Nr. 156.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerands: Bierteljährl 3,30 m, monatl 1,10 möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Reue Welt" 10 Bis. Poft Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. " Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedrudte Borte), jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes meitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Dienstag, den 8. Juni 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 151 90-151 97. Aufmarsch stärkerer italienischer Kräfte am Isonzo. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 7. Juni 1915.( W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Am Osthang der Lorettohöhe erneuerten die Franzosen in den Nachmittag- und Abendstunden ihre Angriffe, die in unserem Feuer völlig zusammenbrachen. Weitere Angriffsversuche in der Nacht wurden im Keime erstickt. Südöstlich Hebuterne( östlich Doullens) griff der Feind heute morgen erfolglos an. Der Kampf ist dort noch nicht abgeschlossen. Ein breiter französischer Angriff nordwestlich Moulin sous Touvent( nordwestlich von Soissons) wurde größtenteils sofort abgewiesen, nur an einer Stelle erreichte er unsere vordersten Gräben, um die noch gekämpft wird. Unsere Stellung bei Vanquois südöstlich von Varennes wurde gestern abend angegriffen. Troh Anwendung von Brandbomben, die unsere Gräben mit einer leichtbrennenden Flüssigkeit überzogen, gelang es den Franzosen nicht, in unsere Stellung einzudringen. Mit schweren Verlusten flutete der Feind in seine Gräben zurück. Deftlicher Kriegsschauplatz. Nördlich Kursch any erzwang unsere Kavallerie den Uebergang über die Windau und stieß in südöstlicher Richtung vor. Südöstlich Kurtowiany und in der Gegend östlich Sawdyniki machte unsere Offensive gute Fortschritte, weitere 3340 Gefangene und 10 Maschinengewehre fielen dabei in unsere Hand. Südlich des Njemen wurde das Flußufer bis zur Linie Tolausie- Sapie. zyszi vom Feinde gesäubert. Südöstlicher Kriegsschauplah. Bei den Kämpfen um Przemysl wurden 33805 Gefangene gemacht. Deftlich Przemysl setzten die verbündeten Truppen ihre erfolgreichen Kämpfe fort und warfen den Feind nordwestlich Mosciska auf die Wisznia zurück. Teile der Armee des Generals von Linsingen haben bei Zurawno den Dujeftr überschritten und die Höhen auf dem nordöstlichen Ufer erstürmt. Weiter südlich hat die Verfolgung die Linie Nowica- Kalusz- Tomaszowce erreicht. Die Beute ist hier auf über 13000 Gefangene gestiegen. Deutsche Marineluftschiffe übere an englischen Dockanlagen. Oberste Heeresleitung. Das Risiko der rumänischen Oligarchie. " " Die Kölnische Zeitung" brachte am Freitag( Nr. 557) einen Artikel mit der Ueberschrift Risiko", worin sie den rumänischen Staatsmännern und Politikern in sehr eindringlichen. Worten vorhielt, wie bedenklich und gefährlich es für Rumänien sei, wenn es sich auf die Seite des Vierverbandes stelle. Am Sonntag( Nr. 566) veröffentlicht die Kölnische Zeitung" dazu eine Zuschrift, die ihr von besonderer Seite" zugeht. Darin heißt es, daß ein nicht geringer Teil der rumänischen Oligarchie bereit sei, gänzlich in das russische Lager überzugehen. Schon zu der Zeit, als die Türkei noch neutral gewesen sei, habe die rumänische Neutralität" den freien Verkehr zwischen dem Zweibunde und der Türkei verhindert. Wenn solche Verhältnisse dauernd werden sollten, habe Deutschland und Desterreich kein Interesse mehr an der ferneren Erhaltung Rumäniens und für ein besiegtes Zentraleuropa habe Rumänien höchstens den Wert eines Kompensationsobjektes, denn mit der Niederlage Deutschlands wären auch seine wirtschaftlichen Interessen in Rumänien zu Ende. Die„ Kölnische Zeitung" fragt sodann, was aus Rumänien werde, wenn es an der Seite des Vierverbandes mitbesiegt werde. Es sei wertvoll zu wissen, ob die rumänische Dligarchie sich diese Frage wohl einmal ernstlich vorgelegt habe: Wir glauben es kaum., Anerzogener Optimismus, der Glaube an etwaige Rücksichtnahme auf das in solchen Fällen„ deutsche" Königshaus, deutsche wirtschaftliche Interessen, das sind vielleicht die Erwägungen, die über etwaige schwarze Gedanken hinweghelfen, und doch könnten diese Gedanken gerade der Mitglieder der Oligarchie, der so hoch bezahlten Advokaten, der so unendlich zahlreichen Pro fessoren, der Inhaber der so mancherlei Sineturen, so mancher noch schlimmeren Para fiten und selbst vieler Großgrundbesizer gar nicht schwarz genug sein. Denn der friedliche Handwerker, der arbeitsame Bauer, der geschickte Arbeiter würden auch den Zusammenbruch des heutigen Rumäniens ohne wirtschaftlichen und kulturellen Schaden überdauern, aber die Oli garchie würde mit einem Schlage hinweggefegt, politisch und dadurch auch wirtschaftlich vernichtet werden, weil die Politik die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Eristenz ist." Die„ Kölnische Zeitung" rät deshalb der rumänischen Oligarchie, sich in lezter Stunde nochmals zu überlegen, nach welcher Seite sie sich neigen will. Es handle sich nicht um entfernte Gefahren, denn das Schicksal will, daß diejenigen, die heute einen Entschluß ſtöße an der zähen Tapferkeit der Armee des Freiherrn fassen, noch an ihrem eigenen Leibe und in ihrem v. Pflanzer- Baltin unter ungeheuren Verlusten der Ruffen eigenen Leben die furchtbaren Folgen eines scheiterten, rückten von Westen her die unter Befehl des Generals falschen Entschlusses zu spüren haben werden". v. Linsingen stehenden verbündeten Streitkräfte heran. Nach der Auffassung der Kölnischen Zeitung" müssen demnach Amtlich. Berlin, 7. Juni.( W. Z. B.) In der Nacht Gestern nahmen sie& alusz, die Gegend nördlich dieser Stadt für die Oligarchien mancher Länder und für alle diejenigen, die sich vom 6. zum 7. Juni führten unsere Marineluftschiffe erfolgreiche und die Höhen am linken Onjestr Ufer, nördlich eines„ falschen Entschlusses" schuldig gemacht haben, dereinst böse Zurawno in Besik. Zwischen der Nadwornaer Bystryca und der Lomnica schlossen sich unsere Truppen dem Tage anbrechen, denn, wie das Blatt sagt: das Schicksal will es! Angriffe an. Angriffe gegen die Docks von Kingston und Grimsby am Humber aus. Sie lehrten tros starker Beschießung unbeschädigt zurück. Der Stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Bchuck e. * Die Kämpfe östlich Przemysl und Jaroslau dauern fort. Nördlich Mościska mußte der Feind aus Czerniawa weichen. Vereinzelte kraftlose Gegenstöße der Russen brachen zusammen. London, 7. Juni.( W. T. B.) Die Admiralität meldet: Sonntagnacht besuchte ein Zeppelin die Ostküste und Bei Przemysl fielen seit 1. Juni 33 805 Gefangene warf Brandbomben und Explosionsbomben ab, die an zwei in die Hände der Sieger. Stellen Brände verursachten. Fünf Menschen wurden getötet, bierzig verwundet. Die österreichischen Generalstabsberichte. Wien, 7, Juni.( W. T. B.) Amtlich wird verlaut. bart, 7. Juni 1915 mittags: Der italienische Krieg. Bericht des italienischen Admiralstabes. Italienischer Kriegsschauplatz. Rom, 6. Juni.( W. T. B.) Meldung der Agenzia Stefani. Der Chef des Admiralsta bes teilt mit: Unsere See Jm Tiroler Grenzgebiete wirkte unsere Artillerie streitkräfte haben am 5. Juni mehrere Unternehmungen gegen mit sichtlichem Erfolge. An der kärntnerischen den Feind in der mittleren und der unteren Grenze östlich des Ploeckenpasses eroberten unsere Truppen Adria ausgeführt. Sie zerschnitten ein Fernsprechkabel, das gestern den Freikofel zurück, den der Feind vorübergehend die Inseln des dalmatischen Archipels verbindet und zergewonnen hatte. störten sechs Leuchttürme und Semaphor. Im Krugebiete wird weiter gekämpft. Die Jtaliener anlagen, bombardierten und beschädigten schwer die mnßten die Ortschaft Kru räumen. An den Isonzo Eisenbahnlinie zwischen Cattaro und Raschiebt sich der Geguer stellenweise näher gusa. Einer unserer Torpedojäger, der am gleichen Tage heran. in der oberen Adria ohne Erfolg von einem österreichischungarischen Flugzeug angegriffen wurde, beschoß erneut Auf dem Balkankriegsschauplak herrscht, von Monfalcone und versenkte drei mit Waren beladene Barken. Größere Schiffe, die den Torpedojäger unterstützten, kreuzten in denselben Gewässern, ohne den Feind zu sehen. ( gez.) Thaon de Revel. Balkankriegsschauplak. Russischer Kriegsschauplah. Nach der schweren Niederlage bei Przemysl richtete die russische Heeresleitung in den letzten Tagen heftige Anstrengungen gegen unsere Stellungen an der Pruthlinie, um hier einen gewaltsamen Durchbruch zu erzwingen; nament- einzelnen Plänkeleien an der Grenze abgesehen, Ruhe. lich gegen den Raum Kolomea Delatyn warf der Feind immer neue Massen in die Schlacht. Während alle diese VorDer Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Beschießung dalmatinischer Küstenorte durch italienische Kreuzer. Hierbei wurden zwei Landwehrleute getötet und einer stürzte ab.[ gegen unsere Verbündeten aus, wie es sie vor einigen Schon am Abend des 25. Mai warfen unsere dort eingreifenden Monaten gegen uns ausnügte. So wie es im September trotz der Züge die Italiener unter großen Verlusten aus dem Passe. Alle Augustoffensive nicht in Rußlands Macht war, die Zusammenziehung weiteren Angriffe der Italiener wurden unter großen Verlusten Wien, 7. Juni.( W. T. B.) Aus dem Kriegspressequartier wird abgewiesen. Um den Besitz der Felskuppe 2291 wurde seither täglich von 52 deutschen Korps zu den Schlachten an der Marne und bei gemeldet: Am 5. Juni erschienen einige italienische gefämpft, bis sie am 2. Juni endgültig von uns genommen und Opern gegen Frankreich zu verhindern, genügte unsere durch sechs Kreuzer und Zerstörer in den dalmatinischen Ge- behauptet wurde. Diese einzigen Erfolge, die die Italiener hier Wochen entwidelte Tätigkeit nicht, die Verschiebung starker von der wässern. Das Ziel der feindlichen Unternehmung war die Beaufzuweisen haben, find also eigentliche Mißerfolge. Gerade in Westfront entnommener deutscher Kräfte nach der Ostfront zu verfchießung der Eisenbahn bei Mihonice, Lissa, dem in Rede stehenden Abschnitt war es in lester Zeit möglich, hindern. Davon rühren jetzt die Schwierigkeiten unserer tapferen Patrouillen über die Grenze vorzutreiben. Schon dieser ist der Verbündeten her. Sie stehen diesen Schwierigkeiten mit Lagosta und Cazza. Die beschossenen Objekte erlitten nur flarite Beweis dafür, daß die Pässe fest in unserer Hand sind. leichte Beschädigungen. Italienisch- österreichische Grenzgefechte. Westlicher Kriegsschauplah. bewundernswertem Heldenmut gegenüber, dem die französische Armee und das das französische Volk einmütige Anerkennung zollen in der tiefen Ueberzeugung, daß die Kämpfe, die in Galizien geliefert werden, für die russische Armee einen unvergäng Wien, 7. Juni.( W. T. B.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Es ist nicht leicht, allen HeldenDer französische Tagesbericht. lichen Ruhmestitel bilden. Wie groß übrigens auch die Kühnheit des deutschen Generalstabes und seiner Truppen sein mag, sein taten, die in den amtlichen italienischen Berichten Paris, 7. Juni.( W. T. B.) Amtlicher Bericht Borstoß gegen Rußland wird doch aus denselben Gründen angegemeldet wurden, auf den Grund zu gehen; selbst wenn man die Betreffenden Vorgänge kennt, wird Der Feind machte im balten werden, welche die Offensive gegen uns gebrochen haben. es schwer, sie mit den von Sonntagnachmittag. italienischen Meldungen zu identifizieren. am Gebiet nördlich Arras im Laufe des Abends und der Nacht Der energische Widerstand und die Gegenangriffe der Russen 29. Mai der italienische Generalstab: Am 26. Mai schlugen sehr heftige Anstrengungen, um die Stellungen, welche er im werden die Kraftanstrengung aufzehren, die nicht unendlich aus ant der Forcella di Lavarello bei Misurina Abteilungen Alpenjäger in fraftvoller Offensive zwei feindliche Kom- Laufe dieser Tage verloren hatte, wiederzuerobern. Der ganze neuen Hilfsquellen gespeist werden kann, zumal sie von Anfang pagnien in die Flucht. Die Sache trug sich selbstverständlich ganz Abschnitt A blain- Neuville und besonders die Zucker- an der Methode des deutschen Oberkommandos entsprechend, Artillerie mit Infanterie eingenistet; als sie jedoch von der öfter- unsere Artillerie heftig erwiderte. Fünf deutsche Gegenangriffe übrigens ihren Willen, im ausgedehnten Bewegungskriege auf dem anders zu: Auf der Forcella di Lavarello haite fich italienische fabrit Souchez erhielt fast andauernd Beschießung, welche das Höchstmaß an Kraftaufwand erreicht hat. Indem unsere Berbündeten die geschleifte Festung Przemysl räumten, zeigten fie reichischen Artillerie unter Feuer genommen wurde, räumte die ganze italienische Abteilung die Dertlichkeit außer einigen Toten. wurden auf den Abhängen östlich der Lorettokapelle unter östlichen Kriegsschauplaze ihre großen Hilfsquellen an Truppen vollEs blieb fein Italiener zurüd, wie unsere Infanterie sich überzeugen nommen. Gegenangriffe fanden unaufhörlich im Gehölz öst- fommen in Anwendung zu bringen. Die feit einem Monat von den fonnte, die um 9 Uhr abends das verlassene Gebiet durchsuchte sie blieb lich der Straße Air Noulette- Souchez statt. Die französischen Armeen erzielten Fortschritte werden andererseits etwa eine Stunde auf der Forcella und rückte nachher in die alte deutsche Offensive wurde überall gebrochen. Wir behaupteten Deutschland zwingen, eine neue Verteilung seiner Kräfte Stellung auf der Toblinger Riese, um sich keiner nächtlichen Um alle unsere Stellungen und brachten dem Feind schwere Ver- durchzuführen, um die Divisionen abzulösen, die seit einem gehung auszusetzen. Die Jtaliener befeßten später wieder die Forcella. Die Gesamtsumme der italienischen Verluste infolge unserer Artillerie- luste bei. Zwischen der Straße Air Noulette- Souchez und Monat so große Verluste an Toten, Verwundeten und Ges wirkung betrug, wie die vorgeschobenen Artilleriebeobachter in völlig der Straße Ablain- Souchez bemächtigten wir uns mehrerer fangenen erleiden. Endlich eröffnet das Eingreifen der italienischen Armee, deren Vorhuten den Isonzo überschritten haben, einen neuen einwandfreier Weise feststellten, 50 bis 60 Mann. Die Verwundeten Schützengräben und machten ungefähr 30 Gefangene. und einige Regungslose wurden weggeschafft; die Toten blieben Kriegsschauplatz für die Deutschen und Desterreicher, der binnen Paris, 7. Juni.( W. T. B.) Amtlicher Bericht furzem einen bedeutenden Teil ihrer Kräfte nach sich ziehen wird. liegen. Unser Kampfverlust betrug 4 Tote und 5 Verwundete. In dem gleichen Bericht wird gemeldet, daß italienische Infanterie von gestern abend. Im Abschnitte nördlich Arras Die Alliierten betrachten die Zukunft mit unbedingtem Vertrauen. verstärkt durch Finanzwache und Artillerie von Peri auf beiden Etsch- dauert der Kampf mit äußerster Lebhaftigkeit zu unserem Sie brauchen nur unausgesezt die auf das gleiche Ziel gerichteten ufern gegen Ala vorrückte, das Dorf Pilcante eroberte und Ala ständig besetzte. Der Kampf dauerte von mittags bis abends. Die Vorteil an. Wir unternahmen auf beiden Seiten der Straße Bemühungen zu verfolgen, von denen das heldenmütige Rußland Verluste wären leicht gewesen. Die Einnahme des Drtes Ala trug Air Noulette- Souchez glückliche Angriffe und ge- augenblicklich den schwersten Teil trägt. Ihr gemeinsamer Wille ist sich folgendermaßen zu: Knapp nördlich des Ortes standen wannen Gelände im Gehölze östlich dieser Straße und südlich ebenso fest, wie ihre Gemeinbürgschaft eng ist. des Etschtales beiderseits des Flußlaufes im Gebiete des Buvalgrundes. In Neuville- St. Va ast Gendarmen, Finanzwächter und deren Landsturmassistenzen aus dauerten unsere Fortschritte im Innern des Dorfes und im Ala, Borghetto, Avio Seghe und Madonna della Nue. Die Wir eroberten mehrere Häuser, verengerten Streitmacht betrug genau 161 Mann. Um 6 Uhr früh sah Nordteil an. man von der Grenze drei Kolonnen vorrüden, zwei Kompagnien gleichzeitig die Einkreisung und drängten den Feind in einen und zwei Geſchüße im Tal beiderseits der Etsch, zwei Stompagnien kleinen Raum im Nordwesten des Dorfes zurück. Wir be- Großen Generalstabs. In der Gegend von Riga vom Wirtshaus Segae durch Val Fredde und eine stärkere Kolonne, setzten einen Verbindungsgraben, welcher dorthin führt, er- und za wle ist keine Wenderung von Bedeutung eingeetwa ein Bataillon mit einer Maschinengewehrabteilung, einer Gebirgsbatterie und zwei Feldgeschützen, über Malga Foppiana oberten neue Schüßengräben im Zentrum und Süden des treten. An der Narew front eröffnete der Feind am gegen die Kirche von Alla. Um 8 Uhr 30 Minuten stand Labyrinthes und rückten 100 Meter vor. Seit acht Tagen Morgen des 5. Juni auf dem linken Ufer der Pissa ein der Feind bei San Pietro und eröffnete ein heftiges Artillerie- dauert der Kampf ohne Unterbrechung in diesem großen heftiges Artilleriefeuer. An der Weichsel bombardierte einer feuer. Trotz dieser Unterstützung zögerte die italienische Infanterie mit der Vorrüdung. Es wurde mittag, bevor sie endlich in Schanzwerk an, von dem wir jetzt zwei Drittel halten. Nörd- unserer Flieger mit Erfolg einen beladenen feindlichen Schleppdas umverteidigte Ala einrüdte. Bekanntlich erbeutete sie dort als lich der Aisne westlich von Tracy- le- Mont auf zug und brachte eine Barke zum Sinfen. An der Rawka Trophäen ein Schild mit dem Adler des Finanzpostens und eine den Höhen, welche der Mühle Sous tous les vents benachbart benutzte der Feind den gegen uns stehenden Wind und verInfanteriefappe, die ins Landesinnere gesendet wurden. Um 2 Uhr sind, unternahmen wir einen Angriff, welcher ernste Gewinne fuchte am 5. Juni von neuem erstickende Gase zu verivenden. 30 Minuten nachmittags entdeckten die Italiener die Stellung unseres Grenzschutzes und überschütteten sie mit Schrapnells. Um 5 1hr Beitigte. Nach einem sehr wirksamen Bombardement nahmen Er verbrannte eine chemische Mischung, die einen giftigen Rauch erzeugte. fegte die Infanterie zum Angriff an. Angesichts der vielfachen wir in einem einzigen Sprung auf einer Front von einem In Galizien bemächtigten sich unsere Truppen auf Uebermacht trat unsere Grenzschutzabteilung in Ruhe und Ordnung Kilometer zwei hintereinander liegende Reihen feindlicher dem linken Ufer des unteren San am 4. Juni nach den Rückzug an, während dessen sie heftig beschossen wurde. Unser Schützengräben und mehrere Schanzwerke. Drei heftige Gegen- einem Stampfe des Dorfes Groblew. Nördlich von Verlust betrug einen Toten und zwei Schwerverwundete, zwei nangriffe fanteristen vom 123. italienischen Infanterieregiment wurden als angriffe wurden von unseren Truppen zurückgeworfen, welcheezaist beziehen unsere über den San gesetzten Abteilungen über 200 Gefangene machten und drei 77- Millimetergeschütze trot feindlicher Angriffe und heftigen Feuers feste Stellungen. Gefangene mitgenommen. erbeuteten. In der Champagne rückten wir bei Beau Séjour vor. Auf den Maashöhen und in den Vogesen Artilleriekämpfe. Wien, 7. Juni.( W. T. B.) Aus dem Kriegspreise ouartier wird gemeldet: Wie sehr die amtlichen italienischen Communiqués mehr zur Stimmungsmache neigen als zur flaren präzisen Feststellung der tatsächlichen Gefechtsereignisse, zeigt die amtliche Meldung vom 3. Juni, die erzählt:" Der König fährt Oestlicher Kriegsschauplatz. Der russische Generalstabsbericht. Petersburg, 7. Juni.( W. Z. B.) Bericht bes Vor Przemysl fezt der Feind in der Richtung auf Moscista seine Offensive fort. Am Abend des 4. Juni unternahm der Feind, nachdem er bedeutende Kräfte gegen die Front Cziszki- Pakost Bukowize Deutscher Flugzeugangriff auf Der König fährt Deutscher Flugzeugangriff auf Lunéville. aufgeboten hatte, eine Reihe von Angriffen, die durch das Feuer zahlreicher Batterien schwerer Geschüße unterstützt wurden. Paris, 7. Juni.( W. T. B.)„ Petit Parisien" meldet aus Es gelang dem Feinde jedoch nicht, sich unseren Gräben zu unéville: Proz heftiger Beschießung konnte ein deutsches nähern, da er unter unserem Feuer schwere Verluste erlitten Flugzeug Freitag 2unéville überfliegen und zwei Bomben hatte. Am Dnjestr zwischen Tysmenika, Svika und abwerfen. Die erste richtete nur geringen Sachschaden an; die Svir fand am 4. Juni und am darauffolgenden Tage fein zweite tötete sieben Personen und verlegte 14, von größerer Zusammenstoß statt. Zwischen Delatyn und denen drei kurz darauf ihren Verlegungen erlagen. Nachmittags er- Rolome a fetten unsere Abteilungen auf das rechte Ufer schienen wieder zwei deutsche Flugzeuge, die aber infolge von des Pruth über und wiesen am 4. Juni und in der Nacht Artilleriefeuer umkehren mußten. zum 5. Juni eine Reihe von Gegenangriffen zurück, die von österreichisch- ungarischen Reserven unternommen fortwährend die Front ab und erfuhr hierbei unter vielen anderen für den hohen Geist, die prachtvolle Haltung, weise Zähigkeit, Begeisterung, Disziplin und Unverdrossenheit aller Truppen zeugenden Episoden auch nachstehende glänzende Tat des Alpini- Bataillons Dronero am Passe Valle Inferno: Der Unterleutnant der Reserve Ciochine griff mit seiner Abteilung nachts die mit überlegenen österreichischen Kräften besetzten Schüßengräben an und feuerte trok seiner Verwundung am Arme seine Soldaten an, den Kampf fortzusetzen. Dann übernahm der Feldwebel das Kommando; er wurde jedoch getötet. Hierauf führte ein zweiter Feldwebel namens Vico den Angriff neuerdings vor und drang in die Schüßengräben ein, wo 25 Desterreicher getötet und andere gefangen genommen wurden und nur wenige flüchten konnten. Ciochine erhielt vom König persönlich und Vico vom Vizegeneralstabschef Porro mit einer Die französische Darstellung der Kriegslage. starten worden waren. großartigen Ansprache und dem Kuß, den das Heer ſeinen tapfe- die französische Deffentlichkeit über die russischen Nieder- Zum Austausch der deutschen und russischen ren Söhnen gibt, die silberne Militärverdienstmedaille. Vom nordöstlichen Kriegsschauplatz. Paris, 6. Juni.( W. T. B.) Die Agence Havas sucht lagen durch folgende Ausführungen zu trösten: Die russischen Armeen stehen seit einigen Wochen einer ungeheuren KraftKriegsinvaliden. Der Kampf hat sich in Wirklichkeit folgendermaßen abgespielt: Der erste Angriff der Italiener auf den Valle Inferno- Paß er- anstrengung gegenüber. Sie befinden sich in der Lage, in Petersburg, 7. Juni.( W. T. B.) Die Petersburger folgte am 25. Mai nach Mitternacht als Ueberfall. Auf unserer die sich im August, September im August, September und November die fran- validen Kriegsgefangenen in Deutschland ist in letter Telegraphenagentur meldet: Der Austausch von inSeite standen zu dieser Zeit in dem entsprechenden Verteidigungs- zösischen Armeen versetzt gesehen haben. Deutschland ist Stunde wieder an deutschen Forderungen und Weiterungen geabschnitte zwei Züge Landwehr und zwei Züge Landsturm. E3 dant seiner zentralen Lage imftande, einen beträchtlichen scheitert. Jetzt sind alle Unterhandlungen eingestellt. gelang den Italienern in dieser Nacht tatsächlich, zwei Feldwachen schnell von einer Front zur anderen zu vertreiben, und zwar eine vom Passe Valle Inferno und die Teil seiner Kräfte Anmerkung des W. T. B. Diese Meldung ist durchaus zweite von der Felskuppe Cote 2291, dem sogenannten Kesselfopf. werfen zu können. Es nützt augenblicklich diese Erleichterung unzutreffend. Die deutsche Regierung hat im Interesse der MenschBoden gut. Aber man habe keine Erfahrung im Gemüsebau, wartungsvolle, Abwartende fast gänzlich verschwunden. So viel darum empfehle er die Anstellung eines tüchtigen Gärtners, um wie möglich gehen die Menschen wieder ihrer Beschäftigung nach. Mizgriffe und falsche Maßnahmen zu verhindern. Auch hält es Die Furcht, daß die neue Herrschaft mit Raub und Gewalttätigkeit In der Gegend von Memel. der Verwalter für gut, daß sich die Frau Gräfin einige Werke verbunden sein könnte, ist überwunden. Selbst die Letten haben Ostpresse quartier, 6. Juni 1915. über Gemüsebau verschaffe und fleißig studiere. Weiter gibt er sich etwas beruhigt. Das Geschäftsleben vollzieht sich nun geMemel hat sich von den Schrecken der Russenherrschaft erholt. eine Aufstellung über die in Betracht kommenden Gemüsesorten, ordneter als in der lebten Zeit vor dem Einzug der Deutschen. Auf dem Play vor dem Theater steht der Simon- Dach- Brunnen ihre Verwendung und die zu erwartenden wirtschaftlichen Vor- Damals durfte kein Licht angezündet werden, mit Anbruch der mit dem„ Aennchen von Tharau" auf hohent Sockel. Nun schaut teile.. Dunkelheit war die Stadt tot; nun erstrahlen bis in die zehnte das Aennchen auf ein merkwürdiges Treiben: rings um den Nun ist das Gut verödet, Gärten und Felder sind zum großen Abendstunde die Geschäfte in heller Beleuchtung und in den WohBrunnen sind allerhand Jahrmarktsbuden aufgestellt. Die Teil unbestellt geblieben. Wir gehen zum Strand, warm scheint nungen können die Einwohner solange bei ihren Lampen fizen, Schönen der umliegenden Dörfer kaufen schimmernden Schmuck die Sonne, in eintöniger Regelmäßigkeit friechen die Wellen wie es ihnen paßt. Nur der Mangel an Kleingeld macht sich im für 10 und 15 Pf., bunte Tücher, Tändelschürzen und dergleichen heran, es sieht fast so aus, wie anmarschierende Regimenter. Wir Geschäftsleben immer noch störend bemerkbar. Eine Reihe von mehr; bedächtige Hausfrauen halten Musterung unter den dar- legen uns für einige Minuten in den Sand und schließen die Arbeitern kann jezt die frühere Beschäftigung wieder aufnehmen. gebotenen Haushaltungsgegenständen, vorwiegend Küchengeschirr Augen. Die Gedanken verbinden uns trok der Einsamkeit mit Mehrere industrielle Werke sind wieder im Betrieb. Die Arbeiter, und allerhand Kurzwaren. Buden mit Leckereien üben auf die dem großen, umwälzenden Weltereignis.... Horch; ist das nicht z. B. die der Eisenwerke erhalten die früheren Affordsäze. ManJugend große Anziehungskraft aus. Nun strömt sie zu einem von fern herübertönender, leise verhallender Kriegslärm? Nein, chem Erwerbslosen wird die Verdienstmöglichkeit sicher willanderen Platz; Kirmestrubel schallt herüber. Die Drehorgel eines die Phantasie spielt uns einen Streich. Das Rauschen der See kommen sein. Karussels läd ein zu fröhlichen Fahrten auf stolzen Rossen und hat uns in Halbschlummer versezt. Drüben im Osten und Süden Fleisch ist reichlich zu haben; es wird in vielen Läden für 40 in prächtigen Karossen. donnern die Kanonen, stürmen die Truppen zu blutiger Arbeit bis 50 Pf. das Pfund angeboten. Dagegen scheinen die WeizenKurz hinter Memel stoßen wir wieder auf die noch lange gegeneinander; weit von uns entfernt seßen Artilleriegeschoffe vorräte knapp zu werden; die Bäcker, die fast nur Weizenbrot und Weiter geht die Fahrt. In Buzau-gebäck herstellen, haben meistens schon vor der Mittagsstunde die sichtbaren Spuren des Krieges. Inmitten der prangenden Natur Hütten und Häuser in Brand. Brandruinen. Und neben den Ruinen und auf den Feldern strömen die zurückgebliebenen Einwohner zu einer Art Litfassäule, frische Ware verkauft und zwar zu nicht unerheblich gesteigerten Soldatengräber. Oft dicht beieinander, einzeln und in Massen- einem Baumstamm mit aufgeseztem Pilzhut. Hier werden die Preisen. Sehr teuer ist Butter geworden, 2 M. kostet das Pfund. gräbern liegen unter den Hügeln deutsche und russische Krieger. Bekanntmachungen angeschlagen. Männer, Frauen und Kinder Gier und Räucherwaren sind überall und zu verhältnismäßig Ein Bild wüster Zerstörung bietet das schöne Schloß Bolangen. umlagern den Pilz. Nun liest jemand laut die neueste Prokla- niedrigen Preisen zu haben. Zigaretten, Zündhölzer und Zeitun Dußende von Granaten haben das Gebäude start zerfekt. Die mation, die eifrig besprochen wird. Auf der Weiterfahrt be- gen werden von fliegenden Händlern auf der Straße angeboten. Stapelle ist von den Geschossen beinahe vollständig abgebrochen gegnen uns nur wenige Menschen, einzelne Leute mit kleinem Nachmittags trifft das„ Memeler Dampfboot" vom felben Tage worden, nur das Kreuz steht noch unversehrt auf dem Kuppeldach. Gepäck, selten einfache Bauern, Wagen, hin und wieder einige schon in Ribau ein und findet reißenden Absatz. Die an verAn verschiedenen Stellen des Schlosses sind Granaten bis in den Soldaten, meistens wohl Ordonnanzen; die Sicherungsstelle ist schiedenen Stellen öffentlich angeschlagenen neuesten Nachrichten Steller hineingefahren; an einer Seite des Hauptgebäudes riffen viel weiter nach Süden vorgeschoben. Sobald unser Wagen in unterrichten zudem über die lezten Ereignisse auf den Kriegssie einen Balfon fort. Auf der Terrasse liegen noch jetzt zwei die Nähe eines Gehöfts oder auch nur einer Hütte kommt, het schaupläßen. nicht trepierte Granaten. Im Innern des Schlosses zeugt ein sicher ein Hund heran, um das schnaufende Auto aus nächster mirres Chaos von Schutt und Möbeln von der furchtbaren Wir- Entfernung und mit einem Eifer anzubellen, als wollte er sagen: tung der eingeschlagenen Geschosse. In einem Zimmer liegt ein Ich will euch zeigen, wer hier Herr ist! Das große starke Pferd Berg von Büchern und Schriften, fast ausschließlich solche in dagegen zittert vor Angst, bäumt sich auf, will davon rasen, rennt russischer Sprache. Aber dort auf dem Tisch ein Attenstück in mit dem Fahrzeug oft querfeldein, flieht vor der vermeindlichen deutscher Maschinenschrift, der Verwalter berichtet darin an die Gefahr. Die physische Kraft allein macht nicht überlegen, sonst Frau Gräfin, wahrscheinlich auf eine an ihn gestellte Frage nach wäre ja auch Rußland längst Sieger in dem blutigen Ringen der Produktion der Gutsländereien an frischem Gemüse; der Ver- gegen Deutschland und Desterreich. malter schreibt, daß die Gutsländereien den gesamten Bedarf von Ribau hat sich start verändert, seitdem ich es zum letzten Gut und Bad Polangen decken könnten, das Klima sei günstig, der Make sah. Aus dem Straßenleben ist das Nervöse, bang Er- l Von verschiedenen Einwohnern hörte ich, daß sie bisher nach den russischen Zeitungsnachrichten der Meinung waren, Rußland habe schon fast das ganze Deutschland und Desterreich besetzt, die Türkei sei unter den Angriffen der Russen und Engländer zusammengebrochen, der Tag nahe, an dem sich die siegreich vorwärtsstürmenden Russen und Franzosen in Berlin begrüßen können, um dort den Frieden zu diftieren. Erführe das ganze russische Volk die Wahrheit, dann würden Empörung und Meuterei die Seeresleitung zwingen, Frieden zu schließen; dann müßte die Menschenschlächterei ein Ende nehmen. Düwell, Kriegsberichterstatter. lichkeit die Benutzung des Seeweges für die auszutauschenden Ge- fangenen vorgeschlagen, um ihnen die Oual eines langen Land- iranSportes zu ersparen. Die russische Regierung hatte dies ab- gelehnt, die Verhandlungen werden aber von Deutschland nach wie vor fortgesetzt. Da auch die schwedische Regierung wegen des Reise« weges beteiligt werden muß, werden sie voraussichtlich noch einige Zeit dauern. Der Seekrieg. vom l)-Sootskrieg. London, 7. Juni. sW. T. 33.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Dampfer„ D u l w i ch h e a d" wurde bei Leith von einem deutschen Unterseeboot torpediert und versenkt. London, 7. Juni.(W. T. 23.) Nach einer Lloydsmeldung aus Peterhead wurde der englische Fischdampfer Persimon(253 Tonnen groß) gestern ungefähr 80 Meilen nordöstlich von Buchan Neß beschossen und versenkt. Die Besatzung wurde in Grimsby gelandet. Nach derselben Quelle wurden am Sonnabend die Fischdampfer„ F a z e h o u n d" und„ C u r l c w" 23 Meilen von Peterhead entfernt durch ein deutsches Unterseeboot versenkt. Die Besatzungen wurden ge rettet. London, 7. Juni.(W. T. 23.) Meldung des Neuterschen Bureaus. Die englische Bark„S u n l i g h t" ist gestern abend an der irischen Küste durch ein deutsches Unterseboot t o r v e d i c r t worden. Die Besatzung wurde von einem Fisch dumpfer aufgenommen und heute früh in Queenstown ge landet. Ein deutsches Unterseeboot hat ferner den Fische dampser„D r o m i o" torpediert. Die Besatzung wurde gel rettet und in Peterhead an Land gebracht. London, 7. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der britische Dampfer„Star o f W e st" ist von einem deutschen Unterseeboote versenkt wor den. Die Besatzung wurde in Aberdeen gelandet. Verzögerung öer /lbsenüung üer amerikanischen Note. Washington, 7. Juni.(W. T. B.) Meldung deZ Reuter scheu Bureaus. Infolge einer Unpäßlichkeit des Präsidenten Wilson verzögert sich die Fertig» stellung der Note an Deutschland. Sie wird jetzt wahrscheinlich vom Staatssekretär Bryan durchgesehen werden. Man glaubt nicht, daß es gestattet fein wird, die Note vor Dienstag oder Mittwoch oder vielleicht erst Donnerstag zu veröffentlichen. Es sind u n g c wöhnlichc Vorsichtsmaßregeln getroffen lvorden, um dafür zu sorgen, daß die Note genau so, wie sie a b gefaßt wird, übermittelt wird. Sie wird über London und dem Haag nach Berlin geschickt werden. Die anwrika nischcn diplomatischen Vertreter an diesen Orten werden den Text kontrollieren. Der Botschafter in Berlin wird die Note nicht überreichen, che er sich davon überzeugt hat, daß sie wörtlich mit dem Entwurf überein st i in m t. Der Seekampf in öer Gftsee. Zu Meldungen au? Kopenhagen über ein See- gesecht in der Ostsee hören wir, daß es sich dabei nur um eine Aufklärungs fahrt von deutschen Flottenstreillrästen handeln kann. Daß bei dieser Gelegenheit ein russischer Minenkreuzer durch ein deutsches Unterseeboot bei Baltischport versenkt wurde, ist am Sonntag berichtet worden. Unsere Streit- lräftc sind bereits wieder in den Heimatshafen zurückgekehrt. ** Petersburg, 7. Juni.(W. T. B.) Von autorisierter Stelle wird mitgeteilt: Am 3. Juni bemerkten unsere Ausguckposten auf der Küste und unsere im Dienst befindlichen Unterseeboote, daß der Keirid nahe unserer Küfrc, besonders an den Zufahrten zum Rig.aischen Meerbusen, tätig sei. Zu gleicher Zeit näherten sich feindliche Torpedoboote als Vorhut ihrer großen schiffe der Einfahrt in den Meerbusen. Bald darauf ließ der Feind Wasserflugzeuge aufsteigen, welche unsere Schiffe angriffen, jedoch vergeblich, denn alle ihre Geschosse fehlten und unsere Artillerie verjagte die Flugzeuge. Am l. Juni wiederholte der Fcuw seinen Versuch, sich unserer Küste zu nähern, aber von unseren Unterseebooten angegriffen ging er zurück. Zu gleicher Zeit wurde auf der Ostsee unser Transportdampfer„I e n i s s c i" von einem feindlichen Unterseeboot angegriffen und ging unter; 02 Mann wurden gerettet. Der türkische Krieg. Kämpfe auf Hallipoli. London, 7. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Prcssebureau berichtet, daß Freitagfrüh ein allgemeiner Angriff auf die türkische» Vcrschan- z u n g en im südliche» Teile von G a l l i p o l i unternommen wurde, dem Freitagnacht ein zweiter Angriff folgte. Die Alliierten kamen um SM) Meter vorwärts, eroberten zwei türkische Schützen- grabenlinien an einer Front von über drei Meilen und machten vierhundert Gefangene. Ueber diese Kämpfe werden die folgenden Einzelheiten mitge- teilt: Nach heftiger Beschießung mit allen Kanonen, bei welcher auch die Flottenunterstützung mitwirkte, stürmten Freitag früh die Truppen auf ein gegebenes Zeichen vor. Sie hatten sofort auf der ganzen Linie Erfolg, außer an einem Punkte, wo die starken Ver- haue aus Eisendraht durch die Beschießung nicht zerstört waren. Freitag früh kam die Nachricht, der Feind habe V c r st ärkungen erhalten und rücke aus der Richtung von Maidos nachKrithia vor. General Birdwood befahl einen Angriff auf die Schützen- grüben, der um 10 Uhr abends erfolgreich durchgeführt wurde. Die Schützengräben wurden während der Nacht gehalten. Die Türken erlitten schwere Verluste. Morgens machte der Feiird einen heftigen Gegenangriff uird nötigte unsere Mannschaften, die vordersten Schützengräben zu räumen. Wir beHerr- schon aber noch die Verbindungsgräben. Türkische Schlappe am Tigris. London, 7. Juni.(W. T. 23.) Das Preßbureau berichtet über Gefechte am Tigris: Eine englische Truppen- macht besetzte am 3. Juni Ä m a r a. Der Gouverneur und über 700 Soldaten ergaben sich. Diese gehörten zu einer türkischen Vorhut, die sich vom persischen Gebiete zurückgezogen hatte und von einer englischen Kolonne verfolgt wurde. Die Haupttruppe, die ihr folgte, wurde in dem morastigen Gelände zerstreut. Wir»ahmen insgesamt 2000 Mann gefangen und erbeuteten 7 Feld- kanonen, 6 Schiffskanonen vom Kanonenboot „Marmarie", vier Flußdampfer, 12 große stählerne Scha- Inppen, eine Anzahl von Gewehren und allerlei Munition. Man erwartet, daß sich noch mehr Truppen ergeben werden. Von sechs D e u t s ch e n, die sich bei den Türken befanden, wurden drei gefangen und zwei durch Araber getötet wo der sechste geblieben ist, weiß man nicht. Die sozialdemokratische Partei Italiens nach dem Kriegsausbruch. Unser Mailänder Parteiblatt, der„Avantt", stellt nach einem Telegramm des„Berliner Lokal-AnzeigerS" fest, daß die sozialistische Partei die anfangs schwierige Pertode nach dem Kriegsausbruch mit Festigkeit und straffem Zusammen� halten überstanden habe. Ungeachtet der außerordentlichen Lage und des Umstandes, daß mehr als 20 000 ordentliche Mitglieder zu den Fahnen einberufen worden seien, sei eine Zunahme der Anmeldungen zum Beitritt zu verzeichnen. Von den etwa zweitausend Zweigvereinen habe sich nur einer wegen des Krieges aufgelöst, und keiner habe grundsätzliche Ein Wendungen gegen die Haltung der Partei gemacht/ Von den etwa 100 Wochenblättern der Partei, von denen etwa 20 ihr Erscheinen hätten einstellen müssen, würde eine mit der Zentralleitung durchaus übereinstimmende Haltung bewahrt Von der Zensur gezwungen, müsse die sozialistische Presse sich jetzt auf die Werbearbeit für die allgemeinen Parteigrundsätze und die theoretische Kritik beschränken, um nach dem Kriege mit ungeschwächten Kräften der neuen Lage gegenübertreten zu können. Für die Tage vom 10. bis 12. Juni ist eine Versammlung des Parteivorstandes nach Rom einberufen. Englische Kritik an Negierungsmaßnahmen. London, 7. Juni.(W. T. B.)„Economist" schreibt: Wenn jedermann, wie wir seinerzeit vorschlugen, bei Beginn des Krieges dem Kriegsministerium und der Admiralität mit seiner Arbeits- krast verpflichtet worden wäre und alle Agenten und Spekulanten von den Bergwerksbezirken und dein Eisenbahnwesen ferngehalten worden wären, würden die Ausgaben des Staates erheblich ge- ringer gewesen sein. Die Erhöhung der Äohlenpreise, Verkehrs- Hindernisse und Frachtensteigerungen wären vermindert worden, die Preise niedriger und die Aussichten bezüglich der Erhöhung der Steuern erheblich weniger beunruhigend geworden. Mit anderen Worten: man sieht jetzt selbst in liberalen Kreisen daS Ueber- gewicht ein, das Deutschland durch seine äußerst durchgearbeitete und durchgeführte Organisation hatte. Während Englands Kraft dadurch geschwächt wurde, daß unentbehrliche Arbeitskräfte ins Feld gingen, hat Deutschland, wo die Rücksicht auf die Kriegs industrie und das sonstige Erwerbsleben mitsprach, eine Auswahl getroffen und die Arbeiterzahl verringert, wo es am wenigsten schadete. Wie weit das neu eingeführte Nationalregister Llohd Georges ausreichend ist, um dies Ziel zu erreichen, muß die Zeit lehren. Sehr beruhigend wirft die Aufstellung auf die englischen Untertanen nicht. Hat man erst die Listen ausgearbeitet, so ist der Uebergang zum Zwangssystem nur ein Schritt. So hat der Krieg es uttt sich gebracht, daß selbst das Land des Individualismus vor der Notwendigkeit steht, das Zwangsshstem einzuführen, das auf der Bevölkerung des Festlandes lastet. Damit ist alles englische Geschrei über den deutschen Militarismus ad absurdum geführt. Englifthe Korruptionsversuche in tzollanö. Aus Amsterdam schreibt man uns: Die„Times" haben dieser Tage in einem Artikel der neuen Regierung u. a. die Aufgabe zu- geschrieben, authentische Nachrichten in neutralen Ländern zu der- breiten, und zwar in einer mehr„systematischen Form" als bisher Was man darunter zu verstehen hat, ist nicht allzu, schwer zu erkennen. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" erbringt überdie den Beweis, daß man schon jetzt cm. dieser �systematischen" Arbeit ist. Das Blatt hat nämlich von einer großen Londoner Druckerei einen Bericht in holländischer Sprache über die von Lord Kitchener im Oberhaus gemachten Mit teilungen über die von den Deutschen gebrauchten Stick- gase erhalten mit dem Ersuchen, den Text als r e d a k- t i o n e l l e n Bericht aufzunehmen. In einem Begleirbrief heißt es: „Sollten Sie Ihre Kosten für den Satz usw. in Rechnung bringen wollen, sind wir gern bereit, Ihnen entgegenzukommen und werden Ihnen sofort nach Empfang Ihrer Rechnung eine Anweisung auf den von Ihnen berechneten Betrag zukommen lassen." Das Rotterdamer Blatt bemerkt dazu, daß es bei niederländischen Blättern von einigem Namen nicht vorkomme, daß 'ic sich für die Aufnahme von Artikeln bezahlen lassen. DaS Setzen eines eine Viertelspalte umfassenden Berichts würde auch kaum Kosten machen und was solle daS„Etcetera" bedeuten? Die Verwahrung des Rotterdamer VlatteS zeigt, daß die Redaftion von ihren Kollegen von der holländischen Presse eine bessere Meinung hat als die Auftraggeber der Londoner Druckerei. Die holländische Presse hat in der Tat im ganzen bisher als sauber ge gölten. Ob indessen das optimistische Urteil allgemeine Geltung beanspruchen kann, wird in einer Epoche, die für reiche Fischzüge gewissenloser Preßjobber so günstig ist wie die jetzige, zweifelhaft erscheinen, zumal da man jetzt auch in Holland einer Hetzarbeit begegnen kann, die für ehrlichen Fanatismus allein denn doch a„systematisch" ist. Frankreichs Kriegsausgaben. Seit dem 1. August v. I. betragen die gesamten Kriegsaasgaben Frankreichs 22 Milliarden 75 Millionen Fra n k. Die eigentlichen Ausgaben für den Krieg bis Ende September 1915 belaufen sich auf 1K2Z8 000 000, für die Sozialfürsorge, darunter Unterstützung der Familien der Einberufenen, bis zu demselben Zeitpunkt 2319 090 000, für Einkauf von Getreide zum Verbrauch der Zivilbevölkerung 187 Millionen, Die Staatsschuld wird 1427 Millionen erfordern, andere Ausgaben 1 925 009 900 Frank. Obige Zahlen sind dem soeben vom„Temps" veröffentlichten Bcridst des Finanzministers Ribot entnommen, mit dem er von der Kammer die Eröffnung eines provisorischen Kredits von 5 939 978 270 Frank für das dritte Vierteljahr 1915 fordert. Aus Ribots Darlegungen ergibt sich weiter: Die französischen Militär- ausgaben sind von 850 Millionen monatlich auf 1300 Millionen gestiegen, besonders infolge der zunehmenden Stärke der Heeres- bestände, der Verstärkung der Kampfmittel und Ausdehnung der Operationen im Orient. Die Ausgaben für Unterstützungen haben ich von 08 auf 154 Millionen monatlich erhöht. Die Ausgaben des Staatsschatzes haben zwischen dem ersten August 1914 und dem 15. Mai 1915 12 610 Millionen und die Einnahmen 12 321 Mil- lionen betragen. Der Bericht Ribots schließt mit der Erklärung, daß die Gesamtlage zuversichtlich betrachtet werden könne. Der beste Beweis dafür fei, daß das Volk seine Ersparnisse in Schatz. cheincn und Obligationen anlege, was zugleich auch das Ber- trauen des Volkes in den endgültigen Sieg beweise. Preßvorschriften in Delgien. Wie der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" nach der in Gent erscheinenden„Vlaammen Post" mitteilt, l,at das Ober- kommando der 4. Ilrmee am 23. Mai eine für das ganze okkupierte Belgien gellende Zensurverordnung berausgcgeben. Sie bestimmt, daß Druckschriften erst nach schriftlicher Ge- nehmigung dex Zensnrstelle ausgegeben werden dürfen. Aus». ] genommen sind blensiliche Bekanntmachungen und Familien- Nachrichten. Zeitungen und periodische Zeitschriften dürfen nur nach etwaiger Zulassung der Zeusurstelle und nur in deutscher oder via misch er Sprache heraus- gegeben werden. Die französische Sprache kamt z u- gelassen werden, wenn die Notwendigkeit von der Zensur- stelle bestätigt wird. Die Einfuhr ausländischer Druck- schriften ist verboten. Für öffentlichen Anschlag/Aus- teilung und Verkauf auf öffentlichen Plätzen ist eine bc- sondere Genehmigung des Oberkommandanten erforderlich.— Eine Prüfung und schriftliche Zulassung durch die Zensur- stelle ist auch für Theatervorstellungen, öffentliche Vorträge jeder Art und kinematographische und Lichtbilder- Vorführungen gefordert. In kinematographischen und Lichft bildervorstellungen ist eine Erklärung der Stücke in Deutsch oder Flämisch oder in beiden Sprachen zugelassen. Die französische Sprache darf zusammen mit der deutschen oder flämischen gebraucht werden, aber nicht allein.— Es ist verboten, Vorstellungen beizuwobnen, die nicht zu- gelassen sind.— Uebertretung dieser Bestimmungen— absichtliche oder fahrlässige— sowie die Aufforderung hierzu, wird mit Buße bis zu 12000 M.(15 000 Fr.) oder Gefängnis bis zu 3 Jahren geahndet, sofern nicht die Kriegsgesetze eine strengere Strafe vorsehen. Umformung öes belgischen Kabinetts. Le Havre, 7. Juni.(W. T- 23.) König Albert Plant eine Umformung des Ministeriums. Zwei Sozialisten sollen eintreten. Annahme öer schweizerischen Kriegssteuer. Bern, 6. Juni.(W. T. B.) Der im April von beiden eidgenössischen Räten einstimmig angenommene Bundes- beschluß, durch den der Bund ennächtigt wird, zur Deckung eines Teils der M o b i l i s a t i o n s k o st e n eine ein- malige Kriegs st euer auf den Besitz und in geringem Maße auch auf das Einkommen zu erheben, ist heute in einer Volksab st immung mit 445 000 Ja gegen 27 200 Nein angenommen worden. Die Steuer bs- trifft die Einkommen von über 2500 und die Vermögen von über 10000 Frank. Sämtliche politische Parteien hatten die Annahme des Beschlusses empfohlen. In einzelnen Kantonen betrug die Zahl der Ablehnenden nur zwei bis drei Prozent, so in Basel. Luzern, Bern u. a. Die Schweizerische Depeschenagentnr bemerkt hierzu: Die Geschichte der schweizerischen Demokratie weist kein Beispiel auf, in dem eine Vorlage der Regierung und des Parlaments mit so gewaltigsr Mehrheit angenommen worden ist. Iuöenausweisungen. Kiew, 7. Juni.(W. T. B.) Eine Depesche der„KiewSkcha MySl" aus Wilna dementiert die Nachricht Petersburger Blätter von der angeblichen Zurücknahme der Verordnung über die Ausweisung der Juden aus Koroman und Kowno. Viclinehr ist, nack) dieser Depesche, den Juden der Aufenthalt im ganzen Festungsrayon Kowno endgültig verboten. Die Gesamtzahl der aus dem Gouvernement Kowno und aus Kurland ausgewiesenen Juden erreichte 147 000. Da die Ausweisungen innerhalb 24 Stunden erfolgten, sind Hunderte von Kindern verloren gegangen.— Die lettischen Zeitungen fordern die Letten auf. den Handel in allen Gegenden an sich zu reißen, aus denen die Juden und Deutschen aus- gewiesen sind. Verschlechterung öes Zuftanöes öes Königs von Griechenlanö. Athen, 6. Juni. 9 Uhr abends.(W. T. V.) Heute nachmittag 5 Uhr war die Temperatur desKönigs aus 39,9 gestiegen. Der Pulsschlag betrug 136 und die Atmung 23. Der Krankheitsbericht von 8 Uhr abends lautet: Temperatue 40.1. Puls 144. Atmung 24, Ausfluß aus dein Rippenfell genug mit schlechtem Geruch. Die Lage i st äußerst e r n st. die Bevölkerung sehr beunruhigt. Am Tage vorher hatte der König sich einer Operation unterziehen müssen, durch die ein Rippcnteil entfernt worden war. Kriegsbekanntmachunsen. Verwendung von Nickelsalzcn usw. Amtlich. Berlin. 7. Juni.(W. T. B.) Das Kriegs- Ministerium(Äriegs-Rohstoff-Iibieilung) weist daraus hin, daß es nach der Beschlagnahmeversügung vom 1. Mai 1915 Nr. M, 1/4. 15 K. R. Ä. verboten ist. beschlagnahmte Bestände an Nickel- anodcn und Nickelsalzen in Form von Nickelbädern für Friedens- zwecke weiter zu benutzen....„ Die genaue Beachtung des Z 5 der bezeichneten Verfügung wird empfohlen. Hiernach dürfen Metallmcngen, die ihrer Gering- fügigkeit wegen don der Beschlagnahme nicht getroffen sind, neben der nach§ 6 für beschlagnahmte Bestände zulässigen Verwendungs- ort, nur im eigenen Betriebe und lediglich zu dringenden Reparatur- zwecken im fremden Betriebe verarbeitet werden. Herstellung von Kartoffelstöcken. Amtlich/ Berlin, 7. Juni.(28. T. B.) Herstellung von Kartoffelflocken durch Trocknung der Kar- toffelscheiben an der Luft. Der Preußische Landwirtschafts minist er gibt folgendes bekannt: Die Vorräte an Kartoffeln der 1914er Ernte find glücklicher- weise beträdstlidj größer, als nach den vor kurzem angestellten Ermittelungen erwartet werden konnte. ES ist notwendig, dafür.rn drgcn, daß von diesem wertvollen Vorrat an Nahrungsstosfcn nichts verloren gehe. Wenn nun audi die Karroffelttocknungsanlagen und die Stärksfabriten angestrengt tätig sind, um die Kartoffeln in haltbare Trockenware überzuführen, wird cS dodf nicht gelingen, den ganzen Vorrat, so schnell wie erforderlich, auszuarbeiten. Der Königliche Amtsrat Kramer auS BoigtShof bei Seeburg in Ostpreußen macht darauf aufmerksam, daß es möglich ist, Kar- toffeln ohne Anwendung künstlicher Wärme mit geringen Kosten au der Luft in haltbare Flocken umzuwandeln und durch Mahlen Kartoffelmehl daraus herzustellen. Zu diesem Zwecke werden die. Kartoffeln gewaschen, mit der Maschine geschält, in dünne Scheiben geschnitten und in offenen Schuppen aus großen mit weitmaschigem Netz bezogenen Rahmen getrocknet. Die Scheiben trocknen in der Zeit von 2— 3 Tagen. 1000 Teile Rohkartoffeln ergeben 260 Teile trockene Schnitzel. Herr Amtsrat Kramer ist gern bereit, Interessenten nähere Auskunft zu geben. Lette Aachrichten. Vernichtung eines französischen Minenlegers. Paris, 7. Juni.(W. T. B.) Die Agenee Havas meldet amtlich: In der Nacht vom 3. zum 4. Jüui ist der französische Minenleger„C a s a b l a n c a" am Eingang einer Bucht des Aegäischen Meeres auf eine Mine gestoßen. Der Kommandant, ein Offizier und vierundsechzig Matrosen der Besaßung wurden von einem englischen Torpedobootszerstörer gerettet. Es ist möglich, daß andere llcberlebcndc schwimmend die Küste erreichen konnten und sich in türkischer Gefangenschaft befinden. Verlustlisten. Zoo Landesvorstand widmete dem Verstorbenen Genosse Pfeiffle, für die einträgliche Arbeit übertragen. Diese freudige Ankündigung hatte Landtagsfraktion Genosse Kolb warme Nachrufe. dann gewöhnlich ein längeres Gespräch zur Folge, in welchem die Schwindlerin so ganz nebenbei vorbrachte, daß ihr Bruder, der Landwirt sei, ihr noch 14 Zentner Kartoffeln, 80 Pfund Bettfedern Die Berlust liste Nr. 242 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Tstenliste der Partei. Preßprozeß. Aus den Organisationen. Am Freitag, den 4. Juni, starb in Kiel der Genosse und eine Kiste mit Schinken, Giern, Schmalz, Butter, Erbsen und 2., 3., 4. und 5. Garde- Regiment 3. J.; 1. und 2. Garde- Reserve- 2. 2ütjens, Berichterstatter der„ Schleswig- Holsteinischen Volks- anderen Nahrungsmitteln geschickt habe, die sie nun, da sie noch Regiment; 2. Garde- Ersatz- Regiment; Garde- Grenadier- Regi- zeitung", im Alter von 59 Jahren." Mit dem Genossen Lütjens ist abends abreisen wolle, gar nicht mehr brauchen könne. Sie würde menter Franz und Elisabeth; Garde- Fusilier- Regiment; Garde- wieder ein alter, braver und treuer Mitkämpfer aus der Partei die Kartoffeln irgendeiner armen Frau gern billig ablassen und ihr Reserve Jäger- Bat.; Lehr- Inf.- Reg.; Grenadier- bzw. Infanterie- gefchieden. Erst vor wenigen Wochen konnte er noch das 40 jährige die übrigen Sachen sogar schenken. Die Frauen wurden nunmehr bzw. Füsilier- Regimenter Nr. 1, 2, 5( siehe auch Erf.- Inf.- Reg. Jubiläum seiner Parteizugehörigkeit feiern. Als 19 jähriger erst recht aufmerksam und erklärten schließlich, daß sie selbst gern Gropp), 8, 9, 12, 15, 16, 17, 18( siehe Gri- Inf.- Reg. Kynast), 23 Jüngling trat er, furz vor dem Gothaer Ginigungstongreß, in bereit wären, die Kartoffeln zu kaufen. Die Angeklagte holte nun ( fiche Landw.- Erf.- Inf. Reg. Nr. 7 der Landw.- Div. v. Menges), Hamburg dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein als Mitglied einen der bekannten grünen Lagerscheine der Güteraufbewahrungs26, 31, 33, 34, 44, 49, 53, 54, 57, 62, 63( siehe auch Landw.- Gri- bei und hat dann in der geeinigten Partei bis an sein ſtelle der Eisenbahn hervor und erklärte, daß sie die Kartoffeln, den Inf. Reg. Nr. 7 der Landw.- Div. v. Menges), 64, 65, 66, 67, 68, Lebensende weiter ſeinen Mann gestanden. Die ganze Zeit Zentner mit einer Marf, abgeben wolle, außerdem habe sie schon 73, 76, 78, 79, 87, 88, 92, 109( siehe Grenadier- Reg. Nr. 110), 110, des Sozialistengefeges war er in Hamburg in den gefährdetsten, 6 M. Lagergeld bezahlt, die ihr zurückerstattet werden müßten. Durch 115, 116, 131, 132, 135, 136, 138, 143, 148, 149, 150, 151, 153, 154, verantwortungsvollsten Barteiämtern tätig, und als er im Jahre den Lagerschein sicher gemacht und durch das verlockende Angebot, 156, 158, 159, 160, 163, 165, 166, 169, 171, 172, 173, 175, 176; 1895 nach Stiel übergesiedelt, als Berichterstatter in die Redaktion den Zentner Kartoffeln für 1 M. kaufen zu können, zu einem Rej- nf. Regimenter Nr. 8, 11, 12, 13, 15, 22, 26, 27, 30( fiche der Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung" eingetreten war, hat er 20 M., um dann am nächsten Tage freudestrahlend nach dem Bahnschnellen Entschluß gedrängt, zahlten die Frauen die verlangten Landw.- Inf.- Reg. Nr. 87), 32, 34, 51, 56, 68, 77, 81, 83, 84, 86, auch in Stiel in der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung 88, 98, 201, 202, 205, 208, 209, 213, 216, 219, 221, 223, 224, 228, er war von Beruf Metallarbeiter- jederzeit ſeinen Mann gestanden. hofe zu wandern, um sich dort vielfach mit Hilfe eines gleich mit256, 268, 272; Grf.- Inf. Regimenter Gropp und Kynast; Landw. Auch die„ Freuden" eines verantwortlichen Redakteurs der sozial- gebrachten Fuhrwerks ihren Kartoffelschah abzuholen. Ihr Gesicht Anf.- Regimenter Nr. 2, 10( siehe auch Landw.- Grf.- Inf.- Reg. Nr. 9 demokratischen Presse hat er fosten müssen: 6 Monat Gefängnis wurde immer länger, als ihnen der Beamte erklärte, daß schon der Landw.- Div. v. Menges), 12, 17, 18( siehe Landw.Inf.- Reg. wurden ihm zudiktiert, die er auch voll hat absizen müssen. mehrfach Frauen dort gewesen seien, und ihnen dann eine kleine Nr. 84), 19( siehe auch Bes.- Reg. Nr. 3 Posen der Bes.- Brigade Pappschachtel aushändigte. Wie die Zeuginnen vor Gericht in Tönen Str. 2), 21, 23, 24, 26, 46, 47, 49, 51, 71, 72, 76, 81, 84, 87; Landw. Eri.- Inf. Reg. Nr. 1 sowie Regimenter Nr. 7 und 9 der Landw.tiefster Empörung und grimmigster Wut befundeten, hatte die Schwindlerin die Lagerscheine gefälscht, nachdem sie die Pappa Div. v. Menges; Bes.- Regimenter Nr. 3 und 5 Posen der Bes.- Vor dem Schöffengericht in Sagan hatte sich in einer Privatschachteln zur Aufbewahrung gegeben hatte, die allerlei merkwürdige Brigade Nr. 2 bzw. Nr. 4; Landw.- Erf.- Inf.- Bat. Culm; Ueber- flagesache der verantwortliche Redakteur unseres Görlizer Partei- Dinge enthielten. Wie die Frauen mit wütenden Seitenblicken auf planmäßiges Landw.- Inf.- Bat. Nr. 5 des 4. Armeekorps( siehe blattes zu verantworten. In einer Notiz war abfällig kritisiert die Angeklagte erklärten, hätten sie in den Paketen zinen naffen Landw.- Inf.- Reg. Nr. 17); Brig.- Ers.- Bataillone Nr. 6, 7, 16, 21, worden, daß der wohlhabende Steuersekretär Linke in Sagan die Scheuerlappen, ein Kommißbrot, eine gebrauchte Klosettbürste und 22, 29, 30, 34, 38, 40; Landw.- Brig.- Erf.- Bat. Nr. 26( siehe Landw.- Pacht von Schrebergärten, die von Kriegerfrauen bewirtschaftet andere schöne Sachen gefunden. Auch mehrere Vertreter des starken Erf.- Inf.- Reg. Nr. 1); Landst.- Inf.- Bataillone II Görlig, II Königs- werden, um 2-3 M. erhöht habe. Die dreistündige Verhandlung Geschlechts waren auf den Schwindel hineingefallen, so u. a. ein berg; Landsf.- Inf.- Ers.- Bataillone Nr. 21 des 7. Armeekorps( siehe endete mit der Freisprechung des Beklagten. Arbeiter B., der der Kriegswitwe" für den auf 11 Zentner Kar1. Landst.- Inf.- Ers.- Bai. des 21. Armeekorps); Jäger- Bataillone toffeln lautenden gefälschten Lagerschein 20 m. gegeben hatte, unt Nr. 7, 11; Ref.- Jäger- Bataillone Nr. 5, 7, 20, 23; Radfahrer- Komp. dafür eine Pappschachtel mit einem alten Stiefel zu erhalten. des Generalfommandos des 1. Armeekorps; Res.- Radfahrer- Komp. Vor Gericht war die Angeklagte in sämtlichen Fällen geständig. Der sächsischen Reichstagswahlkreise angehören, ist nach dem Geschäfts- haus. Das Gericht ging jedoch weit über diesen Antrag hinaus, da Im Agitationsbezirk Dresden, dem die ersten neun Staatsanwalt beantragte gegen die Schwindlerin 2½ Jahre Zuchtbericht des Bezirksvorstandes die Zahl der Mitglieder im Jahre die Angeklagte die jetzige Kriegszeit zu einem ganz gemeinen und 1914/15 von 64 568 auf 58 287 gefallen. Davon waren am 31. März raffinierten Schwindel benutzt habe. Das Urteil lautete auf drei 1915 nicht weniger als 21 034 zum Militär eingezogen. Die Folge davon ist, daß die Beiträge stark zurückgegangen sind. Es wurden Jahre Zuchthaus, 4800 M. Geldstrafe, eventuell noch 480 Tage 177 361 M. an Mitgliedsbeiträgen eingenommen gegen 265 780 M. Buchthaus zufäßlich und 5 Jahre Ehrverluſt. im Vorjahre. Die Zahl der Gemeindevertreter ist von 1040 auf 997 gesunken. Versammlungen wurden insgesamt 1184 abgehalten, darunter 123 öffentliche. Es bestehen im Bezirk 90 lokale und 2 zentrale Bibliotheken mit 43 366 Bänden, 12 Bildungsausschüsse, 41 das Bezirkssekretariat. Jugendausschüsse, 6 Kinderschutzkommissionen, 3 Streissekretariate und 30 867 W., an die Bezirksfasse 20 332 M. von den Kreisen abgeAn die Hauptkasse in Berlin wurden führt. Dem Wahlfonds flossen nur 5072 M. zu, gegen 13 630 im Borjahre. Auch die Parteipresse des Bezirks ist vom Serieg start beeinträchtigt. Die Zahl der Abonnenten ging um 17 000 auf 56 860 zurüď. recht erhalten geblieben, oft freilich nur unter größten Schwierig Das Organisationsleben ist während der Kriegszeit auffeiten. Die Bestrebungen, unsere Jugendbewegung vor den Wagen der bürgerlichen zu spannen, wurden überall im Bezirk entschieden abgewiesen. Im übrigen enthält der Bericht viel wertvolles dokumentarisches Material aus der Kriegszeit. Die Frage der Bewilligung der Kriegskredite wurde in den meisten der neun Reichstagswahlkreise, die der Bezirk umfaßt, in Wahlkreisfonferenzen erörtert. Beide Richtungen famen durch einleitende Referate zum Wort. Die Verhandlungen verliefen überall durchaus sachlich. Beschlüsse wurden nirgends gefaßt. Damit soll gewartet werden, bis die Partei in Versammlungen und in ihrer Presse wieder frei und ungehindert zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen kann. Ueber die Haltung der„ Dresdener Volkszeitung" während der Kriegszeit wurde in zwei Sigungen GroßDresdens( drei Wahlkreise) debattiert und die Haltung mit 40 gegen Nr. 61; Maschinengewehr- Abteilungen Nr. 3 und 4; Res.- Maschinen gewehr- Abteilung Nr. 4; Festungs- Maschinengewehr- Abteilungen Nr. 1, Nr. 3 Thorn( siehe Landiv.- Inf.- Reg. Nr. 2), Nr. 6 und Abteilung auf Kraftivagen; Res- Festungs- Maschinengewehr- Abt. Nr. 3; Feld- Maschinengewehr- 3ug Nr. 108( fiche Inf.- Reg. Nr. 132) Dragoner Nr. 8, 18, 20; Husaren Nr. 1, 2, 11; Jäger zu Pferd Feldartillerie: Regimenter Nr. 1, 8, 10, 15, 31, 37, 44, 50, 53, 59, 60, 66; Res.- Regimenter Nr. 6 und 20. Fußartillerie: 1. Garde- Reg.; Regimenter Nr. 3, 9; ReserveRegimenter Nr. 7, 8, 13, 14, 16. Rr. 10, 12. Pioniere: I. Garde- Bat.; Regimenter Nr. 19, 24, 25, 29; Bataillone II. Nr. 5, II. Nr. 16, I. Nr. 17, I. und II. Nr. 27; 2. Bandw.- Komp. des 6. Armeekorps. Nr. 1, 14 und 32. Eisenbahn- Bautomp. Nr. 3; Res.- Eisenbahn- Baufompagnie Train- Abteilung Nr. 3; Schwere Proviantfolonne Nr. 3 des 11. Armceforps; Festungs- Fuhrparkfolonne Nr. 14 Mez( siehe Armierungs- Bat. Nr. 13 der Festung Mes); Etappen- Fuhrparkfolonne Nr. 13 des 17. Armeekorps; Ers.- Pferdedepot des 15. ArmeeArt.- Munitionstolonne Nr. 5 des 14. Armeekorps; Etappenforps. Munitionsfolonne Nr. 129 der 10. Armee. Ref.- Sanitäts- Komp. Nr. 9 des 9. Reserveforps. Armierungs- Bat. Nr. 13 der Festung Metz. * * Die bayerische Berlustliste Nr. 188 meldet Verluste des 1., 4., 5., 8., 17., 18., 21. Jnf- Regiments; Res- Inf.- Regimenter Nr. 1, 3, 4, 5, 11, 12, 15, 18.( Schluß folgt.) Die württembergische Verlustlijte Nr. 195 veröffentlicht Verluste der Brigade- Erf.- Bataillone Nr. 51, 52; Landw.- Inf.- Reg. Nr. 119; Inf. und Landw.- Inf.- Reg. Nr. 120; Landw.- Jnf.- Reg. 21 Stimmen gebilligt. Nr. 121; Grenadier- Reg. Nr. 128; Landw.- Inf.- Regimenter Nr. 126 und 123; Randst.- Inf.Bat. Hall. I. Ersatz- Abteilung des Feldart.- Reg. Nr. 29. 3. Landiv. Pionier- Komp. Freiwillige Sanitätstolonne Göppingen. Berluste durd) Strankheiten. Aus der Partei. Zum Tode Kräuters. Am Sonntagnachmittag wurde die Leiche unseres so plötzlich verstorbenen Genossen Kräuter im städtischen Krematorium in Freiburg i. B. eingeäschert. Eine große Anzahl von Bersonen gab dem Verstorbenen das letzte Ehrengeleit. Auch der Oberbürgermeister, Stadträte und Stadtverordnete waren erschienen. Delegierte der Drganisationen aus ganz Baden waren eingetroffen. Für den Deutsches Theater Kammerspiele Vier letzte Aufführungen! „ Der 814: URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: ,, Der Weibsteufel". Flandern und der Krieg. Lucio Höflich Klein Richard Theater für Dienstag, den 8. Juni. Berliner Theater 8 Uhr: Extrablätter! Deutsches Künstler- Theater Schiller- Th. Charlottenbg. 8 Uhr: Wohltäter der Menschheit Thalia- Theater 8%, Ub Die Schöne vom Strand 8Uhr: Alt- Berliner Possen- Abend: Uhr Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 8 Uhr: Die Jädin. Das erste Mittagessen. Hermann und Dorothea. Guten Morgen, Herr Fischer! ( Gastsp. Leo Slezak) Theater am Nollendorfpl. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater U.: Gerichtszeitung. Gine raffinierte Kriegsschwindlerin. Zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein gemeingefährlicher Verbrecher wurde gestern zu 10 Jahren Buchthaus verurteilt. Wegen schweren Diebstahls, versuchter und vollendeter Nötigung und gefährlicher Körperverlegung war der gerichts II angeklagt. Der Angeklagte, der sich zwar Arbeiter nennt, Arbeiter" Wilhelm Schcale vor der 1. Straffammer des Land die größere Hälfte seines Lebens sich aber von jeder ehrlichen Arbeit ferngehalten hat, ist der Polizei seit langem als einer der gefähr lichsten Verbrecher Berlins bekannt. Er pflegt, wenn er auf Ginführen, mit dem er, wenn er überrascht wird, sofort schießt. brüche ausgeht, stets einen scharfgeladenen Revolver bei sich zu der Nacht zum 2. März drang der gefährliche Bursche in das Lokal des Schantwirts Orwat in Stegliz ein. Der in demselben Hauſe wohnhafte Arbeiter Schellhorn wachte durch das Geräusch auf und benachrichtigte den Schankwirt. Als beide in das Lokal gingen, sprang plößlich der Angeklagte auf sie zu, bedrohte sie mit dem schußfertigen Revolver, so daß die Bedrohten im ersten Schreck den Verbrecher entschlüpfen ließen. Als sie dann aber die Verfolgung aufnahmen, drehte sich Schaale plötzlich um und gab zwei Schüsse ab, melche Ormat in die Hand und in das Gesicht trafen, so daß die weitere Verfolgung aufgegeben werden mußte. Am 20. März spielte sich ein ähnlicher Vorgang in Groß- Lichterfelde ab. Der Angeklagte war in das Lokal des Schankwirts Krause eingedrungen und dann, als er sich mit der Beute entfernen wollte, von einem Seifenhändler schoß der Angeklagte. auf seine Verfolger, die Kugeln verfehlten aber Budach und einem Fuhrherrn Keitsch überrascht worden. Auch hier zum Glüd ihr Ziel, und der Verbrecher fonnte nach kurzer Gegenwehr entwaffnet und überwältigt werden. Der Staatsanwalt beantragte, da die menschliche Gesellschaft vor derartigen gemeingefährlichen Kreaturen auf möglichst lange Zeit befreit werden müsse, 10 Jahre Zuchthaus, sowie Polizeiaufsicht und Ehrverlust auf gleiche Dauer. Das Urteil lautete diesem Antrage entsprechend. Eingegangene Druckschriften. Professor Bédier und die Tagebücher deutscher Soldaten. Bon Prof. S. Larsen, aus dem Dänischen von A. F. Cohn. 60 Pf. G. Reimer, Berlin W 10. Gine Kriegsschwindlerin der allergefährlichsten Sorte wurde gestern auf viele Jahre unschädlich gemacht. Wegen Betruges im straffchärfenden Rückfalle in 32 Fällen und schwerer Urkundenfälschung hatte die 3. Straffammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Geh. Justizrats Unger gegen die aus der Haft vorgeführte Frau Klara Schulz zu berhandeln. Die schon vielfach vorbestrafte Angeklagte hat in der Rolle einer Kriegswitwe folgenden infamen Ans Majurens Wäldern. Von F. Stowronnet.( Büchersch. 1010.) Schwindel verübt: Sie erschien in tiefer Trauerkleidung bei 20 Bf. H. Hillger, Berlin W 9. mehreren Inhaberinnen von Plättgeschäften und gab an, daß sie Die Läufeplage und ihre Bekämpfung. Von Dr. Dreuw. 60 Pf. bisher in der Nähe gewohnt habe, jetzt aber, da ihr Mann bei Lüttich Fischers medizinische Buchhandlung, Berlin W 62. gefallen sei, zu ihren Schwiegereltern nach Holstein ziehen wolle. auszug und Stimmen 2 M. Kriegs- Chor- Literatur. Bekenntnis von einem Arbeiter. Klavier Deutsches Landsturmlied von J. Reichert. Sie habe bisher für die Aerzte des Virchow- und Urbanfranken- 1. Völfergebet und Friedenslied von F. Curti. 2 M. Hauses die Plättwäsche besorgt und möchte nun der Inhaberin diese Weltenfriede von S. A. Uthmann. 1,40 M. J. Günther, Dresden. 10 11 7 6 ARTEN Juni 1915. Guido Thielscher ,, Venus im Grünen".| Operette in 1 Akt. v. Rud. Lothar. Musik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna. Lotte Werkmeister vom ThaliaTheater, Berlin. Karl Bachmann. Julius Spielmann sowie der glänzende neue Spielplan. Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Tel.- Amt Morigplak 10623, 3578. Bekanntmachung. Die am 19. April 1915 vom Ausschuß beschlossene. Abänderung des § 48 Abjazz 2 der Kassensabung, nach welcher die Beiträge unter Fortfall Bureau: Rungestraße 30 der Einkassierung durch Kassenboten Bezirk Oberschöneweide. Dienstag, den 8. Juni, abends 8½ Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Warneke, Wilhelminenhofstraße 18. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 84/3 Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Rg. Vision at The.. Immer feste druff Palast Sundhuh Bible 84, U.: 0 diese Leutnants! Kleines Theater Scherz, Satire, Ironie 8%, U.:. tiefere Bedeutung Lustspielhaus SU. Herrschaftl. Diener gesucht Montis Operetten- Theater 8 Uhr: Hoheit tanzt Walzer Schiller- Theater 0. Theater des Westens Theater Am Zoo 8 Uhr: Der brave Fridolin Tagl. 8 Uhr. Sonntags 3%, u. 8 Uhr Theater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter Trianon- Theater 8.Uhr Die Heiratsschule Volksbühne.Theater am Bülowplatz Die Medailie 8 Uhr: Der blinde Passagier Uhr Die Lokalbahn. Hierauf Rose- Theater. 8/ Uhr Wie deutsche Helden sterben Gartenbühne 1/28: D. Försterchrist'l. Walhalla- Theater. 8 Uhr: Eine Meile in der Minute. 8%, Voigt- Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: E Carmen. Großes Ausstattungsstück in 5 Bildern. Erstklassiges Varieté Rasseneröffnung 10 Uhr. Anj. 4 116r. Ein Programm, von dem Berlin spricht! R. Steidl H. Bender Sämtl. Schlager neu für Berlin Adelmanns? Paini? u. die weiteren auserwählten Juni- Spezialitäten. KI. Preise. Angen. kühl. Aufenthalt Die Ortsverwaltung. H.Pfau, Bandagist Berlin Dircksenstraße 20 C., zwischen Bahnhof Alexanderplat und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen Tod u. Teufel+++ Reichel's Spezialmittel sind von ungeheurer Stärke und wirken mit vernichtender Kraft. Wanzen- Fluid„ Radikal Atr. M. 5., Fl. 50 Bf., M. 1., 2.- u. 3.Reichshallen- Theater. Schwaben- Pulver Poudre Martial Stettiner Sänger. Im SchüßenZum Schluß: graben. Militärisches Zeitbild von Mehsel. Anfang 8 Uhr. 99 50 M. 1., 4.Motten- Arther, Flaſche M. 1.25 und 2.66 Pulver, Bad 50%., M.1., 2., Pfd.3.Totale, restlose Ausrottung der Brut. Seit ca. 25 Jahren sicher bewährt und glänzend attestiert. Man kaufe in den Drogerien nur Reichel's Spezialmittel. Einzig echt mit Marke Tod u. Teufel, die für absolute Otto Reichel, Eisenbahnstr.4.4751, 4752, 4753. Wirkung bürgt. F.-A. Mpl. Anerkennungen aus aller Welt. von den Arbeitgebern direkt zur Stasse zu zahlen sind, hat die Genehmigung des Königlichen Oberpersicherungsamtes Groß- Berlin erhalten und tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. 268/11 Druderemplare dieser Abänderung sind im Kassenlofal abzuheben. Berlin, den 5. Juni 1915. Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. gez.: M. Gutsche, Vorsitzender. Spezialarzt i. Haut, Harn:, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. fonz. Laborat. j Blut: Dr. Homeyer untersuchung., Fäder i. Harnust. Friedrichstr. 81, gegenüber Panoptikum Sbr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Habe meine Praxis wied. aufgenommen. Dr. Salingré, midstr. 18. + Kennen Sie die Wohltat einer Leibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertigung sowie aller Bruchbandagen Art. Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60. Lieferant für Krankenkassen. Gartenbühne: Apollo- Sänger. Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glocke, Berlin. Drudu. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl Nr. 156. 32. Jahrgang. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Irländische Wirren. dig einverstanden sein, wohl aber war die Sozialdemokratic genötigt, thren vollständig abweichenden Standpunkt ausdrücklich auszufprechen. Zur Frage der Einführung von Höchstpreisen für Schlachtvich und Fleisch. Dienstag, 8. Juni 1915. erneuert und hoffe, daß der Vertrag publiziert ist, che diese Zeilen gedruckt sind. Ich hoffe noch viel mehr, daß dem fünftigen Europa der verwirrende und Mißtrauen und Hinterhalt stiftende Schaden von Geheimverträgen erspart sein wird. Denn die Fehler der Vergangenheit rächen sich grausam und nicht bloß in Italien." Der„ New Statesman" bringt einen merkwürdigen Situationsbericht aus Irland. Die Ulster- Frage, schreibt er, ist mit dem Krieg nicht aus der Welt geschafft. Aehnliche Worte sind von sozialdemokratischer Seite oft Dieser Tage haben Home- Rulers in Belfast eine Broschüre, betitelt:„ Des Kaisers Auf Veranlassung des Sächsischen Ministeriums schon gefunden worden gegen die Heimlichkeit der StaatsUlster- Freunde" herausgegeben, die den Führern der Ulster- Be- hat der Ständige Ausschuß des Landeskulturrates berträge, die den Keim von Konflikten in sich tragen. Aber wegung vorhält, den Deutschen ihre Unterstützung im Kriegsfalle für das Königreich Sachsen zu der Frage der Einführung auf bürgerlicher Seite hatte man bisher hierfür wenig Verin Aussicht gestellt zu haben. In der Tat haben Ulsterleute ihrer von Höchstpreisen für Schlachtvieh und Fleisch ständnis gezeigt. Das Umlernen" auf diesem Gebiet würde infurrektionellen Gesinnung manchmal einen recht drastischen Aus- Stellung genommen und sich gutachtlich dahin geäußert, daß eine den Völkern wirklich zum Segen gereichen. " Der Krieg birgt keine Gefahr für das kapitalistische System. druck gegeben. So sagte im Dezember 1910 das Mitglied des Beschlagnahme und Verteilung, wie dies beim BrotGeheimen Rats Andrews einem Berichterstatter, daß er und getreide sei, hinsichtlich des Fleisches nicht durchführbar ist, weil die seine Freunde bereit seien, sich rücksichtslos zu verteidigen und, wenn Qualität des Fleisches sehr verschieden und die Haltbarkeit eine beGroßbritannien sie im Stich lasse, es vorzögen, sich durch Deutsch- grenzte ist. Durch Einführung von Höchstpreisen würde das vorland regieren zu lassen als durch Patrick Ford, John gesteckte Ziel niemals erreicht werden, durch zu hohe HöchstIn Freiburg i. Br. hielt der dortige Ihniversitätsprofessor Redmond u. Cic.( die irischen Nationalisten). Das Parlaments- preise würde man Unzufriedenheit bei den Verbrauchern er- Liefmann sein Fach ist Nationalökonomie cinen öffentmitglied Hauptmann Craig sagte einen Monat später dasselbe. wecken, durch zu niedrige Höchstpreise würde der Anreiz, lichen Vortrag über das Thema:„ Bringt uns der Krieg dem Major Crawford drückte sich 1912 ebenso aus. Es besteht Vieh zu mästen, genommen und dadurch die Fleischknappheit Sozialismus näher?" Der Herr Professor verneinte natürlich diese eine aus Ulster- Leuten formierte Division, aber in Dublin geht noch vergrößert werden; bei zu niedrigen Fleischpreisen würde Frage. Er mußte sie schon deshalb verneinen, weil nach seiner das Gerücht um, daß Carson mit der Regierung heimlich über jeder Anspruch auf Fleisch erheben, jedoch könnte dieser Anspruch Meinung der Krieg für Deutschland verloren und wenigstens als cingekommen sei, daß diese Truppe im Lande bleibe. New nicht befriedigt werden. Die Bevölkerung müsse deshalb mehr als Wirtschaftsfrieg für die Gegner gewonnen sei, wenn der Sozialismus Statesman" hält das nicht für wahr, stellt aber fest, daß die bisher dazu angehalten werden, in verstärktem Maße vegeta triumphieren würde. Er begründete diese Meinung und vor allem Ulster- Leute noch nicht über den Kanal sind. bilische Gerichte zu bevorzugen und den Fleischgenuß seine Auffassung, daß der Krieg nicht im geringsten geeignet sei, an Eigenartig ist die Werbearbeit in Ulster. So wird in einzuschränken. Auch sei es dringend notwendig, das allein der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu rütteln, wie folgt: einem Flugblatt auf den antikatholischen Charakter der fran- in Sachsen bestehende Verfütterungsverbot von Mar= Durch die Annäherung an die sozialistische Wirtschaftsidec wird zösischen Regierung hingewiesen und viele Ulster- Leute glauben toffeln aufzuheben, weil dadurch die Landwirte in den die Arbeitsenergie der einzelnen Staatsbürger geschwächt. Nach jezt, daß in Flandern von den Alliierten der Entscheidungskampf Stand gesetzt werden, die Schweinemast wieder zu betreiben. dem Kriege aber brauche der Staat für seine Bedarfszwecke für gegen das Papsttum geführt werde. Von einer Versöhnung zwischen Eine von mehreren Korporationen an die Regierung gerichtete Ein- Heer und Marine, zur Deckung seiner Schulden sehr viel Geld. Die Ulster- Leuten und Nationalisten ist nicht dic Rede. Das Haupt- gabe verlangt in Gegensatz zum Landeskulturrat Einführung von Erhaltung der Kriegsiuvaliden kostete allein jährlich 1000 Millionen. organ der letzteren, Freeman's Journal" ist über die Zusammen- Höchstpreisen. Es wird in dieser Eingabe u. a. folgendes wenn sich der Staat auch durch neue Metropole auf Tabak, Branntfehung des Koalitionsministeriums sehr unzufrieden. Es schreibt, ausgeführt: Während der Staat für Beschaffung von Getreide und wein usw. sichere Einnahmequellen verschaffen könne, so müsse er daß die Aufnahme des Rebellenführers Carson, der mit dem Brot sowie für die festgelegten Höchstpreise sorgt, vermißt man diese doch von der wirtschaftlichen Leistung des einzelnen das Höchste erDeutschen Kaiser gefrühstückt habe und mit dessen Wissen Frei- staatliche Hilfe für den Fleischbedarf gänzlich. Die Fleischpreise steigen in warten, um das nötige Steuerquantum zu erhalten. Ein sozialistiHerr von Kühlmann von der Londoner Botschaft nach Belfast jeder Woche um 20 Pf. und Schinken wird jetzt mit 2,80 m., 3 M., ja mit sches Staatswesen sei nicht imstande, die gleiche Ertragsfähigkeit zu gekommen sei, um die Ulster- Miliz zu sehen, ein Standal sei. 3,20 M. pro Pfund verkauft, während ein Großhändler zur gleichen liefern, auch um deswillen nicht, weil im sozialistischen Staat keines" Freeman's Journal" gibt zu verstehen, Redmond werde viel Zeit 80 Zentner ff. geräucherten prima Schinken mit 165 M. den wegs so intensiv gearbeitet werde, wie unter kapitalistischen Wirtleicht im Parlament der Führer der Opposition, besonders im Zentner in den Tageszeitungen anbietet. Warum jetzt der Staat schaftsformen. Kampf gegen die allgemeine Dienstpflicht werden. hier teine Höchstpreise fest? Wenn man die Ansichten der Fleischer Eine ernste Zeitschrift wie" New Statesman" schwäßt nichts darüber hört, erfährt man, daß ein Fleischer bei diesen Preisen kaumschlagnahme von Mehl und Getreide, Einführung der Brotkarte, FestDen seit August v. J. getroffenen Kriegsmaßnahmen, wie Beins Blaue hinein. Trotzdem wird man in ihren Ausführungen bestehen kann, und daß die Preise in den nächsten Wochen nochmals segung von Höchstpreisen, mißt Prof. Liefmann als etwaige joziakaum mehr sehen dürfen als den Beweis, daß die Kriegscrregung in die Höhe gesetzt werden müssen, damit er wenigstens sein aus- listische Symptome keinerlei Bedeutung zu. Sie feien nicht einmal in Irland noch nicht start genug ist, um die innerpolitischen Gegen- gelegtes Geld wieder herausbekommt. Solche Einwendungen müßten sozialistisch, sondern fommunistisch und berührten nicht das Grundfäße und Parteileidenschaften zum Schweigen zu bringen. Daß behördlich geprüft werden. Es handelt sich um Lebensmittel wie prinzip des Sozialismus: Regelung der Produktion. Zustreitende Parteien einander die Beschuldigung hochverräterischer beim Bäder. Was hier recht ist, muß beim Fleischer billig sein. dem würden sie nach dem Kriege wieder aufgehoben. Die gegenAbsichten an den Kopf werfen, ist ein Brauch, den man auch in o bleibt hier die Staatsaufsicht mit den festgelegten Höchstpreisen wärtige Hilfsbereitschaft zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten anderen Ländern oft genug geübt gesehen hat, z. B. in Desterreich für Fleisch? Was soll nun der Beamte, Kaufmann, Industrielle, sei nicht im sozialistischen Sinne zu werten. Nach dem Kriege zwischen Deutschen und Slawen. Aber nichts wäre törichter, als Handwerker usw., dessen Einnahmen nicht steigen, sondern geringer würden die Menschen nicht altruistischer sein, wie vor dem wenn man etwa in Deutschland auf diese Beziehungen irgend find, angesichts der unkontrollierten Preissteigerungen machen? 31. Juli 1914. Die Kämpfe zwischen Unternehmer und welche Hoffnung gründen wollte. Es hat ja Leute gegeben, die auf die irischen Nationalisten rechneten, und Arbeiter, zwischen den Konsumenten und Produzenten kehrten wieder man hat in und würden schon bei der Einführung der benötigten Monopole stark deutschen Zeitungen, die für die Rechte nationaler Politische und wirtschaftliche Angliederungspolitik. in die Erscheinung treten. Auch die politischen Auseinandersetzungen Minderheiten sonst wenig übrig haben, entrüstete und sentimentale Jm„ Tag" beschäftigt sich der Reichstagsabgeordnete Dr. würden fortgesetzt, denn die politischen Parteien blieben bestehen. Artikel über die Unterdrückung Jrlands zu lesen bekommen. Noch Hugo Böttcher mit dem Thema„ Staatenbünde oder und als Ergebnis aller dieser Betrachtungen sei festzulegen: Eine verkehrter als auf revolutionäre Stimmungen der irischen Nationa wirtschaftliche Annäherungen". listen zu rechnen, für die immerhin die Stellung der amerikanischen europäischen Staatenverbindung oder wirtschaftlicher Unionen warten. Das übrige ergebe sich von selbst. Die Frage einer mittel- Alenderung des Wirtschaftsmenschen nach dem Kriege sei nicht zu er Iren einige Anhaltspunkte zu bieten schien, wäre es, auf die andere fei, so führt Böttcher aus, ein Kriegsziel, das der öffentlichen Karte zu feßen und sich von den Ulster- Leuten irgend einen Ruben Grörterung in weitem Umfange freigegeben sei. Aber auch die sozialistische oder die kapitalistische Wirtschaftsweise produktiver Wir wollen mit dem Herrn Professor darüber nicht rechten, ob für die deutsche Kriegführung zu versprechen. Die gesteigerte dieses Thema schließe nicht weniger Zweifels ist. Darin allerdings wird er recht behalten, daß der Krieg an den Leidenschaftlichkeit der irischen Parteifämpfe erklärt sich hinläng- fragen" ein, als die übrigen Kriegsziele und verdiene Klassenverhältnissen sowie an dem System der kapitalistischen Wirtlich daraus, daß die Bildung des Koalitionsfabinetts die politische beshalb eine nicht minder fritische Behandlung. Und zwar schaftsweise nichts ändert. Situation in Irland völlig verwirrt hat und die Parteien antreibt, nicht nur der Wirkung auf das neutrale Ausland wegen. In den Gegner feinen Ruzen daraus ziehen zu lassen. dieser Hinsicht habe man allerdings bereits die bedenkLichsten Wirkungen erreicht: Politische Uebersicht. Die ,, Kreuz- Zeitung" gegen den ,, Vorwärts". = Die Kreuz 3eitung" kommt noch einmal auf die Rede des Grafen We starp und die sozialdemokratische Erklärung in der legten Reichstagssigung zurüd. Das konservative Organ verwahrt sich zunächst gegen Vorwürfe liberaler Blätter, daß Graf Westarp in seiner Entgegnung auf Eberts Rede„ Herausfordernd" und„ taktlos" gewesen sei und eine„ absichtliche Schroffheit des Tones" gezeigt habe, die„ mindestens überflüssig" war. Die KreuzZeitung" behauptet, Westarps Rede habe zu solchen Vorwürfen nicht den mindesten Anlaß gegeben. Wenn der nationalliberale Abgeord nete Schiffer den Ausdruck gebraucht habe, zwischen der Auffassung der Sozialdemokratic und derjenigen der nationalliberalen Partei tue sich in bezug auf die Kriegsziele eine luft" auf, so sei das eine mindestens ebenso scharfe Ausdrucksweise, wie sie der konservative Redner gebraucht habe. Vergehen gegen Vorschriften über wirtschaftliche " Maßnahmen. „ Es ist in einigen Betrachtungen schon über die Neutralen: die skandinavischen Staaten, Niederlande, Schweiz verfügt worden. Selbst die vor sichtigste und hypothetische Form hat berlegt. Die gönnerhaften Anweisungen an die Neutralen gar, die von anderer Der Bundesrat hat auf Grund des§ 3 des Gesetzes über die Seite beliebt wurden, sich demnächst in einen großen Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. Schutzverband unter Deutschlands Führung vom 4. August 1914( Reichsgesetzblatt S. 327) folgende Verordnung zu begeben, haben bei den Neutralen bis jetzt lediglich eine erlassen: Der Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Verordnung über Zulassung von Strafbefehlen bei Vergehen gegen Vorschriften über wirtschaftliche Maßnahmen. unseren Feinden erwünschte Wirkung ausgeübt. Die§ 1. Bei Vergehen gegen Vorschriften, die auf Grund des§ 3 Sache liegt offenbar viel schwieriger, als sowohl die des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Pazifisten als auch die Politiker von Größtdeutschland Maßnahmen ust vom 4. August 1914( Reichsgesetzblatt S. 237) annehmen." Die Schwierigkeiten des Problems erläutert Böttcher dann eingehender an der Frage einer Wirtschaftsunion zwischen Deutschland und Desterreich. Der Verfasser schließt seinen Artikel mit den Worten: ergangen sind oder noch ergehen und keine schwerere Strafe als Gefängnis bis zu einem Jahre, allein oder in Verbindung mit Geldstrafe und Einziehung oder einem von beiden androhen, kann die Strafe durch Strafbefehl des Amtsrichters fest= gesezt werden. Sachen, in denen der Antrag auf Erlag des Strafbefehls geNach meiner Meinung heißt es für Deutschland in den stellt ist, gelten als zur Zuständigkeit der Schöffengerichte gehörig. nächsten Jahren nicht philosophieren, sondern leben, auf das Verfahren finden die§§ 447-452 der Strafprozeßordnung unserer Landwirtschaft den inneren Markt und unserer Aus- mit der Maßgabe Anwendung, daß der Antrag auf Erlaß des Straf fuhrindustrie die Aufträge aus aller Herren befehls von dem Staatsanwalt zu stellen ist. Länder zu sichern, damit es nach dem starten § 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung Blutverlust wieder zu Kräften tomme." Berlin, den 4. Juni 1915. in Kraft. Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Delbrüd. In diese Auseinandersetzung des fonservativen Blattes mit der liberalen Presse wollen wir uns nicht einmischen, zumal es uns fern Ausfuhrindustrie sagt, entspricht sicherlich in weit Was Böttcher hier über die Bedürfnisse der deutschen liegt, mit dem Grafen Westarp und seinen Hintermännern über die Form rechten zu wollen, mit der er seine Annerionswünsche zu höherem Maße einemt wirtschaftlichen Lebensinteresse Deutschvertreten für gut hielt. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß lands, als so mancherlei Phantastereien über eine das schroffe und unverblümte Aussprechen dessen, was die Konser- wirtschaftliche Angliederungspolitik, die zu Das Vorgehen der Handelsinteressenten. vativen erstreben, nur zur Klärung der Situation beizutragen ver- nichts zu dienen vermögen, als auch noch den Rest der neutralen Staaten gegen Deutschland mißtrauisch zu machen und zu Der Verein der Berliner Getreidehändler hat bekanntlich an die mag und deshalb keineswegs vom Uebel ist. Auch auf die Polemit gegen den„ Vorwärts" brauchen wir nicht erbittern. Ganz abgesehen von ihrer aufstachelnden Berliner Handelskammer das Ersuchen gerichtet, daß die Kriegsausführlich zu antworten. Es bleibt einfach bei unserer Fest Wirkung auf die Staaten, mit denen Deutschland Krieg führt. getreidegesellschaft beseitigt und dem Privathandel wieder freie Hand stellung, daß der sozialdemokratische Redner durch den Antrag Handelt es sich aber dabei um das wahre Interesse gelassen werde. Die Handelskammer überwies den Antrag mit geWestarp verhindert worden ist, im Anschluß an die Erklärung des Deutschlands, daß Deutschlands Industrie sich in absehbarer ringen Aenderungen dem Bundesrat. Sie hat aber nachträglich, am Reichskanzlers die sozialdemokratische Auffassung zur Kriegspolitit Zeit wieder die Aufträge aus aller Herren Länder 4. Juni, nach einem Bericht der Kölnischen Zeitung" einen Beschluß und den Friedenszielen darzulegen. Dieser Mangel an Rücksicht zu sichern" vermag, so darf auch nicht übersehen werden, ein gefaßt, der vollständig auf dem Standpunkte der Getreidehändler wurde am nächsten Tage fortgesetzt, als man den sozialdemokra- wie überragend großer Anteil der deutschen Aus- steht; der Beschluß lautet: tischen Redner zwang, nach der Erörterung einer ganzen Anzahl fuhr gerade nach jenen Ländern ging, mit denen wir im anderer Gegenstände im Anschluß an zwei belanglose Petitionen" Kriege liegen. die von der sozialdemokratischen Fraktion beschlossene Erklärung abzugeben. Fort mit den geheimen Staatsverträgen! " Italien hat geheime Verträge mit dem Dreiverbande und auch der Dreibundsvertrag ist geheim gehalten worden. Wenn die„ Kreuz- Zeitung" behauptet, daß sowohl die sämtlichen Das Verdammnisurteil über die geheimen Staatsverträge bürgerlichen Parteien wie die Regierung die Absicht der Sozialdemokratic, der Ranglerrede eine besondere Aeußerung über ihre fällt auch der freisinnige Reichstagsabg. Konrad Haußmann in Friedensziele entgegenzustellen, nicht gebilligt habe, so würde der jüngsten Nummer des„ März". Am Schluß seines Artikels das nur zur schärferen Charakteristik der Tatsache beitragen, daß über Italien sagt er: man es der Sozialdemokratie unmöglich machen wollte, ihrem Standpunkt zum Kriege Ausdruck zu geben. Es ist auch höchst naiv von der Kreuz- Zeitung", wenn sie so tut, als bedeute die sozialdemokratische Erklärung eine Provokation, die den bürgerlichen Parteien ihre Antwort aufgezwungen hätte. In Wirklichkeit war die Auffassung dieser bürgerlichen Parteien gerade durch die Ausführungen des Reichskanzlers bereits zum marfantesten Ausdruck gekommen. Mit der Erklärung Bethmann Hollwegs konnten die Konservativen und Nationalliberalen vollstänIn der Geheimheit der Staatsverträge liegt ein besonderer Fluch und Schaden, ein Element der Unsicherheit und der Unehrlichkeit gegen das eigene Volk. Auch Deutschland hätte schon lange wissen müssen, was in dem Dreibundsvertrag steht, vereinbart oder nicht vereinbart ist. Ich habe das längst bedauert und noch im März 1915 den Staatssekretär v. Jagow angefragt, ob er den Vertrag nicht der Budgetkommission mitteilen fönne. Er erklärte, es nicht tun zu können. Ich habe die Anregung in der Reichskanzlei jetzt Die Sicherstellung der Volks- und Viehernährung mit Brotgetreide, Gerste, Hafer und anderen Futtermitteln sowie mit Kartoffeln fann unter den gegenwärtigen politischen Verhält nissen auch im neuen Erntejahre nur durch eine überall im Reiche systematisch durchgeführte Regelung und nach gleichmäßigen Grundsägen erfolgende Befriedigung des Bedarfs erreicht werden. Hierfür sind unentbehrlich zentrale Organifationen, denen es obliegt, die Bestände zu ermitteln, sie unter Bemessung des Verbrauchs in geordnete Wege zu lenken und für Vorräte zu sorgen, die auch während einer längeren Dauer des Krieges eine ausreichende Versorgung von Stadt und Land ges währleisten. Die Handelskammer verkennt nicht, daß die Organisationen gewisse unvermeidliche Schwierigkeiten für die beteiligten Eriverbsstände haben müssen. Sie kann es jedoch nicht billigen, daß dabei große Kreise des Handels brachgelegt und zur Erwerbslosigkeit verurteilt worden sind. Es findet jetzt in den Organisationen nur derjenige Teil des Handels Beschäftigung, der in örtlich begrenzten Bezirken als Anfäufer der Ware bestellt ist. Wir erachten das nicht für ausreichend, sondern verlangen, daß der gesamte Getreideund Futterhandel in ihr Arbeitsgebiet eingeschlossen und deshalb auch in geeigneter Weiss die Mitwirkung des Handels an den grasen Perbrauchsplätzen in Anspruch genommen wird, der weit überwiegend dem Mittelstand angehört und durch seine Aus« schaltung aufs schwerste in seiner Existenz gefährdet wird. Vermöge seiner sich auf weite Gebiete erstreckenden genauen Kenntnis des Getreide- und Futtermittelhandels. seiner bewährten Einrichtungnn, seiner in der Gesamtheit be- achtenswerten KapitaUraft ist gerade dieser Handel besonders besagt, die staatlichen Organisationen in der Erfüllung ihrer Auf- gaben erfolgreich zu unterstützen. Ihn auch für spätere Zeiten zu erhalten, ist im Interesse der Verbraucher und Erzeuger gleich- mäßig geboten.� Nachdem die Handelskammer etwas gezögert hat, macht sie sich zum beredten Wortführer der Händler: ganz natürlich, denn sie ist ja deren ausführendes Organ. Wir möchten wissen, ivas die Handelskammer unter den unentbehrlichen zentralen Organisationen versteht; sind es etwa solche, wie sie der Landwirtschaftsrat fordert, zusammen- gesetzt aus lauter Privatiiiteresicuten unter Ausschluß von Vertretern der Arbeiterschaft?— Die Aktion gegen die staatliche Regelung des Konsums wird bereits systematisch geführt, sowohl seitens der Grund- besitzer wie des Handels und der Industrie. Die Negierung muß gegenüber diesen Anläufen nicht nur fest bleiben, sondern sie muß danach trachten, ihren Einfluß auf die Regelung und Preisbildung auszudehnen und zu stärken. Nimmermehr dürfen in dieser schweren Zeit der Not die Interessen des Volkes vollständig dem Ipekulamen- tum ausgeliefert werden! Mus Industrie und Handel. Amerikanische Kriegsprofite. Die Verbündeten haben bei amerikanischen Fabriken fünf Millionen S ch r a p n e l l h ii l f e n in Auftrag gegeben. Davon liefert die American Locomotive Company ZVz Millionen, den Rest teilen sich die Firmen New Fork Air Brake Co. und die Wesiing- house Co. Es handelt sich dabei um ein Objekt von Millionen Mark. Die Westinghous« Co. beabsichtigt übrigens, bedeutende Be- triebserweiterungen vorzunehmen in Erwartung eines Riesenouf- trageS an Gewehren, über den noch nichts Näheres verlamet. Einfuhr von Därmen aus der Türkei nach Deutschland. Nach einer Anordnung des ungarischen Ackerbauministeriums ist die ungarische Eintrittsstation PredeiLl angewiesen worden, die aus der Türkei durch Rumänien während des Kriegszustandes in Postpaketen cingLhenden, vollkommen trockenen Därme und gesalzenen Schaf- dänne ohne die von Fall zu Fall lautend« Sonderbewilligung des Ackorballministeriums und ohne Forderung eines Veterinärpolizei- lichen Zeugnisses nach vorschriftsmäßiger Kontrolle in der Eintritts- slatiou zur unmittelbaren Durchfuhr nach Deutschland durchzulassen. Ernteaussichten in Indien. Die endgültige Schätzung der indischen Weizenernte gibt nach„Morning Post" vom 31. Mai die mit Weizen besäte Fläche mit 32 250000 Acres an, das heißt 32000 Acres mehr, als die Aprilschätzung angab. Die Ernte wird auf 10 230 000 Tonnen geschätzt, an sich eine Höchstziffer, aber 0000 Tonnen unterhalb der Aprilschätzung. Südamerikanische Wirtschaftslage. Dem«Journal des DebalS" vom 29. Mai wird von einem kürzlich aus Buenos Aires zurückgekehrten Leser folgendes ge- schrieben: Mit Ausnahme Uruguays, welches dank einer Steuerreform sich vor dem Defizit retten konnte, sind alle s ü d- amerikanischen Republiken von den Rückwirkungen des europäischen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen. In- dessen muß man scbarf unterscheiden zwischen der entschieden mittel- mäßigen Lage der Ktaalsfinanzen und der dagegen schon Anzeichen der Besserung aufweisenden Wirtschaftslage. Kn Argentinien zeigt nach einer Zeit der Depression, die besonders fühlbar in Wolle und Leder war, der Handel eine Auf- wärtsbewegung. Die Eisenbahnen weisen einen lebhafteren Berkehr auf, die Zerealien- und Flachsernte ist überreichlich, verschiedene kriegführende Länder haben bedeutende Abschlüsse für allmähliche Lieferungen gelätigt; an der Borte, Ivo während der letzten Monate eine pessimistische Stimmung obwaltete, hat man wieder mehr Mut bekommen auf die Nachricht hin, daß die argentinischen Kurie in London fester geworden sind; endlich hat man letzthin in Buenos Aires verschiedene interessante Jmmobilien-Transaklionen probiert. Dagegen erfordern die öffentlichen Finanzen die größte Auf- msrlsamkeir seitens der Regierung. Das Budget sür 1915 wird sich, trotzdem für mehr als 120 Millionen Frank Ersparnisse gemacht worden sind, nicht ins Gleichgewicht bringen lassen; eine mit Schwierigkeiten bei den Vereinigten Staaten untergebrachte Anleihe von 75 Millionen Frank war nur ein Auslveg, vielleicht mehr kost- spielig als zweckmäßig- Die maßgebenden Sachverständigen sind derAn« ficht, daß eine Abänderung des fiskalischen Regimes Argentiniens binnen kurzem sich als unerläßlich erweist; neue Steuern sind nicht zu um- gehen und werden wahrscheinlich die Erbschaften, de» Grundstücks- Wertzuwachs usw. treffe». Man spricht auch von Gesetzen, welche die Zerstückelung sehr großer Besitztümer und die Ein- richtung von mittleren vorschreiben. Trotz der propagandistischen Bestrebungen einiger AankeebaniierS geht der allgemeine Eindruck dahin, daß das nordamerikanische Kapital nicht zureicht, um eine wirtschastliche Wiedergeburt herbeizusühren; alle Hoffnungen wenden sich nach London und Paris. Soziales. Beanstandeter Beschluß der Generalversammlung einer Ortskrankenkasse. Die Ortskrankenkassc der Tabakfabrikarbeiter zu Berlin wurde zum 1. Januar 1911 infolge der neuen Bersicherungsgesetzgebung aufgelöst und ihre Mitglieder traten in die Allgemeine Ortskranken- lasse Berlin ein. Einige Zeit früher, als die Auflösung schon fest- stand, beschloß die Generalversammlung der Kasse der-Ulbat. fabrikarbeiter, daß dem 34jährigen Rendanten Engel nach Beendi- guna der Geschäfte der aufgelösten Kasse eine Pension von jahrlich 000 Ak. zufallen solle.,..... Der Berliner Magistrat als Aufsichtsbehörde beanstandete die Ausführung jenes Beschlusses, weil er den Gesetzen zuwiderlaufe. Engel sei nur Angestellter im Sinne des tj 32 des Ausführungs- gesetzeS zur ReichSversicherungSordnung. Er habe nur� Anspruch darauf, daß sich gemäß des erwähnten 8 32 die Ablallsssrist des Bcrtragsverhältnisses abweichend von � 302 der Reichsvcrsicherungs- ordnung auf 12 Monate verlängere. Der Pensionsbeschluß gehe in gesetzwidriger Weise darüber hinaus. � �, Der Vorstand der aufgelösten Tabakfabrikaxbeiterkasse klagte auf Aufhebung der Boanstandung. Ter Bezirksausschuß wies aber die Klage ob und erachtete die Beanstandung des Beschlusses der Generalversammlung für gerecht- fertigt. Das Obervcrwaltungsgericht vertvarf das weitere Rechtsmittel des Vorstandes mit folgender Begründung: Für die Entscheidung kämen die Bestimmungen des bis- hcrigen Krankenversicherungsgesetzes in Frage. Da die dem Ren- danten Engel zugedachte Pension sich unter irgendeine andere Rubrik nicht bringen lasse, so handele es sich lediglich darum, ob diese Gelder zu den Verwaltungskosten gehörten oder nicht. Diese PensionSgcldor seien aber nicht unter die Perivaltungs- kosten zu bringen, Sie sollten nur eine freiwillige Zuwendung fem, uin Engel damit zll erfreuen. Eine rechtliche Grundloge habe diese Zubilligung nicht. Daraus ergebe sich, daß der Magi- strat mit Recht die Ausführung des fraglichen Beschlusses der Generalversammlung der aufgelösten OrtSrrankenkasse der Tabakfabrikarbeiter untersagt habe. (Die Allgemeine Ortskrankenkasse war dem Verfahren bei- geladen worden.)_ Vertragsbruch, Geschäft und Liebe. Eine auf Zahlung von Vertragsstrafe gerichtete Klage, die am Montag vor der Kammer 2 des GewerbegerichtS verhandelt wurde. ergab manche Einzelheiten und Nebenumstände, die zusammen- gestellt folgendes Bild ergeben. Der Beklagte war vertraglich mit einem JahreSgehalt von 7000 M. als Zuschneider im Geschäft det Klägers angestellt. Am 1. Juli vorigen Jahres hat er den Bertrag. der noch lange nicht abgelaufen war, einseitig gelöst. Der Kläger verlangt Zahlung der im Vertrage sür den Fall widerrechtlicher Lösung festgesetzte Strafe von 5000 M.— Der Beklagte wendet ein. er sei zur vorzeitigen Lösung des Vertrags! berechtigt gewesen unter anderem, weil der Kläger die Frau des Beklagten schwer beleidigt habe und weil das Geschäft des Klägers vor dem Zusammenbruch gestanden habe. Da- gegen geht aus anderen in der Verhandlung festgestellten Tatsachen herbor, daß der Beklagte deshalb den Vertrag gelöst hat, um mit einem Geldmanne zusammen ein eigene» Geschäft zu gründen. Zum Beweise für die von ihm angegebenen Gründe für den Ver- trogSbruch berief sich der Beklagte auf eine Zeugin, au» deren An» gaben folgendes hervorging: Die Zeugin, eine 28 Jahre alte Modistin, hat längere Zeit Beziehungen zu dem Kläger gehabt, die trotz aller Umschreibungen, welche die Zeugin diesem Verhältnis zu geben suchte, als ein Liebesverhältnis angesehen werden muß. Eines Tages, als die Zeugin oben die Koffer gepackt hatte, um ge- msinfam mit dem Kläger eine Reife anzutreten, erhielt sie von diesem einen Absagebrief mit der Mitteilung, der Kläger müsse da» Verhältnis zu ihr lösen, weil er sich verheiraten wolle. Bald darauf liat der Kläger denn auch eine reiche Dame geheiratet und mit ihrem Geld« das Geschäft, welche» nach Angabe der Zeugin, die es von ihm selbst erfahren haben will, vor dem Zusammenbruch stand, wieder flott zu machen. Wie da» in solchen Fällen zu ge- schehcn pflegt, hatte das abgebrochene Liebesverhältnis feindselige Empfindungen, wenigsten» auf feiten der Zeugin, zur Folge. WaS sie früher in vertraulichen Stunden au» dem Munde des Klägers über die Frau des Beklagten gehört hatte, teilte sie diesem und seinem jetzigen Sozius mit. Diese Aeußerungen toaren für die Frau des Beklagten ohne Zweifel«hrenkränkend. Aber der Be- klagte hat das durch die Zeugin schon-in Jahr vor der Lösung seines Vertrages mit dem Kläger erfahren und nichts dagegen ge« tan. Deshalb nahm das Gericht an, daß die Beleidigung seiner Frau den Beklagten nicht veranlaßt Hab«, den Vertrag zu lösen. Auch die anderen Gründe, welch« der Betlagt« zur Rechtfertigung seines Vertragsbruchs anführte, hielt das Gericht nicht für stich- haltend. Es verurteilte den Beklagten zur Zahlung der Vertrags. strafe, setzte sie aber auf 2000 M. herab, weil etwa die Hälfte der Vertragszeit bei dessen Lösung bereits abgelaufen war. Ein angeblich bestohlener Kutscher. Ein Geschäftskutscher, der abends von seiner TageStour zurückkehrte, fand das Geschäft bereits geschlossen. Da er also nicht mehr abrechnen konnte, nahm er die von der Kundschaft ein- gezogenen Geldbeträge, insgesamt 140 M.. mit nach Hause. Unter- Wegs kehrte er aber erst in einer Kneipe ein und da ist ihm, wie er behauptet, das ganz« Geld gestohlen worden. Vor der Kammer 3 des Gewerbegerichts klagte die Firma gegen den Kutscher auf Zahlung der 140 M. Sie macht« geltend, der Kutscher hatte nach Geschäftsschluh da« Geld dem Vortier zur Aufbewah. rung ubergeben können. Es wurde auch festgestellt, daß der be- klagte Kutscher wegen versuchten EinbruchsdiebstahlS vorbestraft ,st.— Das Gericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des von ihm nicht abgelieferten Betrages. Er habe für die Ablieferung des von ihm einkassierten Geldes aufzukommen, wenn man auch vom sozialen Standpunkt auS wünschen könne, daß dem Beklagten die Abrechnung auch»ach Geschäftsschluß ermöglicht worden wäre. Eigentümlich erscheine die Angabe, daß der Beklagte in einem Schanklokal bestohlen worden sei, Das hätte er verhindern kön° nen, wenn er auf das mitgeführte Geld aufgepaßt hätte. Das verbotene italienische Lied. In die Zeit der diplomatischen Verhandlungen, welche den Ein- tritt Italiens in den Weltkrieg verhindern sollten, fällt der Anlaß zu einer Klage, die vor der Kammer ö de» Gewerbegerichts zum Austrag gebracht wurde. Beklagt war die Direktion de» Zirkus Schumann wegen Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen, die sie einem Sängerquartett gegenüber eingegangen war. Das deutsch-österreichische Sängerquartett Steinegg war für das Variete des Zirkus«chumann für einen halben Monat gegen eine Gage von 40 M. pro Abend engagiert worden. Das Quartett hatte nach dem Vertrage zwei Gesangsnummern vorzutragen, die es selbst zu bestimmen hatte. Die Sänger setzten in diesem Fall« ein patriotisches Marschlied und einen musikalischen Scherz auf das Programm. Die letztere Nummer war eine Parodie italieni- scher Opernmustk. Ihr Text bestand lediglich aus den allgemein üblichen, der italienischen Sprache entnommenen musikalischen Vor- tragsbezeichnungen wie: Forte, fortissimo, piano, pianissimo. adagio, allegro, moderato usw. An einigen Abenden hatten die Sänger beide Nummern vorgetragen. Dann verbot die polt- etttche Zensur den weiteren Vortrag der Parodie, welche unter em Titel„italienischer Salat" auf dem Programm stand. Nach Angabe des Beklagten hat es der Zensor als unzulässig bezeichnet, wenn in der damaligen gespannten Zeit, wo der Krieg mit Italien auszubrechen drohte, auf einer deutschen Bühne etwa» vorge- tragen würde, was die Italiener verletzen könnte.— Das Sänger- quartett vermochte für die verbotene Nummer nicht sogleich Ersatz zu beschaffen, weil es nichts anderes zur Zensur eingereicht hatte. Der Kläger erklärt das damit, daß sein Quartett sofort nach dem Engagement auftreten mutzte, weshalb nicht mehr Zeit war, um anders Nummern bei der Polizei einzureichen. ES vergingen immer erst 5 bis 3 Tage, ehe die Zensur über eine ihr einge- reichte Nummer Entscheidung getroffen habe.— Das Quartett war also nur noch in der Lage, das patriotische Marschlied vor- zutragen. Das genügte aber der Direktion de» Zirkus Schumann nicht. Sie erklärte oen Vertrag mit dem Sänger Steinegg für aufgehoben, weil dieser die vertragliche Verpflichtung, zwei Nummern zu Gehör zu bringen, nicht erfüllen konnte.— Der Kläger fordert Zahlung der Gage für die Vertragszeit, da es aus den angeführten Gründen nicht seine Schuld sei, daß er den Vertrag nicht habe erfüllen können. Uebrigens habe er sich bereit erklärt, sobald eine andere von ihm vorzulegende Nummer von der Zensur genehmigt sei, die vertragsmäßig ausbedungene Zeit hindurch aufzutreten. Davon aber wollte die Direktion nichts wissen. Sie bestand ohne Rücksicht auf ihrem Schein. Der Ver- treter der Direktion bestritt auch die Zuständigkeit des Gewerbe- gerichts, da der Kläger als Führer eine» Quartetts selbständiger Unternehmer sei. Diesen Einwand erklärte da» Gericht für unbegründet. Der Vorsitzende, Magistratsrat Schultz, suchte den Beklagten zu einem Vergleich zu bewegen, indem er bemerkt«, schön sei es gerade nicht. daß sich die Direktion in diesem Falle auf den schroffen Rechts- standpunkt stelle.— Aber der Vertreter der Direktion beharrte auf dem schroffen Standpunkt und lehnt« jeden Vergleich ab.— Das Gericht erkannte dann auf Abweisung der Klage, da der Kläger vertragsmäßig verpflichtet war, zwei Lieder zu singen, welche die Zensur nicht beanstandet hatte. Gewerkschaftliches. fin üie Gewerkfchaftskartelle! Die Kartells werden ersucht, die Wahl von Vertretern in die Ortsausschüsse zur Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, soweit das noch nicht geschehen ist, unverzüglich vorzunehmen. Die Adressen sind mit Angabe des Berufes des Ge- wählten spätestens bis zum Montag, den 14. Juni 1915, an Otto Wels, Berlin 68, L i n d e n st r. 3, einzusenden. Wir ersuchen die Gewerkschaftsfunktionäre aller Berufe für die Ausführung dieser Aufforderung zu sorgen. Tie Gauleiterkoulmission der Provinz Brandenburg. Deutsches Reift. Streiks und Aussperrungen seit Beginn deS Krieges. Trotz des Burgfriedens sind seit dem KricgSbeginn seit Ende März 101S laut Mitteilung des„Reichsarbeitsblattes" 52 Arbeils- kämpf« ausgebrochen, und zwar 50 Slreits und 2 Aussperrungen mit 4020 Beteiliglen. Diese verteilen sich auf 13 Gewerbegruppen. Der Bergbau steht mit 7 Streiks und 1301 Beteiligte» an erster Stelle. Die Metallindustrie folgt als nächste mit 3 Streiks und 1180 Beteiligten sowie mit einer Aussperrung, von der 33 Arbeiter betroffen wurden. Eine Aussperrung mit 32 Arbeitern kam in der Bekleidungsindustrie vor. Vollen Erfolg hatten die Arbeiter bei 11 Streiks, an denen 1351 Arbeiter beteiligt waren; in 12 Fällen mit 638 Beteiligten war teilweiser Erfolg und in 20 Fällen, bei denen 1710 Arbeiter beteiligt waren, war kein Erfolg zu verzeichnen. Bei den KriegsstreikS ist der volle Erfolg etwas häusiger auf feiten der Arbeiter, als im letzten Jahrfünft, ES hatten von den öS Arbeitskämpfen der Kriegszeit elf Streiks vollen, zwölf Streiks teilweisen Erfolg, während in 20 Fällen kein Erfolg zu verzeichnen war. Sechsundzwanzig von den 63 Arbeitskämpfen wurden durch Vergleichsverhandlungen beigelegt. Besonders hervorzuheben ist. daß in einem Falls ein staatlicher Bergbeamter mit einem Bezirks- leiter des Bergarbeiterverbandes in diesem Sinne zusammenwirkte. In einem anderen Falle wurde auf Veranlassung des General« kommandos ein EmigungSausschuß gebildet. In zehn Streitfällen handelte es sich um Betriebe, die Heeres- bedarf fertigten. Die Dauer der Arbeitskämpfe war weseutlich kürzer als zu anderen Zeiten; durchschnittlich betrug sie 4,77 Tage, auf die streikenden beziehungsweise ausgesperrten Personen kamen nur 4,32 Kampftage, während die durchschnittliche Zahl der Kampf- tage, auf den einzelnen Streikenden oder Ausgesperrten berechnet, im letzten Jahrfünft nahezu 28 Tage betrug. Kriegsdienst im Glasarbeiterverband. Am 30. April wurde vom Verbände der Glasarbeiter eine Statistik veranstaltet. Die Arbeitslosigkeit der Glasarbeiter war in deit ersten Monaten nach Kriegsbeginn so hoch, wie bei tast keiner anderen Gewerlschaft,' Noch am 30. Oktober wurden 24,51 Proz Arbeitslose gezählt, diese Zahl verringerte sich dann am 31. Januar auf 12,24 Proz., am 30. April auf 3,93 Proz. Neben den völlig Erwerbslosen waren noch 8,78 Proz. der Mitglieder zu verzeichnen, die verkürzte Zeit oder zu gekürzten Löhnen arbeiteten. Dieser hohen ArbeitSlosenziffer entsprechen auch die Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung. Die Organisation von rund 10 000 Mitgliedern, die sie am Schluß de! 2. Vierteljahres 1914 hatte, mußte in den verflossenen neun Monaten rund 228 400 M- an Unterstützung auszahlen. An eine Unterstützung der Familien der Eingezogenen war bei dem hohen Stande der Arbeitslosigkeit nickt zu denken; die« mußte den Zahlstellen au« örtlichen Mitteln zu zahlen überlosten bleiben. Diese sind der Anregung des Vorstandes auch nachgekommen und haben zirka 40 000 M. dafür aufgewandt. An ollen Unterstützungen zusammen wurden in den neun Monaten, ein- schließlich Sterbe- und Umzugsunterstützung 280 389 M. gezahlt. Diese Zahlen sind jedoch nicht vollständig, da sich nur 85 Proz. der Mitglieder an der letzten Erhebung beteiligten. Als zum Militär eingezogen wurden von den berichtenden Zahl- stellen 6364 Mitglieder gemeldet, von denen leider schon 316 als gefallen, 520 als verwundet und 54 als gefangen oder vermißt ge- meldet wurden. Angesichts der trüben Verhältnisse in der Glasindustrie war es die Pflicht der Organisation, in Gemeinschaft nül den Unternehmer- organisationen bessere Arbeitsgelegenheit zu schaffen, sowie ent- sprechend den enorm gestiegenen Lebensmittelpreisen die Lohn- Verhältnisse zu bessern. Die Bestrebungen der Organisationsleitung waren»eilweise Von Erfolg begünstigt. Der Verband der Flaschen- fabrikanten. der seit vielen Jahren ein unerbittlicher Feind deS GlaSarbeiterverbandes gewesen ist. war der Einladung des Verbandes gefolgt, um in mehreren Aussprachen die Wege zur Be- schaffung von Arbeit zu finden. Die Folge war nebenbei denn auch die Anerkennung der Organisation und der Arbeiterausschüsse in einer Reihe größerer Fabriken. Bei den Verhandlungen wurde vou der Organisation der Arbeiter besondere« Gewicht darauf gelegt, daß ein Zusammenarbeiten nicht nur vorübergebend sein möge, sondern daß Normen geschaffen werden sollten, noch denen sich ein dauerndes Zusammenarbeiten ermöglichen läßt. DieS sei durch Abschluß von Tarifverträgen möglich. Auch auf dem Wege der ArbeitSvermittelung müßten Aenderungen geschaffen werden. Zur- zeit befindet sich diese völlig in den Händen der Industriellen, und manche Erbitterung ist dadurch bei den Arbeitern erzeugt worden. Die Zahl der Arbeiter, die nicht vermittelt wurden und in« Ausland gingen, ist nicht gering. Der deutschen Glasindustrie wurden dadurch gute Kräfte entfremdet, die sich da» Ausland nutz- bor machte, wodurch der deutschen Floschenindustri««in« nicht un- bedeutende Konkurrenz bereitet wurde.— Eine Regelung der Arbeits- zeit herbeizuführen, liege im Interesse der gesamten Industrie und der Arbeiterschaft. Die gegenwärtige Arbeitszeit ist sür einzelne Betriebe zu long und leidet darunter die Gesundheit der Arbeiter. Wie notwendig es aber sei, eine gesunde Arbeiterschaft zu besitzen, zeige die gegenwärtige Zeit, tu der die Kraft jedes einzelnen ge- braucht werde. Die Industriellen sagten in der darauf folgenden Diskussion Verbesserung zu und dürften weitere Verhandlungen schließlich zu einem günstigen Resultate führen. Di« Verhandlungen haben dann auch zu Lohnzulagen geführt, so in Gerresheim. Dresden, Wirges und Osterwald. Weiter haben die Fabriken in Stralau und Westerhüsen in Verhandlungen mit den Arbeitern diesen Lohnzulagon bewilligt. Vom Arbeitgeberschutz- verband Deutscher GloSsabriken ist leider ein Entgegenkonnnen»och nicht zu melden. Im Gegenteil haben eine Anzahl Mitglieder dieser Organisation während der Kriegszeit Abzüge gemacht, oder den Versuch dazu unternommen. Wir wollen die Hoffnung aber nicht aufgeben, daß daS gute Beispiel der erstgenannten Unternehmer- organisation auch nachahmend auf den Schutzverbond wirken wird. Ob es gelingen wird, auch andere Arbeiterwiinsche durch«ine Autsprache zu erledigen, mutz abgewartet werden. Der Schutz- verband bat Abkehrscheine eingeführt und diese« System wird selb st jetzt in derRriegSzeit i» der rigorosesten Weise gehandhabt. Zeit wird es. daß auch auf dem Gebiete der ArbeitSvermittelung die Arbeiter als gleichberechtigter Faktor von den Unternehmern anerkannt werde». Zu einer Zett, wo Deutschlands Arbeiter auf den Schlachtfeldern ihr Blut vergießen— auch im Interesse der deutschen Industrie— muß es für alle einsichtigen Unternehmer eine Selbstverständlichkeit sein, in allen Fragen des Arbeitsverhältnisses auch dieser Arbeiterschaft da« gleiche Recht einzurcimnen. Mühevolle Zleischeinkaufe. Beim Fleischverkauf der St ad t Berlin wiederhole» sich Klagen, ähnlich denen, die wir früher über den Kartoffelverkauf bekannt geben mutzten. Die Fleischverkaufsstelle, die an der Thaer- und der Eldenaer Stratze auf dem Schlachthofs rund st ück eingerichtet ist. hat einen ganz autzerordentlich großen Zulauf an Kauflustigen. Die meisten müssen Stunden hindurch auf Abfertigung warten, weil ungeachtet des starken Andranges der Berkauf auf die vier Tage Montag. Diens- tag. Donnerstag. Freitag und auf die vier Vormittagsstunden t/z8 bis Uhr beschränkt wird. Vorsichtige Leute, die das „Vergnügen" eines Einkaufes hier schon kennen gelernt haben, finden sich lange vor Beginn schon in der Morgenfrühe ein. Wenn dann um Vz8 die ersten Käufer eingelassen werden, stehen draußen auf der Straße bereits einige Hunderte von Wartenden mit ihren Taschen und Körben in Reih und Glied unter Aussicht der Polizei. Manche Frauen haben sich Feldstühlchen mitgebracht, auf denen sie es sich bequem zu machen suchen. Andere hocken auf der Bordschwelle, die eine weniger bequeme Sitzgelegenheil bietet. Jede sucht auf ihre Art sich die Zeit zu vertreiben, in Geduld oder in Un- geduld. plaudernd, strickend, lesend, ihren Gedanken nachhängend, über die LebenSmittelleuerung klagend, über die mangelhafte Einrichtung dieser Verkaufsstelle schimpfend, und so weiter. Noch dauert der Zu- ström zunächst fort, so daß noch andere Hunderte sich hinter den vorn Wartenden aufstellen müssen. Kundige kommen aber nicht mehr nach 9 Uhr. denn da haben sie wenig Aussicht, an diesem Tage überhaupt noch abgefertigt zu werden. Zählungen, die in den letzten Tagen dort angeordnet wurden, brachten ganz merkwürdige Ergebnisse. Am Freitag hatten sich früh um 7 Uhr bereits ühex MO Personen vor der Verkaufsstelle angesammelt, und am Montag standen früh um t/�9 Uhr etwa 400 Personen wartend auf der Straße. Am Freitag ergab eine durch 30 Minuten fortgesetzte Beobachtung, daß in dieser Zeit 30 Personen nach Abfertigung aus dem Verkaufsraum traten, und am Montag stellten wir in derselben Weise für eine Zeil von 30 Minuten 40 Per- sonen als abgefertigt fest. Hiernach wäre pro Stunde eine Abfertigung von nur 90—100 Personen anzu- nehmen, so daß man im voraus ungefähr berechnen kann, wie viele der Wartenden bei Schluß der Verkaufszeit trotz mehrstündigen Aus- harrenS doch noch unabgeferligt werden nach Haufe gehen müssen. Schon gegen 11 Uhr geben manchmal Polizeibeamte den letzten Licihen der Wartenden den guten Rat, nur ruhig wieder heimzu- gehen, da für sie doch keine Aussicht mehr besteht, noch heranzu- kommen. Eine Käuferin, die am Freitag wieder die„Freuden" eines solchen Fleischkaufes über sich ergehen ließ, teilt uns mit. daß sie diesmal von 7 bis'fall auszuhalten hatte. Das sind„nur" Stunden. An einem der vorhergehenden Tage war sie erst um V�O angetreten und mußte dann nach 3 Stunden um t/z 13 sich auf den Heimweg machen, ohne daß sie den Speck hatte kaufen können, den sie ihrem im Felde stehenden Mann zugedacht hatte. Man kann sich denken, daß solche Zurückweisung nach langem ver- geblichen Warten bei den davon Betroffenen eine Entrüstung weckt, die sich manchmal in erregten Worten äußert. Besonders in diesen heißen Tagen war es ein ganz aparter„Genuß", einen Vor- mittag hindurch bis um VglS auf der Straße zu stehen und dabei die Düfte des Viehhofes einzuatmen und sich dann mit leeren Händen wegschicken zu lassen. Man sagt uns, daß es den Angestellten der Verkaufsstelle nicht möglich sei, die Kauflustigen rascher ab- zufertigen und immer bis �z12 die vielen Hunderte zu be- friedigen. Daß das Personal nicht ausreicht, scheint zuzutreffen. Wir begreifen aber nicht, warum man dann nicht mehr Personal einstellt oder in der Nachbarschaft noch eine andere Verkaufsstelle schafft. Vielleicht würde auch schon einiges gebessert, wenn man den Verkauf nicht auf diese viermal vier Stunden pro Woche beschränkte. Frauen, die daheim ein kleines Kind zu besorgen haben, oder solche, die für den Erwerb arbeiten und daher mit ihrer Zeit geizen müssen, können bei solchen Zuständen die Fleischverkaufsstelle über- Haupt nicht benutzen. Es ist dringend zu wünschen, daß in der einen oder der anderen Weise dem Uebel abgeholfen wird, und zwar allerschleunigst. Bei dieser Gelegenheit möchten Irnr die Aufmerksamkeit wieder einmal auch auf die Verkaufs st elle für Freibankfleisch lenken, die sich, in der Thaerstrahe weiter aufwärts, gleichfalls auf dem Schlachthofgrundstück befindet. Hier, wo das Fleisch zu billi- gerem Preise verkauft wird, ist der Andrang noch sehr viel stärker— und noch sehr viel härter die den Käufern zugemutete Geduldprobe. Im Morgengrauen, ja zu nächtlicher Stunde, finden hier Kauf- lustige sich ein, um dann bis zum Vormittag auszuharren. Das klingr fast unglaublich, aber es wird uns auf das bestimmteste ver- sichert, daß dem so sei. Am Montag zählten wir früh um 8 Uhr vor der Freibank-BerkausSstelle etwa 600 Personen, aus deren vordersten Reihen ein alter Mann uns klagte, daß er seit finsterer Nacht gewartet habe. Es ist doch geradezu toll, daß einer solche Mühen auf sich nimmt und nehmen muß, um sich sein bißchen Fleuch zu sichern. Langt's denn nicht bei der Freibank, dieser Verkaufsstelle eine zweite in der dortigen Gegend beizugeben? Sie könnte, wenn man sie in der Nähe einrichtete, einen großen Teil der Käufer ablenken und den Andrang auf ein erträgliches Maß mindern. Mus Groh-öerlin. �us üer Geschichte des Zrieürichshains. Fünfundsiebzig Jahre sind es her, daß die Berliner Stadtverwaltung den Beschluß faßte, vor dem Prenzlauer und dem Königstor einen Erholungspark anzulegen, der mit seinem Namen Friedrichshain dem Gedächtnis an Friedrich den Großen gewidmet sein sollte. Nicht sonderlich schön sah es damals vor den Osttoren Berlins aus. Felder, Wiesen, Gärtnereien, kleine Gehölze und Gehöfte wechselten in bunter Folge. Die Berliner mußten, wenn sie nicht nach dem Tiergarten pilgern wollten. weit über schlechte Feldwege und mangelhafte Chausseen wandern, um sich im geschlossenen Grünen zu erholen. Im Osten, der schon damals die Anzeichen trug, daß er einer der bevölkertsten Berliner Stadt- teile werden würde, fehlten größere öffentliche Parkanlagen gänzlich. So war es mit Dank zu begrüßen, daß die Stadt gleich etwas Ordenliches, das sich dem Tiergarten im Westen würdig an die Seite stellen konnte, schaffen wollte. Die Pläne zum Friedrichshain stammten von dem städtischen Gartendirektor Gustav Meyer, der später als GlanKwerk seines Lebens auch den Treptower Park, in dem sein Denkmal steht, und im Norden den Humboldthain schuf. Es dauerte aber doch noch mehrere Jahre, bis mit der Ausführung auf den ersten 130 Morgen begonnen werden konnte. Für diesen Geländeraum waren die Kosten auf den gegen heute lächerlich geringen Betrag von 71 000 Talern veran- schlagt worden. Am 18. August 1848 wurde inmitten der der ersten gärtnerischen Anlagen das Fricdrichsdenkmal ent- hüllt, geschenkt von dem Berliner Bürgerdeputierten Freitag, modelliert von Rauch, gegossen von Friebel, dem Meister aus dem Jüdenhof. Im Sommer 1853 war die Parkfläche schon auf 180 Morgen angewachsen. Durch den Bau des Kranken» Hauses am Friedrichshain gingen 1868 zunächst 10 Hektar ver- loren, die aber bald durch weitere Grundstücksankäuse eingeholt Wurden. So entstand in den Jahren 1874 bis 1876 der so- genannte neue Friedrichshain, der sich bis zur Elbinger Straße erstreckte. In diese Zeit fällt auch die Herstellung des großen Kinderspielplatzes. Vor drei Jahren zeigte der Fried- richshain den Berlinern seinen schönsten, weit über Berlin hinaus berühmt gewordenen Schmuck durch die Eröffnung des Märchenbrunnens von Ludwig Hoffmann und Jgnaz Taschner. Was weiten Volkschichten gerade diesev Park abgesehen von seiner Naturherrlichkeit so lieb und teuer macht, sind allbekanntlich die in ihm verewigten Gräber der Märzgefallenen. Bestrafung der Sparsamkeit. Mit dieser Ueberschrift teilten wir sin Nr. 144) mit, daß trotz allen in jetziger Zeit immer wiederholten Mahnungen zur Sparsam- keit und trotz der in den Gaswerken gegebenen Anleitung zur Spar- samkeil beim Gasverbrauch doch die Gaswerke der Stadt Berlin die bei Gasautomaten leider vor einigen Jahren wieder eingeführte Nachzahlung für zu geringen Verbrauch einem kleinen Gasverbraucher noch kürzlich mit 30 Pfennig abgenommen hätten. Hierzu schreibt uns jetzt die Deputation der städtischen Gaswerke, sie habe„bereits bei Ausbruch des Krieges angeordnet, daß während der Kriegsdauer von den Münzgasabnehmern eine Nachzahlung für die unter dem vorgeschriebenen Mindestverbrauch bleibende Gasentnahme nicht zu leisten ist", eS könne sich daher bei jener Nachzahlung von 30 Pf. nur um eine„ander- weite Schuld" oder um ein„bedauerliches Versehen" handeln. Daß »ach Kriegsausbruch versprochen wurde, die Nachzahlung für Minder- verbrauch nicht mehr zu fordern, sagten wir schon in jener Notiz. Nach den Angaben, die uns bei dem be- treffenden Gasabnehmer gemacht worden sind, weiß weder er noch seine Frau etwas von einer„anderweiten Schuld". Es bliebe dann die Annahme, daß ein Versehen vorliegt. Aber wir wollen der Gaswertsdeputation, die eine Untersuchung versprochen hat, in ihrer Entscheidung nicht vorgreifen. Nur das wollten wir jetzt nochmals öffentlich feststellen, daß jene Nachzahlung in der Kxiegszeit nicht gefordert wird. Noch erfreulicher tväre es, wenn sie auch nach Beendigung des Krieges nicht wieder eingeführt würde. Daß jetzt die Gaswerke selber eine Erziehung zur Sparsamkeit im Gasverbrauch versuchen, ist ein sehr dankenswertes Bemühen, aber das soll hoffentlich auch über den Krieg hinaus seine Wirkung behalten. Da wird man doch wohl nicht die den kleinen Abnehmer empfindlich treffende Bestrafung der Sparsamkeit, wie leider bis zum Kriegsausbruch, nach Friedensschluß wieder für zulässig erklären wollen? Warnung für Kornblumensucher. Der Landrat des Kreises Teltow erläßt folgende Be- kanntmachung: Zahlreiche Klagen aus landwirtschaftlichen Kreisen geben mir Anlaß, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, daß bestraft wird, iver sich unbefugt vor beendeter Ernte über Wiesen oder bestellte Aecker bewegt. Abgesehen von der Strafbarkeit liegt es aber ganz be- sonders im Hinblick auf den Ernst der Zeit im allgemeinen Interesse, das Betreten von Getreidefeldern und Aeckern zu unterlassen. Es ist zu bedenken, daß durch das Niedertreten der Halme ein entsprechender Verlust au Brotgetreide hervor- gerufen wird. Besonders schädlich wirkt aber das verbotswidrige Sammeln von Kornblumen und dergleichen, Ich darf erwarten, daß schon dieser Hinweis genügen wird, Unberechtigte von dem Betreten bestellter Felder abzu- halten, und dies als eine patriotische Pflicht anzusehen. Sollte aber dem Verbote trotzdem zuwidergehandelt werden, so würden verschärfte Strafmaßnahmcn gegen diese Personen in Anwendung kommen müssen, welche unbefugt bestellte Aecker betreten. Die Orts- und Ortspolizeibehörden werden ersucht, mit aller Strenge einzuschreiten, wenn diese Warnung ferner im- beachtet bleibt: gegen Zuwiderhandelnde ist unverzüglich Strafanzeige zu erstatten.__ Ermastigung der Kartoffelpreise. Eine weitere Ermäßigung der Kartoffelpreise tritt in den städti- schen Verkaufsstellen ein. Der Magistrat hat den Höchstpreis nun- mehr auf 45 Pf. für 10 Pfund festgesetzt. Den Händlern werden sie zum Prese von 4 M. zugefahren. Bei Abnahme ab Lagerstelle oder Bahnhof beträgt der Abnahmepreis 3,75 M. pro Zentner. Pri- vate, Speiseanstallen usw. zahlen bei der Abnahme von der städtischen Lagerstelle in Mindestmengen von 10 Zentnern 4 M. Anfragen sind an das städtische Bureau für Kartoffelversorgung, Stralauer Str. 3—6, zu richten. Zum Arbeitsnachweis für kaufmännische und technische Angestellte. Der Werkmeisterverband für das Deutsche Buchbindergewerbe und verwandte Berufe hat folgende Eingabe an den Magistrat gerichtet: „Der Borstand bedauert das(ablehnende. D. Red.) Verhalten des Magistrats um so mehr, als die Gründe, die wir seinerzeit in unserer Eingabe anführten, jetzt noch zu Recht bestehen. Gerade in den Kreisen der Werkmeister ist durch den Krieg eine große Anzahl stellenlos geworden beziehungsweise mit verkürztem Gehalt be- schäftigt worden, das allerdings in letzter Zeit wieder in der alten Höhe gezahlt wird. Durch das Zurückfluten der zahlreichen Werk- meister, die jetzt im Felde stehen, beim Friedensschluß wird eine Kalamität hervorgerufen werden, die durch Bestehen eines städtischen Arbeitsnachweises nach unserer Ansicht in gesündere Bahnen gelenkt würde, da durch die zahlreichen Angebole auf offene Stellen ein Unterangebot inbezug auf Gehalt und sonstige Vergünstigungen leicht herbeigeführt werden könnte. Nicht ohne Grund haben sich die Ar- beitgeber der Errichtung des Nachweises widersetzt, da durch einen öffentlichen Nachweis die Gehalt-sangebole bekannt würden und sie zwungen würden, die Gehälter und Löhne, die von feiten der Ange- stelltenorganisationen ihren Mitgliedern bei Stellenannahme em- psohlen werden zu zahlen. Wir hoffen, daß bei der Wiedereinbringung des Antrages der Magistrat den Wünschen der Angestellten Rechnung tragen wird und der Errichtung eines städtischen Nachweises keine Bedenken mehr ent- gegenstehen werden.__ Hochstapler und Schlafstelleuschwindler. Ein gefährlicher Hochstapler und Schlafstellendieb wurde von der Kriminalpolizei in Lichtenberg unschädlich gemacht. Er ist ein 32 Jahre alter Erwin Schaedler, der sich Schriftstoller nennt und zuletzt unter dem falschen Namen Dr. Hans Köhler auftrat. Schaedler, der von vielen Staatsanwaltschaften und Gorichton steckbrieflich ge- sucht wurde, hatte sich in der letzten Zeit, durch den falschen Namen und Veränderungen in seinem Aussehen verdeckt, in Neukölln ein- gemietet. Hier stahl er einer Wirtin in der Pflügerstraße aus dem Schreibtisch, den er in ihrer Abwesenheit erbrach, für 120 Mark Schmucksachen. Viel schlimmer noch erging es einer anderen Frau, die dem„Herrn Doktor" volles Vertrauen geschenkt hatte. Der Hochstapler entpreßte ihr nach und nach, zum Teil unter Bedrohung mit dem scharfgeladenen Revolver 2000 Mark. Um nicht bloßgestellt zu werden, war die Bedrängte gezwungen, ein Stück ihrer Wirt- schast nach dem andern zu verkaufen, weil sie auf andere Weise kein Geld heranschaffen konnte. Nach seinem letzten Diebstahl in Neukölln entfloh der Schwindler und Erpresser, der gemeingefährlich geistes- krank sein soll, nach Lichtenberg und mietet« sich dort wieder unter einem falschen Namen ein. Jetzt wurde er aber ermittelt und fest- genommen._____ Strastenbahnunglück in Halensee. In Wilmersdorf, an der Ecke des Kursürstendammes und der Joachim-Friedrich-Slrahe, stießen am Sonntagabend bei klarstem Wetter zwei Straßonbahnzüge, die beide überfüllt waren, zu- summen. Dort fuhr der aus drei Wagen bestehende Zug der Line 8E von hinten kommend mit solcher Gewalt aus den an der Ecke haltenden Zug der Linie daß der offene Anhängewagen der Linie 8 vorn in die Höhe gedrückt wurde und so stehen blieb. Die Plattformen der Wagen wurden fast sämtlich beschädigt und die auf ihnen befindlichen Personen zum größten Teil verletzt, darunter mehrere so schwer, daß sie sofort ärztliche und Krankenhaus- behaudlung in Anspruch nehmen mußten. Die beiden Straßenbahnwagen trafen um B/z Uhr im Straßenbahnhof Westfälische Straße ein. Die Zahl der Leichtverletzten ist groß, die der Schwerverletzten soll angeblich nur ganz gering sein. Ueber die Ursachen des Unglücks gehen die Meinungen"aus- einander. Während der Fahrer behauptet, die Bremse habe versagt, sagt die Direktion der Straßenbahn das Gegenteil. Sie teilt mit: „Die in Gegenwart des Vertreters der Aufsichtsbehörde vor- genommene Untersuchung des Straßenbahnzuges, der gestern abend in einen anderen Straßenbahnzug hineinfuhr, hat ergeben, daß die Bremsen vollständig in Ordnung waren. Der Führer des Zuges ist vor 16 Jahren als Fahrer ausgebildet worden, hat dann bis zum Oktober 1014 als Schaffner Dienst getan, dann eine neue Aus- hildung im Fahrerdienst erhalten, auf Grund derer er seitdem als Fahrer tätig war. Im Augenblick des Unfalles war er sechs Stunden im Dienst, nachdem er vorher eine 24stündige Ruhe- pause genossen hatte. Die Anzahl der Perletzten konnten ivir ein- wandfrei erst im Laufe dieses Vormittags feststellen, da sich eine größere Anzahl der Leichtbeschädigten nach Hause begab, ohne sich zu melden. Die Schwerverletzten wurden teils von der Feuer- wehr, teils mittels Autos von dritten Personen fortgebracht. Größere Wunden erlitten 5 Personen, über allgemeine Schmerzen klagten 3. über Nervenckock und Schreck 14; leichte Hautabschürfungen und Schnittwunden 4 Personen. Aus der Uufallchronik der Straftenbahn. Zwei Straßenbahnulifälle, durch unvorsichtiges Aufspringen auf den Perron eines fahrenden Straßenbahnwagens verursacht, werden Vom Sonntag gemeldet. Herr Hugo Schlauder kam dabei in der Scharnweber-, Ecke Eichbornstraße zu Fall und wurde vom Trieb- wagen am rechten Fuß überfahren.— Ein gleicher Unfall ereignete sich in der Turmstraße, Ecke der Bremer Straße: ein Fräulein Emma Heide wollte während der Fahrt die Plattform eines Wagens der Linie 11 besteigen, kam zu Fall und wurde vom Beiwagen über- fahren. Der Unfallhabenden wurde der rechte Fuß abgequetscht. Ein dritter Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonntagabend in Britz. Ehausseestraße, Auf dem Triebwagen 1608 der Linie 23 Richtung Wittenau schlug während der Fahrt aus dem Hinterkontrollspind des Gefährtes eine Stichflamme heraus. Zwei junge Mädchen, die auf der Plattform standen, sprangen aus Furcht, von der kleinen Stichflamme verletzt zu werden, ehe die Mitfahrenden sie daran ver- hindern konnten, herab, kamen zu Fall und erlitten eine leichte Gehirnerschütterung. Die Mädchen erhielten in dem Kreiskrankeu- hause Britz die erste Hilfe und konnten sich dann in ihre Wohnungen begeben.— Am Sonntag, mittags gegen 12 Uhr, wurtvt» Tempelhof vor dem Hause Berliner Straße 56 der fünfjährige Knabe Apelt von einem in der Richtung Mariendorf herannahenden Triebwagen der Linie 70 angefahren, umgestoßen und von dem Fangkorb auf- genommen. Das Kind erlitt eine leichte Gehirnerschütterung und wurde, nachdem ihm erste Hilfe zuteil geworden, in die elterliche Wohnung gebracht._ Ei» schwerer Straßcnuufall hat sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr in der Alexanderstratze ereignet. Dort wollte die gerade von ihrer Arbeitsstätte kommende 30jährige Arbeiterin Klara Falk aus der Kyffhäuserstraße 17 in Schöneberg den Fahrdamm überschreiten, als Plötzlich vom Alcxanderplatz her ein Radfahrer in rasendem Tempo heransauste. Da die Falk trotz der Zurufe der Vorüber- gehenden nicht rechtzeitig ausweichen konnte, wurde sie umgerissen und mit großer Wucht auf das Straßenpflaster geschleudert. In besinnungslosem Zustande wurde die Verunglückte nach der Unfall- station in der Keibelstraße gebracht, wo der Arzt einen Schädelbruch. mehrere Rippenbrüche und einen Bruch des rechten Schlüsselbeins feststellte. Nach Anlegung von Notverbänden wurde die Schwer- verletzte nach dem Schöneberger städtischen Krankenhause trmiS- portiert, wo sie in sehr bedenklichem Zustande daniederliegt. Im Kindcrhaus findet wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt, mit praktischen Uebungen, wöchentlich einmal. Meldung schriftlich oder mündlich im Bureau des Kinderhauses, Blumenstr. 07, von 2—6 Uhr. Brand in Pichelöwcrder. In Pichelswerder an der Habel ist das viel besuchte Lokal von Karl Freund am Sonntag zum Teil ab- gebrannt. Der Brand kam in einem Stall vormittags um 8 Uhr zum Ausbruch und ergriff noch vor Ankunft der Feuerwehr die Wirtschaftsgebäude. Bei dein Brande sind mehrere Schweine und Hühner umgekommen. Die Entstehung wird auf Brandstiftung zurückgeführt. Von der Berliner Feuerwehr. Ein großer Brand beschäftigte die Berliner Feuerwehr am Sonntag in der Straße am Nordhafen am Landwchrkanal. Dort stand früh um 1 Uhr auf dem großen Grundstück Nr. 5 ein Schuppen mit Wagen und ein Pferdestall in Flammen. Diese hatten infolge der lang andauernden Dürre sehr schnell eine reißende Ausdehnung genommen. Obgleich von den zahlreichen Hausbewohnern sofort versucht wurde, die Pferde des Fuhrunternehmers Bergmann in Sicherheit zu bringen, erstickte eins der Pferde und wurde nachher im Stalle verkohlt aufgefunden. Auch die übrigen Pferde haben unter dem Oualin sehr gelitien. Die Feuerwehr griff sofort mit mehreren Schlauchleitungen kräftig an, sie konnte aber nicht mehr verhindern, daß mehrere Wagen eines SchmiedonieisterS und Furage mit dem Pferdestall stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Ent- stehungsursache war noch nicht aufzuklären. Man vermutet, daß der Brand durch Unvorsichtigkeit beim Verlassen deS Pferdestalles ent- standen ist. Bei einem Brande in einer Wohnung in der Kleinen Frankfurter Straße 10 erlitt eine Frau Norkus so schwere Verletzungen am Kopf und den Beinen, daß Samariter der Wehr sie schleunigst nach dein Krankenhaus Am Friedrichshain bringen mußten. Dort wurde die Aermste verbunden.— Bei einein Küchenbrande am Gröbenufer 6 zog sich eins Person leichte Brandwunde» zu.— Um Bienen- schwärme einzufangen, rüdten Feuerwehrmänner nach der Fidizin- 1 bann festgenommen und gab die Tat nach längerem Zeugnen zu, 1 Kindes 3hre Einwilligung zur Namensänderung geben. straße 31, Friedrichsberger Str. 4 und anderen Stelleit aus. ohne bestimmte Gründe anzugeben. Ein gefährlicher Brand kam am Montag in der Chausseestr. 72 zum Ausbruch. Dort brannten auf dem Hofe Papierabfälle unter großer Qualmentwickelung. Diese war so intensiv, daß die Rohrführer nur mit Schuzapparaten vorgehen konnten. Schließlich gelang es die Flammen zu ersticken. Dem Feuer sind erhebliche Mengen Papierabfälle zum Opfer gefallen. Verloren wurde am Sonntagnachmittag in Saatwinkel- Tegelort eine schwarze Handtasche mit Inhalt. Der Finder wird gebeten, feine Adresse in der Filialexpedition von Mars, Greifenhagener Straße 22, abzugeben. Eine Brotkarte für den Bären. Der Vater des unehelichen Kindes ist zum weiteren Unterhalt verpflichtet. Wedding. Landsturm ohne Waffe; Arbeitssoldat. 3. 54. Sie können nochmals gemustert werden. E. 5. 100. Versuchen Sie es mit einem Antrag beim Kommandeur des Regiments Ihres Mannes. K. Schl. Den erbringen, Nachweis über den Verdienst vom ersten Quartal dieses Jahres zu würden wir Ihnen raten, abzulehnen. 1. Ein Testament ist nötig. Anweisung dazu erhalten Sie bei uns P. 22. in der Sprechstunde. 2. Das Geld ist Eigentum der Ehefrau Im„ 8- Uhr- Abendblatt" der Nationalzeitung" wird über eine originelle Gerichtsverhandlung wie folgt berichtet: In Elberfeld war ein Menageriebesizer aus Remscheid wegen VerAngeklagte ist Besizer eines Prachtbären, der aber so gehens gegen das Verfüttern von Brot und Getreide angeklagt. Der wählerisch ist, nur Brot zu fressen. Als die Brotfarte ein- den Großhandel in den Zentral- Martiballen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über geführt wurde, teilte der Angeklagte großmütig seine Brotration Montag, den 7. Juni 1915. leis: ( Ohne Berbindlichkeit.) Rindfleisch, per 50 kg, Ochsen mit Meister Petz, wurde aber, als die Sache heraustam, vom fleisch la 100-118, do. IIa 90-100, do. IIIa 75-90; Bullenfleisch Ia 100-110, Kleine Nachrichten. Am Spandauer Schiffahrtskanal stahlen Schöffengericht in Elberfeld zu zwei Monaten Gefäng- do. Ila 87-99; Stübe, jett 83-98, do. mager 70-82, do. dänische Drahtdiebe von drei Fernsprechleitungen gegen 200 Meter Kupfer- nis verurteilt. In der Berufungsinstanz machte er zu seiner 85-95, Freſſer 80-100, Fresser, dänische, 00-00; Bullen, dänische, draht, der drei Millimeter start ist. Vor Ankauf des Metalls wird Entschuldigung geltend, daß er das Tier nicht eingehen laffen könne, 88-95; Kalbfleisch. Doppellender 165-185; Mastfälber Ia 128-142, gewarnt. Von einem Kraftwagen wurde gestern in der Münzstraße da er aus ihm seinen Erwerb ziehe. Das Gericht berücksichtigte do. Ila 118-128; Kälber ger. gen. 75-100, do. dan. 75-100, do. holl. 00-00. ein etwa 40 Jahre alter Mann überfahren. Der Verunglückte, der einen das Eigenartige des Falles und ermäßigte die Strafe auf 100 M. do. Ila 105-114; Schaje 102-115; do. holl.'00-00. Hammelfleisch: Mastlämmer 125-130; gammel Ia 115-124, Schweinefleisch, schweren Schädelbruch erlitt und nach dem Krankenhause am Geldstrafe. Zugleich gab es dem Angeklagten den Rat, sich mit Schweine, jette 00-00, sonstige 145-165, dan. Sauen 00-00, dän. Schweine Friedrichshain gebracht wurde, ist mittelgroß, hat einen blonden einer Eingabe an den Regierungspräsidenten zu wenden, damit 130-145, do. schwedische 135-145. do. holländische 135-150. Gemüse, Schnurr- und Spitbart und trug einen dunklen schadhaften Jackett- dieser die Fütterung des Tieres mit Brot gestatte. Der Bär wird inländisches: Kartoffeln, Dabersche 50 kg 0,00; weiße Staiserfronen 0.00; anzug, eine graue Mütze, alte Stiefel und feine Strümpfe. Auf also, wenn der Regierungspräsident auf das Gesuch eingeht, in den Magnum bonum 0,00; Woltmann 0,00; Borree, Schock 0,80-1,60; einer Ruhebant vom Tode überrascht wurde vorgestern abend ein Besitz einer Brotkarte gelangen." Sellerie, Schock 3,00-8,00; Spinat 50 kg 10,00-20,00; MohrArbeiter Otto Neumeier, dessen Verhältnisse noch nicht näher bekannt rüben, 50 kg 7,00-10,00; Sohlrüben, Schod 0,00-0,00; Meerrettich, sind. Man fand ihn auf dem Mittelsteig der Christianiastraße Schock 4,00-10,00; Petersilienwurzel, Schockbund 4,00-6,00; Zwiebeliz 50 kg 00,00-00,00; Radieschen, Schockbund 1,00-1,50; Waldmeister, vor dem Hause 116a tot daliegen. Wahrscheinlich hat ihn der Schlag Der im vorigen Jahre erfolgte Zusammenbruch des Bankhauses Mandel 0,00 0,00. Gurten, Gorgaster, 100 Std. 0,00. Rhabarber, Hamb., gerührt. F. E. Förger in Baden- Baden( Bantier Anton Müller) ist 100 Bund 2,00-2,50, do. 100 Stangen 0,00-0,00, do. hiesiger 100 Bund endlich in seinen finanziellen Ergebnissen vom Konkursverwalter 1,00-2,00, do. Vierländer, 100 Bund 1,00-1,20. Tomaten, Gorgaster, festgestellt. Es soll den Gläubigern eine Abschlagsverteilung 0,18-0,25, do. Beeliger III, kg 0,04-0,12, do. unsortiert, kg 0,20-0,35, 1/2 kg 1,00. Spargel, Beelitzer 1/2 kg 0,30-0,40, do. Beelizer II 2 kg von 2,5 Prozent vorgeschlagen werden. Hierzu sind verfügbar: do. Märkischer I 2 kg 0,20-0,30, do. II 2 kg 0,15-0,25, do. III 1 kg 114 745,22 M. und zu berücksichtigen an festgestellten Forderungen 0,05-0,12. Salat, Edhod 0,50-1,50. Rettiche, bayerische, 100 Stüd 12-15. ohne Vorrecht 2 188 900,22 M. Aus den Gemeinden. Die Berliner Brotkarten in Köpenick. Bekanntlich durften bis jetzt nur wenige Sommertvirte an die Groß- Berliner Ausflügler Brot abgeben. Jetzt hat der Magistrat beschlossen, daß sämtliche Bäcker und Brothändler sowie diejenigen Gastwirte, die überhaupt zur Abgabe von Brot an die Kundschaft berechtigt sind, gegen Berliner Brotkarten Brot an Ausflügler verfaufen fönnen. Eine feine Pleite. Tageszeitung" zufolge wurde ein Wiesbadener Privatmann zu Bestraftes Gefangeneninteresse. Einer Meldung der Deutschen drei Tagen Gefängnis verurteilt, weil er im Gefangenenlager Griesheim einem Franzosen eine 3igarre zu gesteckt hatte. Parteiveranstaltungen. Kohlrabi, Schod 1.50-2,00. Obst und Südfrüchte: Kirschen, 1/2 kg 0,45-0,60. Stachelbeeren, unreise, 50 kg 17-20. Erdbeeren ½, kg 50 kg 12-15. Apfelfinen: Murcia 200 Std. 17,00-20,00, bo. 300 Std. 0,60 0,80, do. holl. Stäfig 20-24, do. Bühler ½ kg 0,60-0,80. Bitronen: Messina 300 Std. 22-26, do. 360 Std. 22-26, do. 150 Std. 8-12, dv. 18,00-20,00. Spanische, 420 Std. 30,00-35,00, do. 714 Std. 38,00-46,00, do. 1064 Std. 40,00 13,00, do. 420 Std. large 40,00-45,00. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Mittwochmittag. Ueberall farm. Im allgemeinen froden und größtenteils heiter. Nur an wenigen Orten westlich der Dder leichte Ge Zweiter Wahlkreis. 94., 96. und 97. Bezirk. Gemeinschaftlicher witter. Vierter Wahlkreis. Am Mittwoch, den 9. Juni, finden in nachstehenden Abteilungen gemeinschaftliche Zahlabende statt: Abteilung 1. Bei Felsmann, Oranien str. 180. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Büchner. Abteilung 23. Bei Schwarz, 2angestr. 53. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Kräßig über:„ Der Lebensmittelwitcher". Abteilung 28. Bei Huth, Warschauer Str. 61. " Stadtverordneten Genossen Adolf Ritter über:" Die Ansprüche Abteilung 34. Bei Redow, Rigaer Str. 54. Vortrag des der Kriegsverlegten und der Kriegshinterbliebenen". Abteilung 36. Bei Busch, Tilsiter Str. 27. Vortrag des Genoffen St. Klingler über: Bersorgung der Kriegsteil nehmer, ihrer Familien und ihrer Hinterbliebenen". Treptow- Baumschulenweg. Mittwoch, den 9. Juni, abends 81, Uhr, 8ablabend mit einem Vortrag des Genossen Richard Timm im Lokal findet für den Ortsteil Baumschulen weg ein gemeinsamer von August Krause, Kiefholzstr. 249, statt. Für den Ortsteil Treptow finden Bezirks 3 ahlabende statt. Stralan. Mittwoch, den 9. Juni: Zahlabend für alle Bezirke bei Weißensee. Der Zahlabend fällt am Mittwoch in allen Bezirken aus. Dafür findet an demselben Tage, abends 8%, Uhr, eine Mitgliederversammlung im Vereinshaus, Charlottenburger Str. 150, statt. Tagesordnung:" Der Krieg und die Internationale". Referent: Genosse Dr. Rudolf Breitscheid. Aus der Gemeindevertretung von Alt- Glienicke. In der letzten Sizung wurde zunächst die Einführung des neu- 3ahlabend im Lokal des Genossen Lerf, Nostizstr. 29. gewählten Gemeindevertreters, des Tischlermeisters Möbius, vorgenommen. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die Sicherung der Erntearbeiten in der hiesigen Feldmark, der zu einer lebhaften Debatte Anlaß gab. Ein von der Feldkommission eingebrachter Antrag verlangte, da zur neuen Ernte nicht genügend Erntearbeiter vorhanden sind und deshalb Gefangene herangezogen werden sollen, daß die Gemeinde kostenlos die hiesigen Gemeindearbeiter für die Ueberwachung bereitstelle. Die Landwirte wären wohl bereit, die Bedingungen für die Verpflegung der Gefangenen zu übernehmen, aber sie könnten nicht noch die Kosten der Ueberwachung tragen. Der Gemeindevorsteher Weidmann entgegnete darauf, daß die Gemeinde den Landwirten schon entgegenkommen und diese Kosten aus Gemeindemitteln bestreiten müßte. Es sei eine vaterländische Pflicht, die Landwirtschaft zu unterstützen, denn die Landwirte leiden am schwersten unter den jezigen Verhältnissen. Wollte man jämt liche Kosten für die Gefangenen den Landwirten aufbürden, so könnten sie ihre Produkte nicht zu mäßigen Preisen auf den Markt bringen. An den bisherigen Preissteigerungen seien auch die rapide in die Höhe gegangenen Landarbeiterlöhne schuld. Genosse Wil- Schulz, Markgrafendamm 6. helm Dürr e trat dieser Auffassung energisch entgegen und wies in längerer Ausführung nach, daß die ganze Vorlage nur dazu angetan sei, den eigenen Säckel der Landwirte zu füllen. Auch einige bürgerliche Vertreter traten nunmehr dem Ansinnen der Landwirte entgegen, so daß für Annahme des Antrags keine Aussicht mehr be= stand. Auf Antrag des Genossen Bartel wurde beschlossen, eine genaue Aufstellung der Kosten, einschließlich der Ueberwachung, vorzunehmen und die Feldkommission beauftragt, bei den Landmirten eine Umfrage zu halten, ob sie für die neu aufzustellenden Preise Gefangene haben wollen. Als Vertreter der anwesenden Landwirte erklärte Herr Haberecht, daß er sich dann lieber einige Arbeiter und mehrere Frauen nehme und ihnen etwas mehr Lohn zahle, dann wisse er wenigstens, daß seine Ernte zeitig und gut hereinkomme.- Sodann lag ein Gesuch der Eisenbahnverwaltung vor um Ermächtigung der Gemeinden Alt- Glienicke und Grünau zur Absteckung der Wegeunterführung unter der Görlißer Bahn, die infolge der Anlage der Teilstrecke der jüdlichen Umgehungsbahn notwendig sei. Die Tragung der Kosten sollen die Gemeinden überFriedrichshagen. Mittwoch, den 9. Juni, abends 81%, Uhr, bei Lerche, nehmen. Der. Gemeindevorsteher erklärte, daß die Gemeinde Friedrichstr. 112: Gemeinschaftlicher Zahlabend. Auf der Grünau die Erstattung der Kosten ablehne wegen des geringen Krieg und die Arbeiter". Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen A. Cohen über:„ Der Interesses, das Grünau daran habe. Genosse Dürre betonte die Neuenhagen a. Ostbahn. Der Zahlabend findet am Mittwoch, den Notwendigkeit dieser Unterführung. Der im Bebauungsplan vor- 9. d. Mts., abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Hätscher, Dottiftr. 12, statt. gesehene Straßenzug müsse dort durch, weil ja dann auch der Bahn- Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreiskonferenz. 2. Die weitere Eristenz fisfus gezwungen sei, eine Station zwischen Adlershof und Grünant des Wahlvereins. Die Frauen der Kriegsteilnehmer sind besonders anzulegen. Nach kurzer Debatte wurde demgemäß einstimmig be- eingeladen. schlossen. nommen. Es folgten dann die Ergänzungswahlen für verschiedene Kommissionen. Für die Schuldeputation, in der trotz wiederholter Wahl unsere Genossen noch nie Bestätigung erlangt haben, wurde jetzt Genosse Mücke vom Gemeindevorstand vorgeschlagen. Vom Gemeindevorsteher wurde die Annahme des Vorschlages warm empfohlen, weil jetzt Bedenken für die Bestätigung nicht mehr vorlägen und in größeren Städten Sozialdemokraten schon als Stadträte bestätigt wurden. Die Wahl durch Stimmzettel ergab einstimmige Annahme des Vorschlages. Niederschönhausen West. Zahlabend im Lofal des Genossen Dtte, Sachsenstr. 23. Bericht aus der Lebensmittelfommission. Rosenthal. Zahlabend der Bezirke 1-4 im Lokal des Genossen Milbrodt, Walderseestr. 5. Mariendorf. Am Mittwoch, den 9. Juni, findet ein gemeinsamer Zahlabend bei Herold, Chauffeestr. 284, statt. Tagesordnung u. a.: Vortrag der Genoffin Regina Ruben. Köpenick. Der Juni- Zahlabend fällt aus. mitgliederversammlung wird noch bekanntgegeben. Adlershof. Der Bahlabend fällt am Mittwoch aus; der Termin der Alt Glienicke. Mittwoch, den 9. d. Mts., abends 8 Uhr, im Lokal von Meier, Straße am Faltenberg: Gemeinsamer Zahlabend. Richterfelde. Mittwoch, abends 8, 1hr, bei Wahrendorf, Bäfestr. 7: Gemeinsamer Zahlabend. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, IV. Hot rechts, parterre, amt Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine 8ahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Wird er aber perTodes- Anzeigen Sozialdemokrat. Kreiswahlverein Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse 13/3 Chr. Gimbel Scharnweberstraße 10 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalte in Marzahn aus statt. Abfahrt des Zuges von Lichtenberg- Friedrichsfelde um 2.40 Uhr. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Am Freitag, den 4. Juni, verstarb nach langem schweren Leiden unsere Genossin Agnes Jaffke ain Blumenthalstraße 18, Gruppe 21. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. Juni, nachmittags 5% Uhr, auf dem Begräbnisplat in Marzahn statt. Abfabrt des Zuges von Lichtenberg- Friedrichsfelde um 5.38 uhe, Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinenarbeiter Gustav Kernicke Beymestraße 23 im Alter von 60 Jahren gcstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. Juni, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Dftfriedhofes in Ahrensfelde aus statt. 84/2 Abfahrt 2.6 Uhr Briezener Bahn. 11m rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterhe kasse der deutschen Wagenbauer. Bezirk 18. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Wilfried Tygör Am 4. Juni 1915, abends 91, 11hr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, der Maurer Christoph Gimbel im 60. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. 13A Die trauernde Witwe Marie Gimbel. Deutscher Bauarbeiter- Verhand. Zweigverein Berlin. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 4. Juni unser Mitglied, der Maurer Christoph Gimbel verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhojes in Marzahn aus statt. Abfahrt Bahnhof Friedrichsfelde 2.40 11br. Umrege Beteiligung wird ersucht. Ferner starb am 3. Zuni vom Bezirk Norden I der Hilfsarbeiter Gustav Rückbrecht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 32 Uhr, von der Halle des Elias- Kirchhofes, Nordend, aus statt. 140/19 Der Vorstand. Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlins und Umgegend. Wiederum hat der Weltkrieg aus unseren Reihen zivci brave Kollegen gerissen. Am 24. Mai fiel, nachdem er schon zehn Monate lang die schwersten Kämpfe durchgemacht hatte, infolge Kopfschusses unser lieber Kollege Erich Kastner im blühenden Alter von 28 Jahren. Ehre seinem Andenken! Außerdem fiel am 15. Mai unser lieber Kollege Willi Elter im Alter von 26 Jahren. Ein braver, ruhiger und opferwilliger Kollege, die einzige Stüße einer alten Mutter, ließ sein junges Leben fürs Baterland. Ehre seinem Andenken! 282/6 Der Vorstand. Der Gemeindevorstand empfahl dann noch, einen am 18. April dieses Jahres gefaßten Beschluß aufzuheben, der den Abschluß eines Gegenseitigkeitsabkommens mit der Stadtgemeinde Berlin wegen der Erwerbslosenunterstüßung bezweckt. Begründet wurde der Antrag damit, daß eine Arbeitslosigkeit augenblicklich nicht besteht und daß auch in absehbarer Zeit keine zu erwarten sei. Genosse Wilhelm Dürre und der Vertreter Mahler traten dieser Ansicht des Gemeindevorstandes entgegen, sie waren der Meinung, daß das Gegenteil eintreten würde, sobald der Krieg zu Ende sei. Es wird dann nach wie vor Pflicht der Gemeinde sein, sofort energisch zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit einzugreifen. Genosse Bartel be- 2. Es ist Ihnen zu empfehlen, Antrag auf Heilbehandlung bei der Landes100. Sch. A. 1. Sie gelten für dienstuntauglich und sind ausgemustert. antragte, diesen Beschluß nicht aufzuheben, sondern mit Berlin in versicherungsanstalt zu stellen. E. G. 13. Eine Reklamation ist in Verhandlungen zu treten über die Beibehaltung der Unterstüßung, diesem Falle zwecklos, da Ihr Einkommen für dieses Jahr höher anund zwar nicht nur für die Dauer des Krieges, sondern darüber genommen wird. 8. 5. 1. Die Unterstüßung wird Ihnen in diesem hinaus, damit auch im Frieden die Erwerbslosenunterstüßung er- Falle jedenfalls entzogen werden, da keine Bedürftigkeit vorliegt. 2. Absohalten bleibe. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit ange- luten Anspruch darauf haben Sie nicht; Sie können es aber mit einem Antrage versuchen. F. N. 2. Unterstützung für die Schwester wird nicht gezahlt werden; Sie könnten höchstens um Armenunterstützung einsturm ohne Waffe; Armierungssoldat. Najenerkrankung und Krampffommen. B. G., Lichtenberg 7. Nein. Mh., Pankow. Landabern. M. P. 87. Die Ausmusterung im Paß bedeutet, daß der Betreffende den Aufrufen nicht unterliegt. sönlich zur Musterung geladen, so muß er dieser Folge leisten. R. R. 11. 1. Das können wir Ihnen jezt nicht mehr sagen, da wir die Anfragen nach Erledigung sofort dem Papierkorb übermitteln. 2. Das fönnen wir unmöglich wissen. O. A. 99. Zur Meldung sind Sie nicht verpflichtet. Eine nochmalige Musterung aber ist nicht völlig ausgeschlossen. M. N. 3. Ja. G. S. 38. Wenn Sie heiraten, kommt die Unterstüßung natürlich in Wegfall. A. F. 20. Bezirkstommando, I. Ersatzabteilung II. 2. W. R. 1888. 1. Wir neigen zu der Annahme, daß Sie, wenn Sie Ihre Stellung dort verlassen würden, als Ausländer interniert werden können. Sonst ist für das Aufgeben der Stellung doch nur der geschlossene Vertrag gültig. 2. Auf ein Gesuch von der Lehranstalt wäre ein Befreiung wohl möglich. 3. Ja. 4. Spanische Botschaft( Abteilung für Russen), Berlin, Hedemannstraße 4. Anna 176. Die Wirtin kann zur Einigung nicht gezwungen werden, Sie müssen die Miete bis zum Ablauf des Vertrages zahlen; eventuell fönnen Ihnen Sachen gepfändet werden. E. B. 4. Die Unterstützungen find für Groß- Berlin die gleichen und würde Ihnen also dadurch kein Schaden entstehen. R. B. Sie haben kaum Aussicht, noch eingezogen zu werden. A. D. 50. Das erste Zeichen bedeutet: garnisondienst fähig. Die zweiten Zeichen bedeuten: Infanterie, friegsverwendungsfähig. Zwischen den beiden Zeichen besteht kein Unterschied. Aconit. Sie In Forst( Lausitz) wurde am Sonntag früh die 40 Jahre alte müssen das Gewerbe anmelden.- M. R. 38. 1. Der Reichstag hat einstimmig den Wunsch geäußert, den Beurlaubten freie Fahrt zu gewähren. Witwe Anna Philipp und deren 12 Jahre alte Tochter Frida Bisher ist eine Verordnung darüber noch nicht erlassen. 2. Nein. von dem Kraftwagenführer Matthias Streaten ermordet. Der M. 8910. Beantragen Sie jetzt Mictszuschuß. Es steht im Belieben des C. B. 20. Ja. Frau ist der ganze Schädel des Hinterkopfes mit einem Hammer Unternehmers, wem er die Unterstützung zahlen will. J. M. 50. Wenden Sie sich an die fgl. Münze, Unterwasserstr. 2/4. eingeschlagen worden, während das Kind schwere Verlegungen am E. K., Mauerstraße. Uns nicht bekannt. R. G. 54. Nein. Auge und Nasenbein aufwies, die auch von Hammerschlägen her-.. 53. Wenden Sie sich an die Friedrich- Wilhelmsanstalt für Arbeit. rühren. Der Mörder wurde von herbeigeholten Polizeibeamten noch fame, Bereinigtes Bureau des Magistrats. B. K. 60. In Frage täme in der Wohnung überrascht und warf nach einem von ihnen zweimal vielleicht die Hollmannsche Wilhelminen- Amalienstiftung, Linienstr. 163/65. mit einem Messer. Der Beamte gab daraufhin drei Schüsse auf den Bezirks, in dem Sie wohnen, seine Einwilligungserklärung in öffentlich M. 20 A. Ihr Mann muß vor dem Vormundschaftsgericht des Mörder ab, die diesen trafen und kampfunfähig machten. Er wurde beglaubigter Form abgeben; außerdem müssen Sie und der Vormund des Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Kinderveranstaltungen. Neukölln. Morgen, Mittwoch, Spielausflug nach dem Spielplatz der Freien Turnerschaft Neukölln- Brig. Abmarsch 2 1hr vom Wildenbruchplatz. Mariendorf. Am Mittwoch findet statt der Kinderspiele ein Epaziergang statt. Treffpunkt 13 Uhr am Rathaus, Kaiserstraße. Aus aller Welt. Doppelmord in Forst( Laufik). Stralauer Allec 22a verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. Juni, nachmittags 3, Uhr, von der Halle des Danksagung. Für die große Beteiligung bei der Einäscherung meiner lieben Frau, unferer guten Mutter Zentral Friedhofes in Friedrichs: Emma Jaenicke felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/9 Die Ortsverwaltung. Am 25. Mai starb durch Kopfschuß den Heldentod fürs Bater land unser lieber Kollege Heinrich Bleeck. Sein aufrichtiger und ehrlicher Charakter wird uns stets versagen wir hiermit allen Teilnehmern, insbesondere dem Genossen F. Zubeil für seine trostreichen Worte, sowic dem Gesangverein Kreuzberger Harmonie unseren herzlichsten Dank. 1852b F. Jaenicke und Töchter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter 33A anlassen, ihm ein dauerndes An Anna Brückner denken zu bewahren. 1840b Die Maschinenmeister der Druckerei ,, Woche" und ,, Tag" geb. Schmidt sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Robert Brückner nebst Tochter.