Nr. 79.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerands: Bierteljährl 3,30 Mt.. monatl. 1,10 M wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 g. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Boft Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. C Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Solonel. zeile oder deren Kaum 60 Bfg., für politische und gewerffchaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrucie Wort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes meitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Ami Morigplat, Nr. 151 90-151 97. Sonnabend, den 20. März 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Amt Moritplay, Mr. 151 90-151 97. Der Kampf um die Dardanellen. Der türkische Krieg. Neue Angriffe. Die Meldung des Großen Hauptquartiers| Amtlich. Großes Hauptquartier, den 19. März 1915.( W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Griechenlands Besinnung. Die verbündete englisch- französische Mittelmeerflotte sett nach den letzten Meldungen aus Konstantinopel den Versuch fort, die Durchfahrt durch die Dardanellen zu erzwingen. Die Blätter, die bereits meinten, die Londoner Admiralität habe allzu früh gejubelt. Das war vorauszusehen. Mögen immerKonstantinopel, 19. März.( W. T. B.) Das Hauptquartier meldet: Die feindliche Flotte, welche sich aus 16 Panzerschiffen, darunter 4 französischen, 3 Kreuzern und In der Champagne scheiterten wieder zwei die Nuslosigkeit der Forcierungsversuche eingesehen, haben mehreren Torpedoboots zerstörern zusammensetzte, eröffnete französische Teilangriffe nördlich von Le Mesnil hin eine Anzahl Schiffe der englisch- französischen Flotte schwer gestern vormittag um 11, Uhr das Feuer gegen die Forts und nördlich von Beau Sejour; zwei Offiziere, beschädigt sein und Churchill wie seine marinesachverständigen der Meerenge. Um 3 Uhr nachmittags zog sich ein Teil der 70 Franzosen wurden gefangen genommen. Ratgeber sich über die Widerstandsfähigkeit der Dardanellenfeindlichen Flotte aus dem Bereich des Feuers unserer Batterien Nach schweren Verlusten 30g sich der zurückge- auf die Erzwingung der Durchfahrt nach all den großen forts getäuscht haben, so würde doch ein völliger Verzicht zurück. Acht Panzerschiffe setzten die Beschießung in langen schlagene Feind in unserem erfolgreichen Feuer Erwartungen und Hoffnungen, die die englische Zwischenräumen fort, bis sie um 6 Uhr das Feuer ein- in seine Stellungen zurück. stellten und sich entfernten. Außer dem französischen Panzer Bouvet" wurde ein französisches Torpedeboot sen mehrere Vorstöße. In der Woevre- Ebene Baltanstaaten noch mehr ernüchternd und abkühlend wirken, Südöstlich von Berdun machten die Franzo- England als eine Niederlage, als eine Vernichtung schöner zum Sinfen gebracht. Ein englisches Panzerschiff wurden sie abgewiesen, am Ostrande der Maas- als es schon der von Ssasonow verkündete Anspruch Rußlands vom Typ des Irresistible" wurde schwer beschädigt und nahm so start nach Backbord über, daß seine Kanonen höhen wird noch gekämpft. Deftlicher Kriegsschauplatz. ins Wasser zu tauchen schienen. Das Schiff war außer stande, irgendeine Bewegung auszuführen. Ein anderer Die Lage bei Memel ist noch nicht geklärt; Panzer, Africa", wurde in gleicher Weise be- anscheinend sind schwache russische Abteilungen ſchädigt, neigte sich auf die Seite und entfernte sich in Memel eingedrungen, Gegenmaßregeln sind mit großer Mühe. Der von unseren Geschossen, von denen getroffen. einige auch andere Schiffe trafen, angerichtete Schaden konnte und französische Presse erweckt haben, nicht nur in Frankreich und Hoffnungen aufgefaßt werden, sondern auch in den neutralen auf den Besitz Konstantinopels und der Europa von Vorderasien trennenden Meerenge getan hat. Auch die gemeldete Zerstörung des französischen Panzerschiffs„ Bouvet" und zweier noch einige weitere folgen dürften, werden deshalb kaum englischer Linienschiffe, denen vielleicht in den nächsten Tagen die englische und französische Regierung zu einem Fallen lassen ihrer Forcierungspläne veranlassen; denn der VerIust an Prestige und an der bisherigen Autorität der Levante wäre von recht be. nicht festgestellt werden. Der harte Kampf, der sieben Stunden Pissek und Orzyc, sowie nordöstlich und westlich Sämtliche russischen Angriffe zwischen deutendem Nachteil für die Alliierten. dauerte, endete mit dem Siege unserer Forts. Mit Ausnahme von Prasznysz wurden abgeschlagen, zum Teil leichterer Beschädigungen einiger unferer Erdwerke erlitten wir unter sehr schweren Verlusten für den Feind. Die Verhältnisse südlich der Weichsel sind unverändert. Oberste Heeresleitung. feinen Schaden. Zwei englische Linienschiffe in den Grund gebohrt? Konstantinopel, 19. März.( W. T. B.) Die bereits von der Agence Milli verbreitete Meldung von dem Untergang der englischen Linienschiffe, Irresistible" und ,, Afrika" wird jest vom türkischen Hauptquartier bestätigt, das darüber folgendes meldet: Die englischen Linienschiffe Irresistible" und Afrika", die gestern als start beschädigt gemeldet wurden, sind um Mitternacht durch die Batterien in den Grund geschossen worden. * * Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 19. März.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Wien, 19. März 1915, mittags: Ob freilich der Versuch der englisch- französischen Flotte au dem gewünschten Resultat führen wird, das ist eine andere Frage. Bisher hat er nur den Erfolg gehabt, daß in Griechenland Herr Venizelos vorläufig taltgestellt worden ist, und die neue Regierung sich für eine Fortsetzung der bisherigen Neutralitätspolitik erklärt hat, und zwar ist dieser ganze Umschwung in Griechenland mit einer merkwürdigen Ruhe erfolgt: ein Beweis dafür, wie wenig die große Masse der mittleren und ärmeren Bevölkerung für die Beteiligung am Weltkriege eingenommen ist, und wie sehr dic Kriegstreiberei der voraufgehenden Wochen künstlich durch die leidenschaftliche Preßagitation des Herrn Venizelos und seiner In den Karpathen im Raume bei Lupkow und engeren Freunde herbeigeführt worden war. Als Venizelos Smolnik lebhafter Geschützkampf. Ein auf den Höhen süd- am 6. März mit seinem Stabinett demissionierte, sah es fast westlich Baligrod angefekter Nachtangriff der Russen wurde aus, als hätte er es auf eine große M a chtprobe abnach kurzem Feuerkampf zurückgeschlagen. Stärkere feindliche gesehen, als stelle er die Frage:„ Der König oder ich!" Kräfte griffen vormittags unsere Stellungen nördlich des Aber sein Rücktritt hat taum ernstliche Ruhestörungen zur Uzsoker Basses an; so wie am 14. dieses Monats wurden sie Folge gehabt- ein Resultat, das allerdings nicht, wie auch gestern unter schweren Verlusten abgewiesen. einzelne Blätter zu melden wissen, der großen Popularität An der Schlachtfront in Südost galizien wurde des Königs Konstantin zu danken ist, die Popularität Konstantinopel, 19. März.( W. T. B.) Ueber das Gefecht in vormittags erbittert gekämpft. Die zahlreichen Angriffe, die des Herrn Venizelos den Dardanellen wird ergänzend gemeldet: Ein Geschwader der Feind diesmal gegen die Mitte und den linken lügel der sondern weil der König den weitaus größten Teil der ist zweifellos weit größer, von sechs englischen und vier französischen Linien- Stellung richtete, scheiterten durchweg an der festen und stand- Armee oder vielmehr des Offizierkorps, mit dem Oberschiffen griff gestern vormittag 11 Uhr 30 Min. drei Befestigungen haften Haltung unserer braven Truppen. Der Gegner erlitt befehlshaber Sumanis an der Spitze, hinter sich hat, weil der Dardanellen an, während andere Teile der verbündeten Flotte sehr schwere Verluste. Das Angriffsfeld ist bedeckt von Toten. ferner die große Mehrheit der ärmeren Bevölkerung noch die in der Sarosbucht operierten. Nach heftigem Feuergefecht zogen Fünf Offiziere und fünfhundert Mann des Feindes wurden Leiden und Wirtschaftsstörungen der letzten Balkankriege zu sich die gegnerischen Streitkräfte um 2 1hr 30 Min. nachmittage zurück. Ein Teil des Geschwaders sezte das Feuer bis 5 Uhr nachsehr in Erinnerung hat, um große Lust nach neuen friegerischen Abenteuern zu verspüren, und weil drittens die mittags aus weiter Entfernung in gr ßen Zwischenräumen fort. handel und gewerbetreibenden Schichten, wenn sie auch durchaus nicht gegen jede Beteiligung am Striege sind, doch vor läufig die Teilnahme noch für zu riskant halten- vor allemt zu gefahrvoll für das griechische Geschäft in der europäischen Türfei, in Anatolien und Syrien. Dazu kommt dann noch die Furcht vor Bulgarien, da das mazedonische Gebiet Griechenlands, besonders die nördlich der Halbinsel Chalkidike Das französische Linienschiff, Bouvet" stieß nahe der Einfahrt um 2½ Uhr nachmittags auf eine Mine und iant in drei Minuten. Ein englisches Torpedo boot wurde in Grund geschossen, das englische Linienschiff, Irresistible" attionsunfähig, ein weiteres Linienschiff schwer beschädigt. 50000 Mann Landungstruppen. Freude über die Versenkung des „ Bouvet". entwaffnet und gefangen. An den Fronten in West galizien und Polen keine Veränderung. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Bureau und die Preffe der Aliierten verbreiteten lügenhaften Be- gelegenen Territorien weit überwiegend von Bulgaren berichte über die bisherigen Ergebnisse der gegen die Dar- bölfert sind, die nach einer Angliederung an Bulgarien trachten. danellen gerichteten Operationen zu widerlegen, hat Griechenlands Bevölkerungs- und Wirtschaftsverhältnisse Athen, 19. März.( W. T. B.) Aus Tenedos wird der Kriegsminister den Botschafter der Vereinigten Staaten sind eben höchst eigenartige. In Griechenland selbst lebt nur gemeldet, daß in Mudros 50 000 australische, englische und Morgentau und den österreichisch- ungarischen Militärbevoll- ein Teil der eigentlichen Griechen, ungefähr 2½ Millionen; französische Kolonialtruppen unter dem Befehl des Generals mächtigten Generalmajor Pomaintowski fowie den Justiz dagegen leben mehr als drei Millionen im Auslande, teils d'Amade für einen Landungsversuch bei den minister Jbrahim Bei, den Senator Marschall Fuad Paicha, mehrere in der europäischen Türkei in Konstantinopel und dessen Dardanellen versammelt seien. Deputierte und mehrere andere Persönlichkeiten eingeladen, die nächster Umgebung wohnen allein mehr als 200 000- und Dardanellen zu besichtigen. Die genannten Persönlichkeiten, die von in den Hafenstädten vom Bosporus längs der Pontusküste der Besichtigung bereits zurückgekehrt sind, haben alle wichtigeren nordwärts, teils in Anatolien, Syrien, Aegypten usw. In Berteidigungsobjekte in Augenschein genommen und festgestellt, daß lettgenanntem Lande sind sie unter allen fremden europäischen alle forts und Batterien ohne Ausnahme und mit Ein- Nationen am stärksten vertreten und machen mehr als zwei schluß sämtlicher Geschüße vollkommen unversehrt sind und die Fünftel der ganzen Fremdenbevölkerung aus. Diese Auslandsfie verteidigenden Offiziere und Mannschaften von herrlichem Geiste griechen, die vielfach mit ihren Anverwandten in der Heimat Eingehende im Verkehr stehen, beschäftigen sich nur selten mit Ackerbau, erfüllt und voll unerschütterlichen Vertrauens sind. Berichte aus neutraler Quelle in Smyrna stellen neuerdings den denn aller schweren förperlichen Arbeit sind sie abhold. Auch vollständigen Mißerfolg der letzten Befchießung der Forts von als Handwerker sind sie im ganzen wenig tätig, und wenn, Smyrna durch die feindliche Flotte fest. Von den fünfhundert dann meist in leichteren, gewinnbringenden Gewerben. Schüssen, die die englischen und franzöfifchen Kriegsschiffe abgaben, Größtenteils sind sie Krämer, Klein- und Großhändler, beerreichten nur vier ihr Ziel. Die türkischen Forts erwiderten das fonders aber Kleinbanfiers, Agenten und Geldwucherer. An Der Zustand der Dardanellen- Forts. Feuer tapfer und mit vielem Erfolg. Die Bewohner der Stadt Geschäftssinn, Geriebenheit und Erwerbssucht übertreffen sie Konstantinopel, 19. März.( W. T. B.) Um durch Beobachtungen gingen ruhig ihres Weges und hatten nur Worte des Spottes für meist noch die levantinischen Juden und die Armenier und unparteiischer und tombetenter Beugen die durch das Reutersche die Ungeschicklichkeit der feindlichen Flotte. sind daher bei der einheimischen Bevölkerung, vornehmlich der " Konstantinopel, 19. März.( W. T. B.) Das Schicksal des Panzerschiffes Bouvet" rief hier ungeheure Freude hervor. Bald nach dem Bekanntwerden der Nachricht flatterten von zahlreichen Gebäuden Fahnen in den osmanischen und den Farben der Verbündeten. kleinbäuerlichen Landbevölkerung, die sie nach allen Regeln der Kunst übervorteilen und ausbeuten, wenig beliebt. Um so mehr halten sie, wie das ge- wohnlich bei derartigen fremdrassigen Handelsvölkern der Fall ist, unter sich zusammen und suchen Rück- halt an Griechenland selbst und an den europäischen Kaufmanns- schichten in den orientalischen Handels- und Küstenstädten. Vor allem sind sie, da Englands Kaufmannschaft meist in den Hafenstädten dominiert und von ihrem großen Handels- und Schiffsverkehr so mancher fette Bissen für sie abfällt, england- freundlich; dagegen meist wütende Türkenfeinde, nicht nur, weil sie in diesen(durchweg ist der levantinische Grieche fanatisch kirchengläubig) Feinde ihres Glaubens erblicken, sondern weil ihnen auch vielfach die osmanischc Beamtenschaft in den vorderasiatischen Wilajets bei ihren Geschäftsmanipulationen hindernd im Wege steht. Und diese Stimmung und Verstimmung, wie sie sich seit Jahrzehnten unter den Auslandsgriechen niedergeschlagen hat, hat sich von dort mehr und mehr auf die einheimische Be- völkerung Griechenlands übertrageu. Der Durchschnittsgrieche sieht in England das größte Handelsvolk der Welt, dessen Flotte seinem Willen überall Gehör verschafft, und mit dem sich günstig zu stellen, deshalb die kaufmännische Klugheit ge- bietet. Rur bei den vornehmeren gebildeten Griechen ist die Vorliebe für Frankreich und französisches Wesen vielleicht noch größer, als die für Old England. Für die eigentlichen Osmanli hat der Grieche hingegen selten Sympathie. Er ist durchweg ausgesprochener Türkcnfeind und Türkenverächter, Iveit mehr als z. B. der Bulgare und Rumäne, wenn er auch gerne mit den Türken profitable Geschäfte macht. Daß unter diesen Umständen das Bemühen der Entente- mächte, Griechenland zur Beteiligung am Krieg, besonders zur Besetzung Gallipolis zu bewegen, bei den Griechen auf ein gewisses Verständnis stieß, kann nicht Wunder nehmen, zumal es England wohl kaum an allerlei schönen Ver- sprechungen hat fehlen lassen. Nach russischen Meldungen soll .Herrn Venizelos sogar das Wilajet(Generalgouvernement) Smvrna in Anatolien in Aussicht gestellt worden sein. Und sicherlich würde sich auch Griechenlnnd kaum gescheut haben, sich in ein neucS Abenteuer zu stürzen, säße ihm nicht der Bulgare im Rücken und erschiene ihm der ganze Kriegshandel denn doch nicht als sehr gewagt— denn gelingt es nicht, die Türkei bald zu besiegen, so wird das griechische Geschäfts- treiben in den türkischen Gebieten davon zweifellos großen Schaden haben. Dazu kommt die traurige Wirtschaftslage im eigenen Lande! Griechenland, das bekanntlich 1893 den Staats- bankerott ankündigte, steckt in hohen Schulden, die sich Mitte vorigen Jahres auf rund 1912 Millionen Frank in Gold und 120 Millionen Drachmen in Papier beliese». Nahezu ein Drittel seiner ganzen durch hohe Steuern eingetriebenen Staatseinnahmen gehen zur Deckung der Zinsen für die. ver- schiedenartigen Schuldverpflichtungen des Staates auf, für die eine lange Reihe von Steuererträgen, Zöllen und Hafen- gebühren verpfändet ist. Landwirtschaft und Viehzucht steht auf außerordentlich niedriger Stufe, weit tiefer als in Rumänien, Bulgarien. Serbien, wie denn z. B. der Weizen- ertrag pro Hektar in Griechenland nur etwas über 3 Doppel- zentncr beträgt, in Bulgarien durchschnittlich über 11,5, Serbien 10,5, Rumänien 14 Doppelzentner. Die eigene Produktion Griechenlands an Getreide, Fleisch, Fischen reicht denn auch bei weitem für den eigenen Bedarf nicht aus und muß alljähr- lich durch Zufuhren aus dem Auslande ergänzt werden. Dazu kommt, daß die eigentliche Industrie gering entwickelt ist, und die ErzProduktion, obgleich reiche Erzlager vorhanden sind, noch in den Ansängen steckt. Die Folge ist, daß Griechenland eine stark passive Handelsailanz hat, daß heißt der Wert der Ein- fuhr den des Exports eeträchtlich übersteigt. Der Einfuhr- Überschuß betrug z. B. im Gesamthandcl(einschließlich Edel- metalle und Münzen) 1911= 26, 1910=13, 1909= 29, 1908= 35 Millionen Mark. Unter solchen Umständen scheint es selbst manchen? etwas nüchterner denkenden und rechnenden griechischen Geschäfts- inann recht bedenklich, von neuem das Land in einen ge- rährlichen Krieg zu stürzen, der leicht zu einem völligen finanziellen Zusanimenbruch führen könnte. Für den Größen- mahn des Herrn Venizelos kommt das freilich nicht in Be- tracht. Er möchte gar zu gerne eine große Rolle spielen. Westlicher Kriegsschauplatz. Richtigstellungen. A m t l i ch. Berlin, 19. März. Im Auslande wird von französischer Seite die Nachricht verbreitet, daß es sich bei der W i n t e r s ch l a ch t in der Champagne nicht um einen Durchbruchsversuch, sondern um die Absicht gehandelt habe, deutsche Kräfte zur Entlastung der Russen zu fesseln. Man will hiermit den eigenen Mißerfolg bemänteln und andererseits dem Bundesgenossen Sand in die Augen streuen. Leider wird die Behauptung dadurch widerlegt, daß Kämpfe, die am 16. Februar in der Champagne begannen, nicht Wohl russische Truppen entlasten konnten, die an diesem Tage schon in den masurischen Wäldern umzingelt waren, und daß serner den Deutschen die Befehle in die Hände gefallen sind, die den Durchbruch ausdrücklich anordneten. Ter englische Dberbefehlshaber soll, wie aus Christiania und Bukarest gemeldet wird, den Verlust der Deutschen bei Neuve Chapelle auf 18 990 Main? beziffert haben. Diese Zahl übertreibt die Zahl der tatsächlichen Gesamtverluste u?n das Dreifache. Auch sonst sind in letzter Zeit im Ausla??d teils unerhört übertriebene, teils völlig frei erfundene Nachrichten über große Verluüe der deutschen Truppen verbreitet worden. Die deutsche Heeresleitung bleibt demgegenüber bei ihrem Entschluß, in? allgemeinen auf einen Kainpf gegei? Lügen zu verzichten. Sic trägt i?n Bewußtsein des Vertrauens des eigenen Volkes kein Bedenken, die feindlichen Berichte nach wie vor auch zur Veröffeirtlichung in der deutschen Presse zu- zulassen.'(W. T. B.) Der franzö'ststhe Tagesbericht. Paris, 19. März.(W. T. B.) A?ntlicher Bericht von gestern nachmittag: Die belgische Artillerie rückte weiter a?l der Mer bor. Sie beschoß einen feindlichen Transport auf der Straße Dixmuiden— Eessen. Zwischen Lys und O i s c Artilleriekämpfe. Der Feind beschoß besonders die Höhe Notre Dame de Lorotte ul?d die Dörfer Carnoy und Maricourt. Nichts NeueS von den Operationen in der Champagne. J?? L o t h r i n g e n ArWerieduell. Einer unserer Flieger bombardierte de:? Bahnhof Eonflans. Paris, 19. März.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von g e st e r n abend: Ein Zeppelin>varf Bomben auf Calais. Er zielte auf de?? Bahnhof, verursachte aber keinen ernsten Schaden, tötete jedoch sieben Angestellte. In der C h a n? p a g n e erzielten Ivir merkliche Gewinne>vestlich, nördlich und östlich der Kirppe 196(nordöstlich von Le Mesnil). Der Feii?d unternahn? einen Gegenangriff, wurde jedoch zurück- geworfe??. Unser Gewinn verlängerte sich im Osten i?r der Schlucht, welche Von Kuppe 196 ausgehend, in Richtrrng Beau Sejour vertäust. Im Wald von Consenvoye (nördlich Verdun) nahmen Ivir zwei deutsche Schützengräben ein und inachten Gefangene. Am Hartmann s>v eiler- köpf gewannen wir etwas Gelände. Die Verluste des Feindes sind sehr hoch, seine Schützengräben voller Leichen. Engiänöer im Elsaß. Die Schweizerische Tepeschen-Agentur melde: nach dem„Pahö": Die Franzosen beschossen am Donnerstag die Slellungen bei MooS und Moernack mit' 75 Millimeter-Geschützen. Englische Offiziere wurden bei Röchöil? und Pfretterhausen beobachtet. Ein Automobil mit vier englischen Offizieren hielt selbst vor dem Gasthause an der äußersten Grenze bei Rschssy. Man ersieht daraus daß die Engländer zur Unterstützung der Franzosen auf dem elsässischen Kriegsschauplatz eingetroffen sind. Verurteilung eines deutschen Gefangenen. Angeblich wegen Raub und Plünderung verurteilte das Kriegs- gericht in Chalons-sur-Marne nach einer Meldung der„Neuen Freien Prefie" den kriegsgefangenen Soldaten Otto Reuter zu lebens- länglicher Zwangsarbeit. Die kanadischen Rüstungen. Ottawa, 19. März.(W. T. B.j Meldung des Reuterfchen Bureaus. Das dritte Korps der lauadischen Hilfstruppen ist jetzt vollzählig ausgerüstet: mit der Ausbildung der Truppen ist begonnen worden. Mit der Werbung für das vierte Korps wurde angefangen. Die Regierung plant, dauernd 50 000 Mann in der Ausbildung zu haben und regelmäßige Berstärkungen nach Europa zu senden. Cm Crlaß öer französischen Heeresleitung. Großes Hauptquartier, den 18. März 1915. W. T. B. meldet s Bei einein im Wald von Bolante in den Argonnen gefallenen französischen Offizier des 5. Kolonial-Re�imentes wurde der nach- stehende gedruckte Befehl gefunden. Zunächst wurde das Schriftstück hier nicht ernst genommen, da es nicht glaubhaft schien, daß die feindliche Heeresleitung sich zur Herausgabe eines solchen Mach- Iverkes erniedrigen lvürde. Nachdem aber festgestellt ist, daß der Inhalt des Schriftstückes zahlreichen Gefangenen bekannt lvar, und nachdem westlich Lille ein weiterer gleicher Abdruck des Befehls durch Rakete zu unseren Truppen herübergewonen wurde, kann an seiner Echtheit nicht mehr gezweifelt werden. Es steht also fest, daß die französische Heeresleitung mit dem folgenden Erlaß einen letzten Versuch unternahm, für den nnßglsscklen Durchbruchsversucki in der Champagne den entmutigten Truppm Dinge vorzutäuschen, die ihnen neue Hoffnungen einflößen sollten. Grand quartier gönöral deuxierne bureau 8. März 1915. Unser Sieg ist gewiß. Die franzöfischen Armeen haben jetzt 7 Monats hindurch gefochten mit dem Willen zum Siege. Von nun an kämpfen sie mit der Gewißheit des Sieges. Die deutschen Verluste. Das deutsche Heer kann sich nicht mehr verstärken, ioeder an Zahl noch an innerem Gesechtswerl. Es ist dem lintergang ver- sollen. Die Verluste der Teuischen einschließlich der Kranken über- steigen jetzt schon, drei Millionen. Die Regimenter und Bataillone sind vollkommen verbraucht. Für jedes Regiment sind durchschnitt- lich nur noch zwölf Berufsoffiziere zum Dienst vorhanden, und da das deutsche Osfizierkorps sich nur aus den ersten Gesellschaflskreisen craäiizt, ist Deutschland nicht mehr in der Lage, der Truppe neue Offiziere zuzuführen. Die deutschen Geschütze sind abgenutzt, viele ihrer Granaten krepieren nicht. Unsere Soldaten wissen es. Für die Rekrutenausbildung steht nur jedem dritten Mann ein Gewehr zur Verfügung. IL Deutschland verhungert. Der Nachschub an Kriegsmalerial für die kämpfenden Truppen, schon bisher schwierig, fängt an. unmöglich zu iverden. Die Flotten Englands und Frankreichs beschlagnahmen alle Waren, die vom Auslände für Deutschland herangeführt werden. Die deutsche Zivilbevölkerung erhält Brot, Kartoffeln, Bier und Fleisch von der Re- gierung in unzureichender Menge. Beweise für die Unzulänglichkeit der Verpflegung befinden sich in Briefen, die deutschen Gefangenen und Toten abgenommen sind. Die deutsche Regierung bat diesen Mangel selbst eingestanden, indem sie die amerikanische Regierung ersuchte, die Verpflegung der deutschen Zivilbevölkerung zu sichern und zu beaufsichiigen. Ein solcher Vorschlag, der übrigens von Amerika abgelehnt wurde, steht bisher einzig da in der Geschichte einer Großmacht. Das deutsche Geld hat in neutralen �Ländern einen Kursverlust von 15 Proz. erfahren. Die deutschen Soldalen, bisher von ihren Offizieren planmäßig über alle Kriegs- ereignifie getäuscht, fangen langsam an zu begreifen, daß Deutsch- land geschlagen ist, und daß die Hungersnot das durch unsere Waffen begonnene Zerstörungslverk bollenden wird. HL Die Verbündeten Deutschlands geschlagen. Die Türkei, der Bundesgenosie Deutschlands, wird in ihrer eigenen Hauptstadt durch die Flotten Englands und Frankreichs be- drobt. Griechenland und Rumänien haben mobil gemacht, um sich uns anzuschließen. Die Russen haben soeben den Versuch eines deutsch-österreichischen Angriffs im Keime erstick? und dabei noch nicht einmal den fünften Teil ihrer ungeheuren Kraftguelle im Rekruten- nachersatz verbraucht. Die Serben haben die Oesterreicher für immer aus ihrem Lande vertrieben, Die deutschen Schlachtschiffe wagen nicht, den schützenden Hasen zu verlassen. Was die Unterseeboote an- belrtfft, so haben wir und unsere Verbündelen schon mehr davon in den Grund gebohrt, als sie selbst Handelsschiffe vernichten konnten. Der Sieg ist uns sicher, ohne Mitleid für den Feind muß er bis zum letzten Ende durchgeführt werden. Y. Die Verbrechen der Deutschen. Mitleid verdient Deutschland wahrhaftig nicht. Seine Regierung hat durch den Einfall in Belgien seine Vertragspflichten gegen dieses edle Land auf das gröblichste verletzt und zu Lande und zu Wasser jedes Völkerrecht außer acht gelassen. Die deutschen Truppen haben offene Städte beschossen, wehrlose Dörfer in Brand gesteckt, Greise und Kinder ermordet, Frauen und Mädchen geschändet. Die Unterseeboote haben sogar neutrale. Handelsschiffs versenkt. In den Gebieten Frankreichs und Belgiens, in denen die Deulschen zurzeit hausen, zwingen sie die Frauen, deren Männer im Felde stehen, sich ihrem brutalen Wille» zu sügen. Viele Unglückliche gehen schwanger infolge der Vergewaltigung. V. Die Leiden der französischen Gefangenen. In zahlreichen Kämpfen haben wir gesehen, wie die Deulschen unsere Verwunderen in planmäßiger Bestialitäl mit dem Bajonett löleien. Die Wenigen, die als Gefangene abgeführt sind, find in Deutschland fürchterlichster Willkür und Gemeinbeil ausgeliefert. Sie sterben vor Hunger. Ihre Nahrung besteht morgens und abends in einem Aufguß auf Eicheln, mittags in einer Suppe, dazu für je fünf Mann ein verschimmeltes Brot. VI. Der sichere Sieg. Welche Schlußfolgerungen sind nun aus alledem zu ziehen' Zunächst die Mahnung, unsere Kräsre doppelt anzuspannen, um das nahe Ziel zu erreichen, nämlich die Sicherstellung und dauernde Er- Haltung des europäischen Friedens. Andererseits aber die lieber- zeugung, daß es besser ist, aus dem Schlachtselde zu sterben, als den Deulschen in die Hände zu fallen und au Enlkräflung oder S-chwind- sucht in ihren Kerkern elend umzukommen. Also vorwärts verlrauensvoll. mit aller Kraft dem sicheren Sieg entgegen, dem Siege des Vaterlandes und der Republik, dem Siege von Recht, Freiheit und Sitte." Eine Erläuterung zu diesem Befehl zu geben, erübrigt sich. Oberste Heeresleitung. der Seekrieg. Die Tätigkeit üer Unterseeboote. London, 18. März.