Dr. 119.-32. Jahrg. Ilbonn. tedes weitere Wort so Pfa. Stellengesuche und Schlosstellenan »eigen das erste Wort 10 P,n. iedes »estere Wort» Psa Worte über ,5Buch- staden zählen snr zwei Wotte. tznserale die nächste lstununer muffen hiS Bhr uächmittags in der Expediffott abgegeben werden. Die Expediti on'ist bis 7 Uhr abends gooffutU Delegramm-Sdreffee „Swijldfnfüral Rfrün". Zctitralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Dcutfchlands. Neöaktto»: Sw. 68, Linöeastraße 3. Aernsprecher: ilmt Moritzplatz, Nr. 1S1 90— 1»1 S7. Sonnabend, de« t. Mai 1915* r-r-—:--- 1.....,.--—- v---—:—.v-1. Cxpeüttton: SV. 68, Linüenstraße Z. «e-uivr-cher: Amt Moritzplatz, Nr. läl 9v-1Sl 97. erhöhte KampfestStigKeit an der AeMront Deutsches vordringen im nordwestlichen Rußland. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den SO. April 1915.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Au der Küste herrschte rege feindliche Fliegertätigkeit, Fliegerbombeu richtete» in Osteude nur erheblichen Schaden au Häuser» au. Die Festung Tünkirchen wurde gesteru von uns unter Artilleriefeuer genommen. In Flandern verlief der Tag ohne besondere Ereignisse, nachts griff der Feind zwischen Steenstraate und Het SaS an, das Gefecht dauert noch au. Die Brückenköpfe auf dem westliche» Kanaluser bei de» Orten Steenstraate und Het Gas sind von uns ausgebaut und fest in unserer Hand. Oestlich des Kanals nördlich von Dpern versuchte» .saaven und Turkos unsere» rechten Flügel anzugreifen. Ihr Augriff brach in unserem Feuer zusammen. In der Champagne nördlich von Le Mesuil konnten die Franzose« nichts von der ihnen vorgestern entrissenen Stellung wiedergewinne«. Die 10 00 Meter breite und 300 Meter tiefe Besestigungsgruppe ist von uns in ihrem vollen Umfange umgebaut und wird gehalten. I« de« Ar gönnen erstürmten unsere Truppe« nördlich von Le Four de Paris einen feindlichen Schützengraben,«ahmen eine« Ofsizier, SO Piatut gefangen und hielte« daS eroberte Gelände gegen mehrfache feindliche Gegenangriffe. Bei Coruay am Oftraud der Argonueu stürzte em feindliches Flugzeug ab, die Insassen sind tot. Zwischen Maas und Mosel griffe» die Franzose« gester» die von ttttS eroberten Stellungen ans den Maashöhe» erfolglos au, auch nördlich von Flirey scheiterte ein feindlicher Augriff unter starken Berlusteu. Bei den Kämpfen ans den Maashöhe« vom 24. bis 28. April haben die Franzo sc» allein an Gesaugene» ÄS Offiziere, darunter drei Regimentskommandeure, und rund 4000 Man« verloren. Die Küstenbefestigung Harwich an der englischen Oftküste wurde heute»acht mit Bombe« belegt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Bortruppen unserer im nordwestlichen Rußland operierenden Streitkräfte haben gestern in breiter Front die Eisenbahnlinie Düuaburg— Libau erreicht. Ernsthaften Widerstand versuchten die in jene» Gegenden vorhandenen russischen Truppe», unter denen sich auch die Reste der Teilnehmer am Raubzuge gegen Memel befinden, bisher nirgends zu leisten. Gegenwärtig sind Gefechte bei S z a w l e im Gange. Bei Kalwarja scheiterten größere russische Angriffe unter starke« Verlusten. Fünf Offiziere, 500 Russen fiele« unverwundet in unsere Hände. Auch weiter südlich zwischen Kalwarja und Augustow mißglückte« russische Vorstöße. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Heneralstabsbericht. Wien, 30. April.(25. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: 30. April 1915, mittags: An der allgemeinen Situation hat sich nichts geändert. Während des Tages Gcschünkämnfc und Ge- plänkel. Neuerliche hestigerussischeNachtangriffe im Orawa- und Opvrtalc wurden wie stets früher unter großen Verlusten des Feindes abgewiesen. � Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabcs: von Hoeser, Fcldmarschallcutuant. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französtfche Tagesbericht. Paris, 30. April.(W. T. B.) Amtlicher Bericht don gestern abend: Der Tag verlief ruhig. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurden zwei deutsche Angriffe, der eine gegen die belgischen Truppen nördlich von I p c r n, der andere bei 2es EP arg es, leicht zurückgeworfen. Deutsche Fliegerbomben gegen Nancp. Paris, 29. April.(W. T. 23.) Nach einer Meldung des „Temps" aus Nancy konnte ein deutsches Flug- zeug, das sehr hoch flog, das Zentrum von Nancy über- fliegen. Drei Bomben fielen in der3!ähe dcs Justiz- Palastes herab; dreiPersonen wurden getötet, sechs schwer verletzt und andere Personen, deren Zahl und Identität noch nicht feststeht, leichter verletzt. Das deutsche Flugzeug wurde heftig beschossen und verschwand schnell. Nach einer anderen„Temps"-Meldung wurden auch bei einem späteren Fluge Bomben auf Nancy geworfen, wobei fünf Personen getötet wurden. Deutsche Lustschiffe in England. Loudou, 30. April.(W. T. 23.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein deutsches Luftschiff oder Flugzeug warf heute früh Brandbomben über I p s w i ch und W h i t t o n ab. Drei Häuser wurden zerstört. Menschen sind nicht umgekommen. Ein deutsches Luftschiff überflog auch Bury St. Edmonds(Graffchaft Suffolki und warf mehrere Bomben ab. wodurch zwei Häufer in Brand gerieten. Das amerikoaisthe Rüstungs- kapital. New Dorf, 9. April.(Eig. Ber.» � Die Wirts äiaftliche Entwickelung Amerikas seit dem An- sang des. europäischen Krieges wird durch die Tatsache ge- Lennzeichnet,' daß die Rüstungsindustrie gewaltig floriert, Während das wirtschaftliche Leben des Landes im allgemeinen stagniert. Dieser ungesunde Zustand wird noch dadurch Per- schftmmerft, daß die Rüstungsgesellschoften, uin die euro- päischen Aufträge dewältigen zu können) ibre Betriebe ver- großem und neue Kapitalien in das Geschäft stecken. Das braucht nicht gerade zu bedeuten, daß die Unternehmer mit einer sehr langen Dauer des Krieges als sickier reckmen: denn wie pulsuttt l'Sben sie sich in den Verträgen gegen die„Ge- fabr" eines � baldigen Friedens gesichert. Sie rechnen mich offenbar/damit. Laß die Bereinigten Staaten nach dem Kriege ihre Dienste stärker in Anspruch nehmen werden als bisher. Dalier auch die energische» Versuche der Presse des Rüstungs- kapitchs. die Rüstpngssrage um jeden Preis asfenzuhajtvn. Als. Äsitpiel mag wigvudot dienen. Früher wurde allgemein behauptet und geglaubt, daß der Panamakanal die. Schlagkraft der amerikanischen.Flotte verdoppelt bobe. Mumpitz! rufen jetzt die.Herren Panzcrplatlenpatrioten aus. Der)Preis der Aftiein der Rüstungskonzernc drückt stch zurzeit denn auch' in. der Höhe dos zu erwartenden Gewinns aus. Ein krasses Beispiel dafür' liefern die gewöhnlichen Aktien der' Bethlebem-Stäblwerke/.denen-der bekannte'Herr Schwab Porsteht, dessen> Hintermann-der'-' wackere Friedens freund-Herr Cornegic ist. Die Werke- haben' getpattige Rüstungsaufträge von- europäischen Regierungen erhatten Die genannten Aktien haben nie einen Pfennig Dividende. bezahlt..Im letzten Jahre war der höchste Kurs, den sie erreichten, 14-"4. Heute stehen sie über 100. Nachdem am letzten Montag die Mindestpreise an.der Börse abgeschafft»mir den, entspann sich eine wüste Spekulation prit diesen Aktien, dch gestern bis zu 117 stiegen. Allerlei Gerüchte schwirrten in der Luft, die zu tviederhslen. setzt müßig..wäre.- Allem Anschein nach handelt es. sich um einen Kampf zur Kontrolle der Ge- fellschaft., Aber, wohin soll diese Entwickelung der Rüstungstverke führen? Diese Frage hat.schon mancher Amerikaner sich mit. schwerem Herzen zu beanftvorten gesucht. Man. wird sieb n;- innem, wie in der Vergangenheit europäische Regierungen die Polftik verfolgtien. den großer: Rüstungsfahriken ihres Landes höhere Preise zu zahlen, als diese den auswärtigen Kunden abverlangten. Dadurch sollten die Fabrikanten in- stand gesetzt werden, um auswärtige Aufträge zu tan kurciereir. Im Besitz auswärtiger Aufträge konnten die Rüstungsfabrikanten nun dazu schreiten,.ihre BetriebeIIIIIIII,IIIIIIII,I>III,I>IIIIII>>IIIIIIII>IIIIIIIIII»II»IIIIIIII»!»IIIIIIIIIIlIIIIIIIIIII Verkauf nUht an Wiederverkäufer FRISCHES FLEISCH Kalbsbrust.............. 75 Kalbskamm....... pM75 Kalbsrücken'°��S5 Kalbskeule ln o.,...,, �85 Schweineköpfe« 55 pf. pt pf. pf. pt, Schmorfleisch".� Roastbeef... ppmä Rinderfilet I.00 Rinderbrust.........«»SO Querrippe.............. p�85 pt pt pt Wurstwaren Roulade I.25 Gehacktes p».» 80 Gulasch 80 Gervelatwurst..............?t°°d 1,85 Teewurst..................... 1,80 Bauernmettwurst.......... vtmi 1.65 Rot-od. Zwiebelwurst... Ptod85p' n....,, Svbinkenspevic............ �1,78| BOUlllOn-WUrißl... 100 stück 95 pt 'kMPiotzeii Pfund 48 Pt LeHKorpfen m 789 88 pt Räucherwaren Bücklinge.................. 3 stm* 20». Lachsheringe............. 2 stock 25� Sprotten...................... Pfand 58 1,1 LaCllS in Scheiben, geräuchert>/, Pfund 45 Salzheringe.............. 3 stuck 25?' Frische Eier Stück 1 O9 1 2 Pf. Fraiutiicksklse 3 Stück 25 Pf. Kunsthonig 1.3S Pfund- Glas. HarmeladeXk, 5 Pfund- Eimer 1.95 Margarine Pfund 90 Pf. Himbeersaft Flasche 1, 05 Sardinen in Gel oder A Q Tomaten,Dose*frOpf. NoUeMnse Stück 12,15,20 Pf. Allgsmsin-Uerichledenes iftnreie" Cigaretteniabrik. M ANOL1 ZIGARETTEN D e n f s dt I« n d* führende Mftrke BOSNIA CIGAßJCTTEN Etwas 4anz Besonderes [MaL-KAL ■ 1 Company■ m Barllp N. 20 �ankstr. 65. Fordert cur KftDDflCigarenen Kressin I Raucht heivztoii■ Clgäietten> i Hu C?! Mi Alkoholfr. Getränke"V �ranz Abraham H»»t Ueniat-s.RSmertrank-Kell. C 33 tirUHtr.$*■ Fernap. 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Ein schmerzlich Zucken, üoch kein Sereun, Völkeraugen hellt ein üichterneun, Kein Mißachten unö kein Verzicht: Er soll uns segnen, wir lassen ihn nicht! Kein �lrbeitsruhn! kein Maienrausch l In Glut öie Welt, ein schlimmer Tausch. Ernsie Maigeöanken am 1. Mai 1915. Von Eduard Bernstein. Der Weltfeiertag der Arbeit, der Tag, der sonst die Ar- bcitcr in allen Ländern für ihre gemeinsamen sozialen Forde- rungen demonstrieren sah, der Tag, an dem in Reden und Aufsätzen, in Gedichten und Gesängen dem Gedanken des Friedensbundes der Völker begeistert gehuldigt wurde, dieser Tag findet uns diesmal inmitten eines Krieges, der die fünf ersten Großmächte Europas nebst kleineren Ver- bündeten in zwei wütend sich bekämpfende Lager getrennt sieht und hüben und drüben Millionen von Ar- beitcrn auf ein Schlachtfeld von unerhörter Ausdehnung führt. Es ist unmöglich, diesen Widerspruch nicht tief zu emp- finden. Von ihm ergriffen schweift der Gedanke zurück zu jenem denkwürdigen Internationalen Sozialistenkongreß des Jahres 1889, auf dem der Plan des Weltfeiertages der Arbeit seine erste Form erhielt. Diejenigen unter uns, die diesen Kongreß besucht hatten, erinnern sich der symbolischen Einleitung, die jenen: Plan dadurch zuteil wurde, daß ein Ehrenabend, den die Stadt Paris den Delegierten des Kongresses im Stadt- Hause gab, Vertreter der Sozialdemokratie aus allen Ländern ohne Unterschied der damals obwaltenden Fraktionsunterschiede in froher Stimmung vereinte, sie die eben noch heftig erörter- ten Streitigkeiten vergessen und hoffnungsfreudig auf die Ein- heit der Arbeitersache und die Verbrüderung der Völker an- stoßen ließ. Alle erfüllt von dem Geiste der Solidarität der Arbeitcrinteressen. Seitdem hat sich der Maitag der Arbeiterklaffe von Jahr zu Jahr stärker eingebürgert und eine zunehmend umfassendere Weihe und Deutung erhalten. Wenn das alles uns von neuem ins Gedächtnis tritt und dann vom Kriegsschauplatz im Osten oder Westen Berichte über blutige Kämpfe einlaufen, die Tausenden das Leben kosteten, wenn wir daran denken, wie noch vor einem Jahre über die ganze Erde hinweg bis in die entferntesten Ort- schaften Arbeiter in einer Gesamtzahl von Millionen vollen Herzens in das Lied der Internationale einstimmten. „Hört der Freiheit Signale, Schließt zum Bunde die Reih'n— Die Internationale Wird die ganze Aienschheit sein' und uns dann vor Augen geführt wird, daß heute Millionen von Arbeitern zum blutigen Kampfe gegeneinander stehen,— es ist unmöglich, über diesen Widerspruch stillschweigend hin- wegzugehen und alle Gedanken, die er in uns wachruft, in unseres Herzens Tiefen zu bewahren. Mag auch für manches die Stunde noch nicht gekommen sein, was im Hin- blick auf den Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Ideal zu sagen wäre, den uns die Wiederkehr des 1. Mai vor' Augen führt, so regt er doch zugleich auch Betrachtungen an, hinsichtlich deren wir uns sagen müssen: heute oder nie. Denn es sind nicht erst Fragen von morgen, ob der er- habcne Gedanke, der der Maifeier ihre internationale Einheit gab, einen Irrtum barg, ob es Selbsttäuschung war, an die nahende Möglichkeit eines Bundes der Völker zu glauben, ob die Partei der Arbeiterklasse darauf verzichten muß, ihre eigene Politik der Völkerbeziehungen festzustellen und geltend zu machen. Kann der gegenwärtige Krieg als eine Wider- l e g u n g der Gedanken anerkannt werden, Ivelche bisher die Haltung der Sozialdemokratie zu der auswärtigen Politik und dem mit ihr in innerem Zusammenhang stehenden Mstungstreiben bestimmt haben? Eine ernsthafte Betrachtung darüber mag am 1. Mai dieses Kriegsjahres wohl am Platze sein. � 4c Man kann die Zweckmäßigkeit einer Forderung oft da- durch am wirkungsvollsten einer Prüfung unterziehen, daß �tos allen Zonen öer 5rieöe verbannt, Schirmt, schirmt öas vaterlanö! Ein Waffenschmieöen lanöab, lanöauf, Kein Tag läßt müßigen verschnauf, In Toöesgräben hin unö her Tobt lebenlüsternes Gewehr.. Du§einö öa örüben, auf öen ich schoß, Warst öu nicht einst mein Maigenoß! Du toter§reunö, öen öie Zreiheit beweint, ver ötch erschlug, war's wirklich ein Zeinö! Die sonst so bruöernah gefühlt, Zreunö, Zeinö schlägt hin, zerfetzt, zerwühlt. Sie trotzen herrlich, üoch qualvoll blaß,— Töten, töten ohne haß! ver Sranü stob auf, blieb keine Wahl— Noch üieses Mal, ein letztes Mall Unö stehn wir heut voretnanöer als§einö, ver Tag kommt, öer uns stärker vereint. va springen wir jubelnö aufs freie 5elö, stuf Sruüergräbern zum Schwur gesellt, Unö öer Maigeöanke wirö Weltgericht— Das muß geschehn, wir lassen ihn nicht! man annimmt, sie sei verwirklicht, und nun versucht, an der Hand der tatsächlichen Zustände und des er- fahrungsmäßigen Waltens von Ursache und Wirkung sich zu vergegenwärtigen, wie sich die Dinge in diesem Falle gestaltet hätten und weiter gestalten würden. Nehmen wir also an, die deutsche Sozialdemokratie hätte— sagen wir, vor fünf Jahren schon im obengeschilderten Sinne„um- gelernt". Sie hätte die Notwendigkeit fortgesetzter Rüstungen anerkannt und Rüstungsvorlagen ohne große Umstände be- willigt. Sie hätte sich für eine auf ein„größeres Deutsch- land" gerichtete Kolonialpolitik erklärt und, da diese ohne Zusammenstöße mit Frankreich und England nicht zu ver- wirklichen sei,— Rußland konimt für neu zu erwerbende deutsche Kolonien ja außer Betracht— unser Volk dazu erziehen helfen, in diesen beiden Staaten die kommenden Feinde Deutschlands zu erblicken. Kurz, die Sozialdemokratie Deutschlands hätte in der auswärtigen Politik praktisch ab- gedankt und ihr Ideal eines Friedensbundes der Völker auf eine unbestimmte Zukunft vertagt, es also tatsächlich jeder auch nur ideellen Wirkungskraft auf die Gegen- wart entäußert. Was wäre nach aller berechen- baren Wahrscheinlichkeit die Folge davon gewesen? Wäre der jetzige Ktäeg vermieden worden? Oder wären die Aussichten für das deutsche Volk etwa bessere, als sie heute sind? Eine sachgemäße Prüfung der in Betracht kommenden Faktoren wird in bezug auf beide Fragen zu einer ver- neinenden Antwort führen. Denn eine solche Haltung der deutschen Sozialdemokratie wäre natürlich nicht ohne ihre entsprechende Wirkung auf das Ausland, Sozialisten und Nichtsozialisten, geblieben. Und zwar in der Richtung, daß sie dort deni Spiel der Rüstungstreibcr Vorschub geleistet, die Gegenarbeit der Friedcnsfteunde geschwächt hätte. Wir hätten infolgedessen noch stärkere Rüstungen auf allen Seiten, noch stärkere Vergeudung von öffentlichen Mitteln, noch stärkeres Mißtrauen der Völker untereinander und damit noch stärkere Unsicherheit in Handel und Gewerbe gehabt. Alles, was geeignet erscheinen" mochte, die Gemüter zu beruhigen, wäre der Wirkungskraft beraubt gewesen, alles, was zum Krieg hintrieb, hätte erhöhte Wirkung ausgeübt, er wäre mindestens ebenso„unvermeidlich" erschienen wie jetzt, wahr- scheinlich aber noch in viel höherem Grade. Wer das bezweifelt, den widerlegt die Be- Wertung, die unser Verhalten von feiten der Presse und der Politiker der Länder erfahren hat, mit denen Deutschland heute im Kriege liegt. Die Hetzer in London, in Paris, in Petersburg sind nicht müde geworden, die Bedeutung der deutschen Sozialdemokratie als Friedens- sicherer zu bestreiten, indem man sie bald als für sehr viel „patriotischer" gesinnt ausgab als die Sozialdemokratie des eigenen Landes— in welcher Beteuerung namentlich der Pariser„Temps" nicht müde wurde—, bald erklärte, daß ihr tatsächlicher Anhang in bezug auf die Fragen der auswärtigen Politik sehr viel geringer sei als ihre Wählerschaft. Be- zeichnend ist in dieser Hinsicht die Stelle in der N'ote des Pariser Auswärfigen Amtes vom 30. Juli 1913 über die Stimmung in Deutschland hinsichtlich der Frage von Krieg und Frieden, wo es von der deutschen Sozialdemokratie heißt: „Die 110 sozialistischen Abgeordneten sind Parteigänger des Friedens. Sie könnten den Krieg nicht verhindern. Denn dieser hängt nicht von einem Reichstagsvotum ab, und eintretendenfalls würde das Gros ihrer Anhänger in den Zorn oder die Be- geisterung des Landes mit einstimmen."(Vergleiche das Gelb- buch Frankreichs, Ausgabe des„Vorwärts", Seite 24.) Wer aber die deutsche Sozialdemokratie als Friedens- macht hoch einschätzte, das waren in England, in Frankreich, in Rußland alle aufrichtigen Freunde des Völkerfriedens. Die Gegner der Rüstungen in jenen Ländern beriefen sich gegen ihre Kriegs- oder Hetzparteien auf den Friedens- willen der deutschen Sozialdemokratie, wenn sie die Agitationen jener bekämpften. Allen voran der unermüdliche Prediger der deutsch- französischen Annäherung, der großherzige Jean Kein �rbeitsrithn! kein Maienzug! ver Maigeöanke ist heut genug. Er ruft keine Massen auf Weg unö Wall, Zber er ürängt überall, Er kommt gegangen im Zrühlingswehn, fluf allen Straßen wirö er gefehn, In allem Harren toöumgraut, Unö eine Stimme tönt an, schwillt laut: Schließt öie Reihen! öer Sautag naht, vas Werk steht sicher zu neuer Tat, Mit Slut geschirmt, solls groß geöeihn: ver Maigeöanke will Meister sein! Unö ein Sranöen rauscht: Erschütterte Zell, Volksmillionen erglühn bereit! Stelnheere sehnen Saugetön, vas soll öer$rellöe öie Zinnen höhn, Türme öes Zrieöens, Zinnen öer Welt! Unö unsere Hänöe zum Sauen bestellt! In Not unö Toü gewaltgeschweißt, Will Höchstes richten öer Zreiheitsgeist... G Maigeöanke, laut an zur Schicht! Wir kommen einig, wir lassen Sich nicht! franz Die dcrtd». Jaurös, der in seinem großen Werk„Die neue Armee", die letzte wissenschaftliche Arbeit seines Lebens, mit Eifer die Idee"verfocht, daß die Armee der französischen Republik wesentlich auf die Verteidigung eingerichtet lverden müsse. Er tvar es, der unter anderem gerade die entschlossene Gegnerschaft der deutschen Sozialdemokratie gegen jeden An- griffskrieg als wichtiges Argument für jene Umgestaltung des französischen Heerwesens anführte. Nicht unsere Bekämpfung des Wettrüstens, seine ewige Betreibung durch die imperialistischen Parteien hat die fortgesetzte Steigerung der Rüstungen in den Ländern des Dreiverbandes gefördert und schließlich den Krieg herbeigeführt. Nun gibt es indes Leute, die da kommen und sagen, der Krieg habe gewiß viel Schreckliches, aber er sei für Deutsch- land eine Notwendigkeit gewesen. Vom Dreiverband „eingekreist" und kolonialpolitisch„eingeschnürt", sei es in seiner wirtschaftlichen Entwicklung bedroht und darum genötigt gewesen, sich gewissermaßen mit Gewalt Luft zu verschaffen, woran insbesondere die deutschen Arbeiter im höchsten Grade interessiert seien. Ist das richtig, müssen wir kolonial- und Handels- politisch„unilernen"? Um uns diese zweite Frage zu beantworten, brauchen wir nicht erst zu Annahmen zu greifen bezw. Hypothesen auf- zustellen. Hier können wir die reale Erfahrung sprechen lassen, können wir T a t s a ch e n untersuchen. Ein Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft im Lauf der Jahrzehnte und ihr Vergleich mit der Entwicklung der Volks- Wirtschaft der Länder, die Deutschland vermeintlich einkreisten. wird erkennen lassen, wie es sich mit jener Behauptung wirk- lich verhält. Träfe sie nämlich zu, so hätte sich Dciltschlands Volks- Wirtschaft, wenn nicht absolut, so doch int Verhältnis lang- samer entwickeln müssen, als die Volkswirtschaft jener Länder, sein Nationalreichtum langsamer als der ihrige zunehmen müssen. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt hat sich Deutschlands Volkswirt- schaff absolut und im Verhältnis rascher entwickelt als die der bezeichneten Länder. Zur Zeit seiner Gründung, trotz der französischen Milliarden im Verhältnis noch das„arme" Deutschland, ist es nach dem jetzigen Reichsschatzsekretär und bisherigen Professor der Nationalökonomie H e l f f e r i ch heute„das reiche Deutsch- land". Nach Helfferich überstieg im Jahre 1911 Deutschlands Nationalreichtum in absoluter Summe sowohl den Englands wie den Frankreichs. Deutschland hat eine raschere Volksvermehrung nicht nur als das jetzt stationär bleibende Frankreich, sondern auch als England. Von 1871 auf 1912 ist seine Bevölkerung um 61,2 Proz. gestiegen, die Englands nur um 45 Proz., Frank- reich gar nur um 9,4 Proz. und ist seit einer Reihe von Jahren im Stillstand. Noch rascher aber als Deutschlands Bevölke- rung stieg die Zahl seiner Beschäftigten in Industrie und Bergbau sowie in Handel und Verkehr. Das„eingeschnürte" Deutschland ist eines der ersten Industrieländer der Welt ge- worden.?!ichts beleuchtet dies besser als die Steigerung feines Verbrauchs an Steinkohlen. Nach der Schrift:„Tic wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands", die von der Dresdner Bank, einer der vier Riesenbanken Deutschlands, vor Jahres- frist in zweiter Auflage herausgegeben wurde, nahm von 1885 auf 1912 der Kohlenverbrauch der drei Länder Deutsch- land, England, Frankreich wie folgt zu: In England.... um 8 Prozent . Frankreich..., 89,9, . Deutschland..., n3,2„ Während Deutschland 1885 noch nicht halb so viel Kohlen pro Kopf verbrauchte als England, nämlich 1,50 gegen 3,63 Tonnen, stand sein Verbrauch 1912 nur noch wenig hinter dem Englands zurück, nämlich 3,56 gegen 3,92 Tonnen und war mehr als doppelt so groß als der Frankreichs. Von einer anderen Seite wird Deutschlands wirtschaftlicher Aut- stieg durch die Steigerung seines Anteils am Welthandel beleuchtet Nach der gleichen Schrift nahm der Tesamtautzen- Handel der drei genannten Länder in den Jahren von 1887 auf 1S1L folgende Entwicklung(in Millionen Mark): 1887 1912 Zunahme in Prozenten England.... 10721,5 22858.1 103,2 Frankreich.,. 5 890,8 10 721,5 98,1 Deutschland... 6 010 19 652,3 225 Taci nach„Luft" schnappende Teutschland hatte IltlL schon nahezii juncii ebenso starken Außenhandel als England, da-.' ihm 1887 noch um 8t) Prvz. voraus war, und einen fast doppelt so starken Außenhandel als Frankreich, dessen Außen- Handel 1887 nur um ein Weniges geringer war, als der Teutschlands. Aber warum viele Zahlen anführen, wo uns doch wieder- holt von offizieller Seite erklärt worden ist, daß der fetzige .Vlrieg die Folge des Neides sei, mit dem die andern Länder auf Deutschlands großartige Ennvicklnng geblickt hätten. Bon dieser letzteren Behauptung und der obigen kann ja doch höchstens eine richtig sein: war Deutschland in seiner Wirt- schaftlichen Eiitwicklnng unterbunden, so konnte es nicht ob deren Großartigkeit den Neid der reichsten Länder Europas herausfordern; war sie aber so großartig, um Neid zu er- regen, so kann das mit der bcyauptcteir Einschnürung nicht ganz stimmen. Was will das Wort„Einschnürung" besagen lk Es soll heißen, daß Deutschland in seiner kolonialpolitischen Entwicklung von anderen Ländern gehemmt sei, wo- runter die Entwicklung seines Volkes wirtschaftlich leide. Es legi dem Besitz von Kolonien eine niaßgcbcndc Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Staaten bei. Auf den Streit um K o l o n i e n läuft die Beweisführung der Vcrkünder der EinschnurnngLgefahr hiuaus. Tatsächlich stehen nun aber die Dinge so, daß man mit gutem Fug sagen kann, Deutschlands Volkswirtschaft i st rascher v orange schritten als die Frankreichs und Euglauds, nicht obgleich sein Kolonial- besitz geringer ist alS der dieser Länder, son- dern gerade weil cS weniger Kolonien hat als s i e. Das scheint paradox, ist aber nur die Feststellung einer wissenschaftlich beweisbaren Erfahrung. Die Geschichte aller Koloniallänbcr hat dcnBcwcis geliefert, daß ein großer Kolonial- besitz ein außerordentlich zweifelhafter>scgcn für die innere Entwicklung eines Landes ist. Ter Reichtum, der von den Kolonien kommt und der als Uebcrschuß über seine Kosten heute auS einer ganzen Reihe von Gründen im Verhältnis sehr viel geringer ist als in früheren Zeitaltern, bleibt an ein- zelnen Händen kleben. Unter dem Abzug an Menschen und Energien dagegen, den jede umfassende Kolonial- Politik beansprucht, kann die Leistungsfähigkeit des Mutter- landcs im Verhältnis zu seinen Konkurrenten sehr bedeutend geschädigt werden. Dagegen kommt bei entwickelter Welt- Wirtschaft der wirkliche Vorteil der Erschließung und Ent- Wicklung von Kolonien allen Ländern zugute, die in die Weltwirtschaft eingetreten sind, den einen— den Besitzern der betreffenden Kolonien— direkt, den anderen indirekt, und der Vorteil der letzteren Länder ist in den nicisten Fällen großer, als der der erstcren, weil sie nicht, wie jene, die nicht geringen Kosten des Kolonialbesitzes zu zahlen haben. Ter Ilmsland, daß die große Masse derjenigen, welche heute die öffentliche Meinung bilde», diese crfahrungsmäßig seststchenden Tntsachen aus den Augen verloren haben, ist eine der hervorragendsten Ursachen, der die Völker den gegenwärtigen Krieg verdanken. Denn so weit sonst fach- lichc Fragen der Völkerbcziehungcn in Betracht kommen, so Maifeier. Novelle von M a g d a Trott.') „Mach fix, Lotte, Vater wird schon warten." Mit diesen Worten siülpte sich die kleine dicke Iran Brcnncckc den Kapoühut auf ihr Haar und schlüpfte in den schon etwas vcr- tragcncn Mantel. Auch ihr Töchtcrchen, die vierzehnjährige Lotte, bantiertc eilig im Nebenzimmer umher, galt es doch, den Vater, der in einem hiesigen Lazarette war, zu besuchen. Die Besuchszeit war nur kurz, zweimal in der Woche von zwei bis vier Uhr, und regelmäßig an diesen Tagen pilgerte Frau Breuncckc mit ihren beiden Kindern hin, um den verwundeten Gatten zu besuchen. Heute fehlte der Sohn, der scchzchnjäbrige Jüngling war als Lehrling in eine große Fabrik eingetreten und arbeitete heute, am ersten Mai, dort. Diese wichtige Neuigkeit mußte man Vater er- zählen, außerdem befand sich in der großen Handtasche von Frau Vrennccke eine schöne selvstbereitctc Wurst, die dem Vater gewiß munden würde. Der Weg zum Lazarett, in dem Brcnncckc nun schon seit mehre- rcn Wochen sich befand, war weit. Es hieß die elektrische Bahn benutzen, in der Gegend des Friedrichshains mußte man noch um- steigen, um dann weiter zu fahren. Es war ein schöner Tag, über- all an den Bäumen und Stränchern sproßte das junge Grün her- vor und die Vögel sangen und zwitscherten, daß es ein Vergnügen war, ihnen zuzuhören. Brennecke erwartete die Seinen sehnsüchtig. Er wußte ja ganz genau, daß zu jeder Besuchsstunde seine Ida mit den Kindern er- schien, und ivar daher sehr erstaunt, daß der Paul heute fehlte. Als ihm Frau Brennecke dann den Grund deS Fehlens berichtete, da nickte er mit dem Kopfe. »Er arbeitet heute?" ..Jewiß doch, Justav, er ist heute eingetreten und kommt erst abends um sechst nach Hause." Daun wieder eine Weile schweigen, der Verwundete blickte gedankenvoll vor sich hin. Frau Brenneckc iwrichtcte dann von allen ihren kleinen Erleb- nissen, aber der Gatte schien heute nicht das rechte Interesse dafür zu haben. Frau Ida fühlte ganz genau, daß seine Gedanken anderswo weilten, und schließlich hielt sie es nicht länger aus: „Tu hast was aus dem Herzen, Justav," meinte sie in ihrer geraden,-etwas derben Weise.„Sag mir doch, wo Dich der Schuh druckt." Erst wehrte er lächelnd ab. aber Frau Brcnncckc kannte ihren Mann genau, sie wußte, hier war etarnS nicht ganz richtig. Viel- leicht wollte er nicht reden, weil das Kind dabei war. Rasch cnt- schlössen wandte sie sich daher an die Tochter: *) In der Beilage„Tie Frau" zum„D c u t s ch c n K u r i c r", die vom Propagandn-Ausschuß der Frauen der Nationalliberalcn Partei herausgegeben wird, erschien vor einigen Tagen diese Skizze. Wir drucken sie nach, um zu zeigen, wie man die Ideale der dcut- scheu. Sozialdemokratie unter dem Burgfrieden herabsetzen zu können glaubt und wie sonderbar sich in nationalliberalcn Köpfen die Welt des Sozialismus malt. können sie nicht nur sämtlich ohne Krieg zu befriedigender Erledigung gebracht werden, sie waren auch in den letzten Jahrzehnten auf dem besten Wege dazu, durch die Entlvick- lung des internationalen Rechts ans friedlichem Wege gelöst zu werde n. Was dieser Lösung noch im Wege stand, waren falsche Machtbcgriffe, die in der Alten Welt in den Köpfen der maßgebenden GesellschaftSschichtcn »och festsitzen, die aber die meisten Staaten der Neuen Welt ins alte Eisen geworfen haben und sich dabei ausgezeichnet stehen. Wir Sozialdemokraten haben diese Machtbegriffe— z. B., daß ein Großstaat sich etwas vergibt, wenn er bei einem Slreit mit einem kleinen Staat sich zu schieds- richterlicher Entscheidung oder Begutachtung versteht— nie anerkannt. Für uns ist die Macht nur ein Mittel zur Ver- wirklichung und Sicherung demokratischer Rechte der Völker und der Persönlichkeit, aber nielnals ein Rechtstitel für Klassenvorrechte und ihnen entsprechende Rechte von Staaten über andere Staaten der Kulturwelt. Sollen wir diese Auf- fassung aufgeben? Sollen wir den leitenden Gedanken unserer Auslandspolitik, der demokratische Völker- Politik heißt, zugunsten der imperialistischen Machtpolitik antidemokratischer Gesellschaftsklassen aufgeben? Denn darauf zielt, ob ihre Verfechter sich dessen bewußt sind oder nicht, die Parole vom„Umlernen" im Hinblick auf die Beziehungen der Staaten letzten Endes hinaus. Wir haben aber in diesen Dingen nicht umzulernen, sondern zurückzu lernen. *» * Zurückznlernen, ja wohl, und zwar ziemlich weit zurück. Da hatten wir im alten Programm der im Jahre 1875 ver- einigten deutschen Sozialdemokratie den Satz:„Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums und aller Kultur". Er ivar in dieser Fassung theoretisch falsch, da bei ihm der Naturfaktor außer Betracht gelassen wurde. Aber ihm lag der richtige Gedanke zugrunde, daß die Natur zwar die selbstverständliche Vorbedingung der Arbeit ist, daß aber die Arbeit an der Natur und ihren Schätzen der Hauptschöpfcr alles Reichtums und die Grundlage aller Kultur ist. Daß also, die unerläßlichen silaturbcdingungen gegeben, die Arbeit eS ist, die ein Land reich macht und zur Höhe der Kultur emporkrägt. Diesen Satz beziehungsweise die in ihm liegende Wahrheit kann man heute nicht entschieden genug betonen.?Nc eine an- steckende Krankheit ist die Uebcrschätzung der Macht der Staaten und die II n t e r s ch ä tz u n g der Arbeit für die Wohlfahrt der Völker über die Menschen gekommen. Bei uns um so weniger zu rechtfertigen, alS gerade Deutschland den sprechenden Beweis dafür liefert, wie w e n i g Macht und wie viel Arbeit stir die Entwicklung der Nationen be- deutet. Sein großes Heer und seine ja erst im letzten Jahr- zehnt zu ihrer jetzigen Rangstellung cmporgctricbene Kriegsflotte sind sehr unschuldig daran, daß das Tempo des Fortschritts seiner Volkswirtschaft das anderer Länder übertrifft. Diese Tatsache ist das Produkt seiner Arbeit, der geistigen wie körperlichen, der lehrenden und leitenden,»nie der organisierten und ausführenden Arbeit, Güter, die kein Feind ihm nehmen kann, er müßte denn die ganze Nation verpflanzen, was eine platte Unmög- l i ch k e i t ist und auch aus niemandes Programm st e h t. Die Macht schafft nicht Reichtum, sie kann höchstens seine Verteilung ändern. Aber im heutigen Völker- verkehr ist das zwischen Nationen nicht möglich, ohne das eigene Volk dadurch nachwirkend zu schädigen. Die Macht kann auch Völkerfragen nationaler Natur nicht willkürlich lösen. Man spricht heute im Hinblick auf den gegenwärtigen Krieg vom Rassenkampf zwischen Slawen und „Geh mal raus, Lotte, und unterhalte Dich derweilen mit je- mandcm anders." Schon wollte daZ Kind dem Wunsche nachkommen, da hielt Vrennccke es zurück:„Laß sie ruhig hier, Ida, sie kann es schon mit anhören. Es ist ja nichts weiter, laßt nur, es wird schon vorübergehen." Und nach einer Weile fügte er leise hinzu:„Nicht wahr, wir haben heute den ersten Mai?" „Jawoll, Alter, heute ist Sonnabend, der erste Mai." „Wie seid Ihr denn hicrhcrgcfahrcn?" Ausführlich berichtete Frau Ida den gciwimncnen Weg. Sic erzählte, wie schön draußen schon alles sei. Im Fricdrichshain hätten die Vögel gesungen, daß eS eine Lust war, c» würde wohl nicht lange dauern, dann dürste auch er aufftchcn und draußen spazieren gehen. Wieder eine bedrückende Pause, dann Hub Brcnnccke zögernd an: „Und wie sieht cs denn sonst im Fricdrichshain aus?" Frau Brennecke verstand erst nicht recht, erst als der Ver- wundctc, mit einem scheuen Blick auf die übrigen Betten, die im Zimmer standen, leise fortfuhr:„Ich meine— heute ist doch der erste Mai," da verstand sie. Alljährlich, solange sie ihren Mann kannte, war der am ersten Mai nicht zur?lrbeit gegangen, da war sein Feiertag. Da zog er mit anderen Kollegen zum Friedrichshain, zu seinen Vcrsanim- lungen. Kehrte er heim, dann war er mürrisch, und ganz lästcr- liche Redensarten, die der sonst nüchterne und fleißige Mann nicht machte, kamen über seine Lippen. Heute hatte sie ganz vergessen, daß es der erste Mai war, darum schrak sie auch zusammen, als ihr Mann davon zu reden an- fing. Fünf Monate hatte er draußen im Felde gestanden und hatte um sein Vaterland gekämpft, tapfer und pflichtgetreu, wie jeder gute Deutsche. Er hatte nicht gemurrt, nicht gezögert, als man ihn von der Arbeit weg auf das Schlachtfeld holte. Nun lag er schon wochenlang hier im Lazarett und, gottlob, cr ging seiner Heilung entgegen. Mit aller Gewalt suchte sie dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, aber cs gelang ihr nicht, die Gedanken ihres Mannes abzulenken. Der weilte noch immer bei dem ersten Mai. „Ob sie wohl wieder bcuic hinausgezogen sind und von Frei- hcit und Gleichheit reden?" Es klang fast, als spräche cr vor sich hin.„Freiheit und Gleichheit, zwei Worte, so inhaltsschwer und doch so verkannt. Jetzt habe ich sie draußen verstehen gelernt; wir alle waren Kameraden, wir alle waren Brüder, wir alle kämpften um eins, um unsere Freiheit." Frau Brennecke erfaßte angstvoll die Hand ihres Mannes. „Justav, was redest Tu da?" Er blickte sie lauge an, dann streichelte cr ihr die Wange. „Glaub's Dir gern, Ida, daß Du mich heule nicht verstehst. Aber weißt Tu noch heute zum ersten Mai, da kommen einem ganz absonderliche Gedanken. Im vorigen Jahre noch, da babe ich zu den Kameraden von Freiheit und Gleichheit gesprochen, aber draußen im Felde, da hat man mir gesagt, daß es auch etwas Schönes und Gutes nm die Freiheit und die Gleichheit sein kann. Wenn Tu gesehen hättest, Ida," seine dunklen Augen leuchteten plötzlick in weichem Glänze,„wie unsere Offiziere mit uns Seite an Seite kämpften, wie sie mit uns den letzten Bissen Brot teilten, und wie sie nm uns besorgt waren, wenn Du gesehen hättest, wie Germanen, Nun stehen zwar weder alle germanischen Völker in dem als germanisch bezeichneten, noch alle slawischen Völker in dem als slawisch bezeichneten Lager. Aber nehmen wir das Wort in seiner bedingten Anwendung. Es sind in diesem Krieg mehr Slawen umgekommen als Germanen, lassen wir es die doppelte Zahl sein, wie wenig wird damit auf die Dauer am Zahlenverhältnis der Völkerschaften geändert! Geändert können nur.Herrschafts Verhältnisse werden, deren Einfluß auf den Fortbestand und die Lebenskraft der Völker zu allen Zeiten ein sehr beschränkter gewesen ist und heute geringer ist als je, wenn man nicht das RechtSwesen unserer Zeit um Jahrhundertc Kulturcntwicklung zurück- schrauben will. Völkersragen in unserer Zeit und unserem Kulturkreis durch willkürlichen Herrschaftswechsel lösen wollen, das können nur Menschen sich" träumen lassen, die in den Auffassungen hinter uns liegender Zeitalter leben, lind doch ivürde es diesem Krieg immerhin noch einen gewissen Sinn geben, wenn mit ihm die Lösung einer großen Völkerfrage bezweckt würde. Aber davon ist nichts"zu spüren, was man hört, zielt auf Macht Verschiebungen ab, die nicht einmal in der Idee Lösungen bedeuten, in der Wirklichkeit aber nur die schon vorhandenen Fragen verewigen und verschärfen würden. Wenn unsere bürgerlich-liberalen Parteien bis in die äußerste Linke hinein sich damit abfinden, so ist dies unter anderem die natürliche Folge davon, daß ihnen das grundsätzliche Denken abhanden gekommen ist. Siehaben nur nochmehr oder weniger verschwommene allgemeine Ideen, im übrigen aber sind sie nicht nur-Opportunisten im Handeln, sondern auch Opportunisten im Denke n. Eine Krankheit, vor der man sich hüten mutz wie die Pest, denn sie ist die schlimmste Reaktion, viel schlimmer als die Reaktion in Gestalt von Verfolgungsgcsetzen. Gegen diese lehnen sich die Gewissen auf, sie aber vergiftet die Gewissen. Und wenn man uns Sozialdemokraten kommt und uns zumutet, auch in bezug auf die V ö l k e r f r a g e n„umzulernen", wenn man die materialistische Geschichtsauffassung heranzieht, um mit ihrer Hilfe die Geister gegen eine Eroberungspolitik abzustumpfen, der niemand schärfere Abweisung hätten zuteil werden lassen, alS Marx und Engels, die Schöpfer dieser Theorie, so ist es wohl recht an der ZeillAmi Ruf zu erheben: nicht umlernen, sondern zurncklcrnen. «» * Eine ernste, lehrhafte Maibetrachtung. Aber in dieser ernsten Zeit sicherlich nicht überflüssig. Gelviß fehlt es in ihr auch nicht an Lichtblicken. Wir sehen trotz aller Verheerungen, die der Krieg angerichtet, bei uns und in anderen Ländern die Kader der Arbeiterbewegung zwar numerisch gelichtet, aber im übrigen fest im Bestände. Ihre wirtschaftlichen Organisationen haben sich glänzend bewährt, ihre politischen Vertretungen sich in Gesetzgebung und Verwaltung wirkungs- voll betätigt. Die Verbindungsfäden der Internationale werden einer nach dem andern wieder angeknüpft und befestigt, die Verständigung von Land zu Land, wir dürfen sagen von Ländergruppo zu Ländergruppe, hat in den letzten Monaten große Fortschritte gemacht. Alles dessen dürfen wir uns freuen und daraus die Gewißheit schöpfen, daß die Internationale der Arbeiterklasse lebt und ihre volle Kraft wieder gewinnen wird. Aber wir wollen uns auch offen eingestehen, daß das letztere noch nicht erreicht ist. Er- reicht kann es nur werden, wenn wir deutschen Sozialdemokraten den Beweis ablegen, daß wir in bezug auf die bedeutungsvollen Grundsätze, die das Wesen der Internationa- litäi bestimmen, ohne deren unerschütterliche Hochhält» ng sie eine Lüge ivärc. Nieder umgelernt haben noch umzulernen' Gefahr laufen. Diese Grundgedanken umfassen das Lebens- manche Augen der Kameraden feucht schimmerten, wenn einer der unseren siel, und wenn Du den Ruf vernommen hättest:»Hoch Teutschland, wir kämpfen für Teutschlands Freihcitl" dann würdest Tu vielleicht verstehen, daß eS jetzt so ganz anders aussieht. Heute ist der erste Mai und heute rufe ich mit heller Begeisterung und aus vollem Herzen aufs neue die Worte:„Freiheit und Gleichheit I" Jetzt, Ida, wirft Du mich vielleicht verstehen." Aus dem Bcitc nebenan hob sich ein blaffcr Männcrkopf. „Freiheit und Gleichheit" flüsterten auch seine Lippen, und über sein Gesicht zog ein Leuchten. Brcnncckc sah eS und wandte sich dem verwundeten Kameraden zu. „Den ersten Mai haben wir heute. Ich möchte meine Mai- fcicc nicht missen, wir haben viel da draußen auf dem Schlackt- felde gelernt und es soll auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen sein. Es ist schwer in der Welt, man kann eS nicht allen Men- scheu recht machen. Auch da draußen auf dem Kampfplätze ist nicht immer alles nach unseren Köpfen gegangen. Aber cS war gut so. Heute wissen wir, warum es so sein mußte und darum will ich heute eine Maifeier Valien nach meinem Sinn." Er zog seine Frau an beiden Händen dicht an sein Bcit heran. Dann Hub cr mit leiser, aber fester Stimme an zu singen: „Teutschland, Teutschland über alles." In den nächsten Sekunden fielen die Verwundeten ein und das alte deutsche Lied brauste durch den Krankensaal. Wie eine Welle pflanzte cS sich fort, klang hinaus auf den langen Korridor, ans dem die anderen Verwundeten aus und ab gingen. Tic griffen den Gesang auf. uud so schallte dtis Lied von einem Saal zum anderen, in den herrlichen Maitag hinaus. ' Es verklang und Brcnnccke neigte sich dicht zum Ohr seiner Frau. „Noch ein Lied muß ich singen, Ida," flüsterte er ihr zu.„Ich habe unseren Kaiser da draußen gesehen, cr hat zu uns gesprochen und hat vielen von uns die Hand gedrückt. Auf seinem Gesicht stand ein hoher Stolz, aber auch Schmerz und Weh habe ich daraus gelesen. Und als wir blutbespritzt und staubbedeckt zurückkehrten, ein kleines, zusammengeschmolzenes Häuflein, da haben seine grauen Augen einen feuchten Schimmer gehabt, und schweigend hat cr sich abgewandt. Das habe ich gesehen, Ida, das will ich vor Gott und aller Welt bezeugen, und darum habe ich noch eine Schuld abzutragen. Ich habe es lange nicht mehr gesungen, das Lied, helft mir, wenn ich nicht mehr weiter könnte. Du, Lotte, stimm einmal unsere Nationalhymne an." Mit heller Begeisterung begann das Kind:„Heil dir im Siegerkranz", und wieder fielen die Kameraden fröhlich ein. Fast andächtig sang Brcnnccke das Lied mit, und als er zu den Worten kam:„Fühl in des Thrones Glanz die hohe Wonne ganz, Liebling des Volks zu sein", da schwauktc seine Stimme merklich, aber mit doppelter Festigkeit und warmer Innerlichkeit schmetterte cr Hin- auS:„Heilige Flamme glüh, glüh und erlösche nie." Frau Ida schmiegte sich fest in seine Arme, und über ibr Antlitz rannen Tränen. Sie hörte das neue Gelöbnis und ein süßer Friede, eine heilige Ruhe zog in ihr Herz. Als die Besuchszeit beendet war, als sie mit der Tochter, die sinnend vor sich nieder blickte, wieder heim fuhr und als sie am Friedrichshain vorüber kamen, da flüsterten ihre Lippen: „Das war eine Maifeier, unseres großen Deutschen Reiches Würdig." und SeldstbcstimnmngSrecht jeder ZkatisnalrtSt, die sich als falchc fühlt und ein eigenes Leben entwickelt hat. GeWitz ist daS??atio»alltätcnrccht nicht daS oberste Recht, auch es hat seine Grenzen. Aber diese Grenzen sind nicht das Gcwaltrccht Non Eroberern, sondern das internationale Recht der Völker, aufgebaut auf dem freien Vertrag der zur Erkenntnis ihrer Solidarität gc� langten Kulturnationcn. Kür diesen Rechtsgedankcn: das Sclbstbestimmungsrccht- der Volker im Verbände der Rationen, mit aller Kraft einzustehen, das ist heute die spezielle Aufgabe der Sozialdemokratie, ist heute für sie die Frage aller Fragen. Jede Zeitepochc. jede Zeit grotzcr Krisen hat ihre bc- stimmten Probefragen, auch Tastfragen genannt, welche die Scheidung der Geister kennzeichnen. So auch die Krise, die dieser Krieg bedeutet. Die Arbeiterklasse hat ihn nicht ab wenden können, sie hat auf feiitj Führung keinen Einfluß. Aber sie mutz nersuchen, auf seinen Abschluß Einfluß zu gewinnen. Das wird sie mit um so größerer Kraft können, je mehr sie die Rcchtsgedanken, die ihr Grundprinzip bilden, in den Vordergrund stellt. Machen wir uns das heute zum festen Entschluß, dann geben wir dem 1. Mai 1915 die Weihe, welche die Zeit verlangt. Dann ivird die deutsche Sozialdemokratie, der ja bestimmte Vorgänge zu Anfang dieses Krieges eine bc- sondere Verantwortung auferlegen, mit gutem Gewissen und vollen Herzens heute wie früher sich als Träger der großen, welterlöscndcn Gedanken bezeichnen dürfen, die das Lied von der Internationale in dem EndverS zusammenfaßt: Die Internationale Wird die ganze Menschheit sein! /lrbeiterschusi unö Achtstundentag. Gesetzliche Arbeiterschutzbestinmwngen sind Lebensbedingungen für jede auf der Arbeit Freier beruhenden Gesellschaftsordnung und RechtSgemeinschast. Sie sollen und sie allein können den Arbeiter dagegen schützen, daß die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit ihm unter Mißachtung seiner persönlichen Bedürfnisse, seiner Gleich- berechtigung, ja selbst seiner Gesundheit aufgezwungen werde. Solche Arbcitcrschutzbestimmungen sind der fteien Uebereinkunst der Parteien entzogen, das Gesetz gebietet sie und verbietet ein Zuwiderhandeln da» gegen im Interesse der Arbeiter und der Allgemeinheit. Da die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht auf einen Staat beschränkt ist, sondern alle umfaßt, so sind internationale Berein- b a r u n g c n zur Herbeiführung von Arbeiterschutzbestintmungen er- forderlich, eine internationale Berständigung ein KulturbedürsniS. DaS erscheint heute so selbstverständlich, daß manch einer heute darüber verwundert sein mag, daß nicht seit je die Ueberzeugung hiervon Allgemeingut war. Und doch hat sie erst langsam, sehr langsam sich Bahn gebrochen und ist noch lange nicht Tat geworden. Die Ausklärung habe« die Arbeiter geschaffen, opferwillig, rastlos und ruhelos. Die wichtigste Arbeiterschutzforderung ist die einer Verkürzung der Arbeitzzeit. Ein wichtiges welthistorische» Ereignis ist die Bekundung der Uebereinftimmun� der Arbeiter aller Länder nach dem Ziele des Arbeiterschutze» auf dem Internationalen Kongreß, der vom 14. bis �Ll. Juli 1889 in Paris abgehalten wurde. Dort beschlossen die Vertreter der Arbeiter auS allen Ländern■ die Schaffung einer wirksamen Arbeiterschutzgesctzaebung für alle Länder mit moderner Produktion ist eine unabweisbare Rot- wendigkeit. Der Kongreß formulierte dann die Grundlage» einer solchen Arbeiterschutzgesetzgebmrg und bezeichnete als die wesentlichste Grund- läge: den achtstündigen� RormalarbeitStag. Er forderte ferner: Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren; Beschränkung der Arbeit aller Minderjährigen von 14 bis 16 Jahren auf sechs Stunden pro Tag: Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahme für jene Betriebe, welche ihrer Natu? nach nicht zu unterbrechen sind; Ausschluß der Frauenarbeit in allen den weiblichen Organismus besonders schädigenden Betrieben: Verbot der Nachtarbeit für Frauen und männliche Arbeiter unter 18 Jahren; ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden die Woche; Verbot solcher Industriezweige und Betriebsweisen, welche besonders gesundheitsschädlich für die Arbeiter sind: Aufhebung deS Trucksystems; eine olle industriellen Betriebe, einschließlich der Hausindustrie, um- fassende Ucbcrwachung durch staatlich besoldete Inspektoren, welche mindestens zur Hälfte von den Arbeitern selbst zu wählen sind. Außerdem erklärte der Kongreß: Es ist Pflicht aller Arbeiter, die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitkämpferinnen anzusehen und dem Grundsatze:„Gleicher Lohw für gleiche Leistungen"— auch in bezug auf die Arbeiterinnen zur Geltung zu verhelfen. Als ein wesentliches, zum Ziel führende» Mittel hierfür... er- achtet der Kongreß die Organisation der Arbeiterklasse und fordert demnach volleKoalitionS-undBereinigungZ- f r e i h e i t. Wie aber sind diese Arbeitcrschutzbestimmungen zu erreichen? Darüber beschlossen die Arbeiter in Paris: Der Kongreß erklärt es für notwendig, alle diese Maßregeln durch Gesetze beziehungsweise durch internationale Ver- träge zu sichern, und fordert die Arbeiter aller Länder auf, in der ihnen am geeignetsten erscheinenden Weise für die Ver- wirklichung dieser Forderungen einzutreten und ihre Durchführung zu überwachen. Als die zweckmäßigste Fonn der Aufklärung über die Rot- wendigkeit der Arbeiterschutzgesetzgebung, insbesondere des Acht« ftundentageS, setzte der Pariser Kongreß eine internationale Mani- festation(Kundgebung) für den 1. Mai 1899 fest. Der Beschluß lautete: ES ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große inter- nationale Manifestation zu organisieren, und zwar der- gestalt, daß gleichzeitig in alle» Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten (Behörden) die Forderung richte», den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des Inter- nationalen Kongresses von Paris zur Ausführung zu brmgen. In Anbetracht der Tatsache, daß eine solche Kundgebung bereits von dem Amerikanischen Arbeilerbund(Federation of Labor) auf seinem im Dezember l388 zu St. Louis abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 1899 beschloffen worden ist. wird dieser Zeit- punkt als Tag der internationalen Kundgebung angenommen. Die Arbeiter der verschiedenen Rationen haben die Kimdgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältmsie ihres Landes vorgeschrieben wird, in» Werk zu setzen. Gewaltiges Sussehe« erregte der jubelnd gefaßte Beschluß. Die Notwendigkeit eines ArbeiterschutzeS wurde von allen ernsthaft denkenden Menschen anerkannt, wenngleich hartnäckig bis auf den heutigen Tag der Durchführung von den Arbeiters chutzdcstimmungeu Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten entgcgcngetünnt wurden. Die Februarcrlaffe des Kaisers vom 4. Februar 1890 anerkannten die Forderung einer Arbeiterschutzgesetzgcbung und das Verlangen einer internationalen Verständigung. So hieß cZ u. a. in dem Erlaß: „Die in der internationalen Konferenz begründeten Schwierig- keilen der Besserung der Lage unserer Arbeiter lassen sich nur durch internationale B e r st ä n d i g u n g der an der Beherrschung des Weltmarktes beteiligten Länder, weim nicht überwinden, so doch abschwächen. In der Ueberzeugung, daß auch andere Regierungen von dem Wunsche beseelt sind, diese B e- strebungen einer gemeinsamen Prüfung zu unterziehen, über welche die Arbeiter dieser Länder unter sich schon internationale Ver- bandlungcn führen, will ich, daß zunächst in Frankreich, England, Belgien und der Schweiz durch ineine dortigen Vertreter amtlich angefragt werde, ob die Regierungen geneigt sind, mit uns in Unterhandlung zu treten behufs einer internationalen Ver- ständigung über die Möglichkeiten, denjenigen Bedürfnissen und Wünschen der Arbeiter entgegenzukomureu, welche in den Aus- släuden der letzten Jahre und anderweit zutage getreten sind. Sobald die Zustimmung zu meiner Anregung im Prinzip gewonnen sein ivird, beauftrage ich Sie. die Kabinette aller der Regierungen, welche an der Arbeiterfrage de» gleichen Anteil haben, zu einer Konferenz behufs Beratung über die einschlägigen Fragen einzuladen." Vom 1ö.— 29. März 1890 kam dann in Berlin die Arbciierschutz- konfcrenz zustande, an der Vertreter der Regierungen von Deutsch- land, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Großbritannien. Italien, Luxemburg, Holland, Portugal, Schweden, Norwegen und der Schweiz teilnahmen. Tic tatsächlichen Ergebnisse der Konferenz waren freilich recht geringe. Unter den heutigen Zeitverhältniffen kann es leider nicht unsere Aufgabe sein, auch nur annähernd die Käinpfe zu schildetn, die seit 1890 für Arbeiterschutz, für den Achtstundentag und für das Koalitionsrecht von den Arbeitern geführt wurden. Schon der Pariser Kongreß hatte„den Frieden als die erste und unerläßliche Bedingung" jeden Fortschritts bezeichnet. Ucber die unter den Arbeitern strittig ge- wordene Frage, ob der Arbciterfesttag ein Ruhetag sein solle, be- schloß der internationale Arbeiterkongreß zu Brüssel: Der 1. Mai ist ein gemeinsamer DeinonstrationStag der Ar- bciter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen. Dieser Festtag soll ein Ruhetag sein, soweit dies durch die Zustände in den einzelnen Ländern nicht unmöglich gemacht wird. Der internationale Kongreß zu Zürich erneuerte im Jahre 1893 diesen Beschluß und setzte hinzu: Die Sozialdemokratie jedes Landes hat die Pflicht, die Durchführung der ArbcitSruhe am 1. Mai anzu- zustreben und jeden Versuch zu unterstützen, der an einzelnen Orten oder von einzelnen Organisationen in dieser Richtung gc- macht wird. Ferner beschloß der Züricher Kongreß, die Kundgebung des 1. Mai auch zu einer Kundgebung zum Frieden inner- halb jeden Volkes wie zum internationalen Frieden zu machen. Eingehend beschäftigte sich der Kongreß mit der Notwendigkeit der Einführung des Achtstundentage«. Er faßte hierüber folgende Entschließung: Der Achtstundentag ist... die wichtigste Maßregel zur V e r- besserung der Lage der Arberter. Durch den Achtstundentag wird die Arbeitslosigkeit geringer, die Arbeitstüchtigkeit größer, der Loh n höher und die Kauffähigkeit des arbeitenden Volkes stärker. Durch den Achtstundentag wird das vom Kapitalismus gestörte Familienleben gehoben und eine bessere Fürsorge für die Kinder ermöglicht. Durch den Achtstundentag steigt die Gesundheit, Kraft, Intelligenz und Sittlichkeit des Volkes.... Der Kampf für den Achtstundentag muß in allen Ländern geführt werden, denn nur die internationale gesetzliche Durchführung des Achtstundentags sichert seinen Bestand und seine segensreiche Wirksamkeit. Als Mittel zur internationalen Durchführung des Acht- ftundentageS empfiehlt der Kongreß; die gewerkschaftliche und politische Organisation der Ar- beiterklaff'e auf nationaler und internationaler Grundlage und die Agitation und Propaganda für den Achtstundentag durch die Or- ganisation.... Die GewerkschaftSorganisotion der Arbeiter hat den außer- politischen, fteien Kampf mit dem Unternehmertum für den Acht- stundentag zu führen, um dadurch der gesetzlichen Einführung des Achtstundentages für die ganze Arbeiterklasse den Weg zu be- reiten. Lebhast, vielgestaltig wurde seit 1890 von Jahr zu Jahr in allen Ländern der Weltfeicrtag begangen, um sür Arbeiter- s ch u tz b c st i m m u n g e n sür Organisation und für Frieden einzutreten. Die Arbeiter wissen, daß daS Verkehrteste sür sie und sür den Fortschritt wäre, sich einem Fatalismus hinzu- geben. Sie selbst haben mitzuarbeiten an der Gestaltung ihrer Lage und der Lage der Gesamtheit. Und demonstriert für die Ideale des Weltfeiertags auch nur daS Wort, so weiß der Arbeiter, unablässiges, rastloses Eintreten für die Kulturziele setzt cS durch: Tat wird das Wort! ZranMfche Genoflinnen für öen Zrieöen. Die französischell Parteigenossinnen, die an der Beriier Frauenkonfcrenz teilgenommen ffaben, sandton nabcn dein gestern von uns abgedruckten Friedens- grüß an die deutschen(Genossinnen ein Schreiben au die holländischen Sozialistimicii, das„De proletarische Vrouw" zum Abdnick bringt: 29. März 1915. Werte Kameraden! Wir können Euch nicht sagen, wie sehr es uns velriiöt, daß keine von uns bei Eurer internationalen Demonstration für den Frieden zugegen sein kann. Es ist für uns iozialistifche Frauen der kriegführenden Länder in diesen trüben Dagen eine Freude und ein Licht- blick, zu sehen, wie die Manifestationen für den Frieden, die internationale Aktion der sozialistischen Frauen, zahlreicher und stärker werden. Wir sind überzeug?, daß nach der fchSttett und großen Tas, die unsere internationale Frauenkonferenz war, der Kampf für den Frieden sich vertiefen wird, so daß ihm nichts Wider- stehen kann. Wie sollte es anders sein können? Diese Konferenz, die die leuchtenden Flammen, die gleich Irrlichtern wie zitternde Flammen hier und da über einer Welt von Entsetzen und Finsternis onfleuchteten, zusämmen faßte, hat eine neue Flamme gebildet, die bereits den Horizont erleuchtet und deren Klarheit immer heller ivcrdcn soll. Durch den schönen Geist, durch die Brüderlichkeit, die diese Konferenz kennzeichnete, hat sie in den Herzen derer, die an ihr teilnahmen, unauslöschliche Spuren geprägt und sie gegen jede Ermattung gewappnet. Kameraden, Eure Demonstration in A m st e r-- da m am 1. April ist die erste, die auf die Vereinigung von Kräften folgt, die von den sozialistischen Frauen für den Frieden eingesetzt werden soll. Wir begrüßen sie deshalb als die Einleitung von einer ganzen Reihe von Aktionen der sozialistischen Frauenbewegung. Wir geben Euch freudig aufs neue die Versicherung unserer Bruderschaft und internationalen Treue und sprechen nochmals unsere feste Entschlossenheit aus, mit all unfern Kräften, mit allen Mitteln an dem Kampf gegen den Krieg teilzunehmen..... Für die Brüderlichkeit der Menschheit, sür die inter- nationale Organisation des Proletariats lx'idcr Geschlechter in allen Ländern! Für die Gruppe:(gez.) Louise Saunwnsau. Tiefe Kundgebung ist um so bemerkensiverter, als sie beweist, daß auch in den Reihen der französischen Partei- genossen eine Strömung für den Frieden und den Wieder- aufbau der Internationale vorhanden ist. Zrauenwahlrecht in Dänemark. „Long lebe das neue Grundgesetz", so rief Frau Jutta Bojsm-Möller am 23. April von der Zuhörertribllnc des dänischen Folkcthings. Mit Illll gegen eine Stimme hatte die Volksvertretung in dritter Lesung die Verfassungsände- rung angenommen und damit waren die Kämpfe zum Ab-. schluß gebracht, die dem politischen Leben in Dänemark in den letzten Jahren dos Gpräge gegeben hoben. Im Mai werden Neuwahlen stattfinden; darauf hat der Reichstag— Folkething und Laudsthing— noch einmal sein Votum über die Ver- fassungsanderung abzugeben und wird sie wieder angcnom- inen, so ist sie Gesetz. Aber schon heute besteht gar kein Zweifel darüber, daß die Verfassungsänderung durchgeführt wird. Man hofft, am 5. Juni, dem Tage, der vor 66 Jahren den Männern das politische Recht sicherte, das Zustande-. kommen der neuen Verfassung feiern zu können, die neben anderen äußerst wichtigen demokratischen Verbcsserungen auch den dänischen Frauen die volle politische Gleichberechtigung bringt. Deshalb der freudige Ausruf einer Frau„Lang lebe das neue Grundgesetz!" Man hat nicht viel von einem Kampf der dänischen Frauen um ihre Rechte gehört, ober man darf desbälb mcht etwa annehmen, daß ihnen das Wahlrecht in den Schdß gefallen sei ohne ihr Zutun, ohne daß sie eine Hand gerührt hätten. In keinem anderen Land ist die Zqhl der politisch organisierten Frauen im Verhältnis zur Zahl der Einwohner überhaupt so groß wie in Dänemark. Die Frauenwahlrechts- bewegung ist bis ins kleinste Dorf hinein getragen worden, und, Inas mehr bedeutet, das Interesse und das Verställdins für politische Dinge ist bei den Frauen außerordentlich rege. Bereits seit einigen Jähren drehten sich die Verfassungs» kämpfe nicht mehr um die Bewilligung oder Ablehnung de» Frauenwahlrechts, sondern um die Machterweiterung des Folkcthings gegenüber dem Landsthing. Den Frauen hatte man das kommunale Wahlrecht gegeben, die Erfahrungen die man damit gemacht hotte, sprachen zu ihren Gunsten, und so beschlossen alle Parteien, auch die zuerst der Frage ab- lehnend gegenüberstanden, die politische Gleichberechtigung der weiblichen Staatsbürger in Dänemark zu bewilligen. Der Kampf um die weitergehenden Verfassungsänderungen schob dos Inkrafttreten des politischen Fraucwvahlrechts immer wieder hinaus, nun, wo endlich das Zustandekommen der neuen Verfassung gesichert ist, können sich auch die dänischen Frauen und wir uns mit ihnen des Sieges freuen. Dänemark mit Island, Norwegen und Finnland sind die europäischen Staaten, die ihren Frauen die volle politische Gleichberechtigung gegeben haben. Schivcdcn wird sicher nicht lange mehr dem Drängen der Frauen widerstehen können. Wann werden die deutschen Frauen, die bisher nicht einmal das kommunale Wahlrecht besitzen, in ihrer großen Masse auf der Erfüllung ihres wichtigsten Rechtes bestehen und die Widerstände hinwegräumen, die sich ihnen jetzt noch überall in den Weg stellen? Glaube. Denn auch die Ehristen lieben ihren Glauben und klammern brünstig sich an sein Gebot und lassen sich von seinem Wort nichts rauben, so oft er auch dahinzusinken droht. Sie pflanzen mitten in dein blut'gen Meere des Kreuzes Zeichen tausendfach aufs Grab und flehn auf ihre kriegerischen Heere den Segen Gottes Tag für Tag herab. Da sollten w i r von u n s r c m Glauben lasien, der unser Trost und unsre Zuversicht? Muß auch zur Nacht der Sonne Schein verblassen der neue Morgen gibt ihr neues Licht. So hegen heute treu wir in Gedanken, was sonst in stolzen Worten sich ergießt. Wir weichen nicht von dem, trotz allen Schranken, was uns am ersten Mai zusammenschließt. Rudolf Franz. Sozialdemokratischer Wahlyerein für den 4. Berliner Reiehstagsvahlkreis. Heute Sonnabend, den 1. Mai, abends 8'/- Uhr, in Obiglos Festsälen, Koppenstraste 29: Mitglieder Vers ammlnng. Tagesordnung: ntai-QeÄAnken. 211/18� Referent ist Reichstagsabgeordneter Genosse O. üüclincr. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."MeZ Der Torstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reiehstagsvahlkreis. Heute Sonnabend, den 1. Mai, abends 8� Uhr: Vier Mitsliederversammlunsen in folgenden Lokalen: 221/15' Mila-Käle, Schönhauser Allee 130. Vharus-Säle» Müllerstraße 142. Fraukes Festsäle, Badstraße 19. Stadt-Theater, Alt-Moabit 47 Tagesordnung: I.Vortrag. 2. Diskussion. Referenten: Georg Ledcbour, Dr. Hermann Wehl, Luise Zieh, Mathilde Wurm. BV Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."TSB.] Der Torstand. AV» JOE' � LOE ß 31 v■ '••f. 1 / cj' I der an Güte/ Passform und ..'>>_ I überlpoffen wird -v m'■iäf.T---*. �' r 4:>■: v-'''.■■■■'s,■ • C.',- 7S •' 7:■■■ ü ■"-W.7-7■'7? 7. s � � �-V-"'■, .-.■V W- U:■ fitx ■;; > w V,.Vü-'.W', ■. v vs,' r-.;-vff> '•-.'''■f's w? r.' I I l MMA kill 5ähmander Schuhgesmb. ksJ«101 �erMeDeriin�ö Friedpfchsirasse 162 «MMMW aaurOndet IST« Tmuid meh■Ihn Piltz» Bratsskhnd». Blöbclfabrik Rob. Seelisch Berlin 013, Rigaer Strasse 71-72» emttfiebu gute ppslswerte MAbel Wohnzimmer 1W5,— 2SB.50 S««.—»»O— 40«.— 488.— Schlafzimmer 220— 292,—«28— SOO.— 450.— 778.— Speisezimmer 293.— 4o7.—«SO— 68«.—«S9— 10««- Herrenzimmer 1H6.5Q SO« 50 430.— 457.— 524.— 748.— Küchen«OSO 79— 93.M 114J0 121.— 1482» 19».« Einrlchtungan bis 10 OOO «sslahtlgran« o b n• Kssfswsnr«•■•••' J* _ Illustrierte g«<»/oge frstit gntfjraolo/_ � [ Todes-Anzeigen Am Mittwoch, den 28. April, verstarb unsere Kollegin 52A Mnua Herfort. Die Koltcffinneu der„Vorwärts"- Spedition Lausitzer Platz Nr. 14/15. Beerdigung Montag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralsriedhoses, Fricdrichsfelde. ZlimWeiiioki'zMei' Wahlyerein IM. Köpenicker Viertel. Bezirk 185 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genossin, Frau Mnna Herfort Wrangelstr. 55 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhoscs in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/20 Der Torstand. Deotsclier Holzarteiter-Verbanil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach. richt, dag unser Kollege, der Tischler Gustav Zander Cadiner Straße 13 im Alter von 35 Jahren gc- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nachmittags 2Vz Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoscs in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/8 Die Ortsverwalinng. Am 29. April, früh 3'/, Uhr, entschlief plötzlich nach kurzem aber schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter. Schwieger- und Großmutter, Schwägerin und Tante im 5g. Lebensjahre, Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Adoif Weber nebst Kindern. Berlin dl. 55, Schulstr. 38. Die Beerdigung findet am 3. Mai 1915, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Städti- schen Friedhoses, Secstratzc, aus_ statt._ AI Deutselier lFanspoFtarlieileF-Verban!l. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Kohlenarbeiter >ViIkelm Krüxel von der Firma Behrend, Mühlen- straßc, am 29. d, Mts. im Aller von 52 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nachmittags 3:/» Uhr, von der Leichenhalle des Gcorgcn-Fricdhoses, Landsberger Allee, aus statt. 53/8 Bio Bezirksver«s»iing. Am 28. April verschied nach schwerem Leiden mein innig- geliebter Mann, der treusorgende Vater meines Kindes, der Tischler Gustav Zander. Dies zeigt im tiefsten Schmerz an Tran Anna Zander. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nachmittags 2�/. Uhr, von der Leichenhalle des Zentralsriedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 7VA Am 27. April verstarb unser langjähriger Kollege, der Kranken- kassenangestcllte Heinrick Seidler im 49. Lebensjahre, Mit seinem ausrichtigen und biederen Charakter, ferner durch sein ruhiges und zuvorkommendes Wesen war er uns jederzeit ein hilfsbereiter lieber Kollege. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 257/16 Die Angestellten der Ortskrankcnkasse für die Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin Am Donnerstag, mittags 2 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leiden meine inniggeiicbte Frau. unsere berzcnsgute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante /Harle Kiender geb. Heinrich, im Alter von 39 Jahren. Um stilles Beileid bitten Hennigsdorf, 30. Zlpril 1915 Karl Klenzicr als Gatte, Paol und Erich ats Söhne. Die Beerdigung findet Sonn- tag. den 2. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle aus statt, Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Tcitnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 52A 5fennisnn Stier sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten. insbesondere dem Sparverein.Blühe" und dem Wahl- verein(147, Bezirk) meinen herzlichsten Dank. Witwe Stier. xitv .«/kua 30' tl■ I- i f>,l j"VJCwnAi.. V dlflt Brot billiger! Ab 1. Mai kosten bei uns 4 Pfd. Roggenbrot... 82 Pf. 3 Pfd. Roggenbrot... 02 Pf« Auf diese Preise wird noch �/i 4 7« Rabatt gewährt. Verkauf nur an Mitglieder in 124 Verkaufsstellen Groß-Berlins, Beitrittserklärungen werden in jeder Verkaufsstelle entgegengenommen. ————— Eintrittsgeld 50 Pf.———— Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend ___________ E. G. m. b. H.____ Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstraße 16/26. 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(Verteidigung) d c S in o n a r Ä r s ch e n G c d a n k e n S. Liebe.; gibt es kein zweites Beispiel in der Geschichte, daß ein Staat! durch seine Fürsten groß geworden wäre. Wir Ware;; ein lveiiig geneigt, das zu vergessen, trotz der nngehcnrcn Ver dicnste, die sich die preußische Monarchie aber noch um die Einigung der deutschen Nation erworben hatte. Da traf uns das große Kriegswetter mit feinen neuen Lehren. Wieder sahen Ion. ivie viel cS bedeutet, wenn eine starke Monarchie die Sorge in die Wehrmacht zn Wasser und zu Lande nicht zum Spiclball der P a r t e i i n te r e s s en»verde»» läßt,»veim sie die besten und fähigsten Männer an die entscheiden. n Stellen zu setzen vennag, weil kein siegreicher Feldherr zu groß werden kau», toenn sie ausgleichend, vemiltc.T und entscheidend überall, in»md zwischen Kriegführung und Polit.i die Einheitlichkeit verbürgt, Unser Volk wird, das ist unsere feste Zuversicht, auch monarchischer aus diese m Kriege hervorgehen. Immer haben ja Not und 1 fahren in der preußssche» Geschichte König und Volk nur fr er ancinauder gekettet. Vielleicht stehen lvir vor den» Beginne bei Genesung von einer politischen K i n d e r k r a:> l heit, die große Teile unseres Volkes besallen hatte. In solche: Rückkehr zuin monarchischen Gedanlcn läge eine der schönsten Büi>: schaften für die Zukunft. Sichtbar ist das Walten Gottes in der Geschichte des Hoben- zollernsiaates immer wieder zutage getreten. Er wird es auch diesmal zum Guten wenden und die Hohenzollern»md ilnen Staat mit dem Beginn de? zweiten Halbjahrtausend n c»» c Höhen e n t g e g e n f ü h r e n." Die„Germania"— das Zentrnmsblatt— schließlich erinnert an ein viel erörtertes Wort des Kaisers: „Von der christlichen Idee de? Königtum S V o n Gottes Gnaden durchdrungen, wie er eS besonders in feine Rede in Königsberg in so herrlicher Weise zum Ausdruck brach. hat auch Kaiser Wilhelm II. tinmer wieder auf das nachdrücklich�- betont, daß er sein hohes, verantwortungsreiches Amt von GoU als Lehen trägt:„Als I n st r u m e» t des Herrn mir betrachtend, ohne Rücksicht auf Tagesansichte. und- Meinungen gehe ich meinen Weg, der allein der W.. fahrt»md friedlichen Entwicklung unseres Vaterlandes gewidnu ist." Und wohl dein Staate, dessen Herrscher sich als„schlich!: Amtmann GottcS am Fürstentum betrachtet und danach handelt l Die„Internationale". Uns geht folgende Benachrichligung zu: Durch die Verhäugung der Vorprüfung ist der von uns herau;-. gegebenen Zeitschrift der LebenSfaden vorläusig zerschnitten. Wir werden ihr zweites Heft deshalb erst am Tage iiach der Aufhebung des Belagerungszustandes veröffentlichen. Die Erfahrungen, die d;. erste Heft trotz seiner kurzen Lebensdauer gemacht hat, haben un.- in erfreulicher Weise bewiesen, daß wir richtig verstanden worden sind,»vo wir verstanden sein wollte»» P. Berten.___ F. Mehring. Budgetbcwilligung in Bremen. Die sozialdemokratische Fraktion der Breinischen Bürgerschaft hat in diesem Jahre dein Budget zugestimmt. Am Mittwoch, den 28. April, wurde in der Bürgerschaft der HatiShaltSctat beraten. in 18 Minuten war die„Beratung" erledigt. Bor der Schluß- abstimmung gab Genosse Rhein folgende Erklärung ab:„Im Hinblick auf die gegenwäriigei» Verhältnisse, insbesondere auf di außcrgcwLhiilichei» Aufwendungen, die auch seitens de? Bremische; Staates für die aus der Kriegslage cnlstandencn Ivirtschaftlichen im sozialpolitischen Verpflichtungen zu machen sind, sowie ferner, r.n\ die Pflicht einigen Handelns der Gesaintbevölkcrung in dieser schwere. Zeit nach keiner Richiung zu trüben, srimint die sozialdrmokrati'chc Fraktion dem diesjährigen Budget zu." Aufgehobene Arbeitslosenunterstützung in Frankfurt a. M. Zu Beginn des Krieges hatten der Magistrat imd die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. beschlossen, d-c-i Arbeitslosen eine Unterstützung zn zahlen, die für Ledige 4.V9; pro Woche und für Verheiratete 7 M. zuzüglich 1,95 M. für jer-, Kind betrug. Nachdem der Beschluß acht Monate in Kraft gewesen ist, bat jetzt der Magistrat die»o e i t e r e Auszahlung von dieser Woche an abgelehnt, weil angeblich keine Arbeitslosigkeit»nehr vor- handen ist. ES darf billig bezweifelt werden, ob die gänzliche Aufhebung berechtigt ist. Wenn, wie im Magistratsbeschluß angegeben ist, leine Arbeitslosigkeit niehr vorhanden»st. so wären ja sowieso vorlämch. keine Mittel mehr nötig gewesen. Indessen ist cS gar nicht so.: sonders bei den weiblichen Berufen ist noch viel Arbeitslosigkeit zu konstatieren. Diese Bedürftigen werden von jetzt ab einfach an dm private Fürsorge oder an das Annenarnt verwiesen. Die Such: verordneten haben zum Magistratsbeschluß noch kerne Stellung■' «ommeit. Hier wird noch ein ernstes Wort über die Angekcgcnhert zu reden sein. Landtagsersatzwahlen. Bei der L a n d t a g S e r s a tz w a h l im Wahlkreise G l o g a u'» Lüben wurde mit allen 263 abgegebenen Stimmen der von den Konservativen und vom Bund der Landwirte aufgestellte Ritterguts- besiyer a u Z dem Winkel gewählt.— Für den Wahlkreis Sensburg-OrtelSburg haben die Konservativen an Stelle des versetzten Landrats v. Roenne als Kandidaten den Ritterguts- besitzer von der Goltz-Malschöwen aufgestellt. Ter Kriegswirtschaftsplan der Landwirtschaft.' Der deutsche Landwirtschaftsrat ist von seinem Präsidenten Graf v. Schwerin-Löwitz zu einer außerordentlichen Plenarversammlung auf den 14. Mai d. I. nach Berlin einberufen. Einzigen Gegenstand der Tagesordnung bildet:„Aufstellung eines Kriegswirt- s ch a f t S p l a n e Z für das Erntejahr 1315/16". Wie man öie Parteieinheit nicht wahrt! Das„Hamb. Echo" veröffentlicht unter dem Titel:.Wahrt die Einheit der Partei" eine Zuschrift aus Berlin, die geradezu ein Musterbeispiel dafür ist, wie man eS nicht anstellen darf, um die Einheit der Partei zu wahren. Denn wenn die Zuschrift— die daS.Echo' ohne Kommentar wiedergibt— darüber klagt, daß die nach- gerade in Hebung kommenden Formen des Meinungskampfes innerhalb der Partei daS Porteileben„vergifteten", so will eS uns scheinen, als ob seine Art der Parteipolemik den Parteistreit erst recht vergifte und mit Notwendigkeit einen Zustand der Gereiztheit und Ver- bitterung heraufbeschwöre, der wirklich die Einheit der Partei ge- fährden könnt». Bisher scheinen uns begründete Befürchtungen für diese Einheit nicht zu bestehen; aber wenn der Meinungskampf geflissentlich in so gehässigen Formen geführt und auf daS Niveau so persönlicher Verumglimpfungen herabgezerrt werden sollte, wie das in der Zuschrift des„Hamb. Echo' geschieht, so könnten die Auseinandersetzungen in der Partei wirklich einen höchst bedenklichen Charakter annehmen. Freilich haben wir daS Zutrauen zu der gesunden Einsicht und der Energie der Masse der Parteigenoffen, daß sie sich einen so bösartigen und verhängnisvollen Krakeel einfach nicht ge- fallen lasten würde! Der Artikel deS„Hamb. Echo" fängt ganz ruhig und verständig an. Solange die Sozialdemokratie existiere, habe eS in ihr an Diffe« rcnzen nicht gefehlt. Schon die Verständigung zwischen den Lassalleanern und Eisenachern sei das Endergebnis erbitterter Kämpfe gewesen. Auch in der Folgezeit habe es an heftigen Auseinandersetzungen nicht gefehlt. Immer aber sei eS noch zur Ver- ständigung gekommen und die bürgerlichen Hoffnungen auf Spal- tung feien jedesmal enttäuscht worden. Dann heißt es jedoch weiter: „Auch jetzt wird die Partei wieder aufgewühlt bis in ihre tiefsten Tiefen. Der Weltkrieg hat große Fragen aufgeworfen und weitgehende Meinungsverschiedenheiten gezeitigt. In der Parteipresse und in zahlreichen Broschüren wird dieser Kampf geführt. Weniger in Versammlungen, da hierzu die Möglichkeit fehlt: desto mehr in kleinen Konventikeln, in Privat- zirkeln usw. Die Rücksicht auf die Kriegslage, anderseits die Zensur ziehen der freien Aussprache Schranken. Die Partei befindet sich gegenwärtig in ähnlicher Lage wie unter dem Sozialistengesetz. Unter dem Wirken kleinerer Gruppen und Grüppchen, die sich noch als die verfolgte Unschuld hinstellen, wird das Partei- leben vergiftet. Das sogenannte„Z e n tr a l o r g a n", das den Sprechsaal abgeben sollte für die verschiedenen An- schauungen, sperrt dem einen, seiner Redaktion nicht genehmen Teil seine Spalten. Es gibt seinen Lesern kein Bild der wichtig st en Tatsachen und Vorgänge vom Kampf- felde der Internationale; es übt eine strengere Zensur als die militärische, über deren Walten seine Redaktion sich be- schwert, und führt so die öffentlicheParteimeinung irre— soweit sein Leserkreis in Frage kommt. Diese einseitige Haltung de?.Zentralorgans", das die verschwindende Minorität der Partei vertritt, vermehrt die Erbitterung, steigert die persön- lichen Abneigungen, die an sich nicht eine Folge sachlicher Meinungsunterschiede zu sein brauchten. Die Gefahr für die Ein- heit der Partei wächst, je länger die Unmöglichkeit der Ein- bcrufung eines Parteitages andauert, jenes Sicherheit?- Ventils, das in normalen Zeitläuften jedes Jahr einmal in Funktion tritt." Also: der Weltkrieg hat große Fragen auf- geworfen und weitgehende M e inungsverschieden- Veiten gezeitigt. Da ist es doch wohl selbstverständlich, daß man sich über diese Differenzen ausspricht. Sind aber„der freien Aus- spräche Schranken" gesetzt, so m u ß eben die Aussprache, wie unter dem Sozialistengesetz, in kleinen Zirkeln erfolgen. Und unter den „Schranken" leiden doch diejenigen, die in der Opposition stehen, während die andere Seite ihre Anschauung, die doch im Wesent« lichen mit den Anschauungen der bürgerlichen Parteien zusammenfällt, in breitester Oeffentlichkeit vertreten kann und auch eifrig vertritt. Danach sollte nach den Gesetzen der Logik, der Demokratie und de? polemischen AnstandeS das„Hamburger Echo" der Opposition doch etwas zugute halten und sich eine gewiste Reserve ihr gegenüber auferlegen. Aber gerade das Umgekehrte ist der Fall: die„Gruppen und Grüppchen' werden als„verfolgte Un- schuld" verhöhnt und als.Vergifter' des Parteilebens denunziert! Vor allem wird zunächst der„Vorwärts" angerempelt. Weil er sich nicht entgegen seiner politischen Ueberzeugung und seinem Partei- gewisten einfach zum Sprachrohr der Lensch, Haenisch, Heine, Heine- mann usw. hergegeben und jeden Ausbruch der KriegSbegeisterung oder des reformistischen Illusionismus abgedruckt hat, dem er seine Austastung— Wie das„Hamb. Echo" doch selbst erst hervorgehoben hat l— ja gar nicht hätte entgegen st ellenkönnen, deshalb soll der„Vorwärts" strengere Zensur üben, wie die mili- tärische, deshalb soll er die Partei irreführen. Nun, wer die Partei irregeführt hat, darüber wird nach reiflicher Prüfung der Dinge die Masse der Parteigenossen ein Urteil abgeben, wenn der freien Aussprache keine Schranken mehr gezogen sind. Besonder» hübsch aber macht sich ein solcher Ausfall im„Ham- burger Echo", also ausgerechnet in dem Blatt, dem die Genosten Laufenberg, Wolfheim und Herz in ihrer Broschüre„Organisation, Krieg und Kritik" in dem Kapitel„Die Politik der Hilflosigkeit" an einer Fülle von Beispielen einseitige und irreführende Information seiner Leser nachgewiesen haben I Aber so skrupellos das„Hamb. Echo" mit dem„Vorwärts" umjpringt, so unqualifizierbare Angriffe richtet es auch gegen andere Genosten, gegen„jene kleine Gruppe von Personen, denen jedes, Verantwortlichkeitsgefühl abgeht, die Eitelkeit'. Rechthaberei und Schlimmeres dazu treibt, eine mit immer übleren Mitteln geführte Hetze gegen die Fraktionsmehrheit durchzuführen". Gemeint sind damit, wie wir dann erfahren, die Redaktion der „Lichtstrahlen" und vor allem Rosa Luxemburg und Mehring. Nun mag man manches von dem, was diese Genossen geschrieben, in Form und Inhalt für übertrieben halten fwir selbst haben ja kürzlich unsere Ansicht gesagt), man mag auch die ätzende Sachkritik dieser Genosten mit ebenso ätzender Gegenkritik erwidern, aber den sachlichen Meinungsaustausch auf da« Gebiet persönlicher Ver- unglimpfungen hinüberzuspielen, wie daS das„Hamburger Echo' tut, indem eS den Genosten„Eitelkeit, Rechthaberei oder Schlimmeres' vorwirft, das ist ein Unfug, dem allerdings nicht scharf genug gegenübergetreten werden kann. DaS sind moralische Anwürfe, die in der Tat jeden Meinungsstreit„ver- giften" müssen. Das„Hamburger Echo" berufe sich auch nicht darauf, daß doch auch die Genossin Luxemburg mit ihren— von dem Verfasser der Zuschrift an das„Hamburger Echo" nicht ganz selbständig zusammengestellten— kritischen Stilblüten über die Schnur gehauen habe. All diese drastischen Ausdrücke, mag man sie für sachlich noch so falsch und in der Form für noch so geschmacklos halten, beziehen sich doch nur auf politische A n si ch t e n und polnische Methoden die Genossin Luxemburg bekämpft. DaS„Echo" aber verdächtigt den Charakter und die M o t i v e der ihm unbequemen Personen. Uebrigens: Hat denn das„Hamb. Echo", daS sich über die despek- tierliche Sprache der Genossin Luxemburg dem Genosten Kautsky gegenüber so hochmoralisch entrüstet, ganz vergesten, daß es selbst erst vor wenigen Wochen denselben Kautsky mit Spott und Hohn überschüttet hat? Auch wenn das„Hamb. Echo" nicht einsehen sollte, daß das bloße Zusammenklauben stilistischer Schärfen eines Gegners so ziemlich die armseligste und geistloseste Art der Polemik ist, hätte es wenigstens das Bewußtsein seiner eignen Sünden vor solcher Pharisäerei behüten sollen. Niemand in der Partei, zum mindesten niemand auf der linken Seite der Partei denkt, soweit unsere Kenntnis der Dinge reicht, an eine Zerreißung der Parteieinheit. Auch die schärffte Kritik Hot eS sich lediglich zum Ziel gesetzt, durch AuSmerzung von Fehlern und Schäden die wahre, die innere Einheit der Partei zu stärken und damit auch die Schlagkraft nach außen. Ob und inwieweit die Kritiker recht haben, wird die Gesamtpartei selbst zu entscheiden haben. Die Auseinandersetzungen werden vielleicht stürmisch und leidenschaftlich werden, aber sie brauchen darum nicht„vergiftet" zu sein. Vergiften könnte sie nur kleinlicher, persönlicher Hader. Den wollen wir aber nicht erst auflommen lasten I Mus der Partei. Stimmen aus der Partei. Zn dem gestern von uns veröffentlichten Artikel des Genosten Scheidemann erhalten wir noch folgende Zuschrift: DaS wesentlichste an den Ausführungen des Genosten Scheide- mann ist, daß er seiner so häufig zitierten Parole„Durch- halten" eine Auslegung gibt, durch die ihrer mißverständlichen und mißbräuchlichen Anwendung vorgebeugt werden soll. Er will keinen Zweifel über ihren rein defensiven Charakter lassen: Durch- halten bedeutet nur verhindern, daß die siegreichen Alliierten den Fuß auf den Nacken eines besiegten Deutschlands setzen. Scheidemann meint, man habe ihn seiner Parole wegen als .Kriegswüterich" hingestellt. DaS ist eine Uebertreibung. Daß ein Mann, der seinerzeit in der Salle Wagram zu Paris den französischen Genossen das Wort zurief:„Die deutschen Arbeiter wollen nicht auf Euch schießen— sie wollen vielmehr in Frieden und Freundschaft mit Euch leben!" zum Kriegswüterich geworden wäre, hat wohl niemand angenommen. Man erblickte in der nach- drücklichen Betonung des Durchhaltens nur eine Gefährdung der selbst ändigen Orientierung des Proletariats auf dem Gebiet der internationalen Politik. Das Schlagwortwar deshalb sobedcnklich, weil eS bei Freunden und Gegnern die Meinung aufkommen ließ, als solle der Sozialdemokratie, nachdem der Krieg einmal ausgebrochen sei, das Recht zu einer eigenen Meinung über das Kriegsziel und über den Zeitpunkt, an dem es als erreicht angesehen werden kann, abgesprochen werden. Wer immer wieder„Durchhalten" sagt, sich dabei auf die chauvinistischen Stimmen ausländischer Genossen beruft und die versöhnlichen und vernünftigen vollständig außer Betracht läßt oder für unbeachtlich er- klärt, der kann sich nicht wundern, wenn er mit Leuten zusammen- geworfen wird, mit denen, was den Zweck und die Befristung des Krieges anbelangt, ein Sozialdemokrat nicht übereinstimmen kann. Verstehen wir Scheidemann recht, so ist es ihm jetzt darum zu tun, einer solchen falschen Auffastung seiner Politik entgegenzutreten, und in der Tat ist ja nichts dringender erforderlich als innerhalb und außerhalb unserer Partei die Ansicht zu bekämpfen, als ob die Sozialdemokratte für die Durchführung und Beendigung des Krieges andern Leuten sozusagen eine Blankovollmacht ausgestellt habe, und nun in geduldiger Passivität„durchhalte" bis diese andern ihre Aufgabe für gelöst halten. ES genügt auch nicht der Hinweis, daß die Fraktion am 4. August ausdrücklich von der Verteidigung des Vaterlandes gesprochen habe. Wir wisten ja. wie im Namen der Verteidigung, der Sicherung eines dauernden Friedens, und wie die Siedewendungen sonst noch lauten, Forde- rungen aufgestellt werden, die ein Sozialdemokrat niemals unter- schreiben kann. Di« militärische Lage des Deutschen Reiches ist heute weit günstiger als die der Alliierten. Die halbamtliche Erklärung vom Sonnabend zog aus dieser Tatsache den Schluß, daß Deutschland keine Veranlassung habe, Friedensverhandlungen zu führen. Scheide- mann kommt zu dem entgegengesetzten Ergebnis und weist darauf hin, daß eS nicht als ein Zeichen von Schwäche ausgelegt werden könne, wenn die deutsche Regierung sich jetzt friedenS- bereit zeige. Wem als Ziel des Krieges nichts anderes vor- schwebt, als die Abwehr der Feinde, und wer den Sinn des Verteidigungskrieges nicht so entstellt, daß er von einem Eroberungskriege kaum mehr zu trennen ist, der muß Scheidemann in diesem Punkte zustimmen. Aber er mutz darüber hinaus alles tun, um zu verhindern, daß unsere Partei auch nur mit einem Schein des Rechts als Anhängerin und Unterstützerin einer sich nicht in den Grenzen der reinen Verteidigung haltenden Kriegspolitik angesprochen werden kann. Die Wiedergewinnung der Selbständigkeit in der internationalen Politik, daS Eintreten für einen Frieden, der keiner Nation ihr Selbst- bestimmungsrecht verkümmert— das ist die Forderung des Tages für die gesamte Sozialdemokratie. Zur Kreditbewilligung. Im sozialdemokratischen Verein zu Frankfurt a. M. sprach Reichstagsabgeordneter tz a a s e nach der„Freis. Ztg." über die Haltung der Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten wie folgt:„Ich stand auf dem Boden, überhaupt keine Kredite zu be- willigen. Unser Programm, daß wir das Vaterland nicht ohne Schutz laffen wollen, hat mit dieser Frage gar nichts zu tun. Bebel hat sich 1870 mit Liebknecht der Stimme enthalten, trotz seiner wiederholt betonten Liebe zum Vaterland. Das Vater- land wollten wir nicht im Stiche lasten, keinen Massenstreik machen. nichts, nichts sollte unternommen werden. Jeder sollte seiner StaatSbürgerpflicht genügen. Daraus ergibt sich aber nicht die Pflicht, Kredite zu bewilligen, das wäre unsere Bankrott. e r k l ä r u n g für die bisherige Politik. Wir haben früher alle Kredite abgelehnt, trotzdem sind unsere Söhne Soldaten geworden. Wir folgen auch im Krieg unserer Pflicht, aber im Parlament. wenn ich da mein„Ja" abgebe, billige ich die Politik der Regier rung und decke sie. Ist nicht. ein Widerspruch in unserer Zu- stimmung gegen früher? Wir haben immer hervorgehoben, daß die Kriegsrüstungen zum Unwetter führen, und als es kam, haben wir die Verantwortung übernommen. Wir haben aller- dings in unserer Erklärung die Verantwortung abgelehnt, aber die Tat ist anders ausgefallen. Was ist uns versprochen? Unvcr-- bindliche Redensarten, weiter nichts; ja man sprach da- von, daß es gar keine Ausnahmegesetze gäbe! Das Gewerkschafts- gesetz hat man uns versprochen, wie es aber aussehen wird, davon bekamen wir schon eine Ahnung." Die Parteipresse, so meinte Ab- geordneter Haase, habe oft eine Haltung eingenommen, die gerade- zu überraschte. Abg. Dr. Quarck betonte demgegenüber, daß es sich nicht um ethische und moralische Fragen, sondern um große wirtschaftliche Interessen handele, die auch die Arbeiterschaft berührten.„Deutsch- land," so sagte der Redner,„hat den Neid Englands erweckt, das Deutschland wirtschaftlich isolieren und schwächen will. Aus diesem Grund müssen wir unser Vaterland verteidigen. Ich betone, wir haben ein Vaterland zu verteidigen. Wir haben nichts preisge- geben. Wir haben die heimatlichen Interessen verteidigt in der Absicht, damit dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen und unsere Interessen für die Zukunft zu wahren, uns einen größeren Ein- fluß zu sichern." Dr. Sinzheimer meinte, Haase habe ver- sucht, die Stellung der Minderheit mit einem gewissen Heiligen- schein zu umgeben. Er habe sich auf Bebel berufen, der 1876 gegen die Kredite gestimmt habe. Aber Marx habe sich damals gegen Bebel und Liebknecht erklärt und von der unbegreiflichen Prin- zipienreiterei des Wilhelm gesprochen. Die Diskussion wurde nicht zu Ende geführt. Ueber eine von Frau Ennenbach im Auftrag einiger sozialdemokratischen Frauen Frankfurts eingebrachte Resolution, die an den Parteivorstand in Berlin weitergegeben werden soll und in der gefordert wird, als- bald in eine Agitation für den Frieden einzutreten, soll später abgestimmt werden. Jubiläum eines Partciblattcs. Die in Bremen erscheinende„Bremer Bürger- Zeitung" besteht am 1. Mai>915 25 Jahre. Am 1. Mai 1896, nach den auch für Bremen glorreich verlaufenen Februarwahlen— zum ersten Male wurde damals in Bremen ein S o z i a l d e m o- krat in den Reichstag gewählt— trat die Zeitung ins Leben. Es war nicht das erste sozialdemokrattsche Blatt in Bremen, aber ihren Vorgängerinnen war keine lange Existenz beschieden. 1876 gründeten die Bremer Parteigenossen die„Bremer Freie Zeitung". Sie bestand nur zwei Jahre, und an ihre Stelle trat die „Bremer Volkszeitung". Doch schon in demselben Jahre ging diese ein. Die„Bremer Morgenzeitung", die nun herauskam, wurde schon nach einem Tage verboten. Von den Bremer Parteigenossen sind auch später noch Versuche unternommen worden, ein selbständiges Lokalblatt zu gründen, aber von Bestand ist kcins von diesen Unternebmen gewesen. Nach deii Wahlen von 1890 befaßte sich die bremische Parteileitung wieder mit der Frage der Gründung einer Tageszeitung fiir die Arbeiter- schaft, und das Resultat dieser Erwägungen war der Beschluß, eine tägliche Zeitung ins Leben zu rufen. Der Plan wurde gebilligt und eine Genossenschaft zur Herausgabe der Zeitung begründet. So entstand die„Bremer Bürger-Zeittnig", die im Anfange einen schweren Existenzkampf zu führen bctttc. Aber sie überstand alle Widrigkeiten, und beim Ausbruche des Krieges im August des vorigen Jahres hatte sie 23 666 Abonnenten. Seit 1966 wird das Blatt im eigenen Betriebe unter der Firma Schmalfeld u. Co. her- gestellt und im März 1911 siedelte das Geschäft in ein eigenes statt- liches Gebäude über. Mit einer reich ausgestatteten Festnummer ist unser Partei- blatt am 1. Mai erschienen. In einer Reibe von Artikeln,, versaht von früheren und jetzigen Redakteuren des Blattes und einigen anderen Parteigenossen, wird deS Jubiläumstages in eingehend erinstruktiver Weise gedacht. Gewerkschaftliches. Reichstarifvertrags-verhanölungen im Schneiüergewerbe. Zur weiteren Förderung der Vorarbeiten zum Reichstarif haben am Montag, Dienstag und Mittwoch in Berlin Sitzungen der aus Vertretern sämtlicher Vertragsparteien ge- bildeten Kommissionen stattgefunden.— Die Unternehmerund Arbeiterorganisationen hatten sich dahin verständigt, daß vom 1. März 1916 ad alle einzelnen Tarifverträge zu einem Reichstarifvertrag zusammengefaßt werden sollen, der bis zum letzten Februar 1920 unter Ausschaltung aller Streiks und Aussperrungen gilt, und, wenn nicht drei Monate vor Ablauf eine Kündigung erfolgt, jeweils auf ein Jahr weiterläuft. Mit Rücksicht auf den Kriegszustand ist der Termin um ein Jahr verlängert worden. Der Reichstarif soll also erst am 1. März 1917 in Kraft treten. Bezüglich der Vorarbeiten ist zu bemerken, daß der Unternehmerverband durch Schiedsspruch der Unparteiischen verpflichtet worden ist, folgende Mindest- forderungen zu gewähren: ch Die Arbeitszeit darf 16 Stunden nicht überschreiten. b) Furnituren sind zu liefern oder zu vergüten. c) Zuschläge für Heimarbeit werden grundsätzlich als berechtigt anerkannt. 6) Vorschriftsmäßige Betriebswerkstätten sind zu fördern. ch Extraarbeiten sind systematisch nach Maßgabe der darauf verwendeten Zeit zu bezahlen. k) Doppeltarife find einzuschränken und allmählich zu be- seitigen. g) Für Uniform- und Damenschneidereien ist ein Lohniarif- muster zu schaffen. Zur Beratung und Feststellung wird eine Spezial- kommission aus Vertretern sämtlicher Vertragsparteien zu- sammentreten. Wenn über diese Fragen bis zum 19. Januar 1917 keine Einigung erzielt wird, so ist die Angelegenheit einem Kollegium von drei Unparteiischen zu unterbreiten, welches berechtigt ist. einen Schiedsspruch zu fällen. Der Schiedsspruch unterliegt der Beschlußfassung der Vertragsparteien. Nachdem die Kommission zuletzt im Juni 1914 in München getagt hat, hat sie bei ihrer diesmaligen Zusanimen- kunft zunächst die damals zurückgestellten Punkte zum Hauptvertrag beraten. Im allgemeinen wurde hierüber eine Einigung erzielt. Strittig ist hauptsächlich die Frage der Haftung der Organisastonen aus Ler- stößen gegen den Vertrag geblieben. Die Arbeiter konnten aus grundsätzlichen Erwägungen auf diese Forderung der Unternehmer nicht eingehen. Die noch strittigen Anträge zum Lohntarif wurden zum größten Teil durch Vereinbarungen aus der Welt geschafft. Im Verhältnis zu der großen Zahl von Tarifpositionen sind nur noch wenig übrig geblieben. über die noch keine Einigung erzielt wurde. Auch über das Schiedsgerichtsversahren gehen die Ansichten nicht mehr weit auseinander. Die bisher besteheneen Ortsschiedsgerichte werden beseitigt. An die Stelle der Gauschiedsgerichte treten die Tarif- schiedsgerichte, und an die Stelle des Schiedsgerichts der Haupt- Vorstände ein Reichsschiedsgericht. In erster Instanz sind die örtlichen Vorstände zur Schlichtung von Streitigkeiten bc rufen. Rundweg abgelehnt haben die Unternehmer den An- krag der Arbeiter auf Einschränkung der Doppeltarife. Die Unternehmer betrachten diese Frage als Teil der Lohnfrage, von der sie sie nicht trennen wollen. Gleichfalls ablehnend. wenn auch nicht ganz so strikte, verhielten die Unternehmer sich gegenüber dem Antrag auf Förderung der Werkstätten- frage. Die Arbeiter hatten beantragt, daß in den Fällen, wo eine bestimmte Anzahl Arbeiter die Er- richtung einer Werkstätte fordert und sich bereit er- klärt, in die Werkstätte zu gehen, der Arbeitgeberverband verpflichtet sein soll, die Verwirklichung dieser Forderung nach- driicklich zu unterstützen. Ferner soll sich der Arbeitgeber- verband bereit erklären, einer etiva von seinen Mitgliedern beabsichtigten Förderung der Heimarbeit entgegenzuwirken. Bestehende Einzelverträge, ivelche die Beschäftigung von Heim- orbeitern ausschließen, sollen rechtsverbindlich sein. Die Unternehmer erklärten zivar, deni Grundgedanken des Antrages sympathisch gegenüberzustehen, aber sie lehnten es ab, irgendeinen Zwang auf ihre Mitglieder auszuüben. Die nächste Zusammenkunft der Kommissionen wird vor- aussichtlich in eineinhalb bis zwei Monaten in Frankfurt a. M. stattfinden. Verlin und Umgegend. Tie Bierpreiserhöhung in Groft-Berlin und die Angestellten im Gastwirtsgewerbc. In einer vom Verband der Gastwirtsgehilfen in der Nacht vom LS. zum 30. April nach den Jndustriefestsälen einberufenen Ver- sammlung referierte Z e i s k e über das obige Thema. Redner legte die Stellung der Wirte dar, die behaupteten, daß die Großbrauereien keine stichhaltigen Gründe für eine Bierpreiserhöhung angeben könnten, die dann aber nachträglich gemeinsam mit den Brauereien zu einer Bierpreiserhöhung übergingen. Die Gastwirte erklärten jetzt, die hohen Gehälter der Angestellten und deren Beköstigung zwängen sie zu ihrem Vorgehen. Das stimme nicht. Es gebe ja jetzt noch genug Betriebe, wo Bruchgelder bezahlt werden müssen. Auch brauchte ja nur die Kostentschädigung cingesührt werden, wie es zum Teil auch schon geschehen sei zum Nutzen beider Teile. Gehaltsaufbesserungen sind in den letzten Jahren auf Grund von Forderungen des Verbandes erfolgt in einzelnen Betrieben. Durch den Krieg find aber viele Verträge gebrochen und die Verhältnisse verschlechtert worden. Besonders hart wurde gegen das Hilfspersonal vorgegangen, was zur Folge hatte, daß dieses in anderen Branchen Unterkunft suchte. UebrigenS trifft die allgemeine Teuerung auch die Gehilfen und nicht nur die Wirte. In der letzten Zeit ist es dem Eingreisen der Organisation vielfach gelungen, gesundend auf die Entlohnung der Gehilsenschaft einzuwirken und es konnten in einer Reihe von Fällen KriegSverträge abgeschlossen werden. Mancherlei Differenzen konnte der Verband zur Zufriedenheit beider Parteien schlichten. Ungezählte Summen sind den Wirten durch die behördliche Brotregelung in die Taschen geflossen, auch darauf müsse einmal hingewiesen werden. Diese und andere Vorteile haben die Wirte in der KriegSzeit errungen. Das Publikum ist— entgegen den Ver- sicherungen der Gastwirte— durchaus noch nicht einverstanden mit der Preissteigerung; es zeigt sich dies an den verringerten Einnahmen der Gehilfen. Wie Redner erwähnt, haben sich eine Reihe von Cafe-Jnhabern gegenüber den Angestellten in bezug aus Lobnfragen anständig gezeigt. Zum Teil sind in Lokalen die Reviere vergrößert worden. Dadurch erreichen die Gehilfen zwar ihren alten Verdienst, aber auf Kosten ihrer Arbeitskraft. Der Kriegsschluß wird die Zustände sicherlich noch ungünstiger gestalten. Sache der Gehilfen sei es, sich beizeiten vorzubereiten, um allen kommenden Verhält- niffen schlagfertig gegenüberzustehen. Die Aufstellung emes Tarif- Vorschlages in der Versammlung hält Redner nicht für ratsam. Dies müsse innerhalb der Organisation geschehen. Auf TarifabschlLsse müsse jetzt schon hingewirkt werden. Dagegen seien selbständige Tarisabschlüsse durch Gehilfen ohne Hinzuziehung der Organisation nickt zu empfehlen. Der Zeitpunkt, zu fordern, ist»ach Ansicht des Referenten gekommen. Was sonst nicht möglich war, die Gastwirte unter einen Hut zu bringen, hat die Biervreiserhöhung bewirkt. Da- von können die Gehilfen lernen. Sie müssen sich Mann für Mann organisieren.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion bestätigte und ergänzte die Ausführungen des Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die in der Rächt vom 29. zum 30. April tagende Versammlung der Gaftwirtsangestellten erblickt in der durch Brauer und Gastwirte gemeinschattlich vorgenommenen Erhöhung der Bier- preise eine erhebliche Schädigung ihrer Erwerbsinteressen. Die getroffenen Maßnahmen für Regelung der Bierpreis- frage— denen eine Erhöhung der Preise für Speisen und sonstige Getränke bereits voraufgegangen war— haben für die Kellner eine empfindliche Mindereinnahme an Trinkgeldern seitens des Publikums zur Folge gehabt, wozu vielfach nicht unerhebliche Kürzungen der Löhn« durch die Arbeitgeber unter Begründung der Einwirkungen des Krieges getreten sind. Um eine Regelung der mißlichen Lohn- und Verdienstverhält- nisie herbeizuführen, hält die Versammlung eine Erhöhung der bisher gezahlten Löhne für unbedingt notwendig. Sie erneuert außerdem die Forderung— Ablösung des Kost- und Logiswesens durch eine entsprechende Barentschädigung— und erachtet als wirksamstes Mittel zur Durchsührung dieser Forderungen den Zusammenschluß in der freigcwerkfchaftlichen Organisation, um mit deren Hilfe eventuell auf dem Wege tariflicher Vereinbarungen mit den Arbeitgebern' eine Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Lage zu erreichen._ Die Berliner Filiale des Gcmciiidcarbciterverhandes hatte Ende ,>es vorigen Jahres 6816 Mitglieder. Nach dem in der General- Versammlung am Donnerstag gegebenen Bericht war Ende des ersten Quartals 1915 ein Mitgliederbestand von 6161 vorhanden. Der Rückgang beträgt demnach 769, doch ist der größte Teil der verlorenen Mitglieder, nämlich 672, zum Militär eingezogen. Die Erledigung der Organisationsarbeiten ist, da viele VerirauenSleute im Heere stehen, inimer noch erschwert, jedoch nicht verhindert. Das Vorgehen des Verbandes zur Erlangung einer Teuerungszulage hatte in Berlin und einer Reihe von Vororten die bekannten Er- folge. Die Teuenmgszulage ist was besonders hervorgehoben wurde— einem so großen Personeukreise gewährt worden, wie es bei friiheren Lohnzu'lagen noch nie der Faä gewesen ist. Mit Genugtuung wird es begrüßt, daß auch die Arbeiter auf den Rieselgülern, die sonst immer als Stiefkinder der städtischen Verwaltung behandelt wurden, mit der Teuerungszulage bedacht worden sind. Der Verband hält es für recht und billig, daß man den Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen, sowie den erwerbsunfähig gewordenen städtischen Arbeitern das Ruhegeld zukommen läßt. Wie die Verbandslcitung erfahren hat, steht der Berliner Magistrat dieser Angelegenheil sympathisch gegenüber und will sie dem Slädtetage unterbreiten.— Wie eine Verfügung des Bürgenneisters Reicke besagt, sollen die aus dem Kriege zurückkehrenden städtischen Arbeiter nach Möglichkeit in ihren früheren Stellungen beschäftigt werden, auch diejenigen, die nicht mehr voll erwerbsfähig sind.— Wegen des durch den Krieg verursachten Arbeilermangels ist auch die städtische Verwaltung in einigen Betrieben zur Beschäftigung von Frauen übergegangen. In den städtischen Gaswerken werden Frauen mit Koksschippen und in der Parkvcrwaltung mit Graben und Karren, also mit schweren Arbeiten beschäftigt. Wenn auch an sich gegen die Frauenarbeit nichts einzuwenden ist, so soll doch daraus gehalten werden, daß sie nicht schlechter bezahlt wird als dieselbe Arbeit der Männer. In der Kassenlage macht sich die Wirkung des Krieges insofern bemerkbar, daß die Beitragseinnahmen zurückgegangen sind, während die Auslagen für Unterstützungen sich erhöht haben, mit Ausnahme der Arbeitslosenunterstützung. Diese ist zurückgegangen, weil Arbeits- lose fast gar nicht vorhanden sind. Für Unterstützungen wurden im ersten Quartal ausgegeben: An Kranke 1689 M., an Arbeitslose 1654 M., an Familien von Kriegsteilnehmern 2958 M., in Sterbe- fällen 4195 M., in Notfällen und als Weihnachtszuwendung 499 M. — Die statutenmäßigen Unterstützungen, die uach Kriegsausbruch eingeschränkt wurden, sind vom 1. April ab wieder erweitert worden. Die Berliner Filiale des Schneidcrvcriaitdes hat seit Beginn des Krieges 45 375 M. als Unterstützung an die Familien ihrer im Heere stehenden Mitglieder gezahlt, davon sind 15 855 M. der Lokalkasse entnommen. An Notfallunterslützung wurden während des Krieges an 1567 Mitglieder 15 827 M. ausgegeben. Mit dem Abnehmen der Arbeitslosigkeit hat natürlich die Inanspruchnahme der Notfallunter- stützung sehr bedeutend nachgelassen. In der Mitgliederbewegung ist in letzter Zeit eine Besserung eingetreten. Im Laufe des ersten Vierteljahrs 1915 wurden mehrere hundert Neu- aufnahmen gemacht, andererseits sind aber auch Mitgliederverluste eingetreten, so daß die Mitgliedcrzahl während des ersten Viertel- jahres von 6476 auf 6997 zurückgegangen ist. Der Mitgliederverlust ist; zum großen Teil aus Einberufung zum Heere zurückzuführen. Im ganzetr stehen' 2639 Mitglieder der'Filiale im Heere.'— Eine finanzielle Besierung ist insofern eingetreten, als im ersten Viertel- jähr 9999 Beitragsmarken mehr als im vierten Quartal des Vorjahres abgesetzt wurden. DiesErgebnis würde inder amMittwoch abgehaltenen Generalversammlung als erfreulich, aber doch noch nicht befriedigend be- zeichnet, wenn man bedenke, daß die Arbeitsverhältnisse im Schneider- gcwerbe gegenwärtig nicht ungünstig seien, jedenfalls viel besser als man in den ersten Wochen des Krieges erwarten konnte. Der Ver- band habe dafür gesorgt, daß die Löhne während des Krieges sich auf einer angemessenen Höhe halten. Ohne das tatkräftige Ein- greisen der Organisation würde das nicht der Fall gewesen sein. Es gelte jetzt, durch rege Agitation den Verband zu stärken, damit er auch nach dem Kriege die Interessen der Mitglieder mit dem gleichen Erfolg vertreten kann, wie er es bisher getan hat. Deutsches Reich. Der Metallarbeiterverband ist im Jahre 1914 in seiner Mit- gliederbewegung stark durch den Kriegsausbruch beeinflußt worden. Beigetreten sind 73 935(1913: 112 516) männliche, 6572(11459) weibliche, 8875(13 344) jugendliche Mitglieder, zusammen 89 382 (137 319), übergetreten bis zum Kriegsausbruch 5212(9116). Bei- tritte und Uebertritte betrugen zusammen 94 594(154 956). Vom Militär zurück meldeten sich 6995(7621), so daß der gesamte Zu- gang 191499 betrug. Der Mitgliederwechsel war jedoch im Laufe des Jahres— auch schon vor dem Kriegsausbruch— so stark, daß nicht nur trotz diese« Zuzang«'keine Mtgliederzunahm« eintrat, sondern der Abgang betrug außer den zum Militär Eingezogenen noch weitere 36 936 Mitglieder. Der Unterschied der Mitglicderzahl von Ende 1913 mit 544 934 und der von Ende 1914 mit 322 917 ist 222 917. Bis zum Jahresschluß waren 185 981 Mitglieder als zum Militär eingezogen gemeldet, woraus sich der weitere Unter- schied von 36 936 ergibt. Die Einnahmen sind, was durch die Mitgliederabnahme er- klärlich, bedeutend gesunken, die Ausgaben für Unterstützungen haben sich trotz starker Mitgliederabnahme und Beschränkung und Auf- Hebung von Unterstützungsarten erhöht. Der Rechnungsabschluß beträgt in Einnahmen und Ausgaben 18 654 377,19 M. gegen 19 557 552,91 M. im Jahre 1913. Die Einnahmen waren gegen das Vorjahr um 3 431 599 M. geringer und betrugen 15 296 935 M. Gestiegen sind dagegen die Ausgaben. Nicht alle. An Streik- Unterstützung wurden beispielsweise über zwei und eine halbe Million weniger ausgegeben, auch die Gemahregelten-Unterstützung verringerte sich. Dagegen erhöhte sich allein die Arbeitslosen-Unterstützung um 4 165 119 M. gegen das Vorjahr; sie betrug insgesamt 7 394 311 M., wozu als Hauptausgabe noch eine Krankenunterstützung von über 3 Millionen Mark kommt. Die Gesamtausgaben betrugen 12 752 927 M. Das Vermögen der Hauptkasse ist um etwa ander:- halb Millionen Mark gesunken: es betrug am Jahresschluß 11544 353 M. gegen 13 112 994 M. im Vorjahre. Hoffentlich führt der Verband seine Mitglieder über die Krise, weiche die Beendigung der Kriegsarbeii im Gewerbe bringen wird, ebenso hilfreich hinweg, wie er es bei Kriegsausbruch tun konnte. Ausland. Textilarbeiterbewegung in Nordböhmen« Auf die Eingabe des Reichenberger Textilarbeitersekretariats um eine löprozentige Lohnerhöhung bat. der Unternchmerverband ge- antwortet, daß er nach wie vor eine Einmischung Außenstehender in innere Bctriebsangelegenheiten nicht zugebe. Die Angaben, die das Sekretariat über die Teuerung der Lebensmittel um durchschnittlich 88 Proz. gemacht hatte, wurden vom Magistrat als richtig erklärt. In vielen großen Webereien, die mit Kriegslicfcrungen reichlich bedacht sind, haben die Unternehmer eine 19 prozentige Lohnerhöhung gewährt.___ Rus Industrie und Handel. Frankreichs Außenhandel im ersten Bierteljahr 1915. Nach den jetzt veröffentlichten Zahlen hat sich die Einfuhr Frankreichs um Sö'/g Prozent, die Ausfuhr um 69 Prozent ver- mindert. Die Zahlen sind in Millionen Frank: 1914 1915 Verminderung in Proz. Einfuhr.. 2 292,94 1482,25 899,79 35,33 Ausfuhr.. 1629,98 648,32 971,76 69,98 Gesamt.. 3 912,12 2 139.57 1 781,55 Im einzelnen ergibt sich folgende Verteilung auf die verschiedenen Warengruppen: Einfuhr Lebensmittel Rohwaren. Fabrikate Postpakete. 1914 469,97 1 445.37 386,69 Hiernach ist der Rückgang am die industrielle Produklion. Daß Ausfuhr 1915 1914 1915 441,61 161,65 125.49 616,4.'. 479,72 144,85 424,15 633,27 332,19 — 145,44 45,87 größten bei den Rohstoffen für die Einfuhr der Fabrikate stieg, beruht wohl auf der starken Lieferung von Kriegsmaterial. Mangel an Farbstoffen i» Amerika. Dem„St. Gäller Tägblatt' wird aus New Jork geschrieben: 'Die Alliierten suchten in Philadelphia in Webereien große Aufträge unterzubringen. Es konnte jedoch bloß ein kleiner Teil davon über- nommen werden, weil deutsche Furbsloffe fehlen. Innerhalb dreier Wochen werde der ganze Vorrai an Farbstoffen erschöpft fein. Der vormalige Kongreßabgeordnete H. A. Metz, bisher einer der Haupt- imporieure deutfcher Farbstoffe, erklärte, infolge ihres Ausbleibens würden in wenigen Wochen weitere 399 999 Personen in den Ver- einigten Staaten ihre Arbeit verlieren. Die französische Hochfinanz verteidigt� sich kürzlich im„Joum l de Debats" gegen Angriffe, die ihr die Schuld an dem Wirtschaft- lichen Damederliegen Frankreichs zuschieben. Diese Verteidi- gung erscheint der„Humanite" nicht stichhaltig. Die Hochfinanz habe den Kredit monopolisiert und französisckies Geld ins Ausland geleitet, weil sie damit am meisten verdiente. Notwendig seien aber Kredite im Inland, um mit Deutschland wetieifern zu können und um die Betriebe wieder auszunchme», damit die Zunahme in der Einfuhr und die Abnahme in der Ausfuhr aufhören. Bergmann Elektrizitätswerke. Ter Aufsichtsrat hat beschlossen, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 5 Proz. vorzuschlagen. Die Abschreibungen beivegen sich im Rahmen des Vorjahres(3,5 Mill. M.), der Vortrag auf neue Rechnung ist um 19 999 M. erhöht worden. Wie die Verwaltung mitteilte, ist die Gesellschaft in den Kriegsmaterial her- stellenden Abteilungen weiter gut beschäftigt. Die neuesten Moddle bringen wir Äeis zuerä Herren.- Anastl�e Sierrem- UeberjEietiier Herren- HeiokleSder I�oden�PeSerloeii Megen-Mantel Sport�Anziige - Feine Meißeinfertigung K n a fc- e n" A e> 2: Ii g e «IllnglEiigs- Anzsiige K. n a 53 era-üto erzielter Jliraglf ags-ütjerzielier HUie, WKstiae, Krawatten, HosenJrHger usw. Sonnfag nur von ö— 10 geöffnet 5pezidilicias größten Maßstabes für KenentiKnaben-KIeidunq/ BERLIN Cliausaeeslraße 29-30 Gr. Frankfurter Str. ZO GEGR. 1801 11 BrUckenstraße 11 Sdiöneöerg, Haupistr.iu Deut sches Theater. Direktion: Max Eeinhardt. T'/j Uhr: Faust I. Teil. Sonntag; Schluck und Jan. Kamm erspiele. S Dir: Der Weibsteufcl. Sonntag: Der Wetbsteutel. Sonntag S'/j Uhr Nachmittag,-.- Vorstellang(kleine Preise); Die deutschen Kleinstädter. ygmiiiA Taubenstraße 48)49. 4 Uhr(halbe Preise): Die fogeseniiiiil ihre Kamplstltten. 8 Uhr: in! tlerapolniscli.Kriegsseiiaupialz Bit der Mackensea-iiiee. Theater für Sonoabend, den I. Mai. llontis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. Hoheit tanzt Walzer. Berliner Theater 8 uhr. EitraWaUer! Reaiscbes Künstler-Theater Gastspiel Exl's Tiroler Bühne. 7 VjUhr Der ledige Hof. Deutsches Opernhaus, Charloftcnb. 5 uhr: La Traviata. Gebr. Bemifelsl-Tlieater Der Geolankonlcser. Das cinaigc mittel. S Uhr: Kleines Theater Scherz, Satire, Ironie tiefere Bedeutung. 8 Uhr: und Komische Oper 8 uhr: Der Opernball. Komödienhans s uhr; Die tönt Frankfurter. Kessin sr-Theat er s uhr: ßallericli. Knstspiclhaus s.ohr Ein Prachlniadei. Metropol-Theater 8 uhr: Der Hoeblourist. 8 Uhr Uesidenz-Thtafcr 8 uhr: Die Schöne vom Strand. Schiller-Theater O. |; Der lächelnde Knabe, Schiller Th. Charlottcnbg. s uhr: Oer hlißde Passagler. Thalia-Theater suhr: Kam'rad Manne. Theater am Wollendortpl. 8J/i Uhr: Immer teste drnfll Sonnt. 3'/, U.: Der Graf v. Luxemburg Theater des Westen» 8 uhr: Die Landstreicher. Sonntag 3'/� Uhr: Polenblot. Theater in der Koniggrätzcr Straße s uhr: Rausch. Trianon Theater 8'i, Uhr; Akrobaten. Sonntag N/. Uhr: Schuldig. Volksbühne.Tlieateram ßülowplafz 8'/. uhr: Der Revisor. RltaSacchetto Else Bötticher Rosa Felsegg Julius Spielmann sowie der neue-»s Mai-Spielplan. Voigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. Morgen Sonntag, den 2. Mal 1915: FriniMa lios Hohenheim oder: Ein edles Frauenherj. Schaulpiel in 5 Allen v. Heinr. Laube. Zlasieneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Zirkus Älb. Scbumaun Sonnabend, I.Mai, Anf.SUhr; t�r. Sport- Vorstellung. 97. Zum vorletzten Male: 97. 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Gesichtspunkte, daß heute hunderttausende schulentlassener Mädchen ohne genügende Kenntnis der Auf- gabeil des eigentlichen Frauenberufes sofort in das etiverbs- tätige Leben hinaus müssen, grundsätzlich fem Gutes haben, so wird doch viel von dem Erlernten der rauhen Wirklichkeit nicht standlialten, also in der Theorie stecken bleiben. Wo die jungen Mädchen der heranwachsenden Generation tatsächlich etwas gelernt haben, das für die Hauswirtsäxift, für den eng begrenzten Familienkreis und vielleicht auch für gemeinnützige Zwecke von Wert ist, da wird in außerordentlich� zahlreichen Fällen und gerode in Zeiten allgenieinercr Not immer noch die größere Sorge verbleiben, woher man das Geld nehmen soll, um den bescheidensten Lebeilsansprüchen zil genügen. Aus dieser Sorge heraus, die in den letzten Kricgsmonaten, obwohl die Oeffentlichkeit davon nichts merkte oder merken wollte, immer größer geworden ist, haben sich auch in Berlin zahlreiche Frauen zu'..Kriegsarbeiten" gczwuilgcn gesehen, die mit dem Vorschlag des weiblichen Dienstjahres nichts zu tun haben. Es kommt eben in der Praxis immer anders, als man denkt in der Theorie. Erst der Krieg hat unserer auf Verdienst angewiesenen Frauenwelt eine bisher noch nicht abgeschlossene Zahl von Berufen eröffnet, die bisher ausschließlich dem Manne vor- behalten waren urrd zu denen man die Frau überhaupt nicht für fähig erachtete. Durch den Krieg, durch die Entziehung immer größerer Mengen männlicher Arbeitskräfte, sah man sich nun vor die Wahl gestellt, notwendige Betriebe auf Kosten der Allgenieinhcit entweder einzuschränken oder weibliche Er- satzkräfte heranzuziehen. Und wie überraschend schnell und leicht hat das„schivache Geschlecht" umgelernt! Weil die Not beiden Teilen an der Kehle saß. Mit der St r a ßc nb a h n sch a f f n c r in fing es an. Zunächst große Empörung. Und mit Recht! Waren doch Zehn- tausende von Familieiwätern ohne Arbeit, ivährend Frauen, die unterstützt wurden, die Arbeit fortnahmen. Als das erste Interesse air der neuen Erscheinung im Vcrkehrsleben ge- schwunden Ivar, gclvöhnte man sich an den Anblick der grün- bemühten Frauen. Für manche gehörte große Ucberwindung dazu, aus ihrem ruhigen Haushalt gerissen zu werden, in Wind und Wetter viele Stunden hintereinander auf der Platt- form des elektrischen Wagens zu stehen und Arbeiten zu leistcivstür die nicht mal alle Männer geeignet sind. Immer größeren Umfang hat diese Verwendung der Frauen ge- nommen. Man sieht die Schaffnerin nicht mehr nur auf dem leichter zu bedienenden Anhänger, auch schon auf dem Trieb- wagen, wo sie bei einer„Panne" auf der Strecke„ihren Mann steht", als ob sie das Schlosserhandwerk erlernt hätte. Ein weiteres Vorrücken nach dem Führerstand aber wollen wir im Interesse der Sicherheit des fahrenden Publikums und gerade nach den traurigen Erfahrungen des Straßenbahn- Unglücks am Reichstagsuser doch lieber nicht wünschen. Der weibliche Droschkenkutscher ist ja in Berlin nichts Neues mehr, hat sich übrigens ivährend des Krieges nicht vennehrt, aber die schmucke Fahrstuhlsührerm in den Warenhäusern ist ein echtes Produkt der Kriegsspeku- lation. Hat man hierfür wirklich keine männlichen Kräfte be- kommen können? Es ist dock? ganz auffallend, daß die F a h r- stuhlführerinnen zum Teil bis vierzig Prozent weniger Lohn erhalten, als die bisher eingestellten jungen Männer. Das Publikum fährt von zarter Hand geleitet sicher nicht schlechter, aber die betreffenden Warenhausfirmen fahren mit ihrer Lohndrückerei noch besser. Noch eigenartiger kommen uns die schon in recht zahlreichen Exemplarcir auftretenden F e n st c r p u tz e r i n n e n vor. Gewiß, das ist ein Gebiet, das der Frau„liegt". Aber es ist etwas anderes, ob nian mn paar Fensterscheiben in der Wohnung oder die mächtigen Spiegelscheiben an Läden Putzen muß. Jeder geübte Fenster- Putzer kennt die Schwere und Gefährlichkeit seiner Arbeit, in die nun mit eiserner Energie die Frau, einspringt, die sich ehrlich durch den Krieg schlagen will. Und noch mehr wird nran staunen über die starken Frauen, die mit ihren um den Kopf gewundenen Staubtüchern wie die wiedererstandenen Berliner„Torfweiber" aussehen und mit nerviger Faust sich als M ü l l a b f u h r f ra u e u produzieren. Nur Frauen mit Männerknochen können sich das leisten, und sie werden es leisten, wenn zu Hause die Mäulchen hungrig sind. Leichter haben es wahrlich die von. der Hochbahnverivaltung auf einigen Bahnhöfen eingestellten F a h r k a r t e n l o ch e- rinnen, und auch in zahlreichen behördlichen Bureaus,. so bei den Revierinspektioncn der Gaswerke, blüht augenblicklich der Frauenweizen. Mit dem Ende des Krieges wird sich da vieles, was jetzt Notbehelf oder auch üble Sparsanikeit ist, wieder ändern müssen. Die aus dem Felde zurückkehrenden Männer der- langen ihr Recht auf Arbeit und den Lohn, den jede Arbeit wert ist. Stadtrat Sasfenbach bestätigt. Im Rathause ist gestern die Bestätigung der von der Stadt« derordnetenversammlung am 11. bzw. 18. März d. I. vollzogenen Wahl des Direktors des Margareten-Lhzeums in Berlin Dr. Reimann zum Stadtschulrat und des Stadtverordneten Sassenbach zum un» besoldeten Stadtrat auf die gesetzliche zwölfjährige Amtsdauer vom Oberpräsidenten durch Erlatz vom 27. April eingegangen. Die Bestätigung steht noch aus für die schon vor 3 Monaten in Neukölln zu Mitgliedern der Schuldeputation gewählten sozialdemo- kratischen Stadtverordneten.___ Teuerungszulage für Feuerwehrleute. Die Stadtverordneten Justizrot Sonnenfeld, Cassel u. Gen. von der Fraktion der Linken haben beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag zu unterbreiten. J.Die linterzeichneten beantragen wie folgt zu beschließen: Die Stadtverordnetenversammlung richtet an den Magistrat das Er- s uchen, den Angestellten der städtischen Feuerwehr mit einem Berufs- einkommen von nicht mehr als 2000 M. jährlich, eine Kriegszulage von monatlich 10 M. für die Zeit vom 1. Mai d. I. ab zu ge- währen." Der Antrag ist gestern der Stadtverordnetenversammlung zu- gegangen. Der Magistrat hat sich mit dieser Angelegenheit bereits beschäftigt und wird der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zugehen lasten. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, allen städtischen Angestellten und Arbeitern, die ein Einkommen bis 2000 M. haben, eine Teuerungszulage von 10 M. monatlich vom 1. April ab zu gewähren. Wie wir hören, hat dieser Beschluß eine sonderbare Auslegung gefunden. Nachträglich nach Fassung des Gemeindebeschlusses hat der Magistrat verfügt, von der Teuerung- zulage die Personen auszunehmen, die der„Gesinde- o r d n u n g" unterstehen; aber nicht alle. Die in der Güter- Verwaltung Beschäftigten sollen die Teuerungszulage bekommen, nicht aber die in dienendem Verhältnis stehenden Mädchen, obwohl es nicht zu verstehen ist, daß. Krankenschwestern bei 40 M. Lohn 30 M. Kriegszulage erhalten und andere Mädchen mit 2ö M. MonaiSlohn die 10 M. nicht erhalten sollen. Ueberhaupt dürfte die Bezugnahme dcS Magistrats auf die veraltete Gcsindeordnung in heutiger Zeit recht verstimmend wirken. Der Magistrat sollte seine fiskalijchen Gesichtspunkte zurückstellen und den Beschluß so loyal ausführen, wie er das zugesagt und in dem weitherzigen Sinne, in dem er die ganze Frage bisher behandelt hat.. Die Postaushclfer und die Teuerung. Schlecht daran sind die Postaushelfer, die täglich mit 3,70 M. entlohnt werden. Zwar ist im Laufe der Kricgszeit der Tagelohn von 3,30 M. auf 3,70 M. erhöht worden, allein diese Entschädigung muß als eine recht minimale angesehen werden angesichts der Tat fache, daß schon in normalen Zeiten in Berlin der ortsübliche Tage- lohn auf 4 M. festgesetzt ist. In den letzten Monaten ist aber eine Teuerung eingetreten, welche die den PostauShelfern gezahlten Löhne ganz besonders niedrig erscheinen läßt und manchen dazu zwingen dürfte, sich anderweitig Beschäftigung zu suchen, wenn nicht baldigst eine Aufbesserung eintreten wird. Im Interesse des Publr kums und im Interesse der Postberwaltung liegt eS, einen ge ordneten Fortgang des Postdienstes zu sichern, nnd deshalb darf wohl erwartet werden, daß auch die Postverwaltung den Wünschen der Postaushelfer weiter entgegenkommt. Umsätze auf der Rennbahn. In der Generalversammlung deS Hindernisvereins wurden über den Besuch und den Umsatz bei den vom genannten Berein ver- anstalteten Rennen folgende Angaben gemacht:„Die Durchschnitts- zahl der Besucher hob sich von 9000 Personen im Jahre 1913 auf 10 000, die höchste Besucherzahl im vergangenen Jahre betrug 30500 Gäste. Auch der T.otalisatorumsatz bat stark zugenommen. Nachdem schon 1913 die Summe von 8000 000 M. für 23 Renntage erzielt wurde, brachten die. drei zeh n%-d� d e s Kriegs- jahres 6500000 Mark. Gegen den Durchschnitt von 375 000 M. 1913 wurde 1914 an jedem Renntag annähernd eine halbe Million umgesetzt." Das sind horrende Umsätze, die auf den Rennplätzen gemacht werden. Kleine Nachrichten. Aus Mangel an neuer Beschäftigung ist die 50 Jahre alte, aus St. Gallen gebürtige Witwe und Dienstmagd Ida Zichmann in den Tod gegangen. In der Wohnung ihrer Herr schaft öffnete sie am Donnerstagabend den Gashahn und nahm den Schlauch in den Mund. Als sie gestern morgen aufgefunden wurde, waren Wiederbelebungsversuche erfolglos.— Gram über den Tod ihres Mannes hat die 39 Jahre alte Schaniwirtin Auguste Frisch geb. Grundmann aus der Wilhelm-Stolze-Straße 29 in den Tod getrieben. Frisch starb am 6. April. Seine'Frau konnte ihn nicht überleben, öffnete Donnerstag in- der Küche den Gashahn und wurde, auf dem Kohlenkasten sitzend, tot aufgefunden. Sie hinter- läßt zwei Kinder von 9 bis 12 Jahren.— Vor dem Hause Schön- hauser Allee 33 wollte Donnerstagabend gegen 8>/z Uhr die Witwe Ida Borkow-ki kurz vor einem in der Richtung nach Nordend fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 67 das Gleis überschreiten. Frau B. wurde jedoch von dem Bahnwagen erfaßt, umgestoßen und geriet unter die Vorderplattform. Sie erlitt bei dem Sturz eine Wunde am Hinterkopf. Auf der nächsten Unfallstation erhielt die Verunglückte die erste ärztliche Hilfe und wurde von dort»ach ihrer Wohnung gebracht. Zum Besten der Arbeiter-Jügciidheimr. Der am letzten Sonntag umständehalber ausgefallene Lichtbildervortrag über: Aus der Glanz- zeit unserer mittelalterlichen Städte und Burgen findet nunmehr bestimmt morgen Sonntag, abends 8 Uhr, Saalöffnung G1� Uhr, in Obiglos Festsälen, Koppenstr. 29, statt. Die ausgegebenen Karten und Garderobemarken behalten ihre Gültigkeit. Weitere Einlaß- karten ä 25 Pf. sind am Saaleingang noch erhältlich. 25,Psg.- Sonntage im Aquarium. Die Verwaltung deS Zoologischen Gartens macht soeben bekannt, daß versuchsweise während der Kriegszeit 25-Pfg.-Sonntage im Aquarium eingeführt werden sollen. Die billigen Sonntage für Zoo und Aquarium fallen stets auf den ersten Sonntag im Monat. Rosc-Thcater. Heute, am 1. Mai, abends 8 Uhr, findet die Erst- aufführung des Volksstückes in 5 Akte» von Willhardt:„Mutter- liebe" statt.... Mus öen Gemeinöen. Lebensmittelbeschaffung und Teuerungszulagen in Neukölln. Die.KriegSnotstandskommission nahm in ihrer Sitzung am 29. April den Bericht des Mieteinigungsamtes entgegen. Der Berichterstatter konnte feststellen, daß das Amt in der kurzen Zeit seines Bestehens eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet habe. Seit dem 1. Januar bis zum 26. April sind Anträge neu ge- stellt 1205; aus dem Vorjahre übernommen find 110, insg-saint 1315 Anträge; davon sind erledigt in 50 Sitzungen 1180. Von diesen 1180 Sachen sind erledigt durch Rücknähme 103; bei den dann noch velbleibenden 1077 Anträgen wurden 977 durch Vergleich ex- ledigt, also mehr als 90 Proz.; nur in 102 Fällen kam ein Ver- gleich nicht zustande. Es werden noch neun weitere Beisitzer gewählt. Zu den zwei Vorsitzenden wird als dritter der Magistratsastessor Dr. Franke bestimmt. Die Auszahlung der Mietsunterstützung soll jetzt immer zu Anfang des letzten Monats eines jeden Quartals für drei Monate erfolgen. Die Unterstützung für die An- gehörigen der Lt r i c g S t e i l n e h m e r wird für den Sommer in gleicher Höhe wie in den Wintcrmonaten erfolgen. Der Stadt erwächst hierdurch eine nionatliche Mehrausgabe von etwa 60000 M., wovon ein Teil durch das Reich zurückerstattet wird. Zum Ankauf von Kartoffeln durch die Stadt wird ein Kredit von 400000 M. be- willigt. Den Vertrieb der Kartoffeln übernehmen die Händler, die sich verpflichten müssen, die Kartoffeln zum Preise von 72 Pf. für 10 Pfd. an das Publikum abzugeben. Zum Verkauf gelangen weiße hollän- dische Kartoffeln. Die Kommission beschloß dann ferner, dem Beispiele anderer Gemeinden folgend, den städtischen Arbeitern außerordentliche K r i e g S t e u e r u n g S z u l a g e n zu gewähren. Der Beschluß geht dahin, daß alle Beamten, Bediensteten und Arbeiter, die seit mindestens drei Monaten von der Gemeinde beschäftigt werden, mit einem Gehalt oder Lohn bis zu 2200 M. eine einmalige Kriegs- teurungSzulage von 25 M. erhalten, welche Mitte Mai zahlbar ist. Ausgenommen hiervon sind die Angestellten, deren Gehalt oder Be- züge während des Krieges eine Sonderregelung erfahren haben so- wie diejenigen, welche außer dem Bargehalt freie Station erhalte». Auch für diejenigen Beamten, Bediensteten oder Arbeiter, die Lohn oder Gehalt von 2200—2700 M. erhalten und mehr als zwei Kinde? unter zehn Jahren zu unterhalten haben, gilt die gleiche Vergünsti» gung. Mitte Oktober soll unter denselben Voraussetzungen noch» mals eine Kriegsteuerungszulage von 25 M. gewährt werden, Ibcub der Krieg und die Teuerungsvcrhältiiisse noch andauern sollen. Steuererlaß für Kriegsteilnehmer in Weißensee. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde mlt« geteilt, daß beide Bauämter der Gemeinde in kurzer Zeit ihre Leiter verloren haben. Tiefbaurat Pascdag ist im Kriege gefallen, während Hochbanrat Bühring als Stadlbaurat nach Leipzig berufen wurde. Bis zu einer eventuellen Neuwahl hat Banrat Maske die provv- sorische Leitung des gesamten Bauwejj«S der Gemeinde übernommen. Die Berichte des Schill- und Mmcindearztes gaben dem Genossen T ä u b m a n n Anlaß zu Bemängelungen. In den früheren Berichten waren immer Angaben über die Art und Anzahl der gemachten Besuche und vorgenommenen Untersuchungen ent» halten, die diesnial fehlten. Dadurch war ein Vergleich mit der Tätigkeit in den Vorjahren unmöglich. Unser Hinweis, daß diese Angaben keine trockenen Zahlen, sondern sehr not« wendige Bestandteile der Berichte sind, hatte den Erfolg, daß Aendc- rung zugesagt wurde. Weiter inonierten wir, daß die privgte Tätigkeit in den Jugendkompagnien und der freiwilligen Kranken- pflege zu aufdringlich wurde. In den Berichten selbst wurde dies mit den gegenwärtigen Zeitverhältnissen begründet. Auch hier ver- traten wir den Standpunkt, daß diese Tätigkeit eine reine Privat- fache des betreffenden Arztes sei und in einem amtlichen Bericht nicht zu erwähnen sei. Dann wurde noch ein Fall einer sehr ober- flächlichen Untersuchung eines herzkranken Arbeiters, durch Heraus- streckenlasten der Zunge angeführt. Diese Tatsache wurde zwar zu-' nächst bestritten, jedoch soll, die Angelegenheit weiter verfolgt werden. Einen besonderen Beschluß faßte die Gemeinde- Vertretung in der Frage der Einkommensteuer. Danach soll die Steuer in allen Fällen, wo die Haushaltungsvorstände sich inr Felde befinden, niedergeschlagen tverden. Die Fassung eines solchen Beschlnsjes machte sich auch noch mit Rücksicht auf die Kreissteucr notwendig. Bei Anträgen auf Nachlaß derselben müssen bie Gemeindebehörden auch Angaben über den. Aussall an'Einkomniensteuern machen........ � Der Genieindevorsland hätte die Absicht bei Ler/Aeuregellwg, der Höchstpreise-ffür� ättsgehackettes Br.ot die Sätze von 40 Pf. für ß, 1 Kilogramm und 80 Pf. für 2 Kilogramm zur Anwendung zu bringen. Dagegen haben die Bäckermeister Sturm gelaufen mit dem Erfolge, daß jetzt die Berliner Höchstpreise auch für Weißensee gelten sollen. In der Diskussion wurde bekanntgegeben, daß sich einzelne Bäckermeister nicht gescheut haben, von den Konsumenten für 2 Kilogramm Brot den Preis von 1 M. zu fordern. Inr Ver- waltnngsgebaude, Pistoriusstr. 24, erfolgt jetzt auch der Verkauf von Speck in kleineren Mengen als ganzen Seiten zum Preise von 1,36 M. pro Pfund. Verkaufszeit ist nachmittags von 4—8 Uhr. Adlcrshof behält die Schulspeisung bei. Auf Antrag unserer Gcrwssen wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung über die Fortsetzung der Schulspeisung während des Krieges verhandelt. Genosse K I o d t begründete den Antrag damit, daß in Adlershof leider noch viele Kinder ohne Frühstück zur Schule gingen. Es sei aber einer so großen Gemeinde nicht würdig, diesen Zustand noch lange bestehen zu lassen. Was hierbei an den'Kindern versäumt werde, könne später nicht wieder Dem Gcmeindcvertretcr Kr u s c ging dieser Antrag unserer Ge- Nossen noch zu weit. Er war zloar auch dafür, daß hungrige Kinder von der Schule gespeist tverden können, um jedoch die Begehrlichkeit der Arbeiter nicht herauszufordern, bc- antragte er, daß nur in ganz außerordentlichen Not- fällen nach vorheriger Prüfung eine Schulspeisung erfolgen solle. Unsere Vertreter bezeichneten diesen Antrag als überflüssig, da ja schon bisher stets die Bedürftigkeit geprüft wurde. Auf An- trag des Vertreters Bach beschloß die Gemeindevertretung: Der Kriegsausschuß hat das Recht, nach eingehender Prüfung der Ver- Hältnisse die Schnlspeisung für bedürftige Kinder.zu beantragen. Da Adlershof der Vrotkarten-Gemeinschaft Groß-Berlins noch nicht angehört, so soll nach Verbrauch der fetzigen Brotkarten der Anschluß an die Brotkarten-Gemeinschaft Groß-Bcrlin angestrebt fortführen werde. Die Ausführung der Erweiterungsarbeitcn stoße auf erhebliche Schwierigkeiten, da keine passenden Arbeits- kräfte vorhanden feien. Genosse K l o d t regte noch an, ein Miet-Einigungsamt für die Gemeinde einzurichten; es sei dann vielleicht möglich, solche Räumungsklagen, wie sie kürzlich der hiesige Hausbesitzer Köhler. aus der Sedanstraße gegen die arme Frau eines Kriegsteilnehmers � anstrengte, zu verhindern. Der Schöffe H o f m a n n bemerkte dazu, daß ein solches Amt nur dann gelte, wenn der Vorsitzende ein Jurist sei, man werde die Frage aber einer Prüfung unter- � ziehen.'• Mai-veranftaltungen. Vierter Wahlkreis. Sonnabend, den t. Mai. abends 8ll3 vhr: Mitg liedcrversammlung in Obiglos Festsälen, Koppenstr. 29. TageZ- ordunng:„Mai-Gcda»kc».- Referent; Reichstag- ab geordneter Genosse O. B n ch n c r. Ohne Mitgliddsbiich keinen Zutritt. Neukölln. Sonnabend, den 1. Mai, abends 8 Uhr, finden im Karls- garten, in den Passage-Fcslsälcn, Bergstraße und bei Felsch, Knesebcckstraße, drei Mitgliederversammlungen des Wahlvereins, bestehend auS Chorgesang und Vortrag statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Schöncbcrg. Die Mitgliederversammlung deS Wahldereins findet heute abend 8 Uhr tn den neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8, statt. Tages ordnung: Maierinncrungcn. Mitgliedsbuch ib vorzuzeigen. Steglitz-Friedeuau. Heute, abends S'l, Uhr, im Schloßpark in Steglitz, Schloßstraße: Maijcier für die Mitglieder der Wahlvereine und Gewcrl- Friedrichsfrßr�Ka.� ' r-' Eine Sehenswürdigkeit bilden meine enormen Läger Herren-, Damen-, Kinder- Garderobe aus allerbesten deutschen Fabrikaten, auch für schlanke und korpulente Figuren passend. 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[Los nur 50 | Pfennig Un widerruf lieh 12. Mai Ziehung der Schneidemlihler Lotterie II Lose Mark Ceiamtw. von Mark uooooo ■5000,10000:] 1 1 nro Pf 11 Lose sortier« aus c Uor U Porto n. liste LüSC 34# verschied. Tausend: 9 ITl(ll Iv 30 Pt. eitra] in allen durch Plakats kenntlichen Vcrkaulsstellen durch Gcneraldcbit HC Kröaer Berlin w s, ■ �5ese Qt&B'Osy MÄ■ Prledrlohstraase IBSa. Telejnr.-Adr.;»öoldgnene" schatten. Festrede des Geneffen H. Sträbel. Rezitattonen und Liedervorirage. Eintriii unentgeltlich, aber nur gegen Vorzeigung des ?.i>ilglicdsbuchcs. Nachmittags findet ein Ausflug mit Kindern stail. Ab- matsch l1/.,. Uhr. für Nachzügler 2'/, Uhr vom Bahnhof Steglitz. Johannisthal. Sonnabend, 4, A!ai. abends 8'/, Uhr: Mitglieder- hersanimlung im Restaurant„2indctihos"-S>aat. Vortrag deS Stadlv, W i t. h e 1 in P a c tz e 1. Tchinatgendors. Heute, abends 8 Uhr: Milgticdcrvcrsammlung im Ncstaurant„Baldlntcr", Warnenillnder Str, 14. Tagesordnung: Die Ve- deuiung des 4. Mai. .'jehlendorf(Wantisecbahn). Sonnabend, den 1. Mai, abends 8'/. Uhr, lindcl bei Midien, Potsdamer Sir. 25, unsere Milglicdcrncrsaminlung' statt. VorN ag des Genossen Emil K 1 o t h. G-tchwalde. Heute abend 8H. Uhr: Maiseier des WahIvercinS im llola! des Genossen Witte. Bernau. Sonnabend, den 1. Mai, abends 8'/. Uhr: Mitgliederversammlung beim Gen. Franz Salzmann. Vasdorscr Straße. Borstgivalde-Wtttenau. Sonnabend, den t. Mai. abends 8 Uhr, findet in den Borfigwatder Fcstsälen die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins stail. Vortrag der Genvifin Rubens. Nad)dcm gemütliches Lei» samuiciijein. parteiveranftattungen. Sechster Wahlkreis. A u g c n d a b t e i 1 u n g. Die Versammlungen der jugendlichen Mitglieder finden am Mittwoch, den 5. Mai, abends 8 Uhr, in nachfolgenden totalen statt: Slrack. Schönhauser 2lllec l:!4a f Kerfin, Pankstr. 60: Nielschmann, Kerichistr. 74, und Schröder, Stromstr. 36. Rc- screnlcn sind die Genossen E. Eichhorn, E. Remuantt und S. Meher. Tempelliof-Marieiidorf. Fugendseliion. Montag, den 3. Mai: Zweiter Vortrag des Genossen Ewald im Lugendheim, Tempethos, Kaiscr-Wilhetin-Str. 76, Hof Part. Sonntag, den 2. Mai: Beteiligung an der Jugendpartie. Trefspunli h,7 Uhr Chaitssee-, Ede Dorsstraßc. Stralau. Sonntag, den 2. Mai. findet in den Markgrafensäten, Marlgrase ndamm 33, ein Elternabend statt, veranstaltet von den Jugend- deimbesuchcrii. Eintrittskarten sind bei den BczirlSsührcrn zu haben. An- sang ö Uhr._ Jugenöveranstattungen. Stegtih- Friedenau. Sonntag, den 2. Mai: Tagespartie nach Mittcn- walse. Dortsctbst Teilnahme an der Frühlingsfeier der weslltchen Vororte. Das Fahrgeld beträgt 00 Pf. Um 6'lt Uhr Abmarsch vom Jugendheim, Kniephosstr. 49._ Arbeiter-SamartierMnd. Kolonne Grost-Bcrlin. Lehrstunden baden in dieser Woche am 7. Mai, abends 8'/. Uhr: 3. Abt.: Schöneberg, Vorbergitr. ll. Restaurant Haendel. 5. Abb: Neukölln, Wcichselstr. 8, Jdcalpassagc.(Vortrag über Säuglingspflege.) Eingegangene Druckschristen. Don der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Zlrbettennnen ist uns soeben die Nr. 46 des 25. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Mai.— Der Internationale Sozialistische Frauentag.— Unsere BürgerrcchtSurlunde.— Lehrreiche Zahlen für Arbeiterinnen. Von Martha Hoppe.— Die Jahres. konserenz der Unabhängigen Arbeiterpartei Großbritanniens.— Notizen- teil: Burgfrieden.— Ans Industrie und Handel.— Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbstätigen.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Für den Frieden.— Frauenstimmrecht. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Den Morgenberg hinan. Von Kart Spitielcr.— Der" ercclenglaube. Von B. Sommer. (Forts.)— Der Körper de» Kindes im tlichte moderner Forschung. Von Dr. M. H. Laegc.— Feuilleton: Die Hölle. Von Olive Schreiner. (Schluß.) Für unsere Kinder: Gruß der seonne. Von G. Keller.(Ec- dicht.) Der Mai ist gekommen. Von-ht-— Wie wobt die Dell entstanden sein kann. Von Felix Linke.— Die Tiere und der Mensch. Ein arabisches Märchen.— Herr Frühling, Von Robert Prntz.(Gedicht.) Die„Glcichlicit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 40 Pf. Durch die Post bezogen beträgt der AbonncmcntspreiS vicrtcljähr- lich ohne Bestellgeld ö5 Pf. f unter Kreuzband 8ö Ps. Jahresabonnement 2,60 Mark. Die Maiuummcr deS„Wahren Jacob" ist soeben erschienen und gibt in zahlreichen Beiträgen den Gesählen Ausdruck, mit denen daS Prole- tariat den ersten Mai in diesem Jahre begebt. Der PretS der Nummer ist 40 Pf. Probenuurmern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Aachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Luchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Smfkasten öer Neöaktion. Die furtstitchc Sprechstunde findet für Adonneitten Lindenstr. 3, iv, Hof rechts, parterre, am Montag bis Lreitag von 4 diS 7 Uhr, am Sonnabend von s bis 6 Uhr statt. Jeder für den Ariefkasten destimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSgutttung pcigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Jraxen trage man in der Sprechstunde bor. Bertriige, Schriftstücke und dcrglciche» bringe man in die Sprechstunde mit. H. S. 00. 4. Ein Termin dafür ist noch nicht zu unserer KennlniS ge- langt. 2. Ja.— D. S. Sammlung Göschen 47, 58. Zu beziehen durch unsere Buchhandlung, Lindenslr. 3. Preis je 90 Pf.— M. P. 50. Fingergeschwiir, auch Nagelgcschwür.— 31. W. 76. Wenden Sie sich an das Dänische Rote Kreuz in Kopenhagen.— SO j. 3!. 4. Der ring- förmige Rechenschieber ist vergriffen/ aber von demselben Verfasser ein neuer Rechenschieber herausgekommen. Zu beziehen hurch unsere Buch- Handlung, Tindenfir. 3. Preis 1 M. 2. Ja.— P. R. 4t- Bei. Ver- mittelung von llluilrägen können wir Ihnen leider nicht behilfliw-sein. Versuchen Sie es mit Inseraten oder durch Zirkularversendnng an Firmen, von denen üie annehmen, daß sie derartige Austrüge vergeben. Zidreßbuch Band 2, Teil 4.— Reinickendorf 300. 1. Nein. 2.-Ja. M. 14. Die Berliner ttzewcrkschastskommission, Engelufer 45, und die Kynsumgenossenschaft Groß-Bcrlin haben diese Ütngelegeiiheit in Händen. Dort können Sie die gewünschte Att-kunst erhalten/— Brist 101.' Wenn beim hiesigen Roten Kreuz und auch in der AuSkunstsstellc des Kriegsministeriums. Dorotheenstr. 48, keine Zluskunft gegeben werden kann, so wenden Sie sich an das Dänische Rote Kreuz in Kopenhagen.— 3l. R. 14. 4. An den Annenvorsleher Ihres Bezirks. 2. Ja. 3. Das kommt auf das Befinden des Armenvorftehers an.— 34. St.. Mariaitnenstrastc. Sa.r bis 4875 Festung. Das damalige Gefecht war aber größtenteils vsiciic Fetdschlacht._ Amificher Marktbericht der städtstchen Marktballen-Tirektion über den Großhandel in den Zeniral-Marrlhallen.(Obne Verbindlichkeit.) Freitag, den 30. April 1915. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, Ochsen- fleisch la 87—105, do. IIa 78—86, do. lila 70—77; Bnllenstersch la 80—90, do. IIa 74—80; Kühe, jett 76—89, do. mager 62— 73. do. dänische 58— 71; Fresser 64— 78, Fresser, dänische. 60— 68, Bullen, dänische, 65— 75: Kalbfleisch, Doppellender 135—445: Mastkälber la 405—120, do. IIa 70— 95; Kälber ger. gen. 50— 65. do. dän. 60—68. Hammelfleisch: MafilämmerlOll— 110; Hammel IaÖ7— 102, de, IIa 95—96; Schafe 05— 103. Schweinefleisch: Schweine, fette 00—00, sonstige 95—138, dän. Sauen 00—00, dän. Schweine 00—00.— Gemüse, inländücheS: Kartoffeln. Tabersche SO kg 7.50; weiße Kaiser- fronen 7,00; Hlugnum bopuni 7,00; Wollmann 7,00; Vorree, Schock 0,80—1.50: Sellerie. Schock 4.00—12,00: Spinat 50 kg 6.00—15,00: Mohrrüben 7,00—8,50; Wirsingkohl schock 0,00—0,00; Wirsingkohl SO kg 0.00— 0,00; Weißkohl Schock 0,00— 0,00, Weißkohl 50 kg 19,00— 30,00; Rotkohl, Schock 0,00—0,00;' Rlllkohl 50 kg 0,00 bis 0,00'; Kohlrüben Schock 7,00—14,00; Märkische Rüben 50 kg 10,00— 18,00. Rosenkohl 50 ig 00,00— 00,00, Meerrettich schock 7,0(4--14,00; Perersilienwurzel Schockbund 4.00—6,00; Zwiebeln 50 kg 25,00—30, Radieschen Schockbrmd 2,50—3,00. Waldmeister Mandel 0,40— 0,50. Morcheln 50 kg 40— 50. Gurken, Gorgaster, 100 St. 00—00. Rhabarber. Hamburger, Schockbund 4.50— 5,50. Spargel, Beelitzer la.»/»'k? 2,00—3,50, dito unsortiert'. kg 0,75—1,00, dito Märkischer'/, kg"1,50. Zlpselsinen; 100 Bund 5,00—8,00, desgl., Hamb., 100 Stangen 10,00— 13,00, desgi, hiesiger, aal.. 50 kg 16,00— 30,00/dito 300 St. 12,00—14.00, dito 300 St. 13.00—16,00, Rureia 300 St. 13,00—18,00, dito 305 Stück 13,00— 16,00, Meisina 160 St. 11,00—14,00, 300 St. 13,00—14,00, 300 St. 12,00—15,00. Meisina Blut. 80 St. 8,50—9,00, do. 100 St. 8,00-10,00, do. 150 St. 8,00—11,00. spanische 430 St. 20.00,-32,00, do. 714 St. 26,00—35,00, do. 1064 Sk 30)00—14,00, do. 120 St. large 26,00—33,00, WetterauSsichten für das mittlere Norddcutschland bis Sonntagmittag. Vorwiegend bester und trocken, am Tage ziemlich warm, nur im östlichen Küstengebiete zeitweise etwas stärkere Bewölkung. Ftüss Sonntag zwischen 8 bis lO Uhr kommen Sie, wenn Sie wochentags keine Zeit haben, um Ihre Einkäufe in den von mir geführten Waren zu machen. Meine 4 Geschäfte sind laut polizeilicher Verordnung vom 2 Mai ab an Sonn« und Feiertagen nur in der oben angegebenen Zeit geöffnet Nr.M. 32. Jahrg. Kjirks-Knligc dcs Lmiick" für Weil-KßM l. Mai 1915. Der Arbeitsnachweis bei Abschluß bes Krieges. Im Saal dcr Budgetkammissian dcs Rciiii-taIS tagte gestern eine Konferenz, um Über die gesetzliche Regelung der Arbeitöver- mittelimg für Kriegsteilnehmer zu beraten. Tic Konferenz war außerordentlich zahlreich besucht. Es waren u. a. vertreten: Tcut- icber Städtetag. Deutscher Handelstag. itandwirtschaftsrat, Hansabund. Zentralverband Deutscher Industrieller, Bund der In- dusiriellen, Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, die Generalfommisfion der(ftewertschatten Deutschlands, die enriii. Itchcii und Hirsch-Dunckerschcn Gewertvcrcine, die kaufmännischen Verbände usw. Staatssekretär Delbrück wies einleitend auf die Bedeutung des Arbeitsnachweises nach Abschluß des Krieges bin. Wir können nicht übersehen, weldhe E>eitalt»ng der Arbeilc-markt nach dein Friedensschluß baben tuird. Eins aber wissen wir sicher, daß große. Arbcitcrmassen nach Abscbluß des Krieges auf dem Arbeitsmarkt erscheinen werden, und daß niiw eia Zurück ans der Rüjiungs- industrie zu verzeichnen sein wird. Wir müssen Vorsorge treffen, den Arbeitern Gelegenbeit zu geben, Nachweise zu habe'.,, wo sie sich um Arbeitsgelegenheit bemühen können. Weiter wollen wir nicht gehen. Ob c§ notwendig ist, Notstandsarbeitcn wieder in Angriff zu uebmeu, bleibt dabiugestellt. So wird wahrscheinlich die Eisen- baonverwaltuirg größere. Aufträge zu vergeben haben. Eine Ans- rinandcrsctzung über die Neugestaltung dcs Arbeitsnachweises scheint seht verfrüht, das muß späteren Erwägungen überlassen bleiben. Zur Beratung'standen folgende Vorschläge: i. Maßnahmen der Arbeitsnochwcisverbände. a) Herausgabe von Adressenverzcichnissen der sämtlichen nicht- gewerbsmäßigen Arbeitsnachweise des Bezirkes. l'i Anregung zur Errichtung und zum Ausbau öffentlicher Ar- bcitsnochweisc an geeigneten Orten. c) Ausgleich der ArbcitSgesuche und Angebote im inicrlokalen Berkehr. Ausnutzung des weiter auszugestaltenden Arbeits. marktanzeigers. ?. Maßnahmen der Arbeitsnachweise. s) Zusammenarbeiten aller an einem Ort befindlichen Arbeits- nachweise iZentralauskunttSstelleni. Enge. Fühlung mit Bc- Vörden, Arbeitgeber- und Arbcitnchmcrberbänden, Benutzung des Arbeitsmarktanzeigers. b) Besondere ArbeitSvermittelung für Kriegsbeschädigte(wird besonders verfolgt). ?. Maßnahmen der Arbeitgeber. 3) llAeldung der offenen Stellen an organisierte Arbeilsnach- weise aller Art. K) Wiedereinstcllung frilhercr Arbeiter. c) Beachtung des Beschäftigungsbedürfnisses der etwa zn entlassenden Ersatzkrästc. 4. Wünsche in bezug aus Berwaltungsmaßnahmcn der Reichs-, Staats- und Kommunal bchörden, insbesondere der Heeres- und Marineverwaltung. Die Heronsgabc der Adrcsicnvcrzeichnissc wurde vielfach als ein nur kleines Mittel bezeichnet und das Verlangen ausgesprochen, daß dieses Adressenvcrzeichnis von einer Zentralstelle ausgegeben wird, nicht etwa von den Arbeitsn achweisverbänden. Der Forderung auf Errichtung ösfcntlichrr Arbeitsnachweise wurde allgemein zugestimmt, aber von den Gewerkschaften mit Nachdruck die paritätische Verwaltung verlangt. Wenn also in nächster Zeit die Errichtiinä solcher Arbeitsnächweise betrieben wird, soll nicht vergessen werden, die Teilnahme der Arbeiter am Arbeits- Nachweis zu sichern. Ter Ausgleich der Arbeitszufubr und der Angebote wurde als sehr wichlig erachtet und der Wunsch ausgesprochen, daß die An- gaben über Angebot und Nachfrage mebr dezentralisiert werden, der Arbeitsnackwetsanzeiger des Statistischen Amts genügt dafür nicht. Notwendig wäre eine freie. Eisenbahnfabrt zur Arbeitsstelle für den Arbeiter nno Ermäßigung der Gebühren für Tclepkon und Telegraph. Die. Schaffung einer Zcntralaustunttsitelle für alle Arbeits nachweise Mii Ort wurde günstig ausgenommen. Tiefe Zentral auskunftsstelle sollte auch gutachtlich darüber zu hören sein, ob ausländische Arbeiter herangezogen werden können. Denn es sei tein erfreulicher Zustand, daß die Zahl der Ausländer so be- deutend zunimmt. Vor allem wird man unmittelbar nach dein Kriege den freien Zutritt hemmen m ü s s e n, bis erst in Deutschland ivieder normale Verhältnisse eingetreten sind. Von einem Vertreter der Landwirtschaft wird hiergegen Einspruch erHobe», der Arbeiter Mangel für die Landwirt- schan wird äußerst groß sein. Staatssekretär Delbrück glaubt, daß sich die AuSländersragc durch die schon jetzt geschaffenen Einrichtungen regeln wird. Wie weit wir mit der Einwanderung ausländischer Arbeiter zu rechnen baben, ist beute nickit zu übersehen. Aus die Errichtung der Zeii- tralstelle soll ein leiser Zwang ausgeübt werden, hoffentlich genügt es, um allenthalben diese Einrichtung zu treffen.— Tie Vertreter der A« b e i t g c b e r v e r b ä n d e erklärten, daß sie beinübi sein werden, soweit es möglich ist, die heimkebrenden Krieger wieder in ibre alte Stelle aufzunehmen. Staatssekretär Delbrück bc- merkte dazu, daß er es sür s e k b st v e r st ä n d l i ch gehalten habe, daß die Unternehmer danach Versahren. Tie Anforderung, daß die offenen Stellen an organisierte Ar- beitsnachweise zu melden sind, soll herbeiführen, daß die Umfrage der Arbeitslosen in den Betrieben vermieden wird. Allerdings ein Zwang zur Meldung soll damit nicht ausgesprochen''ein. dazu fehlt c.' au einer gesetzlichen Handhabe. Die. Behörden wie auch viele Betriebe werden gezwungen sein, die jetzt angenommenen Ersatzkrästc zu entlassen. Es sollte hier mit großer Schonung vorgegangen werden. Bei der Frage der A r v e i l s b c s ch a t f u n g für Kriegs- i n v a l i d e ii wurde der Wunsch von den Vertretern der Gcwerl- schatten ausgesprochen, daß die Arbeitsvermittlung den bestehenden Arbeitsnachweisen übertragen werden nniß. Vor allein solle man verböten, daß den.Kriegsinvaliden geringerer Lohn gc- boten wird.— Von selten der Arbeitgeber wurde betont, daß man nicht die Absicht habe, Kriegsinvatiden geringeren Lohn zu bieten. Wie weit die Besprechung zu einem ersprießlichen vraklistbe,, Ergebnis subren wird, wrrd davon abhängen, oh die Regierung mit Nachdruck und unter Berücksichtigung der Arbeiterinteressen die aufgestellten Grundsätze verfolgt. Es kann dabei hervorgehoben werden, daß die Anregung zu einer besseren Regelung des Ar. bcitsnechwerseS im Hinblick auf die Zustände nach Abschluß de? Krieges von den freien G e w e r t s ch a s l e n a u s g e- gangen ist, der sich dann die übrigen Gewerkschaftsgruppen angeschlossen haben. Wenn auch die gesetzliche Regelung, die von unseren Gewerkschnftc» verlangt wurde, vorläufig nicht in Erfül- Inng gebt, so dürfen wir ivobl erwarten, daß wenigstens eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden, die geeignet sind, einer zweck- mäßigen Arbeitsvermittelung die entsprechend« Förderung ange- fccihcn zu lassen. vcrlustiisten. Tie Verlustliste Nr. 212 der Preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Stab der 12. Res.-Inf.-Tivision; 1.. 2.. g. und l. Garde-Reg. zu Fuß; 1. Gardc-Res. und Garde-Jüsilier-Reg.; Garde-Jäger- und Garde-Schützen Bataillon; Lehr-Jnf.-Reg.; Grenadier- l�zln. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenler Nr.", 9, 10, 11, 12, 14, 16, .'8, 21, 23, 25, 28, 34, 35, 36, 40, 41, 42, 43, 44, 49. 50, oi, Ö3, 57, 58, 59, 61, 62, 64, 65, 66, 69, 70, 72, 78, 79, 80, 82, 85, 86, 87, 91. 93. 94, 05, 100, 110, 112, 114. 116, 118, 129, 130, 138, 150, 152, 154, 157, 160, 167, 168, 160, 172, 174, 175, 176; Rcs.-Inf.-Regimcnter Nr. 1, 2, 0, 15, 16, 18, 30, 38, 40, 49, 51, 56, 61, 61, 65, 67, 71, 72, 77, 80, 81, 82, 86, 01, 109, 111, 116, 203, 205, 212, 217, 210, 220, 223. 221, 225, 226, 227, 228, 229, 232, 233. 234, 235, 236, 240, 230, 231, 258, 259, 262, 264; Ers.-Ins.-Regimenler Nr. 28 und Runge; Res.-Ers.-Reg. Nr. 4; Landwchr-Jnf.-Regimenter Nr. 2. 3. 10, 12. 18, 21, 23. 24, 31, 32, 46, 52, 33, 60. 61. 66, 72, 75. 87, 99, 109; Landwehr-Ersatz.-Reg. Nr. 1 sowie Nr. 7 und Nr. 9 der Division v. Menges; Fcld-Bat. Schwarz des Detackernents Plantier; lieber- planmäßiges Landwehr-Jnf.-Bat. Nr. 4 des 4. Armeekorps; Bri- gade-Ersatz-Bataillone: 1. und 2. Nr. 5. Nr. 7, 40, 14, 20, 30, 41, 44, 50, 86; Landwehr-Brig.-Ersatz-Bataillone Nr. 25 und 26; Land- siurm-Bataillone: Burg, II Darmstadt, Emden, 11 Oldenburg, Schlawe, I Tilsit; Landstnrin-Ersatz-Bataillone Nr. 2 dcs 20. Armeekorps, 3. Cassel; Iägcr-Bat. Nr. 9; Maschinengewehr- Abteilung Nr. 6 nnb Abteilung V. Stülpnagel der Brigade Pfafseroit; FestuiigS-Maschinengewebr-Abt. Nr. 2; IRcs.-Festungs- Maschincngewehr-2lbt.?!r. 3; Maschincngewehr-Zug Nr.>21; Feld- Maschinengewehr-Ziigc Nr. 41, 27, 132; Festungs-Maschincir- gewehr-Zug Nr. 131; Festungs-Maschinenge.wehr-Triipp Nr. 5. Stab der 22. Kavallcrie-Brig.; Kürassiere Nr. 1; Schwere Res.- Reiter Nr. 3; Dragoner Nr. 4. 5; Husaren Nr. 4, 6; Rcs.-lllancn .Nr. 5; Jäger zn Pferde Nr. 2, 3, 4, 3, 9; Kavallerie-Reg. Nr. 1 deS 6. Landwebrkorps. 3. Garde Res.-Feldarl.-Reg.; Feldari.-Regimenter Nr. 1, 5, 6, 7, 15, 33, 47, 74, 09, 408, 112; Rcs.-Fcldart.-Regimcnter Nr. 0, 11, 12, 17, 10, 57; Gebirgs-Kanonen-Bailcricn Nr. 1 und 2; 2. Landslnrm-Feldart.-Ersatz-Balterie des 7. Armeekorps. Fußart.-Regimenter Nr. 10, 13; Res.-'Fußarl.-Regimenter Nr. 2, 10; Londwehr-Fußart.-Reg. Nr. 10; Landtvehr-Fnßart.- Bataillone Nr. 1, 14. Garde-Pionicr-Ersatz-Bat.; Piouicr-Regimentcr Nr. 19. 29; Pionier-Bataillone: I. Nr. 2, T. Nr. 8, I. und II. Nr. 0. l. Nr. 46, I. Nr. 17, I. Nr. 27, I. und III. Nr. 28; Pionier-Ersatz-Bat. Nr. 2; 49. Res.-Pionier-Komp.; 3. Landwehr-Pionier-Komp, des 6. und 1. des 16. Armeekorps; Landsturm-Pionicr-Komp. dcs 15. Armeekorps. Feldfliegertruppe. Y.(20.) Armierungs-Bataillon. Rcs.-Sanitats-Komp.'Nr. 19 des 5. Reservekorps. Ter Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 177�pringi Verluste dcs 19., 20., 21. und 23. Inf.-Rcg.; 1. Iägcr-Bat.; Schnee- schub Bat. Nr. 4; Res.-Inf.-Regimenter Nr. 4, 7, 10, 11. 12, 15, aargemünd; Res. Kavallerie-Regimenter Nr. 1, 5; 1. nnd 8. Feld- artilleric-Rcg.; Rcs.-Feldart.-Rcg, Nr. 5; 1., 2. und 3. Fußart.- Regiment; Res.-Fußart.-Rcgimenter Nr. 1. 2; Laiidwehr-Fuhart.- Bataillon Nr. 3; Pionier-Reg.; 1. Pionier-Bat., 2. und 3. Pionier- Bataillon; Res.-Pionier-Bataillone Nr. 3 nnd 4; Res.-Eflenbahn- Baukomp. Nr. 1; Sanitäts-Komp. 2. 3. Armee-Korps; Sanitäts- Kompagnie 3, 3. Ärmec-KorpS; Feldlazarett Nr. 12, 3. Armee- Korps. Die wiirttembergssche Verlustliste Nr, 160 bring! Ver- luste der Inf.-Regimenter Nr. 120, 125. 126, 127, 180; Rcs.-Inf.- Regiment Nr. 248; Feldart.-Reg. Nr. 13: Res.-Feldart.-Reg. Nr. 26; Feldart.-Reg. Nr. 20: Feldari.-Reg. Nr. 40; II, Pionier- Bataillon Nr. 13; Pserdedepol Nr. l. Soziales. Krieg und Arbeitsvertrag. Tas Reichsgericht hat in einer von der Deutschen Juristenzeitung" vom 1. Mai S. 5,29, 5.39 mitgeteilten Entscheidung die von uns stets vertretene Ansicht als richtig anerkannt, daß der Krieg dem Arbeitgeber kein Recht aus Aufliebun geines Arbeitsvertrages gibt, es sei denn, daß durch militärische Anordnungen, feindliche Einfälle oder dergl. die Fortfijhrung des Geschäfts unmöglich gemocht ist. Die „Deutsche Jnristenzeitnng" teilt über die Entscheidung das Folgende mit: Kläger war von der Beklagten als Entwerfer von Stickerei mustern bis 31. März 1915 unkündbar angestellt. Ihre nach Aus- bruch des. Krieges für den 31. Angust 1911 ausgesprochene.Kiindi- gung wurde für unwirksam erklärt und dem Kläger das Recht zitgesprochen, bis Ende Mörz 1915 sein Gehalt zu fordern. In den Gründen wurde ausgeführt: als ein wichtiger Grund werde es in Friedenszeiten nicht angesehen, wenn der Prinzipal sein Geschösl ausgebe oder vorübergehend schließe, wöge er hierzu auch durch Mangel an Geldmitteln oder durch llnrentabilität des Bc triebes gezwungen sein. Aber nucki bei Vetrirbskrisc», die durch den Krieg hervorgerufen, handele es sich lediglich um die Folgen einer schlechten Konjunktur, die der Unternehmer tragen müsse, dem im entgegengesetzten Falle auch die Vorteile einer besonders gün- st igen Konjunktur zuflösse». Solange die Stillegung des Betriebes durch einen freien Willensenlschluß des Unternehmers erfolge, dürfe er nicht die Folgen durch fristlose Kündigung ans seine Angestellten abwälzen.'Nur wenn ihm die Fortstellung des Betriebes durch außerhalb seine? Willens liegende Ereignisse, z. B. feindliche Ein- fälle oder militärische Anordnungen, unmöglich gemacht werde, habe er das Recht zur fristlosen Kündigung tBaum, Gew.- u. Kaufni. Ger. 19, 142; Oertmanii, das. 20. 6). Ilm einen solchen Fall handele es sieb aber nicht.«Urt. des 7. Z.S. 7 O. 306/14 v. 23. März 1945.) Hoffentlich hört nun. nachdem das höchste deutscho Gericht gosprochon, auch endlich die nach immer von einigen Kauf- inannsgerichten betätigte, mit dem Gesetz unvereinbare Praris ans, eine varzeitiae Kündigung wegen Verminderung der Rentabilität für zulässig zu erklären. Serichtszsitung. Verführung eines Kindes. Eine an Mädchenhandel grenzende Entsührungsgeichichtc eines l'.sährigcn Mädchens beschäftigte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts l. Aus dem Strafgefängnis Tegel, wo er eine sechsmonatige Strafe wegen Diebstahls verbüßt, wurde der Händler Ernst Ludwig von Vöhn vorgeführt, um sich wegen Verführung einer Minderjährigen zn verantworten. Der Angeklagte ernährte sich zuletzt in Berlin als Straßen- bändler mit Zeitungen. Anfangs Februar d. I. machte sich der Angeklagie an die in demselben Hause wie er wohnhafte läjähn'ge Elli G., deren Vater in Belgien im Felde steht, heran und überredete sie unter allen möglichen falschen Vorspiegelungen, ilsi Elternhaus zn verlassen. Das junge Mädchen, welches sich mit da sie annahm, daß ihrem Kinde irgendein Unglück zugestoßen sein mußte. Die Polizei ermittelte dann auch nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten den gefährlichen Eni- und Verführer, und zwar kam sie gerade zur rechten Zeit. Der Angeklagte, der selbst Vater von 14 Kindern ist, hatte das Mädchen mit dem Verkauf von Zeitungen beschäftigt und dabei durchblicken lassen, sie solle dabei Herren- bekann tschaftcu zu machen versuchen. Das Mädchen war völlig vci- wnbrlost und sah außerdem„Mutterfreuden" entgegen. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe»an nenn Monaten. Tos Gericht ging, da es sich um eine höchst gemeine und verwerfliche Tat handele, noch über den Anirag hinaus- nno erkannte ans 1 Jahr GrsöngniS. „Billiges Fleisch". Durch einen eigeiwrtigen betrügerischen Kniff Hot her Händler Julius Gorgs, der gestern wegen Betruges in sechs Fällen vor der 3. Streifkammer des Landgerichts l stand, eine Anzahl von Schankwirten geschädigt. Der Angeklagte halte erst vor kurzem eine längere Freiheils-' strafe verbüßt. Er verstand es, ans folgende Weise zu Geld zu lommen: Cr besuchte Gastwirtschaften in der Nähe des Viehhofes nnd spielte sich mit der Behauptung aus, daß er in der Lage sei, durch einen ihm bekannten Großschlächter billiges Fleisch zn erstehen. doch loollc der Lieferant aus besonderen Gründen nicht genannt nnd bekannt werden. Es wurde ihm nicht schwer, die Schankwirte sür die Sache zn interessieren nnd sie zn veranlassen, ihm eine he- stimmte Summe zum Ankauf des Fleisches zu übergeben, wobei ihnen freigestellt wurde, den Angeklagten bis zum Hause des an- geblichen Lieferanten zu begleite». Der Angeklagte wählte sich dann zum Ziel stets ein Hans aus. welches nach einen zweiten Ausgang hatte nnd während draußen auf seine Aufforderung seine Opsei geduldig auf seine Rückkehr und die Ilebergabe des Fleische? warteten, verschwand er schleunigst durch den zweiten Ausgang und ward nicht mehr gesehen. Als er dieses Kunststück sechsmal au? geführt hatte, wurde er abgefaßt. Der Staatsanwalt beaniraote l Jahr 6 Monate Geiniignis»nd 4 Wochen Haft, da sich der Aug:'- klagte bei seiner Festnahme eine» falschen Namen beigelegt halle. Tas ltzericht erkannte ans 2 Jahre Zuchthaus, 4 Wochen Haft, dw durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden,»nd 000 M. Geldstrafe, evtl, noch 60 Tage Zuchthaus. Bestellung eine« Vertreters für einen KriegSleilnehmer. Im Gegensatz zu der am 29. April von uns mitgeteilten Auffassung des hiesigen Landgerichts hat, wie wir der„Deut- ichen Juristenzeitung" vom t. Mai S. 524, 525 entiiebwen. das Kammergericht am 12. April die Beschwerde zur Bestellung eines Vertreters für einen Kriegsteilnehmer für znlässig er-- achtet und die Bestellung der Ehefrau aufgehoben. Ter Stich- verhalt war folgender: Mit einer Klage gegen einen Kriegsteilnehmer wegen einer Warenlieferung verband der Kläger, da die Aussetzung des Vcr-' fahrens offenbar unbillig sei, den Antrag, dem Beklagte» ein-'n. Vertreter zu bestelle». Als solchen schlug er die Ehefrau des?■' klagten vor. Der Vorsitzende lud darauf diese vor, um sie üücr den Antrag zu hören. Als sie im Termin nicht erschien, bestritte der Vorsitzende der Zivilkammer die Ehefrau zur Vertreterin ibrc? Ehemannes gemäß der Bek. des B.R. v. 14. Januar 19>5. Aus erhabene Beschwerde der Ehefrau ist die Bestellung vom O.G. ain- grhobeu. Für zulässig ist die Beschwerde crachiet in entsprechen- Anwendung des 8 567 Z.P.O. Begründet aber ist sie. Die klagte setzt etilen Zwang zur Annahme der Stellung einet- Vc?- treters eines Kriegstetlnehmers nicht fest(vgl. D.I.Z. 1015. S. 137!. Der Vorsitzende des erstinstanzlichen Gerichts konnte somit dir Este- fron des Beklagte» nicht ahne ihre Zustimmung zur Vertreterin bestellen. Daraus rechtfertigt sich die Aufhebung der angefvckitenen- Anordnung, ferner aber auch gemäß st 575 Z.P.O. die Zurück- Verweisung der'Sache zur anderweiten Entscheidung an den Vor sitzenden de? erstinstanzlichen Gerichts, �ieser muß gemäß st 1 dm Beklagten die. Bestellung eines solchen Vertreters, der zur lieber. nähme der Vertretung bereit und geeignet n't, veranlassen, wenn er die Voraussetzung des st 1 Abs. 2 der Beklagten für vorliegend erachtet, und zwar unter Beobachtung der Vorschrift des Satze-, 3 a, a. O.. d. b. unter tunlichster Anbörnng von Verwandten d"? Kriegsteilnehmers oder anderer Personen, die mit dessen Verna!! nissen vertraut sind.(Besch!, des 6. Z.S. 6 W. 1231/15 v. 12. April 1015.) Mus ailer welk. Ichwercs Eisenbahnunglück bei Briese» in ber Mark. Drei Kinder tot, ein Kind schwer verletzl. Ein furchtbares Eisenbahnunglück bat sich am Donnerstag nach- mittag in der Nähe der Station Briefen in der Mark ereignet. Die drei Kinder dcs ans dem Bahnhof Briese» angestellten Slatioir?- gehilfcn Teinert, der 14sährige Hermann, der LüjäHrigc Willi und die 10 Jahre alte Gertrud, hatten mit dem 12jährigen Waller Henne, deni Sohn des ebenfalls auf der Station Briefen bediensleien Bahnwärters H. in der Okähe dcs elterlichen Hauses, etwa 10 Minuten vom Bahnhof entfernt, am Bahndamm gespielt. Gegen l llhr kam an jener Stelle ein Militärzug vorüber. Tic Kinder riefen mW winkten den Soldaten zu und liefen schließlich auf den Bahnkörper, um sich mii ihnen unterhalten zu köiineu. Der Militär- zug war noch nickit aus dem Gesichtskreis der Kinder entschwunden, als plötzlich auf dem Gleis, auf dem sich die Kinder befanden, ein von Posen nach Berlin bestimmter Eilzug in voller Fahrt heran- nahte. Da an jener Stelle sich eine Kurve befindet, Halle der.. Lokomotivführer dcs Eilzuges die Kinder erst im letzten Augenblick bemerken können, und so war es für ihn unmöglich, den Zug recht- zeitig zun: Stehen zu dringen, obwohl er mit aller Macht bremste. Alle vier Kinder wurden von der Maschine erfaßt. Der I Ijährige H ermann Teinert und feine Schwester Gertrud sowie der lüjährige Walter Henne gerieten unter die Räder nnd wurden a uf d e r Stelle gelötet, während Willi Teinert zur Seite geschleiidm nnd schwer verletzt wurde. Der Eilzug wurde dann bald daraus zum Stehen gebrackit und beim Absuchen der Strecke fand man die sebrecklicki zugerichteten Leichen und den schwer verletzten Knaben. Letzterer wurde, nachdem ihm ein binziigebotter Arzt Notverbände angelegt batlc, in einem Automobil nach dem Krankenhaus in Fürstenwalde geschafft, während die drei Leichen polizeilich bc schlagnähmt und in der Nähe der Ilnsallstellc untergebracht wurden. Das Befinden des kleinen Teinert ist sehr bedenklich, doch begcn die Aerzte die Hoffnniig, ihn am Leben erhalten zn können. Ter furchtbare Unsiill erscheint um so tragischer, als der Stationsgebilse Teinert. der Pater der drei verunglückten Kinder, zu der Zeit gerade Dienst hatte und dem Eilzug nach Berlin selbst das Durch- fahrtchignal gegeben hatte. Raubmord an einem alten Ehepaar. Einer Meldung aus Hattingen a. Ruhr zufolge wurde dort gestern morgen an den hochbetagten Eheleuten Moses Löwen- stein ein Raubmord verübt. Die Frau ist tat. Ter Mann, der ebenfalls E r d r 0 f s e l u n g s m c r k m a 1 e aufweist und einige Rippen gebrochen hat, lebt noch. Als der Da! verdächtig wurden drei Italiener verhaftet. Ein Klosterbrand. • In Bornhelm bei Köln hat eine sünszchnjährigc Pensionärin das, Moster � an einigen Stellen in Brand gesteckt. Das Mädchen war ans Hein, weh aus dem Kloster geflüchtet, es hatte seinen Eltern, als sie es zurückbrachten, gedroht, es werde das Kloster anzünden. Die Drohung wurde so geschickt ausgeführt, dah ein wesentlicher Teil des großen Gebäudes zerstört wurde. Das Mäd- chcncharrt.Äun im Gefängnis ihrer Aburteilung vor dem Kriegs- Gericht.;r Seine Braut und sich selbst erschossen. i?n Stettin erschoß im Sause Schallehnstr. 14 der lbjährige kriegsfreiwlllige Artillerist Paul Härder seine lö Jahre alte Braut .chsbcth Schulz aus Liebeskummer. Der junge Man» gab zuerst auf das Mädchen einen Schuß ab, das in die Schläfe getroffen wurde, während er selbst sich durch einen Schuß in den Mund tötete. Das. Mädchen war ebenfalls auf der Stelle tot. ' Um der 5?lcischnot vorzubeugen. ?4. April. Mit Rücksicht auf die steigenden Fleischpreisc hat di.e italienische Regierung durch Dekret vom 23. ds. das Ab- schlachten hizn Kälbern verboten, die nicht mindestens ein Lebend- gewicht von 200 Kilo erreicht haben. Das Dekret sieht Ausnahme- bestimmungen für Notschlachtungen bor und bedroht die Zuwider- Handlung mit Geldbußen von 100 bis 200 Lire für jedes Stück.— Die lebte'Viehzählung vom Jahre 1908 ergab einen Viehbestand von 18,4 Stück Rindvieh auf je 100 Einwohner, 33,2 Schafe, 8,1 Ziegen und,7ch Schweine, also Zahlen, die wesentlich hinter denen Deütschlands�und Oesterreichs zurückbleiben. Obwohl Italien wegen seiner klimgtischen Verhältnisse viel weniger Fleisch konsumiert als diese Staaten, ist es doch in hohem Maße auf die Einfuhr angc- wiesen. Lassen wir die Jahre 1911 und 1912 aus dem Auge, die wegen des libyschen Krieges unnormale Verhältnisse aufweisen, so hatte Italien eine Jahreseinfuhr von 109 984 und 118 584 Stück Großvieh 11910 und 1909), gegen eine Ausfuhr von 4990 und 10 293. Haupteinfuhrländer sind: Frankreich(83 000 Stück), Serbien (28 000), Ohsterreich-Ungarn(13 000); es folgen die Schweiz, die Rieheistande, Tunisien usw. All diese Quellen versiegen jetzt. Gleich- zeitig wird die Aufzucht der Kälber auch dadurch nahegelegt, daß die Käseproduktion infolge der Ausfuhrverbote sehr daniederliegt und also ein Ucberfluß an Milch besteht. Eingegangene Druckschristen. »Kommunale Praxis«. Wochenschrist für Kommunalpolitik und Mc> nwindesozioliSmuS. Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul S i n g e r m. b. H. Berlin SW. 6S. Jede Woche erscheint ein Hest. Abonnement'Spreis viciäcljährlich 3 M. Einzclheste 30 Pf. Bestellungen nehmen alle.PostanstaUcn, Buchhandlungen und Zeitungscxpeditioneu ent- gegen.' Franz?? und Ruß in Spiritus. Kampsschrist in Bild und Wort. 1 M. Simplicissimus-Verlag, München. Moderne Pkediumforschiing und gesunder Menschenverstand. Von H. Werner. 52 S. Broich. 1 M.— Volksschriften zur Umwälzung dsr Geister. 100: Kritik der Heidenmissio». Von P. Rogal. —' 107: Aberglaube und Grästenwalin. Von F.(sladet.— 108: Jehovabs i GntwickelungSgang vom Fetisch zum Weltschäpfer. VomB. Baredorfs.— 109; ttic Bibel als KampfPlaU der Geister. Von B. Buerdvrss.— 110: Der Monismns als Fortentwicklung des Gstristentnms. Von E. Wolssdors.— III: Die Selbstkrenzigung. Von M, LovAI,— 112: Dreierlei»Zehn Gebote«. Von B. Bucrdorss. Einzeln 20. Pf.' Verlag: tzandeledruckcrei Bamberg. ReichS- Staatsangehorigkeitsgeseti vom 1. Januar 1914. Be- arbeitet von K. schrürS. 30 Pf. Verlag des Bezirksvorstandes der sozialdemokratischen'Partei Leipzigs, Leipzig, Tauchaer Str. 19/21. Flugschrift des Dürerbundcs. 132: Der Schub bcr Kunst- dcnkmäler im Kriege. Pon P. Clemcn. 40 Pf.— 131: Eindrucke eines Neutralen i» Belgien. Von E. Probst. 00Ps.— 133: Kreuze für.Fcldgräber. 72 Pf. Verlag: G. T. W. Callwey, München. Deutsche Juristen-Zeitung. 20. Jahrg., Nr. 9—10. Herausgeber: Tr. O. Hamm. Erscheint monatlich zweimal. Viertels. 4 M. Verlag: O. Liebmann, Berlin IV 57.' Heft Z der»Neue» Zeit« vom 30. April hat folgenden Inhalt: Gustav Eckstein: Zum 1. Mai.— K. Kautsth; Zwei Schriften zum Um- lernen.(Schluß.)— Spcctalor: Deutschland und Ostasien.— Feuilleton: Andreas ischeu: Walter Grane.— Anzeigen.— In eigener Sache. Bühne und Welt. Halbmonatsschrift für Theater. Literatur und Musik. Aprilhcst. Herausgeber: W. Kie'cr. 60 Pf. Selbstverlag in Ham- bürg 30. Finanzvorschläge. Von Justizrat G. Bamberger. 1 M. C. Hey- mann, Berlin W 8. Zwilchen Bcrgaugcnheit und Zukunft. Bon Dr. Th. Schefser. Brosch. 1 M. Fr. Seybold, München. Möbel-Angeb-t. Solide Möbelfirma liesert onck kltni-tcvtiiiisen sowie Kltnueliiiiidel gegen«ästiKe Zins- Vergütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Raten- Zahlungen. Offerten?. 2 an die Expedition des.Vorwärts«. It«'"*—"""' (eine Kasslerer. Orößte Kulans. Kronleuchter, 500 Stück, aus aufgelöster Fabrik für Gas und Elektrisch, zu jedem annehmbaren Preise. Für Händler günstige Gelegenheit.. 26/9* PrinzenstraBe 33, Hof I. Aeitungs-Ausgabestellen und Inseraten-Annahme. 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