Nr. 167. Abonnements-Bedingungen! Sionnrmenl-• Stsiä sranumeranb«t BtctteIjfi6rL 3.30 MI. montul. UO Ml. wöchemlich 26 Pfg. frei inZ Haut. Einzelne Nu?nmer 6 Plg. Sonntag»- numiner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pia. Post- »bonnemcM! 1,10 Marl vro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung«- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, kür das übrige Ausland « Marl»ro Monat. Postabonneinent» nebmcn an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Ruinänien. Schweden und die Schwei» ericheilil ltgllch. v»® Berliner Volksblnkk. 32. Jahrgang. vle Insertion!-eebühr veträgt für die sechSgcspaltene Kolanel- »eile oder deren Raum K> Pfg., für politische und gewerlichastliche VeremS- und VersiunmIungs.Anzeigeii SO Pfg. (Jlleine Mnicigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafsiellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate kür die nächste Nummer inüfsen bis ki Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozialilenioKrat Rcrüo". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Neöaktion: SW. bS, Linüenstraße?. Fernivrecher: Amt Moridplau. Nr. läl SV— 1S1 S7. Sonnabend, den 13. Juni 191». Expedition: SW. HS, Linüenstraße 3. Kernsprccher: Amt Moritzplati. Nr. löl SV— 151 S7. Das Bingen Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den RS. Juni IS RS.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Feinde sehen ihre Durchbrnchsvcrsuche nördlich Arras vergeblich fort. Die Engländer erlitten nördlich des Kanals von La Bassee eine neue Niederlage; ihre An- grisfstruppcn wurden aufgerieben; nur einzelne Leute flüchteten sich zurück. Westlich Angres, beim Kirchhos südlich Souchez und nördlich Ecurie sind Franzosen in kleine Teile unserer vorderen Stellung eingedrungen; hart nördlich der Loretto-Höhe gaben wir ein im umfassenden Feuer liegendes Grabenstück planmäßig auf. Im übrigen wurden die feindlichen Angriffe abgesdilagen. Seit dem 16. Juni nahmen wir auf dem Kampffelde nördlich Arras 17 Offiziere 647 Mann gefangen, die blutigen Verluste der Gegner entsprechen denen in der Schlacht in der Champagne. In den Argon ncn wiesen wir schwache feindliche Vorstöße ab. Bei Vauquois haben sich örtliche Gefechte entwickelt. Die Vogesenkämpfe westlich Meheral sind noch im Gange. festlicher Kriegsschauplatz. Vordringende russische Abteilungen wurden von deutscher Kavallerie über den �zymkza-Abschnitt(östlich der Straße Cytowiany—Szawle) zurückgeworfen. Ein von starken feindlichen Kräften gegen die Dawinalinie vorgetragener Angriff scheiterte. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Beiderseits Tarnogrod warfen die verbündeten Truppen in der Nacht den Feind gegen den Tanew-Abschnitt zurück. Die anderen Armeen des Generalobersten v. Mackensen haben die geschlagenen Russen bis in die vorbereitete Gr odek- Stellung(Linie Narol- Miasto— Magierow— Wereszyca-Bach bis zur Einmündung in den Dnjestr) getrieben. An der Dnjestr-Front nordöstlich Stryj ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichifche Heneralftabsbericht. Wien, 18. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: 18. Juni 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Nördlich Sieniawa sind unsere Truppen in der Ver- folgung aus russisches Gebiet vorgedrungen, sie erreichten die Höhen nördlich Ä r e s z o w, die Niederung des T a n e w und besetzten Tarnogrod. Auch die zwischen dem unteren San und der W e i ch s e l stehenden russischen Kräfte weichen an mehreren Stellen zurück. Cieszanow und die Höhen nördlich des Lrtes wurden genommen. Im Berglande östlich N i e m i r o w, sowie in der Gegend bei I a n o w haben sich starke russische Kräfte gestellt. An der W e r e s z y c a wird gekämpft. Unsere Truppen haben an einigen Stellen schon östlich des Flusses Fust gefaßt. Südlich des oberen Dnjestr mußten die Rüsten nach heftigen Kämpfen aus den Stellungen bei Lithnia gegen Kolodruby zurückweichen. Eigene Truppen haben in der Verfolgung die Mündung der Wereszyca erreicht. Die sonstige Lage am Dnjestr ist unverändert. Tie Ostgruppe der Armee Pflanzer wies gestern zwischen Dnjestr und P r u t h acht Sturmangriffe der Russen blutig ab. Der Feind, der verzweifelte Anstrengungen machte, um unsere Truppen in die Bukowina zurückzu- werfen, erlitt im Artillerieseuer schwere Verluste und ging fluchtartig zurück. 8 Offiziere, 1992 Mann wurden gefangen, drei Maschinengewehre erbeutet. Jtalicuischcr Kriegsschauplatz. Bei neuerlichen Vorstößen an der I s o n z o f r o n t er- zielten die Italiener ebensowenig einen Erfolg wie bisher. Bei P l a v a schlugen unsere braven Dalmatiner Truppen vorgestern abend und nachts den Angriff einer italienischen Brigade ab. Gestern griff der Feind nochmals au und wurde wieder zurückgeschlagen. Im Angrisforaume wurden zwei piemontesische Brigaden und ein Mobil-Milizregiment festgestellt. Tie Verluste der Italiener sind hier wie im Kru» Gebiete sehr schwer. Erneute feindliche Augriffe im Ploecken- Gebiet und auf dem Monte Coston wurde» gleichfalls abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Bericht üer italienischen Heeresleitung. Rom, 18. Juni.(W. T. B.) Meldung der„Agenzia Stefani". Meldung der obersten Heeresleitung vom 17. Juni. Kleine glückliche Zusammenstöße bezeichnen die schrittweisen Fortschritte unserer Angriffe im Gebiete des T r e n t i n o und Tirols. Bei Zugnatorte warfen wir eine von Rovereto im Costeanatal vorgehende feindliche Abteilung zurück. Wir besetzten die Stellung von Sasso d Jstria und die Wirtschaft von Falzarego, wo der Feind dreißig Gefangene in unseren Händen ließ. In Kärnten wurde der Artilleriekampf deftiger. Unsere Batterien zerstörten einige österreichische Geschütze und zersprengten einzelne bei Befestigungs- arbeiten beschäftigte Gruppen und Marschkolonnen von Menschen und Tieren. Obwohl heftiger Wind unsere Beobachtungen behinderte, konnten wir die zerstörende Wirkung unseres Feuers auf Malborgeth feststellen. Die Anlagen, die beide Befestiaungswcrke verbinden, sowie kleine Aufstellungsorte offener Batterien wurden schwer beschädigt. Nachträgliche Berichte lassen das kühne Unternehmen stark hervortreten, das bei Tagesanbruch des 16. Juni im Gebiete des K r n trotz großer Geländeschwierigkeiten gegen beherrschende Stellungen unter heftigem Feuer des Feindes ausgeführt worden ist. Wir machten bisher über sechshundert Gefangene, darunter 36 Maschinengewehre. Gestern nach- mittag unternahm ein aus Planina nordwestlich vom Krn kommendes ungarisches Bataillon einen heftigen Angriff gegen unsere Stellungen von Z a k r a i n. Es wurde durch einen Gegenangriff zurückgeworfen und vernichtet. Am I s o n z o wird unsere Offensive planmäßig mit Ordnung und Sicher- heit fortgesetzt. Die Truppen, die nach Plava vorgestoßen waren und nach langen blutigen Kämpfen die benachbarten Höhen eingenommen hatten, befestigten ihre Stellungen und widerstanden den wiederholten erbitterten Gegenangriffen des Feindes. An der übrigen Front stromabwärts Artillerie- kämpfe auf große Entfernung. Der Bahnhof von G o e r z wurde teilweise zerstört. gez. C a d o r n a. der Zelözug öes LoröAorthclisse. In normalen Zeiten gibt es in England zwei Könige, einen gekrönten und einen ungekrönten. Der eine herrscht pnd repräsentiert, der andere, der Premierminister und Führer der jeweilig stärksten Partei, regiert. Seit dem Aus- bruch des Krieges hat sich das verändert. Georg V. sitzt zwar noch auf seinem Thron, aber Herr Asquith hat seinen Platz einem Planne räumen müssen, der kein Amt hat und kein Parteiführer ist. Dieser Mann heißt Lord Northeliffe und steht an der Spitze jenes Zeitungskonzerns, in dem die „Times" die führende Rolle spielt. Bis zum Jahre 1994 trug der edle Lord noch den einfachen bürgerlichen Namen A. C. W. Harmsworth, 1994 wurde er Sir und zwölf Monate später schon war er Lord Northcliffe, erster Baron of Jsle of Thanet. War schon der simple Herr Harmsworth belnüht, die englische Politik in eine chauvinistische Richtung hineinzu- drängen, so glaubte der Lord, daß der Adel ihn verpflichte, diese Note noch stärker zu betonen. Seine Presse war es, die am lebhaftesten in Deutschenhetze machte, die eine wilde .Nüstungspropaganda betrieb und jeden Versuch einer An- näherung zwischen Deutschland und England im Keime zu er- sticken strebte. Man kann der liberalen Regierung nicht nach- sagen, daß sie sich willenlos von ihm treiben ließ, und wir sind überzeugt, daß eine unbefangene Geschichtsschreibung, besonders auch was die Person des Sir Edward Grey angeht, diese Tatsache hervorheben wird. Aber aus verschiedenen Gründen war das Kabinett Asquith doch zu schwach, um der brunuenvergifterlschen Tätigkeit der Organe des Lord North- cliffe mit dem gehörigen Nachdruck entgegenzutreten, und so konnte es nicht wunder nehmen, daß, als der Krieg nun wirk- lich kam, der Einfluß des Mächtigen ins Ungemessene stieg. Er benutzte ihn zunächst, der liberalen Negierung Schwierigkeiten zu machen. Seine Presse erhielt den Auf- trag, alles grau in grau zu malen, die Kriegslage immer möglichst pessimistisch zu beurteilen und alle Maßregeln des Ministeriums als schlecht oder unzulänglich hinzustellen. Es wurde eine außerordentlich geschickt inszenierte Kampagne gegen einzelne Mitglieder des Kabinetts geführt. Bald griffen die gefügigen Redaktionskulis den Minister Lloyd George, bald Churchill, bald Haldane, bald auch den zuerst in die Regierung hineingelobteu Kitchener an, und schließlich blieb dem liberalen Kabinett nichts anderes übrig, als seinen Bankerott anzumelden und sich in ein Koalitionsministerium umzuwandeln. Damit war ein bedeutender Sieg erfochten. Der Burg- friede hatte den Konservativen immerhin einigermaßen die Hände gebunden, nun kamen sie mit ans Ruder, und der mächtige Zeitungsplantagenbesitzer durfte hoffen, in ihnen die gefügigsten Werkzeuge zur Verwirklichung seiner Wünsche zu finden. Das nächste Ziel aber ist die Einführung der allge� meinen Dienstpflicht. Kaum war die neue Regie- rung zustande gekommen, da ging die Harmsworthpresse auf der ganzen Linie zum Angriff gegen das bisherige System über. Was England not tue, sei, so hieß es, die zielbewußte Organisation und der Zwang, der Freiwilligkeit müsse ein Ende gemacht werden. Der Staat müsse das Recht erhalte», jedem Mann, jeder Frau, jedem Kinde, sei es im Felde, sei es in den Munitionsfabriken oder sonstwo, die richtige Funk- tion in dem großen Kriegsbetrieb anzuweisen. Die Regie war vortrefflich. Es erschienen plötzlich in den Zeitschriften Zuschriften von Leuten mit bekannten und klangvollen Name», unter denen übrigens die Bischöfe der englischen Hochkirche in der vordersten Reihe standen, und die auf Befehl des Ober- machers fabrizierten Leitartikel konnten sich nun den Anschein geben, als faßten sie nur die Wünsche und Forderungen einer unbeeinflußten öffentlichen Meinung zusammen. Jedoch die Aufgabe, die sich der Drnckerschwärze-Lard hier gesetzt hat, ist ein gut Teil schwieriger als die, die liberale Regierung zu stürzen. Große Teste des englischen Volkes widerstreben den Zwangsmaßregeln, und die Regierung hat es bisher noch nicht gewagt, das Programm der„Times" und der bischöflichen Diener des Gottes der Liebe zu akzeptieren. Es gibt in England Traditionen, die man nicht so leicht über den Haufen werfen kann, und zu ihnen gehört der tiesgehende Haß gegen den zwangsmäßigen Heeresdienst. Allerdings ist er durch die Erfahrungen der letzten Mo- nate ein wenig erschüttert. Nicht als ob auf dem Wege der Anwerbung zu wenig Soldaten auf die Beine gebracht worden wären— Appelton, der Generalsekretär der Gewerkschaften, versichert eben, daß die Zahl der freiwillig Eingetretenen kaum geringer sei als die, die man durch Aushebung häitg erhalten können— aber der Umstand, daß eine Reihe vo» Unternehmern ihre Arbeiter vor die Wahl gestellt haben: entweder unter die Fahnen oder verhungern, machte manchen bi? dahin leidenschaftlichen Gegner der allgemeinen Wehr- Pflicht stutzig und liest in ihm den Wunsch wach werden, dast die Wohlhabenden ebenso zum Heeresdienst gezwungen würden wie die Armen. Trotzdeni jedoch ist die Abneigung gegen daS festländische System in den Reihen der Arbeiter sowohl wie bei den bürgerlich Liberalen und Intellektuellen noch außer- ordentlich stark. Man empört sich gegen den Zwang, und was wichtiger ist, man fürchtet den Einzug des m i I i- t a r i st i s ch c n G e i st e s. Tast e» ein demokratischer Gedanke ist, alle ohne Unter- schied zur Lerteidigung des Vaterlandes zu verpflichten, wird anerkannt. Aber man fragt sich voll Sorge, ob diese Demo- kratie nicht nur eine scheinbare sei. und ob eine Armee nach dem Muster der konstitutionellen Staaten nicht zu einer ge- fährlichen Waffe in den Händen der herrschenden Klasse in England und zu einer beständigen Bedrohung des europäischen Friedens werden könne. Unter Militarismus verstehen die Engländer nicht die Organisation des HcercS als solche, son- dern die Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens mit militärischem Geist, die llnterordnung der inneren und aus- wärtigen Politik unter die einem starken zum Kriege ständig gerüsteten Heere von Hause aus innewohnenden Tendenzen. Zum guten Teil aus diesem Grunde hat die parlamentarische Arbeiterpartei der Anwerbung von Rekruten seit Beginn des Krieges ihre Unterstützung geliehen, und eben deshalb setzt sich jetzt vor allem die Unabhängige Arbeiterpartei mit der denkbar größten Entschiedenheit gegen die Pläne des Lord Northcliffe zur Wehr. So ist das Eisen der allgemeinen Wehrpflicht für die Rc- gierung einstweilen noch zu heiß. Um so mehr aber tritt nun die Idee in den Vordergrund, einen Zwang zur Arbeit in den Munitionsfabriken einzuführen, um endlich deni Mangel an Geschützen und Geschossen ein Ende zu bereiten. Lloyd George, der Verwalter des neugeschaffenen Mnnitionsministeriums, ist in der letzten Zeit im Lande umhergereist, um für diesen Plan Stimmung zu machen, und er stellt es in seiner demagogischen Manier so dar, als ob die Organisation der Rüstungsindustrie und die Organisation der Arbeit im Grunde ein soziali st i scher Gedanke sei. Einstweilen freilich hat er mit seinen Künsten nur bei einem kleinen Kreise von Minderbegabten Erfolg. Das Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei, der„Labour Leadcr", behandelt diesen merkwürdigen Kriegs- s o z i a l i s m u s mit beißenden: Hohn, und das Blatt findet bei liberalen Tageszeitungen und Wockienschriftcn gute Unter- stützung. Sie alle wollen das von der Gegenseite vorgebrachte Argument nickt gelten lassen, daß im Interesse der Pro- letaricr im Felde auch die Proletarier zu Hanse unter eine Art von nnlitärischeer Disziplin gestellt werden müßten, nnd die radikal-libemle„Nation" beispielsweise tut mit viel Ueber- zeugungskraft dar, daß der Arbeitszwang nur den kapitalisti- scheu Unternehmern durch die Lahmlegung der Gewerkschafts- bewegung nützen werde. Nack einer heftigen Debatte im Parlament hat die Regierung sich zu der Erklärung genötigt gesehen, sie werde den Arbeitszwang jedenfalls nicht auf dem Verwaltungswege(durch ein sogenanntes Orctsr in Council) einführen, sondern im Fall der Not das Parlament befragen, und damit ist die Gefahr zunächst noch einmal abgewandt. Aber sie ist keineswegs völlig beseitigt. Nun stehen innerhalb und außerhalb des Parlaments die Gegner ein- ander bis an die Zähne bewaffnet gegenüber, und die Clique der kavitalistischen Hetzer wird sicher nichts unversucht lassen, ihr Ziel zu erreichen. Leider hat die varlamentariiche Ar- beitervartci ihre Stoßkraft dnrchjöen Eintritt in das bürger- liche Kabinett sehr verringert, �ie hat sich der Möglichkeit beraubt, die Kerntrupve des Widerstandes gegen die reaktiv- nären Absichten zu bilden. Alles kommt jetzt darauf an, ob die Arbeiter nnd die Radikal-Libcralen im Lande stark genug sein werden, das Verhängnis abzuwehren. Zum mindesten von der Unabhängigen Arbeiterpartei darf man überzeugt sein, daß sie es in diesem Kampfe an Entschiedenheit nicht loird fehlen lassen, aber die Verhältnisse sind verfahren, und die an sich schon stark gerüsteten Gegner können nickt nur durch Ereignisse ans dem Kriegsschauplatz, sondern anck durch Unvorsichtigkeiten und Ungeschicklichkeiten. �ieimfeindlichenAuslandbegangenwerden, eine weitere Stärkung erfahren. Siegt aber Lord Northcliffe, dann erleidet die britische Demokratie eine schwere Nieder- läge, und das bedeutet— wir sagen es offen— nicht nur für Englgfid einen Verlust.__ MMcher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 18. Juni.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von g e fr e r n n a ck m i t t a g. In den V o g e s e n brachten uns unsere Fortschritte gänzlich in den Besitz des Höhenzuges, der das Fechttal nördlich Steinabruck und Metzeral de- herrscht. Südlich gewannen wir ebenfalls Gelände zwischen den beiden Abzweigungen der oberen Fecht auf den Höhen, die das Fechttal vom Lauchtal trennen. Meldungen von der übrigen Front sind dem gestrigen Abcndbericht nicht hinzu- zufügen. Paris. 18. Juni. CS. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Auf der ganzen Front herrschte während der beiden letzten Tage g r o tz e T ä t i g k c i t. Die Kämpfe nördlich A r r a s zeigten seit gestern äußerste Heftigkeit. Tie Jnfantcriekämpfe waren zahl- reich und erbittert,"der Ärtilleriekampf heftig und von ununter- brochener Dauer. Wir erzielten ernstliche Fortschritte, welche trotz wütender Gegenangriffe des Feindes fast insgesamt behauptet wurden. Einige dieser Fortschritte wurden heute noch merklich weitergeführt. Hauptsächlich im Nordteile des Abschnittes rückten wir vor, indem wir mehrere Reihen Schützengräben auf beiden Seiten der Straße Air-Noulette-Souchez ein- nahmen. Die Deutschen halten sich noch im B u v a l- G r u n d..Sie sind dort beinahe umzingelt. Wir rückten heute wie gestern ununterbrochen in nordwestlicher, sudöstlicher, westlicher und östlicher Richtung gegen Souchez vor. Weiter südlich faßten wir im Park des Schlosses von Earleul Fuß, dessen wassergefüllte Gräben den feindlichen Verteidigungsarbeiten als Basis dienten. Wir eroberten den. Friedhof von Souchez und gewannen Gelände aus den Hängeii südöstlich Souchez(Höhe 119). Dank mehrerer glänzender Stürme wurden die gestern erzielten Ergebnisse heute ausgedehnt. Nördlich, östlich und südlich Neuville erstürmten wir eine erste feindliche Linie. An einigen Stellen der zweiten Linie kämpften die angesetzten Truppen mit Bajonett und Handgranaten. Nachdem unsere Infanterie, durch.das Feuer von nahezu 30Ü OOO Granaten sehr wirksam unterstützt, mit äußerster Energie angegriffen hatte, muße sie in der Nacht vom Mittwoch zum Donners- tag unter heftigem Artilleriefeuer heftigen mit starken Mannschaftsbeständen wiederholt ausgeführten Gegenangriffen entgegentreten. Diese wurden auf der ganzen Front abge- wiesen. Wir räumten nur ein gestern früh erobertes kleines Gehölz südlich der Höhe 119, welches durch das feindliche Artilleriefeuer unhaltbar geworden war. Die Deutschen setzten elf Divisionen an, die äußerst hohe Verluste erlitten. Auch unsererseits erlitten wir ernste Verluste. Die Stimmung der Truppen ist ausgezeichnet. Tie Zahl der von uns gemackten Gefangenen übersteigt 600, darunter über 20 Offiziere. Unsere Geschwader beschossen mit Eriolg die deutschen Reserven in G i v e n ch y und im B o is de la Folie und zer- streuten in Formation begriffene Truppenzusammenzüge. Die schwere Schlappe, welche der Feind in seinen Gegenangriffen in Ouenneviore erlitt, wird durch die große Zahl der vor unseren Schützengräben gefallenen Deutschen bestätigt. Weittragendes Geschütz beschoß zweimal Lillers-Eotte- rets(ein Verwundeter). In Reims gestattete die Unter- suchuug von Einschlagteilen deutscher Geschosse festzustellen, daß über 80 Granaten, darunter mehrere Brandgranatcn auf die Stadt, besonders auf die Kathedrale sielen. Im Elsaß dauerten unsere Fortschritte an. Wir bemächtigten uns Alten- Hofs(Vorort von Metzeral), ferner Steinabrücke und rücken weiter auf beiden Fechtufern vor. Die Deutschen äschern Metzeral ein. Die Zahl der in unsere Hände gefallenen Gefangenen erreicht 500, darunter 10 Offiziere. 28 Unteroffiziere. Zu dem bereits erwähnten Material sind drei Minenwerfer, drei Maschinengewehre, Feldtelephonie, Apparate für Ausströmung erstickender Gase hinzugekommen. Ein feind- liches Flugzeug wurde von einem unserer Flugzeuge im Elsaß zum Absturz gebracht. Die beiden deutschen Flieger wurden getöret. Der englische Bericht. London, 18. Juni.(W. T. B.) Reuters besonderer Korrespondent im englischen Haupt quartier meldet: Die zeitweise Ruhe wurde durch Angriffsbewegungen gegen H o o g e und F e st u b e r t unterbrochen. Beim Anbruch der Dämmerung waren durch die vorbereitende Tätigkeit der Artillerie Schützengräben des Feindes vernichtet worden, darauf unternahm die Infanterie einen Angriff und faßte festen Fuß in der ersten und einem Teile der zweiten Reihe der feindlichen Schützengräben. Später konnten die Stellungen nicht gehalten werden. Mittwochnachmittag griffen wir H o o g e an. Am nächsten Morgen unternahm unsere Infanterie einen gutgelungcnen Angriff. Ter Gegenangriff wurde durch unser Feuer abgewiesen. Die Verluste der Briten sind im allgemeinen nicht groß, die der Deutschen bedeutend. Die englische Verlustlifte. London, 18. Zuni. iW. T. B.) Di- gestrige Verlustliste einhält die Namen von 102 Lstizieren und 2107 Mann. Gestlicher Kriegsschauplatz. Ein englisches Urteil über öie Kämpfe in Galizien. London, 18. Juni.(ZL. T. B.) Ter militärische Korrespondent der„Times" schreibt: DaS militärische Haupt- interesse des Krieges konzentriert'ich auf Galizien. Von den Ergebnissen der dortigen Kämp'e hängt der Eharak'.er des Feldzuges auch am den anderen Kriegs'chauplätzen am Monate hinaus ab. AZcnn e? den Oesterreichern. Ungarn und Deutschen gelingt, die ru'silche Armee ouS Galizien zu werfen oder iie zu durchbrechen, zu umzingeln oder zu zerstreuen, können wir diesen Sommer am keine ernste ru'st'che Offensive rechnen, und es wird schwieriger lein als mvor, ein Zu'ammer.arbciten Italiens und Serbiens mir Rußland herbeizmiihren. Da Deunchland gemerkt hat, daß feine VerleidigungSstellung im Westen stark genug ist, um den Angriff des Feinde- auizubalten oder jedenfalls jehr zu verzögen:, und da die italienische Angriffsbewegung wegen der Gelände- fchwicrigkeilen noiwendigerweifc langsam ist. greifen die Deutsche» Rußland an und versuchen, durch eine große Niederlage der russi- scheu Armee den Zusammenbruch des ganzen Bierverbandes herbeizuführen. Der italienische kneg. Dericht ües italienischen �lümiralstabes. Rom, 18. Juni.(W. T. B.) Tor Chef des A d m i r a l- st ab es teilt mit: Eines unserer Luftschiffe, welches feindliche befestigte Lager überflog, belegte einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt in Tivaca mit Bomben von großer Sprengkraft und vcr- ursachte schweren Schaden. Das Lustschisi kehrte trotz heftigen Gewehr- und Maschinengewehrseuers des Feindes wohlbehalten zurück. Das Unterseeboot„Medusa", welches nützliche und kühne Aufklärungsdienste vollbracht hatte, wurde von einem feindlichen Unterseeboot torpediert. Aus den öfter- reichisch-ungarischen Berichten geht hervor, daß ein Offizier und vier Mann der Besatzung gerettet und gefangen wurden. Einstellung ües deutsch-italienischen Post- Verkehrs. Zürich, 18. Juni.(T. U.j Wie aus Rom gemeldet wird, hat der italienische Minister des Post- und Telegraphenwesens offiziell mitgeteilt, daß der postalische und telegraohische Dienst mit Teutschland vorläufig aufgehoben sei. Da dieser Dienst tatsächlich schon seit langem völlig unterbrochen ist, so gibt der Umstand, daß jetzt italicnischcrseits eine offizielle Verkündung dieser Tatsache erfolgt, hier Anlaß zu mancherlei Vermutungen, die sich auf eine weitere Klärung des deutsch-italienischen Verhältnisses in nächster Zukunft beziehen. Wie weiterhin aus Rom gemeldet wird, ist die dem Deutschen Kaiser gehörige Villa bei Frascati von Karabinieris besetzt worden. Der Gruird hierzu liegt nach der offiziellen Lesart in der Absicht, das Gebäude vor etwaigen Manifestationen zu schützen. Zwölfhundert deutsche Zivilgefangene sind auf der Strecke Nizza— Cuneo zu Eisenbahnarbeiten verwendet worden. König Viktor Emanuel setzt seine Jnstruktionsreise weiter fort; er ist zurzeit in Grado angekommen, wo ihm wie gewöhnlich ein begeisterter Empfang bereitet worden sein soll. Der ehemalige Bürgermeister von Rom, Nathan, ist Aslari» und einer Anzahl Europäer unter Hauptmann Haxthausen gegen Norden vorgerückt sei, um einen Einfall in den britischen Karungadistrikl östlich des VikloriaseeS zu machen. Eine kleine Abteilung mit etwas Artillerie und berltlenen AufklärungStruppeii unter Oberstleutnalil Hickioil wurde abgeschickt, unr den Feind aufzuhallen. Unsere Truppen bekamen Fühlung mit dem Feinde, der sich zurückzog. Der Alismarsch wurde kiZ zum Maroriflusse wrtgesetzt> wo der Feind seine Truppen zusammenzog� Am V. Mar� stieß man au» die ganze Streitmackit Haxthausen. Ein heftiges Gs»ccht folgle, die Deutschen leisteten tapferen Widerstand, mußten sich aber nach erbittertem Kampfe zurückziehen.(?) Äm näcbsten Tage wurde festgestellt, daß der Feind bis südlich der Marar:flusses zurückgegangen war. Da die teindliche Offensive gebrochen war, wurde unsere Ab- teiluug zurückgezogen. Anmerkung d e S W.T.B.: Das Gefecht der Abteilung Haxthausen voni b. März haben wir am letzten Mittwoch früh ge- meldet. Aach dem amtlichen deutschen Berich: mutzte sich der Gegner nach elsstündigem Kampfe zurückziehen. Srpans Zrieöensbeftrebungen. Dem„Lokal-Anzeiger" wird über Rotterdam auö Washing- ton gemeldet, daß B r y a n den ersten Teil einer längeren Erklärung erlassen hat. worin er die Äriegsprophezeiungen als grundlos zurückweist. ES bestehe vielmehr jetzt die beste Gelegenheit für Amerika, den Frieden wieder herzustellen. Tie Vereinigten iZraaten ivürden nach Beendigung des Krieges ge- beten werden, eine internationale Kommission zur Abänderung der Bestimmungen des Völkerrechts. daS mehr auf den Krieg als auf den Frieden zugeschnitten sei, einzuberufen. Die amerikanische presse für üen Irieöen. New Aork. 18. Juni.(T. U.) Ter Nelv Jorker Korrespondent des„Taily Telegraph" drahtet seineni Blatte: Amerikanische Blätter beschäftigen sich außerordentlich mit der Erörterung der Friedenssrage und-ivar nicht nur mit der Erhaltung des Friedens zwischen der Union und Deutschland, sondern auch mit der Herbeiführung des internationalen Friedens. Irieüensbewegung unter üen französischen Sozialisien. Genf. 18. Juni.(T, U.) Tie Friedcnsbcwezung unter den französischen Zozialistcn ist nach Meldimgen aus Havrc weiter im Forts ch r c i t e n. Eine große Anzahl von Parteiorganisationen hat an ihren varlamcntari'chcn Bmrctcr ras zwingende Ersuchen gc- richtet, mit allen Kräften im Zinne des griedensschluffco zu wirken. Kriegsfragen im englischen Unterhause. London, 18. Juni.(33. T. B.) Im Unterhause erklärte Johnson H i ck s(Unionist), eine größere Anzahl Flieger und Flug-suge seien notwendig zur Beneidigung gegen Luftangriffe. Die Regierung solle dem Bolke genau»agen. was es bei Zepuelina ii griffen zu erwarten haue. Tie Luftichiffe lönmen nur durcki ganze?ck'wärme von Flugzeugen a�geivebrl iv-rden. Elan eines Angiiffs aiö Eiirkiavcn im Verlaufe des Krieges üälie jede Wowe eil: tkuflangriff a n f d e u l> ck> c s Gebiet stall- finden müssen. Bei einer ausreichenden ZaKl von Flugzeugen wäre es möglich, jede Woche eine andere dcurche Stadt anzugi eisen. Wenn England wöchentlich einen Angriff mit äst oder löst Flug- zeugen ausführen könnte. wurde man den Teulichen klar machen, was der Krieg bedeute. Der Redner empfahl de» Bau größerer Flugzeuge ent'vrechend dem russischen«ikorsky-Tyv. die vier bis'üns Bomben von starker Sprengkraft tragen und in drei Monaten hergestellt werden könnten. Der Flugdienst lilte auch unter dem Maugel an starken Sprengbomben. Parlamentssekreiär T e» n a n t erwiderte, es sei leicht zu sagen, daß England mehr Flieger und Flugzeuge brauche. Solche Kritik könne au' jeden Zweig des militärischen Dienstes angewandt werden. Der Luft- dienst stehe in sehr gutem Bcrhälinis zur übrigen Armee. Seit Kriegöbeginn habe sich die Zahl der Flugossizicre um das Zehnfache vermehrt. Ein Mangel an Bomben mit hoher Sprengkraft bestehe jedenfalls sei: Februar nicht mehr. Eine größere Flugzeugait de- finde sich im Bau. England habe jetzt elf Fliegerschulen. Sir Frederic B a n b n r y(Unionist) forderte, jede Anleihe an eine fremde Mach: müsse durch ein besonderes Gesetz autorisiert werden. Harrnood Banner(Unionist) sagte, die Regierung gehe in der Behinderung der Ausfuhr, die dem Feinde nicht nützen könne, zu weit. Henderson(liberal) erklärte, die Behörde, die die Ausfuhrerlaubnis erteilte, befinde sich in chaotischem Zu- stände. Sie müsse schneller arbeiien. Dabei sei die Kupfereinfuhr nach Schweden, die ohne Zweifel für Deutsch- Icmd bestimmt sei, außerordentlich groß. Schatzkanzler M c K e n n a tagte, unter den gegenwärtigen Umständen liege es nichr im öffentlichen Interesse, besondere Bills über Anleihen au Verbündete einzubringen, was aber nicht als Präzedenzfall für Friedenszeitcn gelten solle. Tie bewilligten Kredite würden nur zu Anleihen an verbündele Mächte benutzt werden. Der Redner widersprach Joynson HickS. daß cS bei Flugzeugen auf Geld nicht ankäme, sei eine gefährliche Theorie. D i l l o n(Nationalisi) be- dauerte, daß Anleihen nur von Verbündeten, nicht auch von Neu- traten gemacht werden sollten. Ter Redner erinnerte an Deutsch- lands bulgarische Anleihe und sagte, die Regierung müsse darin freie Hand haben. B r y c e(liberal) bedauerte, daß der Schatzkanzler nichts über die Entmutigung der Ausfuhr gesagt habe. Sie sei eine höchst ernste Frage. England habe eine sehr stark passive Handelsbilanz und würde später große Schwierigkeiten haben, eine normale Handelsbilanz herzustellen, ohne große Summen Gold auszugeben oder ungeheure Mengen von Wertpapieren zu verkaufen. Sno wdeu(Arbeiterpartei) fragte, wie lange das Parlament auf die Erklärung der Regierung warten müsse, wie sie das nationale Defizit zu decken beabsichtige. Die Verzögerung habe eine schlechte Wirlung auf die Nation, weil man nicht Wiste, ob man sparen solle oder nicht. Gewerkschaften unü Munitionsbill. London, 18. Juni.(W. T. B.) Ter Parlamentsbericht- erstaner der„Taily Neivs" schreibt: Der Plan für die Munitionsbill, den Lloyd George mit den Vertretern der Gewerkschaften erörtert hat. fand Zustimmung. Tie Hauptpunkte sind: Tie Gewerkschaften sollen von örtlichen Munitionsausschüssen aufgefordert werden, alle Mitglieder. die für die Herstellung von Munition in Betracht kommen, zu bezeichnen. Die Gewerkschaften werden die Arbeiter auf- fordern, sich nach beslimniten Plätzen zu begeben. Die Ver- treter der Gewerkschaften glauben, dies könne auch unter einem Freiwilligen-System geschehen, wenn nicht, werde die Frage austauchen. ob die Regierung weitergehende Voll- , nachten braucht. Ferner wurde vereinbart, daß während dcS Krieges alle Streiks und Aussperrungen verboten und alle Streitigkeiten durch ein obligatorisches Schiedsgericht, das aus Arbeitgebern und Arbeitern zusammengesetzt ist. ausgetragen werden. Die Vertreter der Gewerkschaften zogen den Widerspruch gegen ein obligatori- sches Schiedsgericht angesichts der nationalen Gefahr zurück. Unregelmäßigkeiten bei Munitionsarbeitern sollen unter die Strasgewalt der Gewerkschaften fallen. Falls die Disziplin der Gewerkschaften nicht ausreicht, würden weitere Maßregeln zu erwägen sein. Soziale Kriegswirkungen. London, 18. Juni. �W. T. 18.)„Daily News" berichtet, daß eine Anzahl von M u u i l i o n S st ä d t e n in mehreren Teilen dsS Landes im Entstehen begriffen sind. Die Mobilisierung der in- dustriellen Bevölkerung hat zur Folge, daß gewisse städtische Bezirke menschenleer werden, während sich Dörfer in dichtbevölkerte Städte verwandeln. Gegen üie allgemeine wehrpsiicht. W. A. A p v e l t o n, der Sekretär der britischen Trade Union-, hat soeben unter dem Titel„Krieg und Wehr- Pflicht" eine Flugschrift erscheinen lassen, in der er sehr scharfe Worte über den Krieg sagt und der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht energisch widerspricht. Er weist darauf hin, daß Großbritannien mit seiner jahrhundertalten Tradition der Freiheit plötzlich in den Bereich der Unter- drückung und der Autokratie geraleu ist, und er fährt fort: „Die Feinde der Freiheit haben nicht gewechselt, und nichts ist sicherer, als daß sie den Versuch machen, die gegen- wärtigen Verhältnisse zu ihrem Vorteil zu wenden. Seit Jahren haben sie nach einem aus der allgemeinen Wehrpflicht be- ruhenden Heere geschrien. Neuerdings ist ihr Geschrei ein- dringlicher und heftiger geworden. Die Tatsache, daß Eng- land nahezu dieselbe Zahl von Soldaten, die es auf dem Wege zwangsmäßiger Aushebung erlangen könnte, durch die Werbung von Freiwilligen bekommen hat. hat für sie keinerlei Bedeutung. Die Basis der Bewegung und der Grund zu dem Geschrei ist in dem Umstände zu suchen, daß die An- Hänger der Wehrpflicht eine große Armee ivollen, ohne einen hohen Preis für sie zu zahlen. Sie wollen lieber Fleisch und Blut stehlen, als es kaufen. Es ist die Pfticht der Gewerkschaftsbewegung, mit allen Mitteln dickem Programm entgegenzutreten und dafür zu'orgen. daß die Armee eine freiwillige Organisation bleibt, und daß die. die sich ibr anschließen, Mann'chafren io gut wie Offiziere, eine enffprechcnde Besoldung und eine ent'plechendc Behandlung erhallen." Denn der Generalsekretär der englischen Gewerkschaften derartiges schreibt, io ist damit der Beweis erbracht, daß nicht nur m'iZen Reihen der Unabhängigen Arbeiterpartei und der Quäker der Widerstand gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht nach wie vor sehr beträchtlich ist. Streik in Girmingham. London, 18. Juni.(W. T. B. In Birmingham haben sich die Schaffner der Omnibusse und Straßenbahnen geweigert, Frauen anzulernen. Nachdem Jn'pckioren deren Ausbildung über- »oinnien haben, drahen die Schaffnci niil einem£ i r c i f, wenn die Frauen mch! eiiifernt weiden. Die englischen Kriegskoften. Haag, 18. Juni. T. U.) Anschließend an die Bewilligung der neuen fünf Millionen v.rediie bringt der..Daily Telegraph" eine Ausitelhing, wie sich die KriegSko'ten au' die einzelnen RessorlS ver- teilen. Von W80 Millionen Mar', die England in 73 Tagen ausgegeben bat. entfallen aus das Heer 2180 Millionen Mark, auf die Marine 720 Millionen Mark. Vor'chüsie an die Kolonien und die Verbündeten ö20 Millionen Marl, Anlauf von LebenSmiltel»'ür daS Heer 200 Millionen Mark und kleine Ausgaben 20 Millionen Mark. Die durch Bewilligung der neuen Lorlagen der englischen � Regierung zur Verfügung stehenden Mittel werden nach Berechnung der Blätter bis zum 20. September ausreichen. „Morning Post" schreibt in einem Leitartikel: Die Kosten unserer improvisierten Armee sind ungeheuerlich. Sie kostet und mehr als alle Armeen, die Teutschland und Leslerreich-Ungarn an allen Fronten unterhalten. Neue Kriegskreüite in Frankreich. Paris, 18. Juni.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Ter Senat nahm einstimmig einen Ge'etzantrag auf Eröffnung außerordentlicher und ergänzender Kredite für die Marine und daS Kriegs- Ministerium au. Die sozialistische Kammerfraktion für üie Kriegskreüite. Die sozialistische Fraktion der französischen Kammer be- schäftigte sich in ihrer Sitzung vom 11. Juni mit der neuen Vorlage der Regierung betreffend die provisorischen Kredite. Wie die„Humanitö" mitteilt, nahmen zahlreiche Genossen an der Diskussion teil; alle sprachen sich für die Zustimmung zu den Krediten aus. Schweüische Oeschwerüen über französische Postzensur. Stockholm, 18. Juni.(W. T. B.)„TagcnS Nyheier" meldet: Die s ch w e d i s ch e R e g i e r u n g hat bei der französischen Regierung Vorstellungen erhoben wegen der ftanzösischen P o st z e n s u r bei argentinischen und portugiesischen Sendungen. die nach Schweden bestimmt waren, sowie wegen deren teilweiser Beschlagnahme. die trostlose Lage Lö'wens. Die zum großen Teil in Schult und Asche gelegte Stadt Löwen in Belgien gehl einer sorgenvollen Zukunft entgegen. Der Schilderung der Lage Löwens, die ein holländischer Berichterstatter gegeben hat, entnehmen wir nach der„Post" folgendes: Zu Beginn des Krieges zählte Löwen mindestens 12000 Ein- wohner. Jetzt sind ungefähr 15 000 immer noch nicht zurückgekehrt. Die Behörden haben dafür gesorgt, daß der Schutt ausgeräumt wird. Baufällige Mauern sind abgebrochen, gefährliche Plätze mit Bretter- zäunen versehen worden. Ladenbesitzer. welche zurückgekehrt sind, haben aus dem Schutt ihrer Wobnungen ärmliche Häuschen auf- gerichtet, worin sie jetzt ihre Tätigkeit wieder aufgenommen haben. Wie eS immer gehl, so sind auch hier die armen Leute in der Stadt geblieben, während die Wohlhabenden jetzt ruhig und sorglos in anderen Ländern leben. Temzu'olge steht cS mit dem Einziehen der Steuer sehr schlecht, und die städtischen Behörden bennden sich in einer äußerst peinlichen Lage. DaS Budget von 1315 zeigt bereits ein Defizit von 3 Millionen Kranken und noch ist das Jahr nicht zur Hälfte verstrichen. Ohne Uebertreibung kann man daher sagen: Unsere Lage ist derart hoffnungslos, daß man sich einen Ausweg nicht mehr denken kann. Neue italienische Anleihe. Rom, 18. Juni.(W. T. B.) Ein königliches Dekret ermächtigt die Regierung, eine neue innere Anleihe zu Iftz Proz. aus- zugeben, welche in 25 Fahren amortisiert werden und von jeder Steuer auch für die Zukunft frei sein soll. Die Anleihe kann vor 1325 weder gekündigt noch umgewandelt werden. Der Au-ZgabekurS ist auf 95 Lire und für Besitzer von Titeln der vorhergehenden inneren Anleihe auf 93 Lire, der ZeichnungSbcginn auf den 1. Juli festgesetzt. Zahlungen auf Zeichnungen über 100 Lira erfolgen zu je 25 Proz. bei der Zeichnung, am 1. Oltobcr, am 10. Novcmbcr und am 2. Januar 1910. Die Zensur in Italien. DaS Tageblatt der italienischen Sozialisten, der„Avanli*, ist nicht nur einer äußerst scharfen Zensur unterworfen, sondern die Polizei tut auch ibr Bestes, um seine Verbreitung zu hindern. In 15 Provinzen ist sie schon direkt verboten, während die Schwierig- keilen, welche der Verbreitung in anderen Teilen de» Landes in den Weg gelegt werden, fast einem Verbote gleichkommen. Das Blatt erklärt, ein völliges Verbot des Blattes wäre unter solchen Umständen vorzuziehen. Tann wüßten die Arbeiter wenigstens, wora» sie find. Die Lage in Rußlanü. Kopenhagen, 18. Juni. zW. T. B.) Aus Petersburg wird gc- meldet:„Rjetsch" sowie die übrigen Blätter schreiben in ge- d r ü ck: e in Tone über die i n n e r e und äußere Lage. Sie veröffentlichen den Beschluß deö HandelskongrcsseS über eine sofortige Einberufung der Duma und weisen daraus hin. daß der Beschluß nicht von revolutionären, sondern von den loyalsten Bürgern Ruß- landS ausgegangen ist und daß die Einberufung unter dem Drucke der außerordentlich erichwerten Verhältnisse und der ernsten Kriege- läge auch von der Provinz dringend gewünscht wird. Selbst- verständlich könne die Tagung der Duma jetzt keine kurze sei«. Notwendig sei eine beständige Aufsicht sowie eine Reihe sofortiger Maßnahmen aller Art. Dasselbe Blatt zitiert mit Genugtuung den Beschluß bei HandelSkongreffeS, wonach die Umformung der gesamten Industrie zu Kriegszwecken nach deutschem Muster unbedingt erforderlich ist. Bedauerlich sei nur, daß der Beschluß erst jetzt nach zehmnonatigei?» Kriege gefaßt wurde. „Nowoje W r e m j a" verlangt die Einberufung der Duma zur Herbeiführung der Einigung deS Volles. Die letzte» ernsten Ereignisse aus dem Kriegsschauplätze verlangien eine Zu- sammensasiung der ganzen Kraft und eine Organisation d c S Volkes. Dies sei ohne Beistand der Duma unmöglich. DaS Wiiebsker Börienkomitee weist in einer Eingabe an d.e Regierung darauf hin, daß die Verlreibung der Juden aus vielen Gouvernements sehr nachteilig aus die wirtschaftliche Lage der Gouvernements gewirkt habe. Zu üen Unruhen in Moskau. Stockholm, 17. Juni.(W. T. B.) Wie„Socicildemo- kroten" erfährt, haben die Pogrome in Moskau, ivelckie telegraphischen Meldungen zufolge, nur einen nationalisti- scheu Unfug darstellen sollten, einen weit ernsteren Charakter gel?abt und lebhaft an Rußlands Revolutionsjahr erinnert. wo Polizei und Militär den Ausschreitungen rulüg zuge- schaut haben. Auch eine schwedische Fabrik ist völlig zer- stört worden. Ter Plünderung folgte Brandstiftung, und die Stadl brannte abends an zahlreichen Stellen. Tie Un- ruhe in Moskau nach dieiem Ausbruch ist außerordentlich groß, man fürchtet neue Ausschreitungen des Pöbels, der nun Blut geleckt hat und erwartet, daß die neuen Pogrome geaen die Juden gerichtet werden. Sluiflzulni, 18. Juni. zW. T. B. Tem heute hie? eingetroffenen „Rjelscb" vom 31. Mai zufolge erließ der Stadtkommandant von Moskau eine Bekanntmachung, nach der cö allen Personen in Moskau und Umgegend verboten ist. die Häuier zwischen zehn Uhr abends und fünf Uhr morgens zu Verlasien. Nur Beamten mit be- sonderen behördlichen Erlaubnisscheinen ist daS Ausgehen gestaltet. Die HauSlüren sind in der angegebenen Zeit verschlossen zu halten. DaS Ueberireten deS Verbotes unterliegt einer Äefängstrase bis zu drei Monaten oder einer Geldstrafe bis 3000 Rubel. Kopenhagen, 18. Juni.(W. T. B.) Nach einem Telegramm aus Petersburg meldet„Rußkoje Slowo"; Tie in Moskau vorgc- kommenen Plünderungen und Beschädigungen von Geschäficn durch erregte Volksmengen erstrecken sich nicht nur auf deutsche Firmen, sondern aus alle Firmen mit ausländisch klingendem Namen. Die Unruhen nahmen großen Umfang an, so daß abends unter Beisein deS kommandierenden Generals Fusjupow eine Sitzung der Stadtverordneten stattfand, um die erforderlichen Maßregeln zu beraten, worauf der bekannte Aufruf des Gouverneurs erlassen wurde. Aufruhr in?nüien? London, 13. Juni.(W. T. B.)„Morning Post' meldet au« Kalkutta: Infolge eines Aufruhrs von Eingeborenen im Bezirk L m r i t s a r im Pendschab wurde die Militärwache an der Kanalbrücke überfallen, der Wachtposten ermordet und andere Per- jonen verwundet. Amritsar gehört zu den Bezirken, in denen eine aufrührerische Propaganda betrieben wird. 1H100H0 Kriegsgefangene. Die„Bayerische Staatszeitung" bringt eine Aufstellung, die auch von der„Nordd. Allg. Ztg." übernommen wird, nach welcher bis zum 14. Juni von den deutschen und österreichisch- ungarischen Truppen folgende Gefangene gemacht wurden. 1240000 Russen, 255000 Franzosen, 24 000 Engländer, 4.1 000 Belgier, 50000 Serben. Insgesamt 1 610 000 Mann. (Durch die letzten Siege in Galizien hat sich diese Zahl iveiter erhöht.)' Letzte Nachrichten. Verunglückter englischer Flieger. London, 18. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus.„Star" meldet: Der Fliegerleutnant Warneford. der bei Gent ei» Z e p p e l i n l u f t f ch i f f zerstört hat, ist bei Paris bei Erprobung eines neuen Flugzeuges z u Tode ge- komme n. Tic Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 18. Juni.(W. T. B.) Ter General st ab der Kaukainsarmec meldet vom 15. Juni: Im küsteii- ländischen Gebiet Geschütz- und Gewehrfeuer. Ein aus der Richtung von Olty unternommener türkischer Angrifssvcrsuch wurde abgeschlagen. Auf den anderen Kampfplätzen hat sich nichts ereignet, Himbeersaft 1.15 Vi Flasche Füiinpiilver 10p (leicht gefärbt) Paket ÄJarvdorf&C Spittelmarkt Belle- Alliancestr. Grosse Franklorterstr. Brunnenstr. Kottbuser Damm Wilmersdorlerstr. Wurstwaren Land!eher*urs.................. 1,30 Mettwurst B.r'u!!!�!lfpiuAnrd 2.00 Knoblauchwurst...........«und 2.00 SpeCk mager.................. Pfund 1,85 Schlnkensficke........... ptun I.DZ Jtacbeibeeren unreif Pfund JK© Pf. 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Der letzte Gegenstand der Erörterungen war die Lage Ostpreußens. Der Berichterstatter?lbg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch leitete die Verhandlungen mit einer Darstellung dessen ein, was in Ostpreußen seit dem letzten Sessionsabschnitt seitens der Staats- und Provinzialorgane getan ist. Er teilte mit, daß die Vorentschädigungcn in Höhe von rund 125 Millionen Mark gezahlt sind. Er ging dann über zu den Vorbereitungen, die für den Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften und Gebäude ge- troffen sind, berührte die Einrichtung von Bauberatungsämtern und die Hilfsaktion der ostelbischen Handwerkskammern. Weiter wurde mitgeteilt, daß nach dem vorliegenden Berichte von den etwa 35»— 100 000 o st preußischen Flüchtlingen in den letzten Monaten die große Mehrzahl wieder in ihre Heimat zurück- gekehrt sei. und zwar nicht bloß die Grundbesitzer, sondern auch zahlreiche Arbeiter. Mit der Rückführung der Flüchtlinge sei aber für. die Wiederbevölkerung Ostpreußens nicht genug getan. Es müsse ergänzend hinzutreten eine kräftige und planmäßige innere Äolonisation. Dieselbe würde erst nach Friedensschluß in Angriff genommen werden können. Bis dahin werde man aber Vorberei- tungen treffen müssen. In dieser Hinsicht treffe der forffchrittliche Antrag durchaus das Richtige. Sodann wurde an der Hand der Berichte der Landwirtschaftskammcr deren überaus ersprießliche Tätigkeit zur Gichernng der Frühjahrsbestellung und zur Wieder- Herstellung, der Viehbestände der Provinz dargelegt. Neben der inneren Kolonisation komme vornehmlich die Verbesserung der Verkehrsmittel in Betracht. Wie ein roter Faden ziehe sich durch alle Acußerungen der Provinzialorgane die Klage über die Er- ichtvcrung namentlich auch des Verkehrs mit den übrigen Teilen des Staates durch Eisenbahnen, Wasserstraßen, aber auch die Kunststraßcn und Vizinalwege seien einer starken Verbesserung im Interesse der wirtschaftlichen Hebung der Provinz dringend be- dürftig. Endlich liege die Beschleunigung der von der Provinz ge- planten Elektrisierung des Landes angesichts des Mangels an Arbeitskräften im dringenden Interesse sowohl der Landwirtschaft wie der Gewerbe. Er stelle daher folgenden Antrag: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche Staatsregierung unter voller Anerkennung ihrer Leistungen für den Wiederaufbau von Ostpreußen zu ersuchen, auf die weitere wirtschaftliche Hebung der Provinz, insbesondere durch innere Kolonisation, Pierbesscrung der Verkehrsmittel und Elektri- sicrnng Bedacht zu nehmen. Der M i n i st e r des Innern stimmte dem Bericht- crstatter darin zu, daß für den Wiederaufbau Ostpreußens von besonderer Wichtigkeit seien: die Verbesserung der Verkehrsmittel, innere Kolonisation und Elektrisierung der Provinz. Mit diesen Zielen sei die Staatsregierung einverstanden. Was den«stand der Borentschädigungssragc angehe, sv hätten am 1. Februar 72 453 Anträge vorgelegen, aus die 32 002 000. M. gezahlt worden seien. Ein großer Teil der Provinz sei zu diesem Zeitpunkte noch vom Feinde besetzt gewesen. Am 15. Mai waren ans 130 350 Anträge 101342 570 M. angewiesen. Aus der Gegenüberstellung der Anträge und Zahlungen in den Regierungsbezirken der Provinz gehe hervor, daß in dem weniger vom seinblichen Einbruch berührten Regierungsbezirk Königsberg die Vorentschüdigungsaftion früher durchgeführt werden konnte als in den beiden anderen Bezirken, die der zweiten Invasion ausgesetzt gewesen seien. Am 1. Juni sei ein Gesamtbetrag von 125 340 726 M. ausgezahlt gelvcsen. Er wolle besonders hervor- heben, daß Klagen gar nicht an ihn gekommen seien. Die Arbeit der AorcntschädigungSkoinmission berechtige zu der Hoffnung, daß mit Ende des Krieges die Schäden großenteils beseitigt sein lvür- den. Freilich nur die äußeren Schäden, die inneren Schäden wür- den noch lange fortwirken. Die Heimkehr der Flüchtlinge sei seit Befreiung der Provinz soweit als irgend möglich vom Staat gefördert worden. Nach der Masurcnschlacht seien zunächst iii�dic bis dahin gesperrten Bezirke Gumbinncn und Allenstcin die Staats-, Kreis- und Gc- nrcindebeamten zurückberufen worden, sowie die Lehrer. Außerdem wurde die Rückkehr lwtwendigcr Landwirte und Gewerbetreibender zugelassen. Später seien dann der Reihe nach die einzelnen Kreise für die Rückkehr freigegeben worden unter besonderer Rück- sichtnahme auf die Frühjahrsbestellung. Ein unmittelbarer Zwang zur Hcirnkehx fti nicht ausgeübt worden. Mittelbar fei durch Ent- ziehung der Unterstützungen auf die Rückkehr hingewirkt worden, ausgenommen natürlich Fälle, in denen triftige und zwingende Gründe der Heimkehr entgegenstanden. Ein sehr großer Teil der Flüchtlinge, ctiva 200 000, sei denn auch zurückgekehrt.. Man dürfe hoffen, daß weniger die Behörden als das Hcimatgefühl die Ost- Preußen in ihre Heimat zurückführen werde. Für den Wiederaufbau sei durch die Verordnung vom 19. Januar die gesetzliche Grundlage geschaffen, die die Möglichkeit gab, die Bauverordnungen zu revidieren und die Lex Adickes ein- zuführen. Zur Ueberwachung des Aufbaues sei dem Ober- Präsidenten ein Hauptbauberatungsamt angegliedert, unter dessen Leitung örtliche Bauberatungsämtcr ständen. Die Bautätigkeit habe zunächst aus dem Lande eingesetzt, um Wirtsckiaftsgebäude und Notunterkünfte zu beschaffen. Militärische Rücksichten, Mangel an Material und Arbeitskräften ständen einer großzügigen Ausnahme des Wiederaufbaues noch entgegen, und man müsse sich einstweilen mit den absolut notwendigen Bauten begnügen. Es seien im ganzen etwa 30 000 Gebäude ganz oder zum Teil zerstört, das seien 3 Proz. im ganzen, 10 Proz. in den Grcnzkrciscn. Bei den Entschädigungen werde man nicht nur den eigentlichen Wert deS zerstörten Gebäudes berücksichtigen, sondern die gestiegenen Preise für Material und Löhne, die höheren baupoli- zcilichcn Anforderungen in hygienischer und sozialer Hinsicht. Der llnterschiod zwischen dem Ncubauwcrt und dem Zeitwert des Ge- bäudes werde unter weitestem Entgegenkommen in Form von Darlehen gegeben werden. Bei der Hilfsaktion für die heimgesuchte Provinz komme es in erster Linie darauf an, dem Lande seine Bevölkerung zu er- halten und sie zu mehren. Das müsse der ausschlaggebende Gc- sichtspunkt bei allen Matznahmen sein.._ Der F i n a n z m i n i st e r ergänzte die Ausführungen des Ml- nisters des Innern und des Berichterstatters dahin, daß bis zum 1. Juni d. I. außer den rund 101 Millionen Mark, die bis zum 15. Mai d. I. an Vorcntschädigungcn angewiesen waren, rund 86 Millionen Mark für Ostpreußen zur Verfügung, gestellt seien. Der bisher vom Landtage zur Linderrmg der Not in Ostpmijjen der Regierung gewährte Kredit von 400 Millionen Mark werde nicht ausreichen, um alle dringenden Ansprüche zu be- friedigen, und wenn auch zu erwarten sei, daß das Reich aus.Grund eines nach Friedensschluß zu erlassenden Reichsgesetzes für die durch den Krieg verursachten Sachschäden und dergl. Ersatz leisten werde, so werde doch auch Preußen mit erheblichen Mitteln e«d- gültig eintreten müssen, um das für die Provinz Ostpreußen aller- seits erstrebte Ziel zu erreichen... r.�L l Der Landwirtschaftsmlnister berichtete über Sma- dignng und Wiederaufban der Pferdezucht in Ostpreußen. Was die Schäden an den Domäneii anlange, so seien, in der Provinz Ost- Preußen insgesamt III Domänen vorhanden. Hiervon seien 81 beschädigt. Der Grad der Beschädigung sei sehr verschieden. Sowld die Verhältnisse es gestattet hätten, habe die Domänen- Verwaltung die zur Wiederausnahme des landwirtschaftlichen Be- triebcs erforderlichen Maßregeln getroffen. Eine Reihe von Do- mäncn sei aus der Pacht zurückgenommen worden. Diese ständen nunmehr für Zwecke der inneren Kolonisation zur Verfügung. Es seien zurzeit 10 Domänen mit 5 132 Hektar. Naturgemäß sei diese Zahl noch keine abschließende. Was den Wiederaufbau der Land- Wirtschaft anginge, so sei zu hoffen, daß unter tatkräftiger tfiir« sorge des Obcrpräsidenten, der früher selbst Vorsitzender der Land- Wirtschaftskammer gewesen sei, und des jetzigen Leiters dieser Kammer die der ostprenßischcn Landwirtschast geschlagenen Wunden bald heilen würden. In der Besprechung wurde allseitig das Entgegenkommen der preußischen Finanzverwaltung anerkannt. Allerdings sei mit den bisherigen Leistungen der schade nur zum allerkleinsten Teile beseitigt und es sei Ehrenpflicht, bald und ganz zu helfen, ins- besondere auch durch Aufteilung der Domänen und. Förderung der inneren Kolonisation. Angeregt wurde eine R c i s c. d e r v c r- stärkten B u dg e t! o in in i ssi o n nach Ostpreußen zur Bcsichiigiliig der angerichteten Zerstörungen. Zu diesem Vor- schlage äußerte sieb die Regierung zustimmend. Gerügt wurde, daß in der Äriegshilfskommission kein Städtebautechniker Sitz und Stimme habe und daß die städtische Hochschule in Danzig nicht zur Mitwirkung herangezogen sei. Tie? könne nicht gebilligt werden, insbesondere mit Rücksicht daraus, daß beim Wiederausbau der zerstörten Ortschaften Zweckmäßigtcit mit Schönhci: zu vcr- cinigcn sei. Empfohlen wurde im Anschluß an eine dahingehende Petition des Ostkanal-Vcreins der Bau des Ostkanals. Die Regierwig und einige Mitglicdce der Kommission gaben ober emigen dem Bau des Ostkanals entgegenstehenden Bedenken Aus- druck. Angeregt wurde ferner aus der Mitte der Kommission, daß das gesamte deutsche Handwerk bei der Wiederherstellung Ost- Preußens herangezogen werden soll. Nur dadurch könne eine baldige Wiederherstellung erzielt lvcrdc». Tic Handwerker sollten durch Kredite unterstützt und für die Befriedignng ihrer Forde- rungen sollte ans den Unterstützungssummen Sorge getragen werden. Ein Kommissar des Handelsministers erklärte, daß der Handels- minister den Bestrebungen des HandlvcrkS, am Wiederaufbau Ostpreußens beteiligt zu lverden, ein lebhaftes und warmes Jnter- esse entgegenbringe und mit den Beteiligten dauernde Fühlung gewahrt habe. Man teile den Standpunkt, daß in erster Linie das Handwerk in Ostpreußeii selbst zu berücksichtigen sei. daß cS aber billig sei, darauf die 14 ostdeutschen Kammern, die zuerst mit ihrer Organisation aus dem Plan gelvesen seien, zu beteiligen, daß alier auch das Handwerk im übrigen Staate und in ganz Deutschland das Recht habe, nach Maßgabe des Bedürfnisses heran- gezogen zu lverden. Neben den vom Handwerk selbst ausgehenden Bestrebungen babe man auf Anregung des Hansabnndes in Königs- berg auf genossenschastlichein Geviete zu helfen gesucht durch Er- richtnng ciner ftriegszentrale ostpreußischer Genossenschaften, in der die Genossciischastsverbäiide aller Richtungen unter Hint- ansetzung der bisherigen gegenteiligen Auffassungen sich vereinigt hätten. In dem Schlußworte faßte der Berichterstalicr das Ge- samtergebnis der Verhandlung dahin zusammen, daß von allen Seiten, sowohl seitens der Staatsregierung wie seitens aller Mit- glieder der Kommission die volle Wiederherstellung.Ostpreußens zu seiner alten Blüte als eine Ehrenpflicht des preußischen Staates anerkannt werde, die ohne Rücksicht darauf, was da? Reich etwa dem preußischen Staate ersetzen werde, im vollen Ilmfange auch finanziell erfüllt werden müsse. Er stellte ferner fest, daß. die Kommission der fürsorglichen Tätigkeit aller beteiligten Ressort- minister, besonder? des Finanzministers, wie aueb der des Obcrpräsidenten, deS Landeshauptmanns und des Vorsitzenden der Laiidlvirtschaftskammer die vollste Anerkennung zolle.. Es wurden der obenerwähnt« Antrag des Berichterstatters und folgender Antrag einstimmig aiigcnoliiuien: .Die Königliche Staatsregierung aufzufordern, dem Hause der Abgeordneten eine llcbersicht darüber vorzulegen: 1. ob und in welchem Umfange in den zerstörten Teilen Ostpreußens Verhandlungen mit den bisherigen Pächtern, der Domänen über Aufhebung des Packübcrtragcs gcfübrt sind; 2. in welchem Umfange— im Verhältnis zur Gesamt. fläche— in den in Frage kommenden Landcsteilen Domänen für die Zlvccke der inneren Kolonisation zur Verfügung gestellt sind oder zur Verfügung gestellt werden sollen; 3. oli und in lvelcbem Umfange der Versuch gemacht wird, in den betreffenden Landesteilen auch Privatgüter für die Zwecke der inneren Kolonisation zu erwerben." Es wurden dann noch einige Anträge der Berichterstatter ein- stimmig angciiommcn, und zwar zu den Fragen des Handels und der Industrie folgender Antrag: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Königliche Staatsregiernng zu ersuchen, dafür zu sorgen: 1. daß bei den sogenannten KriegSges ellschaften und bei den Einkänfen der Heeresverwaltung die beteiligten Handelskreise möglichst hinzugezogen werden: 2. daß dem Handel die Einfuhr von Waren und Lebensmitteln möglichst belassen und die Ausfuhr von Waren möglichst erleichtert, auch der Handelsverkehr in den okkupierten Gebieten nicht erschwert werden möge; 3. daß der Beschlagnahmepreis für Reis anderweit festgesetzt und seine Festsetzung den Besliminnngen bei Beschlagnahme von Futtermitteln angepaßt werde: 4. das; bei dem voraussichtlichen Mangel an Petrolen in zu Belenchtuiigszwcckcn in ailsreichendeui Maße Spiritus nnd Karbid zu angeiiiessenen Preisen zur Verfügung stehen und Spiritus- und Karbidlampen und-latenten in genügender An- zahl angefertigt werden; 5. daß, sofern die Durchführung der Verordnungen vom 27. Mai I0l5 nicbt zu ciner den Konsuln befriedigenden Ge- staltung der Kleinhandelspreise für Verbrauchszucker führen sollte, weitere Maßregeln getroffen werden, um dem .Kleinbandel genügende Mengen von Vcrbrauchszncker zuznsühren und die Kleinhandelspreise für Verbrauchszucker in ein an- gemessenes Verhältnis zu den gesetzlich festgesetzten Preisen der Raffinerien zu bringen." das Kreuzergefecht bei öer doggerbank am 24. Januar. Nach amtlichen Quellen von Kapitän zur See z. D. v. K ü h l w e t t c r. Berlin, den 16. Juni 1015. Monate sind seit dem Gefecht vergangen nnd es ist nicht etwa nötig, von unserer Seite aus erneut davon zu sprechen, weil die Zeit Dinge entschleiert hätte, die eine Veränderung von früher Gesagtem nötig. machten, wohl aber ist das nmsaligreiche Material über dieses Gefecht soweit gesichtet, daß es zusammen mit den in Englaitd veröffentlichten Gefechtsberichten nnd Prcssenachrichton ein cinigermatzcn zuverlässiges Bild der Schlacht zu geben gestattet. Vorausgeschickt mag sein, daß dasselbe nicht nur unsere ersten amtlichen Tarstellungcn bestätigt, sondern auch zeigt, wie richtig das Ergebnis der Schlacht erkannt wurde, wie man es in England zu verschleiern gesucht hat und noch sucht, und wie auch in diesem Fall bei uns die Bewertung des eigenen Erfolges mit allergrößter Vorsicht und Zurückhaltung geschah. Nachdem sich englische Seestreitkräfte am 10. Januar in der deutschen Bucht gezeigt hatten,- sollte der beliebte Fischgrund mitten in der Nordsee, die Doggerbank. und der Weg von unseren Fluß- Mündungen dorthin von feindlichen Fischerfahrzeugen gründlich gesäubert werden, weil man Gewißheit hatte, daß diese dort in der Hauptsache Ueberirxrchung und Spionage trieben. Feindliche leichte Streitkräfte sollten dabei natürlich auch verjagt und wo- möglich vernichtet werden. In der Hauptsache eine Unternehmung für Torpedoboote und tleine Kreuzer, denen starke Kreuzer als Rückbalt mitgegeben wurden, weiter nichts. Alles übrige hat iniser Gegner huieingefabelt. um sich wenigstens den Nimbus zu schaffen. die englische Küste vor Heimsuchung geschützt zu haben, nachdem der Lorbeerkranz des Siegers, den man voreilig flocht, sich bei näherer Betrachtung entblätterte.. eso liefen unsere vier Panzerkreuzer„«eyolitz,„Moltke", „Dersflinger" und„Blücher", mit kleinen Kreuzern und Torpedo- bootSflottillen als Fühler nnd Sicherung vorgeschoben, am 23. Ja- nuar aus und standen am 24. früh bei der Doggerbank, bereit, ihren Auftrag auszuführen. Es wehte mätziger östlicher Wind und die Fernsicht war ungewöhnlich klar, so daß schon der dämmernde Wintertag den Feind entdecken ließ. Kurz nach 8 Uhr melden unsere sichernden Kreuzer und Flottillen einen englischen kleinen Kreuzer mit Torpedobooten und sehen in Westsüdwest und Nord- Nordwest starke Rauchwolken. Damit stand die Anwesenheit zahl- reicher feindlicher Streitkräfte bei der Doggerbank fest. Unsere Streitkräfte sammeln sofort auf Südostkurs.„Kolberg" löst sich dazu aus dem Gefecht mit dem zuerst gesichteten kleinen Kreuzer der„Ai>rora"-Klasse, der nach mehreren Treffern abgedrebt hatte. ohne selbst anderen Schaden erlitten zu haben als zwei Treffer. deren einzige Bedeutung in zivei Toten lag. Auf dieses Geschütz- feucr dampft der Admiral des ersten englischen Schlachtkreuzer- geschwaders mit hoher Geschwindigkeit zu nnd läßt seine sieben kleinen Kreuzer und 20 Torpedoboote in glcickicr Oiichtnng los. So wird während deS Sammelns unseren Streitkräften folgende Lage klar: Von hinten laufen die feindlichen leichten Kreuzer und Torpedoboote aus, dahinter stehen mindestens 8 große Schisse und an Steuerbord-— rechts— hinten in westlicher Richtung nähern sich fünf Rauchwolken, die um Oft- Uhr deutlich als die Schlacht- kreuzcr„Lion",„Tiger",„Prinzeß Royal",„Nciv Zcaland" und „Jndomitable" erkannt werden, deren Reihenfolge der englische Admiral so berichtet. Von Westsüdwest bis Nordnordwest standen danach mindestens 13 große englische Schisse, 7 kleine Kreuzer lind 26 Torpedoboote. Daß es Torheit gewesen wäre, 4 große deutsche Schisse, 4 kleine Kreuzer— nicht 6, wie der englische Beriebt sagt — und 22 Torpedoboote gegen diese ganze Macht zum Gefecht bcraiizusühren, bedarf keiner Worte. Ter englische Bericht vcr- schweigt geflissentlich die Anwesenheit der englischen Hauptmacht, indem er sich auf Wiedergabe der Ereignisse des Gefechts selbst beschränkt, zu dem die Hauptmacht nicht herankommen konnte. Dem deutschen Admiral blieb nur ein südöstlicher Kurs übrig, der ihm ein hinhaltendes Gefecht ermöglichte nnd ihn in die deutsche Bucht hinein� also unseren Stützpilnkteli und der Möglichkeit der Verstärkung näher brachte. Auch von nicht direkt auf den Feind zu führenden Kursen hätte jeder wesentlich nördlichere oben nach Dänemark, jeder südlichere näher an die engllischen Stützpunkte des Südens herangeführt. Höchste Fahrt ivar geboten, weil sie allein Aussicht bot, die Schiffe des Gegners auseinanderzuziehen, die feindliche Hauptmacht solche Geschwindigkeit sicher nicht halten konnte, und damit vielleicht Gelegenheit zu einem ersolgversprechen- den Teilgesecht geschaffen wurde. Das ist das, was englische Zci- tungen sich erdreisteten, die„Flucht nach Hause" zu nennen. So spann, sich das Gefecht an. Gegen 10 Uhr eröffnet der Feind auf über 20 Kilometer das Feuer, ohne daß er zunächst unsere Schiffe erreichen kann, es dauert bis 10 Uhr 12 Minuten, ehe er seinen ersten Weitschuß erzielt. Um halb zehn schon eröffnet „Blücher" das Feuer auf kleine Kreuzer nnd Torpedoboote, die von hinten auflaufen mit dem Erfolg, daß ein getroffener Kreuzcr abdreht und ein Torpedoboot nach einer Erplosion versinkt. Kurz nach 10 Uhr eröffnen auf 18 Kilometer unsere Panzerkreuzer das Feucr auf den Hauptgcgner. Die hohe Geschwindigkeit, die die englischen Schlachtkreuzer entwickeln, läßt nickit nur die englische langsam z!__ nähme am Gefecht ganz ausgeschlossen lverden. Ter östliche Wind ist dem Kampf dadurch ungünstig, daß er die schweren Rauch- schwaden der Schiffe und unserer jetzt vor den Panzerkreuzern stehenden Torpedoboote zwischen die beiden kämpfenden Linien. wehte. Nimmt man dazu die große Gefcchtsentfernnng, die nie unter 145-1 Kilometer wurde, so sind damit die Schwierigkeiten, die für beide Teile, man weiß nicht für lven am meisten, bestanden. gekennzeichnet. Trotzdem hatte unsere schwere Artillerie ihr Ziel außerordentlich schnell erreicht. Gegen 105-1 Uhr stürzte auf dem vordersten Schiff„Lion" ein Mast, eine halbe Stunde später folgte ein Schornstein nach, Feuer nnd Rauch der als Treffer krepierenden Granaten waren deutlich zu sehen. Zu gleicher Zeit waren auch auf dem zweiten Schiff der ciiglischcn Linie Treffer im Vorschiff zu sehen und Brandwirkung. Das Schiff blieb etwas zurück, sein Feuer wurde schwächer. 10 Uhr 40 Minuten erhielt„Seydlitz" einen schweren Treffer im Achterschiff, der die Pcrwendbarko-it der hinteren schweren Artillerie beeinträchtigte. Kurz nach 11 Uhr wurden erneut auf dem zweiten englischen Schiff sckilvcrc Treffer und große Braiidlvirknng beobachtet und gegen>15- Uhr mußte dieses Schiff die Schlachtlinic verlassen und blieb allmählich zurück, so daß jetzt„Lion" und das dritte Schiff die vordere Gruppe bil- deten, während das zlocite Schiff näher zu der Gruppe der zurück- gebliebenen kam. Das dritte Schiff schloß gleichzeitig näher an das erste heran. Von 11'A Uhr an läßt das Feuer der feinidlichen Schlachtkreuzer nach. Zu dieser Zeit bleibt unser Schlußschisf „Blückier" zurück, nachdem Artillerietreffer und Brand beobachtet und Maschinenschaden gemeldet ist und zieht damit vorwiegend das Feuer der zilrückgcblivbenen Schiffe auf sich. Gegen zlvölf erhält„Lion", das feindliche Führerschiff, hintereinander mehrere schwere Treffer vorn, die die vordere Artillerie anscheinend un- bauchbar machen, eine starke Detonation wird beobachtet, dazu Brand, das Schiff dreht nach Steuerbord ab und verläßt stark übcrliegend die Schlachtlinic, die Führung an das früher dritte Schiffs überlassend Kurz daraus erhält dies von einem zwischen den känipseiiden Linien gebliebenen Torpedoboot einen Torpedo- schuß und nun dreht die ganze englische Linie mit einer gleich- zeitigen Wendung aus nördlichen Kurs, bricht damit das Gefecht etwa 70 Seemeilen von Helgoland ab. gerade in dem Augenblick, als auf den erschütterten Feind der Torpedobootsangriff angesetzt wurde, der nun nicht mehr durchgeführt werden konnte Damit zog sich die Hauptmacht der feindlichen Schlachtkreuzer, soweit sie folgen konnte, nach dem zurückgebliebenen„Blücher" hin. Öiach Angabe des englischen Admirals bestimmten ihn die Anwesenheit bon Unterseebooten und die Annäherung an das deutscke Minen- gebiet zum Abbrechen des Gefechts. Die große Entfernung und der Qualm ließen den deiltschen Admiral die Sachlage nicht so erkennen, wie sie hier jetzt gegeben ist und sich ans zusammen. getragenen Aufzeichnungen ergibt, ihm war die Linie der feind- liehen Schlachtkreuzer nnr zliui kleinen Teil sichtbar, nur die Beschädigung und das Abdrehen des Führerschiffs waren beobachtet, nichts von dem, was auf der Nr. 2 und 3 vorgegangen war und noch vorging, war deutlich auszumachen. Auf unserer Seite war zu der Zeit„Blücher" schwer havariert,„Seydlitz" verfügte noch nicht wieder über seine hintere schwere Artillerie. Im Norden weit ab stand der größte Teil der englischen leichten Kreuzer und Torpedoboote. Nach seinen Beobachtungen hatte also kein Aus- gleich unserer Uiiterlcgenheit ftattgesundeii. So entschloß er sich zunächst nur südlicher zu steuern, vielleicht die englische Linie von hinten zu umsasscil und aus diesem Wege zu„Blücher" binzu- kommen. Die geschilderte Unmöglichkeit, die Lage zu übersehen� und zu den Fragen der Volksernährung noch die Anträge: „Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, ihren Einfluß geltend zu machen, daß alle Verordnungen, Verfügungen und Be- kanntmachungen, welche für die Behandlung der n e u e n Ernte maßgebend sein sollen, so frühzeitig veröffentlicht werden, daß die Interessenten über ihre Pflichten und Rechte vollkommen unterrichtet sein können/' „Tie Ltönigliche Staatsregierung zu ersuchen: 1. das� Kriegsministerium zu veranlassen, toeiterhin den Armeebedarf an Pferden durch freihändige Ankäufe zu decken unter Berücksichtigung der heutigen Marktlage, insbesondere unter Gewährung derselben Preise an Pferdebesitzer wie solche an Händler bereits in letzter Zeit regelmäßig bezahlt worden sind. Zwangsweise Requisitionen imch einem in Iveit zurückliegender Fricdenszeit festgelegten Tarif dürfen in Hinblick auf die mehr denn auf das Doppelte gesteigerten Preise im Marktverkehr nicht wieder eingeführt werden, da durch dieselben eine schwere Ver- mögensschäoigung derjenigen ländlichen, städtischen und gewerb- lichen Pferdebesitzcr stattfindet, welche sich einen Ersatz für die requirierten Pferde beschaffen müssen: 2. bei den zuständigen Stellen zu bewirken, daß die Einfuhr wertvoller Zuchtpferde aus den okkupierten Gebieten ausgedehnt und erleichtert werde, um die unbedingt erforderliche Grundlage zur Befriedigung des Armeebedarfs für die Zukunft rechtzeitig Zu beschaffen, und die deutsche Pferdezucht ganz allgemein von den schloeren Schädigungen des Krieges gesunden zu lassen." „Die Königliche Staatsregierung wolle über die bisherigen Maßnahmen hinaus auf eine Verdilligung der käuflichen Futtermittel bei dem Bundesrate hinwirken, damit die Erzeugung von Fleisch und Milch nicht immer weiter verteuert werde. Es sind zu diesem Zweck weitere Reichsmittel zur Verfügung zu stellen. �n dem Umstand, daß die Ftlttermittel auf einen Höchstpreis von 2(K) Proz. des Friedenspreises für den Verbraucher festgelegt sind, ist keine hinreichende Produktionsverbilligung zu erkennen." politische Uebersicht. Zu de» Friedensangeboten von englischer Seite. Die Mitteilungen der„National-Zeitung" über englische Friedensangebote, die wir bereits ausführlich gewürdigt haben, öffnen jetzt auch ein paar anderen bürgerlichen Blättern den Mund. Graf R e v e n t l o w in der„Deutschen Tageszeitung" sucht natürlich die deutschen Mittelspersonen persönlich herab- zusetzen, um die politische Bedeutung der Vermittclungs- versuche und ihrer Zurückweisung durch die deutsche Rc- gicrung abzuschwächen. In der Presse wird jetzt auch die Vereinigung genannt, deren Mitglieder sich mit der Vermittelung zwischen Deutschland und England abgegeben haben; es ist der Bund„Neues Vaterland". Der Vorsitzende dieses Bundes ist Herr K. v. Tepper-Laski, dessen Politische Auffassungen durch ein paar Sätze charakterisiert werden, die er in einer Polemik gegen die„Deutsche Tages- zcitung" geschrieben hat. Er äußerte nach der Darstellung der �Freisinnigen Ztg." da u. a.: „Wie sich die Welt im Kopf der„D. T.* malt, darum brauche ich mich nicht zu kümmern, habe mich nur von Anfang an bemüht, der vergiftenden M a s s e n s n g g e st i o n dieser schreck- lichen— viele nennen es großen— Zeit nicht auch zu erliegen. Ob es nun England, Frankreich oder Rußland ist, in dem ivir den Urheber dieser Weltkatastrophe zu erblicken haben, wird erst durch spätere exakte, historische Forschungen festgestellt werden können. Auch wer uns den oder die anderen„auf den Hals gehetzt" hat, das wissen wir alle noch nicht sbis auf die„D. T."). Das wissen wir aber jedenfalls, daß wir kurz vor Ausbruch des Krieges einerVer- st ä n d i g u n g mit England näher lo a r e n denn je. Was—'ivohlgemerkt— in dessen ureigenstem Interesse lag und liegt. Daß ferner die Parole„Gott strafe England" nicht gerade vom Volke ausgegeben ist, dürfte der „D. T." doch wohl ebenso bekannt sein wie gewisse An- sprachen hoher Truppen führe r. Daß sie auf- reizend wirken sollten und gewirkt haben, wird im all- gemeinen auch nicht bestritten werden. Ob die Formel überdies glücklich gewählt ist, sei dahingestellt." Schluß des Preuszischen Landtages. Die letzte geschäftliche Sitzung des Abgeordnetenhauses findet am Dienstag, nachmittags 2 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung stehen KriegSverordnungen über Beschaffung von Arbeitsgelegenheit zur Beschäftigung von Kriegsgefangenen und über Genossenschafts- begründung zur Bodenverbesserung von Moor-, Heide- und ähnlichen und die Voraussicht des schnellen Herankommens der feindlichen Hauptmacht ließen es jedoch sehr bald ihm richtig erscheinen, auch seinerseits das Gefecht abzubrechen und nach Osten weiterzugehen, weil er keine Möglichkeit sah, den nahezu bewegungslosen„Blücher" endgültig zu entsetzen. Zu dieser Zeit kommt das Torpedoboot, das schon einen erfolgreichen Schuß abgegeben hatte, zum zweiten- mal auf den jetzt hinten in der nach Norden dampfenden englischen Linie stehenden„Tiger" zum Schuß, es erfolgt dort eine starke Detonation, das ganze Schiff ist in graMveihe Rauchwolken ge- hüllt, zuerst ist noch ein Stück vom Heck zu sehen und 12 Uhr 23 Minuten verschwindet das Schiff. Tics wurde von einem der Schiffe, das in unserer Linie hinten stand und freien Ausblick hacke, von älteren Offizieren beobachtet. Ob die Angabe des englischen Admirals, daß„Tiger" von vornherein zweites Schiff der englischen Linie war, richtig ist, mag dahingestellt bleiben. Die Verschiebungen der ersten Schiffe in der Linie, ehe die Wendung nach Norden geschah, sind nicht mit vollständiger Sicherheit festzu- stellen. Der Verlust von„Tiger" steht fest. Seit„Blücher" zurückblieb, versuchten mehrfach englische Torpedoboote, ihn anzu- greifen, hierbei wurde die Vernichtung je eines Zerstörers um 113-2 und 12>1 Uhr deutlich beobachtet, lieber den Endkampf des „Blücher" wissen wir nur durch dos Luftschiff, das gegen Ende des Gefechts über dem Kampfplatz erschien, daß er kurz nach 1 Uhr kenterte, nachdem er torpediert war. Seine Geschütze feuerten, bis er versank, Zähigkeit und Heldenmut seiner Besatzung waren seiner Widerstandsfäbigkeit ebenbürtig. Zu der Zeit waren nur mehr vier feindliche Schlachtkreuzer auf der Walstatt. Der eng- lische Bericht ergänzt das Bild nach wie folgt: Nachdem das eng- tische Führerschiff schwer beschädigt ist, holt der englische Admiral seine Flagge dort nieder, schifft sich gegen 1234 Uhr auf ernem Torpedoboot ein und erreicht in etwa dreiviertelstündiger Fahrt seine anderen Schiffe wieder, ungefähr 134 Stunden, nachdem sein Flaggschiff ausgefallen war und setzt seine Flagge cnif der„Prinzeß Rohal". Um 5 Uhr gelingt es dann„Fndomitablc", den bewegungs- unfähigen„Lion" in Schlepp zu nehmen und er schleppt ihn bis in den Hafen. Das Gesamtergebnis der Schlacht war also bei den briti- schcn Streitkräften: Ein neuer Schlachtkreuzer von 30 000 Tonnen gesunken; zwei neue Schlachtkreuzer schwer beschädigt; von tyea schweren Beschädigung eines dritten Schlachtkreuzers gingen später noch zuverlässige Nachrichten ein, sie muß dem „Blücher" hauptsächlich zuzuschreiben sein, wir konnten also nicht sofort darüber unterrichtet sein; drei Zerstörer gesunken; zwei kleine Kreuzer beschädigt; bei den deutschen Streitkräften: ein alter Schlachtkreuzer von 16 000 Tonnen gesunken; ein neuer Schlachtkreuzer beschädigt; ein kleiner Kreuzer leicht beschädigt. Ländereien; ferner die Beratung des Berichts der verstärkten Budget- kommiision über die von der Regierung gegebenen Auskünfte in wirtschaftlichen Fragen, einige Anträge und Petitionen. Wie der Präsident mitteilt, findet voraussichtlich noch an dem- selben Tage die gemeinschaftliche Schlußsitzung beider Häuser des Landtages statt. Führt die Regierung diese Absicht aus, dann würde für die Beratung der wichtigen ErnährungS- und sonstigen wirtschafilichen Fragen, die die Budget- kommission lange Zeit beschäftigten, nur eine ganz beschränkte Zeit zur Verfügung stehen, ja, unter Umständen muß von jeder Debatte Abstand genommen werden. Es wäre das lebhaft zu bedauern, denn, nachdem die Budgetkommission 14 Tage über den Antrag beraten Hai, ist es wohl nicht zu viel Verlangl, daß auch dem Plenum Gelegenheit gegeben wird, in ausgiebiger Weise zu der Frage Stellung zu nehmen. Wird aber der Landlag noch an demselben Tage geschlossen, dann könnten kaum die fünf Bcrichterstaller zum Wort kommen. Das Herrenhaus tritt nur noch einmal, und zwar am Sonnabend, zusammen. In der Hauptsache, um die Interpellation der Oberbürgermeister wegen der Anträge des Deutschen Landwirt- schaflsrales zur Verteilung der Getreidevorräte für das kommende Erntejahr zu besprechen. Außerdem stehen Petitionen auf der Tages- ordnung, darunter eine um Verleihung des passiven Gemeindcwahl- rechts an die Volksschullebrer und eine andere um Verleihung des passiven Gemeindewahlrechts an die Gemeindebeamteir. Die Kom- Mission beantragt, beide Petitionen der Regierung als Material zu überweisen. Dagegen beantragt sie, über eine Petition zur Besse- rung der wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse der Gemeinde- beainlen zur Tagesordnung überzugehen. Eiu Wahlrechtsvorschlag! In der„Südd. Kons. Korr." macht der rechtsstehende Wahlrechtspolitiker Dr. Wolfgang H e i n z e- Karlsruhe den Vorschlag, den reichstagswahlberechtigten Kriegsteilnehmern eine zweite Stimme zu geben; und zwar weil die kriegstüchtige landwirtschaftliche Bevölkerung verhältnismäßig besonders zahlreiche Soldaten ins Feld gestellt hat, weil die unverbrüchliche Manneszucht des Krieges seinen Teilnehmern die Notwendigkeit einer festgefügten staatlichen Ordnung auch im Frieden nahelege, weil der hohe Schwung der Begeisterung in den Heimgekehrten die Neigung verstärken werde, idealen Erwägungen vor rein materiellen den Vorzug zu geben, usiv. Die„Berl. Neuest. Nachrichten" finden den Vorschlag„be- achtenswert". Ob die Auffassung Dr. Hcinzes, daß Artikel 20 der Reichsverfassung der geplanten zweiten Stimme(„welche den Grundsatz des gleichen Wahlrechts wohltuend durchbricht") nicht entgegenstehe, vermag das Blatt im Augenblick nicht zu erkennen. Dieser Vorschlag ist also den rechtsstehenden Politikern angenehm. Wie steht's aber mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in Preußen? Da herrscht verständnisvolles Schweigen I Was uns die Zukunft bringt. Jedem Verständigen dürste es klar sein, daß die Zeit nach dem Kriege nicht etwa eine glänzende Besserung der ökonomischen Lage der breiten Massen bringen kann. Im allgemeinen aber ist die Erörterung dieses Themas, wie sich die Verhältnisse nach dem Kriege gestalten werden, nicht be- liebt, zumal in der bürgerlichen Presse. Den Versuch einer Lösung der Frage, wie die schweren finanziellen Lasten nach Kriegsschluß aufgebracht werden sollen, versucht nun ein Dr. schiele in einer Zuschrift an die„Krcuz-Zeitung". Es heißt da: „Wenn auch der Krieg so ausgeht, wie wir hoffen, so werden wir doch alles andere als leichte und bequeme Zeilen haben. Wir werden nur um so mehr dann ganz Europa als der Bestgehaßte gegenüberstehen. Wir werden nur um so mehr größere An- strengungen zu machen haben, uns für alle Fälle stark zu machen. Wir werden nicht mehr einen belräcktlichen Teil unserer Jung- Mannschaft unausgebildet sein lassen dürfen; denn das führt nur zu der Ungerechtigkeit, daß an ihrer Stelle Vierzigjährige in den Schützengraben müssen. Die allgemeine Wehrhastig- keit des Volkes darf nicht nur ein Ideal sein, sondern muß Wirklichkeit werden. Schon in der Jugenderziehung muß die Erziehung zur Webrhastigkeil beginnen; das Besonders bemerkenswert ist dabei, daß die Beschädigung des „Seydlitz" durch einen einzigen Treffer geschah, und daß außerdem im ganzen nur noch ein schwerer Tresser den Gürtelpanzcr eines Panzerkreuzers traf und dort unschädlich detonierte, sonst ist auf keinem der Schlachtkreuzer überhaupt ein Treffer zu verzeichnen, ebenso wie kein Torpedoboot getroffen ist. Also zwei Treffer in zweistündigem Gefecht, abgesehen von„Blücher". Offenbar hatten die englischen Schlachtkreuzer zunächst die Absicht, das Gefecht nur aus sehr große Entfernung zu führen und vielleicht erwartet, da- durch eine artilleristische Ueberlegenheit zu finden oder wenigstens der Mittelartillerie unserer Kreuzer zu entgehen. Erfolg brachte es ihnen nicht, weil unsere Schießkunst die bessere war, indem die schwere Artillerie schneller am Ziel war und besser am Ziel blieb. Daß das größere Kaliber auf englischer Seite für den Erfolg hier keine Rolle spielte, ist deutlich und dre Tatsache bemerkenswert, daß kein Schiff durch Artillerie allein zum Sinken gebracht wurde. Die Ueberlegenheit an Geschwindigkeit aus englischer Seite ist mit ganz phantasttschen Zahlen versehen worden, die in keiner Weise der Wirklichkeit entsprechen. Das Gefecht ist auf englischer Seite im Durchschnitt mit gut 23 Seemeilen geführt worden gegenüber etwa 23,3 Seemeilen auf unserer Seite. Unser langsamstes Schiff, der„Blücher", stand in jeder Flottenliste mit einer geringeren Ge- schwindigkeit als die langsamsten Schisse des Gegners, somit war die höhere Verbandsgeschwindigkeit aus dessen Seite selbstverständ- lich. Mit einer Geschwindigkeit von 28 und 29 Seemeilen, von der gefabelt wurde, hätten die englischen Schlachtkreuzer nicht, als sie das Gefecht abbrachen, noch gegen uns zurückgestanden, so daß ihre Wendung sie weit hinter uns vorbeiführtc. Dabei kann gern an- erkannt werden, daß die Geschwindigkeit der englischen Schiffe be- merkenswert gut war. Außer schon Erwähntem hat die englische Darstellung nichts Neues gebracht, wohl aber haben die englischen Veröffentlichungen dazu gÄient, die Unzuverlässigkeit auch der amtlichen englischen Berichterstattung in Helles Licht zu setzen. Von dem Gefecht selbst mögen die unrichtigen Nachrichten zum Teil ihre Erklärung darin finden, daß die Beobachtung so schwer war. Hierunter könnten die Angaben rechnen, daß„Prinzeß Royal" eingangs des Gefechtes mit ihrem Feuer auf das 3. Schiff,„Derfflinger", überging und ihm erheblichen Schaden zufügte und daß um 10 Uhr 40 Minuten (9 Uhr 45 Minuten) unser Führer schiff und die Nr. 3 in Brand ge- wesen seien. Die Nr. 3,„Derfflinger". hat während des ganzen Gefechts den einen schon erwähnten unschädlichen Treffer auf dem Gürtelpanzer bekommen und nie gebrannt. Auf Nr. 1,„Seydlitz", verursachte der angeführte Treffer um 10 Uhr 40 Minuten tatsächlich einen Brand. Ueber die tropfenweise Verzapfung der Nach- rieht über die schwere Beschädigung des„Lion" ist schon bei anderer Gelegenheit in der deutschen Presse berichtet. Am 23. Januar wurde sie gar nicht erwähnt, am 27. als schnell reparierbar be- zeichnet, am gleichen Tage das Schiff kampfunfähig genannt und gesagt, man könne keine näheren Mitteilungen machen, das Schiff könne jedoch der Marine erhalten bleiben. Englische Zeitungen kostet alles Geld. Die Heereswaffen müßten im größten Stile ergänzt und nach den Kriegserfahrungen erneuert werden. Bekommen wir n e u e M a ch t st e l l u n g e n im Osten und im Westen, beffere Bollwerke unserer Sicher- heit, so wird uns auch das neue Aufwendungen kosten, und auch die Kriegsentschädigungen werden selbst im besten Falle doch nur so ausfallen, daß wir das meiste aus eigener Kraft Hinzuzutun haben werden. Strengste Sparsamkeit und strengste Auslese und Abwägung aller verschiedenen Forderungen »nd Bedürfnisse nach ihrer Nolwendigkeit, kurz allpreußische Staatsstrenge und allpreußischer Opfermut und Sparsamkeil des Volkes wird notwendig sein, wenn wir der gewalligen großen Zukunft, deren Tore uns dieser Krieg öffnet, gerecht werden wollen. Trotzdem werden wir einen Stcuerzettcl bekommen, daß uns die Augen übergehen werden. Es ist n i ch r wie nach dem Kriege 1870, wo das reiche Frankreich uns nach einem verhältnismäßig kurzen Feldzug eine gewallige Kriegsenlschädigung zahlte.... Auch nach dem größleu Siege wird der Sieger diesmal ganz andere Erfahrungen machen. Fast alle Völker der Well sind am Kriege bereiligt oder leiden darunter. Kein Volk ist nach diesem Kriege reich genug, sofort große Kapitals- zahlungen aufzubringen. Kurz, die Ansprüche an die Steuerkraft der Bürger werden enorm werden. Wir werden Reichs Monopole bekommen, Finanzzölle und nichl zum weillgsien auch höhere direkte Steuern." Diese Schilderung ist durchaus zutreffend. Aber Dr. Schiele findet nicht den Ausweg aus dieser Lage. Er empfiehlt neben ein paar kleinen Mitteln zur Einschränkung und besseren Verteilung der Lasten Ersparnisse dadurch zu erzielen, daß die sozialpolitische Gesetzgebung eingeschränkt wird. Daß dieser Weg ungangbar ist und Deutschlands wirtschaftliche Position nur verschlechtern könnte, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Dagegen wird man der Lösung ernstlich näher treten müssen, die der französische Minister Genosse S e m b a r t kürzlich als die einzig mögliche bezeichnet hat: Minderung der Lasten durch planmäßige Rüstungseinschränkungen. Erweiterung der Kriegsgetreidegesellschaft. Berlin, 18. Juni.(W. T. B.) Da die Absichten der Reichs- leitung über die Regeluiig des Verkehrs mit Brolgeireide und Mehl im nächsten Erntejahr die künftige rechtliche Gestatlung der Kriegs- getreidegesellichaft beeinflussen würden, hat die Reichsleilung Ver- anlassung genommen, den Aufsichlsrat der Kriegsgetreidegesellschaft über seine Slellungnahme zu befragen. Der Aussichlsrat hat am heutigen Tage nach eingehender Prüfung als seine Auffassung fest- gestellt, daß die Pläne der Reichsleilung, wenn sie in ihrer nun- mehligen Fassung die Zustimmung des Bundesrats finden, die Fori- setzung der Wirksamkeit der Gesellschaft auf ihrer bewährten Grundlage ermöglichen, und hat sich bereit erklärt, der Gesellschastsversammlung die Annahme der daraus sich ergebenden Satzungsänderungen vorzuschlagen. Nachdem der Aussichtsrat der Kriegsgetreidegesellichafi sich für die Fortführung der Gesellschaft in der von der Reichsleitung beab- sichtigten Form ausgesprochen hat, wird, wie wir hören, die in, Herrenhaus von einer Anzahl von Slädtevertretern eingebracvte Interpellation über die Regelung der Brotversorgung im nächsten Erntejahr zurückgezogen werden. Teutsch-österrcichische Handelspläue. Der deulsch-österreichisch-ungarische WirlschaslSverband, der seinen Sitz in Berlin hat. teilt mit, daß„die überwiegende Meinung der Interessenten über die Neugestaltung der Handelsbeziehungen zu Oesterreich-Ungarn dahin gehe, daß die Schaffung eines Zoll« Vereins zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn oder gar die Bitdung eines auch noch andere Staaten umfassenden miuel- europäischen WirtschaflsvereinS, so weit solcher mit dem Forlfall aller Zollschranken propagiert würde, durchaus untunlich und derzeit nicht erreichbar sei." Im deutsch-österreichischen Wirlschafts» verband sei man der Ansicht, daß lediglich eine gegenseitige Bor- zugSbehandlung einzutreten habe und daß der Abschluß neuer Handelsverträge von Deutschland oder Oesterreich nur immer im Einvernehmen mit dem andern Staate erfolgen möge. Holländische Gesandtschaft beim Vatikan. Haag, 18. Juni.(W. T. B.) Die Erste Kammer hat den Gesetz- entwurf betreffend Errichiung einer niederländischen Gesandlschaft beim Vatikan angenommen. berichten in schwülstigen Phrasen von dem feierlichen Augenblick, als der„Lion" als letztes Schiff, stolz in den Hafen dampfte, wäh- rend er mit Mühe und Not geschleppt den rettenden Hafen erreichte, und dieser feierliche Augenblick wurde zu einer Zeit erlebt, als das tochiff im Schlepp noch gar nicht in der Nähe sein konnte. Es gab eben manches zu verbergen in diesem Gefecht, von dem Untergang des„Tiger" angefangen, und das empsanden andererseits auch englische Zeitungen und schrieben zum Bericht des englischen Admi- rals:„Was nach der Zeit der Beschädigung des„Lion" geschah, als der Admiral den anderen Schiffen befahl, das Gefecht mit dem fliehenden Feind fortzuführen, wird nicht enthüllt. Dadurch ist die Erzählung unvollständig und enttäuschend." Die hier fehlende Zeit war tatsächlich die, als unsere Torpedoboote vorbrachen,„Tiger" getroffen wurde und später sank, lind an anderer Stelle heißt es! „Der Abstand von 70 Seemeilen von Helgoland— beim Abbrechen des Gefechtes— hätte uns die Möglichkeit gegeben, den Kampf noch mehrere Stunden fortzusetzen, ehe wir an deutsche Minen- felder kamen. Viel kürzerer Kampf hätte schon entscheidend werden können. Hätte die Vernichtung des deutschen Geschwaders uns auch «in oder zwei Schiffe gekostet, so wäre das billig gewesen. Ist das überhaupt ernstlich versucht worden? Wenn es bemerkenswert ist, daß des Admirals Bericht über den Befehl zum Angriff schweigt— damit ist ein Befehl an„Jndomitable" gemeint—,„Blücher" zu vernichten und an das übrige Geschwader, die deutsche Oueue an- zugreisen— so ist es noch bemerkenswerter, daß er keinen Versuch macht zu erklären, warum diese Befehle nicht ausgeführt wurden." Die Erklärung ist in den Ereignissen, dem Kampfunsähigwerdcn des Flaggschiffes, der schweren Beschädigung der„Prinzeß Royal" und dem Sinken des„Tiger" gegeben, es war aber nickst mehr möglich, diesen Befehl auszuführen, und da der Gefechtsbericht fast alle diese Tatsachen verschweigt, bleibt er in diesem Punkt unverständlich und muß den Besprechcr zu dem Schluß führen:«Das Flaggschiff war kampsunfähig. Es war eine Lage, die jeden verwirren konnte. Be- vor dieser Umstand besser erklärt wird, muß es scheinen, als ob hier ein bedauerlicher Irrtum des Oberbefehlshabers vorgekommen ist. Es ist leicht zu beurteilen. Das Bedauerliche des Ganzen ist, daß das Versagen der Urteilskraft für einen so kurzen Augenblick einen so glänzenden Sieg in eine Episode verwandelt hat, die man zwar nicht verbergen kann, aber vergessen sollte." Man muß ganz un- zweifelhaft diesem Kritiker recht geben, es ist unmöglich zu er- klären, warum der englische Admiral das Gefecht abbrach, wenn es um seine Schiffe so stand, wie er berichtet. Tatsächlich stand eben die Sache ganz anders und wenn das Gefecht nicht von eng- lischer Seite abgebrochen wäre,� dann brauchten wir heute nicht zu sagen: Es war leider dem deutschen Admiral nicht möglich, die eng- lische Schwächung zu erkennen und das, im Verein mit der Vor- aussicht, daß die feindliche Hauptmacht bei einem lange, in anderer als südöstlicher Richtung geführten Gefecht herankommen mußte, haben ihn verhindert, dies Gefecht, das zu unseren Gunsten ent- schieden war, bis zu einem vernichtenden Sieg durchzukämpfen. (W. T. B.) Gewerkschaftliches. Maßnahmen ües tzolzarbeiterverbanües beim Wieöeraufbau Ostpreußens. Der Osten ist nicht nur in hohem Maße durch die Russen verwüstet, er ist auch infolge der massenweisen Bevölkerungs- flucht wie der umfassenden militärischen Verteidigungsmatz- nahmen stark von Menschen entblötzt. Dieser Tatsache widmet die Regierung ihr lebhaftes Interesse, indem nicht nur die vorübergehende, sondern die dauernde Cetzhastmachung von Unternehmungen und Arbeitern ins Auge gefatzt wird. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, wird zunächst danach ge- trachtet, die zu vergebenden Aufträge für den Wiederaufbau in den Betrieben des Ostens unterzubringen und die dazu be- nötigten Arbeitskräfte aus anderen Teilen des Reiches heran- zuziehen. Man kann nichts dagegen einwenden, wenn die Arbeitgeber sich rühren und zusammenschlietzen, um bei den zu vergebenden Aufträgen ihre Interessen zu wahren und die Lieferungsbedingungen nicht durch eine wilde oder unlautere Konkurrenz ins Ungemessene herunterwirtschaften zu lassen. Soweit diese Bestrebungen sich in den Grenzen halten, die für eine solide Ausführung der Arbeiten als auch für die Auf- rechterhaltung der von den Gewerkschaften aufgestellten oder tariflich geregelten Arbeitsbedingungen gezogen werden müssen, sind die Arbeiter zur tatkräftigen Mitarbeit dabei bereit. Von diesen Gesichtspunkten lietz sich auch der Vorstand des Deutschen Holzarbeiterverbandes leiten, als er die oft- deutschen Arbeitgeber des Holzgewerbes für eine gemeinsame Aktion in dem bezeichneten Sinne zu interessieren suchte. Bei der beispiellosen Uneinigkeit und Zersplitterung dieser Kreise schien das allerdings keine leickite Aufgabe zu fein, weshalb zu ihrer Durchführung die Mithilfe des Herrn Lberpräsidenten für Ostpreußen in Anspruch genommen wurde. Unter dessen Leitung fanden am 2. Juni in Königsberg Verhandlungen statt, zu welchen die Unternehmer aus fast allen namhafteren Orten Vertreter entsandt hatten. Ter Holzarbeiterverband war außer durch die Haupt- und Gauverwaltung durch Orts- Vertreter aus den Zablstellen Königsberg, Memel, Osterode Ortelsburg, Rastcnburg und Tilsit an den Verhandlungen be- teiligt. Das Ergebnis der Beratungen sind folgende Vereinbarungen betr. l�e Arbeitsbedingungen und die Arbeits- n e rrni ttlung für das Holzgewerbc in Ostpreußen. Arbeitsvermittlung. 1. Zur Beschaffung der erforderlichen Arbeitskräfte wird eine zentrale Arbeitsvermittlungsitelle für die Provinz Ost- Preußen in Königsberg errichtet. Zur Leitung und Ucberwachung der Arbeitsvermittlung wird eine Kommission eingesetzt, be- stehend aus je drei Mitgliedern der Arbeitgeber und Arbeiter, welche von den Parteien hierzu gewählt werden. Der Vorsitz wird einem Unvarteiischcn übertragen, welchen der Herr Ober- Präsident von Ostpreußen bestimmt. Die Kommission setzt für Arbeitsvermittlung eine Geschäftsordnung fest. Alle an dieser Vereinbarung Beteiligten erklären ihre Bereitwilligkeit, die Vcr- mittlungsstelle über benötigte und vorhandene freie Arbeitskräfte zu unterrichten und die Herbeischaffung von Arbeitern zu fördern. Arbeitszeit. 2. Die normale wöchentliche Arbeitszeit beträgt li? Stunden oder täglich 9'/i Stunden. Wo durch Tarifvertrag eine kürzere Arbeitszeit festgesetzt ist, bleibt diese bestehen. 3. lleberjtunden werden mit folgenden Aufschlägen sowohl bei Lohn- wie bei Akkordarbeit vergütet: bis 8 Uhr abends 10 Pf., von 8 bis 10 Uhr 20 Pf. Aufschlag pro Stunde. Arbeitslohn. 4. Der Mindestlohn beträgt für die Kreise: Angerbnrg, Dar- kehmen. Gcrdauen, Gumbinnen, Goldap, Heilsberg, Johannis- bürg, Weidenburg-Soldau, Pillkallen, Rössel, Stallupönen und Marggrabowa 53 Pf., Mobrungen, Pr.-Holland, Rastenburg, Scnsburg nebst Stadt Bischofsburg und Wehlau-Tapiau 54 Pf., Allenstvin, Fischhansen, Friedland, Heydeknrg, Heiligenbeil, Labiau, Lötzen, Lyk, Memel, Ortelsburg, Osterode. Pr.-Ehlau 53 Pf.. Jnsterburg, Tilsit, Ragnit 58 Pf. pro Stunde. Für Junggesellen im ersten Gesellenjahr und für die durch Invalidität Minderleiswngsfähigen unterliegt die Festsetzung des Lohnes der freien Vereinbarung. Wo bereits höhere Löhne bestehen, behalten diese Geltung. Akkordarbeit. 5. Akkordarbeit ist zulässig, wenn die Akkordpreise vorher zwischen dem Arbeitgeber und den Arbeitern des Betriebes ver- einbart werden. Die bestehenden Akkordsätze werden� um 10 Proz. erhöht. Bei außertariflicher Akkordarbeit sind in jedem Falle die vorstehenden Mindcstlöhne gesichert. Fahrgeld. 8. Den durch die Zentralstelle vermittelten Arbeitern wird von dem Arbeitgeber freie Fahrt und ein Zehrgeld von 3 M. pro Reisetag gewährt. Allgemeines. 7. Streitigkeiten, die aus vorstehenden Abmachungen ent- stehen, werden von einer paritätischen Kommission entsibiedcn. 8. Die sonstigen Bestimmungen der Tarifverträge bleiben unverändert. Die„Holzarbeiter-Zeitung" schreibt hierzu: „Nun wird es gelten, diese Vereinbarungen nicht nur in allen Betrieben durchzusetzen, sondern auch den beschlossenen Arbeitsnachweis so auszubauen, daß er allen Anforderungen gerecht werden kann. Wenn vielleicht auch inanche Kollegen die vereinbarten Löhne nicht ausreichend finden im Hinblick auf die sehr teueren Lebensverhältnisse des Ostens, so niöge sich doch dadurch niemand abhalten lassen, dem Rufe des Nach- weises nach Annahme von Arbeit zu entsprechen. Sollten sich dabei Unzuträglichkeiten herausstellen, dann wird.unser Vcr- band stets mit dem nötigen Nachdruck für die Rechte der Kol- legen cinzrrtretcn wissen."__ Hualand. 25 Jahre SchiffSzimmerer-Organisation. Wenn nicht der Kampf um die Orgauisationsform und später das Ausnahmegesetz die gewerkschaftlichen Ansätze der Schiffs- zimmcrerorganisation zerstört bättcn, so hätten die Scknffzimmerer auf eine der ältesten gewerkschaftlichen Organisationen zurückblicken können. Schon 1840 bestand ein Gewerkverein der Hamburger Schiffszimmerer. Der Allgemeine Deutsche Schisfszimmerer- verein im Jahre 1875 zählte schon in 10 Orten 3300 Mitglieder, seine Auflösung aber erfolgte 1888, nachdem, die Mitglieder, auf einen winzigen Rest zusammengeschmolzen, sich dem Zentralver- band der Werftarbeiter angeschlossen hatten. In Hamburg aber hatte sich W?" 1880 eine neue Lokalorganisation der Schiffs- zimmcrer gebildet. Als wegen des bevorstehenden Zollanschlusses Hamburgs und der hamit verbundenen Steigerung der Lebens- inittclpreise die Schiffszimmerer Lohnforderungen stellten, die von den Unternehmern abgelehnt wurden, stellten 800 Schiffszimmerer die Arbeit ein, welche Arbeitseinstellung aber bald resultatlos be- endet wurde. Kleinere Lohnbewegungen folgten, bis es im Jahre 1800 zu einem größeren Ausstand kam, der nach 13 Wochen erst beendet wurde. Auch diese Bewegung ist durch inneren Organi- sationsstreit arg geschädigt worden. Nach Beendigung des Streiks fand ein Kongreß statt, der der grenzenlosen Desorganisation ein Ende bereiten sollte. Tatsächlich wurde denn auch auf diesem Kongreß in den Pfingstfeiertagen 1800 in Kiel die Grundlage für die jetzt bestehende Zentralorganisation geschaffen, durch Zusammen- schluß der bestehenden vier Lokalorganisationen von Flensburg, Kiel, Hamburg und Veddel. Mit der Leitung des Verbandes wurde W. Müller betraut, der bis zu seinem im Januar dieses Jahres erfolgten Tode der Organisation vorstand. Bald nach Gründung der Zentralorganisation ist dann ein schnellerer Aufstieg bemerkbar. Andere Lokalvereine schließen sich der Zentralorganisation an, die bald 1273 Mitglieder zählt. Im Jahre 1001 mit 2000 Mitgliedern war die Organisation kurz vorher durch die Aussperrung der Ham- burger Seeschiffswerften in schwere Kämpfe verwickelt. Zwei Jahre später beschloß eine Generalversammlung, Müller als besoldeten Beamten anzustellen. Die folgende Zeit ist für die Organisation reich an Kämpfen, worunter als schwerste Belastungsprobe der Streik auf den Seeschiffswerften von 1013 zu rechnen ist. In diesem Jahre zählte der Vrband 3705 Mitglieder. Der Ausbruch des Krieges hat auch die Weiterentwickelung und Aktion dieser Organisation schwer gehemmt. Die Still- legung einer Anzahl Flußschiffswerften im Binnenlande und die erste Bestürzung bei den Arbeitgebern beim Kriegsausbruch, die sich in Arbeitercntlassungen kundtat, hat auch bei den«chiffszimmerern im Binnenlande eine starke Arbeitslosigkeit im Anfang des Krieges im Gefolge. Nahezu 42 000 M. sind in den ersten neun Kriegs- Monaten für diese Unterstützungszwecke aufgewandt. Mindestens 1400 Mitglieder sind jetzt bereits zum Kriegsdienst eingezogen, von denen bis 1. Juni der Hauptverwaltung 41 2,0 Proz. der Eingezogenen als gefallen gemeldet sind. Die Mitgliederzahl ist auf 1805 zurückgegangen.— In schweren Kämpfen ist auch diese, eine der kleinsten unserer Zentraloraanisationen der Arbeiter heran- gereift. Wünschen wir ihr an ihrem Jubiläumstage, daß sie auch ferner als Glied in der großen Kette der Arbeiterorganisationen ihren Platz ausfüllen möge zu Nutz und Frommen der Berufs- angehörigen._ Keine Lohndrücker. In der FuSsgrube im Waldenburger Kohlenrevier in Nieder- schlesien haben am Montag und Dienslag euva 100 russische Schlepper die Einiabrr verweigert. Es Handell sich bei diesen Arbeitern um Leute, die nach der Okkupiernng Polens durch die Deutschen, in der Lodzer Industrie keine Beschäftigung mehr fanden und dnrch Ver- miltelung der Militärbehörden Arbeil auf schlesiscben Gruben er- hiellen. Die Russen verweigerten die Arbeit deshalb, weil ihnen angeblich 8 M. Lohn pro Schicht in Aussicht gestellt worden sind sder Hauerlohn beträgt im Waldenburger Revier noch nicht 5 Vi.) und sich bei den Lohnzahlungen herausstellte, daß dieser Lohn nicht erreicht wird. Die Russen hielten auf dein Grubenhof Besprechungen ab. Am Mittwoch früh sind alle Russen wieder eingefahren: die Gruben dir ektion hatte eine kleine Zulage be- willigt. Ueber die Höhe der Zulage ist ilichtS bekannt. Mus der Partei. Aus den Organisationen. Eine außerordentliche Milgtiederversammtung der sozialdemo- kratischen Organisation in Braunschweig beschäftigte sich mit der Hallung der Reichstagsfraktion während der Dauer des Krieges. Referenten waren die Genossen Bios und Haase. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die sich mit den Ausführungen des Genossen Haase emverstanden erklärte. * Ter Sozialdemokratische Verein für die Reichstagswahlkreise Köln-Stadt und Köln-Land hielt am 16. Juni seine Jahresgeneral- Versammlung ab. Tie Mitgliederzahl betrug am 31. März 1015: 7504 s8554 männliche und 1040 weibliche) gegen das Vorjahr ein Verlust von 1225>1150 männlichen und 71 weiblichen). Darunter befinden sich allerdings zahlreiche Mitglieder, die schon im vorigen Jahre hätten gestrichen werden müssen. Von den 6554 männlichen Mitgliedern waren am 31. März über 3200, oder nahezu 50 Proz. einberufen. Die Daheimgebliebenen sind nicht alle pflichteifrig, zum Teil aber auch durch Ueberarbeit an der Parteitätigkcit ge- hindert. Ein Versuch, öffentliche Frauenversammlungen während des Krieges abzuhalten, ist an mangelndem Interesse so gut wie gescheitert. Etwas besser war es mit den Mitgliederversamm- lungcit. Die Auseinandersetzungen über die Parteitaktik während des Kriegs sind in Köln, wie der Parteisekretär Runge in seinem Bericht feststellte, bisher sachlich geführt worden, obwohl sehr ver- schiedene Meinungen vorbanden sind. Die Gesamteinnahmen des Vereins sind von 50 500 M. im vorigen Jahre auf 30 200 M. im abgelaufenen Geschäftsjahre zurückgegangen. Verhältnismäßig gün- stig übersteht bisher die„Rheinische Zeitung" den Krieg. Ihr Abonnentenstand war zu Beginn des Krieges rund 20 000, Ende März betief er sich auf 17 500 und ist auch seitdem, trotz der bedeutenden Einberufungen im Rheinland, nicht mehr gesunken. Unter den Abonnenten sind 1400 Feldpost beziehe r. Be- sonders bedürftige Kriegerfrauen erhalten die Zeitung zum halben Preis(40 Pf.). Ter Straßenverkauf, der im August vorigen Jahres vund 3000 täglich betrug, bat stark nachgelassen, wird aber noch fortgesetzt und hat zahlreiche dauernde Bezieher eingebracht. Die Abonnementscinnahme sank von 186 800 M. im Vorjahre auf 152 000 im Berichtsjahre, die Jnserateneinnahme von 136 000 M. auf 08 000 M. Den gesamten Mindereinnahmen von 03 000 M. stehen 91 000 M. Ersparnisse gegenüber, so daß das Geschäft bisher so gut wie ohne Verlust arbestetc. Seit der Mobil- machung werden der„Rheinischen Zeitung" Inserate und Druck- auftrüge der Stadt Köln gegen Bezahlung gewährt.— Die Versammlung nahm die Berichte entgegen, sah aber von einer Ent- lastung der Funktionäre(mit Ausnahme des Kassierers) bis nach dem Kriege ab. Es soll den Entscheidungen der eingezogenen Genossen nicht vorgegriffen werden. Mus Znöustrie unö Kandel. Das Rcgalrecht des Herzogs von Arenberg. Die Nummer 24 des„Glückauf", Organ für die bergbaulichen Interessen im Oberberganusbezirk Dortmund, bringt eine Tabelle über die Bergwerksabgaben, die eine Reihe von Kohlenzechen im nördlichen Ruhrgebiet an den Herzog von Arenberg jährlich zu zablcn haben. Nicht weniger als 18 BergwerkSgefellschaflen waren im Jahre 1014 dem Herzog tribuipflichlig: es werden ihrer immer mehr werden, wenn die glänzende Entwicklung des Bergbaues im sogenannten Münsterlande wie bisher anhält. Im Jahre 1868 erhielt der Herzog von einem Grubenunlernehmen, das ihm rcgal- bczlv. abgabenpftichlig war, ganze 370 M.: im Jahre 1014 wurden ihm 1 850 408.18 M. gezahlt, vom preußischen Bergfiökus, der auch regalpflichiig ist, allein 321 854.50 M. Die Steigerung der Abgaben seit 1004 zeigen die folgenden Zahlen: 1004... 818 277.04 M. 1010... 1 427 544.84 M. 1005... 862 901.31. 1011... 1482 077,30, 1906... 1073 201,81. 1912... 1 602 265,27„ 1907... 1 Li» 1Z2,75, 1913... 2 035 567,07. 1908... 1 385 672.27, 1014... 1850 406,18. 1009... 1373 420,01, Das sind in 11 Jahren nicht weniger als 15 120 466,65 M. arbeitsloses Einkommen. Das Regalrechl ist ein im frühesten Mittelalter von Königen und Fürsten sich angemaßtes Gewalt- und Hoheitsrecht. Könige und Fürsten waren eS, die daS Recht der ehemaligen Markgenosfen, in der Erde nach Erzen zu schürfen und bei Funden das Bergwerk begen gewisse Abgaben an Fremde oder Markgenosfen zur Aus- beutung zu verleihen, brachen und au sich rissen. Nunmehr ver- liehen die Könige die Bergwerke und Bergwerksfelder, nicht mehr die ehemaligen Markgenossen. Die Könige erhoben die sich auS der Verleihung ergebenden Negalabgabeu oder„Zehnten". DaS Recht, diese Regalabgaben zu erheben, verschenlten sie wieder häufig an ihre Parteigänger und Grundherren. Wer in Dculschtand den römischen Kaisern wichtige Dienste geleistet halte, erhob vielfach Ansprüche auf das Regalrecht oder es wurde ihm durch die kaiserliche Gewatl freiwillig verstehen, manchmal auf ewige Zeilen! So be- gründet auch der Herzog von Arcnberg seine Amprüche aus das von ihm ausgeübte Regalrecht. Kaiser Karl IV. soll seinen Ahnen im Jahre 1356 durch' die„Goldene Bulle" daS Regalrecht verliehen haben: nach einer anderen Version übte das Haus Arenberg das Reckt schon früher aus. Beweisstücke für das eine oder das andere dürfte die Familie schwerlich beibringen können, die erwähnte Bulle gibt keine Spezialisierung der Verleihung der Rechte, sondern spricht von Verleihung im allgemeinen. Aber selbst dann, wenn ein solches Recht im Mittelalter„rechtmäßig" bestanden hätte, gehörte es in unsere Zeit ganz gewiß nicht niehr hinein. Die Souveränität der Arenberge wurde durch die Napolconifche Flutwelle 1810 hinweggefegt, damit, so nieinen wir. auch die Rechte, die sich aus der souveränen Regierung ergaben. Aber die reichs- unmittelbaren Fürsten und Herren haben es verstanden, sich von Pflichten, die sich z. B. aus den Serviluten, Heer- und Gerichtskosten ergaben, zu befreien, sich jedoch die Einnahmen, die sie als Regal- und Grundherren erhielten, zu sichern. Diesen Zustand nannte die „Rheinisch-Westtälische Zeitung" am 6. Juni 1010 geradezu skandalös I Mit Recht! Kaiser und Könige verschenkten Regalrechte. die sie nie als Rechtsbesitz besaßen. Wir erinnern auch daran, daß ein Herzog von Arenberg seine sämtlichen Rechte ans dem Bergregal in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegen eine jährliche Rente von 1000 Talern aus den Staat übertragen wollte, der Staat lehnte ab. Das war zu einer Zeit, als der Bergbau sich allerdings auf das Münsterländische Gebier noch nicht erstreckte. Heute heimsen die Arenberge durch das Regalrccht Millionen ein. Der Staat spielt in der Frage der Regalien überhaupt eine wunderbare Rolle. Seine Stellung zu ihr tst die, daß er nach früherem leilweiseu Verzicht als Selbstbefitzer an Rsgalrechten die ihm zukommenden Regalabgabeu preisgab. Sie wurden anläßlich der Miquelschen Steuerreform zwar nicht aufgehoben, wohl aber„außer Kraft geietzt*. So hat sich der Zustand entwickelt, daß die Reichs- unmittelbaren Magnaten nicht nur von den Privatbesitzern Regal- abgaben erheben, sondern auch vom Fiskus, dieser selbst aber bat aus diese bisher innegehabte Einnahmequelle verzichtet. Der West- fästsche Bergfiskus hat fast seinen ganzen Grubenfetderbesitz im Münsterland in dem Arenbcrgschen Regalbesitz zu liegen und zahlt dem Herzog heule(1014) schon 321854,50 Mark. Da eö außer dem Herzog von Arcnberg noch andere Regal- Herren in Westfalen und Oberschlesien gibt, so wiederholt sich hier das imveritüiiftige Spiel, wenn auch nicht in dem Umfange wie mit den Arenbergs. Der Staat zahlt, die Rcichsunniitlelbaren, die viel- fach selbst Grubenunlernchmen betreiben, zahlen nichts, streichen aber außer Grubendividenden und sonstigen Einnahmen noch Millionen von Mark an Regalgeldern ein. Kein Wunder, wenn das Vermögen dieser Herren ins Riesenhafte wächst. Nach dem Martinschcn„Jahr- buch siir Millionäre" soll z. B. das Vermögen des Herzogs Engelbert von Arenberg. Schloßherrn auf Rordkirchen, im Jahre 1012 63 Millionen Mark betragen haben, im Jahre 1805„nur" 28 bis 29 Millionen Mark, also in 16 Jahren eine Steigerung von 32 Millionen Mark! Das ist das von Martin erfaßte Vermögen. Sonst wird der Besitz des Herzogs im In- und Auslände auf mehrere Hundert Millionen Mark geschätzt. Das dürfte der Wahrheit näher kommen, als die Martmschen Angaben. ES ist hohe Zeit, daß mit dem mittelalterlichen Regalrecht der Grundherren aufgeräumt wird. Gelegenheil dazu gibt die neue Steuergeietzgebilllg nach dem Kriege, die vor allen Dingen dle arbeitslosen Einkommen, nicht nur die der Regalherren, heran- ziehen soll._ Kapttaländerungell bei Aktiengesellschaften. In den Vierletjahrsheflen zur Statistik des Deutschen Reiches wird eine Uebersicht über die Entwickelung der deutschen Aktien- gesellschaften im Jahre 1014, getrennt nach den einzelnen Monaten, gegeben. Wir haben in nachstehender Tabelle die ersten 6 und die letzten 6 Monate zusammengezogen, und erkalten so ein Bild der Entwickelung, wie sie sich in den beiden Halbjahren, dem vor Be- ginn des Krieges liegenden und dem kriegelischen, abgespielt hat. Neugegründ. u. fort- Aufgelöste u. ge- Ueberschuß der- gesetzlest Gesellsch. Nominallapt. 1000 M. Zahl' 1. Halbjahr 1914 64 2.„„ 58 Zusammen 1914 122 Dagegen 1913 175 1012 182 Was zunächst das löschte Gesellsch. ersteren 0. Nominallapt. 0..Nominallapt. 1000 M Zatst 1000 z)k. 213 809 63 308 387+ 1— 94 578 113 983 40 40 363+18+ 72 620 327 792 103 358 750+19— 21 958 210 046 110 175 276--65+ 41 533 244 756 101 91788+81+154 540 ganze Jahr 1014 anbelangt, so sehen wir, daß es in seinen Schliißresustalen bedeutend ungünstiger ist als seine beiden Vorgänger. Wenn auch die Zahl der Akliengesellschasteil um 10 stieg, so verringerte sich doch das Nominalkapilat sämtlicher Gesellschaften um 22 000 Millionen. Dagegen halte das Vorjahr einen Zuwachs um 41 500 Millionen und das Jahr 1012 einen solchen um 155 000 Millionen gebracht. Während das erste Halbjahr>0l4 einen Mindercrtrag von 05000Millionen ergibt, bringt das Kriegshalbjahr sogar einen Mehrbetrag von 73 000 Millionen. Die ungünstige Gestaltung im erstell Halbjahr ist eine Folge der Krise, die ja bereits im Jahre vorher einsetzte und hier eine auf- fallende Rückentwickelung gegenüber 1012 zeitigte. Wenn dann das zweite Halbjahr 1014 ein so wesentlich günstigeres Resultat ergab, so gehl gleichsfalls aus den oben wiedergegebenen Ziffern hervor, daß daran nicht die Zunahme der Neugrllndnngen, sondern der R ü ck- gang der Auflösungen schuld ist. Dieser Rückgang ist eine Folge der Maßnahmen der SlaalSregierung. die seit Kriegs- beginn jede nicht ganz gesunde Gründung in ZwangSverwalluitg nimmt.____ Tauschgeschäfte im Kriege. Ein sonderbares Tauschgeschäft(wie es ähnlich jetzt von allen Staaten gemacht wird) haben die Schweiz und die italienische ZIe- gierung. wie die„Deutsche Fleischerzeitung" meldet, abgeschlossen. Italien gestattet, daß 1200 Schweine monatlich nach der Schweiz eingeführt werden, davon 500 für den Kanio» Tessin. Diese 500 werden jedoch nur abgegeben, wenn die Schweiz dafür altes Eisen an Italien liefert, und so sind denn auch jetzt 70 Waggons mit altem Eisen nach Italien geschickt worden. Tic Schweine sind freilich noch nicht gekommen. Englische Finanzsorgen. London, 18. Juni.„Daily Telegraph" schreibt in'einem Leit« artikel: Es ist keineswegs Ueberfluß an Bargeld vorhanden, wieder itiedrige Zinsfuß annehmen läßt. Geld muß sehr bald teurer werden, wenn nicht der Geldvorrat, von dem unser Kredit abhängt, in ge- jährlicher Weiie erschöpft werden soll. Die größte Schwierigkeit liegt in der Bezahlung unserer Einfuhr. Diese wird mit jedem Tage unbequemer, bis wir sie werden mit Gold bezahlen müssen. Solange das Geld bier nur 3 Prozent wert ist, wird Amerika keine Wertpapiere an Stelle der Barzahlung anilehmeil. DaS Blatt empfiehlt die sofortige Ausgabe einer großen Anleihe. In einem Artikel des„Manchester Guardian" wird eine Zwangs- anleihe bei allen BevölkerungStlasieii anstatt einer lleucn Kriegs- anleihe emptohlen. Um das Defizit zu decken, müßten 12 Proz. des Gesamteinkommens der Nation erhoben werden „Daily Mail" erklärt in einem Leitartikel, das Defizit könne weder durch Anleihen noch durch Besteuerung gedeckt werden. Der einzige Ausweg sei die� angestrengteste Steigerung der wirtsckiaft- ticken Produktion und die Beseitigung aller unnützen Ausgaben des Staates, der Stadiverwattungen und der einelnen Haushalte. •) Es handelt sich um Fortsetzung aufgelöster Gesellschaften. ISozIaltaMeiier Wsiilvereifl j ZEWeDdorl W.B. ?lm DvmicrStag, den 17. Juni. I»erstarb nach langem Leiden � | unsere Genossin Wirtisl im Alter von 21 Jahren. C-Hre ihrem Zludenkcn: Die Beerdigung sindct am! anniag. den 20. Juni, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- hall- in der Spandauer Strajze s ans statt. Um rege Beteiligung bittet läo/2 Oer Vorstand. Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht,> das, unser Mitglied, der Gürtler s Aupst Atzenroih Brandcnbnrgslr. 10 1 am 16. Juni an Gehirnschlag ge- s starben ist. Die Beerdigung findet morgen| eonntag. den 20. Juni, nuch- 1 mittags 0 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Jakobi-Küchhoseo I in Neukölln, Hermannstraüe, aus I I statt. Den Kollegen ferner zur Nach- ! richt. dag unser Mitglied, der| | Elektromonteur Bruno Lelimann Kastanienallce 88 am 10. Juni durch Ertrinken gc- storbcn ist. Die Beerdigung sindct morgen Sonntag, den 20. Juni, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- balle'des Segcns-Kirchhoses in Weihenscc aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Melallarbeiter Ernst Eütter Bornemannslr. 0 am 16. Juni Ott Lungcnleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den tg. Juni, nach- mittags 0 Uhr, von der Leichen- Halle des alten PaulS-Kirchhofes, sccstraßc, aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt. dag unser Mitglied, der Werkzeugmacher I«SZ linplinsnn Wiesenstragc 10 am 12. Juni durch Ertrinke» gc- starben ist. Die Beerdigung findet beule Sonnabend, den 10. Juui, nach- mittags 0-/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in der Secslrajze Ecke Müllerstrage aus statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung erwartet � 115/11 Tie Ortsvertvaltnng. i Verhanil der Fahrikarbeiter DEiitseiilands. Zahlstelle Groh-Berlin. ?lnl Mittwoch, den 16. Juni, verstarb unser Mitglied ErjeSricli 8evmil!t. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung sindet am Sannlag, den 20. Juni, nach- mittags 3 Tibi-, von der Halle des Friedhofes in Johannisthal aus statt. 53/9 Die Ortsverwaltung. Am Sonnabend, den 12. Juni, I verstarb beim Baden in Tegel I unser guter Sobn, Bruder und | Bräutigam, der Werkzeugmacher Max Zingelmann | im Alter von 21 Jahren. Um stilles Beileid bitten illugo Zingelmann nebst Frau. Erna Zingelmann, als Schwester. | öerta Rochel, als Braut. Die Beerdigung findet heute ! eoannabcnd, den 19. Juni, nach- � mittags ö'l, Uhr, aus dem städtischen Friedhof. Seesttage. I Ecke Müllerstrage, statt. 36A Am 17. d. Mtl., morgens 8 Uhr, starb nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber Mann, unser lieber, guter Batcr, der Gastwirt Aibsrl Cmß im 70. Lebensjahre. 6321 Dies zeigt im Namen der Hinterbliebenen trauernd an Flinnn. Oniß nebst Kindern. Die Einäscherung findet am Montag, den 21. Juni. nach- mittags 1 Uhr, im Krematorium, Gcrichtstr. 37/38, statt. Dänksagungl Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines liebe» ManncS sage allen Beteiligten, insbesondere dem Gesangverein Neu- lölln'r Licderlajcl, den freien Gast- und Schankwirten Neuköllns, dem Wahlvcrcin und dem'Metallarbeiter- Verband meinen innigsten Dank. Mlve. Anns Megei. Allen Freunden und Bekannten I I die traurige Nachricht, dag mein � innig geliebter Mann und treu- | sorgender Later, der Gastwirt Friedrieli Grandejus > am 16. Juni, vormittags 10 Uhr, � nach langem Leiden sanft ent- \ schlafen ist. 7731 1 Dies zeigt mit der Bitte umj | stille Teilnahme an Witwe Juli« Grandejus und Sohn. Die Beerdigung sindct am Man- ! lag, den 21. Juni, nachmittags I 3 Uhr, von der Leichenhalle des I Zentral-Iriedhojs in Friedrichs- � selbe aus statt. j Als Opscr des Weltkrieges siel! > am 3l. Mai durch Hcrzschug l unser herzeuSgutcr Soh», Bruder j f und Schwager, der Steindrncker �icksl-ä 8cKÜNidec!;.?''Lv:■ ru' so?!/!?- T I'Als Opfer seines Beruscs vcr- � starb am 13, Juni unser lieber Kollege, der Metallarbeiter Fritz Strömke | int Alter von 17 Jahren. Trotz seiner Jugend hat der ! Verstorbene eine erjolgreichc, jähre- lange Tätigkeit hinter sich; die proletarische Jugendbewegung hat einen ihrer Besten verloren. Sein liebenswürdiges Wesen, seine hervorragenden Charakter- eigenschaslcn mawen ihn in unseren s Reiben unvergeßlich. 282/12 Die Arbeiterjugend Weißensees, Nachruf. Den Heldentod sür's Baterland starb am 29. Mai 1915 unser altes treues Mitglied, der Gcjrcite August Ramonat im 15. Lebensjahre. 77A Ehre seinem Zlndenken! tabkliid„Bulgarien". Allen Verwandten und Bc- I kannten zur Nachricht, daß meine ! liebe Frau Emma Wunderlich 1 ganz plötzlich und unerwartet am Montag, den 11. Juni ver- | storbcn ist. 1902b Wilh. Wunderlich. Beerdigung Sonntag, den 20.6., I nachmittags b'l, Uhr. von der s Leichenhalle des neuen Jakobi- > lirchhvics, Hermannstraßc, aus. Danksagung. Für die Beivcise herzlicher Teil- nähme und die Kranzspenden bei der Bcerdiglmg meines Mannes, sage ich allen Freunden und Bclaimtcn vielen Dank. Fr. Auguste Heilmanu und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich der Beerdigung meiner mir viel zu srüh cnlrissenen lieben Frau, unserer gclieblcn, nn- nerqeßllchen Mutter, Tochter und Schwägerin Axues Jaffke sagen wir bicrdurch allen unseren herzlichsten Dank; insbesondere der Fraklion mid der Bezirksleitung des jozialdemolr.'ÄablvereinS Lichtenberg. Im Namen der Hinterbliebenen 19075 Ott o Jaffke. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Verstorbenen, des Mechanikers iPauf Schwarz sage» wir hiermit allen Verwandten und Bekannten, insbesondere seinen Kollegen von der Firma Lorenz. unseren herzlichsten Dank. 1901b N e u I ö U n, Herrn annstr. 27 IV. Die Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcilnabmc bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sagen ivir allen Freunden und Kollegen herz- lichslen Dank. Witwe Isert» Witte und Küider. 190öb zikruilrljfingsstelie Kerli». N 54, LimenKr. 8a— 85. Telephon:'Amt Norden 180, 1239, 1987, 9711. Bnrean geöffnet von!> bis I Uhr und von 1 vis 7 Uhr. Sonntag, den 20. Juni 101.», vormittags 1> Nhr: Branchen-Versammlung aller in den Gisenkonstrnttionswerk- statten beschäftigten Arbeiter sowie Fahrstuhlmonteure und Helfer in den ZlndreaS-Festsälen, Berlin, Andrcasstr. 2k. Tagesordnung: i. Bericht der Branchenkommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Pflicht. Montag, den 21. Juni 1915, abcudS 61/, Uhr: Eranehen- Vcrsaininlutig der in den Metallgießereien beschäftigten Former n. Bernfsgenossen im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstr. 75. T a g c s o r d n u n g: 1. Vortrag des Kollegen Cohen über:„Die Fürsorge für Kriegs- beschädigte." 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchcnangelegenheilcn. Der Vortrag erfordert das Erscheinen sämtlicher Kollegen. ichiung! Rohrleger u. Helfer Mliiiig! Dienstag, den ÄS. Juni 1915, abends« Uhr: Allgemeine Branchen- Versammlung im GewerkschaftehauS,(ingehifcr 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Vortrag des NeichstagSabgeordneten Ltto Büchner. 2. Diskussion. 3 Verschiedenes. Verbands- und Braiichcliangclegenheitcn. In dieser ernsten /seit ist es Pflicht aller Kollegen, zu er- scheinen. Rüttelt die Säumigen auf' Ein großer Teil der Vertrauensleute ist zum Heeresdienst emberusen. In Betrieben, wo noch lein Ersatzmann gewählt ist, wollen die Kollegen das Versäumte nachhole» und der Branchenleilung Namen und'Adresse angebe». �. 115/12 D»e Ortsverwaltnnjf. |— EiRehrere Gespanne zum Abfahren von Preffkohle» in Kästen für dauernde Beschäftigung bei hohem Fuhrlohn sucht 103/11» Konsymoenossensciiaft Berlin u. Umg. Lichtenberg, Rittergutstr. 16—26. OS Sonntag 8— 10 geöffnet- I. Bei Anzahlung schon Ton Äl. 1.— an wird jedes oevrählte Stück bis nach dem 1 Juli reserviert. Besonders wichtig: "Weite Größen! Ueberaus günstig! 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Uns wird geschrieben: Es ist ohne weiteres klar, daß wir bei der Beurteilung �der wirtschaftlichen Lage unserer Gegner äußerst vorsichtig sein wüssen. Uebertreibungen und voreilige �Schlußfolgerungen sind hier ebensowenig angebracht wie bei irgendwelchen anderen mit dem Krieg zusammenhängenden Fragen. Um so wichtiger aber ist es, wenn wir aus den Darlegungen unserer Feinde selbst die Wahrheit über ihre wirtschaftliche Lage erfahren können. Als seit dem Beginn der letzten Maiwoche die W e i z e n- preise in England sich nach einer Zeit langer Anspannung wieder etwas senkten, war anzunehmen, daß man in England erleichtert aufatmen würde. Dies scheint aber nach dem„Eco nomist" vom S. Juni nicht der Fall gewesen zu sein. Es zeigt sich dort. daß der Rückgang der Getreidepreise zu Ende Mai reichlich auf- gewogen worden ist durch das Steigen der Fleischpreise, so daß die Jndex-Nummer für Getreide und Fleisch von 847 im April auf 8 g 3 im Mai steigen konnte(Basis im Durchschnitt der Jahre ISOt bis 1905— 500). Dazu macht der..Economist" an Hand ihm zugegangener sachverständiger Aeußerungen� die Be- merkung, daß die Menge Weizen, die in der zweiten Hälfte� Mai nach dem Kontinent und außereuropäischen Staaten verschifft worden sei, fast doppelt so groß sei als die Menge, die nach dem Vereinigten Königreich versandt worden wäre,„so daß wenig Aussicht für ein befriedigendes Anwachsen der Bestände des Vereinigten Königreiches in naher Zukunft vorhanden sei". Auf dem Fleischmarkt sähe es böse aus, und die Knappheit der Zufuhren sei die Hauptursache für die Preissteige- rung, aber auch der Mangel an Futtermitteln habe zu der Preis- steigerung beigetragen. Während auf der einen Seite eine „enorme Nachfrage für die Armee" bestünde, und ztvar sowohl „daheim wie in Frankreich", bestünde andererseits eine außer- ordentliche Knappheit an Tonnage für die Zufuhr von gefrorenem Fleisch.„Die Situation", so schreibt der„Economist". „verursacht viel Elend bei den Armen und viele der kleinen Schlächterläden haben sich gezwungen gesehen, ihre Ge- schäfte zu schließen oder dieselben nur dreimal in der Woche auf- zumrlen". Die Lage des industriellen Marktes zeigt nach dem „Economist" ebenfalls keine erfreulichen Symptoms. So heißt es über die Gebiete der Textilindustrie:„Die gegen- wärtige�Lcge der Industriellen ist keinestvcgs beneidenswert und Aufträge werden in den meisten Zweigen des Handels dringend benötigt". Ueber den Holzmarkt berichtet eine Firma:„Während des Monats Mai ging das Geschäft zurück, infolge der geringen Vorräte. Während diese Tatsache den Markt außerordentlich be- festigte, haben die Händler nicht nur durch das Nachlassen des Geschäftsumfanges gelitten, sondern auch durch die außergewöhn- lichen Verhältnisse der iwch nie dagewesenen hohen Frachtraten und die enormen Schwierigkeiten einen einigermaßen sicheren Schiffsraum inner- halb eines vernünftigen Termins zu erhalten." Das Steigen der Versicherungsraten, die llcbcrfüllung der Häfen, die Erhöhung der Matrosenlöhne und andere Umstände spielen hierbei eine be- sondere Rolle. Die schlechte Geschäftslage, vor allem aber die schlechte Lage des Außenhandels, ist von dem„Economist" schon seit längerer Zeit mit Besorgnis erörtert worden. Auch in dieser Nummer hebt er wieder hervor, daß der Ueberschutz des Wertes der englischen Einfuhr über den Wert der englischen Aus- fuhr von 110 Millionen Pfund in der Zeit vom August 1913 bis April 1914 auf 237 Millionen Pfund in der Zeit vom August 1914 bis April 1915 gestiegen sei. Während der Wert der Einfuhr, wenn man jene beiden Zeiträume miteinander vergleicht, an- näbernd der gleiche geblieben ist, hat Großbritannien für die ein- abführten Produkte, besonders für Nahrungsunttel, viel höhere Preise bezahlen müssen. 2luf der anderen Seite ist die Aus- fuhr von 394000000 Pfund in dem erstgenann- ten Zeitraum auf 2 470 0 00 00 Pfund im Kriegs- jähr zurückgegangen. Welche Bedeutung aber haben diese rückläufigen Ziffern? Ter„Economist" argumentiert folgender- maßen:„Man kann nicht drei große militärische Nationen mit Geld und Mitteln ausstatten und gleichzeitig eine ebenso große britische Armee erhalten und in das Feld schicken." Entweder man müsse die Engländer im Lande behalten, den Export wieder heben und könne dann mit den wieder st eigen den Einnahmen auch den verbündeten Mächten finanziell helfen. Oder aher man müsse die eigene Armee ins Feld schicken, dann dürfe man aber nicht erwarten. durch die wirtschaftliche Blüte des Landes, insbesondere durch die Ausfuhr nach wie vor große Geldmittel zu erhalten, mit denen man die Verbündeten unter st ützen könne. Mit anderen Worten, nur das eine gder andere sei möglich; entweder man gebe den Verbündeten Geld oder man gebe ihnen Männer.„Wenn die Regierung durch den Schatzkanzler", so fährt der„Economist" fort,„die Verbündeten zu benachrichtigen sich entschlösse, daß sie sich selbst finanzieren, ausrüsten und ihre eigenen Armeen ohne unsere Hilfe erhalten müssen und daß wir die unseren erhalten. dann, natürlich, ist es für uns möglich, unsere Feldarmeen noch beträchtsich zu verstärken. Aber auch eine Nation von 45 Millionen Einwohner hat einen begrenzten Reichtum, und wenn diese Grenzen überschritten sind, so gibt es ein Naturgesetz, welches dieser Koalitions- regicrung in wen, gen Wochen die Nichtigkeit unseres Argumentes klarmachen wird. Es handelt sich um ein Argument, welches wir nicht an die Masse des Volkes richten, weil diese es nicht verstehen kann. Aber es sollte genügend verständige Leute unter unseren führenden Geschäftsmännern und unter unseren führenden Politikern geben, die es verstehen können." An Hand der oben geschilderten mißlichen Verhältnisse der englischen Handelsbilanz erklärt dann der„Economist" weiter:„Jeder Mann, der von Berg- werken und Fabriken des Landes der Armee überwiesen wird, steigert den Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr und er- sckiwert die Schwierigkeiten der Reichsfinanzen." Der Economist" übersieht freilich, daß ein groster Teil des Ervortrückganges darauf zurückzuführen ist. daß der Absatz Englands auf dem Weltmarkt >n dem Maße leiden muß, wie England seine Exportwaren in- fowe der Verteuerung der eingeführten Rohmaterialien und der Erhöhung der Löhne nur zu weit höheren Preisen als im Frieden anlncten kann. Verlustlisten. 58(s. Bes.-Regt. Nr. 3 Posen), 59, 03. 85, 66, 69, 70, 75 bis einschl. 79, 80(s. auch Res-Jnf.-Regt. Nr. 65), 81, 83, 84, 85, 87. 90, 92, 94, 95, 97, 98, 99, III, 114, 117, 118, 128, 144, 146, 149, 150, 151, 154(s. Bes.-Regt. Nr. 3 Posen), 155(s. Ers.-Jnf.- Regt. Keller), 156 bis einschl. 160. 163, 169, 171, 172, 175, 184, 186. Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 3, 5(s. Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 7(s. auch Ers.-Jns.-Regt. Keller), 12, 19, 20, 21(s. auch Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 25. 27. 28, 29, 30, 32. 34. 35, 48. 49(s. auch Ers.-Jnf.-Rcgt. Keller), 51, 52, 56, 61, 64, 65, 66, 72, 75, � 76, 81, 84, 86, 91, 93, 99, 110, 201, 202, 204, 206, 208, 210, 212, : 214, 220, 222, 223, 227, 228, 229, 231, 233, 260, 267, 269, 270, 271. i Ersatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 29, Jacobi und Keller. Land- wehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1(s. Regiment v. Kurnatowski), 3, 8(s. auch Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 10(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Regt. Nr. 9). 12(s. Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 13. 15. 16. 17. 19(s. Regt. v. Kurnatowski), 22, 23, 24, 27, 30, 31, 61, 66, 74, 75, 76, 80, 81, 99, 109, 118 und v. Gundlach. Landwehr-Ersatz-Jnfanterie-Regi- menter Nr. 1, 2, 7, 9. Besatzungs-Regiment Nr. 3 Posen. Regi- ment v. Kurnatowski. Kombiniertes Ersatz-Bataillon der Jnfan- terie-Regimenter Nr. 23 und 63(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Regt. Nr. 7). Ueberplanmäßiges Landwehr-Jnfanterie-Bataillon Nr. 3 des 4. Armeekorps(s. Landw.-Jnf.-Negt. v. Gundlach), Nr. 5 des 4. Armeekorps(s. Landw.°Jnf.-Regt. Nr. 17). Brigade-Ersatz- Bataillone Nr. 10, 13, 14, 25. 28. 40, 42. 82(s. Ers.-Fnf.-Regt. Nr. 29). Landwcbr-Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 14(s. Landw.- Ers.-Jnf.-Regt. Nr. 2), 25 und 27(letztere beiden s Landw.-Ers.- In f.-Regt. Nr. 1). Landstunn-Jnfanterie-Bataillone I Bitsch, III Darmstadt, II Deutsch-Eylau, I Jnsterburg. 1. Karlsruhe, III Königsberg, Landsberg a. W., ll Lützen, Marienwerder(s. Regt. v. Kurnatowski), IV Münster, Neusalz a. O., III Posen. 3. Rastatt, Rastenburg(s. auch Regt. v. Kurnatowski), I Saarlouis (s. Regt. v. Kurnatowski), Schneidemühl, Bataillon Graf vom Hagen(s. Regt. v. Kurnatowski). Landsturm-Jnfanterie-Ersatz- Bataillone Hardershof und 7. des 7. Armeekorps Münster. Jäger- Bataillone Nr. 1, 2, 5; Rescrve-Jäger-Bataillone Nr. 15, 18, 23. 1. Radfahrer-Kompagnie der Truppen-Abteilung Esebeck, Radfahrer- Kompagnie Königsberg i. Pr.(s. Regt. v. Kurnatowski) und 1. Radfahrer-Kompagnie Kulm. Garde- Maschinengewehr-Abteilung Nr. 1; Maschinengewehr- Abteilungen Nr. 5 und 7; Reserve- Maschinengewehr-Nbteilung Nr. 5; Festungs-Maschinengewehr-Ab- teilung Nr. 6 Cöln(s. Jnf.-Regt. Nr. 156); Maschinengewehr-Abteilungen Teichert und Reichert(s. Regt. v. Kurnatowski); Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 13 Posen; Festungs- Maschinengewehr-Trupp Nr. 20 des 16. Armeekorps; Feld- Maschinengewehr-Züge Nr. 84(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 84), 120 (s. Jnf.-Regt. Nr. 79); Maschinengewehr-Zug Nr. 144(s. Landw.- Jnf.-Regt. Nr. 27). Kavallerie: 1. Garde-Tragoner; 2. Garde-Ulanen; Kürassiere Nr. 2, 3, 5; Dragoner Nr. 15, 19; Reserve-Dragoner Nr. 8; Husaren Nr. 1; Ulanen Nr. 2(s. Kürassiere Nr. 5), 9, 11; Reservc-Ulanen Nr. 2; Ersatz-Regiment des 6. und 1. Landwchr-Eskadron des 7. Armeekorps. Feldartillcrie: 1. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 10, 24, 34, 39, 50. 60, 69, III, 201; Reserve-Regimenter Nr. 3, 7. 20, 47. 64; U eberplanmäßige 2. Landwehr-Batterie des 11. Armeekorps. Fußartillerie: Regimenter Nr. 2, 3, 4, 10, 14; Reserve-Regi- ment Nr. 11 und Regiment des 27. Rescrvekorps; Reserve-Bataillon Nr. 40; Schwere Feld-Haubitz-Batterie Nr. 225 des 5. Reserve- korps; Mörscr-Baticric Nr. 201 des 27. Reservekorps. Marine- Batterie Eples(s. Fußart.-Regt. Nr. 2). Pioniere: I. Garde-Bataillon; Regimenter Nr. 23(s. Regt. v. Kurnatowski), 24. 25; Bataillone: I. Nr. 7, I. Nr. 9, l. und II. Nr. 11, l. Nr. 15, I. Nr. 16, I. Nr. 21, I. Nr. 28; Versuchs-Kom- pagnie; Kompagnien Nr. 225, 229; 2. Landwehr-Kompagnie des 9. Armeekorps. Minenwcrfer-Abteilung dcS 7. Armeekorps; Mittlere Minenwerfer-Abteilung Nr. 130; Schwere Minenwerfer-Ab- teilung Nr. 47. VcrkehrStruppen: Eisenbahn° Riogazin- Arbeiter- Kompagnie Nr. 23 des 10. Armeekorps. Etappen-Telegraphen-Abteilung der 8. Armee. Fernsprech-Abteilung des 8. und des 16. Armeekorps sowie solche des 24. Reservekorps. Ersatz-Fernsprechzug Nr. 6 der 4. Landwehr-Division. Schwere Funkerstation Nr. 12. Feldluft- schiffer- und Feldfliegertruppe. Kavallerie-Kraftwagenkolonne Nr. 32. Etappen-Kraftwagenpark Nr. 7. Kaiserl. Freiw. Auto- mobilkorps. Train: Train-Abteilungen Nr. 3 und 8; Divisions-Brücken- train Nr. 17 des 9. Armeekorps. Schwere Proviantkolonne Nr. 2 des 2. Armeekorps. Fuhrparkkolonn« Nr. 5 des 18. Armeekorps. Magazin-Fuhrparkkolonne Nr. 2 des 1. Armeekorps. Feldbäckerei- kolonne Nr. 1 des 11. Armeekorps. Munitionskolonnen: Artillerie-Munitionskolonnen Nr. 4 des Garde-Reservekorps, Nr. 2 des 17. Armeekorps; Landwehr-Artille- rie-Munitionskolonne der 1. Landwehr-Division. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Kompagnien Nr. 1 der 3. Garde-Jnfantcrie-Division und Nr. 1 des 1. Armeekorps. Armierungs-Bataillone. Kriegsbekleidungsäurtcr. Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 192 bringt Verluste der Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 4. 10. 21; 1. Re- serve-Division; Reserve-Kavallerie-Regiment Nr. 1; Reserve-Fuß- artillcrie-Regiment Nr. 3; 1. Pionier-Bataillon München; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Die sächsische Verlustliste Nr. 159 entkält Verluste der In- fanterie-Regi menter Nr. 104, 106, 107, 133, 179, 182: Referve-Jn- fanterie-Regimenter Nr. 102, 106, 133, 242; Landwehr-Jnfanterie- Regimenter Nr. 101, 104; Ersatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 23, 24, 32, 40; Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 9; Landwehr-Brigadc- Ersatz-Bataillon Nr. 48; Landwehr-Ersatz-Regiment Nr. 5; Land- Wehr-Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 47; Ersatz-Bataillone: Land- wchr-Jnfanterie-Regiment Nr. 101, Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 6, Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 102; Reserve-Jäger- Bataillon Nr. 26; Feld-MaschinengÄvehr-Züge Nr. 71, 99, 101; Ueberplanmäßige Etappen-Fuhrpark-Kolonne Nr. 3, 19. Armeekorps. Die Verlustliste Nr. 35 der Kaiserlichen Marine wird veröffentlicht. Die V e r l u st l i st c Nr. 252 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen. Infanterie usw.: Garde: 1.. 3. und 5. Garde-Regiment z. F.; 1. Garde-Reserve-Regiment; Grenadier-Regimenter Franz, Elisa- beth Mid Augusta; Gardc-Füsilier-Regiment. Lehr-Jnfanterie- Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 1, 2, 3. 4(s. Erf°Jnf--Rcgt. Jacobi). 5, 9 bis einschl. 13, 15. 16, 17, 21(s. Ers.-Jnf.-Regt. Keller). 22. 23, 26, 28, 30, 31. 33, 34. 35. 46. 50(s. Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 51. 53, 54, 55» 57. Soziales. Kricgswvhlfahrtspflegc. Bis zum 1. Juni d. I. sind von den Londesversicherungs- anstolten für Kriegswohlfahrtspslege gemäß ß 1274 der Reichs- versicheruugsordnung rund 13 Millionen Mark gezahlt wor- den. 66 Millionen Mark wurden als Wohlfahrtsdarlehen an Kreise, Gemeinden usw. ausgegeben. An den Kriegsauleihen baben sich die Versicherungsträger mit rund 296 Millionen Mark beteiligt. Die in der vorjährigen Augustkonserenz im Reichsver- sicherungsamt für Kricgswohlfahrtsausgaben gemäß Z 1274 der Reichsversicherungsordnung gezogenen Grenzen, nämlich 5 vom Hundert des über 2 Milliarden Mark betragenden Ver- mögens der Versicherungsträger, also etwa 196 Millionen Mark als zulässiger Höchstbetrag, gewähren den Versicherungs- trägern ausreichenden Spielraum, um noch weiteren An- forderungen der Kriegswohlfahrtspflege zu entsprechen. Ins- besondere kommt eine Erhöhung der Beiträge wegen Veraus- ausgabung dieser 169 Millionen Mark unter keinen Umständen in Betracht. Zudem hat die Erfahrung längst gelehrt, daß Ausgaben für eine planmäßige Schadenverhütung, und um solche handelt es sich auch bei der Kriegswohlfahrtspflege, im Rahmen des 8 1274 der Reichsversicherungsordnung, werbende sind, die durch Verringerung der Lasten, insbesondere der schadenausgleichenden Rentengewähr reichlich wieder ein« gebracht werden. Eine Konferenz von Vertretern der Landesversicherungs- ämter, Landesversicherungsanstalten und Sonderanstalten, die gestern im Reichsversicherunosamt unter Vorsitz seines Prä- sidenten Dr. Kaufmann tagte, einigte sich dahin, daß die Landcsversicherungsanstaltcn sich mit der Kriegsbeschädigten- fürsorge weitgehend befassen wollen, daß aber hierdurch die Tätigkeit der anderen Beteiligten(Reich, Bundesstaaten, Provinzen, Gemeinden) nur ergänzt und verstärkt werden soll. Es wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die deutschen Landesversicherungsanstalten erklären wiederholt ihre bereits auf der Konferenz in Erfurt am 9. April 1915 einstimmig zum Ausdruck gebrachte Bereitwilligkeit, sich an der Kriegsbeschädigtenfürsorge in größtmöglichem Umfange zu beteiligen, und zwar nicht nur auf dem Gebiete der ärzt- lichen Fürsorge(Heilverfahren), sondern auch auf Wirtschaft- lichem Gebiete(Berufsberatung, Berufsumschulung, Arbeits- Vermittlung usw.). Die für die Zwecke der Kriegsbeschädigtenfürsorge aufgc- wendeten Mittel müssen sich einschließlich aller für sonstige Kriegszwecke bereits verausgabten oder noch zu verausgabenden Beträge innerhalb der auf der Konferenz in Berlin am 31. August 1914 mit dem Reichsversicherungsamt vereinbarten Höchstgrenze von 5 Proz. des Buchwerts des Gesamtvcrmögens der einzelnen Versicherungsanstalten am 31. Dezember 1913 halten. Auch ist darauf zu achten, daß die Aufwendungen für die KriegSbeschädigtenfürsorge bei jeder einzelnen Versicherungs- anstalt in einem angemessenen Verhältnis zu ihrem eigenen Ver- mögen, ihren bisherigen Ausgaben für Kriegswohlfahrtspflege und den Leistungen der in erster Linie hierzu herufenon Stellen (Reich, Staat, preußische Provinzialverbände, Gemeindeverbände) stehen. Es ist ferner erwünscht, daß unter Beobachtung dieses Grundsatzes die Leistungen namentlich benachbarter Versiche- rungsanftalten möglichst gleichartig und gleichmäßig bemessen werden. Endlich erklären sich die deutschen Landesversicherungs- anstalten bereit, den durch den Krieg unmittelbar betroffenen Anstalten, Ostpreußen, Elsaß-Lotbringen, auf Anfordern die zur Fortführung ihrer Aufgaben einschließlich des Heilverfahrens und der wirtschaftlichen Fürsorge für die Kriegsbeschädigten er- forderlichen Geldbeträge zu einem Zinsfuße von 3Z4 Proz. dar- lehnsweise vorzustrecken. Ferner erklären sie sich zur Hingabe von Schenkungen oder unverzinslichen Darlehen an jene Ver- sichcrungsanstalten bereit, unter Bedingungen und Grenzen, die bei Zugrundelegung der Vermögenslage mit dem Reichsver- sicherungsamt vereinbart werden." Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurden folgende Lcit- sätze gebilligt: 1. Die großen Opfer des Krieges legen der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung mehr als je die Aufgabe nahe, für die Erhaltung der Volkskraft einzutreten. 2. Insbesondere bedarf die Jugend, deren gesundheitliche EntWickelung durch Kriegsnot und ungünstige Lebensbedingungen, oft auch durch vorzeitigen Verlust des Ernährers gefährdet ist, einer gesteigerten Fürsorge der Versicherungsanstalten. Hinsichtlich der Anteilnahme der Versicherungsanstalten an der planvollen Bekänipfung der Geschlechtskrankheiten (Punkt 3 der Tagesordnung) war die Versammlung darüber einig, daß die Träger der Invaliden- und Hinterbliebenen- Versicherung, die mit so großem Erfolg in den Kampf gegen andere Volksseuchen eingegriffen haben, sowohl während der Dauer des Krieges als nach dem Friedensschluß alle Be- strebungen der Militärverwaltung wirksam unterstützen wollen, die der Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Gc- schlechtskrankheiten entgegenzutreten geeignet sind. Darauf wurde noch über einige andere, die Kriegswohl- fahrtspflege der Landesversicherungsanstalten betreffenden Angelegenheiten Beschluß gefaßt. Der 5lneg— ein unverschuldetes Unglück. Die Auffassung der deutschen Kaufmannsgcrichte, ob der Krieg als unverschuldetes Unglück anzusehen sei, war bisher eine geteilte; einzelne Kaufmannsgerichte billigten dem eiicherufenen Hand- lungsgehilfcn das Gehalt für sechs Wochen nach Austritt auf Grund des 8 63 des Handelsgesetzbuchs zu, andere versagten es ihm. Die erstere Auffassung hat jetzt die Bestätigung durch das Berliner Landgericht gefunden. Die 1. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts hatte einem verheirateten Angestellten, der als Land- sturmmann eingezogen wurde, das Gehalt für sechs Wochen zu- gebilligt, gegen welche Entscheidung die verurteilte Firma Be- rufung einlegte. Sie wies dabei besonders darauf hin, daß ja auch in Friedenszeiten der Angestellte zu militärischen Uebungen herangezogen werde; in diesen Fällen sei aber den Gehilfen gerade bei Uebungen von längerer Dauer niemals Gehalt für die Dauer des Fernbleibens zugesprochen worden. Das Berliner Landgericht I kam trotz dieser Einwände zur Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Es unterliege keinem Bedenken, so heißt es in der Begründung, den 8 63 des Handels- geseybuchs auch für den Fall der Einberufung zum Kriegsdienst anzuwenden. Es gehe nicht an, diese Einberufung wie eine ein- fache militärische Friedensübung zu behairdeln. Mag auch der Krieg an sich nicht als ein Unglück zu bezeichnen sein, so ist er doch in seiner wirtschaftlichen Bedeutung einem Unglück völlig glcichwirkend, wenn, wie im vorliegenden Falle, der Einberufene eine Frau zurückläßt und eine gutbezahlte Stellung bisher inne hatte. Beruhen doch die gesetzlichen Bestimmungen auf dem Ge- danken, daß dam Angestellten vom Prinzipal über die ersten schiveren Wochen hinweggeholfen werden soll, bis andere Hilfs- mittel, z. B. die gesetzliche Kricgsuaterstützung in Kraft tritt. Gerichtszeitung. Der„Schiebetanz" auf der Straße. Eine nächtliche Szene beschäftigte gestern das Schöffengericht Verlin-Tempelhof unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Keßler.— Die ursprünglich auf Landfriedensbruch und Aufruhr lautende Anklage, die später iu Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung gemildert worden war, richtete sich gegen die Arbeiter Emil G., Alfred St. und Paul R., den Hilfsmonteur Willi R., den Dreher Georg Sch. und den Aetzern Willi St. Die aus der Untersuchungshaft vorgeführten jugendlichen Angeklagten veranlaßten eines Nachts im Februar auf der Straße einen Leier- kastenmann, eins aufzuspielen, wozu sie mit mehreren Mädchen sog. Schiebe- und Wackeltäirze ausführten. Diese Szene wurd« durch das Hinzukomme des Schutzmanns Wcrfthluhn gestört, der in jener Nacht den Dienst eines Ärüninalbeanrteri verjag ja* ZWMeidung trug. Slä er Sem Drr�prizelspielcr daS Musizieren vervet, wurde er von den jungen Leuten umringt und angegriffen. — Per Gericktt machten die den Angeklagten als Lffizialvcrrcidigcr gestellten Rechtsanwälte geltend, daß diese Ausschreitung in dieser ernsten �jcit zwar besonders bedauerlich sei, daß die Angeklagten der irrigen Meinung gewesen seien, cS handele sich um einen falschen Kriniinalbcaintcn, da sich der Beamte nicht legitimiert hatte. TaS Gericht stellte sich aus den gleichen Standpunkt und schied demgemäß das Vergehen des Widerstands gegen die Elaats- pcwalt aus. Tie Angeklagten wurden mit Ausnahme von R-, der mangels Beweises freigesprochen wurde, wegen slörpcrverletzung zu Gcföngnisstrafcn von 2— 1 Monaten verurteilt und sofort aus der Haft entlassen. �Sin Betrug gegen die Krankenkasse wurde gestern von der L. Strafkammer des Landgerichts 1 mit Gefängnisstrafen geahndet. Angeklagt war der Tischler Kl. und die Frau U. wegen Betruges und fchlverer Urkundenfälschung.— Ter Angeklagte St. wurde vor einiger Zeit in ein hiesiges Krankenhaus aufgenommen. Auf seine Veranlassung hin erschien eines Tages die jetzige Mit- angeklagte U., mit der er in ivilder Ehe lebte, in dem Bureau der Ortskrantenkasse und gab sich als..Ehefrau" aus. Hierdurch wurde herbeigeführt, daß die Kasse an die angebliche Ehefrau das Krankengeld zahlte. Außerdem erhielt sie auch noch die sog. Er- werbsloscnunterstützung, wobei sie sich ebenfalls als Frau K. ausgab. In den einzelnen Fällen unterschrieb sie die Quittungen mit dem Namen Frau K.— Tie Fälschung kam zur Entdeckung und die Folge war die vorliegende Anklage. Das Gericht brachte zum Ausdruck, daß derartige Schiviiideleicu gegen Unterstützungs- oder ähnliche Institute mit aller schärfe des Gesetzes geahndet werden müssen. TaS Urteil lautete deshalb gegen K. auf 6 Monate und gegen die U. auf 1 Monate Gefängnis. Zum Verbot von Zahlungen an England. Eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, die sicher noch dem Reichsgericht unterbreitet werden wird, beschäftigte gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts I. Nach 8 l der Bundes- ratsverordnung vom ZV. September IVIl ist cS verboten, Zahlungen nach Großbritannien oder den britischen Kolonien und auswärtigen Besitzungen mittelbar oder unmittelbar in bar, in Wechsel oder Schecks oder in sonstiger Weise zu leisten, sowie Geld oder Wert- Papiere mittelbar oder unmittelbar nach den bezeichneten Gebieten abzuführen oder zu überweisen. Gegen diese Bestimmung soll der Kaufmann Georg E. verstoßen haben. Der Angeklagte ist Mitinhaber einer seit 5 Jahren in Punta ArenaS in Cbilc tätigen kaufmännischen Firma. Diese betreibt ein großes Warenhaus und kauft ihre Waren in Teutschland, Oesterreich. Frankreich und England ein. Der Angeklagte lebt zumeist in Berlin und besorgt von hier aus die Einkäufe für die chilenische Firma. Als infolge des Krieges Waren au- Teutschland und Oesterreich nichr mehr bezogen werden konnten, bestellte die Firma einen großen Posten Waren bei der großen Firma ReylandS in London. Letztere aber machte die Ausführung der neuen Bestellung von der Zahlung eines noch offenstehenden Schuldbetrages von 1000 Pfund Sterling' abhängig. Infolge dessen setzte der Angeklagte ein kurzes Tele- gramm an seine chilenische Firma dcS Inhalts:„Die'20 000 M. abschicken, sonst verweigert ReylandS Ausführung." Weil von hier aus während des Krieges eine Depesche nach Chile nicht durchgeht, richtete der Angctlagtc sie zunächst an eine Mittelsperson in Amsterdam. Tie Depesche ist aber von der Zensur nicht frei- gelassen worden, sie hat vielmehr die vorliegende Anklage vcr- anlaßt.— Ter Angeklagte bestritt kich strafbar gemacht zu haben, da es sick doch hier um eine in Chile ansässige Firma handle, der «unmöglich venvehrt werden könne, ihre in Chile kontrahierte schuld au die englische Firma abzutragen.— Staatsanw. Dr. Wcismann hielt den Angeklagten für schuldig. Ter Sinn der Verordnung vom 30. septcmder gehe zweifellos dahin, daß von Deutschland aus unter keinen Umständen zur Erhöhung des eng- tischen Nationalvermögens beigetragen werden darf. Ter stand- punkt der Staatsanwaltschaft sxi dahin festzuhalten:„Das Zah- lungsverbot gegen England gilt, abgesehen von der in der Verord- nung enthaltenen Beschränkung, für das Gebiet des Deutschen Reiches uneingeschränkt und erstreckt sich daher aus die Verfügung aller im Gebiete des Deutschen Reiches sich aufhaltenden Personen und die zu ihrer Verfügung stehenden Zablungsmittel und eine Zuwiderhandlung gegen§ 1 des Verbots liegt daher auch dann vor. wenn im Auslände befindliches Vermögen selbst einer im Auslände ansässigen Firma, ja selbst einer Ausländern gc- hörigen Firma von Deutschland aus überwiesen wird." Ter Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 20 M.— Geh. Iustizrat Rechtanwalt Friedman» bekämpfte diese Rechtsauf- fassung aus den verschiedensten rechtlichen Gesichtspunkte» als durchaus irrig. Es handle sich hier um eine zum ersten Male zu entscheidende schwierige Rechtsfrage, die selbst von Professoren der juristischen Fakultät, mit denen darüber gesprochen wurde, als sehr zweifelhaft erklärt worden sei und anscheinend dem Ober- kommando selbst zweifelhaft erscheine.— Hier handle es sich um eine Rechtspslichk, die eine ausländische Firma gegen eine in Eng- land domizilierte Firma erfüllen wollte. Ter deutsche Gesetzgeber könne nicht in die rechtlichen Beziehungen zwischen niederen Staaten eingreifen und bezüglich der Erfüllung von Peroindlich- ketten zwischen den Angehörigen zweier fremder Länder irgend ein Gebots- oder VcrbotS-Rccht haben. Hier liege auch gar keine ..Ueberweisung" im Sinne der Vcrordneing vor, sondern die ein- fache Aufforderung an einen dritten, seine Schulden zu bezahlen. Bei dem Verbot handle es sich ausschließlich um Zahlung deutscher Schuldner an England. Das gehe aus 8 3 der Vcr- ordnung hervor, der die Befreiung von der Verpflichtung durch Hinterlegung bei der Rcichsbank für zulässig erkläre. Daß die Reichsbank aber nicht von Schuldnern anderer Länder eine Hinterlegung entgegennehme und daß eine solche Hinterlegung einen ausländischen Schuldner nicht befreien könne, liege auf der Hand. Die Llussaffung dcS Staatsanwalts würde dem in Frage koenmenden Gesetz vom 20. September 1014 einen Inhalt geben. der direkt zu diplamatischen Verwickelungen führen könnte. Dieser Fall solle, dem Vernehmen nach, auch schon Anlaß ge- geben haben, daß sich der chilenische Gesandte mit dem Aus- wältigen Amte in Verbindung gesetzt habe, um die Frage zu kläreu, wie man glaube verhindern zu dürfen, daß eine chilcmsche Firma an England Geld zahle.— Der Gerichtshof schloß sich jedoch im wesentlichen den Ausführungen des Staatsanwalts an, berücksichtigte, daß es sich hier auch um das cigenejSicld des Angeklagten in seiner Eigenschasl als Mitinhaber der Firnea handelte und nahm an, daß hier nicht eine bloße LorbereitungShandlung in Frage stehe, sondern ein Anfang der Äussührnng bereit» vorliege. Mit Rücksicht daraus, daß es sich um die Zahlung einer reckt haben Summe lmndcltc, erkannte der Gerichtshof aus 100 M. Geldstrafe evtl. 10 Tage Gefängnis.— Tic angeschnittene Frage wird nun dein Reichsgericht unterbreitet werden. Sriefkaften öer Reöaktion. Tie juristllSi Sprechstunde findet für Abonnenten Lindcnstr. 3, IT. Hof recht-, parterre, ain tvlontag Ins Freitag von 4 bis 7 Nor. am Sonnabend von 3 bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r i c I! a fl e n bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizusügcn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen leine Abonnemenlsauittuicq beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Berträgc, Schrifisiüclc»»i> dergleichen bringe mar>» die Sprechstunde mit. Wnrtheftr. 7v Die Kündigung besteht zu Recht.— E. H. II. Da Sie 1S14 aus der Landeskirche ausgetreten sind, miiiien Sie noch für das Jabr 1913 Kirchensteuer zahlen.— M. Sch. 22. Sic sind kricgs- verwendungsjähiz.— 9?!. M. 21. Degen Lungen- und Hcrzertranlung zurückgestellt.— M. H. 100. 1. Das erste Zeichen bedeutet: ireaen Herzkrankheit zurückgestellt; das zweite Zeichen kennen wir nicht. 2. Tie Wirtin ist sür die Kündigung zuständig. Unterichreiben Sie zur Vorsicht beide die Kündigung.— G. W. K. Tic Kündigung kann erfolgen. Sie mühten zu dem angesetzten Termin räumen. Wegen der gekündigten Hypothek löniitcn Sie sich an das zuständige Amtsgericht um einen Ver- gleichStcrmin wenden.— V. C. K. 71. Eine Nachmusterung kann durch persönliche KestcllungSorder erfolgen.— M. O. 100. Sie können dasür einen angemessenen Betrag von der Miele abziehen. Bis zu 30 Prozent. — 21. Die Auskunft in der Biidgetkommission bezog sich mr Verwundete, die nicht mehr im Lazarett, sondern zu ihrer FamUtc beurlaubt waren, ro lange Sic im Lazarett nnd. Minsen Sic mit der Lazarettlölmung vorlieb nehmen. In all den anderen Fragen kötinen wir nichiS tun da uns durch die Zciisurvorschristcn die Hände gebunden sind.— Lüdcritz 7<ä. 1. Die Verordnung übe- die Lohnviändung ist schon in Kras! getreten. 2. Die Vereinbarung, wonach Sic 3 M. wöchentlich abzahlen müssen, bleibt davon unberührt. Sic müssen die Vereinbarung einhalten.— B. G. Sie unterliegen nicht der Mcldcvsticht durch den Aufruf, nur wenn Sie per« iönliche«Aestellilngsorder bekommen.— K. 49. Geringes Herzleiden, kriegsverwendungssähig.— Zchöncberg 314. Die Forderung ist verjährt. — R. B. H. Das Mädchen war nicht vervslichtet, Ihnen vorher davon Mitteilung zu machen. Wenn von ihr nachgewiesen wird, daß Sic in der gesetzlichen Einpsängniszeit ihr beigewohnt haben, sind Sie zur Alimentation verpslichtet.-/, Stunde Ipätcr. II. Ab Neiehwtaicwarer direkt am Bahnhof Friedrichstraßc. Jeden Sonnlag) L'/z Uhr/ Krarnpenburg-Iiegeniialz s�ssPs Phöben über Werder 1,50 M. III. Ab Neukölln laH �nnntsn 8». 2 Uhr ad«n«ict=SricDrid)- Nrücke �LU. PUllUlllg 8',, mbst.Uhr ab 2Äilde»bruchbrücke nach Hin und zurück l M.. einfach 30 Ps.— Kinder 59 rcsv. 23 Ps. Tie Rückfahrt dieser SonntagStour endet abends im Gase Alien reip. Waiscnbrückc. Achtungt Vioranzeigek Ab Berlin-Rcichstagsufcr durch den Ssh-MickmlchL! SllZNSzVKl!� Zlbsahrt 7 Uhr. Nur Hinfahrt 3.19 M. Fahrzeit zirka 11 stunden. Wir bitten Fahrscheine möglichst vorher im Kontor, Stralaucr Brücke 4, zu entnebmen. da zu jeder Fahrt nur eine bcitimmte Anzahl zur'Ausgabe kommt. Guido Thielscher „Venus im Crüueu". Operette in 1 Akt. v. Rud. Lothar. * Alusik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna Lotte Werkmoister Thalia-Theater. Berlin Karl Bochmann Julius Spielmann sowie der vom Publikum und Presse glänzend beurteilte Junl-$»plelpluii. Voigt-Tlieater. Badsir, 58. Badstr, 58. IW- Täglich: Eine in Derlin Volksstück mit Gesang in 3 Auszügen. Erstklassiges Variete Kaslencröfsnung 10 Uhr. Ans. 4 Ubr. Tägl 8 Uhr. Sonntags 3'/, u. 8 Uhr II. Steldl— Adelmaiins Veuk Die berühmte Ueltmcistcnn „Charlotte" in ihren neuest. Prodnktionen auf künstlichem Eis. JPaini?— Attra n. das weit, sensat. Juni-Brogr. Kl. Preise, fingen, kiihl. Aufenthalt Nr. 167. 32. Jahrg. -Keiltzt des " flr ZRell-Weßen. 13. 2m 1915. fius Sroß'öerlin. dm Osten von potsöam öurch Ä)alö, park unö See. Unser Ausgangspunkt ist Neubabelsberg. Wir erreichen es mit der Wannseebahn oder mit einem der vom Pots- danier Hauptbahnhof abgehenden Vorortzüge(z. B. um 9 Uhr 8 Minuten vormittags) oder init einem der über die Madtbahuglcise verkehrenden Potsdamer Züge. Venn Her» austreten aus dem Bahnhof Aenbabclsberg gehen wir rechts die Straße zwischen Griebnitzsce und Bahn eutlaiig gegen Osten, bis wir den Wald erreichen, der an dieser Stelle durch einen neuen Chausseebau gerade etwas in Unordnung geraten ist. Hier links hinab durch den Wald an den Kanal, der die Griebnitz mit dem sotolper See verbindet. Immer in der iltähc des Wassers und am Ostufer des hübschen Stolper Sees entlang bis ins idyllische Dorf Stolpe. Hier bei der Kirche ein Schmuckplatz mit einem Wegweiser. Wir folgen der Richtung„Moorlake", wobei wir ständig im Walde bleiben. Bald wird die Chanssee von Potsdam nach Wannsee überschritten; dann wird der Wald durch die Schäfer- und Finkenberge etwaS hügelig; es zeigen sich, je näher wir der Havel koinmen, hübsche Waldschluchten und endlich ist das vielbesuchte Moorlake mit seinen prächtigen Ausblicken auf See und Wald ereicht. Von hier wenden wir uns auf der hart an der Havel entlang laufenden Waldchaussee(zur Linken der Glieuicker Park) westlich gen Potsdam. Alte Weiden, die sich tief geneigt haben, tauchen die ästigen Kronen ins Wasser und die von den Schleppdampfern aufgeworfenen Wellen gleiten darüber hin. Wo das«chilf das Ufer frei läßt, sieht man gelbe Seerosen blühen, und noch zahlreicher wächst hier eine viel seltenere, ganz ähnliche Pflanze, die es zu einem deutschen Volksnamen noch nicht gebracht hat (lümuimtllemuin). Die Blätter und Blüten sind nur etwa halb so groß wie bei der Seerose. Wer darauf nicht achtet, verwechselt beide, bis ihm ans Ufer geschwemmte Blätter und Blüten zeigen, daß es zwei ganz verschiedene Pflanzen sind, die durch vollkommen gleiche Lebensweise einander so ähnlich geworden sind. Bald haben wir die Sacrower Fäbre erreicht. Für einen Nickel werden wir auf dem ungeschlachten Gefährt mit Hilfe von Drahtseilen au das andere llfer geschleift. Hier ist es womöglich noch schöner. Auf einem Waldwege, den zur rechten ein Bestand ungewöhnlich hochragender, weiß schini- inerndcr Birken säumt, gelangen wir in den Sacrower Schloßpark(zwischen Heilandskapelle und Schloß Sacrow). Wundervolle Baumgruppen von besonderer Höhe fesseln hier allenthalben unsere Blicke, das fesselndste Bild aber liefert die uralte Eiche des Parkes, die wir nicht verfehlen dürfen. Ihren Stanim, der unten etwa drei Meter im Durchmesser mißt, umgibt eine runde Bank, die unter einem solchen Baume des ausgiebigsten Schattens sicher ist. Es ist eine kerngesunde Prachtgestalt, niit sehr weit ausladenden Aesten von Baumesdicke und mit den bekannten knorrigen Bic- gungen dieser Baumart, kurz jeder Zoll eine Eiche. Diese auf ein Alter von 899 Jahren geschätzte Gestalt lohnt allein den Ausflug. Wenn wir den Park verlassen, wenden wir uns gleich links an das llfer der seeartig verbreiterten Havel, die hier Jungfernsee heißt. Rechts schöner Wald, zum Lagern ge- eignet, mit Unterholz, unter anderem auch mit Silberpappeln. Links der Ufersumpf, in dem Schilf, Binsen, Seggen und eine Menge Gräser und Kräuter den Pflanzenfreund fesseln. Wenn wir die Augen offen behalten, werden wir die Ueber- fahrt zur„Meierei" nicht übersehen. Diesmal steigen wir in einen schwanken Kahn, und der Fährmann, der uns aber- uials für einen Nickel übersetzt, hat mit kräftigen Schlägen eine ziemliche Wasserstrccke zu überwinden. In Ruhe können wir rechts und links(im Hintergrunde die Bogen der Glienicker Brücke) den Reiz der Potsdamer Landschaft auf uns einwirken lassen. Der Kahn legt bei der sogenannten „Meierei" an, einem vielbesuchten Ausflugsziel der Pots- danier. Nach links schließt sich der Park des„Neuen Gartens" an. Der Weg führt Jbicht am Seeufcr entlang. Bisweilen ladet eine Bank zum Sitzen ein. Außer einheimischen Baum- und Strauchgestalten gibt es hier auch manch ausländische Baumart zu bewundern. Durch eine Villenstraße hindurch erreichen wir schließlich die Glienicker Brücke. Von hier fährt man für l9 Pf. mit der„Elektrischen" zum Bahnhof in Potsdam, wo man jich seinen Zug zur Heimfahrt aussucht. Wem der Ausflug in der beschriebenen Weise nicht lang genug ist, der kann ihn leicht verlängern. Statt sich nach der„Meierei" übersetzen zu lassen, geht man weiter bis zur „Romerschanze". von hier gegen Nedlitz hin, nach dem man Uch übersetzen laßt uird bummelt oder fährt dann von Norden her nach Potsdam hinein. Grohfeuer am Rosenthaler Platz. Ein gewaltiger Brand beschäftigte gestern von nachts 2'/� Uhr an die Berliner Feuerwehr viele Stunden lang am Rosenthaler Platz. Dort stand die große Möbelfabrik von Fr. Rahn total in Flammen. Als die ersten Löschzüge an der Brandstelle erschienen. brannte das dritte Ouergebäude auf dem Hofe Brunncnstraße 190 bereit? vom Keller bis zum Dachgeschoß. Die Flammen fanden besonders an Bureau-, Küchen- und anderen Möbeln, Herrenzimmer-, Privatkontor- Einrichtungen und großen Vorräten von Hölzern reiche Nahrung. ES brannten nicht nur Lagervorräte, sonderir auch Ver- kaufsräume. Werkstätten usw. in großer Ausdehnung. Oberbrand- inspektor Julius ließ unverzüglich„Großfeuer" an alle Wachen melden. Von allen Seilen erschienen in kurzer Zeit neue Löichzüge. Es lag die Gefahr vor, daß die Flammen, die haushoch schlugen, die angrenzenden Gebäude erfaßten, die ebenfalls, soweit sie nicht von Mietern usw. bewohnt sind, wertvolle Betriebe beherbergen. Schon fingen der rechts und linke Seitenflügel des brennenden OuergebäudeS bedenklich an, Feuer zu fangen. Die Hitze war unerträglich, Funkcngarben sprühten weithin umher. Der Aufenthalt auf der Brandstelle und deren Nähe war mit Lebensgefahr verbunden. Brennende Balken stürzten krachend herab, Glasscherben und glühende Metallstücke flogen umher. Dazwischen prasselten chie Wasserstrahlen von den Dampf- und Motorspritzen, die jeden uinwarsen. der ihnen nicht auswich. Der Qualm war so beißend, daß Augen und Atmungsorgane litten. Der Augriff Ivurde mit acht S-Rohren stärksten KaliberS und sechs ORohrcii schwächeren Kalibers eingeleitet. Ungeheure Wasser- mengen, die noch vermehrt wurden durch die Verwendung eines im Hofe aufgerichteten FontöneniasteS, mit dem ebenfalls längere Zeit die Front des OuergebäudeS mit Wasser überschwemmt wurde. verhinderten eine weitere Ausdehnung der Flammen. Ilm 4 Uhr war man des entfesselten Elements so weitHcrr, daß die Gefahr für die Nachbarschaft als beseitigt gelten konnte. Ilm 6 Uhr brannte daS vierstöckige Ouergebäude vom Keller bis zum Dachgeschoß. Die Flammen schössen bald hier, bald da von neuem hervor und mehrere Male schien es, als ob der Brand kein Ende nehmen wollte. Im Innern des Gebäudes wühlten die Fla in»reu wie in einem glühenden Hochofen, bis hier und da eine Wand oder eine Decke donnerird einstürzte und statt der Flammen Rauch und Asche cinporwirbelnd, alles verdunlelteu. Die Mann- schaften hatten einen schweren Stand. Zwei Drittel der Berliner Wehr sieht im Felde. Aber wacker hielt die Wehr ihren angewiesenen Standplatz sicher und unerschrocken fest. Der bedrohte rechte und linke Seitenflügel konnte bis auf einige Teile wirksam geschützt tverdcn. Um 7 Uhr konnten einige Löschzüge abrücken, andere kamen zur Ablösung. Fast die gesamte Wehr war, die Ablösung eingerechnet, versammelt. Vormittags hatten noch drei Löschzüge ununterbrochen mit der Ablöschung und Ausräumung viel Arbeit, lieber die Entstehung des Brandes und die Höhe des Schadens hat man nicht den geringsten sicheren Anhalt. Die- wird sich erst nach den eingeleiteten Ermittelungen feststellen lassen- Bemerkt wurde da- Feuer fast gleichzeitig von drei Seiten zuerst, als die Flammen schon um 2 Uhr aus den Fenstern schlugen. ES mutz also schon längere Zeit unbemerkt in dem Ouergebäude auf dem dritten Hof nach der Ackerstraßc zu gewütet haben. Die betroffene Firma besitzt noch in der Brunnensiratze 188/19» Verkaufs- und Mustcrlager. * Ein zweites Großfeuer kam gestern früh um S Uhr in dem Schuppen der Ein- und Verkauf-genosfenschaft selbständiger Glasermeister Deutschlands zum Ausbruch. Die Flammen fanden an Holzkisten und Stroh, das dort in großen Mengen lagerte, so schnell reiche Nahrung, daß trotz schnellster Hilfe durch den 11. Zug der große Schuppen nicht zu retten war. Er brannte total au-. Frische Kartvfselu als Brotzusatz. Der Magistrat hat den Bäckermeistern Berlin- nütgeteilt, daß eS, nachdem sich herausgestellt hat, daß frische Kartoffeln in großer Menge vorhanden sind, von nun ab jedem einzelnen Bäckermeister überlassen wird, frische Kartoffeln bei der Gebnckbereitung zu ver- wenden, daß sogar der Zusatz von frischen Kartoffeln(anstatt von Lkartoffelmehl) mit Rücksicht schaftlich wünschenswert ist. auf den reichen Vorrat zurzeit Wirt- Der Feldpostverkehr auf dem Schlesischcn Bahnhof. Bei den 23 Feldpostsammeistelleu. die wir gegenwärtig in Deutschland haben, strömen bekanntlich dauernd die bei den heimischen Postanstalten im weiteren Umkreise dieser Postsammelstellen auf- gelieferten Feldpostsendungen zusammen, um hier von 13— 14 000 Kräften nach allen Regeln postalischer Sorlierkunst verarbeitet um dann versandfertig gemacht zu werden. Ueber 42 000 Brief- s ä ck e mit bis auf die Bataillone, Batterien und E-kadrons herab sortierten Feldpostbriefen gehen täglich von den Postsammelstellen zur Front. Eine der größten Umschlagstellen im Feldpost- verkehr für die An-, Ab- und Weiterbeförderung der ge- schlossenen Feldpostsäcke ist daS Postamt 0 17 auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin. Hier entspringen und enden nicht nur die Züge nach und von Königsberg— Jnsterburg, Posen— Thorn und Breslau— Galizien, sondern auch die Schnellzüge und wichtigsten Personenzüge»ach und von Hannover— Köln und Kassel— Koblenz— Frankfurt(Main)— Metz, sodaß außer dem gesamten von Berlin aus nach dein Osten bestiimnten Feldpostverkehr auch noch in großem Umfange die dorthin gerichtete aus dem Westen kominende Feldpost und andererseits der Hauptteil der vom östlichen Kriegsschauplatz herrührenden Feldpostkorrespondenz über das Postamt 0 17 geht- Insgesamt verkehren täglich am Schlesischen Bahnhof 143 Postzüge. Ferner münden und entspringen dorr täglich ö93 Güterposten des Ber- liner Stadtverkehrs. Die meisten dieser Züge und Posten befördern zu- gleich auch Feldpost. Im Durchschnitt werden beim Postamt 0 17 täglich 14 340 Feldpostsäcke verladen. Ihr Inhalt ist auf über 10 Millionen Sendungen zu schätzen. Dieses Ueberladegcschäft umfaßt die Ab- nähme der Beutelversande von den eingehenden Bahnposten und Güterposten, das Sortieren der Beutel nach den Kursen und den an den Landesgrenzen befindlichen Leilpunkten, sotvie da- Verstauen der Säcke in den abgehenden Bahnpostwagen, Eisenbahngüterwagen und Güterposten. Wegen de- Umfanges der beim Postamt 17 zu verladenden Feldpost müssen täglich 27 Eisenbahngüterwagen von der Eisenbahnbchörde als Beiwagen erbeten werden. Der reine Feldpostverladcdicnst nimmt täglich über 120 Kräfte de- Post- aml- in Anspruch. Dabei ist der getvöhnliche(Zivil-) Brief- und Päckercibetrieb diese- Postamts jetzt noch bedeutender als vor dem Kriege. So sind Mai 191Z beim Postamt 17 über 3 282 000 gewöhnliche Pakete umgearbeitet worden, d.h. noch 2 21 0 0 0 Pakete mehr al- im Mai 1914. Aber auch der Feldvost- verkehr, der neben diesem bedeutenden gewöhnlichen Brief- und Päckercibetrieb mit zu bewältigen ist, steigt fortwährend, teilweise sprunghaft. Zu den damit verknüpften Betriebsschwicrigkeiten kommen sehr häufig noch Störungen bes PostbcförderungSdienstes auf einzelnen Eisenbahnstrccken, die durch militärische Maßnahmen hervorgerufen werden, so daß zeitweilige Stauungen und plötzlich erforderlich werdende Umleitungen der Postzüge und-wagen an der Tagesordnung sind. Trotzdem ist es der Leitung und dem Personal de- Postamt- 17, daö 10S0 Köpfe zählt, bisher immer gelungen. reinen Tisch zu schaffen und Verzögerungen. im Feldpostvcrsand, so- weit eben möglich, fernzuhalten— sicher ein gutes Zeichen auch für die Berufsfreudigkeit der meist sehr gegen ihren Willen im heimi- schen Dienst zurückgebliebenen Postbeamten. Tic Schifferbrotkartc». Ter Berliner Magistrat teilt folgendes mit c Auf Grund des Erlasses des Herrn Ministers des Innern vom 31. Mai 1915(Az. v. 11497) werden für die Binnenschiffer von den Organen der Wasscrbanverlvaltung und der Wasserpolizei be- sondere Brotkarten ausgegeben. Diese sind auS dimkelblauem Papier hergestellt und weisen als Wappen den preußischen Adler auf. Sie tragen die Aufschrift„Brotkarten für Binnen- schiffer" und haben eine vierzehntägige Gültigkeit. Diese Schifferbrotkarteu müssen ebenso wie die Groß- Berliner Brotkarten beim Bezüge von Brot und Mehl ange- nommen werden. Die Bäcker und Mehlklcinhändler müssen sie aber von den Berliner Brotkarten streng getrennt halten und den Brotkommissionen am Montag jeder Woche in bc- sonderein, mit der Aufschrift„Schifferbrotkarten" versehenem Umschlage abliefern. Es liegt im eigenen Interesse der Bäcker und Händler. diese blauen Abschnitte der Schifferbrotkarten nicht mit denen der Berliner Brotkarten zu vermischen. Denn, wenn die Schifferbrotkarten zusammen mit den Berliner Brotkarten geivogeil würden und nach dem Gewichtsergebnis die Mehl- zuteilung erfolgte, so würde der Beteiligte für die Schiffer- brotkarien weniger Mehl erhalten als ihm zukommt. Ein seltsames Räumungsnrteil gegen eine Kricgerfimu. Durch BmideSratSverordnuilg sollen die Kriegerfrauen gegen Exmission geschützt werden. Einzelne Fälle kommen aber doch vor, die den Frauen diesen Schutz nehmen:„Der Hauseigentümer Ring er t in der Thaersir. 60 klagte gegen eine Kriegerfrau auf Zahlung von 48 M. Reftmietc. Laut Benachrichtigung der Steuer- kaff'e erhielt die Frau auf die 21 M. monatlich betragende Miete einen städtischen MietSzusckmß von 7,50 M. und der Wirt hatte monatlich die Miete um 6 M. ermäßigt. Die Frau hätte somit 7,50 M. monatlich zu zahlen. Dieser Verpflichtung kam sie auch ständig nach, mit Ausnahme de- Monat- Juni. Der Wirt klagte aber nicht nur für den Monat Juni, sondern klagte auch die Miete für Mai und 6 M. für April ein. Abgesehen davon, daß die Klage überhaupt nicht substantiiert war, lvar die Forderung des Wirte- in Höhe von 48 M. überhaupt nicht begründet. Denn selbst wenn er die 6 M. Miclsnachlaß nicht mehr gewähren wollte, obgleich er doch dazu eigentlich verpflichtet war, hätte er für Mai und Juni nur je 13,50 M. und allenfalls für den April ti M., im ganzen also nur 33 M. zu verlangen, da er den städtischen Zuschuß von 7,50 M. ständig bekommen hat. Trotz olle- dem wurde, nachdem die Frau eine Anerkennung ablehnte, am 15. Juni vom Amtsgericht Berlin-Mitte, Abteilung 177, das Räumung-urteil gegen die Frau ausgesprochen, und zwar soll sie schon am 21. Juni die Wohnung räumen. Da- Räumungsurteil entspricht unsere» Erachtcns nicht den Schutzbestinrmungen des Bundesrats. Tas Antomobilunglnck in der Brunuenstraste ist jetzt völlig aufgeklärt. Der Kraftwagenführer ist ermittelt; er hat sich jedoch entfernt, anscheinend, nur sich ein Leid anzutu». ES ist ein 49 Jahre alter Karl Schmidt au- der Raumcrslraße 24, ein verheirateter Manu, der schon seit zehn Fahren Kraftdroschken fährt und sich bisher als durchaus tüchtig, nüchtern und zuverlässig er- wiesen hatte. Schmidt brachte den beschädigten Wagen am Sonntag früh nach dem Schuppen seines Besitzer- in Weißeniee, ivarlete aber nicht, bis dieser zum Abrechnen kam, wie c- sonst geschah, ging viel« mehr gleich wieder>veg und hinterließ nur cineu Zettel, daß er Unglück gehabt habe und den Schaden ersetzen wolle. Am Montag brachte dann seine Frau das Geld, das er eingenommen und abzuliefern Halle. Den Wagen, den der Besitzer zur Äu-besserung in eine Werkstatt bringen mußte, hatte Schmidt ausgewaschen. Es fanden sich darin nur noch geringe Blutspuren. Vorgestern machte Schmidt mit seiner Frau einen Ausflug nach einem Freibad. Auf dem Rückwege las er abends in der Zeitung die Aufklärung des vermeintlichen Raub- anfalls. Er bekannte seiner Frau, daß er der gesuchte Kraftwagen- fnhrer sei, erklärte ihr, daß er sich de- Unglücks wegen das Leben nehmen loerde. Hierauf trennte sich Schmidt nachts um 12 Uhr v o ir ihr und ging>v e g. Einer späteren Meldung entnehmen wir, daß Sch. sich gestern nachmittag der Kriminalpolizei selbst gestellt hat. Ein dreister Raub ivurde gestern mittag auf dein Neuköllner Haupivostamt in der Richardstraße verübt. Eine 15 Jabre alte Else Ziöseler vom Richardplatz 26 ging nach dem Amt, um eine Wechselstempelmarke zu kaufen. Den Wechsel, der über 550 M. lautet, trug sie in einem Briefumschlag in ihrer Handtasche. In der Vorhalle nahm sie den Umschlag au- der Tasche, um nachzusehen, lvie hoch der Betrag de- Wechsels war und was für eine Marke sie demnach nehmen mußte. In diesem Augenblick kamen drei junge Burschen aus dem Schaltcrraum de- Amtes herau-gestürzt. Einer von ihnen entriß dem Mädchen blitzschnell den Briefumschlag, in dem die drei ohne Zweifel etwas anderes al- cinen Wechsel vermuteten, während die beiden andern ihm die Tür aufrissen. Alle drei liefen dann eiligst davon und entkamen. Die Räuber werden Wohl versuchen, auf den Wechsel Geld zu bekommen. Er ist ausgestellt von Emil Rvieler, Richardplatz 26, am 6. Juni, und angenommen von Max Röseler. Fällig ist er am 16. Scp- tember 1915. Der Briefumschlag trägt die Aufschrift de- Neuköllner Bankvereins. Der Eispalast unter dem Hammer. Vor dem Amtsgericht Char- lottcnburg findet am 9. Juli die Zwangsversteigerung der Grund- stücke Lutherstr. 22-24 und Augsburger Str. 67 in Charlottenburg statt, die der Berliner Eispalast-Akliengesellschaft zu Berlin gehören. Die Grundstücke sind 71,91 Ar groß und haben einen Nutzung-wert von 136 405 M. Auf der Suche nach dem Mädchemniirder. Die Berliner Kriminalpolizei glaubte gestern früh einen der Finder der Schulmappe, die die ermordete achtjährige Else Ley besaß, ermittelt zu haben. Sie lvar auf einen jungen Mann aufmerksam geworden, der viel von der Mappe gesprochen hatte. Seine Vernehmung ergab fedoch, daß die Leute, die auf ihn hinwiesen, ihn falsch verstanden hatten. Die Finder sind nach allen Ermittlungen höchstwahrscheinlich zwei Schüler höherer Lehranstalten, die wohl ohne Erlaubnis ihrer Eltern eine Bootsfahrt gemacht hatten und nun Unannehmlichleiteu befürchten. Wiederum drei Schüler vermißt. Dein Berliner Polizeipräsidium ist gestern das spurlose Verschtvinden dreier Schüler gemeldet worden und es hat bei der in der letzten Zeit ständig sich häufenden Zahl von vermißten Schülern den Anschein, al- ob die Knaben Gelegen- heit genommen haben, die Kriegsschauplätze aufzusuchen. Seit dein 16. des Monats verschwunden sind die Schüler Max Geburgi, Steglitzer Str. 30 bei den Eltern wohnhaft, 13 Jabr alt, der 12jährige Robert Gescha aus der Liebemvalder Str. 39. und der 13jährige Lothar Voigt, Siegmundshof 12 wohnhaft. An die aus Italien geflüchteten Deutschen. Da in diesen Tagen die Liste der auS Italien geflüchteten Deutschen abgeschlossen werden soll, werden diejenigen Flüchtlinge, die ihre Anmeldung»och nicht vollzogen haben, gebeten, dies unter Angabe ihres bisherigen Wohn- sitzeS in Italien und ihrer gegenwärtigen Adresse umgehend zu tun. Die Anmeldung ist zu richten an das Hilfs-Koinrtee des Deutsch- Italienischen Wirts chafts- Verbandes, Berlin 0 2, Burgstr. 29. Die nächste Flüchtlings-Versammlung findet am Donnerstag, den 1. Juli, im Berliner Lehrcrvereins- hause statt. Zur Somienwcndfeier. Die Abteilungen des Arbeiter-Rad- fahrerbundes„Solidarität" treffen jich heute 8'/, Uhr an den bc- kannten Stellen. Sammelstart ist im Waldhau- in Grünau. Ms öen Hemeinöen. Landsturmmnsterung im Kreise Nicdcrbarnim. Die Musterung der unausgebildeten Laiidsturmpflichtigen de? Jahrgangs 1896(Geburtsjahr) und der in den Jahren 1869 bis 1894 Geborenen, die sich bisher zur Laiidsturinmusterung noch nicht gestellt haben, findet nach Bekanntmachung des Landrat- Dr. Busch für den Aii-hebuug-bezirk Niederbarnim I vom Montag, 21. d. M., bis 5. Juli in HcrmSdorf, Restaurant Waldschlößchen von Lcfflcr, statt. Im AuZvebungSbe�trk H findet die Musterung in FriedriKs- fetde,«L.chloßrestaurant, Wilhelmstraße 17», vom 24. Juni bis ö. Juli statt._ Ermäßigung der Kartoffelpreise in Reinickendorf. Die Gemeinde hat den Preis der von ihr verkauften Kartoffeln auf 4,2ö M. pro Zentner herabgesetzt. An Händler, die sich ver- pflichten, das Pfund mit nicht mehr als 4'/z Pfennig zu verkaufen, erfolgt die Abgabe zu 3,75 M. Der Verkauf für den westlichen OrtSteil erfolgt von jetzt ab in der 6. Gemeindeschule. Ms aller Welt. Patriot oder Landesverräter't Einer jener Lebensmittelioucherer, die sich die Not des Volkes zunutze machen, stand dieser Tage in der Person des GutSbe- sitzers und Distriktsrats Karl Brägel vor der Straf- kammer des Landgerichts Zweibrücken. Er hatte ebenso wie viele andere Landwirte mit seinen Kartoffelvorräten zurückgehalten, da er im Frühjahr höhere Preise zu er- zielen hoffte. Ein Kommissar hatte festgestellt, daß Brügel 200 bis 3OT Zenter überschüssige Kartoffeln zu lagern hatte, und auf Grund dieser Feststellung sollte er an das Landgerichtsgefängnis in Zweibrücken für die Gefangenen öll Zentner abgeben, da dort die Vorräte nahezu aufgebraucht waren und nirgends Ersatz aufge- trieben werden konnte. Da für diese Lieferung die amtlichen Tonnenpreise in Betracht zu kommen hatten, weigerte sich Brügel neuerdings, von seinem Ucberschuß abzugeben und er- klärte dein Staatsanwalt am Telephon:„Ich gebe nichts her und weiche nur der Gewalt!" Tatsächlich mutzten etwa 180 Zentner durch die Behörde auf dem Gute abgeholt lverden, gleichzeitig erfolgte Strafanzeige gegen den Besitzer. Wie in der Beweisauf- nähme bekundet wird, benahm er sich den kontrollierenden Beamten gegenüber höchst eigenartig. Als diese darauf hinweisen, datz seine Haltung wenig im Interesse seiner hungernden Nebenmenschen liege und ihn fragten, ob dies patriotisch sei, entgegnete er: „Patriotisch ist, wenn ich meine Kartoffeln bis zum Frühjahr behalte und sie dann gut ver- kaufe. Wer Kartoffeln haben will, soll sich welche pflanzen! Von meinem Vorrat werde ich kein Pfund abgeben!" usw. Weiter drohte er:„W enn der Staat mich schikanieren will, dann verbrenne ich meinen ganzen Bcstandzu Schnaps!" Der Staatsanwalt führte u. a. aus, der Angeklagte habe aus purer Habgier gehandelt und sich um die staatlichen Matz- nahmen, die Hinanhalten von Hungersnot und Teuerung bezweck- ten, nicht gekümmert. Die Handlungsweise könne nur als schmutzig bezeichnet werden, sie stehe auf der gleichen Stufe wie die des Landesverräters, der den eigenen Truppen in den Rücken fällt. Er beantragte 1000 M. Geldstrafe. Das Urteil gegen den Angeklagten lautete auf nur 2 0 0 M. Geldstrafe, wobei seine nicht zu billigende Gesinnung und sein gegen die Volksintcressen gerichtetes Vorgehen in opferreicher Zeit entsprechend gewürdigt Ivurdc. Die Eharakteristit des Staatsanwalts, der die Lebensmittel- Wucherer aus eine Stufe mit Landesverrätern stellte, dürfte diesen babgierigen Menschen nicht gerade angenehm sein. Sie werden sich daraus aber weiter nichts machen, wenigstens so lange nicht, bis man sie auch mit der sonst gegen Landesverräter angewandten Strenge bestraft. Das Verbrechen eines Landstreichers. In Lübeck brach in der Nacht zum Freitag der Landstreicher Lütjohann aus Altona, ein 20jühriger Bursche, in die Wohnung der Witwe des Landgerichtsdirektors Runde ein. Durch ein Ee- rausch erwachte die 14jährige Tochter. Ter Einbrecher brachte ihr einen Schnitt in die Kehle bei; ebenso verletzte er die Mutter durch einen Stich in den Hals. Der Verbrecher konnte durch den Schwiegersohn der Frau Runde, einen Kunst- inaler aus Eharlottenburg, festgehalten werden. Er wurde ver- haftet. Die Verletzungen des Kindes sind lebensgefährlich, die der Muter leichterer Natur. Brandkatastrophe bei Wien. In Mühlendorf bei Wiener Neustadt brach ein Brand aus, bei dem von 203 Häusern 127 eingeäschert wurden. Viele Feuerwehrleute und Ortsbewohner erlitten bei den Rettungs- arbeiten schwere Brandwunden. Einige wurden unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben. Der Gesamtschaden, der teilweise durch Versicherung gedeckt ist, wird auf eine Million Kronen geschätzt. Verbrennung der Gefallene» auf französischer Seite. Aus Paris wird gemeldet: Der Kammerausschutz für das Gesundheitswesen lietz Versuche von Leichenverbrennung vornehmen, um eventuell in der Kammer einen Gesetzentwurf einzubringen, wo- nach die Gefallenen auf den Schlachtfeldern verbrannt werden sollen. Da die Versuche befriedigend ausfielen, wird der Ausschuß einen Gesetzentwurf ausarbeiten und der Kammer unterbreiten. Das Großfcuer in Hamburg konnte nach siebzehnstündiger an- gestrengter Tätigkeil der Feuerwehr gelöscht werden. Der G e- s a m t s ch a d e n beträgt eine Million Mark. Zwei Jahre �Zuchthaus für einen Rittergutsbesitzer. Die Strafkammer in>eragan verurteilte den Rittergutsbesitzer v. Mar- k e w i t s ch in Nieder-Mednitz wegen schwerer Urkunden- fälschung und Unterschlagung zu 2 Jahren Zuchthaus und ö Jahren Ehrverlust. Ter Angeklagte hatte als Vorsitzender der Spar- und Darlehnskasse in Nieder-Mednitz die Mitglieder durch Fälschungen um 60 000 M. geschädigt. Professor Dr. Lehmaim-Hohcnbrrg— steckbrieflich verfolgt. Gegen den ehemaligen Kieler Universilätsprofessor Dr. Lehmann- Hohenberg, der wegen Beleidigung des Staatsanwalts in Weimar einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, erläßt setzt die Staatsanwallschafi in Eisenach einen Steckbrief, weil L. flüchtig ist und sich verborgen hält. Jugenöveranstaltungen. Neukölln. Die Treffpunkte für die in den Gosener Bergen statt- findende Sonnwendfeier sind: 1. und 4. Viertel: Gemeinsamer Treffpunkt am Neuterplatz abends 7 und 8 Uhr. Abfahrt Görlitzer Bahn- hos 7.10 und 8.10 Ubr.— S. Viertel: Abends 7 und 8 Uhr am Hertzbcrg- Platz. Abfahrt vom Bahnhof Treptow.— 3. Viertel: Abends 7 und 8 Uhr am Vahnbof Hermannstraße. Abfahrt daselbst. Im Anschluß an die Sonnwendfeier finden am Sonntag Wanderunge» nach dem Störitz-, Werl- und Ztrossinsee statt. Rcinickendorf-Ost. Die Teilnehmer an der Sonnwendfeier in den Golener Bergen treffen sich am Sonnabend, abends 8'/. Uhr, am»See- bad", Refidenzilc. 19. Pankow-Nied erschöuhause». Sonnabend, den 19. Juni: Sonn- wendseier in den Gosen« Bergen. Treffpunkt 7 Uhr im Jugendheim. Pankow, Marimilianstr. 13a. Abfahrt 8 Uhr 30 Min. Görlitz« Lahnhof, Fahrgeld 1 M. Steglitz-Friedeuau. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8 Uhr, Ab- marsch vom„Jugendheim", Kniephosstr. S9, zur Sonnwendfeier in den Galen« Bergen mit anschließend« Tagesparlie nach dem Stöiitzscc. Decken, Badehose usw. nicht vergessen. Abends Rückfahrt mit dem Motor- boot. Gejamlkosten 1,30 Ä. parteweranftaltungen. Wilmersdorf. Montag, den 2l. Juni: Flugblattver- b r e i t u n g von den betannten Lokalen aus. Nicderschönhansen. Morgen Sonnlag, von 7 Uhr früh ab: Flug- blattoerbreitung von den Bezirrslokalen aus. Jrrirellgiöic Gemeinde. Am Sonntag, den 20. Juni, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17; Neukölln.„Jdealpaffage"; Tegel. Babnhos- straße 15. und Ober-Schöneweide, Klarasw. 2: Freireligiöse Vorlesung. — Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurt« SN 6: Vortrag des Herrn Dr. H.Haffe:„Feldgraue Ethik." Damen und Herren als Gäste will- kommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekaiie der LNctallarvcitcr iV. n. G.) Hamburg. Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8'/, Uhr: Mitgliederoersammlung bei Thiel, Rückerstr. 7, Wahl der Ortsverwaltung. Filiale Berlin 6. Sonntag, den W. Juni, vormittags 10 Uhr: Außerordentliche Mitgliederoersammlung bei Meyer, Ackerstr 123. Neuwahl der Orlsoerwallulig. Filiale Charlottenburg. Heute, abends 8lU Uhr. im Volks- hause. Rosin enstr. 3: Mitgliederversammlung. Neuwahl 0« Ortsvcr- Wallung. Filiale Friedrichshage n. Sonnabend, den 19. Juni, abends 9 Uhr: Keneralversainmlung bei Tinius, Wilhelmstr. 53. Jahresb«ichl. Filiale Panko w.� Sonnabend, den 19. Juni, abends 9'/8 Uhr: Generalversammlung bei Schröter. Florastr. öi6. Neuwahl der Ortsver- waltung. Bkilieil M~m Erscheint 9 wöchentlich einmal Bezugsquellen» Verzeidbnis! :: Betlin=Süden; Untenstehende Geschäfte empfehlen sich bei Einkäufen Fx; Allgemein. Kersch, atz Schellen berger, Cifea. Coilii.f ygukölln. Bergstraße 25/26. �BacHep-u.KßnditoreiGn3 SäcHerei llordsiernE Inh. Gust. Müller p Filialen im Süd ms, 0>lcu n.l'ragclmiiki.li 8 E ist für Ofenheizung am besten und 9 am billiästent£j Beerdigungs-Anst.*5 Olto Heusers Wienerstr. 28. �Fleisch- u.UJurstwaren� August Fengep Grünauer Str. 8 F abrik fein. VVurst-a.Fleisch�v GuteBedienucg. Billig. Preise "Neukölln" I Wissmannstraße 46.1 MW7DM J jygljNW.AUerstr.bT AncrtinnijctKuelieDw.f äciiülcrpromenadtSyl Ancriaant-»« k'uchenw. � Huts undMnamisi jFIi ETiin> 4 anQ».ofT--i RalOD □ HElÄfliÄE Uni l'rinzenstr. 13 ff.fleisch.- a.Wnrstwar.t Hcrrmann- Str. 228 Paul Miillsr, Friescnslr.22, rKansganon 16 ff. f leischu-. ii.Aafschn. Kaneausrssnd I CahiH Lessingstr. 18. 1. dulillJ ff. Aulschnitt. Fahrrädep, » Dresdener8traßel20.p ijBrunnenstr. 52. Badstr.65. N Chausseestraße 55.___ M �loniaitusren, DeifHat.' L LetaD Chaussecet.-ö.tz 0* jj Nähmaschinen| SU. Schollar 4 Co., Btiibentr. 68 Spe z.; lalirräil., ZabciimeUo biUlgat SO. 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Js.: In allen Abteilungen aussergewöhnlich billige Angebote zu 4 Einheitspreisen H. Joseph& Co., Neukölln\ Beachten Sie bitte die vielseitigen Auslagen unserer 50 Schaufenster und Kästen, vxrantwortlichcr Redakteur:«lfreh Wielep», Neukölln. Für den Jnferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlaa: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo. Berlw SW.