Nr.1S8.-3S.Iichrs. flftonntmentS'Bedlngungen: BSonnementä» VrelZ tranumeronb«! Vierteljährl. 3�0 Ml. monatt. UXO Ml. wöchentlich 25?fg. frei inj HauZ. tmzclne Nummer 5 P-g. Eenntag»- »nnnmer mit illuitrie:lsr Srnmtag»» Beilage.Die Neue Sell' 10 P'a. Post» Nbonnement: I.tll Mart vro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung»- Treisliste. Unter Kreuzband fite Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 50 Marl, iür das übrige Ausland » Marl vro Monat. Postabomiement» nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Kusuimcn, Schweden und die Schweis viaeilil lägNch. Vevlinev Volksblnkt. ( 5 Pfennig) Die TnffrHonS' Gebühr beträgt für die sechsgechaliene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg.. f® holiNsMe und gewerlsmaslliche Lere.in> Und Sersammlungc- Anzeigen ui, P'g. „Aleine Knrcigen". dar- jellgedruckle Wert 20 Psg. tjuliissig LseNgedrttSle Worte), jedes weitere Wort 10 P'g Stellengesuche und Schianiellenon ,-tgen das erste Wart 10 P'g.. seae? wettere Wort b P'g. Worte über i. Pna, Itaben zählen für zwei Worte. Inieratc ür die Nächsie?!t„n»ier inütfen bis , Uh» nachmittags in der tbrbediiion abgegeben werden. Die Crpedilion ijl t>lö 7 Uhr abends geöffnet. Dclegraint» Adresse: „Z»i,>Scm»IlI',l üllli»". Tentralorgan äer �ialäemokratifcden Partei veutfcklanäs. Neüaktion: EW. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt MoritzplaN, Nr. 181.30—181.37. Donnerstag, den 10. Juni 1913. Expedition: EW. öS, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. ISI 33—18137. Mlienilche Missettolge am unteren Ffonzd Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den S. Juni vormittags.(SB. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. ansetzeude feindliche Kräfte Am Südosthang derselben Am Oft hang der Lorettohöhe zum Angriff wurden. gestern nachmittag durch unser Feuer vertriebe». Höhe scheiterte ein feindlicher Angriff. Die letzten Häusergruppen des schon seit dem 9. Mai zum großen Teil in Besitz der Franzosen befindlichen Dorfes Neuville wurden heute nacht dem Feinde überlassen. Südlich von Neuville schlugen wir wiederholte Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen ab. In der Gegend südöstlich von Hebuterne ist der Kamps nach einem in den Morgenstunden mißglückten Angriff der Franzosen wieder im Gange. Im Priester- walde wurde ein feindlicher Angriff blutig zurückgewiesen, nur nm eine kleine Stelle unseres vordersten Grabens wird noch gekämpft. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf dem östlichen Windquufer wurde Kubyli nordöstlich Kurschauy ge« n o m m e u. Bon Südwesten her nähern sich unsere angreifenden Truppen der Stadt Szawle. An der Dubifsa wurde der feindliche Nordflügel durch umfassenden Angriff in südöstlicher Richtung geworfen. Unsere vordersten Linien erreichten die Straße Bety- gola— Jlgize. Südlich des Njemen traten die Russen nach hartnäckigen Kämpfen bei Dembowa Ruda und Kosliszki den Rückzug auf Kowno an. S99 Gefangene und 2 Maschinengewehre wurden erbeutet. Bei der weiteren Verfolgung gewannen wir unter Sicherung gegen Kowno die Straße Mariampol— Kowno. Südöstlicher Kriegsschauplatz. O est! ich Przemysl ist die Lage unverändert. Nordöstlich Zurawno brachten die Truppen des Generals von Linfingen einen russischen Gegenangriff zum Stehen. Weiter südlich wird um die Höhen westlich Haliez und westlich Jezupol noch gekämpft. Stanislau ist bereits in unserem Besitz. Es wurden 4Z00 Gefangene gemacht und 1Z Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wie«, 9, Zum.(28. T. B.) Amtlich wird verlaut- bort, 9. Juni 1915 mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Südlich des Dujcstr verloren die Russe» ucucrdings au Bode«. Unter vielfachen Vcrfolgungskämpfeu siegreich vor- dringend, erreichten die Lerbündcteu gestern nördlich K o l o m e a die Linie Äulaczkowcc— Äorszow, ge- wannen die Höhen von O t t y n i a, nahmen abends Stanislau in Besitz und drangen weiter gegen Haliez vor. Der Tag brachte 55 79 Gefangene. An der übrigen Front in Galizicu und Polen hat sich nichts Wesentliches ereignet. Italienischer Kriegsschauplatz. Der erste grössere Angriff des Feindes, gestern nachmittag von Truppen in der beiläufigen Stärke einer Infanteriedivision gegen den Görzcr Brücken- köpf augesetzt, wurde unter schweren Verlusten der Italiener abgeschlagen. Diese fiutete« im Artilleriefcucr zurück und mussten mehrere Geschütze stehen lassen. Das gleiche Geschick ereilte feindliche AngriffSvcrsuche bei G r a- d i s c a und Moufalconc. Die Kämpfe an der Kärntner Grenze östlich des Plöcken- Passes und das beiderseitige Geschützfeurr im Gebiete unserer Kärtner und Tiroler Sperrbefestigungen dauern fort. Balkankriegsschauplatz. Au der serbischen Grenze fanden da und dort Plänkeleien und auch Artillcriegefechtc ohne Bedeutung statt.— Bei Konto wurde eine montenegrinische Bande in österreichisch. nngarischeu Uniformen zersprengt. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabcs: Von Hocfer, Fcldmarschalleutnant. Die Befestigungen von przemvfl. Berlin, 9. Juni.(W. T. B.) AuS dem Großen Haupt quartier wird uns über den Fall der Festung Przemysl ergänzend geschrieben: Die Stadt Przemysl mit ihren etwa 50 000 Einwohnern liegt zu beiden Seiten des San. Fünf bis sieben Kilometer von der Stadt entfernt sind die Hauptbefestigungen an- gelegt, die eine Gesamtausdehnung von rund 50 Kilometer haben. Die Befestigungen bestehen aus kleineren und größeren Forts, die untereinander durch Schützengräben, Schanzen und sonstige Erdwerle verbunden sind. Die Fort» sind mächtige, von tiefen Gräben um- gebene Erdwerle mit zahlreiche» betonierten Unterständen und gemauerten Kasernen. Breite, meist in zweifacher Reihe an- gelegte Drahthindernisse sperren nach allen Seiten den Zugang zu den Befestigungsanlagen. Für den Angriff der verstärkten bayerischen Division wurden drei Forts der Nordsront samt den dazwischen gelegenen Befestigungsanlagen bestimmt. Das heißt, es sollte in den großen Umzug der Festung ein Loch gebohrt werden von einer Breite, die etwas mehr als den 20. Teil des befestigten Geiamtumzugs der Festung darstellt. Dies gelang am 31. Mai durch die Erstürmung der Forts 10a, 9a und 11 samt Zwischen- linieu. Bis zum Abend des 2. Juni hatte sich durch die Wegnahme der Forts 11 und 12 und Kapitulation der Werke 10b und 9a die durchbrochene Linie zu einer Breite von 8 Kilometer er- Iveitert, d. h. die ganze Nordfront, etwa der sechste Teil der ge- samten Befestigungen, war im Befitze des Angreifers. Die Be- sichtiguug der erstürmte» Forts der Nordfront legt zunächst Zeug- niS ab von der erschütternden Wirkung unserer schwersten Geschütze. Betonklötze von£> Meter Stärke sind geborsten und abgesplittert gleich zerstörten Sandburgen. Die Trichter der 42-Lm-Geschosse weisen eine Tiefe bis zu 8 und eine Breite bis zu 16 Meter auf. Auch die moralische Wirkung dieser Geschosse war eine derartige, daß die Ruffen an mehreren Stellen selbst die Drahtnetze durchschnitten, um sich aus ihrer unerlräglichen Lage zu befreien und dem stürmenden Feinde zu ergeben. Kuch Amerika? Juni.(W. T. B.> Meldung de« Staatssekretär Bryan Hai Washington, 0. Reuterschen Bureaus. demissioniert. Washington, 9. Juni.(W. T. B.) Meldung»es Reutrrschen Bureaus. Brunn sagt in einem Briefe an den Präsidenten Wilson: Im Ein klänge mit ihrem Pflichtgefühle und von den»«rnehmsteil Beweggründen geleitet, bereiteten Sic zur Weitergabe nach Teutschland eine Note vor, der ich nicht zustimmen kann, ohne meine Pflicht gegen das Land zu verletzen. Ter Gegenstand ist so bedeutend, dos! mein Berblribcn im Kabinett ebenso ungerecht Ihnen wie der Sache gegenüber mär», die meinem Herzen am nächste« liegt, nämlich Verhütung. Ter ämerikanischc Staatssekretär i l l i a m Vi»an hat seinen Abschied genommen, weil er mit dem In- halt der Note, die als Erwiderung aus die. deutsche Ant wort in der Lusitania-Affärc nach Berlin gesandt werden soll. ni ch t. c in v c r st a n d c n. i st. Herr Bryan war stets un Friedensfreund, ja man darf fast sagen, ein etwas ntopisli scher Fricdcnsschwärmer, und wenn er jetzt das amerikanische Kabinett vorläßt, so bedeutet das ganz zweifellos, daß die Rote in der von Wilson beabsichtigten Form sich von einem Ultima mm an Deutschland nicht wesentlich mehr nnlerscheidei. Wir haben öS hier also mit einem Ereignis von allergrößter Wichtigkeit zu tun. Die Vorgeschichte ist bekannt- Als seinerzeit die deutsche Rogierung den Vereinigten Staaten mittsitte, daß-sie in Zn kunst die englischen Gewässer als-'Kriegsgebict ansehen und die dort verkehrenden neutralen Schiffe sich eine entsprechende Behandlung gefallen lassen müßten, antwortete, der Präsident Wilson sehr ernst, daß Teutschland.im vollen Umfang dafür die Verantwortlichkeit übernehmen müsse, wenn die Tätig keit seiner Unterseeboote in der Kriegszonc die störüng amerikanischer Schiffe oder den Verlust di Lebens von amerikanischen Bürgeln zur Folge haben würde.- Bei verschiedenen Gelegenheiten ist dann von Washington her Protest gegen das Vorgehen der Untersce boote erhoben worden, aber die Verhältnisse spitzten sich, erst zu nach der Torpcdierung der L u si t a n i a". Amerika richtete eine Note an Deutschland, die, überaus höflich in der Form, sachlich Forderungen stellte, von denen es von vornherein sicher war, daß Deutschland ihnen nicht entsprechen könne, ohne auf die bisher befolgte Methode des Seekrieges zu verzichten. Die Antwort der deutschen Regierung fiel so aus, wie man es crlvartct haste, und jetzt scheinen sich der Präsident Wilson und das Scnatskomitee für auswärtige Angelegenheiten zu einem Schritt entschlossen zu haben/der die Beziehungen zu Deutschland mindestens in sehr kritische Formen bringen kann. lieber die Stimmung in den Vereinigten Staaten sind wir unvollkommen unterrichtet, da der telcgrapknsche Vcrkebr durch England kontrolliert wird und die vorliegenden Zeitungvn imtürlich einige Zeit zurückdatieren.'Immerhin wissen wir im allgemeinen, über die Stimmungen und Strömungen im amerikanischen Volke einigermaßen Bescheid, und in Ei. gäizzung dessen, was gestern unser New Aorwr Korrespondent berichtete, können wir' folgendes sagen:- Die Mehrheit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten stand von Ansang an wit ihren Sympathien niclit aus der oeiic der Zentral mächte, und die Agitation, die. von einigen Vertretern des Deutfchtllms drüben gelriiHeii worden ist, war auch nur teilweise danach angetan, eine dcutschfrcnnd lichere Stimmung zu erwecken. Aber der Staat blieb wenigstens neutral, und die großen Munitionsfabriken würden mit derselben Bereitwilligkeit, mit der sie den Alliierten Gvschiitzc und Geschosse lieferten, auch die deutsche und die österreichische Armee unterstützt haben, wenn die englische Flotte dieses Geschäft nicht unmöglich gemacht hätte. Da kam die Versenkung der„L u s i t a n i a", und nun erhob der größte Teil der Presse den Ruf nach ciwrgisäien Maßregeln, die, wenn Deutschland nicht inichjzebe„nd aus die weitere Verwendung seiner lluierseebootzc gegen Passagier schiffe verzichte, in der Kriegserklärung gipfeln müßten. Jedoch die Kriegsfreudigkeit der ersten Tage hielt doch nicht allenthalben an, und die abwartende und zögernde Haltung des Präsidenten fand in sehr weiten Kreisen bei fällige 1>1usnahme. War es reine Friedensliebe, die diese Zurückhaltung diktierte? Ach nein, es waren recht realpotitische Erwägunge» Zunächst legte mau sich die Frage vor, wie denn ei» Krieg zwischen Amerika und Deutschland aussehen solle, da die Vereinigten«Staaten doch kaum in der Lage seien. Truppen nacki Europa zu werfen, und da stire Flotte zumal im Hinblick aus die deutschen Unterseeboote die Flotte der Allierten kaum in nennenswerter Weise unterstützen könne. Den deutschen Ilcberseehandel noch mehr zu schädigen als'es bereits geschieht, geht auch nicht an. da er ja überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Also, was soll man tun? Außerdem wurden Stimmen laut, die versicherten, daß cs Teutschland gar nicht so unangenehm sei, wenn Amerika eingreife. In diesem Falle brauchten die Unterseeboote überhaupt keine Rücksicht mkhr zu nehmen, und was wichtiger wäre, es würde keine Munition mehr an die Verbündeten geschickt werden können, da Anierika sie selber nötig habe. Jetzt hieß es vielfach, man dürfe den Deutschen den Gefallen nicht tun, sich her- ausfordcrn zu lassen. Aber auch das war bei den meisten nur eine Phrase, hinter der sich andere Beweg- gründe verbargen. Man sehe sich einmal die Export- z i f f e r n der Vereinigten Staaten in der Zeit vom 1. Juli 1914 bis zum 31. März 1915 an. In diesen neun Monaten hat sich im Vergleich mit der entsprechtzndm Zeit des vorhergehenden Jahres die Ausfuhr nach den Staaten der Triple- entente um 35 Proz. gesteigert. Die nach Deutschland und Oesterreich ist allerdings um 99 Proz. zurückgegangen, aber dieser Ausfall wird nahezu ausgeglichen durch die gewaltige Steigerung des Exports in die neutralen Rachbarländer der Zentralmächte. Tie Ziffern sind folgende: Die Ausfuhr nach Dänemark stieg von 12 auf 36 Millionen Dollar, die nach Schweden von 11 auf 66 Millionen, die nach Norwegen von 7 aus 32 Millionen, während der Export nach Holland von 34 auf 192 und d�r nach Italien von 59 auf 139 Millionen Dollar in die Höhe schnellte.' Ein solches Geschäft setzen kühle Rechner nicht leichten Herzens aufs Spiel. Sie werden so lange als irgend möglich einer friedlickM Politik das Wort reden. Tie Frage ist nur, ob nicht die Interessen der Rüstungs- industrie nach einer anderen Richtung drängen. In einem Rew Aorker kapitalistischen Blatt wurde vor einem Monat berechnet, daß bis zu diesen: Zeitpunkt Amerika im ganzen für rund 599 Millionen Dollar Munition und Waffen an die Kriegführenden geliefert habe. Man war überzeugt, daß die Bestellungen sich noch immer weiter steigern würden, aber es kommt nun darauf an, ob die Stahl- und Eisenmagnaten und alles, was mit ihnen zusammenhängt, sich von einer aktiven Anteilnahme ihres Landes am Kriege, trotzdem daß mindestens vorübergehend eine Einschränkung der Liefe- rungen nach Europa erfolgen würde, noch mLhr Gewinn versprechen. Hier wird sich unter Umständen ein Konflikt zwischen den verschiedenen Kapitalistengruppen, von denen eine so patriotisch ist wie die andere, entspinnen, und die Frage ist, welche von beiden schließlich triumphiert, ob die, die Amerika direkt in den Strudel mit hineinreißen will, oder die andere, die den Frieden liebt, aber unter seinem Schutze Kriegs- geschäfte machen will. Tie nächsten Tage müssen div Entscheidung bringen. «» * Washington, 9. Jiuni.(SS. T. B.)(Meldung des Reuter- scheu Bureaus.) Nach zweistündigem Gedankenaustausch mit dem Kabinett über die Note an Deutschland erstattete Wilson die Mitteilung, daß die Rote fertig sei und wahrscheinlich morgen abgeschickt wird. Der Präsident stellt in Abrede, daß eine größere Bcrzögcrung eintrat, als bei einer Note von solchem Gewichte natürlich ist. Die deutsche Note, die für den Angriff auf die „G u l f l i g h t" Schadenersatz verspricht und um weitere Aufklä- rungen über den Borfall mit der ,>Cushing" ersucht, wird vom Präsidenten nicht als unbefriedigend angeschen, aber die beiden Fragen hätten nichts mit dem Hauptgrundsatz zu tun, für den die Bereinigten Staaten eintreten: nämlich, daß Amerikaner auf unbe- waffncten Kauffahrteischiffen, welcher Nationalität immer, in Sicherheit nach ihrem Bestimmungsort gebracht werden müssen, ehr ein zur Prise gemachtes Schiff vernichtet wird. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 9. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von gestern nachmittag. Im Abschnitt nördlich von A r r a s spielten sich einige Jnfanterieaktionen am Abend und in der Nacht auf den Osthängen des Lorettoplateaus ab. Der Feind erwiderte unseren Angriff durch drei heftige Gegen- angriffe, aber die Stellungen wurden beiderseits nicht ver- ändert. Nordöstlich der Zuckerfabrik von Souchez rückten»vir vor. In Neuville-Saint-Vaast bemäch- tigten ivir uns nach einem sehr heftigen Kampfe einer weiteren Häusergruppe. Im Gebiet des Labyrinths wurde ein deutscher Gegenangriff zurückgeworfen. Südöstlich von Hebu- terne suchten die Deutschen die verlorenen Stellungen zurück- zuerobern. Sie wurden viermal zurückgeschlagen. Wir er- weiterten unseren Gewinn gegen Nordosten bis zur Straße von Hebuterne— Ierre, indem wir auf 50 Meter Front zwei Reihen deutscher Schützengräben einnahmen. Wir machten 150 Gefangene, darunter 100 Unverwundete. Paris, 9. Juni. fW. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Im Lorettogebiet war der Artilleriekampf heute sehr lebhaft; die Infanterie befestigte überall die vorher gewonnenen Stellungen und erzielte neue Fortschritte. In Neuville und St. Vaast nahmen wir die Gesamtheit des kleinen, vom Feind noch besetzten Dorf- teils im Westen des Dorfes ein, ebenso neue Häuser in der Hauptstraße(Nordteil). Im Labyrinth schlugen unsere Truppen einen heftigen Gegenangriff zurück. Südlich Hebuterne verschärften wir leicht unsere Fortschritte und behaupteten unsere Gewinne von gestern und heute nacht trotz starken Gegenangriffes, der von zwei eiligst in Auto- mobilen aus dem Gebiete östlich Arras herbeigeschafften Bataillonen ausgeführt wurde. Wir setzten sodann unseren Fortschritt gegen Osten auf einer Front von etwa 1200 Metern fort. Der Feind bombardierte heftig die Schützen- graben, die wir ihm gestern nördlich der Aisne in der Nähe von Moulin sous Touvent abgenommen hatten. Diesem Bombardement, das unsere Artillerie eifrig erwiderte, folgte lein Gegenangriff. jrenchs Meldung. London, 9. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Feldmarschall French berichtet: Der Zustand hat sich nicht geändert, es herrscht eine größere Ruhe. Bor dem Wald Ploegstaert ließen wir unter den deutschen Laufgräben eine Mine springen, wodurch die Brustwehr in einer Länge von SO Iards vernichtet wurde. Zwei deutsche Flugzeuge wurden genötigt zu landen; das eine gegenüber unserem rechten Flügel durch Geschützfeuer, das andere in der Nähe von Ipern nach einem Luft- kämpf mit einem unserer Flugzeuge. Der belgische Heeresbericht. Le Havre, 9. Juni.(W. T. 33.) Amtlicher belgischer Heeresbericht: In der Nacht vom ö. zum 7. Juni und am 7. Juni Geschütz- und Gewehrfeuer auf der Front. Am 7. Juni wurden die nördlich von Dixmuiden gelegenen Schützengräben sowie die Dörfer südlich Stuuvekenskerke und Ramskapelle heftig bc- schössen. Die belgische Artillerie zerstreute deutsche Arbeiter bei Beersbloot. Die neueste englische Verlustliste. London, 9. Juni.(W. T. B.) Die neueste Verlustliste weist 70 Offiziere und über 3560 Mann auf. Gestlicher Kriegsschauplatz. Die rujstsche Generalstabsmelüung. Petersburg, 9. Juni.(W. T. B.) Der Große G e- n e r a l st a b gibt bekannt: In der Gegend von S z a w l e unternahm der Feind, der sich verstärkt und eine neue Auf- stellung eingenommen hatte, einen hartnäckigen Angriff in der Richtung auf Bubis. Am 7. Juni räumten unsere Truppen dieses Dorf und versammelten sich in einer Stellung vor Szawle. An der.unteren Dubissa entwickelt sich unser Vor- marsch in befriedigender Weise. Am linken Weichsel- ufer nördlich von R a w a benutzten die Deutschen die günstige Windrichtung und versuchten, unsere Truppen mit Stick- gasen zu vergiften. In Galizien dauert der hartnäckige Kampf auf dem linken Ufer der W i s z n i a fort. Dort gelang es dem Feinde am 6. Juni, unsere Truppen zurückzudrängen. Nichtsdestoweniger machten wir daselbst bei Gegenangriffen ungefähr zweitausend Gefangene. An der Dnjestr front fanden am 6. und 7. Juni zwischen den Flüssen T i s m i c n i c a und L u k w a Kämpfe statt. Die Angriffe des Feindes gegen unsere Stellungen am rechten Ufer des Dnjestr zwischen Ugarstberg und Jidaczow blieben erfolglos. Bei Jidaczow machten wir etwa drei- hundert Gefangene, darunter sechs Offiziere, und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Bei Jurawno drangen die feind- lichen Streitkräfte, die Verstärkungen erhalten hatten, im Walde bis zur Eisenbahn vor. Am rechten Ufer des D n j e st r gerieten die Deutschen in der Gegend deS Dorfes Siwla in einen Hinterhalt. Sie wurden in dichter Reihe mit einem Kugelregen überschüttet und sodann durch einen raschen Bajonettangriff niedergemacht. Ungefähr zweihundert Deutsche wurden getötet und einige Dutzend gefangen. Zwischen Siioka und Lukwa wiesen wir einen feindlichen Angriff ab. Der Seekrieg. Der U-Doots-Krng. Rotterdam, 9. Juni.(W. T. B.) Ter„Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Die Bark„Süperb", auf dein Wege von Buenos Aires nach Oueenstown, mit 2200 Tonnen Getreide wurde 50 Meilen westlich von Fastnet durch eine Bombe zum Sinken gebracht, nachdem die Be- satzung das Schiff verlassen hatte. Ter Dampfer„Glitte- r a n d mit Holz unterwegs von Schweden nach Hartlepool, wurde gestern durch ein Tauchboot angegriffen. Er versuchte vergeblich zu entkommen. Nachdem der Besatzung ein Termin von 10 Minuten gegeben worden war, wurde das Schiff versenkt. Rotterdam, 8. Juni.(W. T. B.) Der„Nieuwe Rotter- damsche Courant" meldet aus London: Am 5. Juni tauchte dicht neben dem Fischdampfer„Arctic" ein deutsches II-Boot auf. Durch Geschützfeuer wurden der Schiffer und einige Leute der Be- satzung getötet. Fünf Ueberledende wurden, nachdem sie zwölf Stunden umhergetrieben waren, durch einen anderen Fischdampfer aufgenommen. Amsterdam, 9. Juni.(W. T. 23.) Hiesigen Blättern zufolge ist ein Imuidcr Fischdampfer bei der Doggerbank i n die Luft geflogen. Von der Besatzung wurde nichts mehr gesehen. Der Fischdampfer„ R i j n d a m" gilt als verloren. Wegen der Fischdampfer„Texel I" und „Irene", herrscht lebhafte Besorgnis, da sie sich dicht an der englischen Küste in der gefährlichen Zone befanden. London, 9. Juni.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Dampfer„Lady Salisbur y", der mit Kohlen von Hartlepool nach London fuhr, wurde bei Harwich ohne vorhergehende Warnung torpediert. Mehrere Mann von der Besatzung verloren ihr Leben. Rujststher Unterseebootsangriff. Berlin, 9. Juni.(W. T. B.) Von Petersburg aus ist am 7. Juni die Meldung verbreitet worden, daß aus den Berichten russischer Küstenposten und im Dienste befindlicher Unterseeboote hervorgehe, daß es gelungen sei, durch in der Fahrtrichtung des Feindes ausgelegte Minen und durch Angriffe russischer Tauch- boote drei feindliche Schiffe zu versenken oder zu beschädigen. Hierzu erfahren wir an zu- ständiger Stelle, daß nur ein Schiff, und zwar ein Kohlen- dampfer, durch den Torpedo eines feindlichen Unterseebootes versenkt ist. Ein Torpedoboot, das gerade bei diesem Dampfer längsseit gegangen war, wurde durch denselben Torpedo leicht beschädigt und ist inzwischen im Hafen eingelaufen. Im übrigen ist die Nach- richt unzutreffend. Englischer Kriegsschiffsankauf mit italienischer unö portugiesischer Hilfe. Kol», 8. Juni.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Madrid: Die portugiesische Presse überraschte vor drei Tagen ihre Landsleute mit der Nachricht, daß der kürzlich in Italien gekaufte Zerstörer„Liz", neuester Bauart, mit schwerer Gefchützbewaffnung und 30,3 Knoten Geschwindigkeit, als ohne Bemannung in den Schiffs- listen geführt werde. Die„Liz". die im Tajo mit portugie- sischer Flagge lag. hat diese gestern gestrichen und dafür die britische gesetzt unter Aufnahme einer englischen Besatzung. Das Fahrzeug war von Portugal mit englischem Gelde gekauft worden, und zwar i m Einverständnis mit Italien, das damals noch Wert darauf legte, neutral zu erscheinen, obschon es längst dem Dreiverband verkauft war. Der italienische Krieg. Zum Fliegerangriff auf Venedig. Rom, 8. Juni.(W. T. B.) Die Agenzia Stefane meldet amt- lich: Heule vormittag überflog ein feindliches Flugzeug Venedig und warf Bomben, welche einige Privathäuser leicht beschädigten. Nur eine Frau wurde am Arme leicht ver- letzt. Ein junges Mädchen wurde durch ein zurückprallendes Geschoß am Kopfe verletzt. Punkts weiter im Innern wurden gleichfalls mit Bomben belegt. Der Schaden beschränkt sich auf einen Toten und mehrere Verwundete. Die italienischen Bombenwürfe auf ßiume. Wie», 9. Juni.t...an. diese Beziehungen, zu erinnern, bis auf den Entschlüff des Königs, und seiner Berater doch von Eülfluß.sein werde»», und von denen wir heute NU r bedauern könne«., d a.ß sie im Laufe der letzten sechs Jahre von den Z en t r a l m ä cht e n nicht so ausgebaut und befestigt worden sind, daß die Haltung Rumäniens bei Beginn de» Krieges gar nicht zweifel- Haft sein konirte." Wir teilen das Bedauern Prpf. HoetzschS, glauben aber nicht, daß der von ihm gerügte Mangel isoliert uird unabhängig von der gesamten äußeren Politik der Zentralmächte betrachtet werden kann »wir Reiten ftnö öoch bessere Menschen!* In.einer am Fronleichnamstage in Essen stattgefundenen Kriegs-Missionsversainmlung wurde über die E i n»v i r k u n g des Weltkrieges auf bie Mifsionen in den Heidenländern berichtet. Es ist natürlich, daß durch den Krieg die Missionsarbeit schwer gefährdet �worden ist. Dafür brachtq Herr Universitätsprofessor Dr. Schmidlin eine Reihe von Beispielen vor." Die praktische Missionsarbeit sei so gut wie unterbunden. „Noch tiefer sind die schweren geistigen und»noralischen Wunden, die der Krieg dem Mifsionslvesen geschlagen hat. Die Stoßkraft des Christentums wurde gelähmt durch den Krieg, der Widerstand des Heidentums.dagegen gestärkt. Die Japaner »vollen vom Christentum nichts mehr wissen, weil es den Welt- krieg nicht verhindern konnte. Ein Chinese äußerte sich einmal: Wenn die europäische Zivilisation nichts anderes erreicht, als daß sie immer neue und immer schlimmere M o r d i n st r u m e n t e hervor- bringt, dann wollen wir lieber Barbaren bleiben." Als zweiter Redner sprach der Bischof Docrin.g S..J. von Poona in Indien. Er behandelte die Heidenmission in Indien, die in den letzten Jahren erhebliche Erfolge zu verzeichnen hatte: „Da-kan, der Krieg und warf uns um Jahre, ja, um Jahr- zehnte zurück. Groß sind die moralischen Schäden des Krieges. Die Bekehrung der Heiden knüpfte sich gewöhnlich an eine Liebes- tätigkeit unter ihnen an. Wenn z. B. in der Zeit der Pest die Heiden sahen, daß die katholischen Missionare allern bei ihnen ausharrten, wenn alle sie verließen, dann wurden sie durch dieses Verhalten der Missionare zur katholischen Religion hingezogen und schließlich für sie gewonnen. Im Kriege sehen sie nun das Gegenteil von Liebe, sie sehen, wie die europäischen Mächte, diese Kulturvölker, sich gegenseirig zerfleischen und immer neue und grauenhaflere Mordiverkzenge erfinden. Das muß Eindruck- auf die Heiden rnachey. Wenn»vir nach dem 5triege zurückkehren, werden wir Missionare ganz sicher hören nrüffen: Reformiert ihr Christen nur zuerst euch selber, wir Heiden sind besfer als ihr." Letzte Nachrichten. Zum Untergang der„Casablanca". Srnyrna, 9. Juni.(W. T. B.) Das türkische Blatt„Koejlue" gibt eine Schilderung des Unterganges des französischen Minen- legers„Casablanca", der zwischen den Inseln Koestem und Hekiin vor der Einfahrt in den Golf von Smhrna versank. Das Blatt erklärt, daß das Schiff wahrscheinlich auf eine der Minen geraten sei, die es Mischen den beiden. Inseln ausgestreut habe und so ein Opfer der von ihm selbst gelegten Fallen gelvorden sei. Ein Leichnam sei an die kleinasiatische Küste gespült worden. Von Gefangenen spricht der Bericht nicht. Mus üer Partei. Aus den Orgamsationcit. Sie G o t h a e r Parteiorganisation nabm in ihrer setzten Versammtung ein Referat des ReichStagSadgeordncten B o ck entgegen über daei Verhalten der ReichstagSiraktion während der KciegSzeit. Die Versammlung war mir'den Ausführungen des llteferenten, der die Auffassung der Minorität vertrat, einverstanden. Von einer Veschlutzfassung wurde Abstand genommen. leine Bertrauensmännerkonserenz fiir den Wahlkreis Darm- sladl- Groß-Gerau beschäftigte sich zunächst mit der Entgegen- nähme des Jahresberichts. Daraus ging hervor, daß die Partei- organisation. wenn ihr auch tiefe Wunden geschlagen wurden, doch den Krieg überdauern wird. DaS gleiche gilt für die Presse Sodann hielt der Abgeordnete des Kreises, Gen. Q u e f f e l, ein Referat, in dem er die Haltung der Reichstagsfraktion verteidigte. In der lebhaften Diskussion erklärten sich sämtliche Redner mit der Haltung der Fraktion einverstanden. Von einer Beschlußfassung wurde Abstand genommen. Mus Jnöustrie unö hanöel. Die Erntcaussichten. Durch die TageSpresse gehen gegenwärtig Betrachtungen über die Aussichten der diesjährigen Getreideernte, die sich über den Sjt and der Saaten in günstigem oder weniger günstigem Sinne äußern. Vor derartigen Berichten möchten wir dringend warnen, da die Unterlagen, auf denen die Bs richte aufgebaut sind, zu ungenügend sind, um die Ernte aussichten feststellen zu können. Wir sollten eigentlich aus den Erfahrungen, die wir mit der Ernte und' den Vorrats- ftatistikeu des Jahres 191-1/15 gemacht haben s gelernt haben, etwas vorsichtiger mit dem Aufstellen von Behauptungen vorzugehen und einzusehen, daß wir über diese für dte Preisbildung und die Verproviantierung des Volkes so wichtigen Dinge noch recht wenig wissen/ daß selbst die amtlichen Aufnahmen alles eher als einwandfrei sind. Das ist zwar alles schon vor deni Kriege gesagt worden, es ist während des Krieges auf diese Mangelhaftigkeit unseres Wissens hingewiesen und gewarnt worden, die bei den Ermittlungen siq crgebeitden Resultate ernst zu nehmen, aber es hat alles nichts genützt; man hat sich um eine derartige Aufklärung nicht ge- kümmert und steht nun lleberraschungen gegenüber, die auf dein Kartoffelmarkt besonders mißlich sind. Nicht einmal die amtlichen Saaten st andsberichte sind zutreffend, und sie können nicht zutreffend sein, wie die Erfahrungen in den Friedensjahren hinlänglich gezeigt haben. Es muß eine Aufgabe der kommenden Fricdensjahre sein, die landwirtschaft- liche Statistik zu verbessern und weiter auszubauen. Für die Kriegszeit wäre es aber immerhin sehr wünschenswert, wenn die amtlichen � Saatenstandsberichte, ch irrig sie auch bis zu einem gewissen Grade sein mögen, nicht zurückgehalten, sondern bekanntgegeben würden. Sie böten für die Beurteilung der Ernteaussichten auch in ihrer Ungenügendheit noch immer eine bessere Grundlage als die gelegentlichen Beobachtungen von„Sachverständigen", deren Gesichtskreis notwendigerweise ein kleiner sein muß. Man bedenke, daß alle am Getreidemarkt Interessierten sich eine Vorstellung über die Ernteaussichten machen und machen müssen. Je besser und brejter die Wiisensgrundlage ist, auf der diese Vorstellung, aufgebaut. Iverden kann, desto günstiger und zutreffender wird die Preisbildung auf dem Getreide-, Mehl- und Brotmarkt beeinflußt, während im umgekehrten Falle den Preistreibereien Tür und Tor geöffnet wird. Tie falschen Einschätzungen der Ernteergebnisse, der Vorräte, des Bedarfs und des Verbrauchs im Jähre 1911/15 waren der Boden, auf dem Preistreibereien wuchern mußten. Es ist einseitig, die Personen, die dabei viel verdient und gewonnen haben, verantwortlich machen zu wollen. Sorgen ivir lieber dafür, daß den Preis trcibereien der Boden, auf dem sie gedeihen können, soviel wie möglich entzogen wird. Dies kann einzig und allein dadurch geschehen, daß wir unser ganz ungenügendes Wissen über Verbrauch und Bedarf, Vorräte, Ernteergebnisse und Saaten stand verbessern und das Dunkel aufhellen, das die Preisbildung stets und ständig zum Nachteil der Konsumenten becinslussen muß. Hüten wir uns daher vvr Prognosen, die aus Grund ganz vereinzelter Beobachtungen gewonnen sind, aber viel Unheil auf dem Warenmarkt anrichten können, da sie ganz unkritisch hingenommen werden und um so eher geglaubt und propagiert werden, je mehr sie dem Interesse der Verkäuferschichten entsprechen. Tie Kohlcnpreisstcigeruug unberechtigt. Der Vorsitzende der anhaltischen Handelskammer, Kominerzienrat Richter, führte einem soeben erschienenen offiziellen Bericht zufolge in der letzten Plenarsitzung der Kammer aus, daß der Bitterfelder Braunkohlenverkaufsverein seinen Abnehmern mitgeteilt habe, daß wegen Arbeitermangels und der dadurch herbeigeführten Erhöhung der Gestehungskosten eine Einichränkung der Kohlenlieferung und eine Erhöhung der Preise habe eintreten müssen. Um eine Ueber- läffung von Kriegsgefangenen an die anhaltischen und die Bitter- felder Kohlengruben zu erreichen, habe unter dem Vorsitz des Redners eine Konferenz stattgefunden, bei der der Vcrkaufsverein, Vertreter der anhaltifchen Gruben und der Adjutant des Zerbster Garnison- kommandos zugegen waren. Hier sei eine Einigung über vorher strittige Punkte erzielt worden, namentlich über die Art der Entlohnung und darüber, daß das Garnisonkommando von der Uebernahme der Ver- antwortung für die sorgfältige Ueberwachung der Gefangenen durch die Gruben absehe. Die Gruben hätten aber trotz dieser Einigung mit einer Ausnahme nachher auf die Ueberlasiung von Gefangenen verzichtet, und zwar mir der Begründung, daß einmal die Kosten zu hoch seien und daß zweitens sie die Hoffnung hätten, nach Schluß der Zuckerkampagne genügend Arbeiter zu bekommen. Da aber die Gruben immer noch unter Hinweis auf Arbeitermangel Preis- erhöhungen verlangen, die Bedingungen der Heeresleitung aber durchaus nicht mehr unannehmbar seien, forderte der Handelskammer- vorfitzende die Mitglieder auf, diesem Beginnen ent- schieden entgegenzutreten. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 10 der kaiserlichen Schutz- t r u p p s n wird veröffentlicht. Die Verlustliste Nr. 214 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Stab der 33. Jns.-Div. und der 32. Jnf.-Brigade; 1. Garde- Reg. z. F.; Garde-Grenadier-Regimcnter Alexander, Elisabeth und Nr. 2; Lehr-Jns.-Reg.; Grenadier-, bzw. Inf... bzw. Füsilier- Regimenter Nr. S, 7, 11, 14, 16, 17, 19, 20, 21(siehe Ers.-Jnf.- bi Ar. 237), 94,.96, 97. 99, 108.-..110: 113,: IIb/ 116,/ 117/ 132. 137. 140, 148, 150, 151, 155(siehe Ers.-Jnf. Reg.. Aeyer),. 164, 165, 166, 167, 169, 1?2, 176;- Res.-Ins--Rsg:imenter Nr. B, 7(stehe auch Erst-Jns.-Aes. Keller)'. 8.'15,'IS, 21 7flehe Ers.-Inf.-Reg. Kellert. 23, 26, 27, 29, 35, 39, 48. 49, 56. 65, 66, 71, 74, 76. 78 bis einschl. 83, 90, 93, 99, 116, 201, 204, 221, 222, 224, 225(siebe auch Inf.-Pionier-Komp. der 49. Inf.-Div.t. 226, 227(siebe auch Jnf.-Pio>u-.Komp. der 49. Jnf-Div), 228, 229, 235, 237. 252. 254; 1. und 2. Fcld-Reg.; Ersatz- Jnk.-Regimcnt der 10. Landwehr.Div. sowie Regimenter Keller und Königsberg Iii; Rcservc-Ersatz Ins.- Reg. Nr. 4; Landwehr-Inf.-RegimeUter Nr. 3. 4. 6, 18(stehe ouvi Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 84), 19, 21, 27, 31, 32, 31, 35, 47, 48,.49 (siehe 2. Feld-Reg,), 55, 61, 65, 66, 73, 75, 77, 78, 80, 81, 82, 84, 99, 109, 110, 116 un.d v. Gundlach; Landwchr-Ersatz-Ini.-Rcg. Nr. 3; Ueberplanmäßiges Landwehr-Inf.-Bat. Nr. 3 des 4. Armee- korps(siehe Landw.-Inf.-Reg. v. Gundlacht; Brigadc-Ersatz-L'a- taillone 2. Nr. 5, Nr. 8. 10, 13, 14, 15, 16, 25, 37, 41, 50, 55. 75, 83, 86; Landivchr-Brigade-Ersatz-Ba taillone Nr. 38, 43(stehe Landw.-Ersatz-Jnf.-Reg. Nr. 3); Landsturm-Jnf.-Bataillsne l Büsch. 1. Coblenz(VIII. 9.), II Cöln(VIII. 14), 1 Deutsch-. Eh lau, Gnesen(siehe 2. Feld-Reg.), Gruppe, Krcuzvurg. ll Münster, I Schtawe(XVII. 11.). 11 Stolp(XVII. 13.), 1 Tilsit(I. In. Woldcnberg; Etappen-Hilsskomp. Nr. 33; Etappcn-Samiuelkoinv- Nr. 18 der 10. Etäppen-Jnspcktiait; Reserve-Jäger-Bataillone Nr. 18 der 10. Etappen-Inspektion; Reserve-Jäger-Bataillone Nr. 4, 6; Rescrve-Radfabrer-Komp. Nr. 81; Feld-Maschincngewehr- Äomp. der 29. Jns.-Div.(siehe Jnf.-Reg. Nr. 113); Maschinen- gewehr-Komp. Reichelt(siehe Landst.-Jnf.-Bat. I Tilsit lt. In; Feld-Maschinengewehr-Züge Nr. 23(siehe Res.-Jnf.-Reg. Nr. 81, 75(siehe Res.-Jnf.-Reg. Nr. 222), 119(siehe Jnf.-Reg. Nr. 71>, III(siehe Jnf.-Reg. Nr. 91), 120(siehe Jnf.-Reg. Nr. 79). Stab der 5. Kavalleric-Div.; 2. und'3. Garde-Ulänen; Küros- siere Nr. 8; Grenadiere zu Pferde Nr. 3; Dragoner Nr. 15, 2'ft Husaren Nr. 15: Ulanen Rr. 7(siehe auch Stab der 32. Inf-- Brig.), 8, 16; Jäger zu Pferde Nr. 12(siehe Stab der 33. Jrn.- Div.); Ersatz-Reg. der 4. Landwehr-Div.; 1. mobile Ersatz-Eskadron des 20. Armeekorps; Eskadron der 4. Erfatz-Div.; Refenv- Abt. Nr. 80. Feldartillerie: 4. Garde-Reg.; Regimenter Rr. 1, 3(siehe Feldart.-Rcg. Nr. 112), 38, 47, 61, 72, 112; Reserve-Regimenter Nr. 3. 10. 15. 44, 45, 51. Fußartillerie: 2. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 7, 26, 33: Rr- serve-Regimenter Nr. 2, 4, 7, 8, 17; Bataillone Rr. 39, 58; Reserve-Bat. Nr. 24; Landwebr-Bataillone Nr. 8, 9. Pioniere: Regimenter Nr. 30, 31; Bataillone II. Nr. 3, I. Nr. 7, I. Rr. 9, I. Nr. 15, III. Nr. 16, II. Nr. 21(siehe Pft n. Reg. Nr. 31); Kompagnien Nr. 107, 108; Reservc-Kompagnien Nr. 49, 52; Jnf.-Komp. der 49. Jnf.-Div.; 1. Landwehr-Komp. des 11., 2. des 18. und 6. Landsrurnt-Kamp. des 3. Armeekorps; «turm-Abt. Armee-Tclegraphen-Abt. Nr. 5; Fernfprech-Abt. des 8. Armee- korps. Train-Ersatz-Abt. Nr. 5; Fuhrparkkolonnen Nr. 1 des Garde- Reservekorps, Nr. 7 des 11. Armeekorps und Nr. 80 der 8. Etappen- Inspektion; Magazin-Fuhrparkkolonnen Rr. 87 der 8. Armee, Nr. 2 des 1. Armeekorps und Nr. 129(ohne mäherc Bezeichnung): Etappen-Fuhrparkkolonnett Nr. 1 des 20. � Armeekorps und Nr. 17 (ohne nähere Bezeichnung). Hilfsbäckereikolonnc Nr. 9 des 7. Armeekorps. Feldlazarett Nr. 2 der 52. Jnf.-Div.; Landwehr-Feldlazareit Rr. 27; Fefmngslazarett Nr. 1 Mainz; Reservelazarctt Nr. 4 Bonn und Resarvelazarett Dteuze. ArmicrungS-Bataillone; Arbeiten-Komp. Nr. 98. KriegSbekleidungsämter. Der Schluß der sächsischen Verlllstlffte Rr. 155 wird ver- öffentlicht, deren Inhalt wir bereits gestern mitteilten. Die württembergische Verlustliste Nr. 196 meldet Verluste des Stabes der 26. Reserve-Div.; Reserve-Jnf.-Reg. Nr. 131; Grenadier-Reg. Nr. 123; Jnf.-Regimenter 9lr. 121, 127, 180; ReMve-Lnf.-R«gimenter.Nr.:.247,: 248.. .Felhart.-Reg.. Nx.. 18. Fernsprcchzug Nr. 27. Deutsches Theater Kammerspiele Drei letzte Auffiihrnngen! 8'U: „Der Weibsteofel" Lucie Höllicji Klein— Bichard URANIA TaubenstraBe 48)49. 8 Ubr; Flandern und der Krieg. Theater für Donnerstag, den 10. Juni. Berliner Theater s uhr: Eilrablatter! Deutsches Künstler-Theater s'uvbx Die Schöne vom Strand Deutsches Opernbaus, Cbarlotteob. 7 ehr: Farsifal Kriedrich-Wilhelmstädf. Theater Iii:- Eine unmögiiche Frau, Kleines Theater Scherz, Satire, Ironie s;,U-:n. tiefere Bedeutung I-ustspiclbaus s�u.tHerrscialtLDieDBrsesiieW JOessing-Theater 8 uhr: Lalleried. Bontls Operetten-Theater 8 Dir: Hoheit tanzt Walzer Schiller-Theater O. 8 utr: Der blinde Passagier Schlller-Th. Charlottenbg. s tmr: Wohltäter der Menschheit Thalia-Theater SUlir: Alt-Berlin er Possen- Abend; Das erste Mittagessen. Hermann und Dorothea. Guten Morgen, Herr Fischer l Theater am Xollendorfpl. sv, u.: Immer feste drulf! Theater des Westens s ubr; Der brave Fridolin Theater in der Königgrätzer Straße s ubr; Die fünf Frankfurter Trianon-Tbeater sv.ubx Die Heiratsscbuie Volksbübne.Tbeateram Bülowplatz SVffJbr iÜB IßkalbabD, Dle�Me daiiie yC\ t -— innken unmö�lmclt—, denn alle aus Roggen hergestellten Getrcidekaffecs sind nicht mehr zu haben. Gelreidekaffces aus Gerste sind sehr im Preise gestiegen. Da wäre guter Rat teuer, wenn der „ Kriegs- Kornfranck" nicht wäre. Er schmeckt vorzüglich, hat eine schöne kaffeebraune Farbe; er ist sehr ausgiebig und deshalb billig. Ganzes Paket 50 Pfg., halbes Paket 26 Pfg Tägl. 8 Uhr. Sonntags SV- u. 8 Uhr Ein Programm, von dein Berlin spricht! R. Steidl— Ii. Bender Sämll. Schlager neu für Berlin Adclntanns? Paini? u. die weiteren auscrwählton .Tuni-Kpeziali tüten. Kl. Preise. Angen. kühl. Aufenthalt Voigt-Tlieater. Badstr, äS. Badstr. 58. ßBur- Täglich:-30® Carmen. > Großes Ausstattungsstück in 5 Bildern. Erstklassiges Variete Kasseneröfsnung 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. Guido Thielscher „Venus im Grünen". Operette in 1 Akt. v. Rud. Lothar. iluslk von Dskar Straus. lSIitwirkende: Else Borna Lotte Werkmeister Thalia-Theater, Berlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der . vom Publikum und Presse glhnzend benrtelite Juni-Spielplan. Gewerbschaffshaus Im herrliche« Naturgarte»(der Oase des Ostens): NM" K 0 Z E ß T von s Uhr an. Sonutagmittag, den 13. Juni 1913. Blumenkohlsuppe.. Bouillon m. Mark.. Lachs m. Butter.. Mahonnaise v. Zander Kalbsitück u.«pinat. Filet-Gulasch.... 015 M. 015„ 0.50. 0.40, 0.60. 0.70„ Känsebraten. Rchbratcn.... Kalbsbraten.... Sammclleule... Kompott oder Salat. Käse oder Eis... 0.70 M. 0.80„ 0,70„ 0.70„ 0.10„ 0.20„ Freitag, den 11. Juni 191 S zwischen 8 und 6 Uhr: Großer billiger Schnellverkauf, nicht unter 5 Pfund: Ei« großer Posten Land- a Pfund tt aPfmid Ochsenfleisch ohne Knochen 1.40'M. Waliialia-Ideater. 8 uhr: EiiiB Meile in der Miüiite. Orartenhühne: Apollo-Sänger. Rose-Theater. sv.uhrSiedeatschelielilen sterten Gartenbühne: Die Försterchristi. Roastbeef Hammelkeule.... Kalbskeule oder Rier- stücke...... Schweineschinken und Rücke»..... Rückenfett». Liesen. Die Räucherwaren und schinken, fette Rücken 1.30. und Schinkenfpcck 1.60—1.80 M. 1.50„ Harte Salami.•... 1.50„ Kougrestwurft und 1.40, Hallische Leberwurst. 1.40, Breslauer u. Dampf- 1.70. Wurst....... 1.20„ 1.70, Gefüllter Schinken... 1.40. junge Gänse von K— 8 M. da? Stück, junge Hähne das Stück l.VV M. und rohe Gänsekleine werden auch schon heute verkauft. Reiehsiftiien-Thester. Stettiner Sänger. Ans. 8 IL Zum Schluß: l. Militärisch. Zeitbild von MeyseL Mllitärpersonen u. deren Angehö- rigen vollkommen sreterAutrittzu d.Htett. Sängern. s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Betnkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in lk. Homeyer'S? Untersuchung., Fäden i. Harn usw. humsw. 81, ÄÄt Lpr. 10—2, ö— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. Äctttscfo 15(Pfy. _ j, Offene FüBe Krampf adergeschwüre, auch veraltet©. schmerzhafte Wunden, Entzündung u-unerträgl. Jucken heilt ohne Xaohteü laut vielen Erfolgsberichten die echte „Olinda-Salbe". Absolut mildeste naturgemäße Wirkung. M. 1.15 und'1.75. Otto Reichel, Berlin 43. Elsenbahnstr. 4. * Smith Premier Schreibmaschinen auf Tage, Wochen, Monate leihweise gegen mäßige Gebühr. Bei Kauf Leihgebühr angerechnet. Smith Premler Sehrelbm.-6es. Berlin W, Friedrichstr. 62. Hiermit nehme ich die schwere Be- Icidigung gegen Frau ftcrtTiid Boda zurück. M. Zakrzewski, 49/8 Cothenwsstr. 13. mtbelfabrik„Fortnna". Eingetragene Genosssenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz am 31. Dezember I9H. Aktiva. Kassakonto...... 045.32 Kautionskonto..... 446,— Bankkonto...... 1 364,— Jnventarkonto..... 14 892,— Warenkonto...... 31501,82 Kontokorrentkonto... 11 872,15 Verlust......, 2 7< 5,6 i' M. 63 406,96 Passiva. Kavitalkonto...., 2 500,— Rejeroefondskonto... 524,79 HUfsreservefondskonto.. t 336,80 Akzeptkonto......'25 534,51 Darlehnskonto.. 25 589,65 Konwkorrentlonto... 8 011,21 103/9 M. 63 496,96 Mitglied erzähl am 31. DezenU'er 1914: 10. Eingetreten kemcr Aus. getreten keiner. Anteile der Mn- glieder 2500W. Haftsumme der Mü- glieder 5000 M. Die Haftsumme bo: sich weder vermehrt noch vermindert. ver Verstand. Gustsv Berger. Gustav Schönburg Möbelfabrik, Hoffnuns' E mgelragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpfticht. Berlin, Krautjtratze 52. Bilanz am 31. Dezember 1911. Aktiva. M. Kaffenbestand..... 96,.( Warenbestand..... 31 598,60 Materialienbestand... 14 082,81 Maschinen...... 9 800,— Werkzeuge...... 6 100,— Utcniiiicn...... 1 450,— Pferd und Wagen... 400,- Muster und Modelle.. t 000,—» Debitoren...... 28 744,13 Bankkonto...... 2 080,30 Postscheckkonto..... 100,54 Bankd ep ositenkonto... 1 000,— Konto Dubio..... 4900,— Gewinn- und Verlustkonto 14 097,0« III 550,20 Passiva. M. Kreditorenkonto.... 17 426,78 Akzeptkonto...... 4 534,50 Darlehnskonto..... 91 288,92 Antcitkonto...... 1 300,— 114 550,20 Im Jahre 1914 ist kein Genosse ein- und keiner ausgetreten. Am Schlüsse des Jahres waren 26 Genossen mit einem Gelamtguthadcn und einer Gesamthastsummc von 1300 M. vorhanden. 49/9 Bei- Torstand. H. Fengler. Joh. Snudat. ' l, I| L OU U 44.*4.LI ü•' l— I f y w I» o-x i-f i•— 1■ VI w» V»»» ay_____, ,,—-— 7—- r»-- "Lerantw. Redatt.: Aljred�BZielevv. Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Berltn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanflati Paul Singer L- Co., Berlin 2W. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl, »t 158 32. 5.�., geilnue des..Wmlirts" Kerliner NglksblM. ,# �#i 19,5 praktischeil Ergebnis zu führen. Sie haben selbstverständlich ihren prinzipiellen Standpunkt nicht nur gewahrt, sondern auch, wie»vir schon bei den ersten Verhandlungen seinerzeit eingehend berichteten, eine eigene Versassungsvorlage eingebracht. Als diese ihre Anträge keine Mehrheit fanden, er- klärten sie sich bereit, auf der tKrundlagc der damaligen Re- gierungsvorlagc mitzuarbeiten. In ihren Grundzügen ist diese Porlage nun auch endlich Gesetz geworden. Der 0. Juni, an dein die neue Perfassung vom Reichstag und König definitiv genehmigt Ivnrdc, ist ein doppelter Ge denktag der dänischen Verfassungskämpfc geworden. Am r>. Juni 1848 wurde die erste demokratische Perfassung Däne- marks geschaffen, die dann 1866 verschlechtert wurde. Der damalige reaktionäre Raub der Polksrcchtc ist jetzt am 5. Juni 1615 wieder gut gemacht ivorden. Große Polksfeste im ganzen �'andc feierten den Tag und der König hatte den Reichstag vollzählig um sich zu einer Feier versammelt. Mitten im Weltkriege hat das d ä n i s ch e P o l k sich seine Rechte erweitert uild die Bahil für eine glücklichere Zukunft geebnet. An dieser politischen Zukunft werden auch die F r a u c n aktiven Anteil nehmen. Das ist der größte Erfolg dieser Perfassungskämpfe, die seit einem halben Jahrhundert in Dänemark toben und alle Zwischenstufen derartiger Sturm- Perioden passiert haben: Von der Willkürherrschaft der Regierung gegen Parlament und Volk unter Estrup bis zum endgültigen Siege der Demokratie unter Berntscn, Zahle und Borgbjerg. verstärkte öuögetkommijston des Abgeordnetenhauses. Amtlicher Bericht. In.den Sitzungen am 7., 8. und 9. d. M. setzic die verstärkte Budgcttommission die Beratung iiver den Antrag B r ü t t fort und erledigte die Punkte Gesellschaften(Kriegsgetreidegesell- s ch a f t, Z c n t r a l c i>l k a u s s g c s c l l s ch a f t, Bezugs- Vereinigung der deutschen ttaild Wirte, Zentrall- st e l l e für Beschaffung der H e e r e s v c r p f l e g u n gt, Organ isationsplan für die zukünftige Brotversorgung, � Kartoffel- Versorgung, Wiederaufbau der Landespferdezucht, Erhaltung der übrigen Viehbestände, Beschaffung der Futtermittel, insbesondere der Kleie. Vor jedem Beratungsgegcnstande gab der Berichterstatter Abg. Dr. H o c s ch- Acutirchen eine eingehende Darlegung des Stoffes. Bei den Gesellschaften und dein Organisationsplan für die zu- künftige Brotverforgung wurden folgende Anträge angenommen: I. Die Königliche Staatsreaierung zu ersuchen, darauf hinzu- wirken, daß die Ernährung des Volkes einschließlich des Heeres und der Marine nach folgenden Grundsätzen geregelt wird: 1. Die Kommunalverbände sowie Vereinigungen von solchen sind als Selbstilvirtschaftsverbändc zuzulassen; es ist ihnen eine weitgehende Bewegungsfreiheit zu lassen. 2. An Stelle der Kriegsgetreidegesellschaft tritt die Reichs- gctreidcstcllc. Sie besteht au� zlvei.. Abteilungen. Der-Abteilung k Iverdcn die öffentlich-rechtlichen VerwaltungSaufgal>en,.der Abtei- lung II die. Beschaffung des für die Ernährung der Bevölkerung' einschließlich des Heeres und der Marine erforderlichen Brot- getreidcs sowie die Verwaltung und Nutzbarmachung der Getreide- bestände übertragen. 3. Die Neichsgetreidestellc untersteht der Aufficht des Reichs- kanzlers. 4. Zur beirätlichen Mitwirkung bei Entscheidung gnmdsätz- licbce und sonstiger Ivichtiger. Fragen der Abteilung II wird ein Ausschuß eingesetzt, in dem Konsumenten und Produzenten gleich- mäßig vertreten sind. 5. Der preußische Staat wird als Vermittlungsstelle im Sinne des ij llli der Bundesratsverordumig vom 25. Januar 1915 anerkannt. Die Beschlagnahme für den Staat wird in den Landkreisen durch den Landrat, in den kreisfreien Städten durch den Bürger- meister durchgeführt. Die näheren Bestinuniingen darüber sind von der Königlichen Staatsregiernng zu treffen, welche sich insbesondere wegen der Uebertragüng der gcschäsilicben Maßnahmen für Preußen mit der Rcicksgetreidestelle gemäß|? 46 der Bundesratsverordnung vom 25. Januar d. I. zu verständige» hat. II. Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken: 1. daß die Höclp'tpreisc für Getreide, Mehl, Brot, Hülsenfrüchte, Futtermittel, Zucker usw. so bemessen werden, daß ungereckN fertigte Gewinne des Handels, der verarbeitenden Gewerbe, der Bedarfs- und Ueberschußkommunalverbändc sowie der Produzenten vermieden werden; 2. daß die mit der Lebensmittelversorgung betrauten Stellen Selbstbersorgungsverbände, Reichsgetreidestelle, Zentraleinkaufs- gesellschaft nstv.l keinen Gewinn erzielen, lleberschüssc, die sich auf Grund notwendiger vorsichiiger kanfmännischer Geschäftssübrung ergeben, sind dem Reiche für Zwecke der KriegsinvaHdcnfürsorgc zuzuführen. Die Punkte I, 1 und 2, wurden c i n st i m in i g a n g c n o m- men; die Punkte t, 3 und 4, wurden gegen eine Stinvna, der Punkt I, 5, wurde gegen fünf Stimmen angenommen. Bei It. Ziffer 1, wurde vorweg darüber abgestimmt, ob auch die Hülsenfrüchte unter Höchstpreis zu stellen seien. Nachdem dies gegen fünf Stimmen beschtosscn war, wurde auch tl, 1 i&nö 2, einstimmig angenommen. Es wurden über Organisation und Tätigkeit der Zcntralcin- kaufsgcsellschaft, der Bczugsvereinigung der deutschen Landwirte und der Zcntralsicllc für Beschaffung der Hccresverpslegung von feiten der Regierung vertrauliche Mitteilungen gemacht. Bei der Besprechung der K a r t o f s e l v e r s o r g u n g führte der M i n i st c r des Innern folgendes aus: „Es habe die EntWickelung der Kartosfelfragc cinrn überraschenden Verlauf genommen. Darauf seien denn die Vorwürfe zurückzuführen, daß die Staatsregierung zu ängstliche»nd ungerechtfertigte Maßnahmen getroffen habe. Am 1. Mai hätten die Kommunen der Reichsstelle für Kartofsclversorgung eine Voran» Meldung ihres Kartoffelbedarfs erstattet. Am 20. Mai sei die endgültige Anmeldung erfolgt. Am 1. Mai habe sich ans den Anmel» düngen der.Zuschutz-Kommunen ein Fehlbetrag von 6,5 Millionen Zentnern ergeben, am 20. Mai sei nur% dieses Bedarfs angemeldet worden. Der Reichsstelle sei ein Ueberschutz von 8,75 Millionen Zentnern verblieben gegenüber den Anmeldungen. Hätte die Re- gicnin� im März und April die EntWickelung vorausgesehen, so hätte sie Wohl von ihren tiefgreifenden Maßnahmen Abstand gc- nommen. Aber man dürfe doch eine Reihe von ausschlaggebenden Faktoren, die die Staatsregiernng zu ihren Maßnahmen drängen mußten, nicht übersehen. Als im März die Kartoffelzufuhrc» an vielen Stellen versagten, trat in der Bevölkerung eine starke und berechtigte Unruhe ein. Nach der Beschlagnahme des BrotgehreidcS und der Regulierung des Konsums sei die Kartoffel die letzte Rc- serve gewesen. In den Konferenzen im März seien nicht nur die gelehrten Herren, denen man keinesfalls mangelnde Kenntnis land- wirtschaftlicher Verhältnisse vorwerfen könne, sondern auch prak- tische Landwirte derselben Meinung gewesen, der die Haushalts- kommission des Reichstags Ausdruck gegeben habe, daß durch- greifende Maßnahmen zur Sicherung der Kartoffelbersorgung not- wendig seien. Nach den Erhebungen am 15. März habe sich ergeben, daß für den Kopf der Bevölkerung nur ein halbes Pfund täglich verfügbar blieb. Gerade gegenüber der verhältnismäßig kleinen Brotration sei es Pflicht gewesen, für die Erhaltung wenigstens dieses schein- bar geringen Kartoffelvorrats alles zu tun. Eine Regierung, der die Erhrbmrgeir und Berechnungen vom März zur Verfügung standen, war. zu energischen Maßnahmen verpflichtet gewesen. Die Landräte' seien darum mit den Auskeiusen beauftragt worden. Es sei die Verordnung über die Reichsstelle für Kartoffclversorguug ergangen. Inzwischen seien die vielbesprochenen Schwcincschlach- tungen eingeleitet worden, deren Ergebnis sei nun nicht so angst- lich. Ter Schweinebe stand vom l. Dezember 1914 von 17 660 000 Schweinen in Preußen sei bis 15. März 1915 gesunken auf 12 500 000 Stück. Nach dem 15. März sei die AiNveisung an die Landräte ergangen, aus verstärkte Abschlachtungen zu dringen. Es seien dann vom 15. März bis 15. April noch 1 Million Schweine. geschlachtet worden. Verschont geblieben seien gemäß den Anord- nungen alle Zuchtschloeine, das Jungvieh, ebenso die nicht mit Kartoffeln aufzuziehenden Schweine, und die Einzelschweinc in den Haushaltungen. Hier und da sei man in bester Absicht übereifrig gewesen, aber es sei doch alles geschehen, um unwirtschaftliche Ab- schlachtung zu verhindern. Die Million seit 15. März geschlachteter Die öänische Verfastungsreviston. Ter 5. Juni hat nun nach langen Kämpfen dem dänischen Volke die ersehnte Vcrfassnngsrevision gebracht. Das kleine Land erhält dadurch die am meisten demokratische Verfassung in Europa. Das finnische Wahlrecht ist zwar auch durchaus demokratisch, aber das Parlament in Finnland hat seit dem Verfassungsbruch des Zaren nicht viel zu sagen. In Däne- mark aber herrscht die Parlamentsmehrheit bereits und die Dynastie hat diesem Regierungsprinzip längst, wenn auch nach heftigen Kämpfen, Rechnung getragen. Die jetzt endgültig angenommene Verfassung stellt die parlamentarische Volks- Vertretung ans eine breitere Grundlage und führt dadurch faktisch die Selbstbestimmung des Volkes durch. Das neue Wahlrecht gibt bor allein den Frauen die volle Gleichberechtigung mit den Männern. Es ist an die Alters- grenze von 2ö Jahren gebunden. Bisher galten ein Alter von l>6 Jahren als Legitimation zur Teilnahme an den Wahlen. Um die Konservativen, die sich bis kurz vor Tores- schluß gegen jede Vcrfassungsrevision sträubten, für die Reform zu' gewinnen, mußten sich die Reformparteicn u. a. zu der Konzession bequemen, das niedrigere wahlrechtsfähige Alter so zu sagen tropfenweise einzuschenken. Es soll nämlich das Wahlrcchtsalter von Wahlperiode zu Wahlperiode um ein Jahr herabgesetzt werben, so daß es fünf Wahlperioden dauern wird, bevor die L5jährigcn das Wahlrecht erhalten. Von den Wählern wird lediglich verlangt, daß sie dänische Staats- angchörige sind, das wahlrcchtsfähige Alter erreicht und eine feste Wohnung im Lande haben, nicht im Konkursverfahren sich befinden oder unter Vormundschaft stehen, und schließlich ist auch die obligate Bestimmung bezüglich der Armen- unwrstütznng vorhanden. Sehr wichtig, und Gegenstand heftiger Kämpfe ist die gleichzeitige Reform der Ersten Kammer. Die Demokratie wollte sich nicht mit einem verbesserten Wahlrecht zur Zweiten .Kammer begnügen. Der eigentliche Vater der Verfassungs- reform, der rechtsliberale B e r n t s e n hatte in diesem Punkte ganz richtig das Prinzip aufgestellt, daß eine Reform des Wahlrechts beide Kammern umfassen mußte, weil sonst eine demokratisierte Volkskammer bei wichtigen Fragen mit einem fossilen Herrenhaus kollidieren müßte. Durch die setzt angenommene Kompromißvorlagc wird nun die Erste Kammer ebenfalls aus allgemeinen Wahlen hervorgehen, nur ist daS wähl- rechtsfähige Alter hier auf 35 Jahre festgesetzt worden. Alle Folke thingswählcr haben also auch das Wahlrecht zur Ersten Kaminer, sobald sie das Alter von 35 Jahren erreicht haben. Das Recht des Königs, eine bestimmte Anzahl Senatoren zu ernennen, wüd aufgehoben. Es werden dafür 18 Mandate von der Kammer selbst besetzt und zwar so, daß bei Ablauf der Legislaturperiode die Kammer 18 Abgeordnete für die aus den nächsten Wahlen hervorgehende Kammer wählt. Das ist ein konservativer Riegel, um eine gar zu schnelle Demokratisierung der Ersten Kammer zu verhindern. Immer- hin wird diese Erste Kammer auf einer verhältnismäßig demokratischen Grundlage beruhen, und wenn schon das Zwei- kamincrfystem beibehalten werden soll, ist dieses Rosultat der dänischen Verfassungsrcvision noch zu ertragen. Es sind jw�mrn rwU nähere Bestimmungen über die Wahlkreiseinteilung, die Verknüpfung des Proportionalwahl- systems mit der einfachen Mehrheitswahl usw. in der neuen Verfassungsordnung Dänemarks geregelt ivorden. Sie hier in Details zu schildern, würde zu weit führen. Nur darauf soll hingewiesen werden, daß der konservative Einfluß anS- gereicht hat, um die Hauptstadt Kopenhagen etwas ungünstiger zu stellen als das platte Land. Allzu tragisch braucht das zunächst nicht genommen zu iverdcn. Unsere Genossen, denen ein ganz besonderes Verdienst um die Verfassungsrevision zukommt, haben die Unebenheiten in Kauf nehmen müssen, um das große Werk glücklich zuni Das Los öer deutschen Kriegs- gefangenen in /Ifrika. Das K r i e g s m i n i st e r i u m teilt mit: Schon im November v. I. bat die deutsche Regierung die For- derung gestellt, daß die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen aus Afrika an klimatisch einwandfreie Orte geschickt werden sollten. Diese Forderung ist durch die amerikanische und auch durch die spanische Botschaft verschiedentlich wiederholt worden. Die französische Regierung hat es für nötig befunden, darauf nur zu antworten, daß die Deutschen in Dahomey an gesunden Orten lebten,— was nicht zutrifft— und daß nur diejenigen nach Frankreich zu senden wären, deren Gesundheit einen längeren Aufenthalt in Afrika nicht gestattete. Frankreich hat also diese Forderung nicht erfüllt. Zurzeit befinden sich annähernd 400 deutsche Kriegs- und Zivil- gesaugcnc in Dahomey, teils aus Kamerun, teils aus Togo, und mehrere Tausende von Kriegs- und Zivilgesangenen in Marokko und Tunis und den anderen französischen Besitzungen. llebereinstimmende sichere Nachrichten besagen, daß unsere Deutschen dort, an den verschiedensten Plätzen verteilt, und be- sonders in Dahomey geradezu schmachvoll behandelt werden. Zum größten Teil müssen sie in glühender Sonnenhitze schwere körpcr- liche Arbeiten vcrrcichten(Wcgearbeiten, Stcineklopfcn usw.). In Dahomey ist ihre Bekleidung völlig unzureichend. Sie durften nichts au» Kamerun oder Togo mitnehmen; in den leichten Sachen wurden sie im Herbst 1914 nach Dahomey gebracht.„Abgc- rissen", mit leichte» Kopfbedeckungen, verrichten sie ihre Arbeit. Sie wurden fast nie in Europäerwohnungen gebracht, sondern leben in selbst erbauten Lehm- oder Strohhütten, ohne Moskito- netze, ans Strohmatten, ja auf dem nackten Fußboden. Zum Teil zimmerten sie sich ihre Betten selbst. Sie müssen selbst kochen, eine Bedienung wird ihnen zum Teil versagt. Die Bewachung geschieht in entwürdigender Weise durch Schwarze, die den Weißen ihre Macht zeigen. Die französische Zeitschrift„Mirroir" hatte sogar die Stirn, dies in einem Bilde zu bringe», das von einem höhnischen Kommentar begleitet war. Es fehlt an den nötigen Medizinen, wie Chinin usw. und au ärztlicher Hilfe. Ein französischer Arzt sagte:„Tie Männer sollen leiden." Das Klima in Dahomey ist eines der mörderischsten der ganzen Westküste Afrikas; nicht nur deutsche, sondern auch französische Fachleute haben sich in diesem Sinne geäußert. Gelbes Fieber, Tchlvarzwasserfieber, Malaria sind an der Tagesordnung. Man kann sich nur mit Hilfe von Moskitonetzen gegen die Insekten schützen. Wenn cS auch Orte geben mag, die für den Europäer einigermaßen bewohnbar sind, so ist das Klima im ollgemeinen eines der ungesundesten. Nicht besser ergeht es unseren Kriegsgefangenen in Nord- afrika. Mit dem sorffchrcitenden Sommer erhüben sich dort die TageStcmperaturen auf 50 und 60 Grad Celsius. Ohne Tropen- Helme müssen unsere braven Soldaten in dieser Gluthitze schwerste Arbeiten verrichten. Das einzige, Ivos die französische Regierung bis jetzt zugestanden hat, ist eine Verlängerung der Mittagspause von 11— 3 Uhr. Nach übereinstimmenden Urteilen von Fächmännern ist es für Ceuropäer, und noch dazu solche, die des Klimas nngc- wöhnt sind, ohne Gcsundheitsschädigung unmöglich, diese Arbeiten auszuführen. Noch schlimmer erscheint es, daß die Franzosen auch Ver- wundete und Kranke nach Afrika gebracht haben und ohne Er- barmen zur Arbeit zwingen. Die Ernährung ist auch hier durchaus unzureichend. Die Pakete aus der Heimat kommen in den meisten Fällen beraubt oder gar nicht an; auch die Geldsendungen gehen sehr unregelmäßig ein. Die Strafen sind außerordentlich grausam, eine Tatsache, die aus der Fremdenlegion schon längst bekannt ist. Vielfach haben Kriegsgefangene aus Verzweiflung über ihre Lage den Lockungen zum Eintritt in die Fremdenlegion nachgegeben, wo sie es natürlich auch nicht besser haben. Aus einer großen Anzahl von Briefen hört man übercin- stammend die erschütternden Klagen über die Leiden unserer gc- fangenen Krieger in Afrika heraus. Hierbei ist zu bedenken, daß alle Postsachen der Prüfung durch die Zensur unterliegen und die Leute nicht das schreiben können, was sie wollen. Aber durch die eidlichen Aussagen zurückgekehrter Frauen und Missionare, und in durchgeschmuggelten Nachrichten zeigt sich stets dasselbe traurige Bild. Unsere Heeresverwaltung hat sich gezwungen gesehen, da alle Verhandlungen erfolglos blieben, nunmehr zu Taten, d. h. zu euer- gischen Gegenmatzrcgeln zu schreiten. Das mörderische Klima von Dahomey steht uns nicht zur Ver- fügung, auch auf dem Wege der Erniedrigung der weißen Rasse durch die Aufsicht von Schwarzen vermag Deutschland dem Kultur- staat Frankreich nicht zu folgen. Aber man wird kriegsgefangene Franzosen in ungefähr gleicher Anzahl lvie unsere Kriegs- und Zivilgefangenen in Afrika aus den schönsten Gefangenenlagern, wo sie alle Annehmlichkeiten und alle Fürsorge seitens der Lagerkoinmandanturcn genießen, zu Arbeiten in die Moorkultnren überführen. Die Auswahl der Gefangenen wird ohne jede Rücksicht auf soziale Stellung und Beruf geschehen, genau so, wie es Frankreich mit unseren Kriegsgefangenen in Afrika macht.................,...„ Wir wollen dadurch erreichen, was der Appell an die Mensch- lichkcit Frankreichs und langmütigste Verhandlungen bisher nicht erreicht Haben. Wir lassen einige Auszüge aus Berichten und Briefen über Dahomey folgen: Brief eines Oberingcnienrs vom 15. 11. 1914: „Seit 7 Wochen schmachte ich in französischer Gefangenschast im Innern von Französisch-Afrika. Ich habe bei der Einnahme von.... nur da» nackte Leben gerettet, alles habe ich verloren. Nur die Kleider, die ich ans dem Leibe trug, habe ich bebalien. Zerlumpt und- verwahrlost friste ich bei schwerster niedrigster Arbeit mein verhunztes Leben,, immer boffend, daß bald die Erlösung naht. Nur der Gedanke an Euch hält mich noch, aus? recht. Nachts, wenn ich auf meiner Strohmatte auf der nackten Erde liege, grüble ich stundenlang darüber nach, was au» Euch geworden ist, von denen ich seit Anfang Juli nichts mehr gehört habe. Da dieser Brief von Fremden eingehend gelesen wird, kann ich Dir leider nichts weiter mitteilen.... So viel ist gewiß, daß weder Du noch meine geliebten Kinder mich, wenn Ihr mich hier sehen würdet, in dem stumpfen und gebückten, zerlumpten Arbeiter wiedererkennen würdet."..... Und am 2. 12. 1914: „Zu meinem größten Schmerz habe ich gestern wieder von französischer Seite gehört, daß unser Aufenthalt hier noch 4 bis 5 Monate dauern könnte. Bis dahin bin ich aber sicher Wahn- sinnig geworden, wenn mich nicht irgendein anderes Leiden bcr- nichtct hat. Das Leben hier ist derart zermürbend und gcist- tötend, daß ein denkender Mensch es nicht so lange aushalte» kann. Man gab mir den Rat, a» Dich zu schreiben und mir. die notwendigsten Bekleidungsstücke schicken zu lassen. Ich lause nur noch in Lumpen umher, meine Hose habe ich schon viele Maje geflickt, aber sie ist so mürbe, daß nebenan immer wieder Löcher entstehen, so daß ich meine Blöße kaum noch bedecken kann. Meine Füße habe ich mit Lumpen umwickelt, mein Tropenhelm zerfällt. Die Unmöglichkeit, mich ordentlich zu waschen, hat die übelsten Hautkrankheiten zur Folge..... Am Tage haben wir 50 Grad Hitze und nachts wehen kalte, scharfe Winde. Durch das Schlascu auf dem Fußboden habe, ich mir einen bösen Husten, der mich schon wochenlang ynält. zu- gezogen..... Ich habe Schreckliches durchgemacht." Am 14. 2. 1915 aus..... stenographiert: „Wir alle leiden furchtbar. Wir werden mißyandcli wie Verbrecher und geschlagen und bekommen nichts zu essen. Wenn es noch lange dauert, gehen wir alle zugrunde. Krank sind wir alle,.3. sind bereits tot. Wir fürchten für die Regenzeit das Schlimmste. Könnt Ihr nichts zu unserer Befreiung untcrneh- men, aber Eile ist geboten." 22. 1. 1915 schreibt ein Offizier: „Der Marsch hier herauf, den wir größtenteils, zu. Fuß zurücklegen mußten, war sehr beschwerlich. Wir werden. hier sehr strenge bewacht...........- Schweine sei übrig«' S nicht verschwunden, sondern zum grötzi-n ?eil zu Touerwaren verarbeitet und aufbewahrt worden für tünf� rigc knappe Zeiten. Cr» werden Mittel und Wege gesunden werden, den gegen-. wiirtig vorhandenen Kartoffetuberschutz dem Verbrai-ich zuzuführen und den Landwirten zu angemessenen Preisen abzunehmen." In der Besprechung wurde allseitig anerkannt, das; ciirc allgemeine Beschlagnahme der Kartoffeln untunlich sei. T-er Vorsitzende der Reichsstelle für Kartosfclversorguug teilte nach längeren Darlegungen über die Tätigkeit der Reichsstelle mit, das;, um die zur Verfügung stehenden scdr großen Mengen von Kartoffeln Mensch und Tier zuzuführen, Verhandlungen mit den Siarkesabriken, Kartasseltrocknereicu und flocken fabriken abge- ichlossen worden seien über Verarbeitung von l! Millionen Zentnern Kartaffeln. Äua> sei anzunehmen, das; eine größere Menge von Kartoffeln für die Spiritusfabrikation Verwendung finden würde. Tie Spiritusfabrikation würde eine große Rolle spielen bei der Lösung der Beleuchtungsfrage. Bei der Frage der Erhaltung der ü b r i g e n SB i e h b e st ä n d e und der Beschaffung der Juttermittel, insbesondere der Kleie, erklärte der LandwirtschaftSimuister folgendes: ..Im Gegensatz zu den Schweincbcständen haben sich die heimi- scheu Rinderbestände im allgemeinen auf der s rüderen Höhe er- halten. Es ist sogar bei der Viehzählung am I. Dezember 191t eine Vermehrung gegen das Vorjahr festgestellt worden. Dieses Ergebnis ist mit auf die Wirkung de» seinerzeit vielfach angegrif- scnen iachlachtvervotö vom 31. September 1911 zurückzuführen, nach dem das Schlachten von Kälbern unter 7ö Kilogramm Lebend- gew'chr und von weiblichen Rindern unter 7 Jahren bis zum 39. Dezember 1911 untersagt war. In der Schweinehaltung lvird sich die fetzige Lücke allmählich ergänzen lassen. Bei einer starken Minderundg der Rindvichbestände würde eine Wiederau fsüllung wesentlich schwieriger sein. Deshalb muß die Rindniebzuckt weiter nach Kräften gefördert werden, zumal bei der bereits eingetretenen Knappheit an Schweinefleisch die Rindoiebbestände erheftlicher als bisher für die Ve.ischversorgung beansprucht werden. Vor allem bedarf es einer Verstärkung der Futtermittel. Alle hierzu geeigneten Maßnahmen und Unternehmungen sind seit dem Kriegsausbruch von oer landwirtschaftlichen Verwaltung aus jede mögliche Weile gefördert worden. Die Benutzung von Strohmahl in der Vieh. Haltung hat einen verhältnismäßig großen Ilmfang angenommen. Es wird hauptsächlich alö Beifutter verwendet. Roch günstigere Crrfolge sind von der Ausschließung de» Strohs auf chemischem Wega für Fütterungszwecke zu erwarten." Aus der Kommission wurde der Antrag gestellt, daß die Kleie aus die. einzelnen Kreise nach dem Verhältnis der Viehbestände per- teilt werden sollte. Den? Antrage wurde entgegen gehalten, daß bei dieser Verteilung bann aber etwaige Gerstevorrätc zu berück- sichtigen seien. Im übrigen war sich die Kmimission darüber einig, daß eine möglichst wertgehende Beschlagnahme aller Futtermittel und eine behördliche Verteilung derselben nonvcnd'g sei. Angeregt wurde serner, es möge durch ReichSzufchüsse an die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte dafür gesargt werden, daß der Land w'im, schaft billige Futtermittel.zugefiihrt werden. Rur so könne, erreicht werden, daß die landwirtschaftlichen Produkte, besonders Fleisch, zu Preisen der Bevölkerung zugeführt werden könnten, die die Be- völkerung enchwingen könne. politische Uebersicht. �ur Geschäftslage des Preußischen Landtages. Durch den erneuten B es ch l u ß. den Landtag nicht zu vertagen, sondern die Session zu schließen, �at die Regierung die ursprünglichen Dispositionen deS Abgeordnetenhauses pöllig durchkreuzt. In der Annahme, daß die Session vertagt werden würde, wollte daS Abgeordnetenhaus jetzt noch das tfischereigesetz un Plenum erledigen, damit das Herrenhaus im Herbst mit seinen Arbeiten beginnen kann. Da die Regierung" den Wünschen des Abgeordnetenhauses nicht nachgekommen ist, andererseits aber auf die Verabschiedung des Fischereigasetzes Wert legt, so soll setzt versucht werden, es m ö g i i ch st schnell in zweiter und dritter Lesung zu beraten und eS dann sofort dem Herrenhause zur w e i- teren Behandlung überweisen. Um dies erreichen zu können, hat der S e n i o r e n k o n v e n t am üN i t t w o ch beschlossen, daß diesen Sonnabend eine Plenar-- sitzung mit der Tagung: 1. und 2. Losung des Fischereigesetz- cntwurfcs, abgehalten wird. Am Montag wird das Herren- ..... Aber schmachvoll ist diese Gefangenschaft hier doch, das empfinden wir olle mit größter Bedrücktheit. Die großen Strapazen des Marsches nach hier habe ich gut überstanden und verdanke die eiserne Gesundheit und meinen gesunden Körper.— Ich bin mit Stiesetn und Sachen gänzlich abgerissen. Kochen und Waschen tun wir selber, Bedienung dürfen wir nicht halten." 14. 2. 1915, ein Bankbeamter....: ...... daß wir nun etwa 710 Kilometer von der Küste, nahe am Rande der Wüste sitzen. Unsere Kost ist«hier hat die Zensur em Wort unleserlich gemacht;..... einseitig und unsere Wohnungsverbältnisse weniger denn notdürftig. Betten und die sonstigen notdürftigsten Wohnungseinrichtungen haben wir uns selbst gezimmert. Ausstehen, Holzholen,.,,, Ziegelstreichen und LebenSmittcl-Empsang 7. 1. 1915: ..... nachdem wir WO Kilometer mittel* Eisenbabn. 27Ö Kilometer in Fußmarsch und den Rest im Auto transportiert worden waren, lieber die hiesige Gegend, die Art der Unter- bringung und die sonstigen Verhältnisse will ich mich jeder Mit, tcilung enthalten, die sonst vielleicht zu Beanstandung des Briefes führen könnte." ö. 1. 1915 klagt ein Deutscher über die entsetzliche Hitze und die Moskito-Plägc. Durch Gcheimzeichen drückt ein anderer folgendes aus: „Mangel an Proviant, Hunger, wünsche sofort Proviant." Vom 3. 2. 1915 au»....: ..... Ihr würdet die Hände über dem Kopf zusammen- schlagen, wenn ich Euch alles genau berichten dürfte. Warum hat man zu Hause so menig für die Kolonisten übrig und versagt ihnen jede Hilfe und Erleichterung?.... Wobl mancher hat sich im Stillen lieber eine Kugel gewünscht als dieses traurige Da- sein. Ein Zuchthäusler hat entschieden ein besseres Los wie wir und daraus könnt Ihr Euch einen Vers über unser Leben machen. Das Herz dreht sich einem im Leibe herum, wenn man diesen Jammer täglich mit ansehen muß.,. Möge dieser Brief für uns ein rettender Engel sein." 2t. 2. 1915 schreibt ein Gefangener: ...... Hier ist es fetzt sehr warm, 10 bis 50 Grad im Schatten, dabei arbeiten ist bitter..... Es hat bisher noch niemand meiner Kameraden etwas aus der Heimat bekommen." 15. 2. 1915 schreibt ein Missionar, daß er � „in eine andere Arbeitstlafse einrangiert sei... Es ist nur schade, daß ich keine nähere Schilderung geben darf." Ein Telegramm durch Botschafter in Madrid, daß „Kriegsgefangene in Dahomep zu Straßenaroeitcn verwendet werden,(wie leiden Mangel an Kleidern, Schubzeug und Ehinin, vier schon tot, viele krank." Ein Brief au» einem englischen Gefangenenkager: „Aus sicherer Quelle wissen wir. daß die gefangenen Deut- scheu in Tahowev im Innern unter schwarzen Aufsehern auf Farmen und bei Wegebautcn im Lcndcntuch arbeiten müssen, mchrerc seien schon tot." Haus zusammentreten und die Kommission zur Dorberatung des Gesetzes wählen. Diese Kommission soll ihre Arbeiten so beschleunigen, daß das Plenum möglichst noch in nach st er Woche zu ihren Beschlüssen Stellung nehmen kann. Nimmt das Herrenhaus die Vorlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses unverändert an, dann könnte das Gesetz also in kaum vierzehn Tagen der- abschiedet sein. Voraussetzung ist hierbei allerdings, daß die Regierung nicht etwa die Session noch während der Beratung der Kommission des Herrenhauses schließt, eine Möglichkeit, mit der immerhin gerechnet werden muß. Die Parteien des Abgeordnetenhauses würden darin allerdings eine Brüskierung erblicken. Geht die Erledigung des Fischereigesetzes glatt von statten, dann rechnet man mit einem Schluß der Session um den LI. Juni herum. Das Abgeordnetenhaus lvird außer Sonnabend dann nur noch einmal zusammentreten, um den Bericht der ver- stärkten Ludgetkommission über den Antrag Brütt und Gen., sowie den Bericht der Handels- und Gewerbekommission über die. Anträge des Zentrums und der Sozialdemokraten zum Knappschaftskriegsgesetz entgegenzunehmen und die Not- Verordnungen zu genehmigen. In der verstärkten Budgetkommission selbst gehen die Arbeiten langsam von statten; erst morgen, Donnerstag, wird voraussichtlich die Frage der Lebensmittelversorgung erledigt sein. Freitag und Sonnabend werden keine Sitzungen stattfinden und am Montag wird man mit den Beratungen der übrigen Fragen beginnen für die eine Woche vorgesehen ist. Das Plenum tagt während dieser Zeit nicht. Auf die Beratung ihrer Anträge legen die Parteien kein Gewicht. Tie Fortschrittler wollen zwar ihren Antrag auf Verbot der Gründung von Fideikommissen auf die Tages- ordnung bringen, aber sie werden damit kein Glück haben, da die Konservativen sich diesem Plane widersetzen. Eine An- regung des sozialdemokratischen Vertreters im Senioren- konvent, auch die Wahlrechtsanträge noch zu erledigen, fand auf keiner Seite Gegenliebe. Zu bemerken ist noch, daß die Regierung den Landtag Ende Oktober, oder, wenn es nötig sein sollte, auch schon früher, zu einem neuen Tagungsabschnitt einberufen soll. Zum Kampf um die preußische Wahlrechtsreform. Der Vorstand des Wahlvcrcins der Fort- schrittlichen Volkspartei in Stettin hat in seiner Sitzung vom 2. Juni einstimmig folgenden Beschluß gesaßt; „Die Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei im vreutzischen Abgeordnetenhausc wird gebeten, die Frage einer Aenderung deS preußischen Landtagswahlrechts im Sinne der Forderungen der Fortschrittlichen Volkspartei unausgesetzt im Auge zu behalten und bereits bei nach st er Ge- legenheit entsprechende Anträge zu stellen. AuS den Gründen heben wir die folgenden hervor: 1. Die Aenderung des preußischen Wahlrechts bleibt eine der drin- gendsten politischen Forderungen. Für ihre Verwirk- lichung erscheinen die Zaitverhältnisse nicht ungünstig. Die wundervolle Bewährung des gesamten Volkes in dieser Kriegszeit muß der Regierung und auch Kreisen, die einer Wahlreform bisher ablehnend gegenübergestanden haben, die lleberzeugung aufdrängen, daß das geltende Wahlrecht, welches die Masse der Staatsangehörigen entrechtet, diesem Volke nicht mehr entspricht. 2. Die Reform des Wahlrechts im Sinne der fortschrittlichen Forderungen würde die Be- geistarung und Vaterlandsliebe des Volkes, sowohl der in der Heimat Gebliebenen, als besonders aber auch der Krieger, außerordentlich stärken und damit eine weitere Gewähr für die siegreiche Durchführung des Krieges bieten, o. Die Gruppierung der Parteien nach dem Kriege ist ungewiß. Es erscheint in jedem Falle angezeigt, die Aenderung des Wahlrechts in liberalem Sinne in der Zeit zu versuchen, in der die Verantwortung für das Schicksal des Vaterlandes offenkundig bei der Gesamtheit der Volksgenossen ruht." Ein Oberingenieur berichtet unter dem 15. 3. 1915; „Gestern wurde uns bekannt gegeben, daß von unseren Briefen über hundert vernichtet worden seien, weil sie zu lang waren, in 15 Zeilen etwa muß ich Dir also das Wichtigste mit. teilen. Ich vegetiere noch, wann auch das HoffnungSflämmchen, Euch gesund wiederzusehen, immer trüber flackert. Roch viele Monate werden vergehen, ebe wir in die Heimat zurückkehren tonnen. Roch immer«arte ich vergeblich auf Geld und Paket. Warum? Mein Elmtin gebt zu Ende. Wenn ich dem Fieber ver- falle, bin ich verloren. Schicke mir ans alle Fälle ein Mäschchen Ehininperlen mit. Behüt Euch alle Gott gnadigst, wie. ich dies auch für mich sehnlichst erhoffe. Immer Dein..." Einige Auszüge aus Briefen aus Nordafrika: Ein Landwebrmann schreibt aus Algier am 31. Januar. 1915: „Uns haben sie jetzt in die Wüste gesteckt zum Straßsndau. Sind ungefähr 500 Kilometer im Lande drin, die Stadt liegt 100 Kilometer hinter uns. Die Nahrung wird auf Kamelen ge- bracht, denn Straßen gibt cö keine. Die 100 Kilometer mußten wir zu Fuß machen und auch wieder retour. Hoffentlich sind die Pakete nicht zu groß, daß ich sie bekomme, sollte sehr nötig Fuß- bcklcidung haben.... Gestern wurde uns ein Schreiben von der französischen Re- gicrung verlesen, woraus zu ersehen war, daß die Gefangenen in Deutschland sehr schlecht behandelt würden und sehr wenig zu essen bekommen, deshalb würden wir auch so behandelt werden. Teilt mir mit, was die französischen Gefangenen in Deutschland bekommen, denn es ist nicht schön, wenn man Gefangene hungern läßt, und dazu noch schwere Arbeit. Ich will nur sehen. wie wir aussehen, wenn wir retour kommen, denn Stiefel und Uniform wird hier sehr mitgenommen auf den steinigen Wegen, denn hier hat es nur Steine und Sand. Läuse hat jeder von uns." Ein Garde-Grenadicr berichtet am 16. Februar 1915 aus Marokko: „Es find schon viele Kameraden an Fieber gestorben. Im März, April usw. soll es hier unheimlich heiß sein. Hoffentlich werden wir dann nicht in der sengenden Hitze arbeiten brauchen. Wir sind hier am istraßenbau beschäftigt, auch bin ich ab und zu im Steinbruch tätig, kann also später mal als Stcinhauer gehen. Wir hatten es schon so einigermaßen wieder, nun ist es uns aber abgenommen worden. Als Grund wird angegeben, wie Du wir, so ich Dir. Also wie es die Franzosen bei uns baben, so sollen wir es haben. Auch schlafen wir in Zelten ans Apfelsinenkisten. Wenn sie uns dieselben lassen werden, ist es ja viel besser, als wie auf der Erde. Es richtet sich alles nach den Gefangenen in Deutschland." Ein Sanitäts-Unteroffizier schreibt vom 15. März 1915: „Die Behandlung der Gefangenen, durch die französische Regierung veranlaßt, spottet jeder Beschreibung.... Auf den Marsche lagen wir nachts entweder auf Pfcrdemist in offenen Ställen oder auf blanker Erde in kleinen Zelten. Tie Gcfangc- nen müssen hier an einem Straßenbau arbeiten und ist diese Arbeit bei großer Hitze sehr schwer. Als Lohn gibt es 35 Et«. bei 9 Stunden Arbeitszeit und 30 Kilometer Marsch. Mittags zum Essen haben wir nur Zü Stunden Zeit. Wasser ist sehr Der Berkauf städtischer Fleischdaucr- und Gefriervorröte im ganzen Reiche fand am 8. Juni in einer vorn Krieg s- auSschuß für Ä o n s u m c n t e n i n t c r c s s c n ein- berufenen Sachverständigenkonferenz eine eingehende Erörterung. Es beteiligten sich daran Vertreter von Großberliner Gemeinden. des Deutschen Städtetages. des KriegsauSschusscS für VolkSernährung und de» Fleischer- gewerbes. Die in einigen Städten verschieden beurteilte Frage, ob die kommunalen Fleischvorräte schon jetzt abzugeben oder noch länger aufzubewahren seien, fand in der Beratung einmütige Beantwortung dahin, daß wie in Berlin auch anderswo setzt unverzüglich verkauft werdeir solle. Dadurch könnte sowohl der augenblicklichen ungeheueren Fleischteuerung entgegengewirkt als auch für die Aufzucht schlachtreifer Tiere bis zum Herbst erfolgreich gewirkt werben. Die beim Fleisch naturgemäß schtvierige Frage der Ver- t e t l u n g an die Verbraucher hielt die Versammlung in Berlin für vorbildlich gelöst. Sie erwartet eine ähnliche Regelung auch von den anderen deutschen Städten. lind zwar soll unter Mitwirkung der Fleischermeister da. wo große Fleischbeständc aufgespeichert wurden, an die mit entsprechenden Ausweisen versehene minderbemittelte Bevölke- rung an bestimmten Tagen und zu erichivinglichen Preisen. dagegen bei geringen kommunalen Vorräten außerdem unter Rationszumessung Fleischkartcn mit Abschnitten verkauft werden, damit man möglichst lange mit den verfüg- baren Mengen reicht. Gegenüber der Gefahr von M i ß- brauchen derartiger segensreicher Einrichtungen Auflauf in kleinen Mengen durch Interessenten und Weiter- verkauf zu erhöhten Preisen sowie Verarbeitung zu Fleisch- waren usw. wird vom Bundesrat eine Verordnung mit schärfsten Straf-» androhungen erhofft. Gleichzeitig kann erwartet werdet'. daß von Reichs wegen allen deutschen Gemeinden die sofortige Inangriffnahme ihrer Fleischverkäufe, die bekanntlich gemäß der Verordnung nicht vor dem 1. Juni stattfinden durfte», nach obigen Grundsätzen zur Pflicht gemacht wird. Die zahl- reichen Bezirks- und Ortsausschüsse für Konsumenten- Interessen, die in diesem Sinne bereits eifrig am Werke sind. werden dabei ihre Mitwirkung an Hilfs- und Kontrollarbeiten gern zur Verfügung stellen.__ Zur Beurlaubung heeresdicnstpflichtiger Winzer. Dem ReichStagspräsidenten wird mitgeteilt: Die Anfrage R r. 1 des Mitglieds de» Reichstags Bau- mann iKitzingen) und Genossen— Drucksache Nr. SO— wird wie folgt beantwortet: „DaS Königlich Preußische Kriegsministerium hat die stellver- tretenden Generalkommandos und die mobilen Kommandobehörden davon verständigt, daß gegen eine Beurlaubung der zum Heeresdienst ei»berufenen Winzer zum Zwecke der Bekämpfung der Rebschädlinge aus jedesmaligen be- sonderen Antrag, soweit eS in ilitärischeRück sichten zu- lassen, keine Bedenken be flehen. Im gleichen Sinne hat eS da» Königlich Bayerische, Sächsische und Württem bergische Kriegsministenum benachrichtigt. Dr. Delbrück." Eine falsche Bchauptuug Vandcrveldes. Zu der Behauptung, die Bandervelde in seiner letzten Rede vor den Pariser Arbeitern aufftellte, daß Genosse NoSke bei einem Gc sprach mit belgischen Genossen im Brüsseler LolkShause erklärt haben sollte, die Ehre sei eine Ideologie deS Bürgertums und die Belgier hätten keinen Anlaß gehabt, ihre Neutralität zu verteidigen, schreibt uns NoSke: „Schon vor Monaten habe ich öffentlich erklärt, daß ich niemals etwas derartiges gesagt habe. Ich lege erneut Wert darauf, fest- zustellen, daß das, was Bandervelde mich sagen läßt, absolut un- zutreffend ist. Soweit ich in Brüssel mit belgischen Genossen über- Haupt über die belgische Frage gesprochen habe, ist von mir anerkannt worden, daß von ihrem Standpunkt au» die Verteidigung ihres Landes eine Selbstverständlichkeit sei." wenig vorbanden und ist an tägliche Waschungen nicht zu denken. Wenn die Leute nicht arbeiten, so werden sie bestraft, und sogar 3 Gefangene sind von Unterleutnant P. geschlagen worden. Schübe und Strümpfe sind zerrissen, ob wir neue erhalten? Unser Körper wird von Läusen geplagt, vor welchen man sich»'cht schützen kann. ES ist die bochite Zeit, daß diese Behandlung g--, ändert wird, sonst kommen wir alle krank zurück. Vertrauend aus Gott und unseren Kaiser erwarten wir das Morgenrot unserer Heimfahrt zu unseren Lieben." Am 3. Mai 1915 schreibt ein Kriegsgefangener aus Tunis: „Seitdem wir von K. abgereist sind, liegen wir in Zelten. vollständig der Witterung preisgegeben, mitten in der Kolonie. Tunis. Wir leiden viel unter der Hitze, erhalten sebr wenig Trinkwasser. Wir leiden viel unter llngezieser, des Nachts unter Kälte, und haben keine Waschgelegenhcit. Der Transport war 200 Mann stark und sind dies lauter solche, die verwundet gewesen sind, teilweise sind noch solche darunter mit eiternden Wunden, mit lahmen Gliedern oder kurzen Beinen, so daß selbst die französischen Aerzte jede Verantwortung über den Transport ab- lehnen. Wir werden zur Arbeit gezwungen, in Vorschlag ist ein Straßenbau, für den pro Mann 1 Sou» gezahlt werden. Für schlechte Arbeit folgen Strafen. Bewacht werden wir von der Strafkompagnie und geht der Anführer derselben äußerst streng vor. Für uns gelten die rühmlichst bekannten Strafen der Fremdenlegion. Scheinbar vergessen die Franzosen daran, daß wir Kriegsgefangene und keine Verbrecher sind. Seit sieben Wochen erhalten wir keine Pakete mehr, und wenn wir solche erhalten sollten. Schokolade, Süßigkeiten usw. herausgenommen. Bis heute fehlen 050 Pakete für diesen Transport." Wir möchten zu diesen Mitteilungen folgende» bemerken: Richtachtung von Menschenleben und Menschenwürde lieg« im Wesen des KolonialinilitariSmuS, und gerade die Geschichte d-n- französischen ÄolonialmilitariSinu» weist zu diesem Kapitel recht düstere und blutige Seiten auf. Leider müssen jetzt auch deutsche Kriegsgefangene die afrikanischen Methoden gewisser französischer Kolonialmilitärs über sich ergehen lassen. Wir möchten die Auf- merksamkeit unserer französischen Genossen auf diese eine Kulturnation schändenden Tatsachen lenken. Sie haben ja bis zum Ausbruch des Krieges einen erbitterten Kampf gegen das Biribi-System geführt, und die„H u m a n i t c" hat manche grauenhaften Einzelheiten au» afrikanischen Strafanstalten usw. festgenagelt. Unsere französischen Genossen werden wohl nicht annehmen, daß in den zehn Kriegsmonatcn alle Kolonialbarbarei und alle„ca{ard">Anfäßc*) bei gewissen Kolonialtyrannen verflogen und die brutalen„LekzuiL'-Naturen*�) mit einem Schlage zu Edel- menschen geworden sind. Ein Einwirken der französischen Sozia- listen zur Verbesserung de» Loses der deutschen Kriegsgefangenen in Afrika wäre daher sehr verdienstlich und läge auch im Interesse der französischen Kriegsgefangenen in Deutschland. *) Cafard— französische Bezeichnung für Tropenkoller. _**} Schaut, afrikanische Bezeichnung für Gcfangcnenaujieher, Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Ein Kampf um den verdienten Lohn. In der Werkstatt des Suttlermeisters Geithe herrschte eines EonnabendS grotze Aufregung. Der Meister hatte sich die ganze Woche nicht sehen lassen. Er erschien auch nicht, als der fällige Wochenlohn ausgezahlt werden mußte. Stundenlang warteten die Arbeiter vergebens auf ihren Lohn. Unter diesen Umständen grif die Ansicht Platz, der Meister sei auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Diese Ansicht stützte sich auch darauf, daß schon die vorige Lohnzahlung unpünktlich erfolgt war und die Ar-- beitcr aus alledem schloffen, der Meister befinde sich trotz der lohnenden Militärarbeit in schlechten finanziellen Vcr- hältnisien. Um ihre Lohnforderungen sicher zu stellen, er- wirkten die acht Arbeiter beim Amtsgericht einen Arrestbeschluß, au Grund dessen sie die Sachen Geithes durch einen Gerichtsvollzieher nach der Pfandkammer schaffen ließen. Außerdem klagten sie beim JnnungSschiedSgericht auf Zahlung des verdienten Lohnes und Per- gütung für die Zeit, wo sie auf Lohnzahlung warteten.— Der Beklagte Geithe sagt, er habe eine Reise nach Holland gemacht, um Leder einzukaufen. An der Grenze sei er wegen Konterbandeverdachts in Gewahrsam genommen worden. Dadurch habe sich seine Heim- kehr verzögert. AlS er nach Haufe kam, habe er zu seinem Erstaunen gesehen, daß seine Werkstatt geschlossen und seine Sachen gepfändet waren. Er macht den Klägern heftige Vorwürfe, daß sie ihn in diese viage gebracht haben.— Die Kläger entgegnen, das sei not- wendig gewesen, um den Lohn zu sichern. Schon in der vorher- gegangenen Woche habe der Beklagte Leder versetzt, um den Lohn zu zahlen. An die Reise nach Holland glauben die Kläger nicht.— Die Lohnforderungen der Kläger erkennt der Beklagte an, er will auch jedem fünf Stunden Wartezeit vergüten, verlangt aber, daß die Kläger zuvor die Aufhebung des Arrestbeschlusses erwirken. Aber darauf wollen die Kläger nicht eingehen. Sie sagen, sobald der Beklagte wieder die Verfügung über die Pfand- objekte habe, würden sie nichts bekommen.— Nach langem Hin- und Herreden erklärt sich der Beklagte schließlich bereit, den Betrag, welchen er den Klägern schuldet, auf dem Amtsgericht zu hinterlegen, gleichzeitig sollten die Kläger die Aushebung des Arrestbeschlusseö beantragen und sich aus der hinterlegten Summe bezahlen lassen. Die Kläger sind damit einverstanden. Als aber ein Pergleich auf dieser Grundlage abgeschlossen werden sollte, lehnte der Beklagte ab, auf den Vergleich einzugehen.— Das Schiedsgericht verurteilte ihn dann zur Zahlung der von den Klägern erhobenen Forderungen, die insgesamt 417 M. betragen. Höhere Löhne und Teuerungszulagen in der Textil- industric Berlins. Die gänzlich veränderte Wirtschaftsordnung hat auch Aende- rungen in die Lohnverhältniste der Berliner Texlilarbeiterschaft ge- bracht. Auf Anregung des Deutschen Textilarbeiterverbandes ivurden folgende Verbefferungen erreicht: In der Posamenten- Militäreffektenbranche bei H e n s e l u. S ch u m a n n für 80 Posamentierer a 7,50 M.= 375,00 M.> Ii! Lohnarbeiter a 2 M.— 24 M., 120 Arbeiterinnen a 2 M.— 240 M., 6 Lehrlinge a 1 M.=<3 M., in Summa 645 M. pro Woche für 138 Personen. Knoblauch 10 Posamentierer a 2,50 M.— 25 M., 3 Arbeiterinnen a 1 M.— 3 M., 5 Arbeiterinnen a 50 Pf.-- 2,50 M., in Summa 50,50 M. für 18 Personen. In derselben Branche zahlen TeuerungS- oder Kriegszulagen folgende Firmen: Fr a n z E b e l N a ch f. hat die bisher gezahlten 10 Proz. auf 15 Proz. erhöht. Das macht für V Posamentierer a 2,25 M.--- 15,75 M., für 25 Arbeiterinnen a 85 Pf.■=- 21,25 M., in Summa für 32 Personen 37 M. George LudwigBredcreckc zahlt neben 10 Proz. Kriegszuschlag noch 3 M- Teuerungszulage pro Woche für alle Beschäftigten in Summa 300 M. Die Vereinigten Märkischen Tuchfabriken in Nieder- Schöneweidc haben die Wcblöhne erhöht für zirka 200 Weberinnen um 25 bis 40 Pf. pro Stück und zahlen für alle Weberinnen außer- denr 5 Proz. Teuerungszulage. Das macht bei 275 Weberinnen 357,50 M. pro Woche. Hier kam es leider durch das Vor- halten eines Direktors zu unliebsamen Auftritten. Der Herr war recht unhöflich gegen die Arbeiterinnen und drohte, sich Ersatz auS Lodz kommen zu lassen. Die Arbeiterinnen mußten den Herrn erst auf den Burgfrieden und seine Bedeutung aufmerksam machen. Die Strumpfwarenfabrik Felix Lande zahlt an 168 im Akkord Beschäftigten 5 Prozent Teuerungszulage---- 132 M. Für die Lohnarbciterinnen ist der Ein- stellungslohn um 1 bis 3 M., die alljährliche Zulage um 50 Pf. und der Hochstlphn um 1 M. erhöht worden. Die Strickgarnfabrik Lindenau u. Pinkf ohn zahlt an 25 Lohnarbeiterinnen 10 Prozent Teuerungszulage--- 49 M. pro Woche. Die Firma wird sich hoffentlich auch dazu bereit finden, den HaSplerinnen und Dockerinnen eine dementfprechende Zulage zu zahlen. Dre Firma A. u. B. E l k i f ch derselben Branche will ihren Ar- beiterinnen bei Ausbruch eines schlechteren Geschäftsganges pro Woche 3 M. als TeuerungSzuschlag zahlen. Für die Dekatur- brauche besteht noch der Tarifvertrag. Zu den durch diesen fest- gesetzten Löhnen werden während der Tauer dcS Krieges 5 Proz. als Teuerungszulage gezahlt, an 80 Arbeiter— 128 M. pro Woche. Die Berliner Lelvetfabrik M. MengerS u. Söhne zahlt an ihre Arbeiter(340) eine wöchentliche Teuerungszulage von je 3 M., an die Arbeiterinnen(180) je 1 M., in Summa 1200 M. pro Woche. In der Färberei Ilse in Weitzensee wurde für vier Färber der Wochenlohn um je 2,10 M. erhöht. Das Gesamtergebnis ist, daß in diesen wenigen Betrieben das Arbeitereinkommen um rund 3000 pro Woche erhöht worden ist, im Durchschnitt 2,50 bis 3 M. auf den Einzelnen. Das heißt mit anderen Worten, weil diese Arbeiterinnen und Arbeiter 35 oder 65 Pf. Organisationsbcitrag zahlten, haben sie für diese Ausgabe eine Einnahme von 2,50 bis 3 M.: jedenfalls ein hoher Gewinn im Vergleich zu dem niedrigen Einsatz. Wenn auch diese Erhöhung deS ArbeitereinkommenS nicht im entferntesten einen Ausgleich schafft zwischen den jetzigen hohen Lebensmittelpreisen und den früheren, so trifft aber daS zu, daß diese 2,50 reip. 3 M. nur gezahlt worden sind, weil die Ärbeilerorganisation den Anstoß hierzu gegeben hat. Dieses möge sich die Textilarbeiter- schaft Berlins merken, schließen sich alle Textilarbeiter und-Arbeite- rinnen ihrer Berufsorganisation an, dann wird auch die Zeit kommen, wo ihre Löhne den in anderen Berufen gezahlten gleich- kommen. Die Teuerungszulagen in den Brauereie«. Unsere gestrige Notiz über die Teuerungszulagen in den Berliner Brauereien ist nach verschiedenen Richtungen hin mißver- ständlich. Zunächst stellen wir fest, daß die Verhandlungen wegen der Teuerungszulage nicht durch den Brauereiarbeiter-Lerband sondern durch die Ausschüsse des Personals geführt worden sind. Alle in den Brauereien Groß-BerlinS vertretenen Arbeitnehmerorganisationen haben sich einstimmig aus den Stand- punkt gestellt, daß wegen der bestehenden Tarifverträge Forderungen an die Unternehmer nicht gestellt werden können. AuS diesem Grunde habe« sie es den Ausschüssen des Personals überlassen, die Wünsche auf Teuerungszulagen zu vertreten. Die Ringbrauersien verhielten sich zunächst ablehnend. Als erste bewilligte die außerhalb deS Ringes stehende Engelhardt-Brauerei eine Teuerungszulage von 1,75 M. und von 80 Pf. für die Dauer des Krieges. Die Borussia- Brauerei und die Brauerei Groterjan folgten mit 1,50 bezw. 1 M. nach. Erst später kamen die Ringbraucreien nach Vorstelligwerden der Vertrauensleute zu ihren: gestern mitgeteilten Beschluß. Zur- zeit schweben noch Verhandlungen mit den dem Verein der Brauereien Berlins und Ilmgegend nicht angeschlossenen Betrieben. Diese Verhandlungen werden nicht vom Brauereiarbeiter-Verband sondern von allen in den Brauereien Berlins vertretenen Arbeit- uehmcrorganisationcn gemeinsam geführt. fius Groß-öerlin. Deut Ausflügler ins Stammbuch. „Was in der Stube gilt als simpler Brauch, beachte du im Walde auch: laß niemals auf den Boden fallen Papier, Apfelsinen- und Eierschalen. Halt sauber und rein daS Waldrevier, Dann bist du stets willkommen hier."— Wie gut wäre es, wenn dieser Vers Genreingut aller Ausflügler würde.— Was ist nicht schon alles über die Verunreinigung von Wiesen und Wälder geschrieben worden. leider nicht mit vollem Er« folg. Immer noch findet man Plätze im Grünen, die mit dem be- wußten Stullenpapicr in allen Größen und Farben verunziert sind. Ganze Zeitungen werden vom Winde weiter getragen. Die Leser geben sich nicht einmal die Mühe, sie zusammenzufalzen, viel weniger sie wieder in die Tasche zu stecken. Haben gar Vereine oder Gesellschaften ihre Spiele beendet, dann zieren oft ganze Kartons, Holzwolle und anderes die Stelle, wo Wettrennen, Sack- laufen oder Reifen- und Ballspiele stattgefunden haben. Alles zieht mit Musik zurück in das nahegelegene Lokal und kümmert sich nicht weiter um das Aussehen des Ortes, den man verlassen. Und wie viele Tausende bedürfen der Erholung. Sie ziehen an den Sonntagen hinaus in die freie Natur, in Wald und Feld Ruhe suchend, die Lunge zu weiten, neue Kraft zu schöpfen. Da schmerzt eS zu sehen, wie Wald und Wiese zu Papierkörben und Mülleimer umgewandelt worden sind. Mit den Jahren ist auch auf diesem Gebiete manches besser geworden, aber cS bleibt noch viel Selbst- erziehung übrig. Hoffen wir, daß jeder Ausflügler sich zur Richt- schnür nimmt, Wald und Wiese rein zu halten, damit die, die nach ihm kommen, sich gleichfalls erholen können. Um den Löckmtzkies. Die Streitereien über die Brauchbarkeit des KieieS, der bei dem Bau der Berliner Nordsüdbahn zur Herstellung der Beton- hülle deS Tunnels genommen wird, hatten gestern ein gerichtliches Nachspiel. In den Verträgen der Stadt Berlin mit den Unternehmern, denen man die Tunnelbanten übertrug, lourde für den Beton die Verwendung von FlußkieS, im besonderen von Neiße- und OderkieS, zur Pflicht gemacht. Später aber wurde ihnen, weil die Föderung der nötigen Mengen Kies aus Neiße und Oder infolge erschwerender Bestimmungen der staatlichen Wasserbauverwaltung nicht möglich war, die Verwendung von KieS aus dem Löcknitztal gestattet. Für ihn fanden so die Märkischen Sandwerke, die Kieslieferanten zweier am Bau der Nordsüdbahn beteiligten Ilnternehmorfirmen erwünschte Abnehmer. Aber diese nach- trägliche Einschränkung der Vertragsbestimmungen weckte den Wider- spruch anderer KieSinteressenten. In der Stadtverordneten- Versammlung gab Ende Dezember 1013 infolge einer an den Magistrat gerichteten Anfrage der Stadtbaurat Krause eine Erklärung ab, die den Löcknitzkies als mindestens so brauchbar wie den anfänglich ausbedungenen Neiße- und OdcrkieS rühmte. Er berief sich hierfür auf Ergebnisse von Untersuchungen deS staat- lichen MatcrialprüfungSamteS. die ganz vorzüglich feien. Auch der Löcknitzkies werde unter Wasser gebaggert, er gleiche an Reinheit dem eigentlichen FlußkieS, die Druckfestigkeit deS Betons fei bei Löcknitzkies ebenso hoch wie bei FlußkieS ermittelt worden. UeberdieS habe die städtische Bauverwaltung wegen Ver- billigung der Transportkosten des nun aus Berlins Nähe bezogenen Kieses die Unternehmer genötigt, ihr eine nachträgliche Preisermäßigung auf die Botonlieferung zu gewähren. Die Angelegenheit war hiermit für die KieSinteressenten nicht abgetan, sondern beschäftigte sie weiter noch längere Zeit hindurch. Ende August 1014 richtete der Ki e S unt er n e h m e r Triefe- t h a u an den Magistrat ein Schreiben, worin er jene Erklärung deS Stadtbaurats Krause als„wissentlich unwahr" bezeichnete. Stadtbaurat Krause sah in diesem Wort eine schlimme Kränkung und Ehrverletzung, und Oberbürgermeister Wermuth stellte gegen Triesethau einen Strafantrag wegen Beleidigung, dem die Staatsanwaltschaft stattgab. Triesethau sollte sich gestern unter der Anklage der Beleidigung vor dem Landgericht Berlin l (Strafkammer 3) verantworten. Vor Eintritt in die Verhandlung, für die von der Staats- anwaltschaft wie von der Verteidigung eine reichliche Menge Zeugen beigebracht worden war. regte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Unger einen Vergleich an. Stadtbaurat Krause wollte in einen solchen einwilligen, wenn der Angeklagte Triesethau eine ihn befriedigende Erklärung geben würde. Er selber müsse dabei bleiben, daß er damals in der Stadtverordnetenversammlung seine Meinung nach bestem Wissen und Gewissen geäußert habe. Triesethau war bereit, zuzugeben, daß er in jenem Schreiben sich i in A u S d r u ck vergriffen habe, wenn er auch an seiner Ueberzeugung von der objektiven Unrichtigkeit der Krauseschen Meinungsäußerung über den Löcknitzkies nach wie vor festhalten müsse. Die Zurücknahme des Strafantrages ist hiernach möglich, das Recht dazu hat aber nur der Oberbürgermeister. Staatsanwalt Weißmann wollte eine bloße Ehrenerklärung nicht für ausreichend halten. Es sei zu befürchten, daß der Oberbürgermeister sich mit ihr nicht begnügen, sondern von dem Angeklagten noch eine freiwillige Geldbuße zu WohltäligkeitSzwecken erwarten würde. Triesethau lehnte das ab, und auch sein Verteidiger Geh. Justizrat Friedmann meinte, daß nach Lage der Sache ein so weit gehendes Zugeständnis keineswegs geboten scheine. Der schließlich zustande gekommene Vergleich hat folgenden Wortlaut:„Herr Triesethau erklärt: In meinem Schreiben vom 20. August 1014 habe ich behauptet, daß die Angaben des Herrn Ge- heimratS Krause über die Qualität des LöcknitzkieseS wissentlich un- wahr seien. Mit dem Ausdruck„wissentlich" habe ich mich ver- griffen. Ich habe nicht behaupten wollen und behaupte auch jetzt nicht, daß daS Gutachten deS Herrn GeheünratS Krause einer inneren Ueberzeugung widerspreche, sondern nur nach meiner Ansicht objektiv unzutreffend sei. Jede beleidigende Absicht hat mir fern gelegen. Herr Geheimrat Krause nimmt diese Erklärung an, bleibt aber objektiv bei seinem 'rüher dargestellten Standpunkt. Herr Triesethau übernimmt die Kosten. Herr Geheimrat Krause verpflichtet sich, dahin zu wirken, daß der Strafantrag seitens des Herrn Oberbürgermeisters von Berlin zurückgezogen wird." Türschließeriiultir im Elsenbahndienst sollen demnächst eingestellt werden. Sie erhalten Eisenbahnermützen mit dem Buchstaben T (Türfchlietzerin), müssen futzfreie Röcke und kurze Acrmel tragen. Verschobene Ferien der hohen Schulen? Mit Ermächtigung des Oberpräsidentim hat daS Königliche Provinzialschulkollegium die diesjährigen Sommerserien an den höheren Lehranstalten für die männliche und iveibliche Jugend sowie an den Schullehrerseminaren und Präparandeu- anstalten in der Provinz Brandenburg, mit A u s n a h m c von Groß- Berlin, um zwei Wochen, aus die Zeit von Freitag, den 16. Juli, bis Dienstag, den 17. August, hinaus- geschoben._ Ein Soldat als Lebensretter. Mut und Entschlossenheit bewies gestern der Gardejäger Paul Schmidt vom Rekruten-Depot Nowawes, der mit eigener Lebensgefahr an der Nuthebrücke bei der Jutespinnerei in NowaweS eine auf dem Strome treibende Frau dem Tode des Ertrinkens entriß. Schmidt kam in Begleitung eines Oberjägers vorbei, als eine Iveibliche Person auf den Wellen trieb. Er sprang ins Wasser und holte die Bewußtlose ans Land. Man brachte sie nach dem Obcrlin- KreiSkranlenhauS. Ihr Zustand ist noch immer schonungsbedürftig. und die Frau war bis zur Stunde nicht vernehmungsfähig, lieber die Beweggründe ihres WcrzweiflungSschritteö ist noch keine Ausi klärung geschaffen._ Der verbrannte Schatz. Uebcrgroße„Vorsicht" ist einem Ehepaar auS dem Südosten der Stadt verhängnisvoll geworden. Die betagten Leute hatten in einem arbeitsreichen Leben 3000 M. gespart und diese als Not- groschen für daS Alter auf einer Bank zinstragend angelegt. Wie viele andere auch wurden sie bei Ausbruch des Krieges ängstlich und hoben auS Lorsicht, wie sie meinten, daS Geld ab. Um cS jetzt gegen Einbrecher und Diebe zu sichern, legte die Frau den ganzen Betrag in Papiergold in ein Ofenloch und glaubte damit das beste Versteck gesunden zu haben. Mit der Zeit aber vergaß sie selbst, wo sie ihren Schatz geborgen hatte, und dachte auch nicht daran. als sie jetzt einmal wertloses Zeug in dem Ofen verbrannte. Ersi als ihr Papiergeld mitverbrannt war, siel es ihr wieder ein. Die Frau nahm sich den Verlust so zu Herzen, daß sie in einem Voran ins Wasser sprang, um sich daS Leben zu nehmen. Sie wurde aber gerettet und vorläufig ins Krankenhaus gebracht. Ein Schlafstcllcnschwiudlcr in blauer Uniform tritt wieder an verschiedenen Stellen auf. Er erzählt den Vermieterinnen, daß er die ganze Nacht gefahren sei, um hier seine in Stellung befindliche Schwester zu besuchen. Aus einige Tage mietet er dann ein Zimmer. Ist er dann allein in der Wohnung, so rafft er zusammen, was ihm begehrenswert erscheint, und verschwindet. In einigen Fällen hol er auch noch anderen Schlafburschen die Koffer erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Der Dieb ist etwa 1,50 Meter groß und trägt einen Kneifer._ Feuer in Nudow.— Ein Heizer verbrannt. In der Fabrik des Dr. ing. Schliemann in Rudow, Kanalstraßc, am Teltowkanal, entstand gestern vormittag 101/* Uhr ein Schadenfeuer, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Ein Heizer verbrannte, der Leiter des Militärkommandos vom nahen Flugplatz erkrankte so schwer an Rauchvergiftung, daß man ihn nach dem Garnisonlazarett in Tcmpelhof bringen mußte.— In der Fabrik wird Oel auS Teer hergestellt. Der Brandherd lag in dem großen Kesselhausc. Der Heizer hatte einen Hahn gcöffncr und der ausströmende Rauch entzündete sich. DaS Feuer griff so schnell um sich, daß sich der Heizer nicht mehr zu retten vermochte, während ein anderer im Kesselräume an- wesender Arbeiter glücklich entkam. Der Kesselraum ist vollständig ausgebrannt, ebenso haben die in der unmittelbaren Nachbarschaft lagernden Vorräte an fertigen und halbfertigen Werten sehr gelitten Die mächtige Flamme, die von der Brandstätte ausging, alarmierte die ganze Nachbarschaft, so daß zahlreiche freiwillige Feuerwehren- wohl zwanzig an der Zahl— auS Britz, AdlerShof, Johannisthal anrückten. Gegen 1 Uhr mittags war weitere Gefahr beseitigt. Der Materialschaden ist ziemlich erheblich. Ei» sehr gefährlicher Brand kam am Mittwochnachmittag in dem Ehemikalienkeller der Chemischen Fabrik von C. Doehl Nachfolger in der Lothringer Str. 50 zum Ausbruch. Der Angriff war infolge der gistigen Ehlordämpfe usw., die sich entwickelt hatten, sehr er- schwert. AtmungSapparate mußten benutzt werden, mit denen«S gelang, bis zum Brandherd vorzudringen. Erst nach längerein Löschen mit mehreren Schlauchleitungen glückte cS, des Brandes Herr zu werden. Die Mannschaften hatten unter der Einwirkung der Dämpfe und der außergewöhnlich großen Hitze viel zu leiden. Die Entstehung des Brandes wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Ardeiter-BildungSschule. Der nächste Vortrag de! Kursus deS Genossen Eduard B ernst ein findet am Freitag, den 11. Juni, statt. Gesperrt. Der östliche Fahrdamm der Brunnenstraße zwischen Demminer und Stralsunder Straße wird wegen der Ausführung von Nntergrundbahnbauarbeitcn in der Zeit vom 7. Juni bis 8. Juli d. I. für den FuhrwerkSverlehr gesperrt. Die Omnibusse werden bei der Fahrt in nördlicher Richtung umgeleitet über die Stralsunder, Ruppincr und Demminer Straße. fim öen Gemeinden. Lebensmittclverkäufe in den Vororten. Nach und nach beginnen jetzt die Vororte mit dem Verlauf der aufgespeicherten Nahrungsmittel. In Charlotten bürg wird man in der nächsten Zeit damit beginnen, während Neukölln noch bis zum nächsten Monat warten will. Einige andere Gemeinden haben bereits damit begonnen, von denen wir zunächf: die nachstehenden veröffentlichen: Lichtenberg. Der Fleischverkaus findet statt: 1. in der Schorn- weberslratze 40: Montags und Donnerstags, 2. in der Türrfchmidi- straße 2: Dienstag« und Freitags, 3. in der Magdalenenstraße 14: Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von 0 bis 12 Uhr vor- mittag« und von 4 bi« 7 Uhr nachmittag«.— Preise von Montag. den 7. Juni ab: Für daS Pfund mageren und fetten Specks 1,60 M. Für das Pfund Schmalz 1,60 M. Die Preise für Fleischkonserven, die aus bestem Schweinefleisch unter ständiger Beaussichligung der staatlichen Zentral-Einkaufsgesellschaft hergestellt sind, beträgt für die 1 Pfund-Dose Schweinefleisch in Brühe 1,35 M., I-Pfund-Dose Weiß- und Leberwurst 1,10 M, I-Psund-Dose Blutwurst 1,00 M., I-Pfund-Dose Sülzwurst 1,20 M.— Außer den Fleischwaren werden beste Tafel- Margarine, 1 M. pro Pfund, und Makkaroni, 50 Pf. pro Pfund, verkauft. FriedrichSfeldc. Von den von der Gemeinde beschafften Fleischwaren kommen zum Verkauf(in Dosen von etwa 1 Pfund): Schweinefleisch in eigenem Saft zum Preise von 1,40 M., Rindfleisch in eigenem Saft zum Preise von 1,35 M.. Berliner Aufschnitl, sogen. Cornedbeef, zum Preise von 1.15 M., Leberwurst zum Preise von 1,20 M., Fleischwurst zum Preise von 1,10 M. Der Verkauf findet nur gegen Vorzeigung und Abstempelung der Brotkarte an Einwohner der Gemeinde statt und wird auf jede Brotkarte 1 Pfd. Fleischware pro Woche geliefert. Der Verkauf findet gegen Bar- Zahlung in den nachstehenden Verkaufsstellen statt: Dienstags und Freitags in dem Ladengeschäft von Frau Arndt. Karlshorst. Treskow- Wdec 101, Mittwochs und Sonnabends in dem Ladengeschäft von Frau Lcwcrsdorf. Friedrichsfelde, Berliner Str. 2s. Verkaufszeit- Vormittags 9—12 Uhr, nachmittags 4-7 Uhr. Pankow. Die Gemeinde hat zunächst mit dem Verkauf von Margarine, kondensierter Milch und Karotten in Büchsen begonnen. Der Verkauf findci durch hiesige Händler statt, in deren Läden ein darauf bezügliches, nur beim Gemeindevorstand crbällliches Plakat aushängen muß. Es kostet 1 Pfd. la Margarine l M., 1 Büchse kondensierte Milch 0.55 M., 1 Kilobüchse geschnittene Karotten 0 40 M Die Waren der Gemeinde sind als solche kenntlich gemacht und dürfen nur in Originalpackungen verkauft werden. Die Käufer haben sich als Einwohner unserer Gemeinde durch Sreuerzettel, Kricgsauswcis und dergl. dem Verkäufer auszuweisen. Von siu- Widerhandlungen gegen die vorbezcichneien Anordnungen bitten wir dem Gcnieindevorstand unverzüglich Kenntnis zu geben. Charlotteuburger Bäckermeister gegen die Nachtarbeit. . Eine Versammlung der Charlottenburger Bäckerinnung be- schäftigte sich mit den durch die neue Brotpreisfestsetzung veränderten Verhältnissen im Bäckereigewerbe. Vom Obermeister wurde niit- geteilt, der Vorstand strebe danach, daß anstatt der setzt eingeführten vO-Gramm-Seimneln nur solche von 100—150 Gramm' gebacken werden. Es soll auch ferner darauf hingewirkt werden, daß bei der Kuchenherstellung Backpulver verwendet werden dürfe. Durch dieses Verbot sei ein großer Eierverbrauch notwendig. Kuchen- und Eier- preise haben infolgedessen eine enorme Steigerung erfahren. Gegen- über den Wünschen der Brotfabrikanien, wieder die Nachtarbeit ein- zusührcit, sei imbedingt an der jetzt bestehenden zwölfstündigen Tages- arbeitszeit festzuhalten. Zum Schluß sprach sich dann die Jnnnngs- vci samntlung entschieden gegen die Wiedereinführung der Nachtarbeit aus. Teuerungszulagen in Niederschönhausen. ?n der letzten Sitzung wurde einstimmig beschlossen, allen tech- nischen Angestellten, Arbeitern und Arbeiterinnen bis zu 2000 M. Jahreseinkommen eine Kriegsteuerungszulage zu ge- ivähren, und zwar vom 1. April d. I. ab. Diese beträgt für Ver- heiratete 2,40 M. pro Woche, für Ledige 1,20 M. In Betracht kommen 49 Personen. Vom Bürgermeister wurde Bericht erstattet Über den Verlauf der Dauerwaren: danach werden täglich für 900 M. verkauft. Unsere Genossen wünschten, daß Speck, Schmalz, Schinken schon von einem halben Pfund an verkauft werden soll. Dem wurde zugestimmt und der Lebensmittelkommijsion zur Durchführung über- lviesen. Als Schiedsmann für den östlichen Ortsteil wurde Herr August Kuhlmann, Blankenburger Str. 07, wiedergewählt. Verein Arbciter-Jiigcndhcim Phnrlottcnlnirg. Der Elternabend. der letzten Donnerstag mit einem Referat über Rechte und Pflichten unserer Jngend eingeleitet wurde, sindet diesen Freitag seine Fortsetzung. Da ivichlige Fragen zu behandeln sind, wird der Besuch zahlreicher Eltern und Freunde unserer Jugend erwartet. Schungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Steglitz. Freitag, den 11..Villi, abends 0 Uhr, im Rathaus. Adlershof. Heule Donnerstag KV. Uhr. Britz-Buckow. Freitag, den 11. 5 um. nachm. 5'/, Uhr, im Rathaus. Tiefe Sitzungen find Ssfcntlich. Jeder GcmcindeangehSrige ist de- rechiigi, ihnen als Zuhörer beizuwohiie«. „Tef il allrns Mumpitz". Mit dieser Erklärung und einer verächtlichen Handbewegung beantwortete Bäckermeister Schicke eine beim Jnnungsschiedsgericht gegen ihn erhobene Klage, nachdem der Kläger seine Ansprüche vor- getragen hatte. Die Antwort auf die Ungezogenheit des Meisters Schicke Iva r eine Zurechtweisung durch den Vorsitzenden, die aber nicht viel half, denn«chicke. verfiel immer wieder in dieselbe Ton- arsi und mußte vom Vorsitzenden wiederbolt in die Grenzen des Auslandes verwiesen werden, die er nur schwer innehalten konnte. In der Sache selbst handelte es sich darum, daß Schicke einen jungen Mann, der in seinem Geschäft am 1. April ausgelernt hatte, mehrere Wochen nachher heschäftigte, ohne ihm Gesellenlohn zu zablen. Auch hat Schicke dem jungen Mann statt der im Vertrage ausbedungenen 00— 70 M. zur Beschaffung eines Anzuges nur 42 M. gezahlt. Diese Differenz sowie 2 M. Tagelohn für seine Arbeit nach beendeter Lehrzeit beansprucht der junge Geselle im Klagewcge. Darauf antwortete der Beklagte: ,.Wat jeht mir der Vertrag an. Den hat mein Vorsänger je macht, von den ick dct Jeschäft übernommen habe." Dem Beklagten wurde begreiflich zu machen versucht, daß er mit der Uebernahmc des Geschäfts ja auch den Lehrling mitübernommen und den Vertrag zu erfüllen habe. Dazu bemerkte Schicke: ,.Jck wer mir doch von den Lehrling kecnc Vorschriften machen lassen. Ter hat so lange zu lernen, bis er det Jcsellcnstück jcmacht bat." Ter Beklagte ist also der Meinung, obgleich die Lehrzeit vertragsmäßig am 1. April zu Ende war, habe er den Kläger bis zu der einige Zeit später ftattgefundenen Gc- sellenprüfung als Lehrling behandeln können. Der Vorsitzende belehrte den Beklagten, daß diese Ansicht falsch und er im Unrecht sei und riet zur Verständigung mit dem Kläger. Doch Meister Schicke erklärte kurz und bündig:„Vastcndigen duh ick mir absolut nich." Schließlich ließ er sich aber doch zu einem Vergleich be- wegen, nachdem der Kläger seine Forderung von 55 M. ans 05 M. ermäßigt hatte. Nun entstand die Frage, auf welchem Wege be- kommt der Kläger sein Geld. Er sagte, er habe nicht Zeit, es ab- zvholen, worauf der Beklagte mit der patzigen Bemerkung ant- wartete:„Wenn er kcene Zeit zinn Holen, denn habe ick ooch keene Zeit zum Schicken."—„Dann werden wir es bei Ihnen einziehen lassen," erwiderte der Vorsitzende. Schicke räsonnierte noch weiter in dem ihm eigenen Ton, so daß ihn der Vorsitzende unter An- drohung einer Ungebührstrafe aus dem Saale wies. Soziales. Ter VerstchcrungSbeftand der Volksfürsorge. Aus dem vom Vorstande der Generalverfammlnug zu er- stattenden Geschäftsberichte für das Jahr 1914 ist zu entnehmen, daß das Jahr 1914 einen Neuzugang von 124 805 Versicherungen brachte,� durch welche 20 804 425 M. versichert wurden. Dazu komint der Bestand Ende 1913 mit 70 125 Versicherungen und 12 912 908 M. VersicherlingSsnmme, das ergibt 194 980 Versicherungen init 38 717 393 M. Versicherungssumme. Davon gingen 1914 ab 31 401. und zwar durch Tod Uli, Rückkauf 217, Verfäll 2751, Aenderung der Versicherungsart 23 773, Nichteinlösung der Polire 3009 Ver- sicherungen. so daß Ende 1914 der VersicherungSbestand betrug 103 409 Versicherungen mit 25 015 271 M. Aersicherungssunnne. Davon sind 104 802 Kapital-, 50 870 Spar- und 1737 Risiko- Versicherungen. Die 2751 Policen, die versielen, bedeuten Ver- sicherungen, für welche die Einzahlungen so gering waren, daß eine Umwandlung in eine Sparvcrsicherung sich bedingungsgemäß nicht durchführen ließ. In den 23 747 Umwandlungen tritt der Vorteil der Volkssürsorge, d. h. die von ihr durchgeführte Reform der Volks- Versicherung in die Erscheinung. Trotz NichtWeiterzahlung der Prämien verfielet� diese Versicherungen nicht, die eingezahlten Präniien bleiben in der Sporversicherung wirksam; deren Versicherungssumme kann durch weitere Spareinlagen beliebig gesteigert werden, auib können die Versicherten jederzeit, sobald sie dazu in der Lage sind, ihre Zahlungen wieder aufnehmen und die Kapital- Versicherung in den allen stand setzen. Der Verlust der ein- gezahlten Präniien ist bei der Volks für sorge aus- geschlossen. (ßinc Arbeitskraft» um die sich zwei Unternehmer reisten. In eine Zwickmühle iü der Kartonzuschneider Ortclt gc- raten, indem er sich zwei Unternehmern gleichzeitig zur Arbeit verpflichtet hat. Es scheint aber, daß das weniger seine Schuld öls die Schuld zweier Konkurrenzfirmen ist, die sich gegenseitig eine tüchtige Arbeitskraft wegzuschnappe» suchen. Mit der Firma Kay n. Eo. hatte Ortclt im April vorigen Jahres einen Vertrag abgeschlossen, ivavach er für einen Wochenlohn von 39 M. bis 3l. März 1917 bei der»Firma zu arbeiten l>at. Er ist aber schon bald nach Beginn des Vertragsverhältinsses bei Kay u. Eo. aus- getreten,. um bei der.Firma„Rcformkartonnagc" in Arbeit zu treten. Tie Firma Kay u. Eo. fordert von Ortelt 259 M. Schadcn- crsay. Ter Vertreter, der Firma sagte vor dem. Gcwerbcgcricht, cr würde durch die Arbeit des Beklagten, der sehr leisiungssähig sc!, läglich-äO M. verdient haben. Den Schadenersatzanspruch würde cr niedriger bemessen haben, wenn cr nicht überzeugt wäre, daß die „Rcformkartonnage" die ganzen Kosten dieses Prozesses an Stelle des Beklagten übernehme, denn sie habe ja den Nutzen davon, daß der Beklagte den Vertrag mit 5latz u. Co. gebrochen habe.— Der Beklagte erklärt sein Verhalten so: Ehe er das Vertragsverhältnis mit Kay u. Eo. einging, habe cr einen längeren Vertrag mit der „Reform kartonnage" abgeschlossen gehabt. Im März v. I., als er bei dieser Firma in Arbeit stand, habe sich Katz u. Eo., wo er früher schon arbeitete, mit- ihm in Verbindung gesetzt und ihn unter glänzenden Versprechungen für sich zu gewinnen versucht. Er habe nicW darauf eingehen wollen, aber der Mitinhaber der Firma habe so lange auf ihn eingeredet, bis er die klare Ueverlegunz verloren und den Vertrag mit Katz u. Co. abgeschlossen habe. Der„Rc- socmkartonnagc" habe cr das mitgeteilt, isie sei mit seiner Beschäf- tigung bei Katz n. Eo. wegen ihrer freuiidschaftlichen Beziehungen zu dieser Firma ciiiverstanden gewesen, aber unter der Voraus- setzung, daß sie vollwertigen Ersatz für den Beklagten finde. Das sei der„Reformkartonnage" nicht möglich gewesen, sie habe ihn, den Beklagten, wieder für ihren Betrieb beansprucht und cr habe sich verpflichtet gefühlt, dem älteren Vertrage treu zu bleiben und bei .watz n. Eo. aufzuhören.— Hierzu bemerkte der Vertreter von Katz u. Co., die Fima habe von einem Verträgsverhältnis des Be- klagten mit der„Reformkartonnage" nichts gewußt. Als der Bc- klagte bei Katz u. Co. in Arbeit trat, sei der Vertrag ans sein Ver- Imigeii und zii seiner Sicherung abgeschlossen worden. ' Tic Angelegenheit wurde durch einen Vergleich erledigt, wonach der Beklagte der Firma Katz u. Co. 50 M. in Monatsraten von 5 M. zahlt. Wie der Mitinhaber von Katz u. Co. versicherte, wird cr auch gegen die„Refarnikartonnage" eine Schadenersatzklage mit wesentlich höheren Ansprüchen einleiten.____ � Kerantivortlichcr Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für. de» Gerichtszeitung. Der Tauscndmarkschcin des Armcclieferantcn. Eine recht eigenartige Bcsrcchungssachc kam gestern vor dem Reichsgericht zur"Verhandlung. Auf Grund des§ 333 St.G.B. ist vom Landgericht l in Berlin am 3. März der Fabrikant Theodor W a g l e r zu einer Geldstrafe von 1500 M. verurteilt worden; außerdem ist der in Frage kommende Tausendmarkschein für eingezogen erklärt worden. Nach dem erwähnten Paragraphen wird bestraft, wer einem Beamten oder einem Mitglied? der pe- waffiwten Macht Geschenke oder andere Vorteile anbietet, verspricht oder gewährt, um ihn zu einer Handlung, die eine Verletzung seiner Amts- oder Dienstpflichten enthält, zu bestimmen. Der Angeklagte hatte umfangreiche Lieferungsausträge von der Heeres- Verwaltung erhalten, konnte aber wegen Mangels an Rohstoffen nicht die vorgeschriebenen Mengen liefern und schrieb an den Major K. in Spandau einen Brief, in welchem er mit Rücksicht auf diese Umstände um Nachsicht bat. Diesem Briefe fügte er ohne ein Wort der Erklärung einen Tausendmarkschein bei. Darin ist der strafbare Tatbestand erblickt worden. Der Angeklagte hatte eingewendet er habe vorher mit seiner Frau verabredet gehabt, dem Atajor zu ivohltätigcn Zwecken einen solchen Betrag zu ent- senden. und seine Frau habe auch bereits ein entsprechendes Schreiben für ihn abgefaßt gehabt, es sei aber nur aus Versehen unterblieben, dieses Schreiben jenem Briefe beizulegen. Tatsächlich ist auch der Angeklagte, weil seine Frau von diesem Versehen erfuhr, mit ihr sofort nach Spandau gefahren, aber der Major habe es abgelehnt, beide zu empfangen. Die Frau habe ihm dann brieflich den Sachverhalt mitgeteilt und um Entschuldigung gebeten. Der Angeklagte hatte diesen Brief und andere Zeugen zum Beweise der Tatsache vorgeschlagen, daß er mehrfach davon gesprochen habe, für wohltätige Zwecke der Militärverwaltung einen Betrag zu über- senden und daß jener erklärende Brief nur aus Versehen nicht mit abgesandt worden sei. Das Gericht habe jedoch diesen Beweisantmg abgelehnt, indem es die zu beweisenden Tatsachen als wahr unter- stellte. Es habe dann aber im Urteil aus diesen Tatsachen die Folgerung gezogen, daß der Angeklagte den von seiner Frau gc- schricvencn und bei der Absenkung des anderen Briefes mit dem Geldscheine nur zur Bemäntelung seiner Bestechungsabsicht ab- sende und sich vor einer Strafverfolgung schützen wollte. Auf die Revision des Angeklagten, welche van Dr. Alsberg vertreten wurde, hob das Reichsgericht das llrteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Mit dem Verteidiger nahm das Reichsgericht an, daß das Landgericht dem Angeklagten in der Verhandlung hätte mitteilen müssen, daß es aus den als wahr unterstellten Tatsachen eine andere»Folgerung ziehen würde, als er selbst, und zwar eine ihm nachteilige. Der Angeklagte sei da- durch in seiner Verteidigung wesentlich beschränkt worden. Mus aller Welt. Schnelle Sühne einer Mordtat. Der Schmied Karl Rci».. der am Tage seiner Entlassung aus dem Zuchthausc in Magdeburg die 72 Jahre alte Frau Ulrich durch ciuen Dolchstich ins Herz tötete und deren Wohnung beraubte und in Köln am 28. Mai den städtischen Architekten Peter Butz und dessen Dienstmädchen in der Villa des Butz ermordete, stand am Dienstag wegen des letzteren Verbrechens vor dem außerordentlichen Kriegsgericht. Ter Mörder war geständig. Er wurde zweimal zum Tode verurteilt. Tie Magdeburger Tat wird später an Ort und Stelle abgeurteilt werden. Ein verbotenes Entlausungsmittel. Das stellvertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armeekorps hat den Vertrieb des von der chemischen Fabrik„La- bor" in Posen hergestellten Geheimmittels„Plag in", das den im Felde stehenden Mannschaften usw. mehrfach von Angehörigen aus der Heimat zur Bekämpfung der Kleiderläuse und des Un- geziefcrs zugeschickt wurde und in vielen Fällen infolge Aetz- Wirkung schwere Hauterkrankungcn skraterförmigc Ge- schwüre) hervorgerufen hat, auf Grund des Kriegszustandgesetzcs verboten._ Ein schweres Unglück hat sich in Darmstadt zugetragen. Eine Kommission der Stadtverordneten sollte die in einem Kühlraum des Schlachthauses untergebrachte» Dauerwaren einer Besichtigung unterziehen. Dabei stürzte ein Gerüst zusammen und begrub mehrere Kommissionsmitglieder unter den Trümmern. Sckilachthofanfseher Krell er erlitt einen qualvollen Tod. während Direktor Dr. G a r t H sowie die Stadtverordneten S t e m m l e r und A ß m n t h und Schlachthosvcrwaltcr S a m m t- leben schwer verletzt wurden. Weil sie ihm nicht zum Geburtstag gratulierte, hat in der Vorstadt Löbtau bei Dresden der Maurer Schär seine dreißig Jahre alte Tochter mit einem Hammer so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der Täter war entflohen, konnte aber bereits ergriffen werden. Er durchschnitt sich die Kehle und die Pulsadern, wurde aber noch lebend ins Kran.ken- haus gebracht.- Der Doppclmördcr Mathias Straeten, der in Forst die Haus- besitzerin Frau Anna Philipp und deren Tochter Frida er- mordete, ist im Krankenhause seinen Wunden erlegen. Außer zwei Schußwunden, die ihm der eine Polizeibeamte in der Notwehr beibrachte, wurden bei Straeten noch zioöls Stichwunden denen leine Slbonnementsnnitlnng Eilige Fragen trage man üt der festgestellt, die cr sich selbst mit Messern und Gabeln beigebracht hatte. Ein Eisenbahnunglück crcignctc sich auf der Strecke Viclsalnr — lllflingen in Luxemburg. Zwei Maschinen zöge stießen aufeinander, die durch die Wucht des Zu- saniiuenstoßes zertrümmert wurde». Zwei Mann wurden g c t ö t c t/ elf vcrlvundct. Die Weltausstellung in San Franziska ist unter großen Frier lichkeiten und Teilnahme von vielen Tausenden von Besuchern eröffnet worden. Ans allen Teilen der Bereinigten Staaten sowie aus Süd- lind Mittclamerika waren die Teilnehmer hcrbct- geeilt. Parteiveranstaltungen. Eftarlottenburg. Die I u g e n d s e k t i o n trifft sich Tonnerstag, abends 3lß Uhr, Luisenplatz, an der Eiche, zu einem Spaziergang. Schönow,«onnabcnd, den 12. Juni, abends L'/z Uhr, findet bei Damrow der Zahlabcnd stall. Briefkasten üer Redaktion. Tie luriftifche Sprechstunde findet für Abonnenten Lindeiiftr. 3, IV, Hop rechts, parterre, ain Montag bis Freilag von 4 bis 7 U>>r, am Sonnabend von 5 bis C mir statt. Jeder für den Briefkasten befllmMt.en Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügeil. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Lcrirägc, Schriftstücke»»d aerglcichcii bringe mar Ick die Sprechstunde mit. K. 100. Dagegen ist nichts zu machen, Sie hätten die Frist nicht ver-- säumen dürfen.— C. D. 100. Antwort aus die Reklamation wird der Ches schon noch erhalten. Ein ärztliches Attest Ivird Jbnen in dem Falle wenig nützen.—(£. S. 72. Ja.— M. I. 33. Sie müssen das Gewerbe anmelden und bedürfen der polizeilichen Erlaubnis zur Anbringung des Schaukastens.— E H. 21. Ter übliche Satz für Entbindungen ist 10 M. und für jeden Besuch der Hebamme I M. Sic haben leincrici Anspruch aus Entbindungstosten. Preisermäßigung für Entbindungen re- währt der Verein Berliner Hebammen, Geschäftsstelle Bergmannstr. 6�. Wenden Sic sich sofort dorthin.—<9.<9. 25. Wesentliche S.o» rung des Kauens, durch Mangel oder �Fehler der Kauwerkzeuge-. bedingt: dienstuntauglich.— P. B. 25. stellen Sie dem Schneiden eine aiigcmcffcnc Frist zur Liescrung des Anzuges. Wenn er Ihnen dann bis zum angegebenen Zeitpunkt den Anzug nicht licscrl, müßten Sc gegen ihn klagbar werden.— 2S S. 88� 1. und 2. Nein. — I. H. 1. Zeugen sind nicht nötig. Beträgt die Schuldsumme über 150 M.. so ist Stempel erforderlich. 2. Ja.— C. H. 1000. Lungen- und berzleidend, zurückgestellt.—(9. W. 14. Dieser Brief lann nicht als Testament gellen, die Braut tritt daher nicht als Erbe ein. sondern die. Eltern und die Geschwister.— C. St. 4. Sandsturm ohne Waffe. Arbeits soldat.— 31. 2t. 58. Kriegs verwendungsfähig.— F. M. 59. Wcmr dem Ehemann die Kündigung im Felde schon zugestellt ist. so müssen Sic die Wohnung nach abgeiausencm Vertrag räumen.- M. 3. 100. Stellen Sic doch Antrag aus Kricgsunterstützung sür das Kind. M. Sch. Kope» Hagener Str. 15. Das richtet sich nach den statniarischeir Bestimmungen der Krankenkasse. Sehen Sic diese ein.— 31. III. Das Schulgeld wird Ihnen sicher auch für das nächste Quartal erlassen werden. Worten Sic den Bescheid ab.— 25. F. 34. Versuchen Sie es mit rincm Antrag aus Mieisbeihiise. Ein absolutes Recht auf Mietsilnterftützung haben Sic nicht.— I. F. 34. Die Zeichen kcinien wir nicht. Sie find wahr- scheinlich nicht richtig ivicdcrgcgcbcii.— 2S. 2S. 43. Herzkrank, dienstuntauglich. — P. I. 15. i. Sic brauchen sich nicht zur Kontrolle zu meiten. 2. Wir würden Ihnen raten, die außerordentlich hohen Zinsen nicht z:t zahlen und es eventuell aus eine Klage ankommen zn lassen.—(9. 1886. Sie lönncn noch nachgemustert werden.—<5. 8. 1. Es würde sich empfehlen, ein ärztliches Attest darüber beizubringen. 2. Wann Sic eingezogen werden, wissen wir nicht.. 3. n. 4. Ja.— F. 25. 6064. Ein Sl tieft könne» Sie jetzt noch nnchträglich einreichen und Antrag beim Bczirkslommnndo aus Befreiung von der Militärpsticht stellen.— 49. 25. 191. Sic sind nicht mcldcpflichtig.— St.-3t. 26. Mifjbildung des Brustkastens und nerven leidend; zurückgestellt.— W. 100. Wenn die Firma den NnchiveiS bringen lann, daß Sic Ihre Jnvalidenkarte rechtzeitig abgcschicki hat und daß die Karte auf der Post verloren gegangen ist, hastet die Firma nicht für den Ihnen erwachsenen Schaden. Da Sic nach eingetretener Erwerbs- sähigkeit sich zur Arbeit gestellt haben, halten Sie überhaupt Anspruch auf Kündigung, ioenil nicht durch Vertrag die KundigilNgS'rijt ansgeichioffen ist. Nur während der Krankheit komiien Sie ohne Kündigung cilttassc» werden. DU Todes- Anzeigen Deulsclier Holzarbeiterverliaiii Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richl, daß unser Kollege, dcr Bodcnlcger �iidoik Geilsdorf (Wcißcnjce, Metzstr. 11) im Alter von 02 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Frellag, den 11. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhosesin Weißen- sie, Rölckestraße, aus statt. 84/4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verlianil. Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Möbcl-Transportar bester Germaiin Schuder am 7. Juni im Alter von 38 Jähren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 11. Juni, nach- mittags 3 llhr, von der Halle des Städtischen ZcntralsricdhoscS in Friedrichsfcldc aus statt. 04/lö Die Bezirksverwaltung. Zentral-Kranken-, u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. !(25.(i. 19.) Berlin. Bezirk 10. Am 7. Juni verstarb plötzlich unser langjähriges Mitglied Gustsv Mitsck. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung sindet morgen Freitag, den Ü. Juni, nachmittags 4 Uhr, auf dem Friedhof der Fricdensgemcindc(Nordcndf statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/10 Die(Msverwaitung. Fern von seinen Lieben und als Opfer deS Weltkrieges, fiel am 21. Mai mein heißgeliebter Gatte, Vater. Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Füsiiicr Bernhard Melow (Füsilier-Regt. Nr. 35) im blühenden Alter von 24Jahren. Dies zeigen ticsbctrübt und schmerzerfüllt an FrauÄliariha Vlclow und Sohn Heinz. 2>. Melow nebst Frau als Eltern und Verwandten. Und lvenn uns auch bricht das blutende Herz, Wir niüsscn erwäge» den furcht- baren Schmerz. Und schiveist zu Dir auch tränen- umflort unser Blick, Du kehrest zu uns doch nimmer zurück. Du warst so gut und starbst so früh: Wer Dich zetännt. vergißt Dich uic. Ruhe sanft! 18606 Kranken- und Begräbniskasse der Seiiensieder und Beruls- genossen. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß am 2g. Mai unser Mitglied kriednck Heimann nach kurzem, aber schwerem Lei- den verstorben ikt. 282/8 Den Tod sür das Vaterland starb unser Mitglied Gtto Teßmer. Ehre ihrem Andenken l Der Borsiand. Am 26. Mai siel auf dem Schlachtsilde unser lieber Kollege, der Mcchanikcr Alfred Rau im 23. Lebensjahre. Wir verlieren einen pslicht- treuen, eifrigen Kollegen, dem wir jederzeit ein dauerndes An- denken beivahrcii werden. Tie Stollegen der Firma E. Lorenz 3l.(9.. Abt. Neuis. Bei meiner Abreise sage ich allen, die meinem lieben Bruder 44111,. Kühne die letzte Ehre erwiesen, meinell aus- richtigsten Dank. Besonders danke ich den Kollegen der Firma Wunderlich, Blankenburg, dem Oicnossen Wicloch, den Genossen des 348. Bezirks, so- ivic dem Zenlraiverband der Leder- arbeiter Berlin 1l. 18596 Minna Görmann geb. K ü hne. Lnleratenieit verantlv.: Th. Glocke. Berlin, Druck n. Verlag.-Vorwärtl Buchdruckcrci u, Vcrlagsanjtalt Paul Singer Si Co., Berlin SW,