Nr. 88. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl 3,30 Mt.. monatl. 1,10 ML, wöchentlich 25 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illuſtrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg Bost Abonnement: 1,10 Marf pro Monat Eingetragen in die Bost Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 32.Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Berjamminungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes writere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Montag, den 29. März 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moriųplat, Nr. 151 90-151 97. Andauernde hartnädige Kämpfe in den Karpathen. Westlicher Kriegsschauplatz. Die meldung des Großen Hauptquartiers. Gegen den Imperialismus. Der französische Tagesbericht. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 28. März 1915.( W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplah. Südöstlich von Verdun wurden französische Obgleich es allgemein zugestanden wird, daß der Imperialismus die letzte Ursache des gegenwärtigen Krieges ist, wirbt der imperialistische Gedanke gerade jetzt neue Anhänger. Es geht durch das ganze Bürgertum wie ein Rausch: selbst Kreise, die bisher jeder Bolitit ganz fern standen, werfen sich mit Jubel der imperialiſtiſchen Paris, 28. März.( W. T. B.) Gestern nachmittag wurde amtlich bekanntgegeben: Der Feind hat heute nacht Arras mit Granaten aller Kaliber beschossen; eine beginnende Feuersbrunst wurde schnell gelöscht. In La Boifelle dauerte der Minenkrieg unter günstigen Bedingungen Angriffe auf den Maas- Höhen bei Combres und Bolinit in die Arme. Frühere Gegner des Imperialismus entdecken für uns fort. In den Argonnen wurden bei Bagatelle in der Woevre- Ebene bei Marcheville nach iegt allerlei gute Seiten an diefer modernen Form der wirtschaftMinen von einer zu der anderen Linie geworfen; fan hartnäckigen Kämpfen zu unseren Gunsten ent- lichen Entwicklung- gerade in dem Moment, wo diese Entwickterieangriffe fanden nicht statt. Im Elsaß erreichten wir lung in Wirklichkeit ihre Widersprüche und Uebel am deutlichsten nach mehrtägigem energischen Kampf den Gipfel des Hart- schieden. zeigt. Sind doch selbst dem JImperialismus in proletarischen Reihen mannsweilerkopfes, welchen wir dem Feinde entrissen. Gleich- In den Vogesen am Hartmannsweilerkopf verteidiger entstanden, die auf Freispruch oder mindestens mildernde zeitig drangen wir auf der nordöstlichen und südöstlichen fanden nur Artilleriekämpfe statt. Flante des Massivs vor und machten zahlreiche Gefangene, Darunter mehrere Offiziere. Die Deutschen ließen viel Material und viele Tote auf dem Kampfplage. Unsere Verluste sind gering. Ein deutsches Flugzeug warf Bomben auf Weiler, nordwestlich von Thann. Drei Kleine Kinder wurden getötet. Paris, 28. März.( W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern Abend. Der Tag war auf der ganzen Front ruhig. Der Feind zeigte feine Tätigkeit. Ein deutsches Flugzeug, welches auf das Gebiet von Manonvillers Bomben geworfen hatte, wurde von uns heruntergeholt. Führer und Beobachter wurden gefangen. Haltlose Anschuldigungen über die Behandlung von Kriegsgefangenen in Halle. " Defflicher Kriegsschauplatz. Russische Vorstöße im Augustowoer Walde wurden abgeschlagen. Zwischen Pissek und Omulew erfolgten mehrere russische Angriffe, die sämtlich in unserem Feuer zusammenbrachen. Bei Wach nahmen wir 900 Russen gefangen. ** Oberste Heeresleitung. der österreichische Generalstabsbericht. 23ien, 28. März.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 28. März 1915: Umstände plädieren. Diese Verteidiger find am gefährlichsten, went sie wie die Anhänger der modernen Kriminalistik ihr Plädoyer damit begründen, daß der Angeklagte notwendig" so handeln müsse. Der moderne Kriminalist darf mit Recht derart argumentieren, denn er schlägt zugleich eine bessere Methode des Strafrechts vor. Die heutigen Verteidiger des Imperialismus glauben aber ihre Pflicht damit getan zu haben, daß fie die laufale Gesetzlichkeit( Notwendigkeit) des Imperialismus nachweisen; im übrigen aber wollen sie die Dinge laufen lassen, bis die Geschichte von selbst umschlägt und die imperalistische Wirtschaftsform durch eine andere ersetzt. Da alles Wirtschaftsleben durch das menschliche Bewußtsein geht", gehört zur Ueberwindung des Imperalismus neben den technischökonomischen Veränderungen eine parallel laufende Umwandlung des Bewußtseins, die vorzubereiten und in geordnete Bahnen zu lenten, die Aufgabe der( oppofitionellen) Politif ist. In einer Notiz über die Zustände im Kriegsgefangenenlager Innerhalb des Bürgertums gibt es allerdings eine solche Halle wurde vom Matin" am 17. 1. 15 behauptet, daß die Gr Die russischen Angriffe im On dava- und Laborcz Opposition fast gar nicht. Nur wer wie die sozialistische nährung der Gefangenen dort mangelhaft sei und daß jogar Sunde tale wurden blutig abgewiesen. Der Kampf auf den Höhen Theorie über ein geschloffenes System zur Beurteilung der fleisch verabreicht worden wäre. Den Gefangenen würde eine ber beiderseits dieser Täler ist seit gestern früh abgeflaut. ächtliche Behandlung seitens der deutschen Offiziere auteil, auch Tagsüber und während der Nacht Geschützkampf und Ge- gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und zur Herbeiwären die gegen sie angewandten Strafmittel entwürdigend. plänfel. In den übrigen Abschnitten der Karführung neuer Geſellſchaftsformen verfügt, vermag der imperiapathen auch weiter hartnäckige Kämpfe. Zwölfhundert- listischen Ideologie wirksam entgegenzutreten. Das bloße Bekritteln dreißig Ruffen wurden gefangen genommen. einzelner Schönheitsfehler" des Imperialismus nupt gar nichts. Verfolgungsgefechte in der nördlichen Bukowina Solange man das kapitalistische System anerkennt, muß solche Kritik brachten weitere zweihundert Gefangene ein. notwendig reaktionär ausfallen. Das zeigt deutlich eine Broschüre Die Situation in Russisch- Polen und West( Der englische Gedanke in Deutschland. Zur AbGalizien ist unverändert. wehr des Jmperialismus"; Verlag Ernst Reinhardt in Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes München. Breis 1,80 M.), in der Ernst Müller- Holm eine bon Hoefer, Feldmarschalleutnant. Kritif des Imperialismus vom bürgerlichen Standpunkt aus versucht. So treffend seine Polemik gegen Expansionsbestrebungen und Solonialpolitik im einzelnen auch ist, seine Vorschläge sind im ganzen reaktionäre Utopien. Die„ Nordd. Allg. 8tg." teilt hierzu mit: " Die amtlich angestellten Nachforschungen haben die völlige Saltlofigteit dieser Anschuldigungen ergeben. Insbesondere ist die Behauptung, daß Hundefleisch geliefert würde, eine wahrcheinlich bewußte unwahrheit. Im Lager ist eine besondere Verpflegungskommission gebildet, die aus je einem russischen und Belgischen Stabsoffizier und je einem französischen und englischen Arzt besteht. Die Kommission besichtigt täglich Morgens das gelieferte Fleisch im roben Zustande. Auch das zubereitete Effen wird vor der Ausgabe von den Mitgliedern der Kommission geprüft. Außerdem findet eine ständige Beaufsichtigung der Küche durch den Lagerarzt, durch einen besonders hierzu kommandierten Lageroffizier und den Lagerkommandanten statt. segen ihre ganzen Kräfte ein, um uns die Karpathenpässe zu Als ebenso unbegründet hat sich die Behauptung einer ver- entreißen. Die Kämpfe find an mehreren Bunften im Gange ächtlichen Behandlung durch die deutschen Offiziere herausgestellt. und sind am hartnädigsten im Bempliner- und Ungerpaß. Ihr Verhalten den Kriegsgefangenen gegenüber ist durchaus angemessen. Entwürdigende Strafmittel sind nie zur Anwendung gekommen. Nur in einigen Fällen ist Stubenarrest verhängt worden, der in der Arrestanstalt in besonders hierzu hergerichteten Räumen berbüßt wird." Japanische Offiziere in Frankreich. Nach einer Melbung der„ Daily Chronicle" ist eine japanische Militärkommission Dienstag in Boulogne angekommen. Sie bestehe aus einem Dußend Offiziere, die eine Fahrt längs der Westfront machen. In Boulogne wurden sie von mehreren britischen Offizieren geführt, auch ein russischer Offizier begleitete sie. Die Ernährung der neuen englischen Armee. Gine Arztfrau, die in ihrem Hause fünf Monate hindurch Einquartierung hatte, teilt der" Morning Post" mit, daß die den Solbaten gelieferten Nahrungsmengen zu teiner Zeit ausreichend, in letzter Zeit aber standalös unzulänglich gewesen seien. Sie betamen u. a. eine Woche lang fast gar keine Butter, in fünf Monaten kein frisches und sehr wenig anderes Gemüse. Die Buderversorgung war entschieden knapp und wurde immer noch knapper. Das Fleisch hatte häufig nicht volles Gewicht und bestand oft der Hauptsache nach aus Knochen und Fett. An einem Tage wog die Nation für zwei Leute nur etwas über 1½ Pfund, wovon nur die Hälfte ( lappiges) Fleisch. Die Frau gab es zurück. Auch die Fischkost, in Büchsen und frisch, war oft schlecht und mußte einmal ver brannt werden. Die Frau macht die Heereslieferanten verantwortlich, bie jedenfallls dabei ihr Geschäft machten. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Zempliner Komitat. Budapest, 28. März.( T. U.) In den Karpathen dauern die Kämpfe mit ununterbrochener Heftigkeit an. Die Russen Mangel an technischen Truppen. Petersburg, 28. März.( T. U.) Jm technologischen Institut wurte ein Aufruf beröffentlicht, in dem die Stucnten und Ingeniere, die nicht gedient haben, aufgefordert werden, in die tedris fden eristeile einzutreten, da in diesen jahleche Stellen an bejezt find Der Aufruf nimmt jedoch die Juden aus. Der türkische Krieg. Die Dardanellen- Aktion. Konstantinopel, 28. März.( W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: Freitagabend versuchten Torpedoboote und Minensuchschiffe des Feindes in die Dardanellen einzudringen. Sie wurden aber durch das Feuer unserer Batterien zurückgetrieben. London, 28. März.( W. T. B.) Wie die" Times" aus Tenedos meldet, mußten die Operationen an den Dardanellen infolge anhaltenden Sturmes vom 24. bis zum 26. März unterbrochen werden. Das Reutersche Bureau meldet aus Athen, daß am 25. d. M. die Kriegsschiffe in die Dardanellen einfuhren, um Minenfischer zu beschüßen, nicht um die Forts zu beschießen. Ein Flieger über Tenedos. London, 28. März.( W. T. B.)„ Daily Telegraph" meldet aus Tenedos vom 25. März: Um 2 Uhr früh wurde Kanonen-| feuer gehört, das eine Stunde andauerte. Die„ Central News" melden. aus Tenedos vom 26. März: Ein Doppeldecker hat heute früh über Tenedos aufgeklärt. Er flog über die verankerte Flotte. Da es das erste Flugzeug war, das von den Inselbewohnern in der Nähe gesehen wurde, herrschte einige Aufregung. Der Sturm hat sich gelegt. Müller- Holm bat als motto die Worte des Abg. v. 2iszt gewählt:„ Der Gedanke der Weltherrschaft, des Jmperialismus im eigentlichen Sinne, ist nicht auf deutschem Boden erwachsen; er ist aus dem Ausland eingeführt. Ihn ernstlich vertreten, heißt Verrat üben an dem innersten Wesen des deutschen Geistes." Müller- Holm bält den imperialistischen Gedanken für einen spezifisch englischen und daher ermahnt er: Jetzt wütet man ringsum in deutschen Landen gegen die Engländerei. Wahrhaft berserkermäßig schlagen fie um sich. Statt die englischen Firmenschilder von euren Läden zu reißen. reißt lieber die englische Händlergesinnung aus euren Herzen. Unsere größte Schmach ist nicht die Engländerei in der deutschen Sprache, sondern die Engländerei in der Politik, und sie ist mehr als Schmach, sie ist unser Verderben, wenn wir nicht rechtzeitig in uns gehen und innehalten." Müller- Holm schwärmt von einer selbstgenugsamen" Wirtschaft Deutschlands. Was Fichte als Geschlossener Handelsstaat" ersehnte, ist heute natürlich ein reaktionärer Wunsch, ganz abgesehen davon, daß rein technisch die Erzeugung aller agrarischen und industriellen Bedarfsartikel auf deutschem Boden unmöglich ist. Aber in der Kritik hat Müller- Holm teilweise nur zu Recht; so, wenn er schreibt: „ Der Exporteur ist kein Kulturträger, kein Friedensbringer fondern ein Unruhestifter." Ebenso wie die Kolonialpolitik bekämpft Müller- Holm die ideologische Betätigung jeder Expansionspolitik und schreibt dabei den Addeutschen folgendes ins Stammbuch: „ Addeutsche heißen sie in der Politik, in der Wissenschaft heißen sie Nasientheoretiker. Will man wissen, was Naffentheorie ist? Es ist eine sogenannte Wissenschaft, die sich zum Zweck gesetzt hat, zu erweisen, daß die Deutschen die erste Nation der Welt sind, daß alle Kulturerrungenschaften seit Beginn der Geschichte von ihnen ausgehen, und daß ihnen mit Fug und Recht die WeltHem'chaft gehöre. Schon tor Jahren habe ich... bor diesen Brunnenvergiftern gewarnt." Mit Recht weist Müller-Holm darauf hin, daß„der Wdruck der WelthandelZpolitik uns die Aussicht auf endlose inter- nationale Verwickelungen und beständige Kriege eröffnet." Er beruft sich dabei auf Rohrbach, der in der impe- rialistischen Propagandaschrist„Ter deutsche Gedanke in der Welt' auf Seite 187 die Folgen eines Krieges zwischen Deutschland und England schildert: „Entweder werden wir beim Angriff auf England geschlagen und dann droht uns das Ende, oder das Unwahrscheinlickie ge» schieht, und wir besiegen die englische Flotte.(Die Arbeit ist vor dem Kriege erschienen; Anmerkung der Redaktion des„Vor- w ä r t s'.) In demselben Augenblick ist aber auch das europäische Bündnis, das uns des Siegespreises beraubt, gegen uns fertig, denn wenn wir England besiegen, dann mühten nicht nur unsere Gegner, sondern auch unsere Bundesgenossen sich gegen uns zusammenschließen." Müller-Holm sieht die einzige Rettung aus dieser„verzweifelten Lage" in der Aufgabe deS imperialistischen Standpunkts. Müller-Holm ist nun nicht der geeignete Führer, um aus dem Imperialismus hinauSzuleiten. Der Sozialismus gibt dazu viel bessere Wege an. Der Sozialismus ist überzeugt, daß die Wirt- schastliche Entwicklung notwendig dahin treibt, daß das die Großbanken und die Großindustrie beherrschende Finanzkapital der Allgemeinheit dienstbar gemacht wird. Gerade der Krieg und seine Wirkungen, die zunächst nur die Konzentration des Finanzkapitals verstärken, werden diese Umwandlung beschleunigen helfen. Ein Vorstoß üer russischen Schwarzen Meer-Ilotte. Konstantinopel, 28. März.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: Heute früh bemerkten unsere Beobachtung?- Posten am Bosporus einige russische Kriegsschiffe, die aus sehr großer Entfernung einige Granaten gegen unsere Wachschiffe ab- schössen und sich dann schnell entfernten. Von den anderen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden. Ein französischer Kreuzer vernichtet! Athen, 28. März.(W. T. B.) Der Sonderberichterstatter der „Estin" meldet aus M u dr o s, daß ein französischer Kreuzer am 22. März in der Nähe deS türkischen Forts TardanoS vom Land aus torpediert worden und in einundeinhalber Minute mit der ge- samten Besatzung gesunken sei. Der Name des Kreuzers werde geheim gehalten. (Bon türkischer Seite ist diese Nachricht bisher nicht bestätigt.) Hefechte im Kaukasus. Petersburg, 27. März.(W. T. B.) Der Stab der Kau- kasuSarmee teilt folgendes mit: Am 25. März haben einzelne Zusammenstöße in dem Gebiete jenseits des Tfchorokh und in der Richtung auf Olti stattgefunden; an den anderen Fronten war es verhältnismäßig ruhig. Der Seekrieg. Die Tätigkeit üer üeutschen Unterseeboote. Liverpool, 28. März.(W. T. B.)(Meldung des Reuterfchen Buraus.) Der Dampfer„V o s g e s" ist an der Küste von Cornwall durch Geschützfeuer zum Sinken gebracht worden, wahrscheinlich von einem Unterseeboot. Der erste Maschinist ist getötet und drei Mann von der Besatzung sind ernstlich verletzt worden. Die übrigen 30 Mann landeten in New Ouay. London, 28. März.(W. T. B.)(Meldung der„Agence HavaS".) Der Ueberseedampfer„N i a g a r a", welcher die Besatzung des bei Rewport News versenkten Dampfers„Florida" an Bord hatte, be- gegnete auf der Rückfahrt von New Dork auf der Höhe von Eher- bourg am 25. März einem deutschen Unterseeboot, welchem er dank seiner höheren Geschwindigkeit enttann. Worte eines Vaters. Die Aufgabe der Schule besteht im Lehren und Erziehen. Das Erziehen ist noch wichtiger als das Lehren. Tüchtige und charaktervolle Menschen sind der Welt und dem Vaterlande notwendiger als gelehrte. Eine Kriegszeit wie die gegen- wärtige, deren Erschütterungen in den empfänglichen Herzen der Kinder oft tiefer wirken, als in Erwachsenen, kann eine wirkungsvolle Erzrehungszeit sein. Ist sie es? Ich habe als Vater bittere und peinliche Er- fahrungen gemacht. Der Krieg hat seine zwei Gesichter. Das eine Gesicht ist Sieg und Triumph, das andere Schmerz und Elend. Das sollte nian in der Schule nie vergessen. Erzieher. die den Krieg ihren Schülern nur im Lichte des Sieges und Triumphes zeigen, versündigen sichan ihnen. Zu leicht pflanzen sie in die Herzen der Kinder die Auffassung, als sei der Krieg die gewaltigste, die höchste Lebensbetätigung des Menschen. Und es ist doch so, daß der Friede das höchste Glück und Gut der Menschen ist. Ja, der Krieg hat seine sittliche Berechti- gung nur dadurch, daß durch ihn gebrochener Friede, gefähr- deter Friede wieder zu einem gesicherten und dauernden wird. Deshalb muß die Zeit des Krieges mit all ihren tiefen Er- schütterungen und Eindrücken, besonders auf die Gemüter der Kinder, eine Zeit der Erziehung der Kinder und Völker zum Frieden sein. Der Krieg ist die Herrschast des Negativen: des Zer- störenden und Vernichtenden. Aber das Positive im Menschen läßt sich weder für längere noch für die kürzeste Zeit völlig unterdrücken. Das Heilende, Schafsende und Aufbauende greift in die Speichen des zermalmenden Kriegsrades ein, eilt hinter seiner furchtbaren Spur her, rettet, lindert, hilft, schafft, barst wieder auf. Das Entsetzliche des Krieges ließe sich nicht ertragen, es machte an der Menschheit und der Menschlichkeit verzweifeln, wenn der Krieg nicht zugleich alle Hilfsbereit- schaft, alles Mitleiden, alle Solidarität in so erhebendem Maße auslöste. Und wieder hat hier die Schule die Pflicht, in besonderer Weise die Kinder auf das letztere hinzuweisen. Man feiere in den Schulen einen Sieg. Aber man vergesse nicht den Kindern zu sagen, welche schmerzliche Kehrseite der Sieg hat; man vergesse nie die Kinder darauf aufmerksam zu machen, welche solidarische rettende, helfende, schaffende und aufbauende Tätigkeit, welches Riesenwerk hingehendster Menschlichkeit erforderlich ist, um die schreckliche Spur eines Sieges vom Antlitz der Erde zu löschen, wenn auch noch so viel Genie, Kraft, Mut und Ausdauer zu seiner Erringung not- wendig ist. So denke ich als Vater, denke ich im Interesse des Vater- handes, denke ich im Interesse der Menschheit; denn ich kann vnd will nie ein Voll von der Menschheit lösen. Aber ich Hüll, 28. März.(A. T. B.) Ms der Dampfer„ThchoS" der Mlsonlinie, von Bombay nach Hall, am Sonntag sich den Downs näherte, wurde beobachtet, daß ein deutsches Unterseeboot auf den Dampfer lossteuerte. Der Kapitän gab Volldampf. Trotzdem holte das Unterseeboot das Schiff ein und schoß einen Torpedo ab, der am Bug vorbeiging. Zum Untergang üer»delmira*. London, 28. März.(23. T. 33.) Nach einer Meldung des „Daily Ehronicle" aus Portsmouth erklärt die Admiralität, daß die „Delmira" offenbar nicht gesunken ist, da berichtet wird, daß sie bei St. Vaast Lahogue gestrandet fft und brennt. Der Wert des Schiffes wird mit 36 000 Pfund Sterling angegeben. Der Kapitän erzählte, da der Dampfer ein schnelles Schiff war, hätte er wahr- scheinlich dem Angriffe des Unterseebootes ausweichen können, wenn nicht die Heizer, die aus Ehinesen bestanden, als sie hörten, daß das Schiff von einem Unterseeboot verfolgt wurde, die Kessel im Stich gelassen hätten und auf Deck geeilt wären. Dadurch verlor die „Delmira" Dampf unt) mußte anhalten. Der Kommandant des Unterseebootes war sehr höflich und bot der Besatzung Wein an, der aber zurückgewiesen wurde. Das Unterfeeboot schleppte die Rettungsboote der„Delmira" eine Stunde lang gegen die eng- lische Küste und ließ sie fahren, als das Handelsschiff„Lizzie" in Sicht kam, welches die Bemannung aufnahm. der Krieg und öie Kolonien. von üen Kämpfen in Kamerun. London, 28. März.(W. T. B.) Die„A f r i c a n World" veröffentlicht den Brief eines Leutnants in einem n i g e- rischen Regiment aus Mamfe vom 7. Februar über eine Expedition nach Kamerun. Der Leutnant schreibt darin, daß die Engländer im Oktober und November ernsUiche Niederlagen bei Dola und Nfanakang erlitten hätten. Bei diesem Ort verloren sie alle Offiziere und etwa 100 Mann. Hierauf wurden in Lagos Freiwillige aufgerufen. Der Schreiber des Briefes ist einer davon. Am ersten Weihnachtsfeiertag brach man von Rkami nach Mamfe auf. Als die Vorhut einzog, wurde von einem gegenüberliegenden Hügel mit Maschinengewehren das Feuer eröffnet, wodurch sechs Eingeborene getötet wurden. Die Briten erwiderten das Feuer und vertrieben den Feind. Hierauf wurde nach dem 40 Meilen entfernten Tinto marschiert, welches nach drei Tagen ohne Zwischen- all erreicht wurde. Zwei Tage später erfuhren die Briten, daß die Deutschen 500 Mann stark auf Mamfe anrückten und mußten in- olgedesscn eilig den Rückzug antreten. Sie erwarten den Feind n Mamfe, in dessen Umgebung bereits mehrere Patrouillengefechte tattgefunden haben. Der Offizier bemerkt in seinem Briefe noch, daß die Kämpfe in Belgien gegen die Schwierigkeiten in Kamerun Kinderspiel fein müssen. Er wisse nicht, wie lange der Kleinkrieg noch dauern werde. Ein üeutscher Fliegerangriff in Süüwesiafrika. London, 28. März.(W. T. 33.)(Meldung des Reuterfchen 33ureaus.) Gin feindliches Flugzeug hat bei Garub östlich von Lüderitzbucht einen neuen Angriff auf ein Lager unternommen. Das Flugzeug näherte sich bei Tagesanbruch, flog ungewöhnlich hoch, beschrieb einen weiten Bogen noch Norden und warf einige Bomben und Handgranaten ab, wodurch ein Eingeborener leicht verwundet wurde. Zugesiänüniffe an üie Lonüoner Hafenarbeiter. London, 28. März.(W. T. B.) Die Bootsleute im Londoner Hafen haben vom Schiedsgericht eine Kriegszulage von 3 bis 8 Pence täglich bewilligt erhalten. In den Königlichen Docks fft den Arbeitern durch die Regierungskommiffron eine Kriegs- zulage von 1 bis 3 Schilling für die Woche zuerkannt worden. » London, 28. März.(W. T.B.) Zweitausend Hafen» arbeiter in Liverpool setzten trotz der Mahnungen der Re- gierung den Wochensnd-Streik fort. Sie gingen Sm Frei- tagnachmittag 5 Uhr nach Hause und wollen erst am Montag früh die Arbeit wieder aufnehmen. Rußlanü gegen Italien. Die„Nowoje Wremja" schreibt, offenbar offiziös inspi» riert, es wäre ein Skandal, wenn Rußland erlaubte, daß Italien Trieft nähme, und kritisiert scharf die westeuropäischen Diplomaten, weil sie die Abtretung empfehlen. Das Blatt versucht den Beweis zu erbringen, daß Trieft slawisch sei. Die Italiener seien, wie die Deutschen, Meister in der Kunst der Unterdrückung, was aus der völligen Nichtachtung der kultu- rellen Rechte der Slowenen im nordwestlichen Teile der Region Venezien hervorgehe. der russische slüel gegen üie deutschen. Petersburg, 28. März.(W. T. B.) Der Kongreß des vereinigten Adels ist nach Annahme folgender Resolution geschlossen worden: 1. Es soll Ausländern untersagt sein, sich an Unternehmungen zu beteiligen, die der Nationalverteidigung dienen. 2. Alle Deutschen gehörigen Kolonien in Rußland sollen eingezogen und die Landgüter, die sich im Besitz von Deutschen, Oesterreichern und Ungarn befinden, Veteranen aus dem Offizier- und Soldatenstande übergeben werden, es sei denn, daß die ur- sprünglichen Besitzer Slaven sind. 3. Weiter sollen alle den gc- nannten Nationalitäten gehörigen Immobilien in Dörfern und Städten sowie alle ihre Güter und Waren beschlagnahmt werden, und zwar auch dann, wenn die Besitzer sie bereits an russische Untertanen überschrieben haben. Wittes Nachlaß. Ueber Kopenhagen wird aus Petersburg berichtet: Am 18. März erschienen in Wittes Wohnung Generaladjutant Maksimowitsch, Fürst Trubetzkoi und ein Vertreter der Polizei mit dem Auftrag, die hinterlassenen Papiere von staatspolitischer Bedeutung, hauptsächlich die auf den Finanzausschuß bezüglichen. in Sicherhett zu bringen. Alle Papiere wurden untersucht, ein großer Teil davon mitgenommen. Wittes Denkwürdigkeiten wur- den in der Wohnung nicht vorgefunden. Die Untersuchung wurde durch ein von Witte kurz vor seinem Tode angefertigtes genaues Berzetchnis über den Verbleib jeden Dokuments erleichtert. Witte hinterläßt 500 000 Rubel, wovon 400 000 sich in Deutschland und nur 100 000 in Petersburg befinden. Inüien unü üer Krieg. Delhi, 28. März.(W. T. B.)(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) 33ei der Budgeiberatung in der Gesetzgebenden Versammlung ttat begeisterte Uebereinftimmung aller Mitglieder mit der Reichsregierung in der Frage der Fortsetzung des Krieges zutage. Es wurde einstimmig der'Wunsch ausgesprochen. daß die Regierungsperiode des Lord Hardinge bis zum Ende des Krieges ausgedehnt werde. Die finanzielle Stärke Indiens rief Befriedigung hervor. Bei Schluß der Debatte wies Lord Har- dinge auf den trotz der großen Ansprüche gesunden Zustand der Finanzen hin, der das Land in die Lage versetze, auch noch weitere Lasten auf sich zu nehmen. Ueber die Politik der Regierung bc- züglich der Weizenausfuhr sagte Lord Hardinge, es werde wahr- scheinlich großer lleberschuß für die Ausfuhr vorhanden sein. Die Ausfuhr dürfte erheblichen Nutzen bringen, der den Ackerbau treibenden Klassen der Bevölkerung zugewendet werden solle. Ueber seinen jüngsten Besuch am Persischen Golf erklärte der Vizekönig, die Provinz iöasra, die unter der türkischen Regierung gelitten -habe, verspreche für die Zukunft außerordentlich viel. Die 33evölkc- rung sei spärlich. Die Stadt Basra könne mit verbältniSmätzig geringen Ausgaben in einen ausgezeichneten Ausfuhrhafen für Mesopotamien und Nord-Persien verwandelt werden. Nur die Ufer des Schat-el-Arab seien bebaut; die einfachste Bewässerung würde genügen, um weite Siedlungen anzulegen und das Land in ein Paradies zu verwandeln. 3Nit tiefem Bedauern habe ich gehört, fuhr Lord Hardinge fort, daß der Antrag, eine Adresse an den König zu senden, die sich gegen die Errichtung eines Exekutive Council in den Vereinigten Provinzen ausspricht, vom Oberhause angenommen worden fft. Da nichts über ein ähnliches Vorgehen im Unterhause bekannt fft, kann man annehmen, daß die Proklamation nicht vom ganzen Paria- ment verworfen worden fft. Es ist eine sehr ernste Sache, daß eine sehe die Spuren der Erziehungsarbeit der Schule in der Gegenwart an meinen Kindern und an fremden Kindern. Die Spuren betrüben und erschrecken mich. Ich kann mich vor meinen Buben nicht mehr retten. Sie wollen eine Uniform, einen„Lustdruck", einen Säbel, eine Pistole; sie wollen Zinnsoldaten und Schlachtpläne. Sie kommen alle Tage vom Kriegspielen verbeult, zerschunden und zerrissen nach Hause. Sie siebern in der Nacht im Traum, schreien„Hurra" auf,„Haut ihn!"„Nieder mit den Hun- den!" Mit ihren Mitschülern machen sie die Straßen des Ortes, den Wald unsicher mit ihrem Gebrüll, Gehetze und Gehaue. Ich stemme mich mit aller Kraft dagegen; belehre, warne, mahne, züchtige— vergeblich. Haus und Schule sollten Hand in Hand gehen. Aber ich bin mit meinem Latein zu Ende, wenn meine Buben mit roten Köpfen nach Hause kommen und erzählen:„Heute haben wir in der Freistunde Schlacht gespielt. Au, das war fein!" Zu alledem kommt, wie ich bei meinen Kindern konsta- tieren mutz, ein Nachlassen im Lernen, an Aufmerksamkeit in der Schule und an häuslichem Fleiß. Die Kriegszeit sollte, um dieses Wort einmal zu gebrauchen, zu einer„Ertüchtigung" unserer Jugend führen. Ich verstehe darunter körperliche, geistige und vor allem sittliche Ertüchtigung. Mit tiefem Schmerz muß ich das Gegenteil konstatieren. Aber auch in anderen Hinsichten sind Feststellungen zu machen, die erzieherisch verkehrt, ja verderblich sind. Das Volk hat eine schwere Zeit zu überwinden. Um auf wirt- schaftlichem Gebiete auszuhalten, muß es sparsam sein und nach jeder Richtung hin haushälterisch. Zur Sparsamkeit und zum Haushalten sollten auch die Kinder in den Schulen er- zogen und angehalten werden. Das Gegenteil ist der Fall. Fast kein Tag vergeht, wo mein« Buben nicht mit einer Bitte um Geld nach Hause kommen. Da wird gesammelt, um das Bild eines siegreichen Heerführers zu kaufen und im Klassen- zimmer aufzuhängen; da werden den Kindern Ansichtskarten, deren Erlös diesem oder jenem Zwecke zugeführt werden soll, angeboten: da sind Lichtbildervorträge, deren Ertrag für das Rote Kreuz bestimmt ist; da muß ein Lehrer ins Feld, und die Kinder sammeln freiwillig, um ihm irgend etwas als Liebesgabe mitzugeben. Und einzelne Kinder bringen zu diesen Sammlungen verhältnismäßig oft hohe Beträge mit. Die Kinder aber, deren Eltern es beim besten Willen nicht der- mögen, fühlen sich zurückgesetzt. Dieses Geldsammeln in und durch Schulen hat aber, a�° gesehen davon, daß es nicht gerade zum Sparen und Haus- halten erzieht, die verhängnisvollsten sozialen Folgen. In einer Zeit, wo die verschiedenen sozialen Schichten einheitlich zusammenstehen müssen, wird dadurch bei den Kindern die Kluft zwischen denen, die es vermögen, und denen, die es beim besten Willen nicht vermögen, ihren Kindern zu allem Mög- lichen das Geld zu geben, erst offenbar oder weiter aufgerissen. Das ist so unpädagogisch, daß man erwarten müßte, jede Sammeltätigkeit in den Schulen würde ohne weiteres eingestellt. Es mag ja für die Schulen ein gewisser Ehrgeiz befriedigt werden, wenn sie in Sammlungen an erster Stelle stehen. Aber diesem Ehrgeiz darf nicht die Erziehungsaufgabe der Schule geopfert werden. Es ließen sich ja auch die Kinder in den Schulen in einer positiven und erzieherischen Art am Durchhelfen während der Kriegszeit beteiligen. Man sammle die Kinder in der freien Zeit, lasse für die Verwundeten Ver- bandzeug herstellen, lasse sie in den Handwerksstuben der Schule für die Unterhaltung und Ermunterung der Verwun- deten Gegenstände anfertigen. Die größeren Schüler könnten sich der Begleitung, der Unterhaltung der Verwundeten wid- men, in den Lazaretten ihnen Gesang und Musik bieten, ihnen behilflich sein beim Briefschrciben. Man könnte den Schulen Ländereien zur Verfügung stellen, die sie klassenweise bear- beiten, um Bodenfrüchte zu ziehen. Eine ganze Reihe solcher und ähnlicher Betätigungen gäbe es für die Schulen, die sehr nützlich sind und großen erzieherischen Wert haben. Die Schule hat in der Kriegszeit eine erhöhte Aufgabe. Auch die Herzen der ihr anvertrauten Kinder sind erregt und erschüttert durch die furchtbaren und großen Ereignisse der Zeit. Die Sinne und Gedanken, das Tun und Lassen der Kinder in dieser Zeit gerade auf das hohe und edle Mensch- liche, auf das Heilende, Schaffende und Aufbauende hinzu- lenken— das muß vor allem die Erziehung durch die Schule in der Gegenwart zu erreichen streben. In St. Huentin. In der„Frkf. Ztg." schildert Hans Brandenburg das„Kriegs- leben in St. Ouentin". Wir geben einiges davon wieder: ... Geht man über die Brücke des Seine-Somme-Kanals mit ihren gespreizten und lüsternen Allegorien die steigende und sich windende Haupfftraße hinan zu dem großen Platz, an dem das Theater und das zierliche spätgotische RathauS stehen und von dem ein« Gasse auf die Basilika läuft, so erkennt man die behaglich und fast pompös diSpönierte Anlage dieser Stadt, die Mar außer den beiden genannten gotischen Werken baulich nichts Merkwüroiges besitzt, aber mit ihren Läden, Schaufenstern. Restaurants und ihrem ganzen Verkehr geradezu großstädtisch anmutet, wie bei uns kaum eine Stadt von nur 60 000 Einwohnern. Und das Leben geht äußerlich längst wieder seinen Gang, ob es auch ganz von dem überall wimmelnden deutschen Militär gefärbt ist. Die Restaurants am Rathausplatz haben sich im„Ham- burger Hof" und„Frankfurter Hof" vertvandelt, vor dem Rathaus tritt die Hauptwache ins Gewehr, wenn mittags mit klingendem Spiel die Ablösung auszieht. Das große Cafe„L'Univers". dem mit Soldaten belegten Theater gegenüber, hat zwar seinen Namen behalten, aber es ist in der Woche fast ausschließlich von unseren Offizieren und Mannschaften besucht, drinnen hängt eine Ber- ftchtc Anzahl PeerS, die sich dielleicht keine Vorstellung von dem Fortschritt in Indien machen, einen Vorschlag zu verWersen ver- -'lochten, der dem Parlament von der indischen Regierung und der Reichsregierung mit voller Billigung der öffentlichen Meinung Indiens unterbreitet wurde, �ch glaube, daß eine Abänderung des Gesetzes, das dergleichen ermöglicht, notwendig ist. Ich vertraue daraus, daß die Reichsregicrung daS anerkennen wird. Lord Har dinge sprach schließlich die Erwartung auS, daß die Bevölkerung des Landes sich durch das Vorgehen des Oberhauses nicht entmutigen lassen werde. Er hoffe zuversichtlich daß die Vereinigten Pro- oinzen trotz der vorübergehenden Niederlage bald einen Executive Council haben würden. Die Meuterei in Singapore. London, 28. März.(25. T. B.) Die„M o r n i n g P o st veröffentlicht den Bries eines englischen Geistlichen aus Singa p o r e vom 17. Februar mit Einzelheiten über die Meutereien. Hiernach sind im ganzen 42 Europäer ge- tötet worden, wovon weniger als die Hälfte Kämpfer waren. Am letzten Tage des Aufstandes hieß es, daß die Ausständischen sich in das Dschungel geflüchtet hätten. Einige ergaben und andere verkleideten sich. Einer hatte sich als Chinese maskiert Eine Tamvfbarkasse mit Freiwilligen fuhr nach der Insel, um zu ver- hindern, daß die Meuterer über die Meerenge auf daS Festland entkommen konnten. Man glaubt, daß der Aufstand von den Deutschen geschürt worden ist. Der Rädelsführer, der Direktor einer großen deutschen Schiffsfirma in Singapore, ist auf das Festland geflüchtet Die müifchen Verschwörer. London, 28, März.(T. 11.) Die englischen Behörden gehen jetzt mit der größten Strenge gegen die indischen Verschwörer vor und Todesurteile find an der Tagesordnung. Der Oberste Ge- richtshof in Lahors hat jetzt das Todesurteil gegen den Fndier Sajjan Singh bestätigt, der am 2. Februar in Lahors den Chef der Polizei ermordete. Parlamentswahlen in Japan. London, 28. März.(W. T. 23.) Die„Times" melden aus Tokio: Am 26. d. M. fanden nach heftiger Wahlkampagne die Wahlen statt. Nach einer Schätzung der Konservativen er hielt die Regierung eine kleine Mehrheit. Man glaubt, daß die Regierung imstande sein wird, vor dem Zusammentritt des Parlaments im Mai eine Arbeitsmajorität zu bekommen. Japanische Kriegsvorbereitungen. New Jork, 27. März.(T. U.) Die hiefigen Blätter bringen sine Reihe Informationen über fortschreitende Kriegsvorbereitungen Japans. Danach haben fast alle in ausländischen Gewässern be- findlichen japanischen Kriegsschiffe Order zur unverzüglichen Heim- reise erhalten. Die nach �apan abfahrenden Dampfer find bis auf den letzten Platz mit fa panischen Reservisten, besonders aus Kalifornien, angefüllt, denen offenbar die Einberufung zugestellt wurde. Stach weiteren Meldungen aus Tokio hat die japanische Regierung umfassende Ankäufe von Flugzeugen, besonders Hydro- äroplanen, in Frankreich gemacht. Die Mehrzahl dieser Apparate soll von französischen Piloten gelenkt werden, die mit Erlaubnis der französischen Heeresleitung Dienste in der japanischen Armee angenommen haben.__ politische Ueberslcht. Zum Verbot der Düsseldorfer„VolkSzeitung". Die„Volkszeiwng" in Düsseldorf veröffentlicht folgen- des Schreiben: VH. Armeekorps. Stellvertr. Generalkommaudo. Abt. II d, Nr. 1437. M ü n st e r. den 25. Märg 1915. An die Redaktion und den Perlag der„Volkszeitung". Düsieldorf. Der in Nr. 79 Ihrer Zeitung vom 24. ds. veröffentlichte Artikel„England und Wir" steht mit der Wahrheit im Widerspruch. Er schiebt die Schuld an der Verschärfung des Gegensatzes zwischen Deutschland und England der deutschen] rückgängig gemacht werde u»d die Gefängnisstrafe von emem Jahr ~ sofort zu vollstrecke» sei. Dies« Maßnahme war bereits getroffen, bevor die Genossin Luxemburg fich wegen eines Auslandspasses an die zuständige Behörde gewandt hatte. Am 17. Februar beantragte die Genossin Luxemburg die Erteilung eines Auslandspasses. Dieser Antrag hat durchaus nichts Auffälliges, wenn man weiß, daß die Genossin Luxemburg während der Zeit, da fie zu der Gefängnis- strafe von einem Jahr verurteilt war, wiederholt und auch mit Kenntnis der Staatsanwaltschaft im Auslande gewesen und immer wieder zurückgekehrt war. Als am 17. Februar der zuständige Beamte erklärte, er könne den Paß nicht ohne weiteres erteilen, habe ich mich auf telephonüchen Anruf hin zum Staatsanwalt begeben, diesem von der beabsichtigten Reise Mitteilung gemacht und um die Erlaubnis zur Auslandsreise gebeten. Inzwischen war aber dann bereits auf Anordnung der Militärbehörde die sofortige Festnahme verfügr worden. Ich glaube von Ihrer Loyalität erwarten zu dürfen, daß Sie diese Talsachen den Lesern Ihrer Zeitung zur Kenntnis bringen. Hochachtungsvoll Levi, Rechtsanwalt. « Das Volksblatt stellt hierzu fest, daß diese Zeitfolge der Ereig- nisie zum erstenmal mitgeteilt wird. Sie war bisher der Oeffenl- Uchkeit unbekannt. Daher find weitere Bemerkungen zu der An- gelegenheit überflüsfig._ Zur Frage der Erörterung des Kriegsziels- Die alldeuffchen und die rechtsstehenden Blätter vom Schlage der„Deutschen Tageszeitung" stören sich nicht im mindesten an die fortgesetzten Mahnungen der leitenden Regierungskreise, über das Kriegsziel zurzeit noch nicht zu schreiben. Wenn nicht direkt, so suchen diese Blätter indirekt ihr Ziel zu erreichen. In der Sonntagnummer tritt die„D e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" wieder mit aller Kraft für die Annexion Belgiens ein. Das Blatt schreibt unter anderem: „Wie feierlich und schön waren die Verträge und Reden, mit denen seinerzeit die Neutralität des Königreichs Belgien international beteuert und„garantiert" wurde. Diese Neutralität und Neutralisierung schwanden aber wie Schnee an der Sonne. sobald es Großbritannien gefiel, seine an die deutsch« Koalition politisch, militärisch und maritim zu organisieren; Belgien; Neutralität hat Großbritannien von 1906 vernichtet.,, Belgien ist, wie hier immer wiederholt dargelegt worden ist. eine Lebensfrage für die deutsche Zukunft, Belgiens Küsten uns Häfen dürfen nie wieder dem Einfluffe fremder Großmächte unmittelbar oder mittelbar unterliegen... Bliebe Belgien mit seinen Festungen, Küsten und Häfen unter fremdem Einflüsse, also unter feindlichem, so würde jene„Freiheit der Meere", von der die„Nordd. Allg. Ztg." vorgestern sprach, eine leere Phrase bleiben, und Deutschland sähe sich als Seemacht und als Hau- delsmacht auf die Gnade Großbritanniens dauernd angewiesen.. Die eifrige Beflissenheit, mit der in England jetzt seit Monatci« Deutschland gemahnt wird, es solle sich durch Preisgabe Belgiens an Großbritannien sein« eigene Zukunft verbauen, wäre schon an und für sich genügend geeignet, die entsprechenden Einsichten in Deutschland hervorzurufen, wo fie etwa noch nicht vorhanden sein sollte. In jedem beltebigen Augenblicke, wo England uns als unzufriedener Vorgesetzter die Ozeane sperrte, würden jene überseeischen deuffchen Kolonien nicht mehr deutscher Besitz sein... Belgien bildet eine Frage eminent grundsätzlicher Natur. Auf die Form, in der die einzelnen Zweige dieser belgischen Frage einmal praktisch zu lösen sein werden, kommt es erst in fünfter Linie an..." Wenn die Reyierungsorgane dulden, daß in so offener Weise für die Anghederung Belgiens eingetreten werden darf, o muß sie konsequenterweise auch zulassen, daß diese Frage auch von anderen Gesichtspunkten aus behandelt werden kann. Politik zu. Es kann nicht geduldet werden, daß unter dem Deck mantel objektiver Tarstellung ein dem deuffchen vaterländi- schen Gefühl durchaus entgegengesetzter Standpunkt vertreten wird. Auch verstößt der Artikel dadurch, daß er die schließe liche Ablehnung jeden Gebietserwerbs in Belgien und Frankreich fordert, gegen das Verbot der Erörterung der Kriegsziele. Der maßlos gehässige Ton des Artikels verleß schließlich die nationalen Empfindungen aufs tieffte. Ich sehe mich daher veranlaßt, eine dreitägige Sperre über Ihre Zeitung, von morgen, dem 26., ab bis zum 29. ds. einschließlich, zu verhängen. Die dortige Polizei Verwaltung ist von dieser Maßnahme in Kenntnis gesetzt worden. Dem Wortlaut dieser meiner Verfügung haben Sie an der Spitze der nächsten erscheinenden Nummer ohne jeden Zusatz zum Abdruck zu bringen. Der kommandierende General: _ Frhr. v. Gayl. Ein befremdlicher Bescheid. Unter dieser Stichmarkc berichtet das Halleschc„Volksblatt' In der Filialexpedition des„Zeitzer Volksboten" in Weißenfels wurde vielfach von verwundeten Kriegern aus den dort befind- lichen Lazaretten um den„Volksboten" gebeten. Die Expeditton glaubte deshalb auch den Verwundeten, die noch nicht ausgehen können, einen Wunsch zu erfüllen, wenn sie ihnen die Zeitung kostenlos in die Lazarette liefern würde. Um jedoch sicherzugehen, richtete die Expedition an die Lazarettverwaltung ein diesbezüg� liches Gesuch. Leider erfolgte darauf unerwarteterweise eine a b. lehnender Bescheid; unerwartet deshalb, weil laut Militär- behördlichen Verfügungen auch die Verbreitung der sozialdemokra tischen Presse unter Militärpersonen nicht mehr gehindert werden solle. Der ablehnende Bescheid an die Expedition hatte folgenden Wortlaut: Weißenfels, 17. 3. IL. Die gegen die Verbreitung sozialdemokratischer Zeiffchristen in militärischen Anstalten bestehenden Bestimmungen sind nicht auf gehoben und müssen finngemäße Anwendung auch auf die hiesig gen Reservelazarette finden. Es wird deshalb höflichst ersucht, von der Zusendung des„Volksboten" Abstand zu nehmen, zumal Mangel an Lesestoff nirgends besteht. Lazarettkommisston: v. Schcfc. Dr. Wunderwaldt. Miclisch. Zum Fall Luxemburg. DaS Bochumer„Volksblatt' erhält folgende Zuschrift: Frankfurt a. M., den 22. März 191S. Werte Genossen! Ich erhalte erst heute zugestellt die Nr. 53 Ihrer Zeitung vom 4. März 1915, in der sich unier der Ueberschrift „Warum Rosa Luxemburg verhaftet wurde' Ausführungen finden. die der Form noch zu urteilen über meine Kompetenzen gehen. Lediglich als Verteidiger der Genossin Luxemburg habe ich die Pflicht, folgende Tatsachen ergänzend bezw. berichtigend Ihnen zur Kenntnis zu bringen. Die Genossin Luxemburg ist wegen eines schweren Magenleidens Anfang Januar d. I. in das Krankenhaus Berlin- Schöneberg eingeliefert worden und hat auf Grund des Attestes des dingierenden Arztes des Krankenhauses einen Strafaufschub bis 31. März 1915 erhalten. Ende Januar bat die Genossin Luxem- bürg, noch nicht wiederhergestellt und entgegen dem Rate und Willen der Aerzte, das Kronkenhaus verlassen. Sie hat dann an mehreren geschlossenen Partei- bezw. FuntlionSrfitzungen teilgenommen. Von diesen Sitzungen hat das Oberkommando n den Marken Kenntnis erholten, nicht nur, daß die Genossin Luxemburg an den Sitzungen teilgenommen hat. sondern auch was und wie sie geredet hat. Infolgedessen wurde auf Anordnung der Militärbehörde, die der Staatsanwaltschaft während des Belagerungszustandes vorgesetzt ist, durch die Staatsanwaltschaft in Frankfurt verfügt, daß der Strafaufschub ordming der Platzkommandantur, daß das Lokal um zwölf Uhr zu schließen ist, auch überall in den Straßen sind die Verfügungen und Bekanntmachungen des Kommandanten angeschlagen, meist in deutscher und französischer Sprache. Auf der Treppe des Theaters imd in einem Laden neben dem Cafe werden deutsche Zeitungen verkauft, in der Auslage hängen Ansichtskarten, die wohl manchmal unsere Siege über die Franzosen, aber in Spottbildern nie die Franzosen selber, sondern nur ihre Verbündeten darstellen. Bilder, auf denen Frankreich das Opfer ist, auf denen es etwa im Netz der englischen Spinne zappelt, in dessen Maschen Belgien bereits wt hängt, werden ittchl vermieden, und das Volk studiert diese Karten und lacht über Berulkungen der Engländer, das einzige Lachen fast, das man aus seinem Munde hört. Denn Rordfrankreich lacht nicht mehr. Daran wird nichts geändert durch all unfern Takt, noch dadurch, daß wir einen der französischen Verbündeten als ihren und unseren gemeinsamen Feind hinstellen, noch dadurch, daß wir eine französische Zeitung herausgeben, worin aufllärende Arttkel und doch die amtlichen französischen Berichte ungekürzt und kommentarlos neben unseren amtnchen Berichten stehen. Gewiß, unser Verhalten in St. Ouentin, aber auch das der Einwohnerschaft, ist über jedes Lob erhaben. Wir sind streng, aber nur um der notwendigen Ordnung und um unseres notwendigen Ansehens willen, sonst sind wir freundlich und rücksichtsvoll, und die Franzosen höflich und entgegenkommend. Ihr Vorteil, ja ihre bloße Existenz erheischt- freilich eine noch darüber hinausgehende Anpassung. Man sucht deutsch zu sprechen, die Hand eines Wirtes malt den verhaßten Namen„Bis- marck" an die Scheibe, womit er Bismarckheringe meint, und darunter daS zunächst rätselhast erscheinende Wort„Brastschelltisch'; ich bin behilflich und heiße ihn das erste s streichen und das letzte t in ein k umwandeln. Und unter unserem fasten und weisen, gerechten und gütigen Regiment will einem in Augen- blicken das französische Leben unverändert dünken. Die Frauen laufen frühmorgens mit ihren Weißbrotkringeln am Arm über die Straße, und Franzosen mit roten Binden um den schwarzen steifen Hut und um die Aermel tun Polizeidienst. Auch die Trambahn �fährt wie sonst, aber sie wird fast nur von Soldaten benutzt. und Soldaten verkaufen die Fahrscheine und stellen die Weichen. Auch das Glockenspiel des Rathauses klimpert wie sonst seine Menuettbruchstücke, wenn auch nach der deutschen Zeit, aber bleibt man lauschend stehen, so betteln einen die Kinder an. Mittags erklingen lautere und längere Weisen, von der Militär musrl gespielt, aber bis auf einen kleinen Haufen niederen Volkes, der sich>n großer Entfernung ausstellt, bleiben keine Einwohner stehen, ob eS auch Stücke aus„Faust",„Mignon" oder„Carmen" sind, die ihr Ohr berühren, lind wenn dann beim Abmarsch das Brausen und Schmettern durch die Straßen zieht, das sonst alle Herzen weilet und alle Türen und Fenster aufreißt, aber hier nirgendwo ein Echo loeckt, so hat das etwas unsagbar Trauriges und Traurig- machendes. Im Cafe sitzen immer noch wenige Stammgäste, msist mit grauen Spitzbärten, und am Sonntag ist gar die Hälfte der Tische mit Bürgern besetzt, aber�auch da bleiben sie und wir streng geschieden, und auf ihrer Seite bleibt S-ttmme und Wort immer gedämpft. In einer Kirche sind gefangene französische Soldaten, die nach Lager Lcchfeld" weiterbefördert werden sollen, untergebracht, fie waschen sich vor dem Portal, und die Bürgermädchen, die nicht näher treten dürfen, nicken und winken ihnen aus der Ferne mit jenen Stolz- und Dankesblicken zu, die w i r aus den Augen unserer deutschen Mädchen kennen. In dem alten gottschen Gotteshaus, der Basilika, knien den ganzen Tag Scharen von iLetern, französische Bürger und deutsche Soldaten, aber noch ihre und unsere Gebete steigen getrennt zum Himmel auf...._ Kammermusik im Voltstheater. Das gestrige(vierte) Konzert des Verbandes der freien Volksbühnen im Theater