Nr. 149.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerands: Bierteljahrl. 3.30. monatl. 1,10 L möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit ilustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bia. Bost Abonnement: 1.10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Postabonnements ehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Catalin Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das feitgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruste Borte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erfie Wort 10 Pfg., jedes meitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchftaben zählen für zwei Boric. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Erpcdition abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramın Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 151 90-151 97. Dienstag, den 1. Juni 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 151 90-151 97. Weitere Entwidlung der Kämpfe an der italieniſchen Grenze. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 31. Mai 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gestern versuchten die Franzosen sowohl nördlich Arras wie im Priesters walde mit starken Kräften unsere Front zu durchbrechen. Bei Arras hatte der Gegner sich auf der Front Neuville- Roclincourt in den letzten Tagen durch Sappen herangearbeitet. Ein Angriff auf dieser Linie wurde daher, nachdem alle Versuche uns weiter nördlich aus unseren Stellungen zu drücken, mißlungen waren, erwartet. Er erfolgte gestern nachmittag nach stundenlanger Artillerievorbereitung und führte durch die Tapferkeit rheinischer und bayerischer Regimenter zu einer gänzlichen Niederlage des Gegners. Seine Verluste sind außergewöhnlich hoch. Im Priesterwalde gelang es den Franzosen nur in einige vorgeschobene, schwach besezte Gräben einzudringen; im übrigen ist auch hier der feindliche Angriff gescheitert. Bei Ostende schoß eine Küstenbatterie einen feindlichen Flieger ab. Der Eisenbahnviadukt von Dammerkirch ist gestern von unserer Artillerie mit wenigen Schüssen wieder zerstört worden, nachdem es den Franzosen nach monatelanger Arbeit vor einigen Tagen gelungen war, ihn gebrauchsfertig zu machen. Deftlicher Kriegsschauplay. Keine wesentlichen Ereignisfe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den Kämpfen bei Przemysl schoben sich die deutschen Truppen gestern näher an die Nord- und Nordostfront heran. Der österreichische Generalstabsbericht. 13ien, 31. Mai.-( B. 2. B.) Amtlich wird verT. Jautbart: 31. Mai 1915, mittags.. Russischer Kriegsschauplah. Am San und östlich des Flusses haben gestern feine ernsteren Kämpfe stattgefunden. An der Nord- und an der Südwestfront von Przemysl, sowie am oberen Dnjestr mird gekämpft. Ju der Gegend von Stryj erstürmten verbündete Truppen in heftigem Kampfe mehrere Ortschaften, und croberten eine russische, Batteric. Die sonstige Lage im Nordosten ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplas. Oberste Heeresleitung. Der Wiederzusammentritt des preußischen Abgeordnetenhauses Früher, als die Regierung es wünschte, versammeln sich die Auserkorenen des preußischen Volkes zu neuen geſetzgeberischen Taten. Die Regierung hatte die Absicht, im März den Landtag bis zum November zu vertagen, sie hatte sich vorher mit den Fraktionsführern darüber nicht ins Einvernehmen gefekt. Schließlich ist aber dann ein lebereinkommen dahin erzielt worden, daß die Vertagung nur bis zum 27. Mai dauern, soll. Der Grund hierfür liegt nicht darin, daß unaufschiebbare Gesezentwürfe ihrer Erledi gung harren, sondern in dem Wunsche der Parteien, rechtzeitig über die von der Regierung zu ergreifenden Maßnahment. auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung. unterrichtet zu werden. Wenn auch die Sicherstellung der Ernährung des Boltes während des Krieges Sache der Reichsregierung ist, so sind doch die Maßnahmen in erster Linie auf die preußische Regierung zurückzuführen, und wenn auch der Preußische Landtag formell fein Recht hat, die Regierung. deshalb zur Verantwortung zu ziehen, so ist doch der Wunsch nach einer Auseinandersetzung mit ihr durch aus verständlich. Schon die Verhandlungen der Budgetfommission im März haben den Beweis erbracht, daß die Barteien vieles an den Anordnungen der Regierung auszu sehen haben, die einen vom Standpunkt der Produzenten, die anderen vom Standpunkt der Konsumenten aus. Die jüngst wieder zutage getretenen tiefgehenden Meinungsverschieden, heiten zwischen dem Deutschen Landwirtschaftsrat und dent Vorstand des Deutschen Städtetages laffen einen Schluß zu, daß es auch jest wieder an lebhaften Erörterungen nicht fehlen wird. Die Unterlage für die Aussprache bildet ein von allen Parteien unterzeichneter Antrag, der die Regierung um Mitteilung in der verstärkten Budgetkommission ersucht, welche räumt wurde. Unsere Verluste sind leicht. Im Cadore be- Maßregeln sie getroffen hat und zu treffen gedenkt, um die setzten wir den Tre Croci- Paß, Cortina d'Ampezzo sowie das Ernährung des Heeres, der Flotte und des Volkes weiter. ganze Tal um diese Ortschaft. An der Grenze von Friaul ſicher zu stellen, insbesondere mit Rücksicht auf die neue Ernte. hatten die Desterreicher schon seit langem die Bewaffnung am Dienstag steht, wird nach den Vereinbarungen unter den Der Antrag, der auf der Tagesordnung der ersten Sizung ihrer den Flußübergang beherrschenden Stellungen auf dem Frattionsvertretern ohne Erörterung der verstärkten Budgetlinken Isonzoufer durch zahlreiches Geschüß mittleren Stalibers fommission überwiesen werden, in welcher den Sozialdemo verstärkt. Sie halten außerdem mit starken Sträften einige fraten wieder ein Sig eingeräumt worden ist. Bunkte auf dem rechten Ulfer, um die Stadt Görz zu decken. Starte Regenfälle brachten die Flüsse zum Steigen. Trozdm rüden unsere Truppen fortgefekt kräftig und in bester Stimmung vor. Cadorna. Die italienischen Operationen. Mindestens für ebenso wichtig als die Frage der Lebensmittelversorgung halten wir die Frage der preußischen Wahl reform. Zehn Kriegsmonate find ins Land ge gangen und niemand weiß, wie viele dent deutschen Volke noch bevorstehen. In dieser schiveren Zeit werden von allen Bevölkerungsfreifen fortgefeht die größten Opfer verlangt, aber immer noch fehlt es an dem gleichen Maß politischer Zürich, 31. Mai.( Z. U.) Wie man hier erfährt, werden Betätigungsmöglichkeit und politischen Einflusses für die Gestern vormittag wurde der Angriff eines Alpini- die Operationen der Italiener im Gebiet von Friaul durch preußischen Untertanen". Das wird in steigendem Regiments auf einen Abschnitt unserer Befestigungen auf dem Hochwasser der Flüsse sehr stark behindert. Die österreichischen Maße als der Abänderung bedürftig empfunden. Selbst Plateau von Lavarone blutig abgewiesen. In der Stellungen ant fonzo bei Görz werden in italienischen der nationalliberale Abgeordnete Böhme hat es fürzlich Gegend nordöstlich Paneveggio begann eine feindliche Militärtreisen als äußerst start angesehen. Italienische im Deutschen Kurier" als unmöglich bezeichnet, die jetzige Abteilung zu schanzen, ging aber vor dem Feuer unserer Pa- Blätter melden, daß das Geschützfeier der österreichischen Form des Wahlrechts noch länger bestehen zu lassen und er trouillen sofort zurüd. Artillerie in diesem Frontraum von größter Heftigkeit und und direkten Wahl eine Minderung des plutokratischen hat für ein Notgesek plädiert, das neben der geheimen Da die. Charakters des Wahlrechts herbeiführen" müßte. Liberalen sich sogar für eine lebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen ausgesprochen haben, wird es cin Aus dem Engadin wird der N. 3tg." berichtet, daß am Leichtes fein, einen derartigen Antrag einzubringen und da Stelvioz zwischen Jtalienern und Desterreichern durch die Aeußerung der Stonservativen und des völlig schweigScharmütel stattgefunden haben. Schweizer Patrouillen samen Zentrums hervorzurufen. Auch die Regierung wird sich in der Livignogegend haben auch starten Kanonendonner von dort her gehört. Am Mittwoch und Donnerstag will man auch Kanonendonner am Heinzenberg vernommen haben; doch weiß man nicht, ob aus den Vogesen oder vom Stelvio her. An der kärtnerischen Grenze fanden kleinere für Wirkung ist. unsere Waffen erfolgreiche Kämpfe statt. Destlich Karfreit versuchte der Feind vergeblich die Hänge des Krn zu ersteigen. In den Geschütkampf im füstenländischen Grenzgebiete begaun unsere schwere Artillerie einzugreifen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Der italienische Krieg. Gefechte am Stilffer Joch. Die Blockade der albanischen Küste. Der italienische Bericht. Rom, 31. Mai.( W. T. B.) Meldung der Agenzia Stefani. Rom, 31. Mai.( W. T. B.) Amtlicher Bericht Eine von der königl. Regierung veröffentlichte amtliche Note erklärt, des Großen Hauptquartiers vom 30. Mai. daß die Blokade der Küste Albaniens, welche durch die An der Grenze Tirols und des Trentino besetzten wir die Erklärung vom 25. Mai von der Grenze Montenegros im Norden wichtige Stellung auf dem Spessagipfel bei Giorio. Auf dem bis zum Kap Kephali im Süden verhängt war, ab 30. Mai auf das Asiagoplateau zerstörte unsere Artillerie das Panzerfort Luserna, Gebiet von derselben Grenze im Norden bis Arispuga beschränkt welches die weiße Fahne hißte. Als das österreichische Fort wird. Infolgedessen sind die geographischen Grenzen der Blockade Belvedere, welches weiter rückwärts liegt, dieses sah, richtete des albanesischen Gebiets die folgenden: Nordgrenze 41 Grad es sofort sein Feuer gegen das Fort Laserna. Die moderne 52 Minuten nördlicher Breite und 19 Grad 22 Minuten 40 Sekunden östlicher Länge von Greenwich. Südgrenze 40 Grad 09 Minuten Feldbefestigung auf dem Gipfel Vezena wurde durch 35 Sefunden nördlicher Breite und 9 Grab 34 Minuten 45 Gefunden unsere Artillerie ebenfalls völlig zerstört und von unserer östlicher Länge von Greenwich. Die neue Sperrlinie zwischen dem Infanterie besetzt. Diese rückte sofort bis zum tiefer gelegenen Stap von Dtranto und Arispuga bildet die neue Blockadelinie und Dorje Vezena vor, welches schleunigst von den Destereichern ge- hat alle Wirkungen der Erklärung vom 26. Mai. " dann zu einer neuen Stellungnahme entschließen. Sie hat zwar ganz allgemein bekanntlich eine ,, Neuorientierung" zugesagt. Aber Böhme hat darin ganz recht: Ministerielle Versprechungen sind für die Zukunft feine Bürgfchaft". Die Regierung hat ihre Ablehnung damit be gründet, daß jest teine geeignete Zeit zu Debatten sei. Aber auch das hat Böhme treffend widerlegt: Ist nicht gerade die heutige Zeit, in der über alle Parteiinteressen hinweg sich der Blick auf das große Ganze richtet, der denkbar günstigste Augenblick für derartige Reformen? Oder sollte es wirklich nennenswerte Schichten geben, die aus irgendwelchen furzsichtigen Interessen nicht einmal eine Reform in den vorher gekennzeichneten Grenzen zubilligen wollten? Dann mögen sie auch den Mut haben, in der Gegenwart zu gestehen, daß sie zwar Blutopfer von dem gesamten Volke verlangen, ihm aber die lange vorenthaltenen Rechte auch heute noch weigern." Eine weitere Ergänzung erfahren diese Ausführungen in der Zuſchrift eines evangelischen Geistlichen Schleswig Holsteins an das Berliner Tageblatt", worin es heißt: .Ist es ttrSJ ems Forderung der Logik, der Vernunft und deZ unmittelbaren fitllichcu Gefühls, dafz dieser größten.Pflicht auch das größtmöglich i n n e r p o l i ti s ch e Rech't entspricht, daß also tu dieser noch erschloerten SchicksalSstunde die preußische Regierung dem Preußenvolke das schenkt, was es noch nicht hat, luonach es aber in dem bei weitem größten Teil seiner Glieder sich leidenschaftlich jeljnt— das all? gemeine gleiche, geheime, direkte Wahlrecht?! Angesichts dessen, was das deutsche Volk und in ihm, wie alle Ttande, so auch der bei weitem zahlreichste, der deutsche Arbeiter- stand, in den nunmehr bald zehn.i'iriegsmonaten geleistet, hat die Regierung Zeit zum Besinnen und zur Ueberlegung genug gc- habt. Sehr wohl hätte sie da an die Schützengräben die Kunde hinausgehen lassen können-: das Neichstagswahlrccht auch für' Preußen.... Will die Negicrung in Preußen auch jetzt noch, wie einst die delphische Phthia, geheimnisvoll orakeln und in unklaren Worten das Volk auf die Zukunft vertrösten, daß man nach dem Kriege in Erwägungen eintreten werde. Er- wägungen, die sich vielleicht jahrelang hinziehen können, wobei dann auch der alle Trumpf gcgnerischerseitS'ausgespirlt würde: das alte System könne doch nicht so schlecht gewesen sein, denn unter ihn: sei das Bisherige geleistet worden!... Wenn aber unsere Leitenden sich selber sagen, daß sie nun- mehr Preußen doch nicht werden vorenthalten können, was das Reich, was die meisten deutschen Bundesstaaten, was sogar die RcichSlande Elsaß-Lothringen besitzen, ivarum in aller Welt wollen sie nach dem Krieg sich erst mühsam abringen lassen, was sie bei dieser völlig neuen Zeitlage doch nicht mehr festhalten können. wodurch jetzt aber als freiwillige Gabe sie die Herzen der preußischen Arbeiterlvclt restlos erobern würden! Und die Angst vor den preußischen Reaktionären? Gemach, ihre Macht dürfte bei heutigen Zeitläuften dahinschmelzen. wie einstmals da» Wachs an des Ikarus Flügeln.... Hat aber die Regierung die Arbeiterschaft, den Liberalismus und das ganze Volk in Waffen hinter sich, dann sollten die paar unverbesserlichen Reaktionäre hinter den Fronten doch in der Tat kein unübersteig- liche» Hindernis mehr zu bedeuten haben dürfen!" TaS find alles so selbstverständliche Erwägungen, daß UNS eine Uebergehung der Waylrcchtsfrage in der kommenden ?lbgeordnetenhaustagung einfach undenkbar erscheint. Die Gründe, die für eine schleunige gründliche Reform sprechen, sind außerdem so beweiskräftig, daß nicht einmal erheblich ausgedehnte Debatten mit der Bchandlimg notwendig verknüpft sein müssen. Die ganze Frage ist oft genug eingehend geprüft worden.. ES bedarf nur noch der X a t, ÄlleS andere wäre erneute Verschleppung. Die Beratung des W o h nu ng s g e se tz es, die als zweiter Punkt ans der Tagesordnung der ersten Sitzung steht, wird keine Debatte hervorrufen. ES handelt sich nicht um die materielle Beratung deS Entwurfs, sondern lediglich um seine Zurückverweifung an die Kommission. Maßgebende Parteien, vor allem Konservative und Zentrum, haben den dringenden Wunsch, das Gesetz jetzt zustande zu bringen, andererseits aber iuiinschcn sie auch, daß mit Rücksicht auf den Burgfrieden die Meinungsverschiedenheiten nicht hervorgekehrt werden; es soll vielmehr versucht werden, ob es in der Kommission möglich ist, die Gegensätze auszugleichen. Wir unsererseits zweifeln daran, daß der Versuch gelingt; denn wenn wir auch jederzeit zu erneuten Verhandlungen bereit sind, so können wir doch die uns bei der Regelung des Wohnungswesens leitenden Grundsätze nicht preisgeben. Auch von den Polen und den Fortschrittlern, die in der Kommission gegen das Gesetz gestimmt haben, ist das kaum anzunehmen. So sehr wir auch das endliche Zustandekommen eines Wohnungs- gesetzes für Preußen jusinschen. so werden wir uns doch dem Plan, widersetzen,.der daraus hinausläufst daß die Kon- fcrvatiben und das Zentrum den sogenannten„Burgfrieden" zur Erreichung ihrer Ziele ausnutzen. Dir befinden unS dabei in Ucbercmstimmung mit dem Vorstand des preußischen Städteiages. der aus naheliegenden Gründen gebeten hak, unter dem Kriegszustand von der Wetterberatung des Entwurfs Abstand zu nehmen. Uebrigens scheint auch die Re- giorung wenig Wert daraus zu legen, daß der Entwurf- in seiner jetzigen Gestalt Gesetz wird, zumal da der Krieg auch auf dem Gebiet des Wohnungswesens Reformen erforderlich macht, die niemand voraussehen konnte und auch heute noch nicht voraussehen kann. Wenige Schwierigkeit� wird die Verabschiedung des Fischereigesetzes machen, das von der Kommission des Abgeordnetenhauses bereits durchberaten ist und nennenswerte Parteigegensätzc nicht gezeitigt hat. Das Plenum wird in kurzer Zeit damit fertig sein und es dem Herrenhause über- weisen können, so daß es noch während des Krieges in Kraft treten kann. Ausgeschlossen ist es freilich nicht, daß das Herrenhaus die Beratung auf den Herbst vertagt. Gleichsalls ohne nennenswerte Differenzen wird der vom Herrenhause in abgeänderter Fassung an das Abgeordneten- haus zurückgelangte Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung Minder- jähriger erledigt werden können. Sachlich stimmen beide Häuser des Landtages über die Novelle, die der Ver- wahrkosung Minderjähriger vorbeugen soll, mit der Regierung übercin, es handelt sich lediglich um einen anderen Wortlaut. Mit diesen Arbeiten dürste die Tätigkeit des Landtages erschöpft sein. Wann er wieder auseinandergeht, hängt von dem Verlauf der Kommissionsberatungen ab. Darüber, ob die Session dann geschlossen oder nochmals vertagt wird, sind bindende Beschlüsie noch nicht gefaßt. Das Staatsntinisterium beabsichtigt, den preußischen Land- tag nach Erledigung einiger wichttger Arbeiten nicht wieder zu vertagen, sondern die Session zu schließen. Ein sachlicher Grund hierfür liegt nicht vor. Die Maßnahme käme daraus hinaus, daß die Regierung der Kontrolle des Parlaments entzogen wäre. Richtet sich anscheinend die Maßnahme auch in erster Linie gegen die Konservativen, auf deren Betreiben es zurückzuführen ist, daß der Landtag schon jetzt wieder zusammentritt und nicht, wie die Regierung es beabsichtigt hatte, erst im November, so ist sie trotzdem bedauerlich vom Standpunkt eines jeden, der in dem Parlament mehr als eine bloße Geldbewilligungsmaschine erblickt. Den Vor- lagen, die infolge des Schlusses der Session unter den Tisch fallen,� braucht man keine Träne nachzuweinen. Viel Gutes wäre, nach dem bisherigen Verlauf der Kommissionsberatungen zu urteilen, dabei doch nicht herausgekommen. Aber unverständlich ist es uns, wie die Regierung gerade unter dem Kriegszustand, wo ihr doch an einem guten Einvernehmen mit allen Parteien gelegen sein muß, einen solchen Beschluß fasten kann, der nicht gerade zur Förderung des Burgfriedens bei- trägt, den sie sonst bei jeder Gelegenheit predigt. Italienische Truppen für öie vogesen t Aus Paris wird der„N. Z." depeschiert: Ter Militär- gouverneur von Paris, General G a l l i e» i e. richtete an die französischen Truppen eine Ansprache, in der er seiner Freude AltSdruck gab, daß die Franzosen von nun an vereint mit ihre» italienischen Brüdern für die Verteidigung der lateinischen Kultur kämpfen werden. Die Truppen, an welche diese Ansprache gerichtet wurde,.gehen«ach den Bogcse«, wo sie sich mit ih r c» av i si er t e n i t a li eni s ch e n Brüdern treffen werden. von öer Westfront. Eindrücke und Erlebnisse. D e r P o st e n st a n d. Ein trefflich ausgebauter Poftenjtanb, sauber in den Schützen- graben eingelassen, hinten mit einem Vorhang abgeschlossen, beinahe wie ein kleine» Zimmcrchen mit einem niedrigen Fenster, das den AuSguck bcrmiiielt. Die Wände sind mit Brettern verschalt, und unter dcni„Fenster" befindet sieb, ganz wie ein richtiges Fenster- brett, eine brette Armauflage aus Holz. Seit Wochen und Mo- naten haben, hier tagaus, tagein, Stunde für Stunde, zwei Posten treue Wacht gehalten. Es war kein schwerer Dienst,— nur ein wenig langweilig. Und um sich die Zeit zu vertreiben, nahm dieser und jener Messer oder Blei und begann, das Holz der Wände und das Holz der„Fensterbank" nach gutdeutscher Art zu bekritzeln und zu zerschnitzen. Ju manchen Universitätsstädten werden den staunenden Be- suchenr die Karzer der Herren Studiosi gezeigt, deren Sehen?- Würdigkeit eben darin besteht, daß Wände, Tisch und Pritsche aus- sehen wie eine vollgeschmierte Schreibtafel: sieht man näher zu. so kann man aber hier und dort in dem Gekritzel und Geschmier ganz hübsche Bildchen und ganz amüsante BerSIein entdecken, kleine Kunstwerke in dem Wirrwarr des Bedeutungslosen.— Unser Unterstand zeigt alle Ansätze, jenen Univcrsitätskarzeru den Rang streitig zu machen. Die Fülle seiner Kritzeleien und Schnitzereien zum mindesten nimnit es schon jetzt mit der Masse der Schmie-, rereien in den berühmtesten jener Karzer auf. Und manch ge- lungcnes Bildchen und Verschen gibt es in dem wirren Durch- einander auch hier bereits. Die meisten Künstler, die an der Ausgestaltung dieses Raumes mitwirken zu sollen glaubten, begnügten sich ja allerdings damit. ihren wertvollen Namen zu verewigen; um ja allen Verwechslungen vorzubeugen, nicht selten gleich mit Regiment. Kompagnie. Hei- matsort und Geburtstag dahinter. Poetischere Naturen schrieben daneben noch den Namen der Geliebten; auch herzumrahmte, gc- heimnisvoll-verschlungenc Buchstaben kehlen natürlich in dieser Reihe nicht. Hier und dorr ein patriotisches Sprüchlein, ein Spott- ver» gegen die Gegner: nicht eben originell. Aber auch ein ganz lustiges VerSle in wie dieses, erst neuerdings mit Blei in eine Ecke gekritzelt: „Der Mai ist gekommen, Granaten schlagen ein: Da bleibe, wer Lust hat, Noch länger im Frcin. Wie die Wolken dort wandern To weithin übers grüne Land, To steht aucki mir der Sinn nach Dem bombensichern Unterstand." Unter den Erzeugnissen der„bildenden" Kunst nehmen die Dar- stellung des weiblichen Körpers zweifellos den breitesten Raum ein. -in asten Situattonen erscheint er dem Auge, zumal wenn es über einige Phantasie verfügt und auch bereit ist, den guten Willen für die Tat'zu nehmen. Mit der Uitterschrift:..Ter Mann muß hinaus.. bat ein Zeichenkünstler nicht übel den armen Joffre abkonterfeit, wie ihn ein Berliner Schutzmann just am Kragen bat und' abtransportiert. Eine andere Hand hat ein paar zerschossene Häuschen, die das Auge durch den Ausguck sieht, in gelungener Zeichnung auf dem Holze festgehalten. Mehrfach sind Regiment?- und Berehtswappen da Mischengemalt. 3n der Mitte de» Fensterbrettes hatte zunächst eine ettvaS ungeschickte Hand„Parole Heimat!" in das Holz geschnitten. Ein augenscheinlich anderer, geschickterer Messerkünstler gab diesen Worten einen hübschen Rahmen. Ein dritter kam und malte ein Bildchen darunter, wenn auch mit etwa» kindlichen Linien: Ein wackerer Wehrmann umarmt sein Weib: ein Kindchen steht neben der Mutter. Mit kunstvoll verzierten Buchstaben schrieb einer noch einmal die Worte„Parole Seimat" darunter, und unterstrich sie drei-, viermal. Kam augenscheinlich ein Skeptiker; er kritzelte hinzu:„Tu bist verrückt, mein Kind!"... Aver ein Poet widerlegte ihn:„Und dräut der Winter noch so sehr, es muß doch Frühling werden." Durch den Fensterschlitz sieht das Auge die Sonne leuchten über saftigem Grün; wuchernde Gräser und Wiesenblumen Hemmen fast den Blick ins Weite. D a blüht und duftet der Frühling bereits---- Aber hier drinnen lösen immer noch Posten die Posten ab, und sie spähen schußbereit nach dem Feinde, der immer noch mit ehernen Schlünden herüberdroht,— bereit, Tod und Verderben zu speien. D r e i h u n d e r t M c t e r vorl Mit Laufgräben zu den vorgeschobenen Unterofftzicrsposten, mit der Befestigung der Feldwachenstellung begann's. Im Schutz der Dunkelheit wühlten fleißige Spaten das fette Erdreich auf, Picken klopften auf das Gestein, daß kleine Funken stoben, Bretter und Gesträuch wurden herangeschleppt, um kritische Stellen abzublenden, — und so ward so leise und so schnell wie möglich eine sichere Ber- bindung Mischen der festen Schützengrabenstellung und ihren vor- gestreckten Fühlern hergestellt. Tann trugen kräftige Schultern Stämme und Bohlen vor, andere schleppten Pfähle und Rollen mir Stacheldraht, wieder andere Säcke mit oand und ähnliche Materi- lien. Und wieder wühlten die Spaten, klopften die Hacken— geschickte Hände schraubten Pfähle ein und begannen Draht zu ziehen, Brustwehren wuchsen heraus— und schon war aus dem Erdloch, in dem die Feldwache hauste, eine gesicherte und geschützte Vorhut- stellung geworden. Aber das alles war, wie gesagt, erst der An- fang. Die Hauptarbeit sollte noch beginnen. Was eigentlich geplant war, wußten freilich zunächst die wenigsten. Fluchend kamen sie Abend für Mend aus ihren Unterständen und�hinten aus den Reservequartiercn heraus, den Spaten über der Schulter, das Gc- wehr umgehangen, um auf vier, fünf Stunden nächtliche Schanz- arbeiter zu werden. Je näher es nach vorn ging, desto leiser wurde zwar das Grollen: Aber ein Knurren blieb doch.— bis daß die Zeit der Arbeit wieder zu End« ging: Keine Nacht richtige Ruhe! Elvig schippen, schippen, Balken schleppen und sich Fleisch und Kleider an dem spitzigen Stacheldraht kaputt reißen! Wenn man wenigstens gewußt hätte, weshalb, wofür... Aber kaum, daß eine Arbeit fertig war, kam schon der Befehl zu einer neuen. Rein, als ob es den Herren da oben nur darauf angekommen wäre, die Leute Abend für Abend, Nacht für Nacht um ihre Ruhe zu bringen.... Aber dann begann diesem und jenem doch ein Licht aufzugehen und den anfänglichen Unwillen wenigstens ein bißchen zu dämpfen: Schließlich handelte es sich doch picht um ein so Med- und planlose» Nur-immer-weiter-graben und-schanzen, sondern um eine ziel- bewußte Anlage. Wenn dort zwischen Feldwache und Unterosft- zierspostcn. zwischen II nter off iziersp ästen und einzelnen Posten- löchern, und dann noch wieder hierhin und dorthin neue Gräben gezogen, mit Schützenauftritten. Brustwehren und Drahtverhauen ausgestattet, sogar mit Unterständen und ollem sonstigen Zubehör versehen wurden.— so bedeutete das nicht mehr und nicht weniger denn ein resolutes Vorschieben der ganzen alten Stellung. Noch lagen die Kompagnien hinten in den alten Gräben und schickten mit den Arbeitenden allenfalls nur kleine Abteilungen zur Siche- rung au». Noch blieben die neuen Anlagen tagsüber ohne anderen Schütz als den der vorgeschobenen Feldwache und der hinten auf den Bergen drohenden Geschütze.?lber wie lange noch,— und ine Kompagnien würden die ultcn Uitterstände verlassen, um in die neuen überzusiedeln, ihre Grabcnwachen würden dauernd die eben angelegten Gräben besetzt halten, und neue Postenketten würden � ü'Mnnunzw zum Leutnant ernannt— ein General zur Visposition gestellt. Rom, 3t. Mai. Nach einer Meldung der„Tribuna" ist d'Annunzio zum Leutnant im Gefolge des GencralstabSchess Cadorna ernannt worden.— General Spingardi, der Kommandant des Mailänder Armeekorps und früher Kriegsminister unter Giolitti, ist zur Disposition gestellt worden. Der Präfckt und der Polizeipräsident von Mailand sind strafweise ihrer Stellungen enthoben worden. Der Grund dieser Maß- nahmen ist in den Ausschreitungen der Mailänder Volksmenge zu suchen. ftmtsentsetzung öer Mitverantwortlichen für öie Mailänöer Exzesse. Rom(über Lugano), 3t. Mai.(W. T. B.) Zum Noch- folger des seines Amtes entsetzten P räfe kten von Mailand, Senators Panizzardi, ist Senator Eassis vom Ministerrat zum Zivilkommifsar der Provinz Mailand er- normt worden. Zum Nachfolger des gleichfalls entsetzten Polizeidirektors Cosentmo Polizeiinspettor Ferrari; Naw folger des zur Disposition gestellten kommandierenden G e- ncrals des 3. Armeekorps, Spingardi. ist Ge- neralleutncmt Sapelli geworden. Eine Note erklärt, der Ministerraat habe diese Veränderungen eintreten lassen, weil die Behörden die Ausschreitungen der letzten Tage gegen das Eigentum von Ausländern in Mailand nicht verhindert hätten. Es werde eine Untersuchung eingeleitet werden, um die Verantwortlich- keit der bisherigen Beamten festzustellen, welche der General- inspektor des Ministeriums des Innern, Bardesiano, leiten werde. �/lvanti" bskämpft öie vertusthungspolitik. Mailand, 3t. Mai.(W. T. B.) Ter sozialistische „Avanti" hat durch Vermiitelung des Mailänder sozialistischen Bürgermeisters Caldaro und der Abgeordneten Trevers und Beltrami Beschwerde bei Salandra erhoben wegen- der fori» gesetzten Unterdrückung seiner mit Eisenbahn versandten Zeitungspakete und anderer willkürlicher Störungen seines Absatzes. Der„Avanti" erneuert fein Ersuchen an die Re- gierung, doch nicht alle bedenklichen Kriegsbegebenheiten zu verschweigen. Die Zahl der Opfer bei der Beschießung von Aneona und die Ergebnisse der Beschießimg von Rimini und Venedig würden nicht öffentlich bekannt. Der„Avanti" weist auf das Vorbild.hin, das Deutschland mit der Veröffentlichung der Verlustlisten gebe. ßreiwillige. Lugano, Sl. Mai.(W. T. 35.) Dem Vorbilde dÄnnurizios. den Kricgshelden zu spielen, ohne Gefahren zu bestehen, wollen nach einer Zeitungsmcldung etwa zweihunderttausend Italiener folgen,, welche dem Kriegsministerium ihre Dienste als Schreiber, Boten, Köche, Bäcker, Elektriker, Krankenpfleger und dergleichen angeboten haben. Westlicher striegssihauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 3t. Mai.(N. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: In Belgien auf-dem rechten Ufer des Dscrkanals nahmen unsere Truppen sämtliche deutsche Schützen- gräben an der Höhe 17 im Gebiete von. Pilkem ein,- machton vorgeschoben werden, unr außerhalb der Drahtverhaue die nächtliche Wacht gegen feindliche Ueberfällc zu übernehmen. Dreihundert Meter vorwärts durch die Kraft der Spaten, dreihundert Meter- näher an den Feind heran, in günstigen Stellungen, ohne Sturm und Kamps! Oder doch wenigstens beinahe ohne Kampf... Denn so ganz in Fried' und Ruh' ließ sich die Sache ja doch nicht durchführen. Mochten die Schipper und Schanzer sich noch so sehr bemühen, ihre Arbeit schnell und lautlos zu vernichten,— ganz konnte da» Klopsen und Stampfen feindlichen Posten und Pairoulllen naturgemäß nicht verborgen bleiben. Und bei Tage mochten die Fernrohre der feindlichen 35eobachtungsstellen auch wohl die neuen Erdschlangen bemerken, die sich durch Felder und Gärten zu schlängeln begannen. Durch kühnen A eingriff die Arbeiten zu zer- stören, von dem begonnenen Werke selbst Besitz zu nehmen, schien denen„drüben" freilich wohl doch zu riskant; aber mehr denn einmal geschah'S: Leise polternd gruben die Spaten, klappernd rollte der Draht von den runden Holzgestellen, knirschend schraubten die hölzernen Schlüssel ihre eisernen Pfähle in den KieSboden. Da blitzt es drüben auf, cm Krach, kurzes, atembcklemmendes, furchtbar sich näherndes Sausen— und aufflammend sprengt eine Granate ihre stählernen Stücke unter Erdklumpen und Gestein über die Fläche. Krach— tschingg— bang; eine zweite.... Und schou knattert auch Gcwehrfeuer hinein: peng-peng-peng... ringsherum fingen die Geschosse, surren die Querschläger, klatschen die bleiernen Unheilbringer in das Buschwerk, auf die Erdhausen. Ein Maschinengewehr tackcrt seinen schnellsten Rhythmus hinein.... Ter Lärm wächst; schon sind die einzelnen Schüsse kaum noch zu unterscheiden. Nur wenn auf den Höhen drüben eines der großen Geschütze seinen verderbensprühenden Mund öffnet, schwindet unter dem Krach dieser Ladungen das Gekläff der anderen Geschosse dahin.,.. Ein Höllenkonzert-, und immer noch scheint e» anzuschwellen.... Kein Kommando fand noch je so schnelle Befolgung wie das: „Spaten weg! Umschnallen! Deckung suchen!" jener ersten beiden Granaten, die das Konzert eröffneten. Im Nu sitzt alles, das Koppelzeug noch in der Hand, in den bereits ausgehobenen Gräben. hinter Erdhaufen versteckt, oder schmiegt sich hingestreckt ganz in das wuchernde Gras der Wiese. Bange Minute� gedämpfte Zu- rufe hin und her.„Nicht alle auf einen Haufen!"„Liegen bleiben, zum Donnerwetter!"„Auf, durch den Graben zurück!"„Von wem kommt der Befehl?"„Nicht türmen! Alles bleibt dal Lächerlich. wegen so'ncm bißchen Schießerei..." Eine Viertelstunde dauert's. Vielleicht auch nicht mal. Dann schläft das Feuer allmählich wieder ein.?!och bleibt alle» in geduckter Stellung.„Durchfragen: Ist jemand verwundet?"— Wieder fliegen Zurufe hinüber und herüber. Gottseidank, alles heil und gesund geblieben! Es ist doch ein schlechtes Ding um das Zielen bei Nacht. Die Artillerie schoß durchweg zu weit,— dorthin etwa.. wo man gestern den Graben begonnen hatte. Da Witt» c» vielleicht nun auszubessern geben; was schadet's?! Die Jnfanteriegeschosse gingen, wie üblich, zu hoch.„Na. bon! Dann wieder loS, an die Arbeit!" Ein wenig langsam steht mancher auf, legt nur zögernd das Gewehr Witter aus der Hand, schnallt ab, und greift na» Spaten, Picke oder Drahtrolle. Es hilft nichts, gemacht muß die Arbeit doch werden. Und man darf hoffen: Nach der Autreguna eines solchen Fcuevübersalls kommt das Kommando zum Abrücken. am Ende doch eine halbe Stunde früher als sonst.— Und dann kann der Tag— oder richtiger: die Nacht ja auch nicht mehr fern sein, die dem ewigen Schanzen ein Ende macht,— wenigstens ein vorläufiges: die Nacht, in der die neue Stellung bezogen Witt, ganz und endgültig. Freilich, wer weiß, ivas es dann Witter für Arbeit gibt... Vielleicht läßt dann der Tag nicht mehr lange auf sich warten, wo es nach den Wochen der Arbeit mn Spaten und Picke auch Witter blutigere Arbeit mit Gewehr und Bajonetten gibt. L. N. dort etwa fünfzig Gefangens und erbeuteten drei Maschinen gewehre. Ein Gegenangriff wurde zurückgewiesen. Im Ah schniu von A r r a s dauert der sehr lebhafte Artillerickamp an. Südöstlich N c u v i l l e- S a i n t V a a st griffen wir die „Labyrinth" genannte starke deutsche Feldschanze an. Der Kampf war sehr heiß, wir rückten 400 Meter vor und niachten zahlreiche Gefangene, darunter Offiziere. An den Säumen des Priester-Waldes nahmen wir neue Schützengräben und machten fünfzig Gefangene. Im Elsaß am Schnepfen risthmassiv wiesen wir einen Angriff zurück und eroberten beim Zurückwerfen dos Feindes einen seiner Schützengräben von denen der Angriff ausgegangen war. Wir erbeuteten ein Maschinengewehr und- einen Minenwerfer. Gestlicher Kriegsschauplatz. Der rusilfthe Generalstabsbericht. Petersburgs 31. Mai.(W. T. B.) Dcr�Große G e n e r a l st a b teilt mit: In der Gegend von S z a w l e bedrängen unsere Truppen fortgesetzt die Deutschen, die die Zugänge zu den Dörfern Szavkiany und Kelmy verteidigen. In dieser Gegend erbeuteten wir am 28. Mai bei dem Dorfe Sawdyniky neun Kanonen, sieben Maschinengewehre. Ge fangene und viele Beutestücke. An der mittleren und unteren D u b i s s a erneuerte der Feind seine Offensive. Unsere Truppen wurden aus die andere Seite des Flusses zurückgenommen und- vereitelten am 29. Mai die. wiederholten Versuche des Feindes, den Fluß zu über schreiten. Im weiteren Verlaufe der galizischen Schlacht zwangen wir den Feind am 29. Mai, das rechte S a n u f e r bis zur Mündung derLubaczowka zu räumen, und machten eine Reihe von erfolgreichen Gegenangriffen aw die feindlichen' Hauptkräfte, die sich in dieser Gegend bei den Dörfern Kalnikow und Naklo an beiden Ufern der Wisznia hielten. Hier nahmen wir an einem einzigen Tage.an 3000 Mann und 60 �Offiziere gefangen, erbeuteten Maschinengewehre, Scheinwerfer und Train.' In der Gegend jenseits vom Dnjcstr dauern die hartnäckigen Kämpfe an. Der Feind setzte am 28. Mai einen Hauptstoß in der Gegend von Hai an, wo unsere Linie einen vor� springenden Winkel bildet. Um diesem Vorstoße stand zu halten, gingen wir zum Gegenangriff über. Einem unserer Bataillone gelang es, den Feind im Rücken zu fassen und seine beträchtlichen Kräfte zurückzudrängen, wobei 600 Mann, 17 Offiziere und 8 Maschinengewehre in unsere Hände fielen. Im- Dolinatalc griffen unsere Abteilungen an und zwangen den Feind, das rechte Ufer der Swica zu räumen. An den anderen Abschnitten der gesamten Front gab es keine Kriegshandlungen von Bedeutung. RuPsche Darstellung üer Milleriekampfe in Galizien. Petersburg, 31. Mai.(SB. T. SB.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. AuS den Berichten fremder Zeitungen über die Kämpfe an der Linie von G orlicc zum Dunajec geht hervor, daß der Keind dort gegen unsere zwei Korps ungefähr 1ö Kanonen, von denen ein beträcht- l icher Teil mittlere, schwere und 42- Zentimeter- Stücke waren, in ganz kurzer Zeit in heftige Tätigkeit gesetzt häi.(Zn dinef nur vier stündigen Beschießung, als die dem Stürm vorangehende.Arkisterie- tätigkeit besonders heftig war, verfeuerte der Feind allein ungefähr s i e b c n h un d erttau send Geschosse, eine Menge, deren Beförderung mehr als 1000 Waggons braucht. Diese Geschotzmenge übersteigt das doppelte defien, was'üc die sechsmonatige Belagerung einer großen, wohlversorgten Festung nötig ist. Wettere siebenhunderttausend Geschosse waren vom Feinde für die Durchführung seiner Offensive bereitgestellt und allem. Anschein nach tatsächlich am 10. Mai schon verbraucht, als sich die ersten Anzeichen eines Stillstandes in der Offensive Mackensens zeigten. Im allgemeinen hat der Feind bei dem Angriff auf unsere Stellungen gegen jeden unserer Schützen, das heißt auf je ändert- halb Schritte unserer Front zehn Gefchosie mittleren Kalibers im Gewicht von etwa 20 Pud verfeuert. Das Vordringen des Generals Mackensen von Gorlice über Jaroslau nach Naklo im Nordosten von Przcmysl wurde nur dadurch möglich, daß jedes von unseren auf die entscheidenden Posten gestellten Bataillonen während ganz kurzer Zeil mit ungefähr 10 000 Artillcriegeschosien beschossen wurde. Bei einem so heftigen Feuer werden, abgesehen von den bedeutenden Der lusten, alle, die sich in seiner Wirkungssphäre befinden, mehr oder weniger beschädigt oder betäubt. Augenscheinlich würden selbst sehr viel? Geschoßsabriken auf die Dauer uicht ausreichen zur Lieferung der Geschosse, wenn zweitausend in der Stunde verbraucht werden. ES slheint tatsächlich, daß die Deutschen die Vorräte von Krakau und einigen anderen Festungen erschöpft haben. Auch wird ihre Infanterie, die durch die Unterstützung ihrer Artillerie verwöhnt ist und gewohnheitsmäßig nur einen betäubten oder vergifteten Feind angreist, nächstens unter Schwierigkeiten von ganz anderer Art- zu kämpfen haben. Gefangene sagen aus daß unser Schrapnell wohl nicht betäubt, aber dem Feinde ungeheuere SSerluste an Verwundeten und Toten beibringt. Viele Kompagnien der Deutschen verloren während ganz kurzer Angriffe mehr als hundertfünfzig Mann allein durch unser Schrapnellfeuer. Die Kämpfe bei Sieniawa. Petersberg, 31. Mai.(W. T. B.) Meldung der Peters- burgcr Telegraph enagcntur. In Entwicklung des Erfolges bei Sieniawa bemächtigte sich General Irin an off am 28. Mai des Dorfes Lezachow, wo er noch ungefähr tausend Gefangene machte, etwa zehn Feld- suchen und andere Teile deZ Trains erbeutete. Eines unserer Bataillone unter dem Befehl des Hauptmanns Bar ging am 28. Mai in der Gegend von Hai(?) zum Gegenangriff über. Es gelang unseren Soldaten, die zwei- oder dreimal stärkeren feindlichen Kräfte zu umzingeln,«sie machten einen Teil davon nieder, der Rest von 600 Mann wurde gefangen ge- nommen. der Seekrieg. Vom v-Dootskrieg. Loudsu, 31. Mai.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen BureauS. Der Dampfer„P i flgs ue y" von der China Mutual Steam Navigation Company, der mit wertvoller La- dung auf der Heimreise von Batavia war, wurde im Kanal zweimal von II- Booten verfolgt und mit Granaten beschossen. Er vermochte jedoch Plymouth wohlbehalten zu erreichen. Ein Mann der Besatzung wurde verwundet.— Der Dampfer„T u l l o ch m o o r" von 3520 Tonnen wurde am 28. Mai auf der Höhe von Q u e s s a n. t torpediert und versenkt. Die Besatzung wurde in Berry gelandet.— Das 1 französische Schiff„D i x i", das Ouessant auf der Fahrt nach Brest passierte, hatte die Besatzung des englischen Dampfers „Glenlee", an Bord, der auf der Fahrt von Cardiff nach Aden durch.ein deutsches H-Boot versenkt worden war. Eine Erklärung öes Grafen Gernftorff. London, 31. Mai.(T.-U.)„Daily Telegraph" meldet aus New Dort Graf Bernftorff hat der Regierung die Versicherung gegeben, die er schriftlich mitteilte, daß die„ R c b r a S k a" nicht durch eine deutsche Mine beschädigt sein könne, da alle Minen, die durch die deutsche Admiralität gelegt worden seien, unschädlich würden, sobald sie sich loSriffen. Graf Bernftorff sei nicht sicher, daß die britischen Minen ebenso unschädlich werden, wenn sie zu treiben beginnen und seine Landsleute seien der Auffassung, daß die britische Admiralität offen- sichtlich die„Nebraska" angegriffen habe, mit der Absicht, eine weitere Erbitterung zwischen den Bereinigten Staaten und Deutsch- land zustande zu bringen. Seit dieser Vorfall zuerst nach den Ver- einigten Staaten berichtet wurde, sei dort eine wachsende Tendenz für die Ansicht vorhanden, daß dieser Angriff nicht beabsichtigt ge- Wesen sei. Man nehme an, daß Explosivstoffe an Bord der „Nebraska" gewesen seien, daß das Schiff mit einem. Unterseeboot zusammengestoßen oder daß es auf eine Mine gelaufen fei. Die offiziellen Kreise in Washington widersetzen sich keineswegs einer dieser Hypothese und die wirkliche Ursache, weshalb das Kabinett Wilson glaubt, daß ein Angriff nickt beabsichtigt war, sei das voll ständige Fehlen jedes vernünftigen Grundes dafür, daß ein deutsches Unterseeboot ein Torpedo gegen ein amerikanisches Schiff abfeuern sollte außerhalb der KriegSzone, das von England lediglich mit Ballast wegfährt. Schweüischer Presseprotest gegen Englanüs Eingriffe in öen schwedischen Handel. Stockholm, 31. Mai.(W. T. 23.)„Svenska Dag- bladet" weist in einem scharfen Leitartikel auf die wachsenden Schwierigkeiten hin, die England dem schwedischen Soehandel bereite, und erklärt, es sei notwendig, daß die schwedische Regierung energische Vorstellitngen in England erhebe. Es genüge absolut nicht, prinzipielle Protestnoten zu überreichen, die un- befugten Eingriffe in den schwedischen Seehandel müßten solchen Widerstand finden, daß es klar würde, daß Schweden sich nicht als Spielball reiner Willkür behandeln lasse. der türkische Krieg. Eine gescheiterte Aktion vor Smprna. Athen, 31. Mai.(T. U.) Eine neue Aktion vor Smyrna, die von der vereinigten englisch-franzöfischen Flotte unternommen wird, ist, ebenso wie verschiedene Landungsversuchc gescheitert. Zwei Transportschiffe landeten, nach Meldungen aus Myttlene. unter dem Schutze der Flotte eine Abteilung von 460 Engländern, die sich er- gab. nachdem die Dampfer durch das Feuer der türkischen Batterien zum Rückzug gezwungen wurden. Ein englischer Zerstörer wurde in Brand geschossen, während ein englisches Unterseeboot, das sich zu nahe an Land gewagt hatte, schwer beschädigt flüchten mußte. Ein französischer Hilfskreuzer, der die Telegraphenstatton von Kara Burnu beschoß, suchte das Weite, nachdem er mehrere Volltreffer er- halten hatte. Zwei ftonzöststhe hilfskreuM yerloeen. . Athen, A, Mai.(T. U.) Die beiden. Schiffe der Verbündeten Flotte, deren Untergang aus �ytilene Ärzlich' gemeldet'würde, sind französische Hilfskreuzer. Sie liefen auf Minen und sanken sofort. Bon der Besatzung konnte niemand gerettet werden. Die Verluste üer englisch-frayzö'ststhen Mjttelmeergeschwaüer werden wie folgt angegeben: Englische Schiffe: 1. Linienschiff„Jrresistible. 18. März 2.„„Ocean", 18. März. 3. v„Goliath", 11. Mai.. 4.„„Triumph", 25. Mai, 8..„Majestic", 27. Mai. 6. Torpedoboot, 18. März.... 7. Ö°Boot„E 15", 16. März... 8.,„AE 2", 3. Mai.. Der Verlust beträgt: 70 785 Tonnen Französische Schiffe: 1. Panzer„Bouvet". 18. März... 12 000 istzs 2.„„GauloiS". Ende März... 11300 1896 S.»»Leon Gambctta", 37. April. 12 600 1901 (im Adriatischen Meer) Der Verlust bxträg:: 35 900 Tonnen. Zu diesen Verlusten tritt noch das am Freitagmorgen 9 Uhr torpedierte Linienschiff„Agamenmon"-Thp, daS entweder 16 750 Tonnen(„Agamemnon") oder 19 000 Tonnen(„Lord Nelson") groß war. Nicht gezählt sind die Schiffe, über deren näheres Schicksal man nichts Genaues weiß;- auch müssen noch einige Torpedoboote und ein englisches Unterseeboot unbekannter Größe hinzugerechnet werden, das Ende April auf eine Mine stieß und sank. Rechnet man dazu den Verlust des russischen Linienschiffes „Panteleimon" mit 12 800 Tonnen(1900 erbaut), so ergibt sich ein Gesamtverlust von 119 485 Tonnen, der allein auf das englisch-fran- zösische Mittelmeergeschwader und die russiche Schwarzmeerflotte kommt. Alle größeren Schiffe waren stark bestückt, so daß ihr Verlust auch den Verlust großer Gesckützstärke bedeutet. Von der englischen Presse werden die englischen Verluste zur See schmerzlich empfunden. DaS Erscheinen der deutschen E-Boote, sagt besorgt ein Marinefachmann in der„Daily News", vermehrt beträchtlich die schon nicht geringen Schwierigkeiten der englischen Flotte vor den Dardanellen, die bedroht wird durch die Land- balterien, verborgene Torpedostationen, Streuminen usw. Dazu gesellen sich nun noch die deutschen Unterseeboote, die einen WirkungS- kreis von 5000 englischen Meilen haben. Die„Mojestic" sei daS iebente englische Linienschiff, das in diesem Kriege verloren ging. Und da man mit vierzig derartigen Schiffen in den Krieg gegangen ei, habe sich die Flotte uin 17>/„ Prozent vermindert, was um so chwerer wiege, als die deutsche Schlachtflotte keine ausgleichenden Verluste erlitt, sondern als Schlachlflotte intakt geblieben sei. Die Verluste, die England während de-? Krieges erlitten- habe, stellen einen Tonnengehai: von 142 785 dar, die Bundesgenossen zusammen verloren sogar 190 862 Tonnen, davon vor den Dardanellen allein 92 228 Tonnen.- Gefechte im Kaukasus« Petersburg, 31. Mai.(W. T. B.) Bericht der kaukasischen Armee vom 28. Mai: In der Richtung aus Olti Haben Ge- fechte unserer Aufklärung Struppen stattgefunden, die ohne Bedeutung sind. Im Küstengelände fand der übliche Artilleriekampf statt. In der Richtung auf Man haben unsere Truppen das Dorf Schekerbulag und den Paß von Menyin ans dem Wege nach DisagiawerSka und ebenso das Dorf Rcza besetzt. In der Gegend des Dorfes Manschelow fand ein Zusammenstoß mit den türkischen Truppen statt. Sonst ist die Lage unverändert. Die Zrieüensbemühungen öes Papstes. Lugano, 81. Mai.(T. U.) Der römische Korrespondent des„Journal" teilt mit, daß der Papst alles aufbot, um Italiens Teilnahme am Kriege zu vermeiden. Vor einem Monat habe er einen Brief an Kaiser Franz Josef geschickt, um ihn zu Konzessionen zu beweaen. Dieser habe ihn seiner religiösen Gesinnung versichert, aber ausweichend geantwortet. Der Papst habe darauf durch den Wiener Nuntius dem Kaiser über den großen Ernst der Situation aufzuklären versucht. Am 2. Mai habe der Papst durch den Nuntius dem Baron Buriau sagen lassen, daß eine zu späte Entscheidung eine schlimme Wendung nicht verhindern könne. Am 4. Mai telegraphierte der Nuntius an den Papst, daß Oesterreich neue Vorschläge machen wolle. Im Vatikan wußte man jedoch schon, daß alle Hoffnung verloren war. Am 20. Mai teilte nach dem„Journal" der Nuntius mit, daß Oesterreich bereit sei, in allen Punkten nachzugeben. Der Papst empfing diese Nachricht, als er wußte, daß der Krieg entschieden sei. Der Papst handelte ohne irgendwelche Verständigung, ja ohne das Wissen der italienischen Regierung, nur im Humanitären Interesse, um Italien das große Elend des Krieges zu er- sparen und das katholische Oesterreich vor neuen Gefahren zu bewahren.(„Franks. Ztg.') Die Krankheit öes griechischen Königs— ein Dolchstich! London, 31. Mai.(T. 11.) Die„M o r n i n g P o st" veröffentlicht folgendes Telegramm aus Paris: Die Krankheit des Königs der Hellenen ist Gegenstand verschiedener Gerüchte in Frankreich In den Wandelgängen der Kammer wurde gestern offen herausgesagt, daß in Wirllichkoit die Krankheit deS Königs von einem Dolchstich her- rühre. Dieselben Gerüchte gingen während des Nachmittags ii: den ärztlichen Kreisen um, in denen die Symptome der Krankheit und ihre Behandlung erörtert wurden und wobei inan feststellte, daß diese nicht in Uebereinstimmung sein könnte mit der an- gegebenen Krankheit. Dieses Telegramm enthält einen Kommentar des offiziellen englischen PressebureouS, worin gesagt wird, daß das Pressebureau keinen hinreichenden Grund sehe, um die Veröffent, lichung dieses Telegramms zu unterdrücken, daß es jedoch die Ver- antwortung hierfür der„Morning Post" überlasse. Zusammentritt öes dänischen Reichstags. Kopenhagen, 31. Mai.(W. T. B.)� Der Reichstag ist heute zu einer autzerordcntlichenSitzung zusammengetreten., Die Italiener in Deutschland. Basel, 31. Mai.(W. T. B.) Wie die„Nattonalzmung" mitteilt, findet die. auffällige Erscheinung, daß hier verhältnismäßig wenig Italiener zweck» Stellung beim Heere durchgereist sind, jhre Erklärung darin, daß es den italienischen Konsuln, in verschiedenen. Gegenden Teutschlands trotz Drohungen und Versprechungen nicht gelungen ist, ihre Landsleute zur Heimreise zu beweget:. Den basischen Behörden liegen zahlreiche Bittschriften von Italienern vor, welche darum ersuchen, sie doch nicht auszuweisen, da sie w Batzen eine zweite Heimat gefunden hätten und mit dem Borgcheu ihrer Regierung nicht einverstanden seien. Viele hunderte haben noch rasch RaturalisationSanträge gestellt, um, soweit sie Militär- pflichtig sind, in die deutsche Armee eingestellt; zu werden. Laut Meldung der schweizerischen Depeschenagentur ist der italienisch-schweizerische Güterverkehr wieder hergestellt. Kriegsbekanntmachungen. Eine Ergänzung zum Aufruf des Landsturms. Berlin. 31. Mai. W. T. B.) Eine Sonderausgabe des„R e i ch s a n z e i g e r s" veröffentlicht eine Kaiserliche Berordnung, betreffend den Aufruf des Land- st n r m s vom 28. Mai 1915, wonach sämtliche Angehörige des Landsturms 1. Aufgebots, soweit sie nicht schon durch die Ber- ordnuugen vom 1. und 13. August 1914 ausgerufen sind, aufgcrufest werden. Die Anmeldungen der Aufgerufenen zur Landsturmrollc hat nach näherer Anordnung des Reichskanzlers zu erfolgen. Dies? Berordnung findet ans die Königlich Bayerischen Gebietsteile keine Anwendung; sie tritt mit dem Tage der Bcrkündung in Kraft. Auf Grund dieser Kaiserlichen Berordnung wird durch eine Bckanutmachuug des Stellvertreters des Reichs, kanzlerS zur Kenntnis gebracht, bah die im Inland sich auf- haltenden Aufgerufenen, soweit eS noch nicht geschehen ist, bei der OrtSbehörde ihres Aufenthaltsortes in der Zeit vom 8. bis einschließlich 10. Juni 1915 zur Landsturmrolle anzumelden haben, und daß die Aufgerufenen, die sich im Ausland aushalten, nck, soweit es möglich und noch nicht geschehen ist, alsvald schriftlich- oder mündlich bei de« deutschen Auslandsvertretungen zur Gtni tragnng in besondere, von diesen zu führende Listen zu melden haben. Letzte Nachrichten. Emc Familientragödic. Seiner kürzlich verstorbenen Frau mit seinen drei Kindern in den Tod gefolgt ist am Sonntag nachmittag der 39 Jahre alte Schmied Albert Kühn aus der Drontheimer Straße 219. Gestern abend drangen Hausbewohner, die schon den ganzen Tag einen starken Gasgeruch wahrgenommen hatten, in die Wohnung des K. und fanden diesen und die drei Kinder tot in der mit-Gas angefüllten Stube liegen. Wiederbelebungsversuche blieben er- folglos. Die Leichen wurden nach dem Schauhause gebracht. Die Tätigkeit der deutschen O-Boote., Brest, 31. Mai.(W. T. B.) Meldung der Agence Hadas. Von einer Patrouillensahrt heimkehrende Torpedoboote haben iste Besatzungen des englischen Dampfers„G f-e n lc i" und )C5 portugiesischen Schiffes„C Y s n e"(? Cvgne). welche an der Küste von Finistere von einem deutschen Unterseeboot ver. senkt worden waren, aus ihren Booten geborgen und hier ge> landet, Sozialdemokratischer Wahlverein Sozialdemokratischer Wahlverein] Charlottenburg. Heute Dienstag, den 1. Juni, abends 8 Uhr, int Volkshause, Rosinenstraße: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 230/ 18* Kriegsetat und Fürsorge der Stadt Chartottenburg. Referenten: Genossen Stadtverordneten Ahrens und Gebert. Die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienftr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9 bis 1 1hr und von 4 bis 7 Uhr. Die Konferenz der Vertrauenspersonen der Norden- Bezirke findet am Mittwoch, den 2. Juni 1915, abends 6½ Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12, statt. 114/ 11* Die Ortsverwaltung Achtung! Bauanschläger. Achtung! Donnerstag, den 3. Juni, abends 9 Uhr: Branchen Versammlung im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Berbands- und Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Berlin SO. 16. H.& P. Uder, Engel- afer 5, Haupt- Niederlage der k. k. österr. 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Der Vorstand. 15/3 DOD DODO A Taschenschachspiel Vollständig mit Anleitung Leicht in der Tascheu. im Tornister zu tragen Preis 50 Pfennig Porto 10 Pfennig Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 110066 133 358 615 50 991 111080 93 438 844 978 112032 106 70( 1000) 264 303 433 606 93( 500) 828 918 91 113084 101 13 87( 500) 286 378 589 831( 500) 950 114049 101 58 228 507 614 845$ 15105 35 206 72 397 470 563 610 118068-246-304 15 456( 500) 690 117235 49 371 470 97 729 93( 500) 118098 251 77 394 496 536 608( 3000) 780( 1000) 859 81 119039 176 Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe 301 12 410 46( 1000) 591 621 824 59 97 Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 Mt. find in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr A. St.-A. f. 8.)( Nachdruck verboten) 92 107 90( 500) 250 404 30 59 546 871 1027( 1000) 217 19 ( 500) 73 429 506 687 828 37 95 2004 180 356 85 479 81 900 3208( 1000) 365 418 70 587 787 896 4043 74 212( 1000) 65 79 306 80 532 94 707 806 53 90 91 990 5430 665 95 726 68 907 74 6253 340 489 500 752 938 7063 93 95 157( 1000) 78 389 413 15 43 59 62 615( 500) 36 690( 500) 855 969 80 8121 97 236( 500) 47 49 68( 3000) 408 30 9055 151( 1000) 88( 1000) 228 546 925 10207 318 51 473 512( 1000) 67 639 808 67 997 11057 313 924 12033 45 107 76( 500) 209 320 467 673( 5000) 753( 3000) 13288 771 809 14226 300 46( 3000) 418 53 551 628( 600) 36 800 15003 32( 500) 99( 1000) 250 384 483 646 829 953 16106 ( 1000) 251 54 369 507( 500) 90 633 706 19( 10 000) 919 94 17156 282 318 71 636 927 72 18081 95 126 90 397 436 66 833 120016 93 172 96 227 317 64 531 77 658 85( 500) 704 45 ( 500) 969( 1000) 121235 306.735 848 122033 84 137 633 712 829 83 907 123160 502 67 665 918 61 83 124009 17 20 83 112 87 248 482 518 61 91 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500) 416 34 69 647 714 53 92 862 208108 63 393 542( 3000) 609 21 55 86( 500) 751 61 903 89 209012 82 99 262( 1000) 85( 3000) 326 446 90 842 85022( 500) 95( 500) 620( 1000) 71 712 84( 3000) 564 633 95 912 211024 42 203 412 87377 611 814 972 78 88046 76 108 20 67 231 459( 1000) 98 631 888 96( 1000) 89034 65 260( 1000) 61 311 540 41 56 628 74 950( 500) 90067 447 52 714 53 958 91116 401 17 524 902 18 57 84( 500) 92082 289 470 85 508 89 728( 500) 855( 500) 954 93192( 3000) 430 586 87 633 49 807 93 943 94035 58 484( 500) 677 707 860 947 95008 74 164 408 685( 500) 851 917 66 84 92 96468 78 642 821 39 72 97004 65 448 603 58 649 921 72 98024 64 220 349 418 41 641 +1 830 960 90-99011 664( 3000) 622 31 37 889 935( 500) 54 100254 333 37( 1000) 68 403 32 65 87 535( 500) 619 712 895 904( 1000) 101037( 3000) 44 68 127 222( 1000) 31( 500) 353 442 89 658 82 785 874 102061 151 232 41 395 458 88 522 833 51 931 57 59 70 103227 31 536( 3000) 601( 1000) 731 83 930 104062( 1000) 157 294 96 340 54 428 610 606 77 732 800 78( 3000) 945( 1000) 105309 580 686 892 96 903 55 106317 451 695 901 80 107031 114 95 204 39( 1000 384 756 959 108025 94 135 467 591 827 971( 500) 109072 80 231 321 47 853 54 216135 60 727 915 94 212055 163 214 464 509 67( 500) 678 79 716 19 56 81 977 213076 114 495 503( 1000) 90 682 785( 1000) 214104 266 497 751.806 998 215189 495 721 906 61( 500) 37( 500) 48 63 98 350 404 32 36 217038( 1000) 71 84 162 607 820( 500) 930( 1000) 75 218161 320 73 609 42 846 219254 221031 63 92 668 73 891 973 77 220043 259 451 529 32 55 673 75 823 918 ( 1000) 297( 500) 336 50 607 718 832 900 44 222004 138 451 96,( 600) 754 801 11 992( 1000) 223069 187 208 27 73( 1000) 446 58 635( 500) 224132 418 536 64 717 864 225152 204 76 99 317, 415 505 73 660 895 226171 690 757 67 813 925 227061 130 67 228 510 34( 500) 54 654 76 700 880 930( 500) 228061 105 442 502 39 84 714 78 841( 3000) 904 62 74 229071 151 210 343 75 462( 3000) 526 66 601 59 932 230376 438( 500) 64( 3000) 612 19 50-824 900 231168 94 200 406 43 99 666( 500) 734 844 47 75 23 2013 88 128 251 307 407 56 81 560 729 79 93 233243( 1000) 345( 500) 52 546 685 714 936 Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Bureau: Meloft. 28, at Filiale Berlin.-Nachm.:Gormannst.13 Fernspr.: Amt Morigpl. 4787. Donnerstag, den 3. Juni 1915, abends 8½ Uhr: Sektions- Versammlung der Lackierer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Tagesordnung: 1. Vortrag über: Die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten." Referent: Stadtv. Genosse Adolf Ritter. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Sektionsleitung. 135/2 Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Tel.- Amt Morigplak 10623, 3578. Bureau: Rungestraße 30. Branchen- Versammlung: Jalousiearbeiter! Mittwoch, den 2. Juni, abends 8 1hr, bei Gräve, Rungestr. 30. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in der Branche. 2. Verbands. angelegenheiten. Vertrauensmänner- Versammlungen: Korbmacher! Mittwoch, den 2. Juni, abends 8 Uhr, bei Krause, Mariannenplatz 8. Kistenmacher! Mittwoch, den 2. Juni, abends 8%, Uhr, bei Dannenberg, Holzmarktstraße 21. Stellmacher! Mittwoch, den 2. Juni, abends 81%, Uhr, bei Hummel, Sophienstr. 5. Es ist dringend erforderlich, daß aus jeder Werkstatt ein Vertrauensmann vertreten ist. 83/17 5. Preußisch- Süddeutsche ( 231. Königl. Preuß.) Klaffenlotterie Mai 1915 Nachmittag 5. Klasse 19. Ziehungstag Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr A. St.-A. f. 8.)( Nachdruck verboten) 49 67( 1000) 263 75 80 367 713 933 89 1090 146 270( 3000) 359 426 604 686 845 94 2015( 3000) 44( 500) 408( 500) 524 56( 500) 72 604 806 65 3342 447 581 710 961 84( 1000) 4067 ( 500) 161 304,95 470 767 810 76 956 5118 75 77 81 248( 3000) 348 90 460 667 896( 500) 956 6005 62( 500) 227( 500) 28 358 429 660 89 608 703 7122 305 484 655 712 59 938 8215 69 83( 1000) 355 497 686 632( 1000) 892 9013 102 10 260 328 47 643 74.956 10048 55 204 49 334 95 815 999 11352 452( 1000) 87 545 51 986 611 75 81 771 863$ 2416 92 556 91 631 987 13452 565 745 84 884 14037 64 85 99( 500) 489 530 685 86( 3000) 91 771 806 66 15076 204 309 506 730 860 16074 122 341 497 600 733 57 60 816 956 17143 366 76 96 433 768 70 94 824 937 38 18516 657 704( 3000) 864( 1000) 78 925 19088 148 60 71 309 76 85 99 650 84( 3000) 852 990 20041 125 252 81 98 325 492 763 75 873 21089 102 14 ( 1000) 268-443 67 523 873( 1000) 908 22104 314 20 70 96 599 613 974 98 23277 83 334 81 487( 1000) 555 693 745 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49 638 772 810 28 42 941 57 173126 72 384 442 534 90 708( 3000) 174043 239 352 433 820 175076 94 306 8 55 656 176124 208 71 376 92( 1000) 430 638( 1000) 42 80 177051 113 215 90 825 415 541 604 30 914 25 41 178075 662 836 74 982 179012 34 67 84 111 61 73 238 565 850 57 991 180451 88 874( 1000) 181037 118 439 505 639 88 789 867( 500) 967 69 84 182164 71 322 66 825 67 77 964 82( 3000) 183356 494( 500) 688 615 716 65 184166 360( 500) 451 692 786 846( 500) 73 949 95 96 185006 32 67 121 236 38 342 510 610 35 855 186227 36 41 570 786 835 963 74 84 187118 ( 1000) 203 311 474 624 650 860 188012 25 82 108 280 436 669 653( 500) 718 802 189027 174 308 21 25 38 514 717 29 58 59 65 846( 500) 90 190154 383 84 419 600 888 191084 118 291 495 694 772 77 811 39 965 192032 38 266 514( 1000) 614 72 89 761 950 193008 156 650 710 18 55( 3000) 811 194353 560 655 81 782 838 195006 343 553 650 891 976 196104 71 333 511 57 663 717 939 197021 206 307 28( 1000) 41 67 591 98 198225 347 56 410 550 60 701 8 942 96 199090 353 688 873 79. 200012 64 228( 1000) 326 402 7 72 98 628.78 752 813 19 201083( 500) 218 359 635 603 86 807 49 65 78 931 77 82 20 2025 100 464 541 78 818 27 41 61 57 918 203081 83 207 563 696 827 81 917 204301 495 521, 40( 500) 75 664 717 919 79 205009 199 311 91 435 67 648 820 38( 500) 73 206092 215 711 84( 500) 870 955 72 207048 167 592 738 87 849 208150 278 82 441 58 756( 1000) 829 933( 500) 36 209034 57 179 251 445 507( 1000) 649 95 856 912( 1000) 210084 185 268 76 300 494 98 568 738( 500) 863 76 900 70 88 211014( 1000) 61 220 468 644 67 888 212032( 500) 409 527 782( 3000) 882 83 95 916 56 213104 208 501( 500) 668 754 73 80 86 832 925 214914 96 757 879 975 215067 99 146 74 274 333 472 608( 500) 27 725 79 920 216287 390 580 786 876 217211 455 63 81 97. 696 752 218194 261 447 698 732 920 219035 46 47 50 75 239 46 780.990 220356 747( 500) 894 913 86 221016( 1000) 238 318 414 29 ( 500) 88 565 619 710 897 939 222029 51 225( 3000) 402 83 521 602 869: 223045 302( 3000) 83 401 59 67 625 807 84 962 224034 90 102 453 526 41 50 685 707 969 88 225460 545 695 979 226065 68 154 578 98 657 828-937 227037 179 81 208 87 312 53. 441 580 635, 43 56( 1000) 97 958 228127 67 ( 500) 220 77 484 872 989 229039 90 214 339 62 685 925 230062 356 87 412 51 659 84 787 832 41 231103 19 375 439 94 610 32 301 41 232034( 1000) 48 131 682 837 972 233113 555 674 875 81( 1000) 93( 500) Verantw. Rebatt.: Alfred Wielepp, Neukölin. Inferatenteil verantw. Th. Glode. Berlin. Drudu. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 149. 32. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Demokratisierung des englischen Parlaments. Von Ed. Bernstein. II. Wie das Parlamentswahlrecht heute beschaffen ist. Dienstag, 1. Juni 1915. mieter schlechthin, weiterhin auf Abmieter von Zimmern ausge- Deutschlands. Derjenige Teil der Arbeiterschaft, der zu mehr oder Sehnt und schließlich dem Begriff des Mieters eine solche Deutung minder häufigem Wechsel der Arbeitsstätte veranlaßt ist, ist auf gegeben, daß auch das Mieten des Teiles eines Zimmers diese Weise jedesmal der Gefahr ausgescht, durch Wohnungswechsel das Wahlrecht verschafft, sobald die Miete nach deutschem Gelde seines Wahlrechts verlustig zu gehen. Zusammen mit den Armindestens auf 200 M. im Jahr, d. h. gegen 4 M. dic Woche sich beitern, die nicht mindestens 200 M. Micte im Jahre zahlen, wozu beläuft. namentlich ein großer Teil der Invaliden der Arbeit gehören Folgendes war die Ausdehnung, welche das Parlamentswahlrecht bei den drei großen Wahlreformen von 1832, 1866 und 1884 in bezug auf Pächter und Mieter erfuhr: So ist das englische Parlamentswahlrecht doch immer noch eine dürften, die bei ihren Kindern wohnen, und andere Leute, die nicht Art Zensuswahlrecht. Aber nicht das Einkommen oder die Steuer- mindestens solche Abmieter sind, sind schon auf Grund der Vorleistung macht den Wähler, sondern ob einer Boden, ein Haus, schriften für die Bildung der Wählerlisten gut zwei Mile Dem Festlandbewohner, der nach England kommt, fällt neben Zimmer oder mindestens einen Teil eines Zimmers eigen oder in lionen erwachsener männlicher Staatsbürger Englands aus anderen Eigentümlichkeiten dieses Landes auch die auf, daß fast Pacht bziv. Miete hat. So daß also zum Beispiel der mündige dem Wahlrecht ausgeschlossen. Die Vorschrift für die Gelalle Haus- und Wohnungstüren noch den mittelalterlichen Klopfer Sohn eines Millionärs, wenn er mietefrei im elterlichen Hause tungskraft der Wählerlisten bringt ihre Zahl auf gegen drei aufweisen. Auf einer zunehmend steigenden Zahl dieser Türen wohnt, kein Parlamentswähler ist, der mündige Sohn eines Prole- Millionen. fehlt aber auch die moderne elektrische Glocke nicht. Dieses Neben- tariers aber, der bei den Eltern wohnt und diesen als Beitrag Damit find indes die Mängel bes bestehenden englischen cinander von Mittelalter und Neuzeit ist mir immer als Symbol zur Miete den obigen Betrag zahlt, auch das Parlamentswahl- Parlamentswahlrechts noch bei weitem nicht erschöpft. Sie werden des englischen Volksgeistes erschienen. Wobei ich mich obendrein recht hat. gesteigert durch Absonderlichkeiten des Wahlverfahrens, die in bezug auf den Klopfer zu der„ Engländerei" bekennen muß, gleichfalls Erbstüde aus alter Zeit und aus ehemaliger Vernunft daß ich an diesem Burschen im Laufe der Zeit selbst Gefallen geUnsinn oder Plage geworden sind. Dahin gehört z. B. die schon funden habe. Er läßt nämlich die Persönlichkeit des Einlaß erwähnte Verpflichtung der Kandidaten, die amtlichen Wahlfosten Begehrenden mehr zur Geltung kommen als die Glocke. Es steht 1. Im Jahre 1832: Jn den Grafschaften erhalten die zu hinterlegen, ferner Bestimmungen über die Aufstellung der jedem frei, den Klopfer auf seine Art anzuschlagen, und die meisten Bächter mit langfristigen Pachtverträgen, in den Städten die Wählerlisten, wonach ganzen Kategorien von Wählern es auferlegt Leute haben dann auch ihren eigenen Rhythmus dabei. Der eine Hausmieter, die wenigstens 200 M. Micte zahlen, das Wahlrecht. wird, selbst für ihre Eintragung in die Listen zu sorgen.*) Ueber schlägt Jamben, der andere Trochäen, ein Melancholiker vielleicht 2. Im Jahre 1866: Jn den Grafschaften erhalten das Nußen oder Nachteil des Umstandes, daß Englands ParlamentsSpondäen, und die Briefträger fündigen sich gewöhnlich durch einen Wahlrecht alle Pächter und Mieter, die mindestens 240 M. Pacht wahlrecht keine Stichwahlen kennt, sondern gleich im ersten Wahlherzerfrischenden Daktylus an. Die elektrische Glocke dagegen oder Miete zahlen, in den Städten alle Hausmieter ohne Unter- gang demjenigen das Mandat zuspricht, der die meisten Stimmen reagiert auf jeden Druck so ziemlich mit dem gleichen Klang. Sic schied der Miethöhe, alle Zimmermieter, die mindestens 200 M. erhalten hat, gehen selbst bei vorgeschrittenen Engländern die Meivertritt die Auslösung der Persönlichkeit durch den mechanischen Miete zahlen. Prozeß der modernen Technif. Worauf mir der aufgeklärte nungen auseinander. Seine Verteidiger gaben zu, daß es jung3. Im Jahre 1884: Das Wahlrecht der Zimmer- aufkommende Parteien benachteiligt, schäzen aber den Vorteil höher Margist entgegenhalten wird:„ Aber auch die rationelle gegenüber mieter in den Städten wird auf die Zimmermieter in den ein, daß es der Zersplitterung der Parteien entgegenwirkt, von der der romantischen Methode." Grafschaften ausgedehnt, das Wahlrecht der Mieter von Häusern sie eine Schädigung des parlamentarischen Systems zugunsten der Unbestritten richtig. Selbstverständlich ist das Nebeneinander wird durch erleichternde Vorschriften, der Begriff von Hausin Regierungsbureaukratie befürchten. In ähnlicher Weise sind die von Romantik und Modernität nicht überall so unverfänglich wie habern auf Beamte oder Angestellte ausgedehnt, die Dienstwoh- Meinungen über Nußen oder Nachteil des Umstandes geteilt, daß im borliegenden Beispiel. Die Methoden der Demokratisierung nungen innehaben, wie z. B. vielfach ein Teil des Personals von die allgemeinen Parlamentswahlen nicht auf einen bestimmten Tag des englischen Parlamentswahlrechts und ihr Ergebnis werden Warenhäusern, in Dienstlogis, wohnen. Das sogenannte Dienst- angefeßt, sondern für eine bestimmte Frist angeordnet werden, uns das aufs deutlichste veranschaulichen. Wir haben die drei wahlrecht, englisch service franchise.) großen Wahlreformen, die England neben allerhand kleineren, aber annerhalb deren die Wahlkommission der einzelnen Kreise den Tag selbst auswählen kann, so daß sich die Wahlen über rund drei Wochen manchmal recht wichtigen Verbesserungen im Laufe des 19. Jahrhinschleppen. Dadurch hat, sagen seine Verteidiger, die Wählerhunderts sich hat vollziehen sehen, die Demokratisierung des Par schaft derjenigen Wahlkreise, in denen die Wahl später als in an Iamentswahlrechts bewirkt? Will man diese Methode auf eine deren stattfindet, die Möglichkeit, Fehler des Ausfalls in jenen noch kurze Formel bringen, so kann man dies am besten dadurch tun, daß man sagt: durch immer neue Dehnung des Be= zu korrigieren. So weit mag das richtig sein. Da aber das Wahlrecht nicht an die Persönlichkeit schlechthin, sondern an sie als Eigengriffs Grundbesitzer. An der Wende vom 18. zum tümer, Mieter usw. geknüpft, können dank jenes Umstandes Leute, 19. Jahrhundert war das englische Parlamentswahlrecht, wie schon bemerkt, in den Grafschaften und in der Mehrheit der Städte die in mehreren Wahlkreisen Besitztum eigen oder Lokalitäten geDer Umweg hat indes noch einen anderen Uebelstand zur mietet haben, z. B. ein Geschäftsmann, der in einem der schöneren Wahlrecht von Grundeigentümern und Grundinhabern. Daneben Folge. Dadurch, daß das Wahlrecht an Bodeneigentum, Haus- Bororte Londons wohnt, in der City oder in Westend sein Hauptschleppten sich noch in einer Anzahl Städte Reste des alten Wahl- oder Zimmerbewohnung gefnüpft ist, ist die Festsetzung einer geschäft und in verschiedenen Stadtteilen, Vororten und Nachbarrechts der Gilden oder Gildenvorstände fort, die aber infolge des Mindestzeit unvermeidlich, die einer Besizer oder Mieter sein muß, orten noch Zweiggeschäfte hat, ein mehrfaches Wahlrecht haben und Verfalls der Gilden in unhaltbare, der Korruption ganz beson- um Wähler sein zu können. Diese Mindestzeit ist nach dem jetzt ausüben. Das auf diese Weise sich automatisch bildende Mehrdere Möglichkeiten darbietende Wahlrechte von Familien und ähn- geltenden Gesetz bei Mietern oder Logisinsassen sogar noch ziemit im menwahlrecht fällt fast ausschließlich den bejizenden liches entartet waren, und völlig vereinzelt waren die Städte, in lich lang, nämlich 12 Monate. Es ist das schon ein sehr erheblicher Klassen zu und übt bei der relativen Kleinheit der Wahlkreise in denen jedem Haushaltsvorstand das Wahlrecht zustand. Diese Wohnsizzensus, der dadurch nur abgeschwächt, aber nicht aufge- einer ganzen Anzahl immer einen entscheidenden Einfluß auf das Ausnahmen spielten gegenüber der Tatsache keine Rolle, daß in der hoben wird, daß nach einem neueren Barlamentsbeschluß das Wahlergebnis aus. Ein von der liberalen Regierung im Frühgroßen Mehrheit der Fälle einer Grundbesis zu eigen oder Wohnen im gleichen Wahlkreis dem Wohnen in denselben Räumen jahr 1913 eingebrachter Gesezentwurf, der diesem Pluralwahlrecht in lange Pacht übernommen haben mußte, um Barlamentswähler gleichgesetzt wird. Denn es kommt hinzu, daß die Wählerlisten durch die Vorschrift ein Ende machen sollte, daß jeder Wähler nurp zu ſein. nicht unmittelbar vor jeder Wahl, sondern alljährlich im Monat an einem Ort seine Wahlstimme solle abgeben dürfen, hat zwar Auf diese Weise ist das Parlamentswahlrecht dem allgemeinen Wahlrecht immer nähergebracht worden und könnte es sogar ihm völlig gleich gemacht werden. Denn irgendwo wohnt schließlich jeder Mensch, der Vagabund etwa ausgenommen, obwohl auch der nachts irgendwelchen„ Boden" innehat. Es käme dann eben auch nur auf die Definitionsweise an. Aber es sind das doch alles Umvege, um zu einem Ziel zu gelangen, zu dem eine kategorische Erklärung mit einem einzigen Aft führen würde. Statt nun diesen Gedanken kurzweg preiszugeben, hat man August zusammengestellt werden, wo sie dann erst mit Anfang des alle Lesungen im Haus der Gemeinen passiert ,, ist aber im Haus bei arojamung der großen ben Streis der in graft trete, wenn an fin bei Abfassung der großen Wahlreformgeſehe den Kreis der Wähler darauf folgenden Jahres in Kraft treten und bis zum der Lords hängen geblieben. Bei Einbringung des Gesetzes kündadurch erweitert, daß nait dem Begriff des Grundinhabers Abschluß dieses Jahres maßgebend find. Wenn also eine digte der Regierungsvertreter einen Gesezentwurf für Verbesserung cine immer weitergreifende Anwendung gab. Ursprünglich Neu- oder Nachwahl nun erit Mitte des letzteren Jahres statt der Bestimmungen über die Bildung der Wählerlisten im Sinne Vorrecht von Eigentüntern, Freijassen usw., wird das Wahlrecht findet, so muß der Wähler faktisch mindestens zwei Jahre int auf Erbpächter und Inhaber langjähriger Pachten sowie in den gleichen Wahlkreis oder derselben Wohnung gewohnt haben, um Städten auf Mieter und Bewohner( occupier") von Häusern sein Wahlrecht ausüben zu können. In England sind nun die mit bestimmten Mindestmietwert, dann auf Pächter und Haus- Wahlkreise ganz wesentlich kleiner als die Reichstagswahlkreise pflicht für Mieter gibt. Vom Dunajec zum San. Tarnow aus. Von Hugo Schulz- Wien. = den, 24. Mai 1915. *) Dies ist dadurch verursacht, daß es in England keine Anmeldes Friedhofskapelle ficht aus wie ein zerstebter Kugelfang, gar| bekam. Da hatte ich Muße gehabt, zu beobachten, mit welch un manches russische Schrapnell hat sein Trefferbild deutlich in sie heimlicher Schnelligkeit diese Arbeitersoldaten es den Heinzeleingezeichnet. Eine mächtige hochstämmige Linde liegt quer über männchen von Köln gleichtum, und wie sie nachts bei gespenstischen den Weg, eine österreichische Schwergranate hat sie mit den Wur- Fackelganz und in eisiger Winterkälte schier fabelhafte Kräfte aus III. Auf den Spuren der siegreichen Armee. zeln aus dem Erdreich gehoben. Eine andere Schivergranate hat sich herausschöpfen Rekorde des Arbeitsschaffens ohne den Aneine Gruppe von Gräbern aufgewühlt; an Stelle der Grabhügel trieb von Affordlöhnen, nur dem Antrieb gehorchend, den Not Am 11. Mai zog unsere kleine Berichterstattergruppe von befindet sich jetzt ein tiefer Erdtrichter von 15 Meter Durchmesser, und Gebot des Vaterlandes gibt. Das Marschziel bildete die Front des 6. Korps, und an den Schollen des Ringwalles fleben Splitter von Toten- Weiter ging es nach Krosno. Am zerschossenen Bahnhof und es war uns, wie wenn wir auf eine Fata Morgana zu- gebeinen. Auch die Toten haben keine Ruhe, wenn Krieg ist. famen wir vorbei, dann schlugen wir den Weg zur Kommandan steuerten. Das 6. Storps hatte es noch ciliger, vorwärtszukommen Was aber gilt die Kirche, wenn Kämpfe in ihrem Umkreis toben? tur ein, über wahlbekannte Gassen und Pläße. Ach, wie hatten als wir, der Abstand zwischen ihm und uns schien nicht geringer Aus der Kirche von Brzostek sind alle Betstühle ins Freie ge- sie sich verändert! Schutt und Schmus, soweit das Auge reichte. werden zu wollen. Dabei taten wir das möglichste an Kilometer- schleppt und in Barrikaden verwandelt worden und über Bet- Die Wohnungen öde und leer, die Geschäftsläden regelrecht aus fresseret, schonten weder die Pferde, noch die Wagen, noch unser stühle hinweg floß das Blut der Christenmenschen, die dort in geplündert. Vor den meisten die Wellblech- Rolläden zerhackt und eigenes Wohlbefinden, auf das sich dicke Staubschwaden nieder- rasender Leidenschaft miteinander rangen. zersägt; die Russen hatten das Plünderungswerk ganz systematisch senkten, die die Köpfe, die Bärte, die Kleider mit einer gleich- Das Gefecht bei Brzostek gehört zu den blutigsten Teiltämpfen, mit guter Einbrechertaktik betrieben. Nicht bloß einmal, es scheint mäßig weißgrauen Schicht von feinpulvrigem Flugsand über- in die sich die Verfolgung und Vervollständigung des großen vielmehr, daß Krosno sich bei plündernden Kosaken- und Tscherzogen. Wir teilten dieses Ungemach mit vorbeizichenden Wagen- Sieges am Dunajec auflöste. Die Russen suchten hier mit starken tefsenhorden einer besonderen Beliebtheit erfreute, so daß es im kolonnen und Truppen. Das Feldgrau der deutschen Soldaten Kräften den Rückzug zu decken und hatten den Ortsrand von Laufe von acht Monaten mehrfach heimgesucht wurde. schien sich in ein schmuziges Weiß verwandelt zu haben; auf den Brzostek mit rasch hergestellten Feldbefestigungen umgürtet. Mein kann deutlich die Altersschichten der Plünderungen unterscheiden. Gesichtern hatte sich der Staubniederschlag, über den der triefende destens acht Bataillone von vier verschiedenen Regimentern seiten Sine alte Jüdin mit 16 Kindern, von denen fünf Söhne im Schweiz rieselte, in eine teigige Masse verwandelt; die Reiter sich darin fest und hielten dent mit äußerster Anspannung aller Felde stehen, erzählt mir, daß ihre armselige Habe nicht weniger und die Gäule sahen aus, wie wenn der Inhalt von Mehlsäcken Kräfte durchgeführten Angriff des 21. Landwehr- Regiments, zu als sechsmal die Begehrlichkeit durchziehender russischer Truppen über sie geschüttet worden wäre. dem sich noch Teile des 36. Infanterie- Regiments gefellt hatten, reizte. Es gab noch Gasthäuser in Krosno, aber weder Speise Man In Pilzno hielten wir kurze Rast. Auf dem Ringplak war bis ans Bajonett stand. Es entspann jich schließlich in den noch Trank war zu haben, was übrigens von allen Orten gilt, eben eine Massenversammlung von russischen Gefangenen, die Straßen unter dem herabstürzenden Schutt der brennenden die wir auf dem Wege von Dunajec bis zum San durchzogen. Iebhaft durcheinander wimmelten. Viele fauerten müde auf dem Häuser ein mörderischer Nahkampf, der schließlich durch das Ein- Trübe Erinnerungen weckte mir der Anblick dieser vom Boden und blinzelten behaglich in die warme Sonne. Ein greifen des als umfassungstruppe eingefeßten Salzburger Regi- Kriege hart heimgesuchten galizischen Stadt. dreizehnjähriger Junge war unter ihnen, der bitterlich weinte. ments zu unseren Gunsten enschieden wurde. Bis zum letzten waren auf den Tag neun Monate, seit wir uns das seitlich Er war anscheinend der einzige, der sein Schicksal tragisch nahm, Augenblick hatte ein russisches Maschinengewehr, das in eine gelegene Dukla schleunigst verlassend, in Krosno dem Rückzuge während seine erwachsenen Kameraden, die ihn übrigens liebreich Scheune eingebaut war, aus seinem Bersted seine mörderischen unserer Truppen von Lemberg angeschlossen hatten. Acht Stunden zu trösten versuchten, recht heitere oder mindestens gleichgültige Geschoßgarben spielen lassen, bis endlich ein Salzburger den Sitz mußten wir damals auf dem Bahnhof in verzehrender Ungeduld Mienen zur Schau trugen. des Uebels entdeckte, in die Scheune cindrang und den Mann, der ausharren, ehe sich der Zug in Bewegung septe. Da wurde es Nur furze Rast hielten wir, dann ging es weiter nach an der Kugelsprize saß, niederschlug. schwarze Nacht, und am östlichen Horizonte erschien ein blutigroter Brzostek. Links und rechts vom Wege lange Reihen von Die Nacht verbrachten wir auf dem Guishof einer polnischen Feuerstreif. Eine weitgehende Zeile von Ortschaften, über die Schüßengräben. Um 5 Uhr abends erreichten wir Brzostek, das Gräfin, die in treuer Gemeinschaft mit ihrer Nichte der Stussen- der rote Hahn flog. Es war mir, wie wenn sich ein Prärierbrand uns eine traurige Ueberraschung bot. Rings um den Hauptplab invasion standgehalten hatte. Sechs Monate blieben die beiden heramwälzte, eine Sturmflut von fengenden Flammen, in deren ein Wirrsal von Schutt und Trümmern, alles erfüllt von beizen- Frauen ohne Nachricht von ihren Männern, die als Offiziere in Lohe eingehüllt gespenstische Kosaken einherjagen, wie apokalyptische dem Brandgeruch. Das freundliche Städtchen hat die Befreiung unserer Armee dienen; sechs Monate lang hatten sie selbst ihren Reiter. Auch heute sengt wieder ein Prärierbrand den galizischen vom Russendrud, den es hart empfunden, teuer bezahlen müssen schweren, täglich sich erneuernden Kampf mit den Feinden zu Boden, aber er bewegt sich in umgekehrter Richtung, und der Kofast mit seiner Eristenz. Seit den 7. Mai liegt es zur Hälfte in bestehen, deren Plünderung und Diebesgelüften sie tapfer entgegen- sakenspuk ist in alle Winde zerstoben. Es litt uns nicht lange in Ruinen, bei manchen Häusern ist kein Stein auf dem anderen traten. Einquartierung folgte auf Einquartierung, und jedesmal Krosno, wir sezten unsere Reije bald fort. Durch ein im Walde geblieben. Am 7. Mai tamen nämlich die Befreier und es ent- bekamen einige Gegenstände des Hausrats Beine. Die Wäsche verborgenes Dorf kamen wir, das vom Kriege ganz unberührt zu spann sich ein furchtbarer Kampf in der Umgebung, der sich wurde aus den Schränken gerissen, die Vorhänge wurden zu Fuß sein schien; wohl waren die Russen darin gewesen, aber sie hatten schließlich in den Straßen der Ortschaft zu Ende tobte. Die lappen verarbeitet. Es jah wenig wirklich in den verwahrlosten schleunigit Reißaus genommen, als die Unsrigen kamen, und keine Ortsbewohner hatten den Tag zitternd in den Kellern verlebt, ausgeplünderten Wohnräumen dieses gräflichen Gutshofes aus, Beit mehr gehabt, Denkmäler ihres Rückzuges zu sehen. Die und als sie abends hervortrochen, um die Befreier zu begrüßen, dennoch fanden wir dort eine gastliche Stätte und zum letztenmal Dorfbewohner standen in Feiertagskleidung vor ihren Häusern sahen gar viele, daß sie auch die Nacht wieder würden im Keller auf dieser Reise erträgliche Unterkunft. Die folgenden Nächte und schienen alles Ungemach des Krieges vergessen zu haben. verbringen müssen, weil das darüber gebaute Haus nicht mehr verbrachten wir auf schmuziger Strohstreu in armseligen Bauern Knaben und halbwüchsige Jungen übten fröhlich mit Hilfe von Da war. Mit den Zeichen der gefallenen Kämpfer wurden auch häusern. Stricken, die sie an einen Querbalfen befestigt hatten, eine Art die von sechs Zivilisten hinausgeschafft, denen nicht einmal der Ant nächsten Tage fuhren wir zunächst über Krystal nach Rundlauf. Und noch vor zwei Tagen hatte in der Nähe wildester Aufenthalt in den unterirdischen Gewölben das Leben hatte retten Krosno. Bei Krystal ist eine Anhöhe, deren Plateau noch Krieg getobt. fönnen. Wir begaben uns auf den eine Anhöhe frönenden Kirch bejät war mit unbegrabenen Zeichen. Preußische Garde hatte Spät nachts fanden wir in einem dürftigen Waldgehöft ein hof, der wie zum Hohn auf seinen heiligen Friedenszived der dort mit russischer Garde siegreich gefämpft. Neben dem Stations rasch improvisteries Strohlager, dessen Härfe uns schon früh Schauplab des allerheftigsten Kampfes gevesen war. Quer durch gebäude von Krystal lagerte eine eben angekommene deutsche morgens auf die Beine half. In holden Maienlicht eines glanzziehen sich zwei rasch ausgehobene Schüßendeckungen, eine mit der Eisenbahnbau- Kompagnic, die einen langen ermüdenden Marsch vollen Frühlingstages sekten wir die Fahrt fort, aber wieder wurde Front nach Westen, eine mit der Front nach Often. Auf dreißig in den Gliedern hatte. Ich kannte sie von früher, denn ich hatte es sternflare Nacht, che wir endlich das Stabsquartier des KorpsSchritte Entfernung lagen sich da die Unserigen und die Feinde fie im Winter an der Arbeit gesehen, als sie über den hoch kommandanten, Feldmarschalleutnants Arz, erreichten, das er sich in erbittertstem Feuerkampfe gegenüber, bis endlich das Bajonett geschwollenen Warthe- Fluß eine Eisenbahnbrücke schlug, die die in einem Meierhof nahe dem Dorfe Pantalowice eingerichtet hatte, das Lette tat. Nun reiht sich dort ein Massengrab an das andere; zerstörte ersehen sollte. Vorsichtig wurde der Zug, in dem ich aber er war eben schon wieder im Begriffe, seine Zelte abzubrechen, fast gleich groß ist die Zahl der Freunde und der Feinde, die hier fuhr, über das noch unfertige Gerüst geschoben; mehr als eine um unaufhaltsam vorwärtszustreben gemeinsam in den ewigen Frieden eingingen. Die Rückfassade der i Stunde währte es, che er wieder festen Boden unter die Räder hinaus. zum San und noch darüber einet Verkürzung des AusenkhaltSzensus und eine Vorlage über Reueinteilung der Wahlkreise a», welche die noch destehenden großen Ungleichheiten der Kreise verringern sollte. Vorläufig ist also das Parlamentswahlrecht Englands noch ziemlich weit davon entfernt, den Anforderungen der Sozialdemo- kratie zu entsprechen, der Weg aber, den seine Entwickeluug bisher zurückgelegt hat, ist immerhin in gerader Linie nach der Demo- kratie hingegangen. Insofern hat die Abneigung der Engländer gegen einen radikalen Bruch mit Ueberlieferungen der Vergangen- heit oder der Vorliebe für die Methode, e inen Wein in alte Schläuche zu gießen und Reformen durch das Mittel von neuer Be- ftimmung der Begriffe zu erwirken, dem Fortschritt keine unüber- steiglichen Hindernisse in den Weg gelegt. Es gibt aber stets eine Grenze, die zu der genannten Methode anwendbar bleibt, wenn sie nicht Rückschritt heißen soll. Eine vollständige Demokratisierung des Wahlrechts ist nur möglich, wenn dieses auch dem Begriff nach vom Gesetz als ein Recht des Staatsbürgers festge- legt wird. Die Abneigung gegen den radikalen Bruch mit der Vergangen- heit ist natürlich in vielen Fällen mehr als bloße Romantik. Bei den regierenden Klaffen fällt sie zusammen mit den sehr realisti- scheu Interessen an der Erhaltung ihrer sozialen Macht. Die Staatsmänner der englischen Bourgeoisie und Aristokratie haben sich niemals über die soziale Bedeutung des Wahlrechts getäuscht. Eine in Jahrhunderten gemachte Erfahrung hat sie davon abge- halten, es mit Wahlrechtscxperimenten nach dem Muster Na- Poleons III. und Bismarcks zu versuchen. Nur Schritt für Schritt haben sie sich zu Zugeständnissen an die neu aufstrebenden Klassen verstanden. Aber von Epoche zu Epoche ist ihr Widerstand schwächer geworden. Die Wahlreform von 1832, so bescheiden sie sich uns heule darstellt, wurde erst Gesetz, als die Haltung der Bevölkerung eine so drohende geworden war, daß sich die ihr Widerstand leisten- den Minister nicht mehr auf den Straßen Londons sehen lassen konnten, ohne mit Steinen beworfen zu werden, elf Schlösser in Brand gesteckt worden waren und die Entscheidung im buchstäb- lichsten Sinne des Wortes zwischen Reform und Revolution stand. Zum Kampf um die sehr viel durchgreifendere Wahlreform von 1833 gab es keine andere Gewalttat, als die Niederrcißung des da- nials noch den Hhdepark, den vornehmsten der großen Londoner Parts, umgebenden Eisengitters, als dem Volk die Abhaltung einer Demonstration im Park verwehrt werden sollte. Die Wahlreform 1884 aber, die den größten Schritt zur Demokratisierung des Parka- mentswahlrechts tat, wurde Gesetz ohne alle ungesetzlichen Vor- kommnisse, lediglich als Frucht eines lebhaft geführten Wahl- kampfes. Die Demokratisierung des Parlamentslvahlrechts heißt zunächst nur Demokratisierung des Hauses der Gemeinen. Das englische Parlament besteht aber aus zwei Häusern: der gewählten Kammer und der Kammer der erblichen und berufenen„Herren"— englisch ausgedrückt: Lords. Es bleibt also zu untersuchen, wie es im Hinblick auf dieses mit der Demokratisierung des englischen Parla- ments beschaffen ist. politisthe Uebersicht. Tas Kriegsziel des Reichskanzlers. In seiner Rede hat der Reichskanzler unter stürmischem, langanhaltendem Beifall folgende Sätze gesprochen: „Je größer die Gefahr ist, die wir— von allen Seiten von Feinden umringt— zu bestehen haben, je mehr uns die Liebe zur Heimat tief an das Herz packt, je mehr wir sorgen müssen für Kinder und Enkel, um so mehr müssen wir ausharren, bis wir uns alle nur möglichen realen Garantien und Sicherheiten dafür geschaffen und erkämpft haben, daß keiner unserer Feinde, nicht vereinzelt, nicht vereint, wieder einen Waffen- gang wagen wird. Je wilder, meine Herren, uns der Sturm umtobt, um so fester müssen wir unser eigenes Haus bauen." Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß die Redewendung„reale Garantien" bei den Annexionspolitiken! gang und gäbe ist, um ihre Wünsche zu kennzeichnen, ohne durch bestimmtere Angaben gegen das Verbot der Kriegsziel- Erörterungen zu verstoßen. Diese Kreise nehmen denn auch nun den Kanzler für sich in Anspruch. Ein entsprechendes Urteil der„Voss. Ztg." haben toir bereits zitiert. Achnlich urteilt fast die gesamte Berliner Presse. Auch die Probinzpresse interpretiert die Worte des Kanzlers in gleichem Sinne. So heißt es in der„ M a g d e- b u r g i s ch e n Zeitung": „Das Hauplstiick des Ganzen bildeten die Worte, daß wir ausharren müssen, bis„wir uns alle nur möglichen realen Garantie» und Sicherheiten dafür geschaffen und erkämpft haben, daß keiner unserer Feinde, nicht ver- einzelt, nicht vereint, wieder einen Waffengang wagen wird". Man weiß, wie Herr v. Bethmann sich monatelang hat drängen lassen, ohne sich zu einer so bestimmten Aeußerung über seine KriedenSziele zu verstehen, so daß man an manchen Stellen fürchte, er wolle sich wieder auf Verträge verlassen. Das hieß nicht bloß: Wir werden dennoch durchhalten, wir werden auch dieses bewältigen, sondern: jetzt kennen wir erst dieses Europa ganz, daß uns umgiert, jetzt werden wir gewißlich keinen Frieden machen, ohne die allerstärkste», realsten, materiellsten Garantien. Nichts von Verträgen, nichts von Vertrauen mehr! Niedergekämpft müssen sie sein, die heute gegen uns zusammen- stehen, bis sie auch nicht einmal vereint sich wieder gegen uns zu erheben wagen. Stärkere Worte sind nicht gut denkbar. Das war der tiefste Sinn dieser Kanzlerrede. Der Beifall, der nach diesen Worten losbrach, zeigte, daß ganze Scharen von Abgeordneten aufatmeten und diese Stunde und vielleicht die ganze italienische Angelegenheit segneten, die den Kanzler so hart gemacht hat, wie nur irgend jemand ihn wünschen kann." Aehnlich spricht sich die„Kölnische Volks» zeitung" aus: „Man horchte im Reichstage ans, als der Reichskanzler das Wort von den realen Garantien und Sicherheiten sprach: denn bis jetzt war vom Regierungstische noch niemals eine ähnliche Versicherung für die Friedensziele gegeben worden. Wie im Reichstage, im Saale und auf den Tribünen, das Wort einen Sturm de-s Beifalls auslöste, so wird eS auch im ganzen Lande neuen Mut, neue Begeisterung und neues Vertrauen wecken. Reale Garantien und Sicherheiten, so daß kein Feind uns mehr anzugreifen wagt I Darin steckt schließlich alles, was das deutsche Volk will, unter den Friedenszielen wünscht, wenn dieses Wort recht verstanden und konsequent verfochten wird." Jetzt meldet sich auch Freiherr V o n Z e d l i tz in der „Post" und sucht den Kanzler festzulegen: „Diese Sätze werden zweifellos auch in den weitesten Kreisen der Bevölkerung lebhafte Zustimmung finden. Sie wiederholen die Gedanken, die der Herr Reichskanzler bereits in der großen Kriegsrede vom 2. Dezember v. I. zum Ausdruck gebracht hat, in bestimmterer, greifbarerer Form und sind deshalb geeignet, viel- leicht auch geradezu bestimmt, denjenigen Mißdeutungen entgegenzutreten, zu denen die Erklärung in der Thronrede vom 4. August v. I.. daß wir keinen Eroberungskrieg führen, vielfach Anlaß gegeben hat." Ter Kanzler hat diese Wirkung seiner Worte voraits- sehen müssen. Wollte er sie vermeiden, so hätte er eindentigere, weniger mißverständliche Erklärungen im Sinne der Thronrede abgeben sollen. Den oben zitierten Sätzen fügt Frhr. v. Zedlitz den bei ihm unvermeidlichen Angriff auf unsere Partei hinzu: „Nach den Erklärungen der Redner der Konservativen und Nationalliberalen im Reichstage und den Aeußerungen der Presse darf der Herr Reichskanzler mit Bestimmtheit darauf rechnen. daß, wie die großen wirtschaftlichen Verbände, auch sämtliche bürgerlichen Parteien auf der von ihm kundgegebenen Auffassung f e st hinter ihm stehen. Allein die Vertretung der Sozialdemokraten im Parlament und in der Presse steht noch beiseite. Sie hat sich eben noch nicht von den Scheuklappen des Parteidoktrinarismus ausreichend befreien können, um die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Man wird aber mit Bestimmt- heil annehmen können, daß unter der Einwirkung der Stimmung, mit der die Kriegsteilnehmer aus dem Kriege zurück- kehren werden, auch hier das nötige Umlernen eintreten und so die Kluft überbrückt werden wird, welche nach dem Ausdruck des Abg. Schiffer in seiner Reichstagsrede vom 30. Mai zur- zeit über die Landerwerbssrage noch zwischen den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten besteht." So wie wir die Meinung von Genossen aus dem Felde kennen, besteht kein Zweifel, daß sie die Ansichten des Herrn v. Zedlitz ebenso wenig teilen, wie die daheini gebliebenen Parteimitglieder._ Das Ende der Kartoffelnot. Vor etwa zwei Wochen erklärte der Staatssekretär Dr. Delbrück in der Budgerkommission des Reichstages, daß wir„in Kartoffeln fast ersaufen". In der Tat kommen jetzt plötzlich ganz gewaltige Vorräte an Kartoffeln zum Vorschein. Mit Genugtuung verkündet die„Deutsche Tageszeitung", daß ihr mitgeteilt wurde, daß die Kommunalverbände die Weisung erhalten haben, alle Kar- toffeln, sofern nicht etwas anderes ausdrücklich verein- bart worden ist, spätestens bis zum 30. Juni abzu- nehmen. Die Kommunalverbände können dann sehen, wie sie die Kartoffeln loswerden. Einige Kommunalverbände haben auch bereits das für ihren Bezirk erlassene Verbot der KartoffelauS- fuhr aufgehoben. Die Kartoffelproduzenten werden nun in der Tat dafür belohnt, daß sie die Kartoffelvorräte solange zurückgehalten haben. Hoffentlich sehen sich aber die Kommunalverbände die an- gelieferten Kartoffeln recht genau auf die Beschaffenheit an, damit nicht vielleicht auch noch bereits verdorbene Kartoffeln angekauft werden. Von vielen Seiten wird auch bereits ein Sinken der Kartoffelpreise im Handel gemeldet.— Alle diese Erfahrungen müssen dazu führen, daß die neue Kartoffelernte sofort beschlag- nahmt wird, damit die Bewucherung der Konsumenten keine Wieder- holung erfährt._ Erledigtes Landtagsmandat. Der preußische Landtagsabgeordnete Freiherr v. Bodenhausen- Lebusa(kons.) ist gestorben. Dadurch macht sich im Wahlkreise Schweinitz-Wittenberg eine Nachwahl nötig.— Von 1871—1874 war der Verstorbene auch Mitglied des Reichstags. Oberbürgermeisterwahl in Dresden. Dresden, 31. Mai.