Ur. 93. kIbonnement!-iZeckingllngei>: Odonuenienlz- UmS t:auumerani>«t BicrtcljabtL 3.30 Mk. monotL 1,10 Ml, »nöchenililb 2ö Pfg. ftei ins HauZ. Einzelne Ziuinmer-> Pfg. Sonntag!- nmnnier iiiii illusteierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt" 10 P'a. Post» Ilbonnement! l.10 Marl vra Monat. eingetragen in die Post»Zeitung»- Pretsliste. Unter Kreuzband für DeutsSIand und Oesterreich- Ungar» ? vO Marl, für das übrige Ausland 4 Marl Uro Monat. Poslabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarl, t>olland. Italien, Luxemburg. Portugal, fcuuunUeii. Schweden und die Schwci» VlcheiiU lsglild. Berliner VulKsblerfl. 32. Iahrgoua. Plc snsettionk• Gebühr fetrSgl für die ifdhsgechaltcnf Aalanef. geile oder deren Raum«N Pig. für politische und aewerlsmaiilicoa Berl-in». Und Lerfamminng??lnze!gca CO T- Cs „Kleine Hnzeigren", da# fiTtgpdvutftc Wort 20 Psg. tzulossig üseligedrn-l'- Biortei. jedes weilerc Wort in Pi. SIeüengen.'chk und s»i.iw-»'en..-- 5 eigen das erste iSort so Psg, je�»r weitere Port ö Psg. Worte über IS Biisv iNtbe» zäblen füi zwei Woite. Iw »r die Niichjle LUimnier müisen WS ' Uhr uachnnttag> iii der Order nu-o, gbgegeben werden. Die S�hedit'on ift bis 7 Uhr abends geoijiiet, ?clegranim. Adresse? lterlii", Zcntralorgan der roztaldcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Neüaktion: SW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Diorinplatz, Nr. 131 90—151 97. Sonntag, den 4. Zlpril 1915. Expedition: SW. 68, �inöenstroße?. Fernsprecher: Amt Moritzplat«, Nr. 15190—15197- Gestlicher Kriegsschauplatz. Die Einsthließungstruppen von Przempfl in üer Karpathenfront. Wien, L. April.(W. T. B.) Die Kriegsbericht er statt er der Blätter melden übereinstimmend, daß die g e f a m t e'n E i n s ch l i e ß u n g S t r u P P e n von Vrzemysl in der Karpathenfront eingesetzt seien. ? er Zweck der mit großen Verlusten durchgeführten forcierten Angriffe im Jentrum der Front zwischen dem i�upkower und llzsoker Paß sei, die dort in die russische Front weit vor» gedrungenen osterreichisch-ungarischen Truppen selbst um den Preis der größten Verluste zurückzudrängen. Die Kriegs» derichterstatter verweisen auf die unmenschliche Verschwendung des MenschenmaterialS seitens der Russen sowie auf das infolge der eigentümlichen Terrainverhältnisse schwankende Bild des Kampfes. Sie betonen, daß die osterreichisch-ungarischen Truppen trotz aller Schwierigkeiten eine bewunderungswürdige Haltung an den Tag legen. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, April,(ffi. T. B.) Amtlicher Bericht von u U h r nachmittags. Dem gestrigen Abenddericht ist nichts Wichtiges' hinzuzufügen. S ü d lich P er o n n c bei Domperre sprengten>vir mehrere feindliche Schützen- graben durch Minen. In den Ärgonnen in Baga- teile wurde ein deutscher Angriffsversuch sofort aufgehalten. Französische und belgische Flieger warfen etwa lJO Geschosse auf das Flugfeld H a n d z a o m e ab. Paris, L. April. tW. T. B.)■ Amtlicher Bericht vom Fr ei t a g ab e n d. Bon der gesamten Front wurde nichts Wichtiges gemeldet. Am Morgen wurde östlich von S o i s s o n s ein deutsches Flugzeug in unseren Linien heruntergeschossen. Es ist das dritte innerhalb L4 Stunden. Ein Bombardementsgcschivader warf 3o Geschosse auf die Baracken, Schuppen und den Bahnhof von Vigneulles» r n- W o c v r c. Die Mehrzahl der Geschosse fiel mitten in die Ziele. Unsere Flugzeuge wurden sehr heftig aus großer Rähe beschossen. Drei von ihnen lehrten mit großen Rissen an den Flügeln zurück, die anderen erhielten Schrapnellckugeln in die Bespannungen. Keiner der Flieger ivurde getroffen. Alle Flugzeuge lehrten ohne Unfall in unsere Linien zurück. Das englische Rekrutierungsproblem. Eie Leitartikel der.Times" vom 29. März nimmt auf den in gleicher Nummer veröffentlichten Brief eines RelrutierungSoffizierS bezug, der bestätigt, dah fich die freiwillige Rekrutierung erschöpft habe. Alles, was jetzt geschieht, dient dazu, den Wirrwarr zu er« höhen. Man wendet Verfahren an, die nur dazu geeignet sind, willige Leute abzuhalten oder den Unwilligen einen stichhaltigen Vor» wand zu geben, sich zurückzuziehen. Ein Beweis dafür ist die Bildung rines AbioehrkorpS gegen Flugzeuge, dessen Haupterfolg sein wird. junge Leute vom Milttärdtenst obzuhallen. Ebenso sträuben sich sowohl Staats» als Gemeindebehörden. Diensttaugliche freizugeben. Die Nation verlangt eine Führung, sie ist darin vorgeschrittener als die Regierung. Do« Land bat wohl Mut, aber der Regierung fehlt es daran. Halbe Matzregeln, wie Aufstellung der Haus- listen, können auch nicht die gewünschten Ergebnisse zeiligen. Äutzer der ersten Depesche von Frenck ist in amtlichen Berichten durchaus nichts enthalten, was zu der Ansicht verleite» könnte, datz unsere militärischen Operationen von Erfolg zu Erfolg fortschreiten. Bis ilicht ein richtig organisierter, ein offener und mutiger Versuch von der Regierung gemacht ivird, das Rekrulierungsproblem zu lösen, wird den Heeresbedürsnissen nicht in der richtigen Weise Genüge geleistet. Der Seekrieg. Der ilnterfeebootskrieg. London, S. April.(SB. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das letzthin torpedierte Schiff„ D e l m i ra* wurde wieder flottgemacht, s�s ist in Cherbourg angekommen. Das Schiff„Afouwcn" ist in Eardiff eingetroffen, um die nötigen Reparaturen vorzünchmcn. Auf dem Schiffe definden sich der Kapitän und die Offiziere der unter- gegangenen» S e v e n S e a s". Sie berichten, daß sie kein Unterseeboot gesehen haben. Eine schreckliche Explosion sei erfolgt, wodurch das Schiff sank, bevor es Boote aussetzen konnte. DieNelöung öes Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 3. April 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ein Versuch der Belgier, das ihnen am 31. 3. entrissene Klosterhoek-Gehöft wieder zu nehmen, scheiterte. Zm Priesterwalde initzlang ein französischer Vorstoß. Ein französischer Angriff auf die Höhen bei und südlich von Nieder-Aspach westlich von Mülhausen wurde zurückgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf der Ostfront ereignete sich nichts Wesentliches. Obersie Heeresleitung. ** * Der österreichische Generalftabsbericht. Wien, 3. April.(W. T. B.) Amtlich wird ver- läutbart: An der Front in den O st b c s k i d c n sind feit gestern »nr im ybcre» Laborcza-Tale und auf dcn Hohen südlich Virawa Kämpfe im Gange. Reu eingesetzte russische Verstärkungen zwangen die beiderseits C i f n a und B r r r ch n v- G o r u c kämpfenden exponierten Gruppen etwas zuräckzuuehmcn. Angriffe auf die Stellungen nördlich des U z f o k c r Paffes wurden blutig abgewiesen. Bon den zulcvt vor Przcmysl gestandenen russischen Kräften sind nun alle Divisionen an der Karpathcn- front konstatiert. In S ä,d o st- G a l i z i e n nur Artillerickämpsc. Vor unseren Stellmigen zwischen Tnjrstr und Pruth herrscht nach dcn erfolgreichen Kämpfen des 1. April Ruhe. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabcs von Hocfcr, Feldmarschalleutnant. London, 3. April.(W. T. 93.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Acht Mann von dem holländischen Dampfer„Sckiie- I a ii b' sind in Hull eingetroffen. Sie berichten, datz das Schiff zwanzig Meilen von Spurnhead explodiert und gesunken sei. Ein Heizer sei ertrunken, die übrigen Leute der Be- mannung seien in Jmmingham gelandet. Amsterdam, 3. April.(W. T. B.) Die Blätter melden ans Rotterdam noch folgende Emzelheilen über die Versenkung der norwegischen Bark„Nor": Die Bark, die Holzschwellen geladen hatte, wurde einige Meilen von Nord Hinder von einem deutschen Unterseeboot angeballen. Die Absicht de§ Unlerseebooles, die Bark zu verscnle», initzglückte, da daS Schiff so viel Holz führte. Die Bark wurde deshalb in Brand gesteckt. London, v. April.(W. T. B.) Die„Times" melden aus Rewhaven: Ein TorpedvbootLzerstörer der Dover- flottille landete acht Ueberlebende von derBe- f a tz u n g des Dampfers„ S e v e n S e a s Wie berichtet wird, hatte der Auslugmann des Dampfers das Unterseeboot kaum erspäht, als das Schiff auch schon getroffen wurde. Es sank innerhalb drei Minuten. Die„Seven Seas" fuhr neun Knoten, als das Unterfccboot in ihrem Rücken uufi tauchte. Nachdem der Torpedo getroffen hatte, ivurdcn die Boote von der Stcuerbordseite herabgelassen, aber von d e m s i n k c n d e n S ch i f f c mit u n t e r W a s s e r g o- rissen.— Zwei Ueberlebende des Dampfers., E m m a" wurden von einem englischen Zerstörer in Dover gelandet. Tie beiden hatten ein und eine halbe Stunde schwimmen müssen, ehe sie gefunden wurden. Der Dampfer wurde von einem Torpedo mitschiffs getroffen und fast entzwei gerissen. Man glaubt, daß einige Maschinisten und Heizer sofort getötet wurden. TaS Schiff sank binnen wenigen Minuten. 27 englische Schiffe von H-Dooten versenkt. London, 3. April.(W. Ti B.) Nach amtliche» Bckanntmachun- gen der Admiralität wurden seit Beginn der deutschen Blockade 37 Schiffe von Unterseebooten versenkt. In der Woche vom 3t. bis 31. März wurden 3 Schisse von insgesamt 16 330 Brutto- tonnen durch Unterseeboote versenkt. Krieg und Reform. hätte höchstens der ein Recht, sich auf den Titfiter Frieden von 1807 und den Pariser von 18Äi zu berufen, der behaupten wollte, daß Niederlagen nach außen den Fortschritt im Innern begünstigen. Ouessel erkennt Wohl selbst, aus welwe gefährliche Balm er mit seinen Beispielen gerät. Er beeilt sich deshalb, seinen Satz auch an einem siegreichen Feldzug zu erhärten. Daß die soust doch aus mehr als einem Grunde so nayetiegemwn Freiheitskriege für diesen Zweck nicht recht zu gebrauchen sind, ist ihm klar, und so geht er an ihnen, schweigend vorüber, um sich jubelnd ans das Jahr 1866 zu stürzen. Hier ist. wie er meint, alles so klar, daß über die„revolutionäre Rolle" des preußisch-österreichischen Krieges,»der den Junker. Bismarck veranlaßte, dem im Frieden zu Prag geschaffene» Norddeut- scheu Bund das Wahlrecht der Revolution von 1818 zu ver- leihen", kein Wort verloren zu werden braucht. Trifft das wirklich zu? Vielleicht ist es dock' zweckmäßig, gerade jetzt über den Gegenstand noch ein paar Worte zu ver- liercn. Dieser und jener Punkt mag dann in einem etwas anderen Lickü erscheinen. Zunächst: im Kampfe standen sich in der Hauptsache Oesterreich und Preußen gegenüber. Preußen triumphierte, und Oesterreichs Heer wurde geschlagen. In der Donau- Monarchie wurde die nach der Niederlage von 18.79 geschaffene, im Jahre 1866 aber sistierte Verfassung wieder ins Leben ge- rufen und der Ausgleich mit Ungarn vereinbart. � In dem siegreicheil Preußen kam es zu keinerlei bedeiitendereii Rc- formen. Aber das Wahlrecht dtzr 18er Revolution, das Preußens junkerlicher Ministerpräsideiit dem Nordd eut s ch c n spater" B u ii d und damit späterhin dem Reich verleihen mußt Richtig, dieses VoW recht wurde ein Jahr naw dem Kriege geboren. Aber hat der Krieg es gezeitgtV Keineswegs. Bismarck hatte lange vor Königgrätz und Nilolsburg de» Trumps des aus demokratischen Wahlen hervorgehenden Volkshauses auf den Tisch des Bundesrats geworfen. Bismarck war es schon in den fünfziger Jahren klar geworden, daß Preußen i nur geivonnctt weiden, wenn die norddeutsche Gioßrnacht in liberalen Zugeständnissen weiter ging als'Oesterdeich. Tes balb überbot Bismarck die von Oesterreich diktierten Beschlüsse des Frankfurter Fürstentages und regte ain 22. September 186.! beim Bundesrat die Schaffung der auf allgemeinen Wahlen beruhenden Natiouolvertretung an, nachdem er zuvor feinem König klargemacht hatte, dast nur eine folche Jnstitu- tion in Teutschlands und vor allem in Preußens Interessen liege.'Diese Sympathie für das Wahlrecht führte dann be- kanntlich zusammen niit der gemeinsamen Abneigung gegen die Fortschrittler die zeitweilige Annäherung zwischen dem Ministerpräsidenten und Ferdinand Las falle herbd bei der es allem Anschein nach bis zu einer eingehenden Aus spräche über die technischen Einzelheiten des geplanten Systems kam. Der dänische Krieg unterbrach die Bundesreform, aber sobald sie wieder auf der Tagesordnung erschien, kam Bis� marck aus seinen Lieblmgsplan zurück. Im Frühjahr 1866 bezieht sich der preußische Gesandte in Frankfurt auf die Bor- schlage von 1863. Auss neue regt Preußen die Schaffung der aus direkten Wahlen und allgemeinem Stimmrecht der ganzen Nation hervorgehenden Versammlung an, und ani 16� Ii bringt er seinen förmlichen Entwurf ein, dessen Art. IV lautet:„Die Nationalvertretung geht aus direkten Wahlen hervor, welche nach den Bestimmungen des R e i ch s w a h l- ge setz es vom 12. April 1849 vorzunehmen sind." Ter Antrag hatte keinen Erfolg. Wenn aber dann nach Preußens Sieg am 12. Februar 1867 die Wahlen zum konstitruerenden Reichstag des Norddeutschen Bundes auf Grund des Wahl gesetzes der Revolution stattfanden, und wenn diese konstt tnicrende Versammlung ebenso wie der Kanzler die Einfüh. rung des allgenieinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts geradezu für eine Selbstverständlichkeit hielten, so war dem 5mcg zwar das Parlament, aber nicht das Wahlrecht zu danken. Bismarck hat sich selbst in seinen„Gedanken und Erinne- rnngen" über sein Verhältnis zu der demokratischen Forde. rung ausgesprochen: Im Hinblick auf die Notwendigkeit, im Kampfe gegen eine llebermacht des Auslandes im äußersten Notfall auch zu revo- lutionären Mitteln greifen zu können, hatte ich auch kein Be- denken getragen, die damals stärkste der freiheitlichen Künste, das allgemeine Wahlrecht..... mit in die Pfanne zu werfen. Das besagt deutlich, daß das Kokettieren niit der Demo- kratie zu den Vorbereitungen und nicht zil den W i r k u u g c n des Krieges gehörte. Wem aber auch das Zu geständnis aus des Kanzlers eigenem Mnndc noch nicht ge nügt. dem wird wahrscheinlich der ungestörte Fortbestand des preußischen Dreiklasscnwahlrechts trotz 1866 und 1876 eben- falls nicht zur Lehre dienen. Immerhin sollte er es wenigstens unterlassen, anderen Leuten die Fähigkeit zum historischen Denken abzuk'"wchen._ Der Schaöen üer englisch en tzanöelsflotte. London, 2. April.(W. T. B.) In einem Briefe Bruce IsmanS ans Liverpool, der in mehreren Blättern veröffcnt- licht wird, wird der Schaden, der der britischen Handels- flotte von den Deutschen seit August 1914 zugefügt wurde, bis Anfang März auf 2 914 571 Pfund Sterling für Schiffe und 4 474 817 Pfund Sterling für Ladungen beziffert.(Das sind rund 156 Millionen Mark.) Zliegerangriff auf einen Damxfer. London, 3. April.(W. T. 23.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Dampfer„ S ta ffe" aus Rotterdam, der in Leith augekommeu ist, berichtet, daß am 30. März nahe der englischen Küste ein deutscher Flieger eine Bombe abwarf, die i u c i u e m?l b st a n d von 1 5 F u ß i u d i e See fiel. Der Dampfer„Hendrik" schoß einen Sigualfeuerpfeil ab, der dicht bei dem Flieger explodierte, worauf der Flieger davon flog. Erschwerung öer amerikanischen Nunitions- transporte. Rotterdam, 3. März.(W. T. 23.) Aus New Dork wird ge- meldet, daß infolge der deutschen Untersecbootserfolge die Ver- ficheruugSrate für Munitionstransporte um 85 Proz. gestiegen ist. Im New Aorker Hafen liegen infolgedessen 18 nach England und Frankreich bestimmte Dampfer,, mit Kriegsmaterial beladen, feit Wochen still. Amerikas Antwortnote an Englanü. London, 3. April.(W. D. 23.) die amerikanische Note ist in der hiesigen amerikanischen Botschaft eingc- troffen. Sie wird in der nächsten Woche vcröffent- licht werden. Ver türkische Krieg. Meldung des türkijchen Hauptquartiers. Konstantinopel, 3. Zlpril.(253. DB.) Das Hauptquartie teilt mit: Keine wesentliche Acnderung in den Dardanellen und auf den anderen Kriegsschauplätzen. Am 21. März bombardierte ein englischer Kreuzer den Marktflecken M o u a i l e h an der Küste H e d j a s mid versuchte dort zu landen. Nachdem er daran verhindert worden war, kehrte er am folgenden Morgen zurück und bombardierte 6 Stunden hin- durch den genannten Flecken. Er zerstörte die Moschee, auf die er besonders fein Feuer richtete, und beschädigte einige Häuser. Der Feind versuchte Truppen in Schaluppen zu landen, wurde aber von unseren Truppenabteilungen und der bewaffneten Bevölkerung unter schweren Verlusten verjagt. Darauf zog sich auch der Itreuzer zurück. Wir hatten keine Verluste an Menschenleben. Zum Kampf um öie Daröanellen. Koustailtinopcl, 3. April.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: Heute versuchten einige feindliche M i n e n s il ch c r sich der Meerenge der Dardanellen zu nähern', wurden jedoch durch unser Feuer vertrieben. Zwei Panzerschiffe, welche diese Minensucher schützten, bom- bardicrten einen Augenblick von weitem die Meerenge ohne Wirkung und zogen sich dann zurück. Von den übrigen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden.' Rutsche Truppenlanöung in Persien. Petersburg, 2. April.(W. T. B.)„Nowoje Wrernja" meldet aus Teheran: In P e r s i e n herrscht große Aufregung, weil russische Abteilungen tu E n s e l i an Land gesetzt wurden. Der russische Gesandte in Teheran dementiert offiziell Gerüchte über eine Okkupierung Teherans durch die Russen. Es solle nur daö russische Eigen- tum der Provinz Enseli geschützt werden. Der Krieg unö Sie Kolonien. Zur Lage in Süöwesiafrika. Kapstadt, 3. April.(W. T. B.) Meldung des Rcuterschcn Bureaus. Die Besetzung von Aus ist von großer Wichtigkeit für den Feldzug in Südafrika. Aus liegt an einem 93 Meilen breiten Wüstcnstreifen, den man von Lüderitz aus durchziehen muß. Die Armee Sir Duncan Mackeuzies wird jetzt viel freier operieren können als bisher, da sie weniger mit Wassermangel zu rechnen braucht. Aus war stark verschanzt. Die Deutschen haiten eine energische Verteidigung vorbereitet, sie wurden aber gezwungen, den Platz zu räumen, da die Truppen der Union ihre Flanken und Verbindungslinien nach Keetmannshoop bedrohten. Man glaubt, daß die Deutschen sich jetzt konzentrieren und ihr Operations- gebiet beschränken werden, da sie eine weitere Zersplitterung ver- meiden müssen. Die Schanölung öer Kriegs- gefangenen. Im„B e r n c r Bund" beröffeutlicht Dr. E. Guglielminetti zu diesem Thema folgende Ausführungen: Als langjähriger Arzt in Monte Carlo kennen mich viele fran- zösische und deutsche Familien, die mich seit Beginn des Krieget hier in Bern wissen und mich um Nachrichten bitten über ihre ge fangenen und verwundeten Angehörigen. Als Schweizerarzt war mir leicht, mit den Chefärzten der Lazarette und Gefangenen depots direkt zu verkehren, ja ihnen sogar öfters zu telegraphieren. Und stets erhielt ich in sehr kollegialischer Weise Auskunst zur großen Beruhigung vieler Fannlieu. Durch diesen Korrespondenz- verkehr gewann ich die Ueberzeugung, daß die Verwundeten überall gut bebandelt werden. Die nicht verwundeten Gefangenen hatten ohne Zweifel im Beginn viel zu leiden, namentlich hinsichtlich Unterkunft und Nahrung, weil man nirgends auf eine so unge heure Zahl Gefangener vorbereitet war. Dann kamen noch dazu die förmlichen Völkerwanderungen von Flüchtlingen ans den Kriegszonen, die auch irgendwo untergebracht und ernährt werden mußten. Doch bald hatte man das Gefühl, daß die Lage der Ge- fangenen sich allmählich besserte, sie konnten ja selber mitbelfen am Verbessern ihrer Einquartierung und von Hause durften sie Pakete erhalten mit Lebensmitteln und Geld zur Verbesserung ihrer Nahnmg, dank dem Internationalen Genfer Roten Kreuz und der schweizerischen Postverwaltung. Man erhielt ans den verschiedenen Gefangenenlagern recht beruhigende Briefe, doch ab und zu tauchten auch wieder schreck- liche Gerüchte auf von unmenschlicher Behandlung und vollständig ungenügender Ernährung. Diese Gerüchte veranlaßten die krieg- führenden Nationen zu Drohungen mit scharfen Gewaltmaß- nahmen. Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Man begann diesen armen Opfern des Krieges weniger Brot, weniger Fleisch zu ver- abreichen, keinen Tabak mehr zu geben, die Erlaubnis, Briefe zu schreiben, bedeutend einzuschränken usw. So kam cS, daß die Re- giernngen, die has Los ihrer Gefangenen verbessern möchten, an- 'cheinend im Begriffe sind, eS gegenseitig den armen Leuten wieder zu verschlimmern. Zum Glück tritt da das Internationale Genfer Rote Kreuz ins Mittel. Sein unermüdlicher- Leiter, Herr Nationalrat Ador, und mein hochverehrter Kollege Dr. Fernere aus Genf besuchten selber einige Gefangenenlager in Deutschland gegen Ende des verflossenen Jahres und waren im großen und ganzen mit der Be- Handlung der Gefangenen nicht Unzufrieden. Zu Anfang Januar andte sodann das Genfer Rote Kreuz als Delegierte die Hcrven Ed. Naville und van Bcrchem nach England. Diese Herren be- suchten alle Gefangenenlager, redeten ohne jegliche Aufsicht mit vielen Gefangenen, und ihre Schlußfolgerungen sind, daß sowohl die deutsche Regierung als die deutschen Familienangehörigen der Gefangenen ohne Sorgen sein können um ihre Angehörigen in eng- lischer Gefangenschaft. Herr Engster, Vizepräsident des NatkmalraicS, besuchte im Auftrage des Genfer Roten Kreuzes zehn deutsche Gefangenen- kager und toar glücklich, sagen zu können, daß die französischen Ge- angenen in Teutschland gut behandelt werden. Es können in diesen bösen Zeiten ab und zu Irrtümer und Fehler vorkommen, aber im großen ganzen erfüllt Deutschland seine Pflicht gegen- über den fremzösischeu Gefangenen. Mein sehr geehrter Herr Kollege Oberstleutnant Dr. v. Marval, der heute, Dienstagabend. Bern einen Vortrag hält, wurde als Delegierter des Roten Kreuzes, in mehrere Gefangenenlager Frankreichs und Algeriens gesandt. Ich hatte letzten Freitag das Vergnügen, in Gens seinen sehr interessanten Vortrag anzuhören, den er mit künstlerisch schönen Lichtbildern erläutert, die nicht lügen und ans denen man die gutgenährten, zum Teil recht fröhlichen Gesichter der deutschen Gefangenen sieht. Die Bilder zeigen, wie die Gefangenen unter- gebracht sind, wie sie arbeiten, beinahe, loas sie essen. Man sieht sie in der Krankenstube, auf der einen Seite des Lazaretts die Franzosen, auf der anderen die Deutschen. Oft hat man tatsächlich das Gefühl, daß die Nationalität aufhört bei diesen Opfern des Krieges, die Leidensgenosscn geworden sind. Der Vortrag von Dr. de Marval über die Behandlung der Kriegsgefangenen hat mich derart erfreut, daß ich nicht umhin konnte, meinen Kollegen zu bitten, er möchte doch diesen Vortrag auch in Deutschland halten, und zwar so bald als möglich, um die deutschen Familien etwas zu beruhigen und ihnen zu beweisen, daß es ihren Leuten in Frankreich und in den Kolonien im großen und ganzen nicht schlecht ergeht. Drei Herren Delegierte des beut- scheu Roten Kreuzes, Petersen, Leiter des Ausschusses deutscher Kriegsgefangener, Hamburg, Lisman aus Frankfurt und du Binagc- Berlin, sind mit diesem Vorschlag vollkommen einverstanden. Tic Sache wurde bereits in Genf besprochen und beinahe endgültig ab- gemacht Danach würde Herr Dr de Marval in Berlin, München, Hamburg und Frankfurt sprechen, und zwar wahrscheinlich noch vor Mitte April. Allerdings wäre es nun auch sehr wünschenswert, wenn Herr Nationalrat Engster auch in Frankreich Lichtbildervorträge halten würde, damit auch die französischen Familien sich überzeugen (önnen, daß es ihren Gefangenen in Deutschland nicht so schlecht ergeht. Abgeseben von der ungemein wohltuenden Beruhigung haben diese Berichte der Herren Delegierten des Genfer Roten Kreuzes auch einen sehr guten Einfluß auf die Behandlung der Gefangenen. Die grobn Mängel, die notwendigen Verbesserungen wurden den betreffenden Regierungen von der ganz unparteiischen Seite des Genfer Roten Kreuzes signalisiert: Die meisten Wünsche der Herren Delegierten wurden daraufhin sofort erfüllt. Herr Lepine, der frühere' Polizcipräfekt von Paris, wurde von der französischen Rc- giernng nach den verschiedenen Gefangenenlagern gesandt, um zu sehen, ob diese Verbesserungen wirklich durchgeführt seien. Er war vorgestern auch in Gens und sagte zu Dr. de Marval:„Nun können Sie die betreffenden Gefangenenlager alle unangemeldet wieder be- suchen, Sie werden zufrieden sein und sehen, daß alle Ihre Wünsche erfüllt wurden." Die? ist unstreitig einer der schönsten Erfolge unseres Roten Kreuzes._ interview mit Lorö Halöane. London, 2. April.„Daily Chronicle" gibt das Interview eines Vertreters der„Chicago-DaiIy News" mit Lord H a l d a n e wieder. Der Journalist fragte, ob England neutral geblieben wäre, wenn Deutschland Belgiens Neutralität respektiert hätte. Haldane erwiderte: Ich bin durchaus nicht sicher, daß wir daS hätten tun können. Belgien berührte unsere Ehre, Frank- reich berührte unser Gefühl und unser Interesse. Wenn man die Theorie der Welteroberung betrachtet, die hinter der- erfolgreichen deutschen Bewegung zugunsten eines Angriffskrieges stand, so scheint es mir, daß eS ein Wahnsinn von uns gewesen wäre, mit gefalteten Händen still zu sitzen, während Deutschland die Hindernisse auf dem Kontinent für einen Angriff auf das britische Reich beseitigte. Jetzt, unter günstigen Umständen, sind Ivir der deutschen Stoßkraft sehr nahe. Ich glaube nicht, daß wir hätten zulassen dürfen, daß die deutsche Stoß- kraft noch näher herankommen und un-Z die nächsten Staaten absorbieren durfte, ohne daß wir einen verzweifelten Versuch machten, c-Z z u verhindern. Aber der Angriff auf Belgien ließ uns keine Zeit zur Ueberlegung und Wahl. Wir hatten dem Vertragsbruch und dem einem schwächeren Staate zugefügten Unrecht Widerstand zu leisten, oder wir wären entehrt gewesen. * Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt dazu: Lord Haldane hat nach hier vorliegenden telegraphischen Mel- düngen zu dem Vertreter eines amerikanischen Blattes Aeußc- nrngeii über den Inhalt seiner im Winter 1912 zu Berlin geführten Verhandlungen gemacht, die nicht unwidersprochen bleiben können. Lord Haldane behauptet, er babe damals dem Reichskanzler v o u Betbma n n Hollweg in nicht mißzuverstehender Weise zn verstehen gegeben, daß England nicht neutral bleiben werde, falls Deutschland die belgische Neutralität verletzen werde. Wie wir festgestellt haben, hat in den Unterredungen Lord Haldanes mit dem Reichskanzler die Eventualität einer Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland überhaupt nicht den Gegenstand der Unterhaltung gebildet. Lord Haldane war nach Berlin gekommen, um die Grundlagen für eine Annäherung zwischen Deutschland und England zu erörtern. Der Zweck der während seines hiesigen?luf- enthalts gepflogenen Verhandlungen war, den Zustand der Span- nung zwischen beiden Ländern zu beseitigen, der besonders während der Marokkokrisis von 1911 gelegentlich bedrohliche Formen angenommen hatte. Im Laufe der Erörterungen gab der eng- tische Minister ganz allgemein der Besorgnis Ausdruck, daß im Falle einer völligen Verständigung zwischen England und Deutsch- läNd die damit von England an Deutschland gegebene Rückendeckung Deutschland zu einem Ueberfall ans Frankreich ermutigen könne. Einem solchen Ueberfall werde England aber nicht ruhig zusehen können. Von Belgien ist dabei nicht die Rede gewesen. Der Reichskanzler. hat damals Lord Haldane die bündigste Versicherung abgegeben, daß Deutschland gegen Frankreich niemals einen Angriflskrieg führen, sondern das Schwert nur dann ziehen werde, wenn es dazu herausgefordert werden sollte. Käme eine feste und loyale Verständigung zwischen Deutschland und England zustande, dann werde damit die Gefahr eines europäischen Krieges nach menschlicher Voraussicht überhaupt beseitigt, denn dann werde Frankreich seinerseits es nicht wagen, Deutschland zum Kriege zn provozieren, und es würden auch etwaige sonstige europäische Kriegsgefahren durch das Gewicht einer cnglisch-dcntschen Einigung im Keime erstickt werden. E n g l a n d hat sich, wie bekannt, diesen Erwägungen nicht au- geschlossen. Lord Haldane hat des weiteren auf eine bestnnmie Frage dcS amerikanischen Journalisten erklärt, er sei durchaus nicht sicher, ob England hätte neutral bleiben können, wenn Deutschland Belgiens Neutralität respektiert hätte. Denn es wäre ein Wahnsinn von Engkaild gewesen, mit gefalteten Händen still zu sitzen, ohne nicht einen verzweifelten Versuch zu machen, zn verhindern, daß Deutschland die England zunächst liegenden Staaten absorbierte. Demgegenüber möchten wir Lord Haldane daran erinnern, daß die deutsche Regierung vor Beginn des Krieges der englischen die be- stimmte Erklärung abgegeben hatte, die territoriale Integrität Frankreichs beziehungsweise Belgiens nicht antasten zu wollen, falls England neutral bliebe. Die angebliche Gefahr einer„Ab- sorbierung" der England zunächst gelegenen Länder durch Deutsch- land lag also nicht vor, und hat hiernach ebensowenig wie der deutsche Einmarsch in Belgien den wirklichen Anlaß dazu gegeben, daß England an Deutschland den Krieg erklärt hat. Eine Ente öer Morning-Posi". Wie», 3. April.(W. T. B.) Die Londoner„M o r n i n g P o st" brachte eine Petersburger Meldung, wonach Oesterreich- Ungarn angeblich Verhandlungen eröffnet hätte, um einen Separatfrieden zu erlangen. Das Wiener k. k. Telegraphcn-Korrespondenzbureau ist ermächtigt, festzustellen, daß Oesterreich-Ungarn keinerlei Friedensa ngebot machte, und daß die ganze Meldung der„Morning Post" bollständig aus der Luft gegriffen ist. Die Erörterung öes Kriegszieles in Englanö. Die englische Presse hat sowohl im allgemeinen als auch in bezug auf die Erörterung des Kriegszieles eine Verhältnis- mäßig große Bewegungsfreiheit. Das beweisen u. a. die tapferen Worte des„Labour Leader", des Organs der Unabhängigen Arbeiterpartei, die wir vor einigen Tagen ab- druckten— Worte, die jeden Sozialisten zum Nachdenken an- regen sollten—, das beweisen auch die Ausführungen der an- gesehenen Zeitschrift„E c o n o in i st". In dessen Nummer vom 27. März heißt es u. a.: „England hofft, daß die Minister sich nicht niit den „Times" identifizieren, die sagten, England führe Krieg aus egoistischen Gründen, und begrüßt die Note des Idealismus in der letzten Rede von Grey. Grey verfolgte dieselben Zwecke wie Gladstone und Salisbnry:„britische Interessen und den Frieden der Welt", aber die Mittel mußten verschieden sein. Manche glaubten, er hätte den Krieg verhindern können durch die Mitteilung an Deutschland, daß England auf russischer Seite in dem serbischen Konflikt stünde, oder wenn es Ruß- land überhaupt nicht unterstützt hätte. Wenn es Gladstones Politik 1876 befolgt hätte, hätte es Belgien und Luxemburg vor der Invasion gerettet. Früher bestanden gute Beziehungen zu Deutschland(siehe Salisbnry und Rosebery) und Kriegsgefahr mit Rußland und Frankreich. Während des Burenkrieges war England isoliert, dann wurden die Reibungen mit Frankreich bereinigt, und es begannen die mit Deutschland. So glitt England Schritt für Schritt in das alte Kontinentalsystem hinein. Wenn es darin bleibt und die jetzt begonnene Politik weitermacht, wird es nicht nur eine ungeheure Flotte, sondern auch eine ungeheure Armee zu unterhalten haben und eine Steuerlast mindestens doppelt so hoch wie heute. Notwendig ist nun, daß die Minister ihre Ideen für die Beendigung des Krieges klar formulieren. Belgiens und Europas Freiheit klingt sehr schön, doch sagt Grey nicht, wie er das erreichen will. Aber er hat wenigstens nichts gesagt, was den Krieg verschärfen oder verlängern könnte. Er ist wirklich schon traurig genug und hat genug Menschen schwer betroffen." Eine Zuschrift in derselben Nummer sagt:„Wenn die feierlichen Worte Greys �überhaupt etwas bedeuten, so sagen |i?, daß, luie erfolgreich auch Englands Waffen fein mögen, keine deutsche oder österreichische Provinz wie Elsaß-Loth- ringen oder Bosnien gehalten werden darf. Wenn unsere Ideale einen Wert haben und die Nation dafür sichte darf England in Zukunft kein Zabcrn und kein Agram dulden." t Derartige Ausführungen sind im einzelnen natürlich fehl anfechtbar, sie zeigen aber, wie frei sich die englische Presse über wichtige politische Lebensfragen äußern darf. tzerve gegen öie Zensur. .Unter dem Knebel" ist die lleberschrift eines Herve-Artikels in der„ G u e r r e Sociale" vom 29. März über die Anwendung der Zensur in Frankreich. Obgleich er seit acht Monaten genug Proben der Mäßigung, des versöhnlichen Geistes und zugleich der Vaterlandsliebe gegeben, obgleich er in Stunden der Angst ermutigende Worte geschrieben, die weder für die nationale Verteidigung noch für die Republik unnötig gewesen seien, habe die Zensur nnverständ- lichste Härte gegen ihn gezeigt. Wenn es der Zivilgewalt gefalle, von Schwachheit znSchwachheit, von Kapitulation zu Kapitulation zugunsten der Militärgewalt all der Vollmachten zu entsagen, die sie von der Nation empfangen, so möge sie es tun: er aber werde nicht kapitulieren. Und er benachrichtige die Regierung im voraus, daß, wenn sie noch einmal gegen ihn vorgehe, ohne daß das Vorgehen entschuldbar sei, er sich über das Veto hinwegsetzen werde. Wenn die wenigen republikanischen Stimmen, die noch in der Nacht und dem Stillschweigen, zu dem der französische Journalismus verurteilt sei, nicht mehr gehört werden könnten, dann solle man einmal sehen, was aus der Republik werde. Die französische Kriegsrechnung. Laut„Economist" vom 27. März hat Frankreich bis zum 6. März ausgenommen: 1. S'A proz. Anleihe von 803 Millionen Franks, 2. Vorschüsse bei der Bank von Frankreich iA Milliarden, 3. Slational-Verteidigungs-Anleihe 3542 Millionen, im ganzen 8847 Millionen Franks. Die neue Anleihe vom 23. Februar ist noch nicht eingerechnet. Die Schätzung der Kriegsausgaben betrug am 20. Februar: 1200 Millionen Franks monatlich. Doch sind dabei die an Belgien, Serbien, Griechenland und Monte- negro gewährten Anleihen nicht eingerechnet, und auch nicht die Arrangements für Rußland. französische Seschlagnahme deutscher Postsendungen. Toulon, 2. April.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. In den letzten acht Tagen beschlagnahmten W a ch t s ch i f f e der Alliierten au Bord verschiedener Schiffe über 250 Postsendungen deutscher H e r- t u n s t. Fünf Dampfer wurden in Küstcnhäfen geführt, um ihre aus Deutschland kommenden oder dorthin bestimmten Waren auszuladen. französische Mißstimmung gegen Italien. Seit einiger Zeit zeigt die französische Presse eine arge Ver- stimmung gegen Jlalicn. Und zwar, weil dieses sich nicht zum Ein- greifen in den Krieg an der Seite des Dreiverbandes entschließt. Elenicnceau schont auch den„Avanti" nicht, der das Spiel Deutsch- lands so gut unlcrsiützt habe! Während andere Völker blutige Opfer bringen, feilsche Italien, das nicht verstehe, seine Pflicht zu tun. Auch das„Journal" verdächtigt den„Avanti", indem e§ schreibt,„die große italienische Zeitung der Sozialdemokratie gibt uns über das Manöver Bülows viele Einzelheiten, die um so inter- essanter sind, als klar daraus hervorgeht, daß sie aus der Villa Malta(Bülows Wohnfitz. Red.) geschöpft sind". Hierzu aber stellt der Pariser Korrespondent des„Avanti" folgende Fragen:„Was verlangt der Dreiverband von Italien? In welcher Form und Verbreitung sollte von Italien Hilfe geleistet tverden? Gegen welche entsprechenden Kompensationen?„Wir wollen" so schreibt er,„die kaufmännischen Redewendungen des alten Elemenccau gebrauchen: Der Krieg wird aus Gründen der politischen und Handels-Hegemonie geführt, ist also letzten Endes ein Geschäft. Ein Land opfert weder seine Männer noch sein Geld wegen der schönen Augen der Anderen. Der Dreiverband kämpft nicht für dieJnteressen der neutralen Länder. Am Tage deS endgültigen Sieges und der Rcchnungsbegleichung wird jeder Vorteile an politischem Einfluß, an lerritorialen Eroberungen, an nationalen Zurücksorderungen im Verhältnis zu den gemachten Anstrengungen beanspruchen. Es ist also vollkommen logisch, daß das Programm der Intervention Italiens vom gleichen Standpunkte aus betrachtet wird. Das Ein- greifen'JialienS würde die Haltung der anderen neutralen Länder beeinflussen. Welche Kompensationen würde Italien also erhalten? Welche Kolonien, Einflußsphären, Rücknahme von nationalen Gebieten? Die Frage ist gesckäftsmäßig und auch brutal. Sie entspricht der jetzigen Zeit, ober entweder oder I Entweder werden die Ereignisse von unserem proletariscbcn sozialistischen Standpunkte aus betrachtet, dann wird die Frage überflüssig.... Oder aber die Ereignisse werden vom nationalen patriotischen Standpunkte aus angesehen. In diesem Falle, wenn der Krieg den Siegern reelle Vorteile bringt, hat man die„patriotische" Pflicht, uns und die anderen zu fragen, welche Vorteile wird Italien haben? Diese Frage soll gestellt werden an die französischen Zeitungen, die so freimütig Ratschläge an unser Land austeilen, lvie auch au unsere Inter- veirtionisten, welche verlangen, daß Italien für Fragen kämpfe, während die ganze Welt sich für Tatsachen schlägt." Die englische Lohnbewegung. London, 3. April.(W. T. B.) Die Hafenarbeiter in Liverpool, die sich Freitags nach 5 Uhr und Sonnabends zu arbei- ten weigerten, machten in dieser Woche bereits am Donnerstag Arbeitsschluß. In einer Massenversammlung wurde laut„Morning Post" vom 29. März gegen die Verwendung von Frauen im Straßen- bahndienst protestiert. Man verlangt eine Versammlung aller Lon- doner Straßenbahnangcstelltcn, um die Forderung von 15 Proz. Lohnerhöhung durchzudrücken. Die englische Regierung nahm laut„Morning Post" vom 27. März die Kommissionsvorschläge an, wonach den Mechanikern, geschulten und besseren Arbeitern 3 Schilling wöchentlich, allen anderen Arbeitern 2 Schilling, den Lehrlingen 1 Schilling zugelegt wird. Die Preise für Stückarbeit werden um 7A Proz erhöht. welche Pläne vemzelos hegte. Athen, 3. April.(SB. T. B.) Ministerpräsident G u n a r i S hat V e n i z e l o s schriftlich die Antwort auf dessen Brief vom 31. März an den Minister des Auswärtigen Zogrofos zugestellt. In diesem Briefe wird festgestellt, daß B c n i z e l o s, um die Gefahren, die Griechenland von feiten Bulgariens bedrohen, abzu- wenden, diesem Staate die Kasas von Drama, Sa- richabap und Kawalla abtreten wollte. Gunaris fragt in dein Briefe weiter an, ob Benizclos sich nicht crinncrc, daß es schon so weit gekommen war, daß er bereits die Einzel- h c i t c n über den eventuellen Austausch der Bevöl- kcrnngbchandelthabc. Tie etwaige» Kompclisationcn, von dcncn Ihr Brief spricht, fährt Gunaris fort, zeigen nicht, wie man die bulgarische Gefahr beseitigt. Die jetzige Regierung meint auch, daß man für das Heraustreten aus der Neutralität entschädigt werden muß. Sic wird jedoch territoriale Kompen- s a t i o n e n ablehne», eben um die bulgarische Gefahr zu bc- scitigen. Benizclos gibt auf diesen Brief wieder eine lange A n t- wort, in welcher er behauptet, niemals Vorschläge oder eine Er- örtcrung über die Abtretung von Kawalla und Drama eingeleitet zu haben. Er erklärt im Gegenteil, bulgarische Fordern»- gen bei Beginn des europäischen Krieges zurückgewiesen zu habe». An König Konstantin habe er aber einen Privat- b r i e f geschrieben, in dem er seine Gedanken ausdrückt und die Möglichkeit, gegenüber Bulgarien Zugeständnisse zu machen, ans- gesprochen habe, um die Neutralität B u l g a r i e n s w ii h- rend eines Eingreifens Griechenlandszu sicher». Ich habe in diesem Brief geraten, sagt Benizclos, 2000 Quadratkilometer von Mazedonien zu folgenden Bedingungen abzu- treten: 1. Als Kompensation für die gemachten Zugeständnisse wird uns das Gebiet Doiran und Gcvgcli in der Größe von 1000 Quadratkilometern abgetreten; 2. Bulgarien tritt hiernach als Verbündeter Serbiens und Griechenlands aus scinerNcutralitäthcraus; 3. die Abtretung findet nach dem Kriege statt und nur, falls der Sieg der Dreiver- bandsnl ächte Griechenland in Klein a'sie» ein Gc» biet von 140000 Quadratkilometern sichert. pockenepiöemie in Charkow. Petersburg, 2. April.(W. T. B.)„Rjetsch" meldet aus C h a r- k o w: Hier wütet eine große Pocke nepidemie; es wurde die Zwangsimpfung aller Einwohner durchgeführt.— Dasselbe Blatt meldet, daß der Minister des Innern die Gouverneure ver- anlaßt hat, energische Maßnahmen zu ergreifen, um die Bevölkerung zu veranlassen, verstecktes Getreide zu verkaufen. Um eine regelmäßige Versorgung der Armee durchzuführen, müßten sämtliche Getreidevorräte registriert werden. Im Notfälle werde man Re- quisitionen vornehmen müssen. Die Meuterei in Singapore. Die Nachrichtenstelle für den Orient teilt mit: Noch immer sind die englischen Blätter außerordentlich zurück- haltend über die Meuterei, die am 15. Februar unter den indischen Truppen in Singapore ausbrach. Aus den letzten Nummern der Zeitungen, die aus Niederländisch-Jndien hier eingetroffen sind, lassen sich noch einige, bisher unbekannte Tatsachen entnehmen, die sich besonders auf das Verhalten der in Singapore weilen- d e n Deutschen beziehen. Bekanntlich schössen die Aufstün- dischen die Wachtkommandos der Tulingkaserne nieder, in welcher die Deutschen interniert waren und boten diesen an, ihnen die Freiheit zu geben und gemeinsam mit ihnen zu kämpfen. Es ist ein Beweis dafür, wie loyal auch jetzt noch die Deutschen gegen- über England handeln, daß der weitaus größte Teil der In- haftierten von dieser Gelegenheit der Befreiung keinen Gebrauch machte. In den niederländisch-indischen Blättern wird besonders hervorgehoben, daß aus den Rat des langjährigen Leiters der Siugapur-Filiale der Deutsch-Asiatischen Bank, Herrn F. Kilian, die Mehrzahl der Deutschen sich der Bewegung nicht anschlössen. Freilich, eine kleine Gruppe der„Emden"-Mnnnschast, die in eng- lischer Gefangenschaft schmachtete, ließ diese Gelegenheit zu neuen Abenteuern nicht ungenutzt vorübergehen. Es handelte sich um acht Mann, denen sich noch neun airdere Deutsche, meistens See- leute, anschlössen und die sicki mit den Sikhs zusammen zunächst in der Umgebung der Stadt verbargen. Entgegen den ersten Schauer- Nachrichten der Engländer ist es in den Straßen von Singapur selbst weder zu Gefechten, noch zu irgendwelchen Greueln gekommen. Der offizielle englische Bericht gibt die Zahl der getöteten Engländer mit 33(darunter 9 Zivilisten) an. Wieviele von den indischen Truppen getötet worden oder wieder in die Hand der Engländer gefallen sind, ist nicht bekannt, doch dürfte ein erheblicher Teil von ihnen in Freiheit und Sicherheit sein. Was aus den Deutschen geworden ist, die entkommen sind und auf welche die indische Regierung bekanntlich je 500 Dollar Kopf- Prämie gesetzt hatte, ist unbekannt, aber die acht Mann von der „Emden" waren noch nicht lange in Freiheit, als sie wieder Schiftsplanken unter ihren Füßen hatten. Am 17. kamen sie auf Bali auf den Karimon-Jnseln an und stachen am 18. früh nach Bangka(gegenüber Sumatra) in See. Einzelheiten über ihre weiteren Schicksale sind vorläufig nicht bekannt. Verschärfung ües chinesisch-japanischen Konftikts. London, 3. April.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Die j a p a n i s ch- ch i n e s i s ch e Kon- f cren z am 31. März hat die Lage P e r s ch l i m m e r t. Die Japaner, die offenbar durch den Ausfall der Wahlen einen stärkeren Rückhalt gewonnen haben, erklärten, sie seien außer st an de, die Verhandlungen über die 21 Forderungen länger hinauszuziehen. China müsse alle im Prinzip annehmen oder die Folgen tragen. Die Konferenz wurde am folgenden Tage fortgesetzt. Die Stimmung in Peking i st allgemein sehr pessimistisch. Meldungen aus Tsinanfu besagen, daß die Unruhe dort im Wachsen begriffen sei, weil die Japaner Lauf- grüben bauten und andere Vorbereitungen träfen, die darauf schließen ließen, daß eine Belagerung zu er- warten sei. Japanische presiestimmen über öas englisch-japanische Sünönis. Haag, 2. April.(W. T. B.s„H e t Vaderland" gibt japanische P r e s s c st i m m e n wieder. Tokutomi, der Chefccdakteur der„Kokumin Schimbun", Mitgtied des Oberhauses, kritisiert in seinem Blatte das englische Bündnis scharf. Er will dessen Zukunft nicht gerade pessimistisch ansehen, meint aber, daß es nicht mehr als leitendes Prinzip für Japans auswärtige Politik gelten könne, sondern hierfür zu einseitig sei. Da in England so wenig Begeisterung für dieses Bündnis mit Japan herrsche, so würde es für Japan gefährlich sein, zu sehr darauf zu vertrauen. In dem gegenwärtigen Kriege sei Japan, dies be- tont Tokutomi, ein sehr notwendiger Bundesgenosse für die Entente, und England strebe jetzt auch danach, das Bündnis mit Japan wieder wärmer zu gestalten; aber der Punkt, auf den eS ankomme, sei, ob das Bündnis auch nach dem Kriege in seiner jetzigen Form bestehen bleiben werde. Ferner wirft Tokutomi die Frage auf, welche Haltung England in einem Streite zivi scheu Japan und Nordamerika einnehmen werde; schon bei der letzten Erneuerung des Bündnisses habe es ge- schienen, als sei England geneigt, Japan den Amerikanern zu opfern. Jedenfalls werde das Bündnis in einem solchen Streitfall für Japan wenig Wert haben. In den chinesischen An- gelegenheiten sei England vielfach ein Konkurrent, wenn nicht gar Gegner Japans; ein Konkurrent verlvandle sich aber leicht in eincii Feind. Die Engländer in China hätten schon früher und auch jetzt Abneigung gegen Japan und die Japaner gezeigt, daher sei ein englisch-japanischeS Zusammenwirken zur Losung der chinesischen Frage praktisch unmöglich. Schließlich müsse Japan sich fragen, welche Haltung England nach dem Friedensschluß in der Welt ein- nehmen werde. Tokutomi will nicht gerade sagen, daß England unzuverlässig sei, aber er weist auf den britischen Egoismus hin, der sich ja schon früher gezeigt habe, noch ehe England sich in diesen Krieg eingemischt hätte. Man müsse sich daher die Frage vorlegen, wie England, da? ausschließlich an seine eigenen Jntercssen denke, daneben Japans Interessen schützen werde. West» Deutschland darauf ausginge, sich an Japan zu rächen, so wisse man nicht, welche Hilfe England Japan gewähren werde. DaS eine Mal fehle es Eng- land an Macht, Japan beizustehen, ein anderes Mal fehle ihm der Wille dazu, wieder ein anderes Mal fehle ihni beides. Maßnahmen für öen Kall der Daröanetlen. Laut„Rjetsch" vom 21. März wurde in einer Sonderbcratung der russisch-englischen Handelskammer der Handel über die russischen Südhäsen besprochen. Es wurde eine Reihe Maßnahmen beschlossen zur Vorbereitung der Häsen des Schwarzen und des Asowschen Meeres auf die Möglichkeit des Falles der Dardanellen. Hauptsächlich wurde die Vermehrung der Transportmittel, der Eisenbahnen, des Personals bei den Hafeneinrichtungen, die Rege- lung der Küstenschiffahrt und die Sicherstellung genügenden Tonnagegehaltes ins Auge gefaßt. Die Vorbereitungen sind von den Lokalbehörden bereits in Angriff genommen. Kriegsanleihen in Amerika. Washington, 3. April.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Staatssekretär B r y a n teilte über die Haltung der Regierung bezüglich der Anleihen an die Alliierten mit: Das Staatsdepartement wurde von Zeit zu Zeit direkt oder in- direkt davon verständigt, daß Kriegführende sich bei Banken der Vereinigten Staaten Kredite einräumen ließen. Die Regierung sprach sich gegen Anleihen an Kriegführende ans, fühlte sich aber nicht berechtigt, gegen die Kreditübereinkommen, die ihr zur Kennt- nis gebracht wurden, Einspruch zu erheben. Die Regierung sprach weder ihre Billigung noch Mißbilligung darüber aus, sondern enthielt sich jeder Meinungsäußerung. Letzte Nachrichten. Tie Tätigkeit der deutschen Flugzeuge. Paris, 3. April. kW. T. B.) Noch dem„Tcmps" hoben om 2. April vier deutsche Flugzeuge M e r v i l l e bei Hoze- brouk überflogen und 12 Bomben geworfen, welche jedoch nur Sochschoden ungerichtet hoben: aus E st o i r e s fielen vier Bomben. Die deutschen Flugzeuge wurden von fronzösischen Fliegern vergebens verfolgt. Weiter berichtet der„Temps", doß ein deutsches Flugzeug om 1. April vier Bomben ouf B e t h u n e geworfen und beträchtlichen Schoden ongerichtet Hobe: der Rest der Meldung ist von der Zensur gestrichen. Torpediertes französisches Fischerfahrzcug. Paris, 3. April.(W. T. B.) Die„Agence Havas" meldet aus Fccamp: Das auf der Neufundlandreise befindliche Fischcrfahrzcuz „Paqucrette" aus Fecamp ist am 2. April auf der Höhe von Kap Antifer von einem Torpedo getroffen worden; die Besatzung wurde von Booten aufgenommen. Tic Politische» Wirren in Portugal. Paris, 3. April.(W. T. B.)„Journal" meldet über Madrid aus Lissabon, daß die Entsetzung des Präsidenten der Depu- tiertenkmnmer, M o n t e i r o, von seiner Stellung als Mitglied des Obersten Gerichtshofes durch den Justizminister den Zorn und die Entrüstung der radikalen Republikaner gegen die Regierung auf die Spitze getrieben habe, denn sie halten diese Maßnahme für eine Beleidigung des Parlaments und eine Verletzung der Per- fassung. Die erste Sitzung des Kongresses der Republik hat stattgefunden; die Mitglieder haben beschlossen, den Verein!- gungen, welche sich weigern, die Regierungsdiktatur anzuerkennen, ihre Anerkennung auszusprechen. Nachdem Costa, Chaga und Braga gesprochen und die Mitglieder der Regierung als Verräter bezeichnet hatten, beschloß der Kongreß ein- stimmig, umfangreiche Vorbereitungen für die bevorstehenden Wahlen zu treffen und dem Ministerium aufs äußerste O p p o- s i t i o n z u m a ch e n. In der nächsten Sitzung werden die Radi- kalen sich über ihre angesichts der gegenwärtigen politischen Lage unter Wahrung ihrer Sympathien für die Armee einzunehmende Haltung schlüssig werden. Das Gebäude, wo der Kongreß abgehalten wurde, war von der Polizei stark besetzt, um Kundgebungen zu ver- hindern. Wer hat die Kvnfiskationskostcn einer Zeitung zu zahlen? Wien, 3. April.(T. U.) Der oberste Gerichtshof hat eine für die Presse wichtige Entscheidung gefällt, daß nämlich der Privat- kläger, der die Konfiskation einer Zeitung erwirkt, die Kosten der Konfiskation zu ersetzen hat, wenn er den Anspruch auf Bercchti- gung der Konsiskation nicht durchsetzt.(„Frkft. Ztg.") Russisch-rumänischer Grenzzwischenfall. Sofia, 3. April.(T. U.) Ein russischer Transport, bc- stehend aus 5 Dampfern und 3 Leichtern, wurde bei der Fahrt donououfwörts, als er sich dem rumänischen Ufer näherte, von den rumänischen Grenzposten heftig beschossen. Die Schiffe sahen sich genötigt, die Fahrt auf bulgarischer Seite fortzu- setzen._ Tic„Belagerung" Montenegros. Rom, 3. April.(T. U.) Der Berichterstatter der„Tribuna" in Cetinje bezeichnet die Lage in Montenegro als unhaltbar, da es zum Teil regelrecht belagert sei. 90 000 Mann sperrten die Grenzen und das Meer ab, gegen insgesamt 15 000 Montenegriner. Die französischen Munitionssendungcn seien ein wahres Unglück für daS Land, da die Rauchwirkung alle montenegrinischen Stellungen ver- rät. Die Oesterrcichcr richten unter den Batteriesiellungcii auf dem Lowtschen große Beschädigungen an, sie machen sogar die Batterien geradezu unbrauchbar. Seitdem mache die Aushungerung Monte- ncgros Fortschritte, alle Grenzdörfer seien zerstört und die Lebens- mittclzufiihr völlig abgeschnitten.(„Köln. Volks-Ztg.".) Keine Gefährdung des britischen Handels durch Japan. London, 3. April.(T. U.) Der„Daily Telegraph" meldet aus Hongkong vom Mittwoch: Tie Lokalpresse von Hongkong legt große Unruhe qn den Tag über den Fortgang der Unterhandlungen zwischen Japan und China, und man erwartet in englischen Kauf- mannskreisen, daß binnen kurzem eine Erklärung der britischen Regierung erfolgen werde, welche zeigen werde, daß der britische Handel nicht durch ein japanisches Handelsmonopol gefährdet werden Würde, Jacken-Kleider Mäntel# In vornehmen und soliden Formen aus deutschen SfoHen gearbeitet Jacken-Kleider I Zwirn-Paletots in neuen Formen, bekannt vorzüglich verarbeitet „ 32 45 59 68.™ Kleider-Röcke ans feinen Woll» und Mohär- Stofien, in neuesten Formen n 650 875 1250 1650 21 (Covercoat) in größter Auswahl und außerordentlicher Vielseitigkeit „245° 3I50 39 43... Schwarze /Mäntel aus Moire. Eolienno, Mohär und Wollstoffen usw. Berlin S R Oranienplatz M- KeldtiöstSNöfe» SckMuge«. Bei Husten, Heiserkeit, rauhem Hals I helfen f Relchel'm Hustsntropfen überraschend schnell. 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Die Redaktion des„Vorwärts" hat mit den Auszügen, welche die„Freisinnige Zeitung" meinem Artikel„Worauf es ankam" ent- Aommen hat, auch die Bemerkungen abgedruckt, welche das Organ der Fortschriltlichen Volkspartei an sie geknüpft hat. Da diese Be- urerkungen einige nicht wiedergegebene Stellen meines Artikels, auf die ich besonderes Gewicht legte, unberücksichtigt lassen, geben sie ein lunzutreffendes Bild der Tendenz des Artikels. Es scheint mir daher «ngezeigl, auf einige der wichtigsten Punkte, die er berührt, hier zurückzukommen. Die„Freisinnige Zeitung" meint, weil ich in der Frage der Kriegskredite eine andere Haltung der Sozialdemokratie für an- gezeigt erachte, als die der bürgerlichen Parteien, betrachtete ich die «während des Kriegs erfolgte Anbahnung eines gegenseitigen KZ e r st ä n d ii i s s e s zwischen Sozialdemokratie und Bürgertum und die„gegenseitige Achtung der Volksgenossen" mit Mißtrauen. Wäre das richtig, so würde es nicht mehr und nicht minder bedeuten, als daß ich heute mit Füßen trete, wofür � gerade ich seit Jahrzehnten gewirkt habe. Es ist aber durchaus nicht der Fall. Heute wie früher bleibt es «nein Bestreben, für so viel gegenseitige Achtung im politi- eschen Leben zu wirken, als nur eben möglich ist, und mehr als je liegt es mir am Herzen, den höchstmöglichen Grad gegenseitigen Verständnisses der Parteien und Parteigruppen zu erzielen. Es soll vur nicht Verwischung der politischen Begriffe lhcißcn, nicht auf Vcrkennung der grundsätzlichen linterschiede hinaus- Zausen, welche den Charakter der Parteien und ihre b e- sonderen Aufgaben bestimmen. Es bedarf nicht erst eines Beweise?, daß ein Zusammenwirken von Volksgenossen der verschiedensten Parteien für bestimmte Zwecke möglich ist, ohne daß solche Verwischung vor sich geht. Sie findet Iheule in den verschiedensten Formen statt, und das meiste davon «unter Beteiligung von Sozialdemokraten ohne Unterschied der Schattierung. Aber da handelt es sich um Bürgerpflichten tillgemeiner Natur. Gerade um hierüber keinen Zweifel zu lassen, betont mein Artikel so scharf den Unterschied zivischen den besonderen Aufgaben und Verantwortungen des Gesetzgebers und den a l l g e ni e i n e n Pflichten des Staatsbürgers. Daß die letzteren in KriegSz eilen sich nicht lNuf das beschränken, was das Gesetz vorschreibt, sondern einen weiten Kreis freiwilliger Arbeit in bezug auf Organisation und Durchführung der Kriegshilfe umfassen, erkennt jeder Sozialdemokrat an undwirdvonden Mitgliedern der Sozialdemokratie ofpre Unterschied derFärbung durch die Tat bekräftigt. Zusammenarbeit istir Zwecke dieser Art findet in starkem Umfange statt und stößt auf ckeinen Widerspruch. Das gleiche gilt von aller hierhergehörigen ge- setzgeberischen Arbeit. Die Trennung der Geister beginnt da, wo es sich um die Frage der Verantwortungen mit Bezug auf den Krieg selb st handelt. Bei ihm kommt ein Faktor in Betracht, über den heute von allen Parteien allein die Sozialdemokratie verfügt, und durch dessen 'Preisgabe sie, von inneren Konflikten ganz abgesehen, nach meiner festen Uebcrzeugung dem eigenen Lande mehr schadenals nützen würde. Wie das zu verstehen ist, mag eine Stelle aus einer Abhandlung kennzeichnen, die ich vor vier Jahren für die„Zeitschrift für Politik" geschrieben habe und die dann unter dem Titel„Von der Sekte zur Partei" sJena, Diederichs) als Broschüre erschienen ist. Es heißt im Anschluß an Sätze, die von der Jntcrnationalität der Sozialdemokratie handeln: „Es gibt in den Reihen der sozialdemokratischen Reformisten einen Flügel, der den hier entwickelten Standpunkt nicht teilt, der von der Ansicht ausgeht, wir seien international noch nicht so weit vorgeschritten, in den meisten Ländern hätten die nationalistischen Elemente noch daS Heft in der Hand, und daher müßte die deutsche Sozialdemokratie die Rüstungen des Deutschen Reiches zu Wasser und zu Lande, wenn nicht direkt untei stützen, so doch wohlwollender als jetzt beurteilen. Die Vertreter � dieser An- fchauung stellen sich auch dem Schutzzollsystem des Deutschen Reiches nicht ablehnend gegenüber. Ein anderer Flügel der Re- formisten ist aber in diesen Fragen„orthodox". Nicht, . daß sie die tatsächlichen Verhältnisse durchaus anders be- urteilten. Sie wären nicht Reformisten, wenn sie nicht verständen, daß alles in der Welt relativ ist, daß die Abrüstung Zeit braucht und der Freihandel keine Panazee ist. Aber was sie vor allem ab- hält, dadurch ihre Haltung in diesen Fragen bestimmen zu lassen, ist der Gedanke, daß es sich in Bezug auf sie um eine spezielle Mission der Arbeiterklasse der Gegenwart handelt. Die Arbeiterklasse sei durch ihre ganzen Lebensverhält- nisse dazu veranlaßt, die Partei des freien Austausches� und Ler- kehrs. des Friedens unter den Nationen zu sein, und würde ihren Kompaß verlieren, würde aufhören, als Kraft in den großen Fragen der Völkerbeziehungen zu zählen und zu wirken, wenn sie hierin den Gegenströmungen nachgäbe. Was die Arbeiterpartei des einen Landes in Bezug auf Zollmauern und Rüstungen zu- gestehe, würden die Arbeiter anderer Länder gegebenenfalls nicht verweigern können. Im übrigen handle es sich gar nicht um schroffe und einseitige Preisgabe von Interessen der eigenen Nation, sondern darum, das Gewicht der Arbeiterparteien im Spiel der politischen Kräfte für eine Politik der Völkervcrbindung mit dem möglichst größten Nachdruck geltend zu machen. Das entwickelte und differenzierte Parteiwesen unserer Zeit ist ja überhaupt nur dann richtig einzuschätzen und zu behandeln, wenn es dynamisch, d.h. als ein Verhältnis und gegenseitiges Einwirken von Kräften, begriffen wird. Es heißt da: Eines schickt sich nicht für alle. Auch das Mitglied der extremsten Partei kann sich im Urteil auf den Standpunkt des betrachtenden Historikers stellen und danach das jeweilig Erreichbare und mit Vorteil Durchzuführende geistig fixieren. Aber wenn es darin zu- gleich die Hemmungen subjektiver und objektiver Natur erblickt, die sich den Maßnahmen, für die es kämpft, in den Weg legen, dann wird cS zur Folgerung gedrängt, daß es nicht genügt, das jeweilig Erreichbare als Ziel auszustellen, sondern daß im Getriebe der Parteien Kräfte notwendig sind, die beharr- lich für absolute Grundsätze wirken. Daß die letztere Stelle meinen eigenen Standpunkt darlegt, geht aus dem Zusammenhang unzweideutig hervor und wird durch mein ganzes schriftstellerisches und politisches Wirken bekräftigt- Soweit meine Person in Betracht kommt, kann davon gar nicht die Rede sein, daß ich die Maxime meines politischen Handelns geändert habe. Höchstens ist die Frage zu beantworten, ob es richtig und zu billigen ist, daß ich sie nicht geändert habe. Sie wird durch die Antwort auf die allgemeine Frage entschieden, ob die Abstimmung über die Kriegskredite zusammenfällt mit der Frage der V e r- a n t w o r t u n g e n, die sich auf den Krieg selbst beziehen, und außer- dem einen Schluß zuläßt auf den Grad des Interesses für die Sicher- heit Deutschlands. Was das erstere, die Frage der Verantwortungen, an- betrifft, so war am 4. August die sozialdemokratische Fraktion mit wenigen Ausnahmen der Ansicht, daß sie sich von der Frage der Kriegskredite vollständig trennen lasse, und auch heute noch geht die Mehrheit der Fraktion von dieser Ansicht aus. Subjektiv ist cS auch sehr wohl möglich. Tagegen hat die Erfahrung meines Erachtens bewiesen, daß es objektiv, d. h. in der Wirkung, in bezug auf einen sehr wichtigen Punkt nicht möglich ist. Ich meine in der Rück- Wirkung auf die Arbeiterparteien und im weiteren Sinne die Demokratien des Auslandes. Selbst Leute, die unsere Partei von Grund aus kennen und lieben, selbst so matzvoll urteilende Genossen, wie z. B. in Zürich unser alter Hermann Greulich oder ein Otto Lang, selbst kurz vor seinem Tode noch der zu allen Zeiten reformistisch gesinnte JulinS V a h l t e i ch, viele Freunde in den s k a n d i- n a v i s ch e n Ländern, in den Vereinigten Staaten— sie alle erklären uns: In den Augen unseres Volkes könnt ihr diese Sachen nicht trennen, euer Ja entfremdet euch die Sympathie und das Vertrauen der demokratischen Volks- clemeute. Ist das aber für Deutschland etwas Gleichgültiges? Ich bin nicht der Ansicht. Lassen wir alle ideologischen Rücksichten beiseite und lassen wir nur daS politische Interesse sprechen, so sagtauch dieses uns, die Stimmung der Demokratie der Kulturwelt ist ein F altor, den kein Politiker übersehen darf, weil er bei notwendig werdenden Entscheidungen schwer ins Gelvicht fallen kann. DaS Vertrauen der Arbeiterdemokraticn des Auslandes uns zu erhalten oder, wo es verloren gegangen ist, wiederzugewinnen, ist auch ein d e u t s ch e s Interesse. DaS sollten namentlich diejenigen Parteien begreifen, die den demokratisch gerichteten bürgerlichen Liberalismus vertreten. Sie sollten verstehen, daß es nur schein- barer Gewinn ist, wenn die Sozialdemokratie die großen, um- faffenden Ideale, die ein so wichtiges Element ihrer geistigen Spann- krast sind, in den Hintergrund treten läßt und sich von dem Gang der Tagesereignisse abhängig macht. Schließlich kommt cS doch nicht allein auf das Was nun? sondern aus das Was dann? nicht allein auf das Was jetzt? sondern auch auf daS Was nach- her? an. Der Patriotismus ist keine Schablone, die allem eine und die- selbe Gestalt gibt. Er kann sich verschiedenartig betätigen. Wir wissen heute, daß auch die Väter der Internationale volles Verständnis für patriotische Empfindungen hatten und solche, wo sie Anlaß dazu sahen, anch betätigt haben. Darum verfalle man heute nicht in den Fehler, Festhalten an der Jntcrnationalität mit Mangel an Verständnis und Sinn für daß Jltt»«ffe der eigenen Nation zu verwechseln. Ich bin nicht befugt, im Namen derjenigen meiner Fraktionskollegen zu sprechen, die gleich mir am 20. März den Sitzungssaal des Deutschen Reichstags verließen. Aber das eine kann ich mit Gewißheit sagen: keiner von i h n e n t a t es, weil ihm die Sicherheit Deutschlands weniger am Herzen lag als irgendeinem der drinnen Ge- bliebcnen.___ politische Uebersicht. ,, Politische Kriegführung. In den ersten Kriegsmonaten ist viel das törichte'Wort gebraucht worden: Während des Krieges seien die deutschen Waffen das einzige politische Instrument Deutschlands. Damals ist dieser Satz gerade von der konservativen Presse betont worden. Jetzt wendet sich der Redakteur der „Deutschen Tageszeitung" und imperialistische Schriststcllcr Graf Ncventlow in einem Artikel„Krieg und Politik" gegen diese Auffassung. Der Artikel ist in den Aus- drücken sehr vorsichtig gefaßt, aber so viel geht doch aus ihm zur Genüge hervor, daß die„Deutsche Tages- zcitung" eine Leitung der Kriegsabsichten durch eine einhcit- lichc politische Auffassung wünscht: „Wird gar ganz Europa, wetdcn außerdem� überseeische Mächte und die Weltmeere als Schauplätze nnmiiiclbar und mittelbar am Kriege beteiligt, so liegt auf der Hand, daß auch neben den„anderen" Mitteln die normalen Mittel der Politik, also sie selbst in ihrer gewöhnlichen Form, eine ganz außerordentlich große, in vielen Fällen für den Ausgang des Krieges entscheidende Rolle spielen mußte und sollte. Je größer die Zahl und je verschiedener, geographisch betrachtet, die Rich- tungen sind, gegen die ein Land kämpfen, mithin Krieg führen mutz, desto bedeutender wird die Rolle der Politik in der Krieg- sührung dieses Landes nicht nur, sondern auch für sie zu sein haben. Natürlich— das braucht wohl kaum gesagt zu werden— muß die Politik sich in ihren Anforderungen nach der Leistung und nach den Erfolgen der Waffen richten; aber doch nicht nur danach, sondern auch nach den Aussichten der Waffen, welche selbstverständlich von Fall zu Fall zu revidieren sind. Arif der anderen Seite aber ist gerade für eine nach mehreren Seite gerichtete und damit schon in bezug auf die Verteilung der Kräfte komplizierte Kriegführung, eine Zielgebung. besser gesagt: R i ch t u n g g e b u n g durch die Politik als Mittel des leitenden Staatsmannes, nicht nur mög- lich, sondern unerläßlich." Kavallerie von gestern unö heute. Von Hugo Schulz- Wien. 13. Marz 191S. Auf der Straße, die über Petrikau an unsere Pilicafront führt, sah ich kürzlich Truppen marschieren, deren Anblick mich hoch- lich befremdete. Zwar hat der Krieg alle Adjustierungsvorschriftcn ausgelöscht, und das scharfe Auseinanderhalten von Truppen oder selbst Waffengattungen nach dem äußeren Merkmal der Uniform langst unmöglich gemacht, aber was ich damals bei Petrikau sah, das war schon mehr ein Vexierrätsel. Anscheinend ein Marsch- bataillon von eben ausgebildeten Rekruten, die ins Feld rückten. Sie platschten unverdrossen und sogar singend durch den zähen knöcheltiefen Schlamm, mutzten also an Schusters Rappen vortrefflich gewöhnt sein. Nach dem Gesang und nach der Verschnü- rung der feldgrauen Hosen zu schließen, waren sie wohl Honveds — trotz der steirischen Wadenstutzen, die ja schon längst aufgehört haben, ein Kennzeichen der Gebirgstruppen zu sein und Gemein- gut der ganzen Armee geworden sind. Also Honveds. Ja, aber seit wann tragen die Honveds kaffeebraune Kavallericmäiitcl und feit wann sind sie statt mit rechtschaffenen Jnfanteriegewehrcn mit zierlichen Karabinern bewaffnet, und seit wann schreiten Offiziere in Hufarenuniforin mit goldenen Verschnürungcn an ihrer Spitze. Also doch keine Honveds, sondern wohl abgesessene Kavallerie, die bereits allen schillernden Fasbenglanz von ihrer Hülle abgestreift und sich ins Feldgrau umstilisiert haben I Mög- lichl Aber seit wann tragen die Reiter statt des wuchtigen, über das Pflaster klirrenden Schleppsäbcls mit dem stahlblanken Schiin- mer ein bescheidenes Bajonett an ihrer Linken, daS nur eine Spanne lang ist und nicht im mindesten blinkt? Man wird schier irre an den k. k. Naturgesetzen angesichts solchen Blendwerks der Hölle und man entschließt sich daher endlich, nachdem alle Eigen- kombination versagt hat, die Lösung des Vcxierrätsels zu er- fahren. Sie ist grundcinfach. Tie marschierenden Infanteristen, die ich bei Petrikau sah, waren also keine Infanteristen, sondern Husaren, die aber nicht als Husaren, sondern als Infanteristen ins Feld zogen, weil sie gar nicht reiten gelernt hatten, sondern nur marschieren und schießen, indem nämlich das Reiten beim Kampfe um Schützengräben ganz überflüssig ist und der Gaul sich dabei vielfach als ein bloßes Verkehrshindernis erwiesen hat. Man möge aber deshalb nicht glauben, daß diese jungen Husaren des- halb völlig aufgehört haben, Husaren zu sein und jede Beziehung zum Pferde verloren haben.'Sic werden schon zur richtigen Zeit reiten lernen und sich wieder in Reiter verwandeln, nämlich nach dem Kriege. Denn mit der Kavallerie hat' es eine ähnliche Be-> wandtnis wie in den alleren Epochen des neuzeitlichen Kriegs- führcns mit den spießstarrendcn Pikcnier- und Hellcbardier- batailloncn. Längst schon wurden die Schlachten ausschließlich durch das Salvenfeuer des anfangs so verachteten Muskctierpöbcls ent- schieden, der sich übrigens auch noch für den Nahkampf das Bajonett zulegte, aber immer noch hielt man ein paar im Glänze ihrer schimmernden Kürasse und ihrer blanken Waffen erstrahlende Ge- vierthaufen von Lanzen- und Hellebardenkriegern dräuend im Hintergründe, obgleich sie an der Blutarbeit nicht den geringsten Anteil bekamen und obgleich schon während des Dreißigjährigen Krieges Grimmelshausen spöttisch bemerken konnte, daß er noch nie einen Pikenier gesehen habe, der je mit dem Feinde handgemein geworden sei. Trotzdem währte es fast noch ein Jahrhundert, ehe Spieß und Hellebarde zum bloßen Symbol der Kriegsherrlichkcit wurden, ehe die schönen Männer, die man für diese Edclwaffen gebildet hatte, sich endgültig in die Korridore der Fürstenschlösser zurückzogen, um dort als„Hatschiere" und Nobelgarden ein schattenhaftes Kulissendasein zu fristen bis aus den heutigen Tag. So ähnlich scheinen sich eben auch die Tinge bei der 5Za- vallerie zu entwickeln oder schon entwickelt zu haben, denn was die Skeptiker längst wußten und was alle Erfahrung seit einem halben Jahrhundert bestätigt hat, daß nämlich die Reiterwaffe in ihrer bisherigen Form und Verwendungsart keinen Wir- kungskreis mehr finden kann, ist durch den jetzigen Krieg für alle Beobachter— auch für die befangenen— zur völligen Gewißheit geworden. Der Krieg selbst hat auch gleich die nötigen Korrek- turcn geschaffen durch ganz radikale Aenderungen in der Verwen- dungsart der Reitertruppen, und hätte er das nicht getan, so wäre wohl das starke militärische Temperament, das dem Kavalleristen unzweifelhaft innewohnt, vielfach so ungenutzt und unfruchtbar ge- blieben, wie einst das blankgerüstete Gardcheldentum der Pike- niere. Daß es so kommen werde und daß die Kavallerie der Zukunft im innersten Kern ihres Wesens etwas anderes«verde sein müssen als bisher, das haben auch beim Militär viele vorausgesehen. So wurde sie Aufklärungswaffe, und man malte das Zukunftsbild einer strategischen Aufklärung durch Kavallerie im allergrößten Stile mit förmlichen Reiterschlachten der großen Kavalleriekörpcr, die über breite Räume verstreut wie ein Schleier das Antlitz der aufmarschierenden Armee vor dem Gegner verhüllen sollten. Die Theorie ist schon hübsch alt, aber kein einziger von den in den letzten Jahrzehnten geführten Kriegen hat auch nur die dürftigsten Um- risse des Bildes von strategischer Aufklärung, das sie gab, in Wirk- lichkeit übersetzt. Waren nun allerdings in allen diesen Feldzügen die Geländeverhältnisse der Kavallerie höchst ungünstig, so konnte man erlvartcn, daß ein Krieg in Polen endgültig die Probe auf das Exempcl bieten würde, und man setzte bei den Russen genau so wie bei uns in die Fähigkeit der vortastenden fiavalleriekörper, über die Verhältnisse beim Gegner im größten Stile Klarheit zu verschaffen, hohes Vertrauen. Ueber die russischen Ergebnisse bin ich nicht unterrichtet, ich weiß nur, daß die gewaltige Ucberlegenheit der Rusfeu an Rcitertruppen uns nicht im mindesten wehe tat, und daß die berühmte Kosakcnsturmflut, die über Galizicn herein- brechen sollte, wenigstens soweit man das Wirken dieser Horden strategisch zu beurteilen hat, in nichts zerrann. Unsere eigene Kavallerie gab sich heißeste Mühe, ihre strategische Aufgabe im vorgeschriebenen Stile zu bewältigen, ihre Kühnheit, Schneid und Selbstaufopferung wog den Nachteil der zahlenmäßigen Unter- legenheit fast völlig auf. Aber wie dürftig blieben die praktischen Aufklärungsergebnisse gemessen an dem, was die Flieger heimzu- bringen vermochten. Die Kavallerie stieß eben doch nur immer auf Kavallerie, was dahinter war, blieb verborgen und mußte aus der Masse der feindlichen Kavalleriekörpper erschloffen werden, wo- bei es immer auch möglich war, daß der Gegner irgendwo große Reiterkörper zur Täuschung aufmarschieren ließ, und wie es die ägyptischen Priester zü Sais taten, und mit dem geheimnisvollen Schleier einen Hohlraum verhüllte. Um wirklich zu sehen, mußte mau oft zu Mitteln greifen, die durchaus nicht kavallcristisch sind, und Schleichpatrouillen zu Fuß entsenden, was die Infanterie schließlich auch zustande bringt. Es hat sich seit Beginn des Krieges nicht nur in der Verwen- düng der Kavallerie, sondern auch in den Anschauungen ihrer Führer ein Wandel vollzogen, der eine völlige Preisgcbung des alten kavalleriftifchen Ideals bedeutet. Mmi erinnert sich vielleicht noch, daß vor einigen Jahren Roofevelt in Wien ci» Husaren- regiment besichtigte— Roosevelt ist nämlich bekanntlich auch ein bißchen Soldat und ivar im Spanisch-Anicrikaiiischeii Kriege der Oberst der„rauhen Reiter", die sich zu Pferde außerordentlich wohl fühlten, aber eigentlich doch nur eine berittene Infanterie gewesen sind, ganz so wie später die Buren und wie lange vorher, im Sezessionskriege, die Regimenter Stuarts, deren kühne„Raids" im Shanandoatale und am Potomac einst die europäischen Ka- vallcriegcncralc mit blassem Neid erfüllten und jahrzcbntelang an der kavalleristischen Literatur letzte Mode blieben. Der ameri- konische Rcitcroberst richtete nun in Wien an den ungarischen einige ganz verfängliche Fragen, aus denen hervorzugehen schien, daß er auch unseren Husaren zumuten würde, im Kampfe vom hohen Roß herabzusteigen und nicht bloß in den alleräußersten Ausnahmefällen sich zum Fußgefccht zu bequemen. Da bekam crs aber mit dem ganzen Ritterftolz unseres Hiisareuobristen zu tun, der alle diese Fragen mit der scharfbetoncndcn Antwort erledigte: „Herr Kamerad, der Ungar reitet!" Diese lakonische Abfertigung fand großen Beifall, aber heute hat sich trotzdem der Ungar das Reiten nahezu ganz abgewöhnt. Ihre größten und furchtbarsten Waffentatcn hat die Kavallerie im Kampfe um Schützengräben geleistet, im infantcristischen Nahkampfc Mann gegen Mann, mit Bajonett, Kolben und Spaten. Das schreckliche Gemetzel im Birken- miildchen bei Limanowa, wo ILM Russen unter wuchtigen Kolben- hieben sielen, haben die Nadasdy-Husarcn angerichtet, und bei Bclchatow haben die Sachsendragoncr blutig um ihre schon ver- lorencn Schützengräben gerungen, bis sie sie im Bajonettgefecht wieder eroberten. Diese großen Beispiele ließen sich um unzählige kleinere vermehren. Fast überall, auf der ganzen Front haben sich die roten Teufel zu einem beträchtlichen Teil in feldgraue Teufel verwandelt und dabei find die nebelgrauen Theorien der konser- vativen Kavalleristen langsam in Dunst aufgegangen. Es gab schon vor dem Kriege einzelne unbefangene Männer, die diese Dinge voraussahen und sich bemühten, die EntWickelung der Kavallerie in die Bahn zu leiten, auf welche sie nun der Krieg gewaltsam gedrängt hat. Ter heute als Korpskommandant so gut bewährte General der Kavallerie T. zählte zu ihnen, aber er machte sich damit in seiner Waffe nicht beliebt und fand auch fast gar keine Anhänger. Gegen den traditionellen Reitergeist war nicht aufzukommen. In den ersten Wochen des Krieges ließ ich mich wiederholt mit Kavallerieoffizieren in Tiskusfioncn cin, in denen ich ganz leichtherzig behauptete, daß sich die Kavallerie nur- noch dann eine Zukunft und einen großen Wirkungskreis sichern könne, wenn sie sich in berittene Infanterie verwandle, In klaren Worten gesagt: Die Regicrungspslitik hat da Endziel der Waffenführuug zu bestiiinnen, nicht die in diesem Sinne zufälligen Erfolge der Waffen selbst. Die Politik bat sich ein ganz bestiminteS Bild von den Aussichten auf Waffencrfolgc zu bilden; nicht bagc Siegeshoffnungeu. sondern von Fall zu Fall revidierte, an der Wirklichkeit orientierte Erwartungen auf Erfolge sind dabei von der Politik iil Rechnung zu stellen, Ter militärischen Ecstung soll dann mir noch der militärische Weg zur Turchführung des politischen Ziels uberlassen bleiben i „Pur AuSsiihruilg einer' militärische» Operation lassen sich immer mehrere, häusig viele Aege und damit Mittel denken Einer dieser Wege wird beschritten, eines dieser Mittel wird ge> wählt. E S i st n i ch t gesagt, das; nicht auch ein andere daS gleiche oder ein gleich lvertiges Ziel Hütt erreichen können, aber in der Praxis ist daS selbstver stündlich gleichgültig und es handelt sich nur darum, v b die ge Ivähltcn Wege und Mittel zu dem Ziele zu sühre», das sich der militärische Führer gesetzt hat,— oder das ihm gesetzt worden ist; deuu auch über die Wahl des jeweiligen militärischen OpcrationSzielcs, über den Aufwand an Kräften, der jeweilig dafür zu lannnelu und in Bewegung zr setzen sei, köimen ver- schiedeuc und dabei gleichberecheigte und gleichwertige Meinungen vorhanden sein. Zit diese Voraussetzung richtig, so liegt auf der Hand, daß die Anlage und Turchführung der militärischen Openr tivnen durch politische Richtunggebung geradezu im höchsten Maße beeiuflußt werden kann. Ilm nur ein Beispiel zu nennen, sei die cnglisch-sranzvsische Aklion gegen die Dardanellen erwähnt. Ihre Ursachen und ihr Zweck sind hauptsächlich politischer Natur." Als Genosse Bernstein im vergangenen Jahre ähnliche Grundsätze entwickelte, entstand darod nicht allein in der bürgerlichen Presse großes Geschrei. Jetzt fordert Revcntloiv grundsätzlich etlvas Aehnlichcs: bei einem Mampf gegen mehrere Staaten' muß die Kriegführung nach der„großen" Politik orientiert iverden: „Der Staatsmauii muß das Bedürfnis haben, die gegnerischen Mächte in ihrer Eigenschaft als Feinde zu klassifizieren. Und die Kriegführung muß wissen, welches die— wie gesagt, in großen Ilmrissen, und nach den kriegerischen Eventualitäten sich richtenden— Kurse und Richtungspunkte des leitenden Staatsmannes sind; auch im Lande muß man das wissen. DaS verlaugt schon die Oelonoinie der vorhandenen militärischen Kräfte und ihrer Verteilung. DaS verlangt auch die Oelonoinie deZ in Wechselwirkung bestehenden Zusammenwirkens der Streitmacht und der Politik. Je mehr Reibungen und je weniger innere Fühlung, desto mehr Kraft geht verloren, desto weniger Richtung ist vorhanden." Bei der„Deutschen Tageszeitung" und ihrem Redakteur Rebenlloiv geht bekanntlich die Orientierung gegen die West mächte, insbesondere gegen England. Ob das vom Stand' Punkt des„Oandes" sd. h. des BolkeS) ans zu billigen ist, bedürfte der Untersuchung. Immerhin tväre es gut, wenn die Regierung dem Wunsche der„Deutschen Tageszeitung" folgte und endlich einmal dem„Lande"— in dem ein freies Volk wohnen soll— die eigene„Orientierung" klarlegte. Wirtschaftliche Kricgsmastnahmen. Der„Rcichs'Änzeiger" veröffentlicht mehrere Bundesrats Verordnungen über Ivirtschastliche Kricgsmaßnahmen. Bekannt sind bereits die Verordnungen, ivonach die Höchstpreise für Saatkartoffeln bis zum llk. April wieder aufgehoben, die Vorschriften über Anzeigepflicht und Be- schlagnahme von Futtermitteln auf neue Stoffe ausgedehnt werden und für die Bereitung von Backware gewisse Erleichterungen gewährt werden. Eine weitere Verordnung verbietet es, daß bis auf weiteres unverarbeiteter Branntwein in den freien Berkehr übergeführt ivird. Bon der Sperre ausgenommen ist der aus Obst, Beeren, Trestern, Wein, Weinhcfc, Most usw. erzeugte Branntwein; auch Ab- sindungsbrennereieu werden von der Sperre nicht getroffen. Der Reichskanzler ist ermächtigt, die Sperre vom 1. Mai 1!)15 ab in beschränktem Umfange wieder aufzuheben. Eine letzte Beiordnung regelt die zwangsweise Bestellung von Ackerland durch Kommunalverbündc._ Stadtratswahl in Breslau. Obwohl in Breslau zwei Stadtratsposten vakant sind, weigert sich die liberale Mehrheitspartei, den bisher von ihr innegehabten die es ermöglicht, weit ausgreifende.Flankeumauöver und Uur- geHungen unter raschester Raumbewaltigung durchzuführen. Tausend Gegenargumente prasselten da immer aus mich nieder. Ein Pferd sei doch kein Tragtier und breche eigentlich heute schon unter der kleinen Last zusammen, die man ihm ausbürde. Man brauche nur um eine Futtrrportion mehr aufzupacken und schon babe der Gaul seinen Satteldruck weg. Größere Marschleistungen als der Infanterie könne man den Pferden unmöglich zumute». Das Pferd sei überhaupt ein sebc feines und empfindliches Ding, das man überaus zartfühlend behandeln müsse. Da ich in der P f er d ew i fsrn scha f t ein völliger Laie bin. konnte ich auf all daS nue erwidern,' daß mir unter solchen Umständen das ganze Dasein der Kavallerie höchst problematisch erscheine. Als Schlachtenwasfe käme sie längst nicht medr in Beträcht, und wenn es nun wahr wäre, daß anch in allem übrigen die Leistungsfähigkeit des VferdeS hinter der des Menschen zurückbleibt, dann könnte man die Reiter nur noch als Halbsoldaten in Rechnung setzen und jeder von ihnen würde eine effektive Verminderung der Wehrkraft dedeuten. Eine recht merkloürdige Auffassung das, in bereut starren Gefolge gerade die schneidigsten Krieger für den Krieg am wenigsten in Betracht käuten und durch ihre bloße Existenz die Armee erheblich schwächen würden Ich dürfte recht behalten haben, wenn ich den Argumenten des Reitergeistes Mißtrauen entgegenbrachte, denn sie haben sich bereits spurlos im blauen Dunst verflüchtigt. In den Togen ttach der, Schlackt bei Limanowa sprach ich in Nett-Sattdez mit einein armrebekamiten Rossetnmniler, der das höchste Glück der Erde stets nur auf dem Rücken der Pferde fand und als schneid eleganter Herrenreiter in dcr feudalen Gesellschaft berühmt ist. Wohin war feine Elegaitz verflogen, als ich ihn kenneu lernlel Hinkrird schleppte er ein verwundetes Bein nach, der goldene, „Wasserfall"(die Goldfraitsen der österreichlsch-nngarischen Reiter- ofsiziere an der Wassrnrockwillr) tvar zerfranst uiib_aii der Ulauka ha fiele üt lehmgelben Flecken der Schmutz der �chützeugräbeii. Er erzählte wir manches Interessante von seinen kavallerffttschett Erfahrungen-i- zu Fuß. bis ich ihn zum Schluß fragte, wie er sich die Zukunft der Rritrrwaffe vorstelle. Da sagte cr:„Die Kavallerie wird eine berittgue Jusauterir sein od er gar nicht." Wenn— was tauut denkbar eS ttach diesem furchtbaren, gegenseitigen Abmorden der europäischen Kutturvötkrr jemals»och zu einem ernsten großen Krieg koututen sollte, dann wird den Ungar nicht mehr reiten, nicht mehr in dm Hochgrsuhlen seiner reisigen Vorfahrrn schwelgen, die das Fleisch unter dem Sattel zermürbten, sondern er wird daS Pferd als praktisches Verkehrs- mittel benutzen, das ihn rasch, bequem und über weite Räume dorthin dringt, wo er den Feind mit den kleintalibrigen Geschossen dcZ Infanterie- und des Maschinengewehres am empfindlichsten rreffen kann. Sitz an die Sozialdemokratie abzutreten und vertröstete sie auf die Zukunft. Da erklärte die konservative Parteileitung, daß sie eventl aus einen ihrer wenigen Sitze zugunsten der Sozialdemokraten ver» zichten würden, wenn man sie bei der ttächsteit Wahl berücksichtigen würde. Ob ihnen dieses Zugeständnis gemacht werden soll, wird eine nochmalige Beratung der Liberalen entscheiden. Boftclluitgspräutien. DaS Lberpräsidium von Ostpreußeit weist in einer Zuschrist au die Presse darauf hin, daß auch die Bestellung deS Ackers in den erst im Februar von der Russeuherrschaft befreiten Greitzlreisett nötig ist, da in diesen Kreisen die Ernte bei rechtzeitiger Bestellung min- deits 10 Millionen Jentiter Getreide ergibt. Da die Landwirte hier selbst bei größter Tatkraft auS ctgetien Mitteln die Bestellung nicht ausführen tvmteti, ist dein Oberpräsideiiten von der Staatsregieruttg der Betrag von 00 Millionen Mark zur Bersügung ge stellt worden zur Gewährung von BestellungSprämieu. Jeder, der in dem bis zum Februar itt Rusienhand bc siitblich geweseneti Gebiete den Acker tnit Soniniergetreide oder Kartoffeln ordnungSgeinäß bestellt, erhält, nachdem die bestellte Fläche durch die KreiSbestelluitgSkoinmission geprüft und festgesetzt Ist, für jeden bestellte» Morgen eine StaatSbelohnuug von 25 M. bar ausgezahlt, welche aui die Kriegsentschädigung nich in Anrechttuttg kommt. Wer zur Vorbereitung der Bestellung, Bc schaffung von Saatgut, Anschaffung von Pferden und Geräten. Löhnung von Arbeitern, Herstellung von Notbauten Vorschüsse braucht, erhält sie als Vorentschädtgung auf seinen KriegSschaden Allen Flüchtlittgsfantilieit sollen Freifahrtsscheine zur Rückkehr ge geben werden. Zu den BestelltutgSarbeiteit werden Kriegsgefaugene, und zeitweilig entbehrliche Soldaten zur Verfügung gestellt. Dem Pferdemangel soll durch Dampf- und Motorpstüge abgeholfen werden. Die LandwirtschaftSkammer wird bei der Beschaffung von Saatgut behilflich sein._ Das Ende einer„unabhängigen" Zeitung. Am 1. April ist die„unabhängige" Zeitung..Elbinger Neueste Nachrichteit" aus Mangel au Abonnettteit eingegangen. DaS Blatt entstand im Jahre ISlO auS dein seit 1840 erscheinenden steisinnigen Organ„Altpreußische Zeitung". Den Kauf vollzog ein Konsortium. daS von den Elbinger Grobitidustriellen, insbesondere dem Besitzer der Schichauwerle sinanziert winde. Trotz großer Beihilfen dieser Jndustrielleit hatte das Blatt leinen nennenswerten Leserkreis erzielen können._ Ei» Kartoffelbuch. Der Andrang in den städtischen ÄartoffelverkaufSstellen in Köln ist so ungeheuer, daß die Stadt sich nun entschlösse» hat, die Kartoffeln an Kleinhändler in allen Stadtteilen zum Wiederverkauf abzugeben. Den Händlern ivird ein Höchstpreis vorgeschrieben. Es ist beabsichtigt, denjenigen Familien, die mangels eigener Vorräte auf städtische Kartoffeln angewiesen sind, entsprechend dem Broibuch ein Kartoffelbuch zu übergeben. Dieses Buch berechtigt zum Ein. lauf einer bestimmten Menge Kartoffeln bei den Kleinhändlern. Zur Verforguug mit Kartoffelpräparaten. Tic Trockcnkartoffcl-Berwertungs-Gesell chaft m. b. H. gibt bekaiuit; Gegenüber beuitruhtgenden und irrcführeitdeu Gerüchten sehen wir uns veranlaßt, festzustellen, daß die von uns aufgespeicherteu Vorräte an Trockentartoffel. Erzeugaisseu ausreichen, um die laut Buudcsratsverordnuitg vom 5. Januar vorgeschrtebene lOprozcuttge Streckung des Rvggenmehts ür die Somittrrmonatc sicherzustellen. Wir wrrdrtt die Verteilung der Trockeitkartoffel-Erzeugitiffe in die Hände der K o m m u- ualverbände legen und sind augeitbltcklich damit beschäftigt. estzustellen, auf welche Mengen die cinzelucii Verbände nach Vrr- hältnis ihrer Kopfzahl Anspruch haben. /tos öer Partei. Angriffe auf den„Vorwärts". Das„Bochumer Voltsblatt" hat cS aitfchciuciid darauf abgesehen, sich in Verdächtigungen und Herabsetzungen des„L o r- wärt ö" zu üben. Wir ixrbett bisher auf diese sonderbare Art parteigetiössischer Poleini k nicht reagiert. Neuerdings benutzt das Blatt den Parteizwist in Württemberg, um sich am„Vorwärts zu reiben. Ii; einem„Beginn der Parteispaltung oder lokales Er- cignis?" überschriebriten Leitartikel zieht das„Volksblatt" gegen die Richtung Westuteher, die es als Etique bezeichnet, zu Felde. Aus verschtedetten Ilmjtäudeit und Begleiterscheinungen glaubt das Boltsblatt" schließe« zu dürfen, daß die Stuttgarter Vorgänge weitergreiseit und auch im Reich organisatioiiszerstörende Tendenzen auslösen könnten. Am Schluß leistet sich da?„Volksblatt" folgende Anzapfung gegen den �Vorwärts": „Und deshalb muß zum Schluß, so ungern wir uns sonst in dieser Beziehung ösfentlich äußern, doch in diesem Falle unter Briseitesetzung aller Bedeuten das lebhafteste Befremden auS» gesprochen werden, daß der„Vorwärts", dcr iwch iirnurr an der Stelle eines Zemralorgau» der Partei steht, zu diesen Vorgängen nicht ein Wort zu sagen hat. Er hat sich energisch für die Opposition ins Zeug gelegt, als der württeinbergtsche Landesvorstand die frühere Redaktion der„Schwäbischen Tagwacht" beseitigte, und ebenso, gl? er der Westmeyer- Clique dcit Boden entzog durch Neuorganisierung der Stutt- garter Parteigenossen, cr hat jetzt �aber kein Wort zu sagen, wo die Etique tatsächlich den letzten Schritt getan und die Partei- spaltuug vollzogen hat. Hat mau je so etwas erlebt, daß das Zentralorgau einer Partei kein Wort zu dcr Tatsache zu sagen hat, daß eine Anzahl Parteimitglieder eine Gegenorganiisation bilden und zum Eintritt in diese auffordern unter gleichzeitiger Unterschlagung von Parteigeldern? Das Verhalten de»„Zentralorgan»" unserer Partei ist noch schlimmer als das Verhalten der Westmryer." Wir möchten hierzu demcrlen, daß der„Vorwärts" den Hand- treich des württcindergischett LandeSvorstandes am 4. November 1014, die plötzliche Reorganisation dcr„TaAoacht"-Rcdaktion, heute noch genau so verurteilt wie damals, und öS hieße der Westutcher-Gruppc bitteres Unrecht tun. wollte man nur sie veraitNvortltch machen für die bedauerliche Partcizcrsplittcrung in Württeutbcrg. Den Vorwurf, daß wir zu dcr vollzogcuen PartetspaUung ichlS gesagt habeti, könne» wir ertragen. Uedcc diese Angelegenheit wird wohl in nächster Zeit noch gesprochen werde». Daß Partei- gelder unterschlagen worden ffcien, hören wir vom Bochumer„Volks- Holt" zum erstenmal. Bisher war uns nur bekannt, daß die West- »teyerschc Organisation sich weigerte, die vercinnahmten Gelder an die Kreis- bztv. Landesorganisatiou abzuführen und dieselben teil» weise für. ihre Bestrebungen verwendete. Der im letzten Satz gegen das„Verhalten des Zcntralorgans" erhobene Vorwurf ist kennzeichnend für die Gewissenlosigkeit, mit der das„Volksblatt" seit längerer Zeit gegen den„Vorwärts" in dieser Weise Stellung nimmt. Wenn je etwas geeignet! ist, die Partei zu schädigen, so ist cZ dir vom Bochumcr„Volksblatt" seit langem geübte Methode dcr Partcipolcmik. Wir wissen, worauf dieses Treiben hinaus soll. Bemerken möchten wir noch, daß der so oft unteriiomuteite Versuch, vom„Vorwärts" gerade unter den gegenwärtigen schwierigen Bcrhältnisscn in bestimmten Fragen eine Meinung zu erpressen, uns als ein bedenklicher Mangel wahrhaft Partei- gcnössischcr Gcsiniinng erscheint. Noch ein Judilar. Wie die„Märkische VvlkSsiümnc". so konnte auch unser in Halle erscheinendes Bruderorgan, das„Volksblatt", am 1. April sein 25 j ä h r i g e s Besteheu feiern. Der Festartikel der Jubiläumsiiuimner„25 Jahre Volksblatt" sowie die übrigen Beiträge sind durch zahlreiche weiße Stellen unterbrochcn, doch auS dem, was die Leser noch vorsinden, sprüht gerade in dieser schmerztrfülltcn Zeit wohltuend der Gedanke des Sozialismus als Künder einer besseren Zeit. Hindurch durch die Irrungen und Wirrungeii des gegenwärtigen Streites der Geister kommt unser Bniderblatt zu der Ueberzeuguug, daß die Sozialdemokratie diese Periode überdauern wird, vorausgesetzt, daß die Grundlagen der Partei nicht verlassen werden. Gibt cS ein besseres Gelöbnis eines sozia- listischen ParteiblalteS, wenn cS nach 25jährigeiii Kampf in einer der bewegtesten Epochen, die die Menschheit durchlebt, aus tu st: Rüsten wir uns für die Weltherrschaft des Sozia- l i s m u s?_ Gewerkschaftliches. der /lrbeitsmarkt im Auslände. Tie Berichterstattung über den Stand der Ärbeitslosig- keit im Ausland mar bisher während des Krieges sehr lückenhaft. Es ivar somit ausgeschlossen, ein einigermaßen objektives Urteil über die Arbeitslagc in den betreffeudeu Staaten zu fälle». Mau war sozusagen nur aufs Schätzen angewiesen. Erst in neuerer Zeit, nachdem die Verkehrsverbindungen zueinander besser geworden sind, gehen auch die Berichte, zwar etwas verspätet, aber doch regelmäßiger ein. so daß es jetzt erst möglich ist, in einer übersichtlichen Zusammenstellung die Rückwirkungen des Krieges auf die Ärbeitslage in ausländischen Staaten vor Augen zu führen. Tie hierüber vorliegenden Zahlen sind die Ergebnisse ge- iverkschastlicher Erhebungen und bieten deshalb die sicherste Gewähr für ihre Zuverlässigkeit. In der nun folgenden Tabelle sind die ermittelten Ärbeitsloseuzisfern von O e st c r r e i ch, England, Holland, Ai o r w e g e u und S ch>o e d e n und um Vergleiche zu ermöglichen auch die des D e u t s ch e n R e i ch c s eingesetzt. Tiefe betrugen in Prozenten pro Monat: in Juli August September Oktober November Dezember Deutschland 2,0 22.4 15.7 10,0 8.2 7.2 Oesterreich— 17,2 18,0 12.4 10,0— England 2,8 7,1 6,6 4,4 2,0 2,5 Holland— 24,2 31,4 82,0 27� 26,1 Norwegen— 10,5 7,6 5,0 4,9~ Schweden 3,1 3,0 8,1 7,7 8,1 10,3 Schon der erste Blick auf die Zalilen zeigt die außer- ordentliche Wirkung des Krieges auf die Arbeitslage. In allen Staaten schnellten die Ardeitslos.enziffern ganz ge- waltig in die Höhe. Wahrend aber in den kriegführeiiden' Staaten der Höchststand schon im ersten Kriegsmonat festge- stellt wurde, weisen die neutralen Länder mit Ausnahme von Rorivegen erst im zweiten bezw. dritten Kriegsmonat die höchsten Zahlen auf. Von den hier angeführten Staaten schneidet Holland bezüglich der Höhe der Arbeitslosenziffer am ungünstigsten ab. In diesem Lande ivaren im Oktober 32,0 v. H. und im Dezember noch 2(j, 1 v. H. der organisierten Mitglieder arbeitslos. Tiefe große Arbeitslosigkeit ist ans das voll- tändige Daniederliegen der Diamantind u st r i e zurückzuführen, denn im Dezember ivaren von 100 befragten Diamantarbeitern nicht iveniger als 92,1 ohne Beschäftigung. Auch im Verkehrswesen und im Bekleidungs- und R e i u i g u n g s g e>v e r b e>var die Arbeitslosigkeit noch bedeutend höher als im Durchschnitt. Die niedrigsten Arbeitslosenziffern wurde», wie die Tabelle zeigt, in Eng- land festgestellt; sie sind sogar im Dezember in einigen Be- rufen noch ein wenig geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Zu Ende Dezember tvar der Geschäftsgang in England am schlechtesten in der T e r t i l Möbel-, Papier- und Ta b a k i n d u st r i e und am besten itt der Keram- und Metallindustrie, im Kohlenbergbau und im Bekleidungsgewerbe. Schweden ist das einzige Land, Ivo in den Monaten Oktober bis Dezember eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist. Hier dürfte aber wobl die ungünstige Witterung viel mit dazu beigetragen haben, denn im Verband der Maurer allein stieg in der gleichen Zeit die Arbeitslosenziffer von 18,2 auf 43,7 vom Hundert. Von der Schweiz liegen ebensalls noch Angaben vor, die aber den Berichten der Arbeitsnachweise eutiloiumen sind. i'tach diesen Feststellungen kamen im August ans 100 offene Stellen 217 männliche und 170 ivcibliche Arbeitsuchende. während im Vormonat Juli die entsprechenden Zahlen 127 und 73 betragen haben. Auch hier hat sich die Ärbeitslage etwas gebessert, denn im Januar 1915 kamen noch 183 männ- licke und 138 weibliche Arbeitsuchende auf 100 offene Stellen. Ueber die Ärbeitslage in Italien ist an dieser Stelle schon eingehend berichtet worden. Von Rußland liegen keinerlei Berichte vor und aus Frankreich wurde gemeldet, daß allein in Paris am 31. Dezenider 1914 243932 Personen Unterstützung erhielten, die wirkliche Zahl der Arbeitslosen aber auf rund 3 0 00 00 geschätzt werden könnte. Genau die gleichen mißlichen Beschäftigungsverhältnisse werden auch in den übrigen europäischen Staaten zu verzeichnen sein. Serlin und Umgegend. Dcr Jahresbericht der Lackierer, der in der Sektiousversamiitlung am Donnerstag erstattet wurde, führt an, daß im März des ver- gangenen IahreS eine Lohnbewegung der Möbellackierer stattfand, die durch den Abschluß eines Tarifvertrages mit den einzelnen Firmen etnen wesentlichen Erfolg brachte. In den solgettdeti Monaten ivurdc eine lebhafte Agitation entfallet, die besonders auf die Ge- winnuitg der bei SHeiitmeisient beschäftigten Lackierer gerichtet war, deuu itt bieten Betrieben sollte später eine Tariwewegutig ins Gewerk gesetzt werden. Als diese erfolgreiche Agitattous- arbeit im besten Gange war, brach der Krieg aus und gestaltete die geschäftliche Lage äußerst ungünstig. Die in der Industrie beschäftigten Lackierer ivurdett zum großen Teil entlassen, in den Karosseriebetrieben wurde in beschränktem Maße gearbeitet und die Möbellackiererei lag völlig danieder. Nach und nach entwickelte sich aber für die Lackierer eine günstige Konjunktur in- folge der Hccrcsarbcitcn, die in den Fahrzeugsabrilen aitgefeitigt 1 fmbcir. Auch daZ Lackieren von Helmen bot reichlich Arbeit und guten Berdienst. Jedoch wurden die in der Helmbranche beschäftigten grauen recht schlecht entlohnt, nämlich mit 12 bis 15 SR pro Woche. Die außergewöhnlich gute Konjunltur wurde in agitatorischer Hin- ficht mit Erfolg ausgenutzt.— Die Mitgliedcrzahl der Sektion ist von 750 auf 510 Mitglieder zurückgegangen. Da 170 Mitglieder zmn Heere ctubcrufcit sind, so belauft sich der wirkliche Mirgliederverlust auf 10. Kurz vor dem Ausbruch des ÄriegeS hatte die Sektion eine in sozialer Hinficht wertvolle Erhebung zum Abschluß gebracht. ES handelt sich um die Feststellung, in welchem Umfange die Ersatzstoffe für Terpentinöl im Lackierergcwerbc verarbeitet werden. Diese Ersatzstoffe werden teils aus Petroleum, teils aus Teer destilliert. Ihre Verarbeitung ist, wie das Untersuchungsamt der Stadt Berlin vor einigen Iahren begutachtet hat, geeignet, die Gesundheit der Arbeiter zu schädigen. Es schieir bisher, daß diese schädlichen Stoffe vorwiegend im Maler-, aber iveiiig im Lackicrergewerbe Eingang gesunden haben. Durch die Erhebung ist nun festgestellt worden, daß die Bertvendung der Ersatzstoffe auch im Lackierer- gewerbc bereits einen bedeutenden Ilnrfang angenommen hat. An Einrichtungen, die den gesundheitsschädlichen Einslüssen der Ersatz- stoffe entgegenwirken konnten, wie ausreichende Waschgelegenheit und Luftzufuhr, sehlt eS in den meisten Betrieben, uainentlich in den kleinen Werkstätten gänzlich. In dieser Hinsicht Besserung zu schaffen wird das Bestreben der Organisation sein. Deutsches Reich. Im Hutarbeiterverband sind durch Vorstand uild Ausschuß eine Reihe von Acnderungcn und Erweiterungen des Notstatuts vorgenommen worden. Alle Wünsche ans die Wiedereinführung noch weiterer llntcrstützungseinrichtuugen des alten Vcrbandsstatuts zu erfüllen� lvar bei der ungewissen Lage des Gewerbes noch nicht möglich,«o mußte eine Unterstützung bei Krankheit vorläufig noch verschoben werden, bis sich die Geschäftslage in den Haupt- brancken cttvas besser erkennen läßt. Das wird wahrscheinlich kurz nach Ostern der Fall sein. Ab 1. April tvar es noch nicht möglich, weil die Umfrage des Berbandsvorstands in den Filialen über die Bcschästigungsaussichten im Beruf für die nächste Ieit kein günstiges Resultat ergab._ Inöustrie und Handel. Kriegswirkungeu in Frankreich. Paris, 3. April.„ H u m a» i t e* unterzieht die finanzielle und wirtschaftliche Lage Frankreichs einer eingehenden Erörterung. DaS Blatt führt aus, daß die französische Regierung eine» Fehler begehe, wenn sie immer nur die Lage des Staatsschatzes, aber niemals die Lage der Volkswirtschaft im Auge habe. Die Erträgnisse des Wirtschaftslebens des Landes führen dein Staaissäckel in Form von Steuern neue Mittel zu. Sinkt das Niveau der Produktion des Landes, so sinkt auch die Steuerfähigkeit des Landes und verschwindet schließlich vollständig. Wenn schließlich die Steuer nicht mehr genüge und eine Anleihe zur Auffüllung des SrcuerausfalleS dienen müsso, so müsse sich die Regierung an die Ersparnisse des Landes wenden, um die Mittel für die notwendigen Ausgaben zu erhalten. Die Ausgaben Frankreichs betrügen jedoch, nach den Angaben des Finanzministers, augenblicklich mindestens 1100 Millionen monatlich. Andererseits betrage daS National- c t n k o m m o n Frankreichs in normalen Feiten 2500 Millionen I monatlich. AuS den ' daß die Landesproduktion borliegenden Statistiken gehe herbor, im Januar 1915 11 Prozent unter der normalen Höhe war. Wenn nun die flüssigen Nüttel des Landes durch die Produktion nicht erneuert werden, so müssen auch die An- leihen infolge des ScltencrwerdenS dcS Kapitals zu immer teuerer« Kursen für den Staat ausgegeben werden, sodaß die Staatsschuld immer mehr anwachse. Es sei deshalb eine Frage von größter Bedeutung, daß die Produktion dcS Landes durch alle Hilfsmittel der Or- ganisation auf die höchste Produktivnsmvglichlctt gebracht»verde, daß eine übermenschliche Anstrengung unternommen»verde, um die Produktion Frankreichs möglichst nahe an die normale Höhe zn bringen. Wenn man sich daran gelvöhne, träge voll den Reserven hinzuleben, so sei dieS die»vahlllvitzigste aller Ilnvorsichtigkeiten. Auf die Dauer erschöpfe sich jede Reserve. Diesem Uebelstande müsse jedoch abgcholfeir werde». Hohen OrtS herrsche anscheinend die Meinung, daß die höchste Kunst der Finanzpolitik dariir bestehe. Sparbüchsen zu leeren. Dies sei ein schiverer Irrtum. Die höchste Kunst sei, zu verstehen, Sparbüchsen zu leere», aber auch»vicdcr zu fülleir._ Die Landbestellung in Frankreich. „Hmnanitö" vom 27. März schreibt: Es darf nichts vernachlässigt »Verden,»veiw nicht im August die unangenehinsten Ueberraschungen ciutrelen sollen. Große Mengen Golreide sind noch un- gedroschen. Der KriegSniinister muß Arbeitskräfte dafür zur Ber- iügung stellen. Alles verfügbare Land muß ausgenutzt»Verden. Die Herbstsaat erreicht bisweilen nicht die Durckschnitisfläche früherer Jahre und wurde unter so ungünstigen Uinstänvcn voll- zogen, daß der Ertrag»veit hinter dem geivöh'nlichen zurückbleiben »vird. Die Feuchtigkeit des Winters und der Mangel an Nitrat »Verden das Erträgnis noch»veiter ungünstig beeinflussen. Auch Ivem» im Frühjahr so viel»vie inöglich gesät»vird, bleibt doch ein erhebliches Defizit, da die FrühjahrSsaat»veder an Menge noch au Gürc je die Herbstsaat erreicht. Wenn auch Hungersnot»ücht zu befürchten ist, so»nuß doch jedes Stückchen Land schleunigst bestellt »verde»». Die Hochbahngcsellschaft zahlt auf die Stammaktien l'/z Proz., auf die Vorzugsaktien 5 Proz. Dividende. Ms der Frauenbewegung. Eine Petition der Kraue« an den Reichstag. lins wild geschrieben: Bei dcur Bestreben mit den Nahrungsmitteln auszukommen, sind die vorbeugenden Maßnahmen,»vie sie bereits im August 1911 vom P a r l e i v o r st a u d und der G e n e va lko m m i s s i o n gefordert, aber leider von der Regierung nur zum Teil durch- geführt find, und das verstälstmisvolle Verhallen der Frauen von Bedeutung. Um erträqliche Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel, besonders im Juteresse der vielen SNinderbemilteltcu zu erzielen und gleichzeitig der»veikreu Verschwendung namentlich der Kartoffeln Einhalt zu tun. die zurzeit das»vichtigstc S>iahrullgsnüttcl der minderbemittelten Bevölkcrungsklassc sind, hat Genossin Zietz um 10. März im Auftrage der sozialdemotratifch deutenden Frauen Teutschlands nackistehende Petition an den Reicbstag gesandt: „Die sozialdemokratischen Frauen Teutschlands, die aller- orten im Tieust der tommunalcn ÄriegSfürsorgc wirken, sind Zeuge der wachsenden Erregung dt den Kreisen der Minder- beimtteltcn, die eine Folge der ständig steigenden Lebensmittel- preise ist. Insbesondere die Kartoffeln, das Brot, das Riehl und das Fleisch, aber leider auch die sonstigen wichtigste»» Nahrungsmittel haben Notstaudspreifc. Nachdem für dm cinzclucn Brot- und Mehlrationm festgesetzt sind, ist die Kartoffel mehr als je das Hauptnahrungs- mittel für weite Schickten der Bevöttermrg gewordm: ihr hoher Preis und der an vielen Orten vorhandene Äartoffelmangcl zwingt aber die ärmere Bevölkerung zu den schwerste»» Eni- bchruugen. Der Flcischionsum in diese»» Kreisen ist auf ein Minimun» beschränkt, und genügend Ersatz zu schaffen durch den stärkeren Verzehr von Milch, Käse, Hülsenfrüchten, Hafer»md Gerste- Präparaten, Reis, Zucker n. a. m. ist ausgeschlossrn durch die Knappheit oder durch den hohen Preis dieser Nahrungsmittel. Alle Schichten der Bevölteruug sind gewiß bereit, im Jntcr- esse der Gesamtheit die größten Opfer zu bringen; ivillig und gern üben sie nicht nur die größte Sparsamkeit, sondern auf- erlegen sich freiwillig manche Entbehrung, soweit dies durch die Knappheit bestimmter Nahrungsuiittel bedingt ist. Ilm so»nehr greift aber auch die Erbitterung um sich,»veil gewisse Jutcr- essengruppcn aus Geivtuusucht die Preise maßlos in die Höhe treiben und dadurch die Not vergrößern. Wird nicht schnellstens Abhilfe geschaffen, ist zu bcfürchtbsi, daß die Zustände sich in unheilvoller Weise entwickeln.' 1 Die sozialdemokratischen Frauen bitten deshalb den Reichs- tag, daß er unverzüglich für die Festsetzung niederer Höchstpreise für Bichl. Brot. Kartoffel»» und Fleisch eintritt, für die schleunige Beschlagnahme der Kartoffeln und des Fleisches, aber auch für angemessene Höchstpreise für all jene Nahrungsmittel, die»»»folge der Verschiebung ii» der Ernährung eine stärkere Nachfrage und eine starke Preissteigerung erfahren. Die sozialdemokratischen Franen crhmrtcn, daß da? Hohe Haus in» Interesse der SNinderbemittetten und im Interesse der Gesamtheit ihrc Worte beachten Mtb ihre Bitte ersullbn»verde." Die Petition, die die Wüusäie und Ertvartungen zum Aus- druck bringt, ist dem Reichskanzler als Material übcuwiesei». An die Frauen der Miirdccbeultttelte»»Verden i>» der Ernäh- rungsfrage gegenwärtig ssbr hohe Ai»forderungen gestellt. Bei größturöglichster Sparsamkeit im Jutercsse der Gesamtheit haben sie die Pflicht, durch kluge Ausnutzung des Borhandcncn die best- möglichste Ernährung der Ihrigen zu erzielen und einer allgemeinen Unterernährung porzubeugcn, durch»vclche die Gesundheit der breite»» Volksmasse geschädigt, ihre Leistuugsfähigkcit herabgcdrückt und die Seucheirgsfichr vergrößert lviirdc. Dringend zu wünsche»»»väre es daher,»venn auch überall die Kommunalverwaltuiigen im Siune der Pctitioi» wirken würde».. Freireligiöse Gcmeiudc. Am 1. Ostcrfeicrlag, vonliiltggZ 11 Uhr, tu der Kl. Fnmksurlec Str. C: gcstvorlrag des Herrn A. Fische».— Tamei» und Herren als Gäste willkommen. 5rauen-Lefeabenüe. Wilmersdorf. Dienstag, den 6.?lp»ll. abends? Uhr. bei Echästr, Braudenbrirgische Str. Lg, Ecke SAaunheimer Straße. Vortrag. Wetterausfichte» für das mittlere Rorddeutfchland bis Montagmittag. Am Tage ziemlich mild. 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Sicherlich bat kein deutscher Sozialdemokrat vor einem Fahre geahnt, welcher Wandel in den nächsten Monaten in der Stellung feiner Partei zu den anderen Parteien des Deutschen Reiches, zu den Bruderparteicn des Auslaiches und zu den wichtigsten Problemen der Politik vor sich gehen würde, und es dürfte kaum einen geben, der damals eine solche Wandlung in so kurzer Zeit �ür möglich gehalten hätte. Diese lehtcn Monate haben uns alle o Ungeheures und Ungeheuerliches durchleben lassen, dag vielen d?e Maßstäbe für ruhige Beurteilung verlorengegangen sind. Man braucht aber nur den ernstlichen Versuch zu machen, sich in die Stimmungen, Meinungen, Gedanken und Gefühle hineinzuversetzen, o>e uns bis zum August 1314 beherrschten, um des gewaltigen inneren Abstands bewußt zu werden, der uns von jeuer Zeit trennt. Doch wir sind ja in dieser Hinsicht nicht auf subjektive©rinne» rangen allein angewiesen, wir besitzen objektive Behelfe genug, die uns in diesem Bemühen unterstützen können. Die Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, die Broschürenliteratur haben jetzt einen ganz anderen Ton angenommen als früher, ein großer Teil von ihnen otinet heute auch einen anderen Geist als vor dem Krieg. Be- sonders wichtig aber ist der Vergleich zwischen den Gedanken und Gesinnungen, die unsere Parteitage und Kongresse bis zum Kriegs- ausbruch beherrschten, mit den jetzigen Aktionen wichtiger Partei- organe oder den Äeußerungen von Parteigenossen, die in der Parteiöffentlichkeit ein größeres oder geringeres Echo finden. Er- innern wir uns z. B. des Schlußsatzes der Resolution des Stutt- garter Internationalen Kongresses über den Militarismus, einer Resolution, die vor wenigen Jahren von den Vertretern des Pro- leiariats aller Nationen einstimmig und mit Jubel angenommen wurde. � Vergleichen wir damit z. B. die Haltung des Genossen Heine, dw heute jeden für einen„Quertreiber" und Schädiger der Partei erklärt, der„eine sofortige Agitation der Partei für den Frieden fordert. Es ist ja auch bekannt und allgemein zugegeben, daß mindestens die letzte Abstimmung der großen Mehrheit unserer Reichstagsfraktion in entschiedenem Widerspruch steht zu einer Reihe deutscher Parteitage. Gewiß kann man die Ansicht vertreten, daß diese Wandlung drx deutschen Sozialdemokratie durch die ungeheuren Ereignisse gerechtfertigt oder geboten wurde, die in den letzten Monaten über uns hereingebrochen sind; aber selbst wenn man diese Notwendig- zugibt, ändert das nichts an der Taksache, daß eine solche t�feinschneidende Aenderung der Parteipolitik vor sich gegangen ist, und kein denkender Parteigenosse, welches immer sein Standpunkt ist, wird diese Wandlung mit Gleichmut hinnehmen. Drängt sich doch jedem vor allem die Frage auf, ob die Partei tatsächlich ihr Wesen geändert hat, wie manche. Parteigenossen voll Jubel, andere voll Trauer behaupten, oder ob wir es nur mit einer vorüber- gehenden Anpassung an außerordentliche Umstände zu tun haben. Die Beantwortung dieser Schicksalsfrage der Parier ist aller- rings nicht leickt. Können wir doch nicht einmal feststellen, wie deute die Mehrheit der Parteigenossen oder gar wie die Mehrheit der proletarischen Massen über die cntscheidendsn Frage» denkt, und noch weniger kann man heute schon auch nur ernstlich be- gründete Vermutungen darüber aufstellen, wie Dauer und Aus- gang des Krieges auf die Masse des Proletariats und insbesondere unsere Genossen einwirken wird. Vor allem ist es ja schlechthin ausgeschlossen, zu wissen, welchen geistigen und moralischen Ein- fiüssen unsere jetzt im Militärdienst stehenden Genossen unter» Morsen sind, und daß doch wird gerade die Gesinnung dieser unserer Genossen voraussichtlich entscheidend werden für die Politik, für die ganze Gestaltung der Partei. Nun könnte man sich allerdings auf den Standpunkt stellen: da man über Gegenwart und Zukunft der Partei so wenig wissen könne, bleibe nichts andeves übrig, als ruhig abzuwarten, wie sich hie Dinge gestalten. Das wäre allerdings von vornherein eher rine Betrachtungstveife für den Historiker, der die Ereignisse, ledig- lich aus einer gewissen Perspektive dekrachtet und zu begreifen sucht, als für de» Politiker, der sie gestalten will: aber diese ganze Argumentation ist überhaupt falsch; denn sie übersieht, daß sich die Dinge nicht ohne unser Zutun gestalten, daß es die Handlungen der lebendigen Menschen sind, die die Geschichte machen, Hand- inugen, die ihre eigene Üogif in sich tragen, deren Folgen auch für die Zukunft beskimmend sind. Würde es sich z. B. bei dem Streit um die Abstimmungen unserer Reichstagsfraktion tatsächlich nur um die Frage handeln, ob die Mehrheit der Fraktion bei ihren Abstimmungen im Einklang mit irgendwelchen Grundsätzen oder Beschlüssen der Partei ge- bandelt habe, dann wäre diese ganze Diskussion tatsächlich kaum etwas Besseres als Zeitvergeudung. Denn in der Politik haiGelt es sich nicht um das, was ivar, sondern um das, was' wird. Wer diese Abstimmungen sind für die Zukunft unserer Partei keines- Ivegs gleichgültig. Alan braucht bloß zu beobachten, welch weitgehende Folgerungen von Freund und Feind aus ihnen gezogen werden, um das einzusehen. Diese Folgerungen sind aber viel wichtiger als die Abstimmungen selbst; denn sie setzen sich wieder in politische Aktionen um, die von weitesttragendcr Bedeutung werden können. Am 4. August erklärte unsere Reichstagsfraktion, sie bewillige die geforderten Kriegskredite, weil sie„in der Stunde der Gefahr das Vaterland nicht im Stiche lassen" wolle. Diese Begründung konnte aber den Anschein erwecken, als ob die Sozialdemokratie 3>ci ihren früheren konsequenten Ablehnungen aller Militärforde- Zungen, wie ihre Gegner stets behauptet hatten, dem Vaterland durch diese Ablehnung der Militärkredite die Rüstung überhaupt hätte ver- wergern wollen, daß sie diese Politik cwer in der Stunde der Gefahr nicht fortsetzen wolle oder könne. So falsch diese Auffassung Ware, so sehr sie im Widerspruch mit wiederbolten sormellcn Erklärungen der Partei im Reichstag und ans ihren Parteitagen stellt, es ist bekannt, daß nicht nur Gegner der Partei sie sich zueigen gemacht und über den völligen Umschwung triumphiert haben, der in dieser Hinsicht in der deutschen Sozialdemokratic vor sich gegangen sei; auch Parteigenossen haben schon erklärt, nach diesen Abstimmungen unserer Reichstagssraktion sei es unmöglich, die frühere ablehnende Haltung der Partei gegenüber Militär- fordmmgen nach Friedensschluß wieder einzunehmen. Nun braucht mau ja sicherlich diese Dinge nickt allzu tragisch zu nehmen, denn auch hier werden sich die Verhältnisse stärker erweisen als die Menschen, und Ivelche Politik die. deutsche Sozial- demokratie nach Friedensschluß einschlagen wird, das wird voraussichtlich recht wenig davon abhängen, welche Ansichten darüber heute von einzelnen Politikern oder Theoretikern geäußert werden. Aber ivelche Kraft die Sozialdemokratie wird für die. Politik einsetzen tonne», die sie cinschlägi. aus welche Gefolgschaft sie sich wird stützen, mit welcher Einigkeit und Geschlossenheit sie ihren neuen Marsch wird antreten tonnen, das wird nicht zum wenigsten bavon abhängen, od ihre Verantwortlichen Faktoren jetzt eine Politik verfolgen, die mit den dauernden Interessen des Proleta- riais in llebereinstimmung ist oder nicht. Eine kurzsichtige Politik. die nur aup augenblickliche Stimmungen Rücksicht nimmt, auf 1 Augenblickserfolge ausgeht und darüber die großen Ziele der proletarischen Gesauttbewegung aus dem Auge vertiert, muß früher oder später mit den Lebensinteressen dieser Bewegung in .Konflikt geraten, und dann muß sie scheitern. �Heute gehen die Ansichten unserer Praktiker und Theoretiker darüber, welche Politik den dauernden Interessen des Proletariats entspricht, doch selbst auch darüber, ob die Politik der deutsche» Sozialdemokratie sich auch lväbrend der Kriegszeit solle von dem Interesse der proletarischen Gesamtbewegung leiten lassen oder lediglich von dem der deutschen Arbeiterschaft, weit auseinander, und dieser Mangel an Uebereinstimmung hat sich auch bereits in der Partei in bedrohticher Weise fühlbar gemacht. Diese Erscheinun- gen sind zu betaimt, als daß es nötig wäre, auf sie einzeln hinzu- weisen. 2. Die Haltung der Fraktion und ihre Kritiker. Mit großen und freudigen Erwartungen mußte man daher die Ankündigung einer Broschüre begrüßen, in der Genosse Cunow sich mit dem inneren Parteistreit auseinanderzusetzen versprach. War er doch vermöge der bekannten Schärfe und Be- sonnenheit seines Urteils wie wenige berufen, hier ein Wort zu sprechen, das aufklärend und beruhigend wirken konnte. Leider hat sich Genosse Cunoio den Rahmen seiner Arbeit etflnas zu eng gesteckt. Schon der Umfang seiner Schrift, 36 nicht sehr eng gedruckte Seiten, ließ kaum die Möglichkeit, den inneren Parteistreit, der für das weitere Leben der deutschen Sozialdemo- kratie von so großer Bedeutung ist, irgendwie erschöpfend zu de- handeln. Dazu kommt, daß Genosse Eunow einige historische Exkurse in seine Darstellung eingeftochten hat, die zwar an und für. sich interessant sind und auch mit dem Gegenstand in engem Zusammenhang stehen, die aber doch den verfügbaren Raum noch weiter eingeschränkt haben. Doch Genosse Cunow wollte auch offenbar gar nicht den ganzen inneren Streit der Partei behandeln, er beschränkt sich auf einzelne Fragen; es ist allerdings nicht leicht abzusehen, nach welchen Gesichtspunkten diese Auswahl getroffen wurde. So setzt sich z. L. Genosse Eunow gleich eingangs seiner Broschüre keineswegs mit allen Kritiken: der Fraktion auseinander, sondern nur mit jener Gruppe von Parteigenossen, die ihr„Feigheit, Verrat, Prinzipien- losigkeit, Abdankung, Zusammenbruch usw." vorwerfen. Das trifft natürlich keineswegs auf alle Kritiker der Fraktion zu. Man kann sehr wohl deren Vorgehen für verfehlt halten, ohne deshalb in die ettvas kindliche Manier zu verfallen, diejenigen zu be- schimpfen, mit denen man nicht einverstanden ist, und ihnen schäbige Motive zu unterschieben. Eben deshalb trifft aber auch das nicht auf alle Kritiker der Fraktion zu, was Genosse Cunow jener Gruppe zum Vorwurf macht, daß sie nämlich„aus der Nicht- Übereinstimmung ihrer Erwartungen, ihrer Ideologie mit den geschichtlichen Vorgängen nicht schließen, daß ihre Ideologie auf das verkehrte Gleise geraten ist, jöndem kurzweg, daß die Ge- schichte eine unrichtige Bahn eingeschlagen lwt". In dieser Allgemeinheit erscheint der Vorwurf nicht einmal gegenüber der Gruppe von Opponenten gegen die Fraklionspolitik gerechtfertigt, die Cunow mindestens in erster Linie, ins Auge gefaßt zu haben scheint. Auch aus dem Kreise der„Lichtstrahlen" ist mir leine Aeutzerung erinnerlich, aus die Eunows Vorwurf voll anwenbar wäre. Eine gewisse psvchische Disposition, eine Stimmung dürfte allerdings im wesentlichen richtig gekennzeichnet sein; aber es ist stets gefährlich, sich auf das so schtvankendc Gebiet psychologischer Ausdeutung zu begeben, GeWitz ist auch aus dem Gebiet der zeitgenössischen Politik das Begreifen die wichtigste und unerläßliche Voraussetzung des ztveckmähigen Handelns. Ader verzichten kann die Politik aus das letztere selbstverständlich nie. Das Gebiet der Politik gehört nicht allein dem der kausalen Verknüpfung an, nicht die Betrachtung der ursächlichen Zusammenhänge kann allein maßgebend sein; auck die Zwecksetzung macht sich bier bestimmend geltend. Dieser Zweck mutz allerdings, soll� et politisch wirksam sein, den Bedürfnissen einer Klasse entsprechen und in der Richtung möglicher ökonomischer Eutwickelung liegen. Auch in der Wahl der Mittel sind loir nicht frei, sondern an die wirtschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten gebunden; aber daß eine Klasse ibre Ziele mit bestimmten'Mitteln energisch verfolgt, ist selbst eine der historischen Bedingungen des politischen Geschehens. IlebersieHt man das, dann kann inan den Grundsatz, auf den sich Cuiww beruft,„daß gegenüber der Ideologie die Geschichte immer recht hat", leicht mißverstehen. GeWitz ist alles, Ivos geschieht, ursächlich bedingt, d. h. unter den gegebenen Bedingungen konnte kein anderes Ereignis eintreten wls das, das wirklich geschah. Wer darüber darf nicht vergessen werden, daß zu den Bedingungen politischen Geschehens eben auch der Wille, das zwcckbewußte Handeln der beteiligten Menschen gehört. Das sind Binsenivahrheiten, die dem Genossen Eunolv sicherlich am wenigsten etwas Neues sagen. Es ist aber nicht überflüssig, sie gerade im Zusammeilhang mit seiner Schrift scharf zu be- tonen, da ans dieser sonst leicht herausgelesen werden könnte, die ivahre marxistische Politik hätte darin zu bestehen, alles laufen zu lassen, wie es der„ökonomischen Eutwickelung" beliebt. Allerdings wäre dann der Groll über die Kritiier der Fraktion ebenso un- sinnig wie der über ihre Haltung; denn selbstveritäudlich ist auch diese Kritik historisch bedingt, behält also gegenüber der sie per- urteilenden Ideologie recht. Daß die Reichstagssraktion diese Stellung eingenommen bat, bat selbstverständlich seine historische Ursachen, und es hätte daher auck keinen politischen oder historischen Sinn, etwa einzelne Mit- glieder für diese Haltung verantwortlich zu machen oder gar lcdiglick kleinliche Motive hinter dieser Haltung zu suchen. Daraus ergibt sich aber keineswegs, daß loir mit allem einverstanden sein nlüsse», ivas die Fraktion je getan hat resp. daß wir es als richtig anerkenucn müssen, daß die Fraktion in ähnlicher Situation jedes- mal wieder ähnlich handelt.(Ilm Mißverständiffen vorzubeugen, möchte ich bemerken, daß ich unter diesen„ähnlichen" Fällen nicht etwa die späteren Abstimmungen meine. Denn bei diesen war die Situation der ersten gegcniiber eben dadurch gründlich ber- ändert, daß jene Annahme der Kriegstredite vorausgegangen war.) Im Kern dreht sick der Streit, ioenigstens so weit er politiscken Sinn besitzt, um die Frage der künftigen und nicht um die der vergangenen Politik. Auch wer mit der Politik unserer Reichstagssraktion nicht ein- Verstanden ist, mutz natürlich mit ihren Abstimmungen usw. als mit Tatsachen rechnen, die nicht mehr geändert lverden können, und über die Frattion deshalb zu schimpfe», brächte ihm kaum mehr Nutzen, als es etwa einem Bauern helfen würde, über den Fluß zu greinen, der seine Saaten überschwemmt und vernichtet hat. Aber diesem Bauern wird auch die Erkenntnis allein wenig fruchten, daß die Ueberschwcmmung durch natürliche Ursachen bedingt, daß sie unter den gegebenen Bedingungen unausbleiblich war. Ist aber dieser Bauer ein energischer Mann, dann wird er sofort daran gehen, die Ursachen der llcverschlvemmung genau zu unterfucheu und durch Danunbauleu und andere Porkchrungen künftigem Ilu- heil vorzubeugen. Die wirkliche Frage, um die es sich heute bei dem Streit um die'Fraktionspolitik Handelt, ist denn auch tatsächlich die, ori die sozialdemokratische Partei in Zukunft Erfolge zu erstreben suchen soll in der frichcieu Weise oder durch E u t g e g e nl o m in e n gegenüber den Bedürfnissen SeS MiNkariSinnS und J«peri'ali»muc-. Und es ist dabei von geringerer Bedeutung, ob jene Fraktionsabstim münzen die Bedeutung des Einlenkens in diese Potitit de? Eni gcgcnkommenS tatsächlich besaß, als daß sie von weiten Kreisen inner- und außerhalb der Partei in diesem Sinuc ausgelegt und verstanden worden ist und noch wird. 3. Die Notwendigkeit des ZJmperioliSmu S". Wie schwankend der Boden ist, auf den sich Genosse Eunow mit seinen psvchologischen Ausdeutungen begeben Hai, wird an einem anderen Beispiel noch deutlicher. Er erörtert die Frage, rw der wirtschaftlicke Imperialismus eine geschichtlich notwendige Eni- Wickelungsphase, sei. Indem er dabei von den„Jmperiolisinils Vernichtern" spricht, fährt er fort:„Aber, befangen in dem Dogma von der gründlichen Abwirtschastung des Kapitalismus geben sie nicht ihre Illusionen aus, sondern erklären, eine, wirischqftsgesckickt � liche Notwendigkeit sei eigentlich gar keine richtige oder volle histo. rische Notwendigkeit, sondern nur eine halbe, vtelleickl auch nur eine dreißig- oder zwanzigprozentige— und schließlich kommen sie dann gewöhnlich nach langem Recken und Dehnen dex Begnssc zu der Schlußfolgerung, eine historische Notwendigkeit sei überhaupt keine Notwendigkeit, sondern nur eine Möglichkeit." Mit diesen scherzhaften Bemerkungen spielt Genosse Eunow vermutlich auf die Diskussionen an, die vor einigen Jahren über den Vorschlag internatiorialer Einschränkung der Rüstungen in der Parieipresse gefiihrt worden sind. Damals beriefen sich die Rädel, Lensch, Pannekoek usw. darauf, der Imperialismus sei eine öko- nomische Notwendigkeit, es sei also unsinnig, diesem naturuotwendi- gen Entwickelungsgang durch kleinliche Maßnahmen, durch Gesetzes Vorschläge zu begegnen. Dieser Argumentation traten besonders Kautsky und ich mit dem Hinweis entgegen, daß weder dir. Rüstungen für den Imperialismus noch der Imperialismus für den Kiipi- talismus eine Leibensbedingung, eine Notwendigkeit sei.*') Ein ähnlicher Gegensatz ergab sich beim Erscheinen des von Lensch sehr ge- lobten Buches von Rosa Luxemburg über„Die. Akküinülation des Kapitals". Der Hauptzweck dieses Werkes war der Nachweis, daß die imperialistische Politik für den Kapitalismus auf seiner höchsten Entwickelungsstuse eine Lebensnotwendigkeit, daß der Jmperiq- liSmus dessen notwendige, aber auch letzte Daseinsform sei. dir als- bald zum Zusammenbruch des ganzen kapitalistischen Wirtschaft?- shstems führen müsse, das schon jetzt durchaus morsch und überlebt sei. Gerade die Erkenntnis von der Gefährlichkeit dieser Kala- strophentheorie für die Taktik unserer Partei ließ es mir cks Pflicht erscheinen, die Trugschlüsse des Luxenrburgschen Buches auf- zuzeigen. Nun aber vereinigt Genosse Cunow diese beiden sick so schroff gegenüberstehenden Standpunkte zu einer Einheit. Er hätte. das vermutlich nicht getan, wenn ihn nicht seine pshchologischr Kost. struktion dazu verführt hätte. In der Tat haben gerade jene Genossen, die. mit einem ats- baldigen Zusammenbruch des Kapitalismus rechneten, die glauksien, eine Reihe von Massenstreiks werde imstande fein, die kapitalistische Welt aus den Angeln zu heben, zugleich am entschiedensten die in- ficht verfochten, der Imperialismus sei die notwendige Lebrirsform des Kapitalismus aus seiger höchsten Stufe. Im Gegenjatz zu ihnen haben wir die Ansicht ve.rtveten, daß die imperialistijche Politik zwar ein uottverrdiges Bestreben mächtiger kapitalistischer Jnteressentreise sei. keinesiocgs aber eine Lebensnotwendigkeii für die kapitalistische EntWickelung. Diese llnterscheidüng ist es vor- mutlich, die Genosse. Cunow in seiner Schrift verspottet. Wie siebt er selbst zu dieser Frage?-Scheinbar besindet er sich hier in vollstem Gegensatz z» Kautskb, der erst jüngst in seincr Broschüre„Nationalstaai, imperialistischer Staat und- Staaken- bund" den Nachweis zu führen suchte, daß der Imperialismus weder das notwendige Produkt des Kapitalismus noch eine Lebens- Notwendigkeit für ihn sei, wogegen Cunow die Auffassung veriritl, „die neue imperialistische Entivickelungspbase sei cbeuso eine aus den neuen unteren finanziellen Lebensbedingungen des Kapitatts- mus herausgewachsene Entwickelungsperiode, eine ebensolche not- wendige Durchgangsstiise zum Sozialismus, wie die früheren Eni- Wickelungsetappen, z. B. die Herausbildung der großen maschinellen Industrie." Und doch ist dieser Gegensatz nur ein scheinbarer. Denn die beiden Autoren verstehen unter„Imperialismus" zwei sehr per- schiedcne Dinge, lvie es denn überhaupt kaum einen zweiten so in allen Farben schilleriideu Begriff gibt, wie den des Imperialismus, diese- üppigste Quelle von Mißverständnissen. Bezeichnet man mit Cunow die Politik des zur Herrschaft gelaugten Finanzkapitais als des bisher höchsten Ausdrucks des Kapitalismus überhaupt als Imperialismus, dann ist es sicher, daß der Imperialismus in diesem Sinne eine Notwendigkeit der kapitalistischen Entwicketnug ist. Hingegen versteht Kautsky unter Imperialismus den„Drang jeder industriellen kapitalistischen Nation, sich ein immer größeres agra- risches Gebiet zu unterwerfen und anzuglisdern." Praktisch fällt diese Begriffsbestimmung ziemlich genau init der modernen Äolonialpolitik zusammen. Der Jmperialisinus bczeichnel also nach dieser BegrisfSbestiiiimung nicht die gesamte Politil des Finanzkapitals, sondern»ur jenen Teil dcrsctde». der mit Hilfe staatlicher, militärischer A Machtmittel der Kopitalistentlasse eines Staates Monopolgewinne zuschanzen will. Dieses Drängen nach kolonialrii Anlagemärkten ist aber nach Cunow(S. 11)„nur- eine der verchiedenen Betätigungsarten des Finanzkapitals," die auch durch andere Formen abgelöst werden- könne. In der. Sache be hauptet also Cunow das gleiche wie Kautskb. Ein wichtiger ltntee- schied ist allerdings insofern vorhanden, als Kautskb den Ausdruck „Imperialismus" stets in der gleichen Bedeutung verwendet, während Cunow dori, wo er sich über seine angeblichen Meinungsgegnri' lustig- macht, eine ganz andere Bedeutung dieses Ausdrucks- vor' sich hat, als es die ist, mit der er selbst weiterhin operiert.- 4. Staatliche Selbständigkeit der Nationen und nationale Seid st ändigkeitim Staate. Es ist üoerhaupt an der neuen Broschüre Cunolvs ausfallend, daß sie die begriffliche Schärfe und Genauigkeit, die sonst gerade, die Schriften dieses Autors in so hohem Maße auszeichnen, einigermaßen vermissen läßt. So hält er in dem Abschnitt über„Klassen- gefühl und Nationalgefühl" die beiden so verschiedentlich von ein- ander verschiedenen Begriffe der staattichen Selbständigkeit der Nationen und der nationalen Autonomie nicht auseinander und kommt so zu dem mißverständlichen Ponvurf, den schon Win»ig gegen die Verfechter der nationalen Autonomie crhobcii�hat, als od sie verlangten, daß jede kleinste Nation einen eigenen Staat bilden solle. Ebenso niiberechtigt ist aber auch- der Vorwurf gegen die Per- fochtet der nationalen Autonomie, daß sie ihre- Forderung mit lediglich kleiubürgerlich-demokratischeu oder-naturvechklicheu Argumen- tcu begründeten. Es ist vielmehr gerade das Interesse der proü- tarischen Gcssamtvewcgung, die sie jede nationale llnterdrückuug als Hemmnis des proteiarischen Lefveiuungstampscs verurteilen läßt. 6.„Die Theoretiker." Cunow hat diese Frage wie manche andere iw seiner kleinen Broschüre, ja nur flüchtig streifen können und dabei fast nur nega- *> Vgl. z. B. meinen Artikel:„JwverialiSmuS und RüstungI- beschränkung!',„Neue-Zeit", XXX/th S. 337 ft. iit) angebe ulek, tv eiche Anschauungen er bcrfeirff, er Txtl aber nicht ausgeführt, welche er selbst vertritt. Noch beutlicher tritt öieser Charakter bloßer negativer Andeutungen dort hervor, wo er sich gegen die sozialistischen Theoretiker wendet, ohne irgendwie genauer anzugeben, wen er damit meint. Sollen wir diese ganz allgemein gehaltenen Vorwürfe als eine Art Beichte auffassen, so daß also der Autor sich selbst dieselben Vorhaltungen zu machen fände, die er hier gegen die„Theoretiker" im allgemeinen vorbringt, zu denen er doch selbst in erster Reihe gehört? Das ist kaum anzunehmen. Oder sollte er alle Theoretiker mit einziger Ausnahme seiner Per- son meinen? Auch das kann man schwer vermuten. Denn vor allein kämen als sozialistische Theoretiker so verschiedene Jndividu- alitäton in Betracht wie etwa Panuekoek und Winnig, Rosa Luxem- bürg und Edmund Fischer, �Kautsky und Ouessel, Adolf Braun und Karl Radck, Hilferding und Borchardt, Haenisch und Otto Bauer, Grunwald und Mehring, Klara Zetkin und Wally Zepter, Bern- stein und Lenfch usw. usw. Was sollte allen denen gemeinsam sein? Aber auch die Vorwürfe, die Genosse Cunow gegen„die Theoretiker" erhebt, zeigen, daß er uniiiöglich deren Gesamtheit meinen kann. Sicherlich will Cunoio nicht behaupten, daß außer ihm bisher niemand gewußt hat, daß sich im sozialen Leben ver- schiedene Tendenzen zugleich geltend machen, die sich gegenseitig mannigfach beschränken und durchkreuzen. Ueberhanpt sind es meist hervorragende Albernheiten, die er„den Theoretikern" zum Vor- Wurf macht, die danach selbst vom ABC des Marxismus keine Ahnung hätten. Fast der einzige Theoretiker aber, den er außer sich selbst nennt, ist �— Karl Radek. Sollte Genosse Cunolv diesen als den Typus des sozialistischen Theoretikers hinstellen wollen? Wenn er aber seine Pauschalvorlvürse nicht gegen die Gesamtheit der sozialistischen Theoretiker richtet, sondern gegen einzelne Autoren oder Gruppen, dann sollte er diese auch nanihaft machen, schon deshalb, damit sich die so schwer Angegriffenen auch zur Wehr setzen können. Sehr richtig sagt Genosse Cunow in der Einleitung zu seiner Schrift:„Zudem aber ist Zeder Mensch, auch der kühlste Real- Politiker,'in der Beurteilung der Erscheinungen seiner sozialen Hinwelt iinmer_ mehr von seines Herzens Drang, vom eigenen Wollen und Wünschen abhängig." Dieser Satz bietet vielleicht den besten Schlüssel zum Verständnis der Broschüre. Sie trägt das unverkennbare und deutliche Gepräge subjektiver Stimmung. Und wenn wir fragen, welches Gefühl in ihr wohl am stärksten zum Ausdruck kommt, dann'scheint es das der Verärgerung zu sein. Diese wird dem Autor jeder nachfühlen, der die Diskussionen und Streitereien in unserer Partei seit dem Kriegsausbruch verfolgt und gesehen hat, wie wenig die nieisten der in diesen Debatten vorgebrachten Argumente wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Daß sich�hicr beim Beobachter, der seine Partei liebt, dem ihr Ge- deihen Herzenssache ist, Trauer und Aerger einstellen, ist sehr wohl begreiflich.� Es ist nur zu befürchten, daß die Broschüre Cunows diesen Streit weder abkürzen noch mit wesentlich neuen Argumenten befruchten wird. G. Eckstein. Heriiner Tischler u läßmeremulr' Berlin C. 33 Mfexanderstras&e 'Wir liefern direlit an f�nkniinAp EÜncjfaktfatMAAn 1» jeder Holz- nnd Stuart, nur Private als Spezialität; gUM! MllL aoÄÄ ÄÄ�en. M Jahre Garantie Schlafzimmep; W. 183,£19, 270,326, 428, 532, 640, 814, 992,1088 bis 3500 Beste VerariHtung Speisezimmer: M. 296, 333, 426, 505, 622, 781 bis 4000 I Wohnsalons: M. 242, 369, 429, 543, 736, 850 bis 2500 Herrenzimmer; M. 209, 328, 487, 550, 627, 752 bis 3000| Neuzeitl. Küchen; M. 51, 58, 75, 93, 125,169, 249, 450 �Ständig. Lag. von ca. 500 Einrichtungen. Enorme Answahl bis z. Auserlesensten. Illustriert. Katalog m. 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KinmalNachmittagsvorsteUung (kleine Preise), ä'/j Uhr: Die deutschen Kleinstädter. Dienstag: Der Kaufmannvon Venedig. Kammerspieie 8 Uhr: Die deutschen Kleinstädter. Montag: Die deutschen Kleinstädter. Dienstag T1/, Uhr: Zum 1. Male: Der Weibsteufel.___ Heater iSoontatj, ilprüT Berliner Theater An beiden Osterfoiertagen: 8Uiir: Extrablätter! Deutsches Künstler-Theater Heute 3 Uhr: Ein Volksfeind. 71/, Uhr: Ejginont. Morgen 3 U.: Jugendfreunde. 7Hz Uhr: Egmont. Deutsches Opernhaus, Charloftenb. Heute 3 Uhr;»er Ereischütas. 7 Uhr: Eohengrln. Morgen 3 Uhr: Der Waffenschmied. 7 Uhr: Parsifal. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Heute 3 Uhr: Der Troubadour. 8 Uhr: I>ie Fledermaus. Morgen 3 Uhr: Figaros Hochzeit. 8 Uhr: Die Fledermaus. Gebr. Eerrnfelö-Theater An allen 3 Osterfeiertagen 8 Uhr: Fam. Plaschek. Helhring c/a Helbring. Kleines Theater An beiden Feiertagen: 3'/, Uhr: Jettchcn Gebert, 8 Uhr: Oer politische Kannengießer. Vorher: Philotas. Komische Oper Heute B'U Uhr: Miß Elläan. 810 Uhr: Gold gab ich für Eisen. Morgen S'/�Uhr: Von Stufe zu Stufe. 810 Uhr; Gold gab ich für Eisen. Komödienhaus Heute 3 Uhr: Kabale und Liebe. 8 Uhr: Biedermeier. Morgen 3 Uhr: Kammermusik. 8 Uhr: Biedermeier. Eesslng-Thcater Heute 3 Uhr: Jugendfreunde. 8 Uhr: Im weißen Röss'l. Morgen 2'/. Uhr: Peer Gynt. 8 Uhr; im w eißen Itöss'l. Ens tspiel haus Heute 31/, U.: Kinder der Exzellenz. An beiden Peiertagen 8'/, Uhr: Gebildete Menschen. K.Drehera. G. 2. i'eiertag 31/, U.: Die Orientreise, Metropol-Theater An beiden Feiertagen S'/.TT. nachmittag�: Der Hochtourist. 7H. Uhr: Woran wir denken! Montls Operetten-Theater An beiden Feiertagen: 3 Uhr: Der liebe Pepi. 8 Uhr: Gastspiel L. Treumann: Hoheit tanzt Walzer. Besidenz-Theater An beiden Feiertagen: S1/, Uhr; Krümel vor Paris. 8 Uhr: Die Schöne vom Strand. Bose-Theater Heute 3 Uhr: Madame Pollphar. An beiden Feiertagen 8 Uhr; Die Försterchristel. Morgen 3 Uhr: Das Käthchen von Keilbronn. Sclulier-Thcatcr O. Heute 8 Uhr: Alt-Heidelberg. Morgen 8 Uhr: Nacht und Morgen. Schiller-Th. Chariottcnbg. Heute 3 Uhr: Die Hsrmannschlacht. 8 Uhr: Macht und Morgen. Morgen 3 Uhr: Husarenfieber. 8 Uhr; Alt-Ueidelbcrg. Thalia-Theater An beiden Feiertagen: 3 Uhr: Mein Eeopold. 8 Uhr: Kamrad Manne. Theater am Mollendorfpl. An beiden Feiertagen: S'/jUhr; Die Dollarprinzessin. S'h Uhr: Immer feste druff. Theater des Wöstens An beiden Feiertagen: 3'/, Uhr: Polcnblut. 8 Uhr: Die Landstreicher. Theater in der Königgrätzer Straße Heute 3'l, Uhr: Die fünf Frankfurter. 8 Uhr: Bausch. MorgenS1/, Uhr; Die fünf Frankfurter 8 Uhr: Ostern. Trianon-Theater An beiden Feiertagen: 31/, Uhr: Die zärtlichen Verwandten. 81/, Uhr: Akrobaten. Volksbühne. Theater am Bülowplatz Heute 3 Uhr; Ein Kevisov. U.: Berg Eyvind und sein Weib. Morgen 3 Uhr und 8'/, Uhr: Ein Kevisor. Walhalla-Theater Heute 3U.; Das Käthchen v. Heilhr. 8 Uhr: Die Jagd nach dem Glück. Morgen 3 Uhr: Muttersegen. 8 Uhr: Dte Jagd nach dem Glück. yeMin Taubenstraße 48,49. Sonntag, Montag und Dienstag 8 Uhr: Äül ISÄlitlelilernöstpreußfiiis Montag und Dienstag 4 Uhr (halbe Preise); DieVoijesen unilteKainpfÄD. Zirkus Alb. Sclumiamil Am 1. und 2, Osterfeiertag: M Je 2 gr. Vorstellungen 2 P nachm. S'/j u. abends 7J/2Uhr.| In beiden Vorstellungen ungekürzt! Ost und West. Großes patriotisch.Sohaustück| der Gegenwart. U-Boot Sa sowie Torpedieren eines Handelsdampfers. In beiden Vorstellungen: Heu! 3 Jlosellos 3 Neu! Weise's 5 Bären 5 u. die übr. neuen Spezialitäten. Casitio-Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. An allen Feiertagen abends 8 Uhr: Der Schlager aller Bolkslnstspiele: ver Zierr Ziommemenrat. Dazu das ausgewählte Spczial.-Progr. Nachmittags 4 Uhr zu kleinen Preisen: Osterglocken. Zrhe&ieT-irslies Capncc ßifa Possen'Theater Onke8 Mi! Kinodrama. Die Sprechstunde. Martin Kettner a.G. Reiehsliaüen-Tiieater. Stcttiner Sänger. Zum Schluß: Weihnadttsabend im Schützengraben . Militärisches Zeitbild von Meysel. Anfang an allen 3 Feier- tagen Uhr. V oigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. Sonntag, den4.April(l.Ostert eiertag): „Das Eulenhaus". Montag, den 5. April(2. Osterseiertag): .,Der Glöckner von Notro Dante". Dienstag, den 6. April ftZ.Osterseiertag): ..Gerichtet*'. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Del. Fönigstadt 3759. Morgen Montag, den 5. April(teiertlg) in Obiglos Festsälen, K-oppenstraße 29: 211/2* 11 für den Stralauer Platz 10 . ilir ieiittiiillr. iatz 10— 11. Tel. Königstadt 3759- Lieder«Abend. ❖❖❖ Der Thilosche Chor„Namenlos"(Chormeister Herr E.Thilo); Frl. Elisabeth Lee, Konzertsängerin; Frl. Charlotte Neumann, Violoncello; Frl. Gertrud Neumann, Klavier. Eintritfskarfen a 30 Pf. sind bei den Bezirkstührera und Eröffnung S1�(ihr. za haben in den bekannten Lokalen Anfang ö'/a Ehr. zu uaucD. Aniang v'/z unr. SÜRßASANI HEUTE und lülORISEiü je 2 snEe lerstellinp Nachm. 3 Uhr, abds. 7�/, Uhr. 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Gcmäg tz 98 Absatz II Ziffer 2 der Kassensatzung laden wir hiermit die Vertreter des Ausschusses zu der am Montag, den 12.?Ii>rtl. abends S1/. Uhr, im Ratskeller, Schlotz- jlratze, stattfindenden Drdentlicben �ussckukstoufix ein. Tagesordnung: t. Jahresbericht für 1914. 2. Abnahme der Rechnung deS Vorjahres. ö. Geschäftliches. Tie Ailsschufimitglieder resp. deren Stellvertreter erhalten noch besondere Einladungen. Köpenick, den 8. April 1915. ver VorMtand. gez. Ctto Nickel, Vorsitzender. Ivuungs- Krankenkasst dkrNschler-Ziiiiiliig. Ordentliche Ausschuß- Sitzung der Brrtrctcr der Kasseninitglieder und der JnnungSiiiitglicdcr am Dienstag, den Ilt.ZIPril 191», abends 8 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engeluser 15. Tagesordnung! 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abnahme der JahrcSrcchnung Pro 1914 und Bericht der Revisoren. Um pünktliches Erscheinen wird ge- beten. 286/7 Nei» Vorstand. Bruch-Bebandlung «hn© Operation ohne Berufsstörung ohne schmerzhafte Einspritzung Sprechstuadon in Berlin nur Wormser Straße iO Sonntag, Montag, Dienstag 10—1 Uhr. Adressen Geheilter und Broschüren kostenlos. Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer WahlvErein i. 14. Kerl. Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 154 I Den Mitgliedern zur Nachricht. das; unser Genosse, der Gastwirt �uxust IsuscKKe Skalitzer Str. 125, gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mit!. woch. den 7. April, nachmittags 1 Uhr, von der Halle des Thomas- KirchboscS in Neukölln, Hermann- strajzc, aus statt. ?! a ch r u f. Petersburger Viertel. Bezirk 368 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Genosse, der Droschken- kutschcr Bau! fiahrseb Pettenkoserstr. 19 gestorben ist. Köpenicker Viertel. Bezirk 176. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossen, der Arbeiter Bau! Siegert Elscnbahnstr. 13, ebenfalls der Maurer August Schramm üisenbahnstr. 14 gestorben sind. Ghre ihrem Andenken! 211/3 Ik©? VorKtand. SozialdemokratischerWahlm Neukölin. Am 1. April verstarb unser Parteigenosse vsksi« Tcksu Siegfriedstr. 39. 14. Bezirk. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 4. April, nach- mittags 2'/. Uhr, auf dem Neu- köllner Gemeindcsriedhos, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/14 Der Borstand. Am 1. April verstarb nach langem, schiverem Leiden meine inniggliebtc Ehefrau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin, Frau Ilmms Kube geb. Ttinsethal im 40. Lebensjahre. 14806 Dies zeigen ticsbetrübt an Otto Kube und Kinder. Baumschulenweg, den 4. Stpril 15. Die Beerdigung findet am 2.Ostcrseiertag, nachmittags 3Uhr, von der Halle des Gemeinde- sriedhoseS in Baumschulenweg aus statt. In Erfüllung feiner Pflicht fiel durch Kopsschufi am 14. März unser Sportbruder 62A Hermann Kramer. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Sparverein „Halbe Mark IVOS". Verband lGeiiieii]de-D.Staatsart]. Filiale Oroß-Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen �uZust peixelies vom Schlacht- und Viehhof. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Dienstag, den 6. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Kirchboscs der Markusgcmcinde in Wilhelmsbcrg. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 83/12 Die Ortsverwaltung. Auf dem Schlachtseide wurde am 19. März unser einziger, innig- geliebter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Füsciier Hermann Kube durch einen Gewehrschuß in den Kops schwer verwundet und starb am 21. März im Alter von 21 Jahren. 1472b Dies zeigen ticsbetrübt an die trauernden Eltern Hermann Äube und Frau Martha Rückcr geb. Kube Willi Rückcr, zurzeit im Felde. Gerda Rückcr. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 7. März unser innig- geliebter Sohn, Bruder und Schwager Ulbert Knaebe im blühenden Alter von 22 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an im Namen aller Hinterbliebenen klermana Knaebe, Ida Knaebe als Eltern, 71A Berlin, Münchebergcr Str. 1. „Wiederichn" ist ein schönes Wort, Ist es nicht hier, so ist es dort, Sei es nun dort oder hier, Auf Wiederschen I scheiden wir. Allen Freunden und Bekannten zur Nachridit, daß am 2. April meine unvergeßliche Frau, unsere liebe Mutter Brielieribe Uascbhau geb. Nordwich im Alter von 65 Jahren durch Schlagansall gestorben ist. Die Einäscherung findet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 37—38 statt. 1481b Dies zeigen tiefgebeugt an A. Waschlru, als Gatte, als Kinder: Emma, Otto und Ottilie, Berta und August, Karl, Johanna, Fern von der Heimat und von seinen Lieben starb am 15. März de» Heldentod unser unvergeß- licher, inniggclicbler Sohn und Bruder, Schwager, Onkel und Neffe, der Gardesüsilier Hnstav Knothe im blühenden Alter von fast 23 Jahren. 68A In tiefstem Schmerz Tic»ntröstlictien Eltern und Geschwister, Berlin, Wriezener Str. 12. Du sankst dahin, wie die Rosen finkcn, Wenn sie in voller Blüte ftchn, Und heiße, bitt're Tränen fließen, Weil Du so mußtest von uns zehn. Wer hätte das von Dir gedächt, Daß Du so früh zur Ruh' gebracht. Ach, so früh bist Du geschieden, So umsonst war unser Flehm I Nun, gutes Herz, schlaf in Frieden, Unsere Liebe deckt Dich zu. Fahr wohl auf immerdar! Nach einer infolge einer er- j littenen schweren Granatverwundung notwendig gewordenen Am- puticrung starb am 1. April im l Neservclazarclt Paderborn mein j herzensguter, lieber Mann und> Vater, der Lichtdrucker kernkard�arKxra� im 42. Lebensjahre. Leicht werde Dir die Erde, Du treues, liebes Herz! fl8A Harzraret© und Harle .klar kg; ruf, Baumschulenweg, Kiesholzstr. 256. Allen Freunden und Bekaüntcn die traurige Nachricht, daß mein inniggelicbtcr Mann, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Hanl Schumann Pankowcr Allee 38, nach kurzem Leiden aus dem Leben geschieden ist. Dies zeigt ticsbetrübt an III© trauernd© Witwe nebst Anverwandten. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 6. April, nachmittags 3V, Uhr, von der Leichenhalle des Reinickendorfer Gemcwdc-Fried- hoses, Humboldtitraße, aus statt. � Verband der Büch- und Stein- druckerei- Hillsarbeiter und Ärbeilerinoen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 1. d. MtZ. verstarb nach kurzem Krankenlager unser Mit- glied Paul Schumann im Alter von 40 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. April(2. Feier- tag), nachmittags 3lL Uhr, aus dem Gemeinde- Friedbos, Reinicken- dorj, Hvmboldtstraße, statt. 27/2 Oie Ortsverwaltung. Kadfalirer- Bund „Solidarität", Mitgliedschaft Kaulsdorf. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 14. Februar unser Bundesgenosse �uxust Pfitzner im vollendeten 29. Lebensjahre. Seiner werden wir stets in Ehren gedenken. 11/5 Der Vorstand. Deutscher Händler-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitglieder» hiennit die traurige Nackiricht, daß unser Kollege, der Händler Hsx ICSeinow Bezirk III gefallen ist. 1469b Ehre feinem Andenken! Tic Qrtsvcrwaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß mein s lieber Mann, meiner Kinder treu« sorgender Vater, der Tischler Zikes am 1. April nach schweren Leiden D sanft entschlasen ist. Dies zeigt liesbetrirbt an die trauernde Gattin Krida ZikeS und Kinder. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 7. April, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral- sriedhoseS, Friedrichsfclde, aus statt. Verband der Sattler und Porteleuiller. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied perdinand Hagenau auf dem Schlachtfelde gefallen ist. Ehre seinem Andenken! 178/2 Oie Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mcw lieber Vater, Bruder. Schwager und Onkel, der Tischler August Stilch am 30. Dezember im Osten gc- fallen ist. Dies zeigen ticsbclriibt an Wallt stilch als Tochter F.riiNf hütilch nebst Familie JlurtlinlllüblcralöSchtBeftcr nebst Kindern, Franx u. Anna Krcja als Schwager und Schwester. Wir bofften auf ein Wiedersehen, Doch leider kann es nicht geschehen. Deutscher Tahakarheiter-Verbandl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Kollegin, Zigaretten- arbeiterln �Varie Wagner gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am 6. April, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des städtischen Fried- hofcS, Secftraße, Ecke Müller- straße, aus statt. 167/3 Die Ortsverwaltung. Am Donncrsiag, den I. April, nachmittags 3 Uhr, entschlies sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine inniggclieble Frau, �unsere i gute Mutler, Schwester, gerin und Tante Schwä- Berta Mahn geb. Jocklsch im 47. Lebensjahre. 0!» trauorniien Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Avril, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS EmmauS-Kirchhofcs in Neukölln, Hermannswaße, aus statt. Ansang März starb den Helden- ! tod unser berzensgutcr Bruder, t Zchwagcr und Onkel, der Reservist Paul Siemund im blühenden Alter von L5Jahrcn. Die trauernden Hinterbliebenen Adol! Schöning und Frau illarz;. Siemund. Helnr. tSicninnd u. Frau. Fant Ilehnicl und Frau Frida Hchönlnpr. In Feindes Land Dein treues Auge brach, Dein goldwcs Herz tat seine» letzten schlag. Wir kennen nicht die Stätte, wo Du starbst, Auch nicht die Zeit, wir kennen nicht Dein Grab. Doch du, Nalur, die du freier bist als wir, Rufen dich: Streue Blumen um ihn her. Verband der Hut- und filzwen- arbeüeru. Arbeiterinnen Deutsch!. Ortsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege VBmil Qrubert plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 2. Feiertag, nachmittags 2 Uhr, von der Halle, des Andreas, und Markus-Kirchhoses aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 76/1 Der Borstand. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 10. Februar mein innig- geliebter Mann, unser guter Vater, der Wchrmann Hermann Krause im blühenden Alter von 36 Jahren. In ticsern SchlpcrzlHzcigcn dicsjna Frau Auguste Krause u. Kinder. Wenn Liebe könnte Wunder tun, Und Tränen Tote wecken, Dann im'irde Dich, Du gute» Herz Die kühle Erde nicht decken. Sage hiermit den Angestellten und Kollegen meines lieben Mannes, der 33.Rcvier-Jnspektion, sür die herzliche Teilnahme und Spende meinen innigsten Dank. Frau Auguste Kranse geb. Fahr. „Hole TuntorstM" Am 10. März erlag unser lieber Turngenosse 185/1 Eliicli Gedamke Hindenburgdamm 103 den Strapazen des Winter-Feid- zuges im 23. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken in Ehren hallen. Her Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine innigst geliebte Frau, unsere liebe Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante KHsnie Wagnei* geb. Oyen am 31. März sanft entschlasen ist. Dies zeigt ticsbetrübt an Faul WaKiier zugleich im Namen der Hinter- bltcbcnen. s21A Die Beerdigung erfolgt Diens- tag, de» 6. April, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des st. Philippus-Apostel-Kirchhoss, See-, Ecke Rküllerstraßc, aus. Allen. Verwandten, Freunden und Belännten die traurige Nach-! richt, daß meine liebe Frau, unseres gute Mutler Emilie Kaafz am Sonnabend nach langein, schwerem Leiden verstorben ist. Im Namen der tiestraucrndcn Hinterbliebenen Jttlius Kaai;. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. April, nachmit- tags 3>/z Uhr, von der Leichen- balle des Gcmcindcfricdhoscs in Lbcrschvneweide statt. Am Freitag, den 2. April, nachts 2 Uhr, entschlief unsere liebe Mutter, Schwiegei- und Großmutter 5A Helene Mchaelis im 65. Lebensjahre. In tiefer Trauer Familie Otto Michaelis, Seestraße 36, Familie Felix Michaelis, Rigaer Straße 1. Die Beerdigung findet am Oster- montag, nachmittags 3 Uhr. von dertzalle des Freireligiösen Fried- hoses, Pappelallee 15/17, aus statt. Deutscher Holzarhelterverband. Zahlstelle Berlin, Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Tischler Hustav Mühlbrath Strausberger Str. 16 im Alter von 60 fahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. April, nach- mittags 3'/z Uhr. von der Leichen- balle des Zeniral-Friedhoses in Friedrichsseloe au? statt. Den Diiigliedent ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Maschinenarbeiter •Johannes Icker Palisadenstr. 58 im Alter von 49 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle deS �mS Kirchhofes in Wilhelms- berg aus statt. Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Erisdrich Liesche SoimSstr. 13 im Aller von 67 Jahren ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. April, nach- mtllagö 2 Uhr, von der Halle deS Heilig-Kreuz-KirchhofeS in Martendorf, Eifenacher Straße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beleilignug ersucht 78/2 Tie Ortsverwaltnug. Räch vierjähriger glücklicher Ehe fiel am 10. Februar 1915 mein tnuiggeliebier herzensguter Mann, unleres Sohnes liebevoller Vater, unser lieber ältester Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Nesse, der Wehrmann Kai»? Hoppner im vollendete» 30. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz Martha Höppner geb. Kiese nebst Sohn. 1468b Wie schwer war Dir das Scheiden Von uns, geliebtes Herz, Weißt nicht, was wir jetzt leiden, In tiefem, großem Schmerz. Wir baten alle Tage, Ach kehre bald zurück, Doch jetzt nur eine Klage, Vorbei ist unser Glück. Und jeder, der. Dich hat gekannt, Dich und Dein gutes Herz, Der reicht uns nur noch stumm die Hand In diesem großen Schmerz. Am 16. März siel durch Kops- schuß mein inniggeliebter, unver- geßlicher zweiter Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Resse und Bräutigam, der Reservist Otts Döring, Infanterie-Regiment Nr. 12, im fast vollendeten 27. Lebens- jähre. Nach 7'/,monaiigen schweren Kämpfen und Entsagungen folgte er seinem ältesten Bruder Willi und seinem unvergeßlichen Vater in den Tod. Dies zeigen imtiessten Schmerze aller Hinterbliebenen an Witwe Hulda Döring als Mutter. Martha Döring als Schwester. Bruno Döring, zurzeit im Felde. .Kurtchen Döring. Witwe Frida Döring als Schwägerin. Kurtchrn Döring als Neffe. Klarchen Kaiesse als Braut. Witwe Kalefie als Schwieger- mutier. Hermann Liesegang»ebit Gattin. 1473b Wie schwer war Dir daS Scheiden Bon uns, geliebte» Herz. Weißt nicht, was wir jetzt leiden, In tiefem, großem Schmerz. Wir baten alle Taste. Ach kehre bald zurück. Doch jetzt nur eine Klage, Vorbei ist unser Glück. Kurz war nur unsre Freude, Ties ist nun unser Schmerz, Drum schlumm ee saust Du treu- geliemes Herz. O nimmer, nimmer werden wir Dein vergessen. Du warst so jung, Du starbst so früh, Wer Dich qekannt, vergißt Dich nie. Ruhe sonst in fremder Erde, Unsere Liebe deckt Dich zu. Deutscher Baiiarheiter- Verband. Zwolgvcrcin Berlin. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Spanner Herrn. Sonnenhnrg verstorben ist' Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Diens- tag. den 6. April, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Lichten- berger Gemeinde- Friedhofes in Marzahn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht � 140/3 Her Torstand, 1 —iiwieiwin— i sfl w' Sei Wem unfern onl Dem MMuuM seloKenen Seuuffeu! Am 27. Okfober siel der Tischler DKto Jeliser Schrefnerstr. 35. Bezirk 360. Am 10. Februar fiel der Bauarbeiter ÜCa�B Höppner Straßmanustr. 31. Bezirk 110. Am 12. Februar siel der Fahrstuhlführer Julius Philipp >S)imon-®ad)flr. 12. Bezirk 323. Am 7. März fiel der Arbeiter Ulibept ICuaebe Müncheberger Str. 1. Bezirk 306. Jim 18. März fiel der Arbeiter Fpitx Ladewig Zellestr. 1. Bezirk 371. Am 10. März fiel der Metallarbeiter Kap! Lange Pücklerstr. 40. Bezirk 174. 211/4 Sozlaldemokr. Wahlverein f. d, 4. Berliner Reichstagswahlkr Gefalle» der Schlosser t Otto Hapfmann Danziger Str. 39. Ia. Abteilung. Im Lazarett am 13. März verstorben der Kutscher ttepmann Wilke Marienburger Str. 11, I. Abteilung. | 222/9 Sezialdemokr. Wahlverein f. d. 5. Berliner Reichstagswahlkr Am 3. Februar fiel der Buchdruckerei-Hilssarbeiter Bpuno BHaeckep Scharnhorststr. 8. 11. Jlbtcilung. Bezirk 641. Seiuen am 13. März erhaltenen Wunde» erlegen ist der Schmied WladisBaus ICafka Schwedenstr. 11 a. 19. Abteilung. Bezirk 851. In den Kämpfen am 14. März fiel der Maurer Hepmann ICramep Voltastr. 18, 10. Abteilung. Bezirk 621. [ 224/1 Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Reichstagswahlkr. Im Felde gefallen der Former Btta Doping Schierkestr. 20. 17. Bezirk. 3m Felde gefallen der Preßvcrgolder Fpanz Schulz Weisestr. 63. 22. Bezirk. Im Felde gefallen der SSlosser Kapl Waltep Schierkestr. 23. 17. Bezirk. Jim 1. März gefallen der Hausdiener Epnst Hasse 236/13 Brufcndorsec«tr. 2. 11. Bezirk. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln Bei de» Kämpfen gefallen der Maurer Fpiedpich Pohpte JlugSburgcr Str. 72. i 25079 Sozlaldemokr. Wahlverein Charlottenburg. Auf dem Schlachtfelde verstorben an Herzschlag der Genosse Kap! Hepoid 1 191/1 Sozialdemokratischer Wahlverein Lankwitz. Am 14. Februar gefallen August Pfitznep 243/2 Sozialdemokrat. Wahlverein Niederbarnim. Bez. Kaulsdorf. DeilijHcr TraiisPirtiirbeiter-Verbllild Bezirk Grost-Berlin. Folgende Kollegen find im Felde gefalle»: Aldept Dapdknecht, Bierfahrcr. Wilhelm Mietzep, KoHlenarbettcr. ICaPB Mollowitz, Gerüstbauer. JUÜUS Philipp, Gefchäftsdieuer. Otto Schulz, Lagerarbeiter. H'SSnPBCh Weigang, Kohlenarbeiter. Hepmann Wilke, Rollkutscher. Aibept Knaebe, Geschäftsdieoer. Aibept Henk, Industriearbeiter. Richapd Lopenz, Bierfahrer. Ehre ihrem Andenke«! Vi« Bezirksleitnng. 62/9 1 Am. Donnerstag, den I.April, entsiililief sanft, nacli langem, | srhwerem kveiden, unser geliebter Vater, Schwieger- und Groß- j atcr, der Schuhmachermeiiiter Louis Zaake. Die trauernden Hinterbliebenen. Ortsgruppe Groß-Beriiu. Bon unseren Kollegen sind gefallen: Willi Depgrnann im Alter von 25 Jähren. Geopg Bublitz im Alter von 23 Jähren. BCupt Epstein im Alter von 20 Jahre». Alezandep Gpegop im Alter von 25 Jahren. Epnst Hammen im Alter von 23 Jahren. Henmann Hammen im Alter von 21 Jahren. Adolf Handtke im Aller von 24 Jahren. Ennst Henze im Atter von 24 Jähren. Enich Hübke im Alter von 20 Jahren. Paul Jacob im Alter von 34 Jahren. Genhand SCnüger im Aller von 23 Jahren. Ennst ftflankent im Alter von 23 Jahre«. Alfned Riegen im Aller von 16 Jahren. Wilhelm Stephan im Aller von 22 Jahren. Rudolf Dnnuli im Atter von 20 Jahren. Geong Walten im Aller von 22 Jahren. Bennhand Witt im Atter von 25 Jahren. ECunt Lehmann ist seiner Verwundung in einem Lazarett erttgm. Ehre ihrem Andcnkc»: 78'2 Die Ortsvcrwaitung. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigvercin Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Abnaham, Paul, Maurer(Bez. Südosten) Banko�ski, Fniedn., Utzberg Durninick, Paul, Putzer(Bez. Achterf-ide) Henold, Rani, Stukkateur(Bez. Lankwitz) »Sppnor, XsrI, WMZst HOPÜtZ, PaUl, Maurer(Bez. Dftctl II) ICinstein, Ennst, Kochan, Wilhelm, Knamen, Henm., Va Lipmskl, Felix, Emschaler(Bez. Neukölln) Pohnte, Fniednich, Maurer(Bez. Westen) Ringenvald, Ricband, Sonban, Paul, Maurer(Bez. Lichtenberg) Wenzel, Ricband, Putz-r(Bez. Ofte» ii) Ehre ihrem Andenke»! 149/2 Ble örtliche Verwaltung. Maurer (Bez. Charlollurburg) Maurer (Bez. Lichterfelde) Maurer (Bez. Oranienb. Lorstadt) Deutsch. �etallardaiter-Varbaud VervksltllNASstelle Lerliii. Es starben folgende Mitglieder im Felde: Roliept OenlSn, Gürtler geb. 12. 9. 82 in Berlin. Richand Lehmann, Schmied geb. 14. 3. 87 in Tieswerder. Henmann ICube, Mechaniker geb. 10. 8. 93 in Berlin. Rani Schenen, Rohrleger geb. 13. 9. 82 in Kalkberge. Fnitz Wsstphal, Werkzeugmacher geb. 2. 6. 97 in Berlin. Robent Zimmenmann, Drücker geb. 28. 12. 84 in Berlin. Wilhelm Staeck, Metallarbeiter geb. 1. 5. 92 in Berlin. Gustav Knothe, Metallarbeiter geb. 1. 5. 92 in Berlin. SCanl Hanig, Schlosser geb. 9. 6. 93 in schöneberg. Fnanz Lesniewicz, Schlosser geb. 4. 5. 93 in Berlin. Otto Döning, Former geb. 8. 4. 88 in Berlin. August Sievening, Rundschicistr geb. 15. 10.- 89 in Bödexen. Fnitz Ladewig, Metallarbeiter geb. 17. 2. 94 in Berlin. iflax Wüllen, schioss« geb. 19. 8. 85 in Könitz. Rani Bensinski, Metallarbeit« geb. 3. 1. 8u in Schönwicsc. Bnuno flennen, Schloss« geb. 22. 5. 94 in Berlin. Rudolf Hoff mann, Werkzeugmacher geb. 23. 9. 89 in Z inten. Robent Ovenwetten, Helfer geb. 13. 6. 82 in Berlin. Paui Zienmann, Dreh« geb. 13. 5. 82 in Friedrichsberg. Richand Wieke, Schloss« geb. 17. 10. 84 in Petersdorj. Heinnich Lange, Schlosser geb. 29. 6. 87 in Bostelwiebeck. Ennst ECakuschke, Klewpu« geb. 14. 1. 88 in Stortow. Ehre ihrem Andenken! 111/20 Die Ortsverwaltung. Deutseber Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen sind folgende Mitglied«: (llistav Pasenau, Safdjlcr, 40 Jahre alt. Willi Widawski, Tischler, 25 Jahre alt. Max Manneck, Tischler, 34 Lahre all. Hermann öro�e, Stockarbciter. 31 Jahre alt. Pobert Bastine, Mobcmifchi«, os Jähre au. Otto Hanke, Tischler. 24 Jahre all. Peindold Fürst, Tischi-r. 34 Jahre nit Friedrich Vieth, Slockarbeilcr, 36 Jähre oll Willi Elias, Polierer, 21 Jahre all. Willi jänicke, Kistenmacher. 24 Lahre alt. Ehre ihrem Andenken! Ble OrtsTemaltung. - II. MI Filiale GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß folgende Kollegen auf dem Schiachtseide gefallen find: Fnanz Gensdonf, H«zb«gc. Wilhelm Röhl, Kaualifation. Ennst Rinke, Charlottenburg. Henmann Knause, 33. 8ietu-3u|>cWon. Otto Lipski, Gasanstalt Danziger Straße. Otto Wegnen, Schlacht, und Viehhos. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 83/15 Ble Ortsireeiwaltuug. [ 81/ SozialdemckFat. KFeiswatilverein HiedeFharnira. Bezirk Keinickendorf- Ost. Sil« Karfreitag verstarb unfcr Mitglied, der Buchdruckcrei- tzllfsarbeiier Paul Schumann Pmikower Allee 38. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 5. April, nachmittags 31/» Uhr, von der Leichenhalle in der Huniboldtstraße aus statt. 243/1 Die Bezirksleitung. Allzu früh und fern von seineu Lieben starb am 26. Atärz den Heldentod fürs Vaterland mein herzenSgitter. Gatte. Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Snlet, der Vizeseldwebel ködert limmermavn. Tie tiefbetrübte Gattin und Sohn. Mein ganzes Glück ist nun dahin, Wer ihn gekamit, weiß, was ich 1470b leide. Arn 19?Närz stet im Kampfe fürs Vaterland mein inniggetiebter und unvergeßlicher Mann, unser guterSohn.Schwiegerioyn.Bruder und Schwager, der Buchdrucker Otto Zabel Res.'Lnf.-Regt. 24, 10. Komp. im 28. Lebensjahre. Dies zeigt an in tiefer Trauer im Namen aller trauernden Hinterbliebenen Britta Zabel geb. W i e y s ki als Frau. | Als Opfer des Krieges fiel in den Kämpfen am 18. März unser braver Kollege Rani Schmidt im 31. Lebensjahre. Sein guier Charakter wird ihm ein dauerndes Andenken sichern. Tie Kollegen der F-irma Malick u. Wakkows, Admiralflr. 16. 2821 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Zur de« Lnferatenteil verantw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtt Buchdruckerei u. Lerlugsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 93. 32. Jahrgang. 3. KnlM des Jatmirls" fiftlinft MM 5otllltag. 4. Apck 1915. Verlustlisten. Die preußische 25« r! u st l i st e N r. 190 enkhalt Verluste folgender Truppen: Stab der 10. Landwehr-Dibision; 1., 3. und 4. Garde-Reg.; 1. Garde-Zieserve- und 2. Garde-Ersatz-Reg.; Garde-Grenadier- Rcgimenter Elisabeth, Augusta und Nr. 5; Garde-Schützen-Batl. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Iiegimenter Nr. 1, 3, 5(siehe auch Ers.-Jnf.-Reg. Gropp), 6, 11, 12. 14. 17. 19. 20. 23. 24, 31, 32. 33, 37. 38, 40. 41. 42. 43. 45, 49. 61. 63, 62. 63, 67. 69. 70, 71, 72, 76. 82, 83, 86(siehe 2. Garde-Ers.-Reg.), 86, 88, 96. 97, 109. III, 113, 116, 132, 136, 136, 137, 140, 141, 142, 146, 146, 147, 148(siehe 1. Garde-Res.-Reg.), 160, 161, 169, 161, 162, 166, 166, 168, 169, 171, 172, 174, 175. Reserve-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 2. 3, 5, 8. 9, 18, 19, 20. 21, 22, 23. 28. 30. 38. 61, 62. 67, 60. 64, 66, 66. 74. 81. 82. 83. 86, 88, 93. 99. 202, 204. 212, 213, 214, 217, 218, 219, 224, 226, 228, 233, 236, 257. 266, 269. Ersatz-Jnf.-Reg. Grupp; Reserve-Ersatz-Reg. Nr. 1; Landwehr Jnf.-Negimenter Nr. 7. 11. 12, 18. 21, 22, 31, 36, 39. 62, 76. 80. 81. 83, 99, 109, 110; Landwehr-Ersatz-Regimenter Nr. 1, 2; Landsturm- Inf.-Reg. Nr. 116; Besatzungs-Reg. Nr. 1 der Brigade Doussin; Brigade-Ers.-Bataillone Nr. 10, 30, 32. 38, 68. 78, 80, 83; Landwehr- Wrigade-Ersatz-Bataillone Nr. 14(siehe Landw.-Ers.-Reg. Nr. 2), 25(siehe Landw.-Ers.-Neg. Nr. 1); Landsturm-Bataillone Alten- grabow, Beuthen i. O.-Schl., 2. I Breslau, II Breslau, Bremen, 1. Brieg, Burg, II Cassel, 2. II Cöln, Cosel, II Cottbus, II Darm- stadt, Frankfurt a. M., 3. Frankfurt a. O., Gardelegen, Hagenau, 1. Jauer, 4. Magdeburg, Mainz(siehe Landsturm-Jnf.-Reg. Nr. 116), �larienburg, Maricnwerder. Muskau, I Neusalz a. O., I Osterode, Ostrowo, 1. Prenzlau, Samter, Sangerhausen, Schlawe, I Schrimm, Schweidnitz; 1. Landsturm-Ers.-Batl. Darmstadt; Jäger-Bataillone Nr. 1, 2(siehe auch Ers.-Jnf.-Reg. Gropp), 3; Reserve-Jäger- Bataillons Nr. 3, 5, 6, 23; Nadfahrer-Komp. der Festung Kulm; MaschinengÄvehr-Abteilung Nr. 4(siehe Besatz.-Reg. Nr. 1 der Bri- gade Doussin); Festungs-Maschinengewehr-Abtcilungen Nr. 1, 2 (siehe Besatz.-Reg. Nr. 1 der Brigade Doussin), 14; Maschinen gcwehr-Komp. Nr. 21 des 17. Armeekorps; 1. Ersatz-Maschincn gewehr-Komp. des 4.(siehe Besatz.-Reg. Nr. 1 der Brigade Doussin) iind des 20. Armeekorps; Fcstungs-Maschinengeivehr-Trupp Nr. 10 (siehe Besatz.-Reg. Nr. 1 der Brigade Doussin). Kaballerie-Neg. der Gardes du Corps; Dragoner Nr. 8, 14, 17, 19; Neserve-Dragoner Nr. 1; Ulanen Nr. 11, 15; Landwchr-Ncg. Nr. I des 2. Armeekorps; Reserve-Kavallerie-Abteilung Nr. 78. 1. und 3. Garoc-Feldart.-Reg.; 1. Garde-Reservc-Feldart.-Neg.; Feldart.-Regimenter Nr. 6. 7, 10, 11, 27, 36. 38, 44. 47, 72, 84; Ref.- Fcldart.-Regimenter Nr. 1, 19, 66, 62; Gcbirgs-Haubitzen-Zug Nr. 1 des Korps lÄerhardt. 1. und 2. Garde-Fußart.-Rcg.; Fußart.-Ncgimcnter Nr. 1, 2, 17; Reserve-Futzart.-Regimenter Nr. 3, 24; Landwehr-Fustart.-Neg. Nr. 16; Landwehr-Futzart.-Batl. Nr. 2; Landsturm-Fuszart.-Batl. des 16. Armeekorps; Mörser-Reg. Nr. 6. Pionier-Rcgimcnter Nr. 23, 24, 25, 29; Pionier-Bataillone II. Nr. 1, II. Nr. 2, II. Nr. 3, I. Nr. 4, I. Nr. 6, II. Nr. 27; Pionier-Ersa�-Batl. Nr. 11; 1. Landwehr-Pionicr-Komp. des 6. Armcekorp». Fcstungs-Eisenbahn-Baukomp. Nr. 1; Eisenvahn-Bctriebs- Komp. Nr. 8; Eisenbahn-Betricbsamt I Gent; Fcrnsprech-Abtcilung des 8. Armeekorps. (F) Artillerie-Munitionskolonne Nr. 4 des 14. Armeekorps; leichte Munitionskolonne der zusammcnges. Feloart.-Abteilung der Armcc-Abteilung Gaode. Straßcn-Baukomp. Nr. 6 der V. Etappen-Inspektion. Nescrve-Saiiilats-Komp. Nr. 12 des 8. NeserockorpS; Reserve- Lazarette Forst i. L. und Jnsterburg; Garnisonlazarctt Spandau. Ersatz-Pserdedepots des 17. und 21. Arineekorps. blrtillcriedepot Thorn. Kriegsbekleidungsamt des GardekorpS. Bewachungskoinmando des Gefangenenlagers Gardelegcn. Gütcrdcpot der Sammclstation Breslau. de * Tic bayerische Verlustliste Nr. 168 veröffentlicht Verluste .'s 1., 5.. 8.. 12., 13.. 16.. 17.. 19.. 20., 21. Jnf.-Reg.; 6. Reserve-Div.; Reserve-Jnf.-Regimenter Nr. 4, 6, 7, 11, 17. 18, 20. 21, 22, 23; Landwehr-Jns.-Regimenter Nr. 1, 3. 4, 6; Ersatz-Jnf.-Rcgimcnter Nr. 1, 3, 4; Landsturm-Jnf.-Bataillone Bamberg und Kempten; Ersatz-Kav�-Abt. des 2. Armeekorps; 1., 4., 8. Fcldart.-Rcg.; 1., 3. Fus;art.-Reg.; Reserve-Futzart.-Regimcnter Nr. 1, 2, 3; 2. Pion.- Bataillon Speyer; Rescrve-Pion.-Batl. Nr. 2; Reserve-Pion.-Komp. Nr. 6; 2. Landw.-Pion.-Komp. des 1. Armeekorps; 1. Landwehr- Pion.-Komp. des 3. Armeekorps; Reserve-Sanitäts-Komp. Nr. 8. Ms Groß-Serlin. Merumzug. Wir haben an hohen kirchlichen Feiertagen schon Möbel- wagen gesehen, die mit fröhlichen Ausflüglcrn besetzt, mit Girlanden und Fahnen geschmückt nach dem Grunewald gon- Helten, aber am Feiertag regelrecht mit Möbeln bepackte Möbelwagen, sogar während der Kirchzcit und am Nach- mittag— es ist wirklich noch nicht dagewesen I Heuer ist der zweite Osterfeicrtag zum Alltag geworden, darf man unge- stört mit Huh und Hott umziehen und in der blauen Bluse sogar öfsentlich arbeiten. Wer hätte sich das jemals träumen lassen! Voraussichtlich wird die Sache aber nicht so schlimm werden, wie sie auf dem Amtspapier aussieht. Man kann es sogar anerkennen, daß die Behörde den zweiten Feiertag zum Umzug in vollem Umfange freigegeben und so wenigstens für diesen Frühjahrsumzug mit alten Grundsätzen gebrochen hat. Der Sonntag hat, wenn er in die eigentliche Umzugsperiodc fiel, früher oft genug den Umziehenden gefehlt. Er ist ja der einzige Tag, an dem die minderbemittelten Klassen die nötige Zeit zum Umzug ohne besondere Schwierigkeiten haben. In den wenigen Frühstunden bis zum Gottesdienst drängte sich dann alles zusammen, die Möbclfuhrhcrren und die Zieh- männer wußten nicht, wie schnell sie alle Wünsche, ohne„aus- geschrieben" zu werden, erfüllen sollten. Es wird also trotz der diesmaligen Freigäbe des ganzen Feiertages nicht schlimm werde», weil wohl die wenigsten Umziehenden Lust haben, sich den zweiten Feiertag zu verderben. Nur wo bisher kein � Möbelwagen früher aufzutreiben war und die alte Wohnung i'pätestcns ani 5. April zu räumen ist, wird man mit dem � Feicrtagsumzug vorliebnehmen müssen. Die Inhaber der ganz großen Wohnungen haben ja sogar noch die volle Woche nach Ostern zum Umzug vor sich. Ihnen ist es ani bequemsten gemacht. So praktisch auch diese Ausnahmcrcgelung ist, bringt sie nach anderer Richtung hin Nachteile mit sich. Wegen des Mangels an Möbelwagen und Pferden fiel diesmal die Verständigung zwischen den Umziehenden über Auszug und Einzug besonders schwer. Meistens wird die alte Wohnung, da man in die neue nicht zeitiger hinein kann, bis zum letzten Augenblick fcstjiehalten. Das Recht auf Einräumung eines Zimmers zu einem bestimmten Zeitpunkt ist bei schlechtem! Wetter nur ein sehr magerer Notbehelf. 1 \ Der Krieg und die Barbiere. Die armen Barbiere. Sie haben schwer zu leiden unter dem Kriege, und manch einer hat schon seinen Laden schließen müssen. Freilich, diejenigen, die ihr Geschäft in den vornehmen Stadtteilen betreiben, können immerhin durchhalten, aber die vielen andern, die ihren Beruf in jenen Gegenden ausüben, die eine ärmere Klasse bevölkert, find bitterböse daran. Der Arbeiter beehrt den Barbier mit seinem Besuch zumeist nur am Ausgang der Woche und in dringenden Fällen. Es gibt sehr viele Arbeiter, die sich einen .Sauerkohl' die ganze Woche lang stehen lassen. Der Krieg zieht sich in die Länge, und der Kundenkreis jedes Barbiers wird kleiner von Woche zu Woche. Einen Gehilfen können sich die meisten selbst am Sonnabend und Sonntag nicht mehr leisten, und die Zeiten, wo der Laden an diesen beiden Tagen bis an die Türe voll war mit wartenden Gästen, gehören einer besseren Vergangenheit an. Heute steht einem der Barbier fast immer wirklich sofort zu Diensten. Nicht wenige nötigt der schlechte Geschäftsgang, Heimarbeit zu treiben. Mein Barbier halte das Handnäben mit zwei Nadeln ge lernt und arbeitete für ein Warenhaus. Seit 14 Tagen jedoch ist er fort. Er kam nach Lübbe». Er hatte keinen„großartigen" Ab schied genommen, hoffte er. doch, in zwei bis drei Tagen bestimmt wieder in Berlin zu sein. Aber er hat sich geschnitten, der gute Barbier. Und sein Nachfolger ist seit acht Tagen auch schon angesetzt. Es bleibt sich ihm gleich, bringt der Laden ja doch nichts mehr ein. Es ist eine böse Zeit für die Vcrschönerungsräte, doppelt böse, weil so viele von den noch Daheimweilcnden und den zum Kriegs dienst untauglichen mit jedem Sechser rechnen und rechnen müssen und sich weniger rasieren lassen. „Nach Lage der Akten". Einem in Berlin wohnenden Steuerschuldner, der wegen Arbeitslosigkeit um Stundung gebeten hatte, ist es d» bei gar seltsam ergangen. Die Geschichte nahm ihren Anfang im August vorigen Jahres— es handelte sich um Steuern für das Vierteljahr Juli bis September— und im April dieses Jahres kann sie, wenn alles gut geht, zu Ende kommen. Damals wurde der Steuerschuldner mit seinem Stundungsgcsuch vom Bureau der Steucrkaffe in der Templiner Straße an das Bureau der Ver- anlagungskommission in der Jüdenstraße gewiesen, wo man ihm baldigen Bescheid in Aussicht stellte. Eine schriftliche Aeußerung kam dann schon im September, aber sie lautete, er solle seine Steuern zahlen. Wieder ging er zum Bureau der Vcranlagungs- kommission, und er fragte, ob das die Antwort auf sein Stundungs- gesuch sei. Ein Beamter nahm jetzt mit ihm ein Protokoll auf und gab ihm zur Steuerkasse einen Zettel mit, dessen Inhalt der Steuerschuldner dahin verstand, daß die Steuerzahlung bis auf weiteres gestundet t verde. Auf der Steuerkasse nahm man ihm den Zettel ab mit den Worten, die Sache'sei jetzt für ihn einst- weilen erledigt. Leider dauerte die Freude nicht lauge. Schon nach etwa drei Wochen kam von der Steucrkaffe die schriftliche Aufforderung, er solle innerhalb drei Tagen die von ihm geschuldc- ten Steuern zahlen, widrigenfalls werde man zur Pfändung schreiten. Inzwischen hatte der Steuerschuldner glücklicherweise gerade wieder Arbeit gefunden, so daß er jetzt durch die am 16. Ok- tober schleunigst geleistete Zahlung dem Steuerexekutor jede Be- mühung ersparen konnte. Nun toar doch wohl die Sache cnd« gültig„erledigt"? So meinte es der Steuerzahler. Er zahlte später feine Steuern auch für das vierte Quartal von 1914 im Dezember und weiter für das erste Quartal von 1916 im März und dachte schon nicht mehr an die Stundungsgeschichte aus dem vorigen Jahr, die ihm eine so kurze Freude bereitet hatte. Da wurde ihm plötzlich Ende März zu seiner großen Ueberraschung sin vom 20. März 1916 datiertes Schreiben der Einkommensteuer- Peranlagungskommission gebracht, das so lautete: „Zur Prüfung, ob Ihnen die unterm 22. September 1914 bewilligte Steuerstundung weiter gewährt werden kann, wollen Sie Ihre seit 1. August 1914 im Gebrauch befindliche Jnvalidi- täts- oder Angestellten-Bersicherungskarte auf kurze Zeit einsenden. Sollten Sie inzwischen Beschäftigung und Einkommen erlangt haben, so wollen Sie ferner eine Bescheinigung Ihres Arbeit- gebers einreichen, aus der hervorgeht, seit wann und mit welchem Einkommen Sie von da ab bis 31. März 1916 bei ihm beschäftigt sind. Falls diese Nachweise bis 10. April 1916 nicht eingehen. wüßte über Ihren Antrag auf Steuererlaß nach Lage der Akten entschieden und die gestundete Steuer eingezogen werden." Der Steuerzahler, der sich längst nicht mehr als Steuer- schuldner fühlt, weiß wirklich nicht, was er mit der jetzt ihm freund- lichst in Aussicht gestellten„Weitergeivährung" der ihm im Sep- tember vorigen Jahres bewilligten, aber so rasch wieder zurück- gezogenen Stundung noch anfangen sollte. Er ist begierig, zu er- fahren, wie denn in dieser sonderbaren Angelegenheit„die Akten liegen" mögen. Dein Versuch der jetzt noch angedrohten Ein- ziehung seiner längst bezahlten Steuern sieht er mit Spannung entgegen. Er wird den Spuk des Steuerexckutors durch Vor- Weisung der Steuerquittung vom 15. Oktober vorigen Jahres bannen._ Städtischer Verkauf von Taucrflcischwaren. Der Magistrat von Berlin beabsichtigt, vom Donnerstag, den 8. April, ab mit dem Verkauf seiner seit längerer Zeit aufgestapelten Flcischwaren zu beginnen. Es werden in den städtischen Markthallen Schinken, fetter und magerer Speck, auch Schinkenspcck sowie Schmalz feilgehalten werden. Die Schinken werden in ganzen und halben Stücken, der Speck in Mengen von 1' bis 6 Pfund, das chmalz nur im Gewicht von 1 Pfund zum Verkauf gelangen. Zum Kaufe berechtigt sind nur Berliner Eimvohner, welche sich durch Bc- rechtigungskartcn ausweisen können. Diese Karten werden von Mittwoch, den 7. April, ab von den städtischen Brotkommissioncn unentgeltlich ausgegeben und haben fortlaufende Gültigkeit. Wer in den Besitz einer Berechtigungskarte zu gelangen wünscht, hat sich an das Bureau der für seine Wohnung zuständigen Brotkommission zu wenden und hierbei eine Legitimation für seine Person(Steuer- zettcl, Jnvalidcnkarte, Kriegsteilnehmer- oder Arbeitsloscn-Unter- stützungsbogen oder dergleichen amtliche Ausweise) vorzulegen. Für jede Familie wird nur eine Berechtigungskarte ausgestellt. Das Nähere wird demnächst durch Anschläge an den Säulen bekannt- gemacht werden. Das Ermclcr-Haus. In aller Stille hat dieser Tage diese Angelegenheit, die das Interesse aller Freunde Berlins und seiner Vergangenheit beschäftigt hat, einen für alle erfreulichen Abschluß gefunden. Nachdem am Anfang des vergangenen Jahres die Gemeinde- behörden der Stadt Berlin den Ankauf des Ermelerschen Hauses Breite Straße 11 beschlossen hatten, wurde es jüngst aufgelassen. Bekanntlich ist das Gebäude von hohem kultur- geschichtlichen Wert, insofern sich in ihm eine vorbildliche Ein- richtung eines Berliner Patrizierhauses aus der Zeit der Blüte des Rokoko erhalten hat. Die Stadtverwaltung wird es sich angelegen sein lassen, dieses Denkmal bürgerlicher Kunst pietätvoll zu schützen und dem Publikum zugänglich zu machen._ Backverbot für den Ostermontag. Der Polizeipräsident von Berlin hat im Landespolizeibezirk Berlin das Backen am Ostermontag verboten. Mit dieser Bestim- mung ist die frühere Polizeiverordnung, die allgemein das Backen an den zweiten Festtagen untersagte, aber durch eine Verordnung im Januar d. I. infolge der Kriegsverhältnisse zeitweilig unter- brachen wurde, wieder in Kraft gesetzt worden. Es wird also auch am zweiten Pfingsttag nicht gebacken werden dürfen. Mit der Ver- ordnung wird der Zweck verfolgt, den Bäckergesellen einen Ruhe- t a g zu verschaffen. � Unter die VeroÄnung fallen nicht nur die Bäckereien, sondern auch die Konditoreien, die Backware herstellen. Am Ostersonntag ist das Backen von 7 bis 12 Uhr vormitags gc- stattet. Der Bau der Grostmarkthalle. Das Preisgericht über den Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für die Großmarkthalle an der Beusselstraße hat unter dem Vorsitz des Geh. Baurats Dr. Ludwig Hoffmann einstimmig beschlossen, den ersten Preis von 10 000 Mark nicht zu verteilen und den Entwürfen des Architketcn Her- mann Jansen sowie den Entwürfen der Bauräte Reimer und Körte je einen Preis von 6 0 0 0 M a r k zu erteilen. An dem Wettbewerb haben sich fünf Architekten im beschränkten Wett- bcwerb beteiligt. Sämtliche Entwürfe gehen gegen ein Hono- rar von 12 000 M. in den Besitz der Stadt über. Ob einer der Entwürfe zur Ausführung gelangt, erscheint noch fraglich. Man wird sie voraussichtlich miteinander verschmelzen. Steuerstrcit der Dampfschisiahrtsgcsellschaft„Stern" gegen die Stadt Berlin. Durch einen Rechtsstreit gegen den Berliner Magistrat erstrebte die Stern-Gescllschast eine Herabsetzung der Gc- meindceinkommensteucr für 1012 von 270 Mark auf 140 Mark. Es handelte sich im wesentlichen um die Frage, in welchem Maße die von dem Betrieb der Gesellschaft berührten Ge- meinden, beziehungsweise welche Gemeinden bei der Besteuc- rung des Einkommens der Gesellschaft in Frage konimen. Danach richtet sich die Höhe des auf Berlin entfallenden Teils. Die Stadt rechnete mit vier Betriebsstätten; außer der in Berlin nahm die Stadt nur Betriebsstätten in den Ge- meinden m i t W e r f t a n l a g e n der Gesellschaft an, nämlich in Stralau, Potsdam und Heiligensee. Ferner ging Berlin davon aus, daß die Hälfte der Mannschaftslöhne für die ge- nannten drei Gemeinden steuerlich ausscheiden müsse, weil sie unterwegs während der Fahrten der Schiffe verdient seien und darum nicht im lokalisierten Betriebe. Die klagende Gesellschaft verlangte unter anderem, daß mit 37 Betriebsstätten gerechnet werde, nämlich init allen Ge- meinden, wo die Gesellschaft dauernd Anlegestellen habe. Auf diese müßten auch alle Mannschaftslöhne verteilt werden. Der Bezirksausschuß erkannte nach dem Antrage der Ge- sellschaft dahin, daß die auf Berlin entfallende Einkommen- steuer der Gesellschaft für 1012 auf 140 M. festzusetzen sei. Be-> gründend wurde ausgeführt: Es könne nicht zweifelhaft sein, daß in den von der Gesellschaft genannten 37 Genieinden Betriebsstätten der Gesellschaft seien. Auch schließe sich in der Regel der Gcmeindebezirk der einen Betriebsstätte nnmittel- bar an den anderen, und die Flußstreckcn, die außerhalb des Bezirks jener 37 Gemeinden lägen und mit befahren ivürdcn, seien so unbedeutend, daß sie außer Betracht bleiben könnten. Die gezahlten Löhne würden also fast ausnahmslos innerhalb der 37 Betriebsstätten verdient, so daß außerhalb bestiinmter Gemeinden verdiente Löhne überhaupt nicht in Betracht kämen. Danach sei aber das Verlange», daß die in den samt- lichen 37 Gemeinden gezahlten Gehälter, Löhne und Tan- tiemen bei der Verteilung des versteuerbaren Einkommens berücksichtigt würden, begründet. Somit habe nach dem Klage- antrage erkannt werden müssen. Der Berliner Magistrat legte Revision ein und machte seinen oben erwähnten Standpunkt geltend. Das Ober Verwaltungsgericht verwarf die Rc- Vision des Magistrats mit der kurzen Begründung, daß die Entscheidung des Bezirksausschusses in der Hauptsache richtig sei._ Verbrüht. Das Opfer eines bedauerlichen Unglücksfalles ist die dreijährige Tochter Elli des in der Meystr. 47 in Wcißensee wohnenden Arbeiters Kramp geworden. Die Kleine rannle, während die Mutter sich auf einen Augenblick aus der Küche entfernt hatte, gegen einen auf dem Fußboden stehenden Kessel mit kochendem Wässer, fiel dabei und wurde von der siedenden Flüssigkeit am ganzen Körper verbrüht. Im Auguste-Viltoria-Krankeuhausc ist daS Mädchen am Karfreitag unter großen Schmerzen gestorben. Ein gefährlicher Kinderfreund ist am Freitagnachmittag in Neu- kölln wieder aufgetreten. Gegen 4 Uhr nachiniltags lockte er in dem Hause Eniser Str. 69 ein Mädchen von ungefähr 7 Jahren nach dem Boden und verging sich dort an ihm.'Der Unhold wird beschrieben als ein etwa 1,76 Meter großer schlanker, blasser junger Mann von etwa 21 Jahren. Er trug einen schwarzen Uebcrzieher und Schnürschuh. Geisteskrank. Der 32jährige Kaufmann Paul Schulz, der vor zirka einem halben Jahr nach Entwendung eines Sparkassenbuches von 8000 M. auf seine Großeltern und Tante schoß und dabei die Großmutter und die Tauic lötete, ist jetzt als unheilbar geisteskrank der Jrrcnanstalr Herzberge zugeführt worden. Die Post zu Ostern. Am Osterfonntag bestellt die Post aus- nahmsweise zweimal Briefe sowie je einmal Geld und Pakete am Vormittag, am Montag nur einmal Briefe. Kleine Nachrichten. Erschossen aufgefunden wurde gestern morgen auf der Rosenthaler Feldmark ein unbekannter Mann von etwa 36 Jahren. Der Tote hatte eine lederne Aktentasche und zwei Browningpistolen bei sich. Der Uubekanute ist etiva 1,72—1,74 Meter groß, hat ein volles Gesicht mit vielen Sommersprosseil, dunkel- blondes Haar und einen rötlichen Schnurrbarl. Er trug eineil grün« lichen Umhang, brauilschwarzkarieries Jackcll und Weste, eine schwarzweißrötlich gestreiste Hose und einen braunen weichen Filzhut. Sein Taschenluch ist W. AV. gezeichnet. Die Leiche wurde vorläufig nach dem Spritzenbaus in Rosenthal gebracht.— An der Ecke der Schildhorn- und Schloßstraße in Steglitz fuhr am Kar- treitag der Radfahrer Heinrich Grolhe kurz vor einem heraunahendeir Straßenbahnwagen der Linie 11 auf das Gleis und wurde um- gefahren. Er erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und fand im Krankenbaufe in Lichtcrfclde Aufnahme.— Ein zweiler Unfall ereignete sich Hinter der katholischen Kirche. Dort wollte Herr Willi Fabcr auf einem Zweirade kurz vor einem in der Richtung uqch Schöneberg sahreuhen Htroße.nhahnwagen der Willis das Gleis kreuzen. Er wurde jedoch von dem Bahnluagen ersaht und mn gestoben und trug einen GchlüMhcinbruch davon. Der Pernnglückte erhielt auf der nächsten UnfaKstatio» die erste ärztliche HM und wurde dann nach seiner iVohnung gehracht, Der Zahnkünstler Rolsf auö der Blücherstr. S hat sich ans seinein Lveratignssluhle sitzend mit tteuchtgaa vergistet. Seit längerer Zeit kränkelle Wal � und sein Leiden verschkimmerte sich so, dab die Praxis nachließ, So geriet der jetzt t>7 Jahre plte Wauu in Schulden und Nahrung?- sorgen. Erst Witte vorigen Monats aus dein UrankenhauS am Urban entlassen, erlitt er vor einigen Tagen einen Schlagansqll, Jetzt bc schloß er, seine»! Leben ein Ende zn machen, öffnete eine» Gas bahn und nahm den Schlauch' in den Wund. Als seine Äusivqrterin ihn auffand, war er schon tot, Pei der Arbeit vom Tode überrascht- wurde der bä Jahre alt« Hausdiener stzruna Hillcher. der in einer Gaslwirtschgft ani»»nr fürstendamm beschäsllgt war m>d dort auch wohnte. Ex brach Plötz' tich zusammen und verschied ans der stelle. � Aus der Spree ges landet wurde am Schleuieuufer die Leiche einer nnhekannleu Frau, die nur kurze Zeit in, Wasser gelegen Halle. Die Tote ist enva Sv— SS Jahre alt u»d j.vtt Meter groß, Sie hat e>i» längliches Gesicht, hetlbkondes Haar und lückenhafte Zähne und trug eine schwarzkarierte Bluse, darüber ein» schwarze wollene Bluse und einen schwarzen Kleiderrock. Gesangliche Veranstaltung. Am ersten Oterseiertag veranstaltet der„Männerchor Norden"(SB. d, D. unter Leilung seines Ehormeisters Paul Kurz iu, große» Saals der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee LDch'Wv, ein Konzert zum Besten seines Haler- stützungsfonds der im Felde stehenden und arveitslosen Mitglieder, Anfang pünktlich uni 6 Uhr. Billetts im Borverlauf 40 Pf, Die Liedertafel„Beplin-Weft� veranstaltet heute abeud 7� Ith! ein Volkskonzert in her Bikloria-Bkauerei, Lützowstraße Eiutrittsiarten iu, Porverlauf 30 Pf,, an der Kalse iQ Ps. /kus öen Gemeinden. Ter Etat von Britz. In der letzten Gemeindevektk»t»rsitzung stand der Etat für ISsä zur Beratung. Die sozialdemokratische Fraktion gab die Erklärung ab. dab sie mit Rücksicht auf die durch den Krieg geschaffene Situation, die es nicht ermöglicht, die Ein- und Ausgaben für das Jabr ISIS zu übersehen. da»,it einverstanden sei, von»lner Neu- ausstellung des Etats Abstand zu nehmen, und der Etat des Bor- jahres dem diesjährigen zugrunde gelegt werde, Ebemolls stimme die Sozialdemokratie der Erhöhung der Geineind-cinkominensteuer auf 140 Proz. zn, in der Erwartung, daß nach Friedensschluß die Gesetzgebung Mittel und Wege sinde. die Kriegsausgaben durch Be- stencrmig des Besitzes aufzubringen. Di« sozialdemokratischen Ge ineindebertrcter erwarten nuninehr. daß die sozialdemokratische Fraktion eine ihrer Stärke entsprechende, bisher verweigerte Ber- tretung in dem Geineindevorstand sowie der Schul- und sonstigen Kommisstonen bekomme. Bon den Bertrelern der Arbeiter« schast wurde noch gefordert, die gezahlte» Unterslützungs« sotze der Armenverwaltung iusolg« der Teuerung zu er- höhen. Die Gemeiiideeinkonvnensteuer>vurde einstimmig auf 140 Proz. festgesetzt. Sodann wurde» noch hie Mittel bewilligt für Heu bereits erfolgte» Einkauf von 450 Schweinen sowie der Fleilch- konserve» und anderer RohrungSinittel. Die Gemeinde gibt jetzt bc- reiis Kartoffeln zun, Preise von 6.40 M. pro Zentner auf dem städtischen Lagerplatz in der Hannemannstraße ab, Ferner wurde noch bekannt gegeben, daß die Geinesnde 40 Zentner Riereickartoffeln zur Saat gekauft habe, die Milte April zum Selbstkostenpreis ab- gegeben werden." Den Geineindearbeiteri, und de» Angestelltsn mit niedrigen Gehältern wurde«in» Teuerungszulage bewilligt. Der Einfuhrung der Krankenversicherung für das HauSgewerbe zum 1. April stimmt« die Gsmemdevertretersitzung zu. ISS Proz. Gemeiudesteuer in Kaulsdorf. Bei der Etatsberolung beschloß die Gemeindevertretung, eine Erhöhung des SieuerzuschlageS vorzunehmen. Der Gemeinde- vorstand glaubte zwar, auck in diesem Jahre nochmals mit dem alten Satze auSlommen zu können, jedoch konnte sich hie Vertretung den von der Finanzrevisioiiskommisston vorgebrachten Gründen nicht verschließen und beschloß einstunmig, den Steuerzuschlag von 120 Proz. auf IllS Proz. zu erhöhen. Der Etat halaneteri in Ein- nähme und Ausgabe mit 164 562,26 M. Soziales. Gebaltoturziing während der Ärugszeit. Atlr Frage der Kürzung des Gehalts ivabrend der Kriegs- zeit fällte am Mittwoch das Geweroegericht Frankfurt a. M. Hilter- Vorsitz des Syndikus Dr. Hiller eine grundsätzlich wichtige Entscheidung. Viele Unternehmer haben zu Beginn des Krieges ihrem Personal zugemutet, sich Gehaltskürzuu- gen gefallen zu lassen? in den meisten FÄleit haben die Ange» stellten unter dein Druck der Verhältnisse auch eingewilligt. Sic sowohl wie die Unternehmer haben aber sicher nicht daran gedacht, daß eine derartige Vereinbarung auch eine recht- liche Voraussetzung hat. nämlich die, daß der Arbeitgeber die Arbeiter und Angestellten während der ganzen Dauer des Krieges beschäftigen muß. die sich Gehaltskürzungen gefallen ließe». Wird durch die Schuld des Unteruehmers aber dos Arbeitsverhältnis porzeitig, also in diesem Aalle vpr Beendi- guug des Krieges getost, dann hat der Angestellte Anspruch aus volle Gebaltszahluug auch für die Zeit, die zurückliegt. In der Klage einer Geschäftsleiteriu gegen die Damen- konsektiuns-Firina Ernst u. Co. hat das Gericht dies ausdrücklich anerkannt. Der Klägern, war mit ihrer Einwilligung voni 1. August ab das Gehalt von 160 auf 60 M. herabgesetzt worden; für die Dauer des Krieges.hieß es in der Vereinbarung. Im Oktober wurde der Klägerin nicht, wie die Beklagte behauptet, für jeden tadellos gearbeiteten Rock, sondern für jedes fertiggemachte Stück oUio besondere Vergütung von einer Mark versprochen, auch bis Mitte März bezahlt. Dann wurde diese besondere Vergütung trotz Anforderung verweigert. Aus dieser nicht rechtzeitigen Zah- luiig des verdienten Lohnes zog die Klägerin ihrerseits die Ae- rcchtiguilg, die Arbeit cinzusteuen und Zahlung des vollen Gehalts Uom 1. August bis 1. Mai zu verlangen. Das Gericht hielt de» Äiifpruch in vollem Umfange für berechtigt. Die zn Beginn des Krieges getroffene Vereinbarung, fo heißt es im Urteil, fei ohne Zweifel dahin aufzufassen, daß der Prinzipal während des Krieges besondere Vergütung.„- anlaßt, das Verhältnis zn lösen. Ihr Anspruch beschränke sich nicht, wie die Firma behaupte, aus Vevtragserfüllniig. sondern nach§ 625 des B.G.B, auch auf Schadensersatz, weil der Vertrag vom Prinzipal nicht so erfüllt wurde, ivie vereinbart worden ist. Die Firma wurde verurteilt, der Klägerin die zweite»älfte von 80 M. pro Monat für die Zsit vom 1. Auguck bis 1. April im Betrage von 040 M. sofort und lv0 M..im 60. April zu zahlen. Ferner wurde der Klägeriii die besondere Bezahlung noch von einer Mark für daS scrliggcstellta Stück zugew rochen. Dos Urteil und seine Begrünbung deckeu sich vollkommen mit den von uns wiederholt gemachten Ausführungen. Es wäre zn wünschen, daß dies Urteil dazu beiträgt, die an der- fchiedenen Orten, auch in Berlin, in letzter Zeit gemachten Ärankenhauspflege und Ärankenkafsen. Die Krsnkenkssseii haben das Recht, ihre» cckraukie» Mit, gliedern iju Stelle von Arzt, Arznei und Krau&itgiüi) Kranken- hauspslege zu götväbreu. Nun sind di« nstt Krankel, hauspfleg« verbundenen Kran.khejjsfäIs gewöhnlich teurer als solche, bei denen keine KrankeichguSPfkege nötig ist. In, fiskalischen Interesse der Kasse wird es vpr Min, liegen, in den niedrigen Beitxagsklassen möglichst Ivenig Krankenhauspslege zu gewähre»,- Eine deraetige Praxis kann zn fchtperer Benschteiltgung vieler' Kranken führen. Wenn auch der Gesetzgeber hisher den Krankenkassen keine Pflicht zur Gewährung von Krankeiihsuspflegs auferlegt, sondern nur ein Recht dazu eingeräumt hatte, so war damit doch nickst gesagt, daß-die Kassen' es in der Hand hatie»,«ach Belieben Kränken- hanspsiege zn gewähre» oder zu versagen, Sie sollieu vielmehr nach„pslichtinäßigeu, Ermesskl!� Krankuhauspsiege eintreten lassen, wo dieselbe nach Art und Schwere der Krankheit notwendig War. Das war schon bisheriges Recht. In der BegBndNNg zn« Reichsversicherungsoxdiiung wurde vo» der Regierung heryorge- Hobe», daß die Krankenkassen bisher auch im allgemeinen von dieser Befugnis einen zweckentsprechende» GOrauch gemacht hätte». Bei der Komniisnoiisveratung der Reichsverficherung wurde jedoch von Koininisstonsmitgliedsrn darüber geklagt, daß di« Kraiike»k-,ffen»oft ohne jeden Grund Krankenhauspflege ablehnen". Das führt« dazn, in die Reichsverficherungsprdnung folgende neu« Bestimmung güfzunehmen; «Wenn die Art der Krankheit eine Behandlung oder Pflege verlangt, die in der Familie des Gekränkten nicht möglich ist, aber die Krankheit ansteckend ist oder der Zustand oder das Per- halte» des Kranken seine fortgesetzte Beovachtung erfordert, soll die Kaffe möglichst Krankenhauspfleg« gewähren." Der Zweck dieser Bestimmung sollte sein...der Beschwerde wstanz dl« Möglichkeit zu geben, nach eigener Prüfung der Per. Hältnisse eine von der ablehnenden Entschließung des Kaffenvor- standes abiveichendc Entscheidung z» treffen". Nach einer Enttchei- dung des ReichspersicherungsamtS haben die Versicherten jedoch trotzdem auch jetzt kein klagbares Recht auf Koankenhauspslege. Sie können sich aber beschwerdeführend on di« Aufsichtsbehörde, iPerjicherungöamt) wenden. Letztere kann da«« kraft threr Auf, fichtsbefugnis di« Krankenkafse durch Andrahung und Festsepu«g von Ordnuiigsstrafen zur Gewährung von Krankenhauspfleg« an. halte». Das ist die herrschende Meinung in der Literatur und in diesem Sinne hat auch das Qberverficherungsamt Gioh-Bcrlin ent schiede», Die RoichsversicherunsSordnuilg hat in dieser Frage also in» sosern«in« wichtige r'lendecung gebracht, als die endgültige Ent- scheidung über Gewährung von Krankeuhauspflege von dem Kassen- vorstcisti aus das PersicherungKamt übergegangen ist. Gerichtszeitung. Nachwirkung v»n Geschützdonncr und dcr Altohvl. Der Landtvehrulallii Motusek vou dr» iKier» ui Halle 'satte in Nutzlaiid acht schwere Gefechte iilitgemacht. Er kam verwundet»ach.Halle zurück, und der Arzt versprach ihm noch echs Wochen Schonuntisurlaub. Als er am zweiten Tage eine» Aufenthaitos in Galle auf die Wachtstube kam und sich Vom Feldwebel den Urlaubsscheiit holen wollte, verweigerte ihm dieser deuselbeu und sagte, er müsse erst zuiu Hauptmann ilöheit. M. geriet hierüber.'in Wut uud beleidigte den Feld- ivebel und eutlge Unteroffiziere schwer, daim ging er zurück iu die Stadt, trank sich emen tüchtigen tffausch an. mit dem er abends über Zapfenstreich in die Kaserne zurückkehrte. Als ihn der wachthabende Unteroffizier in die Liste eintragen wollte, ging er mit geballten Fäusten auf ihn zu Ulld wollte mit Gewalt die Eintragung verhindern. Arn uachsteu Tage beleidigte er den Hauptmann vor versammelter Mannschaft. Auf der Wachtstube beleidigte er wiederum seine Borgesetzten, so daß er in Haft geführt lverden mußte. In der Haftzelle zertrümmerte er voll Wut den dort befindlichen Gaskocher tild eche Kaffeekanne: dein eintretenden wachthabenden Unteroffizier schleuderte er dann unter Drohungen sein Messer entgegen. Infolge dieser Borkommniffe holte cr sich wegen Bolei-diaungen. llngchorsom vor ucrsommelter Mmmschost und tätlichen Angriffs auf cuwii Vorgesetzten vor den, Kriegsgericht zu verantworten. Bei der Verband luno ergaben sich Momente, die darauf schließen lasse», Paß der Angeklagte bci Begehung seiner Taten nicht zurech- uungssähig gewesen sein kaun. Der als Zeug« vernommene Hauptmann, der selbst i», Felde gestanden hat. sagt aus, daß er anuchmen müsse, daß durch die furchtbaren seelischen Erre- gunge», die der Geschützdonner erzeuge, und da der Angeklagte zerade so schwere Schlachten mitgemacht habe, in Verbindung mit >em Alkohol eine derartige Nervenzerrüttung eingetreten sei. Das Gericht beschloß, einen zufällig im Zuhörerraum anweseuden Oberarzt als Sachverständigeii zu vernehmen. Dieser gab an, daß er zwar noch nicht selbst im Felde gewesen sei, daß er aber die Leute, die vom Feldzuge zurückkehrten, zu untersuche» Hobe, uud iu Uebereinstnnmung mit im Felde befindlichen Aerzlen, mit denen er gesprochen, festgestellt habe, daß durch die lolossalen Strapazen des Feldzuges und durch die ungshoureu Einwirkungen des Ge- chützdoimers, vielleicht in Verbindung mit Unterernährung, eine vollständige seelische Zerrüttung eint rate. Käme nun noch die Wir- kulig des Alkohols dazu, so wäre es leicht möglich, daß der Ange- klagte bei Begehung der Taten nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Darauf vertagte das Gericht die Verpandlung uud ließ den Ange- klagten in eine Nervenklinik überfuhren, um seineu Zustand zu untersuchen._ Schuldig? Ans Mutterliebe hotte die Buchholterin Else Ducht gehandelt, welche sich jetzt unter der Anklage der Untreue vor deui Strafrichter zu verantworten hatte. Die Angeklagte ist Mutter zweier unehelicher Kinder. Für das jüngste Kind hatte sie von dem Bater als Abfindung die Summe von 1000 M. erhalten, welche in einem auf den Namen des Kindes lautenden Sparkassenbuch niedergelegt wurde. Als die T- vor einiger Zeit ihre Stellung verlor und mit ihren beiden Kindern in Not geriet, hob sie von dem Sparkassenbuch in ihrer Eigenschaft als Vormünderin des Kindes Beträge ab und veu- iveudete das Geld zur Bestreitung des gemeinsamen Lebensuuier- haltest Außerdem kaufte sie sich, da sie in ihrer abgetragenen chlechte» Kleidung keine neue Stellung finden konnte, von dem Gelde ein neues Kleid. Da die Angesagte nach Ansicht der An- klagebehörde verpflichtet war, jenes Geld ausschließlich für das Kind zu verwenden, für ivelches es eingezahlt war, sollte sie sich trasbar gemacht habe«. Die Folge wgr die jetzige Anklage wegen Intreue. Vor Gericht erklärte die Angeklagte, daß es doch unmöglich richtig fein könne, das eine Kind mit dem Gelde zu ernähren, während sie selbst mit ihrem ander«» Kinde verhungern könne. rufuiigsinstanz dürfte stand Entwendung aus Not. Die Strafgesetzduchnovelle von 1312 hat die Strafen für Diebstahl und Nnterschlagilng für den Fall erheblich herab- gesetzt, baß die Tat ans Not erfolgt. Bestrafung erfolgt in solchem Fast nur ans Antrag: die Zurücknabuie des Antrags ist zulässig. Es kann auf Geldstrafe bis 300 M., im Höchstfall auf Gefängnis bis zn Z Monaten, erkaililt lvei-den. Sind NährungS- oder Gemißmittel oder andere Gegenstände des hauswirtschaftlichen Verbrauchs in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert entwendet oder unterschlagen, so de- trägt die Höchststrgfe last M. oder Haft bis zu si Wochen. Diese Strafgesstzbiichnovelle lvird. lvie das Neichsgericht am Mittwoch onerkaii-lte. von elniaeit Gerichten»och immer nicht voll gewürdigt. In dem zur Beurteilung gelegten Fall hau- delte es sich um Entwendung oder Unterschlagung von etwas Futter für ejus lmstgerude Zwge. Per Arbeiter Wilhelm Joost war vom Landgericht Kiel zu 4 Mo, Igten Gefängnis wage« Diebstahls im Rückfall« verurteilt. Der Angeklugt« war im Smiimex p. I. während der Ernte auf dem Gute Bothksmp als Arbeiter beschäftigt, Außer seinem Arbeiterlohn hatte er ei»e Ziege erhalten, für die cr immer freies Futter bekam. Eines Tages uu» sting er hinaus auf das Feld. um für das Tier Futter zu holen. Da er aber draußen nur halb verfaultes fand, nahm er von de» Futtervorraten, die für sein« Dienstherrschaft bestimmt waren, eigenmächtig 10 Garben Hafer. Deshalb erfolgt« di« Verurteilung. Gegen das Urteil halte der Augeklsste Revision eingelegt, in der er rügie, es sei zu unrecht unberlickstchtiat geblieben, daß er aus Not gehandelt hat, denn er habe seine Ziege nicht hungern lassen köuuen. Zudem hätte de- rucksichtigt werden müssen, daß das Futter zum alsbaldigen Ber- brauch bestimmt gewesen sei, Das Reichsgericht hob da» Urteil auf und verwies die Sacki« an das Landgericht zurück. Es fei zu prüfen, oh d!« Vermutungen der StrafgesetzbuckmoveUe varliegeu und ob der Allgeklagte mit dem Bewußtsei» der Rechtswidrigteit gebändelt habe. Zwei Getreidchändler verurteilt. Die Strafkammer zu Frankfurt a. M. verurteilt« die Gr« tretdehändlsr Hanauer und Katzenstein loegen Ueberschrci- tuug der Höchstpreise zu 1000 und zu 1500 M. Geldstrafe. Jus aller Welt. Kameradschaftliche Treue. Der gegenwärtig« Krieg ist r-ich an Beispielen lameradschoft- licher Aufopferung unter miieren Leuten. Die in dem uochstebendcn Bericht geschilderte Tat deS aus Rappelwindeck, Amt Bühl in Baden. gebürtigen Reservisten Josef Friedmann vom Ellässtschen Jnsanterie- regiinent Rr. 113 liefert hierfür einen neuen Beweis. Am Nachmittag des 80. November wurde er ausgeschickt, um Holz zu Unterständen zu holen. Kurz vorher war einer seiner Kameraden im offenen Vorgelände verwundet worden und versuchte sich, um Deckung zu gewinnen, da wo er lag, im Boden einzugraben. Fried- mann, ersiillr von kameradschostlicheii Gefühlen, ließ sich nicht ab- halte«, seinem Kameraden zu belfen. Er nahm einen lleinen Spaten, lief über das offene Gelände hinweg, dem Kameraden zu und warf ihm den Spaten entgegen. Da jedoch unglücklicherweise der Spaten zu weit von dem Verwundeten gefallen war und letzterer bei jeder lleinen Bewegung heftiges Maschinengewehr- und Gewehrfeuer erhielt, so versuchte Friedmann nochmals ihm zu Hilfe zu eilen. Ntchtachtend des tnzwischen aufgenommenen mörderischen Maschinen- gewehr- und GcwehrfeuerS des FeindeS kroch Wiedmann bis on die etwa 20 Meter entfernte Liegestelle des Verwundeten heran. schanzte ihn ein und deckte ihn drer Stunden lang durch seine eigene Person, bis der Einbruch der Dunkelheit ihm gestatteic, den Verwundeten mit Hilfe von drei Mann zurückzubringen. Parteiveranstaltungen. Sechster-bvohlkreiö. Die PeUammlunaen der jugendlichen Riigticdcr sinden gm Mittwoch, den 1. April, abends 8 Uhr, in nachstehenden totalen statt: Strack. Schönhauser Allee 13-iu; Kersin, Pantstr. 60; Nietzschmami, Gcrichtsw. 71; Schröder, Swomstr. 80, stiesereiUcn sind die Genossen E, Eichhorn, B. Pieck, E. Döring und E. Reumami. Der Vorstand. Friedrichshagen. Am 2. Osterseiertaz veianstaUct der Wahlverciu in Lerches geftläleli. Jriedrichsli-, HL, einen Unterhaltuiigsabend, bestehend in Konzert und LlchloUd-rvortrilgeii. Ansang abend» 7 llhr. Eintritt 00 Ps. Die Frauen dcr KriegSteilnehvier l)ab«n freien Zulriit. Sriefkasten üer Redaktion. Die luristlssi« Sprechstunde findet für Abonnenten LIndenftr. z, Ii'. Hof rechlS, parterre, am ststontag bis Lceitag von 4 dtZ 7 U»r, am Sonnabend von S bis 6 IIb» statt. Jeder für den Brtefiasten bestimmten Allfrag« ist«in vuckstabe uud ein» Lahi als Werks, ich«» beizustigen. Briefliche AnUnort lvtrd nicht eraeilt. Anfrage,,, denen lein« AbomiementSouitilliig beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde por. Bertröge, Schrlftfiücke und dergleichen dringe man in die Sprechstunde mit. C. S. LS. Photvgrabhjsche Abteilung des vrLeiier--iLailderbuiidc5 � Die Naturfreunde", Große Hamburger Str. IL/lO. Sitzung daselbst jeden DoinierStag 0 Uhr.— Türke» SS. II. Das Stutzen bat mit dem inneren Gehör nichl-s zu tun.— Z, 88 B. 1. und Ja.— F. Z. 189. Daß derartiges von der von Ihnen angegebenen Stelle aus geplant ist. ist nicht zu unserer Kenntnis gelaugt.— A. L k». 1. Am 17. Olwber 1Sl3. ll. Ja.— K. I. Berlin, Friedrichstr. 31.— Pankow OO. 1. und 2, Nein. — W. H. 4S. Wegen Herzerlianluilg und chronischer Leiden der Hilter» leidSorgaue landfturmbflichtrg,— Zlbonneut IS. DaS kouilut aus den Mietsvertrag an, den wir nicht kennen, außerdem aber darauf, ob die von Jhueu mitgeteilte mündliche Abmachung unter Zeugen getroffen worden des Ilrieili ab, Ein Verzeichnis der Rechtsanwälte können Sie bei uns ia dcr Sprechstunde belommcn, 2. Das Blld lönnen Sie zurückverlangen. müste ii aber das Porio dafür trogen.— C. Z. 70. Die Frage läßt sich hier nicht bcauiworten, Sie müssen mit Ihren sämtlichen Jnvalldrnlarten zu unS in die Sprechstunde kommen.— Hypothek. Die Hypothek kann gekündigt werden, Sie lönnen aber mit dem Hypothekengläubiger vor dem Mi elSeiliigringSawt einen Vergleich anstreben.— W. G. 82. Wegen astbmatischer Belchwerden dicnstuntaugiich,— Gustav 1881, I. 82, Korpus 33 und A. Z. 14. Die Zeichen keimen wir nicht, sie bestimmen jedenfalls Dienstverrichtungen, zu denen Sie bestimmt sind. Amtlicher Marktbericht der ftödlifchen Marktballen-Dlrektivii über den Großhandel in den Zentral-Markkhallen. lX'ime Verbindlichkeit,) Somiabeud, den 3. Aprl 1912. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, C eisten- fleisch Ia 85-98. do. Ha 75-86, fco. Ma 68-74; Bullenflcisch la 79-8(5, do. Na 75—78; Kühe, fett 72—79, do, mager 54—64, du. dänische 50—60; Fresser 60—75, Fresser, dänische, 60—70, Bullen, dänische, 60—72; Kalbfleisch, Doppellender 128— 138; Mastkälber la 90— 115, do, IIa 60— 86; Kälber gcr. gen. 50-58; Hammeisleisch: AtasUänuner 100— 108; Hammel la 94—99, do. IIa 89—945 Schafe 95-100. Schweinefieiich: Schweine, teile 00—00, sonstige 95—118, dän, Sauen 75—80, doli, Schweine 88—90.— (Sern üI e.in!äiid!IcheZ: Kartoffeln, Dabcrsche 50 lex 0,00; weiße Kaiserlrolicu 0,00; lilai-num booum 0,00—0,00; Waltmamr 0,00; Porree, Schock 2.60— UM: Sellerie. Schock 5.00—10.00; Spinat 50 kz- 20,00— 25,00; Mohrrüben 7,00— 8,00; Wirsingkohl Schock 9,00— 15,00: Wirsingkohl 50 kg 9,00— 10,00; Weißkohl 3 check 9,00—15,00, Weißkohl 50 kg 10,00-11,00; Rotkohl, Schock 9,00-16.00; Rolioh! 50 kg 10,00 bis 1-2,00; SruNiohi 50 kg 14,00—18,00; Kohlrüben Schock 6,00— 14,00; Teltpwer Rüben 50 kg 16,00—20.00. Marlisch- Rübeu 50 kg 10.00-18,00. Rosenkohl 50 kg 35,00—40,00, Meerrettich Schock 7V0— 14.00; Petersilienwurzel«ochockbund 4.00—6,00; Zwiebeln 50 kg 17.00— 18,00. Rhabarber, Hamburger, 100 Bund 6,00—14,00, Radieschen SckiotfbUnh 3M Waldmeister Mandel IM— iffv. Glucken, Gorgasten, 100 stück !0— 40. Morcheln 50\s 130—150, Avjelsinen: italienische 50 kg Jl, 00— 18,00, dito 20Ö St. 12,00—1-1.00, dilo 300 St. 13,00—16,00, Mureia 200 St. 15,00-18,00, Wo 300 Stück 15.00—19,00, Messiua 160 St. 11,00—14,00, 200 St. 12,00—14,00, 800 St. 10,00—15,00. Messina Blul- 80 St. 8�0—.900, do. 100 St. 8.00-10.00. do, 150 St. 8,00-11.00. Spanische 420 St, 24,00-35.00, do. 714 Ht. 32, 09-40, W» do. 1061 St. 35,00-44,00, do. 420 St. latgc SÖ.W— 40,00.