Ar. 164. BbonnementS'Bjdlnsnng«!! SEsmtementS- Stets itänmecanbn kierteljährl. 830 M. tnonolL 140 Ml, wöchemlich 25 Sfg. frei inS Haut, Einzelne Nummer 5 ZZfg. SonMagt- nmmner mit illustriert er Sonntaat- Beilage»Die Neue Welt' 10 Nz. Poft» klbonnement: 1,10 Mar!»ro Monat, Eingetragen In die Post-Zeitung«- VretSlifte. Unter Kreuzband lür Deutsidland und Oesterreich. Ungarn 230 Marl, für das übrige tluÄanl» « Marl pro Monat. Postabonnement« nehmen an: Selgien, Dänemark. Holland. Italien. Luxembura. Pormgal, Rumänien, Schweden und die Schweis 3Ä. Jahrgaug. Me Tnrerflen$'6(bflf)r Beträgt für die sechSgeshaltene Kolonel- gelle oder deren Raum(ß Pfg.. für politische und gewerlschastliche Vereins. und BersaminIungS- Anzeige, t M Pfg. »Kleine Ztnrelgen", das settgedrucktc Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen d-S erste Wort 10 Psg.. jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Cflidcint täglich, Verlinev Volksblnkk. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlande. Telegramm- Adresse: „SoÄiIiIemolii'lit llttii»", Neöaktion: EW. HS, Linöenstraße 3. Aernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 151 90—151 97. Mittwoch, den 16. Juni 1915. Expedition: EW. 6$, Andenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. HOge Kämpfe an der ganzen galizischen Front Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 15. Juni 1015.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen holten sich gestern eine neue Niederlage. Trotz der am 1». Juni erlittenen schweren Verluste setzten sie ihren Durchbruchsversudi auf der Front L i e v i n— Ar ras mit großer Zähigkeit fort. Die mit einem ungeheuren Munitionsaufwand vor- bereiteten und in dichten Wellen vorgetragenen französischen Angriffe brachen abermals in dem Feuer unserer braven Truppen unter den schwersten Verlusten für den Feind ans- nahmslos zusammen. Nordwestlich von Moni in sous Touvent(nordwestlich von Soissons) gelang es uns noch nicht, die am S. Jnni verlorenen Grabenstücke wiederzunehmcn. In der Champagne nördlick; von Perthes und von Le Mcsnil lebte der Kamps stellenweise wieder auf, ohne daß der Feind einen Vorteil zu erringen vermochte. Am Tonntag wurde die Kirche in Lesstnghe, südwestlich von Ost ende, während des bürgerlichen Gottesdienstes von feindlicher Artillerie beschossen. Mehrere belgische Zivilpersonen wurden verletzt. Gestern ist die offene Stadt Karlsruhe, die in keinerlei Beziehung zum Kriegs- schauplatz steht und nicht die geringste Befestigung answeist, von einem feindlichen Flugzeuggeschwader mit Bomben beworfen worden. Soweit bisher bekannt, fielen 11 tote und« verwundete Bürger dem Ncberfall zum Opfer; militärischer Sckiaden konnte natürlich nicht angerichtet werden. Von einem unserer Kampfflugzeuge wurde ein Flugzeug aus dem feindlichen Geschwader herausgeholt; die Insassen sind tot. Ein anderes feindliches Flugzeug wurde bei Schirmeck zum Landen gezwungen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Westlich Szawle stürmten deutsche Truppen das" Torf Dauksze und wiesen danach mehrere von zwei bis drei russischen Regimentern geführte Gegenangriffe ab. 4 Offiziere 1«60 Mann wurden gefangen genommen. Unsere neugewonnenen Stellungen südlich und östlich der Straße Mariampol— Kowno wurden gestern wiederholt von starken feindlichen Kräften vergeblich angegriffen. Wir stießen aus der Front Lipowo— Kalwarja vor, drangen in die russischen Linien ein und eroberten die vordersten Gräben. Auch am Orzye gelang es unseren an- greifenden Truppen, das Dorf Jednorozec(südöstlich von Chorzele), die Czerwona Gora und die Brücke östlich davon im Sturm zu nehmen; bisher an dieser Stelle 525 ge- fangene Ruffen. Feindliche Angriffe gegen unsere Einbruchsstellen nördlich von Bolimow scheiterten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Dem in der Schlacht am 15. und 14. Juni von der Armee des Generaloberst v. Mackensen geschlagenen Gegner ist es nicht gelungen, in seiner rückwärtigen, vor- bereiteten Stellung nordwestlich von Jaworow Fuß zu fassen. Der Feind wurde ge- warfen, wo er sich stellte. Die Beute mehrt sich. Durch die scharfe Verfolgung sind auch die russischen Truppen südlich der Bahn Przemysl— Lemberg zum Rückzug gezwungen. Truppen des Generals von der Marwitz nahmen gestern Moszisca. Der rechte Flügel der Armee des Generals v. Linsingen stürmte die Höhen westlich Jezupol; ihre Kavallerie erreichte die Gegend südlich von Mariampol. Ober st c Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wie», 15. Juni. lW. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart, 15. Juni 1S15 mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Durch den Angriff der verbündeten Armeen haben sich nahezu a„ der ganzen Front in Äalizien heftige Kämpfe entwickelt. Truppen der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand dringe» nach Besitznahme v o u« i c n i a w a am Ost- uscr des«an in nördlicher und nordöstlicher Richtung vor. Schloff und Weierhof Piskorowire wurden gestern erstürmt; zahlreiche Gefangene gemacht. Unter erbitterten Kämpfen dringt die Armee des Gcncraloberstcu v. Mackensen beiderseits KrakowieS und auf Olcsztzce vor. Anschlieffend greifen die Truppen des Generals Bochm-Ermvlli die Russen östlich und südöstlich Mosziska a», wo neue feindliche Stellungen die Richtung ans Grodek decken. Südlich des oberen Dnjcstr halten starke russische Kräfte die Brückenköpfe von Mikolajow, Ztz- daczow und Halicz gegen die vordringenden vcrbün- deten Truppen der Armee Li Usingen, während flust- abwärts die Truppen des Generals Pflanzcr-Baltin vor Rizniow und Ezernelica stehen und das eroberte Zaleszczyki gegen alle russischen Angriffe halten. Teile dieser Armee haben in B e s s a r a b i e u zwischen Tnjestr und Pruth die dort stehenden russischen Kräfte erneut zum Rückzug gezwungen und sie gegen Cholin und entlang des Pruth zurückgedrängt. Die Zahl der in den galizischen Kämpfen seit 12. Juni eingebrachten Gefangenen hat sich gestern wieder um einige Tausend erhöht. Italienischer Neuerliche Versuche der Kriegsschauplatz. Italiener, an unsere -tellungeu bei T o l m c i n und P l a v a heranzukommeu, blieben wieder ohne Erfolg. Gestern herrschte an einzelnen Abschnitten der I s o n z o f r o n t Ruhe. Tie durch einen italienischen Parka- mentär überbrachte Bitte, wegen Beerdigung der Toten das Feuer einzustellen, wurde a»S militärischen Gründen ab- gewiesen. Au der k ä r u t n c r i s ch c n Grenze erstürmte steirischer Landsturm den Pal östlich des Plockenpasies und wies drei Gegenangriffe des Feindes ans diesen Grcuzberg ab. Im Tiroler Grenzgebiet fühlte der Gegner gegen unsere Stellungen vor und unterhält wirkungsloses Artillerie- fcucr. An einem Grenzpunkt zwang ein Gcndarmericpostcn ohne eigene Verluste eine italienische Kompagnie zum Rückzüge und nahm 58 Italiener gefangen. Ter Stellvertreter des Ehefs des GeneralstabcS: von Hoeser, Feldmarschalleutnant. verstanöigung mit Englanü. Es ist bekanntlich der Presse verboten, über das Kriegs- ziel zu schreiben. Zwar haben der Reichskanzler im Reichs- tage für den aufmerksamen Zuhörer verständlich genug, der Herreuhauspräsidcut, die Abgeordneten v. Westarp und Schiffer und eine Reihe bürgerlicher, meist nationalliberalcr und konservativer Politiker für jeden mit nicht zu über- sehender Deutlichkeit sich � für bestimmte Kriegsziele ausge- sprochen; aber eine Erörterung dieser Fragen— mögen sie durch die Mitteilung der stenographischen Parlamentsberichtc noch, so' sehr zu-eingehender Diskussion und Beantwortung drängen— bleibt verboten. Da ist es nur zu natürlich, datz die öffentliche Meinung notgedrungen sich andere Wege zu bahnen sucht. Mehrere große Wirtschaftsverbände haben wiederholt in Denkschriften ihre überspannten Kriegsziel- wünsche zur Kenntnis der Regierung, der Parlamente und besonders interessierter politischer Kreise gebracht �und die Antwort darauf von ruhigerer einsichtsvollerer Seite kann nicht ausgeblieben sein. Wenigstens zeigt das ein heftiger Angriff von Dr. D o e r k e s- Boppard in der„National- Zeitung", wo gegen die„Maulwurfsarbeit eines kleinen Äonventikcls englandsreundlicher Pazifisten und international gesinnter Fanatiker" Front gemacht wird. Wir wollen nicht lange darüber rechten, daß die„National-Zeitung" nie irgend- ein tadelndes Wörtlein über die mit allen Mitteln arbeiten- den geheimen„Konvcntikcl" der Annexionsfreundc gesagt hat. Wir heben vielmehr nur den sachlichen Kern der Angriffe heraus, und da heißt es: „Klar und deutlich gesagt: es sind Bemühungen im Gange, .die. Bcrantwortlicheit Stellen. im Reiche und die politisch ein- flußreichen und mahgebeuden Schichten im Volke, von der an- geblichen A o t w e'n d i g k e i i und N ii h l i ch k e i t c i n es b ist'- ligen' Friedens mit' England zu''überzeugen;- eines Friedens,, der natürlich' nur durch das E n t g e g sn k.o m pi e Deutschlands in einer ganz bestimmten Frage zu er- langen ist."..> Die„National-Zeitung" wird sich erinnern, daß nieder rechtsstehenden Presse und der in diesen Fragen stets init- laufenden„Vossischen Zeitung" fortgesetzt Wochen hindurch ganz offen einer Verständigung mit Rußland das Wort ge- redet worden ist. Wir können uns nicht denken, daß nun die Empfehlung einer Verständigung mit den Westmächten, speziell mit England, die Bedeutung haben soll,„den Boden zu unterwühlen, aus dem nach dem Kriege die Befestigung und Sicherung Teutschlands errichtet werden sollen"— wie die„National-Zeitung" so schön entrüstet schreibt. Vielmehr haben alle Kreise die Absicht, int Interesse Deutschlands zu wirken, und der Vorwurf weniger„vaterländischer" Ge- sinnung sollte in dieser Zeit wirklich völlig zum Verstummen gebracht sein. Die Diskussion über eine Verständigung mit England hat besonders dadurch an Boden gewonnen, daß Gerüchte umliefen, England sei im Frühjahr zu einem Frieden mit Deutschland bereit gewesen. Tie offiziöse„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" hat diese Gerüchte widerlegt, aber nach Mitteilung der„National-Zeitung" wird dieser Berichtigung in bestimmten Kreisen kein Glanben geschenkt. „Die Reichsregierung hat in der„Nordd. Mg. Ztg." am S. Juni erklären lassen,„daß keinerlei Friedcnsanrcgungen der englischen Regierung hierher gelangt sind." Wenn nun von bestimmter Seite, die der Regierung ja nicht unbekannt ist, jetzt der Versuch gemacht worden ist, dies durch gegenteilige An- gaben zu bestreiten, so ist es Sache der zuständigen Stellen, ob sie sich ins Unrecht setzen lassen wollen oder nicht." Ja, die„National-Zeitung" scheint selbst der„Norddent- scheu" nicht ganz zu glauben;"denn sie weiß allerlei über Ver- Handlungen„englischer Mittelspersonen" zu berichten. Sie schreibt: „Man muß doch heute schon Verwahrung dagegen einlegen, daß von einem kleinen Konventikel englandfreundlicher Pazifisten und international gesinnter Fanatiker über den Kopf aller ver- antwortlichen Stellen hinweg Verhandlungen und Beratungen gepflogen werden, die auf nichts mehr und nichts weniger als auf eine Preisgabe der deutschen Interessen gegen„weitgehende Kompensationen" Englands abzielen. Diese Preisgabe soll eben darin bestehen, daß Deutschland vorbehaltlos sich auf der „prinzipiellen Wnmdlage" einigt, die van englischen Mittels- Personen vorgeschlagen worden ist. Was damit einzig und allein gemeint ist, liegt so klar auf der Hand, daß es der wörtlichen Wiedergabe der Vorschläge nicht bedarf. Nach unserer Kenntnis der Dinge hat die Reichsregicrung, odwobl namhafte Diplomaten(allerdings außer Diensten) diesen „Verständigungsabsichten" sympathisch gegenüberstchen und sich um ihre Weitergabe bemühten, es abgelehnt, sich weiter mit der Angelegenheit zu befassen." Daß die englische Regierung nicht selbst offiziell Friedens- angebote an Deutschland übermittelte, ist selbstperständlich. Der Weg, von dem die„Nationalzeitung" berichtet, ist der in Knkgszeitcn übridfip, und in eingeweihten Kreisen werden nuch ganz b e st i m in t e Name n von Personen genannt, die an dieser„Verständigungsaktion" beteiligt waren. Ter „Nationalzeitung" sind die Einzelheiten ebenfalls bekannt, denn sie schreibt: »Es ist hcuie noch nicht der Augenblick, die Persönlich- leiten und die Verhandlungen näher zu kenn- zeichnen, durck die der Versuch gemacht worden ist, mit Hilfe neutraler Mittelsmänner eine Verbindung zwischen Berlin»nd London zu schaffen, die zu dem von einem gewissen kleinen Kreise gewünschten VermittlungsergebniZ führen sollte." Die„Nationalzeitung" hat der breiten Oeffentlichkeit mit ihren Darlegungen einen Dienst politischer Artklärnngsarbeit erwiesen. Tie„Nationalzeitung" kniipst an ihren Artikel über die ..Maiilwnrfsarbeit" in Deutschland eine höchst interessante Notiz/ die das„Echo de Paris"(nach einer Meldung aus Zürich vom 14. Juni) ans der ersten Seite seiner Sonntags- ausgäbe unter dem Titel„Ein unwürdiges Treiben" ver- öffentlicht. Tie Meldung lautet: „Wir erfahren, daß gewisse politische Gruppen im Dunkel ibrer Provinzverbände angeblich Petitionen filr den Frieden vor- bereiten. Wir wollen glauben, dag dies nicht zutrifft. Sollte es doch wahr sein, so wird es sicher genügen, dies unwürdige Treiben der öffentlichen Verachtung preiszugeben." Die„Nationalzeitung" scheint gar nicht die Kritik ihrer eigenen Stellung zu benierken, wenn sie die Sätze des fran- zösischcn Hetzblattes zustimmend abdruckt. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 14. Juni.(W. T. SB.) Heute nachmittag wurde amtlich bekanntgegeben: Dem gestrigen Abendbcricht ist nichts Wesentliches hinzuzufügen. Die Belgier trieben ein Bataillon auf dem Ostufcr der I s e r südlich der Eisenbahnbrücke bet Dixmuidcn vor und richteten sich auf dem gewonnenen Gelände ein. Sie zerstörten ein Sglockhaus in der Nähe deS Schlosses von Dixmuideu. In dem Abschnitt nördlich von A r r a s wurden gegen Abend verschiedene In- fanteriegefcchte eingeleitet. Eines setzte uns in den Besitz einer deutschen Schanze östlich von der Lorettohöhe. Bei dem anderen verloren wir unter heftigem Geschützfeuer einen Teil der am Nachmittag eroberten Schützengräben nördlich von der Zuckerfabrik So uch e z. Bon der übrigen Front nichts Neues. Paris, 15. Juni. iW. T. B.) Amtlicher Bericht v o n M o n t a g a b e n d. In den Abschnitten nördlich A r r a s warfen wir in der Nacht vom Sonntag zum Montag niehrere Angriffe gegen unsere Schützengräben an der Straße A i x n o u l e t t e— S o u ch e z zurück und festigten die von uns eroberten Stellungen östlich der Lorettohöhe. Wir ge- wannen rechts dieser Stellungen etwa 150 Meter und rückten im Südostteil des Labyrinthes vor. Der Artilleriekampf war in diescni Abschnitt fast ununterbrochen. Südöstlich Hebuterne hielten wir durch Kreuzfeuer einen Angriff gegen unsere Schiitzengräben an der Straße von Serre nach Mailly— Maillet an. Den feindlichen Mißerfolgen folgte ein heftiges Bombardement. Im Gebiete der Ouennevieresfarni rückten wir ein wenig in Verbindungsgräben und Sappen vor. Wir brachten dem Feinde ernste Verluste bei. Der Artilleriekampf war den ganzen Tag über ziemlich lebhaft. In Lothringen trugen wir unsere Linien im Gebiete von Abermenil und im Parrohwald vor. Unser Fortschritt in diesem Abschnitt dauert ohne Unterbrechung fort. Die belgische Meldung. Le Havre, 15. Juni.(W. T.«.) Der belgische Bericht vom 13. Juni lautet: In der Nacht vom 12. zum 13. unternahmen wir Offensivoperationen auf der ganzen Front. Wir unterhielten ein wirksames Artilleriefeucr und ließen andererseits Abteilungen auf daS rechte Ds erufer bei Dixnruiden vorstoße». Eine unsere Abteilungen besetzte und zerstörte ein deutsches Blockhaus Heule versuchte der Feind den verlorenen Posten wieder zu besetzen; er wurde durch daS Feuer unserer Maschinengewehre zerstreut. Die deutsche Artillerie zeigte sich heute wenig tälig, sie beschoß mit gc- ringer Intensität verschiedene Frontstellen bei Ramscapelle, Pervpse, Vostkcrke und Noordschote. llnsere Artillerie antwortete energisch der feindlichen Artillerie. die neueste englische Verlustliste. London, 15. Juni.(W. T. B.) Die letzte Verlustliste enthält die Namen von 171 Offizieren und 3037 Mann. die Munitionsschwierigkeiten üer ver- bünüeten. London, 15. Juni.(T. U.) ES bestätigt sich, daß Kanada von nun ab in ganz besonderem Maße herangezogen wird, um den großen Munitionsschwicriglcitcn der Verbündeten zu steuern. Nach einer Rcutermeldung aus Ottawa teilte der Vorsitzende der Kana- dischcn Munitionskonrmission, General Bertram, mit, daß äugen- blicklich in 78 Städten Kanadas an der Anfertigung von Artillerie- und Gewehrnruiiition gearbeitet wird. Es sind nicht weniger als 217 Fabriken eingerichtet worden, in denen im ganzen 30 bis 70 000 Arbeiter beschäftigt werden. General Bertram gab der Hoffnung Ausdruck, daß binnen kurzem die Ziffer der täglich angefertigten Gnuiaten auf 50 000 Stück gebracht werden könne. Die Granaten und Schrapnells werden in Zukunft völlig gebrauchsfertig nach dem Kontinent ge- 'chickt werden können, da jetzt auch große Laboratorien zur An- fertigung der zur Füllung nötigen Sprengmittel in Kanada selbst errichtet worden sind. Nach einer Meldung der.Times" wird voraussichtlich der Direktor der Grubenminen des Tambrian-KohlentrusteS zum Leiter deS neueingerichteten Munitionsamtes ernannt werden. Mangel an Munitionsarbeitern. London, 15. Juni.(W. T. B.) Lloyd George hielt am Sonn- abend eine Rede in Bristol, in der er sagte, die Regierung habe ein Rundschreiben an Ingenieurfirmen gerichtet, sie sollten die Namen der rekrutierten Arbeiter angeben. Ritchener habe Befehl erteilt, daß diese Leute heimgeschickt würden, um bei der Herstellung von Munition zu helfen. Ter Arbeitermangel könne nur beseitigt werden, wenn für die Dauer des Krieges der Grundsatz aufgehoben werde, daß Frauen und ungelernte Arbeiter nicht mit gelernten Arbeitern zusammen arbeiten sollen. Lloyd George betonte, daß England mehr Flugzeuge brauche. Gestlicher Kriegsschauplatz. der dericht öer russischen Heeresleitung. Petersburg, 16. Juni.(W. T. B.) Der Große General- st a b teilt mit: An der Windau warfen wir am 13. Juni wieder- holte Versuche deS Feindes, den Fluß in der Gegend von Ljazkow mit starken Kräften zu überschreiten, unter großen Verlusten für den Gegner zurück. Gleichfalls hielten wir die Offensive feindlicher Kräfte, die die Windau stromabwärts von dem erwähnten Orte überschritten hatten, auf. Der Kampf um den Besitz der Stellung bei S z a w l e dauert mit wechselndem Erfolge fort. Die Stadt Szawle wird mit schwerer Artillerie beschossen. An der Njemen- und N a r e w f r o n t sowie auf dem linken Weichselufer hat der Feind seine begonnenen Angriffe nicht weiter entwickelt. In einem energischen Gegenangriffe bemächtigte sich unsere Infanterie im Norden von P r a s z n y s z am 13. Juni fast aller vorgeschobenen Schützen- graben, die der Feind uns am Tage vorher entrissen hatte. In G a I i z i e n hat sich ein erbitterter Kampf im Laufe des 12. und 13. Juni auf der ganzen Front von Piskorowice am San bis Mosziszka entwickelt. Der Feind machte auf die Front an der Lubaczowka, die er in dem llnterlauf zu überschreiten vermochte, sowie zwischen Lubaczowka und WiSzina. wo er daS Dorf Tuchla wegnahm, mit dichten Kolonnen einen Angriff. Am D n j e st r griff der Feind hartnäckig, aber ohne Ergebnis in der Nacht zum 13. und am folgenden Tage unseren Brückenkopf auf dem linken Ufer des Dnjestr beim Dorfe Nizmiow(Wizniow?) an. Auf der Front Zezawa— Zaleszczhcki machten wir am 12. einen ungewöhnlich kühnen Gegenangriff, in dessen Verlauf mehrere Kompagnien Tiroler Landesschützen und daS 20. Jägerbataillon fast vollständig niedergehauen und zersprengt wurden. Am nächsten Tage machte in derselben Gegend eine Abteilung unserer Reichswehr bei einem von anderen Truppen unterstützten Angriff vierhundert Mann und acht Offiziere zu Gefangenen. Rusilsthe Seschwerüe über mangelnüe Offensive öer verbündeten. Petersburg, 14. Juni.(W.T.B.)„Rußkoje Slowo" beschwert sich über die geringe Tätigkeit verwest- lichen Verbündeten und erklärt, die russischen Truppen hätten seinerzeit Paris durch ihren Einfall in Ostpreußen vor dem Schicksal Antwerpens gerettet. Trotzdem sei damals von französischer Seite der Vorwurf erhoben worden, daß die Offensive der noch nicht völlig mobil gemachten russischen Truppen nicht genügt habe: jetzt aber hätten die Alliierten nichts dagegen getan, daß Deutsch- land eine große Armee in Galizien zusammengezogen hätte. Die Erfolge der Alliierten an der Westfront seien ganz geringfügig; auch die I t a l i e n e r seien über Vorposten« gefechte nicht hinausgekommen. Hindenburg ver- folge jetzt hartnäckig die Wiedereroberung Galiziens und sehe alles.andere als nebensächlich an. Wenn der„Rußki Invalid" Galizien als Nebenkriegsschauplatz bezeichne, so seien diese Ausführungen nicht ganz verständlich und widersprächen seinen früheren Erklärungen. die Militärattachös öer Neutralen an öer öeutfchen ßront in Galizien. Berlin, 14. Juni.(W. T. B.) Die beini deutschen Feldheere zugelassenen Militärattaches der neu- tralen Staate u begaben sich heute abend auf den süd- östlichen Kriegsschauplatz zu den in Galizien kämpfenden deutschen Truppen. Ob die russische Heeresleitung in gleicher Weise den militärischen Vertretern der neutralen Staaten Einblick in die Verhältnisse ihres galizischen Kriegsschauplatzes gestattet? ver italienische Krieg. der italienische Gericht. Rom, 15. Juni.)W. T. B.) Bericht der Obersten Heeres- leitung. Längs der Grenze Tirols und des T r e n t i n o ist nichts Bemerkenswertes zu melden. Im Bezirk C a d o r e beharrte der Feind bei seineu Nachtangriffen gegen den Monte Piano, welche er den ganzen Tag durch das Ar- tilleriefcuer der Forts platzweisc vorbereitete. Die Angriffe wurden zurückgeworfen. Unsere Artillerie führte im Hochtale Eordevole eine Explosion eines Munitionsdepots bei Corte herbei und beschädigte die sehr stark ausgebauten feind- lichen Schanzwerke. In Kärnten setzten wir erfolgreich das Bombardement von Malborghetto fort, wo wir eine Explosion im unteren Teile des Forts Hensel hervor- riefen. Ueber die kühnen, von Alpini in der Nacht vom 11. zum 12. Juni in der schwierigen Zone der V o l a j a- Al p e ausgeführten Operationen werden folgende Einzelheiten bekannt: Trotz erbitterten Widerstandes wurde der Feind, der sich in den Felsen eingerichtet hatte, vertrieben; er ließ Waffen, Munition und Boniben in unseren Händen. Viele ergaben sich, da sie nicht fliehen konnten. Sie waren von dem Schwünge unserer Truppen entsetzt. In der Zone des Montenera-Nero bestrich unsere Artillerie ein feind- liches Loger und brachte die Truppen zur Flucht gegen Plczzo. Uebereinstimmende Erklärungen von Gefangenen, die bei Plava gemacht wurden, zeigen, daß die Verluste des Feindes bis jetzt sehr ernst waren. Ein Verhör der Gefangenen ergab, daß die Mehrzahl von ihnen aus Truppen stamnien, die bis- her gegen die Serben operiert hatten. In M o n f a l c o n e versuchte der Feind einen Wald einzuäschern, wurde aber durch unser Gewehrfeuer zurückgeworfen, die Flammen wur- den gelöscht. Dje ungewöhnliche Hitze dieser letzten Tage er- höht beträchtlich die unvermeidlichen Unbequemlichkeiten des Lebens im Felde, aber unsere unermüdlichen Truppen er- tragen ihre Wirkung mit Geduld und unerschütterlicher Heiterkeit. gez. Cadorna. Keine österreichischen Schiffsverluste. Wien, 15. Juni.(W. T. B.) Meldung des Wiener k. k. Corr.- Bureaus: Meldungen von feindlicher Seite, wonach bald das öfter- reichisch-ungarische Kriegsschiff„T c g e t t h o f f", bald das Kriegs- schiff„Viribus II n i t i S" und bald wenigstens ein Torpedoboot in der Adria torpediert worden wären, sind gänzlich ans der Luft gegriffen. Der türkische Krieg. Nelöung ües türkischen Hauptquartiers. Konftantinopcl, 13. Juni.(W. T. B.) Das Haupt- .quartier teilt mit: An der D a rd an eil e n f r o n t hat ' am Morgen des 13. Juni unsere gegenüber von ArkBurnu aufgestellte Artillerie die Stellung zerstört, die der Feind jüngst für seine Bombenwerfer errichtet hatte, sowie seine Stellungen für Maschinengewehre. Durch dieses wirksame Feuer unserer Artillerie brach hinter den feindlichen Schützen- graben ein Brand aus, der eine halbe Stunde dauerte. In der Nacht vom 13. zum 14. Juni drang eine unserer kleinen Erknndungspatrouillen in die feindlichen Schützengräben vor SeddulBahr ein und erbeutete ein Maschinengewehr mit allem Zubehör, 15 Gewehre mit Bajonetten und eine Menge Patronen. Gestern überflog einer unserer Flieger mit Erfolg die Inseln Jmbros und Leninos und warf Bomben ans ein feindliches Lager ans der Insel Lemnos. Unsere Küsten- batterien beschossen gestern die feindlichen Artilleriestellungen bei S e d d u l B a b r sowie die Lager und die Transport- schiffe des Feindes. Der Feind, der fast täglich dein wirksamen Feuer dieser Batterien ausgesetzt ist, ließ gestern einen Flieger über sie aufsteigen, der sieben Bomben abwarf, ohne irgend- einen Erfolg zu erzielen. Von den anderen Schauplätzen liegen keine neuen Nachrichten vor. Der Seekrieg. „U 14" versenkt. Berlin, 15. Juni.(W. T. B.) Nach einer Mitteilung des Ersten Lords der Admiralität im Unterhause vom 9. Juni ist Anfang Juni ein deutsches Unterseeboot von den Engländern zum Sinken gebracht und die gesamte Besatzung gefangen genommen worden. Ans einer jetzt veröffentlichten Note der britischen Regierung über die Behandlung der kriegsgefiingencn Unterseebootsbesatzungen geht hervor, daß es sich um das deutsche Unterseeboot„II 14" handelt. Da dieses Boot von seiner letzten Unternehmung bisher nicht zurückgekehrt ist, muß es als verloren betrachtet werden. Ter Stellvertretende Chef des AdmiralstabS:(gez.) Be.hnkc. Zur Gehanölung öer gefangenen U-Goot- Mannschaften. Berlin, 15. Juni.(23. T. B.) Nach einer Mitteilung des hiesigen amerikanischen Botschafters hat die großbritannische Regierung dem amerikanischen Botschafter in London erklärt, daß die geretteten Besatzungen der deutschen Unterseeboote 8. 12 und 14 in die allgemeinen Kriegsgefangenenlager über- geführt werden und dort genau die gleiche Behandlung wie andere Kriegsgefangene erfahren sollen. Hierauf hat die deutsche Regierung unverzüglich angeordnet, daß diejenigen britischen Offiziere, die zur Vergeltung für die bisherige Be- Handlung der deutschen Unterseebootsdesatzungen in Offiziers- gefangenenanstalten verbracht worden waren, alsbald in die Kriegsgefangenenlager zurückgeführt und daselbst wieder in gleicher Weise wie die übrigen kriegsgefangenen Offiziere bc- handelt werden. Der hiesige amerikanische Botschafter ist hiervon mit den: Ausdruck des Dankes für seine erfolgreichen Bemühungen in Kenntnis gesetzt worden. der U-Sovts-Krieg. London, 15. Juni.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet: Bei der Versenkung des„H o p e m o u n t" schoß das Unterseeboot dreimal auf die Kommandobrücke, wobei der Kapitän und vier Mann verwundet wurden. Drei von ihnen wurden so schwer verletzt, daß sie gleich nach ihrer Landung ins Spital verbracht werden mußten. Darauf wurde gestattet, die Boote herabzulassen. Dasselbe Unterseeboot näherte sich einem Schiffe ohne Flagge, dem französischen Schoner„Diamant", von hinten, ließ der Bemannung zwei Minuten Zeit und schoß hierauf vier Granaten auf das Schiff ab, die es zum Sinken brckchten. Der Krieg und öie Kolonien. der Krieg in deutsch-Ostafrtka. Berlin, 15. Juni.(W. T. B.) Aus D e u t s ch- O st« a f r i k a wird amtlich gemeldet: Am 2. März wurden in einem Gefecht am Berge. E r o k (nordwestlich des Kilimandjaro) den Engländern 57 Reittiere abgenommen, ein Engländer wurde gefangen. Bei Unter- nehmungen auf dem Tanganjikasee gerieten ein engli- scher und ein belgischer Offizier in Gefangenschaft. Ein Maschinengewehr und anderes Material wurden erbeutet.— Am 9. März hatte östlich Sch i r a t i am Viktoriasec eine Ab- teilung der Schutztruppe unter Führung des Hauptmanns von Haxthausen einen Zusammenstoß mit englischen Streit- kräften, darunter einer Europäerkompagnie mit Maschinen gewehren und Geschützen. Der teilweise aus seinen Stellung«-> geworfene Gegner ging nach elfstündigem Gefecht zurr Deutscherseits ein Toter, zwei Leichtverwundete, zwei V mißte.— Ani 23. März wurde die auf englischem Geb in T a v e t a(südöstlich des Kilimandjaros) stehende deutfe Abteilung von zwei indischen und zwei Askarikompagnien o. gegriffen, die sich bis auf 250 Meter heranarbeiteten, dann aber in kurzem Gegenangriff geschlagen, schleunigst mit Lost- antos den Rückzug antraten. Zwei Maschinengewehre, viele Patronen, ein Helioapparat und ein Auto wurden erbeutet. Deutscherseits keine Verluste an Europäern, drei Askari tot; beim Gegner zehn Tote, ein Gefangener. Das englische Presseburean brachte unterm 7. d. Mts. einen Bericht des Gouverneurs von Britisch-Nyasjaland(Zen- tralafrika) über eine Unternehmung gegen den am Nyassasee gelegenen Sphinxhafen. In dem Bericht hieß es:„Am 30. Mai griff eine Marineabteilung unter Commander Denrnstoun. unterstützt von einer Landnngstruppe unter Hauptmann Eol- lins und dem ersten Bataillon der Kings Asrican Ristes Sphinxhafen an.'Nack einem Bombardement von See aus und einem Angriff der schwarzen englischen Soldaten wurden die Deutschen unter Verlusten aus der Stadt vertrieben. Tie Engländer erbeuteten einige Gewehre und Munition und einige Kriegsgeräte...Hermann v. Wissmann" wurde bei dieser Gelegenheit vollständig zerstört. Die Wiedereinschif- fnng der Landungstruppen wurde dann erfolgreich durch- gefuhrt. Auf englischer Seite gab es einen Verwundeten." Diese Schilderung ist ein Muster englischer Berichterstattung. Gibt es keine wirklichen Heldentaten zu berichten, dann erfindet man eben welche. So auch diese vorstehende, die man als ein Unternehmen gegen einen„markierten Feind" bc- zeichnen könnte.— Denn irgendinelche deutschen Streitkräfte, f" C5 Schutz- oder Polizei truppc oder gar Europäer, � können tu Sphinrhafen kaum vorhanden getvcscn sein, ebensoivenig wie es dort einen Ort oder gar eine Stadt gibt. Um SöB fo großartig gcfänlberte englische Unternehmen in das richtige Licht zu rücken, sei nachfolgendes gesagt: Sphinxhafen ist eine Bucht am Ostufer des Nyassasees, die Ivegen des Holzreichtums der Umgebung als Brennbolzstapel- platz für den Tainpfer„Hermann Wissmann" diente. Eben- dort befindet sich auch die Helling, aus tvelcher der Dampfer alle Jahre ausgebessert wurde. Außer den weingen Hütten für die Holzfäller und einige Wachmannschaften befindet sich keine Ansiedelung ain Platze. Auch das ziemlich unwirtliche Hinterland ist wenig bewohnt.— Hier wurde am 13. August porigen Jahres der zur Ausbesserung auf der Helling liegende deutsche Tainpfer von dem armierten englischen Regierungsdampfer überrascht. Kapitän und Maschinist, die von dem Ausbruch des Krieges noch keine Ahnung hatten, wurden ge- fangen genommen und der Dampfer durch Beschädigung der Maschine unbrauchbar gemacht.— Anscheinend ist nun dieses Wrack des„Hermann Wissmann" den Engländern doch noch gefährlich erschienen. So zogen sie denn mit großem Aus- wand an Kräften zu seiner völligen Zerstörung aus. Auf die ersten Schüsse hin werden die wenigen dort vorhandenen Schwarzen wohl, schleunigst die Flucht ergriffen haben, so daß die Engländer ungestört landen und die Vernichtung des Dampfers vornehmen konnten. Es ist den Engländern auch zu glauben, daß„die Wiedereinschiffung der Landungstruppen erfolgreich durch- geführt" wurde.— Die erbeuteten Gewehre werden wohl ein paar alte Vorderlader der Eingeborenen gewesen sein. Es ist demnach wirklich eine Tat von außerordentlicher Bedeutung, die der Gouverneur von Britisch-Nyassaland seinem Kolonial- sekretär melden konnte. „Deutsche Tageszeitung" gegen „Lokal-Mzeiger". Ernst Reventlow veröffentlicht in der Morgenausgabe der„Deut- lchen Tageszeitung" vom Dienstag einen fulminanten Artikel gegen kl. K. im„Lokal-Anzeiger". Und nicht nur gegen den„Lokal-An- zeiger", sondern auch gegen Artikel in einer Anzahl Berliner Blätter, die nach dem gleichen„Gedankengangmuster" verfaßt worden seien, und zwar nach dem folgenden Gedankengangmuster: Kein verständiger Deutscher will einen Krieg mit den Vereinigten Staaten. Auch in den Bereinigten Staaten will der vernünftige Teil der Bevölkerung und will auch Wilson keinen Krieg mit Deutschland. Die Aufgabe des deutschen Reichs- kanzlers, eine Verständigung zwischen Deutschland und Amerika berbei- zuführen, ist zwar schwierig, aber möglich, und von großer Bedeutung. Leider gibt es m Deutschland eine Anzahl bramar- basierender Schwätzer, außerdem anderer unverantwortlicher und starker Einflüsse, die dem Reichskanzler seine Aufgabe und seine Tätigkeit überhaupt erschweren. Diesen muß entgegen- getreten, der Reichskanzler und seine Autorität müssen geschützt werden. Das deutsche Volk will sich ohne Rot leine neuen Gegner auf den Hals hetzen lassen. Ein Blatt schreibt: In Amerika soll man wissen, daß alle vernünftigen Deutschen Frieden und Freundschaft mit den Vereinigten Staaten wollen.-- Die.Deutsche Tageszeitung" gibt den Inhalt der Blätter, gegen die sie polemisiert, in großen Zügen ganz richtig wieder. Um so unverständlicher ist es uns, daß sie sich dagegen mit so großem Wortaufwand ins Zeug legt. Denn das, waS sie vom„Lokal-Anzeiger" und den die gleiche Auffassung ver- tretenden übrigen Blättern wiedergibt, ist durchaus vernünftig. Air sind gewiß keine Verehrer des„Berliner Lokal-AnzeigerS", aber wir haben keinerlei Anstand genommen, auch einmal etwas VerstältdigeS aus diesem Blatte unseren Lesern mitzuteilen. Die„Deutsche Tageszeitung", die sich viel häufiger in Ueber« einstimmung mit der Scherlpresse befunden hat, hätte also um so weniger Ursache, sich über den Artikel des„Lokal-AnzeigerS" aufzuregen. Geschieht eS dennoch, so müssen wichtige politische Ursachen für diese Polemik vorhanden sein. Und in der Tat gebietet das politische Interesse Deutschlands, diesen Ursachen auf den Grund zu gehen. Die„Deutsche Tageszeitung' findet nicht nur den Artikel des „Lokal-AnzeigerS" und der in diesem Falle gesinnungsverwandten Blätter auffallend, sondern sie hält auch die„gemeinsame elektrische Zündungsstation" für erwähnenswert. Sofern die„Deutsche Tages- zeitung" damit nur hätte andeuten wollen, daß die politische Ansicht spontan in verschiedenen Blättern Ausdruck gefunden hätte, wäre gegen diese Feststellung nichts einzuwenden. Aber offenbar will da« Blatt damit mehr sagen. Es nimmt offenbar an, daß diese Aus- lasiungen auf eine höhere Beeinflussung zurückzuführen seien. Und im Anschluß daran betont eS, daß der Eindruck, der durch diese Preßstimmen im Ausland erweckt werden müßte, keinesfalls im � ltschen Interesse läge. Wir sind durchaus völlig entgegengesetzter Auffassung. Wenn „Lokal-Anzeiger" und andere Berliner Blätter der Ansicht AuS- ck gegeben haben, daß es überhaupt keine Deutschen gäbe, die n Krieg mit den Vereinigren Staaten wünschten, sondern die„kühle Abwägung des Verstandes" nicht nur in Deutsch- > zur Geltung, sondern auch dem Ausland zur Kenntnis gebracht ieii müßte, so ist das eine durchaus verständige und billigenswerte Demonstration. Wenn die„Deutsche Tageszeitung" diese Ansicht billigt, so hätte sie alle Ursache, ihr uneingeschränkt zuzustimmen. Ihre Polemik gegen den„Lokal-Anzeiger" könnte aber gerate im Gegenteil in Amerika und im übrigen Ausland der Auffassung Vor- schub leisten, als ob über die Friedensliebe Deutschlands gegenüber Amerika innerhalb Deutschlands verschiedene Auffassungen beständen. Aus diesem Grunde halten wir die Auseinandersetzung Reventlows für völlig verfehlt und durchaus deplaciert. Auch die vermeintlich taktischen Gründe, die von der„Deutschen Tageszeitung" in ihrem Artikel vorgebracht werden, sind in keiner Weise stichhaltig. Tie„Deutsche Tageszeitung" meint nämlich, auch wenn in Deutschland Einflüsse vorhanden wären, die einen Krieg mit den Vereinigten Staaten herbeizuführen wünschten, so sei c» unverantwortlich, diese Tatsache zu entlarven. Im Gegen- teil: Wir sind der Auffassung, daß, wenn solche Ansichten in Deutschland vorhanden wären, es keine dringlichere Aufgabe für die politisch ernst zu nehmende Presse geben würde, als solche Einflüsse in der Oeffentlichkeit mit aller Schärfe zu bekämpfen. Existiert aber in Deutschland keine Richtung, die eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen Deutschland und Amerika erstrebt, so hätte sich der„Lokal-Anzeiger" und die ihm sekundierende Presse erst recht ein Verdienst erworben, wenn sie diese für die gesamte Kriegslage so ungemein wiäitige Tatsache ohne jede Verschleierung konstatiert hätte. Die Betonung der Friedensliebe Deutschlands gegenüber Amerika ist aber schon deshalb um so liotweudiger, weil es in der Tat eine ganze Anzahl deutscher Pretzorgane gegeben hat, die sich mit äußerster Entschiedenheit gegen jedes Entgegen- kommen amerikanischen Auffassungen gegenüber gewandt und ge- fordert hat, daß Teutschlands Untersecbootstaktik auf alle Fälle die gleiche dlcibcu müsse wie bisher. Die„Deutsche Tageszeitung" wird selbst nur zu genau wissen, daß es in Teutschland einflußreiche Blätter gibt,— von den von der Lcffcntlichkcit nicht kontrollierbaren Kreisen abgesehen— die Deutschlands bisherige Taktik für absolut richtig und unkorrigierbar halten und deshalb auf totale Ablehnung jedes amerikanischen Vprmittlungsvorschlages gedrängt haben. Wir brauchen der „Deutschen Tageszeitung" gegenüber um so weniger die Aus- lassungeu anderer Blätter, wie z. B. der„Vossischen Zeitung", zu zitieren, als ja die„Deutsche Tageszeitung" selbst bisher jede Bc- rücksichtigung der amerikanischen Anschauungen energisch abgelehnt hat. Wir haben das um so weniger nötig, als gerade in dem an- geführten Artikel der„Deutschen Tageszeitung" die Frage steht, ob die Wünsche des„Lokalanzeigers" mit einer„Neuorientierung der Kricgsgebiete zur See" zusammenhingen. Die Antwort auf diese Frage erübrigt sich vollständig bei der durchaus eindeutigen Klarheit dessen, was der„Lokalanzeiger" vorgeschlagen hat. Seine Vorschläge liefen ja bekanntlich darauf hinaus. Passagierschiffe künftig unter gewissen Bedingungen von dem Unterseebootskrieg auszunehmen, um so den Konfliktstoff mit Amerika aus der Welt zu schaffen. Daß das eine Aenderung des bisherigen Zustandes ist. liegt ohne weitere? auf der Hand. Danach braucht man nicht erst„hinter den Zäunen" zu suchen. Immerhin ist es ganz ver- dienstlich, wenn die„Deutsche Tageszeitung" den Reichskanzler selbst in den Mittelpunkt der diplomatischen Erörterungen über das Verhältnis Deutschlands zu Amerika rückt. Denn allzu lange hatte es leider den Anschein, als ob der Krieg das„Ding an sich" sei und nicht beherrscht sein müsse von politischen Gesamtewvägun- gen, für die der Kanzler de? Deutschen Reiches die verantwortliche Persönlichkeit ist. Sollte sich, wie nach den Andeutungen der „Deutschen Tageszeitung" und den von ihr zusammen- gesuchten Zitaten anzunehmen ist, ein Meinungsgegensatz zwischen der verantwortlichen politischen Leitung des Deutschen Reiches und anderen Stellen herausgebildet haben, so wäre es in der Tat die Aufgabe aller politisch in Frage kommenden Fak- toren, mit aller Energie darauf zu dringen, daß die politische Einsicht sich gegenüber den anderen Einflüssen nachdrücklichst zur Geltung zu bringen hat. Und der„Lokalanzeiger" hat in diesem Falle wieder vollständig recht, wenn er die Entscheidung über der- artige Mcinungsgegensätze von der Freigabe der Diskussionsfreiheit in der Presse erwartet, d. h. von der Geltendmachung der Jnter- essen und der Einsicht der öffentlichen Meinung gegenüber engen Zirkeln und Kreisen, die niemals als die Vertretung der Nation angesehen werden können._ Die Lohnbewegung in England. London, 14. Juni.(W. T. B.)„TimeS" schreiben; Die Arbeiterschwierigkeiten haben keineswegs aufgehört. In der vergangenen Woche gab es fünf Streiks im Clhdebezirk. Allein eine Besserung wird nicht eintreten, bis die Regierung die Kontrolle übernimmt. Gegen- wärtig üben weder die Gewerkschaftsführer noch die Arbeit- geber eine Kontrolle aus, da ihre Hauptwaffe, nämlich die Entlassung, wirkungslos ist. Der entlassene Mann findet so- fort anderweit eine Beschäftigung. Ergänzung der französischen und englischen Truppen. London, 14. Juni.(W. T. B.) Der Sonderberichterstatter des Reuter scheu Bureaus meldet von den Dardanellen vom S.Juni: Die britischen und französischen Re- g i m e n t e r sind frisch vervollständigt worden. Die Armee hängt nicht mehr von der Flott« außer für die Offenhaltung der Seeverbindungen ab. Die Türken find mit den natürlichen Bor- zügen ihrer Stellungen nicht zufrieden und dehnen die Verichanzungs- grüben aus. Flieger sagen aus, daß sie manchmal Schwierigkeit haben, die Stellungen wiederzuerkennen, die sie einen oder zwei Tage vorher überflogen haben. Italien und die albanischen Wirren. Rom, 16. Juni. sW. T. B.)„Tribuna" schreibt: Nach der Besetzung ElbassanS und Tirana» durch die Serben kann Effad Pascha nicht ohne Sorgen den weiteren Vormarsch der Serben betrachten. Die Lage ist heikel, verwickelt und gefährlich: sie wird noch verwickelter infolge des drohenden montenegrinischen Vorgehen? gegen Skutari und des griechischen Vorgehens gegen Berat. Dichtige Ereignisse stehen bevor. Diese Unternehniungen sind vom internationalen Standpunkte sehr bedauerlich', sie können keinerlei Einfluß auf das endgültige Schicksal Albaniens haben, welches zu gegebener Zeit entschieden werden wird. Die albanische Frag» geht nicht nur Serbien, Griechenland und Montenegro an, sondern in erster Linie auch Italien. Um seine nationalen Interessen zu verteidigen, nimmt Italien am Kriege teil. Italien allein kann über seine großen Interessen in der Adria ent- scheiden, welche mit der albanischen Frage eng verknüpft sind. Da? albanische Problem ist ein Problem von direktem und allergrößtem Interesse für Italien. ES bleibt für unS gänzlich unberührt, bis die Signatarmächte de? Londoner Abkommen? die Verhandlungen hierüber wieder aufnehmen. Ein Abkommen zwischen Sunaris und venizelos l Mailand, 15. Juni.(T. U.) Aus Bari läßt sich der „Corners della Sera" melden: Gestern abend traf der Bruder des Königs von Griechenland, Prinz Georg von Griechenland, mit seiner Frau. Prinzessin Marie Bona- parte, hier ein. Sic begaben sich alsbald an Bord eines Dampfers. Der Mitarbeiter des„Corriere della Sera" hatte eine Unterredung mit dem Prinzen, der erklärte. Griechenland würde bereits eine Entscheidung getroffen haben, wenn nicht die Krankheit des Königs dazwischen gekommen wäre. Es sei ausgeschlossen, daß Venizelos beabsichtige, das Kabinett Gunaris zu bekämpfen. Griechenland gebe sich davon Rechen- schaft, daß in diesem Augenblick keine inneren Zwistigkeiten bestehen dürsten. Es sei nahezu gewiß, daß ein Abkommen zwischen Venizelos und Gunaris unmittelbar bevorstehe, und daß man aus diesem Abkommen den Weg würde entnehmen können, den Griechenland gehen werde. Die bulgarischen Sozialisien gegen den Krieg. In einer in Sofia abgehaltenen Versammlung der sozialistischen Partei wurde beschlossen, die Regierung auf- zuforöern, in der Neutralität auszuharren. Gleichzeitig wurde dagegen protestiert, daß Bulgarien in einen Krieg hineingezerrt werde. Die Wahlen in Griechenland. Während nach den an informierten Stellen vorliegenden Nachrichten die griechischen Wahlen eine klare, wenn auch vielleicht nicht übergroße Majorität für die Regierung, also gegen Venizelos, ergeben haben sollen, behaupten französische und englische Meldungen, nicht Gunaris, sondern Venizelos fei als Sieger aus den Wahlen hervorgegangen. Außer in Mazedonien habe die Partei Venizelos überall die Mehrheit errungen. Von den 3l6 Abgeordneten feien nur 129 An- Hänger Gunaris. Französische Blätter prophezeien auch bereits eine bevorstehende Mimsterkrise.— Wie das Beispiel Italiens gezeigt hat, schweben Berechnungen über das zahlenmäßige Verhältnis von Kriegsgegnern und Kriegsfreunden im Par- lament in der Luft, solange das Parlament nicht vor der wirklichen Entscheidung steht. Dänemarks Neutralität. Kopenhagen, 15. Juni.(W. T. B.) Das Regierungs- blatt„Politiken" protestiert im Anschluß an einen Ar- tikel des„Berliner Tageblatts" über politische Stimmungen in Dänemark und Neuwahlen gegen unverantwortliche Ver- suche des dänischen Korrespondenten der„B e r I i n g s k e T i d e n d e, eines Paris von Jessen, der gleichzeitig Mitarbeiter des„T e m p s" ist, die darauf hinzielen, Däne- mark in den Weltkrieg zu verwickeln. Von Jessen hatte den bekannten Artikel im„Temps" geschrieben, in welchem er heftige Angriffe gegen die dänische Regierung richtete.„Poli- tiken" forderte„Berlingskc Tidende" auf, den genannten Kor- respondenten sofort zu desavouieren und zu entlassen, da er im Widerspruch mit der Meinung der gesamten dänischen maßgebenden Bevölkerung in Frankreich ein völlig falsches Bild über die politische Stellung Dänemarks ver- breite und ungeschickte und unheilvolle Versuche mache, Däne- mark in den Krieg hereinzuziehen.„Politiken" führt aus, es sei außerordentlich bedauerlich, daß. von niwerantwortlichen dänischen Schreibern im Auslande unsere Neutralität unter Diskussion gestellt wird. Alle Dänen müssen wissen, wie not- wendig es ist, zu betonen, daß unsere Nensralität auf Friedensliebe und auf dem festen Willen beruht, in keiner Weise ein Glied in der einen oder anderen Konwination zu bilden und in gutem Verhältnis zu allen Mächten und in vollkommener Unparteilichkeit Neutralität zu bewahren. In dieser Hinsicht besteht zwischen den verantwortlichen Ver- tretern des dänischen Volkes völlige Einigkeit. Es genügt nicht, daß wir in Dänemark dies wissen, sondern auch das kriegführende Ausland muß hiervon volle Kenntnis und in dieser Beziehung Vertrauen haben. Spaniens Neutralität. Paris, 15. Juni.(W. T. B.) Der ,,T c m p§". melde? aus Madrid: Auf den Protest der linken Parteien gegen das Verbot von Versammlungen, in denen der Krieg und die Neutralität besprochen werden sollen, und gegen die Schlic- ßung der Cortes erklärte Ministerpräsident Dato: die äugen« blicklichc Lage erfordere, daß die Cortes geschlossen bleiben. Alle innerpolitischen Probien,« seien der äußeren Politik untergeordnet. Die Regierung wünsche, daß in jeder Bc-. zichung die strengste Neutralität gewahrt bleibe. Kriegsbekanntmachungen. Wieder feuergefährliche Gegenstände in Feldpostsendungen. Amtlich. Berlin, 14. Juni.,»! Die berühmte Weltmeisterin „Charlotte" in ihren neuest. Produktionen auf künstlichem Eis. B. Stcidl— Adelmannio ? Paini? u, das weit, sensat. Juni-Progr. Kl. Preise. Angen. kühl. Aufenthalt Guido Thielscher „Yenus im Grünen". Operette in 1 Akt. v. Rud. Lothar. Musik von Oskar Slraus. Mitwirkende: Else Borna Lotte Werkmeister Thalia-Theater, Berlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der vom Publikum und Presse glänzend benrtellte Jnnl-Splelplan. Reichshallen-Thealer. Stettiner Säuger, Ans. 8 U. Zum Schluß: Militärisch. Zeit bild von Meysel. ÄUlitärpersonen u. deren AngeHä- rigen vollloinmcn srei er Zutritt zu d.Stett. Sängern. NenRel'z SIeick- LoJa Znnungs-llränkenkazZe der Sebubmsebsr-Znnung in Sertin. Bekanutmachuug. Der Antrag des Vorstandes der Jnnungskrankenkasse der Schuh- macherinnung vom 15. Mai d. I, die iatzungsmügigen Mehrleistungen wieder gewähren zu dürsen, ist vom VersichernngSamt der Stadt Berlin genehmigt und tritt vom 7. �uni dieies Lahres in Krast. 268/13 Berlin, den 16. Zum 191S. Der Vorstand. K. Eckerlein. Vors., Alt-Moabii 133. R. Schenk, Schristjührer. . M M � A A A � A � A � i WW W W W Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß. Friedrichstr. 125(Oranienb. Tori, für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- storung. Teilzahlung. Sprechstund. 12Vs— 2'/, u.e1/.— 8'/,. Nächste Abfahrten von Amrterdam».°>. Süd Amerika (La Coruna, Vigo, Lissabon, Pernambuco, Bahia, Riode Janeiro, Santos, Montevideo u. Buenos Aires) Schnelldampfer: Zeeiandia. 23. Duni und weiter alle 14 Tage. Frachtdampfer-Expeditionen nach Bedarf. Auskunft durch den KÖNIGLICHEN HOLLÄNDISCHEN LLOYD, AMSTERDAM oder in Berlin: Passage-Agentur D. A.VonkJO Unt.d.Lin(i.,NW7 Telegramm-Adresse: Realloyd Telephon: Zentrum 11881 Jftr# O ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Vichelswerder» %earr,-aB beiin Alten Freund. Vercnfw. Rednkf.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. stUocke. Berlin. Druck u. Verlag:«orwärtSBuchbr.u. Verlagsanstalt eauIismgeräiCo..BerltnLVV. Hierzu L Beilage»«.Unterhaltung»»!. ! Solange der! »Uo erat reichti � liefert die � ! Michhaudlung vorwärts! � Berlin EW. 68 Lindenstraße 3 f 4 ♦ ♦ Seqrr, schlüsse und das Verhalten zu vereinigen. So würde sich trotz allem das gemeinsame Denken der Partei ausgelöst haben, von dem stch die permanente Verwallungskommission und die zentralen Partei- organe pflichtgemäß hätten leiten lassen müssen. Gewiß, die Föderationen hätten ihrerseits mehr Aktivität zeigen können. Sie haben es nicht getan. Sie haben unrecht gehabt. Aber zu ihrer Entlastung muß gesagt werden, daß sie, gemäß gewöhnlichem Brauch, übrigens berechtigt ivarcn, cincn e n e r- gischcn Impuls von feite n derjenigen zu er- warten, die feit neun Monaten die Verwaltung besorgt und in unserem Namen gehandelt haben. In aller Freundschaft drücken wir unser Bedauern darüber auS, daß unsere Freunde von der permanenten Verwaltungs- kommission nicht besser die Ideen und Auffassungen kennen zu lernen suchten von dem, was von dem sozialistischen Frankreich geblieben ist. Die Annahme ist berechtigt, daß gewisse Maßnahmen anders ausgefallen wären. In jedem Fall wären dann jene gedeckt gewesen, die im Verlauf der gegenwärngen tragischen Ereignisse uns, im guten Glauben, durch Dokumente, die bleiben werden, ge» fchichtlich festgelegt haben. Indes, ohne die Vergangenheit weiter zu untersuchen, wollen wir uns der gegenwärtigen Situation zuwenden. Neun Monate des Krieges sind verflossen und auf keiner Seite ist ein militärisch entscheidendes Resultat erreicht worden. Was man aber sehr gut weiß, das ist, daß jeder neue Tag neue Ruinen aushäuft und die Bedingungen, die die Proletarier am Tage nach der Einstellung der Feindseligkeiten vorfinden werden, in sehr ernster Weise verschlimmert. Was man ebenfalls weiß, ist, daß ohne Unterlaß Taufende von Opfern fallen, ohne daß der Sieg in dem Sinne erreicht wird, wie viele ihn erwarten. Mit A n g st nur vermögen wir deS ZustandcS der Erschöpfung und der Zerstörung zu denken, in den hinein unser Land gerät, wenn sich der Krieg abermals u», diesen Monat verlängert. Darum wünschen wir im Interesse des Sozialismus, der Ar- iciterklafle und unseres Vaterlandes das Ende des Krieges. Selbstverständlich fordern wir nicht den Frieden um jeden Preis. Wir schlagen nicht vor, beispielsweise Belgien und die be- setzten franzöfischen Gegenden denen auszuliefern, die sie heute in den Händen haben. So gut wie irgend jemand liegt auch uns die Sorge um unsere Unabhängigkeit und unsere nationale Würde am Herzen. Aber wir denken, eS sei nicht die Aufgabe der sozialistischen Partei, den Krieg ins Endlose zu»reiben, kriegerische Allüren anzu» nehmen und die Ohren vor jedem Friedensgerücht zu verschließen. Wir glauben. cS sei nicht ihre Aufgabe, aus den Vorschlag aus- ländischer Sozialisten, einen K o n g r e ß der internationalen Sektionen der neutralen Länder einzuberufen lind eine Plenarsitzung des Jnter- nationalen Gozialtstischen Bureaus herbeizuführen, mit folgenden Sätzen zu beantworten: „Vertreterin einer Partei, deren Nation am Kriege beteiligt iit, überläßt es die permanente Verwaltungskommission den Sektionen der neutralen Länder, zu entscheiden, ob eine Konferenz ihrersettS in diesem Augenblick opportun und nützlich sein wird. In Beziehung aus die Einberufung des Internationalen Sozialistischen LureauS spricht stch die permanente VerwoltungS- kommission tnil aller Bestimmt bei! verneinend aus. Eine solche Sitzung ist unter den bculigen Berhältnisien materiell unmöglich und moralisch nicht wünschenswert. Wie die permanente Ver- Wallungskommission sich schon früher ausgesprochen hat. würde die Abhaltung im Widerspruch selbst mit dem Ziele stehen, das sich die von den besten Absichten geleiteten Anhänger stecken können." Selbst ivenn wir uns nicht finden— als Franzosen, wenn nicht als Sozialisten, von dem früheren Verhalten gewisser Sozialisten in den neutralen Ländern befriedigr, glauben wir, daß das kein ver- nünftiger Grund ist, um zum voraus jene zu entmutigen, die An- strengungen zur baldigen Herstellung des europäischen Friedens machen und die. ein wenig spät zwar— das ist hauptsächlich der Vorwurf, der ihnen gemacht werden kann— die Beschlüsse der inter- ssmionalen Kongresse respektieren wollen. Die Resolution des internationalen Kongresses zu Stutt- gart 1 907 verlangte von den Arbeiterklassen der betreffenden� Länder, von ihren Berlrelcrn in den Parlamenten, unterstützt durch das Internationale Sozialistische Bureau, wenn ein Krieg ausbricht, alle Anstrengungen zu machen, um sein schleuniges Ende herbeizuführen. Ter internationale Kongreß von Basel 1312 präzisierte noch bester: „Die Internationale wird ihre Anstrengungen verdoppeln, um diese Krise zu verhindern, sie wird ihren Protest mit immer stärkerem Rachdruck erbeben. Der Kongreß deauftragt darum das Internationale Sozialistische Bureau, mit um so größerer Aufmerk- samkeil die Ereignisse zu verfolgen und, was immer ein- treten möge, die Verbindung zwischen den proletarischen Parteien ausrecht zu erhalten und zu verstärken." Denen eine glatte Absage zu erteilen, die die Resolutionen unserer internationalen Kongresse ernst aufgefaßt haben, und das im selben Augenblick, wo sie versuchen diesen Beschlüssen gemäß zu handeln, schien uns bedauerlich. Noch bedauerlicher aber erschien uns da? Gerede von Genossen, von der Oeffentlichkcit als unsere Wortführer angc- sehen, die, bald auf die von den Gegnern der Arbeiterklasse ge- führte Kampagne antwortend, in einer auf alle Fälle verfrühten Weise die Verurteilung der deutschen Sozialisten aussprachen und dadurch die Internationale angegriffen haben, oder die, bald die Formel vom Durchhalten bis zu Ende auknehmend, eine gefährliche Zweideutigleit herbei- führten. Was verstehen wir darunter? Will man allen jenen, die eine mögliche Gelegenheit, die Feind- scligkeiten durch einen„ehrlichen Frieden" zu beendigen, benützen wollen, jeden Kredit verweigern und erklären, ein Vertrag mit Deutschland sei nur an dem Tage zu erwägen, wo da? deutsche Volk einen 4. September durchgeführt....... und eine Republik gegründet habe. Glaubt man denn, den Frieden der Vernichtung dcS deutschen Militarismus unterordnen zu können, der doch wie alle Militarismen nur verschwinden wird durch die im Rohmen der Nation sich vollziehende Aktion der Arbeiter- klaffen. Glaubt man etwa andererseits, diesen Krieg nur dann zu beendigen, wenn es möglich sein wird, den Kaiserreichen des Zentral curopas die Befreiung der von ihnen unterdrückten Nationen aufzu zwingen, während die Verbündeten die Unter- drückung anderer Nationen aufrecht erhalten? Diese Art, Hypothesen aufzustellen, gewiß wünschenswert, aber vollständig problematisch, eine solche Friedens diskusiion ist für uns unannehmbar, denn sie trägt allen den verschiedenen Realitäten nicht genügend Rechnung und schließt die Anwendung der sozialistischen Methode auS. Sind wir deswegen für einen demütigenden Frieden, für einen Frieden, koste es was es wolle? Rein, wir wollen nicht bis zu Ende gehen, auch in dieser Richtung nicht. Was wir wünschen, formulieren wir in folgenden Worten: Die sozialistische PartciFrankrcichS soll nicht durch die Feder von ein igen Journalisten, die in i h r e in N a m e n schreiben, eine so kriegerische und prahlerische Rolle spielen, die den Chauvinismus hätschelt. Die Partei entmutige und desavouiere keine Versuche, die etwa unternommen werden dürften durch sozialistische Parteien anderer Länder, um die Mittel zur Beendigung dieser entsetzlichen Schlächterei, die daS Blut unschuldiger Völker in Strömen fließen läßt, zu finden. Die Partei schenke allen Fricdcnsvorschlägen, gleichgültig woher sie kommen, ei« bereitwilliges Ohr, selbstverständlich in der Boraus- fetzung, daß die territoriale Unabhängigkeit Belgiens und Frankreichs durch die Basis der Diskussion unbestritten bleibt. Die permanente Verwaltungskommission der Partei möge sich Mühe geben zur Wiederherstellung von fortwähren- den und engeren Verbindungen zwischen den ver- schiedenen Organisationen der Partei, um eine stärkere Teilnahme am intellektuellen Leben des französischen Sozialismus zu erzielen und damit eine schärfere Kontrolle seiner Leitung durch olle Genossen wirksam ausgeübt werden kann. Endlich soll die Partei einmütig sein im P r o t e st gegen die unzulässigen Mißstände der Zensur, die jeden Augenblick den Ausdruck des sozialistischen Denkens und der nötigen Antwort auf Verleumdungen und Herausforderungen der Reaktion verhindert. Einig iei die Partei im Verlangen nach dem u n u n t e r- brochcnen Tagen des Parlaments, nach dein sofortigen Studium und der raschen Annahme von Gesctzesvorschiägen, die mit den KriegSercignisien im Zusammenhang stehen, einig in der unge- säumten Untersuchung der Bedingungen, durch welche das ökonomische Leben und die soziale Entwicklung unseres Landes, d a s mehr als jedes andere durch die Verlängerung des Krieges bedroht ist, kräftig gefördert werden können. DaS sind die Erwägungen, welche die Föderation der Haute Vienne glaubr, der permanenten Verwaltungskominissioii, der svzia- listischen Kammergruppe und den übrigen Föderationen unterbreiten zu sollen. Sie tut es in vollständig kaineradschasilichem Geist und wohlwollender Weife, ohne sich amuaßen zu wollen, Lehren zu er- teilen gegenüber lvcm es auch sei. Sie ist nur von dem Wunsche beseelt, gemäß ihren Ansichten, die Richtung anzugeben, die sie für zutreffend hält, damit der französische Sozialismus in der Geschichte als eine große Partei erscheinen könne, würdig seiner Nation, die er liebt und verteidigt, würdig auch der Arbeiterinternalionalen, der er während wie nach dem Kriege treu ergeben bleibt. 3. P?ai 131b. Die LerwaltungSkommission: Andrö Arnoux; Löon Verl and, Gemeindcrat: Leon B e t o u l l c. Abgeordneter, Bürgermeister von LimogcS; Albert C h a ul y; Rchille F s v r e, Gencralrat; Emile F o u- g ö r c S, BcziriSpräsident; Eugöne Guillard. Bürger- meisteradjunlt, LimogeS; Louis G r a n d j e a n. Gemcinderat: Pierre H ö b r a s, Gemeinderat; Jean P a r v y, Abgeordneter; Henry P e n o t, Gemeinderat; Adrien Press entane. Abgeordneter; Jean R o u g e ri e, Gemeinderat; Henri E a r- I a n g e a S; Laptifte S a u V o, Gemcinderal; SabinuS V altere, Abgeordneter." tzanöwerkerfragen vor der Budgetkommiffioil des Abgeordnetenhauses. In der Sitzung der verstärkten Budgetkommission des Abge-! ordnetenhauses trug der Berichterstatter Abg. Dr. Boenisch ein- 1 leitend folgendes vor: D ie Lage des Handwerks seit Kriegs-! auSbruch ist sehr bewegt und Wechselvoll gewesen. Zunächst machte\ sich die allgemeine Folge des Krieges in den Einziebungen von i Meistern und Gesellen geltend. Bei weiterer Fortdauer des Krieges hing die wirtschaftliche EntWickelung der einzelnen Handwerker davon ab, ob diese an Kriegslieserungen beteiligt wurden, Tie Handwerker, die mit Kriegsliefcrungen bedacht wurden, haben■ weitem Umfange guten Lohn und Verdienst gesunden. Schlim" dagegen sieht es bei den nicht an Kriegslieferungen beteilig! Handwerkern aus. Einzelne dieser HandwcrkSzweigc find alle. Vings in anderen verwandten Gewerven untergekommen. E mildert wurden die Nachteile vielfach dadurch, daß durch d Einziehung vieler Handwerksmeister der Wettbewerb in den cir zelnen Gewerben zurückgegangen ist, so daß die verbleibend allein für den gesamten Bedarf zu sorgen hatten und teilwci guten Verdienst finden. Tiefgehend waren die Eintvirkungen d' Gesetzgebung auf die Handwerke der LcbenSmittelhcrstcllung. TT Lage der Kleinmüllerei, die seit Jahrzehnten schon in beklagen wertem Rückgangs sich befand, hat sich unter der Herrschast dies' Maßnahmen noch erbeblich verschlechtert. Auch daS Verbot d Verfütterung von Brotgetreide stnvie die Beschlagnahme des Hase bat ihr einen schweren«chlag versetzt, indem ibr gerade derjenn Teil ibreS Betriebes entzogen wurde, aus den sie den Großmühl: gegenüber besonders konkurrenzfähig war, nämlich die Lohnmülle'. � und das Schroten und Quetschen von Futtcrgetreide. Tiefe Ei. griffe sind so tiefgreifend und umfangreich, daß man fürchten mn daß der Niedergang der Kleinmüllerei weiter fortschreiten würl Es ist aber zu hoffen, daß durch die Beschlüsse der Budgetkoi Mission über die Neuordnung der Mchlversorguiig, denen die ßi gierung nicht widersprochen bat, auch den Kleinmühlen geholst wird. Ten Bäckern wurde ausgegeben, in bestimmtem Umfang Kartoffelmehl oder Kartoffeln in da? Brot zu verbacken. T' Besckasfung dieser Stoffe war nicht immer leicht; dabei stieg die Preise verschiedentlich um mehr als 100 Proz. Von behör. sicher Seite wurde den Gewerben die Uebernahmc ihrer neu.n Aufgaben nach Möglichkeit erleichtert, es wurden wissenschaftliä und praktische Versuche angestellt, wobei namentlich anerkannt we den muß, daß die Berliner Bäckerinnung sich an diesen hervr ragend beteiligte. Besonders betroffen wurde die Bäckerei nr dadurch, daß ihr gerade die Herstellung der lohnendsten Prodyk. der Luxusgebäcke, untersagt wurde. Für die Fleischer waren die gesetzgeberischen Eingpu zwar weniger einschneidend, aber immerhin kamen solche zeitweil � wenigstens vor. Es ist dabei hinzuweisen aus einzelne Schlachtvc: böte sowie aus die Maßnahme, die den Städten die eigene Ve: sorgung mit Dauerware auflegt. In neuester Zeit kommt Hinz � das starke Steigen der Viebprcisc sowie der Mangel an Schlachlvi: und Schweinen überhaupt. Ter M i n i st e r für Handel und Gewerbe erklär! daß die Beteiligung des Handwerks au den HcercSlieserungen ein. recht crfrculicben Ilmsang aufweise. Man babe sich teils du: Zusammenschluß in Genossenschaften und Licseningsverbändi'' teils durch besondere VermittelungSstcllcn zu beteiligen gesuw Auch Innungen hätten sich beworben. TaL alles fei geschehe■ unter der Führung der Handwerkskammern, die sich aber selb nach Lage der Gesetzgebung finanziell an derartigen Ilnteme. -nungen nicht beteiligen dürften. Tic Arbeiten seien im allgeinc neu zufriedenstellend ausgeführt, besonders auch der größte Einz-v austrag auf Lieferung von Proviantwagen im Werte von 1(3' Millionen Mark. Vielfach habe sich indes bei den Bewerbung� um Lieferungen ein Mangel an leistungssäbigen Organisation zum Nachteile bcS Handwerks fühlbar gemacht. Er sei aber bere dte Bestrebungen des Handwerks auf organischen Zusammcnschl:: zu fördern. In der Kommission wurden die Ausführungen de? Berickr erstatters allseitig als zutreffend und richtig anerkannt. Int besondere wurde hervorgehoben, daß für die Zukunft den Organ sationsbestrebnngen des.Handwerks nach besten Kräften Vorschr geleistet werden müsse. Auch die Industrie stehe auf diesem Bode wie denn insbesondere in der Industrie die Zuweisung groß- Lieferungen an das Handwerk keineswegs etwa als die indn striellen Interessen beeinträchtigend angesehen iverde. Es wurb weiter daraus yinaewieseir, daß zwar das Bckleidungsamt Verl- und andere Bekleioungsämtcr ganz im Sinne der Vorschläge d! Berichterstatter? verführen, daß es aber auch BekleidungSämt! gebe, die es ablehnten, den Schubmachern die Anfertigung chr Stiefeln zu übertragen. E? wurde ferner gebeten, daß an Bäcks in Orten mit starkem Fremdenverkehr größere Mehlmengen ab gegeben würden. Es wurde ferner angeregt, daß die Kriegs beschädigtensürsorge besonders für solche Handwerker sich inte". essieren solle, welche infolge von Verwundung umlernen und m anderes Handwert ergreifen müßten. Auch wurde daraus hir gewiesen, daß staatliche Fürsorge für die aus dem Kriege heim kehrenden Handwerker am Platze sei, die durch den Krieg ihr Ersparnisse und ihre Kundschaft verloren hätten. Aus der Mitte der Kommission wurde darauf hingewiesc: daß Handwerker bei den Anträgen aus Gewährung von Tarlehe" bei der Preußenkajse Schwierigkeiten gefunden hätten. � Hierz erklärte der Finanzminister, daß bislang Beschwerden an ihn niä gelangt seien, daß er aber der Seche nachgehen wolle. Aus der Kominission wurde ferner angeregt, daß zur äuge- blicklichen Besserung der Lage im Baugewerbe möglichst kommunal- und staatliche Arbeiten in kleinen Losen direkt an Handwerker ver geben werden möchten. Auch an Innungen sollten direkt solfl. Aufträge gegeben werden._ politische Ueberjicht. Machtinteresscn wider bessere Einsicht? Im„Tag" beschäftigt sich der Göttinger Nationalökonom Professor Gustav Lohn mit den sozialen und nationalen Bei Hältnissen in den baltischen Provinzen Rußlands. Er faßt seine Untersuchungen dahin zusantmen: „Eine fremdartige Masse von zwei Millionen der Letten und Esten, darüber eine sehr dünne Oberschicht vo Deutschen, deren Selbstbehauptung sich nach altem Hei koinmen äußert in slbrossem Nationalgefühl und ihren vollendetsten Ausdruck findet in einem ihrer geistig be deutendsten LandtSgcnoffen, Viktor Hehn, der den Russen nickil nur die Kultur, sondern sogar die Fähigkeit zur Kultur ad erkennt— und deren neuere Richtung unter den Einflüssen de: Russifikation sich zu einem verbreiteten, milden Wohlwollen de» davon Betroffenen entwickelt, die uns von dem russischen Reick und seiner Beschaffenheit mit hoher Zusriedeiibeit berickten un angesichts seiner Korrupiion im? belehren, daß die Eiseiibahi schassner in Preußen ebenfalls Trinkgelder nehmen. Das sind d: Elemente der Bevölkerung,»iit denen wir zu rechnen habe-. Man kann und muß so etwa? in den Kau? nehmen da, wo dn- Machtinteresscn eS notwendig machen, derartig besiedelte Land schasten zu besitzen. Aber die Aufgabe, die für die neue Herrfchch' daraus entspringt, ist nicht lockend." Professor Cohns Feststellung, daß die Deutschen in den balüscheil Provinzen seit neuerer Zeit sich leichter„russifizicreir ist auch von anderer Seite mehrfach bestätigt worden. Auch iein weiteres Urteil, derartig besiedelte Landschaften(bei dcnc: der Hauptteil der Bevölkerung deutsch-gegnerisch ist und de kleinere ur'priinglich deutsche Rest mit seinen Sympathien mehr und mehr an Rußland hängt) zu„besitzen"— sei nick: verlockend, teilen wir durchaus. Zur Wahlrcchtsfrage. Die Kritik, die Genosse Hirsch, der..Vorwärts" und btr- . Berliner Tageblatt" an dem sonderbaren Verhalten der frei sinnigen Landtagsfraktipn in der Wahlrechtsfrage geub: hoben, veranlassen einige liberale Blatter zu Sem Versuch einer Abwehr. Aber so wortreich biese Verteidigungen auch sind— die Tatsache, daß die Freisinnigen gegen die Ver- Handlung ihrer eigenen Wahlrcchtsanträge gestimmt haben, vermögen sie nicht aus der Welt zu schaffen. Wenn die „Freisinnige Zeitung" entschuldigend meint, ihre Partei habe sich immer entschieden für eine Reform ins Zeug gelegt, so fragen wir: weshalb tat sie es nicht auch gerade jetzt, wo nach einem Wort des Abg. Böhme der denkbar günstigste Augenblick für eine Refonn vorlag? Und wenn das frei- sinnige Blatt weiter klagt, die Regierung habe bisher eine konkrete Frage über die„Neuorientierung" abgelehnt, so ist es natürlich die denkbar falscheste Taktik, durch eigenes Schweigen der Regierung jede neue Aeußerung darüber, ob die Regierung ernstliche Reformabsichteu hege, zu ersparen. Besonders freundlich finden wir es von den liberalen Blättern, so zu tun, als ob nur die bösen Sozialdemokraten und nicht auch Liberale(z. B. das„Tageblatt") über die Haltung der Freisinnigen im Landtag— sagen wir milde— erstaunt gewesen sind._ Ministcrtvechsel in Bayern? Ter„Berliner Lokal-Anzeiger" weiß von Gerüchten über einen kommenden Ministcrwechsel in Bayern zu berichten. Tie Gerüchte nehmen angeblich ihren Ausgang vom Gesund- beitszustand des Ministerpräsidenten, Dr. Grafen v. Hertling, der sich von seinem Anfall nicht in wünschenswerter Weise zu erholen vermochte. Frhr. v. Soden, der Minister des Innern, werde das Auswärtige übernehmen, mit dem Handel, Ge- werbe und Industrie sowie der Vorsitz im Ministerrat ver- bundcn sind. Wer dann Minister des Innern werden soll, darüber seien die Meinungen geteilt. Konflikt zwischen Herrenhaus und Regierung. Der Absicht der Regierung, den Landtag Anfang nächster Woche zu schließen, setzt das Herrenhaus einen versteckten Widerstand ent- gegen. Wie erinnerlich, hatten sich die Parteien des Abgeordneten« Hauses mit der Regierung darüber verständigt, daß vor Schluß der Session noch da? Fischereigesetz erledigt werden soll. Die Regierung ist diesem Abkommen mit der Erklärung beigetreten, die VerHand- lungen über dieses Gesetz dürften sich nicht allzu lange hinziehen. Infolgedessen hat das Abgeordnetenhaus die zweite und dritte Lesung fast debatteloS in einer einzigen Sitzung erledigt. Das Herrenhaus hat zur Vorberatung der Vorlage am Montag eine be- sondere Kommission gewählt, die sich dem Wunsche des Präsidenten entsprechend sofort konstituiert hat. Die Erwartung des Präsidenten. den Bericht der Kommission bereits auf die Tagesordnung der Sitzung vonr nächsten Sonnabend setzen zu kömren, wird sich nicht erfüllen. Die Kommission ist zwar unmittelbar nach der Plenar- sitzung zusammengetreten, aber nur zu dem Zweck, um sich vorläufig auf drei Wochen zu vertagen. Dadurch war die Regierung vor die Alternative gestellt: entweder den Landtag noch länger als einen Monat zusammen zu lassen, oder aber auf das Zustandekommen des Gesetzes in dieser Session zu verzichten. Welchen Weg auch immer sie wählte, jeden- falls war ein Konflikt mit dem Herrenhause unvermeidlich. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, ist das Staatsministerium gestern abend zusammengetreten, um sich über die Lage schlüssig zu werden. Es hat sich dahin entschieden, den Landtag auf alle Fälle in nächster Woche zu schließen, will aber noch einen letzten Versuch machen, nur die. Kommission des Herrenhauses zu bewegen, daß sie ein schnelleres Tempo bei ihren Arbeiten einschlägt. Daß dieser Plan gelingt, erscheint uns ausgeschlossen. Wer das Herrenhaus kennt, der weiß, daß es auf seinem Willen beharren wird. Das Fischereigesetz, auf das so viel Mühe und Arbeit verwandt ivorden ist, kann also vorläufig als gescheitert betrachtet werden. Die Hauptschuld daran trifft die Regierung, die sich durch ihr Hin- und Herschwanken selbst in diese unangenehme Lage versetzt hat. In der Februartagung hatte sie dem Abgeordnetenhaus mitgeteilt, daß sie auf die Erledigung des Gesetzes Gewicht legt. Die Kom- Mission des Abgeordnetenhauses hat infolgedessen ihre Vorberatungen beendet und den unfangreichen Bericht fertiggestellt. Aber anstatt noch einige Tage zu warten und eine Entscheidung des Plenums herbeizuführen, hat die Regierung den Landtag kurzerhand vertagt. Hätte sie das nicht getan, dann hätte die Vorlage zuerst an das Herrenhaus gehen können und dieses hätte Zeit genug gehabt, die Vorlage zu verabschieden. Jetzt sagt sich das Herrenhaus nicht mit Unrecht, wenn der Regierung wirklich daran liegt, daß das Gesetz zustandekommt, dann dürfe sie die Session nicht schließen, sondern müsse sie bis zum Herbst vertagen. Zu einer überhasteten Be- orbeituug einer so komplizierten Materie will und kann sich das Herrenhaus nicht aufraffen._ Städte und nächstes Erntejahr. Aus dem Berliner Nachrichtenamt wird uns geschrieben: Bei Gelegenheit der Herrenhaussitzung trat in Berlin eine große Zahl preußischer Slädtevertreter zusammen, um die Mehlversorgung der städtischen Bevölkerung im nächsten Erntejahr zu erörtern. Den Ausgangspunkt der Verhandlungen bildete der Beschluß de» Deutschen Landwirtschaflsrats, durch den das im ablaufenden Erntejahr be- währte System beseitigt werden soll. ES herrschte allgemeine Ilebercin- stimmung darüber, daß nach dem Beschluß des Landwirtschaftsrats die Versorgung der Städte, besonders der großen Städte, mit Mehl nicht sichergestellt ist, weder nach Menge, noch nach Güte. Mit besonderem Bedauern wurde festgestellt, daß durch das Vorgehen des Landwirt- schaftsratS in eine Angelegenheit, die bisher im allgemeinen vater- ländischen Interesse gemeinsam von Stadt und Land erledigt worden ist, eine unterschiedliche Behandlung hineingetragen werden soll. Hervorgehoben wurde ailckj, daß es unmöglich sein würde, unter der städtischen Bevölkerung das Sparsystem der Brotkartenkontrolle bei- zubehalten, wenn eine Organisation durchgeführt würde, bei der die Interessen des Landes und die der Städte nicht gleichmäßig Rech- nung finden._ Höheres Brotquantum für schwer Arbeitende. Die Reichsverteilungsstelle für Brotgetreide und Mehl hat Anweisung ergehen lassen, daß den Kommunal- verbänden über ihren im Verteilungsplan festgesetzten Bedarfsanteil hinaus die zur Brotversorgung des Fremdenverkehrs erforderlichen Mehlmengen bis zu ISO Gramm auf den Kopf und Tag des Fremdenverkehrs, ferner ein entsprechendes Quantum Mehl zu einer höheren Brotversorgung der körperlich schwer arbeitenden erwerbs-tätigen Bevölkerung geliefert werden. Lebensmittel in Hülle und Fülle. Die M.-Gladbacher„Westdeutsche Arbeiter-Zeitimg"(Nr. 24) beschäftigt sich in einem Aufsatz.Lebensmittel in Hülle und Fülle' mit der Tatsache, daß nun so erhebliche Kartoffel- und Mehlvorräte vorhanden sind, und fragt, wie sich angesichts dessen die exorbitanten Prei'e rechtfertigen ließen. Man möge uns in Frieden lassen mit dem Hinweis, daß im.Ausland' die Preise für dies und jenes noch teurer seien. Es handle sich darum, ob b e i u n S die Preise den Bedürfnissen der Lebenshaltung entsprächen. Die Preise für Kartoffeln beispielsweise seien künstlich in die Höhe getrieben worden,„lind dabei will die Regierung auch fürderhin nichts tun.' Es bestehe in der Regierung ein Durcheinander und daher keine gute Aussicht auf bessere Regelung der Lebens- m i t t e l v e r s o r g u n g im zweiten Kriegsjahr. Lobeshymnen für das bisher Geleistete seien nicht am Platze.„Die moralische Trag- kraft auch des deutschen Volkes, so außerordentlich sie sich erwiesen hat, ist auch ein Kriegsmiltel und ein Kapital, das nicht unnötig verausgabt werden darf." In derselben Nummer beschäftigt sich das Blatt mit einem Aufsatz der„Deutschen Arbeitgeberzeitung' vom 30. Mai, die ge- wünscht hat, daß auch die Gelben in die Verständigungsbestrebungen zwischen den Gewerkschaftsfriedlichen einbezogen würden. DaS Blatt der katholischen Arbeiter antwortet: „Wir glauben nicht an die Einbeziehung der sogenannten„Wirt- schaftsfriedlichen'. Was auch immer nach dem Kriege werden mag, unsere Arbeiterorganisationen werden selbständige und u n- abhängige Interessenvertretungen der Lohn- a r b e i t e r sein und bleiben müssen. Einen rücksichtslosen Klassen- egoismuS predigen wir nickit..... Die Wahrung und Vertretung der Lohnarbeiterinteressen im Arbeitsvertrag und zu einem Teil in Staat und Gesellschaft kann nicht in Händen Außenstehender oder gar Andersdenkender liegen; sie kann und muß das Werk der Ar- beiter selbst sein."__ Amnestie in Mecklenburg. Anläßlich der mecklenburgischen Säkularfeier(vor hundert Jahren übernahm das jetzt regierende Haus die großherzogliche Würde) hat der Großherzog von Mecklenburg eine Amnestie erlassen. Allen Per- sonen, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Wochen oder mit Geldstrafe bis zu 150 M. bedacht wurden, soll diese Strafe erlassen sein. Die bei Gerichten, Staatsanwaltschaften oder Verwaltungs- behörden anhängigen Untersuchungen gegen Teilnehmer am gegen- wärtigen Kriege sollen, sofern nicht Landesverrat oder ein Ver- brechen vorliegt, niedergeschlagen sein. Kriegssitzung des Württembergischen Landtages. Der Württembergische Landtag ist zum 25. Juni einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung des Etats. Württemberg hat zweijährige Etatsperioden. Während in früheren Jahren die Eiatsberatungen drei bis vier Monate in An- fpruch nahmen, rechnet man in diesem Jahre nur mit einer Sitzungsdauer von zwei bis drei Wochen. Es soll auSnahms- weife nur ein einjähriger Etat für ISIS aufgestellt werden. weil sich die Gestaltung der Staatswirtschaft für 1916 im voraus nicht im geringsten übersehen läßt. Auch der Etat für 1915 wird im wesentlichen nur eine Wiederholung des Etats von 1914 darstellen; er wird nur in einigen größeren Positionen, in denen eine Veränderung mit Sicherheit feststeht, vom letzt- jährigen Etat abweichen. Das Schwergewicht der Beratungen wird in die Ausschußsitzungen verlegt werden. Bei den Ausschutz- beratungeu werden auch die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen wichtige Debatten zeitigen. Für die erste Lesung des Etats ist zwischen den Parteien die Vereinbarung getroffen worden, daß von einer Generaldebatte Ab st and genommen werden soll. Nur der Finanzminister wird eine Uebersicht über die Staats- finanzen geben, die sich unter dem Einfluß des Krieges sehr ungünstig gestaltet haben. Das Jahr 1914 hat mit einem Fehl- betrag von etwa 10 Millionen abgeschlossen; für das Jahr 1915 ist ein noch größeres Defizit zu erwarten. Ilm diesen Fehlbetrag wenigstens teilweis« decken zu können, schlägt die Re- gierung die Einführung einer Vermögens st euer vor. deren Ertrag auf 6 Millionen geschätzt wird. Ferner soll die Wertzuwachs- steuer, auf die das Reich bekanntlich verzichtet hat, für den Staat ausgebaut werden. Auch der vor vier Jahren eingeführte Zuschlag zu den Gerichtskosten und die Notariatsgebühren, die bis 1915 zeitlich begrenzt waren, soll beibehalten werden und zur Deckung des Defizits dienen.— Zu den, Vermögenssteuergesetz haben bereits sämtliche Parteien des Landtage» in den Vorbesprechungen ihre grundsätzliche Zustimmung erklärt. Neben den Finanzfragen wird sich der Landtag auch mit einem auf zwei Jahre berechneten provisorischen Gesetz zum Schutz der Kunst denkmäler beschäftigen, da das im vorigen Jahre eingebrachte Denkmalsschutzgesetz in der KriegSzeit nicht er- ledigt werden konnte. Auch ein Gesetz zur Förderung der Moor- kultur ist angekündigt worden. Reichs-Entschädigungskommisfion. Amtlich. Berlin, 15. Juni.(W. T. B.) Durch ungenaue Mitteilungen der Tagespresse über die Errichtung der Reichs- Entschädigungskommission sind in den Kreisen der Beteiligten anscheinend Unklarheiten über die Zuständigkeit dieser Kommission, insbesondere über die Abgrenzung der Aufgabe der Kommission gegenüber der Zuständigkeit des Reichskommissars zur Erörterung von Gewalttätigkeiten gegen deutsche Zivilpersonen in Feindesland entstanden. Es wird daher nochmals darauf hingewiesen, daßdieReichS-EntschädigungS- k o m m i f s i o n lediglich zur Feststellung der Entschädigung für die in den besetzten feindlichen Gebieten von den deutschen Militär- behörden beschlagnahmten Massengüter berufen ist, während der Reich s kommt ssar nach wie vor die Schäden behandelt. die deutsche Zivilpersonen in Feindesland aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges an ihrem Eigentum oder an Leib und Leben durch Gewalttätigkeiten der Bevölkerung oder der Behörden der feindlichen Staaten erlitten haben. Die portugiesischen Wirren. Lissabon, 15. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Der Ministerpräsident reichte gestern abend dem Präsidenten der Republik sein Rücktrittsgesuch des ganzen Kabinetts ein, welches nicht angenommen wurde. Der Ministerrat tritt heute zu einer Beratung im Belempalast zusanimen._ Defizit im Schweizer Staatssäckel. Bern, 13. Juni. lW. T. B.) Tie Schweizer Staats- rechnung für 1914 schließt mit einem Ausgabenüberschuß von 22333 117 Frank und mit einer Minderung des Kapitals von 1436 936 Frank infolge des europäischen Krieges ab. Tarin sind die Ausgaben für die Mobilisierung n ich t inbegriffen. Ter Bundesrat bezeichnet in seinem Bericht über die Staats- rechnung eine durchgreifende Finanzreform als not- wendig._ Kein Einschreiten der Vereinigten Staaten in Mexiko. Nach Meldungen aus Washington hat das Ultimatum des Präsidenten an die mexikanischen Parteien den Erfolg gebabt, daß die Führer der größten Parteien Erklärungen er- ließen, in welchen sie Schritte zur Vernieidung weiteren Blut- vergießens und zur Herbeiführung einer Verständigung zu- sagten. Danach dürfte kein Anlaß zu einem Einschreiten der Vereinigten Staaten in Mexiko mehr bestehen. öer Partei. Eine deplacierte Kritik. Das„Verl. Tagebl." brachte vorgestern unter der Uebcrschrift „Die Sozialdemokratie bei uns und in der Schivci'z" einen Auszug aus einem Artikel der Mannheimer„Volksstimine" vom 8. Juni, in dem unter Anknüpfung an das Ergebnis der Volksabstimmung vom 6. Juni über die neue schweizerische Kricgsstcuervorlage eine überaus heftige 5lritik an der Haltung unserer schweizerischen Ge- nossen gegenüber einem Teil der deutschen Sozialdemokratie geübt wird. Die Freude des Mosseblattes über die sich ihm bietende Gelegenheit, den„Quertreibern' eins auszuwischen, war offensichtlich so groß, daß es die Ausführungen unseres Mannheimer Parteiblattes kritiklos abdruckte, obwohl es— wenn es über die Schweizer Verhältnisse nicht genügend unterrichtet war— in der Zeit vom 8. bis zum 14. reichlich Zeit gehabt hat, sich über den Gegenstand zu unterrichten. Besonders bemerkenswert erscheint dem„Berliner Tageblatt' folgende Stelle aus dem Artikel der Mannheimer„Volksstimme": „Das praktische Beispiel des 6. Juni sollte unseren Widersachern in der schweizerischen Partei gezeigt haben, daß es ein anderes ist, vom sicheren Port des unbeteiligten und ungefährdeten Dritten aus der Arbeiterklasse eines auf Leben und Tod kämpfenden Volkes über seine spezielle Stellungnahme zum Kriege theoretische Vor- lesungen zu halte», und ein anderes, unter dem Druck der persön- lichen Verantwortung im eigenen Land«� praktische Politik zu machen. Wir halten den Tag, der dem schweizervolke eine Last von 65 Millionen Frank für Landesverteidigungszweckc ausbürdete, durchaus nickt, wie das„Voltsrecht", für„einen Sonntag, wie schöner noch keiner durch die Fluren ging"; wir freuen uns aber darüber, daß das Schweizervolk an diesem Tag ein so hohes Verständnis für die politischen Notwendigkeiten des Augenblicks gezeigt hat. Möge dasselbe Verständnis für unsere Lage und dasselbe sympathische Eingehen auf die Gefühlsregungen des so schwer geprüften deutschen Volkes künftighin auch bei unserer Schweizer Partei anzutreffen sein! Es wird dann manches anders werden zwischen diesseits und jenseits der Oberrheinlinie." Hierzu ist zu bemerken, daß die Mannheimer„Volksstimme" und nach ihr das„Berliner Tageblatt", der Volksabstimmung vom 6. Juni einen Charakter angedichtet hat, den sie gar nicht hat. Es handelte sich bei der Abstimmung über die eidgenössische Kriegs- steuervorlage darum, ob die durch die Mobilisation verursachten Kosten, die sich bis Mitte Mai bereits ans 120 Millionen Frank erstreckten, zu einem größeren oder kleineren Teil von den B e» sitzenden gedeckt werden sollen.„Durch Markten und Feilschen in den Kommissionen und im Rate— schrieb unser Züricher Partei- ovgan„Volksrecht" am 2. Juni— ist von den Besitzenden versucht worden, auch das Wenige, daS gegeben werden soll, noch zu ver- mindern und der'Kriegssteuer durch Belastung auch dere kleinen Einkommen und Vermögen ihren Charakter als Besitz- st euer völlig zu nehmen, glücklidfterweise aber ohne Erfolg. Heute kann und soll deshalb auch die Arbeiterschaft mit aller Kraft für die Vorlage einstehen und ein Ja! für die Kriegssteuer in die Urne legen." In diesem Sinne schrieb denn auch das„Voltsrechl", nach- dem die Vorlage mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde:„Der 6. Juni war ein Sonnensonntag, wie schöner noch keiner durch die Fluren ging." Wenn die Mannheimer„Volks- stimme" nun dagegen Einspruch erbebt und den Tag,„der dem Schweizervolke eine Last von 65 Millionen Frank für Landesver- teidigungszwecke aufbürdete", durchaus nicht als schön bezeichnet, so macht daL ihrem Radikalismus alle Ebre. Nur schade, daß sie ihn an falscher Stelle und bei einer durchaus unangebrachten Ge- legenheit übt. ES handelte sich, wie wir schon bemerkten, bei der Volksabstimmung vom 6. Juni um die Abwehr von Bcstrebun- gen einer kleinen Schicht Besitzender, die Last der Mobilisation?- kosten auf die Schultern der ärmeren Schichten abzuwälzen. Der Sieg des Volkes über diese Bestrebungen bedeutete nicht bloß eine materielle Erleichterung, sondern auch einen Triumph des Prin- zips der Volkssouveränität, das sich auf diesem Wege in der Schweiz Ausdruck verschafft. Wenn nun von der„Volksstimme" versucht wird, diese Volks- abstimmung ihrem Inhalt nach mit der Krcditbewilligung vom 4. August im Deutschen Reichstag in eine Linie zu bringen, sa treibt sie Vcrdrehungspolitrk. Tie Schweiz ist ringsum von kämpfenden Staaten umgeben und bewacht ihre Grenzen, da- mit die Kriegssacke! nicht auch zu ibr hinüberfliege. Die Mobili- sationskostcn der Schweiz sind deshalb nicht Kriegs« uSgaben, sondern Ausgaben für Aufrechterhält ung der Neu- t r a l i t ä t. Was von den Kriegskrediten der kriegführenden Staaten doch schwerlich behauptet werden kann. Eine Richtigstellung. Durck einen Teil der Parteipresse läuft eine, auch von der Berliner bürgerlichen Presse abgedruckte Notiz„Ein merkwürdiger Irrtum" betitelt, in welcher behauptet ist, daß Genosse Haase in einer Versammlung in Solingen u. a. gesagt hat:„Der französische Sozialist Herbe, der bisher nichts vom Frieden wissen wollte, ver- tritt jetzt in seinem Blatte„Guerre soziale" die gegenteilige Ansicht". DaS Zitat ist dem Bericht der„Bergischen Arbeiterstimme" vom 8. Juni entnommen. Dasselbe Blatt brachte aber bereits am folgenden Tage, also am 9. Juni folgende Richtigstellung:„Eine kleine Ungenauigkeit findet sich am Schluß unseres gestrigen Be- richteS über die Haase-Versammlung. Gustav Herve ist selbst nicht für den Frieden, wie man aus der betreffenden Stelle lesen kann; er hat nur festgestellt, daß in Frankreich ein Teil der Sozialisten den Frieden wünscht."_ Aus den Organisationen. Der Bericht des Vorstandes des Sozialdetnokralischen Zentral« Vereins für den 7. schleswig-holsteinischen Reichstags« Wahlkreis(Kiel-Neumünster-Rendsburg) erstreckt sich mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verbältnisie nur aus die Mitgliederbewegung und die Kassenverhältnisse. Eine eingehende Berichterstattung über die Tätigkeit im letzten Geschäftsjahre soll erst nach dem Kriege erfolgen. Die Mitgliederzabl betrug am 31. März 1915 15 144, und zwar 11 606 männliche und 3538 weibliche. Sie ist um 1602 gegen den Stand vom 1. April 1914 zurückgegangen, und zwar um 1266 männliche und 336 weibliche. Bei dieser Auf- stellung find die zum Kriegsdienst eingezogenen Mitglieder nicht in Abzug gebracht worden, weil sich aus den Berichten der Ortsvereine eine genaue Aufstellung über deren Zahl bis zum Abschluß des Geschäftsjahres nicht machen ließ. Nach einer bis Mitte Januar 1915 reichenden Aufstellung waren � von den am 31. Dezember 1914 vorhandenen 11842 männlichen Mitgliedern rund 3000 zum Kriegsdienst eingezogen und zwar 2185 Verheiratete mit 4076 Kindern und 815 Ledige.— Der Abonnentenstand der „Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung" hat sich auf dem Stand deS Vorjahres gehalten., Der Abschluß der Parteikaye zeigt folgendes Bild: Vermögens- stand am 1. April 1914: 26 278.62 M.. Einnahmen 36 766,37 M-. Summa 63 044,99 M. Ausgegeben wurden 34 052,41 M.. so daß am 31. März 1915 ein Bestand von 28 992,58 M. verblieb. Air den Parteivorstand in Berlin wurden 11685,51 M.. an den Bezirks- vorstand in Altona 5842,76 M. abgeführt. Aus der Zusammen- stellung aller Einnahmen und Ausgaben der Ortsvereine und der Zentralkaffe ergibt sich folgender Kafsenbestand am 1. April 1914: 37 418.34 M., Einnahmen 62 670,39 M.(darunter 58 427.60 M. Mitgliederbeilräge), Summa 100 088,73 M. Ausgegeben wurden 50 519.70 M., verbleibt am 1. April 1915 ein Bestand von 39 569.07 M. Gewerkschaftliches. die Gewerkschaften im neunten Kriegsmonat Das„Correspondenzblatt" der Generalkommission der- ösfentlicht in seiner Nummer vom 12. Juni die Ergebnisse der Gcwerkschaftsstatistik, die am 3V. April d. I. aufgenom- men wurde. Teilresultatc derselben sind ja bereits durch die Fachpresse»nix den„Vorwärts" bekannt geworden. Das GesamtergÄm'ls bestätigt den Eindruck der Einzelbilder. Die Zahl der zum Heeresdienst eingezogenen Mitglieder wächst andauernd. Sie betrug: Anfang September 589 755— 27,7 Proz. der Mitglieder 31. Oktober... 661095— 31.3 �-» 30. Januar 1915. 780 594= 34,1. 30. April 1015.. 958 247= 41,7. Sie durfte im Mouat Mai noch erheblich gesteigert worden sein. Während am Schlust des zweiten Quartals 1314 die Verbände 2 521 303 Mitglieder zählten, hatten sie am 30. April 1915 deren nur 1323 978 in 10 557 Zweig- vereinen. Die Zahl der letzteren ist gleichfalls nach der letzten Aufnahme vom 30. Januar 1915 zurückgegangen. Sic betrug an diesem Tage 11 003 gegenüber 11 200 am 31. Ok- tober 1914. Bericht konnte am 30. April 1915 nur für 9428 Zweigvereine mit 1 247 244— 9(t5 Proz. der Mitglieder ge- geben werden. Die Angaben sind somit nicht vollständig. Daraus düfrte es sich auch erklären, daß der Mitglieder- bestand am 30. April 1915 geringer angegeben wird, als er nach Abzug der zuin Kriegsdienst einberufenen Mitglieder von dem Mitgliederbestand am Schluß des zweiten Quartals 1914 hätte sein müssen. Es ist zwar anzunehmen, daß mit dem Eingehen der Zweigvereine in den vom Kriege heim- gesuchten Grenzbezirken auch der größte Teil der dortigen Mitglieder verloren ging. Dagegen dürfte in den anderen Teilen des Organisationsgebietes ein Mitgliederverlust kaum eingetreten sein. Die meisten Verbände berichten im Gegen- teil über zum Teil recht beträchtliche Neuaufnahmen von Mitgliedern in den letzten Monaten. Bei den Bauarbeitern werden 14 513, bei den Transportarbeitern 14 122 und bei den Holzarbeitern 10 400 Neuaufnahmen gezählt. Es wird deshalb die Differenz zwischen dem am 30. April 1915 fest- gestellten Mitgliederbestand und dem, der sich nach Abzug der zum Heeresdienst Eingezogenen ergeben müßte, darauf zurück- zuführen sein, daß über die Zahl der letzteren nicht voll- ständig berichtet werden konnte. Der Prozentsatz der im Heeresdienst stehenden Gewerkschaftsmitglieder ist in den einzelnen Verbänden sehr verschieden. Er steigt von 21,0 bei den Tabakarbeitern auf 84,2 bei den Fleischern. Im all- gemeinen blieb das Verhältnis in den einzelnen Verbänden das gleiche, wie zu Beginn des Krieges. Nahezu die Hälfte der Mitglieder ist den Gewerkschaften durch den Kriegsdienst entzogen. Das ist für die Leistungs fähigkeit der Organisationen nicht nur während der Kriegs zeit, sondern vor allen Dingen nach Kriegsschluß von ent scheidender Bedeutung. Zu der Verringerung der Beitrags einnahmen infolge Ausschewens großer Mitgliedermassen kommt hinzu, daß viele von den in den Verbänden verbleiben- den Mitgliedern geringere Beiträge zahlen als die Ausqe- schiedeucn. In den meisten Verbänden zahlen die weiblichen Mitglieder weniger Beitrag als die männlichen. Von den 1 277 244 Mitgliedern, für die am 30. April 1915 Bericht ge- geben wurde, waren 151 727 weibliche. Während vor Kriegs- beginn die weiblichen Mitglieder 8,8 Proz. des Gesamt- Mitgliederbestandes bildeten, stehen sie heute auf 18 Proz. Dieses Verhältnis wird sich hei weiterer Kriögsdouer noch ungünstiger gestalten. Die Beitragseinnahmen werden ge- ringer, nicht aber die Anforderungen an die Leistungen der Verbände. Zum Teil sind die bei Kriegsbeginn aufgehobenen Unterstützungseinrichtungen wieder eingeführt. Die Besse- rung auf dem Arbeitsmarkt läßt diese Maßnahme berechtigt erscheinen. Trotzdem lastet die Arbeitslosigkeit auf einigen Berufen noch überaus schwer, wenngleich im allgemeinen eine erhebliche Besserung im Beschäftigungsgrad eingetreten ist. Es wurden Arheitslosc gezählt: Anfang September 370126= 21,2 Proz. der Mitglieder 31. Oktober...175 500=10.7, 30. Januar 1915. 96 393= 6.6. 30. April 1915.. 36 081= 2.8„. Die Verbände, welche auch im April ,d. I. noch einen ganz abnormen Prozentsatz Arbeitslose hatten, werden auch gegenwärtig noch auf das äußerste belastet. So ist denn die Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung von 17 783 000 M. vom 1. August 1914 bis 30. Januar 1915 auf 20 539 000 M. und die für die Fainilien der Kriegsteilnehmer von 0180 000 Mark auf 7 005 000 M. gestiegen. Unter all diesen Um- ständen ist es erklärlich, daß die Gewerkschaften den Anforde- ruugcn, Beiträge für die vielen und verschiedenartigen ge- nicinnützigeil Unternehmungen zu leisten, nicht Folge geben können. Sie haben im Auge zu behalten, daß, wenn nach Kricgsschluß die Millionen aus dem Felde heimkehren, von den Gewerkschaften ebenso Hilfe verlangt werden wird, wie insbesondere bei Beginn des Krieges. Diese Hilfe wird von enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung sein. Sie darf aber nicht die einzige bleiben. Einzelne Gemeinden haben sich durch den günstigen Stand auf dem Arbeitsmarkt verleiten lassen, die Arbeitslosenunterstützung wieder aufzuheben. DaS muß als ein schwerer Fehler bezeichnet werden. Nicht Bc- feitigung bestehender Fürsorge für die Arbeitslosen darf er- folgen, sondern deren allgemeine Einführung ist notwendig. EsKvärc unverzeihlich, wenn man die Dinge wiederum an sich herankommen ließe, anstatt Vorsorge zu treffen, ihnen gewachsen zu sein. Wie auf vielen anderen Gehietcn des Wirtschaftslebens müssen entsprechend den Erfahrungen wäh- reich der Kriegszcit die erforderlichen Einrichtungen auch für die aus dem Felde Heimkehrenden getroffen werden, um ihnen über, die erste Zeit der Arbeitslosigkeit, die zweifellos eintreten wird, hinwegzuhelfen. Deutsches Reich. Ter Zentralverband der Schuhmacher während des Krieges. Wie alle Organisationen hat auch der Schuhmachcrvcrband unter den Kriegswirkungen schwer zu leiden. Bei Ausbruch des Krieges stieg die Arbeitslosigkeit enorm an, weil eine große Anzahl von Schuhfabriken sofort stillgelegt wurden. Aach und nach, insbesondere durch Kriegslicferungcn, wurden die Fabriken wieder in Betrieb genommen, wodurch die Zahl der Arbeitslosen von Monat zu Monat zurückging, bis sie im Februar mit 2,20 Proz. den wahrend des Krieges niedrigsten Stand er- reichte. Von da ab stieg die Zahl der Arbeitslosen wieder all- mählich an, wenn sich diese Steigerung auch vorerst noch in mäßigen Grenzen beivegt. Um cm Bild über die Arbeitslosigkeit im Schuh- macherverband zu geben, seien nachstehend die entsprechenden Ziffern, welche durch die allmonatlich für da» Reichsstatistische Amt aufgenommenen Arbeitslosenzähungen gewonnen wurden, hier mit- geteilt. Im Monat Aull 1914 wurde bei einer durch die Bericht- «rstattnng festgestellten Mitgliederzahl hon 42 682 661 oder 1,52 Proz. als arbeitslos festgestellt. Ende August, also im ersten Kriegsmonat, wurden dagegen bei 29 982 Mitgliedern 8253 oder 27,60 Proz. Arbeitslose gezählt, im September bei 34 043 Mit- gliedern 4121 oder 12,10 Proz., im Oktober bei 31 698 Mitgliedern 21181 oder 6,85 Proz., im November bei 30 012 Mitgliedern 1257 oder 4,12 Proz., im Dezember bei 28 524 Mitgliedern 976 oder 3,72 Proz., im Januar 1915 bei 27 829 Mitgliedern 747 oder 2,68 Proz., iin Februar bei 26 982 Mitgliedern 596 oder 2,20 Proz., im März bei 25 386 Mitgliedern 620 oder 2,48 Proz., im April bei 23 947 Mitgliedern 849 oder 3,42 Proz., im Mai bei 23 176 Mitgliedern 859 oder 3,71 Proz. Arbeitslose. Der wirkliche Mit- gliederstand ist etwas höher als er in diesen monatlichen Er- Hebungen angestellt ist, da ein Teil der Verwaltungsstellen in der Regel ihre statistischen Nachweise nicht oder nicht rechtzeitig ein- senden. Dies traf, wie erklärlich, im Monat August im erhöhten Maße zu. Aus dieser Uebersicht geht auch hervor, daß die Zahl der Mitglieder infolge der Einberufungen stark dezimiert wurde. Es steht leider zu befürchten, daß die Arbeitslosigkeit wieder eine größere wird. In denjenigen Fabriken, in welchen Militär- stiefel fabriziert werden, werden weniger weibliche Arbeitskräfte benötigt als wenn für den Zivilbedarf fabriziert würde. Durch die vielen Einberufungen sind fast keine Arbeiter mehr zur Be- dienung vn Spezialmaschinen vorhanden. Man hat zwar ber- sucht, an Spezialmaschinen, welche bisher ausschließlich von männ- lichen Arbeitern bedient werden, weibliche Arbeitskräfte anzu- lernen, dies ist aber nur bei den leichter zu bedienenden Maschinen möglich. Während früher die Zahl der weiblichen Arbeitslosen eine verschwindend geringe war, so z. B. im Monat Juli 1914 von 661 nur 149 oder 22,54 Proz., wurden im Monat Mai 1915 bei ins- gesamt 859 Arbeitslosen 486 weibliche oder 56,58 Proz. zählt. An Arbeitslosenunterstützung hat der Verband seit Kriegs- ausbrach bis zum 30. April 1915, also in neun Monaten, 337 200 M. ausbezahlt. Für Unterstützung an die Familien der Kriegsteil- nehmer wurde die Summe von 137 361 M. ausgegeben und an sonstiger Unterstützung 22 175 M. In runder Summe also 500 000 M. Aus dieser Darstellung ist die große finanzielle Last, die der Krieg den Gewerkschaften aufbürdet, ohne weiteres zu ersehen. Die Zahl der Mitglieder ist seit Kriegsausbruch, wenn man die Abrechnungen des Verbaicdes vom 2. Quartal 1914 und 1. Quartal l915 miteinander vergleicht, von 43 228 auf 25 191 zurückgegangen. Als zum Heeresdienst eingezogen wurden 41 836 oder 27,38 Proz. der Gesamtmitgliederzahl ermittelt. Der tat- sächliche Mitgliederverlust— nach Abzug der zum Heere Einge- zögenen— beträgt sonach rund 6000.. Hiervon mögen noch etwa i-OOO zum Heere eingezogen sein, die es aber verabsäumt� haben, sich bei ihrer OrtSverwaltung abzumelden, so daß als wirklicher Verlust rund 5000 oder 11,60 Proz. zu buchen sein dürfte. Es wjrd große Anstrengungen bedürfen, um die Verluste, die der Krieg dem Verband zufügte, wieder auszugleichen. 'Von den zum Heere Eingezogenen sind bis setzt als auf dem Schlachtfeld gefallen bekannt 305, das sind 2,60 Proz. der Ein- gezogenen. �___ Prügelnde Bergbeamtc. In derselben Zeit, in welcher die Tätigkeit des Bergmannes als im vaterländischen Jmeresse liegend gefeiert und vielfach als der Blutarbeü im Felde gleichwertig hingestellt wird, weiß die»Berg- arbeiter-Zeitung" zu berichten, daß deutsche Bergleute von Berg- beamten geprügelt werden! Die Vorfälle haben sich aus den Böerschächten der Fürstentum Pleßschen Gruben zugetragen. Dort soll u. a. der Steiger Jahn Arbeiter mit der Hundepeitsche, mit der Hand ins Gesicht und mit einem Stock über den Rücken ge- schlagen sowie Tritte aufs Gesäß ausgeteilt haben. Auch der Tages- steiger Gülden soll meist eine Hundepeitsche bei sich führen, mit der' er den über Tage beschäftigten jugendlichen Arbeitern»den Slaüb aus dem Anzug klopft". Vom Bergverwalter Janel wird erzählt, er habe einen jungen Arbeiter ins Bureau kommen lassen und ihn dort geschlagen. Unter den Ge- schlagenen befinden sich Leute, die als Rekruten zum Heeresdienst aus- gehoben sind. Wir müssen natürlich der.Bergarbeiter-Zeitung" die Verant« wortung für das Mitgeteilte überlassen. Aber wir haben keinen Zweifel, daß sie das Behauptete vor der Veröffentlichung gewiffen- hast nachgeprüft bat. Wie ungern die.Bergarbeiter-Zeitung' den schweren Schritt der Veröffentlichung unternahm, um dadurch eine Besserung herbeizuführen, zeigt ihr Stoßseufzer:»Solche Dinge in einer so schweren Zeit berichten zu müssen, ist wahrlich tief be- schämend." Hoffentlich trägt die öffentliche Rüge zur Beseitigung der Miß- stände bei! Trusf/reü Denkf an uns- Sendet GalemAleikum Salem GolD ßtgaretten Willkommenste Liebesgabe ty-».N- 372*3 G ö IQ Preis- 3)�5 S a ioIfg.d.6"fck. Orient. labak-ü.CigareffenSbr.�mdzeDresden, .Mieten........."' JnJLffiigoZiefeJIojiiefeianf 5]ld.Königs v. Sachsen und die damit verbundene Flecktyphuegefahn wirkt einzig sicher„Russol. Russol-Oel in prakt Spritz- 1 Russol-Puder i.d.Spritzschacb- kapseln spez. geg. Kleiderläuse. I tel gegen Körperläuse u.Juckreiz Karton 85 Pf.| Schachtal 50 Pf. Wo nicht erhältlich nichts anderes nehmen. sondern bestellen gegen Einsendung in Briefm. oder Schein u. 10 Pf. Porto. Aucii sofortige. Zusendung an gewünschte Adressen ins Feld. Otto Reichel, Berlin 22, Eisonbohnstrasae 4» HnnaDmeltellen für„Kleine Anzeigen' Berlin C. 91. Hahnisch. Ackerstr. 174. O. Karl Melle, Petersburger Pia» 4. Gustav Bogel, Koppen- Itr-tze 82. R. WcngelS. MarkuSstr 36. 8. Zucht. Jmmanuelkirckstr. 12. I. Ne»I, Barnimitr. 42. X. 91. Wolgast. Wattstraße 9. H. sttscher, Bastianstraße 6. Karl Mars, Gresienbagener Str. 22. I. Hönisch. Müllerftr. 34a- H. Bogel, 8ortzingslr. 37. Zl. T-je«, Jnvalidenslr. 124. Solomon Joseph, Wilhclmshavener �str. 48. IS-KV. G. Schmidt, Bärwaldi» 42. Tachn, Hagelberger Str. 27. !S. St. Frtli, Prinzeustr. 31. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. SB. Paul Böhm, Launtzer Platz 14/15. P. Harsch, Engelufer 15. .Adlersbot. Karl Schwarzlose, Bismarckstri 28.- Baumaelinlenr, ex. H. Hornig. Marienlbaler«tr. 13, I. Borsixwnlde. Paul Kicnast, Näuschstr. 10. Ciinriottenkarx. Gustav Schnrnberg, Sesenbeimcr Str. 1. k'riedrleliBlinxen. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. <>!ri»nnn. Jrauz Klein, Friedrichstr. 10. .lobannistiml. Max Gonschnr, Parlstr. 23 Ksrlgliorirt. Hermann Bilbing, Dönhoffstr. 28. liitpeniel». Ginil Wisilcr, Kietzerür. 6. üaDcn. Lichtenberg I. Ltto Scikel, Wartenbcrgstr. 1. I.iebtenberx II. A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. S'euhbUn. M. Heinrich, Ncckarstr. 2. Conrad, Hcrmannstr. 50. C. Rohr, Stegjriedstr. 28/29. lVieder-Seliimeweide. 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Das Publikum, welches Underberg-iBoonekamp kaufen will, verlangt nicht immer ausdrücklich Underberg-Boonekamp, sondern einfach Boonekamp oder„echten" Boonekamp, und glaubt, speziell im letzteren Falle, daß ihm dann unbedingt mein Fabrikat Underberg- Boonekamp geliefert werden müsse. Diese Auffassung ist irrig. Nachdem das Wort„Boonekamp" und die Devise„ocddit qui non servat" im Jahre 1898 Freizeichen wurden, führe ich mein Fabrikat ausschließlich unter der Bezeichnung „Underberg" bezw.„Underberg-Boonekamp" und unter der Devise„Semper idera". Ich bitte deshalb alle Käufer, welche mein Fabrikat erhalten wollen, in ihrem eigenen Interesse, sowohl beim flaschenweisen Einkauf, wie beim Ausschank ausdrücklich „Underberg"-Boonekamp oder kurzweg„Underberg" zu fordern. Die Worte„Underberg-Boonekamp", ebenso„Underberg" sind als Warenzeichen für mich gesetzlich geschützt. H. Underberg-Älbrecht RHEINBERG(Rhld.) Gegründet 1846. Kontor o, Lager; Berlin SW 48, Friedrlohstr 237, Fernsprecher Amt Lütow, No. 3073 u. 4470. tät:-. r.-"'' c.- | iaDzigerstr. W. nafle Aikona'Bad, Anklamer-Str. U.! BadMt*if104i�SL 2lia oeue AtZ QcLafütato- jBQisr- üTÜönditorelsn, A.GroBkinsky. Iiexhagen«r«t.27. j : Gusf. Helntschel, HaTelter(!»rjlr.26: Otto Hoff, Cborinerstr. IS. F. Kiesewetter, Schhflbeinerstt. J». j R. Klinke, Weifiens,. L.hderst.lSO, | 8. Kleiner, Schulsfr. 103 i Felix Kynast, Dinenatr. 8. Carl Ltadsnbergr, lyeletTftr. 4. G. Meier, Gr'Gnor Wog'Cr. I P. Müller, WillibaH-älerifsifafe 43. ! GJttänch,Rei5ieteid«f.PT9Tii!|jir.lll : Gustav Nlelson. Llndoworstr. 9 ! P. Nitschke,'■'ädiherstraön 4. J.D.Pepp. ImeoiIestr.lOl.ReljifkMil.-flil. Fr. Pribyl, Osnsbrüeket�t». 36. ! Osw. Rachut, Görtelstr. 37 1 Gust, Raatenberg, Metzeratr. II FrlhRicbterJr..Lfebenwal(ferstt3 I H. Saunas, AHensteiner Str. 26. 1 Paul Schmoll, Amsterdahieratr.9.( > Adolf Schslz, Floraetp. 7g Pank, i Tiiphan Filialen in allen i I iunjall StadtteileD. E. 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Fengler, Cöp., Flemmingstr.Hrj Fleischerei- Fnwflarier Alle« 150 Wi!IyGeridie,Peteräburgerstr.8l M.Gmavi0ld,Kopcnhagener5t.68. H. Holzhötter. Putbusserstr. 46. Hubrich, Bamlerstr. 23. Wilh. Kurtj, Wrangclstr. 63 Filialen und Niederlagen in allen Stadtteilen b'ur reelle Qualitäten in«rlEaDi!t vomühafto BezuasgiHl« Kaffee. Tee, Kskao und Schokolade etc, Hamtiiirger Kaffee-InipBrtgsscliaft Emil Tengelmann 4 Katiänat-tcr h Rabattinark.' oloniaimard teissbier, Breit liaupt, H.Lrfbnih.�m.', Schönstedt, r.A6 B7 T.l irn».fMI.As!! August Llncke. Pallsadenstr.g? T-I.Rzil. 3031, jpG�Scba�lalTconlitllr; ___ Alto-Tacobstr. 26. Rosföckerstraße 43. Fleiscb.u Wurstfabr. Paul Matschke, Tbaerätr. 17 SAROTTI Kakao und Schokolade preiswert beliebt in je de tu llaugbalt. Vpjffprt L Fiüal. in Berlin 4, G», und V'ororten ey!i'ax,(i.,� Fritz Höbner, Scbliemannstr. II. O. Pöbsch, Beb vredenstr. 18. FranzRichter.Malpraquetstr.Stp/SB Runge. Otto, Nklln. Hermannst. 55. 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ISl� 12. oröentl. Genoffenschaftstag. (Tclcgraphischcr Bericht.) Ueber den Punkt..M itteilungen über den Jntcr- nationalen Genosscnschaftsbund" erstattete den Bc- richt Heinrich Lorenz- Hamburg. Er konnte natürlich nur über die letzten internationalen Beziebungen vor Ausbruch des Krieges referieren und sagte: Freie Bahn für unsere tvirtschaftliche und kulturelle Betätigung zu finden, das erhoffen lvir als Ergebnis des Krieges. Raum für alle hat die Erde. Wir hoffen, daß der Weltkrieg mit einem dauernden Frieden endigt. Ter Krieg wird ja angeblich nicht gegen das deutsche Volk geführt, sondern gegen den deutschen Militarismus. Tagegen ist doch zu sagen, daß, wenn wir uns in Deutschland von irgend etwas befreien wollen, wir gezeigt haben, daß wir die Kraft besitzen, das selbst zu tun. l'lus solchen Aeusterungen spricht eine ungeheure Unkentnis des deutschen Wesens und eine ungemessene Arroganz und Anmaßung. Jnter- nationale Solidarität heißt nicht die linke Backe hinhalten, tvenn man auf die rechte schon einen Schlag erhalten hat. Trotz all dieser Tinge müssen wir nach dem Kriege versuchen, einander wieder näher zu kommen. Die Völker können sich nicht mit einer chine- fischen Mauer von einander abgrenzen und abschließen; sie haben in materieller Beziehung, in industrieller und im Handel lind Ver- kehr sehr viel miteinander zu tun, von den geistigen Beziehungen erst gar nicht zu reden. Eine ganze Reihe internationaler Ver- ständigungen und Verträge geben davon Zeugnis, wie der Weltpost- verein, die Handelsverträge usw. Wir brauchen vom Ausland Lebensmittel und Rohstoffe, wir führen Jndustrieprodukte ins Ans- land aus; das bedeutet für Hunderttausende Arbeiter Brot und Beschäftigung. Wenn dieser Krieg eines klar gezeigt hat, so ist es das, daß es ungemein schlvcr ist für die Völker, einander kennen und verstehen zu lernen. Stur so sind die Aeutzerungen der britischen Genosscnschaftspresse verständlich. lZustimmung.) Tic Völker sollen in allen Fragen des kulturellen Fortschritts einander nähertreten, das ist die einzige Bürgschaft für den Weltfrieden. Die folgenden Punkte der Tagesordnung(Fortbildungskom- Mission, Unterstützungskassc, Tarifamt, Ausschußbericht, Verbands- rechnun�, Wahlen, Voranschlag und Verbandsbeiträge) waren rein geschäftlicher Natur, entbehren des allgemeinen Interesses und wurden ohne Debatte schnell hintereinander erledigt. Im Anschluß an den Gcnossenschaftstag wurde so wie alljähr- lich auch diesmal die Generalversammlung der Großcinkaufsgcscllschaft abgehalten. Tie Großeinkaufsgesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht, ihre Mitglieder sind in der Hauptsache die Konsumvereine des Zentralverbandcs. Tie Großeinkaufsgesellschaft liefert aber aucb an andere, dem Zentralverband nicht angeschlossene Vereine. 1Sl4 betrug die Mitgliederzahl 813, die in 48 Einkaufs- Vereinigungen organisiert sind und von den 7 Zentrallagern in Hamburg, Berlin, Gröba, Erfurt, Düsseldorf, Mannheim und Nürn- berg aus mit Waren versorgt werden. Die Entwickclung der Groß- cinkaufsgesellschaft ist natürlich abhängig von der EntWickelung der Konsumvereine des Zentralverbandes, doch ist die erfreuliche Tat- fache festzustellen, daß ein immer größerer Teil des Umsatzes der Vereine über die Großeinkaufsgesellschaft geleitet wird.— Vor Eintritt in die Verhandlung wurde eine Umstellung der Tages- ordnung beschlossen, sodaß ein Autrag des Konsumvereins Leipzig- Vlagwitz nicht erst gegen Schluß der. Tagung zur Verhandlung gc- langt. Dieser. Antrag beschäftigt sich mit den Gehältern der Be. amten der Großeinkaufsgesellschaft und verlangt, daß diese� Ge- hälter so wie früher durch die Generalversammlung und nicht durch den Aufsichtsrat der Großeinkaufsgesellschaft festgestellt werden sollen. Ten Geschäftsbericht erstattete der Geschäftsführer Lorenz- Hamburg. Er wies zunächst darauf hin, daß das ver- slosscne Geschäftsjahr infolge des Krieges kein normales Jahr gc- wesen ist. Dannn fuhr er fort: Kriegserfahrungen besaßen wir nicht; daher ist es auch nicht möglich, das Geschäftsjahr 1314 mit vorhergegangenen Jahren zu vergleichen. Erst nach dem Abschluß des Krieges wird eine zusammenfassende Darstellung über die .Kriegserfahrungen gegeben werden. Zwei Perioden sind im Ge- schäftsjahr 1914 zu unterscheiden: In den ersten 7 Monaten wurde ein?Nchrumsatz von 7 Millionen Mark erzielt, die 5 Kriegsmonate brachten einen Mindcrumsatz von 4 Millionen Mark. Eine Reihe von Geschäften, die wir in den früheren Jahren regelmäßig machen konnten, fielen mit Kriegsausbruch weg. Bei allen Be- trieben, der Eigenproduktion gestaltete sich die Rohmaterial- beschaffung bei hohen Preisen sehr schwierig. Nach i�icgsausbruch mußten wir unsere Zigarrenfabriken einige Wochen Ichucßcn, gewährten aber unseren hier beschäftigten Arbeitern Unterstützung. Tann setzte flotter Geschäftsgang ein, der auch jetzt noch andauert und auch jetzt noch dazu führte, daß wir nicht in der �age waren, alle Aufträge zu erledigen. Wir haben u. a. Hsetesueferungen erbalten. Die neue Seifenfabrik in L.uiicldorf�hat«inen Kostenaufwand von 2,9 Millionen Mark er- fordert. Sie konnte erst vor einigen Tagen voll in Betrieb ge- nommen werden. Bei der Bankabteilung machte sich die Ein- Wirkung res Krieges am stärksten bemerkbar, die Lieferanten ver- langten vielsach Vorausbczablung. Tie Bankabteilung steht aber feit und sicher da. In Hamburg haben wir ein neues Lagerhaus m Bau. das einige kleinere Betriebe der Einenproduktion auf- nehmen soll. Das Projekt der Errichtung einer Wohnungskolonie in Gröba für die Arbeiler unserer dortigen Seifenfabrik ist nock nicht zur Ausführung gelangt. Ein Wettbewerb war schon aus- geschrieben, bei dem Gchcimrat Muthesius Preisrichter sein sollte Wenn der Krieg zu Ende ist. wird ein Teil der Anlage sofort aus- geführt werden, das sind etwa 70 Wohnungen. Der Wert des gesamten Grundbesitzes der Großeinkaufsgesellschaft beträgt VA Millionen Mark und ist mit 3,3 Millionen Mark Hypotheken belastet.— Geschäftsführer Lorenz bespricht die Lohn- und Ar- bcitsverhältnissc bei der Großeinkaufsgesellschaft. wendet sich dann den Kriegsmaßnahmen zu und teilt mit, daß von dem männlichen Personal der Großeinkaufsgesellschaft, das 1065 Personen umfaßt, 612 bisher zum Heeresdienst eingezogen wurden. Tie Groß- einkaufsgejellschaft gewährt den ins Feld gezogenen Verheirateten vier Wochen Lohn, den Ledigen zwei Wochen Lohn; die Frauen der Eingezogenen erhalten 24 M. im Monat und 9 M. für jedes Kind unter 15 Jahren. Dem Roten Kreuz und anderen Hilfs- organisationen hat die Großeinkaufsgesellschaft erhebliche Beträge überwiesen; ihre Beamten und Arbeiter haben freiwillig auf einen Teil ihrer Bezüge zugunsten von Nnterstützungszweckcn verzichtet. Tie Eingezogenen sind bei der Kricasversicherung der„Volksfür- sorge" versichert. Ter Umsatz von Januar bis Mai 1915 zeigt, daß das Geschäftsjahr 1915 kaum einen Minderumsatz bringen wird. Mit den Ergebnissen des Geschäftsjahres können wir unter den obwaltenden Umständen zufrieden sein. Nach dem Kriege ist eine aufsteigende wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten, an der die Konsumvereine, und die Großeinkaufsgesellschaft teilnehmen werden, wenn sie genossenschaftliche Treue bewahren. lBeifall.l lieber die� R e v i s i o n der Geschäftsführung berichtet B ä st l e i n- Hamburg.— A r n o I d- Sachsen bespricht die Fi- nanzpolitik der Großeinkaufsgesellschaft, worauf Bästlein und Lorenz erwidern. Tie vom Gau Stuttgart beantragte Ent- laüimg wird einstimmig erteilt. lieber die Verteilung des Reingewinns wird dem Vorschlag gemäß beschlossen, die Vereine erhalten wie im Vorjahr 4 vom Tausend Rückvergütung.— Der Gau Stuttgart wird als Revisor wiedergewählt. Darauf folgt die Beratung des oben bereits mitgeteilten An- trags Leipzig-Plagwitz. Winter-Plagwitz und Arnold, der frühere Geschäftsführer des Leipzig-Plagwitzer Vereins, besprechen die Art der Gehaltsfestsetzung in der Großeinkaufsgesellschaft und be- gründen den Antrag.— Frau Steinbach-Hainburg weist darauf hin, daß die Tabakarbeiter der Großeinkaufsgesellschaft zu Löhnen beschäftigt sind, die in Deutschland einzigartig sind; die Gehälter der Geschäftsführer entsprächen nur ihren Leistungen.— tzaubold- Chemnitz bittet, den Antrag Arnold abzulehnen. Er führt aus, daß die Verwaltung des Leipzig-Plagtoitzer Vereins dem Antrag fernstehe, der nur durch die Generalversammlung des Vereins er- zwungen worden sei.— Generalsekretär Heinrich Kaufmann weist tatsächliche Unrichtigkeiten in den Ausführungen Arnolds an der Hand der Protokolle zurück.— Schließlich wird der Antrag Leipzig- Plagwitz gegen vier Stimmen abgelehnt. Unter den geschäftlichen Mitteilungen gibt Gesckstiftsführcr Bergcr-Hamburg bekannt, daß seine Obligationsanleibc im Betrage bis zu 5 Millionen Mark in der nächsten Zeit herausgebracht werden soll zur weiteren Förderung der Eigenproduition und der sonst der Großeinkaufsgesellschaft zugewiesenen Ausgaben. Die Versammlung nimmt dies ohne Debatte zur Kenntnis. Die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder werden wieder- gewählt. Am Nachmittag fand die G e n c r a l v e r s a m m l u n g der Bcrlagsgesellschaft statt. Damit hatte die dies- jährige Tagung des Zentralverbandes ihr Ende erreicht. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 249 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Etappen-Inspektion der 5. Armee. Baudirektion der 9. Etappcn-Jnspcktion. Infanterie usw.: Garde: Grenadier-Rcgimenter Alexander, Franz, Elisabeth. Augusta und Nr. 5; Garde-Jäger-Bataillon. Lehr-Jnfanterie-Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilicr-Regimenter Nr. 1, 3, 5, 11, 12, 15, 17, 18(f. Ers.-Jnf.-Reg. v. Reinhard», 19(s. Bes.-Reg. Nr. 8 Posen der Bcs.-Brig. Nr. 2), 27, 28, 30, 34, 35, 46, 41, 42, 44, 45(f. La>rdw.-Jnf.-Reg. Nr. 31), 19(). Ers.-Jnf.-Reg. Keller), 54, 55, 56, 61, 62, 66, 67, 69, 70, 79, 80, 83, 87. 92 bis einschl. 99, 109, 110, 112, 114, 118, 128, 129, 136, 138, 142, 144, 148(f. auch Ers.-Jnf.-Reg. v. Reinhard) 149, 151, 152. 154, 156, 158, 161, 163, 166, 167, 168, 169, 173, 174, 175. Reserve-Jnfanteric-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 5, 7, 8, 11, 19, 20, 21, 22, 24, 25, 28. 29, 31, 35. 40, 46, 55. 57. 59, 61, 64, 65, 66, 67, 68, 71, 72. 74, 75, 83, 84, 87, 90, 91, 93. 98, 109, 110, 130, 205, 214, 215, 216, 218, 219, 236, 237, 239, 249, 254, 256, 261, 265, 268, 272. Ersatz- Infanterie-Regimenter Keller, Königsberg II und III sowie v. Reinhard. Landivehr-Jnfanterie- Regimenter Nr. 2, 9 fs. Landw.-Jns.-Reg. Tietz), 30, 31, 38. 46, 55, 65, 66, 72, 73, 76.Kaufmann Rudolf Rabe aus der Alvenslebenstr. 17 geworden. Als er gegen 2 Uhr an der Ecke der Eichhornswaße den Fahrdamm der Potsdamer Straße überschreiten wollte, übersah er das Herannahen eines Geschäftsautos der Firma Grünfeld und wurde von dem Kraftwagen zu Boden gerissen. R. erlitt Rippen- brüche und Quetschungen der Brust und mußte, nachdem ihm auf der nahen Unfallstation die erste ärztliche Hilfe zuteil geworden war, nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause gebracht werden. Beim Baden ertrunken. Am Sonntag, den 13. Juni 1915, nach- mittags, ist ein unbekannter, etwa 20—25 Jahre alter, iniltelgroßer Mann, wahrscheinlich im Freibnd Tegeler«ec ertrunken. Die Kleider ' deS Unbekannten, der einen kleinen Schnurrbart haben soll, wurden des Abends am Ufer gefunden. Sie bestehen aus einem Marengo- jockettanzug, lilafarbenem Oberhemd, weißem Sportumlegekragen mit Selbstbinder, blauen Strümpfen, schwarzen Lackknöpfschuhen mit grauem Einsatz, Gummiregenmantel mit flacheni, rundem Strohhut mit schwarzem Band. Sein weißbuutes Taschentuch ist gezeichnet: „K M." Wer über die Persönlichkeit des Mannes Auskunft geben kann, wolle sich bei der Tegeler Polizei melden. Kleine Nachrichten. Die Berliner Wehr wurde gestern früh um 5 Uhr nach der Graunstr. 15 alarmiert, wo sich zwei Personen mit Gas vergiftet hatten. Wiederbelebungsversuche waren leider erfolg- los.— In einem anderen Fall glückte es in der Kot'.buser Str. 4, die bewußtlose Person zu retten und lebend nach dem Urban- Krankenhause zu schaffen.— Bor dem Hause Hasenheide 16 sprang gestern vormittag gegen 10 Uhr der Feldwebel Marks von der 3. Kompagnie des 4. Garde-Regiments zu Fuß während der Fahrt von einem Siraßenbahnwagen der Linie 15 und kam zu Fall. Er erlitt einen Bruch des lmken Unterschenkels und fand im Reserve- lazarett»Neue Welt' Aufnahme. Ein Portemonnaie gefunden wurde am Sonnabendnachmittag in der Hermannstraße in Neukölln. Der Verlierer kann sich melden bei Schied, Weisestr. 17 III._ fius öen Gemeinden. Marktdebatte in Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung wählte am Montag für den ausgeschiedenen Genossen Molkenbuhr den Stadtv. Wols-Zitel- mann sFreie Fraktion) zum Vorsteher-Stellvertreter und Genossen Rottländer zum ersten Beisitzer. Das Marktwesen soll eine größere Ausdehnung erfahren, zu diesem Zweck will der Magistrat auf dem Rudolf-Wilde-Platz— vor dem neuen Rathause— einen neuen Markt errichten, der Dienstags und Freitags abgehalten werden soll. Auf dem Winterfeldt-Platz soll jeden Montag ein Abendmarkt eingerichtet werden. Die dadurch entstehende Einnahme wird für die ersten Jahre mit zirka 16 000 M. berechnet.• Stadtv. Friedrich sFr. Fr.) ersuchte um Ablehnung der Vor- läge, da man den Gemüsehändlern das Leben nicht zu sehr er- schweren dürfe. Als Preisregulator könne der Markt nicht in Be- tracht kommen, da dort nicht immer frische, noch viel weniger die beste Ware verkauft werde. Auch fehle es an der notwendigen Kon- trolle. Bei dem vor einiger Zeit vorhandenen Karloffelmangel waren es die Gemüsehändler, die dem Publikum entgegen kamen und genügend Kartoffeln zu mäßigen Preisen zur Verfügung stellten. Die Bücher dieser Gewerbetreibenden beweisen deren starken Ge- schäftsrückgang durch Einrichtung von Märkten. Auw Sozialdemo- traten geben zu, an den Markttagen sehr schlechten Geschäftsgang der umliegenden kleinen Geschäftsinhaber bemerkt zu haben. Den Kleingewerbetreibenden kann nur durch Ablehnung der Vorlage ge- Holsen werden. Genosse K ü t e r erklärte, daß je mehr sich das wirtschaftliche Leben ausbreite, sich eine Preisregulierung von selbst ergebe. Von der städtischen Verwaltung müsse vielmehr getan werden, um dem Allgemeinwohl Rechnung zu tragen. Auch die öffentlichen Märkte haben ihre Nachteile, die aber durch Vorteile für die Käufer voll- ständig behoben werden. Besonders die Frauen der arbeitenden Bevölkerung haben diese Vorteile erkanilt. Den hiesigen Händlern steht nichts im Wege, ihre Waren den Preisen des Marktes anzu- passen sowie auf dem Markte ihre Ware feilzuhalten. In der Kartoffel- frage haben die Märkte sich wohl bewährt, während die Ladenhändler mit den Marktpreisen nicht konkurrieren konnten. Die Befürchtung des Vorredners, daß ein neuer Markt vor dem Rathause den Frauen der Kriegsteilnehmer Gelegenheit bieten würde, ihr Geld los zu werden, sei vollständig falsch. Die Frauen sind vielmehr gezwungen, mit dem wenigen Gelde sparsam und haushälterisch umzugehen, und daS kann leichter durch eine große Auswahl auf dem Markte erreicht werden. Vor allen Dingen komme erst das Allgemeinwohl, Interessengruppen müßten dabei zurücktreten. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Ge- noffen Eichelhardt, Küter, Reiche angehören. Städtischer Fleischverkauf in Charlottenburg. Am Mittwoch, den 16. d. M., eröffnet die Stadt den Verkauf von Fleischdauerwaren in 32 als städtische Verkaufsstellen kenntlich gemachten Fleischerläden, die über die ganze Stadt verteilt find. Der Bezug des Fleisches ist nur Charlottenburger Einwohnern gegen Vorzeigung der von einer städlisckien Brotkommission ausgestellten Berechtiguiigskarte, die jeder auf Verlangen erhält, gestattet. Die für den Kauf von städtischen Kartoffeln ausgestellten Karten haben gleichfalls Gültigkeit. Ein Verkauf an Wiederverkäufer, Zwischen- Händler, Fleischer, Fleischwarenhändler usw. findet nicht statt. In den städtischen Verkaufsstellen dürfen andere als städtische Fleisch- dauerwaren nicht verkauft werde«. ES werden an den einzelnen Käufer nur'/z bis 4 Pfd. geräuchertes oder gesalzenes Schweine- fleisch oder Speck abgegeben; Hinterschinken wird in ganzen oder halben Schinken verkauft. Die Preise für das Pfund sind folgende: Hinterschinken mit Knochen 1,60 M., Kamm oder Schulter(Border- schinken 1,30 M., Rücken und Bauchspeck 1,40 M., Pökelfleisch(Kamm oder Schulter) 1,10 M._ Der Neuköllner Magistrat genehmigte in seiner letzten Sitzung den Entwurf kür den Bau der Abtei-Brücke in Gußeisenbeton. Der Magistrat Berlin soll auf die das Stadtbild verunzierende Ausnutzung des Borchardtschen EckgrundstückS am Hermannplatz hin- gewiesen und ersucht werden, eine vorläufige Freilegung der Straßen- landflächen vorzunehmen, sobald die Sradlgemeinde Berlin in den Besitz deS Grundstücks gelangt ist.— Mit der vom Sonderausschuß II der Kriegsnolstandskommission beschlossenen Herabsetzung der Kartoffelpreise erklärt sich der Magistrat einverstanden. Er genehmigt ferner die wegen anderweiter Verwertung der Äartoffelbestände zur Herstellung von Kartoffelichnitzeln und Äartoffelflocken getroffenen Maßnahmen.— Die für die Kartoffelverwerlung nicht mehr ge- eigneten Kartoffeln sollen als Futterkartoffeln verkauft werden. Kinderveranstaltunge» in Neukölln. Heute Mittwoch: Spielausflug nach dem Spielplatz der Freien Turnerschaft Neukölln- Britz. Abmarsch 2 Uhr nachmittags vom Wildenbruchplatz lElsensteg». Nächste Tagespartie: Sonntag, den 27. Juni. Ermäßigung der Kartoffelpreise in Steglitz. Die Gemeinde hat die Kartoffelpreise abermals ermäßigt, und zwar auf 3,50 für den Zentner. Im Einzelverkauf kosten 10 Pfd. 40 Pf. Der Verkauf findet wie bisher täglich von 8—12 und 2 bis 7 Uhr im Schuppen der gleislosen Bahn. Bergstraße, außerdem Sonnabends in der Gemeindeschule Friesenstraße statt. Kinderveranstaltunge« i« Steglitz. Heute wie jeden Mittwoch: SpielauSflug der Kinder. Treffpunkt um 2 Uhr am Bahnhof Steglitz. Mus Industrie und Handel. KriegSgewinue. Die Spreng st off-Gesellschaft Kosmos in Hamburg erhöhte ihren Betriebsgewinn von 95 380 auf 109 875 M. Aus dem Reingewinn wird wie im Borjahre eine Dividende von 7'/, Proz. gezahlt._ Preissteigerungen in England. Berlin, 15. Juni.(W. T. B.) Bei der Beurteilung, welche die eben bekannt gewordenen Maiziffern deS englischen Außenhandels in der Presse erfahren, wird bielfach, was insbesondere die Einfuhr von Lebensmitteln betrifft, ausschließlich von der Verschiebung der Einfuhrwerte gesprochen, während die Mengenziffern außer acht ge- lassen werden. Auf diese kommt es aber wesentlich an, wenn man sich ein richtiges Bild von den Verhältnissen machen will. So ist z. B. der Wert der Weizen- Einfuhr gegen den Mai 1914 von 2 464 000 Pfund Sterl. auf 5 373 000 Pfd. Sterl. gestiegen; dagegen hat sich die ein- geführte Menge von 6 046 000 osnt�vsigfirts nur auf 7 284 000 cwts erhöht. Das bedeutet eine Preis st eigerung um 81Prozent im Laufe des Jahres. An Hafer sind 1 783 000 cvts gegen 1 192 000 owts eingeführt; wenn aber der Wert der Einfuhr sich auf 1 021 000 Pfund Sterl. gegen 347 000 Pfd. Sterl. im Mai 1914 stellt, so bedeutet das wiederum eine Preis st eigerung um 97 Prozent. ES sind 566 000 ovts Speck gegen 419 000 cwts eingeführt worden. Die Steigerung deS Einfuhrwertes von 1 427 000 Pfund Sterling auf 2 084 000 Pfund Sterling bedeutet eine Preis- st eigerung von 8 Prozent. Wenn die Butter- Einfuhr von 325 000 owts auf 275 000 owts zurückgegangen ist, so ist andererseits der Einfuhrwert von 1 798 000 Pfund Sterling auf 1930 000 Pfund Sterling gestiegen, und das macht eine Preis st eigerung von 27 Prozent aus. Fleischkonserven sind, offenbar für militärische Zwecke, in einer Menge von 183 000 owts gegen 85 000 owts im Vorsabre eingeführt worden; die Erhöhung des Einfuhrwertes von 405 000 Pfd. Sterling auf 1 098 000 Pfd. Sterling bedeutet eins Preis- st eigerung von 26 Proz. Für Tee stellt sich die Einfuhrmenge auf 22 087 000 Pfund gegen 16 858 000 Pfund im Mai 1914, der Einfuhrwert auf 1043 000 Pfd. Sterling gegen 633 000 Pfd. Sterling; daraus be- rechnet sich eine Preis st eigerung von 26 Proz. Diese Liste ließe sich noch weiter ausdehnen. So viel ist sicher, daß ein überwiegender Prozentsatz in der Erhöhung der Einfuhr- werte auf teurere Preise zurückzuführen ist. Auffallender noch ist ein Vergleich der Maiziffern mit denen des April. Da stellt sich z. B. heraus, daß Weizen, Hafer, Speck in erheblich geringerer Menge, dabei aber zu erheblich gestiegenen Wertziffern eingeführt worden sind. Frankreichs Außenhandel. Der»TempS* schreibt: Der Außenhandel Frankreichs ist in den ersten fünf Monaten um 2 574 762 000 Frank zurückgegangen, von denen 922 528 000 Frank auf die Einfuhr entfallen und eine Verminderung um 25 Proz. be- deuten, und 1 652 234 000 Frank auf die Ausfuhr, was eine Ver- Minderung um 53 Proz. bedeutet. Die Lage der französischen Aus- fuhr weist gegenüber den Vormonaten keine Besserung auf. Die Einfuhr hat sich dagegen zusehends gebessert und zwar hauptsächlich infolge der Ankäufe von Artikeln für den Heeresbedarf im Auslande. Die griechische Schiffahrt im Kriege. Ein bemerkenswerter und bezeichnender Faktor der gegen- wärtigen Lage ist das Zuströmen neutralen Schiffsraumes nach den Märkten, welche bisher als Hauptgebiet für die Verwendung bri- tischer Schiffe galten. In Nord- und Südamerika, im fernen Osten und in auswärtigen Kohlenmärkten wird nach der»Morning Post" die Borherrschaft besonders griechischer Schiffe täglich bemerkbarer. Seit dem Balkankriege haben griechische Reeder ständig britische und ausländische Dampfer aufgekauft, so daß sich die Summe des in griechischen: Besitz befindlichen Tonnen- gehaltes fast verdoppelte. Außerdem ließen sie in England Schiffe bauen, welche in jeder Hinsicht den besten britischen Trampdampfcrn gleichkommen. Während die Amerikaner ungezählte Reichtümer durch Ver- kauf ihrer Fabrikate ansammeln, kann man ruhig sagen, daß die griechische Nation eine Handelsflotte erwirbt, welche in künstigen Tagen ernstlich mit derjenigen irgendeiner anderen Nation rivali- sieren wird. Sie zieht den unbeschränkten Vorteil aus der Lage, welche durch die weitgehende Beschäftigung der britischen, französi- schen und italienischen«schiffe seitens threr Regierungen geschaffen wurde, Soziales. 50 Pf. für ein Glas Wasser. In einem v-Zuge Berlin-Köln verknigtei: zwei Damen von eineni Speisewagenkellner je ein GlaS Wasser und erboten sich, das Glas mit 10 Pf. zu bezahlen. Der Kellner aber wollte 50 Pi. für daS Glas Wasser haben. Die Damen gingen darauf ein und bezahlten tatsächlich das GlaS Wasser mit 50 Pf. Ein Matrose. der sich als Mitreisender in demselben Wagenabteil befand, machte dem Oberkellner Mitteilung von dem Wucher, den der Kellnech mit den: Trinkwasser getrieben hatte. Der Kellner mußte auf Veranlassung des Oberkellners das Geld an die Damen zurück- geben und wurde entlassen.— Beim Gewerbegericht verklagte der Kellner die Firma Rittelmann, Speisewagengesellschaft, auf Zahlung von 63 M., die er bei seiner Einstellung, die erst zwei Tage vor der Entlassung erfolgt war, für die Anschaffung der vor- geschriebenen Livree ausgegeben hatte. Die horrende Forderung von 50 Pf. für ein Glas Wasser suchte der Kläger damit zu recht. fertigen, daß es Eiswasser— das ist Wasser mit einem Stückchen Eis darin— gewesen sei, und daß er, falls die Damen die Gläser zerbrochen haben würden, die Kosten bätte tragen müssen.— Der Pertretcr der Beklagten bezeichnete das Wassergeschäft des Klägers als eine so unehrliche Handlungsweise, daß man dem Kläger auch noch andere Dinge zutrauen könne. Deshalb sei er entlassen wor- den. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen fei die Verabfolgung von Trinkwasser an die Reisenden durch die Angestellten der Speise- wagen nickü zulässig, denn wenn das Publikum ein GlaS Eiswasser für 10 Pf. haben könnte, würden wohl wenig Limonaden für 25 Pf. verkauft werden.— Die Klag« wurde abgewiesen, weil der Kläger mit vollem Recht entlassen worden sei und er keinen An- spruch habe, die Kosten seiner Livree zurückzuverlangen. Vertragsbruch gegen italienische Musiker. In einem der Bäder- und Hotelbetriebsgesellschaft gehörenden Weinrestaurant konzertierte ein Luartett, bestehend auS einem ungarischen Pianisten und drei Italienern den Brüdern Tomni, welche Mandoline und Gitarre spielten. Die Musiker waren von der Direktion der Bäder- und Hotelbetriebsgesellschaft engagiert mit einer Tagesgage von 30 M. und Istägiger Kündigung. Als in der zweiten Hälfte des Monats Mai die Beteiligung Italiens am Weltkriege in ziemlich sicherer Aussicht stand, glaubte der Direktor der Bäder- und Hotelbetriebsgesellschaft den Gefühlen der Gäste seines Weinrestaurants dadurch Rechnung tragen zu müssen, daß er die drei Italiener plötzlich entließ. Der Ungar sollte mit einem neuengagierten Violinisten weiterspielen. Aber das ging nicht, weil die entlassenen Italiener die Noten, welche ihr Eigentum waren, mitgenommen hatten. Also schloß sich auch der ungarische Pianist seinen italienischen Kollegen an und verlangt« gleich ihnen Zahlung des entgangenen Verdienstes für 14 Tage. Die Klage wurde vor der Kammer 6 des GewerbegerichtS verhandelt. Das ganze Quartett forderte Zahlung von 1250 M., da es außer der Gage noch bedeutende Einnahmen von den Gästen gehabt habe. — Der Direktor der Bäder- und HotetbetriebSgesellschaft erklärte. es sei sozusagen seine patriotische Pflicht gewesen, die Italiener zu entlassen. Unter den Gästen der Weinstube seien viele Offiziere, denen könne man doch nicht zumuten, sich jetzt von Italienern etwas vorspielen zu lassen. Es sei doch nicht möglich, daß jetzt deutsche Musiker in Rom auftreten, also könne auch nicht erwartet werden, daß er in Berlin italienische Musiker beschäftige. Das Gericht verurteilte die Beklagte, an die Kläger 700 M. als Entschädigung für die kündigungslose Entlassung zu zahlen. Der Vorsitzende, Magistratsrat Schultz, führte zur Begründung des Urteils aus: Tie italienische Staatsangehörigkeit der Kläger ist kein Grund, zur kündigungslosen Entlassung. Allerdings herrscht im Publikum eine starke Erbitterung über das treulose Verhalten Italiens gegen seine früheren Bundesgenossen. Aber dem ge- bildeten Publikum ist es bewußt, daß der Eintritt Italiens in den Krieg das Werk einer herrschenden Minderheit ist, während das Bokk bon diesem Kriege nichts wissen wollte und zahlreiche in Deutschland lebende militärpflichtige Italiener ihre Militärpflicht nicht erfüllen. Die Beklagte hatte also keinen Grund, die Kläger ohne Kündigung zu entlassen. Ueber die nationale Seite dieser Angelegenheit ist zu sagen: Unter dem Einfluß einer gewissen Ausländerei hat man sich genötigt gesehen, einem abwegigen Geschmack des Publikums entgegenzukommen und ausländische Musiker zu engagieren, wodurch unsere' deutschen Musiker, obgleich sie auch nortresfliches leisten, zurückstehen mußten. Nun zeigt sich die Kehr- feite dieses Verhältnisses. Aber die mit den Ausländern ge- schlossenen Verträge müssen gehalten werden. Das eine folgt aus dem anderen. Ein verwickelter Rechtsstreit. Im Trianontheater war der Beleuchtungsinspektor Westphal angestellt. Sein. Vertrag lautete für die Spielzeit vom 1. August bis 31, Mai. Das Monatsgehalt betrug ISO M.. die Kündigung war eine Istägige. Mehrere Jahre hatte Westphal unter diesen Bedingungen.� gearbeitet. Auch am 1. August 1914 sollte dieses Vertragsberhältnis wieder erneuert werden. Aber wegen des Krieges konnte das Theater nicht eröffnet werden. Die Direktion machte Westphal den Vorschlag, er möge mit einem anderen An- gestellten gemeinsam die Theaterwache übernehmen, wofür jeder der beiden eine Vergütung von 60 M. monatlich erhalten sollte. Die erste Hälfte des August hat W. unter diesen Bedingungen gearbeitet. Dann wurde das Arbeitsverhältnis gelöst. W. be- hauptet, er sei entlassen, die Direktion behauptet, er habe selbst aufgehört. Nun entwickelte sich zwischen beiden Parteien ein Nattenkönig von Prozessen. W. erhob beim Gewerbegericht drei Klagen gegen die Direktion. Erstens focht er die Gültigkeit des Arbeitsvertrages an, wurde aber damit abgewiesen. Dann be- anspruchte er Bezahlung einer Kündigungsfrist von sechs Wochen, die ihm zukomme, weil seine Stellung im Trianontheater der eine? Werkmeisters gleichzuachten sei. Auch diese Klage wies das Ge- Werbegericht als unbegründet ab. Nun sollte die dritte Klage ver- bandelt werden, durch die der Kläger für die zweite Hälft« deS August, wo nicht er, sondern sein Kollege die Wache ausübte, To M. verlangt.. Bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, daß auch die Direktion des Trianontheaters auf Rückzahlung eines Vor- schusses von 240 M. beim Amtsgericht gegen W. geklagt und über 60 M.. die W. anerkannte, ein rechtskräftiges Urteil erstritten hat, was bereits eine fruchtlose Zwangsvollstreckung gegen W. zur Folge hatte.— Im Gewerbegerichtstermin bemühte sich der Vor- fitzende einen Vergleich zustande zu bringen. Dazu war auch der Kläger nach längeren Verhandlungen bereit, während Direktor Bees von einem Vergleich nichts wissen wollte. Er meinte, er könne von seiner Forderung an W. nichts nachlassen, denn die 'Theatergesellschaften befänden sich heut in einer ungünstigeren tlage als der Kläger, der ein Monatsgehalt von 200 M. habe. schließlich kam aber doch ein Vergleich zustande, der den ganzen Rechtsstreit dadurch beendet, daß W. dem Trianontheater 160 M. in monatlichen Raten von 10 M. zahlt, währeird die Direktion die Klagen beim Amtsgericht zurücknimmt und die Aufhebung der Zwangsvollstreckung veranlaßt. Weitere Zunahme weiblicher Erwerbsarbeit. Nach den Mitteilungen der Krankenkassen hat sich die Zahl der versicherungspflichtigen weiblichen Mitglieder, abzüglich der arbeits- unfähigen Kranken, vom 1. April bis 1. Mai um 119 668 oder 3,66 Prozent erhöht. Das gleiche wird auch von industriellen Firmen bestätigt. Nach diesen Berichten wärest im Monat April 1916 bei l!37 Unternehmern 5140 weibliche Arbeitskräfte viehr beschäftigt als in der gleichen Zeit des Vorjahres, während die Zahl der männlichen Beschäftigten in diesen Betrieben um 81 733 zurückgegangen war. Der Hauptanteil der Zunahme(4147) entfällt allein in die Gruppe der Eisen-, Metall- und Maschinenindustrie. Hoffentlich versäumen es die neueingestellten Arbeiterinnen nicht und schließen sich, soweit es noch nicht geschehen, der zuständigen Organisation an und helfen somit die Lücken ausfüllen, die der Krieg gerissen hat. Bei der Bolksfürforge stieg im zehnten KriegSmonat Mai die Zahl der neu eingegangenen Anträge wieder auf 971. Davon waren 846 Kapiralversicherungen mit einer Versicherungssumme von 199 910 M. und 126 Spar« und Risikoversicherungen. Es waren sonach seit Geschäftsbeginn(1. Juli 1913) zu erlediKn 176 992 An- träge mit einer Kapilalversicherungssumme von 33 418 761 M. In den fünf abgelaufenen Monaten des Jahres 1916 beläuft sich die Zahl der Neuanträge auf 4533, davon 3869 Kapitalverficherungen mit 962 936 M. Versicherungssumme. Gerichtszeitung. Verfüttern von Brotgetreide. Ein interessantes Strafverfahren beschäftigte das Kammer- gericht. Frau Nicksch besorgte in Vertretung ihres im Felde gehenden Atannes ihre Landwirtschaft in Güntersbcrg. Zur Hilfe batt« sie nur einen 14jährigcn Knecht Drescher. Als sie eines �.ages von Güntersbcrg ahwesend war, verfütterte der jugendliche Dre'cher mah. fähigen Roggen, zu dem er gelangen konnte, da die Srau den Kornboden nicht verschlossen hatte. Frau Nicksch wurde wegen der Verfütterung de? KorneS auf Grund der Bundesratsverordnung vom 6. Januar 1916 von der Strafkammer in Guben verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: rhr falle deshalb strafbare Fahrlässigkeit zur Last, weil sie den Kornboden für die Zeit ihrer Abwesenbeit nicht verschlossen und so dem Dienstboten den Zutritt nicht versperrt babe Es werde ihr zwar geglaubt, daß st« es dem jungen Menschen verboten hatte, Korn zu verfüttern. Das Verbot allein hätte sie aber bei der Jugendlichkeit des Knechts nicht für durchgreifend balten dürfen. Das Verbot des Verfütterns von Brotgetreide durch die angezogene Bundesratsverordnung sei so aufzufassen, daß darin zugleich ein indirektes Gebot an landwirtschaftliche Besitzer oder ihre verant- wörtlichen Vertreter liege, zu verhüten, daß Angestellte das Verbot überträten. Die Angeklagte legte Revision ein und ihr Vertreter machte in der Hauptsache geltend, daß die Schlußsolgevungen nicht zuträfen, welche, das Landgericht an das Vermtterungsverbot der Bundes- ratsverordnung knüpfe. Namentlich stelle die Verordnung die Fahrlässigkeit nicht unter Strafe. Jlas Kammergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurücks— Gründe: Im Gegensatz zur Angeklagten nehme das Kammergericht allerdings an. daß nach der Bundcsratsverordnung. obowhl sie dafür keine besondere Be- stimmung treffe, die Tat auch dann mit Strafe zu belegen ist, wenn sie nur aus Fahrlässigkeit begangen wird. Maßgebend sei für diese Annahme, daß«s sich um ein Vergehen polizeilichen Cha- rakters handele. �Llndererseits sei aber das Kammergericht der Meinung, daß die Frage, ob Fabrlässigkeit vorliege, hier nickt in rechtlich eimvand- freier Weis« beantwortet worden sei. Die Strafkammer bätte vielmehr individualisieren müssen. Sie'bätte feststellen müssen. ob nach der ganzen Lage der Sache, der Größe der Wirtschaft und des Dienstpersonals usw., es erforderlich gewesen wäre, daß die Frau für die Zeit ihrer Abwesenheit die Kornkammer verschloß. Das Landgericht habe aber lediglich den einen Gesichtspunkt hervor- gehoben, daß der Knecht ein sehr junger Mensch war. und zwar auch nur in dem Zusanrinenhange, daß man von einem jungen Menschen geradc�annehinen müsse, er weide leicht ein Verbot der Dienstherrschaft übertreten. Diese einzige Erwägung tatsächlicher konkreter Natur scheine nicht einmal richtig zu sein, denn nach der allgemeinen Auffassung des Lebens seien jugendliche Leute viel eher als älter« geneigt, ein Verbot zu beachten. Jedenfalls müsse die Sache nochmal das Landgericht beschäftigen, damit ei in allen Einzelheiten die Frage der Fahrlässigkeit noch einmal nach- prüfe._ Unter der Anklage des Kindcsmordes hatte sich das Dienftmädchen Martba K. vor dem Schwurgericht des Landgerichts III zu verantworten.— Die Verhandlung, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt� wurde, entrollte das sich immer wiederkehrende Bild von dem Schicksal eines jungen Mädchens, welches vom Lande nach Berlin gekommen war, sich hier einen Bräutigam anschaffte, der sie dann zu einem bestimmten Zeitpunkt verließ, so daß das der Mutterschaft entgegensehende Mädchen schließlich zu einer Verzweiflungstat schritt.— Tie Angeklagte war von ibrem Bräutigam verlassen worden, nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, wie es mit ihr stehe. Solange es noch möglich war, verrichtete die K. dann unter Anwendung verschie- dencr Täuschungsmittel ihren Dienst. Ihre Dienstherrschaft, der das veränderte Wesen des Mädchens ausgefallen war, kam eines Tages das lange Verweilen der K. in ihrer Kammer verdächtig vor. Eine Durchsuchung des Schlafraumes führte zu dem Funde der Leiche eines neugeborenen Kindes, welches die Angeklagte unmittelbar nach der Geburt in einem Eimer ertränkt hatte.— Vor Gericht erklärte die Angeklagte, wie auch schon bei ihren früheren Ber- nehmungen, daß sie in jener«iundc von der Verzweiflung gepackt worden, sie wisse nicht, wie sie zu der Tat gekommen sei und auch nicht einmal, ob das Kind überhaupt gelebt habe. Von Rechtsanwalt Dr. David sobn wurden die Geschworenen gebeten, der An- geklagten die größtmöglichste Milde zuteil werden zu lassen, außer- dem frage es sich, da gar nicht feststehe, ob das Kind überhaupt gelebt hatte, ob hier nicht ein am untauglichen Objekt begangener Versuch, also nur versuchter KindeSmord vorliege.— Das Gericht erkannte dem aus versuchten Mord lautenden Wahrspruche gemäß unter Zubilligung mildernder Umstände auf 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Außerdem wurde die Angeklagte auf freien Fuß gesetzt._ Bus aller Welt. Willkürliche Vernichtung von Lebensmitteln. Seit Monaten wird dem Volke gepredigt, nichts von unseren Lebensmitteln umkommen zu lassen, wird ihm gesagt, vor allem die Produkte zu konsumieren, die daheim in Fülle vorbanden sind. In Hunderten von Koch- und Zubereitungsrezepten wird angegeben, wie Abfälle und Reste nochmals billig zu verwenden sind. Da ist es denn bezeichnend, wie landwirtschaftliche Produzenten. in einer Gegend Deutschlands mit Erzeugnissen, die dem Konsumenten den Nahrungsmittelaufwand verbilligen könnten, umgehen. Eine der gemüsereichsten Gegenden Deutschlands ist die so genannte niederrheinische Tiefebene, das linke Nheinufer, etwa von Düsseldorf bis zur holländischen Grenze, vor allem hier auch der Kreis Neuß im Regierungsbezirk Düsseldorf. In Nummer 162 vom 9. Juni der„Neutz-Greveubroicher Zeitung" befindet sich nun ein Saatenstandsbericht aus Büderich, einem Oertchen im Land- lreise Neuß, darin heißt es u. a.: „Reiche Erträge brachten bisher Spargel und Rhabarber; sie sind äußerst ergiebige Gemüse. Viele andere Gemüse, wie Spinat und Schnittgemüse hatten so niedrigen Preis, daß die Züchter, weil wertlos und unverkäuflich, größere Flächen wieder umpflügten bezw. um- gruben. Möge die vielversprechende Erdbeerernte den sich schwer plagenden Gemüsepächtern vollen Ersatz bringen.. Das Neußer Zentrumsblatt bringt diesen Bericht ohne Kam- mcntar, kein Wort der Mahnung oder des Hinweises, daß in der nahen Großstadt Tausende von armen Familien gern diese billigen Gemüse beziehen würden, um ihren Hunger zu stillen. So bemühen sich auf der einen Seite Hunderte von Menschen, dem Volke billige Nahrungsmittel zu schaffen, und auf der anderen gehen Produzenten hin und vernichten die billigen Erträgniffe fruchtreichen Bodens, weil ihnen der Preis zu niedrig erscheint. Denn daß in der gegen- wältigen Zeit der Not solche Produkte„unverkäuflich" sein sollen, trifft auf keinen Fall zu. Zu viel gehamstert! Im Kölner„Stadt-Anzeiger" befand sich dieser Tage diese Annonce: Da für Haushalt zu viel eingekauft, gebe etwa 30 Pfund allerfeinste Zervelatwurst, das Pfund 2,20 M.. einzeln ab. Salierring 65, II. Hier hat also ein Haushalt ollein von Zervelatwurst 30 Pfund zu viel eingelagert. Wie mögen doch die Vorratskammern so mancher Mitbürger gefüllt sein, während so viele Mitmenschen kaum noch ein Stückchen Fleisch erschwingen können! Ei« Dorado für Frauenarbeit. Mit Bezug auf die unter vorstehendem Titel in Nr. 160 des „Vorwärts" erschienene Notiz schreibt uns eine Leserin: „Ich hielt mich drei Wochen bei meinen Eltern in Freien- walde(Oder) auf. Auch bei der dortigen Bahnverwaltung werden Frauen beschäftigt. Natürlich sind es in erster Linie .Kriegerfrauen". Sie müsien dieselbe Arbeit verrichten, welche die Männer bisher taten. Trotzdem erhalten sie nur 2 M. täglich. Meine Schwester arbeitet auch dort seit ihr Mann eingezogen wurde. Vor etwa 14 Tagen kam sie nach Hause und erzählte, es gäbe jetzt nur noch 1,80 M. pro Tag. Der Bahnmeister sagte, dagegen wäre nichts zu machen, denn es melden sich mehr Frauen, als gebraucht werden. Nun mag es doch gewiß leine Kleinigkeit sein, in der glühenden Sonnenhitze auf den Schienen zu stehen und au» Loren Kies zu schippen, jedenfalls murrten die Frauen, und es hieß dann zum 1. Juni: Der tägliche Verdienst ist 1,80 Mark, aber dazu käme eine Kriegszulage von 20 Pf., so daß es jetzt wieder 2 Mark sind. Man sieht also, die Bahn- Verwaltung in Freienwalde leistet in dieser Beziehung noch mehr." Wir müssen gestehen, daß es uns nach dieser Zuschrift scheint, als ob die Duisburger Bahnmeisterei noch geradezu fürstliche Löhne zahlt. Die obige Zuschrift zeigt aber auch, worin die„leichten" Arbeiten bestehen, zu denen die Frauen angeworben werden. Kies- schippen babcn wir noch nie zu den leichten Arbeilen gerechnet, und leichtere Tätigkeit dürfte auch in Duisburg kaum von den Frauen verlangt werden. Es bleibt alio dabei, sowohl in Duisburg wie in Freienwalde a. d. Oder sind die von der Bahnverwaltung gezahlten Löhne angesichts der hohen Lebensmittelpreise viel zu niedrig. Ein netter Jugcndcrzieher. DaS Schwurgericht in Darmstadt verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den 33 jährigen Lehrer Joseph Wehrle aus Urberach wegen Verleitung zum Meineid zu einer Zuchthaus st rase von sechs Jahren. Seine beiden Opfer, die Fabrikarbeiterinnen Grob und Frank er- hielten mildernde Umstände in weitestgehendem Maße zugebilligt und wurden beide zu 1 Jahr Gefängnis, abzüglich 6 Monate Unter- suchungshast, verurteilt. Ein schwerer Unglücksfall bat sich am Sonntag in Woldeak bei Neustrelitz zugetragen. Ein vom Felde auf Urlaub zurück- gekehrter Dachdeckermeister wollte zur Jagd gehen und stellte das geladene Gewehr in die Stube. Sein neunjähriges Kind stieß das Gewehr um, das sich entlud und die Frau des Dachdecker- meisters durch einen Schuß in den Hals tötete. Ter TodcSstnrz vom Kirchturm. Aus eine eigenartige Weise das Leben genommen hat sich in Braunschvcig in der Nacht zum Sonnabend der 17 Jabre alte Schlosserlehrling Neddermeber. Er erkletterte das Gerüst an dem Turm der Andreaskirche und stürzte sich von oben in die Tiefe. Der Unglückliche war sofort tot. lieber die Ursache deS Selbstmordes hat Bestimmtes nicht ermittelt wer- den können._____ parteweranftaltungen. Prestkommission. Wegen Einberufung deS Vorsitzenden der Preßkommission Gustav Häusser zum Heeresdienst ersuchen wir. bis auf weiteres alle für die Preßkommissiou des„Vor- wärtS" bestimmte Sendungen an Adam Bittorf, N, Fehrbelliner Str. 25, gelangen zu lassen..„.. Adlershof. Die Flugblativerbreitui.g sür AdlerShos findet am Donnerstag, abends 7'/, Uhr, vom Jugendheim aus statt. Johannisthal. Donnerstag, den 17. Juni, abends 8'/. Uhr. wichtige Flugblattverbreitung. Die Genossen des 1., 2. und 5. Bezirks empfangen daS Material beim Genossen Kovln, Roonstr. 2, die Genossen dc§ 3. und 4. Bezirks beim Genossen Ariner, Kaiser-Wilhelm-Str. 48.,„ �. PcterShagcn-Fredersdorf. Donnerstag, den 17. Juni, findet bei Appel, Petershagen, ein Exira-Zahlabend mit äußerst Ivichligcr Tagesordnung statt.. �. Spandau. Die heute sällige Mitgliederversammlung des DahIurremZ kann umständehalber nicht stattfinden. Irauenlefeabenöe. Adlershof. Heute, Mittwoch, den 16. Juni, abends 8>/z Uhr, im Jugendheim, BiSmarckstr. 11. Genossin Regina Rüben spricht über:.Krieg und Sozialdemokratie".__ Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma R. M. M a a tz e n, Oranienplatz und Leipziger Str. 42, bat Dienstag mit ihrem Saison-Ausverkauf begonnen. Das bekannte SpezialHaus sür Leinen und Wäsche F. B. Grün- seid, Berlin IV, Leipziger Str. 20—22, Hot am gestrigen Dienstag den Jnventurausverlaus eröffnet..... Die Firma H. Underberg-Boonekamp veröffentlicht in der heutigen Nummer ein Inserat, das der Ausklärung zur Vermeidung von Irrtümern bestimmt sein soll._ SitzungStage der Stadt- und Eemeindeverttetungeu. Borsigwalde- Wittenau. Am Donnerstag, den 17. Juni, nach- mittags 5'/, 6 und 7 Uhr, im hiesigen Rathaus-. Reichhaltige Tages- ordnung. Rosenthal. Donnerstag, den 17. Juni, abends 6 llhr, Im Sitzungssaal des Berwaltungsgebäudes, Hauptstr. 94. Diese Sitzungen sind Ssfenllich. Jever SemeindeangehSrige Ist be- rechligt, ihnen als Zuhörer bcizuivohncn. Srlefkaften öer Reöaktion. Tie turistische Sprechstunde findet für Abonnenten Liudenfte. I, IT. v-f rechts, parterre, ain Montag bis Freitag von t bis 7 Uhr, am Sonnabend von S bis 6 Uhr statt. Jeder für den Brtetlasten bestimmten Lnsrag« ist ein Buchstabe und eine Lahl als M-rlz-icheu beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, dcneu leine Abonnementsguittung beigelugt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Bertröge, Schriftstücke und dergleichen bring« min«»»U Sprechstunde mit. G. R. 1. 1. Sie sind verpstichlct, an die Frankfurter Versicherung weiicr zu zahlen, wenn Sie die Kündigung nach dem Aerfichcnlngsvertrag nicht rechtzeitig vollzogen haben. 2. Erlrankung der Nase.— F. D. ISO. 1. Der Darlehnslassenschein ist ein gesetzliches Zahlungsmittel; die An- nähme kann nicht verweigert werden. 2- Sie sind vom«laate sür die Kricgszeit eingerichtet.— A. Z. 8S. 1. Polizeipräsidium, Alexanderplatz. 2. Lungenkrank: dienstuntauglich.— M. G. 1. Bei Ihrer Einziehung müßten Sie sofort Mitteilung von Ihrem chronischen Leiden machen und die entsprechenden Medikamente veclaiigen.— E, Ä1. Ja.— 8i. 188-4. Sie können abwarten, bis Sie Order erhallen.— W. P. Ihre Einziehung ist nicht wahrscheinlich.— M. H. 71. 1. Felddienstsähig: werden in erster Linie eingezogen. 2. Herzkrank; zurückgestellt.— H. 73. 1. Das sind rein militärische Zeichen. 2. Landsturm ohne Waffe; ArmierungSsoldat. — Robert. Die«rsteren können auch zum Garnisonsdienst verwendet werden, während die letzteren sogleich als kricgsverwendungssähig bezeichnet sind.— M. 1883. Sie müssen der Steuerkasse davon Mitteilung machen: die Unterstützung wird Ihnen in diesem Falle nicht inehr gezahlt werden. — R. B. 6. Kriegsverwendungssähig.— F. P. 100. Wenn der Nichte lein Verschulden nachgewiesen werden lann, hastet sie nicht sür den Schaden. Der abgezogene Dienstlohn müßte durch Klage beim Amtsgericht nach- oerlangt werden.— C. W. 100. Wenn die Witwe selbst Marken klebt, erhält sie Witwengeld; sonst erhält sie aus Eirund der geklebten Marken ihres Ehemannes nur im Falle der Invalidität eine Witwenrente. Rück- zahlung der Beiträge erfolgt nicht mehr.— L. L. 1886. Sie sind gesetz- lich nicht verpflichtet, diese Bescheinigung beizubringen.— Peter Höller. Sie müssen sich jetzt zur Musterung melden.— G. 67. Tie Ausgebotsfrist muß mindestens sechs Monate betragen Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenlral-Markthallen.(Ohne Verbindlichkeit.) Dienstag, den 15. Juni 1913. Fleisch: Rindfleisch, per 30 kx, Ochsen. fleisch la 105—120, do. IIa 92—103, do. IHa 85—92; Bullenfleisch la 100—112, do. IIa 89—100; Kühe, feil 85—100, do. mager 78—85, do. dänische 85—95. Fresser 80—100, Fresser, dänische, 00-00: Bullen, dänisibc. ßg— 93; Kalbfleisch, Doppellendcr 160—180; Mastkälber la 124—133. do. IIa 113—124; Kälber gcr. gen. 73—95, do. dän. 76—128, do. Holl. 00—00. Hammelfleisch: Mastiämmer 125—130: Hammel la 115—124, do. IIa 105—114; Schase 102—118; do. Holl. 00—00. Schweinefleisch, Schweine, seile 00—00, sonstige 135— 155, dän. Sauen 00— 00, dan. Schweine 95—105, do. ichwedische 95—105. do. holländische 00— 00. Gemüse. inländisches: Kartofiew. Dabersche 50 bx 0,00: weiße Kaiserkronen 0,00; dlsMUw bonurn 0,00; W oll mann 0,00; Porree, Schock 0,70—1,00: Sellerie, Schock 3,00—6,00: Spinat 50 kg 10,00—20,00; Mohrrüben, 50 kg 7,00—10,00; Meerrettich, Schock 4,00—10,00; Petersilien- wurzel, Schockbund 4.00—6,00; Radieschen, Schockbund 1,00—1,50: Gurten. Gorgailer, 100 Stck. 0,00. Rhabarber, Hamburger. 100 Bund 3,00 bis 3,50, do. hiesiger 100 Bund 1,50—3,00, do. Vierländer. 100 Bund 0,00—0,00. Tomaten, Gorgaster,'/, kg 0,80. Spargel, Beelitzer I ■/ kg 0,25—0,38, do. Beelitzer II'/, kg 0,10—0,20, do. Beelitzer III ti' kg 0,05—0,10, do. unsortiert'/, kg 0,15—0,22, do. Märkischer I kg 0,20-0,23, do. II>/, kg 0,10-0,15, do. III-s, kg 0,03-0,08. Salat, Schock 0,80— 1,50. Rettiche, bayerische, 100 Stlla 8,00—12,00. Kodlrabi, Schock 1,50—1,75. Schoten, hiesige, kg 0,18— 0,21. C ö st und Südfrüchte: Kirschen, hiesige,>/, kg 0,25—0,35. Aepfel, Amerikaner, Kiste 25—30. Stachelbeeren, unreife, 50 kg 80—22. Erd beeren kg 0,25—0,55. do. Holl. Käfig 00—00, do. Bühler l/, kg 0,20 bis 0,35, do. Beelitzer 0,45. Erdnüsse 50 kg 00— 00, Datteln, 50 kg 48— 50, do. 100 Kartons 70—100. Johannisbrot 50 kg 22—25. Manna 50 kg 35 Zitronen: Mcssina 300 Stück 16—25, do. 360 Stück 22—26, do. 150 Stück 12—14, do. 50 kg 12—15, do. 160—200 Kiste 18—19. Apfelsinen: Murcia 200 Stück 10.00—24.00, do. 300 Stück 12,00—14,00. spanische. 420 Stück 15,00—18,00, do. 714 Stück 24,00-27,00, do. 1064 St. 80,00, do. 420 Stück large 25,00—30,00. WettcrauSstchten für das mittlere Norddeutschland biS Dounerstagmrttng. Im Westen größtenteils heiter und trocken. In den Tagesstunden überall wärmer. Im Osten noch vielfach wolkig, aber nur an wenigen Orlen etwas Regen. Sozfalileinolü'atiselierWalilverelD 1. 12. Berliner ReictistagswaUkr. Bezirk 108. veAm Sonntag, den 13 Juni, rstarb infolge Schlagansall unser Mlglied kritz Heilrnann Eylauer Straße 2. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet oiy Donnerstag, den 17. Juni, nachmittags'1,8 Uhr, von der Halle des Zentrat-Friedhoses in Frie- drichssetde aus statt. Um rege Beteiligung bittet Ter Vorstand. k�euerdeststtung w!t»Nem �iibedSr irnü Gcbübrea j von 105 M. an. lBstilat:MGnl5Bffßlslr.lll Fernspr. MoritzpU 5SL2. Broschüre gratl«. ßlnmcn- und ßranMüdem nun Robert Meyer,' Jnh.: P. Ciolletz Mariannenftr. S. To I.Mdt. 846 1 Sozialdemokratischer Walilverein 8 |LdJ.BerI.lleiehs(ags-Walilkreis. Seit Mitgliedern zur Nachricht, | daß unser Genosse, der Klempner VVildelm Hilzbrich gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, nach- mittags 5 Ubr, von der Leichen- balle des Hciligkreuz-Kirchbofs in Mariendorf, Eisenacher iLtratze, aus statt. (fihre seinem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Slllen Kollegen und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der srübcrc Nestaurateur und Brauer Elvert körslerliiig ini Alter von 53 Jahren nach langen, schweren Leiden ver- schieden ist. Dies zeigen an die tiesbetrübten Hinterbliebenen Föpsterling 223t nebst Kindern. Die Einäscherung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, um 1'/, Uhr im Krematorium in der Gericht- straße statt. Sozialdemokratischer Wahiferein I. d. 6. BerL Reichstagswahlkreis. 6. Abt. Bez. 566. Am Sonnabend, den 12. Juni, oerstarb unser Genosse, der Brauer Ulbert �orsterlinx Finnländische Str. 12. («ihre seinem Andenken k Die Einäscherung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, nach- mittags 1'/, Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 38/39 statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/18 Vor Voi-ntaml. Verhand d. Branerei- n Jiihlen- arheitern. verw.Bernfsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen diene zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Brauer Ulbert RjrsterHng (Dtsch. Bierbrauerei, Pichelsdorf) gestorben ist. Ghre seinem Andenken k Die Einäscherung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, nach- mittags l'/j Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 38/39 statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht.*) D/12 Tie Ortsverwaltung. *) Eine Benachrichtigung durch Karte konnte insolge der Kürze der Zeit nicht ersolgen. BeutseberMetailarbeiter-Yerhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schnitt- arbeiter Fritz Kockegei Neukölln. Jsarstr. 3 am 13. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, nach- mittags 5>/z Uhr, von der Leichen- Halle de? neuen Jakobi- Kirch- Hofes in Zieukölln, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/7 Die Ortsderwaltung. Nachruf. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schlosser Franz Niegel Lichtenberg, Scharnweberstr. 6/7 am 12. Juni Ott Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Ortsverwaltung. F Vevhand der ireien Gast- und Seiiankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Neukölln. Unser Kollege .�gx kodlsckmiät 12 Jahre alt. Kassierer des 3. Be- zirts, ist seinen am 5. Juni er- haltenen Verletzungen im Lazarett erlegen. Wir verlieren in ihm einen guten, braven Kollegen; krast- strotzend zog er ins Feld, aus Nimmerwiedersehen. Ehre seinem Andenken k 73/11 llie Ortsverwaltung. AIS Kricgsgcsangcncr starb ser lieber Kollege 13A khard Hoffmann. Irin ehrendes Andenken be- ihrt ihm Das Personal der Konsumgenoisenschast. Jtuköllner Uedertaiel 1913." Am Sonntag, den 13. Juni, ver- schied nach langem Leiden unser treuer Sangesbruder Friiz Kockegei. In seiner ISjäbrigen Mitgliedschaft hat er sich die Liebe und Achtung aller Mstglieder erworben. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. Juni, nach- mittags o'L Uhr, auf dem neuen Jatobi-Kirchhos, Sermannstr. 99, statt." 59/7 Der Vorstand. Stumm schiäst der Sänger. 3lm 2. Juni starb den Helden- tod fürs Vaterland unser innigst- geliebter Sohn und Bruder, Neffe und Cousin, der Musketier Lnivk Doli (Res.-Jnf.-Regt. 270, 8. Komp.) im blühenden Alter von einund- zwanzig Jahren. Tie tiefbetrübten Eltern und Geschwister. Wer Dich gekannt, der weiß, was wir verloren. Berlin, Juni 1915. Hochstraße Ib. 69A Nacbruf. Von der bereits vollzogenen Beerdigung unseres am 6. Juni sonst entschlafenen Vaters, Schwie- ger- und Großvaters Karl Müller (Pleifen-lüttller) erhielten wir durch außergewöhnliche Umstände die verspätete Mit- teilung. In stummer Trauer allen Freunden und Bekannten zur Nachricht. ITarl Rieger Selma Rieger geb. MQIIer 1885b nebst Kindern. Ilm 12. Juni verschied nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Mauer, zuletzt Gastwirt Kerl Landig im 16. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Elise Eandig nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Juni, nach» mittags 31/, Uhr, von der Halle des Elisabcth-KirchhoseS, Prinzen- allee, aus statt. 46A Am Sonntag, den 13. Juni, vetstarb insolge eines Unglücks- falles unser lieber Lehrkollcge Fritz Sirümke im blühenden Alter von siebzehn Jahren. 89A Wir verlieren in ihm einen lieben Freund und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Bln.-Weißensee, 15. Juni 1915. Die Lehrlinge der Firma Schulz& Co. Nach kurzem, schwerem Leiben entschlief mein guter Mann, unser Ireuiorgender Vater, Schwiegcr- und Großvater 6Zt August Schuhmacher im Alter von 67 Jahren. frau Schuhmacher geb. Heidtke nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 1'/, Uhr, von der Halle des Zluserstehungs- Kirchhoss in Weißensee, Lichten- berger Straße, aus statt. Sozialdemokratischer Vahiverein Neukölio. Am 12. Juni verstarb unsere Parteigenossin Auguste kmdner Zicthenstr. 16. 19. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute den 16. Juni, nachmittags 2'/, Uhr, aus dem Neuköllner Gemeinde- Friedhof, Mariendorser Weg statt. Um rege Beteiligung ersucht 237/16 Der Vorstand. Vorhand d.Gemoinde-u.Staatsarh. Filiale GroB-Rerlin. Den Mitgliedern geben wir Hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen Hermami Hollitz von der Pumpstation 9(früher Bauverwaltung). Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Donnerstag, den 17. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde-Friedhoses in Plötzenlee (vis a vis des Haupteinganges zum Gefängnis in Plötzen- see) aus. Um rege Beteiligung bei der Be- stattung des Kollegen ersucht 31/1 l Oie Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Freunden hiermit die traurige Nachricht, daß meme liebe Frau, unsere Herzens- gute Mutter und Großmutter Bmline Voitig nach kurzer, schwerer Krankheit fanst entschlafen ist. DieS zeigen tiesbetrübt an Wilhelm Voltig und Kinder. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Neuköllner Gcmeinde-Friedhoses aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung und Bestattung unseres lieben Vaters, Schwieger- und Großvaters, des Fabrikanten Otto Richter sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten. inSbeiondere sür die trostreichen Worte des Herrn Manasse, als auch den Mitgliedern des Wahlvereins sowie den Säugern unseren herzlichsten Dank. 6A Berlin, den 15. Juni 1915. Faul Richter und Frau Richard Stolpe nnd Fran Frankfurter Allee 35. Tanksaguu,;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Atex Lichtenberg sage ich hiermit meinen ausrichligen Dank. 1889b Frau Martha Elchtenberg und Kinder. Berlin-Lichtenberg, Normannenstr. 37. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich hierdurch allen Bekannten, den Kollegen der Direltion der Brauerei Patzenhoser- Nordwest meinen besten Dank. 53A >Vitwe Böer nebst Kind. Vtrmltlmgsstelle Kerlin. � 54, Linienstr. 83—85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9711. Bureau geöffnet von S bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr. Achtung! Achtung! Tonnerstag- den 17. Gewerkschaftshause Jum 1915, abends 6 Uhr, Engelnfer 15(Saal I): im W Versammlung"WE der Metalldrücktr und Politrer Groß- Kertins.. Tagesordnung: 1. Allgemeine Branchenangelegcnhcitcn und Verschiedenes. 2. Diskussion. MM» Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen der Melalldrücker und Polierer, die m anderen Beruien beschäftigt sind, zu dieser Versammlung notwendig. Zahlreicher Besuch wird erwartet. fällt Achtung, Klempner! Die Vertrauensmänner- Konferenz sowie Versammlung in diesem Monat aus._ Achtung, Schleifer und Galvaniseure! Die Vertrauensmänner-Konferenz fällt in diesem Monat aus. Verhaat aar an Private. Sonntag 18— lO geöffnet. 1 Täglich wegen Aufräumungsarbeiten| 21/,— 3'/, geschlossen. Rein diesjähriger IMT Inventur= Ausverkauf"HW nbertrifft alles bisher dagewesene. Die feinsten Motlellkostiime(Seide' Kauimg;in1' Tuoh)&- Einfaehere, aber gediegen gearbeitete Kostiinie ansVT�rlt�-Xye�r.iS\h Feine Koverkotmäntel, bis � Inveilturpreis 12- 1 Entzückende Koverkotmäntel 21- 1 Feine Moirfie-Men, neiiest0 Form' Init weißem Rips,�r bi. 1°.� 11K Frottä-Kostüme mit Schoß, regulär bis 45.—, Inventurpreis Entzückendo Waschröcke, garniert, 9 - I.—. für i>. 8.- regulär 9. 1 Lodenmäntel, regumr bis 45.—, für für II-'. Seidenmäntel u. Setagummlmäntel, blau, grau, reseda, regulär bis 82.—, Inventurpreis 89. X ü or-- VI d. i V. V- i V&OwS«. z 4 1 i> V- IX U VLX J-VX v> XO www Wasserdichte Staubmä ntel, regulär bis 42.—, 0,, Inventurpreis 0'< Gummi- u. Seidengloriamäntel in allen Farben, Qf]_ regulär 82.—, für&"• j 7iirflf>bnocofTta Kostüme, Mäntel, Tuchmäntel, Umhänge, darunter Stücke Cinhaitcnroic 10 M bis 110 M, zum Aussuchen zusammengestellt: tlllllBIlbpiBlb U M. Bis za 70°/0 ermäßigt:'T&Q Feine Seidenplüschmänfel, regulär bis 120.—, /O_ 1 Gediegene Herbstulster, regulär bis 70—, 0N Inventurpreis itU» � Inventurpreis"0» Fehle Verantwortlicher Redakteur: Alfred Äielepp, Neukölln. Achtung, Dreher! Die Vertrauensmänner-Konferenz der Eisendreher findet am dritten Donnerstag d. Mts. nicht"Vg statt. Sie ist auf den 24. Juni 1915 verlegt. Einladung zu dieser Konferenz crsolgt noch. 1iz/8 Rle Ortsvevaaltaag. "Filr"den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Pelzmantel. Persianer, Sealbisam, Kanin, lang u. halblang, je n. Qualit. Kurze ffelzjacken statt 185.—. für 60.—. .-(ÄJ«5-(Äl 280.- fCI 125.-|mw T rauer magazin Auswahlsendungen sofort Amt Zentr. 7890. I. Mohrenstr. 37a (Kolonnaden) Westmann II. Große Frankfurter Str. 115 (nabe Andreasstraße) Kleine Anzeigen Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts- esern. Steppdecken, Simitifeide. vor- nehme Ausführung 3,75, 1,85, 5,75, 6,50, 7,85, 9,50, 12,50, 11.50 usw. 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