Ar. 143.-32. Jahrg. fibonncmentS'Redlngungen! ■Sonncmcntä■ VreiZ pränumeronbit BictleljäbtL 330 5RL, monaiL L10 Ml, wöchemlich 2S Big. frei inj Hau!. Einzelne Kummer ö Big.©orattag!» nummet mil iHuftricrter Sonntag!- Beilage.Die Neue Welt* 10 W«. Post- Nbonnernent! 1.10 Mari pro Monat. Eingelragen in die Bost- Zeitung!- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn L.SO Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Bostabonnernent! nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Bormgah vuuiänieii, Schweden und die Schweis CflAcint tlgndi. Verlinev Volktsbl�kk. f 5 Pfennig) Die Tnicrtions-Gcbüftr MtSgl für die sechsgespaltene Slolonel- geile oder deren Kaum 60 Psg., für politische und gewerkschaitliche Vereins- und Verininmlungs-Anzoigen 30 Big. „Kleine Mnrcigcn", das fettgedruchte Wort 20 Psg. lzulässig Liettgedruckte Worte), jedes weiiere Wort 10' Big. Stellengesuche und GchlaiNellenan. zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Worts Big. Worte über ISVuch. fiben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müffen bis Uhr nachmittag! in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geofstiet, Telegramm-Adresse: „Snialdctuolirat Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Reüaktion: EW. HS, Ltnöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morichplatz. Nr. IS» 90— IS» 97. Freitag, den 28. Mai 1913. (Expedition: EW. 6$, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IM VO— 15» 37. Anleitende Kämpfe Im trentino. Die Meldung des GroHe« Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 27. Mai ISIS.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ungeachtet ihres gänzlichen Mißerfolges vom 2S. Mai erneuerten die Franzosen ihre Durch bruchs versuche zwischen Bermelles und der Lorettohöhe. Sehr starke Kräfte wurden auf dem schmalen Raum von zehn Kilo- meter zum Sturm angesetzt, die Angreifer aber überall zurückgeworfen. Wir sind im vollen Besitz unserer Stellungen. Eine ungemein große Zahl französischer Gefallener liegt vor den deutschen Gräben. Ein weiterer französischer Angriff richtete sich am späten Abend gegen die Linie Souchez— Neuville. Hier ist dicht südlich Souchez der Kampf noch nicht völlig abgeschloffen. Beim Friedhof von Neuville schanzten Franzosen auf- rechtstehend, indem sie zur Deckung in vorhergegangenen Kämpfen gefangene Deutsche verwendeten. Bei einer Erkundung nördlich Dixmuden nahmen wir einen Offizier und 2S Belgier gefangen. Kleinere feindliche Vorstöße bei Soissons und im Priesterwalde wurden abgewiesen. Ein Luftaugriff wurde mit Erfolg auf die Befestigungen von South end au der untere« Themse gemacht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Sowohl nordöstlich Przemysl als auch in der Gegend von Stryj schritt der Augriff unserer Truppen rüstig vorwärts. Die Beute und seine sonstigen Ergebnisse si»»d noch nicht zu übersehen. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wie», 27. Mai.(W. T. B.) Amtlich wird per- lautbart: 27. Mai 1915, mittags. Nordöstlicher Kriegsschauplatz. Im Räume um Przemysl dringen die verbündeten Armeen in erbitterten Kämpfen weiter vor. Oestlich R a- d y m» e eroberten Truppen unseres sechsten Korps den von den Rüsten hartnäckig verteidigten Ort Nienowice und die Höhe Horodysko im Sturm, machten neuerdings über zwei- tausend Gefangene und erbeuteten sechs Geschütze. Südöstlich Przemysl gelang es den verbündete« Truppen, in der Gegend bei Hussakow in die feindliche Haupt- Verteidigungsstellung einzudringen und die Russen zurückzuwerfen. Zweitausendachthundert Mann wurden ge- saugen, elf Maschinengewehre erobert. Die Kämpfe dauern fort. Gleichzeitig haben gestcr« unsere und deutsche Truppen der Armee Linsingen südöstlich D r o- h o b y c z und bei Stryj nach schweren Kämpfen die be- festigte feindliche Frontlinie durchbrochen und die Russen zum Rückzug gezwungen. Der Angriff wird auch hier fortgesetzt. An der P r u t h l i n i e und in Russisch-Polen ist die Situation unverändert. Südwestlicher Kriegsschauplatz. In Tirol begann der Feind an einzelnen Punkten s ü d- östlich Trient unsere Grenzwerte mit schwerer Artillerie zu beschießen. Bei Caprile im Gordcvole-Tal wurden zwei italienische Kompagnien durch Maschincngewehrfeuer vernichtet. An der kärntueri scheu Grenze nur erfolgloses feind- liches Artilleriefeuer. Im Küstenlande haben die Italiener an mehreren Stellen die Grenze überschritte». Feindliche Ab- teilungen, die bis an unsere Stellungen vorgedrungen find, wurden zurückgeworfen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleutnaat. welcher den Eingang An der sriaulischen der mittlere Jsonzo bei Caporetto dauern der italienische Krieg. Der italienische Generalstabsbericht. Die italienische Heeresleitung meldet unter dem 26. Mai amtlich: Unsere Truppen ergriffen überall die Offensive, besetzten folgende Punkte: Forcella di Montozzo, Tonale, Ponte Caffaro in den judikarischen Alpen: Gelände nördlich von Ferrara am Monte Baldo, Monte Conuz, Monte Foppiano: auf dem Nordabhang der t e s s i n i s ch e n A l p e n; Passubio, Monte Taffolan und andere Orte des B r e n t a- t a l s. Einige Gefangene wurden gemacht. Im Cadore wur- den alle Grenzpässe besetzt. Mittlere feindliche Artillerie er- öffnete erfolglos das Feuer auf die M r s u r i n a- H o ch- ebene. In den Kärntner Alpen wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai durch einen Bajonett angriff der Paß Pal Inferno, zum Dal Degano bildet, erobert. Grenze wurde am 25. Mai genommen, die Angriffsoperationen erfolgreich an, und die zwischen Jsonzo und Jndrio eroberten Höhen zur Verteidigung eingerichtet. Mittlere österreichische Artillerie eröffnete von Santa Maria und Santa Lucia, süd- westlich� von Tolmein, Feuer gegen die Höhen zwischen JndrioundJsonzo, aber erfolglos. Am unteren?isonzo dauern gleichfalls die Angriffsoperotionen an, um diese Fluß- linie zu gewinnen. Ueberall zieht sich der Feind zurück, Brücken zerstörend und Unterbrechungen hervorrufend. Unsere Flieger befchollen das Elektrizitätswerk und die Bahnstation von Monfalcone. gez. C a d o r n a. Italien blockiert üie dalmatinische Küste. Rom, 27. Mai.(SB, T. 93.) Meldung der Agenzia Stefani. Ta die italienische Regierung der Ansicht ist, daß einige Häfen der albanischen Küste Oesterreich-Ungarn zur heimlichen Verprovian- ticrung seiner kleinen Schiffseinhciten dienen, erklärte sie am 26. Mai den B l o ck a d e z u st a n d über 1. die österreichisch- ungarische Küste von der Grenze im Norden bis zur montenegrinischen Grenze im Süden einschließlich aller Inseln/ Häfen und Buchten: 2. die albanische Küste �von der montenegrinischen Küste im Norden bis zum Kap Kephali einschließlich im Süden. Die Er- klätung bezeichnet die geographischen Blockadegrenzen in ihrer Länge und Breite und fügt hinzu, daß die Schiffe befreundeter und neu- traler Mächte eine vom Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte fest- gesetzte Frist haben, um frei aus der Blockadezone zufahren. Gegen Schiffe, welche die Sperrlinie Kap Otronto— Kap Kephali zu durch- fahren versuchen oder durchfahren, wird gemäß den Regeln des internationalen Rechte» und der bestehenden Verträge verfahren werden. Gegen acht Zeinöe! Von R i ch a r d E ä d k c. Inwieweit sich die europäische Kriegslage durch den Eintritt Italiens in den Kampf ändern wird, läßt sich noch nicht übersehen. Die' Vollendung' der italienischen Mobilmachung'wird wohl noch einige Zeit in Änspruch nehmen; wir.haben im übrigen vernoorwen, daß die Lossagung Italiens vom Dreibund feine bisherigen Vc.r- bündeten nicht' unvorbereitet trifft. Ob Italien feine ganze Macht, die im Beginn des Krieges auf ein Feldheer von nicht viel über 800 000 Mann zu schätzen sein' wird, gegen die Nordostgrenze zum Angriff vorführen wird, müffen wir abwarten. Nach Zeitungs- Nachrichten soll es sich verpflichtet haben, 300 000 Mann in die Champagne und 150 000 Mann gegen die Dardanellen zu cut- senden. Letzteres wäre nicht ganz unwahrscheinlich. Dem Vier- bund muß daran liegen, an jener Stelle aus der blamablen Lage herauszukommen, in die ihn Mister Churchills dilettäntenhaftcr Leichtsinn gestürzt. Noch heute kleben seine zusämmengerafftcn Streitkräfte an zwei engen Nestern auf der Halbinsel Gallipoli und holten sich doxt nur unter schweren Verlusten und unter dem un- mittelbarsten Schutze der schweren Schiffsgeschütze. Daß 150 000 Italiener hier ein großes Gewicht in die Wagschalc legen würden, ist ohne weiteres klar, wobei es dahingestellt bleiben mag, ob man sie auf die enge Halbinsel selbst werfen würde, die großen Truppen- mästen wenig Raum zur Entwickelung bieten und ihre Ernährung schwierig gestallen würde. Man kann sich auch denken, daß sie an der as i a ti s che n Küste beu gänzlich gescheiterten Versuch der Franzosen unter d'Sttnadc erneuern oder nördlich Gallipoli an der thrakischen Küste die/Landung unternehmen könnten. In jedem Fall werden sie mit der 1. türkischen Armee unter Goltz Pascha rechnen müssen, die noch gär nicht in Tätigkeit- getreten ist und-cr- heblich stärker' fein soll als die'S. Armee unter Liman Pascha: Daß die Italiener gleichzeitig eine Armee zur unmittelbaren Unterstützung der neuen Freunde im Westen abgeben sollten, möchte ich zunächst' bezlpcifeln. Ihre?lufgabc im Nordosten gegen Tirol und die Grafschaft Görz nebst Triest ist eine keineswegs leichte, die österreichische Gebirgsgrenze in jenen Gegenden ist seit Iahren in guten Verteidigung�.'' istand gesetzt. Natürlich werden die italie- Nischen Pläne auch abhängen von den Nachrichten, die ihrer Heeres- leitung über die' dort verfügbaren deutschen und österreichisch-uuga- rischen' Streitkräfte zugegangen sind. Die Grenzplänkeleien, die jetzt an der Tiroler Grenze' im Gange sind, wollen übrigens noch nicht bedeuten, daß entscheidende Kämpfe oder stärkere Angriffe seitens des einen oder anderen der Gegner bereits in den nächsten Tagen zu erwarten sind. Trotz aller Vorbereitungen werden die italienischen Bahnen die Versammlung großer. Massen nicht im Handumdrehen ermöglichen. Ob das Lorgehen der italienischen Heere gegen Nordosten das Signal sein wird, durch daS auch die Serben zu einem Ein- bruchsversuch nach Ungarn oder. nach.Kroatien hinein veranlaßt werden, wird von dem moralischen Und' materiellen Zustande av- hängen, in dem sich das serbische Heer zurzeit befindet und zugleich von dem Gefühl der Sicherheit, das es für seinen Rücken gegen Bulgarien und gegen makedonische Aufstandsversuche haben darf. Militärisch auffallend ist es, daß auf diesem KriegSthcater die Feindseligkeiten im großen ganzen seit langen Monaten so ziemlich eingestellt gewesen sind. Im Südosten war die am 2. Mai begonnene Offensive der Zentralmächte einige Zeit hindurch am San zum Kurztreten gc- zwungen gewesen. Sie hatte den Höhepunkt ihrer Erfolge errungen, als sie nach einer siegreichen Verfolgung von 130 Kilometern in den Tagen des 16., 17., 18. Mai sich in erbitterten Kämpfen den Ueber- gang über den unteren San um Jaroslau und nördlich bis Sieniawa erkämpfte, während gleichzeitig die Festung Przemysl von Westen und Südwesten her berannt wurde und andere Heeres- teile in dem Räume zwischen San und mittleren Dnjcstr vor- drangen. Inzwischen gelangten auch die Karpathenheere unter starken Gefechten von Süden her in die Nähe des Dnjestr-Ab- schnittes. Dann aber war augenscheinlich die Neugruppierung des erst teilweise geschlagenen russischen Heeres beendet, Vorstärkungen von weniger bedrohten Teilen waren herangeholt, Ersatz von rückwärts- her eingetroffen. Nachdem der linke russische Flügel schon in der ersten Maihälfte den unteren Dnjestr überschritten und sich bis zum Pruth vorgearbeitet hatte, gingen nunmehr auch Mitte und rechter Flügel in Galizien vom 19. Mai an zu entschlossenen Gegenstößen vor. Den brutalen Schneid der russischen Heerftihrung, die ohne jede Rücksicht ans die schon erlittenen furchtbaren Verluste ihre Massen immer und immer wieder zu verzweifelten Angriffen vor- wärtstreibt, wird man rückhaltslos anerkennen müssen, wenn man auch den Gefechtswert der Truppen und die taktische Geschicklich- keit der unteren Führung nicht allzuhoch einschätzt. Die Angriffe deschränkten sich nicht nur auf die über den San vorgedrungenen verbündeten Truppen, sondern fanden auch noch w e st l i ch des San, in dem Räume zwischen Rudnik und dem Weichsel-Brückenkopfe Sandomir, statt. Nach russischen Angaben sogar mit teilweisen ort- lichen Erfolgen! Es war klar, daß die deutsche Offensive sich eine gewisse Ruhe- pause gönnen mußte, che sie zu neuem Schlage ausholte. Die Heranführung der Verpflegung in diesem ausgesogenen Lande macht die größten Schwierigkeiten; und wenn man selbst um des höheren Zweckes willen seinen Truppen Entbehrungen auferlegt, so gibt es doch eine bestimmte Grenze dafür, soll die Leistungsfähigkeit von Mann und Roß und die Schlagfertigkeit der Truppe nicht rapide sinken. An der ungeregelten Verpflegung allein ist Napo- leonS Einbruch in Rußland im Jahre 1812 gescheitert. Ebenso wichtig ist die dauernde Versorgung mit Munition und vor allen Dingen die Nachführung der schweren Geschütze, die einem rasch verfolgenden Heere nicht im gleichen Marschtempo nachfolgen können. So meldet das Große Hauptquartier dann über den 20., 21., 22. und 23. Mai, daß die Lage unverändert sei,- während die russische Heeresleitung gleichzeitig von zahlreichen Angriffen ihrer eigenen Truppen zu berichten wußte. Das heißt: die Rollen waren in diesen Tagen getauscht, der Angreifer zeitweise zum Verteidiger geworden. Mau hat diese Zeit wohl auch benutzt, um die natürlich großen Gefechts- und Marschvcrlujte einigermaßen auszugleichen und den Gegner lieber in das eigene verheerende Feuer hinein- laufen zu lassen. Dann aber, nachdem wohl auch auf seilen der Verbündeten eine Ncugruppicrung der Streitkräfte vorgenommen war— man hört von einer bis dahin unbekannten Armee Puhallo—, gingen sie von neuem zum Angriff in ihrer Mitte vor. Die zwischen Przemysl und Jaroslau w e st l i ch des San verbliebenen russischen Massen wurden am 21. Mai angegriffen, auf und über den Fluß zurück- geworfen und schließlich auch auf das Ostufer verfolgt. Gleichzeitig gingen zwei österreichische Armeen in dem Räume zwischen San und Dnjcstr, südöstlich Przcnihsl, erfolgreich vor. ES scheint, als sei damit die Verteidigung der Sanlinic durch die Russen endgültig durchbrochen, und man wird abwarten müssen, ob sie sich westlich Lemberg noch zu erneutem Widerstände setzen tvcrdcn. Allerdings haben die modernen Volkshcerc eine außerordentliche Widerstandskraft; an ihre„Zertrümmerung" ist kaum zu denken. Sic sterben schließlich wohl nur am langsamen Erschöpfungstode der Blutarmut und am moralischen Hungertodc. Wcr's am längsten aushält, ist der Sieger. Begünstigt wurde der längere Widerstand der Russen dadurch, daß sie den Wcichsel-Brückenkopf Sandomir behaupteten und auch im südlichen Polen zn erneuten Angriffen mit verstärkten Kräften vorbrachen. Seit einer Reihe von Tagen wird, bisher ohne cnt- scheidendes Ergebnis, in dem Berglande von K i e l ce gekämpft. Die deutsche Offensive, die in den letzten Apriltagen über- raschend und im Sturmschritt gegen Nordlitauen und Kur- l a n d eingeleitet wurde, hat gleichfalls ihr anfängliches Tempo nicht einhalten können. Am 8. Mai wichen ihre Vortruppen südwestlich Mitau vor starken feindlichen Kräften aus, und vom 11. Mai an entspinnen sich Gefechte an dem Flußlaufe der Dubissa von Schaulen lSchawlei an bis zu ihrer Einmündung in den Njemen bei Srcdniki lllK) Kilometer). Die Stadt Schaulen selbst war vom 22. Mai in den Händen der Russen, die am Tage vorher westlich der Stadt geschlagen wurden und 1600 Gefangene zurückließen. Am Mittel- und am Unterlaufe der Dubissa haben zahlreiche Gc- fechte teils westlich, teils östlich des Flusses stattgefunden, die eine durchgreifende Entscheidung noch nicht gebracht haben. Auf dem westlichen Kriegsschauplätze ist die gesamte Kriegs- läge im wesentlichen noch immer so, wie sie sich Ende Oktober 1914 gestaltet hatte; noch immer stehen sich die beiden Gegner in stark ausgebauten, festungsähnlichen Stellungen auf nächste Nähe uner- schüttert gegenüber. Alle die großen Schlachten vom Januar an, alle die unaufhörlichen Kleinkämpfe, alle die Verluste haben nichts daran geändert, das Gleichgewicht der Kräfte nicht verschoben.:Ob einmal dieser, einmal jener einen kleinen Raumgewinn zu per- zeichnen hat, ist für die Lage im allgemeinen unerheblich geblieben. Nun muß man allerdings darauf hinweisen, daß die deutschen Heere sich insoweit in der vorteilhafteren Verfassung befinden, als sie— mit einer winzigen Ausnahme im Obcrelsatz— den Krieg durchaus in Feindesland führen und etwa tausend Ouadratmeilen belgischen und französischen Bodens fest in der Hand haben. Um soviel ist auch die wirtschaftliche Lage des Gegners geschwächt, sind seine Hilfsmittel geschmälert worden. Es scheint also, als ob die deutsche Heeresleitung gar keine Veranlassung hätte, die für sie günstige Lage durch einen allgemeinen Angriff zu ändern, vielmehr den gegnerischen Angriff mit Ruhe abwarten könnte. Solange jedenfalls, bis auf anderen Kriegsschauplätzen für sie eine große, die Lage gründlich und dauernd ändernde Entscheidung eingetreten ist. vom vunajec zum San. Bon Hugo S ch u l z- W i c n. I. Zwischen den alten Fronten. 20. Mai 1913. In Bogumilowice, das nahe dem linken Dunajec-Ufer liegt, hieß es aussteigen. Bogumilowice war nämlich bis vor einer Woche für den galizischen Eisenbahnverkehr das, was einst die russische Grenzstation Podwoloczpska gewesen ist. Darüber hinaus ging es nicht, die geborstenen Steinpfeiler und die zerknickten Eiscnkonstruktionen der Dunajecbrücke geboten halt. Noch eine Woche früher hatten die Sprengladungen feindlicher Geschosse dieses Haltgebot wesentlich verstärkt, aber daS war nun vorbei. Feindliche Geschütze gab es weit und breit nicht mehr, sie waren weggeblasen und weggefegt- Da nun aber die Wiederherstellung zerstörter Schienenstränge bei aller Behändigkeit unserer tech- nischen Truppen erheblich langsamer vonstatten geht als ein russi- scher Rückzug, mußte sich das Kriegspressequartier bequemen, die Ruinen des zerschossenen Stationsgebäudes von Bogumilowice zum Ausgangspunkte seiner Erkundungsfahrten im Gebiete der großen Schlacht zu machen. Geplant war zunächst eine Bcsichti- gung des Schlachtfeldes am Dunajec unter Führung des Generals V. H., dann sollten kleine Gruppen gebildet werden, die sich auf verschiedenen Wegen womöglich bis an den San durchzuwinden hätten. Ich schloß mich, wie ich gleich hier bemerken will, der kleinen Gruppe an, die entschlossen war, aller Bequemlichkeit zu entsagen und dafür auch dank der besonders initiativen Leitung durch Major Z. udn Hauptmann G. den Erfolg einheimste, noch zeitgerccht zu den Kämpfen um die Sanübergänge bei Jaroslau zu kommen. Das Abstreifen der Dunajecfront, das den ersten Tag dieses Frontausfluges ausfüllte, gab uns eine tüchtige Marschleistung auf und als wir abends endlich Tarnow erreichten, hatten wir 30 Kilo- mctcr in den Gliedern. Dazu aber auch noch eine Zentnerlast von gewaltigen und erschütternden Eindrücken. Gegen 8 Uhr morgens brachen wir in Bogumilowice auf und wanderten zunächst den Dunajec aufwärts nach Süden. Der Weg ging entlang unseren früheren Stellungen, die wahre Wunderwerke der kriegsgeborenen Erdbautechnik sind. Ich habe dergleichen vorher weder auf dem nördlichen noch auf dem südlichen Kriegsschauplätze irgendwo ge- sehen. Diese Erdbauten sind nicht nur feste Bollwerke, sondern auch im hohen Grade wohnliche Unterkünfte. Das erschöpft aber ihre Charakteristik keineswegs, denn das auffälligste an ihnen ist nicht das zweckgercchtc, das sich ganz besonders in einer Fülle von gänzlich neuen fortifikatorischcn Einzelheiten ausspricht, sondern Zwangsweise Räumung von Trient. Innsbruck, 27. Mai.(?. U.) Wie die„Neue Tiroler Stimme" meldet, hat gestern die zwangsweise Räumung von Trient begonum und zwar wurden zuerst alle Bewohner der Pfarre Sankt Maria Maggiore und der Vorstadt Piedizastello, welche die vorgeschriebenen Bedingungen der Verproviantierung nicht erfüllt haben, entfernt. Heute werden die Bewohner der Dompfarre abtransportiert, morgen jene der Pfarre Sankt Pietro. Tagesbefehl öes Königs von Italien. Rom, 27. Mai.(W. T. B.) Der König von Italien hat folgende» Tagesbefehl erlassen: Soldaien zu Lande und zur See! Die. feierliche Stunde der Verwirklichung der nationalen Ansprüche hat geschlagen. Nach dem Vorbilde meines großen Vorfahren über- nehme ich heute den Oberbefehl über die Land- und Seestreükräite mit sichcrem Vertrauen auf den Sieg, den Eure Tüchtigkeit, Eure Opferfreudigkeit und Eure Disziplin zu erlangen wissen wird. Ter Feind, den zu bekämpfen Ihr Euch anschickt, ist kriegserprobt und Eurer würdig. Begünstigt vom Boden und kluge Kunstvorrichtungcn wird er Euch zähen Widerstand entgegensetzen. Aber Euer un- bezwungener Vorwärtsdrang wird ihn sicherlich zu überwinden vcr- mögen. Soldalcn! Euer wird der Ruhm sein, Italiens Trikolore an den heiligen Grenzen aufzupflanzen, die die Natur unserem Vaterlande gesetzt hat. Euer der Ruhm, endlich das Werk zu vollenden, welches unsere Väter mit so viel Heldenmut begannen. Großes Generalquartier, 24. Mai 1913. Viltor Emanuel. Pressepolemik in Italien. Rom, 27. Mai.(W. T. B.) Zwischen der besonnen gebliebenen Zeitung„Popolo Romano" und der nationalistischen„Jdea Nazionale" hat sich anläßlich des Verlangens der„Popolo Romano", die Regierung möge außer Sonninos doch auch San Giulianos diplomatisches Verhalten zu Beginn der europäischen Krisis durch die Veröffentlichung von Aktenstücken beleuchten, eine wütende Polemik entsponnen. In dieser sind von beiden Seiten Vorwürfe wegen Vaterlandsverrats und privater Unredlichkeit gefallen, auch nach dem Staatsanwalt ist gerufen worden.— Der steimauerische „Secolo" beschwert sich, daß die vatikanische Presse wenig über den italienischen Krieg spreche und die italienischen Bischöfe und Geist- lidven bei weitem nicht die von der Geistlichkeit anderer Völker zu Kriegsbeginn gezeigte nationale Begeisterung erkennen ließen. Die vatikanische Neutralität übe unzweifelhaft ungünstigen Einfluß aus, Die Schweiz als Schätzerin öer üeutschen Staatsangehörigen in Italien. Köln, 27. Mcn.(28. T. B.) Einige Schweizer Blätter haben Bedenken gegen die Zusage des von Deutschland erbetenen Schutzes der deutschen Staatsangehörigen in Italien geäußert und bemerkt, daß auch die schweizerische Regierung die Zusage nur nach einigem Zögern und erst dann erteilt habe, als die italienische Regierung auch den Schutz der italienischen Interessen in Deutschland nach- suchte. Dies ist, wie die„Kölnische Zeitung" von unterrichteter Seite erfährt, völlig unzutreffend. Die Schweiz übernahm, die ehrenvolle Mission ohne jedes Bedenken, wobei sie sich daran er- innert, daß Deutschland wiederholt in die Lage gekommen ist, schweizerische Interessen im Orient zu schützen. Deutschland war es, das im Jahre 1902 für die Wiederaufnahme der infolge des Silvrettahandels zwischen der Schweiz und Italien abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wesentlich beitrug. Die Zusage der Schweiz ist daher auch erfolgt, bevor Italien mit seinem Ersuchen an die Schweiz herangetreten ist. Dienstpfiicht naturalisierter Schweizer italienischer Herkunft. Basel, 27. Mai.(W. T. B.) Die Schweizerische Depeschen- Agentur bestätigt nach Erkundigungen im Bundeshause die Blätter- Meldung über die Dien st Pflicht derjenigen naturalisierten Schweizer italienischen Ursprungs, welche nicht ausdrücklich auf ihr italienisches Bürgerrecht verzichtet haben. Sie bemerkt, daß die diplomatischen Ver- Handlungen hierüber sich voraussichtlich sehr schwierig gestalten dürften, da bei der bestehenden Gesetzgebung eine befriedigende Lösung nicht leicht zu finden sei. das über den tragischen aber dabei nüchternen Zweck weit hinaus- reichende, fast möchte ich sagen künstle ri s ch e Element, das sich in ihnen darstellt. Der ganze gewaltige Kultnrunterschied, der zwischen hüben und drüben klafft, tat sich mir auf, als ich eine Weile später den Dunajec überschreitend die russischen Stellungen besichtigte. Auch die Russen hatten mehrere Monate Muße, ihre Erdbautcn auszugestalten, und an Langeweile, die solcher Tätig- keit den gesunden Antrieb gibt, wird es ihnen auch nicht gefehlt haben. Aber wie sehen ihre Verschanzungen und Unterstände aus, wenn man sie mit denen am linken Dunajecufer vergleicht! Was der Zweck erfordert ist wohl da: Eindeckungen. Traversen, Stütz- mauern, Balken und Bretterverkleidungen, stellenweise sogar ge- pflasterte Grabensohlen, aber wie verworren, wi� verwahrlost, wie schmutzig sieht das alles aus. Alles voll von Abfällen, von Fetzen und Lumpen, von schmierigem, zerfasertem Stroh, die Unterstände absolut unwohnlich, erfiillt von Gestank und Moder. Nicht nur an den Stellen, die durch den Kampf gelitten haben, sondern auch in den kaum berührten Stützpunkten, die kampflos aufgegeben werden mußten. Auf unserer Seite dagegen eine langgestreckte Zeile von fein und oft eigenartig gegliederten Erdwerken, die in ihrer Fülle von architektonischem Beiwerk, in ihrer peinlichen Sauberkeit und Ordnung, geradezu den Eindruck von Cottage- anlagen macheu. Allenthalben aufgelegte Rasenziegel, lauschige Nischen, die mit grünlichem Wcidengeflecht ausgekleioet sind, von den Truppen selbst erzeugte Korbstühlc und Bänke, allerlei Fassaden- schmuck, Gartenlauben aus gekrümmten Zlestcn, auf denen das junge Grün sproßt, Blumenbeete mit Stiefmütterchen bepflanzt, Glaskugeln und Terrakottafiguren. In der Stellung eines deutsch-böhmischen Landsturmbataillons fand sich eine„Villa Eigen- beim" und eine geradezu behaglich ausgestattete„Alte Jeschken- baude".(Anm. Der Jeschken erhebt sich bei Reichenberg zur Höhe von 1010 Meter.) Die in diesen Stellungen durch Monate hausten, hatten sich hierjnitteu im Kriege, der vor ihren streng und pflichttreu bewachten Schußlöchern lag, ein Reich des Friedens- traumes errichtet und als Kulturmenschen ihrem Arbeitstrieb die Zügel schießen lassen. Ganz besonders empfing ich diesen Ein- druck bei den Befestigungen einer deutschen Landwehrdivision. Nur die geschmückten und gepflegten Gräber ließen dort die bitter traurige Kehrseite erkennen— außer ihnen wohl auch noch der durchlöcherte Kirchturm einer im Hintergründe durch den lichten Auwald schimmerkideu Ortschaft. Sonst gab sich dort deutsche Slrbeitstüchtigkeit kund und dazu jene umsichtige Sorgsamkeit des deutschen Organisationstalents, die nicht vergißt und alles not- wendige in sinnfällige Formel zu bringen versteht. Da sah ich einen Anschlagzettel, worauf folgendes stand: Verluste der Türken im Jahre 1897: Tot 20 000 Mann gefallen 2000 Mann durch.Seuchen hingerafft 18 000 Mann. westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 27. Mai.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Die gestern vom Feinde im Gebiet von Angres und nördlich des L o r c t t o in a s s i V s erlittenen Schlappen hatten von seiner Seite einen äußerst heftigen Gegenangriff zur Folge. Am Abend und während der Nacht wurde eine wütende Schlacht geliefert. Wir behauvteten alle unsere Gewinne. Unsere Truppen bewiesen wundervollen Mut und Zähigkeit. Die'Deutschen unternahmen zuerst Gegenangriffe gegen daS von uns eroberte Schanzwcrk nördlich Angres und wiederholten ihre hartnäckigen Bemühungen immer wieder, um es zurückzuerobern. Trotz des außergewöhnlich heftigen Bombardements, welchem wir ausgesetzt waren, behielten wir die gesamte neue Stellung. Andererseits besetzten wir am Abend beinahe den ganzen Buvalgrund, wo wir nachmittags Fuß gefaßt hatten. Wir behaupteten uns dort unter heftigem Feuer. Gleichzeitig gewannen wir Gelände auf dem Nordweftkaimn der Lorettohöhe und nahmen einen Schützengraben am Rande von Souchez ein. Im Gebiete von S o i s s o n s und Reims ist ein ziem- lich heftiger Artilleriekampf eingeleitet. Auf der übrigen Front ist nichts gemeldet. Im Laufe des 23. Mai zeigten unsere Flugzeuge auf der ganzen Front eine sehr große Tätigkeit. Mehrere Bombardements gelangen ihnen. Sie warfen 203 Geschosse, darunter 82 große Bomben von 10 Kilo und 11 Geschosse von 13 Mo. Die Wirkung der Explosionen konnte an ver- schiedenen Stellen beobachtet werden, besonders am deutschen Flugpark Hervillh(südwestlich Roisei), wo Flugzeugschuppen und Apparate Feuer fingen, bei der deutschen Flugreservc in Granpricl(nordwestlich Saint Oucntin), wo ein Schuppen zerstört wurde, und am Bahnhof Saint Ouentin, wo ein Benzinlagcr getroffen wurde. Im Laufe der vorhergehenden Nacht wurden vier Geschosse in der Nähe des Güterbahnhofs abgeworfen und dort ein Brand festgestellt. Paris, 27. Mai.(W. T. B.) Der gestern abend ausgegebene Bericht besagt: Die englischen Truppen haben einen neuen Fortschritt in der Richtung auf La B a s s e e zu verzeichnen. Sic machten L0 Gefangene, darunter mehrere Offi- ziere, und erbeuteten Maschinengewehre. Nördlich von A r r a s setzten die Deutschen ihre Bemühungen fort, die im Gebiet vonAngres gestern verlorenen Stellungen wiederzunehmen. Der Kampf war den ganzen Tag über von äußerster Heftig- keit. Am Schanzwcrk von Eornailles brachte uns ein feind- licher Gegenangriff anfangs zum Zurückweichen, aber nach weniger als einer Stunde haben wir die ganze Stellung wiedererobert und sie seither auch gehalten. Am benachbarten Schanzwerk, weiter nach Süden, nahm der Feind nach hartnäckigen Angriffen einen Teil des nördlichen VorsprungS wieder ein; wir behaupteten den westlichen und nahmen einen Teil des südlichen Vorsprungs. Zivischen diesen beiden Schanzwerken und der Straße von Aixnoulettes nach Souchez kamen unsere Angriffe vorwärts und faßten an ver- schiedenen Punkten Fuß in der Linie des Feindes, dem es nicht gelang, auch nur einen der Schützengräben wieder zu besetzen, die wir gestern erobert hatten. Am Nordrande der Straße von Aixnoulettes nach Souchez fand in einem Gehölz ein lebhafter Kampf statt; die beiderseitigen Stellungen haben sich jedoch nicht geändert. Zwischen dieser Straße und dem Lorctto massiv, imBuvalgrundc, konnte heftiges feindliches Artilleriefeuer uns nicht aus den gestern eroberten Stellungen vertreiben. Wir gewannen erneut Gelände. Auf den Nordosthängen bei der Lorcttokapelle rückten wir trotz heftiger Beschießung 200 Meter vor. An den Rändern bei A b l a i n und St. Nazaire erbeuteten wir eine Rc< volverkanone. In Neuvillc-St. Vaast bemächtigten wir Ein zweiter Anschlagzettel daneben gebot folgendes: 1. Jedes Wasser in Galizien ist verseucht und darf nur ge- trunken werden, wenn es vorher gekocht ist. 2. Die Stuhlentleerungen dürfen nur in Latrinen abgesetzt werden. Zuwiderhandelnde gefährden das Leben ihrer Kameraden und werden daber strenge bestraft. Auf einer Notbrücke überschritten wir bald den Dunajec und begaben uns iii_ den Bereich der russischen Stellungen. Zuerst auf den starken Stützpunkt auf Höhe 269. die steil wie ein Riss zur Flußiiiederiing abstürzt. Dann über die Ortschaft Blonjc hinaus auf sanft ansteigenden Bergpsaden, die in ein Kuppengebiet bin- anleiten, hinter dessen in blauen verschwiimncnden Wellenlinien sich blendend weiß die Tatra emporschwingt. Die zerstreuten Ge- hoste der Ortschaft Blonjc liegen in einer weiten Mulde. Zwischen ihnen schlängeln sich allenthalben russische«chützen- und Flau- kierungsgräben durch die Gärten, über die Felder und um kleine Waldbestände herum. Das Herrenhaus von Blonje ist zerschossen. in den Höfen liegen zerbrochene landwirtschaftliche Maschinen herum. Der Hebelarm eines zerstörten Göpels hemmt den Weg. Auch viele Bauernhöfe sind niedergebrannt. Lindere aber sind unvcrsebrt, einige sogar, die zwischen den beiden Kampffronten lagen. Was aber das sonderbarste ist— auch die Bauernfamilien sind da, mitsamt den kümmerlichen Resten ihrer Habe und ihres Viehbestandes. Man hört Hühner gackern und ich sah sogar ein rosiges �-chweinchen grunzend vor einem Äober herumtrivpeln. Diese Bauern kleben so fest an ihrer kleinen Scholle, daß nur das Elend sie vertreiben kann, aber niemals die Furcht vor dem Tode. Man erzählte mir von einem, der auf dem jenseitigen Ufer des Dunajec ruhig pflügte, während hundert Schritte von ibm schwere russische Granaten niedergingen. Das ging ihm einfach nichts an, das war Sache der Soldaten. Seine Pflicht war es, den Boden zu bebauen und als ein Soldat der Arbeit auf seinem Posten aus- zuharren, wenn auch rings der Tod wütete. Der Krieg ist ein Ungemach wie Hagelschlag oder Mißwachs— nichts weiter. Manche Familie ist bei diesem unlöslichen Verwachsensein mit dem Boden ein Opfer ihrer fatalistischen Auffassung von Bauernpflicht gc- worden, die meisten aber haben die schweren Stunden überlebt und arbeiten nun auf den Icichengcdüngten Feldern, deren grüne, im Winde wogende Saaten ein Bild ungetrübten Friedens bieten, wie wenn es nie Krieg in der Umgebung gegeben hätte. Ein Unge- witter ist über die Häupter gezogen, vor dem man sich ein wenig duckte, ein Hagclschlag ist niedcrgeganegn, der ein paar Obstbäume zusaininciikiiicktc, während hier und da ein Blitz zündend in Stroh- däcber schlug, aber nun ist das vorüber und es heißt: weiter arbeiten. So kann man an diesen einfachen Mensiben er- kennen, wie in jeder Pflichterfüllung, in jeder Hingabe der Person an die Sache alle Elemente des todesmutigen Heroismus stecken, wie wenig die Kulturmenschhcit des Krieges bedarf, um die heldischen Kräfte, die in ihr verborgen sind, ans Licht zu bringen mnd zu erproben. uns nach sehr heißem Kampfe einer Häusergruppe, die einen gefährlichen Vorsprung bildete. Der Feind erlitt bei diesen verschiedenen Operationen sehr starke Verluste. Ein deutsches Flugzeug, das am Morgen gegen Paris geflogen war, stieß ans ein Geschwader des befestigten Lagers und warf ohne jeden Erfolg Bomben auf Villency bei Mcaux. Das Geschwader an der Front, das benachrichtigt worden war, erwartete cS bei seiner Rückkehr. Das Aviatikerflugzeug, das mit bier Bomben beladen war, wurde von einem unserer Flugzeuge bei Braine im Gebiet von Soissons heruntergeschossen. Die beiden deutschen Flieger wurden ge- tötet. Unsere Flugzeuge warfen nnt Erfolg fünfzig OGZentimetcr- Granaten aus das Flugfeld von La Brayelle bei Douai. Schuppen und Apparate, die sich auf dem Gelände befanden, wurden getroffen. ßrenchs Melüung. Londoil, 27. Mai. sW. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die e r st e Armee macht noch immer Fortschritte östlich von Fesiubert. Eine Division von Territoriallruppen nahm in der letzten Nacht eine Gruppe von deutschen Lausgräben und machte sä Gefangene, zu denen heute früh noch ein Offizier, 21 Mann und ein Maschinengewehr kamen. Seit dem 16. Mai hat die erste Armee die Linie des Feindes auf einer Front von mehr als drei Meilen durchbrochen, und die ganze Frontlinie von 3200 JardS erobert. Auf den übrigen Teilen der Front sind die ersten beiden Lauf- grabenlinien in unferenr Besitze. Die Gesamtzahl von Gefangenen beträgt 8 Offiziere und 777 Mann; außerdem haben wir 10 Ma- schinengewehre und eine große Menge von Material und Aus- rüstungsgegenständen erobert. Der belgische Bericht. Le Havre, 26. Mai.(28. T. 23.) Der belgische Bericht vom Kriegsschauplätze lautet: Der Feind bombardierte am 2ö. Mai unsere vorgeschobenen Schützengräben nördlich Dixmuidcn. Vergangene Nacht herrschte vollkommene Ruhe. Vormittags zeigte sich die feindliche Artillerie sehr tätig. Nachmittags erwiderte unsere Artillerie kräftig. Die englische Verlustliste. London, 27. Mai.(W. T. B.) Die neueste Verlustliste enthält die Ramen von 91 Offizieren und 2000 Mann. westlicher Kriegsschauplatz. Die Petersburger Melüung. Peiersburg, 27. Mai.(28. T. 33.) Der Große General» si a b berichtet: In Gegend S ch a w l e keine wichtige Veränderung. Die Kämpfe werden fortgesetzt. Vor O s s o v e tz wurde ein deutscher ?lngriffsversuÄ am Eingang des Dorfes Sosnia durch heftiges Feuer der Festung abgewiesen. In Richtung L o n y a in gewissen Abschnitten heftiges Artilleriefeuer. Links der Weichsel wiesen wir am 21. und in der Nacht zum 2Z. Mai mehrere feindliche An» griffe ab, die ohne große Talkraft unternommen wurden. Der sehr heftige Kampf an beiden Ufern des San zwischen Jaroslau und Przemysl wurde am 25. Mai den ganzen Tag über fortgesetzt. Zwischen Przemysl und dem großen Dnjestr» smnpf fuhr der Feind fort, ein orkanartiges Artilleriefeuer zu unter- halten und führte im Abschnitt Sussakuve— Krukenitza beträchtliche Kräfte in den Kampf ein. Die Angriffe des Feindes in dieser Gegend wurden erfolgreich abgeschlagen. Jenseits des Dnjestr und in der Bukowina keine Veränderung. Der türkisthe Krieg. Melüung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantin opel, 27. Mai.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt über die Torpedierung des „Triumph* folgendes mit: Am 25. Mai um Uhr fuhr das englische Panzerschiff„Triumph", nachdem es seine Torpedofangnetzc ausgespannt hatte, in langsamer Fahrt vor Ari Burnu vorüber. Es war klar, daß der„Triumph" be- nbsichtigte, die Stellung unserer Truppen, die dort seit dem Ende vergangenen Monats gegen die Engländer kämpfen, zu bombardieren. Zwei Torpedobootszerftörer begleiteten das Panzerschiff. Ein zweites Panzerschiff vom Typ„Vengeance" hielt sich etwas weiter entfernt. Mehrere Torpedoboots- zcrstörcr und Avisos kreuzten auf dem offenen Meere, um die Panzerschiffe gegen Angriffe von Unterseebooten zu schützen. Trotz dieser scharfen Schutzmaßnahmen gelang es einem zur Marine des nnt uns verbündeten Deutschland gehörenden Untersee- boot, ohne von irgend einer Seite entdeckt zu werden, den„Triumph" anzugreifen. Der Torpedo, den es abschoß, drang durch die Fangnetze hindurch und explodierte int Mittelteil des Schiffes. Nachdem es torpediert war, neigte sich das Panzerschiff sogleich auf die Seite, bis sein Verdeck ins Wasser tauchte. Neun Minuten später kenterte es. Nachdem es noch 20 Minuten lang kieloben ge- schwömmen war, verschwand es völlig. Ein Teil der Besatzung war auf das Verdeck gestürzt und von den Torpedoboots- Zerstörern und anderen an Ort und Stelle herbeigeeilten Schiffen gerettet worden. Während es sehr leicht gewesen wäre, durch Schrapnellfeuer die im Wasser schwimmenden feindlichen Matrosen zu töten und die Rettungsboote zu zer- stören, hinderten unsere Artilleristen, ihrem edlen Gefühl der Menschlichkeit folgend, die Rettungsarbeiten nicht. Das Unterseeboot wurde lange von englischen Torpedoboots- Zerstörern verfolgt, entkam aber unbeschädigt. Der„Triumph" war ein Panzerschiff von 12 000 Tonnen mit einer Besatzung von 800 Mann. Anscheinend wurde der größte Teil der Besatzung durch die Wirkung der Explosion getötet. Zu Beginn des Krieges nahm dieses Panzerschiff unter dem Kommando eines japanischen Admirals an der Beschießung von Tsingtau teil. Es wurde damals von den deutschen Batterien ernstlich beschädigt. Am 25. April feuerte unser Panzerschiff „Torgut Reiß" eine Granate gegen das Schiff ab, die ein Volltreffer war. Das Erscheinen deutscher Unterseeboote hat unter den übrigen feindlichen Kriegsschiffen vor den Dardanellen große Unruhchcrvorgcrufcn. Nur ein kleiner Teil üer Besatzung ües „Triumph� gerettet. Konstantinopel, 27. Mai.(W.T.B.) lieber den Untergang des englischen Linienschiffes„Triumph" erfährt der Vertreter von Wolffs Telegraphischem Bureau folgende Einzelheiten: Die Torpcdierung deS Schiffes, das tagelang in den Gewässern von Slri Burnu gekreuzt und die türkischen Stellungen beschossen hatte, er- folgte am 25. Mai um 12� Uhr nachmittags vor Ari Burnu. Eine furchtbare Explosion legte den„Triumph" innerhalb einer Minute auf die Seite und in weiteren sieben Minuten lag das Schiff mit dem Kiel nach oben, worauf es so rasch sank, daß nach genauen Be- obachtungen nur ein kleiner Teil der Besatzung ge- rettet werden konnte. Die durch die Torpedierung des „Goliath" geschaffene Nervosität unter der Flotte der Alliierten hat infolge des Unterganges des„Triumph" sichtlich zugenommen. Die feindlichen Schiffe.meiden den Aufenthalt in den Meerengen. Die „Queen Elizabeth" hält sich meist versteckt. Die Schiffe werden von einem Ring von Torpedobooten unrgeben. Das englische Panzerschiff„Majestk* versenkt. Konstantinopel, 27. Mai.(W. T. B.) Meldung der „Agence Milli": Das englische Linienschiff„ M a j e st i c" ist heute früh vor Seddul Bahr in den Grund gebohrt worden. „ M a j c st i c" stammt aus dem Jahre 1895, hatte 13 140 Tonnen Deplacement und 750 Mann Besatzung. Englische Klagen über schwere Verluste. London, 27. Mai.(23. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet von den Dardanellen über Tenedos vom 23. Mai: Der Angriff auf K r i t h i a wurde fast bis an den Rand des Dorfes durchgedrückt. Wie Soldaten sagen, sind einige Truppeneinhciten tatsächlich eingedrungen. Ilber es war un- möglich/ das Gelände zu behaupten. Die Verluste sind so schwer wie in den härtesten Kämpfen dieses Krieges. Als die Offiziere begannen, die er- schöpften Mannschaften wieder zu sammeln, befanden sie sich etwa lOOO.Iards von Ärithia entfernt. Hier kam das Vor- rücken zum Stehen. Eine beklagenswerte Erscheinung in den Verlustlisten ist der h o h c Prozentsatz an gefallenen und verwundeten Offizieren. Die Türken legen ein besonderes Geschick an den Tag, die Offiziere weg- zuschießen. Nach jedem Vorrücken sind Tage vergangen, bis das besetzte Gelände von einzelnen Scharfschützen gesäubert werden konnte. Sic verstecken sich mit einer Wochenration von 1000 Patronen in Erdhöhlen und richten viel Schaden an. Einige haben Hände und Gesicht grün gefärbt und ihre Uniformen mit Blättern behängt, um sich der Farbe der Um- gebung anzupassen. London, 27. Mai.(W. T. B.) Eine Depesche des Reuterschen Bureaus aus Kairo betont den großen Ver- tust an britischen Offizieren bei der Landung bei Seddul Bahr. Die Verbündeten hatten die größte Schwierig- keit, die Lage der türkischen Artillerie festzustellen. Sobald ein Flieger oder Ballon aufsteigt, verstummt das Feuer. Man glaubt, daß die Geschütze nachts auf unterirdischen Wegen ihre Stellungen verändern. vom mefopotamischen Kriegsschauplatz. Konstantinopcl, 26. Mai.(22. T. 53.) Seit einigen Tagen wird erneute Tätigkeit der türkischen Kräfte in der Gegend von Kurna (Mesopotamien) bemerkt. In der Nacht aus vorgestern griffen nach Nachrichten aus privater Quelle arabische Freiwillige in besonderen Barken für die Euphrai- und Tigrisschiffahrt zwei verschiedene Punkte der englischen Stellungen an und kehrten wohlbehalten in ihre Lager zurück. Der Seekrieg. Englanü unü üer U-Sootskrieg. London, 27. Mai.(W. T. B.) Der liberale Abge- ordnete Chiozza Money veröffentlicht in der„Daily Mail" einen Artikel über die O-Bootgefahr. Wenn Deutschland die gegen- wältige Besetzung fremden Gebietes 12 Monate lang behaupten könne, werde es am Endo dieser Zeit imstande sein, die britische Handelsmarine mit hundert I7-Booten anzugreifen anstatt wie jetzt mit zwanzig. Jedes Handelsschiff müsse daher unter die bewaffnete Kontrolle der Admiralität gestellt werden. 12 000 britische Handels- schiffe könnten dann nur mit eigener Gefahr von Q-Booten angegriffen werden. Die Schwierigkeit für diesen Plan liege darin, daß die neutralen Länder, deren Handel für England einen Wert von 125 Millionen Pfund Sterling darstelle, bewaffnete Handels- schiffe in ihren Häfen nicht zulassen würden. Money. hofft, daß zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ein Bruch ein- treten werde, wodurch diese Schwierigkeit wegfalle. Sonst müsse England die amerikanische Einfuhr über Kanada beziehen. Torpeüierte Dampfer. London, 27. Mai.(W. T. B.)(Meldung des Reuter- schen Bureaus.) Der dänische Dampfer„Bett y" ist gestern in der Nordsee torpediert worden. Die Besatzung ist nach Shields gebracht worden. London, 27. Mai.(W. T. B.) Lloyds melden aus Mil- fordhaven: Der Dampfer„Norwcnne" aus Shields ist 160 Meilen südwestlich von Stannshead torpediert worden. Von der Besatzung sind ein Mann getötet, drei verwundet worden. Die Besatzung wurde von einem Fischdampfer in Milfordhaven gelandet. London, 27. Mai.(W. T. B.) Lloyds meldet aus Browhead: Der amerikanische Dampfer„N e b r a s k a", von Liverpool nach Delaware Breakwater unterwegs, wurde 40.Meilen von Fastnet torpediert. Die Besatzung ging in die Boote und blieb in der Nähe des Schiffs. Das Wöter ist schön und Windstill._ Die englische Pres? e zur Kabmettsumbilüung. London, 27. Mai.(W. T. 23.) Das Reutersche Bureau meldet: Das Auftreten des neuen Äoalitionskabinetts, des größten, das das britische Reich bisher hatte, ist im ganzen Lande mit lebhafter Genugtuung begrüßt worden. Seit dem Beginn des Krieges wurde an dem Waffenstillstand zwischen den Parteien festgehalten und die Führer der Uniemistcn von Fall zu Fall um Rat gefragt. Aber ein vollständiges Zusammenarbeiten war bisher nicht mög- lich. Jetzt sollen alle Parteiorganisationen der Kolizentration der Hilfsmittel des Landes dienstbar gemacht werden. Lord Lansdowne, der ohne Amt ist, wird Sir Edward Grey in äußeren Angelegenheiten beistehen. Er war im letzten unionistischen Kabinett der Vorgänger Greys nnd gab den ersten Anstoß zn der französisch-englischen Entente.—„D a i I y C h r o n i c l c" sagt, die neue Besetzung der Admiralität werde in Berlin am besten gefallen. Das Matt ist entsetzt, daß C a r s o n für die Rechtspflege verantwortlich wird, dessen jüngste Laufbahn in Rechtsbruch und Widerstand gegen das Gesetz in großem Stile bestanden habe. Carson habe daS deutsche Interesse an der Ulsterbcwegung nicht abgewiesen, sondern sei nach Deutschland gegangen und persönlich der Gast des Kaisers gewesen. Manchester, 27. Mai.(28. T. 58.) Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardian" schreibt: Die neue Anordnung gewisser Kabinettsämter ist eine vollständige Teilung der Aemter. Das Prinzip der Anordnung war einfach: Die Opposition wollte Aemter haben. Die Opposition trägt nicht viel zur administrativen Fähigkeit und Erfahrung bei. Man braucht nur die Namen durch- zugehen. Das Revirement geschah nicht nach dem Grundsatz, wer der geeignetste Mann für einen bestimmten Posten sei, sondern wie die verschiedenen Ansprüche beider Parteien befriedigt werden könnten. Das Ergebnis ist, daß befähigte Minister zurücktraten und frühere Minister in das Kabinett eintraten, deren geringere Fähigkeiten bekannt sind. Beide Parteien sind dafür zu tadeln, Der üritte Sozialüemokrat im französischen Ministerium. Ein Dekret des Präsidenten Poincare vom 15. Mai enthält die Ernennung des Genossen Albert Thomas, Mitglied de.r Deputiertenkammer, zum Unter st aatssekrctär des Krieges. Thomas ist auch den deutschen Parteigenossen wohl- bekannt; er hat sich wiederholt und aus längere Zeit in Deutsch- land zum Zwecke des Studiums aufgehalten und er war ein be- sonderor Freund des Genossen Jaures. Die Ernennung erfolgt auf Empfehlung des Kriegsministers Millerand, der an den Präsi- deuten der Republik folgenden Bericht gegeben hatte: „Paris, den 18. Mai 1915. Herr Präsident l Die Bedeutung der Dienstzweige der dritten Direktion im Kriegsministerium(Artillerie), die Mannigfaltigkeit der privaten Betriebe sowohl als die des Staates, die diesem Ressort unterstehen, haben mich veranlaßt, zu erwägen, ob es nicht ratsam erscheint, unter Ausrechterhaltung der allgemeinen Leitung aller dieser Dienstztoeige unter einen gemeinsamen Chef, der mir ver- änttoortlich ist, jede der wesentlichen Abteilungen unter die beson- dcre Leitung eines technischen Beamten, zu stellen. Die Aufsicht über die Ausführung der ministeriellen Anordnungen verbleiben in der Hand deS an die Spitze gestellten Leiters. Ich habe nun seit acht Monaten mit jedem Tage mehr den Eifer und die Geschicklichkeit des Deputierten Albert Thomas, seine Tätigkeit, die er im Einverständnis mit mir und meiner Ver- waltung in allen Zweigen der artilleristischen Fabrikation aus- geübt hat, schätzen gelernt. Die Achtung, die er sich dadurch in der Armee sowohl als auch im Inneren bei allen denen, die ihn zu be- obachten Gelegenheit hatten, erwovben hat, läßt Albert Thomas als den Geeigneten erscheinen, die Tätigkeit, die et schon seit Beginn des Krieges in so glücklicher Weise ausgeübt hat, auch ferner zu tibertragen. Der Umfang des Ressorts, das er zu dirigieren haben wird, wie auch seine Eigenschaft als Mitglied des Parlaments, führen natürlich zu der Berpslichtirng, ihm den Titel eines UnterstaatS- fekreiärs zu verleihen." Die sozialistische Fraktion der französischen Deputierten- kammer und die Parteileitung haben dem Eintritt ihres Mitgliedes Albert Thomas in die Regierung zugestimmt. Griechenlanüs Kriegsbeüingungen. Die„Notvoje Wremja" behauptet auf Grund ihrer Informationen. Prinz Georg von Griechenland habe der französischen Regierung eine Note überreicht, in der die Be- dingungen enthalten sind, unter denen Griechenland an der Seite des Dreiverbandes am Kriege teilnehmen würde. Die Note soll, nach Angabe der„Nowoje Wremja", folgende Hauptpunkte enthalten haben: 1. Der Dreiverband garantiert Griechenland die Unan- tastbarkeit seines Territoriums; diese Garantie besteht in einem Bündnis mit dem Dreiverband für die Dauer von zehn Jahren, während welcher Zeit der Drei- verband Griechenland vor jedem Angriff beschützen muß. Diese Bedingung sei notwendig in Anbetracht der Erschöpfung, in der sich Griechenland und das mit ihni verbündete Serbien nach dem Kriege befinden und die sicherlich von Bulgarien aus- genutzt werden würde. 2. Der Dreiverband garantiert die Sicherheit Griechen- lands im jetzigen Kriege durch eine Militärkonvention, die die militärischen Maßnahmen auf dem Balkan in einer Weise regelt, daß die mazedonischen Grenzen Griechenlands vor allen Eventualitäten geschützt sind. 3. Der Dreiverband übernimmt die formelle Verpflichtung, eine Austeilung der Türkei vorzunehmen, garantiert für die Griechen die Ortschaften des Ottomanischen Reiches, die nicht an Griechenland fallen sollen, und setzt territoriale Kompensationen für Griechenland in Kloinasien fest. Die übrigen Punkte der Note setzen die Bedingungen der finanziellen Unterstützung Griechenlands für den Fall seines Eingreifens in den Krieg fest und berühren die Frage der Versorgung Griechenlands mit Kriegsmaterial, vor allem mit Artillerie. Wie die„Nowoje Wremja" mitteilt, sollen die Hauptpunkte der griechischen Note von der Diplomatie des Drei- Verbandes abgelehnt worden sein. Letzte Nachrichten. Die Kämpfe an der scrbisch-österrrichischcu Grenze. Nisch, 27. Mai.(T. U.) Das serbische Prcsscbureau rncldef amtlich: Am 20. Mai eröffnete feindliche Artillerie das Feuer auf die Ortschaft Bredjenowaj. Am gleichen Tage entspann sich ein' kurzes Artillerieduell gegen die Ortschaft Sekeli. Im Laufe dieses. Kampfes hatte die feindliche Artillerie kein Ergebnis. mmd\ Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz fbiUioe, JLMmtsttüUel Soweit Vorrat Wurstwaren Zemlat- u. Salamiwürst Pfund 2.40 Holsteiner Zervelal- ü. Salamiwurst 2 m. Laadschinken Huna2 Pfund 1.80 Piockwarst...... Pfund 1.70 Ro!lschmkenca.6-8Pfd.ptd. 2.40 ScluiikenÄ�V?» 1-90 Jagdwurst...... Pfund 1.60 Landleberwurst.. Pfund 1.30 Rotwurst.. Pfund 1.30 95 Pf. Bauernmettwurst Pfund 1.80 Räucherwaren Ahlb. Flundern Pfd. 45 u. 60 Pf. Kieler Schleibücklinge silO, �25 Pf. Matj esheringe....... IQpf Soweit Vorrat Fleisch Rinderkamm.. Pfund 90 Pf Querrippe..... Pfund 80 Pf. Roastbeef m Knoch., Pfd. 1,10 Fische Scbellfiscb 32 pi Große Sdiollen Pfund 38 Pf. Aale lebend, Pfd 1.20 bisl.60 Getrockneter Klippfisch in ganzen Fischen... Pfund 60 Pf. Soweit Vorrat Geflügel Junge Küken st. 1.10 bis 1.80 Suppen- und Brathuhner Junge Enten st 4.40 bis 6 m Junge Gänse Pfd. 1.35 u. 1.45 Butter Tisch- und Tafelbutter m 1.72 1.76 vpfd.-Pak. 86 88 pt Kunstspeisefett.. Pfund 1.05 Kunsthonig..... Pfund 38 Pf. Pflaumenmus Pfund 38 48 Pf. Käse Romatour-...... stück 3 5 Pf, Limburger...... Pfund 80 Pf Soweit Vorrat Gemüse Frischer Spargel Pfund 10 16 30, stark 45 Pf. Salat........ s Kopf 20 Pf Frische Gurken stück 16 23 30 Pf. Stachelbeeren fvvli 0 45 Pf Radieschen... s Bund 1 0 Pf Rettiche..... 4 Bund 10 Pf. Blumenkohl Kopf 10 15 25 Pf Rote Rüben. 4 Pfund 10 Pf. Freitag und Sonnabend Bowlenwein einschl. H Vi FL BeilOPL Obermoseler..... 67 Pf. 65 Pf 1911er Wintringer 85 Pf. 82 Pf. 1912er Edenkobener...67Pf. 65 Pf. 1912er Malkaninierer...85Pf. 82 Pf. Rheinisch. Apfelwein 44 Pf 42 Pf. Rotwein einschLFI. bei 10FI. 1910er St. Mathieu 72 Pf. 70 Pf. 1910er St. Barbera 85 Pf. 82 Pt Südwein einschl. Fl, bei lOFL Feiner Tarragona.95 Pf. 92 Pf. Alter Douro-Portwein 1.90 1.85 Alter Malaga dunkel 1.70 1.65 FrUChtSSftfi einseht Flasche garant. rein, mit Raffinade eingekocht Himbeersaft....... L 1c Kirschsaft........ 1' Freitag und Sonnabend Wasch- n. Bade-Eau de Cologne Flasche 23 PL 55 PL 1 M. Wasch- n. Bade-Ean de Cologne •twa VjLtr. V'Ltr. i/iLtr. 1.15 2.m. 3.75 Eucalyptus-Mundwasser Flasche 55 Pt 90 PL 1.60 Thymol-Mundwasser Flasche 1.10 Toifette-Artikel USW. Euca lyptns-Hundw asser etwa*11 Ltr. 3.50 etwa Vi Lfr 6.75 Salicyl-Mundwasser Fi. 55 PL 85 pl Bay-Rnm Fi 60 pl 90 pl 1.25 2.25 Eis-Bay-Rnm....... Fiaache 1.20 i«.Mundwasser U�.QA i Fi. Eau de Cologne] Packung s v Franzbranntwein Pia-che 60 1.15 Ständiger Verkauf: Pergenol-Mundwasser- Tabletten____ oias 1.50 Cocos-Nußölseife.. Riegel etwa 150 g... 35 Pf. Pepsinwein j'Ttr. 160 2.90 Kohlensäure-Bäder mit Ameisensäure............ SL 1 M. Kohlensäure-Bäder mit Ficbtennadelextrakt....... 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Kleines Theater 8 uhr: Liebelei Komische Oper 8" u.- Der Opernball Dessins Theater u.; Peer Cynt LiRstsplclbans s,.uhr Ein Praehlmädel Zlontls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. s Uhr: Hoheit tanzt Walzer Itesldcnz-Theater 8 uhr: Das Kommt davon Schiller-Theater O. 8 uhr: Der blinde Passagier Schiller Th. Charlottenbg. 8 uhr: Der lächelnde Knabe Thalla�Theater 8 Uhr: Alt�BerlinerPossen- Abend; Das erste Mittagessen. Hermann und Dorothea. Guten Morgen, Herr Fischer! Theater am Xollendorfpl. 8 Uhr: WohltStigkelts- Vorstellung; Ostpreußenhilfe. Z.250.Male: Immer feste drufl". Einlage: Maria Ekeblad, Kgl. Hofopernsängerin; Alexander Heinemann, Kgl. Kammersänger. Theater des Westens 8',. u.: Der brave Fridolin Theater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: RaUSeh Trianon-Theater S'i.Uhr1 Volksbühne. Theater am Bülowplatz s uhr: Glaube und Heimat Pakmi Nur noch bis 31., täglich 8 Uhr: Georg, der fallende Mensch Henry Bender— Lotte und Käte Holz— die„Teckellade"— Erna Offene/— die Wunderzwerge usw. Rose-Theater. sv.uhrllieiieutseleBelileiistertieD 4Vz Uhr: Gartenbühne: Buschlies'l. Walhalla-Theater. 8-/. u.: Die Jagd nach dem Glück. l'/'-Dhr; Gartenbühne: Apollo- SUnxer. Reichshaileu-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schlug: Am Schützengraben. Militärisch es Zeitbild hon MeyseL Anfang 8 Uhr. Operette in 1 Akt.— Musik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna. Luttl Werkmeister vom Thalia- Theater, Berlin.— Karl Bachmann. Julius Spielmann. Ferner: Der abwccbselnnigs- relcbe Mai- Spielplan mit Rita Sacchetto Else Bötticher und 10 hervorragenden Kunstkrätten. Gewerbschaftshans In der gestrigen Anzeige befindet sich ein Druckfehler. Es must dort heißen: Ein kleiner Rest von zirka 10 Zentner harte Salamis Pfd. M.(nicht 1,10). in gut«»' Ausführung liefert VORWÄRTS Buchdruckerei u. 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Heines Werke > 3 Bind« 4 Mark■ Buchhandlung vorwärts Z cnti i;ni: Albert£• n b n i I di, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— U/s und von 41/,— 7 Ubr. Wahlkreis; S. und SW.: Gustav Schmidt, Bärwaldstr. 42, an der Gneiienanstraße. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. ahlkreis:(£t. Kr itz. Prinzenftr. 31, Hof rechts pari. Geöffnet von 1 1— U/. und von 4'/s— 7 Uhr. >4 ahlbreis: C f: e n" Noberl W e n g e Is. Marius ftr. 36. Geöffnet von L— 2 und von 4—7 Uhr.— Karl Melle, Pelersbnrgerplatz 4 lLadenl. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. V alilkrels. Südosten: Vaul Böhm, Lanfitzerplatz 14/15. Geöffnet von 9- 2 und von 4— 7 Ubr. ■Wahlkreis; Leo Zucht. Ninmanuelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11— U/, und von 4>/,— 7 Ubr. Ii.'Dabikreis«Zlcaliitl: Solomon I v s e v h. Wilhelmshavenei Süaße 48. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. VI e1 am» schulen« es: H. Hornig, Marientbaler Str. 13, t. It ornan, ItontKcntal, Zepernick, Schönow, stlchda- hrhek und Dach: Heinrich B r o j e, Mühlenstr. ö, Laden. Uohnsdorl: Paul G enf ch, Bohnsdorf Genoffenichastshaus .Paradies-. � Vhnrlottcnhnrs: Gustav Scharuberg, SesenHeimer Str. 1. Ge- öffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Eich« aide, Schmöckwitz: OSkarMahle, Bismarckstr. 4. Erkner, Äcu-Zlttan: Em il Jtvang, Scharnweberstr. 10. I: redersdort-.Petershaxen, Egsersdorf: Ufsenwasser, Peiershagen. Friedenau, Steglitz, Südende, Gri!rünan: Franz Klein, Friedrichstr. 10. «lohannlsthal, Rudow: Max G o n s ch U r, Parfstr. 23 K arlshorst: Lsfar Schaars chmidt, Augufte-Piltoria-Slr. 18. KöniKs-D usterhuuseu, Vlildau. Klederlehme: Friedrich Baun, n» II. BabnpojsU. 2. Eingang Beestowel Straße. Köpenick: Emil W i ß l e r. Kietzerstr. 6, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Llchtenherg; 1, Friedrichsfelde. Hohenschönhansen: Otto S e i f e I. Bartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von 8>/»— 2 und von 4'/,— 7 Uhr. Llchtenheri; II, Rnnimelsbnrg;, Stralau: A. R o i e n» franz. SUf-Boxhagen 56. Geöffnet, von 11— U/, und von 4'/,— 7 Uhr. Rahisdort, I»a»lsdork, Riesdorl: P. H e g b e r g, KaulS- dorf, Ferdinandstraße 17. Rariendork: August Leip. Ebauffeestr. 29. Rarienkelde: Emil Weinerl, Berliner Str. 114 TL �enenhagen. Hoppegarten: Gustav Bergmann, Königsallee Ecke Gartenstraße. Keukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2. im Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr; Neukölln. Britz: Rohr, Siegsriedstraße 28/29. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Xieder-Schöneweide: Wilhelm Unruh. Brückenftr. 10, IL V o« uwes: Karl Krähnberg, Friedrichfirchplatz 27. Dher-Schöneweide: Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Fankow> Xlcderschönhansen, Mordend, Frz.-Buch- bolz, Blankenburg: Riß mann, Mühlenstr. 30. Geöffnet von 11— U/z und von 4'/»— 7 Uhr. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P.(Bund), Provinz str. 56, Laden. 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Verantlo. Redait.: Alfred Wielepp. Neukölln. Lnicratenteil verantw. Sämtliche Partelliteratur sowie alle wisjenschasllichen Werfe werden geliefert � �................................ Tonntags sind die Ausgabestellen geschloffen.____ xh. lLlocke-Berltn. Druck u. Verlag: Borwärts Buchdr. u-Lerlagsanstali OaulSinger ch Co., Berlin 2 W. Hierzu 2 Beilagen u. HntettzaUunahM. Nr. 115. 32. Jahrgang. 1. Mm des Jorrtrlü" Mim UcksM. kr-N-s.'IS. M-i 1015. Der Aufruf öes italienischen parteivorstanöes. Der„Bcnicr Tagwacht" wird aus Mailand geschrieben: Ter„A v a n t, das Zcntralorgan der Partei, führt nach wie t>or den Kampf gegen die Kriegsschürer. Alle Behauptungen, ein zclnc Mitglieder der Fraktion hätten sich als Kriegs- freiwillige gemeldet, sind freche Verleumdungen. Im „Giornalc d'Jtalia" stellt der Parteisekretär, Genosse Lazzari, übce dies fest, daß die Nachricht bürgerlicher Blätter, die sozialdemokra- tische Kammcrfraktiou habe au die Parteiorganisationen ein Rund- schreiben gerichtet mit der Aufforderung, sich der Regierung zur Verpflegung der Verwundeten usw. zur Verfügung zu stellen, frei erfunden ist. Wie heldenhaft die italienische Partei ihre internationalen Pflichten erfüllt, geht übrigens wohl am deutlichsten daraus hervor, daß auch seht, nach den Kammer- und Senatsbeschlüssen, welche die Kriegserklärung bedeuten, die von der Sozialdemokratie vcr- anlahten Protestdemonstrationen gegen den Krieg fortdauern. Außerdem hat der Partcivorstand sofort nach den Kammcrbcschlüjscn einen Aufruf an das italienische Proletariat er- lassen, der als ein historisches Dokument bleibenden Wert haben wird und ein Ehrenzcugnis für die italienische Sozialdemokratie bildet. Ter Aufruf hat folgenden Wortlaut: Proletarier Italiens! Die Teilnahme Italiens am ungeheuren internationalen Kon fliktc ist beschlossen. Der Krieg beginnt init gewaltsamer Unter- drückung jeglicher Freiheit. Während in den größeren Städten die Söhne der Bourgeoisie und die besoldeten Kriegshetzer in den Straßen ungestört für den Krieg demonstrieren, wird die sozialistische Partei, werden die Arbeitcrmassen und alle diejenigen, die entschieden gegen das Abenteuer sind, durch Gewalt au der Acutzcrung ihres Willens gehindert.... In M a i l a n d haben die besoldeten Kriegsschürer, von der Polizei beschützt, die Herrschaft des Terrorismus eingeführt, während Hunderte von unseren Genossen ins Gefängnis geworfen worden sind. Gewalt und Drohungen werden gegen die Abgeordneten gebraucht,„im Namen des Vater- landeS" verhindert man sie an der freien Ausübung ihrer Mandate. Allmählich haben in denjenigen Gegenden, die am besten den Willen des Volkes ausdrücken sollten, allgemeine Gereiztheit, rohe Gewalt die Ueberband gewonnen.... Die Presse hat fast einstimmig die traurige Aufgabe übernommen, durch eine geschickte Fälschung der Wahrheit dieses große Verbrechen gegen die echten nationalen Interessen und gegen die Bestrebungen des Proletariats zu unterstützen. Arbeiter Italiens! Jetzt, wo nach solcher nwralischcn Vorbereitung der Krieg be- schloffen worden ist, und die herrschenden Klassen nach zehn Monaten geheimen, diplomatisch betriebenen Handels mit der Neu- tralität, der Stimme des nationalen Egoismus folgen und Taufende von jugendlichen proletarischen Existenzen opfern, um in einer Stunde des Wahnsinns die Ergebnisse der Arbeit und des Kampfes von vielen, vielen Jahren zu zerstören, jetzt wird der Burgfrieden verkündet und das italienische sozialistische Proletariat zur natio- nalcu Einheit und zum sozialei, Frieden aufgefordert. Die sozialistische Partei, die die sich stets bewährte und ancr- kannte Vertreterin der proletarischen Masse gewesen, will in dieser tragischen Stunde nochmals auf die prinzipiellen Gründe hinweisen, von denen sie seit dem ersten Augenblick des europäischen Konflikts geleitet worden ist. Die sozialistische Partei fühlt heute angesichts des nationalistischen und kriegsfrcundlichen Wahnes die Pflicht, ganz besonders ihren Glauben an die unerschütterlichen Grundsätze des internationalen Sozialismus zu unterstreichen. Zehn Monate laug hat die sozialistische Partei Italiens ganz allein gegen den Betrug und die Gewalt der Kriegsschürer auge- kämpft. In Tausenden von Versammlungen, von Vorträgen, von ununterbrochenen Agitationen, im vollständigen Einverständnis mit allen Parteisektiouen, durch die Tätigkeit des Partciborstandes und der parlamentarischen Fraktion, im Einvernehmen mit den gewcrk- schaftlichcn Organisationen des Proletariats, zum Trotze der gcgnc- rischcn Presse, der Regierung und ihrer Handlanger, hat die Partei im Bewußtsein des Volkes den immer tiefer werdenden Wider- spruch zwischen der internationalen Politik des Proletariats, welche die Brüderlichkeit und die Solidarität unter den Völkern anstrebt, und die der herrschenden Klassen,.,. eingeprägt.... Die sozialistische Partei hat es abgelehnt, mit denjenigen über- einzustimmen, die auf der einen Seite nur das Recht und den ganzen Idealismus sehen und auf der anderen die ganze Willkür umd alle Schmählichkcit. Die italienische Partei betrachtet das inter- nationale Völkerriugcn als ein Ergebnis des kapitalistischen Wctt- difer-Z der verschiedenen bürgerlichen Staaten...,.. Das Eingreifen Italiens— mag es diesen oder jenen Vor- wand haben— ist von keinem ideellen Beweggründe bestimmt, ebensowenig wie von der Absicht, den Schwachen Hilfe zu leisten, die Brüderlichkeit und Demokratie zu verfechten oder die nationalen Interessen zu verteidigen. Nein! Das Eingreifen Jta- liens ist von dynastischen imperialistischen Er- wti g u n g e n b e st i m m t, u n d d i e s e u E r w ä g u n g e n k a n n sich das sozialistische Proletariat nie und n i in- m c r anschließen. Arbeiter! Aus diesen Gründen verweigerte und verweigert die italienische sozialistische Partei dem Kriege eine jede Zustimmung, in der Ucbcrzcugung, daß Italien als gerechte Friedensstifterin hätte auf- treten können und sollen, und zwar als uneigennützige Vermittlerin zwischen den kämpfenden Staaten. Tcingemäß verurteilte die sozialistische Partei den Kuhhandel der verschiedenen Schichten des Bürgertums, sie verlangte, daß Italien moralisch eingreife zu- gunstcn des Friedens, nach dem alle Völker lechzen.... Unsere Gegner, die Gegner des Proletariats, werden behaupten können, daß sie uns besiegt haben, nie aber werden sie behaupten können, daß wir ihrer lügnerischen Ideologie gehuldigt haben oder daß sie uns gezwungen haben, irgendwie an den Bluttaten, die sie heraufbeschtvoren, mitzuarbeiten. Unsere Aufgabe ist aber nicht erschöpft. Währenddem unsere Gegner durch Haß und Jähzorn den Krieg schüren werden, werden wir unsere Ucbcrzcugung und unsere Begeisterung in den Dien st des Friedens stellen,... wir werden unsere Presse verteidigen und ver- breiten— vor allem unseren„Avanti", der Gegenstand der Sorge und der Liebe aller Sozialisten Italiens. Auf allen Gc- bieten werden wir' die Errungenschaften des Proletariats bc- schützen. 1 Proletarier Italiens! Wenn auch das erhabene Ideal, die Einigkeit der Nationen durch die proletarische Jntcruationalc zu verwirklichen, in dieser i schrecklichen Stunde bedroht scheint, wenn auch die Stimme deS ' Rechtes und der Vernunft von Kanonendonner übertönt wird, wir verzweifeln trotzdem nicht.... Das sozialistische Proletariat entwaffnet nicht, es wartet. Es lebe der Sozialismus! Es lebe die Internationale! Rom, 22. Mai 1915. _ Der Partcivorstand. politisthe Uebersicht. Ein Abzahlungsvorschlag. Der Rerchstagsabgeordnetc Dr. B ö h m c beschäftigt sich im„Deutschen Kurier" mit der notlnendigen innerpolitrschen „Neuorientierung". Vor der Forderung nach durchgreifender Reform scheut Böhme zurück; er will sich mit einer Abschlags- Zahlung begnügen: „Gewiß war es berechtigt, als in den ersten Wochen des Krieges der gewaltige Vormarsch deutscher Truppen in Frank- reich eine kurze Dauer des Krieges in Aussicht stellte, die not- wendigen Reformen um wenige Monate hinauszuschieben. Je länger aber der Krieg andauert, um so notwendiger wird es, die ganzen moralischen Kräfte unseres Volkes lebendig zu machen und denen, die da draußen stehen, wissen zu lassen, daß sie in ein Vaterland zurückkehren, in dem mehr als bisher auch ihnen Macht und Einfluß bcschiedeu ist. Alles das kann erreicht werden, nicht durch lange spezialisierte Bcratun- gen, sondern durch einige Notbestimmungen im preußischen Wahlgesetz, die neben der geheimen und direkten Wahl eine Minderung des plutokratischen Cha- r a k t e r s des Wahlrechts herbeiführen würden. Ein auf dieser Grundlage im Frieden gewähltes Parlament würde dann in der Lage sein, im einzelnen das Wahlrecht auszubauen und zu spezialisieren, wie es seinen Wünschen entspricht. Die großen Massen der Bevölkerung hätten aber die Sichcrbcit, daß unter allen Umständen gewisse Mindestforderungen erfüllt sind. Denn ministerielle Versprechungen sind für die Zukunft keine Bürgschaft. Die Minister kommen und gehen, und selbst ein Bismarck mußte abtreten gegen seinen eigenen ausgesprochenen Willen. Auch die Staatsregicrung, die Kämpfe vermeiden will, wird iu der Gegenwart es unendlich leichter haben, ein Mmdestmaß der Reformen durchzusetzen. Ist nicht gerade die heutige Zeit, in der über alle Partei- intcresscn hinweg sich der Blick auf das große Ganze richtet, der denkbar günstigste Augenblick für derartige Reformen? — Oder sollte es wirklich nennenswerte Schichten geben, die aus irgendwelchen kurzsichtigen Interessen nicht einmal eine Reform in den vorher gekennzeichneten Grenzen zubilligen wollten? Dann mögen sie auch den Mut haben, iu der Gegen- wart zu gestehen, daß sie zwar Blutopfcr von dem gesamten Volke verlangen, ihm aber die lange vorenthaltenen Rechte auch heute noch weigern. Viele haben sich diesen Reformen in der Zeit vor dem Kriege versagt, weil sie die Arbcitcrvewegung nicht als reif ansahen. Sic haben sogar unausgesetzt?l u s u a h m c- gesetzt gefordert, die glücklicherweise die Mehrheit des Reichs- tages und die Rcichsregicrung ablehnte. Gerade für diese Kreise mutz es eine besondere und freudig zu erfüllende Ehren- Pflicht sein, heute an der Erweiterung der VolkSrechte zu arbeiten." Wir sind darauf begierig, welches Echo diese doch wirklich sehr zahmen Forderungen in der bürgerlichen Presse und bei der Regierung finden werden. Belagerungszustand, Teuerung und Soziademokratic. In Rücksicht auf die kürzlich in Sachsen verbotenen Vcr- sammlungcn haben der L a n d c Z v o r st a n d, die B e- zirksvorständc und die sozialdenr okatische Fraktion der Zweiten Kammer des Landtags in der sächsischen Parteipresse eine Erklärung erlassen, in der sie die Regierung auffordern, sofort und nachdrücklich Matznahmen gegen die Teuerung zu ergreifen. Das sei um so mehr Pflicht der Regierung, als das Verbot der Versammlungen dem Volke die Abwehr des Lcbcnsmittellvuchers aus eigener Kraft unmöglich gemacht worden ist. Die Erklärung fordert zugleich die Aufhebung des Belagerungszustandes. Erweiterung der Familienunterstutzung. Der Bundesrat hat den Wünschen der Bndgctkommission des Reichstages auf Erweiterung der Familienuntcrstützimg bereits Rechnung getragen. Wie offiziös mitgeteilt wird, sind den einzclstaatlichcn Regierungen die neuen Grundsätze zu- gegangen. Sowohl der Kreis der anspruchsbcrechtigten Fa- milicnangchörigen ist bedeutend dadurch erweitert. Zn dem Kreise der anspruchsbcrechtigten Personen gehören jetzt auch alle inr wehrpflichtigen Alter, die vom Feinde verschleppt worden sind; ferner Mannschaften, die sich im Auslande einem Marine- oder Schutztruppenteil gestellt haben; Kriegsfreiwillige; Mannschaften, die im Kriege ihre aktive Dienstzeit beendigt haben (vom Tage der Vollendung ab); aktive Mannschaften, die als einzige Ernährer ihre Eltern ernährt haben. Als unter- stützungsbcrechtigtc Familienangehörige gelten jetzt auch: Stiefeltern, Stiefgeschwister und Stiefkinder, sofern der Ein- gezogene sie unterhalten hat; uneheliche Kinder der Ehefrau (auch wenn der Ehemann nicht ihr Erzeuger ist), sofern er sie bisher unterhalten; elternlose Enkel; die schuldlos geschiedene Ehefrau, der nach§ 1578 B. G. B. der Ehemann den Unter- halt zu gewähren verpflichtet ist; alle michelichcu Kinder; alle Ehefrauen und Kinder von aktiven Soldaten. Den in Betracht kommenden Instanzen ist erneut zur Pflicht gemacht, die Frage der Bedürftigkeit wohlivollend und nicht engherzig zu Prüfen und bei den Recherchen bei den Familienangehörigen keine niederdrückenden Empfindungen auszulösen. Die Unterstützungen dürfen auch nicht abgewiesen werden mit der Begründung, datz noch ein kleines Vermögen vorhanden sei. Auch der Besitz eines kleinen An- lvesens mit Acker und Vieh oder eines kleinen Geschäfts schließt die Unterstützung nicht aus. Auch ist unbedenklich eine Unter- stützung zu gewähren, wenn arbeitsfähige Angehörige infolge einer augenblicklichen Arbeitslosigkeit in eine vorübergehende Notlage geraten sind. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß es nicht genügt, nur die Mindestsätze zuzahlen, der Haus- stand des Kriegers und der angemessene Unterhalt seiner Familie soll erhalten werden. Im Falle des Todes des Kriegers müssen die Unterstützungssätze solange fortgezahlt werden, bis die Hinterbliebenenrente gezahlt ist. Friedenszicle der Deutschen Kolonialgesellschaft. Der Ausschuß der Deutschen Kolouialgcscllschaft hat in seiner Sitzung vom 21. Mai folgende Kundgebung beschlossen: „Verschiedeue in der Presse tviedcrgcgcbcne und besprochene Aeußerungcn, Ivonach man einzelne Teile unseres Kolonialbesitzes leichten Herzens aufgeben könne, veranlassen zu der nachstehenden Erklärung: Der Ausschuß der Deutschen 5iolomalgcsellschaft vertritt den Standpunkt, daß in erster Linie selbstverständlich das Festhalten bezw. die Rückgabe der deutschen Kolonien zu fordern ist. Dieser Stellungnahme entgegengesetzte Aeußerungen von einzelnen Mit- gliedern der Deutschen Kolonialgesellschaft sind als persönliche An- sichten zu betrachten. Welche kolonialen Wünsche sonst aufzustellen sein werden, kann zurzeit noch nicht öffentlich erörtert werden." Die Spitze dieser 5tundgebung richtet sich offenbar gegen den Vizepräsidenten des Reichstags, Geheimrat Paasch e, der jüngst in einer Rede sich für den Verzicht auf Kiautschou erklärt hat. Die Brotversorgung. Zwischen dem LandwirtschaftSrat und dem Deutschen Städtetag hat sich eine Polemik entsponnen. Der Deutsche Städtetag möchte in der Hauptsache die KricgSgctreide-Gcsellschast in ihrer heutigen Form beibehalten und nur den Kommunalverbänden etwas größeren Einfluß auf die Mehlversorgung und die Preisbildung gewähren. Der Deutsche LandwirtschaftSrat dagegen möchte die Kriegsgetreidc- Gesellschaft ausschalten und die gcsainte Versorgung den Kommunal- verbänden übertragen, die an eine ZentralauSglcichSstelle an- geschlossen werden sollen. Daß in dieser ZentralauSgleichSstellc die Landwirtschaft den stärksten Einfluß haben soll, versteht sich dabei von selbst. Neuerdings hat sich auch noch ein dritter Interessent gemeldet: der Deutsche H a n d e l s t a g verlangt in einer Eingabe an die Regierung die Wiedereinsetzung des Getreide- handeis in seine alte Tätigkeit für das kommende Erntejahr. Hoffcnt- kich endet der Streit nicht damit, datz Gctrcidehandcl wie Getreide- Produzenten gemeinsam den Konsumenten gegenüber ihre Wünsche durchsetzen. Wenn man mit der Fortdauer des Krieges auch in das nächste Jahr hinein rechnet, dann ist es am besten, es werden vom Staate von vornherein die schärfsten Maßregeln getroffen, die eine Sicherung der Volksernährung zu Preisen ermöglichen, die auch für die Mittellosen erschwinglich sind. Landtagsersatzwahl. Bei der Landiagsersatzwahl im Wahlkreise Frankfurt a. O. (Arnswalde-Friedeberg) ist Postdirektor Wied» er- Friedeberg(konservativ) mit allen abgegebenen 29t Stimmen gc- wählt worden. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt worden. Konferenz für internationale Verständigung. Am Freitag, den 28. Mai, tritt zu Bern in den Räumen des Internationalen Friedeusbureaus eine internationale Konferenz „für die Zukunftsinteressen der Menschheit" zusammen. Tic Ein- ladung geht von mehreren internationalen Vereinen aus, unter denen der„Bund für Menschheiisinteressen und Organisierung menschlichen Fortschritts", sowie daS„Institut für internationalen Austausch fortschrittlicher Erfahrungen" speziell genannt seien. Auf der Tagesordnung stehen Nefcrate.bon Otto Umfrid, zweitem Vor- sitzenden der Deutschen Friedensgescllschaft, Prof. Dr. R. Broda, Herausgeber der„Menschheit", E. Vogtherr. Mitglied des Deutschen Reichstags, Dr. Ferdinand Vetter, Professor an der Universität Bern, Dr. A. Forel, ehem. Professor au der Universität Zürich, Gustave Hubbart, ehem. Deputierter, Paris, Baron Wrangel, Rußland, Umano, Präsidenten der Römischen Friedcusgcsellschaft' Lionel H. Orton Wyon, England usw. In erster Linie sollen laut Ankündigung die Gefahren, die aus der Annexion von Landgebietcn gegen den Willen ihrer Bewohner, aus der Züchtung des Völkerhasses, aus der offenbaren Völker- anarchie für den künftigen Frieden und hiermit die Möglichkeit künftiger Kulturarbeit erwachsen, behandelt werden. Papst«nd Friedcnsschlnst. Aus Ainsterdam schreibt man uns: Die von uns besprochene Entsendung des Vorsitzenden der katholischen Fraktion Dr. N o l e n s nach dem Vatikan hat daS Resultat gehabt, daß die holländische Regierung einen dringlichen Gcsetzantrag eingebracht hat, der ihr den für einen Gesandten bei der Kurie notwendigen Kredit zur Verfügung stellt. In der Bc- gründung wird ausdrücklich hervorgehoben, daß es sich um eine, von der Kurie selbst angeregte, für das Zusammenwirken bei der Wiederherstellung des Friedens bestimmte, also zeitlich begrenzte Verbindung handelt. Auf diese schlicht sachliche Auf« gäbe weist-auch die mäßige Summe— 12 000 FI.— hin, die für die Gcsamtkosten bis zum Ende dieses Jahres angesetzt wird. Der Entwurf hat, trotz seiner einschränkenden Bestimmung, Widerspruch oder doch Bedenken hervorgerufen, und zwar nicht nur in den der reformierten Orthodoxie angehörenden Kreisen, sondern auch bei bürgerlich-demokratischen Freidenkern, die grundsätzliche Ein- wände gegen die diplomatische Verbindung mit dem Vatikan erheben und besonders fürchten, daß das zeitweilige Verhältnis zur Wieder- Herstellung der dauernden Vertretung leiten konnte. Trotzdem nimmt man an, daß der Gesetzentwurf angenommen werden wird. Die Getreideversorgung in Frankreich. Der„Figaro" bringt über die sehr stürmisch verlaufene Sitzung der französischen Kammer einen ausführlichen Bericht: Die Hau- dclskammcrn werden von dem Abgeordneten Jugy der Getreide- spckulation beschuldigt, wogegen sie der Handelsminister Thomson verteidigt. Von mehreren Seiten wird eingeworfen, die Beschlag- nahmung komme viel zu spät und die Spekulanten seien allgemein bekannt, ohne daß aber die Regierung gegen sie einschreite. Der Minister betont: Die Lasten, die dem Land auferlegt werden, feien nicht zu schwer.(Unruhe.) Abgeordneter Andricu versichert, die Schwierigkeiten würden für die nächste Ernte noch wachsen, wenn nicht Ausnahmcmatzrcgcln getroffen würden, die bei den außer- ordentlichen Verhältnissen notwendig seien. Man müsse Dcklara- tionszwang einführen, Höchstpreise für Getreide aufrechterhalten und ebensolche für Mehl festsetzen. Der Minister erwiderte, daß angesichts der zu befürchtenden Unzulänglichkeit der kommenden Ernte russisches Getreide eingeführt werden müsse, um eine Preissteigerung zn verhindern. Boret erklärt unter großem Beifall die Erklärung des Ministers für fcbr unklug. Dieser iverfe dadurch die Panik ins Land und arbeite den Spekulanten in die Hände. Es fei ein Skandal, daß frisch Naturalisiertc mit Getreide- lieferungen für den Staat betraut wurden. Während Weizen 24 Frank kostete, lieferten die Mühlen von Corbcil ihn für 28 Frank. Ein anderer Lieferant nahm 2g statt 25 Frank und drohte, falls ihm dieser Preis geweigert würde, nach dem Auslaut) zn liefern.„Das Land muß die Wahrheit erfahren, und unsere Söhne im Felde müssen wissen, daß wir sie verteidigen gegen diejenigen, die auf „den Leichen unserer Kinder ein Vermögen auf- baue n." Die Aufregung in der Kammer erreicht ihren Gipfelpunkt, als Ringuier erklärt, die sozialistische Partei, die die arbeitende Klasse repräsentiere, habe schon vor SVi Monaten ein Einschreiten ver- langt. Ein Anfall auf den deutschen Geschäftsträger in Mexiko. Berlin, 27. Mai.(SB. T. B.) AuS Mexiko liegt folgende Mel- dung vor: Am 18. Mai wurde um 11 Uhr abends im Gesandt- schaftsviertel der deutsche Geschäftsträger Dr. Magnus etwa 150 Dieter von der deutschen Gesandtschaft entfernt von einem Menschen angefallen, der ihm Uhr und Kette zu rauben ver- suchte. Dr. Magnus wehrte den Angreifer mit Stockschlägen ab. Dieser versetzte darauf dem Geschäftsträger einen M c s s e r st i ch in die Herzgegend, ohne ihn jedoch ernstlich zu verletzen. Abgesehen von einer Fleischwunde, die das Zwerchfell unversehrt ließ, trug Dr. Magnus keinen Schaden davon. Er ist fieberfrei und außer Lebensgefahr, hat auch die Führung der Geschäfte nicht abgegeben. Seine Wiederherstellung wird binnen zwei Wochen erwartet. Die Verfolgung des Raubanfalls ist eingeleitet. Berichtigung. Aus dem österreichischen Kriegspressequartier erhalten wir folgendes Telegramm: Vom Kriegspressequartier genehmigt auf Grund des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung in der nächsten Nummer Ihres Blattes: Es ist unrichtig, daß mein Bericht über die Schlacht bei Gorlice in Nummer 232 des„Berliner Tageblatts" frei erfunden ist oder einem Handbuch sein Entstehen verdankt. Die dem Bericht zugrunde liegenden tatsächlichen Angaben sind mir nach den Mitteilungen des operierenden OberkomniandoS in dessen Standort zugekommen und an Hand der Spezialkarte erläutert worden. Den einschlägigen Handbüchern sind lediglich die ergänzenden Hinweise und Daten kulturhistorischen Charakters entnommen, die mit dem Kriegsbericht als solchen nichts zu tun haben. Leonhard Adelt. Kriegsberichterstatter des„Berliner Tageblatts". Die tzölle öer Arbeiter. Aus New Dork wird uns geschrieben: Man redet hier in Amerika viel davon, daß nach dem Kriege die Europäer in Scharen nach den Vereinigten Staaten auswandern werden. Ob das eintreffen wird oder nicht, jedenfalls ist es am Platze, diejenigen Genossen in Europa, die Nluswanderergelüste haben, schon jetzt vor diesem„Eldorado" zu warnen. Man hat schon früher oft gegen die Sluswanderung gewarnt, aber immer hat es noch Leute gegeben, die sich sagten:„Ach was, die da drüben schildern die Verhältnisse so grau, um sich die Konkurrenz vom Leibe zu halten und sich den Arbeitsmarkt nicht verderben zu lassen." Slber in Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß an diesem Arbeitsmarkt nichts mehr verdorben werden kann. Was den europäischen Arbeiter anzieht, sind die hohen Löhne, die in gewissen Berufen in Zlmerika bezahlt werden. Gewiß sind die Löhne, die in gewissen gelernten Berufen bezahlt werden, hoch, ob sie aber, gemessen an der verausgabten Arbeitskraft, der Slr- beitsgelegenheit und der Höhe der Kosten des Lebensunterhalts hoch zu nennen sind, ist eine andere Frage. Viele Arbeiter in Slmcrika, die die doppelten und dreifachen Stundenlöhne ihrer Kollegen in Europa verdienen, sind froh, wenn sie sechs Monate im Jahre arbeiten können. Und wenn sie arbeiten, so ist dies eine furchtbare Hetzjagd, denn in keinem anderen Lande ist das Aus- bcutungssystein in so teuflischer Weise ausgebildet worden. Jeder Handgriff ist berechnet, keine Sekunde darf der Arbeiter rasten. SBer da nicht eiserne Muskeln und stählerne Nerven mitbringt, um den ist es bald geschehen. Vor einiger Zeit kam zum Beispiel ein tüchtiger Genosse aus Europa hier an. Er war ein wahrer Künstler in seinem Fach, der gewohnt war, stets nur das Beste zu geben, was in ihm war. Nach langem Suchen fand er Arbeit in einem Betriebe, in dem das raffinierteste Ausbeutungsshstem herrschte. Nachdem er einige Zeit, beständig überwacht und an» getrieben und den größten Schund produzierend, gearbeitet hatte, brach er zusammen. Jetzt ist er in einer Nervenheilanstalt. Die maßlose Hast, mit der gearbeitet wird, produziert natür- lich Schund. Das kann man an allen Artikeln bemerken. Auch vom norööstlichen Kriegsjchauplatz. Der Deutschenhaß der Letten. L i b a u, 21. Mai ISIS. Nationalistische oder sonstwie ideologisch verbrämte Kämpfe spielen sich auf dem Untergrund wirtschaftlicher Jnteressengegen- sätze und Machtbestrebungen ab. Für diese Tatsach« liefert auch die Geschichte Kurlands und speziell Libaus handgreifliche Bei- spiele. Das Begehren nach dem Besitz wichtiger Handelsplätze und verlockender Einnahmen für die herrschende Partei reizt zu nationalistisch und kirchlich firmierten Kriegen. Ritter und Bischöfe kämpften um die Oberherrschaft mit dem Recht aus Han- delsinonopole, auf Steuer- und Zolleinkünfte und für sonstige Privilegien; dann wieder ringt der Adel gegen das städtische Bürgertum, um die früher ertrotzten Steuer- und Zollvorrechte aufrechtzuerhalten; der hörige Bauer bäumt sich auf gegen seine Unterdrückung. Das Bürgertum ist der Gehilfe des Adels gegen die Bauern und es fordert selbst vom Adel das Recht auf Güter- besitz. Handwerker sieht man in der Verteidigung ihrer Zunft- rechte, bald gemeinsam, bald getrennt, bei der Austragung von Gegensätzen untereinander. Litauer bemühen sich, die ihnen von der Ordensgesellschaft auferlegte Tributpflicht abzuschütteln, Städte streiten und hadern unter- und gegeneinander, um Han- delsvorrechte mit günstigen Zöllen zu erlangen. Fast immer rück- ten die streitenden Parteien mit vorangetragencn nationalistischere oder kirchlichen Fahnen ins Feld. Zu Slnfemg des 17. Jahrhunderts flössen der polnischen Krone aus dem polnisch-litauischen Handel reiche Zolleinnahmen zu, darum vergaß Polen seine katholische Mission, der Polenkönig wurde der Schutzpatron des protestantischen Riga, das sich auch unter der Herrschaft des weißen Adlers ganz wohl fühlte. Der bei den reichen Kaufleuten Rigas verschuldete kurische Adel hielt ebenfalls zu den Rigaern; die Sldligen müssen dem Recht des Handels auf der Düna zwar entsagen, erlangen aber die Zu- sicherung zollfreier Ausfuhr ihrer Acker- und Forsternten sowie der freien Einfuhr von Waren für die eigene Haushaltung. Bauern, unprivilcgierten Kaufleuten, z. B. Schotten und Hol- ländorn sowie„anderen Herumstreichern" wird jedweder Handel untersagt. 1625 erhält Libau Stadtrechte, aber die Bürger müssen zugunsten der herzoglichen Kasse Zölle auf ein- und ausgehende Waren erlegen, ferner'Akzise für Wein, Bier und Meth. Dafür erlangen sie das alleinige Recht, mit Einheimischen Handel zu treiben; Fremde dürfen nur an Libaucr Kaufleute ihre Waren abgeben. Trotzdem macht ihnen der Herzog Konkurrenz. In dem Buch von Cruse:„Kurland unter den Herzögen", Mitau 1833, wird berichtet, daß schon Friedrichs Gemahlin, die pommcrsche Prinzessin Elisabeth Magdalme, selbständigen Handel trieb. 1636 verkaufte sie Speckseiten, Erbsen, Butter, Käse. Dem Hasenpotsr Kommissionär Pröbsting läßt sie sich durch Korff zu weiteren Ge- schäften empfehlen. Nach A. Wegner, Geschichte der Stadt Libau, 1898, betrieb der Herzog den Handel mit Sämereien nach Litauen als Monopol. Das Wttcheramt in Libau hatte das alleinige Recht, die für diesen Handel erforderlichen Tonnen zu liefern, heim Lesen der amerikanischen Zeitungen fällt einem das gleich auf. Sie sind mit einer Nachlässigkeit gesetzt und korrigiert, deren sich der Posemuckler Anzeiger schämen würde. In den vornehm- sten Blättern New Uorks findet man täglich in jeder Spalte buch- stäblich Dutzende von Druckfehlern, die einem das Lesen schließlich verleiden. Ter Amerikaner läßt sich den Schund ruhig gefallen; er ist daran gewöhnt. Zlmerikanische Kapitalisten klagen beständig darüber, daß sie mit den Europäern nicht konkurrieren können. Wenn man sich die elenden Massenartikel anschaut, die hier auf den Markt geworfen werden, kann man es verstehen, weshalb zum Beispiel die Südamerikancr lieber deutsche oder englische Er- zcugnisse kaufen. Uebrigens werden die hohen Stück- und Stundenlöhne nur von der Aristokratie der Arbeiterschaft verdient. Die minder qualifizierten und unqualifizierten'Arbeiter verdienen kaum ge- nug zum Leben. Ihr Wochenlohn mag zwischen 10 und 12 Dollar betragen, und 9 oder 10 Dollar ist etwa die Summe, die ein lediger Arbeiter oder eine ledige Arbeiterin haben muß, um eine Woche dahinvegetieren zu können. Ter Lebensunterhalt ist sündhaft teuer. Für ein Brot, das 12 Unzen oder etwa% Pfund wiegt, zahlt man 6 Cents(20 Pf.). Tasselbe Brot, das aus demselben amerikanischen Korn hergestellt ist, tostet heute in England, wo man sich über die hohen Brotpreise bitter beklagt, nicht mehr als 12 Ps. Ein Liter Milch kostet 35 Pf. Frische Butter kostet 1,60 M. für 450 Gramm. Das Fleisch ist heute bedeutend teurer als in Europa. Für eine anständige Arbeiterwohnimg zahlt man in der Umgegend New Jorks 16 Dollar den Monat(67 M.). Vielfach sind es Holzhäuser, in denen man wohnen muß. In der nächsten Nähe von New Jork gibt es noch viele Häuser, die Gartenklosetts ohne Wasserspülung haben. Dazu kommt die Fahrt nach dem Arbeits- platz, die täglich mindestens 10 Cents(40 Pf.) verschlingt. Läßt sich der Arbeiter beim Schneider einen einigermaßen anständigen Anzug machen, so muß er mindestens 20 Dollar(84 M.) anlegen. Hat er dann noch von seinem hohen Lohne etwas übrig und will er sich einmal eine Zigarre leisten, so muß er für das minder- wertigste Kraut 20 Pf. anlegen. Er ist den Trusts für alles, was er kauft, tributpflichtig. Selbst wenn er sich begraben lassen will, kommt er an dem Sargtrust nicht vorbei. Dabei bestehen nur Spuren von einer Sozialgesetz- g e b u n g. Kranken-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung gibt es überhaupt nicht. Im Staate New Jork hat man jetzt seit kurzem ein Zlrbciterunsallentschädigungsgesetz. Das ist aber auch alles. Und eS besteht auch keine Aussicht, daß in nächster Zeit etwas zur Hebung der Arbeiterklasse getan wird. Das Haupthindernis ist die berühmte freiheitliche Verfassung, ein raffiniert ausgeklügeltes Machwerk, das wie kaum eine andere Konstitution in der Welt die Interessen der Wohlhabenden wahrnimmt und den Aufstieg des Volkes verhindert. Selbst wenn es einmal gelingt, ein volkstüm- liches Gesetz durch das Repräsentantenhaus und den Senat zu peitschen, können die hohen Richter das Gesetz jederzeit noch als verfassungswidrig erklären, und damit fällt die ganze Arbeit zu Boden. Der Schwindel ist nur dadurch aufrecht zu erhalten, daß man dem Volke von frühester Jugend an einpaukt, daß die Ver- fassung der Union die vollkommenste sei, die das menschliche Hirn je ausgedacht habe. Und die Mehrheit der Amerikaner glaubt das wirklich trotz der üblen Erfahrungen, die man mit dem göttlich inspirierten Instrument gemacht hat. Dieselben Menschen lachen aber unbändig, wenn von dem GotteSgnadentum Europas die Rede ist. Wer die amerikanischen Zustände mit frischem Blick anschaut, der wird in dem Lande alles andere als ein ArbeiterparadieS er- kennen. Man könnte eher sagen, was Karl Marx von Belgien sagte: Amerika ist das Paradies der Kapitalisten und die Hölle der Arbeiter. Es ist bezeichnend, daß hier viele Slrbeiter davon reden, nach dem Kriege wieder nach Europa zu gehen. Vielleicht ist diese Idee noch gescheiter als die des AuSwanderns nach Amerika, Mus öer Partei. Dr. Otto Wittner gefallen. Erst jetzt ist festgestellt, daß bei den Kämpfen im Nordosten am 13. September v. I. Dr. Otto Wittner gefallen ist. Sein Tod ist ein Verlust für die deutsche Literatur, aber auch für unsere Partei, Lange führten die Kaufleute einen vergeblichen Kampf gegen die Konkurrenz des Adels. Herzog Jakob genehmigte ihnen 1654 auch eine Verordnung, laut welcher ihr Handelsrecht nicht durchbrochen werden darf; als die Kauslcute jedoch anfangen, auch den Sldel mit Strafzöllen zu belästigen, behauptet der Adel erfolgreich sein Privilegium auf Zollfreihcit. Die in der Stadt erstarkten Hand- Werkerzünfte überwachen eifersüchtig die Warenproduktion,„Böhn- Hasen" werden streng bestraft. Kein Geselle darf bei einem nicht eingeschriebenen Zunftmeister arbeiten, die Ausübung des Hand- Werks außerhalb der Stadt, im Hause des Bauern, ist verpönt und steht unter Strafe. Selbst der hörige lettische Stadtbauer bleibt vom Handelsrecht ausgeschlossen.„Er darf weder Handel treiben, noch Bier brauen und es ausschenken, noch einen fremden Wegcbauer bei sich aufnehmen und beherbergen", schreibt Wegner. Die Bauern waren ferner verpflichtet, zur Rettung herbeizueilen, wenn in der Stadt eine Feuersbrunst ausbrach, und„bei ehrlichen Bürgern" in Dienst zu treten als Knecht oder Magd, weil es an deutschen Dienstboten mangelte. Wenn der junge Hörige drei Jahre lang„ehrlich gedient" hatte, konnte er wieder„auf Tage- lohn" zu Hause bei seinen Eltern liegen. Aber man gestattete ihm auch gnädigst, in der Stadt auch andere Lohnarbeit anzu- nehmein. Der auf dem Markt oder in seinem Hanse müßig be- fundene Bauer mußte„bei Strafe eines Rückens voll" dem Rufe des Stadtbürgers folgen und zur Arbeit erscheinen. So erzog man sich einen Stamm lettischer Lohnarbeiter in der Stadt. Jahr- hundertelang blieben die Letten von dem Recht des freien Be- sitzeS ausgeschlossen, man wehrte ihnen das Eindringen in die Kaufmannsgilde und in die Handwerkerzünfte. Wohl wird den Bauern im Jahre 1794 Freiheit und Eigentmusrecht zugesichert, aber noch während der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bleibt die Satzung in Wirksamkeit, die ihnen verbietet, SBaren aufzukaufen und Zwischenhandel zu betreiben, die sie weiter ver- pflichtet, ihre Waren in die Stadt zu bringen und nach der Markttafelordnung„an den in der Neunerreihe stehenden Kauf- mann" zu marktgängigen Preisen zu verkaufen. Von der Ver- einigung der gesamten Kaufmannschaft wurde der„Kontra- venient" für den ersten Uebertrekungssall einer Strafe von 50 Rubeln, für den zweiten von 100 Rubeln, für den dritten und jeden weiteren von 200 Rubeln bedroht. Berücksichtigt man weiter, daß den Letten der Gebrauch der deutschen Sprache ver- wehrt mar, was ebenfalls als ein Hindernis für ihren sozialen Ztufstieg bezeichnet werden mutz, dann wird sein Nationalhaß er- klärlich. Nicht zu seinem Vorteil, sondern zum Vorteil der russi- scheu Knutenherrschaft peitschte der Haß zu den überstürzenden Wogen auf, unter welchen selbst die revolutionären Wellen er- stickten. Heute noch sehen sich die Letten in ihrer großen Atehr- heit auf der untersten sozialen Stufe des Dienstboten, des ge- werblichen oder ländlichen Lohnarbeiters festgehalten, und sie wiegen sich in der Illusion, durch den Kamps gegen Deutsche und Juden aus der Misere ihres proletarischen Alltags in die Feier- tage bürgerlicher SSohlhabenhett hineinspringen zu können. Wie töricht das ist, braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden. Von Rußland haben die Letten sicher nichts Gutes zu erwarten; sie küssen die Knute, die auch sie züchtigt. Düwell, Kriegsberichterstatter. in deren Zeitschriften imd Zeitungen er manchen wertvollen Aufsatz über Literaturgeschichte und über die Eiuwickelung der deutschen Geisteskultur veröffentlicht hat. In den letzten Jahren lebte er in Italien und in Berlin. Er fiel als bayerischer Reserveleutnant. Die Konferenz der Oppositionellen. In einem vom Züricher„Volksrechr" veröffentlichten Bericht über eine am 22. Mai im Volkshaus Zürich abgehaltene Sitzung des schweizerischen Parteivorstandes heißr es u. a.: Zu einer lebhaften Aussprache kam es bei der Erörterung der in Llussicht genommenen Konferenz der Oppositionellen in den einzelnen Ländern. Mehrheitlich herrschte die Auf- fassung vor, sich an einer solchen Konferenz offiziell nicht vertreten zu lassen. Jahrzehnte seien in vielen Ländern an die Einigung der Partei gesetzt worden und nach dem schrecklichsten aller bis- herigen Kriege dürfe keine Bruderpartei zersplittert dastehen. Die Genossen der einzelnen Länder müßten allein den rechten Weg finden. Jedem Mitglieds auch unserer schweizerischen Partei stehe es natürlich frei, nach eigenem Gutdünken für den Frieden zu wirken und demgemäß seine Stellung zu jener Konferenz zu be- ziehen._ Friedensardcit der Sozialisten in Südamerika. Aus Sao Paulo(Brasilien) wird uns geschrieben: Seit Kriegsausbruch hak die Presse in Deutschland, ein Teil der sozialdemokratischen nicht ausgenommen, mit Vorliebe Briete und Einsendungen aus neutralen Ländern veröffentlicht, welche von der Parteinahme für die eine oder andere Seite der Kriegführenden reden. Solcherlei Parteinahme, so verständlich sie auch durch Geiühl oder Interessengemeinschaft sei, deckt sich jedoch in den wenigsten Fällen gerade mit den sozialdemokratischen Interessen. Es wird deshalb interessieren. daß in den s ü d a m e r i- konischen Ländern unter der Arbeiterschaft eine große Miß- stimmung gegen den Krieg vorhanden ist, die sich jedoch nicht darin zeigt, daß eine der kriegführenden Parteien als die für den Völker- konflikt schuldige hingestellt wird. Trotzdem die Elemente der Arbeiterbewegung in Südamerika„Lateiner" sind, in Argentinien Spanier, in Brasilien Italiener, Portugiesen und Spanier, ist in der Arbeiterpresse nichts von einem Haß gegen einzelne krieg- führende Völker vorhanden, die Demonstrationen in Bezug auf den Völkerkonflikt beschränken sich darauf, die Abneigung gegen den Krieg an und für sich wachzurufen, das Mitleid mit allen Opfern des Krieges und die Soli- darilät mit allen Friedensfreunden kund zu tun. In Rio de Janeiro und Sao Paulo, den beiden größten Städten Bra- siliens, haben sich ständige Kommissionen gegen den Krieg gebildet, die Flugblätter herausgeben, öffentliche Volksversammlungen abhalten und in jeder Weise tätig sind, den hier arbeitenden italienischen „Interventionisten" und den auf der Seite der„Alliierten" stehen- den brasilianischen„Chauvinisten" das Gegengewicht der Vernunft zu bieten. Bemerkenswert ist, daß bei diesen Kundgebungen die So- zialisten aller möglichen Richtungen Hand in Hand arbeiten, die verschiedenen Programme und Doktrinen beiseile lassen, in der sehr richtigen Erkenntnis, daß es jetzt für alle Friedensfreunde der neutralen Staaten nichts anderes geben kann, als gemeinschaftlich den Willen zum Frieden kund zu tun. In diesem Sinne sprechen denn auch schon seit Anfang des Krieges die Syndikalisten durch ihren„Loz do Trabalhador"(Arbeiterstimme), Rio, die italienischen Sozialdemokraten durch ihren„Avanti", Sao Paulo, die deutschen Sozialdemokraten durch ihren „Volksfreund", Sao Paulo, und die A n a r ch i st e n durch ihre ver- schiedenen Organe. Notgedrungen sind so auch alle Maiknnd- gebungen zu größeren Manifestationen für den Frieden geworden. Die„Confederacao Oporaria Brazileira" erließ am 1. Mai ein Friedensflugblatt, das von weiteren 13 Arbeiterorganisationen unter- zeichnet war«nd dessen Inhalt sich durch Sachlichkeit und Un- Parteilichkeit auszeichnet. Die Folgen des Krieges machen sich natürlich auch in den überseeischen Ländern kund. In den Jndustrieorten herrscht Mangel an Arbeit. Leider ist es aber auch dort nur die Arbeiter- schaft, und von dieser wiederum nur die sozialistisch gebildeten Kreise, die ernsthaft und überzeugt offen für den Frieden eintreten. Mus Inöustrie unö kanöel. Bestandsmeldung von Metallen. Amtlich. Berlin, 27. Mai.(W. T. B.) Die am 1. Mai 1915 in Kraft getretene neue Verfügung betreffend Bestandsmel- dung und Beschlagnahme von Metallen(Kupfer. Messing, Bronze, Nickel, Zinn,'Aluminium, Antimon und Hartblei) verpflichtet alle gewerblichen, industriellen und Handelskreise, sowohl Firmen und Einzelpersonen, wie auch Kommunen, öffentlich recht- liche Körperschaften und Verbände zur Meldung. Ihre Unterlassung ist nach§ 5 der Bekanntmachung über Vorratserhebung vom 2. Februar 1915 mit empfindlichen Strafen bedroht.— Amtliche Meldescheine mit Bordruck und angefügter Erläuterung sind bei allen Postanstalten I. und II. Klasse erhältlich. Für die nachträgliche Vorlage etwa noch unterbliebener Mel- düngen ist, wie wir von zuständiger Seite erfahren, eine Nachfrist bis zum 31. Mai 1915 gewährt. Kriegsgewinne. Bei den Gladbacher Textilwerken Akt.-Ges. vormals Schneiders u. Jrmen hat sich das Geschäft nach einer Aeußerung der Verwaltung infolge bedeutender Kriegsausträge gut emwickelt, so daß mit Sicherheit auf eine hohe Dividende für das am 30. Juni ablaufende Geschäftsjahr gerechnet werden kann, während im Vorjahre keine Dividende zur Auszahlung kam. Das Bestreben, Nutzpflanzen, namentlich Gemüse, in weitestem Umfange anzubauen, hat eine außergewöhnlich lebhafte Nachfrage nach Samen und jungen Pflanzen verursacht. Aus dieser Bewegung hat die Terra, A.-G. für Samenzucht in Aschersleben, in dem ablaufenden Geschäftsjahr reichen Nutzen gehabt. Zunächst sollen aber erhebliche Rückstellungen und Abschreibungen vorgenommen werden, die schon durch die letztjährigen Entnahmen aus den Rück- lagen sich empfehlen. Daneben wird eine erhebliche Dividende ge- zahlt werden, während im Vorjahre die Aktionäre leer ausgingen. Fusionspläne rheinischer Banken. Die Mittelrheinische Bank in Koblenz und die Rheinische Bank in Essen sollen nach Mitteilung der„Franks. Zeitung" in Verhandlungen über Angliederung an die D i s c o n l o- G e s e l l s ch a f l stehen. Die seit dem Jahre 1873 in Koblenz be- stehende Mittelrheinische Bank verfügt über ein Aklientapilal von 20 Millionen Mark. Das Institut stand bereits dem A. S ch a äff- hauien scheu Bankverein nahe. Auch die Rheinische Bank in Essen unterhielt Beziehungen zum Schaaffhausenschen Banlverein, der ebenso wie die Dresdner Bank einen größeren Teil Aktien von dem 28 Millionen Mark betragenden Grundkapital besitzt. Der Schaaffhausensche Bankverein ist bekanmlich im vergangenen Jahre unter Herabsetzung des Attienkapitals an die Disconto-Gesellschast angegliedert worden._ Konkursstatistik. Nach den„Vierteljahrsheften zur Siatistik des Deutschen Reiches", Jahrg. 1915 Heft 1, sind im ganzen Deutschen Reich während dem 4. Vierteljahre insgesamt 2149 Konkurse angemeldet worden gegen 3022 in derselben Zeit des Vorjahres. Das Verhältnis der Zahl der eröffneten Konkursverfahren zu der Zahl der Anträge, die mangels hinreichender Masse abgelehnt werden mußten, ist ungefähr dasselbe wie im Vorjahre: 1615 zu 534. Von einigen Amtsgerichten gingen freilich mit Rücksicht auf die Kriegslage Nachweisungen nicht ein. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist nicht möglich, weil die gesetzlichen Bedingungen für Konkursverfahren während der Kriegszeit andere sind als in Friedenszeiten. Gewerkschaftliches. Krieg und Streiks. Wohl am auffallendsten zeigt sich die Wirkung des Krieges in der Statistik der Streiks und Aussperrungen. Die Viertel� jahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs bringen im i. Heft des neuen Jahrgangs die vorläufige Uebersicht der amtlichen Statistik. Danach waren im 4. Vierteljahr 1914 im ganzen 24 Streiks gegen 245 in derselben Zeit des Vorjahres zu verzeichnen. 25 Betriebe mit 4974 Beschäftigten waren von den Streiks betroffen, gegen 1976 Betriebe mit 49 759 Beschäftigten im Vorjahre. An Aussperrungen ist nur eine und zwar im Handelsgewerbe vorgekommen, in einem Betriebe mit 24 Beschäftigten, während im 4. Vierteljahr 1913 17 Aussperrungen in 41 Betrieben mit 5298 Beschäftigten der- zeichnet sind. Deutsches Reich. Der Glaserverband nach neun Kriegsmonaten. Der Glaserverband, welcher vor Ausbruch des Krieges im zweiten Quartal 1914 in 88 Zahlstellen 4395 Mitglieder zählte, hat durch dieses unerhörte Volkerringen schwer zu leiden gehabt. Nach einer statistischen Erhebung von, 39. April d. Js. sind— obwohl 15 Zahlstelleu seit jener Zeit geschlossen werden mußten und 12 Zahl- stellen mit 262 Mitgliedern nicht berichtet haben— bis jetzt 1775, also rund 2999 Glaser zum Kriegs- und Heeresdienst eingezogen worden, worunter sich 919 oder vielleicht rund 959 Verheiratete be- finden. Da seit dem 39. April auch noch weitere Einziehungen statt- gesunden hoben, so hat sich das Bild schon wieder verändert. Ob- gleich seit Kriegsbeginn in 61 Zahlstellen 179 Neuaufnahmen zu verzeichnen sind, ist die Zahl der Mitglieder auf rund 1699 zurück- gegangen. Obwohl ja eine sehr große Zahl von Kollegen der Berufstätig- keit entzogen ist, so halte der Glaserverband am 39. April immer noch 189 Mitglieder, welche vollständig arbeitslos waren und 146 solche, welche verkürzte Arbeitszeit und gekürzten Lohn hatten. Während der Kriegsdauer sind in den neun Monaten vom 3. August 1914 bis 39. April 1915 in 61 Zahlstellen an Arbeits» losenumersiützung 38 774 M. an die Mitglieder ausbezahlt worden. Für die Familien der Kriegsteilnehmer wurden in dieser Zeit 17 945 M. und für Unterstützung aller Art betrug in 61 Zahlstellen in der Zeit vom 3. August 1914 bis 39. April 1915 die Ausgabe eine Summe von 72 269 M. Durch diese Unterstützung ist zweifellos manche Not der Mit- glieder und deren Angehörigen gelindert worden. Tarifabschluft in der Kautabakiudustrie. In N o r d h a u s e n ist eine bedeutsame Vereinbarung zwischen den Unternehmern der Kautabakindustrie und ihren Arbeitern, bezw. deren Vertretung, dem Deutschen Tabakarbeilerverband, zustande gekommen. Mit einzelnen Firmen der Kautabakindustrie Nordhausens bestanden bereits Tarifverträge mit dem Deutschen Tabakarbeiter- verband, die auch jetzt noch nicht abgelaufen waren: nun ist aber ein allgemeiner Tarif neu abgeschlossen worden. Die errungenen Lohnerhöhungen sind bei einigen Gruppen von Arbeitern beachtens wert; wenn nicht bei allen Arbeitern und Arbeiterinnen gleiche Zu- lagen erfolgt sind, so hat das teilweise seinen Grund darin, daß eine Ungleichheit bestand. Gerade in der Vereinheitlichung der Lohw gruppen der Nordhäuser Kautabakindustrie liegt eine hervorragende Bedeutung des ganzen Abkommens. Jetzt ist die Sachlage der- artig, daß sich in jedem Betriebe eine auf gleicher Grundlage beruhende Berechnung schaffen läßt, sowohl für die Arbeiter wie auch sür die Unternehmer. Dadurch wird für die an dem Ab- kommen beteiligten Betriebe eine gegenseitige Schmutzkonkurrenz hintangehalten._ Differenzen in einer Tapetenfabrik. Die Geschäftsleitung der Koswiger Tapetenfabrik entließ bei Ausbruch des Krieges.ihre gesamte Arbeiterschaft. Am 19. August bestellte sie die verheirateten Männer mittels Postkarte nach der Fabrik, um die augenblickliche Lage zu besprechen. Dabei wurde den Arbeitern der Vorschlag gemacht, für einen Stundenlohn von sage und schreibe 39 Pf. an jedem Tage fünf Stunden Aufräumungs- und Neinigungsarbeiten zu verrichten. In der bei Ausbruch des Krieges herrschenden allgemeinen Bestürzung sagte die Arbeiterschaft unter dem Drucke der Verhältnisse leider zu. Als einige Wochen später der Betrieb teilweise wieder aufgenommen wurde, wurden den Ein- gestellten zunächst nicht die vor dem Kriege üblichen Löhne, sondern wesentlich niedrigere bezahlt, die bei den Frauen um 5—8 Pf., bei den Männern sogar bis zu 19 Pf. unter den alten Lohn herunter- gingen. Wegen Mangels an geeigneten Druckern mußte man sich allerdings dazu verstehen, diesen den früheren Stundenlohn zu zahlen, änderte dafür aber das Ptämiensystem um, wodurch der Verdienst um 3 bis 5 M. in einer Woche zurückgehen mußte. Diese Tatsachen veranlaßten die Arbeiterschaft, die Verbands leitung zu beauftragen, mit der Firma wegen Gewährung der vor dem Krieg üblichen Löhne, eines Zuschlags für Ueberstunden und einer allgemeinen Teuerungszulage in Verbindung zu treten. Als die Verbandsleitung die Wünsche der Arbeiterschaft schriftlich über- mittelte. sandte die Firma den ersten Brief ungeöffnet zurück. Der zweite wurde geöffnet, kam aber mit dem Vermerk:„llugelesen I* zurück! Daß auf solche Weise ein Ausgleich in den gegenseitigen In- teresien zustande gebracht wird, erscheint uns recht fraglich. Wenn der Konflikt zum offenen Ausbruch kommen sollte, darf die Leitung der Koswiger Tapetenfabrik niemanden anders als sich selbst an- klagen. Eisenbahndirektion und Tarifvertrag. In L a n d s h u t in Bayern ist seit Jahren ein Tischlermeister mit Reparaturarbeiten sür die dortige Eisenbahndirektion beschäftigt. Als mit den Tischlermeistern deS OrteS ein Tarifvertrag abgeschlossen wurde, weigerte sich dieser Arbeilgeber die tariflichen Arbeits- bedingungen auch in seinem Betriebe einzuführen. Auf eine Be- schwerde vom 7. März 1913 antwortete daS bayerische Verkehrs- Ministerium, der Arbeitgeber„habe keine über das übliche Maß hinausgehende Arbeitszeit und auch die Löhne ständen nicht erheblich hinter dem im GewerbeUveig üblichen zurück."' Am 13. April 1915 machte der Gauvorsteher des Holzarbeilerverbandes eine erneute Eingabe mit dem Antrage, dem Arbeitgeber die Sraatsaufträge zu entziehen. Darauf ist nun am 29. April von der kgl. Eisenbahn- dircktion Regensburg folgende Antwort eingegangen: „Auf Ihre Zuschrift v»m 13. April 1915 betreffend Vergebung von Schreinerarbeiter durch die K. Bauinspeklion Landshut wird Ihnen mitgeteilt, daß nach Mitteilung des K. B. Gewerberates für Niederbayern im Schreinereibetrieb des x Fuchs in Landshut die Entlohnung nicht nach den Tarifsätzen vor sich gebt. Solange diese Verhältnisse fortbestehen, wird x Fuchs bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen der K. Eisenbahnverwaltung nicht mehr beigezogen werden. Käß." TltislmtS. Teuerungszulagen im Buchdruckgewerbe. Eine ganze Anzahl von Buchdruckereien Wiens gewährt in Anbetracht der unerhörten Verteuerung der notwendigsten Lebens- mittel ihren Personalen Teuernngszulagen. Das ist um so an- erkennenswerter, als sich beide Teile des österreichischen Buchdruck- gewerbes erst im Anfang einer neuen Tarifperiode befinden. Aus der Arbeiterbewegung in Czenstochau. DaS polnische Czenstochau, bekannt als die Pilgerstätte für die polnischen Katholiken, wo in dem uralten Kloster auf dem Kalvarien- berge ein Heiligenbild als nationale Reliquie aufbewahrt wird, ge- hört zu denjenigen Orten im Gouvernement Petrikau, die nach dem Kriegsausbruch gleich von den deutschen Truppen besetzt wurden. Die Stadt beherbergt bedeutende industrielle Anlagen. Reben groß angelegten Textilfabriken befinden sich in der Nähe derselben in Blachownia und Ralow große Eisenhütten. Wie rapid im Jahr- zehnt vor dem Kriege die Stadt sich entwickelte, geht daraus her- vor, daß die Bevölkerungszahl von rund 61 999 Einwohnern im Jahre 1994 auf rund 79 999 im Jahre 1999 stieg, bis 1912 schnellte sie auf 99 999 und Anfang 1914 betrug sie bereits rund 94 999. Unter den Einwirkungen der Kriegszeit verringerte sie sich jedoch um rund 19 999 Personen. Die vor einigen Tagen vorgenommene Volkszählung zeigte einen Bestand von 84 541 Einwohnern und zwar 39 981 Männer und 45 479 Frauen. Darunter befinden sich 43 815 Analphabeten. Mit einem Schlag wurde nach dem Kriegsausbruch das in- dustrielle Leben lahmgelegt. Die vorgefundenen Rohstoffe sind be- schlagnahmt. Die Arbeiter wurden dem nagenden Elend preisgegeben. Ihre Lage ist jetzt auch keineswegs besser, als in den anderen Ge- bieten des besetzten Landes. Nach dem vor einigen Tagen in Lodz erschienenen polnischen Arbeiierblatte„Glos Robotniczy"(„Arbeiter- Stimme, Nr. 2) sind gegenwärtig in Czenstochau gegen 39 999 Ar- bester ohne Verdienst und ohne irgendwelche Unterhaltungsmöglich- keit. Die Situation verschlimmert sich dadurch, daß am Orte keine gewerkschaftlichen Organisationen vorhanden sind, was zur Folge hat, daß der Egoismus und die Willkür der Fabrikanten ungehemmt sich ausbreiten kann. Die an die Arbeiter gezahlten Unter- stützungen sind wiederum von 69 auf 49 Kopeken pro Woche ver- ringert worden. Die Niedergedrücktheit und Apathie unter der Arbeiterschaft— wie im„Glos Robotniczy" hervorgehoben wird— verschwinden jetzt immer sichtlicher. Angespornt durch das Beispiel anderer Städte haben auch die Czenstochauer Arbeiter sich zum Kampf um Demo- kratisierung des Bürgerkomitees aufgeraffl. In der letzten Zeit fanden zahlreiche Arbeiterversammlungen statt, in denen die Lage der Arbeiter besprochen und Delegierte gewählt worden sind, denen als den Ver- trelern der Arbeiter Aufnahme in das Bürgerkomitee gewährt werden soll. Die am Orte vorhandenen Organisationen der sozialdemo- kratischen Parteien gehen gemeinsam vor. Zur Erinnerung an den blutigen Sonntag des 22. Januar 1995 wurde durch die vereinigte Leitung der Sozialdemokratie Polens und die sog. Lewitza der Pol- nischen Sozialistischen Partei eine seitens der Arbeiter freudig auf- genommene Proklamation herausgegeben. Die Parteitätigkeit ent- wickelt sich günstig, und die polnischen Genossen erwarten, daß sie in der allernächsten Zukunft sich noch mehr entwickeln wird. freigebenden Kleidung am Altar erscheint, die Verabreichung der Sakramente rücksichtslos verweigert wird. Durch solche durchsichtige Kleidung werden nicht nur die Geistlichen in Verlegenheit gebracht, sondern es wird auch dadurch bei den anderen Gäubigen Aergernis und Unmut hervorgerufen. Mus aller Welt. „Jetzt müssen ja alle rot werden." Unter der Spitzmarke„Das Erwachen" veröffentlicht die „Leipziger Volkszeitung" folgende Skizze: „In einem lichten Hofe, zwischen Geschäftsniederlagen ein- gezwängt, liegt die Wohnung des Hausmannes, klein und eng. als wenn sie von den umliegenden Räumen zerdrückt werden sollte. Und diese engen Räume bargen ein stilles Glück, denn vier Söhne zählten die Ellern, und keiner wollte trotz vorgeschrittenem Alter sich von den Eltern und der engen Klause trennen. Trotz der Ge- drückiheit der Verhältnisse gehörten sie ihrem Denken nach nicht zur Arbeiterklasse. Nur ein Sohn, der das Handwerk erwählt hatte, war polirisch und gewerkschaftlich organisiert und las, zum Verdruß der Eltern und Brüder, seine Volkszeitung. Da kam der Krieg. Die Mutter mußte ihre treu behüteten Söhne einen nach dem andern hinausziehen lassen als Soldat; so stehen drei bereits im Felde. Doch wie änderte sich das Bild, wie oft trat der besorgten Mutter die bange Frage aus die Lippen:„Wird denn noch nicht bald Friede?" Und der sonst so verschlossene Vater mußte seine Arbeit auf Anraten des Arztes auf Monate unterbrechen, weil der Weggang der Söhne seine innere Unruhe so gesteigert hatte, daß die Nerven der Arbeit nicht mehr standhielten. Da kam die Teuerung, der drohende Krieg mit Italien, und grollend kam eS über die Lippen des Alten:„Jetzt müssen ja alle rot werden..." Am Pfingstabend kam der noch nicht ins Feld ge- rückte Sohn auf Urlaub. Statt Freude fand er die Nachricht vor, daß sein Bruder, der Organisierte, im Westen gefallen sei. Mit bebenden Lippen erzählte der Alte seinen Verlust. Und dennoch! Fallen auch die besten Kräfte in Feindesland. Es gibt ein Er- wachen, das nach dem Kriege mit elementarer Gewalt die letzten Zaghaften, Schwankenden aufrütteln wird. Die Lücken werden ge- schlössen, so daß das Heer der Arbeit mit neuer Kraft das Ringen um seine Interessen beginnen kann." Die„Kreuz-Zeitung", die diese Skizze abdruckt, fragt dazu: 1. Weshalb müssen denn jetzt alle rot werden? 2. Gilt das Ringen, in dem das„Heer der Arbeit" augenblicklich steht, nicht seinen, gilt es fremden Interessen?_ Bischof Benzler gegen die„anstößige Kleidertracht". In einem Rundschreiben an die Pfarrer und Seelsorger der Diözese wendet sich, wie die„Straßburger Post" berichtet, Bischof Benzler von Metz gegen die anstößige Kleidertracht von Frauen und Jungfrauen, indem er u. a. ausführt: „Es ist unbegreiflich, daß trotz des furchtbaren Ernstes der Zeit so manche Frauen und Jungfrauen fortfahren, sich zu kleiden, als bestände sür sie das Gebot der christlichen Sittsamkeit nicht. Während der Apostel Paulus will, daß„die Frauen in anständiger Kleidung mit Schamhafrigkeit und Sitisamkeit sich schmücken", tun sie gerade das Gegenteil. Unsere Soldaten erdulden alle Ent- behrungen des Krieges und setzen ihr Leben aufs Spiel, und christ- liche Frauen und Jungfrauen haben den traurigen Mut, sich in einem Anzüge zu zeigen, der nicht nur aller christlichen Sitte widerspricht, sondern auch ein Hohn ist auf das Opferleben, das ihre Männer und Brüder im Felde führen müssen. Katholische Frauen und Jungfrauen, besinnt euch auf eure Christenwürde, und gestattet weder euw selbst noch euren Töchtern das Geringste, was mit der- selben in Widerspruch steht, oder was sich in dieser so ernsten Zeit nicht geziemi. Hütet euch, Gones Zorn noch mehr herauszufordern. Durch den Siindeiifall ist unsere Natur zum Bösen geneigt, besonders in unserem Fleische tragen wir das Verderbnis zur Sünde. Darum verlanget die christliche Sittsamkeit, daß wir unseren Leib ehrbar bedecken, nicht aber ihn in herausfordernder Weise zur Schau tragen. Wie kann vor dem christlichen Sittengesetz eine Kleidung bestehen, die eng anliegt, die Körperformen nicht verhüllt, aus durchsichtigen oder gar durchbrochenen Stoffen besteht. Arme und Brust nicht vollkommen bedeckt? Bedenket, daß unehrbare Kleidung auch unehrbare Gesinnung verrät. Wer eine solche trägt, erniedrigt sich selbst, schädigt seinen Ruf, begeht nicht nur eigene, fondern auch fremde Sünden, mit denen er belastet vor Gottes Gericht erscheinen muß. Von Eva sagt die Heilige Schrift:„Vom Weibe hat die Sünde ihren Anfang genommen, und um ihretwillen sterben wir alle." Folget also nicht unserer sündigen Stammutter, sondern dem Beispiel der jungfräulichen Gottesmutter, durch die uns Gnade und ewiges Leben zuteil ward. Denkst an Maria und athmet ihre Sittsamkeit nach. Fraget euch: Was würde Maria zu meiner Kleidung und zu derjenigen meiner Töchter sagen? Und dann ent- kernet rücksichtslos alles, von dem ihr euch sagen müßt, daß eS Maria nicht gefallen kann." Einige, besonders Bischöfe aus Bayern und Württemberg, sind in ihrem diesbezüglichen Erlaß noch strenger vorgegangen, indem sie durch eine Verfügung an die Gläubigen bekannt gaben, daß jeder Frau oder Jungfrau, die mit durchsichtiger, die Arme und den Nacken Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Souilabendmittag. Weitere Abkühlung, vielfach heiter, aber veränderlich und besonders im Osten strichweije Gewitter; sonst leine erheblichen Nieder- schlüge. WM Todes-Anzeigen WM �mlöemoWÄMvei'eiii Ld. 4. Berliner Relehstagswalilkr. Köpenicker Viertel. Bezirk 169. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Unna Taske Köpcnicker Straße 146 gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 28. Mai, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstrage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht »Hr Voi-stzuzd. Sozialdemokrat. KreiswaWvereln Hiederharnlm. Bezirk Bruchmühlc. Am 26. d. Mts. verstarb unser langjähriges Mitglied, der Genosse Kart Fink im Alter von 71 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. _ Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des hiesigen Fried- Hofes aus statt. 243/15 Um rege Beteiligung wird ge- beten. Der Vorstand. SoziaidemokratisctierWaliiYerein Neukölln, Nachruf. Am 21. Mai verstarb unser Mitglied BerobSHl Scliuimme Wissmannstr. 16, 24. Bezirk. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung iand am Man- tag, den 24. Mai, aus dein Neuköllner Gemeinde- Friedhof statt. 237/8 Verband der ireien Bant- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege Karl pgpenfuk am 26. Mai Plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Luisen-Kirchhofes, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Treffpunkt der Kollegen beim KollegenBrunn.Sophic-Charlotte- Straße ISa. 73/14 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am 26. d. Vi. unser lieber Vater, Bruder, Schwager, Schwiegervater und Onkel, der Schankwirt Karl papeakuk plötzlich verstorben ist. DieS zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Kinder und Schwiegersöhne. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luisen-ilirchhofcs aus statt. Am 5. Mai fiel im Gefecht unser unvergeßlicher Sohn und lieber Bruder, mein lieber Bräutigam, der Musketier Wilhelm Taexe im blühenden Alter von 21 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinteibliebenen Franz Taege und Frau Auguste geb. Haberslroh, Maria, Marie, als Schwestern, Albert, als Bruder, Gertrud Lasemann, als Braut. Du gingst dahin, zu kämpfen sür den Frieden, Und fandst den Tod so fern von deinen Lieben, Du warst so gut, du starbst so früh, Wer dich gekannt, oergißt dich nie. Ruhe sanft in sreuider Erde I freie snrnerschalt Erkner. (Mitgl. des A.-T.-B.) Am 11. Mai 1915 fiel unser Turngenosse und Vorsitzender, der Gefreite der Landwehr 185/6 (iustav Lteuer. Wir verlieren in ihm ein streb- sames und ausrichtiges Mitglied. Wir werden sein Andenken dauernd in Ehren halten. Die Freie Turncvschaft Erkner. Bentscher flolzarheiterverhand. Zahlstelle Berlin. De» Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Polierer 83/12 Ärtur ReMeldt Zellestr. 13 im Alter von 22 Jahren ge- slorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Mai, nach- mittags 4'/� Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- felde aus statt. Die Ortsverwaltung. Bentscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Arbeiter Riedard Belirends am 26. d. Mts. im Aller von 59 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Mai, nachmittags 4'/. Uhr, von der Leichenhalle der Thomasgememde, Her- mannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 64�����tej3ezirl<�erwa�tu£§� Verb. d.Sciineider, Schneiderinnen n. Wäschearheiter Deutschlands. Filiale Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege -�uxust Länder jHerrenmaßschneider) am 24. Mai im Alter von 66 Jahren ver> starben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am 28. Mai, nachmittags 3 Uhr, aus dem Kirchhos der HedwigSge- meinde in Reinickendorf, Berliner Str. 26, statt. 162/7 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Neukölln II. Den Mitgliedern zur Nachricht/ daß unser Mitglied Max Luther am 24. d. MtS. gestorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet au, Freitag, den 28. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses, Her- mannstraße, aus statt. 257/8 Oie Ortsverwaltung. Am 25. Mai starb nach langem Leiden meine liebe Frau i\xnes Schulz geb. Haunsohild im 60. Lebensjahr.— Um stilles Beileid bittet der Putzer 1780b Rudolf Schulz. Berlin, Pettenkoserstr. 18. Beerdigung Sonnabend, den 29. Mai, nachmittag« 4 Uhr. aus dem Zentral-Friedhoj in Fried- richssflde. Nach langem Leiden entschlief sanft, am 26. Mai, unsere liebe Mutter und Großmutter Emilie Eckstein geb. Fiedler im 68. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Bnnl Eckstein nebst Frau und Kindern, Lausitzerstr. 8. Die Beerdigung findet am Montag, den 31. d. M., nachmittag« 2>/. Uhr, von der Halle des Thomas- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. ■Verwaltung Berlin. Tel.-Aint Moritzplatz 10623, 3278. Bureau: Ruiigestratze 30. Vergolder! Montag, den 31. Mai 1915, abends 8 Uhr: Branchcti- Versammlung im Gewerkschaftshausc, Engelufer 15, Gaal 1. Tagesordnung: 1. Lichtbilderdortrag des Genossen Ernst Täumig: Die Balkankriege seit 191Ä. 2. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. 83/13 Zu dieser Versammlung werden alle. auch die jetzt nicht in der Branche arbeitenden Kollegen und deren Frauen, ersucht/ zu erscheinen. Ble Ortsverwaltnng. !Das Geheimnis! der Erhaltuni; des Leinens liegt in dem Gebrauche von Minlos'schini Waschpulver. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch PichelsWerder, Beim Alten Freund. an der neuen Heerstraste Monats-Garderobe! l-SOO getragene Anzüge f. Herren: Smoking, Frack- u. Kehrock-An- zügc(auch z. verleihen), Sommer- paletoia und Ulster sowie von Kavalieren getragene, sast neue Lachen(a.Seide), i jcb. Figur paii. in größter Auswahl z. unüberlrojf. billigen Preisen. ITr., deshalb billiger wie i. Laden. Vkassertor- Straße 12/131. Sil'sehüielei'dsllN. j�UA/! »Älveeeole-"iS estj- ~�Kamqni.1. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. Et.-A. f. Z.) lNachdruck verboten) III 24 242 220 SS 442 72S SS7«VSS 127 211 333 46 61 (500) 952(1000) 91 2604 699( 500) 706 809 974 3001 134 227 98(600) 3d0 25 94 662 84 632 860 SS 4040 146 202 612 6107 74 383 484 676 762 854 87 916 89 6043 74 147(1000) 223 308 447 714 832(600) 7051 105 30(1000) 228 40 83 495 (1000) 876(600) 90 763 56(3000) 88 862 8139 203 506 665 93 793(600) 842 975 0119(500) 91 305 42 446 548 67 769 916 (500) 17 10336(500) 77(600) 698(500) 873(3000) 930 69 ItOOO (10001 9 191 223 362 422 36(600) 513 21 46 776 1 2243 483 646 743 876 1 3066 68(3000) 292 314(600) 623 67 3000)) 981(500) 14143 83 505 761 83 96(1000) 986 1 5183 217 427 34 509 74 81(600) 99 601 62 806 64 1 6095 297 301 19 72 430 87 623 693 793 1 7013 102(600) 251 97 360 402(600) 74(600) 605 (600) 621(1000) 766 872 902 68 95 1 8125 284 446 89 812(600) 33 97(500) 971 19126 36 41 241 333 90 411 33 633 63 802 20012 245 373 445 612 66 668 766 931 21009 47 201 59 476( 600) 670 815 39 988 2 2014 69 98 177 346 494 797(1000) 811 973 2 3330 77 764 929 84 2 4027 35 146 247 352 463 674(1000) 77 708 19 69 97 821 25162(1000) 2X8 89 637 854 99(600) 2 6 079 89 230 35 312 472(1000) 630 69 615 824 917 27196 206 499 648 60 75 2 8124 81 99 466 690 869 910 2 9 016 271 339(1009) 76(1000) 97 425 735 818(600) 30111 215 88 343 81 621 90 772 913 63 31063 324 63 697 735(3000) 61 930 82 3 2068 84 112(3000) 259 365 497 690 902 3 3 053 77 86 113 343 423 608 68 771 939 3 4034 68 85 113(1000) 229 377(3000) 657 700 65 61 822 953 3 5 283 84 324 445 636 630 710 44 66 3 6 027 71 287 330 401 71 602 664 37160 86 260(600) 389(1000) 92 412 32(3000) 82 515 67 634 91 737 3 8173 342 439 47 602 24 38 737(600) 8 8 083 123 366 67(600) 428 35 665(600) 884 923 38 40063(600) 71(600) 126 91 207 23 307 11 631 627 700 80 859 89 41028 640 83 825 60 950 4 2118 99 366 797 834 93 949 43054(600) 76 120 34 68(1000) 709 43 60 66 83 837 916 4 4202 89 479 712 14 922 4 5 069 130 69 236 352 400 5 23 (3000) 639 650 719 841 944 84 4 6313 461 553 708 976(600) 4 7025 103 407 779 878 971 48073 204 355(600) 87 663 49165 229 335 683 909 50087 166(3000) 481 623 631 957 61215 413 71 89 806 945 6 2 045(500) 49 122 621 695 728 856 5 3106 22 239 305 29(3000) 492 650 728 887 931 84(600) 5 4232 359 411 631 65108 48 211(6000) 367 436 40(600) 769 819 5 8150 267 332 87 863 69 82 920 5 7013 271 621 834 68 922 30 5 8 039 114 235 85 96 663 705 89 835 38(1000) 79(1000) 59133 356 611 69 718 864 909 6 0015 66 175 313 44 565(500) 91 914 97 61032 132 85 86 383 507 41 657 780(1000) 903 6 2164 251 431 630 842 6 3300 69 61 429 518 676 865 0 4097 261 371 605 803 6 65170(1000) 81 417 87 633 644 738(600) 61 843 6 6170 461 616 44 61 663 708 67(600) 73 90(600) 6 7579 647 81 848 903 (1000) 6 8 043(500) 178(500) 93 827 65(1000) 80 6 9102 203 377 617(600) 834 931(600) 7 0078 105 231 367 75 459 882 950 71249 323 487 734 83 814 75 930 65 7 2164 208 301 20 99 604 16 647 790 866 68 964 63 7 3961 78 7 4052 76 149 92 260 382 463 505(1000) 766 828 916 30 7 5 079 96 203 353 79 793 832 54 7 6100 12 26 27(3000) 82 459 650 863 962(1000) 91 7 7062 98 184 436 (600) 69 688 686 970 7 8179(500) 264 423 30 695 692 739 70 901 2 46 7 8124 92 230 353(1000)614 84 88 743 57(1000) 959 8 0229 34(500) 75 480 607 87 97 696 985 81165 229 82 83(1000) 82149 422 671 639 88 825 58 593 8 3292 98 457 684 701(1000) 31 41 811 84021 110 246 464 817(600) 85124 250 345(3000) 476 642 659 673 8 6061 278 366(1000) 90 434 616 695 774 803 41 969 8 7113 223 45 386(1000) 723 61 849 89 88125 81 94 204 45 67 428 39 42 77 760 937 0 9160 83 349 524 623 772 »0012 106 38 70 205 71 323 443(1000) 641(3000) 67 81074 170 302 45 73 409 601 827 42(600) 9 2253 70 86 492 678 668(10 ODO) 71 793 9 3 084 139 93 212 90 922(600) 9 4003 60(500) 203 41 64 72 96 353 424 607 667 824 29 905 (5000) 95117 65 224 434 85 607 32 63 709 39(1000) 76 899 (500) 904(500) 8 6065 213 638 818 9 7 013 93 131 240 387 620 766(1000) 820 9 8215 330 61 472 797 675 957 9 9215 469 722 44 894 920 82 100027 106 270 387 739 60(500) 851 935 1 01103 26(600) 36 64(600) 237 376 606 846 61 94 997(1000) 10 2228 338 698(600) 801 67 992 1 0 3 251(1000) 678 92 805(3000) 104053 170 651 663 1 0 5 297 328 429 672 668 807 941 99 1 0 0 036 66 123 77 268 484 625 787 802 65 939 82 10 7066(3000) 90 277 318 68 492 616 65 612 78 83 718 806 997 1 08169(3000) 370 607 J37 1 09483(600) 794 846 909 60 61 110246 647 712 111127 610 622 69 865 955 112002 157 98 281 361 601 767 870 113006 96 136 42 93 326 604 30 621 705 31 876 993 114078 263 882 98 944 115349 99 642 71 854 116106 325 425 830 968 117036 161 79(1000) 232 454 615 45 618(3000) 77 712 110030 62 62 178 91 603 742 810 918(600) 41 86 119236 323 464 805 19 120030 90 187 236(600) 66 71 310 40 41 429 61 67 610 61 729 1 21068 113 328 468(1000) 74 625 715 67 89 1 2 2040 178 245 416 670 95 812 69 926 50 1 23162 216 63 72 73 319 35 702 836 81(600) 900 124255 68 87 93(500) 441 62 85(600) 630 653 917 1 2 5063 142(600) 272 345 600 63 713 871 918 126115 288 89 493 699 728 862 931 96 1 2 7 091 107 603(3000) 657 744 1 28110 85 87(500) 434 695 792 1 20024 6i 109 273 357 454 618(1000) 98 943(3000) 13 0362 403 7 65 622 99 757 62(600) 835(600) 989 1 31029 204 70 646 48(3000) 64 602 60 75 757 959 94 1 3 2 088 100 61 241 686 95(1000) 803 34 1 3 3065 126 63 63 74 247 63 99 470 658(10 0 00) 89 630(500) 73(1000) 79(500) 801 36(600) 957 1 3 4060 67 124 67 312 436(500) 615 89 97 603(1000) 66 772 1 3 5 290 832(3000) 94 1 3 6052 269(500) 413 641 631 740 90 888(500) 13 7 017 49(1000) 65 143 63(SO ODO) 67 81 202 43 89(600) 4X0 28 624 31 734 906 38 13 8666 85 634 756 823 47 973(500) 13 0 010 100 32 65 223 32 83 313 45 412 84 619 22 739 56 856 60 140031 33 199 224(500) 34 335 63 457 643 85 729 62 141001 504 16 886 901 61 142103(500) 94 363(3000) 91 421 807 911 143 057 281 341 49 436 627(600) 940(500) 144023 (600) 30 133 39 422 87 535(1000) 937 46 1 45062 125 544 691 861(1000) 14 6028(600) 124 60 285 347 421 679 693 825 35 14 7 023 140 324 662(1000) 72 663 85 851 148316 430 80 89 622 774 948(3000) 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Preußisch Süddentsche (231. König!. Preuß.) Klassenwtterke B. Klaffe 16. Ziehungstag 27. Mai 1915 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefalle», und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer iu de» beiden Zlbteiluugeu I u. II. Nur die Gewinne über 210 M. sind in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdmck verboten) 9 162 259 73 362 95 508 28(3000) 709 38 859 929 1920 (600) 285 411 74? 871 2068 358 87(3000) 92 405 74 82 881 710 ilOOO) 3099 140 607(3000) 31 74 635(500) 860 4199 625 761 880 972 6090 303 23 410 13(600) 612 82 843(600) 6230 657 952 7289 338 637(3000) 93 609 21 713 27 832 997 8110 308 90 94 459 511(500) 38 970 9012(500) 147 359 420 96 683 969(1000) 1O007 64 117 22 272(3000) 373(3000) 447 98 661 652 735 11354 471 622 88 792 969(1000) 98 12173 281 342 401(500) 2 27 669 970 1 3074 79(500) 117 92 512 94(500) 743 63 814 19 1 4008 93 423 667 649 838 45 903 51 67(1000) 16318 600 724(600) 998(1000) 16093(500) 169 73 328 91 410 70(500) 627 60 73 76 688 773 884 85 947 86 1 7063 242 68 331 49 433 988 18176 305 46 744 1 9070 240 384 614 687 731 831 50 78 20243 301 621 23 41 82 877(600) 21100 218(500) 19 96 2 2066 126 39 271 609 728(600) 844 99 2 3141 217 329 403 22 583 635 722 29(1000) 64 83 2 4089(500) 122 86 97 238 88 332 404 516 62 68 867 2 5198 222 86 743(50001 57 832 33 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4 660 735 893 20 0055 117(1000) 249(1000) 99 671 094 201220 465 75(500) 548 662 73 710 82 815 2 0 2012 32 79 250 362 435 639 76 81 910 67 200055 147 397 845 60 984 2 0 4057 109 312 478 621 797 825 908 48 02 2 0 5033 262 71 468 75 77 85 570 705 2 0 8182 255 83 384 658 776 2 0 7034 113 263 384 650 659 2 0 8032 40 45 47 342 420 85 36 734 2 0 9379(600) 423 615 821 2IO037 452 610 24 727 82 902(500) 72 211144 215(10001 67 322 525 665 93 731 933(600) 212133 259 363 69 518 76 725 845(500) 56 924 21 3125 77 628 945 21 4018 221 61 322 408 694 301 925 2 1 5013 30 137 92 332 74 453 743 815 58 87 949 2 1 6220 66(1000) 627(600) 703 21 7098 178 82 374 655 739(500) 892(3000) 21 0026 199 290 359 33 639 65 761 819 72 21 9127 302 8(600) 66 425 652 895 97 929 88 2 2 0079 181(600) 250(500) 394 534 780(500) 848 900 32 221211 27 80 319 38 440 766 828 47 902 5 13 62 64 85 88 2 2 2030 255 390 632 43 651 768(1000) 871(600) 978 2 2 3408 613(1000) 685 2 24104 99 298 307 66 428 46 72 82 743 935 2 2 6 077 90 154 223(1000) 29 433 88(1000) 577 97 620 714 888 2 2 6235(500) 478 674 753(1000) 69 863 75 914 2 2 7078 136 82 369(3000) 89 436 660 719(500) 814 908 28 86 2 2 8213(600) 38 305(600) 483 95 640 TIO 27 03 2 2 9154 227 47 333 672 761 957(600) 23 0076 261(1000) 301 403 540 777 231011 27 42 62 455 67(3000) 545€64 810 13 914 232010 79 107 842 233105 286 350 623 Teppich-Thomas, Oranienstr. 44 spottbillig farbschlcrbafte Tcppiche, Gardinen. 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Füs.-Regimentcr Nr. 1, 3, 11, 12, 11. 15, 18, 22, 23, 24, 23, 29, 39, 35, 37, 40, 41, 44, 45, 47. 48, 50, 53, 57, 58. 59, 30. 31, 33, 34, 33. 37, 70, 73, 75, 73, 78. 84. 87, 90. 94. 98, 99, 109, III, 113, 115, 118, 128, 137, 144, 143, 148, 149, 150, 162, 154, 157, 130, 133, 189, 174, 175; Res.-Jnf.- Regimentcr Nr. 7, 10, 12, 13, 23. 24, 27, 28, 29, 39, 51, 31, 33, 37. 73, 80. 93, 94, III, 118, 130, 204, 205, 203, 207, 208, 212, 213, 213, 218, 221, 224, 225, 223, 227, 228, 234, 237, 239, 251, 234, 267, 271, Metz; Grsatz-Jnf.-Rcg. v. Rcinbard; Landw.-Jnf.- Regimenter. Nr. 2, 13, 19, 22, 23, 24, 25, 33, 39, 31, 73, 83, 99, 109; Landw.-Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 1 und 3 sowie Reg. Nr. 5 der Landw.-Div. N. Monges; Besatzungs-Regimentcr Nr. 1 und 3 Posen der Besatzungs-Brig. Nr. 1 bezw. Nr. 2; Brig.- Ersatz-Bataillonc 2 Nr. 5, Nr. 3, 10, 13, 23, 44; Landw.-Brig- Ersatz-Bataillone Nr. 27. 43; Landst.-Jnf.-Bataillone: Aachen, lV Münster, Muskau, Neusalz a. O., Neustadt, Oberlahnstein, II Offeuburg, Oppeln, I Rawitsch, II Saarbrücken, tschlawe, III Schwerin; Landst.-Jnf.-Ersatz-Bataillonc 9. des 3. Armee- korps, 3. und 13. des 7. Armeekorps, 1. des 15. Armeekorps; Jäger- Bat. Nr. 3; Res.-Jäger-Bataillone Nr. 8 und 17; Festungs- Maschinengewehr-Abt. Nr. 6; Festungs-Maschincngewehr-Komp. Nr. 2. Kürassiere Nr. 4, 7; Dragoner Nr. 19; Husaren Nr. 8, 10, 13, 17; Ulanen Nr. 9; Jäger zu Pferde Nr. 2, 5; 1. Landft.-Eska- dron des 14. Armeekorps. 1. Garde-Feldart.-Reg.; Fcldart.-Regimenter Nr. 1, 9, II, 39, 43, 50, 52, 53, 82, 71, 72, 80, 241; Res.-Fetdart.-Regimenter Nr. 15, 50, 51, 58, 70; 1. Landw.-Feldart.-Batterie des 14. Armcek. Fußart.-Reg. Ztr. 7; Res.-Fußart.-Rcgimcnter Nr. 9, 20; 1. Rcs.-Fuhart.-Batterie Nr. 23. 1. Garoe-Pionier-Bat.; Pionier-Regimenter Nr. 23, 24, 25, 29; Pionier-Bataillone: II. Rr. 1. II. Nr. 4, I. Nr. 7. II. Nr. 8, I. Nr. 10, I. Nr. 15, II. Nr. 27; Kombiniertes Pionicr-Bat. Eyl- mann; Pionicr-Komp. Nr. 104; 1. Landw.-Pionier-Komp. des 14, und 1. des 13. Armeekorps; Landst.-Pionier-Zug des 14. Armeekorps; Mittlere Minenwerfer-Abt. Rr. 135; Schwere Minenwerfer- Abteitungen Nr. 31 und 37. Ref.-Eiscnbahn-Baukomp. Rr. 10; Fernsprech-Abteilungen des 14. und des 20. Armeekorps; Etappcn-Kraftwagen-Park Nr. 1 der 1. Armee. Jnf.-Munitionskolonne Nr. 2 des 1.,(F) Munitionskolonne Nr. 9 des 7. und Landw.-Art.-Munitionskolonnc Nr. 1 des 3. Armeekorps. Sanitäts-Romp. Nr. 3 des 3., Nr. 2 des 3. und Ar. 1 des 7. Armeekorps; Feldlazarett Nr. 7 des 3., Nr. 12 des 11. und KriegSlazarett-Abt. des 16. Armeekorps; Res.?Lazarctt Boppard. Armierungs-Bataillone; Stratzenbau-Komp. Nr. 4. Kriegsbekleidungsämter. Rcmontcdepot Leegcbruch bei Oranienburg. Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 150, deren Inhalt bereits gestern mitgeteilt wurde, wird veröffentlicht. Die sächsische Verlustliste Nr. 131 bringt Verluste der 47. gem. Landw.-Brigade; 23. Feldart.-Brigadc; Jns.-Regimcnter Nr. 101, 105, 139; Res.-Jnf.-Rcgimenter Nr. 104, 133, 242, 245; Res.-Jäger-Bat. Nr. 26; Maschinengcwchr-Abt. Nr. 8; Feld- Masckincngcwehr-Züge Nr. 39, 71; Res.-Pionicr-Kompagnien Nr. 53, 54; Res.-Divisions-Brücken- Train Nr. 54; Feldfliegcr- Truppe; Freiwillige Krankenpflege; Kricgsbckleidungsamt des 12. Armeekorps._ �lus Groß-öerlin. wünsüorf. Das kleine, hinter Zossen belegene Oertchen Wilnsdorf ist in neuerer Zeit zu einer ungeahnten Bedeutung gelangt. Zu dieser Bedeutung hat ihm die Militärverwaltung der- Holsen. Sie hat vor einigen Jahren als Ersatz für das Tempelhofer Feld zwischen Zossen und Wünsdorf große Flächen angekauft, was seinerzeit in der Oeffentlichkeit lebhaft besprochen wurde. Seit mehr denn Jahresfrist ist das Gc- lände seinen Zwecken zugeführt. Bei Wünsdorf reiht sich Baracke an Baracke und eine Reihe Regimenter haben hier ihre Unterkunft gefunden und weitere werden sie noch finden. Große Uebungsplätze ermöglichen die Ausbildung der Truppen. Nach Zossen hin sind die Gefangenenlager sichtbar, in denen zun: Teil Russen und Franzosen untergebracht sind. Die in den Baracken liegenden Soldaten übersteigen die Einwohner- zahl von Wünsdorf um das Mehrfache. Tagtäglich ziehen die Truppen in langen Kolonnen durch den Ort nach dem Exerzierplatz, mächtige Staubwolken um sich her aufwirbelnd. An den Sonntagen ist Wünsdorf das Ziel Tausender von Zivilpersonen. Eine große Zahl der in den Baracken liegenden Soldaten haben in Berlin Angehörige. Wer nicht auf Urlaub fahren kann, erwartet Besuch. Bon dieser Besuchserlaubnis wird in der jetzigen Zeit besonders reichlich Gebrauch gemacht. DaS ist auch ganz verständlich; ist es doch nur eine Frage der Zeit, wann dieser oder jener Truppenteil seinem Stammregiment zugeführt und somit ein Wiedersehen erschwert wird. Auch wir lösten uns am zweiten Feiertage am Potsdamer Ringbahnhof ein Billett 3. Klasse für 95 Pf. nach Wünsdorf. Der Zug war knüppeldick voll. In Zofien, einer Station vor Wünsdorf, stieg eine große Zahl Mitfahrender aus, um den in der Hitze besonders unangenehmen Weg von über einer Stunde nach Wünsdorf zu Fuß zurückzulegen. Ein großer Teil der Fahrgäste zieht die Bahnfahrt bis ans Ziel einer anstrengenden Fußwanderung vor. Am Bahnhof Wünsdorf großer Empfang. Da standen sie rechts und links, Spalier bildend, alle die Besuch erhofften, und musterten erwartungsvoll die Ankommenden. Groß war die Freude, wenn der Sohn den Bater, die Mutter oder die Braut, oder Frau und Kind den Mann und Vater erblickten. Kaum ein Besucher kam, der nicht wenigstens ein kleines Paketchen mitgebracht hätte, um dem Angehörigen im bunten Rock die Lage etwas erleichtern zu helfen. Viele machen erst einen Besuch in den Baracken und mehr als einer mag Vergleiche ziehen zwischen seinem weichen Bett zu Hause und der Lagerstatt dos Sol- baten. Dann gehts wieder zurück in den einen guten Ein- druck machenden, mit prächtigen Bäumen geschmückten Ort Wünsdorf. Bald sind die Restaurationen so stark besetzt, daß es schwer hält, ein Unterkommen zu finden, aber schließlich findet sich doch noch irgendwo ein Fleckchen; man wird ja so be- scheiden, wenns sein muß. Da gibt es so viel zu erzählen, I Familicnfragen und die Erlebnisse der letzten Zeit werden be- sprechen, manches Wort wird gewechselt über die Zukunft. . Und dann beginnt eine kleine Wanderung durch den Ort und in dessen Unigebung, auf Schritt �und Tritt Soldaten begegnend. Immer näher rückt die �cheidestunde. Der Rekrut, der erst kürzlich eingetreten ist, muß 1l3i0 Uhr in seiner „Kaserne" sein. Da gilt es wieder Abschied zu nehmen und die Besucher sind auf sich allein gestellt, denn die Rück- fahrt von Wünsdorf nach Berlin ist eine recht ungenügende. Entweder muß man V;7 Uhr abends zurückkehren oder wenn man das nicht will, muß man bis nach 11 Uhr abends ivarten. Um 1I27 Uhr ist es vielen zur Rückfahrt noch zu früh und nach 11 Uhr ist es reichlich spät. Und so ist man auf die Kneipe angewiesen und muß dort die Zeit abwarten. Dann aber nach Voll Uhr sammeln sich am Bahnhof die Menschenmassen, vorzugsweise weibliche Personen, zur Rückfahrt. Das Drängen und Stoßen vor dem Eingang, durch den die ankommenden Urlauber aus Berlin, fast jeder mit einem Paket von Muttern bepackt, zurückkehren, ist wenig erfreulich. Hat man sich glück lich durch die Sperre durchgezwungen, beginnt der Sturm auf den ankommenden Zug, um emen Platz zu ergattern. Schließ lich muß mau froh sein, einen Stehplatz erwischt zu haben, auch wenn man auf Grund der Fahrkarte auf einen Sitzplatz Anspruch hätte. Obendrein darf man für die Rückfahrt mit dem Fernzuge in dritter Klasse noch 30 Pf. mehr bezahlen als für die Hinfahrt. Eine befferc Vcrkehrsmöglichkcit in den Abendstunden zu schaffen, ist der einmütige Wunsch aller Besucher von Wünsdorf._ Achtung! Wahl im Ä. Kommunal-Wahlbczirk! Für die Wahl des Genossen Jonas Stahl am kommenden Sonntag findet heute abend 7 Uhr eine Flugblatt- Verbreitung statt. Hierbei hoffen wir auf eine rege Mithilfe der Genossen und Genossinnen der Nachbar-Bezirke. Der I. Wahlkreis verteilt von Bartusch, Jägerstr. 10, und Schmidt, Am Zirkus 10. Der II. Wahlkreis, 3. Abt.. verteilt von Zickenrott, Zimmer- straße 59, und Rathmann, Wilhelmstr. 118. Der II. Wahlkreis, 4. Abt., verteilt von Naujokat, Markgrafen- straße 102. Der III. Wahlkreis verteilt von Hippler, Hollmannftr. 16. Bei der Wahl selbst, am Sonntag, erwarten lvir von den nicht im Felde befindlichen Wählern rechtzeitiges Erscheinen im Wahl- lokal schon vormittag bis 12 Uhr. Legitimationen sind, bei Fehlen der Wahlkarte, nicht zu vergessen. An der Wahl beteiligt sind folgende Straßen und Häuser: Der erste Teil umsaht die Stadtbczirle 11—20, 22, nämlich: Bau- hofstraße, Behrcnstrajze, Bunsenslrahe, Charlottenstr. 22a— 72, Dorotheei� strajze 1—82(neu numeriert). Französische Str. 1— 3oa(ohne o3b— 33e), 34—68, Friedrichstr. 44— 104a, 137—208, Gcndarmenmarlt, Gcorgenstrahc, Hedwigstirchgasse, Hegelplatz, Jägerstr. 1—31, 45—76, Jerusalemcr Str. 14 bis 22, 25—41, Äaiscrgaleric, Kaiserholstrahe. Kananierstrahc, Hinter der Katholischen Kirche, Kleine Kirchgasse, Königgrätzer Str. 126—141, Krausen- strahe 1—33, 44—77, Kronenslrahe, Am Kupsergraben, Leipziger Platz, Leipziger Str. 1— 50a, 80— 137, Unter den Linden, Lindengassc, Mark- grascnstr. 31—65, Myuerstratzc, Kleine Maucrstratzc, Mitlelstrahc, Mohren- strajze 1—37, 41—66, Neustädtische Kirchstrntze, Platz vor dem Branden- Stadtbahnbogcn 177—205, Stadtbahnhos„Friedrichstratze", Taubcnstr. 1 lohne 231)), 21—54, Uniocrsitätsstrake. Bogstraste, Am Weidcndamm, Wilhelmplatz, Wilhelmstr. 42a, 42b, 57—81, Nene Wilhelmstrastc, Zimmer- straste 1—24, 78— 100. Wahllokal: Niederwalljtr. 6/7, Gemcindeschulc. Der zweite Teil umsastt die Stadtbczirle 21, 23—26, 120, nämlich Anballstrahe, Charlottenstr. 2—22, 73—98, Am Dönhosfplatz, Feilnerslrastc, 80—89, Krausenstr. 34— 43, Leipziger Str. 51— 55, 69— 79, Lindenstr. 20 bis 88, Markgrajenstr. 17— 30, 66— 84, Oranieustr. 98a— 99, Prinz-Albrccht- Straste, Pultlamerstr. 2—22, Ritterstr. 52—69, Schützenstr. 6—69, Simeon- straste 15—17, Wilhelmstr. 28—42(ohne 42a und b), 43—56, 82—115, Zimmcrstr. 25—77. Wahllokal: Akte Jakobstr. 1S7, Gemcindeschulc. Der dritte Teil umsagt die Stadtbezirke 27— 30, 118, nämlich: Bellc-Alliancc-Platz, Besselstrastc, Charlottenstr. 1 und 99, Enckcplatz, Friedrichstr. 1—29, 224— 251, Gitschincr Str. 109— 113, Hedemamistrastc, Hollinannstr, 13-28, Alte Jakobstr. 1— 1a. 137—147. 166-175, Junkerstr. 1. Königgrätzer Str. 71—117, Lindenstc. 1— 19, 89—106, Markgrascnstr. 1—16, 85—107, Ncucnburger Str. 1—20, 22—42, Puttkamerstr. 1 und 23, Wilhelmstraste 1—27, ,116-148. Wahllokal: Wilhelmstr. 117, Gemcindeschulc. Brotkartenfragen. Noch immer haben sich HauShaltungSvorstände nicht daran ge- wähnen können, die in ihren Händen befindlichen Brotkarten ihrer Dienstboten vorschriftsmäßig zu behandeln. ES sei deshalb»och� mals darauf aufmerksam gemacht, daß der Dienstbote beim Ber lassen des Dienstes die Brotkarten für sämtliche noch ausstehenden Wochen, für die solche zur Verteilung gekommen sind, aus gehändigt erhalten muß. Nachdem die Brotkarten nunmehr drei Monate im Gebrauch sind, muß erwartet werden, daß jeder Haus- Haltungsvorstand diese Regelung kennt. Jeder, der den Dienstboten bei dessen Wegzuge die Brotkarten vorenthält, hat eine strafrechtliche Ver solgung zu gewärtigen. Im Jntereffe eines wirksamen Schutzes der Dienstboten sind deshalb in letzter Zeit schon einige Strafanzeigen erstattet worden. Ebenso machen sich diejenigen Haushaltungsborstände strafbar, welche die Karten von solchen Personen, die zum Heere einberufen sind, nicht abgeben, sondern selbst verbrauchen. Auch derartige Fälle haben leider schon zur Anzeige gebracht werden müssen. ES besteht ferner bei den Hausbesitzern vielfach noch die irrige Ansicht, daß die Mittelstücke am Montag jeder Woche von dem HauS- haltungsvorstande eingesammelt werden müßten. ES widerspricht dies der ausdrücklichen Bestimmung des Z 7 der Ausführungsanweisung vom 31. März 1915, nach welcher die Mittelstücke erst bei der Zuteilung neuer Karten abzugeben sind, und zwar dann für die gesamle vorhergehende Zeil, Während dieser Zeil dürfen die Inhaber der Karten diese überhaupt nicht aus den Händen geben. Andererseits ist nicht etwa der Hauseigentümer verpflichtet, die er- iparten Abschnitte mit Tintenstrichen zu durchkreuzen und so zu ent- werten. Dieses ist vielmehr lediglich Ausgabe des Inhabers der Brotkarten, der die Abschnitte erspart. Abgabe von Hafer. Es werden immer noch Klagen darüber laut, daß die Futtermittelhändler nicht pünktlich bis zum Beginn eines jeden halben Monats ihre Kunden mit dem benötigten Hafer versorgen.� Es wird deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß die Hafcrschcinc bereits 4— 6 Tage vor Ablauf eines jeden halben Monats von den Pferdehaltcrn bei ihren Bezirks- Vorstehern in Empfang genommen werden können, so daß bis zum Boginn des nächsten halben Monats noch genügend Zeit für den Händler vorhanden ist, den Kunden den Hafer zu beschaffen. Bei dieser Gelegenheit wird zugleich erneut darauf hin- gewiesen, daß trotz der iu den Tageszeitungen und an den Anschlagsäulen erfolgten Bekanntmachungen und den darin enthaltenen Strafandrohungen eS doch mehrfach geschehen ist, daß Pfcrdehaltcr ihren Pferdebcstaud nicht richtig angegeben und mehr Haferscheine erfordert haben, als sie für die sol- gende Hafcrperiodc Pferde zu versorgen hatten. Der Ma- gistrat hat sich deswegen veranlaßt gesehen, fortlaufend durch Vertrauensmänner die Zahl der Pferde bei den Pfcrdchaltcrn feststellen zu lassen und die Richtigkeit ihrer Angaben nachzu- prüfen. Sollte sich bei diesen Ermittelungen ergeben, daß Pferdehalter unrichtige Angaben über ihren Pfcrdebestand gemacht und sich so in den Besitz größerer Hafcrnicngcn setzen, als ihnen nach der Bundesratsverordnung und den Bestün- mungen des Magistrats zusteht, so wird strafrichterlichc Ver- folgung eingeleitet, zugleich aber auch jede weitere Hafer- lieferung an den Zuwiderhandelnden verhindert werden. Die Pferdehalter, insbesondere diejenigen, die eine wechselnde Anzahl von Pferden haben, werden daher dringend darauf hin- gewiesen, nur soviel Hafer zu erfordern, als sie tatsächlich während des folgenden halben Monats verfüttern dürfen. Italienische Flüchtlinge i« Berlin. Die italienischen Flüchtlinge sind aus München und der Schweiz in Berlin eingetroffen. Insgesamt find etwa 250 einzelne Flucht- linge sowie auch Familien angekommen, für welche von dem Ans- schütz für die aus Italien geflüchteten Deutschen eine Beratungsstelle eingerichtet ist. Anfang der nächsten Woche findet unter dem Vorsitz des Präsidenten de» deutsch- italienischen Wirtschaftsverbandes Gc- heimrat Dr. Rießer die erste Versammlung des Ausschusses für die italienischen Flüchtlinge statt, so daß mit der Hilfsaktion in Kürze begonnen werden kann. Es handelt sich nicht nur darum, den Flucht- lingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sondern auch an die Frage der Sichersiellung ihrer Zukunft zu gehen. Verhaftung einer falsche» ostprcustischen Flüchtliugsfrau. Die Schoncberger Kriminalpolizei hat gestern eine gemein- gefährliche Schwindlerin, die in der Maske einer ostpreußischen Flüchtlingsfrau ihre in Berlin lebenden Landsleute um erhebliche Beträge geschädigt hat, festgenommen. Es ist die 50jährige, schon mit Zuchthaus bestrafte Ida Graf. Die Gaunerin hatte sich die Adressen der in Berlin lebenden ostpreußischen Dienstmädchen und ostpreußischcr Familien zu verschaffe» gewußt und diese als angebliche vor den Russen aus Ostpreußen geflüchtete Schuhmachers- ehefrau Werner, der in einem Warenhause das zum Einkauf von Leder benötigte Geld gestohlen worden sei, um Beträge bis zu 30 M. geprellt. Mit vieler Mühe ermittelte die Schönederger Kriminalpolizei schließlich den Aufenthaltsort der Gaunerin und gestern morgen begaben sich zwei Kriminalschutzleute nach der Adalbertstr. 27, um die dort unangemeldet wohnende G. zu ver- haften. Diese versuchte auch diesmal, wie bei früheren Gelegen- heilen, durch einen Sprung aus dem Fenster des zweiten Stock- iverkes zu entkommen, wurde aber von dem ztveiten Beamten, der in dieser Erwartung auf dem Hofe Posten genommen hatte, er- griffen und festgenommen. Die Gaunerin, die bei dem Sprung aus dem Fenster unverletzt davongekommen ist, wurde nach dem Schöneberger Polizeipräsidium und von dort nach dem Unter- suchungsgefängnis gebracht._ Ein gefährliches Spielzeug. In der Nähe eines jetzt geschlossenen Rummelplatzes in der Gegend der Müller-, Genter und Luxemburger Straße spielten mehrere Knaben hinter einem Bretterzaun mit einer scharfen Gc- wehrpatrone. Sie versuchten auf verschiedene Art, sie zum Platzen zu bringen und kamen endlich auf den Gedanken, sie in die Erde zu stecken und mit Steinen nach ihr zu werfen. So erreichten sie dann auch ihr Ziel, leider aber mit dem Erfolge, daß zwei der Knaben erheblich verletzt wurden. Der 12 Jahre alte Gemeinde- schüler Martin Becker auSJjer Malplaguetstraße 12, der gerade in der Nähe stand, als der Steinwurs eines älteren Spielgenossen die Patrone zum Platzen brachte, wurde am linterleib so schwer ge- troffen, daß er mit einem Militärkraftwagen nach dem Rudolf- Virchow-Kraukenhause gebracht werden mutzte. Ihm drang die Kugel in den Leib. Ein anderer Junge, der noch nicht ermittelt ist, wurde von der zerrissenen Hülse am Arme getroffen und erlitt eine stark blutende Verletzung._' Ein falscher Unteroffizier als Bietalldicb. Einen Kriegsschwindel eigener Art betrieb seit einiger Zeit ein junger Mann, der jetzt fest- genommen wurde. Er erschien bei Metallhändlern und bot ihnen Läuferschienen auS Messing zum Kauf an mit der Begründung, daß er ein Haus besitze und jeden Augenblick den Einberufungsbefehl bekommen könne. Deshalb wolle er alles, was für die Bewirt- schaftung nicht durchaus notwendig sei, verkaufen. Unterdessen hatten viele Hausbesitzer darüber zu klagen, daß ihnen die Läuferschienen von den Treppen verschwanden. Die Diebstähle fielen zeitlich zu- sammen mit dem Auftreten eines jungen Gardisten, der mit dem Eisernen Kreuz geschmückt war. Die Kriminalpolizei beobachtete die Händler und ermittelte auch zwei, die solche Läuferschienen gekauft hatten. Der eine von ihnen hatle wegen dieser Metallkäufe erheb- liche Unannehmlichkeiten. Donnerstag sah ihn dieser auf der Straßenbahn und ließ ihn festnehmen. Auf der Wache entpuppte sich der„Krieger" als ein 22 Jahre alter Arbeiter Eugen Gacdc, der sich seiner Militärpflicht entzogen hatte und schon wiederholt bestraft ist. Zwei gefährliche Kinderficunde wurden von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Ein Schuhmacher Hermann Mann aus der Marienburger Straße, der von seiner Frau getrennt lebt, ließ sich öfter von dem sechsjährigen Tvchterchen seiner NachbarSIeute, mit denen er auf dem selben Flur wohnt, Kleinigkeiten einholen und andere Besorgungen machen. Durch kleine Geldgeschenke und Näschereien machte er die Kleine zutraulich, lockte sie ill seine Woh- »ung und verging sich NN il)r. Der Unhold wurde jetzi, nachdem daS Kind ärztlich untersucht worden war, festgenommen.— Ein erst 17 Jahre alter Arbeiter Erich Lanzke aus der Eberthstr. 49 ver- schleppte kürzlich ein kleines Mädchen unter der Drohung, daß er es mit einem Strick, den er ihm auch zeigte, erdrosseln lvcrdc, sobald es schreie, nach einem unbenutzten Kellerverschlag des Nachbarhauses Nr. 61 und vergewaltigte es dort. Durch die Drohung eingeschüch- tert, verhielt sich das Kind ruhig und erzählte erst spater, nachdem der Uebeltäier das HauS längst wieder verlassen hatte, was ihm ge- schehen war. Die Hausgenossen paßten jetzt auf und sahen am Mittwoch wieder einen jungen Burschen mit einein kleinen Mädchen das Grundstück betreten. Bald darauf hörten sie auch leises Sprechen aus dein Keller. Sie drangen jetzt ein, verhinderten den llnhold gerade noch im letzten Augenblick an der Ausführung des geplanten Verbrechens und übergaben ihn der Polizei. Es war Lanzke, der auch jetzt wieder mit Erdrosseln gedroht hatte. Den Strick und einen Knebel fand man noch bei ihm. Die Verhafteten wurden heute beide dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Aus der Brandchronik. In der Nacht zum Donnerstag wurden mehrere Löschzüge nach der Köpenicker Stratze 114 gerufen. Dort brannte auf dem Hof ein Kastenwagen, im Keller Kartonpappe und im Erdgeschoß des Hofgebäudes der Fußboden, die Delle u. a. Der Brandinspektor ließ mit mehreren Schlauchleitungen kräftig vorgehen und es gelang, die Flammen auf diese Teile des Grundstücks zu be- schränken. Der Wintergarten hält auch in der jetzigen Temperatur durch; sein neue» Programm ist abwechselnd und anziehend zugleich. An den Krieg erinnern die lebenden KriegS-Bronzegrnppen der Künstlergesellschaft Boye. Auf Vorposten, Die letzte. Fanfare, Bundestreue, Kameradschaft machten einen tiefen Eindruck auf die Zuschauer, unter denen sich zahlreiche Verwundete befanden. Als Operettensängerin debütierte Else Boetticher, die aber schwach blieb. Dagegen hoben sich Else Verna und Lutli Werkmeister vom Thalia-Theater, und Karl Bachmann und Julius Spielmann, die in der einaktigen Operette:« V e n u s i ni Grünen" auftraten, vorteilhaft heraus und sie erzielten mit ihrer prächtigen Spielweise einen durch- schlagenden Erfolg, zu dem natürlich Oskar Strauß, der eine einschmeichelnde Musik dazu geschrieben hat, nicht wenig beigetragen hat. Die Direktion hat sich übrigens die Ausstattung etwas kosten lassen, die auch das Auge befriedigte. Auf dem Gebiete des Tanzes zeigt Rita Sacchetto sMünchen), daß auch sie es mit niancher anderen Tanzkünstlerin von Rus ruhig aufnehmen kann. Eine Zugnummer besonderer Art bildet nach wie vor Paul Jülich und seine Rekruten. Wer in dieser ernsten Zeit einen gesunden Humor einmal auf sich wirken lassen will, wird auf seine Rechnung kommen. Kein Auge bleibt trocken vor Lachen. Ansprechend wirkt auch die Kaufmanntruppe als Roll- schuhläuferinnen mit ihren eleganten Bewegungen. Im Berliner Aquarium sind kürzlich größere S e e t i e r- s e n d u n g e n eingetroffen, die trotz der österreichisch-italienischen Kriegswirren gut und ohne Verzögerung von Rovigno und Trieft angekommen sind. Mächtige Riesen- Seesterne, Sand- Actinien, Röhrenwürmer und viele andere niedere Tiere, sowie auch einige neue Seefische bevölkern die mit schönen lebenden Meeresalgen reich ausgestatteten Behälter. Große Mengen von Seepferdchen tummeln sich im Seegras, das ebenfalls dem Mittelmeer entstammt und sich wegen seiner ganz besonderen Länge zur Bepflanzung größerer Schaubecken eignet. Die Ardeiter-Samaritcr-Kolonne Rosenthal-Reinickcndorf hat für Ausflügler und Einwohner an der Endhaltestelle der Linie 36. im Hause Provinzstraße 74, eine Unfallstalion eingerichtet. Die Hilfe- Icistung ist unentgeltlich. Sonntags sind stets Samariter in der Station anwesend. Bei Unglücksfällen kann die Station sofort telephonisch Amt Reinickendorf Nr. 430, Brückner, benachrichtigt werden. Am Sonntagnachmittag veranstaltet die Kolonne eine öffentliche Uebung. Treffpunkt für Zuschauer nachmittags 2 Uhr, in Görde» Waldschlößchen, Eichborn-, Ecke Waldstraße. Deutscher Arbeiter-Abslincnten-Biind, Ortsgruppen Groß-BerlinS: Freitag, den 28. Mai, abends pünktlich 9 Uhr, im Speisehaus Uhlisch, Dresdener Straße 29, Versammlung. Referat des Genossen S. Katzen st ein über«Krieg und Alkohol". Kleine Nachrichten. Einsam gestorben ist der 76 Jahre alte frühere Arbeiter Gottfried Lietze in der Ackerstraße 64. Der Greis, der für sich allein hauste, wurde seit einiger Zeit nicht mehr ge- sehen. Hausgenossen ließen daraufhin die Wohnung öffnen und fanden ihn neben seinem Bett tot auf dem Fußboden liegen.— Auf seiner Arbeitsstelle vom Tode überrascht wurde am Mittivoch der öl Jahre alte Schiffer Hermann Jahnke, der seit einiger Zeit in der Prenzlauer Allee 35 als Arbeiter beschäftigt war. Ihm wurde plötzlich schlecht. Ein Arbeitsgenosse brachte ihn nach der Retlungs- wache in der Keibelstraße; dort starb aber der Kranke gleich bei der Aufnahme.— Ihren Brandwunden erlegen ist die S2 Jahre alte Köchin Anna Kapelle aus der Liniensiraße 169, die am zweiten Feiertage beim Anzünden eines Spiritusbrenners verunglückte. Beim Zugießen von Spiritu» explodierte der Brenner und die Flammen setzten ihre Kleidung in Brand. Die Verunglückte zog sich so schwere Wunde» zu, daß sie jetzt im Hedwigkrankenhause starb.— In einem Anfalle religiösen Wahnsinns versuchte sich am gestrigen Donnerstag die 18jährige Stütze Marie Kirsch aus der'Ansbacher Straße 3 zu Schöneberg das Leben zu nehmen. Sie wollte aus einem Fenster des dritten Stockmerks herabspringen. DaS Vorhaben wurde rechtzeitig bemerkt und ver- eiielt. Die Kranke wurde nach der Maison de santo in Schöneberg gebracht._ /kus öen Gemeinden. Stadtverordnetenersatzwahl in Schöneberg. Die Ersatzwahl im ö. Bezirk für den zum unbesoldeten Stadtrat gewählten Genossen Molkenbuhr findet am Mittwoch, den 1ö. Juni, mittags 12 bis abends 7 Uhr statt. Die Wahl findet statt nach den im August v. I. aufgestellteir Wählerlisten. Der Schöneberger Frauenchor begeht am Sonntag, den 30. Mai, in Lehmanns Vereinshaus, Hauptstr. 5, sein erstes Stiftungsfest. Neben Festrede und Musikaufführungen kommen Gesänge zum Vor- trag, bei denen auch der Männerchor mitwirkt. Beginn der Feierum 4 Uhr. Brotversorgung in Köpenick. Kürzlich wurde mitgeteilt, daß auch außerhalb des Berliner Brotkartenbezirks in verschiedenen Vororten, so auch in Köpenick die Berliner Brotkarte berücksichtigt werden sollte. Der Köpenicker Magistrat wendet sich jetzt in einer Bekanntmachung gegen eine miß- verständliche Auffassung dieser Meldung. Er sagt, daß nicht jeder Groß-Berliner in jeder Bäckerei oder Gastwirtschaft gegen die Ber- liner Brotkarte Brot erhalten könne, fondern daß nach der getroffenen Vereinbarung nur einer bestimmten Zahl von Sommerwirtcn, mit denen ein besonderes Abkommen getroffen, gestattet sei. Brot gegen die Berliner Brotkarte abzugeben. Jeder Bäcker oder Gastwirt, mit dem ein solches Abkommen nicht getroffen, sei auch nicht befugt, Brot an Berliner Ausflügler abzugeben. Eine zweite Bekanntmachung wendet sich gegen Ueberschreitnngen bei Brotbezug. Köpenick hat in der Voraussetzung, daß die Bäcker sowohl wie die Haushaltungen nicht mehr Brot abgeben respektive entnehmen als ihnen nach den gesetzlichen Ansprüchen zusteht, Brot- b ii ch e r eingeführt. Der Magistrat teilt nun mit, daß in vielen Fällen sein Vertrauen getäuscht sei, und mehr Brot ciitnoinmen wurde, als nach dem Brotbuch möglich war. Er kündigt daher an. bei allen derartigen Ueberschreitungen nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen vorgehen zu müssen. Gerichtszeitung. Autounfall. Ein Automobilzusammenstoß am Kurfürstendamm hatte gestern ein gerichtliches Nachspiel vor der 3. Strafkaminer des Land- gerichts lll unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Piolette. Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Direktor Ludwig L o e b von der bekannten Automobilfirma in Berlin an- geklagt. Wie die Beweisaufnahme ergab, war der Angeklagte am 8. Oktober v. I. in übermäßig schnellem Tempo von Halensee her den Knrfürstendamm entlang gefahren. Er konnte dann an der Ecke Meincckesiraße, in welche eine Kraftdroschke einbiegen wollte, seinen Wagen nicht rechtzeitig zum Stehen bringen. Die Folge war, daß er in die Droschke hineinfuhr und die Insassen durch umherfliegende Glassplitter erheblich verletzt wurden.— Vor Gericht bestritt Loeb fahrlässig gehandelt zu haben. Das Gericht kam jedoch auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ansicht, daß hier eine ziemlich grobe Fahrlässigkeil vorliege und verurteilte den Angeklagten zu löv M. Geldstrafe._ Soziales. Krieg und Geschlechtskrankheiten. Uns wird gechrieben: Die unter dieser Ueberschrift in Nr. 143, 2.. Beilage des „Vorwärts" wiedergegebenen Anregungen des Herrn Professor Blaschko verdienen in allen Kreisen die weiteste Verbreitung und vor allem Befolgung. Die Ermöglichung namentlich der letzten Anregung, den während des Krieges an einer Geschlechts- krankheit behandelten Soldaten nach Beendigung des Feldzuges die Fortführung der Behairdlung auf jede Weise zu erleichtern, wäre von außerordentlichem Segen. Es kann sich natürlich nur um eine Behandlung nach Wederauftreten der Krankheit han- deln, wie es ja namentlich bei Geschlechtskrankheiten recht häufig zu beobachten ist, denn es ist ja ausgeschlossen, daß jemand mit frischer Erkrankung entlassen wird. Eine solche Behandlung ist aber nur denkbar bei dauernder Ueberwachung der einmal er- krankt Gewesenen. Mit einer solchen dauernden Ueberwachung wäre einer energischen Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten der Boden geebnet. Auf welchem Wege ließe sich nun eine solche dauernde Ueber- wachung ermöglichen? Mir scheinen da die Träger der Invaliden- und der Angestelltenversicherung eine außerordentlich ersprießliche Tätigkeit entfalten zu können. Der Wille dazu ist offenbar bei ihnen auch vorhanden. Kürzlich ging durch die Tagespresse die Mitteilung, daß der Präsident des Rcichsversicherungsamts und mehrere Vorsitzenden von Landesversichcrungsanstalten, darunter auch der der Versicherungsanstalt Berlin, die ärztlichen, charita- tiven und sozialen Maßnahmen zur möglichsten Beseitigung von Schädigungen unserer Truppe durch Geschlechtskrankheiten in Belgien studiert und den Wunsch ausgedrückt hätten, daß die an- geknüpfte engere Fühlung zwischen der Militärverwaltung und den Trägern der deutschen Arbeiterversicherung zur Bekämpfung jener Schäden den Krieg überdauern möchten. Es erscheint mir mit Hilfe der Versicherungsträger möglich, jeden Fall ernsterer geschlechtlicher, namentlich syphilitischer Er- krankung im Heere uister dauernder Beobachtung zu halten. Der Militärverwaltung sind nicht nur die Fälle der Erkrankungen bei den schon ausgehobenen Truppen bekannt, es werden ihr in der jetzigen Zeit der massenhaften Einberufung zum Heere auch fast alle anderen frischen Fälle der Erkrankung in der männlichen Be- völkerung bis zum 45. Lebensjahre bei de» Musterungen bekannt oder sind ihr schon bekannt geworden. Wenn alle diese Fälle— also nicht nur die während der Dienstzeit festgestellten, sondern auch jene, in denen etwa dieser oder eines anderen Leidens wegen eine Aushebung zum Heere gar nicht erfolgt ist— den Landesversicherungsanstalten gemeldet würden, könnten diese sie unter dauernde Beobachtung nehmen. Man braucht dabei gar nicht einmal an einen Zwang zu denken. Mit dem nötigen Takt ließen sich sicherlich die Beteiligten zu ärztlichen Kontrolluntsr- suchungen bewegen. Läge das doch in ihrem ureigensten Interesse. Und es läge auch im Interesse der Versicherungsträger selbst, denen die Hebung der Volksgesundheit natürlich sehr am Herzen liegt und die sich in den letzten Jahren immer mehr der Bekamp- fung der Geschlechtskrankheiten zugewandt haben. Hier handelt es sich um eine Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege, die sich mit der Tuberkulosebekämpfung in eine Reihe stellen läßt. Zehren doch neben der Tuberkulose die Geschlechtskrankheiten am meisten am Marke des Volkes. Wie im einzelnen ein solcher Plan verwirklicht werden müßte, muß der Beurteilung der dazu Berufenen, also der Versicherungs- träger, selbst überlasten bleiben. Hier handelt es sich nur darum, hinzuweisen auf die Notwendigkeit des Eingreifens, das sich natür- lich nicht nur auf die Kriegszeit zu beschränken hätte, sondern auch darüber hinaus zu einer dauernden Fühlungnahme zwischen Heeresverwaltung und Versicherungsträger führen müßte. Dem etwa möglichen Einwand gegenüber, daß einem solchen Zusammenwirken der ß 300 des Strafgesetzbuchs entgegenstände, sei gleich bemerkt, daß es nicht als unbefugte Offenbarung von Privatgeheimnissen angesehen werden kann, wenn die Militärver- waltung durch ihre Aerzte eine Meldung über die Erkrankung der hier fraglichen Art an die Versicherungsträger ergehen läßt. Un- befugt kann nicht sein, was der öffentlichen Gesundheit dient und schließlich würde auch kaum jemand Einwände erheben, wenn das eventuell in diesem speziellen Falle ausdrücklich zur gesetzlichen Anerkennung gebracht würde. Durch die Vorschriften des Z 141 der Reichsversicherungsordnung sind die berechtigten Interessen der Erkrankten durchaus gewahrt. Mit der gleichen Strafe wie Z 300 des Strafgesetzbuchs die unbefugte Offenbarung von Privatgeheim- nisten durch Aerzte usw. bedroht, bedroht auch§ 141 der Reichs- Versicherungsordnung die Mitglieder eines Organs und die An- gestellten eines Versicherungsträgers, wenn sie unbefugt offen- baren, was ihnen in amtlicher Eigenschaft über Krankheiten oder andere Gebrechen Versicherter oder ihre Ursachen bekannt geworden ist. Zu Unrecht beanstandeter Gemeindebeschlust. Die Genleindevertretung von Ohra bei Danzig hatte durch einen Beschluß vom Jahre 1904 den Gemeindevorstand ermächtigt, mit der Stadt Danzig einen Vertrag abzuschließen, der der Stadt Danzig auf 25 Jahre das ausschließliche Recht einräumte, in den öffentlichen Wegen, Straßen und Straßenstrecken zu Ohra Rohr- anschlußleitungen zur Abgabe von Gas zur Licht-, Kraft- und Wärincerzeugung zu verlegen. Dieser Vertrag wurde noch am selben Tage abgeschlossen. In dem Vertrage verzichtete zugleich die Gemeinde Ohra für die angegebene Zeit, die Wege, Straßen oder Straßenstrecken, in welche Gasrohre von der Stadt Danzig verlegt sind, ihrerseits zur Abgabe von Licht, Kraft oder Wärme zu be- nutzen oder benutzen zu lassen. Als nun eine vom Kreise Danziger Höhe eingerichtete elektrische Ueberlandzentrate� verschiedene der fraglichen Straßen in Ohra zur Verlegung elektrischer Leitungen in Anspruch genommen hatte, protestierte der Danziger Magistrat da- gegen bei der Gemeinde Ohra, weil die Duldung dieser Verlegungen eine Verletzung des Vertrages mit Danzig darstelle. Eventuell wurde ein Schadenersatzanspruch in Aussicht gestellt. Auf einen Bericht des Gemeindevorstehers von Ohra schritt nunmehr, nachdem der Vertrag mit der Stadt Danzig zehn Jahre lang in Kraft war, der Landrat als Aufsichtsbehörde ein. Auf seine Anweisung beanstandete der Gemeindevorsteher den Beschluß der Gemeindevertretung von 1904, der die Ermächtigung zu dem Ver- trage erteilt hatte, als gesetzwidrig. Unter anderem wurde geltend gemacht, daß die erforderliche Genehmigung der Wegepolizeibehörde für die über den gemeinen Gebrauch hinausgehende Benutzung der Wege und Straßen nicht vorgelegen habe und nicht vorliege. Der Bezirksausschuß als Berufungsinstanz setzte die Bean- standung außer Kraft. DaS Obcrverwaltungsgericht bestätigte am 20. Mai das Urteil mit folgender Begründung: Es komme nur darauf an, ob die Ge- meindevertretung befugt war, den Beschluß zu fassen, durch den der Gemeindevorsteher ermächtigt wurde, den Vertrag mit der Stadt Danzig abzuschließen. Die Gemeindevertretung sei aber dazu befugt gewesen. Es gebe kein Gesetz, das sie daran hinderte. Oll es für die Durchführung des Vertrages der Zustimmung der Wege? Polizeibehörde bedurfte, ob sie erteilt oder nicht erteilt sei, oder ob sie nicht etwa als stillschweigend erteilt anzusehen wäre: das seien Fragen, die in dem vorliegenden Rechtsstreit nicht zu entscheiden wären. Hier komme es eben, wie gesagt, nur auf die Frage an, ob die Gemeindevertretung seinerzeit den fraglichen Beschluß fasten durste. Da sie das Recht dazu hatte, so müsse die Beanstandung des Beschlusses außer Kraft gesetzt werden. parteiveranftaltungen. Erster Kreis. Die Genossen treffen sich zur Flngblatwerbreitung sür die Kommunalwahl heute abend 7 Uhr bei Löwe, Holzgartenftr. 6. Wilmersdorfs Montag, den 3l. Mai, abends Uhr, im„Viktoria- garten"(kleiner� Saal). Wilbelmsaue 114/tlö: Milglicdcrucrsammlmig. Vortrag:„Die Sozialdemokratie im Kriege". Reserent: Genosse Meyer. Rosentbal. Heute Freitagabend 7 Uhr vom Lokal des Genossen Mil- brodt aus Ftugblatwerbrertung zur Gemeindewahl. Friedrichshagen. Am sonntag, den 30. Mai, veranstaltet der TZabl- verein seinen diesjährigen ersten Familicnausflug nach Ravenslein. Tress- Punkt nachmittags 3 Uhr am Eingang zum Kurpart. Eingegangene Drucksthrifien. Heft 9 der«Neuen Zeit" vom 28. Mai bat folgenden Inhalt: Heinrich Schneider: Die chemiiche Industrie Deutschlands und der Krieg. — K. Kautsty: Nochmals unsere Illusionen.(Schluß.)— Heinrich Cunow: Vom Wirtichastsmarkt.— Feuilleton: Richard Woldt: Das Kriegsflugzeuz. — Notiz. Bon der„Gleichbeit", Zeitschrist sür die Interessen der Arbetlerwiicn ist uns soeben die Nr. 18 des'25. Jahrganges zugegangen. Aus dcin Jnbalt dieser Nummer heben wir bervor: Zwei Krundsragen der sozialen Fürsorge sür Kriegerwitwcn und Kriegcrwaisen. II.— Märzsorderungen und Maiwünsche der Frauen. Von Luise Zietz.— FricdenSstimmcn englischer Frauen.— Konscrenz zur sozialen Fürsorge sür Kriegerwilwe» und Kriegerwaisen.(Schluß.)— Dclegiertenversammlung des Schweizerischen Arbeiterinnenoerbandes. Bon Z.— Notizenleil: Burgsrieden.— Für den Frieden.— Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbstätigen.— Fürsorge sür Mutter und Kind.— Fraueustimmrecht. Für unsere Mütter und Hausfrauen: See- und Wassersall. Bon Nilolaus Lenau.— Nerven und Seele.— Von Dr. Alexander Lipschütz.— Der Seelenglaube. Von B. Sommer.(Schluß.) — Feuilleton: Der Sieger. Für unsere Kinder: Nach dem Regen. Von Joh. Trojan. (Gedicht.)— Pfingstbräuche. Von B. S.— Die Müllkatze. Bon Erncst Selon Thompson.— Der Schisssjunge. Bon Nikolaus Lenau.(Gedichl.) — Was ist das Schönste, Stärkste und Reichste? Märchen auZ Tirol— Maikäserliedchcn. Die„Gleichheit" erscheint alle 1s Tage einmal. Preis der Stummer 10 Ps. Durch die Posl bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljähr- lich ohne Bestellgeld Sö Ps.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 Mark. Vom«Wahren Jacob" ist soeben die 11. Nummer dez32. Jahrganges erschienen. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probcnummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart jölvie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. örieftaften üer Redaktion. Die tunstlsche Evrechsiunde findet tür Abonnenten Lindenstr. 3, IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von s bis 7 Uhr, am Sonnabend van 5 bis 6 Uhr statt. Jeder sür den B r I e I l a st e n bestimmten Antrag« ist ein Buchstabe und«ins Zahl als Merlzeichen bilzusügen. Briesliaie Antwort wird nicht erteilt. Ansragen, denen leine Abonnementsauiliung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Vertrage, Schriftsrüilc und dcrglcichc» bringe man in die Sprechstunde mit. C. K. Neukölln. Eisenbahndircltion, Schöneberger User 1— t.— Z. 100. Wenden Sic sich an die ItistungSdcpulation des Magistrats, Poststr. 16.— P. F. 1874. Suchen Sie Vermittelung durch das„Rote Kreuz" zu be- kommen, Markgrasciistr. 10.—(9. R. 77. An die Zentrale des Nationalen Fraucndiensl, Nollcndortplatz 3.— Streithammel, Wallst». 90. Ungesähr 19,96 M.— Komtesse F. Stcgli« 90. AuskunslSbureau sür im Aus- land Befindliche, Berlin, Am Karlsbad 9/10.— M. M. 19. Nein. — P. K. 1009. 1. Sie müssen den Wirt austordern, in einer ange« mcsscnen Frist den Mangel zu beseitigen. Sind Ihnen im Keller Sachen verdorben, so können Sie eoent. dajür Schadenersatz verlangen. 2. Ja. 3. Klage ans Nichtigkeit des Vertrages kann deswegen' eingereicht werden. 4. Ja.— P. S. 18. Sic müssen ein Gesuch um Aushebung des Verbols an das Ministerium des Innern richten. Dann müssen Sie unter Bei- legung eines ärztlichen Attestes Besreiung von der Wartezeit beantragen. Es erscheint uns aber völlig ausgeschlossen, die«ache in der kurzen Zeit zu ecledigcn, in der Sie es vorhaben.— E. F. 12. Die Steuern muff Ihre Frau zahlen. Die Reklamation ist an die Stcuereinschätzungskommission einzureichen. Einen Lohnauszug brauchen Sie nicht beizulegen.— K. 91. 99. Verlust von Fingcrglicdcrn, dicnstjähig.— A.(9. Bl. 19. Zur Ab« schlicßung des Testaments bedürsen Sie Icines Notars. Anweisung dalür eroalten Sie bei uns in der Sprechstunde.— R. P. 10. Die Frau gilt nicht als geschieden, sie mug erst die Ehescheidungsklage einreichen.— 21, M. 88._ Es ist ein vielfach verbreiteter Irrtum, wenn angenommen wird, die Staalsunterslützung müßte gezahlt werden. Das Gesetz schreibt extra vor, daß die Bedürstizleit geprüft werden müsse. In Ihrem Falle wird die Bedürstegteit verneint werden.— W. P. 88. Nein. — H. W. 19. Sie müssen die Bekanntmachung beachten, wenn Ihr Jahrgang zur Musterung ausgerufen wird. Wann der Jahrgang ein- gezogen wird, wissen wir nicht,— W Sch. 99, Neukölln. Wenn Sie vom Arbeitgeber nicht reklamiert werden, wird Ihnen das wenig nützen. Sie könnten höchstens bei Ihrer Einziehung ein ärztliches Attest vorlegen. — A. B. 150. 1. Nein, 2, Vorläusig besteht sicher keine Absicht, diesen Jahrgang einzuziehen,— G.(9. 30. Herzfehler, dienstfähig.— Elsa 2. 1. Er hat lein Recht, die Sachen cinzubebaltcn, 2. Er bat auch dazu kein Recht, Die Frau hat sür ihren Lebensunterhalt in der Ehe dem Manne kein Entgelt zu zahlen, 3, Ja.— O. P. 55. Verlust von Fingcrglicdern. dicnstjähig: kurzsichtig, landsturmpflichtig,— Landknecht. Bis zum 21. Jahr kann der Bruder noch in Fürsorgeerziehung gehalten werden, Sie als Bor- mund lönnlen Antrag auf Entlassung aus der Fürsorgeerziehung stellen, — M. H. 20. Dienstunfähig wegen Nervenkrankheit.— R. M. 199. Nehmen Sie doch zunächst mit dem Meister Nücksvrache. Eventuell müssen Sie aus Lösung des Lehroertrages klagen,— H. R. 28. stellen Sie doch einen Antrag aus Mielszuschuß.—'S. P. 25. Anweisung dazu er- halten Sie bei uns in der Sprechstunde.— 2l. R. Nein.— B. D. 1. Der Anspruch besteht nur, wenn der zum Heere Eingezogene die freiwillige Mitgliedschaft bei der Krankenkasse sortgeietzt hat,— M. 9. Das ist nicht ausgeschlossen,— M. U. 3. Sie erhalten am besten Auskunft bei der Zcntraltommission der Krankenlassen, Alcxanderstraße 39/40,— P. 41. 1. Der Vater und die Geschwister erbyi. 2. Die Braut hat keine Ansprüche, da kein Testament vorliegt, 3, Die Unterstützung wird der Frau in diesem Falle verweigert werden. Wenn die Familie aber sehr groß ist, �könnte doch die Möglichkeit einer Gewährung dcslchcn, Antrag ist bei der Steuer« lasse zu stellen,— 2l. S> 71. �Sie sind jetzt militärsrei. Nur ciiicr persönlichen Kcslcllungsorder, die Sie kaum noch erhalten werden, müßten Sie Folge leisten,— 34. B. H. Krampsadern, landsturmpstichtig. 2lmtlicher Marktbericht der städti'schcn Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenlral-Marlthallcn.(Ohne Verbindlichkeit,) Donnerstag, den 27, Mai l91o. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, Ochicu. fleisch la 100—116, do. Ha 90—100, do, Ma 75—90: Bullenfleisch la 100—110, do. IIa 87—99; Kühe, seit 83—98, do, mager 70—82, do. dänische 83—95, Fresser 80—100, Fresser, dänische. 00— 00;_ Bullen, dänische, 88— 95; Kalbfleisch, Doppcllender 165— 185; Mastkälber la 130—143, do. IIa 120— 130; Kälber gcr, gen, 75— 100, do, dän. 80— 100, do. Holl, 00—00. Hammelfleisch: Mastlämmer 128—134; Hammels la 112—127, do, IIa 102—112; Schafe 105—118; do, Holl, 00—00. Schweinefleisch: Schweine, sctte 00—00, sonstige 125—158, dän, Sauen 00—00, dan. Schweine 140— 145, do, schwedische 00—00. Gemüt e, inländisches: Karlossein. Dabcrsche 50kg 0.00; weiße Kaisertronen 0.00; dlagrnrm bonuin0,00; Woil- mann 0,00; Porree. Schock 0,80—1,50; Sellerie, schock 5,00—12,00; Spinat 50 kg 6,00—10,00; Mohrrüben, 50 kg 7,00—9,00; Kohlrüben. Schock 0,00—0.00; Mcercttich, Schock 6,00—14,00; Pctersilienwurzel, Schockbund 4,00—6,00; Zwiebeln 50 kg 00,00— 00,00; Radieschen. Schockbund 0,75—1,00; Waldincister, Mandel 0,40. Gurken, Gorgaslcr, 100 Stck. 00—00. Rhabarber, Hamb,. 100 Bund 1,50—3,00, do, 100 Stangen 3.00—8,00, do. hiesiger 100 Bund 1,00—2,00, do, Vicrländer, 100 Bund 1,50—2,50. Tomaten, Gorgaslcr, >/ kg 1,—. Spergel, Beelitzer I fl, kg 0,30—0,35, do. Beelitzer II'/, kg 0,15— 0,20, do. Beelitzer III>/z kg 0,05—0,08, do, unsortiert fl, kg 0,20, do. Märkischer I y. kg 0.25—0,30, do. II'/> kg 0,15, do. III kg 0 05. Spriricn, 50 kg 00—00. Salat, Schock 1,50— 3,00. Rettiche, bayc- ijschc, 100 Stück 10,00. Kohlrabi, Schock 2.00—3,00. Apselsineu: Murcia 200 Stck. 17,00—20,00. do. 300 Stck. 18,00—20,00, Spanische. 420 Stck. 30,00-33,00, do. 714 Stck. 38,00-46,00, do. 1064 Stck. 40,00—43,00, do. 420 Stck. karge 40,00-45,00.