Ur 131.-32. Jahrg. flbonncmcnts-Bcdingungen: fiboniiemeiui-'2rciä pranumetanie: SSicasljätirL 3.30 MI. monatl. LIO MI. niöchsmlich 2ö Pfz. rtci ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- nummer mit illusrrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well" lO iB'q. Post- Llbonneinenl! 1,10 Mar! pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich- Ungarn S.öO Marl, für das übrige Ausland 4 Mar! pro Monat Postabonnements nebmen an: Belgien. Dänemarl. t>olland. Italien. Luxemburg. Portugal. Siutlianieit SchraeDen und die Schweiz. Llichelnl lsglich. ilr* Verliner Volksblatk. ( 5 Pfennig) vie TnfcrtionS'GebiHjr beträgt sür die icchsgespailenc kolonel- Zeile oder deren Raum M Psg.. für politische und gewerlichafttichc Lcrcins. Und Versammlungs. Anzeigen 30 Psg. ..Aleine Anreizen", das seitgcdrusic Wort 20 Psg. izuiässig 2 setlgednicktc Wortci, icdes weitere Wort 10 Pig. Etellengcsuchc und Schlassiellenan. zeigen das erste Wort 10 Pig.. jedes weitere Wort.-> Pfg. Worte über löBnch stoben zählen sür zwei Worte. Hnscrale sür die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedüioii ijt bts 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SMizjdemsliHt Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfchlands. Reüaktion: SW. 6$, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Atoritzplap, Nr. löl. 90—151 97. Donnerstag, den 3. Jmti 1915. Expedition: Sw. 68, Linöenftrahc 3. Fernsprecher: Amt Moritzplap. Nr. 15190—15197. DM Me«»kl MW Vi! MW. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, de« S. Juni 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Bixschoote nordöstlich von Steenstraate schössen wir ein englisches Jlugzeug herunter; die Insassen, ein belgischer und ein englischer Offizier, wurden gefangen genominen. Die Zuckerfabrik westlich S o u ch e z, in die im Laufe des gestrigen Nachmittags die Franzosen eingedrungen waren, ist von uns»viedergenommen. Ein französischer, in den Abendstunden auf unsere Stellungen bei und südlich Neuville unternommener Angriff wurde abgeschlagen, nur ein kleines über die Straße Neuville— Ecurie vorspringendes Grabenstück ist vom Feinde besetzt. Im Priest erwalde dauert der Nahkampf um einzelne Grabenstücke noch an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Neuhausen, SV Kilometer nordöstlich, und bei Shidiki, VZ Kilometer südöstlich Libau fanden erfolgreiche Gefechte gegen kleinere russische Abteilungen statt, ebenso weiter südlich in Gegend Szawle und an der Dubissa südöstlich Kielmy, sowie zwischen Ugiany und Eiragola. Bei Szawle machten wir Svv Gefangene. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Zwei weitere, bei Dunkowiczki gelegene Werke der Festung Przemysl sind gestern erstürmt. Nach dem Siege bei Stryj drangen die vcr- bündeten Truppen gestern in Richtung Medcnicc vor. Im Laufe des Monats Mai find auf dem südöstlichen Kriegsschauplqtz 8VZt Offiziere, SV8 8V9 Mann zu Gefangenen gemacht; 251 Geschütze und 376 Maschinengewehre erbeutet worden. Hiervon entfallen auf die dem Geueraloberft v. Mackensen unterstellten verbündeten Truppen: 4VV Offiziere, darunter 2 Generale, 152 264 Mann Gefangene, 160 Geschütze, darunter 28 schwere, und 406 Maschinengetvehre. Einschließlich der auf dem östlichen Kriegsschauplatz gemachten und gestern veröffentlichten Gefangeucnzahlen beträgt demnach die Summe der im M o n a t Mai in die Hände der verbündeten Truppen gefallenen Russen etwa lOOO Offiziere und über 600000 Mann. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichische Generalftabsbericht. Wien, 3. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird per- lautbart: 2. Juni 1915, mittags: Auf dem Russischen Kriegsschauplatz wiederholte der Jeind seine starken Angriffe auf die östlich des Sau stcheuden verbündeten Truppen. Unter neuen schweren Ber- Insten wurden die verzweifelten Angriffe des Gegners durchweg abgewiesen. Au der N o r d f r o u t der Festung P r z c m p s l wurden zwei weitere Werke erstürmt und das bisher gc- woiineuc Terrain behauptet. Südlich des Dujestr schreitet unser Angriff erfolg reich fort. Die feindlichen Stellungen zwischen S t r p j u n d D r o h o b» c z wurden gestern erstürmt. Starke russische Kräfte, die in S ü d o st g a l i z i e n in der Gegend. von Solotwina zum Angriff auf unsere dortigen Stellungen vorgingen, erlitten große Verluste und zogen sich stellenweise fluchtartig zurück. In den Schlachten des Monats Mai wurden von den unter österrcichisch-nugarifchem Oberkommando kämpfen- den verbündeten Armeen an Gefangenen und Beute eingebracht: 863 Ofsiziere, 268 869 Manu, 251 leichte und schwere Geschähe, 576 Maschinengewehre und 189 Muuitionswagen. Hinzu kommt sonstiges zahlreiches Kriegs- Material, das z. B. bei einer der Karpathenarmeen allein an 85 Das Große Haupt- quartier meldet unter dem 1. Juni: An der Grenze von Kärnten westlich des Montecrocepasscs fanden am 30. Mai Kämpfe statt, welche zu einem völligen Mißerfolge des Feindes führten, der 30 Tote und zahlreiche Verletzte vor unseren Linien ließ. Am 31. Mai fanden an der ganzen Grenze nur kleine, durch den Marschplaii unserer Vortruppen bedingte Kämpfe statt. Das schlechte Wetter dauert fort und verursacht ernste Unannehmlichkeiten, hat aber nicht den ge- ringstcn Einfluß auf den Gesundheitszustand oder die Stiin- mung unserer Truppen. Die E i s e n b a h n d i r e k t i o n A n c o n a teilt mit, daß die am 24. Mai an der Eisenbahn- brücke über die Marecchia bei Rimini angerichteten Schäden nicht von feindlichen Schiffen, sondern von einem österreichisch- ungarischen Lenkluftschiff verursacht tvurden, das sehr sichtbar den Namen„Stadt Femara" und die italienische Flagge trug. gez.: Eadorna. Das Sankkapital unö öie Sürst. Seit Kriegsbeginn gibt es keinen regelmäßigen Börsen verkehr in Deutschland,, die Börse ist offiziell geschlossen. Das bedeutet: der Apparat der Börse ist ausgeschaltet, die ver- cidcten Rursniakler stellen keine Kurse fest, der Börsenvorstand reguliert den Geschäftsgang nicht, ein Kurszettel wird nicht veröffentlicht.' Daher kann auch kein regelmäßiger Termin- Handel stattfinden, denn es gibt keinen offiziellen Ultimokurs. Aber daraus folgt keineswegs, daß ein börsenmäßiger Handel mit Wertpapieren nicht stattfindet. Die berufsmäßigen Börsenhändler kommen nach wie vor zusammen im Börsengebäude, kaufen und verkaufen Papiere und zwar nicht nur Papiere, die sie wirklich in Händen haben, sondern es werdeil vielfach nach wie vor Papiere verkauft, die der Verkäufer sich erst anschaffen muß, um sie liefern zu können, und auf diese Weise kann die Spekulation fortgesetzt werden. Allerdings vollzieht sich das Geschäft in sehr engen Grenzen, denn die Oeffcntlichkeit ist ausgeschaltet, die Inhaber von Wert- papieren, die nicht zu den Börsenbesuchern gehören, können sich an den: Geschäft nur indirekt beteiligen, indem sie sich durch Bankiers infornlieren lassen, wie ein bestimmtes Papier bewertet wird und daraufhin durch die Vermittelung des Bankiers kaufen und verkaufen. In welchem Maßstabe sich dieses Geschäft vollzieht, wie groß die Umsätze sind, erfährt die Oeffentlichkeit nicht. Aus den kurzen„Stiinmungsberichten", die die Tagespresse vcr- öffentlicht, ist höchstens zu erkennen, für welche Papiere sich die Börsenbesucher interessieren, ob der Kurs steigt oder fällt, doch dürfen darüber Zahlen nicht genannt werden. Was man also erfährt, ist nicht viel und wäre ohnehin bekannt. so daß„Favoriten", die Papiere der Unternehmen sind, die an Kriegslieferungen beteiligt sind und daß diese Papierchen einen sehr hohen Kursstand erreicht haben, daß die Börsen- besuchcr„verstimmt" sind, wenn man von neuem bei dem Rätselraten angelangt ist, wer wohl noch den Krieg an Deutschland erklären würde, daß sie Siege mit Haussen quittiert. Nun haben indessen die Großbanken beschlossen, etwas mehr Leben in das Geschäft zu bringen. Die führenden Berliner Banken— Deutsche Bank, Bank für Handel und Industrie, Diskontogesellschaft, Dresdner Bank, Nationalbank. Commerz- und Discontobanl, Mitteldeutsche Krcdikbank und die Bankhäuser Blcichröder, Mendelssohn, Delbrück, Schicklcr versenden ein Rundschreiben an ihre Kundschaft, in dem sie mitteilen, daß sie vom 2. Juni ab sich„an dem freien Handel mit Wertpapieren beteiligen werden und daher in der Lage sind, Käufe und Verkäufe abzuschließen". Es sollen jedoch dabei nur reine„Kassengeschäfte" gemacht werden, das heißt, es müssen die gekauften Papiere sofort bezahlt werden und die verkauften innerhalb 48 Stunden ge- liefert werden. Kommissionsgeschäfte bleiben ausgeschlossen, das heißt die Banken übernehmen keine Aufträge, die bc- treffenden Papiere an der Börse im Auftrage der Kunden zu kaufen oder zu verkaufen, sondern sie nehmen nur Angebote an, von Leuten die kaufen oder verkaufen tvollcn und treten ihnen als Eigenkäufer oder Verkäufer gegenüber. Daß diese Regelung den gesetzlichen Bestimmungen cnt- spricht, ist nicht zu bezivejfeln. Aber es fragt sich, ob an- gesichts solcher Konibinationen nicht doch die Bedenken gegen die Eröffnung des normalen Börsenverkehrs schwinden müssen. Denn es liegt doch wohl die Gefahr nahe, daß der Einfluß der Großbanken auf den Kapitalmarkt in ganz gewaltiger Weise gesteigert wird. Die Bankinstitute stehen natürlich mit einander in Ver- bindung und wissen daher ganz genau, für welche Papiere Nachfrage vorhanden ist, sie stehen also der Kundschaft, die keinen Einblick in die Marktverhältnissc hat, ganz anders gegenüber, als in normalen Zeiten, Ivo jeder Interessent sich lvcnigstens über Angebot und Nachfrage informieren kann. wenn ihm auch die Zusammenhänge, die Motive sür daS Steigen und Fallen nicht so klar sind, wie dem Eingeweihten. Allerdings hat die Uebermacht der Großbanken in der letzten Zeit dazu geführt, daß sie die Börse meistern. Das Fehlen des offenen Marktes führt indessen dazu, daß nunmehr die Großbanken es vollständig in der Hand haben werden, die Preise der Papiere zu regulieren. Nun sind aber die Zeiten, da der Bankier einzig daran inter- essiert war, daß Umsätze stattfinden, wobei er seine Provision einstreicht, längst vorüber. Die Großbanken sind an Industrie- Unternehmungen beteiligt und daher vielfach am Kurse der Aktien interessirt. Ein Handel mit Wertpapieren, wie er hier vorgesehen ist. wird dazu führen, die Macht der Groß- danken zu steigern. Gesetzt, die Bank A. habe ein Interesse daran, die Mehrheit der Aktien des Werkes B. in ihre Hand zu bekommen: dann wird sie anderen Banken mit- teUen, daß sie Käufer sür dieses Papier �ti und alle An- ijobüfc einzelner Besitzer, die solche Aktien abstoßen wollen, iverden alsbald dieser Bank zufließen. Besteht der offene Börsenverkehr, so werden derartige Käufe alsbald bekannt und Interessenten, die nicht wünschen, das; die Bank ihr Ziel er- reicht, greisen ein; vollzieht sich dagegen alles in der Stille der Bankkontors, so sind solche Widerstünde ausgeschlossen. Die Kriegsbcrhältnijse bringen es mit sich, daß gar mancher Aktienbesitzer„schwach geworden ist", ein Interesse daran hat, seinen Besitz zu berkausen, um Geld in die Hand zu be° kommen, während die Banken bei den bestehenden Kredit- Verhältnissen sehr wohl über die Mittel verfügen, ihren Besitz an Wertpapieren zu vergrößern. Somit bedeutet eine solche Gestaltung des Geschäftsverkehrs zweifellos eine weitere Stärkung der Position des Finanzkapitals im wirtschaftlichen Getriebe. Daß diese Uebcrmacht der Banken ein starker Hebel der mono- polistffchen Bestrebungen innerhalb der deutschen Industrie und des Handels ist, ist eine allgemein bekannte Tatsache, und daß diese Tendenzen keineswegs im Interesse der Allgemeinheit liegen, ebenfalls. Deshalb glauben wir, es sei an der Zeit zu erwägen, ob nicht die Aufnahme des Börsenverkehrs einer Auslieferung des Marktes an die Potentaten des Finanzkapitals vorzuziehen sei. Die Bedenken gegen die Wiedereröffnung der Börse verkennen wir nicht. Aber seit der Wiederaufnahme des Verkehrs an den Börsen in London und Paris sind sie zum Teil bereits beseitigt, die Gefahr der Monopolisierung des Marktes durch die Großbanken dürfte größer sein, als die Gefahr, daß die Nervosität der Börse hier und da eine Panik erzeugt._ Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 2. Juni. lW. T. B.) Amtlicher Bericht von D i e n Z t a g n a ch m i t t a g: In der Gegend von A r r a s fanden bei Nacht östlich der Straße Aix-Noulette- S o n ch e z heftige Kämpfe statt. Wir drangen in eine Feld- schanze in Bogueteau ein. Ivo es zum Nahkampf kani. Wir behielten hier die Oberhand. Auf dem Plateau östlich der Lorettohöhe bemächtigten wir uns einer deutschen Schanzarbeit. Ein sehr heftiger Kampf spielte sich um die Zuckerfabrik Sonchcz ab. Ivo wir etwa GZ Gefangene machten. In den V o g e s e n nahe Fontenelles wurde ein von zwei Kompagnien ausgeführter deutscher Angriff unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Paris, 2. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Dienstagabend. Im Abschnitt nördlich A r r a s spielten sich sehr lebhafte Kampfhandlungen ab. Wir erzielten neue Fortschritte. Trotz mehreren heftigen Gegenangriffen konnte der Feind uns nicht aus den im Gehölz neben der Straße A i x-?! o u l c t t c— S o n ch e z eroberten Schützengräben vertreiben. Wir behaupteten gleichfalls unsere Ge- winnc nordöstlich der Lorettokapclle. Die heftigen Kämpfe, deren Mittelpunkt seit zwei Tagen die Zuckerfabrik Sonchcz bildete, endeten zu unserem Vorteil. Wir bemächtigten uns der Zuckerfabrik. Ter Feind eroberte sie nachts zurück, aber wir vertrieben ihn bei Tagesgrauen daraus und blieben Herren der Stellung. Trotz aller Gegenangriffe brachton wir unseren Gegnern hohe Verluste bei. JmLabstrinthe südöstlich Neuville nahmen wir weiterhin ein deutsches Schanzwerk nach dem andern. Wir erzielten wichtige Fortschritte im Nordteile dieses BcfestigungSsystems und machten 130 Gefangene. Das ganze eroberte Gelände wurde behauptet. An den Rändern des P r i e st e r w a l d e s nahm uns der Feind nach heftigem Bombardement einige Stücke der vorgestern eroberten Schützen- grüben wieder ab. Wir behaupten den ganzen Rest unserer Gewinne. �um Lustbombarüement Londons. Londlin. 2. Juni.(W. T. B.) Die Admiralität teilt mit: Durch das deutsche Luftschiff wurden 90 Bomben, größtenteils Brandbomben, auf den S t a d t d i st r i k t geworfen. Eine Reihe von Bränden ist ausgebrochen, nur für drei wurde die Hilfe der A-euerioehr in Anspruch genommen, die das Feuer in kurzer Zeit löschte. Kein einziges öffentliches Gebäude wurde beschädigt. Ein Säugling, ein Junge, ein Mann und eine Frau wurde» getötet, eine andere Frau wurde lebensgefährlich verwundet, außerdem find noch einige Personen verletzt worden. vom Dunajec zum San. IV. In der Schlachtfront vor Jaroslau, Bon Hugo Schulz- Wien. _____ den 25. Mai 1915. Beim Kommando des VI. Korps war alles in lebhafter Bewe- gung. Erst vor wenigen Stunden batte es sich im Gutshof von P. eingenistet, und schon rüstete man wieder zum Aufbruch, denn die Front hatte abermals einen mächtigen Ruck nach vorwärts gemacht. Aber ein Korpskommando kann sich eigentlich nichts Besseres wünschen, als einem Wanderzirkus zu gleichen, und so herrschte beim Stabe gehobene Stimmung. Fcldinarschalleutnant Arz emp- fing uns überaus liebenswürdig und sorgte für unser leibliches Wohl, das in den letzten zwei Tagen unserer Kriegsfahrt ein wenig vernachlässigt worden war. Erst spät abends bezogen wir das uns zugewiesene Strohlager in einer Bauernhütte. Der Weg dahin führte durch den Park des GutshofeS. In der Ferne donnerte es leise, den sternbesäten Himmel säumte im Osten blutroter Feuer- schein, aber im Geäste einer riesigen Linde sang himmlisch süß eine Zlachtigall, und wieder ein Kanonenschlag und wieder das girrende Flöten im fliederduftenden Park... Daß man da nicht mahn- sinnig wird!... Frühmorgens Aufbruch. Eine Stunde Fahrt nach dem Kanonen- donner zu und wir sind beim Tivisionsstab des Feldmarschall- leutnants Kestranek. Wieder das Herrenhaus eines Gutshofes, eigentlich ein kleines Serrenhäuschen, das sich mit einem bescheide- neu Erdgeschoß begnügt, aber dem'.och mit einer Freitreppe prunkt, weil das der Anstand so fordert. Früher waren die Rüsten drinnen und haben nichts dagelassen, als ein paar Tische und Bänke. Wir sind zum Frühstück geladen, das etwas unruhig verläuft. In der Vorhalle geht unablässig das Telephon und im Freien machen die erschütternden Donnerschläge der schweren Geschütze, die ihr Ver- steck ganz in der Nähe haben müssen, alles erbeben. Auch tauchen über dem Höhenrücken, der das Tal säumt, zeitweilig verdächtige weiße Wölkchen auf. Feldmarschalleutnant Kestranek ist so wohl gelaunt, wie es ein Sieger nur sein kann.„Jetzt haben wir," so sagt er,„seit 1.?Nai täglich einen Sieg zu verzeichnen— unhe- rüsen." Und er drückt die Daumen ein mit scherzhaft aber- glänbischer Gebärde. Dann aber singt der General ein begeistertes Loblied auf seine braven Truppen, denen er übermenschliche Leistungen zumuten mußte und die liebermenschliches geleistet haben, ohne daß es auch nur einen Augenblick der Schwäche gab. Die englischen Verluste. London, 2. Juni.(W. T. B.) Die letzte Verlustliste verzeichnet 00 Offiziere und 1632 Mann. Aus dem Haag, 2. Juni.(T. II.) Die gesamten englischen Verluste vom 1. bis 13. Mai betragen 3699 Offiziere und 26 696 Mannschaften. Im März waren es noch 1961 Offiziere und 18 794 Mannschaften; im April 639 Offiziere und 19169 Mannschaften. Hierzu kommen noch die Flottenverluste mit 234 Offizieren und 3269 Mannschaften, so daß sich die gesamten englischen Verluste in den letzten drei Monaten ans 5354 Offfzierc und 67 568 Mann- schaften belaufen. Gestlicher Kriegsschauplatz. Der rusilsche Generalstabsbericht. Petersburg, 2. Juni.«W. T. B.) Bericht des russischen Generalstabs. In der Gegend von Szawle keine wesentlichen Veränderungen. Westlich von der Ortschaft Kurtovianp dauert der Kampf auf der Front Travlianz— Galliski fort. Wir nahmen am 31. Mai nach Bajonettkampf das letztgenannte stark befestigte Dorf, das die Deutschen hartnäckig verteidigten.?l u f dem linken Weichsel- user entwickelte der Feind in der Nacht zum 31. Mai ein sehr heftiges Artillerieseuer auf der ganzen Front nördlich der P i l i e a. Gegen 4 Uhr morgens ließ der Feind dicke Rauchwolken entwickeln, machte starken Gebrauch von ver- gifteten Gasen und griff mit erheblichen Kräften unsere Stellungen an der B z u r a bei Mtkovice, Prohow. Sochaczew und Kozow an, wobei er besondere Hartnäckigkeit an der unteren Rawka in dem Abschnitt entwickelte, der von den Dörfern Hizerka, Volia und Szidlowska begrenzt wird. Obwohl der Gegner eine ungeheure?Nenge von vergiftetem Gas verschwendete, dessen Geruch bis 30 Werst hinter unserer Front wahrgenommen wurde, wurden alle Angriffe des Feindes zurückgeschlagen. In Galizien griff der Feind nach mehrtägigen Vorbereitungen und nach heftigem?lrtilleriefeuer am 30. Mai in einer Reihe von Vorstößen unsere Front im Westen und Nordwesten von Przemysl in dem Räume zwischen den Forts?!r. 7 und 11 an. Im Laufe der Nacht zum 31. Mai gelang es dem Feind, auf zweihundert Schritt einigen der angegriffenen Abschnitte sich zu nahem und sogar einen Einbruch in Fort?!r. 7 zu machen, wo ein heftiger Kampf stattfand, der am 31. Mai bis 2 Uhr nachmittags dauerte, worauf der Feind mit ungeheuren Verlusten zurückgeschlagen wurde. Tie Reste des an dem Einbruch in das Fort?!r. 7 beteiligten Feindes, die sich auf 23 Offiziere und 600 Soldaten bezifferten, wurden gefangen genommen. An der Front jenseits des D n j e st e r warf der Feind hauptsächlich deutsche Reserven in den Kampf in unmittelbarer?!ähc von Stryj. Das Resultat ist jetzt noch nicht bekannt. Am Ufer der Swica gelang es unseren Truppen, die dort erreichten Erfolge weiter auszubauen. Die Zahl der Gefangenen, welche daselbst während ihrer Beförderung nach rückwärts vom 28. bis zum 30. Mai gezählt wurden, beziffert sich auf 10422 Soldaten und 238 Offiziere. Der Seekrieg. vom v-öootskrieg. London, 2. Juni.(28. T. S?.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der britische Dampfer„Saidieh" von der Khedivial Mail Co., 3393 Tonnen groß, wurde in der Nordsee torpe- d i c r t. Der Dampfer befand sich auf der Reise von Alexandria nach Hull. Sieben Mann von der Besatzung und eine Stewardeß ertranken, die anderen Mitfahrenden wurden gerettet. tzollänöisiher Dampfer auf eine Nine gelaufen. Haag, 2. Juni.(W. T. B.)„Nieuwe Courant" meldet auZ Umniden: Der holländische Fischdampfer„Thor" fuhr am 27. Mai auf eine Mine und wurde beschädigt. Au öem üeutsch-amerikanischen Noten- austausch. London, 2. Juni.(23. T. B.)„Times" melden aus Washington: Die öffentliche Meinung gibt wenige Anzeichen, daß die Entrüstung den Sieg über die Klugheit ge« Winnen wird. Keine Zeitung des Ostens und des Westens fordert den Krieg, während die Mehrheit betont, daß die Ehre eine Es sind weftpolniscbc Regimenter, osffchlesische und hannakische. (Anm.: die Hanna ist ein sehr fruchtbarer, von Tschechen bewohnter Teil der Provinz Mähren.) Das ostschlcsische Regiment besteht zum größten Teil aus Bergarbeitern, und die sollen ganz besondere Mordskerle sein. Der Divisionsstab begab sich nun hinaus aufs Schlachtfeld und wir auf anderen Wegen ebenfalls. Im Dorfe herrschte lebhaftes Treiben. Eine Divistons-SanitätSanstalt war da. Trains hatten ihre Lager aufgeschlagen, Verwundete kamen und kleine Gruppen von Gefangenen, Meldereiter sprengten heran, Munitionskolonnen rasselten durch, und überall sah man österreichische und deutsche Soldaten wirr durcheinander. Aus einer Wiese lagerte ein eben angekommenes deutsches Infanterieregiment, lauter biedere„West- falmger". Vor wenigen Wochen noch hatten sie in der Champagne gekämpft und dem Ansturm einer mehrfachen französischen lieber- macht unzerbrechlichen Widerstand geleistet.' Sie sprachen mit Hoch- achtung von der französischen Armee und stehen auf dem Stand- Punkt, daß die Kämpfe in Galizien gegen die in Frankreich ein Kinderspiel sind.„Det is ja gar kein richtiger Krieg hier," meint einer,„wenn man so zurückdenkt an die Schampagnc." Na, das ist aber wohl ein bißchen übertrieben, denn die Russen sind am Ende auch nicht von Pappe. Wir sind alsbald auf dem Höhenrücken mitten in den Stellun- gen der schweren"Artillerie, die unaufhörlich tobt. Die neuen sünszehner Haubitzen sind da, und unaufhörlich erschüttert ihr harter Klang das Trommelfell, unaufhörlich gleiten die steil aus- gerichteten Rohre den Rücklauffchlitten aus und nieder. Eine Weile beobachten wir dieses grausame Spiel, dann rücken wir weiter vor in die Linie, in der sich die noch viel- gewaltigeren Batterien der deutschen einundzwanziger Mörser eingenistet haben. Das sind dieselben, die gemeinsam mit den österreichischen„Drei- ßigern" die Festungswerke von Namur niedergelegt haben. Jetzt sind sie aus ihren Wanderfahrten bis zum San gekommen und augenblicklich nur 4999 Meier vom Gegner entfernt, dessen Haupt- stützpunkte— Schloß und Meierhof vor Jaroslau— sie mit unermüdlichem Eiser bearbeiten. Mit welcher Wirkung, das sieht man an den dicken grauen Rauchschwaden, die hinter dem Höhenkamme aufsteigen. Es muß fürchterlich sein, in ihre Wirkungssphäre zu geraten. Es ist ohnedies schon ohren» und nervenerschütternd, dabei zu sieben, wie sie feuern. Diese grellen MündungSblitze, dieses be- täubende Krachen I Gar erst, wenn die rollenden Salven, die in unserem militärischen Sprachgebrauch Ausfeuerlagen beißen und bei denen schlag aus Schlag ein Geschütz nach dem andern abge- zogen wird. Tic russische Artillerie ist auch nicht müßig, aber sie unnachgiebige Hallung erheische, hallen es einige für rällich, Deutschlands Einladung anzunshmeil und die strittigen Punkte zu debattieren. "Amsterdam, 2. Juni.(T. U.) Renter meldet aus Washington: Präsident Wilson hat die Direktiven für die Politik dahin festgelegt, daß kein Zweifel über die Absichten des Landes bestehen soll und daß man wisse, daß das Land, wenn es nötig sei, es nicht nur bei Worten belasse, sondern im Interesse der Menschlichkeit auch handelnd auftrete. ES sei fest beschlossen. Teutschland sofort durch eine 3!ote zu antworten, die kurz die Tatsache der friedlichen Ausrüstung der„Lusitania" feststellen soll. Weiter sei die ernsthafte Ab- ficht der amerikanischen Regierung, Teutschland die Verant- Wartung dafür zuzuweisen, falls wiederum amerikanische Rechte zur See verletzt werden. Ter Präsident werde heute verschiedene Punkte mit dem Ministerrat besprechen und wahrscheinlich seine Antwort an Teutschland absenden. Kopenhagen, 2. Juni.(T. U.) Die„Zkationaltiden'öe" erfährt aus Washington über London: Wie verlautet, will die amerikanische Regierung eine sofortige Erklärung Deutsch- lands verlangen und einen weiteren Llusschub der Sache nicht dulden. Die Lage ist ernst, der Eintritt des Kriegszustandes zwischen Amerika und Teutschland sedoch unwahrscheinlich. Die amerikanische Bevölkerung verlange den Krieg nicbt. und ein solcher werde nicht vorbereitet. Der türkische Krieg. Neiüung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 2. Juni.(W. T. B.) Das Hauptquartier mclüet: An der Tardancllensront wie an den übrigen Fronten hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Der italienische Krieg. Ueber üie italienische(pffenstve. Zürich, 2. Juni.(W. T. B.) Der M i l i t ä r k r i t i t e r d- r „Steucn Zürcher Zeitung" vermutet, daß der Haupt- angriff der Italiener gegen das T r c n t i n o und andere Grenzgebiete von Tirol erfolgen werde, bemerkt aber zu den bisherigen Fortschritten im Effchtale, bei Primiero usw.: Das sind Anfangserfolge, denen noch keine entscheidende Bedeutung zukommt. Wie weit überhaupt die operative Rechnung stimmt, wird sich erst in der Folge ergeben; dann wird sich auch zeigen. ob der alte, durch die Kriegserfahrung vieler Jahrhundertc bc- stätigte Satz, daß die Hauptentscheidung nicht im Gebirge falle, sich im 29. Jahrbundert ins Gegenteil verkehrt hat. Sind die Fortschritte der Italiener schon auf dem Hauptschauplatz recht mäßig in Anbetracht der langen Vorbereitungszeit, so sind sie an der Jsonzolinie und in Kärnten auf ein noch bescheideneres Maß beschränkt geblieben. Weder gegen Görz noch gegen Villach hin gelang es Boden zu gewinnen. Alle?lngrisfc wurden abgewiesen. (Defterreichische Flieger über Sari unü Hrinüisi. Rom, 2. Juni.(28. T. B.) Meldung der A g e n z i a Stefan«. Amtlich wird mitgeteilt, daß am Dienstag morgen ein feindliches Flugzeug über Bari und ein anderes über Brindisi erschienen, und beide Städte mit Bomben belegten. In Bari platzte eine Bombe auf dem Dache eines PrivathauscS. Ein Dachziegel fiel herab und verwundete ein ISjähriges Kind schwer. Es starb bald daraus. In Brindisi wurden zwei Bürger leicht verletzt und zwei Häuser unbedeutend beickädigt. Rom, 2. Juni.(W. T B) Amtlich. Ein österreichisch- ungarisches Flugzeug, welches Bomben auf Bari schien- derte, wandte sich alsdann gegenMalsetta, wo eS einige Bomben abwarf, die eine Anzahl Arbeiter töteten. Fliegerangriff auf Molfetta. Lugau», 2. Juni.(W.T.B.) Ein ö sie r r e i ch i s ch e S F l ug- zeug warf über Molfetta Bomben ab und zwar, wie„Giornalc d'Jtalia" meldet, auf die Schwefelfabrik, ein Oel- und ein Petro- leumlager. Ein Arbeiter wurde getötet und eine Frau verwundet. Die Unruhen in Mailand. Basel, 2. Juni.(W. T. B.) Eine Meldung des„Basier Anzeigers" aus Chiasso bestätigt die Gerüchte über einen Aufruhr der Soldaten in Mailand. In der Meldung heißt es: Als am Pfingstmontag die Truppen verladen werden sollten, weigerte sich ein Infanterieregiment, in die Wagen zu steigen. hat nicht piel zu sagen, und was sie sagt, ist daneben gesprochen. Ihre Schrapnellwöllchen und Granaffchwadcn halten sich in respekt- voller Entfernung. Slur eine schwere Granate war kurz vor unserer"Ankunft inmitten der deutschen Mörserbatterien nieder- gegangen, aber das war wohl nur eine zufällige Entgleisung, und das feindliche Geschoß hatte weder Mann noch Geschütz beschädigt. Nachmittags sahen wir durch das Scherenfernrohr eines ArtillcriebeobachterS... zum Angriff auf die Stordflankc der feind- lichen Brückenkopfstellung bei Jaroslau vorbrechen. Ein klares Bild bot sich da nicht, das Auge gewahrte nur winzige Pünktchen, die sich sprungweise ineinander übergreifend vorwärts bewegten. Die Nacht senkte sich nieder. Der Kanonendonner ließ nach. Nur einzelne Geschütze blieben in Tätigkeit, und von einem Tonnerschlag zum andern gab es lange, bange Pausen. Spät abends langte beim Tivisionsstab die Meldung ein» daß die Jaroslau beherrschende Höhe 264 nach schwerem Kamps vom öst reichffchen Infanterieregiment Nr. 56 genommen worden sei. Um den Mcierhos und das Sebloß aber wurde noch heiß gestritten; cL war auch zu erwarten, daß der Feind verzweifelte"Anstrengungen machen würde, seine Höhenstcllung wieder zu gewinnen. Es war wohl 11 Uhr, als wir den Divisionsstab verließen, un cie Bauern- Hütte aufzusuchen, die uns"Nachtlager bot. Stockfinster. Wir treten aus die Freitreppe, und die Taschenlaternen flammen auf. Die Lichtkegel fallen aus eine im Gutshofe kauernde Menschen- menge. Gefangene Russen— eben eingebracht. Stumpfe, gleich- gültige Gesichter, müde, matt und schlaff. Endlich Ruhe— ist der Gedanke, der tvohl alle beseelt. Doch da dringt ein Geräusch durch die Stille der Nacht, ein unheimliches fernes Gebrodel, wie m einem Kessel, in dem Flüssigkeit siedet. Es hört nicht auf, es brodelt gleichmäßig weiter/das ist der mächtige Feuerkampf der Infanterie. Sic schießen und schießen ohne Unterlaß weiter. Dieser qualvollste aller Betriebe kennt keinen Feierabend. Und jede Minute sterben einige, und viele andere liegen blutend auf nachtschwarzem taufeuchten Rasen. Kein Licht erhellt die blutige Werkstatt. In tiefer Finsternis vollzieht sich dieses grausige Ec- schehen. Nur wenn sich ein Kanonenschuß löst, blitzt ein matter Schein über das Gefilde. Lange nach Mitternacht saß ich noch vor der Bauernhütts, in der ich schlafen sollte, und horchte voll inneren Seelenschauers aus das geheimnisvolle und xn seiner eintönigen Rhythmik tief- aufregenden Gewehrgeknatter. Dann kroch ich ins Stroh, um zu schlafen... und ich tonnte schlafen, während drei Kilometer von mir entfernt ein heißes, mörderisches Ringen tobte. Die Solbaicn wiLersetzlen sich den Befehlen der Offiziere Unier den Rufen: ,.A Baffo la Eucrral"„(Kvvwa la Repudlical" Die anwesenden Zivilisten, hauptsächlich Arbeiter, stimmten in diese Rufe ein. Schließlich entspann sich eine blutige Schlägerei, da sich die Soldaten unter Gebrauch der blanken Waffe mit Gewalt der Verladung widersetzten. Den Offizieren gelang es schließlich, das Militär zu beruhigen. Die Tumulte in der Zivilbevölkerung dauerten fort und führten zu den bekannten?l u S s ch r e i t u n- gen gegen die Deutschen, weil bestimmte Kreise die Auf- mcrksamkcit von den unbequemen Kundgebungen gegen den Krieg ablenken und in bestimmte Bahnen leiten wollten. Erlaß ües neuen Militärkommandanten von Mailand. Mailand, 2. Juni. sW. T. B.) Der neue Militär- kom Mandant von Mailand hat der Bürgerschaft seine Entschlossenheit kundgegeben. sofort alle Störungen der öffentlichen Ordnung zu unter- drücken. Er erklärte, er benachrichtige die Bürgerschaft, daß die Truppen im Dienste der öffentlichen Sicherheit nicht mehr wie gs- wohnlich passiv eine Zielscheibe der Verspottung und Mißhandlung seitens der Aufruhrer bleiben würden. Die Truppen hätten Be- fehl, die Waffen zu gebrauchen und ernsthast, also nie zu bloßer Ein- schüchlerung zu schießen, wenn die Aufrührer ihrerseits Feuerwaffen oder andere Angriffsmittel gebrauchten und der Aufforderung, sich zu zerstreuen, keine Folge leisteten. Hevorftehende Kriegserklärung San Marinos. Lugano, 2. Juni.(W. T. B.) Wie„Ordine* berichtet, gedenkt die Republik San Marino den Aufforderungen Salandras und SonninoS zu folgen und Deutschland und Oesterreich-Ungarn den Krieg zu erklären. Die Republik San Marino zählt t t 000 Einwohner. Ihre .KriegSerllärung" wird also an der Kriegslage wirklich nichts ändern. Die Neutralität Savopens. Tie„B o f f i fch e Z c i t u n g" macht darauf aufmertfam, daß die Schweiz feit 1815 ein Recht auf Schutz der Aeutralität des (französischen) S a v o y e n, auch das Recht der Besetzung Savoyens zum Schutz dieser Neutralität hat. Auch in ihrer am 7- August 1914 erlassenen Neutralitätserklärung hat die Schweiz ausdrück- lich ihr Recht zur Besetzung Savopens gewahrt. In der Schweizer Neutralitätserklärung vom genannten Tage heißt es: „Mit Bezug auf die Gebietsteile von Savohen, die laut �der Erklärung der Mächte vom 29. März 1815. der Wiener«Schlußakte vom 9. Juni 1815, der Beitrittserklärung der Schweizerischen Tagsatzung vom 12. August 1515, dcS Pariser Vertrages vom 29. November 1815 und der Urkunde über die Anerkennung und Gewährleistung der Schweizerischen Neutralität vom nämlichen Tage auf gleiche Weise der Neutralität teilhaftig sind, als wären sie Be st and teile der Sweiz, Bestimnmngen, welche Frank- reich und Sardinien im Artikel 2 dos Turiner Vertrages vom 24. März 1869 neuerdings anerkannt haben, glaubt der Bundcq- rat darauf hinweisen zu müssen, daß der Schweiz das Recht zusteht, diese Gebietsteile zu besetzen. Der Bundesrat würde von diesem Rechte Gc- brauch machen, wenn die Verbältniffc es zur Sicherung der Neutralität und der Unverletzbarkeit des Gebietes der Eidgenossenschast erforderlich erscheinen ließen, er wird in- dessen nicht ermangeln, die in den genannten Verträgen ent- baltenen Beschränkungen, namentlich in betreff der Verwaltung . dieses Gebietes gewissenhaft zu beobachten. Er wird bestrebt - sein, sich darüber mit«der Regierung der französischcu Republik izu verständigen." � � Im Artikel 3 des 2. Pariser Friedens vom 29. Novemer 1815 ist die letzte Erweiterung der der Schweiz zum Schutze ihrer ißeutralität zugestandenen Ncutralisierung französischer Gebietsteile vorgenommen worden. Es heißt dort: „Tie Neutralität der Schweiz wird auf den Landstrich nord- wärts einer Linie, die von Ugincs mit Inbegriff dieser Stadt nach der Mittagsseite des Sees von Amtech... nach dem See von Bourget bis an die Rhone läuft, aus eben die Weile aus- gedehnt, wie solche durch den 92. Artikel der Schlußakte des Wiener Kongresses aus die Provinzen von ChablaiS und Faucignp(die nördlichen Teile von Ober-Savohen) ausgedehnt ivorden war." Diese französischen Gebiete sollen sich, so sagen die Vertrags- staaten des zweiten Pariser Friedens, der Neutralität erfreuen, „auf dieselbe Weise, als wenn sie zur Schweiz gehörten". Damit entfallen also die Befürchtungen des Vcrfasters, als könnte die Schweiz den Durchmarsch italienischer Truppen durch Savohen dulden. Denn die crivähnkn Teile Savoyens, innerhalb deren das nördliche Stück der großen Automobilstraße Nizza— Evian (Genfer See) liegt, sind ja ebenso neutral, als wenn sie zur Schweiz gehörten, und man darf zum Schweizer Bundesrat das Vertrauen baben, daß er auch die Neutralität dieser Teile der(militärischen) Schweiz zu wahren wissen wird. Dieses Recht könnte bei dem Charakter des gegenwärtigen Krieges vielleicht von aktuellem Wert werden. /iöria unS darSanellen. Bei dem Fehlen� direkter Nachrichten aus Serbien befinden vnr uns im Ungewissen darüber, wie sich dieses unglückliche �Land mit dem Eingreisen Italiens in den Krieg abgefunden hat. Sicher iü nur. daß alsbald nach dem Bekanntwerden der?lngebote, mit denen die Tripleentente den ehemaligen Verbündeten der Zentralmächte an ihre Seite lockte, in dem Balkanstaate, bon dem der Krieg formell seinen Ausgang genommen hat, eine beträchtliche Aufregung entstand. Wenn sich Italien mit Zustimmung von Rußland, Frankreich und EngUrnd an der Ostküste der Adria fest- setzte, dann könnten sich die Verhältnisse für Serbien eher ver- . schlechter» als verbessern. Mochte ihm immer ein Hafen und ein Weg zu diesem Hafen zugesprochen werden, so würde ihm der Druck des italienischen Nachbarn noch mehr den Atem rauben als bisher der des österreichischen. Die Zeitungen schlugen deshalb Lärm, und es gab eine Minifterkrise. Man sprach ganz offen davon, daß das Land die Lösung seiner Lebensfrage» auf die Dauer nicht einer Macht überladen könne, die neun Monate Rang über sein Gut und sein Blut verfügt habe und nun in der adriatischen Angelegenheit seine Interessen preisgebe. Rußland hat sich inzwischen bemüht, den«erben gut zuzu- reden. Auf der Durchreise hat der neue russische Botschafter iu Rom die Regierung und die öffentliche Meinung in Risch zu be- sänftigen gesucht. Ob mit Erfolg, wissen wir nicht, aber es sprechen Anzeichen dafür, daß man auch in Petersburg gewisse Bedenken wegen des zukünftigen Verhältnisses zwischen dem neuen Bundesgenossen und dem alten„Freund" nicht unterdrücken kann. Vor wenigen Tagen hat der russische Minister des Auswärtigen den Petersburger Korrespondenten des Mailänder„Sccvlo" empfangen, um durch seine Vcrmittelung den Italienern eine wohl- wollende Behandlung der Slawen des westlichen Balkans dringend ans Herz zu legen. „Italien," so sagte Sasonow,„wird die Erbin des kommer- ziellen Einflusses sein, den Oesterreich und Teutschland auf dem Balkan ausgeübt haben. Aber um dieses Ziel zu erreichen, mutz eZ guie Beziehungen zu seinen Machbarn unierhalten Und ist LZ notwendig, daß es nicht nur ihre Börse, sondern auch ihr Herz erobert. Italien muß das Vertrauen der Serben gewinnen, und das ist möglich, wenn es ein wenig guten Willen zeigt. Wir haben volles Vertrauen zu der italienischen Uebcrliefe- rung, die sich auf der Achtung vor dem Grundsatz der Neutralität aufbaut. Wenn sich Italien der kulturellen und wirtschaftlichen Entwickclung seiner neuen Nachbarn nicht widersetzt, wird es unter den Slawen nur Sympathien finden. Wir bitten Italien dringend, gut und edelmütig zu sein und sich vom Geist der Freundschaft gegenüber seinen slawischen Nachbarn leiten zu lassen. Im anderen Falle würde die dalmatinische Küste, wenn sie Italien überwiesen ist, statt einer Brücke eine Mauer für die wirt- schaftlichen Beziehungen zwischen dem Balkan und Italien bilden." Der russische Minister setzte dem Journalisten dann weiter aus- einairder, daß er von seinem Lande keinerlei Opfer verlange. Ruß- land habe in der Adria keinerlei Interessen, es wolle nur eine große Konlinentalmacht sein und träume nickt von Abenteuern in fernen Meeren. Durch das danze Interview aber zieht sich die Mahnung an Italien, den Bogen an der dalmatinischen Küste nicht zu über- spannen, und mit den«werben säuberlich zu verfahren. Deutlich genug ist dabei zu erkennen, daß es Sasonow gleichzeitig darum zu tun ist, die Sorgen der Serben zu zerstreuen und etwaige Bedenken der übrigen Balkanstaaten niederzuschlagen. Denn er beschränkt sich nicht auf das adrigtische Problem, sondern er springt auch auf die Tardan eilenfrage über, um auf dem Wege über den „Secolo" Bulgarien und Rumänien zu versichern, daß sie von Ruß- land nichts zu befürchten haben, da Rußland, wenn es am Bosporus sitze, handelspolitisch für sich keine Privilegien beanspruchen werde. Ob diese Versicherung dort, wo pc wirken soll, d. b. jetzt vor allem in Bukarest, Glauben findet, muß abgewartet werden. Man könnte sich vorstellen, daß die Art, wie die Tripelentcntc unter Ruß- lands Führung die Zukunft Serbiens aufs Spiel setzt, die rumäni- schen und die bulgarischen Politiker stutzig machte. ** * Ein Ueberemkommen zwischen Italien unö Serbien. Aus Mailand wird der„Köln. Ztg." telegraphiert: Nach dem „Avanti" soll das Uebereintommen zwischen Italien und Serbien wegen ihrer Interessen am Adriatischen Meere abgeschlossen sein. Die serbische Regierung erklärte sich mit der zeitweiligen Besetzung der dalmatinischen Küste bis Narenta inbegriffen Zara und Sebcnico durch Italien einverstanden. Das Uebereintommen bezieht sich auch auf die Stellung der Slawen an der dalmatinischen Küste. Der Schweizer Sunüespräsiöent über öie ßrieöensvermittelung. Bern, 2. Juni. sW. T. B.) Der Bundespräsident Motta hat am Dienstag den Besuch einer Abordnung von Frauen erhalten zur Ueberreichung und Begründung der Beschlüsse des Jntcr nationalen Friedenskongresses der Frauen im April Iffla. Ter Bundespräsident sagte, eine V e r in i t t e l ii n g erscheine jetzt n o ch nicht angezeigt-, die Schweiz werde aber im richtigen Zeitpunkt gern bereit sein, in Verbindung mit anderen neutralen Staaten schritte für den Frieden zu tun. Weitere Ergänzung Ües Koalitions- kabinetts? London, 2. Juni.(W. T. B.)„Daily Chronicle" und „Manchester Guardian" wenden sich gegen die Möglichkeit einer Ernennung des Unionisten Campbell, der einer der Führer der U l st c r r e v o I t e war, zum Lordkanzler von Irland. Zum Kampf um öie allgemeine Wehrpflicht in England. London, 2. Juni.(W. T. B.)„Weftminster Gazette" polemisiert gegen die„Mormng Post", die in ihrer Propaganda für die Wehrpflicht die Weltanschauung der Liberalen und Freihändler als gemein bezeichnet hatte. Das Blali betont, daß die Grundlage der Koalition nur eine zeitweilige Verleugnung der parteipolitischen Grundsätze bilde. Man solle nicht glauben, daß eine sogenannte nationale Organisation der Industrie durchführbar sei. Die vereinte Stärke der Alliierten an Männern sei bereits groß. England müsse nicht allein Männer stellen, sondern auch Geld und Ausrüstung für die Alliierten liefern. Die wichtigste Aufgabe sei, zwischen dem militärischen und dem industriellen Dienst das richtige Verhältnis zu finden. Sehr schwierig übrigens sei die Einbeziehung aller Drücke- berger in eine schnell zu organisierende Armee? dies würde mili- tärisch nur problematischen Wert haben. Die Regierung müsse jedenfalls den Rat der Arbeiterpartei einholen. Große Schwierig« leiten seien in Irland zu erwarten. „Daily C h r o n i c l e" schreibt: Eine harte Tatsache ist e-, daß die demokratischen Massen vom größten Widerwillen gegen staatlichen Zwang beseelt sind. Bei einer Einführung der Wehr- Pflicht würden wir statt einer einigen Nation eine gespaltene haben und zum ersten Male eine gefährliche Agitatton gegen den Krieg erleben. Strafwüröl'ge Inüiskretionen. London, 2. Juni.(W. T. B.) Gegen die„Times" ist öffentliche Anklage erhoben worden auf Grund eines von ihr veröffentlichten Briefes des pensionierten MajorS Richardson, der nach einem Besuche an der Front schrieb, d i e letzten französischen Reserven ständen im Felde; augenblicklich tvürden junge unausgebildeteRekruten aufgerufen. Der Slaalsanwalt betonte, diese Nachricht sei geeignet, bei den Deutschen Selbstvertrauen, bei den Franzosen und Engländern ein Gefühl der Niedergeschlagenheit zu erwecken. Die Zuschrift RichardsonS müsse auf die Franzosen den Eindruck machen, daß in England völlige Gleichgültigkeit bezüglich dcS Krieges herrsche, außer sofern man Geld dabei verdienen könnte. Enüe öes Lonöoner Straßenbahner- ausstanöes. Amsterdam, 2. Juni.(W. T. B.) Das„HandelSblad" berichtet aus London, daß der A u S st a n d der Straßen- bahnange st eilten tatsächlich beendet sei. Etwa 3999 Personen, die im militärpflichtigen Alter stehen, seien nicht wieder eingestellt worden. Englische Lohnbewegungen. Loudou, 2. Juni.(W. T- B.) Etwa 10000 Arbeiter einer Strumpfwirkerei in L c i c e st e r, hauptsächlich Frauen, sind in den Ausstand getreten, weil ihnen eine geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde. Der Aus st and in den Erz- und Kohlengruben von Mommouthshire ist beendet worden, nachdem die' Arbestgeber 'allen Leuten die volle Kriegszulage bewilligt hatten, gleichviel ob sie die ganze Woche gearbeitet hatten. Krifls in öer englischen DaumwollinKuftrie. Die Lage zwischen Arbeitgebern und Arbeitern spitzt sich noch„Bcorning Post" vom 28. Mai immer mehr zu. In den nächsten Tagen treten die Arbeiter von fünf weiteren Spinne- reicn in den Streik, und kurz darauf wird man den G e g e u- st r e i ch der Arbeitgeber verspüren. Von den 33 Millionen Spindeln in England kontrolliert der Spinnereiverband 4-1 Millionen; 7 Millionen Spindeln sind außerhalb des Ver- bandes, und die Schwierigkeit besteht darin, daß solche Spinnereibesitzer Vorteil aus der Lage ziehen werden. Ter Lockout würde sofort 100 000 Arbeiter beschäftigungslos machen, und die Wirkung würde auch auf die Wcbereiinduflric übergreifen. Bulgariens Neutralität. Rom, 2. Juni.(W. T. B.) Der nach Berlin versetzte bulgarische Gesandte in Rom Rizoff erklärte in„G iornale d'I t a l i a" daß die Balkanstaaten und namentlich Bulgarien die Neutralität er st im letzten Augenblick aufgeben werden, wenn sie d i e s ü b e r h a u p t tun. Sie könnten erst dann aus der Neutralität heraustreten, wenn gewisse Er- geb nisse gut erkennbar sein würden und ihre Kriegs- führung in zwei oder höchstens drei Monaten beendet werden könnte. » Rom, 2. Juni.(W. T. B.)„ T r i b u n a' bestreitet die Be- hauptung der„Times", daß zwischen Bulgarien und Rumänien bereits ein E i n v e r n e h in e n erzielt sei. Bulgarien verlange für seine Neutraliiät gegenüber Rumänien bedeutend mehr Gebiet, als Rumänien zugestehen wolle. Die Politik Spaniens. Lyon, 1. Juni.(W. T. B.)„ Progres" berichtet aus Madrid: Angesichts einiger ueutraliftischcr Kund- gedungen in Spanien erklärte M i n i st c r p r ä s i d e n t Dato, daß künftig Kundgebungen jeder Art schärfstens unterdrückt werden sollen. Die Regierung sei bemüht, strengste Neutrali- tat zu wahren. Spanien erhöhe augenblicklich seine Wehrkraft und werde sie erhöhen, solange die Umstände es erforderten. Die Rüstungen hätten keinerlei offensiven Charakter, sie dienten nur dazu, jeden Angriffsversuch gegen Spanien, so unwahr- scheinlich ein solches Ereignis auch sei, zurückweisen zu können. Dato dementierte, daß es in Spanien ausländische Agenten gebe, die die interventionistische Kampagne führen sollten. Die Zleischpreise in /luflralien. London, 2. Juni.(W.T.B.) Reuter meldet aus Melbourne: Die F I e i s ch p r o i s e haben ihren höchsten Stand seit 59 Jahren erreicht. Der Ackerbauministcr bereitet ein Gesetz vor, wonach die Regierung alles Fleisch in Viktoria beschlagnahmen und die Preise festsetzen kann. flriegsbekanntmachungen. Entlassung aus Lazarette». Einer Bekanntmachung des Kröc-gs Ministerium 5 zufolge werden noch immer Fälle bekannt, in denen versyrgungs- berechtigte Heeresangehörige aus den Lazaretten entlassen werden, bevpr' sie in den Genutz ihrer Versorgungsgebührnisse gelangt sind. Während der Zeit bis zur Anerkennung, die manchmal Wochen und Monate dauert, eilen sie dann nicht selten von einer Wohl- fahrtsstelle zur anderen, um die nötigen Mittel zum LebenSuntcr- halt und zur Beschaffung von bürgerlicher Kleidung zu erlangen. Derartige Vorkommnisse, so heiß: es in der Bekanntmachung weiter, sind geeignet, das Interesse der Kriegsbeschädigten und das Ansehen der Heeresverwaltung erheblich zu schädigen und in der Oeffentlichkeit die Meinung aufkommen zu lassen, daß es an der erforderlichen Fürsorge für die versargungsberechtigten Kriegsteilnehmer fehle. Es ist durchaus unstatthaft, einen Heeres- ungehörigen als dienstunbrauchbar aus dem Lazarett zu entlassen, bevor nicht über seinen Versorgungsanspruch endgültig entschieden ist. Findet vor dieser Regelung aus besonderen Gründen eine Be- urlaubung in die Heimat statt, so ist dafür zu sorgen, daß die Leute die ihnen zustehende Löhnung und Verpflcgungsgebühruissc pünktlich erhalten. Auch die Ersatztruppen sollen sich die Durchführung der Vorschriften angelegen sein lassen, damit Vorkommnisse der obigen Art sich nicht mehr wiederholen. Ein Notstand in der Kleidung der zu entlassenden Mannschaften, die leine bürgerliche Kleidung be- sitzen oder sie nicht rechtzeitig herbeischaffen können, kann im allgc- meinen nicht eintreten, da die für die Heimreise nötigen Stücke leihweise verabfolgt, in besonderen Fällen auch belassen werden dürfen. sNqnnschaften, die etwa aus Erwerbs- oder«inderen Rücksichten die Versorgung mit einem Anzüge durch das Rote Kreuz an- streben, sind hierzu von den entlassenden Dienststellen mit Aus- weisen darüber zu versehen, daß sie als wirklich bedürftig anzu- sehen sind.__ Letzte Nachrichten. Ter französische Tagesbericht. Paris, 2. Juni. kW. T. B.) Amtlicher Bericht von 3 Uhr nachmittags. Im Abschnftt nördlich von A r r a s dauerte der Kampf heute nacht fort. Im„Labyrinth" südöstlich Neuville nahmen wir mehrere Schützengräben und machten neue Gefangene. Die Gesamtzahl der an dieser Stelle seit Montag abend gemachten Gefangenen übersteigt 450. In Neuville selbst eroberten wir eine Häusergruppe, wo wir uns trotz mehrerer Gegenangriffe behaupteten. Auf den anderen Teilen des Abschnittes, besonders bei Lorctto fanden Artilleriekämpfe statt. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Außer einem zweimal wiederholten B o m b a r d e- ment von Reims, das sich besonders gegen die Käthe- drale richtete._ Die Flottenaktioneu an der Adria. Rom, 2. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agenzia Stefani. Ter Admiralstabschcf teilt mit: Gestern(Dienstag) kreuzte unsere Flotte den ganzen Tag über in der Nähe des dalmatinischen Archipels, aber aus den bisher eingelaufenen Meldungen geht nicht hervor, daß der Feind sich hätte sehen lassen. Erneute deutschfeindliche Unruhen in London. Paris, 2. Juni.(W. T. B.) Nach Londoner Blättermeldungen 'ind infolge des letzten Z e p p e l i n a n g r i f f e s in London ernste deutschfeindliche Unruhen ausgebrochen. Zahl- reiche Läden wurden zerstört. ItoiderrnfUeh näcäiste Woche. Zletiung 8., 9., 10., 1 1., 12. 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Lehmann, Kottbuser Damm 8. hiv. Paul Bölim, Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch. Engelujer 15. Artllsrsh«!. Karl Schtöarzlose, Bismarckstr. 28. ex. H. Hornig. Marienthaler Str. 13, I. ISorsigwaUie. Paul Kienast, Räuschstr. 10. Ciiariutteiiburg. Gustav Scharnperg, sejenbeimer Str. 1. ib'r'iiLtirichsiliagea. Ernst Werkmaun, Köpenicker Str. 18. Ciruaaa. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Max Gonschnr, Parkstr. 23 Kurlistioi-tt. Oskar Schaarschuridt, Auguste-Bilwria-Str. 18. klöpcalch. Emil Wistler» Kietzerstr. 8, Laden. S-iciltvabvcg I. Otto Seikel, Wartenbergstr. 1. I-ichtSabcrg II. A. Rosentrauz, Alt-Boxhagen 58. Aseahälla. 21t. Heinrich, Neclarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Rohr, Siegjriedstr. 28/29. Xfctlci'-hlcttQavv» eitle. Wilh. Unruh, Brüclenstr. 10. Zsowav»'««. Kar! Krähnberg, Friedrichkirchplatz 27. Odtir-j�cbiiaesvcitle. Alfred Bader, Wilheiminenhoistr. 17, Laden. I'aaht,-«'. Otto Risimann, Mühleiistr. 30. üclaichoads«?!. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. d»ch»ii«i>tirg. 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Juni, nach- mittags 3 Uhr, vom Krematorium, Gerichtstratze, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 205/6 Der Borstand. Slm Dienstag, den 1. Juni, ! nachmittags 4-/., Uhr, verstarb ! nach langem, schwerem Leiden ! meine liebe Frau, unsere gute I Mutter Bmma Jaenicke geb. Schulz. Um stille Teilnahme bittet der trauernde Gatte Julius Jaenicke nebst Töchtern, �Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 5. Juni, nach- mittags 3 Uhr. im Krematorium, Gerichtstratze, statt. 1A Kränze verbeten! Männerclior fioriien. M. d. D. A.-S..B. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sangesbruder Otto Kode! verstorben ist. Sein Andenken werden wir in Ehren hallen. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Zentral- sriedhof in Friedrichsfelde statt. Erscheinen aller Sangesbrüder ist Pflicht, 1823b Her Tor«taa ZEiitFal-VEfliaiid dBF Bötte!iEF,| WeinkileF uJlfsaFbBOEntsElü. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege �Vilhelm Mögelin am 31. Mai im Atter von 65 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der L-ichenhalle des Georgen- Äirchhoses in Weißensec, Rölcke- straße, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 22/1 Ter Borstand. ü» Gestern abend verschied Plötz- lich und unerwartet meine liebe, unvergeßliche Frau, meine treu- sorgende Mutter, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante, Frau Inn Brückner Schmidt im 46. Lebensjahre. In tiefer Trauer Rodert Brückner Erna Brückner Berl!n-Willnersdors,Augustastr.56, den 31. Mai 1915. Die Beerdigung findet ani Freitag, den 4. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des Wil- mersdorser FriedhoseS, Berliner Straße 100/103, aus statt. 33A Nachruf. Am 31. Mai verstarb nach langem Leiden unser Sanges- bruder Heinrich. Die Beerdigung- fmdet heute Donnerstag, 3. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Wllmersdorfer Friedhofes.Berliner Straße, aus statt. 3ZA Männer- Gesangverein.Abendrot-' Wilwarsdorf. FfeIe TuFtiEFSCtiait RumniBlsliiiFg und lliippd. (M. d. A.-T.-B.) Als zweites Opfer des Welt- krieges fiel unser lieber Turn- genösse Msx Heinze im Alter von 21 Jahren. In den Kämpfen am 19. Mai schwer verwundet, erlag er am 24. Mai seiner Berwundung im Feldlazarett 72. Sein ausrichtigcr. freundlicher Charakter sichert ihm ein ehren- des Andenken. 1816b Bor Vorstand. Leicht sei ihm die sremde Erde. Fern von der Heimat und von t seinen Lieben starb om 29. April � den Heldentod fürs Baterland./ imscr Zeichner, der Einjährig- freiwillige, Gesreitci Paul Heise im blühenden Alter von 21 Jahren. Wir werden ibm allezeit ein z ehrendes Andenken bewahren. Das gesamte Personal der Firma A. Stavenow (Inh. Teicherl). In der Blüte des Jugend, Iii der Fülle der Kraft, Hat des Feindes Kugel Dich dahin gcrafit. Nun bist Du gekrönt Nach blutigem Streit Mit der Krone des Lebens, In Ewigkeit. 1824b| Nachruf. Am 19. Dezember 1914 siel beim{ Sturmangriff unser lieber Kollege.| der Reservist 66A| Karl Gustav Höhne im Alter von 25 Jahren. Ehre seinem Andenke«: Tie Sckimiede der Mruia Schwartzkopffj Abt. Scheringstraßc. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 21. Mai, scrn von der J Heimat, unser lieber Sohn, Bruder und Neffe, der Steindrucker Brich Oesircich im 26. Lebensjahr. In bitterem Schmerz Max und Minna Oestreich, als Eltern. Wally Oestreich, als Schwester. Alex Oestreich, als Bruder, zurzeit im Felde. Fritz Oestreich, als Onkel, zurzeit im Felde. Ruhe sanft in Feindesland, Unsere Liebe deckt Dich zu. Am 21. Mai fiel aus�dem I Schlachtfelde unser guter söhn,! Bruder und Bräutigam, der! Reservist 5?i! Bruno Hhlemann im äütev von 25 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Faul l'hleraann und Frau. Emil Fhlemann. z Z. im Felde. Georg Fhlemann. Hartha Frauken als Verlobte. Familie Franken. Leicht sei ihm die fremde Erbe. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzipenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Hartha Seelenbinder sage ich meinen herzlichsten Dank, besonders dem Gesangverein und dem Pastor Höhner. 48A -kugn-it Seelenbinder nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes des Tischlers keonhafll Paul sagen wir allen daran Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 77A Witwe Berta Fan! nebst Kindern. ■Jecies Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 3, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Monntsauzüge, nur wenig ge- tragen. 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Nach dem Beschluß des S e n i o r e n k o n v e n ts soll das Gesetz an die Kommission zurückverwiesen werde n. Abg. Dr. v. Trampczynski sPole): In der Form, die die Kommission denl Gesetz gegeben hat, ist es unverwendbar. Wir müssen es daher an die Kommission zurückverweisen. Wir bitten aber, die Mitglicderzahl der Kommission so zu erhöhen, daß auch wir in ihr vertreten sind. Wenn ivir auch mit Bedauern feststellen müssen, daß die Regierung und der Landtag die Ausnahmegesetz- gebung gegen die Polen nicht aufgegeben haben, so erwarten wir doch, daß man uns wenigstens eine Vertretung in dieser Kommission, an der wir das größte Interesse haben, gewährt. Abg. Pappciihcim ik.): Der Landtag ist bisher nur vertagt, noch nicht geschlossen, die Wohnungsgesetzkommission besteht also noch, und es liegt gar kein Grund vor. ihre Zusammensetzung zu ändern. Abg.� Dr. P ach nicke(Vp.): Wenn die Kommission auch noch besteht, so haben ivir doch selbstverständlich das Recht, sie zu ver- stärken, wenn uns dies zweckmäßig erscheint. Da Zweckmäßigkeit und Billigkeit dafür sprechen, den Wunsch der Polen zu erfüllen, beantrage ich. ihm stattzugeben.(Beifall links.) Abg. Schrödcr-Kassel(natl.): Wir sind damit cinverstanden, daß dem Wunsche der Polen entgegengekommen und die Konimission um ein Mitglied verstärkt wird. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Herr v. Pappenheim wird doch auch wollen, daß in der Kommission eine Verständigung erreicht wird. (Sehr gut! links.) Dann ist cS aber selbstverständlich, daß auch die Polen in ihr vertreten sein müssen,(«sehr richtig! links.) Abg. Dr. Porsch(Z.): Auch ivir wünschen dringend, daß eine Verständigung in der Kommission herbeigeführt wird und sind daher auch für eine Vertretung der Polen. Abg. Fr Hr. v. Zedlitz(ft): Aus demselben Grunde werden meine Freunde dem Antrag der Polen zustimmen.(Heiterkeit.) Abg. v. Pappcnheim ik.) zieht hierauf unter großer Heiterkeit des Hauses seinen Widerspruch zurück. Die beantragte_ Verstärkung der Kommission wird beschlossen. und das Wohnungsgesetz an diese Kommission verwiese n. Das Gesetz auf Abänderung dcS Gesetzes, betreffend die Für- sorgeerziehung Minderjähriger, wird ohne Debatte angenonimen. Ein Antrag deS Abg. Brust(Z.) auf Ergänzung des Knapp- schaftskriegsgcsetzes wird an die Handels- und Gewerbekommission verwiesen. Anträge dcS Abg. v. Strombcck(Z.) und Dr. Arendt(fk.) auf Besteuerung� der Kriegsgewinne, sowie die Novelle zur Verordnung betreffend ein vereinfachtes Enteignungsverfahren zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und zur Beschäftigung von Kriegsgefangenen gehen an die� verstärkte Budgetkommission. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Graf Schwerin-Löwitz erhält die Ermächtigung, Tag und Stunde der nächsten Sitzung festzusetzen, jedoch nicht vor Donnerstag nächster Woche.— Auf die Tagesordnung tollen an erster Stelle Anträge der verstärkten Budgetkommission und daS Fifchcreigetetz gesetzt werden. Schluß I Uhr. politische Uebersicht. Abgcordvetenhau«!. In dem Zeitraum von knapp einer Viertelstunde er- ledigte das preußische Abgeordnetenhaus am Mittwoch eine umfangreiche Tagesordnung. Zunächst wurde der Entwurf eines WohnungSgcsctzes nochmals an die Kommission zurückverwiesen. ES soll versucht werden, wenn irgend mög- lich, die Gegensätze zwischen den Parteien auszugleichen; zur Erreichung dieses Zieles ist die Kommission verstärkt worden, damit auch die Polen darin vertreten sind. Die Sozialdcmv- kraten hatten bisher schon einen Sitz. Die Novelle zum Fürsorgccrziehungsgcsctz.dic das Haus schon wiederholt beschäftigt hat, wurde in der vom Hcrrenhause bc- schlossenen Fassung endgültig verabschiedet. Die Verordnung vom 27. März 1915 betreffend ein vereinfachtes Eni- e i g n u n g s v e r f a h r e n z u r B c s ch a f f u n g von Arbeitsgelegenheit und zur Beschäftigung von Kriegs- gefangenen ging an die verstärkte Budgetkommission, ebenso die Anträge betreffend die Besteuerung der Kriegsgewinne. Der Antrag Brust auf Annahme eines Gesetzentwurfs be- treffend Ergänzung des Knappschafts-Kriegs- g e s e tz e s wurde der Handels- und Gewerbekommission überwiesen. Die Geschäftslage des Hauses ist noch völlig im Unklaren, da die Frage, ob Schluß oder Vertagung immer noch nicht endgültig entschieden ist. Zwar hat das Staatsministerium den Schluß des Landtags beschlossen, aber mit Rücksicht darauf, daß die Vertreter aller Fraktionen vor der Sitzung einmütig in einer Konferenz mit Regierungsvertretcrn den Wunsch nach Vertagung aussprachen, ist es nicht ausgeschlossen, lvenu auch nicht gerade allzu wahrscheinlich, daß das Staatsministerium seinen Beschluß abändert. Bevor die Entscheidung gefallen ist, wird das Abgeordnetenhaus jedenfalls nicht an die Er- ledigung von Regierungsvorlagen herantreten. Die nächste Sitzung findet nicht vor Donnerstag statt. Tic Kriegszicle der Nationallibcraleu. Der geschäftsführende Ausschuß der nationalliberalen Partei war in Berlin versammelt und nahm u. a. auch Stellung zu den Kriegszielen. Die„NatioiwUiberalc Korrespondenz" berichtet darüber: „Einmütig wurde der Forderung Ausdruck gegeben, daß die gewaltigen Erfolge unseres unvergleichlichen Heeres und unserer todesmutigen Flotte auch politisch restlos ausgenutzt werden müssen. Insbesondere sei im Westen das zur Siche- rung und Verstärkung unserer Machtstellung zu Wasser und zu Lande nötige Gebiet politisch, militärisch und Wirtschaft- lich an das Deutsche Reich anzugliedern. Im Osten müßten nicht nur strategisch bessere Laudesgrciize», sondern auch neues Sicdlungsland erworben werden. Unser überseeischer Besitz endlich sei in U m fang und Gestaltung unseren Jnter- essen als Welthandelsvolk entsprechend auszubauen, wobei unser bisheriges Kolonialreich, das in diesem Kriege so treu für das Vaterland gestritten hat, erhalten bleiben müsse." Gegen Annexionen. Ueber die bereits erwähnte„Konferenz für die Zukunfts- Interessen der Menschheit" weiß das„Berliner Tageblatt" zu berichten: Es referierten Professor Broda über„Die Heiligkeit der Verträge" und Reichstagsabgeord- nctcr Vogthcrr sowie Professor Dr. Forel über„Die Annexion von Landgcbietc n". Die vorgelegte Entschließung verurteilte den Bruch von Verträgen und nannte als einziges Beispiel die Verletzung der belgischen Neu- tralität durch Teutschland! Tie Mehrzahl der Deutschen erklärte, bei Annahme dieses Passus den Kongreß verlassen zu müssen, da er einseitig und ohne Prüfung der Gesamt- Verhältnisse Deutschland verurteile. Da der Einbringer eine Aenderung ablehnte und die Deutschen an ihrer Erklärung festhielten, so schien die Spaltung unvermeidlich, und der Vorsitzende kündigte für diesen Fall die Schließung der zwecklos gewordenen Konferenz an. Die Spannung wurde auch nur wenig gelöst durch die mutige Erklärung der Italiener, daß, wenn man einmal Beispiele von Vertragsverletzungen nenne, Italien nicht fehlen dürfe. Nunmehr verzichtete unerwartet Herr Hubbard auf die Er- wähnung Belgiens. Die darauf einstimniig angenommene abgeänderte Entschließimg spricht die Forderung aus:„daß der Grundsatz der Heiligkeit der Verträge m i t a l l c n m o r a l i s ch c n G a r a n t i c n(ö f f e n t l i ch e Meinung der K n l t u r w e l t) und aller m a t c r i° c l l c n Sicherung(s u p c r n a t i o n a I c I u st i z) um- geben werde, um auf Grund des Gewissens der ver- einigten Kulturwelt es unmöglich zu machen, daß Vergehen solcher Art nochmals geschehen können, als da sind Neu- tralitätsverletzungen und ungerechtfertigter Bruch der natio- nalen Verträge." Gegen Annexionen, zumal ohne Zustimmung der betreffenden Bevölkerung, sprach sich sodann der Kongreß, wie zu erwarten war, einmütig aus. Ueber den Völker haß und seine Bekämpfung referierten in aus- gezeichneter Weise Stadtpfarrer Umfried und Baron V. Wränge! lein Deutschbalte, der lange in russischem Staatsdienst ge- standen hat)._ Zur Geschichte des Dreibundes. Die„Kreuz-Zeitung" schreibt: „Der frühere Gesandte in Rom, Gras M o n t s, ist bereits 1gv8 für die Ablösung Italiens vom Dreibund eingetreten, als Italien in dem Abschluß seines Mittekmeerabkominens mit Frankreich und durch seine Haltung auf der Konferenz von AlgeciraZ sich für jedermann deutlich auf die Seite Frankreichs hinüber begeben hatte. Für eine eingehende Erörterung dieser Frage ist heute noch nicht die Zeit. Aus der Darlegung der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" geht jedenfalls hervor, daß das Bündnis seit Illvs tatsächlich schon nicht mehr b e st a n d. Was es trotzdem noch hätte leisten können, nämlich durch die Möglichkeit sreundschastlicher Einwirkung Deutsch- lands den albanischen Gegensatz zwischen Italien und Oesterreich auszugleichen, hat es nicht geleistet. Dadurch aber, daß es trotzdem weiter erhalten wurde, hat es doch wohl unsere öffentliche Meinung über die tatsächliche Machtstellung Deutsch- lands in den letzten Jahren vor dem Kriege ge- täuscht. Denn von ihr ist trotz aller Bedenken politisch wie militärisch daS Bündnis mit Italien immer in unsere Zukunfts- berechinnigen eingesetzt worden. Deshalb ist ja die Eni- t ä u s ch u n g unserer öffentlichen Meinung über diesen heutigen Ausgang doppelt groß." Die„Kreuz-Zeitung" bestätigt damit indirekt die Forde- rung, daß die öffentliche Meinung rechtzeitig und eingehend über die diplomatischen Beziehungen der Völker untereinander unterrichtet wird. Die Geschichte des Dreibundes, die ja leider heute noch nicht vollkommen beleuchtet werden darf, ist in der Tat eins der überzeugendsten Beispiele für die Not- wendigkcit, die Institution der Gcheimdiplomatic zu bc- seitigen. Kriegsdaucr und Lebensmittelversorgung. Eine auffällige Mitteilung, die geeignet ist schärfsten Wider- spruch herauszufordern, bringt die„Post". Dem Blatte wird zu der Frage der LebcnSinittelversorguiig von„unterrichteter Seite" geschrieben: „Bis zum Wiederzusammentriit des Reichstags im August wird sich der Bundesrat schlüssig gemacht haben über den Wirtschaftsplan für das neue Erntejahr. Im Bundesrat ist man ebenso wenig wie im Reichstage der Meinung, daß der Krieg bald beendet sein werde; im Gegensatz zu gewissen Jucker- interessentcn, die in dieser Hoffnung mit ihren Zuckervorräten zurück- hielten, uni sie nach Friedensschluß zu erhöhten Preisen loszuschlagen. Diesen Bestrebungen hat der Bundesrat durch seine neuesten Zucker- Verordnungen entgegen zu wirken versucht. In manchen militärischen Kreisen hört man freilich auch die Meinung äußern, daß eine baldige entscheidende Niederlage Italiens uns dem Kriegsende wesentlich näher bringen werde, weil der Dreiverband auf weitere Hilfsvölker dann nicht mehr rechnen könne. Das müssen wir abwarten. Jedenfalls richtet sich der Bundesrat auf eine längere Kriegsdaucr ein. Was von den bestehenden Einrichtungen beibehalten werden soll, wird eingehender lleberlegung bedürfen;' im allgemeinen besteht keine Neigung, es mit neuen Organisationen zu versuchen, weil diese auch wieder ihre Kinderkrankheiten durchzumachen hätten. Sicher wird eine Rcichszentralstellc geschaffen, wenn auch nicht nach sozialdemokratischem Muster, das nicht nur aus verfassungS- rechtlichen Gründen abgelehnt wurde, sondern auch aus der Erwägung heraus, daß die in dein Ausschuß vertretenen Parlamentarier je nach ihrer wirlschaftlicheir Auffassung sich zum Schaden der gemeinsamen Sache in politische Kämpfe verwickeln könnten. AuS diesem Grund wird der neue WirtschaftSplan auch de in Reichstage nicht zur Gutheißung vorgelegt werden— wie hier und da in parlamentarischen Kreisen angenommen worden ist. Gleichwohl darf man vertrauen, daß etwas Zweckmäßiges zum Ausgleich aller Interessen geschaffen werden wird, wobei auch der Konsumeittenstandpunkt nicht zu kurz kommen wird. Für diesen be- steht auch im Bundesrat volles Verständnis. Schließlich gehören ja auch die B u n d e s r a t s b e v o l I m ä ch t i g t c n mit ihren An- gehörigen zu den Kons u m c n t e n." Solllcn die in dieser Zuschrift angedeuteten Pläne tatsächlich Ver- wirklichung sinden, so bedeutete das eine völlige Ausschaltung des Reichstages, die um so erstaunlicher wäre, als bekanntlich das Abgeordnetenhaus hauptsächlich auf Betreiben der Konser- vativen einen bis zur„milden Form d c r O b st r u k t i o n" (wie ein bürgerliches Blatt schreibt) gehenden Druck auf die Re- gierung ausübt, um sich bei der Frage der LcbcnSiriittclvcrsorgung nicht ausschalten zu lassen._ „Burgfricdlichc" Bemerkungen. Die„Köln. Ztg." schreibt: „Diese flammende Rede des Abg. Schiffer, an der Tewpc- ramcnt und Wortgewalt soviel Anteil hatten wie Formcnschönhcit und klarer Ausbau des Gedankens, gebärt in ihrer Wirkung auf das Haus zu den stärksten, deren Echo seit Kriegsbeginn im VolkL- harrsc widerhallte. Konnte etwas den Redner noch weiter führen zum gewaltigen Anschlagen nationaler Töne, dann war es. eine Szene, die wieder einmal dev noch bei den Sozialdemokraten sitzende bekannte Skandalmacher hervorrief;' die läppisch kindische Art, in der dieser Jammerknabe mit den Vorrechten des Volks- Vertreters umspringt, kann bald nur noch als Irrsinn beurteilt werden. Das Haus hat cS aber satt, die Schellen läuten zu hören, wenn er den Narrenkopf schüttelt. Der Abg. Schiffer hat dieses Gebaren mit dem richtigen Gemisch von Nachdruck und Verachtung gebrandmarkt. Wie weit die Sozialdemokratie cn:- scrnt war, sich vorspannen zu lassen, damit das übliche Lebens- zeichen dieses Herrn noch schnell vor der Vertagung in die Paria- mentarischcn Akten eingezeichnet werde, das zeigte ihr bcgrüßeus- wertes Verhalten bei dem diesmaligen feierlichen Schlußakt. Mit allen übrigen Parteien nahmen alle anwesenden Mitglieder der Sozialdemokratie jene Formen wahr, die dem M o n- archen nach parlamentarischem Herkommen die Ehrerbietung erweisen und der Ruf für Kaiser und Heimat erscholl durch ein einiges Haus." Volksabstimmung über die Kriegssteuer in der Schweiz. Zu der am Souniag, den 6. Juni, stattfindenden Volks- abstininuing über die Entrichtung einer einmaligen KriegSsteucr haben die Parteien ihre Aufrufe an daS Volk, genauer an die 830 in Massen ein Ja! in die Urne Da auch die Mitglieder des Bundesrats selbst im Lande herum- reisen und in großen Versammlungen der bürgerlichen Parteien für die Annahme der Vorlage eintreten, dürsle sie gesichert sein. )kus öer Partei. Zur Partrizersplittrrung in Holland. In dieser Angelegenheit druckt die„ B r e in c r Bürger- z e i t u n g" folgende Zuschrift der Genossin R o I a n d- H o I s't ab: Earen(Holland), 2v. Mai 191ö. Werte Genossen! Unter dem Titel„Parteizersplitterung in Holland" bringt Ihre Nummer vom 29. Mai eine kleine, dem Presse-Bureau" eiitlehntc Notiz, die fast ebensoviel Unrichtigkeiten als Zeilen enthält. Gesiciileir Sie mir, die schlimmsten davon richtig zu stellen. Der„Revolutionär- sozialistische Verband" ist die Vereinigung einiger(bis jetzt süirs bis scckis) lokaler Gruppe», sog.„Sozialdemo- kralischer Klubs", die zum Zwecke der freien Diskussion und Pro- paganda in den letzten Zeiten spontan entstanden sind, als Folge des nationale» Standpunktes, worauf die vs. D. A. V. sich auf ihrem zu Ostern abgehaltenen Parteitage festgelegt hat. Der Verband betrachtet sich zurzeit nicht als eine Partei, da er keine Politik im gewöhnlichen Sinne treibt*), und jeder Sozialist, der die vorläufige Prinzipienerklärirng**) unterzeichnet, in ihn eintreten kann, also auch die Mitglieder der bestehendeu sozialdernokratisckicu Parteien, sowie Siiirdikalisten, Christliche Sozialisten und Unorganisierte. Er zählt in seinen Reihen Mitglieder von beiden sozialdeinvlratischcu Parteien, die in ihm im besten Einverständnis zusainmenwirkeir. Er erfreitt sich selbstverständlich der Sympathie tvedcr der Leitung der i-?. D. V.;— jedoch, er erwartet, daß beide Parteien die Unduldsamkeit nicht soweit treiben werden, ibren Mitgliedern den Eintritt in den Verband zu verbieten. Das vorläufige Ziel des Verbandes ist die Klärung der Köpfe im Sinne de? internationalen, revolutionären Sozialismus und die Zusammen- sassung der rev.-soz. Kräfte in einer interparteilichen Organisation. In dieser Werse glaubt er für Holland am �wirksamsten die Erneuerung der Internationale(also nicht: die Stistung einer neuen Internationale) vorzubereiten. In bezug aus den Militarismus steht der Verband auf dem Slandpuntt der rmbedingten scharfen Bekämpfung des Militarismus in jeglicher Form und unter allen Ilm- ständen. Daß er für das eigene Land die Forderung der allge- meinen Wehrpflicht erhebt, ist also unwahr. Der Verband gibt eine Ileine Monatsschrift„Die Jnternatio- nale"(in der Art der„Lichtstrahlen"), heraus, deren erste Nummer bald erscheinen wird. Mit sozialdemolratischein Gruß Henriette Rolaud-Holst. Ein ProlctaricrloS. In Waldenburg ist ein braver Parteigenosse, der Kolporteur Heinrich F u h r m a rr n, dahingegangen. Als früherer Gruben- arberter gcinaßregelt, hat er dann als Kolporteur seine ganze Kraft und Tätigkeit in den Dienst der politischen und gewcrlschastlichcn *) Zwar kann er teilnehmen an„allgemeinen Arbeiterbewegungen", sowohl zur Propagandierung seiner Grundsätze, als weil er über- zeugt ist,„daß eS in rebolutionären Zeiten bloße Theoretiker nur auf feiten der Reaktion gibt". **) Eine llebersetzung ist in Fluß und wird der ausländischen Parteipresse baldmöglichst zugeschickt iverdcn. ArveiterLewegung gestellt. Mehrere längere GefängniZstrafen wurden nber ihn verhängt, und besonders die letzte viermonatige hat viel zu seinem frühzeitigen Tode, er war erst 38 Jahre alt, beigetragen. »rank und vollständig zermürbt kam er aus dem Gefängnis zurück, so dah er seine Bernsstätigkeit nicht wieder aufnehmen konnte. Nach kurzer Zeit erblindete er vollständig. Eine kranke Frau und fünf ninder trauern am Grabe dieses für die Waldcnburger Arbeiterschaft Unvergeßlichen Kämpfers. J\\X9 Znöustne und Kandel. Höchstpreis und Kricgsgctrcidcgesellschaft. Die Kriegsgetreidegesellschaft teilt mit: In verschiedenen Tageszeitungen wurde berichtet, daß die Kriegs- gctreidegesellschaft Roggen, der gedörrt und trotzdem zu Mahlzwecken nicht mehr verwendbar war, am 29. Mai durch einen Kursmakler der Berliner Börse zu Futterzwecken verkaufen ließ und daß der Roggen 501 M. für die Tonne erbracht habe. Es sei bemerkenswert, daß sich für die Kriegsgetreidegesellschaft über das Doppelte des Preises ergeben habe, der dem Landwirt bezahlt wurde. Der Auftrag zum Verkauf ist in der selbstverständlichen Voraus- setzung von der KriegSgetreidegesellschaft erteilt worden, daß nach den Vorschriften des Gesetzes keinesfalls mehr als der Höchstpreis für Roggen erzielt werde. Der von dem Kursmakler an der Berliner Börse abgeschlossene Verkauf ist, weil er gegen ein gesetzliches Verbot verstößt' nichtig. Die Kriegsgetreidegesellschaft hat alsbald nach erhaltener Mitteilung den Makler hiervon verständigt und ihm eröffnet, daß der Kaufvertrag nicht ausgeführt werden dürfe. Im vorliegenden Falle ist dem Landwirt für die von ihm ge- lieferten 10 Tonnen Roggen der Höchstpreis mit einem Abzug von UM. für die Tonne bezahlt worden. Selbst wenn die Kriegs- gctreidegesellschaft für die nach dem Darren verbliebenen acht Tonnen den vollen Höchstpreis erhalten sollte, wird ihr unter Berücksichtigung ihrer Auslagen eine weit geringere Summe verbleiben, als sie dem Landwirt gezahlt hat. Die LS hat erheblichen Schaden erlitten, nicht Nutzen, wie in der angeführten Notiz angenommen wird. Sie hat niemals aus solchen oder ahn- lichen Fällen Gewinne erzielt oder erzielen wollen. Die Bagdadbahu. Die 62 Kilometer lange Teilstrecke der Bagdadbahn von Tell-Ebiad nach Tuan, östlich des Euphrat, ist dem Betrieb über- geben worden._ Regelung der Ein- und Ausfuhr in der Schweiz. Das Schweizer Bundesratsmitglied Schultheß teilte in einer Volksversammlung mit, es bestehe der Plan, in der Schweiz einen Einfuhrtrust zu schaffen, der als Vermittler sür die Einfuhr von Rohmaterialien dient und auch über den Export zu wachen hätte. Eine Exportmöglichkeit im Austausch gegen absolut notwendige Waren würde vorgesehen. Der Trust enthalte keine Unfreundlichkeit gegen Deutschland und Oesterreich- Ungarn, da diese Länder auch nur bedingungsweise die Ausfuhr von Waren nach der Schweiz be- willigen._ Soziales. Der Ariegsschein und das Jnnungsschiedsgericht. Hinsichtlich der Schadenersatzansprüche bei Verweigerung des Kriegsscheins hat nun auch das I n n u n g s s ch i e d s- g e r i ch t— unseres Wissens zum erstenmal— in seiner letzten Sitzung eine Entscheidung gefällt. Diese Entscheidung steht im Widerspruch zu den Urteilen, welche die Kammer V des Gewerbegerichts und ebenso das Gewerbegericht Neukölln am 19. März und später in einer Reihe gleichartiger Fälle ausgesprochen hat. Der vor dem Jnnungsschiedsgericht der- � Der iläaer ljatte sich wegen einer Lohndifferenz mit dem Ar- beitgeber nicht einigen können. Er hörte deshalb auf, und zwar zu der Zeit, wo er zum Antritt der Nachtschicht erschienen war. Da er den Kriegsschein nicht erhielt und infolgedessen keine Arbeit be- kommen konnte, stellte er sich am folgenden Tage dem Unternehmer, bei dem er aufgehört hatte, wieder zur Verfügung. Der Kläger wurde aber nicht wieder eingestellt und erhielt auch jetzt den Kriegs- schein nicht, so daß er noch länger ohne Arbeit blieb. Für diese Zeit beanspruchte er Schadenersatz. Das Jnnungsschiedsgericht wies die Klage ab mit der Begründung: Der Kläger habe erst am Schluß der Arbeitsschicht aufhören dürfen. Die Lösung des ArbeitSver- hältnisses während des Arbeitstages oder der Arbeitsschicht sei un- zulässig. Ter Kläger habe also unrechtmäßig die Arbeit nieder- gelegt. Deshalb sei die Verweigerung des Kriegsscheins berechtigt gewesen und der Kläger habe keinen Anspruch auf Schadenersatz. Den Umstand, daß sich der Kläger nachträglich wieder zur Arbeit gemeldet hat, hielt das Jnnungsschiedsgericht für unerheblich. Diese Entscheidung steht im Widerspruch nicht nur mit der Rechtsprechung der Gewerbegerichte, sondern auch mit den Entscheidungen des Kriegsausschusses der Metallindustrie sowie mit dem Erlaß der Feldzeugmeisterei und den: auf Grund desselben zwischen deni Verband der Metallindu- striellen und den Gewerkschaften getroffenen Abkommen, wo- durch der Kriegsschein eingeführt wurde. Hiernach kommt es nicht darauf an, ob der Arbeiter unter Jnnehaltung oder unter Verletzung der vorgeschriebenen Formen aufhört, son- dern entscheidend für den Anspruch auf Erteilung des Kriegsscheins ist lediglich der Umstand, ob das Arbeitsverhält- nis mit oder ohne Zustimmung des Arbeitgebers gelöst wird. Wenn der Arbeiter entlassen wird oder wenn er mit Zustim- mung des Unternehmers aufhört, dann ist nach dem erwähn- ten Abkommen der Kriegsschein unbedingt zu erteilen. Wenn der Arbeiter gegen den Willen des Unternehmers aufhört, dann kann ihm der Kriegsschein verweigert werden. Stellt sich ein solcher Arbeiter dem Unternehmer wieder zur Ver- sügung, dann muß er entweder weiterbeschäftigt werden, oder ihm muß der Kriegsschein ausgestellt werden, denn die Zurückweisung des Arbeiters, der sich dem Unternehmer wieder zur Verfügung stellt, ist gleichbedeutend mit Ent- lassung. In diesem Sinne hat der Kriegsausschuß der Metall- industrie stets entschieden. In allen Fällen, wo ein Arbeiter, der sich zur Verfügung stellte, nicht wieder angenommen wurde und auch keinen Kriegsschein bekam, hat das Gewerbe- gericht den klagenden Arbeiter für die Zeit, wo er mangels des Kriegsscheins keine Arbeit bekommen konnte, den geforderten Schadenersatz zuerkannt. Das ist auch durchaus berechtigt und kann nach Lage der Sache gar nicht anders sein. Wenn sich nun das Jnnungsschiedsgericht auf einen ent- gegengesetzten Standpunkt gestellt hat, so ist das wohl dadurch zu erklären, daß dem Jnnungsschiedsgericht, wo ja derartige Fälle nur selten zur Verhandlung kommen, die durch den Kriegsschein geschaffenen eigenartigen Neuerungen im Ar- beitsverhältnis noch nicht genügend bekannt sind. An der Rückkehr aus dem Auslande behindert. Ein eigenartiger Rechtsstreit, der auch noch das Land- gericht beschäftigen wird, lag gestern der Kammer III des Ge- Werbegerichts zur Entscheidung vor. Es handelt sich um die Hwäge, ob ent Arbeiter, der für eine Berliner Firma im Aus- lande beschäftigt war und wegen der Kriegswirren nicht zurückkehren kann, Anspruch auf Weiterzahlung seines Lohnes hat. Eine Berliner Firma hat voriges Jahr, als noch niemand an Krieg dachte, eine Anzahl Arbeiter, darunter einen jetzt als Kläger auftretenden Monteur, nach Spanien geschickt, wo die Firma ein Gaswerk einzurichten hatte. Anscheinend sind die Arbeiten beim Ausbruch des Krieges soweit fertig gewesen, daß die meisten Ar- beiter noch unbehindert zurückkehren tonnten. Bei dem Kläger war dies nicht der Fall. Er hatte noch einige Wochen nach Aus- bruch des Krieges zu tun, und als seine Arbeit fertig war, konnte er nicht mehr nach Deutschland zurückreisen, ohne befürchten zu müssen, daß er unterwegs durch ein französisches oder englisches Kriegsschiff als Kriegsgefangener— er steht im wehrfähigen Alter — abgeführt worden wäre. Der Kläger hält sich heute noch in Spanien auf, und es ist ihm— wie sein Vertreter vor dem Ge- Werbegericht sagte— aus den angeführten Gründen nicht möglich, zurückzukehren, auch kann er in Spanien keine Arbeit finden. Der Kläger fordert deshalb, daß die Firma ihm beziehungsweise seiner in Berlin lebenden Familie den Lohn für die verfloffene Zeit nachzahlt und bis zur Möglichkeit der Rückkehr weiterzahlt. Der Kläger beruft sich auf ein mit der Firma getroffenes vertragliches Abkommen, wonach sich die Firma bei Antritt der Arbeit ver- pflichtet habe, den damals vereinbarten Lohn, wovon 30 M. an seine Frau in Berlin jede Woche abzuführen waren, bis zur Rück- kehr des Klägers nach Berlin zu zahlen. Die Firma sagt dagegen: Allerdings sei eine solche Verein- barung getroffen. Dabei babc man aber nicht an den Krieg denken können, sondern als selbstverständlich annehmen müssen, daß die Rückreise sofort nach Fertigstellung der Arbeit erfolgen könne. Die Firma halte sich nicht sür verpflichtet, den Lohn weiterzuzahlen, da der Kläger sür sie keine Arbeit leiste, und es nicht ihre Schuld sei, wenn der Kläger nicht zurückkehren könne. Die Firma habe noch bis Zlopember wöchentlich 30 M. an die Frau des Klägers gezahlt, aber nur als Vorschuß auf den künftigen Arbeitsverdienst des Klägers. Die Zahlung habe die Firma dann eingestellt, weil sonst die Schulden des Klägers ins Ungemessene wachsen würden. Gleichfalls als Vorschutz habe die Firma dem Kläger, um ihm den Lebensuuterhalt zu ermöglichen, wöchentlich 25 Pesetas gezahlt. Dieser Betrag werde dem Kläger auch jetzt noch durch Vermittelung der spanischen Filiale der A. E. G. regelmäßig ausgezahlt, ohne daß die Firma eine Verpflichtung dazu anerkenne. Nach langen Verhandlungen und Vergleichsversuchen erkannte das Gericht auf Abweisung der Klage mit der Begründung: Eine rechtliche Verpflichtung der Firma zu Zahlungen an den Kläger bestehe nicht. Das Abkommen, wonach der Frau des Klägers, so- lange er in Spanien sei, wöchentlich 30 M. zu zahlen seien, könne nur dahin ausgelegt werden: solange die Arbeit dauert. DaS Berufungsgericht dürfte diese Entscheidung schwer- lich aufrecht erhalten. Die Behinderung des Arbeiters ist eine nicht von ihm verschuldete. Sein Aufenthalt' in Spanien ist im Interesse der Firma genommen. Diese muß also auch das Risiko, das durch die Entsendung ins Ausland erfolgt ist, tragen. Es kommt hinzu, daß der Kläger noch nicht ent- lassen ist._ Gerichtszeitung. Belästigung von Frauen. Der Arbeiter Wilhelm R ö b e l e r hatte sich gestern wegen einer gegen zwei weibliche Fahrgäste der Straßenbahn ausgeführten groben Pöbelet vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu perantworten. Die beiden Frauen standen auf der Hinteren Plattform eines Straßenbahnwagens, der durch Moabit fuhr. Sie erregten aus nicht zu erkennender Veranlassung den Aerger des auf der Straße befindlichen Angeklagten, der ihnen plötzlich ohne Grund eine Flut der gemeinsten Schimpsworte entgegenschleuderte. Als die eine der in dieser Weise belästigten Frauen dem Angeklagten ibre Ver- achtung durch Ausspcien andeutete, wurde dieser ganz rabiat und sprang auf den Wagen mit der ausgesprochenen Absicht, die beiden Frauen ins Gesicht schlagen zu wollen. An der Ausführung dieser Absicht wurde er durch den Schaffner verhindert, der mit ihm, nach- dem er ihn wiederholt vergeblich zum Verlassen des Wagens auf- gefordert hatte, in ein böses Handgemenge geriet, in desseri�Verlauf eine Scheibe des Wagens eingedrückt wurde. Erst als dem Schaffner ein Kollege von einem andern Wagen zu Hilfe kam, gelang es. den Ruhestörer an die Luft zu setzen. Der Angeklagte bat, mit Rück- ficht auf seine Frau und seine Kinder von einer Gefängnisstrafe abzusehen, um so mehr, als er schon auf der Stelle erhebliche Züch- tigungen erhalten habe. Das Gericht hielt an sich eine recht fühl- bare strafe für einen solchen Exzeß für geboten, nahm aber zu- gunsten des Angeklagten an, daß er angetrunken gewesen und schon über eine gehörige Tracht Prügel habe quittieren müssen und ver- urteilte ihn zu 2 Wochen und 5 Tagen Gefängnis. Er wollte Soldat werden. Ein jugendlicher Durchbrenner, dessen Traum von Sol- datenglück und Ruhm durch die Bahnhofspolizei in Hamburg ein jähes Ende bereitet worden war, stand gestern in der Per- son des lojährigen Arbeiters Fritz B a i e r t vor der 6. Straf- kanimer des Landgerichts I, welche gegen B. eine Anklage wegen Betruges gegen den Eisenbahnfiskus und Fälschung einer öffentlichen Urkunde zu verhandeln hatte. Der jugendliche Angeklagte hatte in einer illustrierten Zeit- schrift die Photographie eines angeblich wegen besonderer Tapfer- keit vor dem Feinde zum Unteroffizier beförderten löjährigen Jünglings gesehen, der die Gefangennahme von 240 Engländern ermöglicht hatte. Diese Tat des kleinen Helden ließ in ihm den Entschluß reif werben, es dem Gleichalterigen nachzumachen und ebenfalls trotz seiner Jugend dem Vaterlande zu dienen. Da er wußte, daß er hier nicht als Soldat eingestellt werden würde, hoffte er nach Belgien zu kommen, in der Annahme, daß cs dort nicht so genau genommen würde. Der Zufall ließ ihn die Bekanntschaft eines ehemaligen Unterofsiziersschülers Willi Lergholz machen, der seinen Eltern durchgebrannt war. um sich bei der Marine zu stellen. Bergholz batte einen Transportschein gefunden, den ein Soldat, der verwundet zurückgekommen war, verloren hatte. In der Absicht, über Köln nach Belgien zu kommen, radierte der Ange- klagte die Ortsnamen aus und fälschte den Schein in der Weise, daß er vielleicht tatsächlich nach Belgien gekommen wäre, wenn er nicht das Pech gehabt hätte, auf dem Lehrter Bahnhof versehentlich den nach Hamburg fahrenden Zug zu besteigen. Der polizeilichen Bahnhofskontrolle in Hamburg fiel das junge Bürschchen auf, zumal sich aus dem Schein der Vermerk befand, daß der Inhaber als Verwundeter die Kontrollstation in Breslau passiert habe. Der zukünftige Vaterlandsverteidiger wurde einem Verhör unterzogen, bei dem er schließlich eingestand, den Schein gefälscht zu haben. Die Folge war die jetzige Anklage, die ihn, wenn er schon das Alter von 18 Jahren erreicht hätte, vor das Schwurgericht gebracht hätte, da der von ihm gefälschte Schein als öffentliche Urkunde anzushen war.— Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Staatsanwalt Ortslieb beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten, während der zum Offizialverteidiger bestellte Referendar Schindler als strafmildernd darauf hinwies, daß die Tat des Angeklagten lediglich ein Produkt der durch die ganze deutsche Jugend flutenden patrio- tischen Begeisterung gewesen sei. Das Gericht stimmte dieser Ansicht auch zu und verurteilte den Angeklagten nur zu 3 Wochen Ge- fängnis, welche durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Der Angeklagte wurde auf freien Fuß gesetzt, aber der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge" zur weiteren Verfügung übergeben. Gewerkschaftliches. verlin und Umgegend. Ter Berliner Arbeitsmarkt im April Ivla. Wenn auch die Bestellungen auf Kriegslieferungen etwas nachgelassen haben, so bleibt nach den an den Zentralverein für Arbeits- Nachweis gelangten Berichten für detl Monat April 1915 die Nach- frage nach männlichen Arbeitskräften infolge der fortgesetzten Ein- berufungen doch sehr rege und wird von dem Angebot nicbt gedeckt. Auf 100 offene Stellen entfielen im Berichtsmonai nur 89 Arbeits- angebote von Arbeitern gegenüber 166 in der gleichen Zeit des Vor- jahres und 82 im März. Mangel an Arbeitern bestebt bei der Gärtnerei und Landwirtschaft; Klempner, Schlosser, Maschinisten und andere sind sehr knapp, bei Buchbindern, Barbieren, Bäckern und vielen anderen Berufszweigen ergibt sich infolge der Einberufungen Arbeitermangel. In die freigewordenen Stellen der Männer rücken zum Teil Frauen ein, weibliches Kontorpersonal ist sehr gesucht, Dienstbotenmangel bestebt, da die weiblichen Kräfte zu guten Löhnen in Heeresbedarfsartikeln Beschäftigung finden. Bezeichnend ist, daß am 1. Mai die Zahl der weiblichen Kassenmitglieder die der mäiin- lichen übertroffen hat, bei den Männern ist ein Rückgang von rund 10 000, bei den Frauen ein ebenso großes Anwachsen der Mitglieder zu verzeichnen.� Die Beiträge der Landesversicherungsanstalt Berlin zeigen gegen die früheren Monate keine wesentliche Aenderung. Deutsches Reich. Der Zentralverband der Fleischer in der Kriegszeit. Der Verband hatie am Schlüsse des zweiten Quartals 1914 6944 Milglieder einschließlich 324 weibliche. Da das Durchschnitts- alier der Milglieder wie überbaupl aller im Fleischerberuse Be- schäftigten das 30. Lebensjahr nicht übersteigt, die Berussangehörigen auch fast alle kräftige Personen sind, so war vorauszusehen, daß die Zahl der zum 5iriegsdienst Verpflichteten eine überaus große sein würde. Arbeitslosigkeit hatte sich im Fleischergewerbe nicht ge- zeigt, im Gegenteil, es war großer Mangel an Arbeits- lräften, weil die Wurstfabriken und die Fleischkonservensabrikcn große Aufträge an Lieferungen von der Heeresverwaltung, den Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie von Privaluntcr- nehmungen erhielten. Diesem günstigen Zustande ist es zu danken, daß der Verband sehr erfolgreiche Agilationsarbeit entfalten und da- durch die großen Lücken im Mitgliederkreise wieder einigermaßen ausfüllen konnte, die durch die Einverufung verursacht wurden. Jetzt, nachdem diese Aufträge größtenteils erledigt sind, wird aus de» Zweigvereinen auch wieder Klage über Arbeitsmangel geführt. Viele Fleischergesellen, die seit Jahren jetzt wieder Gelegenheit bekamen, im erlernten Beruf tälig zu sein, haben der Berufsarbeit nun wieder den Rücken gekehrt und sich andere Beschäftigung suchen müssen. Sie sind den Fleischermeistern und Wurstfabrilanten wieder„zu all", zu- mal ja wie alljährlich um diese Zeit recht viele Ausgelernte für weit geringeren Lohn zu haben sind._ Die Aufnahmen der ersten Statistik sEnde September 1914) er- gab, daß 3634— 54,8 Proz. der männlichen Mitglieder eingezogen waren. Nach der zweiten Statistik(30. Oktober 1914) war diese Zahl auf 4061— 54,2 Proz. gestiegen. Wie die Slatistik vom 30. Januar 1915 ergab, war die Zahl der Eingezogenen auf 4690— 70,8 Proz, gestiegen und die Statistik vom 30. April 1915 weist sogar 5573=» 84 Proz. eingezogene Mitglieder auf. Bis zum 30. April betrug die Zahl der Neuaufnahmen 3544. Von 39 Zweigvereinen, bestehen noch 65 mit 2935 Mitgliedern, dar- unrer 52 weibliche.- 24 Zweigvereine sind aufgehoben, weil alle Mitglieder zum Heeresdienst mußten. Für Arbeitslosenunlerstüung wurden 946 M., an die Familien der Kriegsteilnehmer 22 904 M. und für sonstige Unterstützungen 611 M., insgesamt 24 421 M. gezahlt. Der Mangel an Arbeitskräften gab Veranlassung, die Unter- nehmer zur Zahlung höherer Löhne zu bewegen und die Arbeits- zeit da, wo sie bisher noch vollständig ungeregelt war, in einiger- maßen geregelte Bahnen zu leiten. In sehr vielen Fällen gelang es der Organisationsleitung, auf friedliche Weise annehmbare Vor- teile für die Beschäfiigten bei den Unternehmern zu erzielen. Es werden jetzt in den meisten tariflich geregelten Großbetrieben Lobn- bezw. Teuerungszulagen in Höhe von 3 bis 6 M. wöchentlich und darüber gewährt. Die Organisation hat bewiesen, daß sie gerade in dieser schweren Zeit eine unbedingte Notwendigkeit für die im Berufe Beschäftigten ist. Die Berufsangehörigen haben daher die Pflicht, ihre Organi- sation so zu stärken, damit alle Errungenschaflen auch nach dem Kriege nicht nur aufrecht erhalten, sondern daß auch weitere Vor- teile erreicht werden können._ Eine Konferenz der Gewerkschaftskartelle von Rheinland-Westfalen tagte am Sonntag in Essen. Es sprachen Genossenschaftssekretär Krolik über„Die Volksernährung im Kriege", Reichstags- abgeordneter Robert S ck> m i d t über„Arbeiterschutz, Arbeitsnachweis und Arbeitsvermittlung" und Reichstagsabgeordneter Spiegel über„Kriegsbeschädigien-Fürsorge". Die beiden ersten Referenten legten zur Volksernährung und zur Errichtung eines Arbeitsamtes Leitsätze vor. Zur Volksernährung wird u. a. gefordert: die Er- richtung einer Reichs-Ernährnngsbehörde unter Hinzuziehung von Vertretern der genossenschaftlichen �Konsumorganisation, Schaffung von Lebensmittelämtern in den Städten, regelmäßige Bestands- aufnähme der wichtigsten Nahrungs- und Futtermittel, systematische Durchbildung der Höchstpreisfestsetzung, Verkaufszwang sür Produzenten und Händler, Beschlagnahme hinreichender Mengen von Getreide, Hafer, Hülsenfrüchten und Kar- taffeln. Bekämpfung des Borgsystems durch moralische Erziehung durch Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften, Beseitigung aller aus sozialpolitischen Gründen geschaffenen steuerlichen Ausnahme- gesetze gegen die Konsumvereine, insbesondere Freistellung der Konsumvereine von der Warenhaussteuer, Anerkennung der Gewerk- schaften als unentbehrliche Organisationen zur Vertretung der Jnter- essen der Lohnarbeiter. Die Leitsätze für die Errichtung von Arbeitsämtern fordern, daß für jede größere Stadt mit ihren Vorortgemeinden sowie für einen Bezirk von Landgemeinden und kleineren Städten ein Arbeitsamt errichtet werden soll. Als Zentrale dieser Organisation soll ein Reichsarbeitsamt eingesetzt werden. Dem Arbeitsamt sollen alle Arbeitsnachweise unterstellt werden. Das Arbeitsamt wird pari- tälisch zusammengesetzt. Dem Arbeitsamt sollen olle An- und Abmeldungen aus dem Arbeitsverhältnis gemeldet werden. Für die Organisation des Arbeitsamtes sind noch eine Reihe näherer Be- stimmungen vorgesehen. Für die Kriegsbeschädigten-Fürsorge forderte der Referent eine Reichszentrale, Mitwirkung der Gewerkschaften, Verhinderung der Lohndrückerei durch Kriegsrentenempfänger und Sicherung gegen Rentenkürzungen. DaS Generalkommando Münster war auf der Konferenz durch zwei Herren vertreten, ebenso die Stadt Essen durch einen Beigeord- neten. 46 Gewerkschaftskartelle waren durch 61 Delegierte vertreten, zwei Ortsvereine durch 4, 20 Gewerkschaften durch 26 Gauleiter bezw. Vorstandsmitglieder._ Berichtigung. Der Verband der Schneider bittet zu berichtigen, daß in seinem Jahresbericht im ersten Quartal nicht 19 720 Mit- glieder vorhanden sind, sondern 21 721. ftustand. Verschmelzung von Gewerkschaftsverbänden in der Schweiz. Die am Sonntag in Zürich abgehaltene außerordentliche Dele« giertenversammlung des Verbandes der Handels- und Transport- arbeiter hat mit 21 gegen 8 Stimmen die Verschmelzung mit dem Verband der Lebens- und Gcnußmittelarbeiter beschlossen, die bereits am nächsten 1. Juli vollzogen werden soll. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 238 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Stab der 113. Jnf.-Div. und der 1. Jnf.-Brig.; 1., 2., 3. und 4. Garde-Reg. z. F.; 2. Garde-Res.-Reg.; Gren.-Regimenter Alexander und Elisabeth: Garde-Schützen-Bat.; Lchr-Jnf.-Reg.; Gren.- bzw. Inf.- bzw. Füs.-Regimenter Nr. 1(siehe auch Stab der 1. Jnf.-Brig.), ö, 9, 11. 12, 14, IS. 16, 17, 19. 29. 21(siehe Ers.-Jnf.-Reg. Keller), 26, 31. 33, 34. 38. 39. 42. 43, S0. S7, 58, 64, 70, 75, 79, 83. 85, 86. 88, 93, 94. 95. 96, 97. 109, III, 112, 114, IIS, 116, 117. 128, 129, 131. 135, 138, 147, 152, 157, 162, 163, 164, 165, 167 bis einschließlich 172, 174, 175, 176; Res.-Jnf.- Regimenter Nr. 1, 5(siehe Ers.-Jnf.-Reg. Keller), 6, 16, 18, 25, 26, 27, 29, 35, 38(siehe auch Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 8 der Landw.-Div. v. Mengesj. 40. 57, 61. 70, 75, 77, 81. 82, 83, 86, 93. 94. 109, 110, 118, 201, 205, 206, 211, 213, 217, 223, 227, 230, 234, 236, 252, 256, 257, 266, 269, 272; Ers.-Jnf.-Reg. Keller; Res.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 4; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 5, 7, 11, 18, 24. 26. 31, 48, 51, 66, 75. 76, 81, 83, 84, 109; Landw.-Ers.-Jnf.- Reg. Nr. 8 der Landw.-Div. v. Wenges; Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 39 und 41; Landst.-Jnf.-Bataillone l Allenstein, II Brauns- berg, I Breslau, Brieg, Briefen, 3. Bruchsal, Burg, Calau, I und IV Cassel, I Eöln, II Teutsch-Eylau, II Posen, 2. Potsdam, 2. Rendsburg, I Tilsit; Landst.-Jnf.-Ers.-Bat. 6. Beuthen i. Ober- Schlesien, 3. und 4. Cassel, 3. Karlsruhe, 10. Magdeburg; Etappen- Sammel-Komp. Nr. 10 der 9. Armee; Jäger-Bataillone Nr. II und 14; Res.-Jäger-Bataillone Nr. 8 und 18; Garde-Maschinengew.- Abt. Nr. 1; Festungs-Maschinengew.-Abt. Nr. 8(siehe Res.-Jnf.- Reg. Nr. 40); Res.-Maschinengew.-Komp. Nr. 61; Feld-Maschinen- gewehr-fsug Nr. 121(siehe Jnf.-Reg. Nr. 50); Festungs-Maschinen- gewehr-Zug Nr. 120(siehe Jnf.-Reg. Nr. 79). Schwere Res.-Reiter Nr. 1; Dragoner Nr. 1; Husaren Nr. 6, 12; Rcs.-Husaren Nr. 8; Ulanen Nr. 3, 4, 6, 16; Jäger zu Pferde Nr. 6. Feldartillerie: 1., 2. und 4. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 5, 7, 22, 26, 41, 52, 61, 225; Res.-Regimenter Nr. 3, 6, 10, 17, 47, 64. Fußartillcrie: 2. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 1, 4, 5, 7; Res.- Regimenter Nr. 17, 20, 25, 40; Landw.-Bat. Nr. 10; Res.-Bat. Nr. 25. Pioniere: I. Garde-Bat.; Regimenter Nr. 18, 19, 25; Bataillone II. Nr. 6. l. Nr. 7. I. und II. Nr. 10. II. Nr. 16, l. und II. Nr. 17; Ers.-Bataillone Nr. 1 und 3; Komp. Nr. 99; Nes.-Komp. Nr. 45. Eisenbahn-Baukomp. Nr. 21. Train-Abt. Nr. 15; Train-Ers.-Abt. Nr. 7; Rcs.-Tiv.-Brücken- train Nr. 82; Zentral-Pferdedepot Nr. 8. Art.-Munitionskol. Nr. 5 des 14. Armeekorps. Kankentransport-Abt. Nr. 2 der 2. Armee; Freiwillige Krankenpflege. *» * Die sächsische Verlustliste Nr. 153 meldet Verluste der Jnf.-Regimentcr Nr. 101, 102, 103, 104; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 241; Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 23, 24, 32; Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 9; Landw.- Brig.-Ers.-Bat. Nr. 48; Radfahrer-Komp. Nr. 58; Feld-Maschinen- gew.-Zug Nr. 72. Feldart.-Regimenter Nr. 12, 28. 32, 48, 64, 68, 77, 78; Res.- Feldart.-Regimenter Nr. 23, 24, 53, 54; Ers.-Abteilungen, Feldart.- Regimenter Nr. 28, 32, 48, 77; Landst.-Batt. 19. Armeekorps. Fuhart.-Regimenter Nr. 12, 19; Nes.-Bataillone Nr. 12, 19.. Mus Groß-öerlin. Kartoffelknappheit und Kartoffelüberfluß. Auf dem Gebiete der Kartoffelversorgung stellt sich immer mehr heraus, daß alle Befürchtungen über Kartoffelknappheit grundlos waren. Es zeigt sich, wie notwendig eine recht- zeitige von uns wiederholt geforderte Beschlagnahme der Kartoffclbestände gewesen wäre. Schon um eine Uebersicht zu gewinnen über die vorhandenen Bestände hätte sich eine solche Maßnahme notwendig gemacht, denn eine statistische Aufnahnie der Bestände erfaßt den vorhandenen Vorrat trotz aller angedrohten Strafen doch nicht. Jetzt ergibt sich, daß noch reichlich Kartoffeln vorhanden sind und daß die Besitzer von Kartoffelvorräten alle Anstrengungen machen, ihre Bestände dem Reich und den Kommunalderwaltungen direkt aufzudrängen. Diese Tatsache beweist aber, in welch unglaublicher Weise mit den Kartoffeln eine durch nichts begründete Preistreiberei ge- trieben worden ist. Wer erinnert sich nicht der unerhörten Preissteigerung des für die breiten Massen so notwendigen Lebensmittels im Februar dieses Jahres. Die Preise für 10 Pfd. Kartoffeln stiegen auf 70, 80, 90 Pf. bis 1 M. Um den Kartoffelverbrauch einzuschränken, erfolgte die bekannte Ver- ordnung des Abschlachtens der Schweine, die aber ihren Zweck nach keiner Richtung hin erreichte. Weder wurden die Kar- toffeln erheblich billiger, noch fielen die Preise für Schweine- fleisch. Jetzt, wo sich unumstößlich herausstellt, daß Kartoffeln genügend vorhanden sind, fallen die Kartoffelpreise. In den städtischen Kartoffelverkaufsstellen in Charlotten- bürg ist der Preis für 10 Pfund Kartoffeln auf 60 Pf. fest- gesetzt. In Neukölln sind, wie wir berichteten, die Kartoffeln auf 1,75 M. für den Zentner ab Bahn und 53 Pf. für 10 Pfund ab Verkaufsstellen herabgesetzt worden. Zirka 30 000 Zentner sollen diesen Monat abgesetzt werden. Da das kaum möglich sein wird, so hat man sich an die Kartoffel- trockengesellschaft um Verarbeitung von Kartoffeln zu Walz- mehl oder Flocken gewandt. Von dort ist die Antwort erteilt worden, daß bereits 70 Kommunen wegen einer Verarbeitung von Kartoffeln vorgemerkt seien. In Steglitz sind nach einer Bekanntmachung des Gemeindevorstandes die Kartoffelpreise auf 1,50 M. für den Zentner und 50 Pf. für 10 Pfund herabgesetzt worden. Der Verkauf findet wochentags von 8—12 und 2—7 Uhr im Schuppen der gleislosen Bahn in der Bergstraße statt. Sonn- abends außerdem noch in derselben Zeit in der Schule Friesenstraße(Westl. Ortsteil). Der Berliner Magistrat wird nicht umhin können, gleich- falls eine Preisherabsetzung vorzunehmen, wie er über- Haupt ernstlich besorgt sein sollte, alles zu vermeiden, was dazu beiträgt, Kartoffclm dem Verderb auszusetzen. Es mehren sich die Nachrichten, daß große Posten Kartoffeln ver- faulen. Auf dem städtischen Gelände hinter der Kniprode- straße ist dieser Tage beobachtet worden, daß beim Ausmieten von Kartoffeln große Quanten total verdorben waren; es wird die Frage aufgeworfen, ob bei dem Einmieten der Kar- toffeln auch sachverständige Leute zugezogen worden seien, über welche die Stadt in ihrer Güterverwaltung reichlich verfügt. Der Kartoffelübcrfluß ist so groß, daß der Schönebergcr Magistrat folgende Bekanntniachung erlassen hat: „Jeder Haushalt sorge für einen Kartoffelvorrat für die Monate Juni und Juli. Die Bauern können den reichen Kartoffelvorrat nicht los werden und geben ihre gute Ware in Massen an die Trockenfabriken ab. Während der Heuernte im Juni können die Bauern keine Kartoffeln abfahren. Deshalb ist eine Kartoffelknappheit im Juni zu erwarten, zumal den Frühkartoffeln der Regen fehlt. Die Stadtverwaltung führt der Bevölkerung seit längerer Zeit schöne, sorgfältig verlesene Speisekartoffeln aus dem Glogauer Kreise durch die Händler zu. Trotz ihres geringen Preises werden die Kartoffeln nicht genügend gekauft. Die Stadt kann aber für die Zeit der Knappheit nur mätzige Mengen auf Lager nehmen, deshalb müssen die Händler und Haushaltungen möglichst selbst größere Mengen kaufen. Die Kartoffeln müssen zur Verhütung des Verderbens und Keimens trocken gelagert und vor dem Licht durch Belegen mit Decken oder starkeni Papier ge- schützt werden." Was also früher schädlich war, sich mit Vorräten zu ver- sehen, wird heute direkt anempfohlen. Diese Tatsachen zeigen aufs klarste, wie unbegründet und skandalös der mit den Kar- toffeln getriebene Lebensmittelwucher gewesen ist. Auf manchen anderen Gebieten liegen die Dinge nicht besser. * Ausnahmepreise für Kartoffeln in Köpenick. Der Magistrat von Köpenick gibt bekannt, daß er in der Zeit vom 1. Juni bis einschließlich 12. Juni den Zentner Kartoffeln für 4,50 M., 10 Pfund für 48 Pf. verkauft. Er sagt in seiner Bekannt- machung: „Hausstauen, wir empfehlen, den Bedarf bis zur neuen Ernte einzukaufen, da ab 13. Juni die Preise wieder erhöht werden. Die Abgabe erfolgt in unbeschränkten Mengen." Neue Höchstpreise für Brot und Semmeln. Amtlich wird gemeldet:„Der Preisherabsetzung, welche die Kriegsgetreidegesellschaft für Mehl hatte eintreten lassen, konnten die Konununalverbände nicht sogleich folgen, da sie zunächst ihre zu höheren Preisen erworbenen Bestände wenigstens zum Teil abstoßen mußten. Die sechs Groß-Berliner Stadtgemeinden haben sich jedoch trotz der daraus entstehenden Verluste entschlossen, die Preisherab- setzung für Mehl nunmehr am 7. d. M. eintreten zu lassen. Damit ergibt sich gleichzeitig die Möglichkeit, auch die Gebäckhöchstpreise niedriger zu gestalten. Die Herabsetzung der Gebäckhöchstpreise muß sich naturgemäß innerhalb der Grenzen der Preisherab- setzung für Mehl halten. Um eine angemessene Herabsetzung zu er- möglichen und auch vielfach geäußerten Wünschen der Bevölkerung zu entsprechen, mußten hierbei die Einheitsgewichte geändert werden. Gänzlich fortgefallen ist das entbehrliche Roggenbrot von IVz Kilogramm. Das Roggenbrot von 1 Kilogramm ist geblieben. Dagegen beträgt das Einheitsgewicht des bisherigen Roggenbrotes von 2 Kilogramm jetzt 1950 Gramm, so daß nunmehr eine Brotkarte zum Erwerb eines Roggenbrotes von 1950 Gramm ausreicht. Die Semmel von 75 Gramm fällt fort; an ihre Stelle tritt ein Weizen- gebäck von 50 Gramm, das in seiner Größe etwa der früheren Schrippe entspricht. Die Höchstpreise sind 80 Pf. für das Roggenbrot zu 1950 Gramm, 42 Pf. für das 1 Kilo-Roggenbrot und 3 Pf. für das Weißbrot. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß dies wiederum nur Höchst- preise sind. Diejenigen Bäcker, die bisher niedrigere Preise als die Höchstpreise nehmen konnten, müssen auch jetzt mit den Preisen ent- sprechend hcrabgehen, da sie ja ihrerseits ebenfalls weniger für das Mehl zu bezahlen haben. Wie bisher gelten diese Höchstpreise nicht für Milchsemmel, Zwieback, Pumpernickel usw. Das Einheitsgewicht gilt jedoch gleichwohl für diese besonderen Gebäckarten; auch die Milchschrippe darf daher nur 50 Gramm wiegen. Die Bäcker haben auch jetzt wiederum die neue Anordnung über die Höchstpreise zum Aushang zu bringen. Es wird darauf auf- merksam gemacht, daß die Beibehaltung eines Aushanges mit den alten Preisen vom 7. Juni ab eine strafbare Handlung darstellt." Die Herabsetzung der Preise für Brot und Weitzgebäck ist schon längst erwartet worden, allein über die Einhaltung der Gewichts- menge wird überall lebhaft geklagt. In vielen Fällen hat weder da§ Brot noch das Weißgebäck daS vorgeschriebene Gewicht. Eine Gewichtskontrolle wäre hier sehr am Platze. » Aus Berlin wird der„Deutschen Tageszeitung" geschrieben: „Wie die„Kölnische Volkszeitung" mitteilt, kostet in Köln vom 1. Juni ab das vierpsündige Schwarzbrot 65 Pf. Wir haben hier in Berlin lange 1 M. dafür bezahlt, seit kurzer Zeit beträgt der Preis 85 Pf. Sollte in Berlin nicht möglich sein, was in Köln angängig ist?" Gestellungspflicht der jungen Landsturmleutc. lieber die Bedeutung des am Montag veröffentlichten Landsturmaufgebots bestehen in weiten Kreisen noch Zweifel. Wir weisen deshalb darauf hin, daß der neue Ausruf die Jahrgänge 1896 bis 1898, also die siebzehn-, acht- zehn- und neunzehnjährigen jungen Leute umfaßt. In vier Korpsbezirken waren im Gegensatz zu allen anderen Korpsbezirken diese Jahresklasscn noch nicht auf- gerufen worden. Es handelt sich zunächst um die Meldung zur Stammrolle, die bei den zuständigen Polizei- oder Ge- meindebureaus zu erfolgen hat. Die Polizeibehörden der einzelnen Gemeinden werden in diesen Tagen nun besondere Bekanntmachungen ergehen lassen, wo und zu welcher Zeit die Meldungen der in Betracht kommenden Wehrpflichtigen zu erfolgen haben. Die erste dieser Bekanntmachungen ist gestern in Char- lottenburg erschienen. Sie lautet:„Die dem Landsturm 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, die in der Zeit vom 1. Januar 1896 bis 30. Mai 1898 geboren sind, haben sich zur Ausnahme in die Landsturmrollc im Polizeipräsidium, Kaiserdamin, Zimmer 23, unter Vorzeigung amtlicher Papiere — Geburtsurkunde, Taufschein, Arbeitsbuch oder eine von dem zuständigen Wohnungsrevier kostenfrei ausgestellte Be- scheinigung— in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends zu melden, und zwar: Geburtsjahr 1896 am 8. Juni, Geburtsjahr 1897 am 9. Juni und Geburtsjahr 1898 am 10. Juni 1915." Aufnahme in städtischen Heimstätten. Für die Aufnahme von Personen in den städtischen Heim- stätten auf Kosten der Schlösser st iftung kommen zurzeit die Heimstätten in Buch für lungenkranke Männer, in Malchow für lungenkranke Frauen, in Heinersdorf(Kreis Teltow) für Knaben im schulpflichtigen Alter und Mädchen von 6 bis 12 Jahren in Betracht. Vom 1. Juli 1915 ab kommt noch die Heimstätte in Blankenfelde für leichtere lungenkranke Frauen hinzu. Wie ivir bereits berichteten, sind Gesuche um Aufnahme an das Bureau der städtischen Heimstätten, hier. Stralauer Straße 11/43, 2. Ouergebäude, 2. Stock zu richten. Wen» der Wirt keine Miete kriegt—. Hauseigentümer und Hausverwalter machen sich von den Rechten, die ihnen gegenüber Mietern bei Nichtzahlung der Miete zustehen, manchmal eine sonderbare Vorstellung. Eine Fall, dessen Verlauf lehrreich ist, wird uns aus dem Hause Stubbenkammer- straße 12 bekannt. Hier kam es zwischen dem Verwalter und der Frau eines seit Kriegsausbruch im Felde stehenden Mieters wegen Bezahlung von Mieteschulden zu Meinungsverschiedenheiten. Durch Vermittlung des Mieteeinigungsamtes erlangte die Kriegerfrau bei der Frau des Verwalters einiges Entgegenkommen, aber hinterher fand die ge- gebene Zusage nicht den Beifall des Verwalters. Am Sonn- abend voriger Woche erschien dieser in der Wohnung des Mieters und forderte, daß die Frau neben dem von ihr an jedem Monatsersten zu zahlenden Mietcanteil, der nach Abzug der Mietebeihilfe und der Mieteermäßigung bleibt, auch auf die Miete- schulden der früheren Monate noch eine bestimmte Rate an jedem MonatSersten abzahlen sollte. Als sie eine solche Verpflichtung nicht übernehmen wollte, gab es einen erregten Auftritt, und schließlich verließ der Verwalter die Wohnung, ohne daß eine Einigung zustande kanr. Noch an demselben Abend machte dann die Frau die unangenehme Entdeckung, daß die Wasserleitung, die siir diese Wohnung wegen ihrer besonderen Lage einen eigenen Zuführungs- sträng hat, in der Küche nur noch ganz spärlich Wasser liefene und im Klosett völlig versagte. Die Frau war sofort der An- ficht, daß zwischen ihren Mieteschulden und dem Streik der Wasserleitung ein Zusammenhang bestehen müsse und daß der Verwalter sich wohl für berechtigt halte, sie auf halbe Wasser- ration zu setzen. Als am Montag die Polizei hiervon in Kenntnis gesetzt wurde, meinte diese, sich mit der Angelegenheit befassen zu sollen. Ein Beamter, der auf das Grundstück kam und sich in die Verwalter- Wohnung begab, stellte nachher in Aussicht, daß bald das Wasser wieder in ausreichender Menge fließen werde. Leider täuschte er sich in seine» Erwartungen. Bei einer Störung der Wasserzufuhr durch irgendeine Beschädigung hätte man an- nehmen können, daß dafür gesorgt werden würde, spätestens am Montag den Schaden zu beseitigen. Aber noch am Dienstag floß das Wasser, trotz der Ankündigung jenes Beamten in der Küche ganz spärlich und im Klosett gar nicht, so daß nochmalige Meldung auf dem Polizeibureau nötig wurde. Nachdem dann auch noch auf dem Polizeipräsidium eine mündliche Beschwerde vorgebracht worden war, schien am Dienstag gegen Abend die Wasser- lieferung für die Küche um ein Winziges stärker zu werden, während für das Klosett alles beim alten blieb. Am Mittwoch wurde noch- malS auf dem Polizeipräsidium durch mündliche Beschwerde um Hilfe gebeten, die man denn auch in bestimmtester Form zusicherte. An demselben Vormittage fand beinr Mieteeinigungsamt wegen der Mieteschulden noch ein Termin statt, der damit endete, daß die Verwalterfrau günstigere Zahlungsbedingungen be- willigte. Als in der Verhandlung auch die Wasserleitnngs- angelegenheit zur Sprache gebracht wurde, meinte sie:„Wen n der Wirt keine Miete kriegt, dann brauchen die Leute auch kein Wasser." Der Vorsitzende belehrte sie, Wasserspecre sei unzulässig, weil sie zu einer Gesundheitsschädiguug führen könne. Das Ergebnis war, daß in der Mittagstunde Plötz- lich— der Wasserleitungsstreik aufhörte und das Wasser wieder in ausreichender Menge floß. Man sieht: Beharrlichkeit führt zum Ziel. Glücklicherweise hatte die Kriegerfrau eine Stütze an ihrer tatkräftigen Schwester ge- funden, die nicht nur vor dem Mieteeinigungsamt die Sache vertrat, sondern auch die Polizei um Hilfe bat. Rätselhaft ist nur, warum die Wiederherstellung der vollen Wasserzufuhr nicht schon am Sonn- tag erfolgte. Hatte die Polizei leine Handhabe, sie sofort durch- zusetzen und nötigenfalls zu erzwingen? Fast möchte man eine Polizeiverordnung wünschen, die Hauseigentümern und Haus- Verwaltern solche Einfälle durch Strafandrohung von vornherein ver- leiden könnte. Den Angehörigen gefallener Krieger soll einem Wunsche des Kaisers enlsprechend ein Gedenkblatt über- reicht werden. Mit der Ueberreichung sollen die G e i st l i ch e n be- traut werden. Zu diesem Zweck hat das Konsistorium der Provinz Brandenburg an die Geistlichen seines Aufsichtsbezirks eine Anleitung erlassen, in der es u. a. heißt: „Die Ermittelung der Angehörigen und die Ausfertigung des Gedenkblattes liegt den militärischen Behörden ob. Dagegen ent- spricht es dem Allerhöchsten Wunsche, daß die Aushändigung müg- lichst durch die je nach Religion und Konsession in Betracht kommenden Geistlichen des Wohnortes der Angehörigen in einer dem Anlaß angemessenen Weise geschehen soll. Die Militär- behörden werden die fertigen Gcdenkblätter nebst Begleitschreiben in den Städten den Polizeibehörden, in den Landkreisen den Land- raisämtern mit dem Ersuchen zugehen lassen, sie an die zustän- digen Geistlichen weiterzuleiten. An im Auslande wohnende Empfangsberechtigte veranlassen die mit der Bearbeitung beauftragten Militärbehörden die Zustellung durch Vermittclung des Auswärtigen Amtes. Wir erwarten von unseren Geistlichen, daß sie dem Allerhöchsten Wunsche, die Aushändigung des Gedenk- blattes zu übernehmen, freudig entsprechen werden, zumal sich da- bei eine willkommene Gelegenheit bietet, den Angehörigen der Gefallenen den Trost des Evangeliums zu bringen. Es ist Pflicht der Herren Geistlichen sowohl im vaterländischen, wie im kirch- lichcn Juteresse bei der Ausführung der Allerhöchsten Absichten bereitwilligst mitzuwirken, insbesondere die Ueberreichung des Blattes zu einer kurzen, schlichten und eindrucksvollen häuslichen Feier unter Darbietung des Evangeliunrs zu gestalten." Bei der Arbeit vom Schlage gerührt. Bei der Arbeit vom Tode überrascht wurden gestern ein junger Mann und ein junges Mädchen. Der 24 Jahre alte Lackierer Paul Szulczewskh aus der Soldiner Str. 75 wurde auf seiner Arbeits- stelle in der Prinzenallee 8 tot auf dem Fußboden liegend aufgc- funden. Die 17 Jahre alte Arbeiterin Gertrud Bleß aus der Straus- berger Str. 7a brach in einer Bilderrahmcnfabrik in der Großen Frankfurter Straße tot zusammen. Nach ärztlichem Gutachten er- lagen beide einem Herzschlage. Betriebsunfall. Gestern nachmittag gegen 5 llhr verunglückte in Johannisthal beim Fertigmachen eines Doppeldeckers der Monteur Richard Meili. Beim Anwerfen eines Propellers wurde M. erfaßt, herumgeschleudert und kam unter die Tragflächen des Apparats zu liegen. Mit inehrercn Brüchen des rechten Oberarmes und einer Verletzung des Unterleibes wurde er in das Britzer Krankenhaus eingeliefert. Rennbahn und Buchmacher. Mit dem Rennbeginn sind auch die Buchmacher wieder erschienen. Durch Zusammenwirken von Gendarmen und Kriminalpolizei ist in Hoppegarten gründlich aufgeräumt worden. Am ersten und zweiten Renntage, Pfingstmontag und Dienstag, fielen den Beamten, lvie wir schon mitteilten, nicht weniger als 38 Buchmacher in die Hände, außerdem ein Glücksspieler, der auf der Heimfahrt im Eisenbahn- abteil aus die Sieben würfeln ließ. Am dritten Renntage, dem ver- gangenen Montag, war kein„Alter" von den Buchmachern mehr zu sehen. Dagegen hatten sich eine ganze Anzahl Neulinge ein- gefunden, denen das Schicksal der Alten noch nicht bekannt geworden war, oder die auch darauf rechneten, daß nach deren Verschwinden ihnen selbst der Anfang leichter werden würde. Den Neulingen erging es aber nicht besser, als ihren Borgängern. Nicht weniger als 22 teilen deren Geschick. Am vierten Nenntage, am Dienstag, war nun die Bahn ganz gesäubert. Nicht ein einziger Buchmacher war mehr da. Wer die Beamten merkten, daß jetzt, während sie mit ihren Beobachtungen auf der Lahn jzu tun hatten, draußen vor dem Eingange und auch sonst in der Um- gebung der Rennbahn Wetten angenommen wurden, zum Teil von Leuten, die die Rennbahn vor Beendigung der Renne» verlassen hatten. Andere Leute hatlen an anderen Stellen außerhalb der Bahn im Freien ein Spielchen aufgelegt und fanden auch hiermit Zuspruch. Zu geeigneter Zeit überraschten die Beamten auf einem Rundgang auch alle diese Herrschaften und brachten noch 13 Mann zur Strecke. AlleS in allem wurden also bei den Hoppegartencr Rennen in vier Tagen nicht weniger als_73 Buchmacher und Glücksspieler erwischt. Genosse Picif-Stcglitz ist, wie wir auf verschiedene Anfragen mitteilen wollen, wegen seiner erfolgten Inhaftierung nicht in der Lage, die von ihm übernommenen Referate halten zu können. DaS tragische Ende des Fräuleins Nitschkowsli aus der Prin- zcssinnsnftraße, über das wir am Montag berichteten, ist erfolgt, ohne daß die Angehörigen oder ihre Freundinnen vorher eine Ahnung davon gehabt hätten. Frl. N. habe sich die Pulsadern ge- öffnet und sei an Verblutung gestorben. In einem hinterlasienen Briefe habe sie den Wunsch ausgesprochen, auf dem Friedhof in Tegel, wo ihr Vater liegt, beerdigt zu werden. Der Friedhof habe keine Stellen für Selbstmörder, wie berichtet worden sei. Die �cffciitlichc Bibliothek und Lesehalle, 80., Adalbertstr. 41, die jedermann zu unentgeltlicher Benutzung offensteht, ist im Monat Mai von 6S43 Personen besucht worden. In der AuSleih-Bibliothek wurden 3706 Bände unterhaltende und belehrende Literatur nach Hause verliehen. In der Lesehalle liegen z. Z. 536 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Das Institut ist iverkläg- lich von 5>/z— 10 Uhr abends, Sonntags von 0—1 und 3—6 Uhr geöffnet.___ Mus öen Gemeinden. Bnkkivnrcnbereitung und Mehlversorgung im Kreise Teltow. Der Landrat des Kreises macht bekannt, daß zur Bereitung von Weizenbrot gemischtes und ungemischtes Weizenmehl verwendet ivcrdcn kann. Die Mischung darf bis zu 10 Teile» Roggenmehl des Gesamtgewichts enthalten. Bei der Bereitung von Roggenbrot ist Roggenmehl bis zu 40 Proz. durch Weizenmehl zu ersetzen. Für Juni wird ein größerer Teil von Weizenmehl als bisher zur Verteilung kommen. Von der festgesetzten Mehlmenge werden 40 Proz. reines Weizen- und 60 Proz. Roggenmehl überwiesen. Tic verschleppte Schulspeisung in Adlershof. Bereits am 13. April regten unsere Gemeindevertreter im Kriegsausschuß an, die Schulspeisung, die sonst nur bis zur Be- cndigung des Winterhalbjahres vorgenommen wurde? für die Dauer des Krieges fortzusetzrn. Dieser Anregung entsprechend wurde denn auch beschlossen, der Gemeindevertretung diese Angelegenheit zu überweisen. In der folgenden Gcmeindevertretersitzung vom L2. April wurde aber dann dieser Gegenstand, trotzdem er auf der Tages- ordnung enthalten war, vertagt, weil nach Ansicht des Vorsitzenden ein formeller Antrag nicht vorlag. Unsere Vertreter bezeichneten dieses Vorgehen als ein Verschleppungsmanöver. Die bürgerliche Mehrheit bestritt aber eine derartige Wsicht. Von unseren Genossen wurde dann ein Dringlichkeitsantrag eingebracht, wonach die Auge- Icgenheit als erster Punkt in der nächsten Sitzung be- raten werden sollte. Am 29. April fand die Sitzung auch statt. Es wurde auch beschlossen, die Schulspeisung während des Krieges für bedürftige Kinder fortzusetzen. In der darauf folgenden Kricgs-AuSschußsitzung wurde dann weiter versprochen, den Rektoren dahingehende Anweisungen zu geben. Aber bis jetzt ist trotz wiederholter Anfrage noch nichts unternommen worden. Wir können kaum glauben, daß der Gemeindcvorstand solange braucht, eine doch schon bestehende Einrichtung aufrechtzuerhalten. Ist nun einmal der Beschluß gefaßt, dann muß sich auch der Ge- mcindevorstand damit abfinden und die Sache so schnell als möglich zur Durchsührung bringen. Oder hat er etwa die Absicht, die Angelegenheit nach dem Kriege erneut zu prüfen. Damit dürste den jetzt Hungernden sehr wenig geholfen sein. Teppichklopf-Vcrordnung für Friedenau. Schoir im Jahre 1908 beschloß die Friedenauer Gemeinde- Vertretung eine Teppichklopf-Verordnung herauszugeben. Der Ver- ordnung wurde jedoch von den Aussichtsinstanzcn die Anerkennung versagt, da nach der früheren Rechtsprechung derartige Verordnungen nur für Kurorte zulässig waren. Nachdem nun kürzlich das Kammer- gericht entschieden hat, daß solche Verordnungen auch für andere Orte zulässig seien, wird auch Friedenau eine neue Verordnung er- halten. Im Gegensatz zu vielen der bestehenden Versügungen, nach denen nur gestattet ist, bis 12 Uhr zu klopfen, ist die Klopfzeit für Friedenau Freitags und Sonnabends von 8— 1 Uhr festgesetzt worden. Verstöße gegen die Versügung können mit Geldstrafe bis zu 9 M. geahndet werden._ Verlängerung der Wilmersdorfer Kriegstunstansstellnug. Die Dauer der von der„Kunsthalle Wilmersdorf" in ihren Räumen, Pariser Straße 45, veranstalteten Kriegskunstausstelluug ist bis zum 20. Juni verlängert worden. Die Ausstellung ist, wie bisher, bei freienr Eintritt werktäglich von 10—6 Nhr und Sonntags von 12 bis 2 Uhr geöffnet. Mus aller Velt. Erdbeben in Süddeutschland. An» Mittwoch früh zwischen 3 und 4 Uhr wurde in Bayern ein sehr starkes Erdbeben wahrgenommen, dessen Ausschläge westlich bis Stuttgart und südwestlich bis St. Gallen verspürt wurden. Besonders stark war die Erschütterung in München. Sie war dort so heftig, daß die ganzen Einwohner aus dem Schlafe geweckt und mehrere Personen aus den Betten geschleudert, Fensterscheiben, Gläser und Blumenvaseu zertrünunert wurden. Viele Bewohner wollen auch einen Schwefelgeruch wahrgenommen haben. Auch aus anderen Gegenden Bayerns kommen Nachrichten, daß auch dort das Beben verspürt wurde, so auS Tegernsee und S ch l i e r> e c. Auch aus den» Allgäu und dem Bayerischen Walde kommt die Nachricht von verschiedenen starken Erdstößen. In Augsburg und N ü r n b e r g tvurde die Erschütterung eben- falls wahrgenommen. In R e g e n im Bayerischen Walde zersprangen in verschiedenen Wohnungen die Mauerwände. In einem Gasthause fiel die Decke herab. In Bergan in Schwaben zeigt das Schulhaus Sprünge, in Neuburg a. d. Donau war das Erdbeben von starkem miterirdischem Donner begleitet. Zahlreiche Bewohner wurden aus dem Schlafe geweckt. Nähere Nachrichten über etwaige Schäden sind nicht bekannt, insbesondere keine Verletzungen von Personen. Die genaue Dauer des Bebens konnte nicht festgestellt werden, da die Apparate zerstört sind. In Stuttgart wurden mehrere starke Erdstöße verspürt, von denen der letzte der heftigste war. lieber den Schaden, den das Beben anrichtete, liegen noch leine Meldungen vor. Besonders i m Sck warzwald wurde das Beben sehr stark verspürt, ebenso auch in K o n st a n z am Bodensee. Explosion in einer amerikanischen Pulverfabrik. In einer der Fabriken der Du Pont Powder Cie. in Carney Point(New-Uersey) flog ein Fachwerkhaus, in dem Pulver ge- mischt wurde, in die Lust. Sechs Arbeiter wurden dabei getötet, viele andere schwer verletzt. Die Erplosion. die im Umkreis von mehreren Meilen gehört wurde, verursachte außerdem einen Schaden, der sich auf mehrere tausend Dollar belauft. Betrügerische Heereslieferanten. Das„Schuhmachcr-Fachblatt" schreibt:„Von den betrügen- scheu Militärlieferanten in Oesterreich, die in der dortigen Presse eine ständige Rubrik bilden, erfährt man immer wieder neue Geschichten. So ist in Pardubitz in Böhmen der Schuhfabrikant B w i t auf Befehl der Militärbehörde verhaftet worden. Er soll 50 000 Paar Militär schuhe„s ch w i n d e l h a f t e r Q u a l i- tat" geliefert haben. In Brünn(Mähren) sollen mehrere Schuhfabrikanten für den Train Schuhe mit Karton und Holzspan statt Ledcrcin lagen geliefert haben. In Wien wurde der Schuhhändler K n o l l und in Graz der Schuhhändler Engelhart verhaftet. In Ungarn wurde sogar der Ober- st a d t h a u p t m a n n Dr. Tan krczy von Szatmar wegen Ver- Mittelung von Militärlieferungen durch derartige Schuhmacher- mciftcr für eine ausländische Schuhfabrik, wobei es sich um sogenannte „Bcckmczen" handelte, in strafgerichtlichc Untersuchung gezogen. Er hatte bereits Vorschuß und Provision für seine Vermittlertätigkcit erhalten. Außerdem sind noch weitere Schuh- macher und Schuhhändler wegen der Lieferung von schlechten Militärschuhcn verhaftet worden." Die Soldaten, die dieses Schuhzeug an die Füße bekämen, würden sich bald krank laufen. Danach fragen aber solche Kriegs- Hyänen nicht, wenn sie sich nur„gesund" machen können. Tic Rache dcs verschmähtcn Liebhabers. Auf dem Rittergut C h a r l o t t e n h o s bei Bietz lOstbahuj schlug ein russischer Ar- beiter mit einem Beil eine österreichische Arbeiterin und deren Freundin nieder und verletzte beide Mädchen tödlich. Die Tat geschah aus Rache für die Abweisung eines Liebesantrages seitens der erstgenannten. Der Täter ist geflohen. Parteiveranstaltungen. Bezirk Waidmannslust. Sonnabend, den 5.d. M., abends Z'ZUHr, im Restaurant„Waldquellc"(Inh. Paul Böttcher) in Hermsdorf, Berliner, Ecke Waldsecstraße: Geiieralversainmlimg dcs Wahlvereins. Tagesordnung: I. Vortrag. 2. Gefchäjts-, Kassen- und Fimllionärberichte. 3. Neuwahl sämtlicher Funktionäre. 4. Vercinsangclcgcnhcitcn und Verschiedenes. Maricndorf. Der Wahlverein veranstaltet für seine Mitglieder und deren Angehörige am Sonntag, den 6. Juni, einen gemeinsamen Ausflug nach Groii-Lichtcrselde-Ost, Restaurant Wahrcndorf, Bäkestr. 7. Die Wanderung erfolgt in zlvei Gruppen: t. Treffpunkt'Iß Uhr früh am Bahnhoi Südendc. 6.45 Fahrt nach Ludwigsfcldc. Wanderung bis Wannscc, Rückfahrt. 2. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags am Rathaus. Kaiser- slrnhc. Spaziergang nach Groß-Lichlcrscldc. Daselbst geselliges Beisammen- sein. Kinderspiele usw. Fahrgelegenheit: Elektrische 99 brs Endstation. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. tSichwaldc. Freitag, den 4. d. Mis., abends Sy, Uhr: Acu Herst wichtige Tagesordnung. Spandau. Heute, Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, im Sitzungssaal des neuen Rathauses. Eingegangene Druckschristen. Heft>6 der„Neue« Zeit» vom 4. Juni 1915 hat solgcnden Inhalt: Paul Hirsch: Der gegenwärtige Stand der preußischen Wablrechlssragc. —. Heinrich Cunow: Italiens heutige Finanz- und Wirtschastslagc.— 31. Hosrichter; Finanzpolitisches aus Oesterreich.— K. Kauisky: Eine Ver-- teidigung der Zustimmung zu den Kriegslrcditen.— Arnulf: Die Schule an die Front!— Anzeige. Tie„Kommunale Praxis» bringt in den neuesten Nummern 21—24 vier Aussätze Dr. Hugo Lindemanns über die V c r st a d t l i ch n u g der Berliner E l est t r i z i t ä t s w e r k e. Die Enlscheiduug, die unlängst dem Gedanken der kommunalen Regie in der Elcllrizüälsveriorgung zum endgültigen Siege vcrhalf, schließt einen dreißigjährigen Kamps ab, dessen widerstrebende Kräfte Lindemnnn eingehend charakterisiert. Seine AuS- sührungen sind eine lehrreiche Beleuchtung der Wege, die das private Kapital gebt, um die Interessen der Zlllgenieinheii seinen Prositbedürsiiisscn zu unterwerscii. Die 3liiffätzc verdienen Beachtung über den Kreis der Kommunalpolitiker hinaus. Die.Kommunale Praxis" kostet sür daS Quartal!! A!., jede Einzel- uummer 36 Pf.— Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin SW. 68._ Sriefkasten üer Redaktion. Tie luristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lwdenstr. 3, IV. Hos rechts, parterre, ain Montag bis Freitag von 4 bis 7 lliir, am Sonnabend von ö bis 6 Uhr sialt. Jeder für den Brisslasten bestimmteil Anfrage ist ein Luchstabs und eine Zahl als Merlzeichen belzufügen. Bricfliwe Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonliementSauitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Lcrtriigr, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Keo.JJ. 1. Sic haben recht. 2. Nachdem Sic gesund geschrieben sind, müssen Sie sich beim Bezirkskominando melden.— H. G. 9. Nicht bekannt, war auch nicht zu ermitteln.— M. St. 469. Wenden Sie sich an den Verband der Schmiede, Sebastianstr. 37.— A. D. 39. ES ist besser. Ihre. Töchter kommt mit der Klage und dem Mietsvertrag irr unsere Sprechstunde.—