Ar. UV.- 3S. Jahrg. Htonnemfnts-BedlnauDg«: KJormemtntä• Brei! prSnumerant« t SierieliShrl. S,30 Ml, monaä. UO SW, wicheiuIiS 25 Bfz. frei in! Hau». Sinzelne Bummer 6 Pfg. Eonntag»- mimmn mit inuftrierter Eonntag»- Beilag«.Die Beue Welt' 10 P'a. Post- Abonuement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post< Zeitung»- BrekZliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn £.50 Marl, für da» übrige Ausland « Mark pro Monat. Postabonneinent» nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Pormgal. kumänien, Schweden und die Schwei» Ofchdat»glich. Berliner Volksblnlk. ( 5 Pfennig) Sit TnfertlonS'GebQljr teträgt für die sechsgespaltene Kolonel. »eile oder deren Raum W Pfg.. für polltische und gewerkschaftliche Verein». und Persnmmiungs, Anzeigen SO Psg. jjKIesne Knzeigen", da» fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), fede» weitere Wort 10 P,a Stellengesuche und Schlafstelle, min grtjen das erste Wort 10 Psg.. iede» weitere Worts Psg. Worte über töPnch. ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsten b,» s Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SoiiAläemsIlrzl Berlin". Zctitralorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Neöattion: SV. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S1 30—151 37. Donnerstag, den 22. April 1915. Expedition: SW. H8, tlinöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15133—15137. heftige Kämpfe im Gzlrokatale. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den SR. April ISIS.vie man auch gegen alle Pläne einer Wirtschaft- lichen Isolierung Deutschlands protestieren m u ß. Andererseits ist es für mich auch vollkommen klar, daß allein der Sieg der verbündeten Armeen keineswegs einen sicheren und endgültigen Frieden Europas herbeiführen kann. Eine sichere Grundlage für den Frieden und volle Sicherheit für die lleberwindung des militärischen und Wirt- s chaftlichen Imperialismus, folglich auch für die A b r ü st u n g der Völker, für den allgemeinen Frieden, kann sich nur ergeben aus dem engen wirtschaftlichen Zusammenwirken aller Nationen, das nicht die Herrschaft eines Volkes über das andere, sondern die gemein- schaftliche Arbeit für die wirtschaftliche Entwicklung aller Länder sich als Ziel setzt." die französische preffe über den ßrieöen. Paris, 21. April.(W. T. B.) Die Presse erklärt neuerdings, Deutschland versuche durch seine Agenten überall eine Bewegung zugunsten des Friedens hervorzurufen und seine Feinde mit dem Gedanken an einen Frieden vertraut zu machen. Die Absicht Deutschlands sei, die Tatsache, daß die deutschen Heere beinahe überall in Feindesland stünden, auszunützen, um den Glauben zu er- wecken, es sei siegreich, und sich dadurch einen ehren- vollen Frieden zu sichern. Deutschland selbst jedoch wisse, daß der Sieg auf feiten der Alliierten sei und suche infolgedessen Friedensverhandlungen herbeizu- führen, um seine Lage zu retten, solange noch Zeit sei. Die Presse betont einmütig, daßdieAIIiiertennoch nicht an Friedensschluß dächten. Die Stunde hierzu sei noch nicht gekommen, da Teutschland noch nicht bezwungen sei. „T e m ps" schreibt: Ein verfrühter Friede würde eine neue Gefahr für die ganze Welt bedeuten. Alle Friedens- bestrebungen haben keine Aussicht auf Erfolg und scheitern an dem festen Willen der Alliierten, den Sieg des Rechts und der Freiheit zu erkämpfen. „Journal des Debats" erklärt: Die Alliierten werden niemals einen Frieden schließen, welchen der Feind in seinem Interesse vorschlagen könnte. Wenn die Stunde ge- kommen ist, werden die Alliierten dem Feinde ihren Frieden aufzwingen. Soweit die Wolff-Meldung. Demgegenüber ist zu bemerken: Die französische Presse weiß ganz genau, wie es mit den Aussichten auf eine„Be- zwingung" Teutschlands steht. Mit renommistischen Zeitungsartikeln, das sollte man auch in Frankreich einsehen, lassen sich Siege nicht erringen, die außerhalb desBereichsdermilitärischenMöglichkeiten liegen. Eine bloße Verschleppung des Krieges, die doch in erster Linie Frankreich neue fürchterliche Opfer auferlegen würde, ist ebensowenig eine Entscheidung. Außerdem weiß man auch in Frankreich sebr gut, daß es auf die Ansichten französi- scher Chauvinisten nicht allein ankommt, wenn es sich um den Friedensschluß handelt! „Dciilp News" über Italiens Haltung. London, 2t. April.(W. T. B.).Daily News" schreibt: Kluge Beobachler werden bemerken, daß die Nachricht über einen bevor- stehenden diplomatischen Bruch zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn nicht aus Rom, sondern aus Paris kam, und Paris war viele Monate lang keine zuver- lässige Nachrichtenquelle. Das Blatt wiederholt die früher von ihm entwickelte These, daß Italien nicht von dem Siege der Alliierten überzeugt sei. Italien würde vielleicht daran glauben, wenn die Alliierten bessere Erfolge in den Dardanellen und auf dem Balkan hätten. Das Blatt schließt: Die Strategie der Alliierten versagte in beiden Fällen aus dem- selben Grunde: sie hing von der Diplomatie der Alliierten ab, und diese erwies sich als ein zerbrochenes Rohr. Die Diplomatie der Alliierten wollle nicht das Hauptproblem des Balkans entschlossen in Angriff nehmen. Italien andererseits ist nicht sicher, daß die Alliierten seine Ansprüche erfüllen werden. Die Diplomatie gewährt den Schiffen und Armeen der Allierten nicht die Hilfe, die sie er- warten könnten. öilöung eines freiwilligen Motor- geschwaüers in Italien. Zürich, 21. April.(30. T. B.) Nach der„Neuen Zürcher Zeitung" bereitet das italienische Marineministerium ein freiwilliges Motorgeschwader vor. Die An- Meldungen sollen bis 20. Mai erfolgen und zu mindestens sechs Monaten Dien st verpflichten. Prinz Georg von GriechenlanÜ in Paris. Paris, 21. April.(W. T. B.) Der„Temps" meldet: Prinz Georg von Griechenland, der Bruder des Königs, ist in Paris eingetroffen und am Bahnhof von dem griechischen Gesandten empfangen worden. venizelos in Mexonörien. Lyon, 21. April.(W. T. B.)„Progrös" meldet aus Kairo: Venizelos i st in Alexandrien einge- troffen und begeistert empfangen worden. Große Sympathiekundgebungen haben stattgefunden. Der englische Deegarbeiter-Streik. Äopeuhagen, 20. April.(W. T. B.)„Nationaltidende" meldet aus London: Die englischen Bergleute Habels heute den Streik beschlossen für den Fall, daß ihre Forderung auf eine Vergütung von 20 Prozent nicht erfüllt wird. Diese Nachricht hat wie eine Bombe unter den Bergwerksbesitzern eingeschlagen, die erklärten, ein Streik sei unmöglich, da die britische Flotte ohne Walcskohlc nicht aktionssähig sei. Die Bergarbeiter machen gellend, daß dl« Bergherren kolossal verdienten, so daß die angebotene Ver- gütung von 10 Prozent viel zu gering sei. Ein hervor- ragender Arbeiterführer hat ausgesprochen, daß die Flotte die Bergleute nicht entbehren könne; seit Kriegsbeginn habe die Admiralität 13 Millionen Tonnen, binnen eines Jahres tiefer- bar, bestellt, anstatt 1'/, Millioucu in gewöhnlichen Zeiten. Der Arbeiterführer drohte mit ernsten Verwicklungen, falls die Eigentümer sich nicht beugten. Englische Lohnerfolge. London, 19. April. fW. T. B.) Der„Labour Gazette" zufolge sind die Arbeitslöhne im März beträchtlich i n die Höhe gegangen, besonders in der Maschinen- und Schiffsbauindustrie. In diesen Betrieben hatten 416 267� Arbeiter von der Lohnerhöhung einen Nutzen von 48297 Pfund Sterling. Im ganzen stiegen die Löhne um 72 713 Pfund Sterling in der Woche. Im ersten Quartale des laufenden Jahres belief sich die L o h n st e i g e r u n g auf 108 809 Pfund Sterling für die Woche. Daran waren 742 003 Arbeiter be- teiligt. Auch die Löhne der Landarbeiter sind seit Beginn des JahreS allgemein gestiegen. Präsident Wilson über das Wesen üer amerikanischen Neutralität. New Jork, 21. April.(W. T. B.) Meldung dcS Renterschen Bureaus. Präsident Wilson sagte in einer Rede bei einem Mahle der Associated Preß, die Neutralität der Vereinigten Staaten sei nicht dem kleinlichen Wunsche zuzuschreiben, Schwierigleiten auszu- loeichen. Die Vereinigten Staaten erlangen dadurch i vielmehr den Ruf. eine Nation mit Selbstbeherrschung zu sein. Eine solche Nation müsse bei der Regelung der Welt nach dem Kriege eine wichtige Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten wünschten leinen Fuß fremden Territoriums, sie feien deshalb frei, anderen Nationen zu dienen. Alle Amerikaner sollten als Motto haben: �.rasrioa firet. Die Freundschaftsprobe bestehe nicht in der Sympathie mit der einen oder anderen kriegführenden Partei, sondern in der Vor- bereituog der Hilfe für beide, wenn der Krieg vorüber sei. Nöckbeorüerung üer japanischen Schiffe aus üen amerikanischen Gewäffern. London, 21. April.(W. T. B.) Das Reuterfche Bureau meldet aus Washington: Der Kommandant des Kreuzers„New Orleans" berichtet, daß er nichts von der angeblichen Tätigkeit der Japaner in der Turtlebai gefunden habe, außer daß sie das Wrack des Kriegsschiffes.Asama" zu bergen suchten. London, 21. April.(W. T. B.) Das Reuterfche Bureau erfährt aus Washington: Der japanische Botschafter kündigte an, daß alle japanischen Kriegsschiffe in der Nähe der amerikanischen Küste den Befehl erhielten, sich nach den Heimatstationen zu begeben mit Ausnahme derjenigen, die mit der Bergung der.Asama" zu tun haben. Englanö unö Japan. London, 20. April.(W. T. B.)„ M o r n i n g P o st" meldet aus Tientsin: Die hiesige britische Kolonie kann nicht glauben, daß die britische Regierung dem zustimmen wird, daß Japan den britischen Konzessionären ihre Konzessionen entreißt. Die Fortsetzung der Verhandlungen unter der Voraussetzung, daß Japan die jetzigen Zugeständ- nisse Chinas später mit England ins Reine bringen könnte, wäre nach hiesiger Auffassung für das Ansehen Englands ver- hängnisvoll und würde die jahrelange Arbeit der briti- scheu Gesandschaft und der britischen Finanzleute vernichten, außerdem bei den Chinesen den Eindruck erwecken, daß Eng- land bereit sei, seine extensiven Interessen auf Japans Befehl preiszugeben. London, 21. April.(W- T. B.) Daily Telegraph meldet aus Peking: Tie Verhandlungen mit Japan wurden f a st gänzlich e i n g e st e l I t bis zu einer formellen Erklärung der britischen Politik, die in dieser Woche erwartet wird. Man darf fast sagen, daß die Verhandlungen tatsächlich nach London verlegt wurden. Die weitere Entwicklung hängt wesentlich von der Festigkeit von Downingstreet ab. Jedermann fragt, wie Japan, das keine 100 englische Meilen Eisenbahnen in China ohne Hilfe des fremden Geldmarktes bauen kann. Rechte und Privilegien im Uangtsetale fordern kann, die 100 Millionen Pfund Sterling erheischen. Wie daS Reuterfche Bureau aus Peking meldet, leiste:: die Chinesen festen Widerstand gegen Japans Forderungen betreffend F u k i e n, Hanyehping und das Aangtsetal. Die Steuer- frage, die Polizeifrage und die Frage der Südmandschurei blieben unerledigt. Die Japaner erklären, daß sie aus Instruktionen aus Tokio warten. Kriegsbekanntmachungen. Die Stellung der Ffeldwebcl-Leutirnnts. In der Budgetkommistion des Reichstags kam jüngst zur Sprach«, daß die dienstlichen und PensionSoerhältnisse der FÜö- webel-Leutnants und der Offizier-Stellvertrcter in keiner Weise geregelt sind. Diese Regelung ist nun erfolgt, und zwar ist durch Kabinettsorder bestimmt worden, daß die Fcldwebel-Leutnants zu den Subaltern-Ofsizieren im Rouge des Leutnants zählen. Alle aus Offiziere bezüglichen Norschriftcn finden aus sie Anwendung, mit Ausnahme der Bestimmungen über Ehrengerichte und der Offizicrswahl. Sie erhalten die Bezüge eines Leutnanis, und danach inüssen natürlich auch ihre Pcnsionsansprüche bemessen werden. Die Ofstzier-Stellvertretcr dagegen sind Unteroffiziere, die jedoch allen anderen Unteroffizieren bis zum Feldlvedcl und Musikmeister einschließlich vorgesetzt sind. Mit Ausnahme des Gerichtsdiensres können sie zu jedem Dienst, der sonst Leutnants zufällt, herangezogen werden. Beschränkung der Ginziehung des ungedienten Landsturms. Im Bereiche des 2. Armeekorps hofft man. wie die„Pom- mersche Tagespost" auf Grund zuverlässiger Informationen mit- zuteilen in der Lage ist, mit der Einberufung deS ungedienten Landsturms bis zum vollendeten 34. Lebensjahre auszukommen. Aeltere Jahrgänge de? ungedienten Landsturms werden also bei dem Fortbestand der bisherigen günstigen Kriegslage n-cht mehr zu den Fahnen einberufen werden. Ztbit Nachrichten. Deutsche Flieger über Ämicns. Patis, LI. April.> T. II.) Die Stadt AmienS ist abermals von deutschen Fliegern mit Bomben belegt worden. Eine deutsche Taube erschien kurz nach Sonnenaufgang und schleuderte fünf Bomben; im Laufe deS Nachmittags erschien ein Aviatikflugzeug,' das gleichfalls mehrere Bombe» herabwarf. Ungefähr 20 Personen wurden getötet. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Keines der Flugzeuge wurde trotz lebhaftestem Bombardement getroffen. Auch die sofort ausgestiegenen französischen Flieger konnten der Angreifer nicht habhaft werden, die sich unbeschädigt entfernten, Verlustliften. Die Verlustliste Nr. 204 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Generalkommando des 10. Reservekorps. Stab der 32. Jnf.-Brig.; 2. und 5. Garde-Reg. zu Fuß. Garde- Gren.-Regimenter Alexander und Franz; Garde-Füs.-Reg.; Garde- Schützen-Bat.; Gren.- bzw. Ins.- bzw. Füs.-Regimenter Nr. 1, 9, 13, 14, 21, 24, 49, 54, 56, 63, 64, 66, 95, 96, 115, 116, 117, 118, 128, 129, 130, 137, 138, 140, 146, 150, 151, 155, 156, 157, 158, 167; Res.-Jnf.-Regimentcr Nr. 1, 8, 10, 17, 18, 22, 24, 27, 30, 52, 61, 67, 72, 79, 90, 110, III, 118, 206, 207, 208, 216, 249, 269; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 3, 17, 18, 25, 87, 109; Landw.-Ers.-Regimenter Nr. 2, 4; Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 15, 27; Landw.-Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 9, 41; Landst.» Bataillone Aurich, 2. Bonn. v. Borcke, Neusalz; Landst.-Ers.-Bat. Magdeburg Nr. 12; Res.-Jäger-Bataillone Nr. 2, 11; Res.-Rad- fahrer-Komp. Nr. 75; Garde-Maschinengew.-Abt. Nr. 1; Maschinen- gewehr-Wt. Nr. 8; Feld-Maschinengew.-Zug Nr. 115; Festungs- Maschinengew.-Abt. Nr. 8. Garde-Res.-Ulanen; Kürassiere Nr. 1; Husaren Nr. 11; Ulanen Nr. 8; Jäger zu Pferde Nr. 9. Feldart.-Regimenter Nr. 30, 35, 67; Res.-Feldart.-Regimenter Nr. 25, 36, 57, 63; Landw.-Feldart.-Abt. des 1. Armeekorps. Landw.-Futzart.-Bat. Nr. 2; Park-Bat. Nr. 3. Pion.-Regimenter Nr. 29, 31; Pion.-Bataillone: I. Nr. 2, II. Nr. 10, II. Nr. 11, I. Nr. 15, II. Nr. 16, I. Nr. 17, III. Nr. 28; 2. Landw.-Pion.-Komp. des 2. sowie des 18. Armeekorps; Pion.- Ers-Bat. Nr. 26; 44. Res.-Pion.-Komp.; 1. Üandst.-Pion.-Komp. des 7. Armeekorps; Leichte Minenwerfer-Abt. Nr. 1 des 10. Re- servekorps. Telegraphen-Bat. Nr. 5; Feldfliegertruppe. Armierungs-Bataillone. «an.-Komp. Nr. 2 des 21. Armeekorps; Krankentransport- Abt. der 2. Armee. Garde-Train-Abt.; Train-Abteilungen Nr. 1, 2, 5, 6; Magazin- Fuhrpark-Kol. Nr. 2 der Garde-Ers.-Div. Armee-Postdirektion der 2. Armee. « Die Verlustliste Nr. 8 der Kaiserlichen Schutztruppen wird veröffentlicht. Die bayerische Verlustliste Nr. 175 bringt Verluste der 6. Jnf.-Div.; 1., 5., 7., 8.. 12., 14.. 15., 17., 20., 21. Jnf.-Rcg.; Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 4, 5, 7. Der Schluß der w ü r t t e m b e r g i s ch e n Verlustliste Nr. 161, deren Inhalt gestern mitgeteilt wurde, wird veröffentlicht. Die württembergische Verlustliste Nr. 162 enthält Verluste des Brig.-Erf.-Bat. Nr. 51; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 119, 121; Füf.-Reg. Nr. 122; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 124; Jnf.-Reg. Nr. 126; 1. Ers.-Abt. Feldart.-Reg. Nr. 29; 1. Munitions-Kol.-Abt.; Res.-Munitions-Kol.-Abt. Nr. 26. Dentaches Theater. Direktion: Max Reinhardt. 71/, Uhr: Ein Sommernachtstpaum. Freitag; Schlack and Jan. ' Kammerapiele. 8 Uhr: Dex* Welbatenfel. Freitag: Die deutschen Kleinstädter. Sonntag S'/j Uhr; Nachmittags- Vorstelltmg(kleine Preise) Die deutschen Kleinstädter. URANIA TaSlri,9.tr- 4 Uhr(halbe Preise): Die ieietisel und die masur. Seen. 8 Uhr: itif dempofeti. Kriephaoplatz mit der Maekensen-Ärmee. Theater für Donnerstage den 22. April. Berliner Theater s uhr: Extrablätter! Deatscbes Künstler-Theater 8 uhr: Im weißen Röss'l. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. s uhr: La Tmiata. Frledrlch-Wilhelmstidt. Theater. 3 uhr: Die Fledermaus. Gebr. Herrnfeld-Theater 0„ Familie Plaschek. 8 uhr: Helbring contra Helbring. Kleines Theater s uhr: Liebelei. Komische Oper 8.io u.: Gold gab ich für Eisen. Komödienhaas s uhi: Die fünf Frankfurter. I-esslng-Theater VI, Uhr"'' Zum 1. Male: Datterieh. l-astsplclhaas ä'l, ü.: Matthias Golllnger. Konrad Dreher a. Q. Metropol-Theater 8 uhr: Der Hoebtourist. Montls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 uhr: Hoheit tanzt Walzer. Besldcnz-Theater s uhr: Die Schöne vom Strand, Rose-Theater 8 uhr: Die Förster-Christi Schiller-Theater O. s uhr: Nacht und Morgen. Schiller Th. Charlottenbg;. 8 uhr: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater suhr: Ram'rad Männe. Theater am BToIlendorfpl. S'/j Uhr: Immer feste droit! Sonntagnachm.: Ein Herbstmanöver. Theater des Westens s uhr: Die Landstreicher. Theater in der Königgrätzer Straße s uhr: Ostern. Trlanon-Theater s1/« u.: Akrobaten. Volksbübne.TheateramBülowplatz MMale: Ml Uüd 80181 Walhalla-Theater s uhr: Die Jagd naeb dein Glück. Zirkus Alb. Schumann Donnerstag, 22. April 1915: Sport- V orstellnng täglich Anfang 8 Ohr mit vollständig neuem Programm Nur noch kurze Zeit! ä'l, Uhr: Ost und West. Großes patriotisch. Schaustück mit der Einlage U-Boot ä Torpedieren e. Handelsdampfers. Else und Berta Wiesenthal Gustav Matzner Else Berna Gussy Holl sowie der glänzende April-Spielplan. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Morgen Freitag, den 23. April 1915: Die schöne HMuderm. Bolls ftück mit Gesang in 4 Akten von Anton Anno. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Ans. 8 U. Zum Schluß: Im»» Militärisch. Zettl bild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angehö- rigenvolllommen freier Zutritt zu d.Stett. Sängern. SARRASANI Täglich'/,« Uhr: unseRBe und das große zirzensische Programm. Tel. Norden 10408. Vorverkauf Warenhaus Tietz. Theener Folie 3 Ceprioe Poiaen-Theater tfa Onkel Adi! 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Bericht der Revtsoren. 3. Verschiedenes. 267/10 Beschwerden und Anfragen find spätestens bis Montag, den 26. April er., bei der Kassenverwaltung schriftlich einzureichen. Der Borstand d er Allgemeinen Ortskrankenkasse für Berlin-Temvelhof. Albert George, erster Vorsitzender. Buchhandlung vorwärts Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin-Friedenau, Rheinstr. S. Berlin-Friedenau, 20. April 1915. Linisdung zur 287,9 Ordentlichen Aussohuß-Sitzung am Freitag, ben 30. April ct., abends S'l, llhr, im Kafsenlokat, Rheinstr. 9, Vorderhaus 1 Treppe. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abnahme der �ahrcsrechnung sllr das Jahr 1914. 3. Bericht der Revisoren. 4. Verschiedenes. Bauer, Uilrieh, 1. Vorsitzender. Schristsührer. Allgemeine Orts- Krankenkasse für N o w a w e s und Umgegend. Am Montag, den 3. Mai ISIS, abends 8'/, Uhr, findet im Konzerthaus(Nein er Saal), Lindcnstr. 36, die Ordentliche Ausschutz- Sitzung statt, zu der die Delegierten hierdurch ergeb enst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes für das Geschästsjahr 1914. 2. Abnahme der Jahresrechnung sär 1914. 3. Sonstige Kassenangelegenheiten. 4. Ver- schiedenes. 267/11 Nowawes, den 21. April 1915. Dci- Vorstand. gez.: O. Röpcke, Vorsitzender. Spezialarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in Ci. Homeyer i? Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Fiieirlclistr, 81, Spi. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mäftig. auch Teilzahl. Separates Daineiizimmer. Saatkartoffeln, Frühsorten. ebenso Roseasträacher, billigste Räumungspreisc. Veakölln, Berjrstruße LS Verkäufe. Steppdecken l Spottbillige Ausnahmepreise I Prachtvolle Simili- seidene Steppdecken 4,35, 5,75, wundervolle, doppelseitige 7,50, 8,75 bis 13,50. Elegante Tüllbettdecken 1,85, 2,85. Wölfs Tcppichhaus, Dresdener- slraße 8(Kottbusertor). Abonnenten 10 Prozent Rabatt. 26K* Vorjährige elegante Herrenanzug e, Paletots und Ulster aus seinsten Maß- stoffen 25— 60 Mark, Hosen 6— 18 M. 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Man wird gestehen. daZ nationale Interesse Deutschlands, wie es sich damals stellte, konnte schwerlich schärfer betont werden, als es in diesen Darlegungen geschieht. Und man wird auch kaum in jener Epoche eine zweite deutsche Schrift finden, die eine gleich ent- schiedene Sprache gegen Frankreich und Rußland führt, als es diese Engelssche Schrift tat. Sie ist nun mit ihrer Vorgängerin.Po und Rhein" durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachfolger als ein Band der von diesem herausgegebenen Kleinen Bibliothek der gegenwärtigen Eleneration zugängig geinacht worden, und wenn es dem Schreiber dieses vergönnt war, in bescheidencnr Umfange an dieser Veröffentlichung mitzuwirken, so kann, wo es sich um Schriften eines Friedrich Engels handelt, dies kein Grund sein, es nicht offen auszusprechen, daß mik ihrer Herausgabe eine längst fällige Schuld an unseren Altmeister wie an die Nachgekonrmenen nunmehr eingelöst wird. ES ist der erste Neudruck, der unS Engels als Militärschriftsteller in größerem Stil zeigt. Em Denkmal für sein Genie auf diesem Gebiet und ein Beweisstück seines kraftvollen Gefühls für das Recht und Interesse seines Vaterlandes. Ein Mitarbeiler des.Hamburger Echo" hat kürzlich im Anschluß an einer Reihe von Artikeln über Friedrich Engels als Militär- schriflsteUer den Wunsch nach einer Buchausgabe aller Militär- wissenschaftlichen Aussätze, die Engels zwn Verfasser haben, geäußert. Dieser Wunsch ist nur zu unterstütze». Es mutz jedoch gegen jeden Versuch Einspruch erhoben werden, diese Ausgaben mit Zusätzen zu versehen, mittels deren die Aufsätze tendenziös zugunsten irgend- einer Auffassung über heute in der Sozialdemokratie obwaltende Meinungsverschiedenheiten ausgedeutet werden. Denn damit ist stets die Gefahr verbunden, daß aus mehr oder weniger äußerliche Aehn- lichkeiten, ein Friedrich Engels als Anwalt einer Politik angerufen wird, die in Wirklichkeit seinen schönsten Protest herausgefordert hätte. Eine Gefahr, der der Verfasser der erwähnten Artikel denn auch tat- sächlich erlegen ist. IV. Aeutzerlich betrachtet, mag die weltpolitische Lage Deutschlands heute manchem völlig gleichartig der erscheinen, die Engels in den beiden Schriften von 1859/6» schildert und in Hinblick ans die er den talkräftigen Zusammenhalt aller Deutschen fordert. Wir sehen Rußland und Frankreich als Verbündete in einem Krieg gegen Deutschland und Oesterreich-llngarn, die zusammen daZ Groß- Deutsch land vertreten, das Engels meinte, als er voir den 15 Millionen Deutschen sprach. Aber sobald man die Dinge näher detrachtet, stößt man auf Unterschiede von so bedeutungsvoller Natur, daß sie jede unmittelbare Schlußfolgerung von der da- maligen Beurteilung der Lage durch Engels auf die Gegenwart geradezu unmöglich»nacht. Was zunächst Frankreich betrifft, so wird eS selbst von den« jenigen, die Deutschland in diesem Krieg als den angegriffenen Teil betrachten, nicht als der Angreifer oder Herausforderer bezeichnet. Die einen bezeichnen Nußland, die andern England als den Urheber, nirgends wird aber Frankreich der Anstiftung oder Anzettelei bezichtigt. Es ist ferner nirgends mehr von Absichten Frankreichs auf den Rhein oder auch nur Stücke der Nheinprovinz die Rede gewesen. Von Agitationen, wie sie in den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Frankreich als Folge des Wiederauflebens der napoleonischen lleberlieferungen be- standen, war vor Ausbruch des Krieges nicht die Spur mehr vor- handelt, und ebensowenig konnte noch von einer bonapartistischen Prätorianerherrschaft geredet werden. Die Republik war auf dem Wege zu einer vollen Demokratisierung des Landes, und der DrehfuS- Handel hatte das bedeutungsvolle Ergebnis herbeigeführt, daß die Miliiärgewalt vollständig der Zivilgewalt untergeordnet wurde. Die Wahlen vom März 19ll haben den Friedensparteien die Mehrheit in der Kammer verschafft, das Land war. wie die„Post" eS aus- drückte, zu einein sehr unkriegerischen Geist„entartet". Im Gegensatz dazu hatte sich Deutschland, daS 1859/186» noch zerrissen war, zu einer Militärmacht ohne Gleichen entwickelt. Das Anfang der sechziger Jahre militärisch reorganisierte, 1866 ver- großerle Preußen hatte die Herstellung der Einheit Deutschlands unter seiner Führung zustande gebracht, daS zunächst beiseite ge- schlage»? Oesterreich war in ein engeres Bündnis mit Deutschland getreten. daS geeiute Italien war für VertsidigungSzwecks sein Ver- bündeter, es gab keine Macht in Europa, die leichten Herzens mit beut»ledanken eines Krieges gegett Deutschland umging. l'.ud Rußland? wird man fragen. Waren eS nicht russische Intrige», die Deutschland zum Krieg zwangen? a. aß ein Handel Rußlands den Anlaß zum Krieg gab, ist nicht zu bestreiten. Aber eS war ein Handel nicht mit Deutsch- land, sondern mit Oesterreich- Ungarn, Deutschland griff laut der Erklärung� seiner Regierung zum Schwert, um die von Rußland bedrohte Machtstellung zu schützen, die das mit ihm ver- bündete Oesterreich-llngarn auf dem Balkon innehatte. Die Frage ist also, ob Friedrich Engels heute ein Interesse der Deutschen an dieser Machtstellung Oesterreich-UngarnS anerkannt und ihm solche Bedeuiung beigelegt hätte, um das Eintreten aller Deutschen für sie zu begründen. � Indem ich zur Beantwortung dieser Frage schreite, möchte ich zur Vermeidung von Mißverständnissen folgendes vorausschicken. Es handelt sich hier um geschichtliche Feststellungen, wobei die Untersuchung der Frage vollkommen ausscheidet, ob die Auf- sassung. die Engels im Verein mit Marx 1859/6» verfocht, richtig war, und ob, wenn dies der Fall, sie auch heute noch als maßgebend gelten kamt. Darüber wird hier kein Urteil a u Z- a e s p r o ch e n. Auch der trenesle Schüler von Marx und Engels wird und soll es sich vorbehalten, die Richtigkeit und An- weudbarkeit ihrer Politik an der Hand der Erfahrungen nach- zuprüfen. Marx und Engels haben weder politische noch sozial- politische Univcrsalrezepte ausgegeben, noch ausgeben wollen. Sie loollen nicht sklavisch nachgebetet, sondern in bczug auf die Maximen ihrer Betrachtung der Dinge verstanden sein. Wer nun beim Studium der politischen Urteile und Methoden »an Marx. Engels, Lassalle die Beobachtung dieses Grundsatzes sich zur Regel macht, für den ist die Anschauung, daß Engels mit de- am Schluß von„Savohen. Nizza und der Rhein" ausgegebenen *l P u n d R Hein, Savoyen. Nizza und der Rhein. Zwei«chrinen von Friedrich Engels. Stuttgart 1915. I. H. W. Dietz Nach, olger G. m. b. H.(Kleine Bibliothek). Preis: I M., drosch. 75 Ps. Parole ein für nachkommende Zeiten gültiges Programm deutscher Politik aufstelle» wollte, eine einfache Unmöglichkeit. Denn Engels inacht dort ausdrücklich den Vorbehalt, daß der Feldzug, z» dem er aufruft, dein Rußland gilt, wie es von Peter dein Großen bis zu Nikolaus I. beschaffen war, das heißt dem autokratisch- absolutistischen,»och ganz von dem politischen Leben Europas un- berührteil Rußland, dessen Ende er aber schon für gekommen ansah. Und daß für ein von dem so gekennzeichnete» unterschiedenes Ruß- land die Parole nicht unveränderte Geltung haben könne, hat Engels seitdem in Briefen und Aufsätzen oft und sehr nachdrücklich ausgesprochen. Besonders deutlich geschah dies in einem längeren Schreiben an mich vom 22. Februar 1832 über die Frage der Balkanslawen, in bezug auf die ich von ihm abwich, und den Gegensatz zwischen Oesterreich und Rußland. Air einen Einwand betreffs Oesterreichs anknüpfend, den ich in einer Antwort auf einen früheren Brief an ihn erhoben hatte, schreibt er dort: „Die in der„Augsburger Allgemeinen Zeitung" jahrelang verlretenen österreichischen Kanzleiargumente gehen mich nichts an. Was daran richtig war, ist veraltet, und was nicht veraltet ist, ist unrichtig. Ich habe durchaus keinen Grund, mich über die zentrifugale Bewegung in Oesterreich zu ärgern. Ein„Damm gegen Rußland" ist überflüssig von dem Augenblick, wo die Revolution in Rußland ausbricht, d. h. Ivo irgendwelche repräsentative Ver- sammlung zusammentritt.— Oesterreich war von 1815 bis 1859 ein Damm gegen Rußland, so feig imd dumm seine Politik auch blieb. Jetzt, am Borabend der Revolution in Rußland, ihm noch- mals Gelegenheit geben, sich als„Damm" aufzuspielen, hieße ja Oesterreich eine neue Lebensfrist, eine neue bistorische Existenz- berechtigung geben"... Und an einer anderen Stelle des gleichen Briefes:„Sie sagen, ein Großserbien sei ein ebenso guier Damm gegen Rußland wie Oesterreich. Ich habe schon gesagt, d a tz i ch von der ganzen„Da nrm"-Theorie nichts halte, seitdem eine revolutionäre Bewegung in Rußland Macht er- halten hat... Das wird genügen, um zu zeigen, wie wenig Engels die Rolle der Mächte Europas bis in eine unbestimmte Zeit hinein schablonenhaft nach der Gegenüberstellung von 1859/6» auf- gefaßt wissen wollte. Noch weniger aber kann die in seinen vorliegenden zwei Schriften ausgegebene Parole als Schema für das politische Verhalten der Sozialdemokratie im Fall eines Krieges der deutschen Monarchien mit Rußland geltend gemacht werden. Wer das aus diesen Schristen herausliest, verkennt ihren wahren Zweck, wie diejenigen den Zweck von LaffalleZ Schrift„Der italienische Krieg usw." verkannt hatten, die sie als einen Vorläufer des nationalliberalen Programms der Einigung DeuffchlandS auffaßten. Wie schon im Abschnitt II be- merlt, war der wahre Zweck, den Laffalle mit jener Broschüre im Auge hatte, die Politik unpopulär zu machen, von der er zu wiffen glaubte, daß die preußische Regierung sie verkünden und einhalten werde, und so eine revolutionäre Stiminung gegen die Regierung bezw. die Monarchie zu schaffen. Das positive Programm, das er für Preußens Regierung darin verzeichnet, hat nur den Zweck, durch dessen Nichtbefolgung von feiten der preußischen Regierung dem Volk den Beweis zu liefern, daß, wie eS am Schluß heißt,„die Monarchie in Deutschland einer nationalen Tat nicht niehr fähig ist". So nur stimmt zur Schrift daS Motto, das er ihr gab: ITIocters sl nequeo superos arberanta movero—„Kann ich die Obenstehenden nicht heruinbekommen, so werde ich die unteren in Bewegung setzen". lind darin geht die Schrift LaffalleZ, bei allen sonstigen Ver« schiedenheiten, durchaus mit den beiden Schristen von Engels parallel. Ruch deren bestimmender Gedanke ist. die nationale Bewegung für die Revolution fruchtbar zu machen. Nicht ein Programm der deutschen Regierungen, ein Programm der deutschen Revolution steckt insbesondere in„Savoyen. Nizza und der Rhein".(Schluß folgt.) Kriegsziel und Zrieöens- beöingungen. Die konservative Presse setzt ihre Propaganda für die politische Orientierung des Kampfes gegen den Westen lebhaft fort. Die„Kreuz-Zeitung" gibt zwar zu: „Wir glaube» gern, daß England zu de» bekannten Be- dinguuge» heute ohne viel Schwierigkeiten zu einem Frieden bereit sei." (Die bekannten Bedingungen sind die Wiederherstellung der Integrität Belgiens und der französischen Grenze nach dein Stande vom Juli 1914.) Aber die „Kreuz-Zeitung" fährt fort: „Hat England aber den Krieg im Ernst begonnen und führt es ihn in seinen führenden Schichlen in klarer Einsicht in das, was auf dem Spiele steht, so ist kein Zweifel, daß dann ein der- artiger Abschluß nur vorläufig sein würde. Ilm Frankreich niederzuwerfen, hat England, wie sein Historiker aufzählt, in 125 Jahren, die dieser Gegensatz andauerte, nicht weniger als 6» Kriegsjahre ans sich genommen. Das aufstrebende Deutschland Wilhelms II. aber ist der englischen Weltstellung viel gefähr- sicher, als es daS Frankreich des XIV. und XV. Ludwig, ja auch daS Napoleons l. ivar. lind wenn England bereit wäre, mit Deutschland, aber auch unter Aufgabe der Notwendigkeiten, die Deutschland für seine Weltentwicklung braucht, sich ans ein da» er iideS Einvernehmen einzulassen, so Iviirde der Bund zwischen diese» beiden germanischen Mächten, der größten See- macht und der größten Landmacht, der die Phantasie so sehr anspricht, das deuische Heer h la inei-ci der cngsischen Weltinter- esseir stillen. M. a. W.: D e n t s ch l a n d würde der P r e 1 1 b o ck Englands auf d c in Kontinent gegen R u ß l a ii d." Tie„Krenz-Zeitung" fürchict weiter, daß eine Verständigung mit England nur„unter Aufgabe der deut- s ch e n Weltziele" möglich sein werde. Wir vermissen nun bei der„Kreuz-Zeitung" eine konkrete Angabc der„deutschen Weltziele". Liegen denn diese„Wcltzicle" wirklich im Interesse der Gesaintbevo lkerun g Eine Darlegung dieser „Weltziele" im einzelnen würde sofort beweisen, daß die größeren Schichten der Bevölkerung nichts von ihnen wissen wollen. Sehr interessant ist schließlich die Begründung dafür, weS> halb Rußland weniger gefährlich sei als England: „Nun zerbricht im Gegenleil die expansive Kraft Rußlands nach dem Westen heule abermals. Tie Positionen der Zentral- mächte sind nicht zu erschüttern, und die gerade gegen Rußland selbständig gewordenen Balkan st aaten werden, auch wenn sie nicht militärisch ans untrer Seite in diesen Krieg eintreten, und dann gerade noch mehr, sich wie bisher gegen Rußland entwickeln. Wiederum muß sick, ihm die Erfahrung feiner Geschichte wiederhole», daß jeder von ihm begonnene Krieg um der o r i e u t a l i s ch e ir Frage willen— dnS ist der hrntigr Krieg ebenfalls— auch bei großen militärischen Erfolgen(die heute nicht vorhanden sind) mit einer politischc» Niederlage Rußlands geendet hat. Damit werden die ReibnngS- flächen im Osten Europas geringer und löse» sich Gegensätze. die, Ivobei wir auch trotz des Krieges bleiben, LebenSgegeniätze nicht zu sein brauchen. Die Lcbensinteresseir der Ostmächte, wozu die Türkei natürlich aufs stärlste gehört, lassen sich miteinander vereinigen. DaS hat nicht nur Bismarck für richiig gehalten, den man als einer früheren Periode angehörig hier vielleicht ablehnen möchte, sondern das hat auch die Politik unsres jetzigen Kanzler- angenommen, wie das Potsdamer Abkommen von 191» und ähnliches zeigen." Die Bemerkungen über die Baltcmstaaten holten auch wir, im Gegensatz zu vielen Parteiblättern, für durch- auS zu treffe tld. Nebenbei bemerkt hat auch Marx sich ähnlich über das Verhältnis der Balkanstaaten zu Rußland ansgesprochen. Aber wie verträgt sich die ltnterstützung dieser Politik durch Deutschland mit den Beziehungen Oesterreichs und der Türkei zu den Balkanstaaten? Wir tvürden es nur begreifen, wenn die deutsche Balkanpolitik die selbständige Entwicklung der Balkanstaaten fördern würde. Die sozialistische Internationale hat unter dem Eindruck der Balkankriege im Jähre 191L auf dem Baseler Kongreß dafür bestimmte Richtlinien festgelegt. Aber was hat das nun alles damit zu tun, daß Deutsch' land gegen England kämpfen und sich mit Rußland ver- ständigen müsse? Hat nicht England ein viel größeres Interesse daran, die Entwicklung der Balkanstaaten ent- gegen Rußlands Plänen zu fördern? Die Unterbindung näherer Erörterungen über daS Kriegs- ziel verbietet es leider, die angeregten Fragen ausführlicher zu behandeln. Aber bisher ist uns noch kein Argument entgegengehalten worden, das eine Verständigung mit England unmöglich machen sollte. »* Tas Kriegsziel deS Herrn Paasch«. Ter nationalliberale Abgeordnete Paaschs hielt am vergangenen Sonntag in Kreuznach einen öffentlrckjcn Vortrag über„Englands Weltherrschaft", wobei er nach dem Bericht des„Oeffentlichen Anzeigers für den Kreis Kreuznach" n. a. ausführte: „lieber die Friedensziele dürfen wir nicht sprechen, aber das muß zum Ausdruck gebracht werden, daß im Herzen eines jeden Deutschen der Wunsch lebt: DaS mit so viel deutschem Blut er- oberte feindliche Land geben wir nicht mehr heraus!(Bravo, leb- hafte Zustimmung.) Wir müssen heran an den englischen Kanal und wenn wir nochmals von vorne anfangen und die a l t e n Z w i n g b u r g e ii aufs neue erobern ni ü ß t e n. Das deutsche Volk verlangt auch, daß wir uns im Osten sichern vor neuen Einfällen der russischen Horden, nicht wieder darf die Feder verderben, was das Schwert errungen. (Bravo I Beifall.) An alle Meeresstraße», auf denen die Völker verkehren, hat England seine Zwingburgen gesetzt, deren Kanonen jedes Land zum Stillstand bringen können. Im Kanal haben die Engländer nicht nur Dover, sondern jetzt auch noch Calais zur Kontrollstation des Völkerverkehrs gemacht— wer ti�itz, ob es den Franzosen gelingt, ihre englischen Freunde ohne unsere Mit- ivirkung jemals wieder ans Calais hinauszubringen.... Wir können nicht mehr wie früher daheim bleiben und fried- sich unseren Kohl bauen, wir müssen hinaus in die Welt und unsere Güter austauschen, wenn wir nicht verküimner» und in die alten Zeiten der Ohnmacht zurücksinken wollen. ES ist aber für unS undenkbar, daß wir ewig von der Gnade Englands abhängen sollen—- deshalb müssen wir unseren Freiheitskampf gegen die Engländer führen, deren Handel von unserem fast erreicht wird, deren Industrie der unseren unterlegen ist. ES ist nicht unsere Absicht, nun mit Blut und Eisen ein neues Well- reich an Stell« des englischen aufzurichten. Wir kämpfen für die Freiheit der Meere und der Entwicklung für uns und die ander». Wie wir die englische Seeherrschaft brechen, daS ist eine nicht mit wenigen Worten zu beantwortende Frage, aber es gibt keinen Zweifel darin, daß es uns gelinge» wird." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt dazu:„ES ist natür- sich ziemlich einfach und billig, in einer Versammlung durch möglichst tveiigehende Forderungen und Verheißungen Beifall zu erringen. DnS ist besonders dann recht leicht,»venu man, ivie Herr Paaschc, genau weiß, daß man nicht genötigt sein tvird, an der Verwirklichung dieser Forderungen mitzuarbeiten." Wir unsererseits tvcisen mit aller Entschiedenheit die Forde- rung zurück, der Krieg müsse unter Umständen nochmals geführt werden, um Gebiete am cngsischen Kanal zu erobern. ** « KriegSwünsche der Handelskammern. Die Vereinigung von Handelskammern des niederrheinlsch- westfälischen Industrie« b ezirks, welche die Handelskammern zu Essen, Bochum. Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Münster i. W., Osnabrück und Wesel umfaßt, hielt kürzlich in Essen eine Sitzung ab. an der auch Vertreter der s ü d w c st f ä l i s ch e n Handels- kammern zu Hagen, Altena, Arnsberg und Iserlohn teilnahmen. In der Versammlung kamen die Kriegsziele solvie die künftige innerpositische und die künftige handelspolitische Gestaltung zur Erörterung. ES wurde in allen Fragen grundsätzliche Ucbereinstinumnig erzielt. Diese Uebcrein- stimmung herrschte auch besonders darüber, daß im K r i e g e d n r ch g c h a l t e n>v c r d c n müsse b i S z ü m äußersten, damit unser deutsches Vaterland auS dem ihm aufgeztoungenen Kampfe um fein Dasein nach außen stärker, mit gesicherten Grenzen im Westen und Osten, mit stärkerer Seegcltung und mit denjenigen Gebiets- cr Weiterungen hervorgeht, die notwendig sind, um unsere größere Stärke nach außen militärisch, maritim und wirtschaftlich zu gewährleisten, und damit daS allseitig er- strebte Ziel, den Krieg so zum Abschluß zu bringen, daß eine Wiederholung derartiger Kämpfe so gut wie ausgeschlossen erscheint, nach Möglichkeit sicherziistelleii. Die Hände lskam mcr in Altona hat in ihrer letzten Versammlung eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: „Die bisherige Entwicklung des Krieges hat unS gezeigt, daß Deutschland diesen Krieg sehr lange aushalten kann, seine Gegner aber um so cmpfindttcher getroffen und um so mehr geschwächt werden, je länger dieser Krieg dauert. Deshalb muß dieser Krieg mit allen zu Gebote stehenden Mittel» und mit rücksichtsloser Vergeltung s o lange geführt werden, bis Deutsch- lands und teincr Verbündeten militärische Ilcbcrlcgcnheit zu Wasser und zu Lande den Feinden d e n F r i e d e n diktieren kann." Die KricgSzicle des Volkes sind, besonders in der Frage der Gebietsverändernngen, doch wesentlich andere als die der S t a n d e S v e r t r e t u n g e n der industriellen Unternehmer. politische Uebersicht. Die Beschlüsse der Wiener Konferenz. Tie Beschlüsse der in Wien stattgefundenen Besprechung zwischen Vertretern der deutschen, österreichischen und unga rischen sozialdemokratischnl Parteien werden in der bürger- lichen Presse meist kommentarlos wiedergegeben. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt nur i „Aus dies? Kundgebung näher einzugehen, möchten wir zur- zeit verzichten. Nur sei bemerll, dag die„Sicherungen", die hier die Sozialdemokratie für später wünscht, doch wohl grund- verschieden von den Sicherungen sind, die die deutsche Re- giernng erstrebt, und die das deutsche Volk verlangt." Die„ K r e u z- Z e i t u u g" ist in in ihrer Kritik aus- führlicher und schärfer; sie schreibt: „Wir bedauern aufs lebhafteste die Kundgebung der deutschen und osterreichisch-ungariickien Sozialdemokratie, die zwar den un- beugsamen Entschluß ausspricht, mit aller Kraft ihre Selbständig- Icil und Unabhängigkeit zu verteidigen, daneben aber doch die Sehnsucht nach Beendigung des Krieges sehr stark betont. Die Kundgebung ist aber auch insofern bedenklich, als sie erklärt, das; nur ein Friede möglich sei, der kein Volk demütige. Demütigen aber wird jedes Volk ein Friede, der die Tatsache seiner Niederlage zum Ausdruck bringt. Danach mag man ermessen, was ein Friede mit Frankreich oder Belgien, der von diesen beiden Ländern nicht als Demütigung empfunden würde, uns bringen könnte. Schon die Acutzerungen französischer Sozialisten auf die angebliche Kundgebung der Liebknechtgruppe in der„Humanits" sollte den deutschen Sozialisten gezeigt haben, wie unangebracht im gegen- wärligen Augenblicke alle Fricdensbekuudungcn find. Zum Uebcr- flusj wendet sich die französische Presse eben jetzt solidarisch gegen den Gedanken an Frieden, indem sie damit freilich Zeugnis dafür ablegt, wie lebhaft diese Friede ussehnsucht im Lande i st, eine Erscheinung, der sie nur dadurch ihre Be- deutung nehmen zu können glaubt, dasi sie sie auf die Tätigkeit deutscher Agenten zurückführt." Währcud die„Kreuz-Zeitung" sich an der von unserem Standpunkt aus selbstberständlichen Forderung stößt, daß kein Volk beim Friedensschluß gedemütigt werde, bemängeln die „Tägliche Rund s ch a n" und die„Berliner N e u e st c» Nachrichten" bor allem die Forderung nach vertragsmäßiger Einschränkung der Rüstungen mit dem Ziele der allgemeinen Abrüstung. Dieser Krieg zeigt doch aber deutlich, daß das allgemeine Wettrüsten keine Fricdcnsbürgschaft bilden kann. Die„Internationale" beschlagnahmt. Am Dienstagvormittag erschienen wieder drei Bcanite der politischen Polizei in der Redaktion unseres Düsseldorfer Parteiblattes; diesmal, um die Beschlagnahme der vom Genossen Mehring und der Genossin Luxemburg herausgegebenen neuen Zeitschrift„Die Internationale" zu verfügen. Die Zeitschrift wird vom Genossen Berten, der Redakteur am Düsseldorfer Parteiblatt ist, verlegt. Die Beamten nahmen eine Durch- suchung der Rcdakiions-, Expeditions-, Buchbinderei- und Truckereiräume vor; gefunden wurde nichts. Im Zeichen des„Burgfriedens". Mit llü gegen 25 Stimmen lehnte der Bürgerausschuß in Lörrach pBaden) den sozialdemokratischen Antrag ab, die städti- schen Bekanntmachungen auch in der sozialdemokratischen„Volks- wacht" erscheinen zu lassen. Die Gegner des Antrages waren Naüonalliberale und Fortschrittler. Dem dortigen liberalen Blatte bleibt also das Publikationsmonopol vorerst erhalten. Der Stadtrat in Karlsruhe lehn te einen Antrag der städti- schen Arbeiter auf Bewilligung von Teuerungszulagen ab. Die Ab- lehnung wurde damit begründet, daß die Belastung für die Stadt zu groß sei und daß Arbeiter mit reichem Kindersegen sich an den Arbeiterunterstützungsfonds wenden können. Bestätigt. Der vor einiger Zeit von der Stadtverordnetenversammlung Barmen in die Schuldeputation gewählte Genosse E b e r l e ist nunmehr in dieser Eigenschaft von der Regierung bestätigt worden. Zur Stadtratswahl in Breslau. Um den Sozialdemokraten einen Sitz im Breslauer Magistrats- kollegium einzuräumen, ohne den Besitzstand der anderen Parteien zu gefährden, soll die Zahl der unbesoldeten Stadträte um einen vermehrt werden. Auch sind gleichzeitig zwei Vakanzen auszufüllen, so daß voraussichtlich ein konservativer, ein liberaler und ein sozial- demokratischer Stadtrat gewählt werden. Anwerbung von Arbeitern für Ostpreusten verboten. Das Generalkommando und Gouvernement Königsberg erließen eine Bekanntmachung, wonach das Anwerben von Arbeitern jeder Art im Fortbezirk des 1. Armeekorps und dem Befehlsbereich des Gouvernements Königsberg außerhalb Ostpreußens im Interesse der öffentlichen Sicherheit verboten ist. Die finanzielle Stärke der Kriegführenden. Uns wird geschrieben: In der Montagsnummer des„Vorwärts" steht unier dem obigen Titel eine Notiz, die die finanzielle Lage Deutschlands sehr günstig darstellt. Die bürgerlichen Blätter brachten dieselbe Mitteilung. Sie wird also wohl aus einer Korrespondenz stammen. Es ist gewiß sehr erfreulich, wenn man sehr viel Geld und wenig Schulden hat. ES ist noch erfreulicher, wenn man sehr viel Geld während eines Krieges hat, denn zum Krieg- führen gehört bekanntlich Geld, nochmals Geld und nochmals Geld. Die Feststellungen deS Bundes-Handelsamtes der Vereinigten Staaten wären daher sehr erfreuliche, wenn sie stimmten. Daß dies« Fest- stellungen de« BundeS-HandelsamteS der Vereinigten Staaten nicht stimmen, beweist am schlagendsten dieses Handelsamt der Vereinigten Staaten selbst. Es gab im Jahre 1914 eine Statistik heraus, die eine Zusammenstellung der Schulden der verschiedenen Staaten ent- hielt, wie sie im Jahre 1912 waren. Damals stellte das Handels- amt für das Reich 4990 Millionen Mark und für die deutschen Bundesstaaten 15 500 Millionen Mark, macht also für Deutschland insgesamt rund 20 400 Millionen Mark Staatsschulden fest. Es wäre nun gewiß höchst erfreulich, wenn sich seit 1912 die Staatsschulden in Deutschland um rund 12 000 Millionen Mark ver- mindert hätten. Aber leider ist das nicht der Fall. Nach den Fest- stellungen des Bundes-Handelsamts der Vereinigten Staaten hat sich die gesamte deutsche Staatsschuld von rund 2900 Millionen RcichSschuld und 11 200 Millionen Schulden der einzelnen deutschen Bundesstaaten im Jahre 1902 um rund 2000 und 4300 Millionen Mark auf, wie gesagt, 4900 und 15500, im ganzen 20 400 Millionen Mark im Jahre 1912 vermehrt. Es dürste dem Kenner der Verhältnisse bewußt sein, daß sich die deutschen Staatsschulden in den Jahren ISIS bis 1914 keineswegs verringert haben. Gewiß ist das Handelsamt der Vereinigten Staaten an der schiefen Darstellung in der erwähnten Notiz völlig unschuldig. Der Verfasser der Notiz hat eben aus der Statistik das herausgelesen und herausgenommen, was er für seine durch die Fragestellung vorweg- genommene Antwort brauchte. Aehnlich wie mit der Feststellung der Staatsschulden steht es mit den anderen Angaben der Notiz. Im Interesse des deutschen Volkes wollen wir doch nicht in jenen Fehler verfallen, den wir fast tagtäglich in der Presse den Gegnern nachgewiesen sehen: den Fehler, daß sie sich fortwährend über ihre Kräfte täuschen. Zudem kommt, daß wir doch die Strategie der silbernen oder goldenen Greys entschieden abgelehnt haben. Die Milliarden sind zum Krieg- führen notwendig— aber Erfolg und sicherer Friede hängen schließ- lich doch von ganz anderen Faktoren ab als von der„letzten Milliarde". Ist die Bibel auch national? In der„Tägl. Rundschau" lesen wir unter der Ileberschrift „Echt englisch I": „Während die englische Regierung alles daransetzt, Deutschland auszuhungern, hat die Britische Bibelgesellschaft vom August bis Ende November 300 000 Exemplare der Bibel teils u m s o n st, teils zu sehr herabgesetzten Preisen an die deutschen Mannschaften sowie an Gefangene und Verwundete ab- gegeben. Zu diesem Geschenk hat die Bibelgesellschaft einen baren Zuschuß von 25 000 M. aus englischen Ouellen nötig gehabt. Hierzu bemerkt der„Evangelisch-kirchliche Anzeiger": „Mit Recht macht Dr. Zweynert im„Börsenblatt sür den beut- schen Buchhandel" darauf aufmerksam, daß selbstverständlich dieses britische„Geschenk" keineswegs uneigennützig gegeben worden ist und dein Wunsche, dem Feinde Gutes zu tun, entsprang, sondern einfach, um die deutsche Konkurrenz selbst in Kriegszeiten von der Britischen Bibelgesellschaft fernzuhalten und sich das festländische Geschäft für die spätere Friedenszeit zu erhalten. Glücklicherweise sind aber die deutschen Bibelgesellschaften seit längerer Zeit nach- weisbar in der Lage, die Bedürfnisse an Bibeln selbst zu be- friedigen, und zwar zu einem Preise, der den der mit großen Zuschüssen arbeitenden Britischen Bibelgesellschaft nur wenig über- steigt." Gewerkfihastliches. Heranziehung von Sauarbeitern nach Ostpreußen. Für den Wiederaufbau der durch den Krieg verwiisteten Wobnstätten in Ostpreußen werden poraussichtlich Bau- arbeiter in erheblicher Zahl benötigt, die in der Provinz selbst nicht vorhanden sind. Auf eine Anregung des Oberpräsidenten fiir Ostpreußen hat am 8. April in Königsberg i. Pr. eine Konferenz getagt, die sich mit der Frage beschäftigt hat, wie es möglich ist, den Zuzug von Bauarbeitern nach Ostpreußen zn fördern. An der Konferenz haben teilgenommen Vertreter des Bezirksarbeitgeberverbandes fiir Ostpreußen, des Deutschen Bauarbeiterverbandes, des Zentralverbandes fiir Zimmerer und des christlichen Bauarbeitervcrbandes. Nach- dem allseitig die Schwierigkeiten anerkannt wurden, die einem Zuzug von Bauarbeitern nach Ostpreußen gerade unter den gegenwärtigen Umständen entgegenstehen und die eine glatte Durchführung der vielen und dringenden Arbeiten verhindern müßten, ist man zur Vereinbarung von besonderen Maßnahmen gekommen, die im wesentlichen folgendes ent- halten: Zur Beschaffung der erforderlichen Arbeitskräfte wird eine zentrale Arbeitsvermittlungsstelle in Königsberg ge- schaffen. Zur Leitung und Ueberwachung der Arbeits- Vermittlung wird eine Kommission eingesetzt, bestehend aus je vier Mitgliedern des Arbeitgeberbnndes und der Arbeiter- zentralverbände und einem unparteiischen Vorsitzenden. Den Vorsitzenden bestimmt der Oberpräsident fiir Ostpreußen, die Mitglieder der beteiligten Organisationen werden von diesem gewählt mit der Matzgabe, daß der christliche Bauarbeiter- verband und der Zentralverband der Zimmerer je einen und der Deutsche Bauarbeitervebrand zwei Vertreter stellt. Eine andere die in Ostpreußen bisher besonders drücken- den Lohnverhältnisse kennzeichnende Vereinbarung ist die Festsetzung des 55 Pf.- resp. 45 Pf.-Stundenlohnes fiir Maurer und Zimmerer bzw. Hilfsarbeiter als M i n d e st- lohnsatz für die ganze Provinz. Diese Maßnahme ist be- reits am 17. April in Kraft getreten. Wo höhere Löhne be- stehen, gelten natürlich auch in Zukunft die tariflichen Sätze. Die regelmäßige Arbeitszeit ist täglich 10 Stunden. Sind Ueberstunden oder Sonntagsarbeit notwendig, so sind dafür die tariflichen Zuschläge zu zahlen. Den durch die Königs- berger Zentralstelle vermittelten Arbeitern wird zur Hinreise freie Fahrt und ein Zehrgeld von 3 M. für den Reisetag ge- währt, dasselbe gilt für die Rückreise, wenn der Arbeiter nach Vollendung der vermittelten Arbeit in die Heimat zurück- kehren will, oder wenn er ohne seine Schuld vorzeitig ent- lassen wird. Außerdem erhalten die von der Zentralstelle von außerhalb Ostpreußens vermittelten Arbeiter zu dem Lohn eine Auslösung von 1,50 M. täglich, die auch für Sonn- und Feiertage gezahlt wird. Auch auf die Lebensbedürfnisse der Arbeiter ist Bedacht genommen, insbesondere ist für ihre Unterkunft gesorgt, da- mit sie nicht durch das Kantinenwesen ausgebeutet werden können, auch für ärztliche Hilfe usw. ist gesorgt. Die Unter- nehmer haben dafür zu sorgen, daß an dem Arbeitsorte Lebensmittel in ausreichender Menge, in guter Qualität und zu angemessenen Preisen vorhanden sind. Ferner hat der Unternehmer für Quartier und Kochgelegenheit zu sorgen. Müssen Arbeiter in Baracken untergebracht werden, so hat der Unternehmer den Arbeitern mindestens Bettstelle(Pritsche) mit Strohsack, Kopfkissen und zwei Decken zu beschaffen, auch Räume zum Waschen, Aufbewahren von Kleidungsstücken usw. bereit zu stellen. Für das vom Unternehmer gestellte Quartier kann dem Arbeiter höchstens 40 Pf. pro Nacht von der Auslösung abgezogen werden. Zur Reinigung der Baracken und zur Bereitung der Speisen hat der Unter- nehmer die benötigten Personen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Der Unternehmer hat weiter streng darauf zu achten, daß alle Arbeiter einer Krankenkasse angehören, auch ist er verpflichtet, für ärztliche Hilfe nach bester Möglichkeit zu sorgen.., �. Unter diesen Maßnahmen befinden sich einige, die von den Arbeitern wiederholt als Forderungen aufgestellt worden sind. So die Vermittlung der Arbeit auf paritätischer Grundlage und die Anerkennung des Prinzips, daß für Wirtschaft- lich gleichgeartete Landesteile auch gleiche Lohnsätze bestehen müssen. Die Maßnahmen insgesamt stellen das Mindeste dar, was getan werden muß, um die bei allen Arbeitern bestehende Voreingenommenheit gegen den Aufenthalt in Ostpreußen zu mildern, iipd nur ihre strikte Durchführung und das.Bestreben der Unternehmer, den auftauchenden berechtigten Wüuschen der Arbeiter bereitwilligst entgegenzukommen, kann ein Ge- lingen des großen Werkes sichern. Sellin und Umgegend. Ter Arbeitsmarkt von Grost-Berlin. Wie der Verband Märkischer Arbeitsnachweise berichtet, bält die Besserung, die der Arbeitsmarkt nach dem Rückgang in der Woche vor Ostern zeigt, auch sür die Zeit vom 12. bis 19. April für inämilichc Arbeitskräfte an. Ebenso gestalteten sich die Ver-- Hältnisse sür weibliche Arbeitsuchende günstiger als in der Vor-- Woche. Bei den Groß-Berliner Arbeitsnachweisen überstieg die Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften die Zahl der neuen Stellengesuche wieder um ein heträchtliches, wenn auch das Arbeiter- angebot immer stärker war, als bei der stets weiteren Einziehung her Arbeitskräfte für das Heer zu erwarten war. Für die Ber- liner Metallindustrie, die niit Heresliefernngen noch stark deschäf- tigt ist, bleibt der Arbeitsmarkt dauernd günstig; der Mangel an gelernten Metallarbeitern, besonders an Schlossern, Schmieden und Drehern, macht sicb bier dauernd sübtbar Ter Arbeitsnachweis des Verbandes Berliner Metallindustriellcr meldet eine Zu- nähme der Vermittelungen von 490 ans 350. Während sich die Zahl der offenen Stellen von 1180 auf 1550 vermehrte, sank die Zahl der Stellensuchenden wieder von 260 auf 220. Für die Lederindustrie machen sich Anzeichen bemerkbar, daß die günstige Entwickelung nachläßt, da der Heeresbedarf zumeist gedeckt ist. Auch die Beschäftigung in der ckemislben Industrie bleibt schwaw. da wegen Einschränkung des Ausfuhrhandels die Betriebe nickt voll ausgenutzt werden können; trotzdem mackt sick ein Mangel an brauchbaren, seßhaften Arbeitskräften immer füblbarer. Die Holzindustrie und Papierindustrie zeigte eine leickte Besserung des Ärbeitsmarktes. Bei den ungelernten Arbeitern zeigt sich dauernd eine rege Nachfrage nach brauchbaren Arbeitskräften. Für die weiblichen Arbeitsuchenden gestaltete sich die EntWicke-- lung weniger günstig. Hier übersteigt auck jetzt die Zahl der istellensuchenden beträchtlich diejenige der offenen Stellen. Für die berichtenden Groß-Berliner Arbeitsnachweise betrug das Neber-- angebot 2300. indem auf 5000 Stellensuchende 2700 offene Stellen kamen. Eine günstigere Gestaltung zeigt da? BekleidungSgewerve, in dem für Berlin infolge der Frühjahrs, und Sommeraufträge die Nachfrage nach Arbeitskräften rege ist. Für Kontoristinnen waren die Verhältnisse durch die weitere Einberufung des Land- sturms in der Berichtswoche besonders günstig: dagegen machte sick bemerkbar, daß durch die dauernde Einschränkung vieler kaut- mämiischer Betriebe die in der Expedition entbehrlichen Kräfte die Zahl der Stcllensuchenden vermehren. Ausland. Aus dem„freien" Amerika. Wie die..New Dorker Volkszeitung" berichtet, erwirkte die organisationsfeindliche New Dorker Firma A. Fink u. Sons einen besonders seinen gerichtlichen Einhaltsbefehl gegen die von ihr ausgesperrten Wurstmacher und deren Freunde. Dieses Dokument demokratischer Gerechtigkeitspflege verbietet nicht nur der Wnrstmachcr-Gewerkschaft bei Strafe jegliche Unter- stützung ihrer arbeitslos gemachten Kollegen, sondern erläßt das gleicke Vervot auch an alle Arbeiterorganisationen überhaupt. Und dabei ist es bei diesem wirtschaftlicken Kampfe überhaupt nicht zu irgendwelchen Ruhestörungen oder Gewalttätigkeiten, nicht zu irgendeinem polizeilichen Einschreiten gekommen. Der Einhalts- befehl verbietet überdies auch noch der Fleischergewerkschaft in Hoboken, bekanntzugeben, daß sie unter gewerkschaftlichen Arbeits- bedingungen hergestellte Wurstwaren besorgen kann, und es wird schlankweg allen in dem Schreiben genannten Gewerkschaften ver- boten,„Kunden oder Freunden aus privatem Wege über den Stand der Dinge Aufklärung zu verschaffen". Die„New Forker Volks- zcitung" läßt keinen Zweifel darüber, wie sie über die Stellung des unparieiischeu Richters denkt und fordert die Arbeiter auf, unbe- kümmert um die„Jnjunktion" ihre gewerkschaftliche Pflicht zu tun. Mus Industrie und Handel. Abermalige Erhöhung der Spirituspreise. In der Sitzung deS GesamtauSschusieS der Spiritus- Zentrale wurde beschlossen, den AbschlagSprei« um 2 M. auf 60 M. mit Wirkung vom 26. d. M. an zu erhöhen. Gleichzeitig wurden die Preise für vollständig vergällten Branntwein u m 5 M a r k für da« Hektoliter bezw. 5 Pfennig für 1 Liter Brennspiritus heraufgesetzt. Kriegsgewinue. Die„Deutsche Tageszeitung' schreibt: Sticht allein die Großmühlen ziehen aus der Abstoßung ihrer Borräte enorme Mehr- gewinne, sondern auch andere Lebensmittelfabrikanten. Bei vielen Betrieben wird sich der Gewinn jedoch erst im laufenden Geschäfts« jähre bemerkbar machen. Zu diesen dürften namentlich die Groß- schlächiereien und Wurstfabriken gehören, denn der Verkauf der zu billigen Einstandspreisen hergestellten Dauerware vollzieht sich erst geraume Zeit später, so daß die Bestände auS dem Vorjahr vielfach erst im neuen Geschäftsjahr zur Wstoßung gelangen. Aber bereits daS Geschäftsjahr 1914 brachte diesen Betrieben recht anständige Mehrgewinne. So konnte der Generalversammlung der Grotzschlächterei, Wurstfabrik und Eiswerke Friedrich Lockenhoff in DuiSburg-Ruhrort ein Abschluß unterbreitet werden, wie er glänzender von dem Unter- nehmen noch niemals vorgelegt wurde. Dieses Unternehmen gehört an und für sich zu den gut rentierenden, denn es konnte in den letzten acht Jahren seine Dividende von ü auf 12 Proz. steigern. Es arbeitet mit einem Aktienkapttal von 500000 M. und erzielte im Jabre 1914 einen Bruttogewinn von 1 003 940 M., gegenüber nur 495 234 M. im Vorjahre. Da« Berichtsjahr, so bemerkt dazu der Vorstand in seinem Bericht, wurde maßgeblich beeinflußt durch den großen europäischen Krieg: „Bis zu diesem Zeitpunkte verlief da« Geschäft normal: die Viehpreise standen im Einklang mit den Verkaufspreisen, welche erziel: wurden. Bei Eintritt der Mobilmachung verfügte man über sehr große Lagerbeständ«. die«» ermöglichten, die Heeres- lieferungen pünktlich auszuführen, zu denen man durch Verträge verpflichtet war. Im weiteren Verlauf de» Geschäftsjahres steigerte sich die Nachfrage nach den Fabrikaten derart, daß man mehr als das Vierfache des normalen Umsatzes in diesem Zeitraum erzielt habe." Aus dem Bruttogewinn werden zunächst sehr hohe Abschreibungen vorgenommen im Gesamtbetrage von 215 966 M., gegen nur 21 477 Mark im Vorjahre. Bon dem Reingewinn von 284 834(im Vor- jähre 96 433» M.. wobei der Vortrag au» dem Vorjahre mit ein- gerechnet ist, werden an die Aktionär« dreißig Prozent Dividende gegen zwölf Prozent in den drei vorangegangenen Jahren verteilt,«n Tantiemen imd Belohnungen werden 61 367 Mark gegen 19 986 Mark im Vorjahre verteilt und auf neue Rechnung bleiben dann noch 72 967(im Vorjahre 16 464) Mark vor- zutragen. Wenn auch ein großer Teil dieses Gewinnes aus der Abstoßung der Vorräte herrührl und aus einem größeren Umsatz als gewöhn- lich. so wirft dieser Abschluß doch ein bezeichnendes Schlaglicht auf gewisse Verhältnisse auf dem Lebensmittelmarkt. Mehr Entbindungsanstalten l In Nr. 103(IB. April) schilderten wir, wie«ine Krau au» Neu- JMn in die Entbindungsanstalten Berlin» vergeblich Ausnahme sucht« und schließlich am späten Abend ihr ftind auf offener Straße gebar. AuZ der UniversitätS-Frauenklinik, die noch kurz vorher die Schwangere abgewiesen hatte und nachher sie als Wöchnerin aufnahm, erhalten wir jetzt von dem Direktor Professor Bunnn eine Zuschrift. Mit dem Ausdruck des Bedauerns bestätigt Professor Bumm als Direktor der Königlichen Frauenklinik unsere Darstellung in allen Punkten, ausgenommen nur die Angabe, daß es sich um eine Kriegcrfrau gehandelt habe. Tatsächlich ist die Mutter des Kindes, wie wir jetzt von ihr erfahren, mit dem Vater noch nicht ver- bciratet, doch erklärt sie es al» selbstverständlich, daß nach seiner Rückkehr aus dem Kriege die Eheschließung stattfinden wird. Diese wurde bereits im Juli vorigen JahreS für die nächste Zeit geplant, sie unterblieb aber wegen dcS Kriegsausbruchs, und auch «ine Nottrauung konnte nicht mehr vollzogen werden, weil der Mann sogleich am ersten Mobilmachungstag nach seinem Ge- stellungsort abreisen mußte. Leider hat die Mutter, als wir vor Veröffentlichung des ersten Artikels sie aufsuchten, sich gescheut, un» anzugeben, daß sie noch unverheiratet ist. An der Sache wird aber durch diese Feststellung nicht» geändert. Auch Professor Bumm sieht in dem hier berichtigten Neben- Punkt keinen Grund, jenen Vorgang irgendwie zu beschönigen. Er bedauert ihn rückhaltlos, indem er uns schreibt: „Die Tatsache, daß es möglich ist, daß in Berlin eine Frau keinen Platz zur Entbindung in einer öffentlichen Anstalt finden kann, beklagen wir Aerzt« der Kliniken, die wir täglich die Not der hilfesuchenden Schwangeren und gebärenden Frauen mit» erleben müssen, nicht minder schwer wie Sie." In dem geschilderten Fall habe, fährt Prof. Bumm fort, die Mutter versäumt, in Neukölln bei dem Magistrat oder bei ihrem Bezirksvorsteher um einen EntbindungSschein zu bitten, mit dem sie .dort ohne weitere» Unterkunft und Hilfe gefunden hätte. Die von uns angegebenen Einzelheiten wiederholt er, und er fügt ergänzend hinzu: am Tage zuvor sei ein mit sieben Betten ausgestattete» Wochenzimmer, in da» die über Nacht zunächst im Gebärsaal auf einem Liegestuhl gebettete Wöchnerin gegen Morgen gebracht wor. den sei, frei geworden und inzwischen desinfiziert worden. Seine Aeußerungen zu dem Fall selber schließt Prof. Bumm so: „Hiermit soll der ganze Vorgang nur erklärt, nicht ent- schuldigt werden. Meine« Erachten» muß sich in jeder und auch in einer überbesetzten Klinik noch so viel Platz finden, um eine gebärende Frau niederzulegen und vor der Entbindung auf der Straße zu bewahren. Solche und ähnliche Notfälle dürfen in keiner Klinik abgewiesen werden. Das Unglück war, daß unsere Hebamme, ebenso wie die beiden Hebammen in der Charit?, glaubte, e» würde bis zur Geburt noch lange dauern und Zeit genug sein, da» Virchow-KrankcnhauS zu erreichen. Die Un- ficherheit in der Abschätzung der voraussichtlichen Gebnrtsdauer ist im Verein mit Platzmangel in der Regel die Ursache der Straßengeburt. Erst jüngst wieder wurde eine Frau in die UniversitätS-Frauenklinik gebracht, die, in einer anderen Klinik abgewiesen, bei unS angenommen, beim Transport in der Droschke ihr Kind geboren hatte. Um solche Ereignisse zu vermeiden, besteht in unserer Klinik die Vorschrift, daß Gebärende nur ab- . gewiesen werden dürfen, wenn vor dem Transport in einer an- deren Klinik ein freies Bett gesichert und durch ärztliche Unter- fuchung festgestellt ist, daß die Entbindung nicht in Bälde bevor- steht und vom Transport kein Schaden entsteht. Der erste Teil der Vorschrift wurde im obigen Fall erfüllt, der zweite unter- lassen, weil zu der Zeit, als die Frau ankam, der Direktor mit den zwei einzigen Assistenzärzten und einer Assistenzärztin. über welche die Kumk zurzeit verfugt, bei der Operation eines anderen Notfalles von Verblutung in. die Bauchhöhle, beschäftigt waren." Vorschläge zur Abhilfe. Prof. Bumm macht dann noch folgende Ausführungen, die einen Abhilfevorschlag bringen: „Wenn die UniversitätS-Frauenklinik allen Frauen, die wegen ihrer Niederkunft oder wegen Fehlgeburt dort Hilfe suchen, Aufnahme gewähren sollte, müßt« die Zahl der zur Ver- fügung stehenden Räume und Betten und selbstverständlich auch das Personal zum mindesten verdoppelt werden. Allein mit Fehlgeburt kommen täglich 10 bis 20 Frauen. ll«hnlich steht eS in anderen, im Zentrum der Stadt gelegenen EntbindungS- anstalten, z. B. in der Chariteklinik, während die Anstalten in der Peripherie viel weniger belegt sind. So lang« dem Be- dürfnis nach Unterkunft nicht Rechnung getragen wird, werden in den zentral gelegenen Kliniken die Schwierigkeiten nicht auf-' bören. Nimmt die Klinik mehr Gebärende auf, als Betten zur Verfügung sind, so muß ein Teil der Frauen mit improvisierten Lägern und mit Stühlen vorlieb nehmen. Das Personal wird übermäßig angestrengt und unwillig, die Antiseptik leidet Not und es entstehen Klagen, denen im„Vorwärts" auch schon Aus- druck verliehen worden ist. Weist die Klinik Gebärende ab, so setzt sie sich dem Vorwurf der Inhumanität aus, da bei der Unmöglichkeit, den Zeitpunkt der Geburt sicher zu bestimmen, die Niederkunst aus der Straße immer einmal droht. Meines Erachtens ist aber die weitere Vergrößerung der bestehenden Klinik nicht der richtige Weg zur Abhilfe und zur Befriedigung der geburtshilflichen Bedürftrisse einer Großstadt. Hier kann durchgreifend nur die Errichtung virler kleiner Gebärasvle von 10 bis 20 Betten helfen, welche je nach Bedarf auf die verschiedenen Stadtgegenden verteilt und jederzeit den Frauen leicht und zur Not auch ohne Fahrgelegenheit erreichbar sein müssen. Wird das Bestehen solcher Asyle genügend bekannt gemacht, die Aufnahme soviel wie mög- lich erleichtert und von jeder Föruilichkeit befreit, wird ferner durch entsprechende Verteilung der Entbundenen alle Tage dafür gesorgt, daß in jedem Asyl besonder» nacht? genügend Betten frei ftnO, so wird es bald keine Frauen mehr zu geben brauchen, die um eine Stätte zur Geburt nach Droschken suchen und sich weite Wege von einer Klinik zur anderen schleppen müssen. ES ist hier Nicht der Ort. auf Einzelheiten der Sin- richtung und Organisation solcher Gebärasyle einzugehen; ich stehe aber den städtischen Behörden gerne jederzeit mit einem nusgcarbeitete« Plan zur Verfügung, wenn sie dem Vorschlag nähertreten wollen." Vielleicht kann unsere Schilderung der Irrfahrten jener Schwangeren ein Anlaß werden, dem Gedanken einer Vermehrung der Entbindungsanstalten ernstlich näherzutreten. Die Gemeinde- behörden von Groß-Berlin haben alle Ursache, diesem Mißstand ernstlich näherzutreten, um den Schwangeren die Hilfe zu leisten, der sie bedürfen. Dos Anerbieten des Herrn Prof. Dr. Bumm, sich hierbei den städtischen Behörden zur Verfügung zu stellen, ist sicher sehr anerkennenswert und nur zu begrüßen. Hoffentlich machen die zuständigen Gemeinden hiervon den weitesten Gebrauch. Mus Groß-öerlin. pferüerennen unö Rennwetten in üer Kriegszeit. In einigen Zeitungen wird dahin zu wirken gesucht, die Pferderennen aum in der jetzigen Kriegszeit wieder aufzu- vehmen, Wir sahen ag dieser Stelle wiederholt die Welt» und Kpielseuche gegeißelt, die eine von den Pferderennen un- zertrennbare Begleiterscheinung ist und die schon unendlich viel Unheil angerichtet hat. In der„Täglichen Rundschau" wendet sich Hans Schliechmann mit aller Deutlichkeit gegen die Totalisatorrennen, indem er schreibt: „Mit der ganzen voraugustlichen Psiffigkeit in allmählicher Gedanken- und Wunscheinträufelung sucht gegenwärtig eine gewisse Presse Stimmung für Wiederaufnahme des Totalisator- Rennbetriebs in diesem Frühjahr zu machen. Gründe sind ja billig wie Brombeeren, und der Beteiligte glaubt sie auch wohl Das hier beteiligte Publikum der Rennplätze ist aber heut weiß Gott nicht dasjenige, das sich jetzt an den großen Tag drängen sollte. Die Offiziere stehen vorm Feinde; die Rennslallbesitzer nehme ich aus. Was aber verbleibt, sind Freudenmädchen mit ihrem Anhang von kriegsuntauglichen Barhelden, Schieber und jene Sorte von Kriegslieferanten, für die man Heines Wort um- prägen könnte in:„Man darf sie nicht vor keuschen Obren nennen, die unsre Truppen nicht entbehren können." Soll Ber- lin wirklich den Hcxensabbath dieser Genüßlingc und Wcttpracher, dieser Gcldschleuderer und Tagediebe in einer Zeit' erleben, da draußen unser bestes Blut fließt und in der Stadt Hundert- taufende schwer unter dem Kriege zu leiden haben? Haben wir nicht die eiserne Pflicht, jetzt an alle öffentlichen Veranstaltungen den strengsten moralischen Matzstab anzulegen, und hält das Tota- lisator- und Rennjubeltreiben davor stand? Wir spotteten über England, da» n-xb heute seine Fuhballkämpfe fast ernster als den Krieg nimmt, und wollen die englische Importe der Totalisator- rennen wieder leuchten lassen? Hat dies Getriebe nicht schon vorm Kriege alle Ernsthaften entrüstet, hat man nicht nur mit Not und Mühe der Pferdezucht wegen den Totalisator früher durchgedrückt, weil man eben moralisch noch weniger empfindlich war als jetzt, wo wir zu beweisen haben, daß wir ein von höchster Sittlichkeit Seleitetes Volk sind? Soll auch jetzt noch bei uns als einziges !iel gelten, daß Geld unter die Leute kommt, und wär's durch Torheit und frevelhaste Vergnügungssucht reicher Selbstlinge, das echte Prinzip englischen Geistes? Die Pferdezucht schützt man vor. die Unzucht meint mau. So aber ist heute das Tota- lisatorvergnügen unzweifelhaft zu nennen." Der Verfasser meint dann, wenn schon Rennen für die Vollblutbesitzer unentbehrlich sein sollten, so mögen sie ohne Beteiligung einer johlenden, wettenden, flirtenden und trin» kenden Menge stattfinden. Die Kosten und den Verlust an hohen Rennpreisen sollten die Züchter von Rennpferden eben- so tragen, wie die Schweinezüchter, die Hausbesitzer und zahl- lose Handwerker bis herab zu den Näherinnen die Wirtschaft- lichen Verhältnisse des Krieges tragen müssen. Der Krieg erfordere überall die Auffindung neuer Mittel, und Deutsch- land habe sich auf diesem Gebiete überaus glänzend gezeigt. Die Pferdczüchter aber sollten in diesen Tagen nicht Sankt Crispin zum Vorbild nehmen, der die Heiligung der Mittel durch den Zweck bis zum Lederstehlen bei den Reichen trieb. um den Armen Schuhe zu machen, sondern den Ernst der Zeit auch in ihren Köpfen so weit aufgehen lassen, daß sie Tota- lisatorrennen heute als etwas Anstößiges empfinden. Sollte trotz dieses ernsten Einspruchs mit der Bearbeitung der öffentlichen Meinung zugunsten solcher Rennen fort- gefahren werden, so bliebe nichts übrig als eine Unterschriften- sammlung aller Gegner solcher Veranstaltung, die dem Oberst- kommandierenden der Marken nötigenfalls den Beweisstoff dafür lieferte, daß ein Verbot dem Gefühl aller Rechtdenken- den entspräche. Wir haben ständig auf die großen Schäden der Renn- wetterei hingewiesen. In Kriegszeiten würde nur noch euer- gischer dagegen Protest gemacht werden müssen. Städtetag und Kartoffelfrage. Auf nächsten Sonnabend hat Oberbürgermeister Mermuth eine Vorstandssitzung des Deutschen StädtetageS in das Ber- liner Rathaus einberufen. Den Hauptberatungsgegenstand wird die Kartoffelfrage bilden, die durch die Schaffung der Reichsstclle für Kartoffclversorgnng nicht so weit gefördert ist, daß Zweifel ausgeschlossen wären. Auch die Schwetnefrage, die mit der Kartoffelfrago auf das engste zusammenhängt, wird wieder erörtert werden. Außerdem sind finanzielle Fragen auf die Tagesordnung gesetzt, besonders die Geld- beschaffung nach dem Friedensschluß. Arbeitsvcrmittelung für Kriegsverletzte. Bereits vor Ausbruch des Krieges war die Ausgestaltung der öffentlichen Arbeitsvermittelung in Groß-Berlin Gegen- stand von Verhandlungen. Der Magistrat der Stadt C h a r- lottenburg hat nun bei dem Oberpräsidenten die Wieder- aufnähme der Verhandlungen über die Errichtung eines Zweckverbandes für Facharbeitsnachweis in Groß-Berlin beantragt und diesen Antrag mit der Notwendigkeit einheitlicher Regelung der KriegSverletztenfürsorge sowie mit den großen bei Friedensschluß den Arbeits- nachweisen bevorstehenden Aufgaben begründet. Da aber die Versorgung der Kriegsvcrletzten besonders dringlich ist, hat der Charlottenburger Magistrat beim Magistrat der Stadt Berlin die Einrichtung einer gemeinsamen Organi- sation des Arbeitsnachweises für Kriegs- verletzte für Berlin und Vororte noch vor Rege- lung der allgemeinen Fragen in Anregung gebracht und die Errichtung eines besonderen Arbeitsnachweises für die An- gehörigen der kaufmännischen und technischen Berufe, für die bisher eine einheitliche und öffentliche Arbeitsnachweisstellc in Groß-Berlin fehlt, befürwortet. Städtische Vcrkaufsvermittlcr und die Teuerung. Der Wild- und G e f l ü g e I h a n d el. Die am 10. April 191B in Berlin, LehrervereinShaus, ver- sammelten Berliner Wild« und Geflügelhändler haben in einer längeren Entschließung ausgesprochen, daß eS ihr ernstes Bestreben fei, jede ungerechtfertigte Preissteigerung nach Möglichkeit zu bekämpfen und daß die Preise für Wild und Geflügel mit AuS- nähme des bisher vom Auslande bezogenen, jetzt ausgebliebenen Geflügels auch in der KriegSzeit mit den üblichen Schwankungen normal geblieben, teilweise sogar niedriger als in früheren Jähren gewesen feien. Sie können aber nicht umhin, darüber ihr Bedauern auszudrücken, daß die Geschäftspraxis der Berliner städtischen Verkaufsvermittler wiederholt eine unberechtigte Verteuerung der Ware herbeizuführen geeignet war und sie erwarten von der städtischen Markthallen- Verwaltung, daß sie die von der Markthallendeputation bereits teil- weife zugesagten, teilweise in Beratung befindlichen Maßnahmen zur Abhilfe der Mißstände tunlichst bald energisch durchführt, ins- besondere, daß den städtischen Verkaufsvermittlern verboten wird. die Versteigerung selbst durch Einsetzen hoher Preise dahin zu beeinflussen, daß sie Anreiz zu weiterer Preis- steigeruyg geben, daß ihnen ferner verboten wird, durch Verkauf von Ware nach außerhalb und andere Gepflogenheiten den Berliner Versteigerungen Ware zu entziehen, so daß durch künstliche Warenknappheit die Preise steigen. Dagegen wurde mit Beftiedigung davon Kenntnis genommen, daß den städtischen Lerkaussvermittlern das Zusagen von Mindestpreisen vom 1. Lpril d. J. ab untersagt worden ist, wodurch ein ebenfall» seit längerer Zeit gerügter Uebel« stand beseitigt wird. Von den Reich»- und Staatsbehörden erwartet die Versammlung eine Förderung des Bestreben« zur Linderung der Fleischknappheit usw' insbesondere die Aufhebung der die Einfuhr von dem nahrhaften Renntierfleisch erschwerenden Bestimmungen, dahingebend, daß die Einfuhr von Keulen und Rücken ohne die schweren, ungenießbaren Knochen«(Kopf-) Beilagen in Tonnen ohne weitere erschwerende Vorschriften gestattet wird. Protestiert wurde gegen die verschiedentsich geforderte völlige Abschießung dcS deutschen Wildstandes, sie liege nur insoweit im Interesse des deutschen Volkes, als die Erhaltung de» Wild- ftandes nicht für alle Zukunft gefährdet wird. Gegen einen vermehrten Wildabschuß sei nichts einzuwenden, weil die Linderung der Fleischknappheit dringend notwendig sei. Der Ab- schuß von Wildschweinen, die den größten Wildschaden machen, sei heute uneingeschränkt. Der Verminderung der Wildkaninchen sei zu« zustimmen, aber darauf hinzuweisen, daß diese ein Volksuahrungs- mittel geworden seien, daher ihre Ausrottung durch Gift, wie mehr- fach behördlich angeordnet, falsch wäre. Denn vergiftete Kaninchen sind für den menschlichen Genuß nicht geeignet, die Auslegung von Gift gefährdet auch anderes Wald sowie Haustiere. Als eine Notwendigkeit im Interesse der Volksernährung wird die Aufhebung der Zölle auf Wild und geschlachtete» Geflügel ge- fordert; die Zollfteiheit für lebendes Geflügel genüge nicht, da dicfeS nur noch in sehr beschränktem Maße eingeführt werde. Schließlich wird darauf aufmerffam gemacht, daß verschiedene behördliche Anordnungen, wie z. B. da? Verbot des Handels mit Reh- kälbern in Berlin, da« strenge Vorgehen der Berliner Polizei gegen Ab- fender, die rechtmäßig erlegtes und erworbene», aber durch die Schuld ländlicher Behörden mit nicht formgerechten Ursprungsscheinen usw. versehenes Wild nach Berlin senden, die Zerrissenheit Groß-BerlinS in bezug auf die den Handel aufs engste berührenden Jagd- und Schonvorschristen und Verkaufszeiten, trotzdem hier keine Jagd aus- geübt werden kann, die Zufuhren von Wild nach Berlin zugunsten anderer Städte und Bundesstaaten und den Handel mit Wild in weitaus größerem Maße verteuern, erschweren und einschränken, als es die Rücksicht auf die Jagdpflege erfordere. Für 10000 M. Schmuckfcdrrn erbeutete ein Dieb am Dienstag in der Blumensabril von Danziger u. Co. in der Beuthstr. 10. Die Arbeitsrüuine und das Privatkontor dieser Fabrik stehen in der Mittagspause ohne Aufsicht. Diese Zeit benutzte der unbekannte Dieb, der sich nach dem Befund hatte einschließen lassen. Au» dem Privatkontor nahm er einen Karton mit 00 Paradiesvögeln und zwei Karton« mit weißen Straußfederplatten, die vormittag» erst gekauft worden waren, au» den Fabrilräumen noch zwei wertvolle Straußenfedern, alles in allem für rund 10 000 M. Weniger wertvolle Waren, aber auch einen Karton mit den kostbarsten Marabu- federn ließ er liegen. In zwei Schreibtischen, die er erbrach, fand er nichts. Die Leitung der Lärmglocke und die Glocke selbst hatte er durchschnitten und unbrauchbar gemacht, um nicht beim Verlassen der Räume sich zu verraten. Kleine Nachrichten. Bei einer Bootsfahrt ertrunken ist am Dienstag auf dem Rummels burger See der 18 Jahre alte Post- aushclfer Friedrich Stocken aus der Türrschmidtstr. 20. Der junge Mann, der mit mehreren anderen in einem Mictsboot ausgefahren war, fiel bei dem Versuche, in der Nähe der Spreebrücke das Boot an einen Lastkahn anzuhängen, mit einem anderen Insassen ins Wasser. Während eS gelang, diesen zu retten, ging er alsbald unter und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.— Aus Furcht vor geistiger Umnachtung hat der B7 Jahre alte Arzt Dr. Max H. aus Schöneberg Hand an sich gelegt. Er mietete in einem großen Hotel im alten Westen Berlins ein Zimmer und vergiftete sich dort nrit Morphium. Als man ihn auffand, war er bereit» tot.— Ein heftiger Zusan-menstoß ereignete sich heute morgen an der Ecke der Dorotheen« und Sommerstraße. Als ein Straßenbahnzug der Linie 23 noch nicht ganz um die Ecke gekommen war, fuhr ihm ein anderer Wagen aus der entgegengesetzten Richtung so heftig gegen den An- bänger, daß dessen Scheiben alle in Scherben gingen. Die meisten Fahrgäste kamen wohl mit dem Schrecken oder mehr oder weniger bestigen Erschütterungen davon. Dem 10 Jahre alten Hausdiener Ernst Thomas au» der Rosenthaler Str. 11, der auf dem Anhänger stand, wurde die ganze Kleidung zerrissen. Er erlitt an den Schultern so beträchtliche Schnittwunden, daß ein Schutzmann ihn zum Ber- binden nach der Charitö bringen mußte.— Auf einem Bauplatz am Markgrafendamm 2B entdeckten Kinder, die dort spielten, in einem Wassertümpel die Leiche eine» neugeborenen Knaben. Das Kind war in ein Stück eine» schwarzen FrauenrockcS eingewickelt. Um den Hals waren ihm ein Spitzenkragen und eine Schnur gelegt und fest zugebunden.— Als die Ehefrau de» in der Linden- Promenade 54 in Pankow wohnenden PostfekretärS Bierfreund Montagnachmittag aus dem Fenster ihrer im dritten Stockwerk ge- legenen Wohnung auf die Straße hinab sah, erlitt sie plötzlich einen heftigen Schwindelanfall und stürzte infolgedessen kopfüber aus die Straße hinab. Mit schweren äußeren und inneren Verletzungen wurde die Bedauernswerte nach dem Pankowcr Krankenhause ge- bracht, wo sie bald nach der Aufnahme starb. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 17. d. M. lourde in Berlin auS der Spree am Holsteiner Ufer 27/28 die Leiche eines unbekannten, anscheinend den besseren Ständen an- gehörigen Mannes gelandet. Die Leiche ist zirka 2B— 30 Jahre alt, 1,68 Meter groß, hat kräftige Gestalt, dunkelblondes Gesicht, geneigte Stirn, blonde, bogenförnnge Augenbrauen, vollständige Zähne und breites Kinn. Da die Leiche schon längere Zeit im Wasser gelegen hat, ist die Farbe der Augen nicht mehr erkennbar. Bekleidet war die Leiche nur mit blauer Weste und Hose, weißem, lila punkttertem Oberhemd mit Firmenstempel.Haiti", Makkounterhose, grauwollenen Strümpfen und schwarzen Schnürstiefeln mit Lackspitzen. Nachrichten über die Persönlichkeit des Toten nimmt jedes Polizeirevier und der Kr. Bezirk zu 040 IV öS. 14 entgegen. Akademische UntcrrichtStnrse. Die Anmeldung zu den sehr nütz- licb wirkenden akademischen Unterrichtskursen, die sich vornehmlich auf die Elementarfächcr beschränken, können an folgenden Stellen er- folgen. Am beutigen Donnerstag, den 22. April, abends 8—10 Uhr, in Neukölln, Katser-Friedrichstr. 208/210; Freitag, 23. April, Lange» straße 81 und in der Geschäftsstelle Dorotheenstr. 40. Am Sonn- abend, den 24. April findet im Lokale Gipsstr. 23» eine allgemeine Hörerversammlung statt. Zeugen gesucht. Personen, die am Eonnabendvormittag 11'/« Uhr in der Prenzlauer Allee(Siechenhaus) gesehen haben, wie ein Knabe von dem Straßenbahnwagen der Linie 73 überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Hermann Pomereit, Schliemannstr. 37, ein- zusenden._ Mus öen Gemeinöen. Steuerfestsetzung in Lichtenrade. Die Gemeindevertretung von Lichtenrade hat am Dienstag be- schlössen. 120 Prozent Gemeindeeinkommensteuer, ferner 3,4' vom Taufend Grundwertsteuer von bebautem und an nicht regulierten Straßen liegenden Grundbesitz sowie 4,4 vom Tausend vom un- bebauten, an befestigten Straßen liegenden Baugelände zu erheben. Die unentgeltliche Rechtsauskunftsstelle des Spandauer Gcwerk- schaftskartells, Breitestr. 64 I, woselbst Auskunft in allen Unfall-, Invaliden- und Krankenkassenangelegenheiten erteilt wird, ist während der Dauer des Krieges nur noch jeden c r st c n und dritten Freilag im Monat in der Zeit von 6—8 Uhr abends geöffnet, Gerichtszeitung. Ein Schutzmann als Angeklagter. Tos Ltmdffecicht I in Berlin hat. wie unseren Lesern crinner- lich, am 21. Januar den«chukniann Hermann Thinius wegen Vergehens gegen§ 14ö7 der Ncichsversiltiernngsordnung zu Strafe verurteilt, weil er bereits verwendete Versicherungsmarkcn nachmals verwendet hat. Ter Zeuge P. war früher als Kutscher tätig und entsprechend versichert. Als er Gastwirt wurde, bcschlotz er. die Versicherung freiwillig weiterzuführen und gab dem Angc- Nagten seine Quittungskarte. Dieser klebte dann 30 Marken auf, die schon einmal verwendet uicd mit Tintenstift entwertet waren. Mit dicker Tintcnschrift schrieb der Angeklagte dann einen neuer. Sntwcrtungsvcrmcrk auf die Marke». Die Revision des Angc- klagten wurde am Dienstag vom Rnchsgmcht als unbegründet verworfen. Unkenntnis von Anordnungen der Generalkommandos schützt nicht vor Strafe. Diese recht bedenkliche Entscheidung hat jetzt das Kammer- gericht in folgendem Falle getroffen: Das Generalkommando in Münster halte auf Grund des Bc- lagcrungsgcsetzes eine Anordnung getroffen, die dahin gebt, dah alle russischen Arbeiter im Alter von lö bis 45 Jahren sich am Erle ihrer bisherigen Steile aushalten müssen und ohne Erlaubnis die Grenzen dcS Qrtspoiizcibezirls nicht überschreiten dürfen. Diese Vorschrift hatten die russischen Arbeiter Maschwinsti und Starostka übertreten, indem sie den Bezirk ihres bisherigen West. sälischcn Aufenthaltsortes verlassen hatten. Sic tvaren deshalb angeklagt Warden. Zu ihrer Entschuldigung machten sie gellend, dah sie den Befehl dcS Stellvertretenden GencraltommandoZ in Münster nicht gekannt hätten. Tie Strafkammer in Paderborn nahm an, dah ihnen nicht zu widerlegen>ei, daß sie keine Acnntins van der Anordnung ge- habt halten. Sie sprach deshalb die Angeklagten fcri, indem sie annahm, unter diesen Umständen hätten sich die Angeklagten nicht urasbar machen können, weil sie nicht eine StrafrcchlSnorm, sou- dcrn nur eine Vcrwalinngsmasznahmc übertreten hätten. Das Kammergericht als Nemfionsinstanz hob am l!l. d. M. dies »rtcil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an die Strafkammer zurück. Begründend wurde«nisgeführt: Der Senat fei znstäicdig. weil lediglich die Verletzung der Anordnung dcS Generalkommandos gerügt worden sei von der Staatsanwalt. schast. Das Urteil der Borinstanz sei verfehlt. Tie Anordnung, die auf Grund dcS BclageriingSgesetzes erlassen worden sei, wäre als Teil des Gesetzes anzusehen. Es handle- ficb deshalb um«ine Strafrechtsnorm,«omit könne die Nicktkenntnis der Angeklagten von der Anordnung des Stellvertretenden Generalkommandos sie nicht straflos machen. Demzufolge müsse sich die Strafkammer noch einmal mit der Sache befassen. und so kam es, dag erst am 27. November 1914 beschlossen würde, Termin gegen Henschke anzusetzen. Gegen das Urteil vom 13. Januar lSIS hatte Henschke Revision eingelegt, in welcher er darauf hinwies, daß länger als b Monate keine richterliche Handlung gegen ihn vorgenommen worden sei. Auf Antrag des Reichsanwalts stellte am Dienstag das Reichsgericht das Ver fahren wegen Verjährung als unzulässig ein. Bestrafung wegen Verfütternd von Brotgetreide. Wegen Verfüttcrns von Brotgetreide ist am 20. Februar vom Landgericht Verden neben fünf Mitangeklagien der �stellenbcsitzer Johann Brosen zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt worden. Tie in Frage kommenden Straftaten sind im Dezember 1911 begangen worden. Brosen hat Roggenschrot verfüttert und dem Vieh Roggcnmehl zu fressen gegeben. Brufen machte vor Gericht geltend, der Roggen, den er allerdings als Brotgetreide gekauft habe, sei derart ausgewachsen gewesen, daß er sich zur Brotbereitung nicht geeignet habe. Es sei ein Versuch damit gemacht worden, aber niemand habe dieses Brot essen können. Ein Sachverständiger, Vertreter einer Grotzmühlc, hat sich dahin ausgesprochen, daß aus gewachsener Roggen, mit gutem Roggen vermählen, sich öoch zu Brot verwenden lasse, welches durchaus genießbar sei. Das Gericht hat deshalb angenommen, daß der Angeklagte Brosen der Ver- vrdnnng des Reichskanzlers vom 28. Oktober 1914 zuwider Brot- getreidc verfüttert hat. Das Reichsgericht verwarf am DicnStag die Revision des Angeklagicn als unbegründet. Nachklänge zum Krankenkassrnftrcit in Breslau. Ter Konflikt zwischen den Krankenkassen und den Aerzlcn in den Jahren 1913/14 war in Breslau mit einer Vereinbarung bei- gelegt worden, nach welcher die bis dahin tätigen„Nothelfer" von ihrer Kassentätigkeit gegen eine Abfindung zurücktraten. Nach Kriegsausbruch gaben diese in Breslau verbliebenen Aerzte in unserm dortigen Parteiblatte bekannt, sie wollen ihre Arbeitslraft dadurch nützen, daß sie die Frauen upd Kinder zum Kriegsdienst eingezogener»viittclloscr Mannschakicn nnenlgeltlich behandeln würden. Dieser anerkennenswerte Entschluß, der auch bis zum l'cutigen Tage durckigchalicn wurde, fand nicht den Beifall der ärztlichen Kollegen vom Leipziger Verband, die eine Etklärung veröffentlichten, in der es hieß:„Tie Bekanntmachung erweckt den Anschein, als ob jene Aerzte dem Publikum durch die freie Behandlung ein besonderes Geschenk machten, was ober durchaus unrichtig und sogar überflüssig ist, da alle Aerzte Breslaus dasselbe tun, ohne hiervon ein besonderes Wesen zu machen. Es sind noch dazu gerade solche Herren, die sich von uns getrennt und durch die Krankenkassen und die anderen Aerzte, ohne selbst zu arbrstrn, er- halten lassen." Dieter scharfe Angriff hatte zur Folge, daß die Hilfsbereiten den Vorsitzenden der Aerztekammcr für Schlesien, Geb. Sanitätsrat Tr. Körner, wegen Beleidigung verklagten. Das Tchöfseugericht erkannte gegen den Beklagten auf 150 M. Strafe; das in der Be- rusung angerufene Landgericht ermäßigte die Strafe auf 50 91. Die Wahrnehmung berechtigter Interessen konnte nicht zugebilligt werden, da die Absicht der Beleidigung zu offen zutage lag. Unterschlagungen im LustspielhauS. Veruntreuungen einer Angestellten des Lnstspielhauses unterlagen gestern der Prüfung der 6. Strafkammer des Landgerichts I. Unter der Anklage der U n t e r s ch l a g 11 n g und der Urkundenfälschung in mehreren Fällen stand die frühere Theatcrsckretärm Julia K u h n- K a r c h n. Die Angeklagte hatte beim Lustspielhaus einen Vertrauens- hosten iimc, den sie zur vollsten Zusriedeiiheit des Direktors Volten-Bäcker versah, bis einige Unregelmäßigkeiten in der Kasscnfiihrung ans Tageslicht kamen, die dazu sührten, daß sie zunächst ihres Amtes euthoheu und auf Grund weiterer Ermittelungen in neun Straffällen die Anklage erhoben wurde. Nach der Anklage, die durch die Beweisaufnahme größtenteiis bestätigt wurde, hat die Angeklagte verschiedene Geldbeträge, die sie empfangen, nicht an die Thealertasse abgeführt, sondern für sich verwendet. Sie soll auch den Jntzalt eines mit 130 M. gefüllten Portemonnais, welches ein Logenschließer eines Abends nach der Vorstellung in einer Lage gefunden und an sie abgeliefert hatte, bis auf einen kleinen Rest sich angecignct� habe». Am schwersten wurde sie nach folgender Richtung hin beschuldigt. Sic balle in drei Fällen je 2000 M., in einem Falle 1000 M. auf das Konto des Lnstspielhauses bei der Tepofiteiikassc O der Kommerz- und Diskontobank einzahlen lassen. Sie soll dann nachträglich in dem Kontobuch die entsprccheicdcn von der Bank gemachten� Ein- tragungen durch Hinziifügung und Radierung in der Weise ge- fälscht haben, daß� sie die eingetragenen Beträge um je 500 M. erhöhte. In ihr Kassenbuch trug sie jedesmal 2500 M. bzw. 1500 M. als bei der Bank eingezahlt ein, und diese Daten wurden von der Buchhalterin Frau Baumgarten in das Hauptbuch über- tragen. Die Sache wurde entdeckt, als die Bank der Direktion dc« Theaters den üblichen StaffelauSzng übersandte. Es wird ''»genommen, daß die Angeklagte das Geld zur Beschaffung einer Aussteuer gebraucht; sie hat am 30. August v. I. heiraten wollen, ihr Bräutigam ist aber im August im Felde gefallen. Tie An- geklagte bestritt mit Entschiedenheit ihre Schuld. Nach eingehender Beweisaufnahme durch Vernehmung dcS Direktors Volten-Bäcker und einer ganzen Anzahl von Angestellten des Theaters hielt der Staatsanwalt die Schuld der Angeklagten in acht Fällen für er- wiesen und beantragte 1 Jahr 0 Monate Gefängnis. Tos tllcrickit sprach die Angeklagte in vier Fälle» frei, vertagte einen Fall und rerurteiltc die Angeklagte zu 9 Monaten Gefängnis. Ein verjährtes Prcsscdclikt. Das Landgericht III in Berlin bat am 13. Januar den Studenten Alfred Henschke, der sich jetzt Schriftsteller nennt, wegen Verbreitung einer unzüchtigen Schrift zu«träfe verurteilt. Ur- svrünglich waren gemeinsam angeklagt der Schriftsteller Alfred Km, der Student Decke und der jetzige Angeklagte. Da Henschke mitteilte, daß er nicht zur Hauptvcrhandlung kommen könne, wurde am 27. November 1913 gegen die beiden anderen verhandelt, welche freigesprochen wurden. Die Staatsanwaltschaft legte gegen dieses Urteil Revision ein und das Reichsgericht hob das Urteil auf. ES sollte nun erst die Sache gegen Kerr erledigt werden, /ius aller Welt. Zrühling in Suwalki. S u w a l k i, den 12. April 1912. Nach einem Besuch in Berlin sitze ich nun längst wieder hier in meinem guten Quartier an einem zierlichen Salonmöbel, das mir als Schreibtisch dient. Nichts deutet i» Suwalki darauf hin, daß die Heeresleitung sich mit der Absicht trüge, den Russen hier die Herrschaft wieder cinzuräuincii. In, Gegenteil, man richtet sich in dem hübschen Gouvcrncincntsstädtchen immer wohnlicher ein. Auf den Straßen winden sich promenierende Daincn durch die Züge von Soldaten. Tie da lnstwandeln, sind zum Teil noch mit Pelzwerk überladen, andere zeigen sich bereits m leichter Frühjahrs- toilctte. Auch die Stadt selbst legt ein frc>mdlichcs Gewand an, Viele Hände sind geschäftig dabei, überall Ordnung zu schaffen: der Schmutz verschwindet von den Straßen und Platzen. Der Park vor der katholischen Kirefic in der Petersburger«traße siebt schon ganz geputzt, frühjahrsmäßig aus. Tie gesäuberten und gestutzten Bäume schauen aufjiübschplanicrtc Wege und korrekt abgejtocheuc Rascnbeetc. Das Straßenpflaster, das lange von einer Schmutz- decke überzogen war, zeigt sich wieder in feiner mehr oder minder großen Holprigkcit. Tie schadhafteren«tellen werden ausgebessert. Manche Einwohner sehen dem Treiben verwundert zu. Man geht mit deutscher Gründlichkeit zu Werke. TaS Säubern und Ordnung schaffen beschränkt sich nicht auf die Hauptstraßen und öffentlichen Plätze, auch auf den Höfen und in den Gärten sind Besen, Harken und Schippen in Bewegung: alier und junger Schutt verschwindet Die einzelnen Höfe, ja alle Stadtteile bekommen ein anderes, freundlicheres, anheimelnderes Aussehen. Ilnd es sind gefangene Russen, die unter der Aufsicht deutscher Soldaten der russischen Stadt das Kleid der Qrdllung und Sauberkeit anziehen. An manchen Stellen muß erst ein mächtig dicker Schinntzpelz cntscrnt werden. Auf de», Hofe meines Quartiers sind zchi, Riissen, fast lauter junge Leute, bei der Arbeit. Ich kenne Hof und Okirten kaum wieder, so haben sie sich während meiner Ad- Wesenheit verändert. Ein mit einem Holzzaun umschlossenes Stück harrt noch der Säuberung. Mir war es als Mistlagcr in Erinnerung. Als ich kürzlich in Urlaub ging, lag eine dicke Schneedecke darauf. Sie ist fortgc schmolzen; auch hier hat der Winter sich verabschiedet. Ob er nicht noch ein kleines Gastspiel gibt? Aus dem faulen Stroh ragt allerlei Gerumpel heraus: Kisten, zer- brochene Möbelstücke, altes Geschirr usw. Nun geht eS an das Ausheben; ungefähr ein Meter hoch ist die Mistschicht, dann kommt der Garteubodm zum Vorschein, ein guter Boden für Kartoffeln und Gemüse. Ten Gefangenen behagt die Arbeit anscheinend ganz ausgezeichnet; sie sind sehr fidel dabei. Ein junger Mensch, groß und kräftig, lehnt an dem Zaun und bettelt mich um Zigaretten an... Ran überstürzt sich nicht mit der Arbeit. Wahrscheinlich haben die Meldungen über einige Angriffe der Russen östlich von Suwalki die vor einiger Zeit aufgetauchten Ge- rüchte von dem Abmarsch der Deutschen auskommen lassen. Dabei kamen die Angreifer aber nicht einmal bis an unsere eigentliche feste Verteidigungölinie heran. Abgesehen von einigen undebeu-, tcnden Plänkeleien ist der Jnfanteriekampf auf beiden Seiten zum Stillstand gekommen, lediglich die Artillerie ist mäßig tätig. Henie 5. B. wurden auf der ganzen Front nur wenige Schüsse gewechselt. Den Russen scheint die Lust zur Offensive wenigstens vorläufig ausgegangen zu sein, auch sie haben feste Stellungen angelegt oder sind noch mit deren Ausbau beschäftigt. Auf unserer Seite war man wohl mit den Befestigungsarbeiten schon vollständig fertig. Auf dem Wege von Mirunsken nach Suwalti begegneten mir Tausende von Arinierungsarbeitern, die nach Teutschland zurück- zogen. Hier, an diesem Teil der Ostfront, gab eS für sie nichts mehr zu tun. Tie Russen müßten schon ganz enorme Kräfte ansetzen, wenn sie die deutsche Stellung ernsthaft angreifen wollten. Aber nach den Erfahrungen, die man gemacht hat, scheint man dazu keine große Neigung zu verspüren, obwohl es die Russen aus politischen Gründen nach einer Wiederbesetznng Suwalki? erklärlicherweise stark gelüstet. Größere Operationen sind zurzeit auch kaum möglich. Auf den jetzt grundlosen Wegen ist nur schwer vorwärts zu kommen und die aufgeweichten Sümpfe erlauben ein frontales Vorgehen nicht. WaS es mit den russischen Wegen aus sich hat, erfuhr ich wieder mal auf der Fahrt hierher, ftauiu waren wir über die Grsnzc, da hatte unser Auto, dos durch häßliche Löcher hopsen mußte, eine Panne— und wir fuhren auf einer erstklassigen Straße! Wäh- rcnd der Reparatur fand ich Gelegenheit, ein großes Lager von landwirtschastlichcn Maschinen zu mustern, das die Russen in der Nähe von Filipowo angelegt hatten.... Ohne ihre Einwilligung waren hier die Firmen Gebrüder Kobcr, Wutha(Thüringen), Eckcri-Berlin, Th. Floeter-Gasscn, vorm. Kind, Wcrmkc-Heiligcn- beil, sowie Mayer u. Co.-Kalt im Rheinland mit den verschiedensten Maschinen vertreten. Man hätte sicher schon mit dem Zurück- schaffen der Maschinen nach Teutschland begonnen, wenn auch nur mit der Möglichkeit gerechnet würde, das besetzte Gebiet wieder räumen zu müssen. Düwell, Kriegsberichterstatter. Die Bestechuugsaffare Goupil. Der„Mai in" erfährt aus Marseille: In der Assär« Goupil ist nunmehr auch der Großkaufmann und Zeltfabrikant Busserel verhaftet worden. Busserei hatte durch Schmier- gelder große Aufträge zu günstigen Bedingungen von Goupil er- halten. Bisher sind sechs Personen verhaftet worden. Ja» Duutitrcscu verhaftet. Bukarester Meldung zufolge ist der Diener Jan DumitreScu, der einen Anschlag auf den früheren Generaldirektor der rumänischen Theater, Alexander Davilla. verübt hat, verhaftet worden, er ist ge- ständig. Davillas Zustand ist nach einer Operation an der Gehirn- schale andauernd ernst.___ Jugenöveranstaltungen. Treptow Baumschulenweg. Sonntag, den 25. April: Wanderung nach Schöneiche, 8 Uhr Abmarsch für beide Ortstelle von den bekamrten Stellen. Treffpunkt 1 Uhr nachmittags in der Nähe de» Mcnnöchen Lokal« >n«chöneichc. Gemeinsame Spiele daselbst. Endziel und Rückfahrt Friedrichshogen. Fahrgeld 30 Pf Friedrichshagen. Das neue Jugendheim befindet sich Scharnwcber- straxe 59, Part. Geöffnet Mittwochs und Sonnabends von S— 9'/, Uhr. Sonntags von 6— V'/z Uhr._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Zldlershof. Heute Donnerstag: Dringende Sitzung im Sitzungssaal dcS Gemeindeamts, Bismarck sir. 1. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindcaugehörig! ist bc- lechligt, ihnen als Zuhörer brizuniohucn. öriefkaften ös? Reüaktwn. Tis iriristifchs SPrechstrmds findet für Abonnenten llindeuirr. 3. I?. Hof rechts, varlerre. am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Scnnabei.a Briestasten bestimmten Anfrage Merlseichen beijnfügen Arieftiv e denen leine Abannemcntsauitlurg Clllge Fragen trage man in der und dirglciaicn bringe man in die von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für de» ilt ein Buchstabe und eins Zahl als Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, beigesügl ifl, werde» nicht beailtworlct. SvrechsUmde vor. Verträge, Schriftstilckr Sprechstunde mit. M. K. 50. Urlaub kann Ihr Mann nur ans dem vorschristsmötzigen Wege durch leinen Truppenteil erlangen.— V. D. 10. Generalstab:. ärzlc gibt es nicht, wohl aber Generalärzle in Armee und Marine: beim Landhecre gibt es auch Obergeneralärgte im Range eines Generalmajors. — TS. Sch.<5. 02. l. Ja. 2. Nein. 3. Ist uns nicht bekanni.— C. Haupt 100. 1. Ungefähr 70 Millionen. 2. lieber 50 Millionen.— (?. M. TL. 49. Geben Sie Ihrem Wunsche dort Ausdruck, das;-S unterbleiben soll.— U. 101. Ist anzunehmen, aber bestimmte Jnjichcrimz können wir auch nicht geben.— 51. B. 12. Ans diesen! Gedietc sind mir leider nicht bewandert. Ein Gärtner könnte Ihne» lachmännischen Rot geben.— K.(st. 7. Wenden Sie sich an die Prüfungsstelle sür Einiadria- Freiwillige, Jnvalidenftr. 52.— Alwine L7. Fragen Sie per franlici lern Srics oder Karte an beim Roten Kreuz in Kopenhagen.— E. R. 10. Eine nähere Adresse ist uns nicht bekannt, ist aber auch nicht eilorderliw. — Berkäuferiu 50, Die Gesellschaft ist zur Ausstellung des JeugniRs nicht mebr verpflichtet.— I. D. Nowawes. Wenn Sie ein ärztliches Attest beibruigeii könnten, würde ein Gesuch aus Zurücknahme Ihrer Meldung vielleicht Ersvlg Hobe». Sonlt werden Sie der Auffordeiung Folge leisten müsset!.— P. St. 77. Sie haben Anspruch aus 6 Wochen Loh».-- A.$. 84. Oberflächliche, nicht binderliche Narben von � erlittene» Pcr- letzmtge» und Operalioneii dlenstvllichtia. Bei der zweite» Musterung sind Sie wegen schlechter Zähne und Kranlöeitcu der UuterleibZorganc zurückgestellt worden.— 91. B. 10. Sie sind an den Kontrakt gebunden.— C. P. Ras. Sie mützten sich au die GesundheilSpolizei, Polizeipräsidium in Berlin, wenden.—(F. L. 99. Wege» Herzleide» dienstunlamrlich.— <0. K7. Nein.—<$. H. 101. Zur Kontrollversammlung brauche» Sie lrch nicht zu melden, nur wenn Sie persönliche Gestellungsorder bekomme». müssen Sie dieser Folge leisten. Wegen der anderen Frage wenden S>e sich an einen Arzt.— 21. T. 40. 1. Die Erbauseinandersetzling muz in dem Falle gerichllich ersolgen. 2. New.— H. Sit. 37. Nein.— 21. H. 59. Das sind rein militönsch« Zeichen, die wie nicht kennen.— E. W. 23. Wegen chronischer Gicht dienstuntauglich.— 21. 3t. Zu spät. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Freitagmittag. Von West nach L!t fortschreitende Ausheiterung des Wetters; zunächst ziemlich lühl und östlich der Oder noch wiederholt leichte Regenschauer. mn Lüll Yerwmilter Berufspom M Geichüttsstelle: C 54, Mulaskstr. 10 I. Fernspr.: Amt Norden 4513. Sonntaq» den 25. April 1915, nachmittags 2 Nhr, im Gewerkschaftshans, Engeluser 15, Saal 4: General-Versammlung. Tagesordnung: f. Geschäfts- und Kassenbericht vom l. Quartal 1915. 2. Berbandsangelegenheiteu. 7a in dlefer Versammlung sür die Mitglieder sehr wichtige Fragen de-. handelt werden, ist daS pLnkttiche Erscheinen aller Kollegen iiotweusiz Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches oder Karre gestattet. HjO* Die OrtSTenraltun�. Nach langem, schwerem Leiden! verstarb am 19. April meine! inniggelieble Frau, unsere gute j und treusorgcnde Mutter LmNie Wieckert geb. Weihs im 54. Lebensjahre. Dlescu schmerzlichen Verlust j zeigen tiefbelrübt an Ter trauernde Gatte nebst Sohn. Wie wobl ist ihr nach ausge- standenen Leiden. A! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Sankt I Georgen-FriedhoseS, Landsberger j Allee, aus statt. veiiLetiekljetzllärtieiler-Vei'däolij VonranungsatsU» Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, l daß unser Mitglied, der Schlossers Schmidt am 19. d. Mls. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freilag, de» 23. April, nach» mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- Halle des Südwest-KirchhoscS in Stahnsdorf aus statt, �ineliruk. Den Kollegen ferner zur Nach. riibt, datz unser Mitglied, der Rohrleger z.oulS Jaene am 17. d. Mls. gestorben ist. Ghre ihrem lllndeuken 112/17 Die Ortsverwaltung. Sozialileiiiokrat. KreiswaUTereiii Bezirk Waidmannslust. Ortsgruppe Birkenwcrder. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz am 19. April der Genosse Otts Sehylz nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Sudenkeu l 243/7 Ter Vorstand. Allzu srllh und scrn von seinen I Lieben starb i» treuer Pflicht ersüllung am 5. Dezember bei einem Gefecht mein mniggeliedler, aerzenSguler, unocrgetzlicher Mann, unser lieber, guter Sohn I und Bruder, Schwiegersohn. Schwager und Nesse, der Rcscrvisl Otto Lange Resi-Jnfi-Rez. Nr. 1, 5. Komp. im blühenden Alter Don 26 Jahren. DicS zeigen schmerzersüllt an Frau Nlarg. lange, geb. Runom. Ford. Lange nebst Frau, als Ell. Anna lange,»IS Schwester. Faul lange, als Bruder, zurzeit ün Felde. Familie Karl Runow. Familie Hormann Schubort. Du bist dahin, den meine Seele! licbtc. Mein treuer Gatte und mc höchstes Glück. Du bist dahin, der nie mein> Herz betrübte, Und läfst mich hier mit meinem I Schmerz allein zurück. Wir konnten beide glücktia, sei». Doch grausam grijs das Schicksal ei»] Wer Dich gelaiiul. sa gut, so brav,! So schlicht im Leben, im Berus, Vergißt Dich nicht. Nun ruhAu Frieden, du gulc-s Herz,! Ewig beweint von deinen Lieben. 1 Sage hiermit allen, die meiiien lieben unvergeßlichen Mann auf seinem letzlcn Gang zur ewigen Rubc begleitet haben, aus diese»? Wege meinen herzlichste» iiesgesühltei!-» Dank. 1583b Alwine I-ango geb Bdttcher. Danksagung. Für die.Kranzspende bei dcr Bc- erdigling meines lieben Mannes sage den Kollegen der A. E. G., vlbteilmia Meister Urich, meinen besten Dank. >V,hvo Weingardt 21 nebst Kindern. Klmneu-»nd Kraujliiudtrtl von ködert köL?er.' Jnh.■ P. Golletz Mariannenftr. 3. Tel.Mpl. 340 verantwortlicher Redakteur: Alkred Wielepp, Neukölln. Für de» Jnjeratenteil verantw.: TH.Glocke,BerIin. Druck u.BerIag:Lorwilrt»ivuchdruckirej u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo« Lerlin SW.