Zlr. 133.-3Z. Jahrg. BbonnemenfS'Bedingungcn: Bfcünnemenlä• Breis pränumerandai Vierteljährl. 330 M!, monatl. 1,10 SKI, wöchentlich 25 Pfg, frei ins HnuZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illuitrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Well" 10 P�g, Post- Abonnement: 1,10 Wart pro Monat, Eingetragen in die Post> Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband silr Deutschland und Oesterreich- Ungarn L,ö0 Marl, sür das übrige Ausland t Mar! pro SKonat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Kuuichiieip schweben und die schweif krlcheldt täglich. Vevlinev Volksblntt. Zcntralorgan der fozialdemokratifcheii Parte! Deutfcblands. ( 5 P?enn8a Die Tnfertions- Gebühr beträgt für die sechsgespallene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg„ für politische und gewcrlschaftlichc Lcrcins. und Bcrsnmmlungs-Anzeigen 00 Pfq „Xleine Unr-igcn", das fettgedru-kt- Wort 20 Pfg, izulässig 2 fet, gedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfq Stellengesuche und Schlafiiellenan zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort ö Psg, Worte über Id Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate ' nächste stummer müssen bis o UHc nachmittags in der Expedition ltdgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SoziailklnoM Berlin". Neöaktwn: SL). HS, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. löl Sv— IZl, V7 Expedition: SW. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. M «« Ses gllSe» bWlMkers. Amklich. Großes Haupkquar- i i e r. den 13. Mai 1913.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich Yp ern nahmen wir einen weiteren Stützpunkt. Am Nachmittage wurden starke französische Angriffe gegen unsere Front Ablain —Neuville unter schwersten Nerwsten für den Feind abgewiesen. Das infolge des Festsetzens der Franzosen in unseren vorderen Gräben zwischen Neuville und C a r e n c y zum größten Teile um- faßte Dorf Carency sowie der Westteil von Ablain wurden jedoch in der vergangenen Nacht geräumt. Leider ist auch dabei wieder eine Anzahl unserer braven Leute und Material ver- loren gegangen. Französische Versuche, das von uns nord- westlich Berry-au-Bac in den Waldungen südlich Ville-au-Bois genommene Grabenstück wieder zu gewinnen, blieben erfolglos. Nach starker Artillerievorbereitung griff der Feind gestern abend unsere Stellungen zwischen Maas und Mosel bei Croix des Carmes an. Es gelang ihm, in einer Breite von 159 bis 299 Meter in unsere vordersten Gräben einzudringen. In erbitterten Nahkämpfen wurden unsere Stellungen jedoch wieder völlig von den Franzosen gesäubert, eine Anzahl Gefangener blieb in unseren Händen. Zwei französische Blockhäuser auf dem West- hange des Hartmannsweilerkopfes wurden von unserer Artillerie zusammen- geschossen. OestlicherKriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert; der Kampf bei S z a w le steht noch. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Heeresgruppe des Generalobersien von Mackensen erreichte gestern in der Verfolgung die Gegend von D u b i e ck o am San-Lancul (am unteren Wislok)— Kolbuszowa(nordöstlich Debica). Anter der Einwirkung dieses Vor- dringens weichen die Russen auch aus ihren Stellungen nördlich der Weichsel; dort gelangten die Truppen des Generalobersten von Woyrsch, dem Feinde dichtauf folgend, bis in die Gegend südlich und nordwestlich von Kiele e. In den Karpathen erkämpften österreichisch-ungarische und deutsche Truppen unter General von Lin- singen die Höhen östlich des oberen Stryj; sie nahmen dabei 3659 Mann gefangen und erbeu- leten 6 Maschinengewehre. Jetzt, wo die Armeen des Generalobersten von Mackensen sich der Festung Przemysl und dem unteren San nähern, läßt sich ein annähern- des Bild der Siegesbeute aus der Schlacht von Gorlice und Tornow und den daran anschließenden Verfolgungskä'mpfen geben. Diese Armeen haben bisher 193 599 Russen Zu Gefangenen gMacht, 69 Geschütze und 255 Maschinengewehre mit stürmender Hand er- obert. In diese Bahlen ist die Ausbeule der in den Karpathen und nördlich der Weichsel kämpfen- den verbündelen Truvven nicht einbegriffen, die sich auf weil über 49 999 Gefangene beläufl. ObersteHeeresleitung. m llmeUWe A!MM«erW. Wien, 13. Mai.(SB. T.- B.) Amtlich wird ver- l a u t d a r t, 13. Mai 1915: Die in den November- und Dezemberschlachtcn von Lodz und Limanowa erfochtrnen Siege der verbündeten deutschen und österrcichisch-ungarische» Truppen zwangen die damals russische Front in Polen pnd Wcstgalizien in einer Aus- dehnung von nahezu 199 Kilometer zum Rückzug. Damals zerschellte der vom Feinde geplante Vormarsch nach Teutschland an der erprobten Schlagkraft der treuverbündetcn Truppen. Vom Zanuar 1915 bis Mitte April haben die Russen ihre Uebermacht vergeblich aufgeboten, um über die Karpathen nach Ungarn einzubrechen. Unter ungeheuren Verlusten ist dieser Plan an dem Heldenmutc und der Beharrlichkeit unserer Truppen in monatelangen erbitterten Kämpfen vollkommen gescheitert. Damit war der Zeitpunkt gekommen, mit den machtvoll vereinten Truppen beider Reiche den Feind im ge- meinsamen Angriff niederzuringen. Ter Sieg von Tarnow und Gorlice hat nicht nur Westgalizien vom Feinde befreit, sondern auch die ganze russische Nidafrmit und Karpathenfront zum Weichen gebracht. In Ausnutzung des ersten Erfolges haben die siegreichen Truppen in zehntägigen Kämpfen die russische dritte und achte Armee bis zur Vernichtung geschlagen, den Raum vom Dunajec und den Beskiden bis an den San durcheilt, dadurch 139 Kilometer heimatlichen Bodens erkämpft. Reiche Beute fiel in die Hände der Sieger. Vom 2. bis zum 12. Mai nachmittags beträgt die Gesamtsumme der von allen Armeen ein- gebrachten Gefangenen 113 599 Mann, serner etwa 199 Geschütze und 359 Maschinengewehre. Hinzu kommen noch alle jene, die, durch die Ereignisse überrascht, den Anschluß an die zurückgehenden Truppen ver- säumten und in den Wäldern der Karpathen vereinzelt um- herirren. So hat sich der Stab der russischen 18. Infanterie- truppendivision mit General der Infanterie Karniloff gestern im Sliücken unserer Armee bei Odrzechowa unseren Truppen ergeben. Das Mast der Zerrüttung beim Rückfluten des Feindes kennzeichnet sich dadurch, dast unser neuntes Korps in den letzten drei Tagen durchcinandergewürselte Manu- schaften von 51 russischen Regimentern gefangen nahm. Die seit Monaten vom Feinde aufgestapelten Ausrüstungen, Vor- räte aller Art, Munition und sonstiges Kriegsmaterial blieben beim raschen Vordringen der Verfolger in den russischen Etappenstationen zurück und werden erst jetzt gesammelt werden können. Nördlich der Weichsel dringen österreichisch-uuga- rische Truppen über Stopnica vor. Deutsche Truppen haben die Gouvernementshauptstadt Äielce erobert. Oestsich des U z s o k e r Passes erstürmten deutsche und Honvedtruppcn gestern mehrere Höhenstellungeu der Russen, drangen bis südlich Turka vor und machten 1999 Mann zu Gefangenen. Der Angriff wird hier und in der Richtung auf Skole fortgesetzt. In Südöstgalizie« greifen starke feindliche Truppen über Horodenka an. Schließlich sei erwähnt, dast die russischen Eommunigu6s der letzten Tage, sichtlich bemüht, unsere und die deutschen Er- folge abzuschwächen, alles verneinen und als absichtlich falsch wiedergegeben bezeichnen. Dies ist ein schlagender Beweis für die Größe der russischen Niederlage, den» sie verwirrt nun nicht allein die Aktionen der Truppen am Schlachtselde, son- dern auch die offizielle Berichterstattung der obersten russischen Heeresleitung. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Gestlicher Kriegsschauplatz. Russische Kalschmelüungen unö ihre Wiöerlegung. Petersburg, den 12. Mai.(W. T. Ä.) Der Große Gene- r a l st ab gibt bekannt: Nach einer Reihe von erfolgreichen Vorhut- gefcchten näherten sich unsere Truppen am 10. Mai der vom Feinde besetzten Stadt Szawle, wo sich ein Gefecht entwickelte. In der gleichen Gegend bedrängt unsere Kavallerie auf breiter Front die feindliche Kavallerie, von der sie schon mehrere Abteilungen ge- sangen genommen hat. Auf der übrigen Front bis zu den Grcn- zen von Galizien herrscht Ruhe. In der �Linie zwischen Weichsel und Karpathen greift der Feind weiter an. Am Abend des g. Mai gestaltete sich die Lage in dem Hauptabschnitt des Gefechtes in der Gegend von Strhszow und Brzozow für uns ungünstig, indessen hielt ein stürmischer Angriff unserer Reserve in dem Sektor Besko Farmiz(?) gegen den rechten Flügel des Feindes, der unsere Front zu durchstoßen suchte, den Vorstoß des Feindes auf und ver- hinderte einen'Erfolg des Feindes. Gleichzeitig gestattete er unse- ren Truppen, in dem bedrohten Abschnitt sich in Ruhe auf die ihnen angewiesene Stellung zurückzuziehen. Die tapfere achiundvierzigstc Division, die am 7. Mai aus einer sehr schwierigen Lage cirttonimcn war, unternahm am 9. Mai im Läufe der Kämpfe an cinetn anderen Abschnitt einen sehr erfolg- reichen Gegenangriff. In der Gegend von Dembica erlitt der Feind durch einen Angriff unserer Panzerautomobile schwere Verluste. In den mittleren Karpathen schlugen wir mehrere feindliche An- griffe erfolgreich ab./ In der Bukowina nutzten' unsere Truppen am 9. Mai ihren Erfolg am rechten Ufer des Dnjestr aus, machten fünfhundert Gefangene und erbeuteten drei schwere und eine leichte Kanone und mehrere Maschinengewehre. Petersburg, den 12. Mai.(33. T. B.) Der General st ab teilt mit: In der letzten Woche haben amtliche deutsche Stellen Einzelheiten über den Fortgang der Kriegstätigkeit an unserer Front berichtet, die mit der Wahrheit nicht übereinstimmen. So behaupten die Deutschen, daß sie im Laufe der Kämpfe bei L i b a u zwölf Kanonen genommen hätten, während die ganze Artillerie- abieilung, die dort kämpfte, nicht mehr als vier Geschütze zählte. In der Gegend östlich von Rossinis hat uns der Feind nicht nur nicht die großen Verluste beigebracht, die er veröffentlicht, sondern hat im allgemeinen nicht den geringsten Erfolg erzielt. Nicht wir.sind im vollen Rückzüge, wie der deutsche Heeresbericht bc- hauptet, sondern die feindlichen Abteilungen waren bisher ge- zwungen, sich vor unserer Offensive auf einer Front von zehn bis fünfzig Werst zurückzuziehen. Ter Feind sagt weiter, daß er bei Kalwarja, Augustowo und P r a s z n y s z unsere Angriffe mit blutigen Verlusten abgewiesen habe. Indessen haben wir keiner- lei Angriff an dieser Front unternommen, wo nur der Feind Vor- stöße bei Wach Jednorozek und der Meierei von Pomiany machte. Diese Vorstöße waren zum Teil rein demonstrativer Natur, zum Teil hatten sie den Zweck, verlorene Stützpunkte wiederzugewinnen. Was die Kämpfe in Galizien anbelangt, so muß allerdings ge- sagt werden, daß mit Ausnahme des. mißlungenen feindlichen Ver- suches, unsere 48. Division zu umgehen, die Ereignisse hier seit neun Tagen den Charakter von Frontalang rissen haben, die der Feind aus unsere befestigten Stellungen unternimmt, die wir nach und nach beziehen. Unsere Verluste sind zwar ernst, aber die des Feindes sind ungeheuer. Es ist offenbar, daß der Feind seinen Erfolg aufzubauschen sucht, in- dem er die Anzahl der Gefangenen mehrfach multipliziert. Unter diesen sind jedoch auch zahlreiche Verwundete, die wir bei der all- mählichen Zurücknahme unserer Truppen leider nicht mitnehmen konnten. Mit seinen amtlichen Berichten, die alle aus Reklame zuge- schnitten sind, verfolgt der Feind augenscheinlich den Zweck, die öffentliche Meinung in seinem eigenen Lande und in den neutralen Staaten zu beeinflussen. *»* Berlin, 13. Mai.(W. T. B.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Zwei amtliche russische Berichte vom 12. Mai wagen es, angeblich zur Auf- klärung der öffentlichen Meinung in den neutralen Staaten, die Erfolge der verbündeten deutschen und österreichisch-unga- rischen Heere abzuleugnen. Wir möchten nicht unterlassen, diese Versuche niedriger zu hängen. Sie sind um so komischer und unverfrorener, als heute am zwölften Tage, nachdem die verbündeten Truppen die russischen Stellungen bei Gor- lies— Tarnow angriffen, ihre Bataillone 159 Kilometer weiter östlich am unteren San vor Jaroslau, Przemysl und Dobromil stehen, und die ganze russische Karpathenarmee süd- lich davon aus einer Front von mehr als 129 Kilometer Breite eiligst nach Nordosten flüchtet, Als Kuriosum sei noch erwähnt, daß der Kommandeur der m dem einen Bericht' besonders er- mahnte� tapferen-18. Infanteriedivision seit gestern auf dem Transport nach dem Inneren Oesterreichs sich befindet; er wurde von den Begleitleuten �iner Munition!Skolonne auf- gegriffen.„ �..\ Ein englisches Urteil über Sie russische Nieüerlage. London, 13. Mai.(W. T. B.) Die„Morning Posl" meldet aus Petersburg vom 11. Mai: Allem Anschein nach hatten die Deutschen nie besseren Grund, einen Sieg zu verkünden als gegenwärtig. Ein eine Woche dauernder Kampf zwang die Russen zurückzugehen. Von russischer Seite wird keine Erklärung für diese Tatsache gegeben, ausicr, daß der Feind die übcrioältigende Kraft schwerer Batterien für sich hatte. Der Zusammenbruch'ist io völlig unverständlich, daß man, wenn nicht amtliche Berichte zum ersten Male die schweren Verluste zugäben, berechtigt wäre zu glauben, daß etwas, was der Laie nicht versteht, den Meldun- gen von diesem augenscheinlichen Unglück zugrunde liegen müsse. Heunruhlgung in Kurlanü. Petersburg, 12. Mai.(W. X. 25.)„Rjetsch" schreibt: Das Leben in M i t a u nimmt wieder seinen normalen Gang an. Den Einwohnern ist befohlen worden, sich nach S Uhr abends nicht mehr auf der Straße zu zeigen und nachts alle Fenster dunkel zu halten. Die Sparkassen in Riga werden gestürmt, die Einleger ziehen ihre Guthaben zurück. Die Zeitungen versuchen, die Bevölkerung zu beruhigen, und erklären, es bestehe für Riga gar keine Gefahr. westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 13. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von g e st e r n n a ch m i t t a g. Im Abschnitte nördlich von A r r a S behaupteten wir alle unsere Gewinne außer vor Laos, wo ein uächttichcr Gegenangriff uns einen Teil des tagsüber eroberten Geländes wieder entriß. Auf der übrigen Front Artilleriekämpfc. Paris, 13. Mai.(22. T. B.) Amtlicher Bericht von g c st e r n abend. Tie Kämpfe nördlich A r r a s dauerten mit derselben Heftigkeit an. Während der Nacht vom Tienstag zum Mittwöch unternahm der Feind, welcher sich verstärkt hatte, mehrere Angriffe, welche ihm kein Ergeb- ms brachten. Im Angriff, welcher gegen Neuville und � t. V a a st gerichtet war, erlitten die Angreifer besonders hohe Verluste. Wir fanden auf dem Friedhofe allein über 300 deutsche Gefallene und machten etwa 100 Gefangene. Ein zweiter Angriff zwischen Carency und Ablain wurde ebenfalls abgewiesen. Ter dritte, welcher von Ablain aus- ging, mißlang auch vollständig. Mittwoch vormittag rückten wir im Earency-Gehölz vor und machten dort 122 Gefangene. Tiefer Fortschritt dauerte nachmittags an. Wir eroberten ferner drei aufeinanderfolgende Reihen Schützengräben, welche längs des Gehölzes nördlich von Earency gezogen waren. Wir drangen sodann in das Gehölz ein und bedrohten dadurch sehr stark die letzte Verbindung, welche den Verteidigern der Stellung offenbleibt. Endlich nahmen wir einen weiteren Teil des Torfes ein und machten dort 100 Gefangene. Wir griffen nachmittags den Teil von. Neuville und St. Vaast an, welchen der Feind noch hält. In Straßenkämpfen machten wir uns zu Herreu mehrerer Häusergruppen. Unsere Fort- schritte dauern an. Tie Gesamtzahl der seit Sonntag ge- machten Gefangenen erreichte gestern abend 1000. Auf der übrigen Front brachten wir durch unser Feuer drei deutsche Angrifse bei Berry au Lac, Beau Schour und Marie Therese Bagatelle sofort zum Stehen. Die Melüung ües Jelümarschalls Zrench. London, 13. Mai. strichen, erst kürzlich hatten ihre Geschosse einen französischen Kraftwagen getroffen und noch zeugte ein gewaltiges Loch mitten auf der Landstraße von ihrer verheerenden Wirkung. Als die Wagen diese gefährliche Strecke glücklich zurückgelegt halten und durch die Ports Baucliniünt in Arras eingefahren waren, da sahen sich die Besucher in einer toten Stadt. Die Straßen wären wie aus- gestorben, allenfalls ein paar Polizeidiener ausgenommen, die die öffentliche Gewalt vertraten, lind doch war es nicht die „Stunde des Bombardements", die die Besucher in Arras erlebten. Abgesehen von drei größeren Beschießungen, die die Stadt erlebt hatte, wurde sie zu der Zeit, wo Wjnding seine Fahrt unternahm, jeden Tag regelmäßig zwei Stunden lang von den deutschen Ge- schössen überschüttet, und ihre gewaltige Wirkung war überall in den Straßen wahrzunehmen. Ganze Häuser und selbst Häuser- reihen waren in Trümmer geschossen, das Rathaus hatte seinen Turm eingebüßt, und alles, was in Arras Leben hatte, war ge- nötigt worden, sich in die Keller zu flüchten. Längst hatte der wohlhabende Teil der Bevölkerung die Stadt verlassen, und wer einmal die Flucht angetreten hatte, durfte nicht mehr zurückkehren. Der zurückgebliebene Teil der Be- völkerung hatte sich, so gut es eben ging, in den Kellern eingerichtet, wobei den Bewohnern der Umstand zu Hilfe kam, daß Arras über unterirdische, von alten Steinbrüchen herstammende Gänge verfügt, die mit in Benutzung gezogen werden konnten. Dort führen die Bewohner das Dasein von Höhlenmenschen, ein Rattendasein; und erst wenn die Dunkelheit sich über die arme Stadt herabsenkt, wagen sie sich aus ihren unterirdischen Verließen hervor. Selbst der Schulunterricht wird in einem solchen Keller- gelaß in der Nähe des erzbischöflichen Palastes abgehalten. Und bei alledem ist doch der Lebensmut der Bevölkerung von ArraS nicht erloschen. Soweit es geht, werden die kleinen Geschäfte weiterbetrieben, während freilich die eleganten Läden schon längst alle geschlossen worden sind. Vor allem aber äußert sich die Lebenslust der Bevölkerung von Arras in der bekannten, nicht zu unterdrückenden provinziellen Neugier. Die Einfahrt der sechs mit Berichterstattern beladenen Kraftwagen in die verödete Stadt machte Sensation; die Leute kamen neugierig aus ihren Höhlen hervor, die Schuljugend begrüßre sie lärmend, und als es dunkel geworden war, da füllten sich die Straßen und es begann ein wirkliches Volks- leben. Die Leute von Arras wurden denn auch an diesem Tage durch ein ganz besonderes Schauspiel belohnt. Eine deutsche Taube erschien über ArraS und im Lugenblick erwachte_ die bis dahin totenstille Stadt zu hundertfältiger Stimme. Die Flinten, die Maschinengewehre knatterten und knallten von allen Seiten, zwei französische Flieger stiegen zur Abwehr deS deutschen Luftgastes auf, und mit leidenschaftlicher Spannung verfolgte die Bevölkerung das erregende Schauspiel, das sich jetzt in den Lüsten vollzog. Es ge- lang den französischen Fliegern nicht, der deutschen Taube habhaft zu werden, die glücklich entkam, aber Anas hatte sein Schauspiel gehabt. I an si rilfftsten. Nachdem schon am Nachgüttag kleine Trupps von Studenten versucht hatten, in der Nähe von Gtoliltis Wohnung zu demonstrieren, sammelten sich gegen 7 Uhr abends auf Grund einer anonymen Aufforderung durch Flug- blätter etwa hundert Demonstranten, darunter viele Etüden- ten, auf der Piazza Colonna vor der österrcichisch-ungarischcn Botschaft. Die Demonstranten wurden sehr rasch durch das auf dem Corso Umberto zu dieser Abendstunde schlendernde Publikum um Neugierige vermehrt. Bold ertönten aus der Menge Rufe wie: Nieder mit Giolitti! Nieder mit den Landesverrätern! Nieder mit Oesterreich! Und auch der ver- einzcltc Ruf: das«« il re! wurde laut. Carabmieri schritten rasch ein, sperrten die Piazza Colonna und ihre nähere Um- gebung ab. Darauf zagen die Demonstranten durch die Pia del Praetore, dann am Collegio Germanica vorbei, wo best tige Pereat-Rufe gegen Teutschland ausgestoßen wurden, noch der Via Cavour, wo sich die Wohnung Giolitiis befindet. Dort wurden sie aber rasch durch Carabinieri und Militär zer- streut und abgedrängt, obne daß es zu ernsthaften Zwischen- sästen gekommen wäre. Nach Zeitungsmeldungen bestanden die Demonstranten vorwiegend aus Radikalen und Nationa- listen mit einigen Liberalen. Ter Abgeordnete Labriola btelt eine kriegsbetzerische Ansprache.— Audi in M ail a n d kam es gestern zu T e m o n st r a t i o neu, die bedeutend ge- wesen zu sein scheinen und sich in ausgeivracbenem Haß gegen Deutschland im Anschluß an die L u s i t a n i a- A f s ä r e richteten. Kunögebungen gegen öen Krieg. Der„Avanti" meldet, wie dem„B. T." aus Lugano be- richtet wird, aus einer Reihe von Städten in der Romagna, Piemont, Toskana und Ligurien h e f t i g e K u n d g e b u n- gen der abfahrenden Einberufenen. Sie wur- den von der Bevölkerung unter den Rufen:„Nieder der Krieg! Nieder der Massenmord!" an die Bahnhöfe geleitet. In Oneglia, Rimini, Costel-Fiorentino, Albenga kam es da- bei zu st ü r m i s ch e n Szenen und Verhaftungen. In Eilavegna suchte das Volk den Zug aufzuhalten, die Ein de- rufenen aus den Waggons zu reißen. Andere warfen sich vor die Pferde. Die Menge sowie die Soldaten stimmten die Ärbeiterhymne an. Griechenlanü bleibt neutral. Athen, 13. Mai.(W. T. B.) Von maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß zwischen dem Dreiverband und der griechischen Regierung kein Uebereinkoniinen bezüglich eines Heraustretens Griechenlands aus der Neutralität zugunsten dieser Mächtegruppe erzielt worden ist. da diese Mächtegruppe nicht die erwünschten Garantien zu geben imstande war" Aus dieser Tatsache ergibt sich ein ferneres Beibehalten der Neutralität GriecheulaiidS._ Zum Konflikt im englischen Sergbau. In dem Streit zwischen den Bergwerksbesitzern und dem. bri- tischen Bergardeitervervandc, welcher dem Premierminister zur Bermittelung unterbreitet wurde, entschied dieser, daß die Berg. arbcitcr eine Lohnerhöhung auf Grund der besonderen Umstände, welche sich aus jsent Kriege ergeben haben, erhalten sollen. Tic Festsetzung der Höbe dieser Zulage soll durch Bezirksvermittelungs ausschüsse und in Ucbcreinstimmung mit den örtlichen Verhältnissen erfolgen. Man kann im Augcnvllck nicht sagen, bemerlt hierzu ein Sonderberichterstatter der„Morning Post" vom 7. Mai, ob diese Entscheidung die Schwierigkeiten beseitigen wird. Der Ausspruch des Premierministers schafft eine neue Lage, in welcher Keime für weiteres Unheil enthalten sind. Tie Arbeiter verlangten 20 Proz. Lohnerhöhung, während die Bcrgwertsvesitzcc 10 Proz. dewilligen wollten. Ich übcrtreive nicht im geringsten die Tatsachen, wenn ich erkläre, daß die Weigerung Asquiths, eine endgültige Lohn- erhöhung für das Land als ganzes festzusetzen, eine große Enttäuschung für den Bergarveiterverband von Großbritannien be- deutet. Nach Ansicht der Führer, mit welchen ich gesprochen habe. entscheidet der Minister nicht die ihm unterbreitete Frage, und die ganze Sache muß nochmals erwogen werden, bevor die Ar- beiter schlüssig werden, ob sie den �chiedssprucb annehmen oder ablehnen. Es wird morgen eine Sonderversammlung des Natio- ualausschusscs hierüber beraten. In dieser Versammlung wird sicher ein Teil die Ergreifung äußerster Maßnahmen verfechten. In der Versammlung der vorigen Woche drohte der Präsident, Smillie, daß keine Macht die Bergarbeiter zur Arbeit zwingen könnte, wenn sie dächten, daß sie nicht gerecht behandelt würden, und es ist zu befürchten, daß sein Einfluß beute nicht auf feiten einer friedlichen Annahme der Entscheidung des Premierministers zu finden sein wird. Eine Soliderversammlung des Vollziehung!-. rat es des Southwales-Bergarbeiterverbandes ist für heute einberufen, und auch die Vollziehungsausschüsse anderer Organisationen treffen ähnliche Maßnahmen. Man kann nur hoffen, daß die Arbeiterführer die Lage, so wie sie ist, annehmen und av- warten, was auf dem Wege örtlicher Verhandlungen getan werden kann. Aber man dient keineni guten Zwecke, wenn man die Tatsachen verheimlicht, daß die Lage den Frieden der Kohlcnindustric Englands schwer bedroht. politische Ueberftcht. Krieg und Teuerung. Gegen den Lebensimttelwucher beruft die sozial- demokratische Partei Sachsens zu Sonnabend, den 15. und Sonntag, den 16. Mai, zahlreiche öffentliche Ver- sammlungen ein._ Ein Spionageprozest In dem Spionageprozetz vor dem Reichsgericht wurde am Mittwochnachmittag das Urteil verkündet. Der Angeklagte. Gutspächter Alfons Hurlin, wurde wegen Ausspähens müi- tärischer Geheimnisse in fortgesetzter HanlDtung zu fünf Jahre v Zuchthaus, 5000 M. Geldstrafe, zehn Jahren Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Acht Monate der Untersuchungshaft wurden aus die Strafe angerechnet. Der Angeklagte war Agent des französischen«pionagebureaus: er hatte versucht, einen Musketier, der aus sein Landgut kam, nach geheimen Gegenständen auszufragen. Ferner halte er sich die Kenntnis verschiedener geheimer Gegenstände verschafft, um sie nach Frankreich zu verraten, insbesondere eine Kriegsbeorderung betreffend eine Telephonzentrale und eine Kabelleitung. Lette Nachrichten. DaS englische Linienschiff„Goliath" in den Dardanellen torpediert. Nichtamtlich. London, 1Z. Mai.(38. T. B.) Unter- haus. Churchill machte die Mitteilung, daß das Linien- schiff„Goliath" in den Dardanellen torpediert wurde und man den Verlust von 500 Menschenleben befürchtet. Mus Groß'öerlin. Wahret öie Treue. Dieser Tage starb iin Alte-Leute-Heim in Bucb ein Mann, der als ein Muster der Treue gellen kann. Ter Mann war lange Jalire arbeitsunfäbig, hatte aber bis zum letzten Atemzuge seiner Organisation die Treue bewahrt. Von seinen 67 Jahren hat er st6 Jahre seiner Gewerkschaftsorganisation angehört. Im Jahre 1869 half er mit Berufskollegen seine Gewerkschaftsorganisation— den Verband der Handschuh- macher, der später in den Lederarbeiterverband aufging— gründen, und seit dieser Zeit hat der Verstorbene ununter- Krochen seiner Gewerkschaft angehört. Nicht bloß als zahlen- des, sondern auch als ein sehr tätiges Mitglied hat er seine Organisation gefördert. Durch alle Stürme, die der Verband zu überstehen hatte, half er seine Organisation mit hindurch- führen: alle Krisen versuchte er mit zu überwinden. Nichts konnte ihn in seiner Treue wankend machen. Und diese Treue, die schon Schiller in seiner Bürgschaft besungen hat, sie ist es, die uns groß und stark macht; sie ist es, die aus der Soli- darität der Arbeiterklasse groß und beispielgebend heraus- wächst. Sie geht weit hinaus über die Freundestreue: die Treue zur Sache, und sie zeigt sich am größten und schönsten in Zeiten, wie wir sie jetzt durchleben. Da zeigt sich, wer echte Treue zu wahren weiß. Die Treue zeigt sich in der Liebe zur gewerkschaftlichen Organisation. Sie wird nicht irre, wenn dies oder jenes in der Gewerkschaftsorganisation nicht so geht, wie sich manches Mitglied das vorgestellt hat. Sie weicht nicht, wenn angesichts großer finanzieller Anforderungen manche Ansprüche nicht so erfüllt werden können, wie das beabsichtigt war, oder wenn die Organisation unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht so arbeiten kann, wie sie es gern möchte. Das gleiche gilt für die konsumgenossenschaftliche Orga- nisation. Man bleibt treu, auch wenn in diesem oder jenem Falle manches nicht nach Wunsch geht. Nicht minder gilt das hier Gesagte für unsere Partei. Sie ist erwachsen auf dem Boden der heutigen Produktions- weise, hat ihre Wurzeln in den heutigen Verhältnissen. Da spielt eine Abstinimung über eine bestimmte Frage nur eine verhältnismäßig sekundäre Rolle. Der Sache gilt es! Das Wohlergehen der breiten Volksmassen ist das Entscheidende. Das ist das Ziel der Partei! Jeder einzelne ist an diesem Ziel interessiert. Ihm näher zu kommen, ist die Organisation berufen. Und wenn die jüngeren Genossen hier Lücken lassen, müssen die älteren Genossen wieder vor, müssen sich in Reih und Glied stellen, müssen an dem Wohl der Volksgenossen tätigen Anteil nehmen, müssen ihre Treue beweisen. Mehr wie je ist die heutige Zeit geeignet, wahre Treue zu unseren hohen Idealen zu bekunden. Die sozialistischen Ideale er- weisen sich gerade in der Kriegszeit als diejenigen, die alle Stürme überdauern. Und wahre Treue zeigt sich auch in der Liebe zum eigenen Blatt, das unabhängig von allen materiellen Interessen sich das Interesse der arbeitenden, mit der Not der Zeit ringenden Arbeiterschaft angelegen sein läßt. � Die durch die Arbeiterorganisationen großgezogene Soli- darität hat in der Kriegszeit wahre Wunder vollbracht. Ihnen hat die Allgemeinheit viel, sehr viel zu danken. Ihnen die Treue zu bewahren, fest zu ihnen zu stehen, ist eine Aufgabe, wie sie schöner nicht gedacht werden kann. Besuchszeiten der Museen und Sehenswürdigkeiten. Durch viele Einziehungen von Museumsbeamten haben die Besuchszeiten in den Museen eingeschränkt werden müssen, es ist aber gelungen, die Besuche zu ermöglichen. Das Königliche Alte und Neue Museum, das Kaiser- F r i e d r i ch- M u s e u m, das Kunstgewerbemuseum, die Königliche Sa nimlung für deutsche Volks- künde und die Nationalgalerie mit der Bildnis- s a m m l u n g in der alten Bauakademie sowie das Museum für Völkerkunde sind vorläufig Sonntags nur von Vz12 bis 3 Uhr, in der Woche, außer am Montag, die Nationalgalerie außer am Donnerstag, das Museum für Völkerkunde außer am Dienstag, von 16 bis 3 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Das Kaiser-Fricdrich-Museum und die Nationalgalerie haben jetzt an allen Besuchstagen freien Eintritt. Die Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums, Prinz- Albrecht-Straße 7a, ist bis auf weiteres von 10 bis 8 Uhr geöffnet. Am Pfingstmontag, bleiben alle königlichen Museen geschlossen. Das Zeughaus ist jetzt nur Sonntags von 12 bis 3, Montags bis Freitags von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Das Museum für Naturkunde, Invaliden- straße 13, ist nebst dem Mineralogischen und dem Geologischen Muse um Sonntags von 12 bis 4 Uhr, Montags, Mittwochs, Donnerstags und Sonnabends von 10 bis 2 Uhr zu besichtigen. Das M u s e u nr d e r l a n d>v i r t s ch a f t l i ch e n H o ch- schule, Jnvalidenstr. 42, ist Sonntags von 11 bis 3, Diens- tags und Freitags von 10 bis 3 Uhr zu besichtigen. Die Festsäle des Königlichen Schlosses werden Sonntags von Va12 bis>/z2 Uhr wie bisher, in der Woche jedoch nur noch Montags und Sonnabends von 10 bis 1 Uhr gegen ein Eintrittsgeld von 50 Pf. gezeigt, der K ö n i g l. Mar stall. Breitestr. 37. ist täglich von ll'/z bis l'/a zu besichtigen.(Eintritt 50 Pf.) Das Verkehrs- und Baumuseum. Invaliden- straße 50—51, ist von Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 3, Sonnabends von 2 bis 6, Sonntags von 11 bis 3 Uhr geöffnet. Das Meereskunde-Museum, das Märkische Museum sowie das Museum für Bergbau und Hütten lvesen, Jnvalidenstr. 44, sowie der Dom haben die Besuchszeiten trotz des Krieges noch nicht geändert, dagegen bleiben das R e i ch s p o st m u s e u m, die Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfayrt, Fraun- hoferstraße 11—12, das R e i ch st a g s g e b ä u d e. das Berliner Rathaus und das Stadthaus nebst der Stadthalle und dem Turm bis auf weiteres geschlossen. Der König l. Botanische Garten in Dahlem ist bis zum 15. Oktober Sonntags, Dienstags, Mittwochs. Donnerstags und Freitags von 2 bis 7 Uhr bei freiem Ein- tritt geöffnet, die Schau- und Gewächshäuser sind von 2 bis 6 Uhr zu besichtigen. Gegen Erlaubnisschein(4 Stück 30 bis 50 Pf., beim Pförtner erhältlich), kann der Garten von 7 bis 7 Uhr besucht werden, die Schauhäuser sind nur Montags bis Freitags von 10 bis 12 und von 1 bis 6 Uhr offen; Kinder unter 10 Jahren finden keinen Zutritt. Sonntags bis 2 Uhr sowie am zweiten Pfingstfeiertage bleibt der Garten ge- schlössen, am Pfingstsonntag ist er aber ebenfalls von 2— 7 Uhr geöffnet._ Tie Lage der Baugenossenschaft„Ideal". Die Baugenossenschaft„Ideal" hat die finanziellen Schwierig- leiten, welche infolge des Krieges eintraten, glücklich überwunden und kann der Zukunft ohne große Sorge entgegensehen unter der Voraussetzung, daß die Mitglieder der Genofienschaft die Treue be- wahren und in ihrem Vertrauen nicht wankend werden. Das ist der Kernpunkt des Halbjahrsberichts, den der Geschäftsführer Mücke am Dienstag in der Generalversammlung erstattete. Die Ausführungen Mllckes ergeben im allgemeinen folgendes Bild aus der gegen- wältigen Lage der Genossenschast. Mit dem Ausbruch des Krieges trat eine Stockung in der Zahlung der Mieten ein. Aengstliche Mitglieder hoben ihre Spar- gelder ab und stellten die Einzahlungen auf den Geschäftsanteil ein. Doch in dieser Hinsicht ist nach und nach eine Beruhigung ein- getreten. Wenn die Genossenschaft über die Schwierigkeiten, welche der Krieg mit sich brachte, hinweggekommen ist, so dankt sie das in erster Linie den Gönnern, die schon vor dem Kriege das gemeinnützige Werk der Genossen- schaft unterstützt haben.— Die rückständigen Mieten hatten in den Monaten Oktober und November einen höheren Betrag er- reicht als jetzt. Die Verminderung der Rückstände ist auf die von den Gemeinden Neukölln und Britz gezahlten Mietsunterstützungen zurückzuführen. Immerhin sind noch 19—20 000 M. Mieten rückständig, denn von den S60 Mietern stehen 174 im Felde, und die von den Gemeinden gewährten Mietsunterstützungen machen doch nur einen kleinen Teil des tatsäSlichen. Mietssatzes aus. Bon den Spargeldcrn wurden- im. ersten Quartal dieses Jahres 11 000 Mark mehr abgehoben als eingezahlt, wahrend in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres 9000 M. mehr eingezahlt als ab- gehoben wurden. Die Fertigstellung der vor dem Kriege begonnenen Neubauten verzögerte sich durch den Krieg, so daß 10 Wohnungen für ein halbes Jahr unverwertet blieben. Schwilrigkeiten machte auch die Beschaffung einer zweiten Hypothek zu annehmbaren Be- dingungen. Aber es ist der Gcschäftsleitung gelungen, über alle diese Schwierigkeilen hinwegzukommen, da einer der Haupt- sächlichsten Gönner der Genossenschaft sür die nächste Zeit eine größere Summe in Aussicht gestellt hat. Zum Schluß sagte Mücke: Wenn auch die gegenwärtigen Schwierigkeiten jetzt glücklich überwunden sind, so müssen doch die Mitglieder nach Kräflen für die finanzielle Stärkung der Genossen- schaft sorgen. Wer in der Lage ist, Ersparnisse zu macheu, der soll sie nicht in fremden Kassen, sondern in der Sparkasse der Genossen- schaft oder in ihren Obligationen und Hausanteilscheinen anlegen. Auch in ihren Bekannlenkreisen sollten die Mitglieder diese Geld- anlage empfehlen. Je mehr die Genossenschaft mit eigenem Gelde arbeitet, desto sicherer wird sie ihr Ziel: den Minderbemittelten gute und-preiswerte Wohnungen zu beschaffen, erreichen können. kanten gestattet, die von den zuständigen Stellen bereits inv mittelbare Aufträge haben. Neue Herstellungs- und Liefe* rungsverträge für Militärtuche dürfen nur vom Beklei-dungs- Beschaffungsaint abgeschlossen werden. Beschlagnahmt sind sämtliche Vorräte von Militärmannschaststuchen in rohein. halbfertigem und fertigem Zustande, in grau, feldgrau und graugrün. Ausgenommen hiervon sind alle Mengen von Militärtuchen, für dre Lieferungsverträge mit den zuständigen Stellen bestehen, angefangene Vorröte und solche von einer bestimmten Breite. Zur Meldung verpflichtet sind alle Per- sonen, Behörden oder Gesellschaften, die Militärtucke für sich oder für andere in Besitz oder Gewahrsam haben oder sie er- zeugen oder verarbeiten._ Himmelfahrtswetter. Ein herrliches Frühlingswetter lockte gestern große Scharen festlich gekleideter Menschen aus der Großstadt ins Freie hinaus. Während sich sonst der Himmelfahrtstag, wie der Karfreitag ein beliebter Ausflugstag der Berliner, der Jahreszeit und dem Charak- ter des Mai entsprechend durch Regen und Kühle auszuzeichnen pflegt, stand gestern die lachende Sonne vom frühen Morgen bis Abend am wolkenlosen blauen Himmel. Schon frübzeetig suchten ganze Familien in Trupps von jungen Männern und Mädchen unter den Klängen der Zupfgeige und Volks- und Wanderliedern die Vororte in allen Richtungen der Großstadt auf, durchwanderten die Wälder und vergnügten sich auf den klaren und stillen Fluten der Gewässer. Die Sommerwirtschaften waren überall stark be- sucht, die Eisenbahnzüge namentlich bei der Rückfahrt in den Abend- stunden überfüllt. Ueberall wurde von den Städtern die Pracht der Baumblüte bewundert, die sich üppiger entwickelt hat als in den letzten Vorjahren. Einige Obstsorten haben allerdings schon ab- geblüht. Der Fruchtansatz ist überall sehr reich. Die„kalten Heiligen" find nun vorüber, ohne Schaden angerichtet zu babcn. Nur in der Nacht zum Mittwoch sank die Temperatur etwas unter Null. Aber nur an den jüngsten zarten Trieben der empfindlichen Walnutzbäume merkt man diese Nacht. In den übrigen Nächten blieb die Quecksilbersäule über Null. Herstellung und Beschlagnahme für Militärtuche. Das Oberkommando in den Marken erläßt eine am 15. Mai mittags 12 Uhr in Kraft tretende Bekanntmachung betreffend Herstellungsvcrbot. Beschlagnahme und Bestands- erhebung für Militärtuche. Danach ist die Herstellung von Militärtuchen nach dem 15. Mai verboten. Ausnahmen sind nur auf Grund alter Lieferungsverträge und solchen Fabri- Ein gefährlicher Kinderfreund. Ein gefährlicher Kinderfreund wurde im Kleistpark unschabtich gemacht. Ter schon 64 Jahre alte, wegen Verbrechens an Kindern schon mit Zuchthaus bestrafte Gärtner Ewald Rottscheidt lockte Kinder an sich und verschleppte sie auf benachbarte Hausflure. In der letzten Zeit trieb er sich viel im Kleistpark umher. Vor- gestern mittag fiel er dort einem Schutzmann auf. Dem Beamten erschien sein Gebaren mit den Kindern, die dort spielten, verdächtig. Er beobachtete ihn und nahm ihn fest, als er ein kleines Mädchen in dichtes Gebüsch des Parks lockte. Der alte Sünder legte ohne weiteres ein Geständnis ab und wurde dem Untersuchuugsrichicr vorgeführt._ Arbeiterbitdungsschule. Der Vortragskursus des Ge* nossen Eduard Bernstein wird nicht am Freitag, den 14. Mai, sondern erst a m Donnerstag, den 20. Mai, fortgesetzt._ Kleine Nachrichten. Beim Spielen übersahen und getötet wurde vorgestern nachmittag der acht Jahre alte Sohn Werner des Hausverwalters Dreger ans der Schliemanm'tr. 28. Der Knabe wurde von einer Kraftdroschke so schwer verletzt, daß er schon auf dem Wege nach der nächsten Hilfswache starb.— Das Spielen auf dem Treppengeländer bat wieder einmal unheilvolle Folgen gehabt. Ter 15 Jahre alte Hausdiener Richard Breitzke, der.b?i seinen Eltern in der Juliusstr. 7 zu Neukölln wohnte und in einem Geschäft in dem Hause Jerusalemer Str. 03/64 tätig war, rutschte dort, um sich den Weg abzukürzen, nach Knabenart spielend, auf dem Geländer der Wendeltreppe hinab. Leute im Hause börten plötzlich einen dumpfen Fall. Als sie nach der Ursache sahen, fanden sie den jungen Breitzke regungslos unten im Treppenschacht liegen. Man brachte den Verunglückten nach der Rettungswache in der Kronensiraße. wo aber der Arzt nur noch seinen Tod feststellen konnte- Vormittag erst hatte der Verunglückte seinen Vater, einen Handelsmann, der als Landsturmmann eingezogen und auf dem Wog von einem Kriegsschauplatz nach dem anderen mit der Eisen- bahn durch Berlin kam, mit der Mutter zusammen auf dem Bahn- Hof begrüßt._ Kindcrveranftaltungen in Neukölln. Sonntag, den 16. Mai: Bormittagsspielpartie in den Plänterwald. Abmarsch 8 Uhr vom Wildenbruchplatz(Elsensteg). Mittwoch, den 19. Mai: Spiclausflug nach Treptow. Abmarsch 2 Uhr nachmittags vom Wildenbruchplatz(Elsensteg). Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 10. Ma:, vormittags 9 Uhr. Pappel-Allee 15/17; Neukölln...Jdealpafiage"; Tegel. Bahn- Hofstraße 15, und Obcrfchöneweide, Klarasrr. 2: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr. Kleine Frankfurter Str. 0: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:„Schillers Bedeutung für die Gegen- wart."— Damen und Herren als Gäste willkommen. Wctteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Sonn- abend mittag. Etwas kühler, überwiegend bewölkt. Strichweise Gewitter und an den meisten Orten Regenfälle. Dazwischen zeit- weise aufklärend. l. il. 5. ßerl. fiBichstogswalilkrels. Am Montag, den 10. Mai, ver- starä plötzlich unser Genosse, der Gastwirt IBrni! Jost Kaiser-Wilhelmslr. 33, in. Abteilung. Eime seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Frei-! tag. den 14. Mai, nachmittags j 3 Uhr, im Krematorium Gericht-' straße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht| Der Borstand. c/jy&C/iJ-e/ir'— SozialdefflokralischerWahlverein f. i 6. Herl. Reietisiagswalilkreis. Am Dienstag, den 11. Mai, starb der Genosse Paul Butkunz Adolsstraße 8(20. Abteilung). Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Mai, nach. mittags 3 Ubr, van der Leichen- hall- des Städtischen Friedhofes. Secstraße, Ecke Müllerslrafic, aus statt.- Am Dienstag, den 11. Mai, starb die Geiwssin Berta Piscker Hennigsdorser Straße 27(20. Abt.). Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Mai, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhoses, Seestraße, Ecke Müllerste., aus statt. Rege Beteiligung a» beiden Beerdigungen erwartet ovi- Vvrstsack. Hierdurch die traurige Nachricht. daß meine liebe Frau, Mutter mid Großmutter Berta Piscker nach schwerem Leiden am 11. Mai gestorben ist. Dies zeigt tie beirübt an «loimunes Fischer, Kinder und Enkelkinder. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 13. Mai 1313, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Städtstchen Friedhofs, See« straße, Ecke Müllerstraxe, aus statt. _ einer I-eibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Jläßanfertigung sowie Bruchbandagen Art1 Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, ßandagist Berlin N., Lotlirlnger Str. 60. Lieferant kür Krankenkassen. Feldbrief-Mappe enthaltend 5 vorschriftsmäßig bedruckte Feldpost-Briefumschläge nebst Briefbogen, 5 vorschriftsmäßig bedruckte Postkarten Preis 10 Pf. 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