiff„Otiolo" vermißt. Es liegt ernster Grund vor, zn fürchten, daß cs anfangs Februar mit seiner ganzen Besatzung von 29 Mann versenkt worden sei. Es sei natürlich s e h r s ch w i e r i g. ein e i n z e l n e S deutsches Unterseeboot für bestimmte Verbrechen verantwortlich zu machen, und vielleicht würde das notwendige Beweis- Material zur Freisprechung von Schuld erst nach Friedensschluß beigebracht werden können. Einstweilen aber müssen Leute, gegen die solche Anklagen schweben, besonderen Ein- schränk ungen unterworfen werden. Die Unter- scheid un gen des Ranges und die Erlaubnis, mit anderen Kriegsgefangenen zusammen- zukommen, könnten ihnen nicht zuerkannt werden. Die Verluste üer englischen ffanöelsmarine. Vom 1. August 1914 bis 1. März 1915 sind nach privaten Auf- stellungeu von der englischen Handelsmarine zusammen III Dampfer mit einem Gesamttonuengehalt von über 400 000, vier Hilfskreuzer von 32 584 Touucir. ein Segtsr von 1785 Tonnen, ein Schooner von 107 Tonnen, acht Minensucher, von denen vier zusammen 943 Tonnen haben, und ein Trnppentransportschiff von unbekannter Größe vernichtet worden. AlleZ in allem ergibt die? einen Tonnengehalt voo 437 879. Die in deutschen und österreichischen Häsen festgehaltenen englischen Handelsschiffe find in dieser Liste nicht enthalten. Bon diesen Schiffen wurden vernichtet: durch den deutschen Kreuzer„Emden" 10, durch„Karlsruhe" 17, durch„Dresden" 4, durch Leipzig' Z, durch„Königsberg" 1, durch Unterseeboote 18, durch Hilfskreuzer 11, durch Minen 9 und auf unbekannte Art 48. In diesem Monat, besonders in den letzten Tagen hat die englische Handelsmarine wiederum bedeutende Verluste erlitten. So meldet die englische Admiralität, daß am Dienstag morgen drei Dampfer vernichtet wurden.(Vgl. die obige Depesche.) Zwei von diesen haben einen Tonnengehalt von zusammen 2409; daS Zahlen- Verhältnis des dritten Dampfers ist noch unbekannt. Weiter wurde nach einer Privatmeldung der Dampfer„Beethoven" mit 3752 Tonnen vernichtet. Ueberfällige englische Schiffe. Hamburg, 19. März.(W. T. B.) TaS„Hamburger Fremden- blatt" meldet aus Rotterdam: In der Woche vom 1. bis zum 0. März sind auf der Fahrt England— Holland und England— Skandinavien neun englische Dampfer überfällig. Die Londoner Reedereien schränken weiterhin die Annahme von Fracht- stücken nach Holland und Skandinavien ein. Die holländische Schiffahrt und der Handelskrieg. Amsterdam, 19. März. iP r i v a t t el e g r a m in des „V o r w ä r t s".) Ter holländische Ueberseeschiffasirt-Triist verhandelt weiter mit den Verbündeten und gibt auch weiter BeglanbigungSschcine aus, so daß die Schiffahrt nicht unter- brocken ist. Die Regierung wies die Reeder an, einen Teil des Lade- rauins zur Getrcideverschiffung gegen den festgesetzten Tarif bereitzuhalten. Will öas italienische Volk den Krieg I Rom, den 5. März.(Eigen. Berich t.) Will das italienische Volk den Krieg? Wenn man d->? Zeitungen die Antwort entnehmen will, so muß man die: Frage bejahen. Ten demokratischen wie den konservativen: Blättern zufolge, den Organen der Regierung wie denen der Opposition ist das Volk von der Sehnsucht verzehrt, am Kriege teUzunehmen. Als das Ministerinin unlängst alle Versaimn- lungen verbot, schrieb der bürgerlich-radikale„Messaggero", daß heute als Versammlungsort nur noch der Schützengraben in Betracht käme. Von ähnlichen Bemerkungen wimmeln die Zeitungen. Trotzdem kann keiner der Herren, die diese Blätter mit. täglichem Enthusiasmus speisen, mit der Hand aufs Herz die Antwort geben, daß in Italien das Volk den Krieg will. We.r von ihnen redlich ist und klar sieht, also sich und andern nichtZ vormacht, sondern in bestem Glauben für Italiens Teilnahme am Kriege eintritt, der gibt eine anders lautende Antworte das Volk soll den Krieg wollen, weil er im Interesse Jta-- liens liegt. In der Tat ist die heutige Haltung der Presse nicht der Ausdruck der öffentlichen Meinung, sondern ein Ver- such, dieser öffentlichen Meinung eine gegebene Richtut>jZ zn weisen. Es wäre töricht und unbillig, wollte man in allen Ver- fechtern des italienischen Eingreifens einfach Söldlinge Frank- reichs und Englands sehen oder Anwälte der Armeeliefe- rarsten. Viele Leute glauben ehrlich, daß die Zukunft ihres Vaterlandes verspielt wird, wenn in dieser Stunde, die diu Geschicks des neuen Europas schmiedet, Italien tatenlos seit- ab steht. Daß es sich bei dieser Auffassung nicht um ein spezifisches Ziel, um eins gegebene Forderung handelt, von der Italien sein Eingreifen abhängig machen soll, das geht istlein aus der Tatsache hervor, daß der angebliche„zwingende K r i e g s g r ri n d" in den letzten Monaten dreinral g e- wechselt hat. Zuerst war es die Ausdehnung der italieni- scheu Grenzen aus alle italienisch sprechenden Provinzen, dann war es die Frage des UebergewichtS an der Adria, jetzt ist cs die Schließung der Tardanellen, die mögliche Eroberung Kon- stantinopels durch die Ententemächte und die sich daran anschließende Gleichgewichtsverschiebung im Mittelmeer und Aufteilung der Türkei. Es sind also allgemeine Gründe; iiamentlich die zuletzt in den Vordergrund tretenden sind von dem Gedanken eingegeben, daß Italien, wenn es jetzt nickt eingreift, einen weltgeschichtlicken Anschluß unwiederbringlift) verliert. Um es mit einem Wort zn sagen, die Vertreter des italienischen Eingreifens glauben, daß Italien sowohl durch den Sieg Teutschlands und Oesterreichs als durch den der Ententemächte in seiner politischen Bedeutung x�schädigt. schtver geschädigt werden würde; sie wollen daher den Sieg Deutschlands und Oesterreichs verhindern und den der Enteistemächte mit erringen helfen, um dem Vordringen Rußlands an der Adria als Bundesgenosse Grenzen ziehen zn können. Im Grunde fürchtet man die Möalichkeit, daß Ruß- land und England ohne Italien siegreich seien, weit mehr als einen deistsch-östermchischen Sieg. Man fürchtet die Mackt- Verschiebung als solche, soweit sie ohne italienische Mitwirkung zustande kommt. ES leuchtet ein, daß diese Gründe viel zu weit abliegen, um eine Volksströmnng zugunsten des Krieges auszulösen. Man kann es unmöglich dem schlichten Manne mundgerecht machen, daß Italien aus Besorgnis vor einem russischen Siege an Rußlands Seite kämpfen soll. Daher hat die KriegSprona- ganda eine etwas kindlich-pädagogische Färbung. Man würzt sie mit Erzählungen von deutschen Grausamkeiten und mit der Pflicht, die"deutsche Oberhoheit und Militarisierung Europas zu verhüten. Trotzdem i st der K r i e g n i ch t populär. In Arbeiterkreisen hat man einen direkten Abscheu vor dem Ge- danken des Krieges; auch in der Bourgeoisie trifft man selic selten einen Menschen, der ihn für wünschenswert hält. Viele aber halten ihn für u n v e r nt e i d l i ch, weil sie glauben, daß die Faktoren, die ihn bestinimen, sich ganz der Beeinflussung durch die öffentliche Meinung entziehen. Diese Drohung deS Krieges, diese nervenzerfasernde Un- gewißheit lastet nun schon sieben Monate auf dem Lande. Alle Geschäfte liegen danieder unter dem Drucke dieses möglichen Krieges. In jeden Kontrakt sucht man die Klausel einzn- fügen, daß er im Kriegsfall aufgelöst werden kann. Wer Bauten oder ähnliche Arbeiten beabsichtigt oder begonnen hatte, gibt sie auf und will erst eine Klärung der Lage oft. warten. Sucht ein Bnreauangestellter Stellung, so fragt man ihn zuerst, ob er militärpflichtig ist; bejaht er die Frage� w nimmt man ihn nicht: wer wll im Bureau bleiben, falls der Chef eingezogen wird? Seit einer Woche erwartet man die Mobilmachungsorder von einem Tage zum andern. Diese Sachlage muß schließlich als absolut unerträglich empfunden werden. Und sie drängt geradezu auf den Krieg; besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, sagt man sich. Die Kriegspropaganda der Zeitungen hat keine Kriegsfreildigkeit ausgelöst, sie hat aber vielfach das Gefühl der Unvermeidlichkeit des Krieges er- zeugt und dadurch die ohnehin gespannte Erwartung ins Un- erträgliche gesteigert. Und angesichts dieser Unerträglichkeit hört man es von allen Seiten: besser der Krieg als diele entnervende Ungewißheit: besser eine furchtbare Gewißheit als eine ewige Drohung. Besser alles als dieser Zustand! Das ist nicht Kriegsfreudigkeit, sondern Ueberreizung oder Erschlaffung der Nerven. Man will den Krieg nicht, aber man würde ihn schließlich als irgendeine Lösung der heutigen Ungewißheit vorziehen. Ob die Regierung den Krieg will, kann der Außen- stehende nickst entscheiden. Wenn sie ihn nicht will und ihn nur als möglich bereit hält, uni diplomatische Vorteile zn erringen, so spielt sie ein sehr gefährliches Sviel. Was die Diplomatie geben kann und geben will, soll sie bald geben: es könnte sonst leicht zu spät'ein. Man möchte mit Engels- zungen reden können, um allen, denen die Erhaltung des Friedens am Herzen liegt, die Ueberzeugung beizubringen, daß eine Fortdauer des heutigen Znstandes aui den Krieg drängt, ganz automatisch, selbst ohne Hetze. Em großes Land kann nicht ans Monate den Atem seines wirtschaftlichen Lebens anhalten, kann nicht der tatenlosen Ungewißheit über den morgenden Tag ausgeliefert bleiben. Dann ist wirklich die wagende und handelnde Ungewißhest noch weniger unerträglich. Und mit Engelszungen mochte man reden können, um der deutschen und österreichischen Diplomatie, der deutschen und österreichischen Presse zil sagen: gebt keine Ratschläge: sie nützen nichts und können nur schaden. Tie Beziehungen der Staaten zueinander sind beute vom Mißtrauen vergiftet. Wenn sich das Schreckliche noch abwenden läßt, so durch Hqn- Mn, nicht durch Worte. Wer Zugeständnisse machen kann und will, der mache sie heute. Es sind nicht Zeiten, in denen kluges Abwarten am Platze wäre: Heute ist weiteres Warten Wahnsinn. Tie Maßnahnien der Negierung, die die Strafen für Spionage, für verbotene Ausfuhr und für strategische Mit- teilungen der Presse bedeutend erhöhen, werden wohl mit Unrecht als der Auftakt zur Kriegserklärung gedeutet. Im Zolle der Kriegserklärung werden diese Verbote ja durch den Belagerungszustand gegenstandslos. Nicht in diesen Maß- nahmen liegt die Drohung, sie liegt in dem spukhaft um- iwhenden Gerücht der baldigen Kriegserklärung.„Wenn der Schnee schmilzt, geht es los", sagt mau in den Kasernen. Will einer reisen, so heißt es:„Reisen Sic gleich, in vierzehn Ta- gen wird kein Zivilist inehr reisen". In diesem Ton spielt 'ich alles ab. Auch die materiellen Vorbereitungen sind nicht so versteckt, daß man ihrer nicht gewahr würde. Im römi- :chen Volke beißt es, daß am lll. März der Krieg beginnen werde: am 13. Januar war das Erdbeben, am 13. Februar die Ueberschwemmung, als dritter im Bunde würde sich würdig der Krieg anreihen. Ungefähr ebenso„Wissenschaft- lich" und„rationell" sind alle Vorhersagen, aber das eine daben die. die den Krieg gewollt haben, doch erreicht: daß viele ihn für unabwendbar halten und daß. unter dem Druck dieser Voraussicht, die heutige Lage unerträglich ist, unerträglich im wahrsten Sinne des Wortes. � Man sage nicht, daß das italienische Volk den Krieg will. Das Unheil, mit dem die jetzige Lage schwanger geht, wäre W weniger entsetzlich, wenn dem so wäre. Das Volk will den Krieg nicht, ihm graut davor, eiil großer Teil der Bourgeoisie will ihn auch nicht. Er kommt wie ein Ver- dängnis, sinnlos und fürchterlich. Er kommt, weil alle glau- den, daß er kommen muß. Gegen diesen Glauben an ein F a t u m. das wir durch diesen Glauben e r st schaffen, muß die sozialistische Partei ihren letzten Kampf kämpfen. Es ist zwecklos, ja, es ist gewissenlos, sich und andere über den blutigen Ernst der Lage zu täuschen. Wir können nur Kunde geben von der drohenden Lage: wer die Möglichkeit hat ihr zu steuern, der tue es bald. Was heute unterbleibt, könnte leicht inorgen zu spät kommen. das neue griechische Kabinett. Athen,?. März. Tic Agcnce d'Ath<*neD meldet: G u n a r i s bat heute nnchmittog um 4 Nhr dem König die Liste des neuen Kabinetts vorgelegt. Tie Besetzung der Portefeuilles ist 'olgende: Borsitz und Krieg: Gunaris, Auswärtiges: Ch. Zographos, Bcrlehr: Baltadjis, Kultus und öffentlicher Unterricht: Bozikis, Finanzen: ProtopapadakiS, Jnner-S: Triantaftzllakos, Bolkswirt- schaft: Antasias, Justiz: TsaldariS, Marine: Stratos. Der König hat die Lifte genehmigt, Tai neue Kabinett wird morgen friih den Eid leisten. Der türkische Krieg. Au? Beschießung üer daröanelkn. Ilcnbon, 10. März.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Meldung betragen die britischen Verluste bei den Operationen in den Dardanellen am i. März 25 Tote, 28 Verwundete und 3 Vermißte. Unstimmigkeiten wegen üer darüanellen. Petersburg, g. März. iW. T. B.) Der. R j e t f ch" vom 3- März polemisiert gegen Aeußerungeu französischer Blätter, die zwar den Besitz KonstantinopelS Rußland einräumen, den Bosporus und die Dardanellen aber neutralisieren wollen. Der Besitz Koiistantinopels sei für Nußland nur von Wert, falls auch die Meerengen russischer Belitz würden. Konstantinopel sei in der Tat nur die natürliche Zugabe zum Besitze der Meerengen. Die freie Durchfahrt für die Neutralen und die Ballaustaaten ist natürlich wichtig, die Entscheidung über die Durchfahrt lvnne aber ebenso gut in Peters- bürg ohne Mitwirlung der Alliierken. wie in Paris oder London getroffen werden. Die Trennung der Herrschaft in der Frage der Meerengen von der Frage des Besitzes KonstantinopelS beweise nur, daß die alliierte Presse daS Lsbensiiuereise Rußlands nicht verstehe. Wünschenswert sei, daß die alliierte Presse sich diese zweifellose Wahrheit fest einpräge. Im„Rjetsch" vom 4. März wird auch gegen die griechische Presse polemisiert, welche die Einnahme Konstantinopels durch die griellfische Armee wünscht. Es sei nicht notwendig. gegen diese griechischen Wunsche zu protestieren, da deren Erfüllung viel weiter liege als die in der russischen Duma geäußerten Wünsche. Wichtig sei unter diesen Umständen die Erwägung der Frage, ob griechische Truppen überhaupt zur Eroberung KonstantinopelS hinzu- gezogen werden dürften. Das Sombarüsment Smjrrna.— Hesecßte in Mesopotamien. Konstontinopes. Ig. März.v i j a W j e d o m o st i" kürzlich die Sache so dargestellt wurde, als ob die Verzögerung auf das Verhalten der Deutschen Regierung zurückzuführen sei, die immer noch Schwierigkeiten mache und die„Autloort an Rußland" hinausschiebe, so heißt die? die Wahrheit direkt auf den Kops stellen. Tie Anregung einer Verständigung war von Deutschland ausgegangen. Mit der Antwort ist die Russische Regierung an der Reihe. Hungerrevolte in Lissabon. Lissabon, 19. März.(W. T. B.)(Meldung der Agence Havas.) Infolge der B r o t t e u e r>> n g kam es zu einem Konflikt zwischen den Arbeitern des Marinearsenals und der Polizei. Die Polizei wurde mit Steinen beworfen und machte von der Schußwaffe Gebrauchs Mehrere Per- sonen wurden verletzt. Nach Arbeitsschluß fanden neue Zu- sainmenstöße statt. Tie Menge wurde mit Säbelhieben auseinandergetrieben. Die Ruhe ist wiederhergestellt. Kritische Lage in Mexiko. London. 10. März.(W. T. B.) Nach einer Meldung des Neuterschen Bureaus aus Washington haben der Panzer- kreuzer„Washington" und das Schlachtschiff „Georgia" Befehl erhalten, sich nach Veracruz zu begeben. Der amerikanische Konsul in Veracruz meldet, daß man gestern mit der R ä u m u n g der Haupt st adt Mexiko begonnen habe. Rotterdam, 10. März.(W. T. B.) Aus Mexiko wird gemeldet: Die Lage in der Hauptstadt Mexiko hat durch Verhinderung der Zufuhr von Lebensmitteln, Beschlagnahme der vorhandenen Vorräte und Abschneiden der Wasserleitung durch Earranza einen äußerst bedrohlichen Charakter angenommen. Das diplomatische Korps, das vor eimgeu Tagen einstim m t g beschlossen hatte, die Haupt- stadt zu verlassen, hat diese Absicht— anscheinend auf Anregung der Washingtoner Regierung— z u n ä ch st aufgegeben. Inzwischen ist auch die Eisenbahn- Verbindung mit Mexiko-Stadt unterbrochen, so daß ein Verlassen der Hauptstadt fär die Diplomaten und die zahlreichen Ausländer u n m ö g l i ch geworden ist. Die Diplomaten haben telegraphisch ihre Regierungen um Vorstellungen in Washington ersucht, bannt seitens der amerikanischen Regierung Matz- nahmen zum Schutz der Ausländer ergriffen werden.(Tie deutsche Regierung hat ihrem Vertreter tu Washington entsprechende Vorstellungen aufgetragen. Jnzivischeu hat die amerikanische Regierung den geschützten Kreuzer„Tacoma", den Panzerkreuzer„Washington" und das Schlachtschiff„Georgia" bereits nach Veracruz entsandt.) Chinesische Sahnkonzesion an Japan. London, 10. März.(W- T. B.i„Daily Telegraph" meldet aus Peking: China hat Japan eine neue Konzession auf 0g Jahre für die Bahn Mulden— Antung gewährt. Heute wird darüber beraten werden, ob es Fremden gestalter werden soll, in der ganzen Mandschurei sich niederzulassen und dort Grundbesitz zu erwerben. Letzte Nachrichten. Ein drutschco Unterseeboot gerammt. Amtlich. Berlin, 19. März. und schiebt ihre Vorposten vor bis an den Suez- kanal, wo es Aegypten bedroht, den Angelpunkt des britischen Welt- reichs.(Beifall.) Als das deutsche Volk vor 7 Monaten in den Kanrps zog. war es von dem Bewutzlsein durchdrungen, daß eS sich in diesem Kampfe inil einer übermächtigen Koalition um seine Existenz handele, um sein wirtschastliches und politisches Leben. Niemals ieit Beginn des Kriege« ist das Ziel unserer Feinde, uns wirtschaftlich zu vernichten, unverhülller ausgesprochen worden, alS in den letzten Wochen. Nicht mit Waffen allein, nicht allein mit den an Zahl unS über- legencn Streitkräften ihrer Heere und ihrer Flotte» wollen unsere Feinde uns vernichten. Nein, sie haben einen neuen Bundesgenosselt, den Hunger, ausgerufen, auf den sie nicht verzichten wollen in dem Kampfe gegen den Todfeind Englands, wie das von der englischeli Liegierung ausgebrochen worden ist. Deutschland hat die Antwort darauf erleilt. Gezwungen, sich gegen diesen neue» Verbündeten unserer Feinde zu wehren, greift es zu dem einzig richtigen Mittel der Verteidigung, dem Angriff. Mit der Ruhe und Enlschlasienheit, auf die wir Deutschen stolz sind, beginnt die deutsche Admiralität den wirtichahlichsn Krieg gegen England mit unseren Untelsesbooten, deren Mannlchasten und Otfiziere schon so vielBeweiie ihres heldenhaften Todesmuies geaeben haben.(Lebhafter Beifall.) Deutschland aber läßt sich durch Hunger nicht besiegen. Wenn unsere Feinde glauben, unS auf diesem Wege und durch die Androhung von Repressalien. die dem allgemeinen Völkerrecht geradezu Hohn sprechen, mürbe machen zu können, so haben sie sich verrechnet. (Bravo! und Sehr richtig!) Sie haben in ihre Rechnung mchi eingestellt die wirtschaftliche Kraft de« deutschen Volkes, nicht den Um- stand, daß wir, wenn auch kleine Einschränkungen in den Lebens- qewohnheitsn des deutschen Volkes etwa notwendig werden, genügend Lebenemitlel haben. um das Volk zu ernähren. Und was die stnanzielle Macht des Deutschen Reiches anlangt. so brauche ich nur daran zu erinnern, daß die zweite große Kriegsanleihe von ö Milliarden Mark begersterle Aufnahme im ganzen deutschen Volke findet.(Bravo!> Unsere Feinde haben nicht in ihre Rechnung eingestellt das Organisationstalent des Deutschen, das selbst in unentwirrbar erscheinende Verhältnisse Ord- nung zu bringen imstande ist, sie haben nicht eingestellt die Stärke der Landwiriichait, die Findiokeit und die Talkraft unseres Handels und unserer Industrie, die in der Lage gewesen sind, neue Hills- quellen und Wege zu finden. Vor allem aber haben sie nicht ein- gestellt in ihre Rechnung die Emmültgkeit der Nation und den festen Willen zum Siege(Lebhafter Beisall), der in jedem einzelnen, bom ersten bis zum letzlen, unauSroubar vorhanden ist. dem gegen- über alle Härten und Schwierigkeiten, die der Krieg notwendiger- weise mit sich bringt, verschwinden. Und der unüberwindbar ist, well er sich stützt auf das felsenfeste Vertrauen in die Zu- kunst des Demschen Reiches.(Erneutes lebbafteZ Bravo I) Ungeheuer groß sind die Opfer an Gut und Blut, die das ganze Volk mutig dem Vaterland darbringt, ungeheuer die Verluste an Menschenleben, die mit stillem Schmerz und doch mit Entschlossen- heil getragen werden.(Beifall.) Nicht oft genug kann betont werden, daß ein Voll, da« dleser Opfer, dieser Hingebung an das Valerland fähig ist, nicht zu besiegen, nicht zu vernichten ist. (Lebhafter Beifall.) Wie der allmächtige Herr der Heerscharen brSher den eoicg an unsere Fahnen geknüpft hat, so wird, des sind wir sicher, auch der endgültige Sieg unierer gerechten Sache beschieden sein. Und auf den blutigen Schlachrseldern im Osten und in, Westen wird ein dauernder Friede erwachsen, der uns führt zu neuer Blüte, neuer Macht und neuer Größe unseres geliebten Vaterlandes.(Slür- milcher Beifall.) Präsident Dr. Kaempf gibt dann den Telegrammwechsel mit dem Kaiser aus Anlaß deS Unterganges unseres KreuzergeichivaderS bei den Falklondsiiiseln sawie die Telegrammwechiel mit den Präsidenten der Parlamente Oesterreichs. Ungarns und der Türkei bekanni. Do« Andenken des verstorbenen Abg. D r. S e m l e r (nall.l ehrr das HauS durch Erheben von den Sitzen. Das Mandat des Abg. Dr. W e i l l iit erloschen, weil durch Beschluß der kaiserlichen Regierung in Eliaß-Lothrmgen Dr. Weill seiner Slaatsziigehärigkeii für verlustig ertlärt worden ist, wodurch er Sitz und Stimme im Reichstag verloren bat. Die Prüfung der Gültigkeit deö Mandat« de« Abg. Dr. Wclterlä wild auf Vorschlag des Präsidenten der GeschäflSorünungs- lommiision üderwieien. Seil der letzten Sitzung sind neu in da? Hau- eingetreten die Abgg. Dr. Slresemann(nail.), Dr. Roesicke(f.),« l u d b e iSoz.j, Freiherr v. Frankenslein(Z.) und Carstens(Vp.). Tie B u d g e t k o nr in i f s t o n wird von 28 auf 36 Mit- glieder verstärkt. Hierauf trill das Haus in die Tagesordnung ein. Der Etat. RcichSschatzfekretär Dr. Hclft'erZch: Der Hauptpunkt Ihres Arbeitsprogramms in dieser großen Kriegsragung ist die Feststellung des ReichshauShaltSelalS, die Äereit- slellung der für die Fortführung deö Krieges erforderlichen Mittel. Diesem Umstände verdanke ich als Leiter der RetchSfinanz- Verwaltung die Ehre, Ihre Beratungen eiiizuleiten und Ihren Arbeiten Erfolg und Segen zu wünschen. Die Hoffnungen, mir denen das ganze Land Ihre Bcralungen begleitel, werden in Er- füllang gehen, denn auch dieses Hohe Haus ist von dem einen großen Gedanken durchdiuiigen. der heule in allen deutschen Herzen wohnt: durchhalten! Alle Kräne einsetzen bis zum vollen Siege!— Ich glaube, eine Pflicht zu erfüllen und auch in Ihrem (Sinne zu sprechen, wenn ich ausspreche, wieviel daZ Reich und t seine Finanzen meinem Amtsvorgänger verdanken; Sie kennen alle !das vorbildliche Pflichtgefühl", die treue Hingebung, die igesunde Klugheit und die vielerfahreue Sachkenntnis, die ' den Staatssekretär Kühn auszeichnet.(Bravo!) Die Finanzierung der letzlen Wehrvorlage durch den Wehrbeitrag war fein Werk und hat ihm feinen Platz in der deutschen Geschichte gesichert. Er glaubte seine Gesundheit den großen schweren Anforderungen, die der Krieg an de» Leiter der Reichsfinanzen stellt, nicht mehr voll gewachsen und zog daraus die Folgerung, daß es seine Pslichl sei, seinen Platz für einen Nachfolger freizumachen. Der Entschluß, das verautwortungs- volle Amt zu übernehmen, ist mir nicht leicht geworden Bor mir sah ich und sehe ich ohne Unterlaß riesengroß die Ausgaben, die der Krieg, der Friedensschluß und schließlich die militärische und wirtschaftliche Wiederherstellung für den Leiter der Reichsfiiianzeu bringen werden. Aber ich fühlte auch, daß ich nicht das Recht Halle, in einer solchen Stunde klein zu sein und zu verzagen. DaS Soldalenherz, da« in jeder deuiichen Brust schlägt, sagte mir ein kategorl'ches:.Du mußt!" (Bravo!> Meine ganze Kraft und meine ganze Perlon soll der Auf- gäbe geHuren, die mir in dieser unerhört ernsten und schworen, aber auch unerhört großen und stolze» geil zuteil geworden ist. Ich bitte dabei um ihr Vertrauen und um Ihre Mitarbeit. ES iverdeii schwere Fragen an Sie herantreten müssen, Fragen, die gewaltige Interessen aufs tiefste berühren, und— daS weiß ich im voraus— ich werde nicht immer das Glück haben, mit Ihnen allen einer Meinung zu feni.(Heiterten.) Möchte ein Hauch des Geistes, der, lest' die große Stunde geschlagen, durch alle deutschen Lande zieht, künstig die MeinungSverschieden- heile» und Jiiteresienlonslilte auf meinem Arbeitsgebiete abrntldern. Die Gegensätzlichkeit der Weltanschauungen und der materiellen Interessen werden infolge deS Krieges nicht auS dem deutschen Volke der- schwinden. DaS ist gut. denn Reibung erzeugt Wärme. Nur darf die lebenspendende Wärme nicht zum zerstörenden Fieber und nicht zur verheerenden Feuersbrunst werden. Der wohltätige Wider« stand, der hier eingeschaltet werden muß, ist das Bewußtsein der deutschen Kulturgemeinschast und die allumfassende Liebe zu unserem großen deutschen Vaterlande.(Lebhafier Beisall.) Ein f i n a n zi e l l e L Programm für die Zukunft kann ich Ihnen noch nicht geben. Nur ein Schelm gibt mehr als er hat. Es febl! der feste Untergrund' von Talsachen, den erst der Ausgang des Krieges und die Friedensbedingimgelt schaffen ntüffen.(Sehr richtig!) An die großen Ausgaben gehe ich heran. ohne jede Befangenheit und unbeirrt durch Parleimeimmgen, Wir alle werden in vielen Punkten unsere Ailschauungen daraufhin prüfen müssen, ob sie einer Revision bedütfen. Wir werden alle mehr oder weniger umlernen müsseu.(Sehr richtig!) Wir durchleben die größte Zeit, die je einer deutschen Genetation gestellt war. Erleben muß auch hier„lernen" heißen. So wie der wohlbeleibte Land- ivehrmami im Felde, so ist auch daS erste Kriegsbudget des Deutschen Reiches um einige Pfund magerer geworden, leider aber mir äußerlich.(Heiterkeit.) Mit seinem Gesamtabschluß von mehr als 13 Milliarden ist der diesjährige Eist viermal so groß als der größte Etat, der ihnen jemals vorgelegen hat. Etwa 1V Milliarden werden für außerordentliche KriegSauSgaben verlangt. Sin Borauschlag der zu erwarienden Einiiahnren und der zu leistenden Ausgaben ist bei der Uusicherhen über die Zeitdauer und die wirtschaillichen Wirkungen deS Kriege« unmöglich. Aber wir verzichten deswegen nicht überhaupt nur aus einen HauSballselar. Er schafft die verfassungsmäßige Grundlage für die Reichsfinanz- Wirtschaft; darauf wollen wir auch im Kriege nicht verzichte». Er grbl aber auch da« richtige Schema für die gesamte Wirtschaft«- führung, Rechnungslegmig und Rechitungsprüfung. Soweit durchführbar, haben wir von Neuforderungen abgesehen mit AuSnalime einiger zweiton Raten und einiger wichtigen Neuforderungen bei der Post. Nur bei den Kriegs- resiorts und den Kolonien haben wir von detaillierter Auf- stellung abgesehen. M>l der Mobilmachung ist der ordentliche Etat für Heer und Marine gewissermaßen außer Kraft getreten; von ihrem ersten Tage an mußten die sämtlichen WehranSgaben über den außerordentlichen Etat geleitet werden. Wir haben jetzt kern stehendes Heer, keine Friedensmarine, sondern nur ein ungeteilte« KrtegSbeer und eine Kriegsmarine und erst, wenn der Tag der Deniobilmachung gekommen sein wird, werden die Heeres- und Flonenauiwendungen wieder im ordentlichen Etat erscheine». Ick weiß nicht, wann dieser Tag komint, wir hoffen alle, eS wird iin Laufe des kommenden Rechnungsjahres der Fall sein, jedenfalls werden wir dann einen NachtragSetat vorlegen müssen, der die dann erst zu übersehenden Bedürfnisse für Heer und Marine enthalten wird. Aehnliche Gründe bestehen für die Kolonien, wo wir den VerleidiguiigSmaßnahmen den aller- weitesten Spielraum lassen müssen. Die beldenmnlige Gegen- wehr, von der uns der Feind wider seinen Willen Kunde geben muß. zeigt unS, daß die Männer draußen in den Kolonien ihr möglichstes tun, um mit allen Milleln das in harter Arbeit er- worbene Land zu schützen(Lebhafter Beifall) und darüber hinaus den Namen, die Ehre und die Zukunfl de« weißen Manne« in den fremden Kontiiienteit zu retten.(Erneuter Beisall). Die Ausgabe» für Heer, Marine und Rcichsmilitärgericht be- trogen im Erat die Hälfte des normaleir Jahrcsbedarfs. Sollten die zehn Milliarden Kriegstrodit« aufgebraucht werden, so ivürds das heißen, daß der Krieg ungefähr bis t it den Spätherb st dauert. Endet er früher, so wird der ordentliche Elat mehr belastet, im anderen Fall müßten weitere Kredite verlangt werden.— Von der mit so vieler Mühe eingeführten plamnäßigeri Tilgung der ReichSschnlden haben wir unS nicht veranlaßt gesehen. jetzt in der KriegSzen abzugehen. Nur die Tilgung der Kriegs- anieihe selbst kann der Regelung bei Friedensschluß Überlassen bleiben. Für Verzinsung wird nahezu eine Milliarde mehr gefordert, weil die Reichsschuld von fünf Milliarden bei Ausbruch des Krieges inzwischen auf s ü u f z e h n Milliarden angewachsen ist und weiter wachsen muß, wenn der Krieg länger andauert. W:r müssen so lange wie möglich die schiefe Ebene ver- meiden, Schuldenzinseu aus Schulden zu bezahle». Im übrigen denken wir nicht daran, beim Ende d o S Kriege« darauf zu verzichten, daß unsere Feinde, ab- gesehen von allem anderen, unS für den materiellen Schaden a u f k o m e n müssen, den sie durch diesen irevelhast ongezcltcllen Krieg angerichtet haben.(Lebhaste Zu- stimmung.) Die Rechnung für da« ablansende Finanzjahr wird nicht mit einem Fehlbetrag, sondern voraussichtlich nm einem Ueberschuß von etwa 38 Millionen abschließen.(Hört! böit! und lebhaftes Bravo!) Ich muß Ihre Freude aber sofort stören, denn der Uebcrsckuß ist rein r e ch u u n g S m ä ß i g.(Heiterkeit.) Immerhin dürfte der Etat nicht nur äußerlich balancier! werden, sondern auch da« innere Gleichgewicht in sich selber tragen. Wir dürfen die beruhigende Gc- wißheit in uns tragen, daß der Unterbau, den deutsche Arbeit, deutsche Intelligenz und deutsche Methode gesäiaffen hoben, selbst iür eine Welt von Feinden schlechthin unzerstörbar ist.(Beifall.) Während die Frieden'arbeit Weiler geht, fordert der Krieg seine Rechte. Das gigantische Ringen, ohne gieiöhen in der Welt- geschichte, straft alle Begriffe Lügen, mit denen wir bisher zu rechnen gewohnt waren. Die Niesenzahlen der Riesen- Heere, die Verluste an Menschenleben, der Verbrauch an Material, der Kummer und das Herzeleid im ganzen Lande, aber auch der Opfermut und die Tapserieit der ungezählten Millionen sind Vor- stellungen, an die sich die Menschen erst gewöhnen müssen.(Sehr richtig!) DaS gilt auch für die Finanzen. Wir müssen heute mit Summen rechnen, die geradezu Schwindel erregen können. Der JahrcSertrag mancher großen Finanzreforrn wird aufgebraucht durch die Kosten einer emzigen KriegSwoche. Alle kriegführenden Großmächte zusommer: geben wöchentlich e t w a 1 Ve Milliarden M a r k aus.(Hört! hört!) Wir bitten Sie um einen Kredit von 10 Milliarden, Wir sind durchdrungen von der Größe des Opfers und der schweren Last; kein Opfer und keine Last können aber zu schwer sein, wenn eS sich um unser Sein und Nichtsein, um Bestand und Größe unseres Vaterlandes handelt.(Lebhafter Beifall.) Das schwerste Opfer aber ist das deutsche Blut, das die Blüte unserer Jugend täglich ver- gießt in der schweigenden Selbstverständlichkeit einer heiligen Pflichierfüllung. Wir kömieii nur geloben, alle« z» tun, um den Helden da draußen ihre Aufgabe zu erleichtern und die Früchte ihres HeldentliinS zu sicher». Dazu soll auch der neue KriegSkredit dienen. Ich appelliere an Sie, auch dafür zu sorgen, daß niemand sich der vatriolischen Pflicht der Beteiligung an der Anleihe entzieht. Der Erfolg der ersten Kriegsanleihe zeigte, daß sich unsere Kredilorga- nisalion besser bewährt als die irgendeines anderen Lande«. Hierdurch ist sin ganzen Volks da« Bertrauen geweckt worden, daS die Bürgschaft des endlichen Sieges in sich trägt. Ader eine gewonnene Schlacht ist noch kein ge- womiener Feldzug. DaS ganze Volk muß klar sehen, daß dieser Krieg nicht nur mit Blut und Eisen, sondern auch mit Brot und Geld geführt wird. Für diesen Krieg gilt nicht nur eine all- gemeine Wchrpflicht, sondern auch eine allgemeine Spar-- Pflicht und eine allgeineine Zahlpflicht.(Zu- stimmung.) Wer sich dieser Pflicht entzieht, handelt wie der Deserteur. Da« deutsche Volk muß in dieser Beiiehung leisten, was es irgendwie leisten kann. Wenn jeder seine Pflicht tut, dann wird auch ans diesem Felde der Sieg unser iestt.(Beifall.) England und Frankreich haben unsere finanzrelle Leisll!iigöflihti;keit unterschätzt, die Kenntnis ausländischer Verhältnisse war sa nie ihre Stärke. Wenn Lloyd George davon sprach, daß England mit silbernen Kugeln setne Kriege gewinne, so müssen sich Wellington und der Marschall Vor- wärt« bei dieser Einschätzung ihrer Taten im Grabe umdrehen. Mit dein dicken Geldbeutel allein sind Feldziige nicht zu gewinnen. Den preußischen Grenadieren, die bei Waterloo.zur rechten Zeit Wellington« Truppen herausgehauen haben, waren silberne Kugeln eine ganz uiibclannte Munition. Unsere-12er Geschütze rmd li-Boote schießen auch nicht mir silbernen Kugeln, sondern mit gutem deutschen Stahl. (Beifall.) Auf englisch laute! da« bekannte Wort von Clausewitz, daß der Krieg die Fortsetzung der Politik sei:„Die Politik und der Krieg sind die Forlsetzung de« Geschäfts". Wir Deutsche sehen im Kriege die schwerste, aber auch die erhabenste Größe, die da« Schicksal einem Volk zuteil werden lassen kann. Und diese Auf- kassung ist ein bessere« Fundainent als alle« Gold und Silber der Welt.(Lebhafter Beifall.) Wir müssen aber auch dem Gegner mit seinen eigenen Waffen ausreichend dienen können. Unser VoUSreichtum und Volkseinkommen in Industrie und Landwirtschaft war bei Krieg«- beginn England gleichwertig, Frankreich überlegen. An dem Maßstab der ausländischen Aniagen gemessen sind wir allerdings ein armes Volk geblieben. Aber eS ist falsch, die Wohlstandszunahme eines Mannes zu beurteilen nach seinem äußeren Aufioand. Den initere» Geldmarkt haben bei unS Industrie, Landwirtschaft und tandol stärker in Anspruch genommen als bei unseren ausländischen oiikurreiiten. Der Verlauf de« Kriege« hat denjenigen Recht gegeben, die unser finanzielles KräfreverhällniS gegenüber unseren Gegnern günstig beurteilten. Unser BankviSkont und unser Staat«- kredit haben sich weil besser gehalten als die.jlredilverhälinisse Eng- land« und Frankreich«.(Der Slaatsfckretär führt zum Beweib die bekannten Vergleichszahlen an.) Dann ein Wort über die K r i e g s k o st e n. Die KriegSkvsten Oesterreichs stehen hinter den unsrigcn zurück, die wir ja genau kennen, und die Türkei hat c« von jeher verstanden, ihre Kriege mit einem finanziellen Mindestaufwand zu führen. Natürlieb geht es auch da nicht ganz ohne Geld ab. D e r n o t w e n b i g e n M i t- Wirkung dabei wird sich Deutschland auch weiter- hi n nicht entziehen, i Bravo!) Die Kriegskosten imserer Feinde sind ein gute« Stück größer als die Utisrigeu und die unserer Verbündeten. Tie Kiriegskösten Englands zeigen in den letzten Monaten eine so erfreuliche Zunahme(Heiterkeit), daß sie hinter den unsrigen kaum zurückbleiben. Die ciigltschen Kriegs' kosten werden bis Ende März etwa 9 Milliarden Mark betragen. England ist heute bei ciuer täglicher: K r i e g« a u s g a b e von ungefähr 10 Millionen Mark angelangt, eine Ziffer, die noch itcigen wird. Die KriegSkosten Rußlands und Frankreichs werden das Doppelte-der Kriegskoften Englands ausmachen. Wie sollen die kriegführenden Staaten diesen gewaltigen Anforderungen gerecht werden? Die Mittel der Finanzierung eine« modernen Krieges sind erstens die Aufnahme von Anleihen, zweitens die Inanspruchnahme der Nolenprcsse und drittens die Berminderuiig der Ausgaben sowie Kriegsiteuern. Zu neuen Steuern hat sich in großem llmfange bisher nur England entschlossen, Rußland hat sogar seine stärkste Einnahme, da« Alkobolmonopol, abgeschafft. England folgt mit der Einführung der Steuererhöhnug einer alten an sich gesunden Tradition. Aber auch durch die stärkste Steuererhöhung können doch nur wenige Prozent dpr gewaltigen Kriegsausgaben gedeckt werden. Tie« bestärkt uns in unserer Haltung, von der Einbringung von RriegSstcuervorlagen zurzeit noch abzusehen, solange nicht eine dringende Notwendigkeit da gl vorliegt. Auch halten'.vir an der Hoffnung f e st, die Nechnurig für unsere Kriegsausgaben leim Friedensschluß unseren Gegnern p r ä. s e n t i c r c n z u können.(Bravo!) Die Juan s p r u ch n a h m c d e r Papierpresse wird nur als zeitweiseS A u 5 k u n f 1 mittel benutzt werden können. Mit unserer ersten Kriegsanleihe haben wir einen großen Erfolg erzielt und auch die verbündete Donaumonarchie kann einen ansehnlichen Erfolg ihrer Kriegs- anleihe vom November verzeichnen.(Bravo!) DaS beweis, daß unsere Gegner nicht nur die deutsche, sondern die Finrmztraft Lesterreicb-iliigarns ganz bedeutend unterschätzt haben. England hat im November eine Anleihe in der formidablcn Höhe von 7 Milliarden ausgegeben. Es hat alles getan, um ibr den Erfolg zu sichern. Die Pank von England ist mit bisher beispiellosen Ei leichlerungen den Notenbanken gegenüber für die Zeichnung der Anleihe vorangegangen. Wenn also England behauptet, daß der Erfolg unserer Kriegsanleihe durch die Mitwirkung der Darlehns- lassen ein künstlicher sei, können wir mit viel größcrem Recht be- haupten, die Bank von England habe der englischen ÄricgSaulcil'e zu einem Scheinerfolg verHolsen, der Kurs unserer Krieosanleior bat sich zeitweise über pain gehoben und wir können unsere zwwte Anleihe mit einem um 1 Proz. höheren Emissionskurs hera>.:-:g'( cu. Dagegen hat die englische Anleihe ihren Ausgabekurs nicht behaupten können. Und während Lloyd George seinerzeit erklärte, vor dem nächsten Juli werde ein weiterer Appell an das Publikum zur Finanzierung des Krieges nicht nötig sein, kündigt er j e tz t eine neu e Anleihe für die Zeit gleich nach Ostern an. (Hört! hört!) Rußland und Frankreich haben bisher nicht vermocht, eine einheitliche große Finanzoperation zur Deckung ihrer Kriegs- kosten in die Wege zu leisen. Bei Nußland hat das niemand über- rascht. dagegen hatte Frankreich bekanntlich kurz vor dem Kriegs- ausbruch eine dreieinhalbprozentige Anleihe von 800 Millionen herausgebracht, die angeblich vierzigfach überzeichnet sein sollte. Nach Kriegsäusbruch war aber ein großer Teil der Zeichner nicht in der Lage, die völligen Ginzeichnungen zu leisten. Der Plan einer gemeinsamen Anleihe von Frankreich Rußland und England ist in- zwischen an dem Widerstand Englands gescheitert.(Hört! hört!) Englands finanzielle Rüstung hat seit einiger Zeit angefangen, einen schwachen Punkt zu zeigen; das ist der seit November einge- tretene Rückstand des Goldbestandes der Bank von England, während bei uns Woche für Woche Millionen neuen Goldes der Reichsbank zufließen. Allerdings ist die absolute Höhe des Goldbestandes noch kein Beweis für die Leistungsfähigkeit einer Nation. Aber für unsere gute finanzielle Lage spricht außerdem die Zunahme der Einlagen bei allen Großbanken und bei den Sparkassen um Mb Millionen Mark.(Hört! hört!). Die französischen Sparkassen haben dagegen eine Abnahme der Einlagen um lüg Millionen Francs zu verzeichnen.(Hört! hört!) Der Grund ist. daß unsere Volkswirtschaft sich in geravezu- wunderbarer WcisedcmKriege angepaßt hat und daß die großen Aus- gaben des Reiches ausschließlich dem inneren Markte zugute kommen. Es liegt hier ein wohltätiger und gesunder Kreislaus vor. Richtig ist, daß der Stand unseres ausländischen Wechselkurses schlecht war und viele Neutrale kopfscheu machte. Hier muß für die richtige Aufklärung gesorgt werden: Die EntWickelung des aus- ländischcn Wechselkurses steht nämlich in gar keinem Zusammen- hang mit der inneren Stärke unserer finanziellen Kraft, sondern beruht lediglich auf gewissen technischen Momenten unseres aus- ländischen Verkehrs. Jedenfalls ist es uns bisher gelungen, den gewaltigen finan zielleu Anforderungen des Krieges viel besser zu genügen als die mächtigsten unserer Feinde. Wir verdanken diesen Erfolg in der Hauptsache dem allergrößten Phänomen, das uns der Krieg gezeigt hat, der Anpassungssäbigkeit der deutschen Volkswirtschaft an die gänzlich veränderten Verhältnisse. Wir hatten vor dem Kriege einen Außenhandel von über 20 Milliarden und müssen jetzt ohne diesen Handel auskommen. Vor allem der gefährlichste unserer Feinde, England, hatte seine Hofs- nung aus diese Unterbindung unseres Außenhandels gesetzt. Aber die Engländer hatten übersehen, daß Deutschlands Kräfte aus- reichen, um dein deutschen Volkskörpcr Nahrung zuzuführen, und daß das deutsche Volk Opfermut genug besitzt, um kleine Ein- schränkungen willig zu tragen. Wir sind unigeben von einer Welt von Feinden. Solange uns aber unser eigener Boden bleibt, s o- l a n g e w i r d e S k e i n e r H u n g e r- u n d E r d r o s s e l u n g s- Politik gelingen, uns' die Lebensmittel abzu- s ch n e i d e n.(Beifall.) So ist es uns z. B. gelungen, Stickstoff dünger, den wir bisher aus dem Ausland beziehen mußten, binnen wciiigcr Monate durch unsere einheimische Industrie herzustellen. iBeisall.) Das soll uns erst einmal ein Volk nachmachen. Unsere Feinde haben uns den Hunger- und Vernichtungskrieg angesagt. Wir wollen uns des Ernstes der dem deutschen Volke auserlegten Prüfung stets bewußt sein und jeder muß sich als Mitkämpfer fühlen.(Beifall.) Zeigen wir uns unseren braven Soldaten draußen ebenbürtig an Mut und Selbstverleugnung, an Zähigkeit und Disziplin; fühlen wir uns mit ihnen als ein Volk, dann kann der Lohn nicht ausbleiben. Tann werden wir durchhalten bis zum vollen Siege, bis zum ehrenvollen Frieden und bis zu dem Siegespreis, der dieser ungeheueren Opfer wort ist. Daun wird das deutsche Volk vor dem Weltgericht stehen und die Zukunft wird uns gehören.(Stürmischer Beifall.) Abg. Haase(Soz.): Der Gedanke, von dem die sozialdemokratische Fraktion bei dem Kriegsausbruch geleitet wurde, geht dahin, daß es unsere Pflicht ist, alles zu tun, um das eigene Land zu verteidigen.(Beifall.) Dieses Bestreben wird nicht durch- kreuzt, sondern g e f e st i g t durch öffentliche Kritik, wo sie geboten ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die so- zialdemokratische Fraktion hat niemals daran gedacht, für ihre Abstimmungen am 4. August und 2. Dezember irgendeine Gegen- gäbe zu fordern. Für sie ist die Volksvertretung kein Handels- geschäft.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir können es aber nicht billigen, daß die Regierung einem Reichstage, der im achten Monat eines die Welt erschütternden Krieges zusammentritt, im wesentlichen nur den Etat vorlegt.(Sehr richtig! bei den So- zialdemokraten.) Alles übersteigende Opfer hat das Volk bisher gebracht und werden täglich gebracht von unseren Brüdern im Felde, die stündlich dem Tode ins Auge sehen. Mit fast übermenschlicher Kraft tun sie ihre harte Pflicht(Zustimmung), alle ohne Unterschied in gleicher Weise. Da darf sich die Regirrnng nicht länger der Auf- gäbe entziehen, dafür zu sorgen, daß den gleichen Pflichten auch die gleichen Staatsbürgcrrcchte cutsprechen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Un- erträglich ist es, daß noch immer nicht alle Staatsbürger ohne Unterschied der Klasse, der Partei, der Konfession, der Ratio- nalität volle Gleichberechtigung haben. Die Organisa- tionen der Arbeiter haben aus ihren Mitglieder» über 20 Armeekorps gestellt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Kriege und daheim haben sie, wie die Regierung selbst anerkannt hat. Großes geleistet. Und da soll eine Reichstagstagung vorübergehen, ohne daß die gegen diese Arbeiter gerichteten ausnahmcgrsetzlichcn Bestimmungen des koalitionsrcchts beseitigt werden?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen die Gleichberechtigung auf allen Gebieten, und zwar nicht als Lohn für die gewaltigen Opfer, sondern als Erfüllung eines längst unab- weisbar gewordenen Anspruchs.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Unausgesetzt wird hervorgehoben, wir müßten dafür sorgen, daß die Stimmung unserer Brüder im Felde, die im Er- tragen von Entbehrungen und Leiden Bewunderungswertes leisten, nicht herabgedrückt wird. Wer das aber will, der hat in erster Linie dafür zu sorgen, daß unsere Brüder, wenn sie heimkommen, auch nicht einen Tag in Reich, Staat und Gemeinde Bürger minderen Rechtes sind. Nichts kann die Masse unseres Volkes schwerer verletzen, als das Bewußtsein, daß die, die infolge des Krieges in ihrer Erwerbsfähigkeit be- schränkt worden sind, wegen verringerten Einkommens zu Staatsbürgern niederen Grades gestempelt werden. �Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für Klassenwahlrcchte darf in Deutschland kein Platz mehr sein. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Regierung mit tatkräftiger Jniativc dahin strebt, so wird sie, g e st ü tz t durch die große Mehrheit des Volkes, alle Hinder- nisse überwinden, die ihr dabei im Wege stehen. Und je rascher und entschiedener sie vorgeht, um so rascher wird sie ans Ziel gelangen. Einiges könnte sofort ohne parlamentarische Erörte- rungen erreicht werden, wenn der Bundesrat nur den vom Reichstag längst mit Mehrheit gefaßten Beschlüssen zum Rcichsvereinsgesctz beitreten wollte. Wir sehen aber mit steigendem Unmut, wie selbst errungene Freiheiten auf dem Gebiete des Reichsvereinsgesetzes eingeschränkt und vernichtet werden. Wir werden Anträge nach dieser Richtung stellen. Verkält sich die Regierung abwartend oder ausweichend, so werden die aus dem Felde heimkehrenden Brüder mit den Da- hcimgebliebenen st ü r m i s ch ihr Recht fordern. Wir dürfen uns darüber keiner Täuschung hingeben, daß der Kampf um die Volksrcchtc und um die Demokratisierung der Einrichtungen unseres Staatswesens nachdrücklicher denn je geführt werden wird, wenn das Blut und die Gesundheit von Hunderttausenden für den Schutz des Vaterlandes hingegeben worden sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der herrschende Zustand kann sich nicht auf die Verfassung berufen, denn nach der Verfassung darf der Kriegszustand nur solange und insoweit erklärt werden, als die öffentliche Sicherheit in dem Bundesgebiet bedroht ist. Es dürfte aber kaum einen Menschen geben, der die Behauptung wagen wird, daß im Deutschen Reich die öffentliche Sicherheit ge- fährdet sei. Vergeblich haben wir auf die bei Aus- bruch des Krieges angekündigte Aufhebung des Belagerungszustandes gewartet, die Beschrän- Zungen haben vielmehr noch zugenommen und im Volke eine Erbitterung erzeugt, von der die herrschenden Kreise auch nicht einmal eine Vor- stellung zu haben scheinen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) In verschiedenen Bezirken werden Versammlungen nur g e st a t t e t, wenn das Manuskript des Redners Gnade vor der Zensur findet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und wie wird die Zensur gehandhabt! Wir haben Zensoren, die sich nie mit Politik beschäftigt, kein Verständnis für sie haben, von denen aber das Schicksal politischer Versammlungen und von Zeitungen ab hängt. Es spottet in der Tat jeder Beschreibung. aus welchen Gründen Zeitungen unterdrückt werden.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aus der Fülle der Beispiele, auf die wir in der Budgetkommission zurückkommen wer- den, sei nur eines aus jüngster Zeit hervorgehoben. In der „KönigsbergcrVolkszeitung" vom 22. Februar 1915 wird der Sieg in Masuren in den lebhaftesten Farben beschrieben; es wird die geniale Strategie Hindenburgs gefeiert und daneben hervorgehoben, daß zu dem militärischen Erfolge auch die B c schaffcnheit der Truppen beigetragen hat, auf die das Koalitions recht nicht ohne Einfluß war. Es wiro gesagt:„Nicht nur siegte Hindenburg über Nicolai Nicolajewitsch, sondern auch das allgemeine Stimmrecht und das Koalitionsrecht triumphierten über den Absolutismus." ES hätte mich nicht ge- wundert, wenn der Verfasser ein Anerkennungsschreiben bekommen hätte. Statt dessen wurde das Blatt auf drei Wochen verboten. (Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Da muß einem in der Tat der Gedanke kommen, daß man den russischen Absolutis mus nicht mehr angreifen und im Gegensatz zu ihm die gesetzlichen Einrichtungen unseres Reiches, das all- gemeine Stimmrecht und das Koalitionsrccht und dessen Wirkungen nicht mehr loben darf!(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich erkenne an, daß die Z c n t r a I i n st a n z des Reiches in diesem Fall wie in anderen Fällen vermittelnd einge gehoben. Aber der Schaden ist damit nicht gut ge- macht. Die freie Meinungsäußerung hat einen Schlag erhalten? Den Zensoren scheint zum Teil auch das Bewußtsein zu fehlen, daß das Verbot einer Zeitung meist unwiederbringlichen materiellen Schaden bedeutet und eine Reihe von Personen erwerbslos macht. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In letzter Zeit hat die Zensur die Wiedergabe der Rede des?lbg. Wurm i m Berliner Rathausc über die Kartoffelfrage ver- boten und in Breslau hat die Prävcntivzensur es sogar gewagt, die Wiedergabe einer ParlamcntSrcdc zu hindern. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Eingriff in die Rechte des Parlaments wird sich, davon bin ich überzeugt, keine Volksvertretung gefallen lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So wie der Burgfrieden proklamiert ist, sollen nur politische Kämpfe gegen andere Parteien und Konfessionen in gehässiger, per- sönlich verletzender Form vermieden werden. Das darf aber nicht zurVerleugnungderGrundsätze führen.(Zustimmung.) Es wäre geradezu ein Unglück für das Volk, wenn der Burgfrieden ein Kirchhoffrieden wäre.(Sehr wahr!) Als der„Vorwärts" ver- boten war, hat der Zensor ausdrücklich zugestanden, daß auch im Zeichen des Burgfrieden jedes Blatt alle Geschehnisse im ösfent- lichen Leben und in der Welt im Lichte seiner Anschauungen er- örtern kann. Nur unter diesem Vorbehalt hat der„Vor- wärts" erklärt, daß er das Thema: Klassengegensatz und Klassen- kämpf nicht berühren werde. Damit hat der„Vorwärts" nur ge- 'agt, daß er einen gehässigen Kampf nicht führen werde, was er übrigens schon vor dem Verbot nicht getan hat. Wird nun den Zeitungen dieser Spielraum auch wirklich gewähr:? Keiner wird das behaupten können.(Lebhafte Zu- rimmung bei den Sozialdemokraten.) Woche für Woche ereignen ich Maßregelungen, gestern noch wurden in Berlin Frauenver- 'ommlungen verboten— ein Verfahren, das die gleiche Kritik her- ausfordert, wie ich sie vorhin übte. Der Reichskanzler will, daß das deutsche Volk ein freies Volk werde. Der geschilderte Zustand ist aber eines freien mündigen Volkes unwürdig und bedarf dringend der Beseiti- g u n g. Einem freien Volk gebührt die freie Rede.(Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ganz besonders erforder- lich ist dies, sobald der Krieg seinem Abschluß entgegensieht. Das deutsche Volk darf sich nicht ausschalten lassen, wenn die Schicksals- fragen seiner Zukunft entschieden werden. Es hat dabei mitzureden und an der Vorbereitung mitzuwirken.(Lebhafte Zustimmung.) In allen Ländern läßt das Grausen des Krieges den Wunsch st ä r k e r werden, dem schrecklichen Gemetzel der Völker ein Ende zu bereiten. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdeinokraten.) Dies auszu- brechen ist kein Zeichen der Schwäche und kann am wenigsten bei uns so gedeutet werden, denn unsere militärischen Erfolge sind un- bestreitbar, unser Wirtschaftsleben hat sich, durch den Krieg ange- regt, in überraschender Weise entwickelt, unsere Finanzen haben ich gefestigt. Gerade der Starke darf zuerst Frieden verlangen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Meine Partei als Vertreterin des internationalen Sozialismus ist stets die Partei des Friedens gewesen und sie weiß, daß die Soziali st cn der anderen Länder ebenso denken. Unser Wunsch ist ein dauerhafter Frieden, der nicht die Keime neuer Verwickelungen und neuer Zwie- tracht enthält. Es soll erreicht werden, daß kein Volk ein anderes vergewaltigt, daß vielmehr alle Völker ihre friedliche Aufgabe in dem Austausch ihrer Kulturgüter erblicken. Der Wahn, als ob das deutsche Volk vernichtet werden könnte, ist zerstört.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unser Volk ist so wenig zu vernichten wie ein anderes, das mit aller Kraft feine Sclbstän- digkeit und Unabhängigkeit verteidigt.(Erneute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bis das blutige Ringen zum Abschluß gelangt, haben wir im Innern die große Aufgabe, auf jeden Fall die Ernährung unseres Volkes sicher zu stellen. Unser Volk kann durch Hunger nicht auf die Knie gezwungen werden, das ist unsere volle Ueberzcuguug. (Sehr wahr!) Es mutz nur ohne Rücksicht auf Sonderinteressen die Ernährung reguliert werden. Vieles ist versäumt worden, diesen Vorwurf können wir der Regierung nicht er- sparen. Meine Fraktion hat schon Mitte August und seitdem fort- dauernd die Regierung auf die für diesen Zweck erforderlichen M a tz n a h m e n hingewiesen. Rechtzeitige Beschlagnahme des Getreides hätte die Ernährung des Volkes schon früher gesichert, nicht erst zu einer Zeit, wo die Brotpreise weit über die Not- st an dspreise von 1891 g e st i e g e n sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die rechtzeitige Abschlachtung und Kon- servierung großer Mengen von Schweinen hätte erhebliche Ouanti- täten Kartoffeln für die Volksernährung gesichert. Der unselige Gedanke, durch Erhöhung der Kartoffclprcise auf sparsamen Haushalt hinzuwirken, verdient die schärfste Zurückweisung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Aufgabe der Regierung ist vielmehr, die Kartoffeln zu sichern und* zu mäßigen Preisen an die Verbraucher abzugeben. Jetzt darf kein Interesse dem der konsumierenden Bevölkerung vorangehen. Werin wucherischer Absicht Nahrungsmittel zurückhält, ist rücksichts- los zu bekämpfen und der allgemeinen Verach- tung preiszugeben.(Stürmische Zustimmung bei den So- zialdemokraten.) In einer Zeit, da die Kräfte des Volkes auf den Schlachtfeldern verbluten, ist es mehr als je unsere Pflicht, zu verhüten, daß die zurückgebliebene Bevölkerung durch Unterernährung verkümmert, mehr denn je unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß ein gesundes und starkes Geschlecht heranwächst.(Sehr wahr!) Für diese Maßregeln ist es außer der Wochenbeihilfe usw. vor allem notwendig, zu erschwinglichen Preisen dem gesamten Volke, ins- besondere seinem armen Teile, Nahrung zu schaffen. Die Sieige- rung der Preise, die auf keinen Fall ganz zu vermeiden ist, macht eine Erhöhung der Unterstützungsgelder zur gebieterischen Pflicht, ebenso wird das Gesetz über die Versorgung kricgSvcrletzter Militär- Personen und der Hinterbliebenen abgeändert werden müssen. Alles weitere werden wir in der Budgetkommission besprechen, erforderlichenfalls in der zweiten Lesung des Etats. Die enormen Ausgaben, die dem Reich erwachsen, fordern ergiebige Einnahme- yuellen. Es ist n i ch t u n b i I l i g, daß diejenigen, dieindiescr Zeit der Not ihr Vermögen vermehren, eine» großen Teil dieses Zuwachses an daS Reich abgebe». (Zustimmung links.) Der Schatzsekretär wird gewiß gern das für diesen Zweck sehr geeignete Besitzsteuergesetz einer näheren Prüfung unterziehen. Verbitternd müßte es wirken, wenn Spekulanten und Lieferanten, die aus der Not des Volkes Gold g c- münzt haben, ungeschoren davon kommen sollten. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Noch nie hat der Reichstag in so schwerer Zeit seine ordentliche Tagung gehabt wie jetzt. Er hat große Aufgaben vor sich. Wir werden uns darum bemühen, daß eine wirksame und erfolgreiche Arbeit geleistet wird, damit die Ausgaben einer gedeihlichen Lösung ent- gegengehen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Im Namen der bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Polen habe ich mich gegen einige Bemerkungen des Vor- redners zu wenden, vor allem gegen seine Bemerkungen über den Frieden, die im Ausland zu Mißverständnissen fübren könnten. (Zurufe bei den«ozialdemokratcn: Solche Mißverständnisse sind gar nicht � möglich!) W i r führen den Krieg nicht un: des Krieges willen, sondern uni des Friedens willen, aber das niutz ein Friede sein, der mehr a l s b i s h e r d e r deutschen Arbeit u n d d e m deutschen Unternehmungsgeist die gedeihliche E n t w i ck e- l u n g sichert und der dem Vaterlande einen dauernden Schutz und die Gewähr seiner Größe bietet.(Lebhafter Beifall.) Die Er- reichung dieses Zieles erfordert weitere siegreiche Kämpfe, die mit aller Kraft bis zum Ende auszufechten das deutsche Volk fest eni- schlössen ist.(Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Scyda(Pole): Soweit wir den folgenden Etat übersehen können, enthält er keine Positionen, gegen welche wir prinzipielle Bedenken zu er- heben hätten. Wir fühlen indes das Bedürfnis, auch im gegen- wärtigen Augenblick unser früheres Verlangen zu wiederholen, daß sämtliche Ausnahmegesetze in: Reiche und in den Bundesstaaten schon während des Krieges aufgehoben iberden.(Sehr richtig! bei den Polen und bei den Sozialdemokraten.) Wir behalten uns vor, im Laufe der weiteren Beratungen darzulegen, daß dies Verlangen nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem eigensten Interesse des Reiches entspricht.(Beifall bei den Polen.) Staatssekretär Tr. Delbrück: Der Abg. Dr. Scyda wünscht die Aufhebung von Ausnahme- gesetzen, die sich gegen deutsche Staatsbürger polnischer Zunge richten. Mir ist kein Reichsgesetz bekannt, das die Rechte dieser Bevölkerung beeinträchtigt, es sei denn der Ss 13 des Reichsvereinsgesetzes. Ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß der Reichskanzler und die Verbündeten Regierungen zweifei- t �..... wir haben auch wiederholt die Meinung ausgesprochen, daß eine solche Prüfung nicht angängig ist während deS Krieges. (Sehr richtig! rechts.) Das ist nicht angängig, weil wir Dis- kussionen über Differenzen ausschalten wollen, die nicht im Interesse des Vaterlandes liegen würden, solange unsere Heere an den Grenzen kämpfen. An diesem Grundsatz müssen die Verbündeten Regierungen festhalten. Damit komme ich zu den Ausführun- gen des Abg. Haase, die ich bedauere(Lebhafte Zu- stimmung rechts) und die nach meiner Auffassung nicht geeignet sind, den Burgfrieden zu fördern, den zu halten niemand mehr bestrebt gewesen ist als die Regierung.(Na! Na! bei den Sozial- demokraten.) Diese Ausführungen sind auch geeignet, im Lande und jenseits unserer Grenzen Auffassungen über das Verhalten und die Gesinnung der Regierung zu verbreiten, die in den Tat- (achen nicht begründet sind. Auch der Abg. Haase hat allgemein die Aufhebung der Ausnahmegesetze gegen bestimmte Voliskreise verlangt, speziell in bezug auf das K o a l i t i o n s r e ch t. Es ist mir nichts bekannt, daß das Koalitionsrccht durch Ausnahme» gesetze beschränkt wird.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir haben viele Gesetze, die die Freiheit des einzelnen beschränken. Jede Verfassung beruht auf der Beschränkung der persönlichen Frei- heit des einzelnen im Interesse des Ganzen, aber wir haben kein Gesetz zur Beschränkung der Freiheit eines bestimmten Volksteils. Insofern sind die Ausführungen des Abg. Haase unberechtigt und ich weise sie mit aller Entschieden- heit zurück(Lebhafter Beifall rechts), um auch nach außen hin den Eindruck zu verwischen, als wenn im Deutschen Reiche derartig« Ausnahmegesetze beständen. Wohl gibt es in der VerwaltungS- Praxis Verschiedenartigkeiten in der Meinung darüber, wie ein Ge- setz zu handhaben sei, ich möchte aber ausdrücklich feststellen, daß nicht nur die Reichsleitung, sondern auch die Regierungen der Ein- zelstaaten während des großen Krieges bemüht gewesen sind, durch die Handhabung der Gesetze zu beweisen, daß ihnen alle Parteien gleich nahestehen und daß sie sich voll bewußt sind der Verpflichtungen gegenüber einem Volke, das mit solcher Einhelligkeit und Größe an den Grenzen für die Sicherheit des Vaterlandes kämpft.(Beifall.) Daran werden wir festhalten. Ter Abg. Haase sagte, die verfassungsmäßige Freiheit werde beschränkt. Das ist nicht der Fall. Die Beschränkung der Freiheit des ein zelnen, der Presse und der Vereine in gewissen Grenzen während des Kriegszustandes ist ein vorübergehender und verfassungsmäßig vorgesehener Zustand. Man kann bei einem Krieg gegen vier Fronten das Vereinsrecht und die Freiheit der Presse nicht in dem vollen Umfange wie im tiefsten Frieden aufrecht erhalten. Wir müssen verhindern, daß Auslassungen, die das Vaterland schädigen können, über die Grenzen hinausgehen und dort in der Ihnen genugsam bekannten Weise von unseren Feinden entstellt und ge- mißbraucht werden, um die neutralen Völker gegen uns aufzuhetzen. Unter diesem Gesichtspunkt wird der Belagerungszustand aus wohl- erwogenen Gründen aufrechterhalten. Damit hört die Verantwor- tung des Reichskanzlers auf. Er ist dafür verantwortlich, daß der Belagerungszustand nicht länger aufrechterhalten wird, als die VoD aussetzungen dafür gegeben sind. Was aber die Militärbehörden in deren Hand die vollziehende Gewalt während des Belagerungs zustandes gelegt ist, während des Belagerungszustandes tun, e n t zieht sich verfassungsmäßig dem Einfluß des Reichskanzlers und der Kritik dieses Hauses. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Haase hat selbst darauf hingewiesen, daß bei Differenzen die Reichsleitung mit Er- folg vermittelt hat. Das beweist, daß der Reichsleitung nichts ferner liegt, als die Freiheiten des Volkes über das notwendige Maß zu beschränken und daß auch die militärischen Instanzen von demselben Bestreben geleitet sind. Nichts ist unrichtiger, als wenn rnan im Ausland die Auffassung aufkommen läßt, daß bei uns ein Schreckensregiment herrscht. Die Meinungsfreiheit der Presse in den Fragen der Lebensmittelversorgung ist nicht beschränkt worden. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) In der Besprechung der Maßnahmen meines Ressorts hat volle Meinungsfreiheit geherrscht. Die Beschränkungen der Presse sind ganz gleichmäßig für die Or- gcnie aller Parteien gehandhabt worden. Auch hier kann also i n keiner SB im sc von Ausnahmegesetzen gesprochen werden.(Sehr richtig!) In der Kommission wird Gelegenheit sein, einzelne Wünsche näher zu erörtern. Eine Reihe von Wünschen des Abg. Haase halte ich für absolut diskutabel, sie sind auch Gegenstand der Er- örtevung und Erwägung bereits in den Kreisen der Regierung und auch anderer Fraktionen, wie ich weiß, gewesen. Als ich von dem Verhalten der Regierung während der Dauer des Krieges sprach, wurde mir aus den Reihen der Freunde des Abg. Haase zugerufen:„Und was soll nachher werden?" Ich habe schon dem Abg. Seyda gegenüber erklärt: Die Verbündeten Regierungen sind von der Nottvendigkeit und Verpflichtung überzeugt, nach Beendi- gung des Krieges zu prüfen, inwietchnt zu einer Neuorientierung unserer inneren Politik Veranlagung vorliegt. Es ist im preu- ßischen Abgeordnetenhause gestern betont worden, daß man diese Erklärung der Regierung ernst nehmen müsse, daß ihr die Ver- pflichtung obliegt, die in dieser Beziehung gegebenen Versprechun- gen auch nach dem Kriege einzulösen. Wenn die anderen Par- teien zu einer solchen Haltung der Regierung Vertrauen haben, so kann die Regierung in dieser ernsten Zeit auch verlangen, daß von Ihrer Seite(zu den Sozialdemokraten) ihr das gleiche Ver- trauen entgegengebracht wird, denn nur wenn dies Vertrauen be- steht, sind wir in der Lage, den Krieg so zu Ende zu führen, wie wir das wollen, das heißt zu einem Siege, der uns vor ähnlichen llebersällen sichert, der uns die Möglichkeit gibt, die Früchte unseres Fleißes und unserer Betriebsamkeit in Zukunft zu ernten, ohne daß man sie unS in der Weise streitig macht, wie das jetzt ae- schieht.(Bravo!) �Damit schließt die erste Lesung des Etats; er wird der ver- stärkten Budgetkommission überwiesen. Die nächste Sitzung beraumt Präsident Dr. Kaempf m: auf eine halbe Stunde später, ö Uhr nachmittags, mit der Tages- ordrntng: Stickstoffmonopol. Schluß: 5 Uhr. j(S. Sitzung. Nachmittags 6 Uhr.) Am Bundesraistisch: Dr. Delbrück. Das S t i ck st o f f in o n o p o l wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiese!'.. Das Kontrollgesetz und ein Gesetz über die Heraus- gäbe von Il>-Mark-Sch einen gehen an die Budgetkom- Mission. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Dr. Kaeuipf beraumt die nächste Sitzung an aus Donnerstag, den 18. März, nachmittags 2 Uhr, und erhält die Ermächtigung, die Tagesordnung je nach dem Verlauf der Kom mi, iwussitzungen festzusetzen. Schluß: 6)4 Uhr. PMische Uebersicht. Demokratie und Militarismus. � Professor Dr. E. Sicher veröffentlicht im„Berliner Tageblatt" den Brief einer„der politisch einflußreichen sozialen Oberschicht in Amerika" angehörenden deutschsreund lichen Dame, die unter anderem schreibt: «Was hier not tut, ist ein gutes, kurzes Buch..., das ein d e m o t r a t i s ch e s Deutschland schildert, was sich ja auf der Basis unserer sozialen Gesetzgebung tun ließe. Der Mili- tarismus ließe sich ja doch auch als demokratische Institution vortragen, die zur Landessicherheit not- wendig ist. Kurz, es müßte ein Buch sein, das die Amerikaner in ang-'nchmer, großzügiger Weite über Deutschland belehrt, ohne aggressiv zu sein. Dadurch würde der Schaden, den die Bernhardischen Schriften, die hier von der englischen Regierung in Hunderltausenden von Exemplaren in Reflame- eindänden verbreitet und von den Zeitungsjungen verkauft werden, einiaermaßen wieder guigemacht." Prof.>sieper hält diesen Vorschlag für sehr bcachtens- wert. Auch er hält es für notwendig, der„schädlichen Wirkung der Bernhardischen Schriften" entgegenzutreten und glaubt, daß dies dadurch geschehen könne, indem den Amerikanern „ein klares Bild von der Gesetzgebung, zum Beispiel auf sozialeni Gebiet, und auch der militärischen Verfassung der Deutschen" gegeben werde. Die Redaktion des„Verl. Tage- blaits" schickt diesen Erörterungen die Bemerkung voraus, daß„unseres Erachtens eine Gestaltung der inner- politischen V e r h ä l t n i ss c Deutschlands in frei- heitlicbeni und fortschrittliche in Sinne das beste „Propagandaniittel" sein und besser als alle Aufklärungs- schriftcn wirken wird". Das ist auch unsere Meinung. „Burgfrieden" in Permanenz. Am 28. Februar fand unter Voisitz Prof. Dr. Kahls iin Reicbslagsgcbäude eine Zusammenlunft von eliva 70 Personen stalt, die die Gründung einer„Freien Vaterländischen Ver- einig un g" beschloß. Der jetzt zur Versendung gelanglen Er- klärung dieser neuen Vereinigung entnehmen wir folgendes: „Wir wissen nicht, wann der Krieg beendet sein wird. Aber daS Ende des Krieges, wann auch immer es eintreten mag. darf nicht auch das Ende der aus ihm erwachsenen inneren Einheit unseres Volkes bedeuten. Der Friede wird vieles wieder ausbauen müssen. waS der Kiieg zer- stört Hai; er darf nicht zerstören, was der Krieg geschaffeu. Um das zu verhüten; um uns die große innere Errungenschaft dieses Krieges zu erhalten; um uns dagegen zu sichern, daß die Sonderinteressen der einzelnen, der politischen Par- teien, der religiösen Richtungen, der Berufe, Stände und Klassen das Gemeinschaftsgefühl ungebührlich zurückdrängen und die gemeinschastliche Arbeit erschweren, haben wir uns— in der Erwartung des Anschlusses gteichgesinnter Männer aus dem ganzen deutschen Vaterlande— zu einer Freien Vaterländischen Vereinigung zusammengetan. Von den Zielen der„Freien Vaterländischen Vereinigung" heben wir folgende hervor: 1. Dem Deutschen darf niemand in der Welt näher st e h e n als sein R e i ch s g e n v s s e. Wer sich dazu bekennt, hat auf die rückhaltlose Anerkennung seiner nationalen Gesinnung Anspruch. Von diesem Gesichtspunkte aus ist das geltende Recht einer Durchsicht zu unterziehen. 2. Unbeschadet der durch Nalur und Kultur gegebenen Ge- meinschaftsailfgaben der Völker und Staaten ist die G e schlossenheit des deutschen Volkstums stärker zu betonen und durchzuführen, die 11 e b e r s ch ä tz u n g ausländischer Art abzustellen, Betätigung deutschen Wesens in allen seine Erscheinungsformen zu pflegen. 3. Alle Aemter sind nicht nur verfassungsrechtlich sondern auch tatsächlich den für sie geistig und sittlich Befähigten zugänglich zu machen. An den Gaben der Wissen- schast und Kunst ist allen Kreisen eine gesteigerte Teilnahme zu ermöglichen. 6. Das Verhältnis zwischen der Regierung und Volks- Vertretung in der inneren wie der äußeren Politik ist mehr als bisher auf Offenheit und Vertrauen zu gründen. und dadurch die Arbeit beider zu heben, zu entlasten und zu vereinfachen. Man darf gespannt sein zu erfahren, wie die neue Vereinigung diese in ihren negativen Wirkungen recht gut bekannten, in ihren positiven Etwarlungen aber sehr schleierhaften Ziele zu verwirklichen gedenkt._ Vergebliche Liebesmüh! Die Ergebnisse der Etatberatung im preußischen Ab geordnetcnhause befriedigen nicht einmal die nationalliberale Partei. Ihr Organ, die„Nationalliberale Kor- respondenz", schreibt ärgerlich über den Mangel an Vev ständnis seitens der Regierung: „Freudige Genugtuung weckte im Gegensatz zu Liebknecht die Rede des Herrn H a e n i s ch zum Kuliusetat mit seinem unbedingten Bekenntnis zur Vater ländi- scheu Sache. Der Kultusminister, der nach Herrn Haenisch sprach, ver st and die Gunst der Stunde nicht. Mit der nichtssagenden Bemerkung, daß er manchen Aeußerungen zu- stimmen könne, manchen wieder nicht, und daß man später wieder die Klingen kreuzen werde, glitt er über das vaterländische Bekenntnis Haenischs hinweg Ein Minister, der, ohne sich etwas zu vergeben, in dieser von allen im Sitzungssaale Anwesenden als denkwürdig empfundenen Stunde es verstanden hätte, über die Parteiunlerschiede und Meimliigsverschiedenheitell hinweg in die dargebotene Hand einzuschlagen, Iväre nicht nur der Volkstümlichkeit sicher gewesen, sondern hätte der großen vaterländischen Sache einen Dien st er w-i e s e n. Aber Ressortbeherrschung ist ja schließlich mehr als beste Volkstümlichkeit. Für Herrn von Trott zu Solz ist eben auch Herr Haenisch nur ein Sozialdemokrat, genau wie Herr Liebknecht nur mit dem Unterschied, daß ihm der letztere geringeres ästhetisches Vergnügen bereitet." Genosse Liebknecht wird sich schon darüber hinwegzusetzen wissen, daß er dent Kultusminister„geringeres ästhetisches Vergnügen" bereitet, als der Genosse Haenisch. Im übrigen verzeichnen wir die Aeußernng des nationalliberalen Organs als Beweis dafür, daß sich sogar die„Realpolitiker" der nationalliberalen Partei der Tatsache nicht zu verschließen vermögen, daß im preußischen Abgeordnetenhaus selbst das wärmste„vaterländische Bekenntnis" keinen Deut au den be> stehenden Verhältnissen ändert. Die Arbeit des Reichstages. Wolffs Telegraphen-Bureau meldet: Der Seniorenkonvent des Reichstages trat vor Be- ginn der Plenarsitzung zu einer Besprechung der Geschäftslage zw saminen und einigte sich dahin, zwei Sitzungen stattfinden zu lassen. In der ersten soll der Reichsschatzsekrelür den Etat einbringen, dann der sozialdemokratische Abgeordnete Haase als Sprecher seiner Fraktion und hieraus der Zentrumsabgeordnete Dr. Spahn als Sprecher der bürgerlichen Parteien das Wort erhalten. In der zweiten Sitzung soll ans die Tagesordnung gesetzt werden: Stickstoffvorlage und sozialdemokratische Anträge, die den Kommissionen zu überweisen sind. Ferner fanden die Wahlen zur verstärkten Budgetkommission<36 Mitglieder) und zur Stickstoff kommission(21 Mitglieder) statt. Das Plenum des Reichstages soll ich bis zum 18. d. Mts. vertagen, die Zwischenzeit soll den Kommissionen zu ihrer Arbeit zur Verfügung stehen. Am 24. d. Mts hofft der Reichstag den Etat verabschieden zu können, um sich als dann bis zum 18. Mai zu vertage». Die Berichterstattung über die verstärkte Budgetkommission wird amtlich sein. frische Kartoffeln ins Brot. DaS Reichsamt des Jiiiiern ersucht die Bundesregierungen. darauf hinzuweisen, daß nach Möglichkeit die frischen, ungetrockneten Kartoffeln ins Brot verbacken werden möchten, die Kartoffeliabrikaie aber zu iparen. Es soll damit erreicht werden, die im Frühjahr durch Fäulnis lebhasler einsetzenden Verluste an Kartoffeln herab- zumindern._ S tiffstoff- Handelsinon op ol. Dem Reichstag ist ein„Ermächtigungsgesetz zur Einführung eines Stickswff-Handelsmonopols" zugegangen. Das Gesetz hat 'olgenden Wortlaut: Der Burckesrat wird ermächtigt, für die Zeit bis zum 31. März 1922 für die a) anorganischen stickstoffhaltigen Mine- ralien, d) aus Naturerzeugnissen sowie aus Stickstoffprimär her- stellbaren künstlichen Stickstoffverbindungen, c) aus den unter a) und b) genannten oder anderen Stoffen erzeugten stickstoff- haltigen Düngemittel ein Handelsmonopol einzuführen und die hierfür erforderlichen Düngemittel zu erlassen. lieber den 31. März 1922 hinaus darf das Handelsmonopol nur auf der Grundlage eines besonderen Reichsgesetzes erstreckt werden. Die dem Ermächtigungsgesetz beigefügte Begründung lautet:„Die deutsche Landwirtschast und Industrie, insbesondere die Sprengstoffindustrie/ waren bisher für ihren Bedarf an stick- toffhaltigen Verbindungen in hohem Maße von der Zufuhr aus dem Ausland abhängig. Zwar wurden sehr große Mengen dieser Stoffe im Inland als Nebenerzeugnisse der Kokereien, Gas- anstalten usw. bei der Verarbeitung von Kohle, Tors und dergl. gewonnen, doch genügten die so erzeugten Mengen nicht, um den leigeiiden Bedarf der Landwirtschaft und Industrie zu decken. Dank den Forschungen deutscher Gelehrter ist es gelungen, Verfahren auszuarbeiten, die die Gewinnung stickstoffhaltiger Verbindungen aus dem unerschöpflichen Vorrat der Luft ermöglichen. Nach dem infolge des Krieges durch das Aufhören der Einfuhr von Ehile- salpeter und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln eingetretenen Mangel an Stickstoffverbindungen haben große Mühen und finan- zielle Opfer seitens des Reiches und Preußens es während deS Krieges zustande gebracht, für den Ausfall Ersatz zu schaffen und eine Stickstoffindustrie ins Leben zu rufen, die in Zukunft die Be- dürfnisse der Landwirtschaft und Industrie decken kann. Zur Er- Haltung dieser in Kriegszeiten geschaffenen, für die Sicherung der Ernteergebnisse der Landwirtschaft und des Rohstoffbedarfs der Sprengstoffherstellung überaus wichtigen Stickstoffindustrie auch nach dem Kriege muß deren Rentabilität sichergestellt werden. DaS läßt sich erreichen, ohne daß der Landwirtschast die ihr unbedingt nötigen Stickstossdüngemittel gegenüber den bisher von ihr ge- zahlten Preisen irgendwie verteuert werden. Die Berechnung der Produktionskosten der neuen Anlagen ergibt vielmehr, daß die Landwirtschast auf die Dauer zu geringeren als den bisherigen Preisen mit Stickstoff versorgt werden kann. Eine Sicherung der Rentabilität der neuen Anlagen und damit die dauernde Erhaltung der angedeuteten Vorteile kann nur dadurch gewährleistet werden, daß die Möglichkeit der sofortigen Einführung eines Stickstoff- Handelsmonopols geschaffen wird. Bei der Notwendigkeit eines schleunigen Vorgehens bietet sich dazu jetzt nur der eine Weg, daß dem Bundesrate durch ein Gesetz die Ermächtigung erteilt wird, ein Handelsmonopol einzuführen. Die vom Bundesrate zu erlassenden Vorschriften werden nur als ein Notgesetz anzusehen sein. Ueber ein endgültiges Gesetz werden zu gegebener Zeit die beiden gesetzgebenden Körperschaften des Reiches zu beschließen haben. Unter den anorganischen, stickstoffhaltigen Mineralien(a) sind verstanden der Kalisalpeter und der Chilesalpeter. Zu den aus Naturerzeugnissen sowie aus Stickstoff primär herstellbaren künst- lichen Stickstosfverbindungen(d) gehören hauptsächlich folgende Stoffe: Salpetersäure, salpetrige Säure, Ammoniakgas, Kalkstick- stoff. Die Vorschrift unter c) umfaßt hauptsächlich künstlich her- gestellte salpetersaure und salpetrigsaure Salze(Kalisalpeter, Natronsalpeter, Kalksalpeter, Ammoniaks alpeter, Natriumnitrit, schwefelsaures Ammoniak, Harnstoff und Guamdin)." Verteuerung von Gas und Elektrizität. Die Stadt Karlsruhe wird vom 1. Mai d. I. ab(vorerst auf ehr Jahr) auf den G a S p r e i s einen Kriegszuschlag von 2 Pf. für den Kubikmeter und auf den Preis des elektrischen Stromes einen Zuschlag von 19 Pf. für die Kilowattstunde legen.— Für die Aufbringung der notwendigen Mittel wären andere Wege wirk- lich zweckmäßiger._ Minister a. D. von Wehner gestorben. Ter frühere Kultusminister Anton Ritter von W e h n e r, bayerischer Staatsrat im außerordentlichen Dienst, ist Mittwoch nachmittag in München gestorben. Kriegsbekanntmachungen. Musterung der österreichisch-ungarischen Wehr- pstichtigen. Berlin, 10. März.(W. T. B.) Der k. und k. Generalkonsul Szarbasy erläßt folgende Kundmachung an die oft erreicht- scheu und ungarischen Wehrpflichtigen. 1. Die in den Jahren 1891, 1895 und 1896 geborenen öfter- reichischen und ungarischen Staatsangehörigen bezw. bosnisch-herze- gowinischen Landesangehörigen werden in der Zeit zwischen dem 15. und 31. März einer militärärzilichen Untersuchung unterzogen werden. Die Untersuchung findet in den Räumen der Landwehr-Jnspektion, Berlin, Geueral-Pape-Straße, auw in der Zeit zwischen 9 Uhr vormittags und 12 Uhr mittags statt. Zu erscheinen haben: T, deren Familiennamen mit Mnsterungs- a D � dem Buchstaben beginnt tag 1891 A— F 15. März Gr— M 16.. N— 11 17.. S-Z 18., 1895 A— F 19., G— M 20., K— II 22.. S-Z 23., 1896 A-F 24., Ö— M 26.. N-R 27.„ S-Z 29., Am 30. und 31. März zlvischen 9 und 12 Uhr haben im oben- bezeichneleit Musterungslokale zur Musterung zu erscheinen alle die« jenigcii der Jahrgänge 1891, 1895 und 1896, die aus eiileiii ent- schuldbareu Grunde an dem für sie bestimmlen Tage nicht erscheinen tonnten, ferner alle diejenigen der Jahrgänge 1873—1890 und 1892— 1894, die bisher ihrer Landsturnrmusterungspflicht noch nicht entsprochen haben. Ueberdies haben an einem der letzlbezeichneien Tage sich der Landsturmmusterung zu unterziehen alle in den Jahren 1378, 1879, 1880 und 1381 geborenen Landsturmpflichtigen, die nach dem 33. Lebensjahre die österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft, bezw. die bosniich-herzegowinische Landes- angebörigkeil erworben haben und früher in der österreichisch-ungarischen Monarchie nicht wehrpflichiig gewesen sind. 2. Dieier Aufruf gilt für alle diejenigen der vorbenannten Jahrgänge, welche in Groß-Berlin, Provinz Sachsen oder im Herzog- tum Braunschweig ihren ständigen Wohnsitz haben. Eine persönliche Vorladung erfolgt nicht. 3. Die zur Musterung Erscheinenden haben ihre heimatlichen Ausweispapiere(Reisepaß, östeireichliches oder ungarisches Arbeits- buch, Heinialsschein) milzubringen. 4. Die bei der Landslurmmusterung zum Dienst mit der Waffe geeignet be'undcnen Landsturmpflichligen haben am 15. April bei ihrem zusländigen Landwehrergänziiiigs- Bczirkskommando ein- zutreffe». Genaue Weisungen erhatten dieselben gelegentlich der Musterung. 5. Von der Musterung ausgenommen sind: a) die Militärgagisten des Ruhestandes und des Verhältnisses außer Dienst, dann alle, die beim Milüär gedient haben und in einem staarlichen Versorguiigsgeiulsse steheil. d) Personen, welche mit dem Mangel eines FußeS oder einer Hand, Erblindung beider Augen, Taubsillmiuheit, Krelinismus oder gerichtlich erklärtem Irrsinn, Wahnsinn oder Blödsinn behaslet sind, sofern ihre Betreiliiig vom Landsturmdienste nicht ohnedies schon be- reits ausgesprochen wurde, ferner sonstige Geisteskranle und Fall- süchtige, wenn ein diesbezüglicher Nachweis bei der Musterung vor- liegt. Der k. u.�k. Generalkonsul: «zarbasy. Unanbringliche Feldpostseudungen. Feldpostbriefe mit Wareninhalt(Päckchen) nach dem Heer«, die aus irgendeinem Grunde dem Empfänger nicht ausgehändigt werden können, müssen an den Absender zurückgesandt werden, wenn dieser nicht durch einen Vermerk, wie z. B.„Wenn un- be st ellbar, zur Verfügung des Truppenteils" oder„W e n n nnanbringlid;, zur Verfügung der Trupp e", den Wunsch ausgedrückt hat, daß sie in solchem Falle den Kameraden de« Adressaten zugute kommen sollen. Ost genug bedauern es die Absender, für die der Inhalt der Sendung nach der Rückkunft vielfach keinen Wert mehr hat. daß die Liebesgabe, die den zunächst Bedachten nicht erreicht hat. nicht wenigstens seinen Kameraden zuteil geworden ist. Man unterlasse es deshalb nicht, derartige Päckchensendungen mit dem Preisgab evermcrk zu ver- sehen, llebrigens sind auch gedruckte Zettel mit solchen Vermerken im Handel zu haben: ihre Verwendung ist um so bequemer, als sie auf der Rückseite gummiert sind und daher vor dem Gebrauch nur angefeuchtet zu werden brauchen. Tie Geschäfte, die Feldpost- artikel feilhalten, können zur Förderung der guten Sache viel bei- tragen, wenn He den Käufern solche Zettel anbieten oder bei ver- sandfertigcn Waren den Vermerk auf die lluchüllung ausdrucken lassen. flus öer Partei. Bestätigung eines sozialdemokratischen Stadtrats. In einer der letzten Sitzungen der Stadtverordnetenversainrnlung in Luckenwalde wurde der Stadtverordnete Genosse Otto Schulze zum Magistratsmitglied gewählt. Der Gewählte ist nunmehr bestätigt worden. Seine Einführung findet dieser Tage statt.__ Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Die GcschästSleitung der schweizerischen sozialdeuwkratischen Partei verössentlicht in der Parteipresse einen Aufruf an die Proletarier oller Länder zum Protest gegen das Ber- brechen, das der Zarismus an den fünf umamitaliedern mit ihrer Verurteilung begangen, nach Proletarier aller Lände: gegen die fluchbeladene Herrschaft führen m.öge. Die sozialdemokratische Partei des KanwnS Zürich veröffent- licht in einer 40 Seiten starken Broschüre den Jahresbericht für VJU, der in vielen Beziehungen in dieser schweren Zeit noch Be- friedigung bietet. Natürlich enthält der Bericht auch kritische Be- trachtungen über den Krieg und die Stellungnahme der Geiwsseu dazu in mehreren kriegführeichen Ländern. Es wird aber dennoch mit Siegeszuversicht die Zukunft beurteilt, da die oppositionellen Stimmungen, die der Krieg anslöst, größer und stärker sein werden als die entgegengesetzten.„Tie Hoffnung der bürgerlichen Welt in den kriegführenden wie neutralen Ländern, mit dem Kriege auch den Sozialismus zu begraben, wird sich nicht erfüllen, sondern eine schwere Täuschung erfahren.... Keine Verdrossenheit, keine Eni- mutigung darf uns daher erfassen, nein, KampfeSmnt und Pflicht- gefühl mutz uns alle beseelen. Tas große, gewaltige Ideal, das der Sozialismus auf seine Fahne geschrieben, Volkcrfrieden, Frei- heit und Wohlfahrt für alle, die Menschenantlitz tragen, mutz nach wie vor die Parole sein, für die wir kämpfen trotzalledem und alledem." AuS 28 Gemeinden enthält die Broschüre Berichte von Partei- organisationen über die Wirkungen des Krieges und die� getroffenen Notstandsmaßnahmen, wobei unsere Genossen mit Initiative und Arbeitseifer vorangingen und befruchtend mitwirkten.� Auch den parlamentarischen Tätigkeitsbericht der sozialdemokratischen Kan- tonSratSfraktion enthält die Broschüre. Tie in IIS Parteiorganisationen vorhandenen 874l Mitglieder zeigen zwar eine etwas"geringere Zahl wie 1913. indes handelt es sich dabei nur um den Wegfall einiger Organisationen lwie des sozialdemokratischen Schulvereins und einiger anderer Vereine), so daß sich der Stand der Partei gut behauptet hat. Auch die sozialdemokratische Partei des Kantons Basel ver- össent licht ihren Jahresbericht für 1914. Die Parteiorganisation hat sich ebenfalls gut behauptet und zählte Ende!914 mit 2138 Mitgliedern nur um 63 weniger als Ende 1213. welcher Verlust hauptsächlich aus das massenhafte Einrücken der ausländischen Mit- glieder des dortigen deutschen Arbeiierverein- in den Militär- und Kriegsdienst zurückzuführen ist. Die übrigen Basler Parteiorgani- sationen zusammen erfuhren sogar eine geringe Mitgliederzunahme. Zur tatkräftigen Förderung der sozialdemokratischen Jugendbewe- gung durch die Partii wurde zwischen beiden eine zweckdienliche Vereinbarung geirosten. Liegen die Verhältnisse auch in den andern Kantonen so. so hat die schweizerische Sozialdemokratie das kritische Jahr 1914 gut überstanden. Ms Industrie und Handel. Aufklärende Worte über dir KltiegSanleihe! Die»Nordd. Allg Ztg." schreibt: Die Zeichnungsaufsorderung auf die neue Sproz. Deutsche Rcichsanleihe(Zweite Kriegsanleihe) enthalt den Vermerk„uu- kündbar bis 1924". Diese Bedingung ist in manchen Kreisen des Publikums als ein?!achtcil für den Erwerber der neuen Schuldverschreibung ans- gefaßt worden, während sie in Wirklichkeit einen großen Bor- z u g darstellt. Was besagt denn die Bcnimmung„unkündbar bis 1924"? Nichts andere?, als daß das Reich die Anleihe min- destcns bis zum Zabre 1924 im: 3 Prozent verzinsen muß, und saß eS vorher weder den Zinsfuß herabsetzen, noch vorher den An- leihsüetrag zurückzahlen darf. Der Anleihebesitzer bleibt mithin bis zum Jahre 1924 in dem ungestörten Genutz des für ein Wert- Papier von dem Range der Teutschcn Reickisanleibe außerordentlich hohen Zinsfußes von ö Prozent. Will das Reich nach dem Jabre 1924 nicht mehr ö Prozent Zinsen zahlen, so muß eS dem Anleihebesitzer die Wahl lassen zwischen Kapitalrückemvfang und niedrigerem Zinsfuß. Das heißt, wer beute 9814 M. für 199 M. Nennbetrag der neuen Reichsanleihe zahlt, muß, wenn das Reich nach dem Jahre 1924 nicht mehr 6 Prozent geben will, die vollen 100 M. ausgezahlt erhalten. So und nicht anders ist die Bestim- mung„unkündbar bis 1924" aufzufassen. Ganz irrig ist die An- nähme, daß der A n l e i h e b e s i y e r sich vor dem Jahre 1924 das für die Anleihe aufgewandte Geld nicht wieder verschaffen kann. Die Reickisfinanzverwaltung zäblt zwar, wie schon oben gesagt, das Kapital vor den. Jahre 1924 nicht zurück. Es wird aber jederzeit möglich sein, ein Wertpapier von den hohen Eigen- schaften der Deutschen Reichsanleihe durch Vermittelung der Reichs- bau? oder anderer Banken und Bankiers zu veräußern, und nach mensck'licher Voraussicht wird der Anleihcerwerber bei einem Ver- kauf für 100 M. Anleihe nicht nur den aufgewandten Betrag von 98,30 M., sondern wahrscheinlich einen nennenswerten Aufschlag erzielen. Eine Schuldverschreibung des Deutschen Reichs ist jederzeit zu Geld zu machen. Entweder, wie schon gesagt, durch Verkauf, oder, wenn daS Geld nur vorübergehend gebraucht wird, durch Verpfändung der Anleihestücke bei den öffentlichen Tarlehnstassen. Wer durch Inanspruchnahme der Tarlehnskaffen sich Geld zum Erwerb von Kriegsanleihe beschafft, braucht auch nicht zu besorgen, daß nach einigen Monaten oder überhaupt zur Unzeit die Rückzahlung von ihm verlangt wird. Die Tarlehnskassen sind eine öffentliche Einrichtung, die gerade in erste? Reihe den Zweck verfolgt, den Eigentümern von Wertpapieren eine Geld- Beschaffung durch Verpfändung ihrer Papiere zu ermöglichen. Das Publikum darf infolgedessen mit Bestimmtheit auf größtes Entgegenkommen der Tarlehnskassen rechnen.— Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß den zum Zwecke der Einzahlung auf die neue Kriegsanleihe zu entnehmenden Darlehen vis auf weiteres ein Borzugszinssatz— zurzeit 5)1 statt 5>- Prozent— eingeräumt wird. Alles in allem: es gibt zurzeit keine bessere Kapitalanlage als die Deutsche Kriegsanleihe. Und so begreiflich und wünschenswert es auch ist, wenn das Publikum bei der Verwendung seiner Spar- gelber lleberlegung und Vorsicht übt, so darf es doch im vorliegen- den Falle ohne weiteres das Sicherhcitsgcsüh! haben, daß den Interessen des Vaterlandes und den eigenen Interessen nicht besser als durch eine rege Beteiligung an der Zeichung auf die Kriegsanleihe gedient werden kann. Ein dänisches Ausfuhrverbot. Di« dänische Regierung hat die Ausfuhr lebender Schweine verboten. Auch die Ausfuhr lebender Rinder soll demnächst ver- boten werden, um der dänischen Landwirtschast einen genügenden Bestand an Jungvieh zu sichern. Soziales. Bersicherungspflicht einer Haushälterin. Eine Haushälterin ist unter Umständen als Angestellte ver- sicherungspflichtig. Diese bemerkenswerte Entscheidung hat die Reicksversicherungsanstalt für Angestellte neuerdings getroffen. Tie Entscheidung betraf eine Haushälterin, die einem srauenlosen Haus- halt vorsteht, einen Dienstboten zur Verfügung hat und monatlich ein festes Wirtschaftsgeld erhält, obgleich sie in größerem Umfange niedere Arbeiten wie Reinmachen, Staubwischen,«topfen usw. ver- richtet. Der Zeit nach entfiel sogar der größte Teil ihrer Tätigkeit auf körperliche Arbeiten, die auch zu den Aufgaben den Dienstboten gehören. Selbst das zeitweilige Beaufsichtigen� ber Kinder und die Anwesenheit im Zimmer bei Anfertigung der Schularbeiten ist nicht höher zu bewerten. Die Reichsanstalt ist aber der Ansicht, daß diesen Verrichtungen Obliegenheiten und Befugnisse höherer und selbständiger Art gegenüberstanden. Zur Ausführung der gröberen Arbeiten war ihr ein Dienstmädchen unterstellt. Diesem gegenüber batte sie Anordnungs- und Äussichtsbesugnissc. Sie erbielt auch monatlich ein festes Wirtschaftsgeld. Wenn sie auch darüber Rech- nung zu legen hatte, so hatte sie doch innerhalb dieser Grenze ein gewisses freies Verfügung? recht über das Geld und trug eine selb- ständige Verantwortung über dessen Verwendung. Eine derartige Selbständigkeit geht nach der Ansicht der Reichsanstalt über die Be- fugniffe eines gewöhnlichen Dienstboten hinaus. Tis höheren Tätig- leiten würden ausreichen, um die Angest-llte über die Klasse der Handarbeiter hinausziiheben. Beide Tätigkeilen stüiiden einander mindestens gleick. Tie Anordnungs- und Auftichrsbcmgmsie würden eine Stellung verleihen, die über die eines Dienstmädchen? hinausgehoben sei._ Tas Mankogeld vor dem Kaufmaunsgerrcht. Eine krasse Mustration zu dem bei uns leider immer noch herrschenden Filialumvescn lieferte eine Verhandlung, die vor der n. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattfand. Der Beklagte, ein Konfitürenhändler Sawatzki. setzt in seine Zweiggeschäfte, deren er eine ganze Anzahl unterhält, junge Mädchen als„Filialleiterinnen" ein, nachdem sie eine Kaution von mehreren hundert Mark haben stellen müssen. Nach den Aufzeichnungen des Beklagten stellen sich dann nach einigen Monaten fast regelmäßig Manko heraus, für welche die jungen Mädchen mit ihrer Kaution haften müssen. In dem vcrlkmdelten Falle stellte nun der gericht- liche Sachverständige fest, daß nach den Aufzeichnungen zwar auch hier ein Manko von 231 M. vorbanden ei, daß aber die Bücher des Beklagten in keiner Weise als maßgebend angesehen werden könnten. Die Buchführung sei im höchsten Grade mangelhaft, nicht einmal ein eigenes Konto habe jeder Filialist, auch gebe es kein richtiges Kassabuch. Der Beklagte vermochte auch selber nicht fest- zustellen, wann er die Kaution von der Klägerin bekommen hatte. Auf Grund dieeö Gutachtens wurde dieser verurteilt, der Klägerin die volle Kaution von 300 M. nebst 3 Proz. Zinsen heraus- zuzahlen. �ugendbzwegung. Ucbcr die Zukunft des Jungdcutschlandbundes äußerte sich nach der„Jugendfürsorge" Gencralfeldmarsckall Frei- Herr von der Goltz aus Konstantinopcl in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Stuttgarter Ortsgruppe des Jungdeutschland- bundcs folgendermaßen: „Darüber, daß der Jungdeutschlaudbund sich nickt nur im Beginn des Krieges, sondern auch noch während desselben gläu- zend bewährt hat, herrscht zurzeit im Vaterland nur eine Stimme. Ties wird unserer gemeinsamen Sache, wie ich hoffe, einen endlichen Sieg verleihen. Deutschland wird einer kräftigen Jugenderziehung für die Zukunft in erhöhtem Maße bedürfen. irs mutz in unseren Gauen ein stolzes, heldenhaftes Geschlecht emporwachsen, wenn Deutschlands Fahnen für alle Zeiten hoch- gehalten werden sollen. Wenn auch der gewaltige große Krieg glücklich für uns beendet sein wird, so bleibt doch in der Welt noch viel Feindschaft und Haß gegen unS übrig, die der schmäh- liche Neid auf Teutschlands Gedeihen gesät hat. Wir werden das alte Soldatensprichwort beherzigen müssen: Nach dem Siege binde den Helm sesterl Wie sich die Organi- sation nach dem Friedensschluß gestalten wird, ist heute schwer zu übersehen. Ich würde eS jedoch für segensreich halten, wenn die bisherige freie und freiwillige Tätigkeit nicht beeinträchtigt würde. Eine vollständige Verstaatlichung könnte leicht verderblich wirken." Daß nach dem Kriege die Jugenderziehung stärker noch als vorher gepflegt werden mutz, ist auch unsere Anstcht. Nur meinen wir, daß die Erziehung unserer Jugend nicht ausschließlich nach den Grundsätzen cineS alten Soldatensprichwortes orientiert werden darf. m Meinen«em am am MMwW gesalleaea«Knofien! Am 24. Februar starb infolge einer Verwundung w Belgien der 2and sturmmann August ICappen j aus Glasow im Alter von 43 Jahren. 190/19 Sozialdemokr. Walilverein für Lichtenrade und Umgegend. (SozialiieinokratlscliefWalilvereiG Kreis Hiedeptoim. Bezirk Rädcrsdort. Den Mitgliedern zur Nachriwi, ! vag unser Genosse, der Handels- I mann Franz Fellinger Schulstratze 2 verstorben ist. Ehre seinem«ndenke«: Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. März. nach. mittags 3 Uhr, vom Trauer- banse aus statt. Um rege Bet-Mgmrg ersucht j 261/4 Der Borstand. Sozialileislsrat. RreisiäWferein SiedeHiamte. Bezirk Pankow. Am Dienstag früh S Uhr ver- ltarb unser Mitglied, der BrauereiarbeUer ilfmiiS Kasbaam im Alter oon 47 Jahreli. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Freilag, den 12. März, nachmittags ill, Uhr, von der Halle des neuen Pankower Friedhofes in Schänholz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Jg.'Kffi,'............... III1' yerSanö deritot- und Fllzwaren- ii1rälefD.Meiterirai!nDeirtSE!il. Ortsverwallung Berlin. Allen Mitgttedcrn zur Nachricht, daß unser Kollege, Invalide XctolL Weber am 7. d. M. im Aller von 34 Jahre» velstorbe» ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittag» 41/, Uhr, vom«Installs-Friedhos i» Buch auS statt. Abfahrt Bahnhos Gesundbrunnen 3.36 Uhr. Zahlreiche Beteiligung erwartel 71/10 Der Borftaud. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwager und Onkel Gustav Paerschke (Christstratze 42) nach langem, schwerem Leiden am 9. d. M. sanst entschlafen ist. 25A Ole trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2H. Uhr, von der Kavelle beS Silowest- kirchhoseS in SlahnSdors aus statt. Abfahrt des Zuges vom Bahn. hos Charlottcnbmz 1.34 Uhr. Dentsetier Transportarlieiter- yerhant Bezirksverwaltung GraS-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Aiitoführcr Karl kebrnphik! von der Finna Auwmobil- BeiilebSqesellschasi. Ebauifec stratze 117, am 7. März im Atter von 29 Jahren verstorben ist, Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute DonnciSIag, den 11. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Zwöls-Apostel- Kirchhofes, Schöneberg, Tempel- koser Weg. aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nach- richi, daß unsere Kollegin, die Bolenfrau Berta Müde von der Firma Singer it. Co, „Vorwärts" am 8. Marz im Allel von 34 Jadren verstorben HL Ehre ihrem Andenke«: Die Einäscherung findet heute DonncrSiag, den lt. März, mittags 12 Ubr, im Krematorium. GeristSstraße, statt. zur der Den Mitgliedern ferner Nachricht, dag unser Kollege, Droschtensührer Bernhard Gutschwager von der Firma Kroll. Posen« Straße 28, am L. d. Mis. im «Wer von 33 Jahren ver. starben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beeidigung findet am Eonnabrnd. den 13, März,„ach- mlltags s Uhr, von der Leichen. Halle d-S SL MichaeiiS-Kirch- hoscS.Mariendorfer Weg. aus statt, Um rege Beteiligung ersucht St/16 Die Bezirksverwaltung ReutersWerke • i Binse 4 Nlart• Buchhandlung vorwärts SozlaWEfflottraflsctierWahhereiD Kreis Bezirk Llcbtcnberg. Am 6. März verstarb im Aller von 34 Jahren der, Genosse, Schristieher Paul ttalfpap Grünebergcr Str. 14(Gruppe 6). Die Einäscherung findet heute DvimerSIag. den 11, März, nach- mittags 4 llbi, im Krematorium. Kerichlslraße, staiL 12,7 Rege Beteiligung erwartet vis Bezirksleitung, Am Sonntag, den 7. März, ftaib ganz unerwartet durch Un- glücksfall unser lieber Kollege. der Werkzeugmacher Peiukotd Kula Rostocker Str. 21 im 33. Lebensjahre. Wir betrauern in ihm emen Kollegen, der sich durch semeu wahrhaft edlen Charalter bei uns ein bleibendes Gedenken ge- sichert hat. Die« z-is-n tiefbeirllbt an die Meister. Sureauangeftelllen und Kollegen und Kolleginnen der Firma Ludwig Liwe, Zünder- Montage. Di- Beerdigung findet morgen Freitag, den 12. Mär», nach. mittags 3>/, Ubr. auf dem Fried. Hof der Gemeinde Bergfeldc bei Hohenneuendorf statt._ Danksagung. Für die vielen Beweis- herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Marie Wagner geb. IMwonka sage allen Beteiligten, uisbesoudere den Kollegen der Firma Glo- owsfi u. Co,, meinen herz. uchsten Dank, 3öA chieorf/ Wagacr nebst Tochter. Am 2. März verstarb im fernen Osten mem lieber Mann, der Vehrmann 4A August im Aller von Herzschlag GürHt? 39 Jahren Die liestrauernde Witwe Minna Görlin. Du gingst von mir mit schwerem Herzen Und hofftest aus ein Vicderiebni Doch größer sind seht meine Schmerzen, Da diese» nicht medr kann ge- schehn. Rub« sanst in fremder Erde. Aus dem russischen Kriegs- Ichauplatz fiel am 24. Februar imfer lieber Kollege und Neuer Freund, der Bademeister (justav Hellwig im 33. Lebensjahre. Seine vornedme Gestnnung. lein lauterer Charatter sowie sein liebenswürdiges Teten sichern ihm bei im» jür alle Zellen ein treues Gedenken. 7SA B»» Personal von Bad Kdnlgstadt Gollnowftr, 41. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme iowie für die reichcnKranz« spenden bei der Beerdigung uniereS lieben SohneS 6621 Paul S�olek sprechen wir biermit allen Ber- wandten. Freunden und Bekannten Miseren herzlichsten Dank aus. Tie trauernden Hinterbliebenen. Am Montag, den 8. März, cnl, i schlief sanst mein lieber Manu und i guter Vater meines Kindes, unier Sohn. Bruder. Onkel. Schwager | und Schwiegersohn, der Vergoldcr Oskur Thomas. Im Namen der Hinterbliebenen bitte! um stille Teilnahme: Helene Dbonms 12626 geb. Sckwtfler. Tie Beerdigung findet am Freitag, den tT d, MI», nach. mittags i'l, Uhr, von der Leichen- > balle des LohnZdorfer Gemeinde- �FriedhoseS aus statt. EB VKi* ...... iftsfcafeäff Kuchengeräte t/r» wulfn/Uo il kv&eA/' Sectio 5�4-•W' -ÖiUerstiüziingskasss für Buchbinder u. verw. Gewerbe au Berlin. Tonntag. den 14. März 1915, vormittags 10 Uhr: General» Versammlung Dresdener Strasse 11«. z�ötb Tagesordnung: t, V-ri- SS M5. "/j/ywo■= Zy*•*'?: W.T.B.!SZr. Vde/cAt»#1� \ � ieötre'/er"70 Mm i: SO 000 J._ L Indessen gewannen die Truppen des südlichen Abschnittes im Fechttal nur langsam Raum am den Hängen des Reichsacker- und Sattel-Kopfes. Besonders schwere Kämpfe entwickelten sich im nördlichen plbschnitt, aus dem Bqrren-Kopf und Klein-Kopf wie natürliche Festungen hervorragein Ein bayerisches Regiment und württenchcrgische Landwehr haben hier Außerordentliches geleistet; die Bayern lvaren junge Truppen, die hier ihre Feuertaufe er- hielten, die aber eine Ausdauer und llnerichrockeiiheit bewiesen, wie die ältesten kampferprobten Bataillone. Den Spaten in einer Hand, das Gewehr in der anderen. Eisstollen an den Füßen, krochen sie die fast senkrechten, glatten Hänge hinan, von der Höhe und von Baumschützen überall umlauert und beschossen. Fünfmal er- klommen die Tapferen die steilen Höhen und fünfmal wurden sie von dem übermächtigen Feuer des Gegners zur� Umkebr gezwungen. Aber immer wieder sammelten sie sich auf der Straße, die im halben Hang eingeschnitten, einige Deckung bot und wo sie in ihre Mäntel gehüllt eine bange Nacht verbrachten. Am zweiten Tage, dem 20., gab der ti. Ansturm den blutig erkauften Kamm in ihre Hände. Die Reihen der Führer und der Mannschaften'waren lichter ge- worden; ein Bataillons-Kommandeur, der seinen Leuten voraus- stürmte, fiel, als er eine Handgranate in die französische Stellung warf. In ihr und hinter ihr am jenseitigen Hang war die weiße Erde mit den dunklen Gestalten gefallener Alpenjäger besät; nur ivenige entgingen dem Tode durch Flucht. Sie sind in den französi- schen Alpen zu Hause und der Gebirgskrieg ist ihr eigentliches Element; jeder einzelne ist ein Scharfschütze. Bei diesen aus- gezeichneten Eigenschaften des gefährlichen Gegners sind die Leistungen unserer jungen Angriffstruppen, die nicht ans den Bergen stammen, ganz besonders bemerkenswert. Fünf Tage und fünf Nächte lagen sie unter freiem Himmel in den verschneiten Gefechtsstellungen und lebten von dem Brot und den Konserven, die sie mitgenommen batten. Erst am 23. Februar war die Lage vollkommen geklärt und die ganze Stellung, gegen die der Angriff angesetzt lvar, in deutschen Händen. Eigentümlich batte sich die Lage bei dem Dorfe Stvßwcier entwickelt. Als der Gegner am 21., dem 3. Gesechtstage, den Ort noch nicht geräumt hatte, wurde beschlossen, ihn im Sturm zu nehmen. Bayerische Kavallerie, württentbergische Landwehr und badischer Landsturm gingen im Tal gegen die schmale Ostfront des Torfes vor, das sie im ervittecten Nahkamps von Haus zu Haus nahmen. Die Lage des siegreichen Detachements gestaltete sich indessen reckt schwierig, da der hartnäckige Gegner das un- mittelbar weiilich angrenzende Dorf Kittel und die südlich und nördlich ansteigenden Hänge behauptete und von dort die Ver- bindung nach Münster unter Feuer hielt. Da kam die Artillerie dem bedrängten Detachement zu Hilfe, indem sie den Alpenjägern das Verbleiben in Kittel unmöglich machte und den Nachbartruppen das Vorgehen über die Stvßwcier von beiden Seiten beherrschenden Höhen erleichterte. Kittel wurde am frühen Morgen des 23. be- setzt und damit war der Zusammenhang der neu gewonnenen Linie vom Barren- und Klein-Kopf über Eichwald bis zum Reichsacker- Kops und Sattel hergestellt. Das Ziel fünftägiger schwerer Kämpfe lvar erreicht, und wieder begann unter Leitung und Beistand der Pioniere die Arbeit mit Beilpicke und Spaten, die in dem unüber- sichtlichen, Ueberraschungen begünstigenden Waldbergen ebenso wichtig, wie im Felsboden schwierig ist. Was den Gräben an Tiefe fehlt, mutz in der Höhe durch mühsam aufgetürmte, erdbedeckte Steinmauern gewonnen werden, und an manchen Stellen kann den fehlenden Laufgraben nur die geschickte Führung des Schützen- grabens ersetzen. Mancher sorgsam ausgebaute Unterstand der Alpenjäger leistet gute Dienste, nach dem er an der neuen Front verstärkt und vor allem gründlich gereinigt worden ist. Das Ergebnis der heißen Gesechtstage waren außer rund 800 gefallenen Franzosen 600 Gefangene und mehrere Maschinen- gewehre. Tie Beute an sonstigem'Nkaterial konnte in dem un- übersichtlichen Gelände noch nicht abschließend festgestellt werden. „In den Vogesen� nahmen wir die feindliche Hauptstellung auf den Höhen östlich Sulzern in einer Breite von zwei Kilometern sowie den Reichsackerkopf westlich Münster im Sturm.... In der Gegend südöstlich Sulzern nahmen wir Hohrodberg�... wurden die Orte Horod und Stoßwcier nach Kamps, der sattcl nördlich Mühlbach im Sturm genommen...." So lauteten die Mit- teilnngen der Obersten Heeresleitung über die Kämpfe bei Münster. Von denen, die sie lasen, ahnten wohl nur wenige etwas von dem stillen Heldentum unserer Jungen und Alten, die Grenzwacht in den Vogesen halten. W. T. B. öesthlagnahme von Gerste. Der Bundesrat hat eine Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Ger st e beschlossen. Nach dieser Verordnung sind mit dem Beginn des 12. März 1915 die im Reich vwchandenen Vorräte an Gerste für das Reich beschlagnahmt. Äasaenom- inen von der Beschlagnahme sind Vorräte, die im Eigentum des Reichs, eines Buitdesswats, des Kommunalverbands, in dessen Be- zirk sie sich befinden, oder der Zentraleinkaufsgesellschaft in Berlin stehen, sowie alle Vorräte, die 10 Doppelzentner nicht ü'bersteigkn. Trotz der Beschlagnahme dürfen Halter von Zuchttieren und Pferden sowie Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe ihre Vorräte zum Füttern in der eigenen Wirtschaft verwenden, Land- Wirte aus ihren Vorräten das zur Frühjahrsbestellung erforderliche Saatgut zur Saat verwenden, Landwirte und Händler unter ge- wissen Bedingungen für Saatzwccke Saatgerste liefern, endlich Unternehmer landwirtschaftlicher und gewerblicher Betriebe ihre Vorräte zur Herstellung von Nahrungsmitteln, von Gersten- und Malzkaffee undBier sowie von Grünmalz für Branntweinbrennerei und Pretzhefefabrikation verarbeiten; im übrigen ist die Malzberci- tung nicht zulässig; Bierbrauereien dürfen aus ihren Vorräten nur soviel Gerste verarbeiten, wie zur Herstellung ihrer Malzkontingentc noch erforderlich ist. Die Verordnung führt eine Anz e i g e p f l ich t für jeder- mann ein, der mit dem Beginn des 12. März 1915 mehr als zehn Doppelzentner Gerste oder mehr als einen Doppelzentner Mengkorn aus Gerste und Hafer in Gewahrsam hat. Die Anzeigen sind der zuständigen Behörde bis zum 25. März 1915 zu erstatten. Durch Enteignn.ngsanordnung der zuständigen Be- Hörden geht das Eigentum an den beschlagnahmten Vorräten auf das Reich, vertreten durch die Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresveopflegnng, über. Von der Enteignung sind auszunehmen: bei Haltern von Zuchttieren und Pferden sowie bei Landwirten, die zum Füttern in der eigenen Wirtschaft erforderlichen Vorräte, das zur Frühjahrsbestellung erforderliche Saatgut, Saatgerste ans gewissen landwirtschaftlichen Betrieben, endlich bei landtvirtschafi- Ischen und gewerblichen Betrieben die zur Herstellung von Nah- rungsmitteln, Gersten- und Malzkaffe, Bier oder �Grünmalz für Branntweinbrennerei und Preßhefefabrikation bestimmten Vorräte, bei Bierbrauereien jedoch nur diejenigen Vorräte, die sie noch zur Erfüllung ihres Malzkontingents bis zum 30. September 1915 benötigen. Für nnausgedroschenc Gerste enthält die Verordnung Sonder- Vorschriften. Die Verteilung der verfügbaren Gerstenvorräte über das Reich für die Zeit bis zur nächsten Ernte wird der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresver- pflegnng übertragen, die ihrerseits die Gerste nur an die Heeresverwaltungen, die Akarineverwaltung, die Äommunalver- bände oder an die vom Reichskanzler zugelassenen Stellen abgeben darf. Auf Gerste, die nach dem 12. März 1915 aus dem A u s l a n d eingeführt wird, erstreckt sich die Verordnung nicht. Tie Ver- ordnung tritt sofort in Kraft. Gleichzeitig hat der Bundesrat eine Verordnung betreffend Aenderung der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Roggen. Gerste und Weizen vom 19. Dezember 1914 beschlossen. Nach dieser Auch diese Verordnung tritt sofort in Kraft.- der Kriegsgewtnn vnö feine öesteuerung. Von sozialdeniokratifcher Seite ist gleich zu Beginn des Krieges angeregt worden, die bestehende R e i ch s v c r- mö g e n z u w a ch s st e u e r kriegsmäßig auszugestalten und die während der Kriegsnot angesammelten Gelvinne auf diese Weise wieder der Reichskasse zuzuführen. Im Krieg und durch den Krieg braucht niemand reicher zu werden als er schon ist; wer in der Zeit der allgemeinen Not soviel erwirbt. daß er nicht nur auskömmlich leben, sondern noch Kapital an- häufen kann, der mag seinen lleberfluß hergeben für diejeni- gen, die durch den Krieg in Not geraten sind. /Den Spar- strumpf des armen Mannes, den während des Krieges viel- leicht zurückgelegten Notpfennig wird man deswegen nicht an- zutasten brauchen, wo aber aus. dem Nichts oder aus kleinen Vermögen größere und große Vermögen entstanden sind, darf und soll ganz entschieden zugegriffen werden. Neuerdings ist dieser Grundgedanke wieder in der Diskussion aufgetaucht. Der konservative Abg. v. Hennigs- Techlin hat im Abgeordnctenhause eine Steuer auf den Kricgsgewinn angeregt, und die Presse beschäftigt sich lebhaft mit diesem Vorschlag. Es sind dabei Bedenken geltend ge- macht worden, die gegenüber dem v. Hennigsschen Vorschlag ihre Berechtigung haben, die aber sofort zerstreut werden, wenn man die Verwirklichung der Idee aus der von uns vor- geschlagenen Grundlage ins Auge saßt. Die Gewinnbesteuerung der einzelnen Kriegsgeschäfte würde wie eine indirekte Steuer wirken, und sie würde nur den Gewinn ans den eigentlichen Kriegslieferungen erfassen. nicht aber den Gewinn, der durch Spekulationen auf die all- gemeine Volksnot erzielt wird. Die Vermögenszuwachssteuer umfaßt hingegen jeden Gewinn mit Ausnahme des Teiles, der sofort wieder verbraucht worden ist; dieser aber wird durch die Einkommensteuer erfaßt, deren Ausgestaltung als Ergänzung der zu treffenden steuerlichen Maßnahme wünschenswert ist. Den Hauptgegenstand der Besteuerung niuß aber der Gewinn bilden, der gar nicht verbraucht werden kann, sondern zurück- gelegt als Kapital akkumuliert wird. Und dieser auf- gespeicherte Gewinn wird von der Vermögenszuwachssteuer getroffen, gleichgültig, aus welcher Quelle er entsprungen sein mag. Es handelt sich also um nichts weiter als darum, das in FriedenSzeit beschlossene Reichsbesitzstcuergesetz vom ll. Juli 1913 kriegsbrauchbar zu machen, und das kann durch Aende- rung weniger Paragraphen bewirkt werden. Die geradezu lächerlich niedrigen Steuersätze von 0,75-2,5 Prozent müssen höher angesetzt werden, je höher, desto besser; eine Grenze von der vollständigen Wegstcuerung des Gewinns(kleinste Ver- mögen und Zuwachse etwa ausgenommen) gibt es da über- Haupt nicht. Im übrigen kann es sich nur um unbedeutende Aenderungen rein technischer Natur handeln, wie z. B. um die Festsetzung der Erhebung ans einen früheren Zeitpunkt als den ini Gesetz vorgesehenen 1. April 1917 und eine noch sorgfälti- gere Kontrolle. Je früher diese gesete«berisch ganz einfache Aufgabe gelöst fitol», d-sto HSHer telrS man die VteueMe neBmen dürfen, oftne daß das Geletz den Cftarakter der— mit Unrecht— so ich,-.n scheuten„Expropriation" trägt. Jede Verzögerung be- deutet Vermehrung der Schwierigkeiten und Verringerung der Ertrage. � m» maÄf8W06feW5': 10,4 ä"«teii,n Die militärische Seöeutung Se? Eisenbahnen. Man unS: � �ie e u t u n g der Eisenbahnen für den Ver- ! auf d«r Opera tionen ist durch die letzten großen Siege im Cyxn luieder ins hellste Licht gerückt. Die deutschen Eisen- aahnm sind ßxn hervorragendes Instrument der Heeresleitung, das »on den Militär-Eisenbahnbehördcn niit fester und sachkundiger Ho', rd� geführt wird. � Sämtliche Eisenbahnen Deutschlands befinden sich seit dem Tage der Mobilmachung im Kriegsbetriebe. Das bedeutet, daß die Bahnverwattungen bezüglich der Einrichtung, Fortführung, ttinstelluug und Wiederausnahme des Bahnbetriebes den Anord- iiungeii der Militärbehörde Folge zu leiste» haben. Die Aus- iührun�anweisuugen für die Regelung des Kriegsbetriebes gibt der Edef des Feldeisenbahnwesens im Großen Hauptquartier durch die Militär-Eisenbahnbehörden-Linienkommandanturen an die Töahnbeuollmächtigten für Militär-Angelegenheiten", die schon im Frieden für jede Eisenbcthnverwaltung lEisenbahn-Direktion) be- stimmt sind. Die Linienkvinmandantnren sind dafür verantwort- - ich, daß den Anfordecungen der Heeresleitung so entsprochen wird, wie cS riach der Leistungsfähigkeit der Bahnen nur irgend möglich ist. Daß ein enges Zusammenarbeiten der Linienkommandantureu und Bahnbevolllnächtigten Votbedingung für den Erfolg der Ar- l'dt ist, liegt auf der Hand. Fm Unterschied zum Heimatgebiet führen in den eroberten Gebieten die Militäreisenbahnbehörden— Militär-Eisenbabn- Diref Honen und Linienkommandanturen— auch den Eisenbahn- lstetrieb selbständig. Hierzu sind ihnen Eisenbahntruppen sowie Eiseutzchhnbml- und Betriebskolonnen, Eisenbahn-Telegraphen- .Kolonnen usw. unterstellt. Diese Kolonnen werden aus Personal dcp Heimatverwaltungen gebildet das in den Heeresdienst übertritt. Truppenverschiebungen im Kriege werden meist kurzer Hand l'efohlen. Sie können sich nur dann pünktlich vollziehen, wenn die Linienkommandanturen weit vorausschauend vorgesorgt haben, ohne Umfang, Zeitpunkt. Richtung, Beginn und Ende der bevorstehenden Transportbeivegungen mit Bestimmtheit voraussagen zu können. Darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen den Anlorderunge» au die Eisenbahnen im Frieden und im Kriege und gleichzeitig die schwierigste Aufgabe für die Linienkommandanturen und Bahn- bevollmächtigten. stn erster Linie richtet sich die Vorsorge darauf, daß auch bei plötzlich eintretendem Bedarf Leerzüge zur rechten Zeit zur Stelle sind. Die diesbezüglichen Weisungen der Militär-Eisenbahn» beHürden sind von der jeweiligen Kriegslage abhängig; sie müssen darauf Rücksicht nehmen, welcher Art die abzubefördernden Ver- bände sein werden und welche Transportrichtungen in Frage kommen. Die Linienkommandanturen entwerfen den Fahrplan für die Militärtransporte, der dichte Zugfolge bei vollster Betriebssicherheit bieten muß. Auch die Verpflegung von Mann und Pferd während der Elsenbahnfahrt bedarf der gründlichsten Vorbereitungen. Für das Heimatgebiet setzen die Bahnbevollmächtigten das Er- gebilis der vorbereitenden Arbeit der Linienkommandanturen in die Tat um; für sie fällt erschwerend ins Gewicht, daß, wie oben er- zvähnt, ein großer Teil des Eisenbahnpersonals, wie auch des Wagenparks und der Lokomotiven zum Betriebe auf den eroberten Bahnen abgegeben ist. Tie militärischen Stellen sind bei ihren Anordnungen natürlich ebenso wie die Eisenbahnverwaltungen bemüht, den Personenver- lehr— auch mit Schnellzügen— nicht wesentlich zu stören, während der Güterverkehr den großen Militärtransportbewegungeu ganz oder teilweise weichen mutz. Sobald der Befehl zum Truppentransport an die Linien- lommandanturen ergeht, gilt es schleunigst in enger Fühlung mit den Truppenbehörden und unter Berücksichtigung der Bahnverbält- Nisse das Ein- und Ausladegebiet zu bestimmen, dort die Vor- bereitungen für Massenein- und-ausladungen von Truppen zu treffen und die pünktliche Heranführung der Leerzüge an die Ein- ladebahnhöse zu beivirkeu. Die untergebenen Dienststellen und Aachbargebiete erhalten Weisung oder Nachricht, damit sie die nötigen Ädaßnahmen für die Transportdurchführung, für die Ver- pflegung der Truppen, die Versorgung der Lokomotiven mit Wasser und Kohle usw. treffen können. Die Linienkommandanturen und Bahnbevollmächtigten der- nstgen mit angespanntester Aufmerksamkeit bei Tag und Nacht den Laus der Trausvortbewegung durch ihr Liniengebiet. Trotz der vortrefflichen Schulung unserer Eisenbahner sind Störungen solcher gewaltiger Transportbeivegungen. wobl möglich. Da gilt es Stockun- gen in ihren ersten Anfängen zu erkenueu und zu veseiligen. unter Umständen auch bei größereu Störungen mit energischer Hand verantwortungsfreudig einzugreifen, um durch Ihnleilung der TranSportbewegung oder sonst geeignete Maßnahmen dem vorzubeugen, daß die Truppe nicht rechtzeitig au den Feind kommt. Die Vorbereitungen der Linienkommandanturen und Bahn- bevollmächtigten im Auslandsgebiet müssen derartig sein.�daß sich die Truppenausladungen und der Abfluß der entleerten Züge ohne Verzögerung vollzieht, da sonst die nachfolgenden vollen Züge auf- gehalten werden und die ganze Bewegung ins Stocken gerät. Die Ableitung der entladenen Züge, die sich oft zu Hunderten folgen, muß nach wohl erwogenem Plan erfolgen, damit schtver entwirr- bare Verstopfungen wichtiger Bahnlinien vermieden, die Leerzüge vielmehr ohne Aufenthalt neuen Aufgaben zugeführt werden können. Gewerkschaftliches. Die Regelung öer Rrbeitsvermittelung unü öie Unternehmer. Die Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen sind bekannt- sich bemüht, das geaenivärtige Interesse für die öffentlichen Arbeitsnachweise wachzuhalten und eine gesetzliche Regelung der Arbeitsvermittelung herbeizuführen. Bei den Unter- nehmern herrscht ein anderes Bestreben. Diese haben � ihre eigenen Nachweise bei Kriegsausbruch mehrfach eingestellt. Und es ging auch so. Der Arbeitsnachweis des Arbeitgeber- Verbandes in MannHeinl-LudwigsHafen schloß bei Ausbruch des Krieges ebenfalls seine Pforten und die Unternehmer be- zogen ihre Arbeiter durch den städtischen� Arbeitsnachweis. Am 22. Februar richtete plötzlich die Geschäftsstelle des Unter- uehmerverbandes an ihre Mitglieder daS folgende Schriftstück: Nachstehend bringen wir Ihnen den Wortlaut der heute an die Bürgermeisterämter in Mannheim und Ludwigshafen gerichteten Schreiben zur Kenntnis:.. „Nachdem durch die Uebernahme großer HeereSlieserungeu ein dringendes Bedürfnis nach Fabrikarbeitern eulstandeu ist und auch der Grund de? damaligen Zusammengehens durch die reichliche Arbeitsgelegenheit in der von uns vertrelenen Industrie in Weg- fall gekommen ist, hat unser Ausschuß auf dringendes Verlangen unserer Mitglieder beschlossen, den Arbeitsnachweis der Industrie Mannheim-Ludwigshafen am Montag, den l. März, wieder zu eröffnen." Bon diesem Tage an ist also der Arbeitsnachweis der Industrie wieder allein zu benutzen und find Selbsteinstellungeii von Ar- beitern seitens der uns angeschlossenen Werke zu unterlassen. Hochachtungsvoll Die Geschäftsstelle. Nach dieser Arbeitgeberverbands-Logik wird also dem „dringenden Bedürfnis nach Facharbeitern" in der einfachsten Weise dadurch abgeholfen, daß man den Unternehmern die Möglichkeit zur Beschaffung dieser Arbeiter einschränkt, indem man sie lediglich auf die Benutzung eines einzigen Nachweises verweist, der noch dazu längere Zeit nicht funktionierte. Dazu kommt, daß gerade dieser Nachweis vor dem Kriege von den Arbeitern als Maßregelungsbureau an- gesehen wurde. Es wäre also durchaus verständlich, wenn die gesuchten Facharbeiter ihm auch jetzt in weitem Logen aus dem Wege gehen, zumal sie ja durch den von den Arbeit geberverbändlern gemiedenen städtischen Nachweis jederzeit Arbeit bekommen können. Ein Fortschritt in der Regelung der Arbeitsvermsitelung ist deswegen diese Wiedereröffnung des Unternehmer-Nachweises nach keiner Richtung hin. Sellin und Umgegenö. Tarifbewegung der Wagenbau- und Karosseriearbeiter. Ter bis Ende März lausende Tarifvertraq ist durch die Ar- beiter gekündigt worden, um eine zeitgemäße Löhnausbessernng zu erreichen. Die Vertreter der an vieler Tarisbowegung veteiligien Verbände i.Holzarbeiter, Metallarbeiter, Maler, Sattler) haben eine neue Tarisvorlage ausgearbeitet, die am Dienstag zunächst von den Vertrauensmännarn und dann von einer Versammlung der in den Wagen- und Karosseriesabriken besckäsligten Arbeiter oeraten und nach einigen Aendernngen einstimmig angenoinmen wurde. Sie ring, der Vertreter des Metallarbeitervervandes, be- gründete die Vorlage. Er führte aus, die beteiligten Verbände haben nicht die Absicht, einen Kriegstarif zu schassen, der den außergewöhnlichen Arbeitsverhältnissen während des Kriegs Rech- nung trägt. Wenn dies der Fall wäre, lstitten erheblich höhere Löhne gefordert werden müssen, als in der Borlage enthalten sind. Es kommt darauf au, einen Tarif zu schaffen, der auch nach der Kriegszeit Geltung hat und möglichst alle Betrieb« der Branche umfaßt. Deshalb muhten die allgemeinen Verhältnisse berück- iichtigt und Lohnsätze gefordert werden, die auch nach dem Kriege angemessen erscheinen Eine Verkürzung der Arbeitszeit wird nicht gefordert, es soll bei der wöchentlichen Arbeitszeit von 52 Stunden bleiben, die setzt schon allgemein üblich i>t und nur in einzelnen, dem gegenwärtigen Tarif nicht unterstehenden Betrieben etwas überschritten wird. Hinsichtlich der geforderten Lohnsätze ist den Aendernngen Rechnung getragen, die sieh inzivnchkii in der Spezialisierung der einzelnen Arbeitsgebiete vollzogen hat. Tic geforderten Stundenlöhne sind>2 bis 15 Pf. höher als die Sätze des bisherigen Tarifs. Die Vorlage setzt folgende M i n d c st l ö h n c pro stunde fest: Stellmacher: Kasten- und Radmacher 85 Pf., jEinbauer 80 Pf., Kastenhelfer 75 Pf.; Metallarbeiter: Schmiede- Schirrmeister 85 Pf., Schmiede-Stockgesellen 70 Pf.. Schlosser und Feilbänker 80 Pf., Autogenschweißer 85 Pf., Dreher 85 Pf., Klempner 85 Pf.; Lackierer: IleberzieHer imo Absetzer 85 Pf., sonstige Lackierer 78 Pf.; Sattler: perfekle Wagensattler 90 Pf., sonstige Sattler und Tapezierer 80 Pf., Arbeiterinnen 45 Pf. Alle Arbeiter erhalten eine Lobiizulagc von 5 Pf. pro Stunde mit der Matzgabe, daß durch diese Zulage die vorstehenden Mindestlöhne erreicht werden müssen. Hinsichtlich der im alten Tarif vorgesehenen Bestimmnnge» über die Akkordarbeit werden fotgende neue Forderungen ausgestellt: Auf die bestehenden Akkordpreise wird ein Ausschlag von 15 Proz. gewährt. Während der Dauer des Tarifvertrages dürfen die seitgesetzten Akkordpreise nicht verkürzt werden.— Werden Akkordarbeiter vorübergehend in Lohn beschäftigt, so ist ihnen der durchschnittliche Akkordverdienst der letzten sechs Wochen zu zahlen. Nach dem alten Tarif sollten die Arbeitskräste..nach Mög- lichkeit" von den paritätischen Arbeitsnachweisen der Holzarbeiter und der Lackierer sowie von den Verbandsarbcitsnachtveisen der Metallarbeiter und der Sattler bezogen werden.— Im neuen Bertrage soll die oft von den Ilnternehmeni zur Umgehung der Arbeitsnachweise benutzte Einschränkung„nack Möglichkeit" fort- fallen und eine Einstellung ohne Benutzung des Arbeitsnachweises nur dann zulässig sein, wenn dieser innerhalb 50 Stunden die verlangten Arbeitskräfte nicht stellen kann. Ferner fordert die Vorlage, daß den Arbeitern Urlaub bei Fortzahlung des Lcchnes gemährt wird, und zwar 3 Tage nach zweijähriger, 6 Tage nach vierjähriger Beschäftigung im Betriebe. — Die Beilegung aller Streitigkeiten aus dem Tarifverträge soll durch eine paritätische SchlickitungskoiumissioNt, und wenn hier keine Einigung zustande kommt, durch das EiingungScmO des Berliner Gewerbegerichts endgültig erfolgen.— Der Tarif soll bis 31. März 1917 gelten. Die Vorlage wird nun den Unternehmern eingereicht, und soll dahin gewirkt werden, daß der Vertrag möglichst mit allen Be- trieben abgeschlossen wird. veutsches Reick. Ans der Binnenschiffahrt. Die Unternebinerorganisationcn haben sich kürzlich mit dem in nächster Zeit zu befürchtenden noch größeren Mannscktastsmangel be- scbäftigt und Schritte unternommen, um landsturmpflichtige Schiffs- Mannschaften vom Heeresdienst zu befreien. In der Versammlung des Zentralvereins für deutsche Binnenschaffcfhrt wurde bekannt- gegeben, daß die Heeresverwaltung bereit sei. durch Freistellung von Mannschaften der Binnenschiffahrt eutgegeiizukommen. Die Organisation der Schisfsmannschasten hat von Beginn des Krieges an alles getan, um vorzubeugen und die jetzt einge- tretenen Schwierigkeiten zu verhüten. Sie gab die Parole aus, daß die Schifssmannschaften bei der Binnenschiffahrt bleiben soll- ten; sie sorgte dafür, daß schissahrtskundige Mannschaften, die auf Land Beschäftigung nahmen, sich wieder der Schiffahrt zuwandten. Es wurde den Mannschaften erklärt, daß sie trotz der reduzierten Bemannung von Lohnforderungen Abstand nehmen müßten und für die größere Arbeitsleistung besondere Entschädigung nicht ver- langen sollten. Kurzum, was sich irgendwie im Interesse des Ge- werbes tun ließ, wurde unternommen. Was taten aber einsluß- reiche Unternehmer? Sie kürzten die Löhne und drohten weitere Bezugseinschränkungen an. Diese traten dann auch mit Beginn dieses Jahre? in Kraft. Ja, sie entließen Mannschaften, die sich im Interesse der Schiffahrt von den Landbetrieben entfernt hatten. Diese Maßnahmen durchkreuzten die Aktionen der Mannschafts- organisation. Dazu kommt die Schwierigkeit der Mcmnschaftsvermrttelung. Hier herrscht eine Zersplitterung, die sicher nirgends zu finden ist. Tie Schiffer im Gebiet der Elbe, der Oder und der märkischen Wasserstraßen sind in nahezu 1000 Orten ansässig. Es bestehen fast 40 Ilmschlagsplätze. Die Arbeitsvermittelung erfolgt auf Schiffer- markten, d. h. die Schiffer kommen an einem Ort zusammen. Dorthin kommen die Unternehmer und suchen sich die Leute aus. Auch in den Schifferquartieren, das sind Wirtschaften an den Um- schlagSplätzen, in denen die arbeitslosen Schiffer Ouartier nehmen, wird Arbeit vermittelt. Außerdem bestehen an allen Umschlags- Plätzen private Ärbeitsnachweise. Die Unternehmer senden außer- dem oft ihre Angestellten auf die Dörfer oder in die Onartiere, je nachdem Nachfrage oder Angebot stärker ist. Ferner bestehen zehn Arbeitsnachweise des Unternehmerverbcnrdes, die allerdings den Charakter von Kontrollbureaus haben und zur Kennzeichnung der organisierten Mannschaften dienen. Dann unterhalten die Mann- lchaften selbst 9 Arbeitsnachweise, die gegenwärtig den größten Einslutz baben. vom Unternebmerverbande aber bekämpft werden. ES herrscht also in der Acbeitsvermittelung ein wildes Durcheinm» der. Oftmals tritt deshalb in einzelnen Gegenden ein Mann- schaftsmangel aus, der bei ordentlicher Arbeitsvermittelung nicht eintreteil würde. Es fehlt eben eine zentrale llebersicht. � Nur die Nachweise der organisierten Mannschaften sind zentralisiert, und somit in der Lage, die Arbeitskräfte schnellstens dorthin zu dirr- gieren, Ivo sie gebraucht werden. Während des Krieges wurde nun vom Transportarbeiterver- band der Vorschlag gemacht, die Arbeitsvermittelung gemeinsam zu regeln; aber diese Bestrebungen blieben erfolglos, weil der Unternehnierverband prinzipielle Bedenken hatte. Er sagt jetzt in seinem Jahresbericht von 191 1, daß er eine Parität ablehnt, w e i l nur Unternehmernachweise p e i A u s st ä n d e n sich bewährt hätten. Der Machtitanbpunkt der Unternehmer kommt also zuerst: sie nehmen absolut kein� Liücksicht auf die Lage und die Bedürfnisse des Gewerbes, Jetzt bedangen die Unter- nehmer behördliche Maßnahmen, um die Mannschaften zu zwingen, sich dem Willen der Unternehmer unter allen Umständen zu unter« ordnen. Es wäre deshalb durchaus angebracht, wenn den Herren im Unternebmerverbande einmal auseinandergesetzt würde, daß die gegenwärtige Zeit nicht dazu angetan ist, immer und immer wieder den Herrn-im-Hause-Standpunkt herausALt�hren. Diese Unter- uehmertaktik verschärft die bestehenden Schwräiügkeiten. Durch ihr Vorgehen wird nicht nur die Binnenschiffahrt allgemein, sondern es werden auch die an der Binnenschiffahrt inkerbssierteu Kreise geschädigt. vheuiigrapheu n:id Kupfcrdruckcr. In dem Geschäftsbericht des Tarisamteo für das Jahr 19l4 wird zunächst daraus bingeiviesen, daß der Abschluß des neuen, am 1. Januar 1914 in Kraft getretenen Tarifs teilweise die Mit- glieder der Tari sgemeinscha st nicht befriedigte. In Prinztoals- kreisen herrschte über die Höhe der festgelegten Minimallöbne Miß- stimiuung und in den Kreisen der Gehilfen befürchtete man, daß mit der Einführung der Miniinalspartenlöhnc ein Sinken der all- gemeinen Lohnhöhe erfolgen werde, lieber diese Befürchtungen hätten im abgelaufenen Jahre im Tarifamt wiederholt Aussprachen stattgefunden, in denen jedoch zur Genüge festgestellt wurde, daß diese Folgen� nicht eingetreten sind. Durch das Entgegenkomurezr auf beiden Seiten bat sich der Tarif wiederum als ein Fortschritt für das ganze Gewerde bewährt, und es wird evioartet, daß beim Wiederciiitritt der Friedensarbeit die Vorteile des Tarifes sich in höl)erem Maße zeigen werden, als dies zur gegenwärtigen Zeit möglich ist. Wiederholt mußte sich das Tarisamt mit der Festsetzung der Preis- und Lieferungsbedingungen beschäftigen. Im Prinzip sei man wohl allgemein dafür, doch ein Teil Prinzipale richte sich leider nicht danach. Das Tarisamt hat in dieser Richtung seinen ganzen Einfluß geltend gemacht und will auch in Zukunft für eine gesunde Preispolitik innerhalb d«S Gewerbes eintreten, die zu einer gesunden Lohnpolitik nötig ist. Das Tarisamt mußte sich auch mit der Stellungnahme einiger organisierter Gehilfen beschäftigen, die bei taris u n treuen Firmen arbeiten. Nach einer zehnjährigen Tarisperiobe müßte bei allen Gehilsen der Tarisgedanke soiveit Wurzel gefaßt haben, daß zu der- onigeu Beschwerden keine Veranlassung mehr gegeben wird. Zum ersten Male wird im Geschäftsbericht in eingehender Weife über die Rechtsprechung ocr Schiedsinslanzen berichtet, die in einigen Tabellen veranschaulicht wird. Hiernach wurden von den Prinzipalen 16 Klagen eingereicht, wovon 9 Fälle als berechtigt anerkannt und eine Klage durch Einigung erledigt wurden. Ad- gewiesen lvurden 3 Klagen und 3 durch Stimmengleichbeit abgc- lehnt. Von den Gehilfen wurden 28 Klagen zur Entscheidung ein- gereicht, wovon 16 als berechtigt anerkannt uird 5 durch Ei lügung entschieden wurden. Abgewiesen wurden 6 Klagen und eine durch Stiinmengleickiheit entschieden. � Ter Krieg hat auch das chemigrapbischc Gewerbe stark beeiu- flußt. Die Zahl der arbeitslosen Gehilfen stieg in den ersten Kriegswochen beängstigend und betrug im September 693 bei 2750 vor Ausbruch des Krieges Besckstistigten. Das Tarisamt ersuchte in einem Aufruf die Prinzipale, die Betriebe nicht ganz stillzulegen. Ferner wurden einzelne Tarisbestimmungen den veränderten Ver- Hältnissen angepaßt und bestimmte Richtlinien festgesetzt. Trotz- dem seien aber Fälle vorgekommen, in denen bei Wiedereinstellung von Gehilsen die Löhne herabgesetzt worden sind. DaS Tarisamt mißbilligt das Verhallen solcher Firmen, da durch derartige Maß- nahmen der tarifliche Frieden gestört wird und das Ansehen der Tarifgemeinschaft darunter leidet.— Eine große Anzahl Taris- sunklionäre mußte mit ins Feld rücken; in allen Fällen übernahmen die Stellvertreter die Gesckwfte, so daß keine Unterbrechung eintrat. Unter den im Kriege gefallenen Mitgliedern befindet sich auch der bisherige Gehilsenvorsitzende des Tarisamts, Artur Gerhardt, der im Westen gefallen ist. Von den 2750 taristreuen Gehilfen stehen zurzeit 835 im Felde, 277 sind in anderen Berufen beschäftigt und 376 sind arbeitslos.__ Die Generalversammlung des Malerverbandes, die in diesem Frühjahr statutengemäß stattfinden mutzte, soll nach einem Beschluß des Verbandsvorstandes, dem auch der Beirat zugestimmt hat, vorläufig unterbleiben. Veranlassung dazu sind die unsicheren poli- tischen Verhältnisse, die ein abschließendes Urteil darüber, welch« ''twaigen Statutenänderungen aus längere Zeit hinaus notwendig find, nicht zulassen. Es soll auch vermieden werden, daß die über 15 000 im Kriegsdienst befindlichen Verbandsmitglieder auf der Generalversammlung unvertreten sind.— Wenn die Situation sich ändert oder besondere Verhältnisse dennoch eine Generalversamm- lung erforderlich machen, hält sich der Vorstand zur Einberufung einer solchen natürlich für verpflichtet. Ruslanü. Tie englischen Gewerkschaften und der Krieg. In dem kürzlich erschienenen Vierteljahrsbericht der Ällge- meinen Gewerkschastsföderation von Großbritannien heißt es: „Wenn der Krieg beendet ist, wird es notwendig sein, besondere Anstrengungen zu machen, um die Verbände zu stärken und ihre Position, sowohl vom Standpunkt der.Kassenverhältnisse wie auch ibres Einflusses zu verbessern. Das Ziel jeder Bewegung wird es sein, zuerst die brüderlichen Beziehungen unter den angeschlossc- neu Verbänden zu entwickeln." Die englische Gewerkschastsföderation zahlt bekanntlich eine Streikunterstützung für jedes im Streik befindliche Mitglied der ibr angeschlossenen Verbände. Im letzten Quartal 1914 fanden 30 Lohnbewegungen statt, also annähernd 120 weniger als im Ge- samldnrchschnitt der letzten sechs Jahre. Infolgedessen batte die Föderation an Streikunterstützung nur 3325 Pfund Sterling oder 4498 Pfund weniger wie im vorhergehenden Quartal auszuzahlen. Die Gesamteinnahmen betrugen in diesem Quartal 17 532 Pfund oder 334 Pfund weniger wie im dritten Quartal. Berichte einzelner Verbände geben an, daß bis zu 20 Proz. ihrer Mitglieder ins Heer eingetreten sind. Der Verband der Werft- und Hafenarbeiter, die von dem Genossen Ben Tillet ge- gründete und geleitete Organisation, gibt an, daß annähernd 10 000 oder beinahe 25 Proz. seiner Mitglieder zu den Fahnen geeilt sind. Der Vorstand der Föderation stellt mit Freuden fest, daß übermäßige Arbeitslosigkeit augenblicklich� incht besteht, ist aber fest davon überzeugt, daß die scblimmste Zeit erst kommen wird, wenn der Krieg zu Ende ist. Ter Vorstand hofft jedoch, daß es ihm gelingen werde,„den Ernst der Lage nach dem Kriege dadurch zu lindern, daß er erwirkt, daß die Soldaten in solcher Weise ent- lassen werden, daß ein zu plötzlicher Zustrom von Arbeitern in gewisse Industrien verhindert wird". Ter Bericht schließt mit einem Ausdruck des Bedauerns wegen der Störung der internationalen Gewcrkschastsbezichungen. |!t. 70. 32. MryMtz. DoMmtaz, 11 Mn 1915. vsriustiisten. pie ZZe r l u ft l i st e Nr. 170 der preußischen Armee eniWlj Verluste folgender Truppen: Generalkommando des 41. Reservelorps. Stab der 81 Reserve-Divisüm und der Eomischten 37. Land- wühr-Jnf.-Brigade. 1. Garde- und 1. Garde-Ersah-Neg.; Grcnadier-Regrmenter Alexander. Augusta und Nr. 5. Garde-Zchützen-Bat.; Grenadier- b.M. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Ztr. 1, 4, 8. 13. 16. 18 mehs Sri.-Jnf.-Reg. Kynaft). 20. 21, 22. 23. 24. 26, 30, 43, 48, 67, 68. 71. 72, TB, 81, 83, 84, 87, 83, 80, 93, 04, 09. 112, 115, 110, 132, 133. 130, 140, 152. 153. 154, 101, 165, 107, 171, 175; Reserve-Inf.- Negimenter Nr. 3. 0. 15, 19, 22, 24, 20. 30, 48. 57, 66, 09. 71, 73, 74, SO. 82. 86, 94, 201, 204, 205, 206, 208, 210, 212, 213, 214, 210, 217, 219, 220, 228, 230 237. 268, 271; Ersatz.Jnf..Regimenter Abt Nr. 3; F«ftunvS.Maschme,�c«chr»Trup» Nr. 33 der ÄriegS Lesatzung Metz. r?'rt..ch»limnen Nr. S des V. irnd Rr. 11 des XX. Armeekorps; Ttappen-Fnhrpark-Kolonne Nr. 3. Der Sehluß der da tierischen Berluftlifie Nr. 159, deren Inhalt wir gestern mitteilten, wird bekann tgegeberu Die sächsische Verluftlifre Nr. 117 meldet Verluste des (üeneral-KommandoS des XIX. Armeekorps; Jnf.-Regimenter Nr. 100, 105, 106, 107, 108, 134; Reserve- Jns.-Regimeuter Nr. 101, 10S. 104, 100, 107, 241, 244; Landwehr-Jnf..Negimenicr Nr. 101, 104, 133; Brigode-Erf.-Bataillone Nr. 40, SO; Ersatz-Bataillone: Leib-Ncg. Str. 199; Neseroe-Reg. Nr. 104;— Feld-Maschinen- gcwehr-Zug Nr. 71. Die württembergische Verlustliste Nr. 133 veröffentlicht Verluste des Ariaad«-Eri.-Bat. Nr. 53; Landw.-Jnf.�eg. Nr. IIS; Nr. 13; I. Lsndwechr-Pionier-Äomp.; I. und lk. Wunitions- Kolonuen-Abteikung; II. Train-Abtz;— Berichtizui�gen früherer VerlnstOstEn. fins Gwß-'SsrÜK. fördert man so die Laubenkolvuiez'.? In dieier Kriegszeil, wo wir genötigt sind, mit unleren Vor- rälen von N«�run,sm>!keln zu sparen und die öriräge der nächsten Ernte zu steigern, wird auch dos Laubenland als eine Quelle der Nadrungsmittelver sorgung aewürdigr. Lauter als je erlönt jetzi die Madiiung, man solle da915 im Herbst I9l4 angeiündi«!. zu einer Zeil, wo wir bereits einige Kriegs- inonoie bnrrer uns datterr und man auch schon vorauSieben konnte, daß netzen ionkkgen Maßr�sw zur Siwerrmg der Nahrun,»mi!tel. venor»«mg auch eine S-rgemng der Erlräge ter nächtzen Emse nöltq Win würde. Genügt es nicht daß iür die Soudenkotonisten durrl' die HinnuNchraubinig der.Kortossetpreise nud besonders der Prekke für Soatkarrofietn die Kotzen der Anssoai sehr sühlbar erhöbt werden? Worum muß man ihnen durch TSehrouSgaben fiir yorzelltnipackn eine Last anfvacken. die jetzr doppell schwer von ihnen emv'nnden wird! Das beste wäre schon,- daß nocu iryi olle P,ch:- erdstdunaen wieder rückgängig gemacht würden. Lieber sollte man Pachtennäßigungcn be will igen. Tie Ausrede der Großen Berliner Straßenbahn. Aus den Kreisen der Angestellten der Straßenbahn wird uns geschrieben: „Niemand zweifelt daran, daß durch die Einberufung des Personats die Geiellichafl in augenblickliche Schwierigkeiten geraten ist. Di« könnten aber behoben werden durch bessere Bezahlung. Am Anfang des Krieges zeigte es sich, daß trotz der minimalen Bezahlung von 3,50 M. pro Arbeitstag in dem Annahmrdureau Brandenburgstraße genügend Leute sich meldeten, ohne auch nur im entferntesten Berücksichtigung zu finden. Mancher, der angenommen wurde, verließ bald wieder den Dienst, weil ihm die überlange Arbeitszeit oder die Behandlung durch einzelne Vorgesetzte nicht gefiel. Abhilfe kmm aber geichehen. Es muß eine bessere Bezahlung Platz greifen, die Behandlung muß besser werden. Die AuShilfs- kr äste rckrutierrn fich zum größten Teil aus gelernten Berufen, die die schroffe Behandlung wirtlich nicht benötigen. Die Begründung für eine VerlehrSeinschränkung ist nicht stich- baltig, kann auch nicht cmerlannt werden. Am 13. Januar d. I. fand eine Konferenz von Vertretern der Angestellten mit der Direktion statt; in dieser wurde von den Angestellten besonders auf die schwere Zeit, sowie ans die erhebliche Mehrleistung hingewiesen. Diese Gründe wurden auch von der Direktion anerkannt und der gegen« wärngen Teuerung Rechnung getragen. Ohne die nach ihrer An- gäbe ziemlich hohe Aufwendwig iür Frauen und Kinder der Kriegs- teilnehmer zu schmälern, machte sie folgende Zugeständnisse: Vom LI. Januar 191b ab bewilligte sie den angestellten Schaffnern und Fahrern einen Aufschlag aus die Bezahlung der im Monor nicht gewährten zwei freien Tage mit je 2.50, so daß jeder Angefküte monatlich einen Zuschlag von 5 M. erhält. Dieser Zu- schlag soll auch den Angcstellren zugute kommen, wenn im Einzel- falle mehr freie Tage gegeben worden. Ab 1. Februar 1S15 wird den Aushilfen und Ersatzleuten zum Tagelohn für die beiden mit Bezahlung gewährten freien Tage edensalls ein Zuichwg von 3,50 M., im ganzen Monat also 5 M- gewährt. Schaffnerinnen erhalten auf ihre zwei freien Tage 1,20 M. Zu- schlag und monatlich 2,40 M. Den Bahnwärtern, Weichenstellern, Hofarbeitern, Rangierern und Wagenwä'chein werden 0.20 M. täglich gewährt. Im ersten Augenblick macht es sich iehr gut und eS er- weckte den Anschein, als hätte wirtlich die Große Berliner ihrem Herzen einen Stoß gegeben. Wie verhält es sich nutz in der Wirk- lietzteii? Die Angestellten sind davon überzeugt, daß die Aufbesie- rung, wenn sie so benannt werden soll, nur durch die Entziehung der freien Tage zustande kam. ES ergibt sich schon daraus, daß den«!, die krank oder miS irgendeinem anderen Grunde am Dienst verhindert sind, dieie 5 M. nicht gewährt werden. Alto nur die er- hallen diese, welche ihre Arbeitskraft der Geiellichafl den Monat über zur Verfügung stellten. Von den sonst gewährten vier freien Tagen werden von jetzt an nur zwei gegeben, die anderen zwei weiden bezahlt und pro Tag 2.50 Mark KriegSzuloge gleich 5 Mark den Mona! zugest«nden. Ziun rechnet die Gesell- ichait folgendermaßen: Würde sie die vier steten Tage ihren An» oestelllrn weiter gewähren, so müßte sie einen ganz erheblichen Teil Aushilfen einstellen, daS will sie durch Nichtgewährung der freien Tage vermeiden. Warum sie eS tut. ist ihr Geheimnis. Bis jetzt fi«d noch ein großer Teil der Angestellten von der Elnbc'.u'ung zum Heeresdienst reklamiert. Anstalt nun zu versuchen, durch Ge- Währung eines den heutigen Verhältnisien entsprechenden Lohne! den Betrieb vollzählig zu erhallen und dem Publikum entgegenzu- fcmtmen, tuiit sie de« Verkehr einzuschränken. Steht eS doch stst. daß die Einnahmen pro Wagenkilometer trotz dsS Krieges etwas höher sind als im Vorjahr De? Beobachter kann ja täglich sehen, wie dre Wagen überfüllt sind, also liegt lein Grund vor, eine Ver« kchrSrinschiönkung zu begründen. Es gib: nur eins: Einstellung von Personal unter besserer Bezahlung und möglichst geregelter Dienstzeit. Am Mangel an geeigneten Arbeuskräslen liegt es wirk- sich nicht, sondern nur an dem guten Willen, mehr Lohn zu zahlen fehlt ei." W.r möchten noch auf einen belonderen Umstand aufmerksam machen. Wer sich zum Dienst bei der Straßenbahn meldet, muß zunächst eine Lehrzeit durchmachen, die mehrere Wochen beträgt, in letzter Zeit auf 14 Tage verkürzt worden ist, wenn wir nicht irren. Während dieser Zeit bekommen die Leute pro Tag 2 Mark. Wenn man berücksichtigt, daß von dreien 12 M. pro Wörde noch erhebliche Unkosten abgehen, so bleibt für die Familie dieser„Lehrlinge" herzlich wenig übrig. Ist eS da jemand zu verdenken, wenn er sich um bester lohnende KriegSardeit demüht, von der er wenigstens leben kann? Wer soll denn in der jetzigen teuren Zeil einige Wochen mit den paar Mark auskommen, die in der Lehrzeit gezahlt werden? Und gerade diese UebergangSzeit ist neben der geringen Be- �.ahlung überhaupt ein sehr wichtiger Umstand, daß das Angebot von Arbeitskräften nachgelösten hat. Die Tchnldrpntetion hat beichkonen. den Hau'wirtichafM unter. richr für dir Obcrklaffrn des 8. und 12. Schukkreises vom 1. April d. I. ab obiigaloriich einzmichtcn. Ausgaste von Haferscheiucn. Mit der zwestim Hälfte de! MonaiS März' will der Magistrat Bertm in mit den Beiiretlmgen der fCni Groß- Bertwer Sm«ge«»mden eine endgültize Siesslnng»eS Derkedrs mit Ha irr. die ihm durch Bimdesratsverordnnng übertragen-ft. in Krast tree-n lallen. Atzgabe und Uedernadme von Haser durch Händler an die Pierdehaitcr soll iortan nur gegen Uetzergabe von HaferiSeinen geschehen, die vom Magistrai ausgegetzen werden. In Berlm haben die Pstrdefwlter. die keinen Haler besitzen und solchen zu erhallen wünschen, bei dem' Vorsteher des Stadtbezirks, in dem ihr« Pirrde stehen, die Erteilung von Hafer icheinen zu beantragen. Hierbei haben sie eine Versicherung, für die in Betracht kommende Zeit keinen Hafer mehr zn besitzen, und eine Be'chemizung des HanSwirtS seines Stellvertreters oder der Poltzei über die Zahl ihrer Bierde beizubr-ngen. Die Berteilnng der Haferfche-n- geschieht dann wiederum durch die Boznksvorsteher. Erfroren. Einen elenden Tod hat der 61 Jahre alte Arbeiter Hermavm Glnckauer au- Bogetsdon bei kUl-LandSberg gefunden. G. wurde auf der Chaustee m erstarrtem Zustande aufgefunden. Man glaubt-, er hebe nur dal Bewußtsein verloren und sucht» ihn wieder ins Leben zürückiurlifen. Aber vergeblich; der Bedauernswerte war dem Nachtfrost zum Dpier gefallen. Der 46jährige wohmmgSlose Arbeiter Albert Träger wurde DienStag morgen an de: Ungatnstraße in der Nähe de» Schille-parkS auf dem Arbeitsplatz ein.-- Dachdeckermrtster» besinnungslos und m:t eiftarrien Gliedern aufgefunden Samoriker der Feuerwehr brachten ihn naw dem Poni-Gerhardfnft Dort starb tt ick; an nach kurzer Zeil. Nach ärzilichem Gutachten ist er wahrscheinlich ein Opfer des' Frostes geworden.____ Brand der Htnnboldkmühle m Tegel. Auf dem Terrain de? Humboldtmühle. Aktiengesellschaft in Tegel. deren Hauptsitz sich in Beilin. Mondijoupiatz ll. befindet, brach gestern morgen gegen SV-j Ahr in den Kellerräumsichkeiten der Mahl» mühte ein Feuer aus. das das ganze Gebäude bis auf die Ilm- fistunzsmsueru zerstörte. Der Beirieb mußte vollständig eingestellt werden. An den AkilöschmrgS- und ÄustäumunAsarbeiten beteiligten sich neben der Tegelck Feuerwehr auch die Feuerwehren der um- liegenden Ortschaften, von der Borsig-Aktiengefellschast und aus Berlin. Der Brand wurde etwa gegen 10 Uhr vormittags gelöscht. Tie Speicher und die Maschinengebäude sind unoerichrt geblieben. ebenso die großen Vorräte an Getreide und Mehl. Der Schaden ist sehr erheblich. Im Fahre 1912 ist die Mühle bereits einmal niedergebrannt und aus das modernste wieder aufgebaut worden. Tie Entstehungsursache de! Brandes ist noch nicht klargestellt. Feuer in einer Möbelfabrik. Die große Möbelfabrik von Zelder u. Plathe» in der Möllen- dorfstraße 9 in Lichtenberg, deren Spezialität Schlafzimmer- einrichtungen für Hotels ist, wurde om Mittwoch von einem Groß- seuer betroffen, das erst nach zwanzigstündiger Löfcharbsit der Lichtenberger Wehr unter Leitung des Brandmeisters Groß voll- ständig gelöscht werden konnte. Das mächtige, weithin sichtbare, massive, erst vor einigen Jahren errichtete, moderne Fabrikgebäude mit tverivollen Einrichtungen und Maschinen, teuren Holzen und prächtigen Möbeln ist zum großen Teil ausgebrannt. Bemerkt wurde die Gefahr erst, als mn Mitternacht die Flammen aus den Fenstern schlugen. Der Schaden ist durch Versicherung zum großen Teil gedeckt. Tie Entstehung ist nicht aufgeklärt. Die Fabrik wird nacht! bewacht. Taschenfilter. In neuerer Zeit werden in der Oeffentlichkeit vielfach so- genannte Taschens ilter. die angeblich geeignet sind, unreines oder gesundheitsschädliches Wasser trinkbar zu machen, zum Versand an die im Felde stehenden Soldaten empfohlen. Amtlich wird vor dem Ankauf solcher Filter gewarnt, denn sie leisten nicht das, was an ihnen gerühmt wird. Die Kleinfilter vermögen zwar trübes Wasser zn klären, sie sind aber nicht imstande, trankmachende Bakterien oder Stoffe, wie sie häufig im verschmutzten Wasser sich vorfinden, mit Sicher- heit abzufangen. Ein Tafchenfilter kann die Gefährlichkeit unreinen Trinkwassers höchstens etwas vermindern, sie aber nicht beseitigen. Ja, ein nicht peinlich sauber ge- haltenes Taschenfilier ist sogar imstande, das Trinkwasser zn verschlechtern, weil in ihm Krankheitserreger weiter wuchern, sich vermehren und das durchfließende Wasser infizieren kön- neu. Taschenfilter wiegen somit ihre Besitzer in eine falsche Sicherheit und verführen sie zu Leichtfertigkeit beim Wasser- trinken. Abgekochtes Wasser ist solchem, daS durch Taschen» filtcr gegangen ist, unbedingt vorzuziehen. Verhaftung von Laubcndieben. Am Dienstag wurde auf dem Bahnhof in Oberschöneweide eine Einbrecherbande verhaftet. Es war aufgefallen, daß mehrere Männer schwere Lasten auf dem Rücke» trugen und ei» recht scheues Wesen zeigten. Wenige Sekunden, bevor die Verdächtigen den nach Berlin fahrenden Zug be- steigen wollten, wurde sie am Kragen gepackt und verhaftet. Es stellte sich dann heraus, daß man einen guten Fang gemacht hatte. Die Verhafteten waren gewerbsmäßige Laubeneiubrecher und Laudcndicbe, die gerade wieder von einem Raubzug mit Beute reich beladen bcimzufahren gedachten. Den Hühnern und Taube», die sie in Rucksäcken bei sich führten, hatten sie einfach die Köpfe abgc- rissen. Mit der Verhaftung der Diebesbande dürften wohl die Urheber jener fortgesetzten Laubeneinbrüche und Geslügeldiebjtähle, die in letzter Zeit in den östlichen Nachbarorten verübt worden sind« unschädlich gemacht fein.__ Wer find die Toten? Große Schwierigkeilen macht die Fesfflellung zweier Personen, die vor einiger Zeit als Leichen im Wosier gefunden wurden. Bei Weinmeisierhorn in der Nähe von Gaiow wurde au einer Gast- wirlichaft eine Frau gelandet, die etwa 25—23 Jabre all gewesen sein mag. Die Tote hat schwarzes Haar und trug ein schwarzes Kleid mit weißem Einsatz, einen graublau-geftieiften liniert ock, ein weißes Hemd, eine weiße Schürze und schwarze Strümpfe und Schuhe. Dem Aeußeren nach ist sie wohl Dienslinädcheu gewesen. Ihr weißes Taschentuch ist A. N. oder A. D gezeichnet. In Gatow»elbft wurde an dem Grundstück eines Gutsbesitzers die Leiche eines ManneS cngeichweniml. Der Unbekannte war eitva 30—30 Jahre alt und 1.00—1.05 Meter groß, harte bleudes Haar und einen kleinen dunklen Schnurrbart und trug ein schwarzes Jackett, eine Arbeiterstrickseste und eine braunschwarze Tuchweste, eine Arbeitshoie und graue Unterhosen, ein blaugestreisteS Hemd, schwarze Strümpfe und alte Zuastiesel. Beide Leichen hatten au- scheinend schon länger« Zeit im Wasser gelegen und mußten dereUZ beerdigt werden. Mitteilungen, die zur Feststellung der Persönlich- keilen dienen können, nimmt der 4. Kriminalbezirk entgegen, der auch Photographien der Ertrunkenen besitzt. /tos öen Hemeinden. Haushaltspläue. WUmersbsrf. Ter ausgelegte Voranschlag für das Rechnungsjahr 1916 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 17 553 130 M. gegen 17 226 100 M. im ötechnungSjahre 1914 ab. Von diesem Betrage entfallen auf die ordentliche Verwaltung 10 770 400 M. und ans die außerordentliche Verwaltung 782 730 M. Das sind für die ordentliche Verwaltung 702 300 M. mehr und für die außer- ordentliche Verwaltung 375 270 W. weniger als im Vorjahre. Aus den einzelnen Abteilungen beben wir folgendes hervor: Allge- meine Verwaltung: Einnahme 100090 M. 1105 800), Aus» gäbe 1 773 750 M.(1 028 400'. Kapital- und Schulden- Verwaltung: Einnahme 2008500 M.(3153100), Ausgabe 5348 230 M.(5088 400). Tie erhöhte Ausgab« ist in der Haupt- fache auf die im neuen Rechnungsjahre einsetzende Tilgung zweier Anleihsn zurückgnführen. Bon der 23 000 000-Mar!-Atileihe wird ein Zwilchendarlehen ausgenommen werden, zu dessen Verzinsung 209 900 M. vorgeschen find. Ferner sollen zur Ansammlung eines Funds zur Bestreitung außerordentlicher Bedürfnisse 120 000 M. wweitgsftsW loerden. Grund st ücksverwaltnaK: Ein- nähme 50 050 M.(52359'. Ausgabe 94 300 M.(101960). Steuerverwaltung: Einnahme 9 753 700 M.(8 003 700), Ausgabe 998 200 M.(876 200). Wie schon mehrfach erwähnt ist, wird der Gemeindefteuer- zu seht eg für das kommende Steuer jähr von 110 Proz. auf 135 Proz. erhöbt werden. Tie übrigen Steuern sollen in unveränderter Form gefordert werden. Tie Durchschnittsbelastung sämtlicher Realsteuern beträgt 106,03 Proz. des staatlich veranlagten Gesamtbetrages dieser Steuern. An Gemeindeeinkommensteuern sollen aufgebracht werden 6 210 000 M..5 060 000). Tie Übrigen Steuersummen sind nach den vorjährigen Sätzen eingestellt worden. AIS Provinstalabgahe werden 14 Proz. de! zuschlagsfähigen steneriollS erhoben werden. Tie Abgabe wird 028 000 M. gegen 816 000 M. im Vorjahre betragen. Schulverwaltung: Einnahme 653 900 M.(824 800), Ausgabe 3 801050 21. CS 613 490;. darunter für die höheren Schulen 26 329,30%i., für die Bottsfcklckm 1 180 950 M. und für die Fortbildungsschulen und Jugendpflege 53 350 28. Armen. verwaltun g: Einnahme 84 159 M., wie im Vorjahre, Ausgabe 362 600 M. gegen 301550 M. soondervor au schlag Nr. 1, Kanalverwaltnng: Einnahme und Auegabe 1071550 M. 11075 300). Zn den jiost-n des jianalisationsverbandes der ILezuewde» Wilmersdorf, trotz der Einnahmen ans den KanakuationSgedv welche bei 154 Proz. des GebäildestiuernutzuuaswertcS 570 000 M. ergeben, einen Zuschuß in Hohe von 423298 W. seitens der allge- meinrn Veneallung und von 68952 28. scitens des Kamstbau- reservcfondS. Gonberdoranschlag Rt 8, I!»t«?arvnddahn Verwaltung: Einnahme und Ausgabe 1 36(3 000 M. gegen 1 284 600 M. Der Zuschuß der Gemeinde Wilmersdorf zu dem Be triebe ist mit 134 600 M. errechnet. Die Kanalbauverwaltung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 164 000 M. gegen 468 000 M. des Vorjahres ab. Lichtenberg. Während im Vorjahre der Etat mit insgesamt 29,2 Millionen Mark abschloß, ist er für das neue Rechnungsjahr auf i£,7 Millionen Mark herabgesetzt worden. Immerhin sind auch so noch 126 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer nötig, um das Gleichgewicht herzustellen. Auch diese Erhöhung der Steuer um 26 Proz. würde nicht ausreichen, den Etat zu balancieren, wenn nicht durchs die Aussetzung der Schuldentilgung über eine Million erspart würde. Die Schulden sind inzwischen von 60,6 au' 62,3 Millionen Mark angewachsen und belasten den Haushaltsplan mit 3,7 Millionen Mark. Das Ergebnis der städtischen Werke ist wie folgt veranschlagt: Ueberschüsse des Gaswerks 1014 1 401 400 M., 1015 1 481 176 M. des Wasserwerks 1914 741 622 M., 1915 800 500 M.. des Elektri zitätswerks 1914 333 328 M., 1915 296 800 M. Die Schulden� tilgung ist auch hier ausgesetzt und dadurch sind 93 263 M. gespaR worden. Fricdrichsfelde. Der Hauptvoranschlag de? neuen Etats schließt mit einer Ausgabe von 1997 550 M. gegen 1 750486 M. im Vorjahre ab An eigenen Einnahmen sind 1 047 050 M. gegen 773 483 M. eingestellt In dieser Summe sind jedoch als Ueberschüsse aus den Vorjahren 127 703 M. gegen 32 500 M. enthalten. Durch Steuern sind 960 500 M. aufzubringen. Der Einkommensteuerzuschlag ist auf 140 Proz. veranschlagt und soll 392 000 M. bringen. Grund- und Gebäudesteuer erscheinen mit einem Ertrage von 182 000 M. für bebaute und 203 000 M. für unbebaute Grundstücke. Aus dem Ver kauf der Lebensmittel, für die zunächst 80 000 M. ausgegeben werden sollen, wird ein Erlös von 70 000 M. erwartet. Der Schuldendienst der Gemeinde verschlingt 681 239 M. Da von entfallen auf Verzinsung 470 704 M. und auf Tilgung 2!0 535 M. Die Schulden find mit 10,5'Millionen auf 11,2 Millionen Mark an- gewachsen._ Kartoffelkäufe. Neukölln. Vom Magistrat erhalten wir nachfolgende Zuschrift: „Die geringe Entnahme von Bezugsscheinen für Kartoffeln aus den städtischen Beständen hat die Verniutung hervorgerufen, daß die Einrichtung sich den Bedürfnissen unserer Bevölkerung nicht voll anpatzt. Infolgedessen hat die eingesetzte Kommission be schloffen, vom Montag, den 15. d. M. ab in den Steuerzahlstellen auch Kartosfelvezugsscheine für 1,50 M. einzuführen, welche zum Bezüge von 25 Pfund berechtigen. Der in einem Eingesandt zum Ausdruck gebrachte Gedanke, den städtischen Kartoffelverkauf auch für die Abgabe von 5 Pfund einzustellen, ist wegen Fehlens jeder zweckmäßigen Verkaufseinrichtung, wie Markthallen und dergl., nicht durchführbar. Tie Zufuhr von Kartoffeln ist durch das �rost Wetter augenblicklich noch sehr beschränkt. Sollte es der städtischen Verwaltung gelingen, noch größere Kartoffel» estände zu beschaffen, so wird voraussichtlich neben den städtischen Verkaufsstellen wieder der Vertrieb der Kartoffeln durch Händler ins Auge gefaßt werden. — Der Einkauf von Kartoffeln durch die städtische Kommission hat nicht bei einer stelle erfolgen können, weil umfangreiche Be stände nicht mehr vorgefunden wurden. Bei den Ende voriger Woche eingetroffenen Kartoffeltransporten befand sich ein Waggon, dessen Inhalt nicht einwandfrei war und der der sonst geübten sorgfältigen Kontrolle entgangen ist. Infolgedessen ist bei der am Montag, den 8. d. M., erfolgten Kartosfelausgabe ein Teil der teilweise kranken Kartoffeln in die Hände unserer Bevölkerung gelangt. Das Vorkommnis wird in der städtischen Verwaltung be dauert. Die hierdurch geschädigten Bürger können div kranken Kartoffeln bei der zuständigen Kartoffelausgabestelle gegen gesunde Kartoffeln umtauschen. Die neuerdings eingetroffenen Wagen ladungen sind völlig einwandfrei und von vorzüglicher Beschaffen' beit. Es befinden sich unter denselben die besseren Marken wie Daber, Mogmim bonum, Uptodate." Wir möchten zu dieser Zuschrift bemerken, daß wir es außer- ordentlich bedauern würden, wenn der Magssirat wieder die Kartoffeln an Händler abgeben würde. Zunächst soll man doch ab- warten, ob man mit dem neuen System nicht bessere Erfahrungen macht wie mit dem Verkauf durch die Händler. Der Neuköllner Ntagiskrat weiß doch ganz genau, daß ein großer Teil der Händler nicht die Verpflichtung erfüllt hat, die sie zu erfüllen hatten. Aber der Berkaus durch die Händler würde auch eine Verteuerung der Kartoffeln mit sich bringen. Denn die Kartoffeln, die jetzt zirka 5,50 M. im Einkauf kosten, könnten kaum unter 6 M. an die Händler abgegeben werden. Dann würden sie aber die Ver- braucher nicht unter 7 M. bekoimnen. Trägt man sich also mit dem Gedanken, wieder Händler zu berücksichtigen, so tritt man für eine Verteuerung dieses so notwendigen Nahrungsmittels ein. Diese Nückficht auf die Händler, die immer wieder ans Grinid- besitzerkressen gefordert wird, ist vollständig falsch, weil die Händ- ler, wie wir nochmals betonen, in vielen Fällen ihre der Stadt gegenüber eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt haben. Weifjensee. Die Gemeinde gibt aus ihren Beständen Eß- kartoffeln an solche Einwohner ab, deren Einkommen 2100 M. pro Jahr nicht übersteigt. Der Verkauf erfolgt in der Gemeinde- schule in der Wörthstraße. Der Preis beträgt pro Viertelzentner 1,40 M. Die Abgabe erfolgt nur gegen Gtrtscheine, die vorher im Wohlfahrtsamt, Prftoriusstr. 24, zu lösen sind. Ergebnis der Geweindewahlen in Nowawes. Bei den am Montag in den Bezirken 2 und 4 stattgefiindenen Ergänzungswahlen für die dritte Abteilung wurde,, untere beiden Kandidaten. Gewerkschaftssekretär Dietrich Osmer und Gnstwirt Her- mann Ebel ohne GegelUandidaten«ewitzlt. Ihr Sttinnwecht aus- geübt haben im 2. Bezirk von 1453 eingeschriebenen Wählern 209, im 4. Bezirk von 1270 eingoichriebenen Wählern 211. Wenn man in Betracht zieht, daß ein großer Teil der Wähler zu den Fahnen einberufen ist und daß bei der letzten Wahl nur etwas mehr als die doppelte Stimmenzahl erzielt wurde, so kann man das Ergebnis der diesmaligen Wahl als sehr befriedigend bezsichnen. « Folge» des Krieges. Die hiesige Filiale der Dentschen Juieipinnerei und Weberei(Sitz Meißen) hat ihrem Personal zum 15. März d. I. wegen Einstellung des Betriebes gelündigt. Hier- durch werden etwa'300 Arbeiter und Arbeiterinnen, die zum größten Teil hier und in Potsdam wohnen, beschäftigungslos. Gerichtszeitung. Sperrung eines Telephons. Ein Rechtsstreit, der auch in seinen früheren Stadien schon wiederholt in der Presse Erwähnung gefunden hat, ist ain Dienstag endgültig vom Reichsgericht erledigt worden. Es handelt sich inn die Frage, ob einem Fernsprechteil- n e h m e r der A n s ch l u ß wegen Beleidigung der Tel cp honist innen von der Post gesperrt werden kann. Das ist vom Reichsgericht bejaht worden. Der Sachverhalt des Streits loar folgender: Ter Rechtsanwalt Dr. Pächter in Berlin ist, wenn er bei einem Ferngespräch unterbrochen oder sonst gestört worden ist, wiederholt gegen die Tclephonistinnen ausfällig geworden. Er ist deshalb wegen Beleidigung der Beamtinnen mehrfach bestraft und ihn! schließlich der Telephonverkshr wiederholt gesperrt worden. Tänn wurde ihm der Anschluß wieder gewährt, aber nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er nicht selbst den Fernsprecher benutzen dürfe, sondern nur seine Frau und seine Angestellten. ' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Dieser Bedingung ist P. nicht nachgekommen. Er hat mehrfach selbst telephoniert und sich im April 1912, als er nach seiner Be- hauptung bei einem Telcphongespräch dreimal gestört wurde, wieder dazu hinreißen lassen, der bedienenden Telephonistin das Wort „Kamel" zuzurufen. Darauf sperrte ihm die Post den Anschluß wiederum und gab ihn aus seinen mehrfachen Antrag erst sechs Monate später wieder frei. P. erhob nun gegen den Neichspost- fiskus eine Klage auf Schadenersatz wegen der Sperrung, indem er behauptet, die Sperre sei rechtswidrig; das Reich habe kraft seiner Nkonopolstellung für den Fernsprechverkehr einen Kontra- hierungszwang, es dürfe infolgedessen den Anschluß nicht ver- weigern; die Vorschrift in§ 5 der vom Reichskanzler erlassenen Ausführungsbestimmungen zur Fernfprechgebührenordnung, wonach der Post das Recht eingeräumt ist, wegen ungebührlichen Be- nehmens eines Fernsprechteilnehmers gegenüber den Beamten des Bermittlungsamts ohne Kündigung den Anschluß aufzuheben, sei rechtsungültig, weil sie im Telcgraphengesetz keine Grundlage finde; die Wiedergewährung des Anschlusses erst sechs Monate nach seinem Antrag sei eine ungebührliche Verzögerung, die nicht zu- lässig sei. Das Landgericht und Kammergericht zu Berlin haben die Klage abgewiesen. Zu dem gleichen Ergebnis gelangte das Reichs- gericht, indem es die von dem Kläger eingelegte Revision zurück- gewiesen hat. Zur Begründung dieser Entscheidung führte der III. Zivilsenat ans: Die Telegraphenverwaltung bewegte sich vollkommen innerhalb ihrer zuständigen Rechtsschranken, wenn sie dem Kläger den Telephonanschluß entzog. Dem Reichskanzler ist vom Gesetz die Befugnis erteilt, überhaupt die Bedingungen für den Fernsprechanschluß und für dessen Entziehung festzusetzen. Wenn der Reichskanzler in§ 5 der Ausführungsbestimmungen bestimmt hat, daß jedem Fernsprechteilnehmer die Benutzung untersagt werden kann, wenn er sich Beleidigungen von Beamten zuschulden kommen läßt, so bleibt der Reichskanzler damit voll- kommen innerhalb der Schranken des Gesetzes. Deshakb braucht auf die weitere Frage, ob es zulässig war, daß dem Kläger bei der Mct>ergewäjhrung des Aisschlusses zur Bedingung gemacht wurde, daß nicht er selbst, sondern nur seine Frau und seine Ange stellten den Apparat benutzen dursten, nickst eingegangen j(u wer- den. Was den zweiten Fall des Klageanspruchs anlangt(Schaden ersatz dafür, daß der von dem Kläger im Mai 1912 begehrte An schluß erst im Oktober 1912 gewährt wurde), so handelt es sich hier- bei um nichts anderes als um die Aushebung der Sperre. Die Post war, da sie das Recht hatte, den Anschluß wagen ungalmlir lichen Benehmens zu entziehen, auch befugt, den Aiederanschluß erst in einer ihr angemessen erscheinenden Zeit zu gewähren. Es hat aber auch, abgesehen von den Hauseigentümern, zu denen Kläger nicht gehört, niemand sonst nach dem Gefetz ein absolutes Recht aus die Gewährung von Fenssprechanschluß. Anders verhält es sich bei dem Anschluß an das örtliche Fernsprechnetz. Das Gesetz gibt aber keine Handhabe, irgendwie, namentlich im Wc der Zivilklage, gegen die Telegraphenverwaltnng vorzugehen, wenn sie von der"ihr zustehexden Macht einen Gebrauch macht, der dem davon Betroffenen nicht als richtig erscheint. Ein solches Recht ist im Klageweg« nicht verfolgbar. Unschuldig. Beschuldigungen durch die eigene Tochter haben seiner zeit zur Verurteilung der Witwe Rosa Markus geb. Eine- mann geführt, die gestern unter der Anklage des Diebstahls vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I als BerufSinstanz stand. Anfang dieses Jahres waren in der Wertheimschen Filiale in der Königstvaße besonders zahlreiche Diebstähle vorgekommen. Eines Tages war die dort angestellte Detektivin Meyer von einer Käuferin auf zwei Frauen am Wäschelager aufmerksam gemacht worden, die besonders eifrig auf der Suche«ach neuen Hemden- mustern sich betätigten. Die beiden verdächtigen Fraugnspersonen, die dann als die Witwe M«rkus und deren Tochter Frida Weinberg festgestellt wurden, wurden plötzlich festgehalten und zur Leibes- Visitation geführt. Bei dieser wurden bei der Tochter fünf Hemden zutage gefördert, die sie aus den Auslagen des Kaufhauses hatte verschwinden lassen. Die Angaben der Tochter belasteten auch die Mutter, die sich gegen den Vorwurf des Diebstahls entschieden wehrte, so daß auch sie unter Anklage gestellt wurde. Vor deni Schöffengericht waren beide Frauen, die gebürtige illnssen sind, von dem AmtsgerichtSrat v. TreSckow zu je 4 Monaten Gefängnis' verurteilt worden mit der Begründung, daß sich Deutschland gegen derartige Vertreter des RusieutumS besonders energisch wehren müsse. Während die Tochter sich bei dem Urteil beruhigt hatte und die Strafe zurzeit verbüßt, hatte die Mutter, die gleichfalls sofort in Haft genommen worden war, Berufung eingelegt, und zwar, da ie des Schreibens und Lesens unkundig ist, durch drei Kreuze statt ihrer Namensunterschrift. In der Verhandlung vor der Strafkammer führte Rechtsanwalt Dr. Frey unter Vorlegung beweiskräftiger Kassenzettel aus, daß die Angeklagte nur bereits gekaufte Sachen habe umtauschen wollen, wies aus die völlige Un- bescholtenheit der alten Frau hin und geißelte scharf die Tochter, die ihre Mutter unschuldig mit ins Verderben gezogen habe. Der Verteidiger beantragte Freisprechung. Der Gerichtshof entsprach diesem Antrage im Gegensatz zum Staatsanwalt, der aus Vcrwer- ung der Berufung plädiert hatte. Kleine Nachrichten. Einen Ausschnitt aus der Schlacht bei Soiffons gibt in einem Feldpostbriefe, den der druckt, ein Lübecker an seinen Freund. „Lübecker Volksbote" ab- Er schreibt: 26. Februar 1915. Mein lieber Freund! Wir lagen im Quartier in Ch.... mit dem 2. Bataillon der Vertragen konnten wir uns ganz gut. Da hieß es plötzlich eines Tages, das 2. Bataillon der... fertig machen. Wir hörten hoch auf, ob wir es auch vielleicht sein sccklton, doch wir hatten uns nicht verhört. Keiner wußte, was eigentlich los werden sollte. Die großen Frachtautos hielten auf der Straße: Bataillon einsteigen, und dann in voller Fahrt zum Bahnhof. Nicht lange nachher sauste der Zug auch schon los. In der Bahn wurde sich allerhand erzählt und gemutmaßt. Nach der Fahrt mußten wir noch drei bis vier Stunden laufen, ehe man am rechten Ort war. Dann wurde Quartier in total von der Artillerie zerstörten Häusern bezogen. Das war nachts 2 Uhr. Die Rast dauerte nicht zu lange, denn schon um 5 Uhr wurde Alarm geblasen. Es hieß Sturmgepäck fertig machen und sofort antreten zum Abmarsch in den Schützengraben. Um 6 Uhr war alles fertig. Es ging aber nicht in den Schützen- graben, sondern in die Sappen. Da hieß es, sich still hinsetzen und ich nicht sehen lassen, um das Artilleriefeuer zu verhüten. Punkt 12 Uhr soll es zum Angriff übergehen. So wie der erste Kanonen- chuß von unserer Seite fällt, ist die Uhr 12 und dann geht es los. Der erste Schuh fiel, doch ehe er krepierte, war alles raus aus den Gräben— und„haste nicht, so kannst du doch", alles was das Zeug halten konnte, ging es drauf. In drei Minuten war der erste Graben genommen. Von unserer Seite waren 4S0 Geschütze aufgefahren, dann die feindlichen dazu, da wurde gefeuert was das Zeug halten konnte. Unter diesem Kanonendonner gingen wir vor; in eine solche Lage mutz man sich hineindenken können. ES hatte schon einige Tage geregnet, der Boden war so arssgsweicht, daß viele die Stiefel dabei verloren. Sie liefen so weiter. Andere hatten sich in Drahthindernisse vertüdelt; die hatten den Rock ans- gezogen und gingen in Hemdsärmeln drauf los. Einige liefen auf Flatterminen und mußten so ihr Leben büßen. Es war gerode die Zeit, wo die Franzosen ablösen. Dabei wurden sie überrascht und verkrochen sich in einer Schützengrabe nhähle. Es waren 600 Mann, worunter viele Schwarze. Zwei der llnsrigen hatten die Feinde in der Höhle entveckt und schössen hinein. DaS Feuer wurde erfolglos erwidert. Glücklicherweise kam ein Pionier des Weges. Der sagte, Ihr könnt Euch freuen, daß Ihr mich getroffen habt, denn ich habe Bomben bei mir. So begann die Schlacht der drei gegen die Ueberzahl. Einer rief auf Französisch in die Höhle hinein:„Kommt Ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt!" Die Antwort waren Gewehrkugeln.„So, nun kommen wir", sagte der Pionier und warf die erste Bombe hinein. Da ging das Geschrei in der Höhle los. Schon bei der zweiten Bombe kam einer nach dem anderen heraus und so zogen unsere drei Mann mit den vielen Gefangenen ab ins Dorf. In den Schützengröben lagen die Franzosen wie abgemäht, einer auf dem anderen. Auf Wieder- sehen!_ W Der Direktor als Kritiker. Der Leiter des Potsdamer Schanspielhauses, Herr Axel Delmar, hatte im Herbst vorigen Jahres im Einverständnis mit einer Potsdamer Zeitung unter einem Pseudonym zugleich die Kritik über sein eigenes Institut übernommen, um im Publikum„diejenige Stimmung zu erhallen, von der zu erwarten war, daß sie sich in einen leb- hasten Theaterbesuch umsetzen würde". Das ist ihm auch geglückt, und in einem Artikel des erwähnten Blattes siebt Herr Delniar mit Stolz aus seine Doppelleistung zurück. Das„Berliner Tageblatt" hatte dies Benehmen sanft getadelt. Schärfer urteilten die.Münch. Neuesten Nachrichten": „Nicht nur gegen„eine Verallgemeinerung diese? neuen Brauches", sondern schon gegen die Talsache, daß in einem Fall einem Theaterdirekior im Verein mit einem Zeitungsverlag der Streich geglückt ist, dem Publikum Kritiken vorzusetzen, die nichts anderes als Reklameartikel sein konnten, läßt sich„einiges einwenden". Viel- leickst erfährt man noch den Namen der Potsdamer Zeitung, die sich zu dem unwürdigen Treiben hergegeben Hai. Von solchen„Husaren- stückchen" wollen wir auch während des Krieges nichts wissen, und wenn jemand die Lacher auf seiner Seite hat, so ist das noch lange kein Beweis dafür, daß sein Gebaren erlaubt ist." Rezept zur Beilegung von Parteikonflikten. Auch die holländische Arbeiterpartei ist zurzeit mit inneren Streitigkeiten reich gesegnet, und im Zentralorgan„Het Volk" nehmen die polemischen Zuschriften einen ichreckenerreg enden Umfang an. Eine Polemik des.Volk" mit dem Abgeordneten Duijs hat nun der Redaktion eine Zuschrift eines Parteigenossen aus der Provinz eingeirage». die mit folgender gemütlicher Aufforderung schließt:.Seht einmal, Redaktion und Duijs, seid nicht so reizbar! Wir find gegenwärtig alle ein bißchen nervös und ichreiben leicht etwas, was uns später leidtut. Beurteilen wir einander doch etwas gerntillicher imd iprmgen lvir nicht bei jeder Gelegenheit in die Hobe wie eine FlohgeseSschaft. Etwas Verträglichkeit verhütet so viele Unannehinktchkettcn! Also seht doch, Redaktton und Duijs, es war von beiden Seiten incht so böse gemeint I Trinkt eins darauf, wenn ihr einander begegnet(mit Kaffee, Tee oder Wasier, denn ich bin Abstinent), raucht auch zusammen eine gute Zigarre! Dann ist's doch vergessen und vergeben?"—' In dem Rat des friedsamen Genoffen ist mehr Weishett, als auf den ersten Blick scheinen möchte. Ab« wer hört in mrseren Tagen auf Worte der Weisheit? Und die Leidenschaften find nicht so schnell verraucht wie die Zigarren. sich Bescheidene AnsprSche. Im„Anzeiger des Zeitungsverlags" vom 5. März d. F. befindet folgendes Inserat: Wir suchen zur Vertretung unseres Chefredakteurs eine geeignete Persönlichkeit mit langj. j o u r n a l i st. Erfahr, und Befähigung, ein zweimal täglich er- scheinendes Blatt zu leiten. In Anbetracht der durch den Krieg äußerst beschränkten Redattionslräfte ist eine ArbeitszÄt morgens v»n 4 Uhr bis abends um 10 Uhr Bedingung, selbfwerständl. mit klein. Unterbrechungen. Gut empf. Herren wollen ihre Offerten mit Gehalts- forderung umgehend einreich, unt. M. 848 an die Ge- schäftsst. des Z.-B. Ein Chefredakteur, dem eine Arbeitszeit von 18 Stunden zu- gemutet wird, ist wirklich nicht zu beneiden. Und die Leser eines solchen täglich zweimal erscheinenden Blattes sind bei aller Rücksicht aus die durch den Krieg äußerst beschränkten Redakiionslräfte nur zu bedauern._ parteiveranftaltungen. Röutgeittai> Zepernick> Buch. Di« Zahlabenpe sallcn w dieser Woche ans. Bernau(Bezirk Schönow). Sonntag, den 14. März, abends 6 Uhr: Zahlabend bei Dmuero«, Berliner Sttatze. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notw endig. Die noch schien- den Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Jugevöveranftalttmgen. Dcmpellwf-Mariendorf. Heute abend 8'/, Uhr im Jugendheim: Vortrag des Herrn H. Eb crlein über:»Die deutschen Bestciungs- kriege."— Sonntag, den 14. März: Führung durch daS Aquarium. Treffpunkt'1,9 Uhr vor dem Heim,'1,11 Uhr vor dem Aquarium. Eintrilt 10 Pf. Abends Besuch des Zchleudoiser Jngendheims. Tresspunkt 4 Uhr m unserem Heim._ ßrauenveranftaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Die nächste Dereinsvettmnmlung findet Montag, den 20. März, in der Neuen Philharmonie, Köpcnicker Str. 96/97, statt. Sneffasten öer Reöattion. Die luristisch- Svrcchfwnde findet für ildotmenten Clndcnßr. 3, IT. Hof rechts, parterre, am Mionlag bis Freitag von 4 bis 7 Uyr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den Vrtefka stell bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Aniwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauittung beigefügt ist, werde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der vrechslunde vor. BcrtrSge, Schrtststückc nnd dergleichen dringe man in die Sprechstunde mit. G. R. F. 2. 1. Das uneheliche Kind ist nur erbberechtigt am Nach- laß der Mutter. 2. Ja.— G. I. 83. Ja.— St. B. lOO.Ja.— G. 10. Wegen Nervenkrankheit nur landsturmpfüchüg.— W. H. 124. Unter- stützungsontrag ist bei der zuständigen Steuerkasse zu stellen. Die Unter- stühuug beträgt monatlich 6 M. Der Antrag ans Miewnterstütznng ist eben- Wils bei der Steuirkissß zu stellen.— A. 9ö. Sie können durch eigen- hävdiges Testament die Effbichast in dem von Ihnen angegebenen Sinne regein.— H. M. 23. Sie können beide nochmals gemustert werden. Das erste Zeichen bedeutet wegen Bcrunstalümg des Mundes zurückgestellt. Eine Bezeichnung ,Z. 91' qibt es nicht.— Neukölln O. 8. 28. Geringe törpertiche Feiler; dienst fbhig.— S. 31. 86. I. Ja. 2. Es wäre empfMenSwert, wenn der TeilamentsvoSfireckcr die Sache in die Hand nimmt.— Klara 100. Zur Weiterve rsichcrung bedarf es keiner Meldmig. Sie können Ma»keil der niedrigsten Klasse kleben, müssen aber, um Ihre Antvarsschast ausrechtzuerballcn, in zlvci Jahre» mindestens 20 Marken kleben.— Kismet. Sie müssen selbstverständlich einen Pah haben. Wegen der Uebersahrt erkundigen Sie sich im Bureau der Hamburg-Amerika-Linie, Unier den Linden.— 28. M. 100. Ist gesetzlich noch nicht geregelt. O. L. 17. Durch die Aninesticerlasse ist es jetzt möglich, dah solche Personen zum Militär eingezogen werden können.— S. Nr. 1. Die Witwe erhält 400 M. und siir jedes Kind 168 M. jährlich. Der Jahr- gang 1891 ist lange gemustert: melden Sie sich beim Bezirkskommando. Für den Inseratenteil verantw. Tb. Glocke.Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Luchdruckcrei u. VcrlagsanWff Paul Singer& Co. Berlin SW.