Ar. 170.-32. Jahrg. flbonnemenfS'Bedlngungcn: HBonnementä• VreiZ pranumeranbsi Sietteljäbd. 330 Mk. monatl 140 SKI, wöchentlich 25'Cig. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue WelP 10 B'a. Soft- Abonnement' 140 Mar! pro SK o n a t. Eingelragen in die Post» Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband tili Teutschland und Oesterreich. Ungarn 230 Mark, iür das übrige Ausland t Mart pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien,"uxemöurg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweis eilcheliu täglich. %*> f. Derlinev Volksblntt. ( S Pfennig) Bie TnfertionS'Gcbütjr felrfigt für die sechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum M Psg., für politische und aewerlschaftZiche Vereins- und Bersnmmlungs-Anzcigen 30 Psg. „Uleine Anreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zuläfstg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen Las erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte Wer 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SsÄslilemolisSt Kerl!»-, Zentralorgan der fozialdcmokrat» f eben Partd Dcutfchlands. Neöaktion: SW. H8, Linüenftraße Z. Fernsprecher: Ami Morttzpla«, Nr. 1S1 g0— IZI 37. Dienstag, den 32. Juni 1915. Cxpeüition; SM. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikpint,- Nr. 131 3v— läl 37. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlid). Großes Hauptquartier, den 21. Juni 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gegen die Jront nördlich Arras beschränkte sich der Gegner hauptsächlich auf Artillericfeuer, nur nördlich S o u ch c z erfolgte ein Jnfantericangriff, der von uns ab- gewiesen wurde. Westlich Soisfons scheiterte ein vereinzelter nächtlicher französischer Vorstoß gegen unsere Stellung westlich Moulin-sons-Touvent. Im Westrand der Argon neu gingen wir zum Angriff über. Württemberger und norddeutsche Landwehr erstürmten auf zwei Kilometer Frontbreite mehrere hinter- einanderliegcnde Verteidigungslinien und fügten den Franzosen bei ihren vergeblichen Gegenangriffen die schwer st e» V e r l u st e zu. Die Beute dieses Kampfes beträgt an Gefangenen S Offiziere,«25 Mann, sowie 5 Maschinengewehre und 5 M i n e n w e r f e r. Auf den Maas-Höhen richteten die Franzosen gegen unsere Stellungen an der Grande Tranchee westlich Les Eparges abends fünf starke Angriffe, die westlich der Straße in unserem Feuer zusammenbrachen; östlich der Straße drang der Gegner in Teile unserer Stellung ein; er ist zum Teil berests wieder verjagt. 79 Gefangene blieben in unserer Hand. Oeftlich von Lnneville nahmen wir unsere über Gondrexon vorgeschobenen Vor- Posten vor überlegenen Kräften auf die Hanptstellung nordöstlich des Ortes zurück. In den V o g e s e n wurden feindliche Angriffe im Fccht-Tal und südlich blutig ab- geschlagen. Nachts räumten wir zur Vermeidung unnötiger Verluste planmäßig den Ort Meneral, der von der französischen Artillerie in Trümmer gesd)ossen ist. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Gegend nordwestlich Szawle und östlich der oberen Dubissa mißlangen mehrere, zum Teil von stärkeren Kräften ausgeführte russische Angriffe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armeen des Generalober st en v. Mackensen kämpfen um Lemberg und Zolkiew; Rawa-Ruska ist in unserer Hand. Westlich Rawa-Ruska wurde der Feind gestern von deutschen Truppen angegriffen und geworfen. Am 19. und 29. 9. wurden auf dem Kampffelde zwischen Janow und nördlich Magierow rund 9599 Russen gefangen genommen, 8 Geschütze und 29 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 21. Juni.(2B. T. 33.) Amtlich w i r d v c r- lautbart: 21. Juni 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die Verbündeten Truppen sind in der Verfolgung bis vor Z o l k ie w bis nahe an Lemberg und südl»� der Stadt bis an den Szczarek-Bach vorgedrungen. Die in dieser Linie stehenden russischen Kräfte werden überall an- gegriffen. Bei M i k o l a j o w und Z y d a c z o w hält der Feind am Dnjestr. Truppen der Armee Pflanzer schlugen heftige Angr ifsc der Russen südwestlich Potok Zlotp, bei Zaloszczpki und im bessarabischen Grenzgebiete wieder unter schwersten Verlusten des Feindes zurück. Die sonstige Lage im Nordosten ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. In der Nacht auf den 29. Juni schlugen unsere tapferen Truppen bei Plava wieder zwei italienische Angriffe ab. Hier erschien ein italienischer Offizier mit der weihen Fahne und einem Hornisten vor unserer Stellung, um eine Bitte seines Brigadekommandanten vorzubringen. Da sich diese Personen nicht mit einer schriftliche» Vollmacht als Parla- mcntöre ausweisen konnten, wurden sie festgenommen und sind Kriegsgefangene. Im Gebiete nordwestlich des Arn wurde der Feind aus seiner Sattclstcllung geworfen, wobei sich Abteilungen des Dcbrsczincr Honved-Jnfanterie- Regimentes besonders auszeichneten. Unsere schwere Ar- tillcrie griff erfolgs-ich in den Gcbirgskampf ein. An der Kärntner Grenze griff der Gegner im Räume östlich des Plöcken wie immer erfolglos an. Im Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts Wesent- liches ereignet. Das Feuer der italienischen schweren Ar- tillcrie gegen unsere Befestigungen ist ohne jede Wirkung. Am 19. Juni wurden die Tank- und Hafenanlagen von M o n o p o l i durch Torpcdofahrzeug mit Erfolg be- schössen lind die Bahnhöfe von Bari und Brindisi von unseren Seeflugzeugcn durch Bombenwürfe beschädigt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf diesem hat sich in letzter Zeit nichts ereignet. Der Stellvertreter des Ehcfs des Gcncralstabcs: von Hoefer, Feldmarschallcutnant. Die öefchlüsse öer öuögetkommMon des Abgeordnetenhauses. Bevor der preußische Landtag geschlossen wird, wird das Abgeordnetenhaus noch einen oder mehrere Tage auf die Bc- ratung des Berichts der verstärkten Budgetkommission über die gemäß dem Antrage Brütt und Genossen von der Re- gierung gegebenen Auskünfte über wirtschaftliche Fragen ver- wenden. Der von allen Parteien unterzeichnete Antrag er- sucht die Regierung um Mitteilung, welche Maßregeln sie angesichts des Kriegszustandes getroffen hat und zu treffen gedenkt, 1. um die Ernährung des Heeres, der Flotte und des Volkes weiter sicher zu stellen, insbesondere mit Rücksicht auf die neue Ernte; 2. in bezug auf die Verhältuisse der Industrie, des Handels, des Handwerks und des städtischen Grundbesitzes; 3. in bezug auf die Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer; 4. in bezug auf den Wiederaufbau der Provinz Ostpreußen. Die Kommission hat nicht weniger als 19 lange Sitzungen abgehalten, um die gewünschten Auskünfte entgegenzunehmen und Anregungen zu geben. Das Zeugnis, daß sie fleißig gc- arbeitet hat, kann man ihr nicht versagen. Leider stehen die Früchte ihrer Arbeit in keinem Verhältnis zu dem Auftvand an Fleiß, wenigstens nicht, soweit es sich um den ersten Punkt handelt, der den größten Teil der Sitzungen in Anspruch ge- nommen hat. Worauf es ankommt, ist nicht nur die Sicher st ellung der Ernährung, sondern auch der SchW der Bevölkerung vor Uebcrvorteilung, und gerade in dieser Beziehung hat die Kommission versagt. Man hätte an- nehmen sollen, daß sie aus den Erfahrungen der hinter uns liegenden Monate die richtigen Lehren gezogen und Maß- nahmen getroffen hätte, um zu verhindern, daß das Volk selbst für solche Lebensmittel, die in ausreichendem Maße vorhanden sind, unerschwinglich hohe Preise zahlen muß. Das ist nicht geschehen, und deshalb können wir uns durch die Arbeiten der Kommission in keiner Weise für befriedigt erklären. In formeller Hinsicht sei zunächst bemerkt, daß die auf dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung zu treffenden An- Ordnungen nicht von den Regierungen der Einzelstaaten, sondern von der Reichsregierung ausgehen. Aber es ist ein offenes Gehcininis, daß alle Maßnahmen des Bundesrats auf Anträge der preußischen Regierung zurückzuführen sind. Auch das Abgeordnetenhaus hat sich ja in seinem letzten Tagungs- abschnitt auf den Standpunkt gestellt, daß im Interesse Preußens und des ganzen Deutschen Reichs eine kraftvolle Vertretung des preußischen Staatsministeriums in allen den Krieg betreffenden Reichsangelcgcnheiten wünschenswert sei. Im Interesse Preußens und des ganzen Deutschen Reichs! Ob aber auch im Interesse des preußischen und deutschen Volkes, das ist eine andere Frage, eine Frage, die wir nach dem Gang der Kommissionsvcrhandlungen nicht so ohne weiteres bejahen können. Als Nahrungsmittel kommen hauptsächlich in Betracht Getreide, Kartoffeln und Fleisch. Die Regelung des Verkehrs in G e t r e i d e u n d M e h l ist der Kriegsgetreidegesellschaft übertragen, die ihre Aufgabe so gut oder so schlecht es ging zu lösen bemüht gewesen ist. Wir haben mancherlei an ihrer Geschäftsführung auszusetzen gehabt, mehr als eine ihrer Maßnahmen fordert zu Kritik heraus, aber die Haupt- schuld daran, daß sie nicht mehr erreicht hat, ist nicht ihr, sondern der Regierung beizumessen, die viel zu spät und viel zu zaghaft ans Werk gegangen ist. Unsere Kritik bewegt sich in ganz anderer Richtung als die der Mehrheit der Budgetkommission, denn uns liegt in erster Linie an einer wesentlichen Herabsetzung der Getreide- und Mehlpreise und an der Verhütung unbegründet hoher Gewinne. Der Mehrheit der Budgetkommission dagegen ist die Kriegsgetreide- gesellschaft an sich ein Dorn im Auge, sie möchte sie, wie es in einem ihrer Anträge zum Ausdruck kommt, ersetzen durch eine Reichs-Getreidestelle, die der Aufsicht des Reichskanzlers untersteht und der„zur beirätlichen Mitwirkung bei Eni- scheidung grundsätzlicher und sonsüger wichtiger Fragen" ein aus Konsumenten und Produzenten gebildeter Ausschuß bei- gegeben wird; und sie verlangt des weiteren, daß der preußische Staat einen sogenannten Selbstversorgungsverband im Sinne der Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 bildet. Das würde bedeuten, daß Preußen von seinem bis- her mehr als 2,5 Millionnen Tonnen betragenden Ueberschuß nichts niehr an die übrigen Bundesstaaten abzugeben braucht, daß also dort die Getreidepreise wesentlich in die Höhe gehen, was naturgemäß wieder auf Preußen zurückwirkt. Die Höchst- preise würden Mindestpreise werden, die Produzenten kömsten sich nach Herzenslust bereichern, und die Konsumenten hätten das Nachsehen. DaS wäre eine um so schwerere Schädigung des Volkes, als die ÄommissionSberaLungen gar keinen Zweifel daran lassen, daß an eine Herabsetzung der Preise für die übrigen Nahrungsmittel nicht zu denken ist. Es steht heute fest, daß die gewaltige Preissteigerung für K a r t o f f c l n, die wir in diesem Frühjahr erlebt haben, nicht in natürlichen, sondern in künstlichen Ursachen begründet ist. In der Kommission spottete mau über die„düsteren Weissagungen der Nationalökonomen und anderer Wissenschaftler", die nicht eingetroffen sind. Die Produzenten haben leicht lachen, sie haben ihr Schäfchen ins Trockene gebracht, aber nicht die„Nationalökonamen und andere Wissenschaftler" haben die Teuerung verurjacht, sondern die Erzeuger und die Regierung, die eine sorgfältige Bestandsaufnahme hinauszuschieben verstanden haben, die von einer Beschlagnahme der Kartoffel- Vorräte ebensowenig etwas wissen wollten wie von der Ein- führung eines Verkaufszwanges, die die Kartoffclzufuhr hintan- zuhalten wußten und den Städten wie dem verbrauchenden Publikum gewaltige Lasten aufgebürdet haben. Jetzt, nachdem die Bevölkerung, um sich zu sichern, für teueres Geld Kar- toffeln eingekauft, jetzt, wo die durch falsche Statistiken irre- geführten städtischen Verwaltungen sich mit Vorräten versehen und dafür Niesensummen geopfert haben, zeigt sich auf ein- mal, daß wir keine Kartoffclknappheit, sondern im Gegenteil einen Ueberfluß haben, und daß man gar nicht weiß, was mau mit den zurückgehaltenen Mengen anfangen soll. Und trotz dieser traurigen Erfahrungen soll der gleiche Weg auch jetzt wieder eingeschlagen werden. Der angebliche Mangel an Kartoffeln hat zu einer starken Abschlachtung von Schweinen geführt, in denen man nicht zu Unrecht die schlimmsten Konkurrenten der Menschen erblickte. Trotz dieser starken Abschlachtungcn sind die F l c i s ch P r e i s e nicht nur nicht gesunken, sondern sogar gestiegen, Haupt- sächlich weil die Anordnung des Bundesrats, wonach die Ge- meinden einen Vorrat im Betrage von 15 M. auf den Kopf der Bevölkerung bereit zu halten haben, eine starke Nachfrage nach Schweinen gezeitigt hat. Was ist die Folge? Nach sachverständigem Urteil sind mindestens l1/- Millionen Schweine zu viel abgeschlachtet tvorden, dies Quantum wird uns fehlen, und wir haben für den kommen- den Winter mit einem Fteischmangel zu rechnen, der durch Einfuhr vom Auslände nicht ersetzt werden kann, einmal, weil die kriegführenden Länder die Einfuhr hindern, und zlveitens iveil in keinem Lande Vorräte an lebenden Tieren und Fleisch vorhanden sein werden, die den Bedarf Deutsch- lands decken könnten. Noch ließe sich der Gefahr einer allzu- großen Teuerung dadurch ein Riegel vorschieben, daß die Re- gicrung Höchstpreise für Vieh und Fleisch festsetzt. Aber dazu kann sie sich nicht entschließen, davon null vor allem die Mehrheit der Budgetkommission nichts wissen. Das einzige, das die Kommission verlangt, ist eine loeitcre Verbilligung der käuflichen Futtermittel über die bisherigen Matznahmen hinaus, damit die Erzeugung von Fleisch nicht weiter ver- tcucrt lvird. Wohl gemerkt, die Erzeugung von Fleisch, aber mit keinem Worte ist in den Anträgen die Rede davon, daß die Verkaufspreise in einem bestimmten Verhältnis zu den Erzeuguugskosten zu stehen haben. Die Bevölkerung hat allen Anlaß, diesen Beschlüssen ihre Aufmerksamkeit zu widmen und durch ihre Vertreter im Par- lament, in der Presse, in Versammlungen und wo immer sich sonst Gelegenheit dazu bietet, ihren den Wünschen der Produzenten entgegengesetzten For- dcrungen in der schärfsten Form Ausdruck zu ver- leihen. Daß auch die Mehrheit des Reichstags sich der Er- kenntniS von der Notwendigkeit der Festsetzung von Höchst- preisen fiir Vieh, Fleisch und Schmalz verschlossen hat, darf für uns kein Grund sein, lauter als je unsere Stimme zu er- heben und zu verlangen, daß mit dem System endlich ge- brochen wird. Weniger eingehend waren die Verhandlungen der Kom- Mission über die sonstigen in dem Antrage berührten Fragen. Ucbcr die allgemeine Lage der Industrie sprach mau sich im großen ganzen in befriedigtem Sinne aus und äußerte nur eine Reihe von Einzelwünschen. Der Schwerindustrie wurde ob ihrer Betätigung vaterländischer Gesinnung reichlich Lob gespendet. Warum auch nicht? Eine Hand wäscht die andere, und wenn die Nationalliberalcn den Konservativen so gefällig sind bei dem Streben auf Heraufsetzung der Lebens- mittclprcise, warum sollen dann die Konservativen den iliationallibcralen nicht den kleinen Gegendienst leisten und die Wünsche der Industrie erfüllen? Auf der anderen Seite fehlte cS natürlich nicht an Klagen über„Begehrlichkeit" der Arbeiter, namentlich der Bergarbeiter, die der Parole des Burgfriedens so wenig folgen, daß sie sogar— Teuerungszulagen fordern. ES war das alte Lied, das wir auch im Frieden oft genug zu hören bekommen haben: Die Arbeitgeber bringen Opfer über Opfer, ihre Ein- nahmen gehen mehr und mehr zurück, aber die unvernünftigen Arbeitnehmer haben kein Einsehen, sie wollen nicht zu Löhnen arbeiten, die ihnen von oben diktiert werden, sondern selbst ein Wort mitreden bei der Regelung ihrer Lohn- und Arbeits- bedingungen. Bedauerlicherweise ist die Regierung diesen maßlosen Uebertreibungen der Vertreter der Industrie nicht mit der nötigen Schärfe entgegengetreten. Das blieb wie stets so auch jetzt wieder den Sozialdemokraten vorbehalten. Beschlüsse inbezug auf die Industrie hat die Kommission nicht gefaßt; dagegen sind inbezug auf den Handel eine Reihe von Anträgen angenommen, unter denen zwei besondere Be- achtung verdienen. Die Kommission forderte die Regierung auf, dafür zu sorgen, daß bei dem voraussichtlichen Mangel au Petroleum zu Beleuchtungszwccken in ausreichendem Maße Spiritus und Karbid zu angemessenen Preisen zur Ver- fügung gestellt und Spiritus- und Karbid-Lampen und -Laternen in genügender Anzahl angefertigt werden, und ferner dafür, daß, sofern die Durchführung der Verord- uungcn vom 27. Mai 1915 nicht zu einer die Verbraucher befriedigenden Gestaltung der Kleinhandelspreise für Ver- brauchszucker führen sollte, weitere Maßregeln getroffen werden, um dem Kleinhandel genügende Mengen von Ver- brauchszucker zuzuführen und die Kleinhandelspreise für Ver- brauchszckcker in ein angemessenes Verhältnis zu den gesetzlich festgesetzten Preisen der Raffinerien zu bringen. Die Klagen, die in der Kommission über die Lage des städtischen Grundbesitzes angestimmt wurden, ent- behren nicht der Berechtigung, und es verdient Anerkennung, daß man sich hier eine gewisse Zurückhaltung auserlegt und sich nicht zu Befürwortern der unerschwinglichen Forderungen des Schutzverbandcs für deutschen Grundbesitz gemacht hat. Wir haben die Beschlüsse bereits früher im Wortlaut mit- geteilt, es genügt deshalb an dieser Stelle die Tatsache, daß die Kommission sich auf die Empfehlung von Maßnahmen be- schränkt hat, die dem Grundbesitz zu helfen geeignet sind, ohne die Interessen der Allgemeinheit zu schädigen. Nur kurze Zeit haben die Verhandlungen über die Kriegsfürsorge in Anspruch genommen. Das ist er- klärlich, denn die Kriegsfürsorge ist durch Reichsgesetz ge- regelt, die Regierungen der Bundesstaaten haben lediglich die Ausführung'zu überwachen, und gerade Preußen hat es— wir erkennen das unumwunden an— an wohlwollenden Ausführungsbestimmungen nicht fehlen lassen. Der Minister deS Innern hat auch in der Kommission wiederholt Grundsätze über die Handhabung der Kriegs- fürsorge entwickelt, mit denen wir uns im großen ganzen ein- verstanden erklären und von denen wir nur dringend wünschen können, daß die Gemeinden sie befolgen. Hoffen wir, daß er jedem einzelnen Beschwerdefalls nachgehen und wenn es nötig ist, Abhilfe schaffen wird. Daß auf dein Gebiete der Kriegs- fürsorge noch vieles im Argen liegt, daß noch zahlreiche Miß- stände zutage treten, ist auch von bürgerlicher Seite und von der Regierung zugegeben worden. Ten Schluß der Kommiffionsberatung bildete eine Aus- spräche über die L a g c in Ostpreußen, die Kommission erkannte die Leistungen der Regierung für den Wiederausbau von Ostpreußen an und ersuchte sie, auf die weitere wirt- schaftliche Hebung der Provinz, insbesondere durch innere Kolonisation, Verbesserung der Verkehrsmittel und Elektrisierung Bedacht zu nehmen. Bei der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses unterliegt es keinem Zweifel, daß das Plenum mit großer Mehr- heit sich in allen Punkten auf den Boden der Kommissions- beschlüsse stellen wird. So bedauerlich das ist, verhindern können wir es nicht, dazu ist die Zahl unserer Vertreter im preußischen Landtage zu gering, lim so mehr aber sollte der Reichstag, vor allem die sozialdemokratische Fraktion, ihren Einfluß und das Gewicht ihrer Zahl in die Wagschale zu werfen, um die Reichsregierung, bei der letzten Endes die Entscheidung liegt, zu veranlassen, die Beschlüsse der Preußischen Gesetzgeber zu korrigieren. Westlicher Kriegsschauplatz. Der franZösische Tagesbericht. Paris, 21. Juni.(W. T. B) Amtlicher Bericht von gestern abend. Im Abschnitt nördlich A r r a s sind wir Herreu des Buvalgrundcs. Wir machten gegen Osten einen Angriff in Richtung S o u ch e z und rückten etwa einen Kilo- mcter vor. Der Artillerickampf dauert mit großer Heftigkeit an. Westlich der Argonnen schlugen wir einen heftigen feindlichen Gegenangriff zurück und machten Gefangene. Auf den Maashöhen griffen unsere Truppen in dem Abschnitt des Grabens von Calonne an, nahmen zwei feindliche Linien ein und machton 7V Gefangene, darunter 2 Offiziere. In Lothringen in der Nähe von Reillon nahmen wir ein Zentrum des feindlichen Widerstandes und warfen zwei Gegenangriffe ziuück: ein dritter Gegenangriff drängte uns einen Augenblick zurück, aber wir eroberten fast sofort die ganze Stellung wieder. Ein vierter Gegenangriff wurde durch unser Feuer angehalten. Wir machten etwa 50 Gefangene. Unsere Offensive im F e ch t t a l c macht weitere Fortschritte; wir machten von neuem Gefangene. Gestlicher Kriegsschauplatz. Der öericht üer ruPschen tzeeresleitimg. Petersburg, 20. Juni.(W. T. L.) Mitteilung des Großen GencralftabS. In der Gegend westlich vom N j e m e n dauern örtliche, langwierige Kämpfe fort. An der N a r e w- front am 19. Juni Geschützfeuer bei Jednorosetz und Grudusk. An der T a n e w- F r o n t keine erheblichen Gefechte. In der Richtung auf Rawa RuSka und an der Teichlinie bei G r o d c k schritt der Feind am 18. und 19. Juni zu einer Offensive mit starken Kräften, darunter neuerdings aus Belgien angekommeneu Truppen. Am Dnjestr dauerten am 19. Juni hartnäckige Kämpfe mit feindlichen Streitkräften fort, welche den Fluß aufwärts von Nizniow überschritten. Vom Flusse weiter vorgehend, drang der Feind bis in die Dörfer Koronetz und Kosmierzin vor, wurde aber durch einen energischen Gegenangriff mit dem Bajonett unter großen Verlusten wieder zurückgeworfen und hinterließ allein in dem Torfe Kosmierzin über 2000 Gefangene und 7 Maschinengewehre. Zwischen P r u t h und Dnjestr dauerte ein heftiges Ge- fccht ani 18. und 19. Juni fort. Bei dem Dorfe Bnlamutowka nahmen wir 8 Maschinengewehre. Der italienische Krieg. Der italienische Tagesbericht. Rom, 21. Juni.(W.%. B.) Bericht der Obersten Heeres- leitung vom 20. Juni: Das regnerische Wetter und der Nebel behinderten und verlangsamten die Operationen im gebirgigen Teile des Kriegsschauplatzes. Indessen war es im Gebiete d e ö K r n möglich, unsere Besetzung durch Beziehen der Stellungen, welche die Umgebung PlezzoS beherrschen, zu ver- vollständigen und zu verstärken. Am I s o n z o warfen wir zwei im Schutze der Nacht ausgeführte feindliche Gegen- angriffe gegen unsere kürzlich eroberten Stellungen um Plava zurück. Am Abend des 18. Juni ließ ein feindliches Flug- zeug Bomben auf einen aus dem Bahnhof Cormons ausfahrenden Sanitätszug fallen. Ter Lokomotivführer wurde verwundet und leichter Sachschaden angerichtet. Au üem Kampfe be! plava. Wir«, 20. Juni.(W. T. B.> Das k. und k. KriegSpreffe- quartier meldet: lieber die jüngsten Kämpfe um den Plava- llebergang werden nachträglich folgende Einzelheiten bekannt. Die Italiener hatten mehrere Tage hindurch ununlerbrochen aus mehr als hundert Geschützen die Stellungen unserer Truppen beichoffen. Als sie die Ueberzeugung gewonnen zu haben glaubten, daß durch dieses Feuer unsere Positionen mürbe geworden seien, ging die dritte italienische Division zum Angriff vor. In unerschütterlicher Ruhe ließ unsere Infanterie die Sturmlolonncn bis auf nahe Distanzen herankommen und eröffnete erst jetzt ein mörderisches Feuer. Die Italiener jedoch, in deren Reihen sich zahlreiche im Tripoliskriege erprobte, kampfgewohnte Truppen befanden, ließen sich ungeachtet ihrer großen Verluste von der Vorrückung nicht ab- Der viaöukt von Dammerkirch. PsrEisenbah'rj- Vi&dukf"£f. Dammcrkirc/i /rri ßatj n. d. ersten ßcsch/essung i-Augosf/yw __ Du grosse cnbahn-ViaduKf cteutsUi: iL riorscrCirrm. Wie in dem amtlichen Be- richt derOberstenHeeresleitung erwähnt, ist am 30. Mai die große Eisenbahnüberführung westlich Dammerkirch von unserer Artillerie zerstört wor- den. Dieser große Kunstbau war im August vorigen Jahres, als die Franzosen nach ihrer Niederlage bei Mülhausen auf Bclsort zurückfluteten, zerstört worden. Unmittelbar nach dieser Schlacht wurden die sieg- reichen deutschen Truppen nach einer anderen Stelle der Kampf- ftont abtransportiert. So war es den Franzosen möglich, er- neut in die Gegend von Mül- hausen vorzudringen, wo sie durch deutsche Landwehr zum Stehen gebracht wurden. In dem Stellungskampf, der nun- mehr begann, war es für die Franzosen natürlich von großer Wichtigkeit, den von ihnen zer- störten Kunstbau wieder her- zustellen. Die Arbeiten hierzu wurden von den deutschen Fliegern mit Aufmerksamkeit verfolgt. Ende Mai wurde durch eine Fliegerphotographie festgestellt, daß die Ueber- brückung der gesprengten Stelle beendet war. Auch wurde er- kaunt. daß eine Probebclastung der Brücke durch einen Eisen- bahnzug stattfand. Nunmehr war eS an der Zeit, die eigens zu diescnl Zweck hinter die deutschen Linien herangeführte 42- Zentimeter- Batterie in Tätigkeit treten zu lassen. Wenige Schuß am 30. Mai genügten, um die Ueberführung auf eine Strecke von 100 Meter erneut und nachhaltig in Schutt zu legen. Ter Kunstbau liegt Kilometer vor unserer vor- bersten Jnfanterielinic. Zwei Photographien veranschaulichen den Viadukt vor und nach der Beschießung. halten, zumal sie wahrnahmen, daß sich vor unseren Stellungen leine Drahthindernisse befanden. Wie toll stürmten sie heran. Es kam zu einem wütenden Handgemenge, wobei Mann gegen Mann kämpfte, und Gewehrkolben, Spaten, Steine. Messer, sa selb st die Zähne als Waffen dienten. Der Angriff mixlang. Noch zweimal und nicht minder heftig wiederholten die Italiener den Sturm, wieder ohne Erfolg. Als ihre Widerstandskraft endlich gebrochen war. traten sie unter Zurücklassung vieler Toter und Verwundeter den Rückzug an. Der türkische Krieg. Die türkische tzauptquartiersmelöung. Konstantinopcl, 21. Juni.(W. T. B.) Tas Haupt- quartier teilt mit: An der Dardanellcnfront fand gestern bei Art B u r n u schwacher Artillerie- und Infanterie- kämpf statt. Bei Seddul Bahr scheiterte ein mittags gegen unseren linken Flügel gerichteter feindlicher Angriff in unserem Feuer. Der Feind mutzte sich mit grotzen Verlusten tu seine Schützengräben flüchten. Ein Angriff, den der Feind heute morgen von Seddul Bahr aus gegen unsere ganze Front unternahm, wurde gleich- falls zurückgeschlagen. Unsere anatolischen Küstenbatterien beschossen auch heute mit Erfolg feindliche Torpedoboots- zerslörer, Minensucher, Artillerie, Trainzüge, Munitionslager. sowie Fliegcrschuppcn, zerstörten ein feindliches Flugzeug und beschädigten ein anderes. Der Feind Uetz darauf von seinen Fliegern mehr als 30 Bomben auf diese Batterien werfen. ohne Schaden anzurichten. An den anderen Fronten ist die Lage unverändert. von öer DarüaneUenfront. Koustantinopel, 20. Juni.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der D a r d a n e l l e n f r o n t bei Ari Burnu ereignete sich am 18. und 19. Juni nichts Wesent- liches. Ein von neun Torpedobooten und sieben Minensuchern gedecktes feindliches Panzerschiff erschien vor Sedd ul Bahr, beschotz unsere Küstenbatterien auf dem asiatischen Ufer und zog sich mit seiner Bedeckung wieder nach Lemnos hin zurück. Am 19. Juni wurde ein schwächerer Angriff gegen das Zentrum unserer Südgruppe vor Sedd ul Bahr mit Verlust abgewiesen. Unsere Küstenbatterien beschossen die Artillerie, Kolonnen und Transportschiffe des Feindes wirksam, ebenso wie seine Infanterie, welche unter dem er- solgreichen Feuer unserer europäischen Batterien den Rückzug antrat. Unsere Batterien auf dem asiatischen U f c r be- schössen auch Kolonnen des Feindes, welche nach dessen Lager marschierten, sowie die feindlichen Schuppen und Flugzeuge wirksam und verursachten einen Brand, welcher mehrere Flug- zeuge vernichtete und Schrecken unter den Truppen und Tieren deL Feindes verbreitete. Feindliche Flieger überflogen unsere erwähnten Batterien und warfen acht Bomben, jedoch ohne Erfolg.— Von den anderen Fronten ist nichts zu melden. • London, den 21. Juni.(T. u.) Der Korrespondent de§ Reuter- schon Bureaus drahtet einen ausführlichen Bericht über den seit- langem erwarteten allgemeinen Angriff auf die türkischen Schützen» graben bei Agi Baba. In dem Bericht wird eingehend daS Bombardement geschildert, dessen Erfolg aber allem Anschein nach mit den aufgewandten Mitteln nicht in Einklang gestanden hat, da die Lage für die Verbündeten noch nicht günstiger geworden ist. Obwohl der Korrespondent Fortschritte der Engländer im Zentrum bis zur fünften Linie der türkischen Schützengräben zu melden weitz, mutz er zugeben, datz die Erfolge auf den Flanken ganz gering waren. Die Türken waren dort viel stärker verschanzt und ein un» gestümeS Gefecht entbrannte. Die Engländer versuchten hierbei, ihre Linie vorzuschieben, jedoch meldet der Korrespondent das Ergebnis dieser Anstrengungen nicht. Geplänkel im Kaukasus. Petersburg, 21. Juni.(W. T. 3.) Der General st ab der KaukasuSarmee gibt unter dem 18. Juni bekannt: Ein Ver- such der Türken, gegen die rechte Flanke unserer Truppen in der Richtung auf die Küste die Offensive zu ergreifen, wurde abgewiesen. In der Richtung auf Melasgirt fand westlich von Atnlat s?) ein Gefecht unserer Kavallerie mit Kurden statt. In der Gegend von Wan unbedeutendes Jnfanteriegcplänkel. Der Seekrieg. Torpedierter englischer Danzerkreuzer. Amtlich. B e r l i n, 21. Juni 1915.(85*. T. B.) Am 20. Juni griff eines unserer Unterseeboote etwa 100 See- meilen östlich vom Firth of Förth einen englischen Panzer- kreuzer, anscheinend von der Minotanr-Klaffe, an. Der Tor- pcdo traf, seine Wirkung konnte von dem Unterseeboote jedoch nicht mehr beobachtet werden. Ter stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez. B e h n ck e. Die Friedensbewegung unter den französischen Sozialisien. Zu dem Bericht der Föderation Haute Vienne wird uns aus Amsterdam geschrieben: Was der Kundgebung der Haute Menne ihre Bedeutung gibt, ist die Tatsache, datz diese Föderation eine der be- deutendslcn und stärksten der sozialistischen Partei ist. Wie schon die Unterschriften unter der Resolution beweisen, ver- sägt sie über vier Parlamentsmandate, dazu über Generalrats- und Bezirksmandate und eine Reihe von Genieindemehrheiten, unter denen die von Limoges. einer Stadt von 90000 Einwohnern, die wichtigste ist. Limoges hatte im„Populaire des Centre" auch eines der wenigen täglich erscheinenden sozialistischen Blatter Frank- reichs. Vor allem aber ist in Betracht zu ziehen, datz das Departement zu den wichtigsten Industriezentren des Landes gehört. Limoges hat 35 Porzellanfabriken und eine ansehnliche Tertilindnstric. Hinter dem Deputierten P a roy. der den Beschlutz mit unterzeichnet hat, steht der Gewerk- schaftsverband der keramischen Industrie. Der Abgeordnete B e t o u l l e gehört zu den einflutzrcichstcn Parlamentariern der Partei, Genosse P r e ss e m ane war bis zu seiner Wahl einer der „äols�uss xsmumonts", d. h. der vom Parteitag angestellten Partelagitatoren, und ist so einer der bekanntesten Propagan- disten der Partei. Zieht man in Betracht, datz die wichtigsten Industriegebiete, Nord, Pas-dc-Calais, Aisne sowie die Ar- dcnnen, derzeit ganz oder zum Teil okkupiert sind und darum kein politisches Leben haben, so darf diese Aeutzcrung der „Haute Vienne" als bedeutsames Symptom gelten. Erwähnt sei, datz die Föderation zum alten Besitzstand der„Larti Omrrior� d. h. der Guesdisten, gehört und gleich den anderen guesdistischen Organisationen, was sozialistische Schulung und Disziplin anlangt, einen hohen Rang einnimmt. Es ist auch nicht richtig, datz die Aeutzcrung der Haute- Vienne ganz vereinzelt ist. Vom Beginn des Krieges an hat nicht nur die Parteisöderation des kleinen Departements Ain, sondern vor allem der französische Metallarbeiter- verband eine von der Taktik der sozialistischen Partei- Mehrheit sehr verschiedene Haltung eingenommen. Datz endlich ein Teil der französischen sozialistischen Frauen den Ruf nach dem Frieden erhebt, ist auch bekannt und man hat erst dieser Tage in der Bourgeoispresse wütende Bemerkungen über die Austeilung der Berner Frauenrcsolution in den Zügen der Pariser Untergrundbahn lesen können.— Diese Erscheinungen zusammengenommen drücken doch einen bemerkenswerten Teil der Volks- Meinung aus in einer Zeit, wo dieser die gewöhnlichen Mittel, sich zu äutzern, fast ganz fehlen. Eine Regierung kann ja die politische Diskussion in Kriegszeiten einschnüren, aber sie kann die EntWickelung von Stimmungen und Meinungen doch nicht unmöglich machen, und mag sie auch den ungeheueren Pretzapparat, der ihr zur Verfügung steht, benutzen, um sie dem Ausland und Inland zu verhehlen, so sagt das noch nicht, datz sie nicht schlietzlich mit ihnen rechnen und mit Rücksicht auf sie handeln mutz. Und wenn es eines gibt, das in Frankreich die Neigung des Volkes zum Frieden zu einer entscheidenden Macht machen könnte, so wäre es eine kundgegebene Bereitschaft Deutschlands, mit seinen Kriegs- gcgncrn einen Frieden ohne Erniedrigung zu schlictzcn. vorgehen gegen Sozialisten in Italien. Basel, 21. Juni.(W. T. B.) Die„Nationalzeitung" meldet aus Mailand vom 12. Juni: Die sozialistische Organisation von P a l I a n z a wurde vom Kommandanten des Bezirkes a u f g c l ö st, das V o I k s- haus geschlossen. Bulgarien unö öer vierverbanö. Ucbcr den Inhalt der Vorschläge, die der Vier- verband Bulgarien als Preis für sein Eingreifen in den Krieg an der Seite der Ententemächte gemach� hat, wird mitgeteilt: Der Vicrverband hat an Bulgarien das Ansinnen gestellt, sofort zu mobilisieren und gegen die Türkei zu marschieren. Als Gegenwert für diese dem Vierverband natürlich sehr wertvolle Leistung sollte ihm Seibis ch-Mazedonicn, der Hafen von K a w a l l a nebst Hinterland, die L i n i e En o s— Midia und eine Unterstützung in barzu Z,w ecken der Krieg- fführung gewährt werden. Autzerdem wollte der Vier- verband sich verpflichten, in Bukarest freundschaftliche Unter- Handlungen darüber anzuregen, ob Rumänien nicht geneigt sei, die D o b r u d s ch a an Bulgarien abzutreten. Es bestand anfangs noch Unklarheit darüber, ob es sich bei dem Angebot von Serbisch-Mazedonien um das ganze Mazedonien oder nur die sogenannte unstrittige Zone innerhalb Mazedoniens handle. Durch Rückfrage wurde schlietzlich festgestellt, datz eS sich b l o tz u ni die u n- strittige Zone handelte. Alle diese Zusagen machte der Vicrverband aber nur für den Fall, datz Bulgarien bereit war, unverzüglich der Türkei den Krieg zu erkären. Dagegen»vurde die Aufrechterhaltung der strikten Neutralität nicht für ge- nügend erachtet. Bulgarien hat auf dieses Angebot eine in sehr Höf- lichem Ton gehaltene Antwort den diplomatischen Ver- tretern des Vierverbandes zukommen lassen. Die Antwort beschränkt sich vorläufig darauf, eine Reihe von Gegen- fragen an den Vicrverband zu richten. Der Inhalt dieser Fragen ist etwa folgendermatzen formuliert: 1. Welche Entschädigung ist Serbien für die Abtretung des angebotenen Teiles von Mazedonien an Bulgarien zu- gesichert? 2. Inwieweit glaubt der Vierverband durch eveut. Vor- Verhandlungen mit Serbien überhaupt in der Lage zu sein, Bulgarien ein Angebot auf Serbisch-Mazedonien ernstlich machen zu können? 3. Welche Teile der Dobrudscha denkt man durch die Intervention bei Rumänien an Bulgarien abtreten zu lassen? 4. Welche Entschädigung ist Griechenland in K l e i n- A s i e n für eine cvent. Abtretung KawallaS zu- gesagt? 3. WaS ist unter der Bezeichnung„Hinterland von Kawalla" zu verstehen? In ihrer Antwort an den Vierverband macht die bul- garischc Regierung, nachdem sie die obigen Fragen gestellt hat, darauf aufmerksam, datz sie gezwungen sei, sich schon um deswillen ganz genau über das Matz der Zusagen zu er- kundigen und ganz bestimmte Garantien vom Vier- verband zu verlangen, weil Bulgarien durch den Krieg der Jahre 1912 und 1913 außerordentlich' erschöpft sei, und weil ein Eintreten in den jetzigen Krieg eine ganz ungewöhnliche Kraftanstrengung für das Land bedeuten würde. Eine Antwort auf diese Fragen an die Mächte des Vier- Verbandes ist begreiflicherweise bis jetzt noch nicht erfolgt. Unruhen in Petersburg. Stockholm, 21. Juni.(T. U.) Nach privaten Mitteilungen aus Petersburg haben sich am 5. Juni neuen Stils und in den folgenden Tagen schwere Unruhen in den Putilow- werken sowie in den an diese grenzenden Vorstädte Peters- burgs ereignet. Die Arbeiter der Werke behaupteten, datz ihre Löhne trotz der vor einiger Zeit bewilligten Zuschüsse völlig unzureichend seien, zumal diese Zulagen überhaupt nicht ausbezahlt würden, sondern in die Tasche der Direktoren flössen, während die Angestellten Gehälter bezögen, wie sie vor Ausbruch des Krieges bezahlt wurden. In dieser Streit- bewegung wurden die Arbeiter der Putilowwerkc von dein Personal anderer Fabriken energisch unterstützt. Es kam zu Kundgebungen, die infolge der Einmischung revolutionärer Elemente aus anderen Bevölkerungskreisen einen sehr bedroh- lichen Charakter trugen. Schlietzlich gelang es mit Hilfe der Petersburger Garnison, die Unruhen blutig zu unter- drücken. Jetzt ist ein militärischer Ring uin die Anlagen der Putilowwerkc gezogen, der die Waffcnfabriken völlig von der übrigen Welt trennt und jedem Außenstehenden die An- Näherung unmöglich macht. Auch nachts dürfen die Arbeiter das Werk nicht mehr verlassen. Der Ausbruch der Unruhen soll, wie weiter behauptet wird, gleichfalls die Stellung des bisherigen Ministers des Innern"Maklakow stark erschüttert haben. kriegsbekanntmachungen. Abfindung von Mannschaften in den Lazarerteu. Zur Behebung von Zweifeln über die Abfindung der in La- zaretten usw. aufgenommenen und auS ihnen zu entlassenden Mannschaften wird im neuen„Armee-Vcrordnungsblatt" bemerkt: 1. Nach§ 21 in Verbindung mit§ 72 der Kriegsbesoldungs- Vorschrift verbleibt den in das Lazarät aufgenommenen Mann- schaftcn die für das laufeirde Monatsdrittel bereits gczubktc Löhnung. Soweit die Leute bei der Auftrahme ins Lazarett die Truppenlöhnung bis zu diesem Zeitpunkt�uicht erhalten haben, ist sie ihnen vom Lazarett auf Grund des Soldbuchs nachzuzahlen. Dasselbe gilt für die etwa zuständige Geldllcrgütung für Marsch- Verpflegung. An HeereSangehänge der Bundesstaaten find di� zuständigen Gebührnisse— sei es von Samtätsformation des Feld- Heeres oder van Lazaretten des tzcimatgebietS— in gleicher Weise zu zahlen.— Befinden sich die dem Lazarett zugcführtcn Mann- schaften nicht im Besitz eines Soldbuchs, so ist ein solches nach § 58,2 der KriegSbcsoldungSvorschrist auSziirertigen. 2. Mannschaften, die in Feld-, Kriegs-, Etappen-, Reserve-, Festungs-, Vereinslazarettcn, in OrtSkrankenstubcn und Orts- lazaretten, in Lazarett-, Hilfslazarett- und Vereins lazarcttzügcn, in Lazarett- und Hilfslazarettschiffen oder-schiffSzügen, in Leichtkranken- und Genesungsabteilungen, in Privatgenefungsbeimen, Militär- und Privatkuranstalten, lowie in den von den stellvcrtrc- tenden Generalkommandos anerkannten Privatpflcgcftätten ausgenommen sind, erhalten Krankenlöhnung.— Kriegs- l ö h n u n g ist zu gewähren bei Beförderung in Kranken- und gewöhnlichen Eifcnbahnzügen, in Ärankcnschiffcn und beim Krankentransport auf Landstraßen— auch, bei Ucberführung im Seimatsgcbiet von einem Reservclazarctt usw. ins andere— sowie den in der Pflege der Angehörigen und in Genesenen-Sauimel- stellen befindlichen Mannschaften. Ob die Kricgslöhnung nach den Sätzen für mobile oder immobile Truppen zuständig ist, richtet sich nach den Bestimmungen der Allerhöchsten Kabinettsordre voin 22. 4. 15(A.V.Bl. S. 182) und de? Erlasses vom 25. 5. 15(A.B.Bl. S. 240). 3. Krankensainmelstellen(Ziffer 232 der KriegssanitätZord- nung), in denen Verwundete und Kranke nur kurzen, selten mehr als einen Tag währenden Aufenthalt nehmen, sind nicht als Lazarette anzusehen. Die Kranken erhalten mithin dort keine Löhnung; sie ist ihnen erst nach Ankunft im Bestiminungsort zu zahlen. 4. Den aus dem Lazarett zum Ersatztruppenteil entlassenen Mannschaften, die vor ihrer Aufnahme mobilen Formattonen au- gehörten, steht für die Tage bis zum Schluß des� laufenden Monatsdrittels, in dem die Entlassung erfolgt, die KrisgÄdhnung für mobile oder immobile Truppen zu, je- nachdem die Mann- schaften lN.K.O. 22. 4. 15. A.V.Bl. S. 182 und Erlaß vom 25.S'.l5. A.V.Bl. S. 210) als mobil oder immobil anzusehen sind.- 5. Me diesen Mannschaften— Ziffer 4— etwa zuständigen Marschkostcn werden vom Lazarett gezahlt.— Soweit bisher anders verfahren sein sollte, mag es dabei sein Bewenden be- halten.— Wegen der Abfindung des Personals der freiwilligen Krankenpflege siehe Anhang der Kriegs-Besoldungsvorschrist. Die„Noröö. /Mg. Atg/ gegen Sie„Deutsche Tageszeitung'. Berlin, 21. Juni. Die„R o r d d e n t f ch c Allgemeine Zeitung" schreibt: „In der„Deutschen Tageszeitung" wird feit einiger Zeit fast täglich eine leidenschaftliche Kampagne geführt, in der mehr oder minder offen in dem Tone der Eingcwcihthcit den Lesern die Augen über die angeblichen Gefahren geöffnet werden sollen, die dem deutschen Ansehen im allgemeinen und der energischen Kriegführung gegen England im besonderen durch eine schlappe Haltung der 3!c- gierung in den bekannten Differenzen mit Amerika wegen des N-BootkriegeS drohen sollen. Auf der einen Seite wird der Anschein erweckt, als ob amtliche Kreise um des lieben Friedens mit Amerika willen daran dächten, die Ucberlcgenhcit der deutschen Tauchboot- Waffe preiszugeben, auf der anderen Seite scheut man nicht vor der Torheit der Behauptung zurück, daß die Vermehrung der Zahl unserer Feinde durch die Bereinigten Staaten eine ganz gleich- gültige Sache wäre. In der heutigen Montagönnmmcr versteigt sich die„Deutsche Tageszeitung" zu kaum mch» verhüllter Ver- spottung deö in den deutschen Noten an Amerika ciugenomlncncn Rechtsstandpunktes und zu einem persönlichen Angriff auf den leitenden Staatsmann. Die Männer, die die Verantwortung tragen, Gefahren und Bortcile gegeneinander abzuwägen haben, werden nicht dadurch berührt, wenn ihnen direkt oder in allerlei Umschreibungen Klein- mnt, Schlappheit oder Rückenmärkertum vorgeworfen wird. Sic wachen vollen Anspruch auf die Gefühle der nationalen Kraft und Würde, die der Marinemitarbciter der„Deutschen Tageszeitung" allein zu vertreten glaubt. Ein solches Treiben ist lediglich geeignet, der Kaiserlichen Regierung die Aufgabe zu erschweren, bei Erledigung des Streit- Punktes mit Amerika nicht nur die Kampfkraft unserer Waffen zn erhalten, sondern auch schädigende Rückwirkungen auf die politische Gcsamtsituation zu vermeiden. Im Interesse der Landes- Verteidigung wie der auswärtigen Politik muß erwartet werden. daß diese mit leeren Gerüchten und unpolitischen Gefühlen d:r Entrüstung arbeitende Propaganda ein Ende nimmt. Letzte Nachrichten. Die Kämpfe in Marokko. Köln, 21. Juni.(T. U.) Nach einem Madrider Brief der,„Köln. Zairung" dauern in Französisch-Marokio die Unruhen an. Nach- richten auS Rabat melden neue schwere Kämpfe zwischen Eingc- borenen de» Garb und französischen Truppen, die unter Führung des Obersten Simon einen heftigen Widerstand zu überwältigen hatten, um die Marokkaner �aus ihren Stellungen zu verdrängen. Tie Franzosen wollen nur fünf Tote und neun Verwundete gehabt haben, jedoch sprechen Mitteilungen aus dem Innern von ganz de- trächtlichen französischen Verlusten. Verlustlisten. Die Berkpstliste Nr. 254 der preußischen Armee enchcilt Verluste folgender Truppen: Feldgendarmerietrupp des XXXIX. Reservekorps. Infanterie usw.: Garde: 4., 3., 4. und S. Garde-Regiment z. F.; I. Garde-Reserve-Reginieirt; 1. Garde-Ersatz-Regiment; Grenadier- Regiment Alexander; Garde-Füsilier-Regiment. Lehr-Jnfanterie- Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie-, bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 2, 3, 4, 6, 10, 11, 16, 23, 24, 31, 33, 34, 44, 46, 53, 56, 57, 58 ff. auch Jnf.-Regt. Nr. 331 st 61. 62, 63, 65. 66, 67, 70, 71, 73, 76, 77. 78, 7g, 81, 86, 87, 89. 91, 93 bis einschl. 99, 109, 110(s. auch Jnf.-Regt. Nr. 112), 112, 113, 116, 117, 129, 130, 132, 137, 138, 141, 142, 145, 148, 150, 151(f. auch Feldsliegertruppe), 152, 153, 154(f. auch Jnf.-Regt. Nr. 331), 155, 157, 158, 160, 161, 165, 168, 169, 174, 175, 176, 330, 331, 332, 334. Reserve-Jnfanterie-Regi- menter Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8, 15, 16, 19(f. auch Jnf.-Regt. Nr. 332), 20. 21, 22, 24, 26, 31, 32, 34. 35, 38, 46, 55. 56, 61. 65 bis einschl. 69, 71. 75, 76, 77, 78. 81, 82, 87, 88. 90. 94, 98, 99, 110, 216, 219. 222. 223, 227, 233, 235, 236, 252, 253, 254, 257, 258, 260, 261, 263. 264, 266, 271. Landwehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 4, 18, 19 ff. auch Jnf.-Regt. Nr. 331), 21. 22. 24. 32, 43. 51. 52(s. Jnf.-Regt. Nr. 334), 61, 66, 76 ff. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 69), 78. Landwehr-Ersatz- Jnfanterie-Regimcnter Nr. 1 und 5. Landsturm-Jnfanterie-Regi- ment Nr. 115. Besatzungs-Negimenter Nr. 2, 3, 5, 7 Posen siehe Jnfanterie-Regimenter Nr. 330, 331. 332, 334. Uebcrplanmäßiges Landwehr-Jnfanterie-Bataillon Nr. 1 des 4. Armeekorps. Brigade- Ersah-Baiaillone Nr. 9, 10. 11, 16. 18, 19, 20, 22. 28. 24, 25, 26. 27, 28, 42, 43, 76, 83. Landwehr-Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 11 >s. Landw.-Ers.-Jns.-Regt. Nr. 5), 27 fs. Landw.-Ers.-Jnf.-Negt. Nr. 1). Landsturm-Jnfanterie-Bataillone 2. Aachen(s. Jnf.-Regt. Nr. 330), I Cassel(f. Landst.-Jnf.-Regt. Nr. 115), III Frankfurt a. C., 1 Hagenau, Mainz(f. Landst.-Jnf.-Regt. Nr. 115), 2. Posen(V. 2.). 2. Sandsturm- Infanterie- Ersatz- Bataillon des 20. Armeekorps. Jäger-Bataillone Nr. 7, 11; Reserve-Jäger-Bataillone Nr. 8, 11, 18, 24. Rescrve-Radfahrer-Nompagnie Nr. 78. Fei'rungS-Maschinen- gewehr-Abteilung Nr. 8 fs. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 78); Reserve- Festungs-Maschinengewchr-Abtcilung Nr. 7; Feld-Maschinengewehr- Züge Nr. 94 fs. Jnf.-Regt. Nr. 57), 108 fs. Jnf.-Regt. Nr. 132), 116 (f. Jnf.-Regt. Nr. 77). Kavallerie: Garde- Kürassiere; Garde- Reserve-Dragoner; J. Garde-Ulanen; Kürassiere Nr. 1, 2, 8; Dragoner Nr. 18;'Husaren Nr. 13; Reserve-Husaren Nr. 5; Ulanen Nr. 7 fs. Kav.-Regt. v. Flo- tow), 9; Jäger zu Pferde Nr. 2; Regimenter v. Flotow und Schröter; 1. Landwehr-Eskadron des 14., 3. des 20. sowie 4. Landsturm-Eska- dron des 5. Armeekorps(letztere s. Kav.-Regt. Schröter); Reserve- Abteilung Nr. 82. Feldartillerie: 2. und 6. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 11, 18, 21, 57, 61. 63. 71, 79, 83, 237; Reserve-Regiment Nr. 68. Fußartillerie: Regimenter Nr. 2, 4, 9, 10, 13, 18; Reserve-Regimenter Nr. 2, 3, 4, 9, 18, 25; Reserve-Bataillon Nr. 26. Pioniere' Regiment Nr. 25; Bataillone II. Nr. 2, I. Nr. 6, I. Nr. 21, II. Nr. 26, I. und II. Nr. 27. Scheinwerferzug Nr. 237. Berkehrstruppen: Ersatz-Fernsprechzug der 4. Landwehr-Divi- sion. Funkerkommando Nr. 12. Feldfliegertruppe. Garde-Rcservekorps-Brückentrain. Munitionskolonnen: Jnfanterie-Munitionskolonne Nr. 1 des 17. Armeekorps und Reserve-Jnfanterie-Munitionskolonne Nr. 35 des 7. Armeekorps. Reserve-Sanitäts-Kompagnie Nr. 12 des 8. Reservekorps. Armierungs-Bataillone. -i-»e- Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 193 bringt Verluste des 5., 9. und 11. Feldart.-Regt.; Res.-Feldart.-Regimenter Nr. 1, 6; 1. Fußart.- Regt. München; Res.-Fußart.-Regt. Nr. 1; Landwehr-Fußart.-Bat. Nr. 2; Pionier-Rcgt.; Mittlere Minen- Iverfer-Abt. Nr. 104; 2. Pionier-Bataillon; Armec-Telegraphen- Avteilung; Res.-Pionier-Bat. Nr. 3, 4; 2. Pionier-Ersatz-Äomp. des 1. Pionier-Bat.; Armierungs-Bat. N. 1; Res.-Munitionskolonnen Abt. Nr. 5; Sanitäts-Komp. I des 3. Armeekorps; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Die bayerische Verlustliste Nr. 194 bringt Verluste des 1., 3., 6., 9.. 13., 14., 15., 16.. 17.. 18.. 19., 20., 21.. 22. Jnf.-Regt. Die württe in bergische Verlustliste Nr. 206 enthält Ver- luste des Brig.-Ersatz-Bat. Nr. 52; Grenadier-Regt. Nr. 119; Inf.- Regt. Nr. 120, 121; Res.-Jnf.-Regt. Nr. 121; Landwehr-Jnf.-Regt. Nr. 124; Jnf.-Regt. Nr. 180; Res.-Feldart.-Regt. Nr. 54; l. Ersatz- abteilung d. Feldart.-Regt. Nr. 65; 1. Feld-Pionier-Komp.; 3. Feld- Pionier-Komp.; Pionier-Komp. Nr. 118; 1. Res.-Pionier-Komp.; 1. Landw.-Pioiiier-Komp.; Armierungs-Bat. Nr. 59; Verluste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Soziales. Tie Rente des Einäugigen. Der minderjährige Dreher T. erlitt als Lehrling am 28. Ok- tober 1910 einen Betriebsunfall, der den Verlust der Sehkraft auf dem rechten Auge zur Folge hatte. Die Nordöstliche Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschast ge- währte hierfür eine Rente, von 30 Proz. Durch Bescheid vom Dezember 1913 wurde diese Rente auf 25 Proz. herabgesetzt, weil in den drei Jahren, die seit dem Unfall verflossen sind, eine Ge- wöhnung an das einäugige Sehen eingetreten sei. Wenn auch das verletzte Auge noch einen schleimigen Sekret absondere, so sei doch das linke Auge gesund. Die jetzige Abschätzung der Unfall- folgen entspräche der Rechtsprechung. Diese Gründe der Genossenschaft wurden durch Berufung beim Kgl. Oberversicherungsamt Dortmund angefochten. T. behauptete, daß das linke Auge in Mitleidenschaft gezogen sei. Die Berufung wurde zurückgewiesen, indem auch das Ober- Versicherungsamt erklärte, daß das Reichsversicherungsamt für den Verlust eines Auges nach Ausheilung und Wiedererlangung des Tiefeneinschätzungsvermögens eine Rente von 25 Proz. gewähre. Es sei also Gewöhnung anzunehmen. Das Oberversicherungsamt hielt deshalb ausnahmsweise eine Kürzung der Rente um 5 Proz. für zulässig. Anders das RcichSversicherungsamt, an das Rekurs einzulegen in diesem Falle möglich war, da es sich um die erstmalige Fest- setzung der Dauerrente handelte. Auch das Reichsversicherungsamt hielt eine gewisse Anpassung und Getvöhnung für vorliegend, sowie daß der Kläger ein besseres Tiefeneinschätzungsvermögen erlangt habe. Mit Rücksicht darauf, daß der Kläger den Unfall als Dreher- lchrling erlitten hat und zur Ausübung dieses Berufes ein be- sonders gutes Sehvermögen erforderlich ist, konnte aber in den eingetretenen Veränderungen eine wesentliche, die Erwerbsfähig- keit des Klägers erheblich erhöhende Besserung nicht erblickt werden. Die Genossenschaft wurde zur Weiterzahlung der 30prozentig«n Rente verurteilt. Während in früheren Jahren das Reichsverficherungsamt beim eingetretenen Dauerzustand beim Verlust der Sehkraft aus einem! Auge eine Rente von 25 bis 33)4 Proz. für notwendig zu zahlen erachtete, werden jetzt 25 Proz. für genügend angesehen. Die Rechtsprechung hat sich hierbei verschlechtert. Nur in Ausnahme- � fällen wie dem vorliegenden, wenn es sich um besonders qualifi- zierte Arbeiter handelt, die durch ihren Beruf auf gutes Sehver- mögen angewiesen sind, werden Ausnahmen gemacht. Trotzdem unternehmen die Genossenschaften auch in derartigen! Fällen immer wieder den Versuch, unter dem vom Reichsversiche- rungsamt für notwendig gehaltenen Prozentsatz der Rente herab- zugehen. Wir halten eine Rentcnkürzung bei Einäugigen überhaupt für unerhört. Einäugige verlieren unter allen Umständen die Fähigkeit des körperlichen Sehens und sehen die Umwelt nur flächenhaft. Es ist optisch unmöglich, diese Fähigkeit des körper- lichen Sehens und damit der Tiefeneinschätzung mit nur einem Auge wiederzuerlangen. Manjollw über dkese Frage nicht einen Arzt, sondern einen optischen Sachverständigen zu Rate ziehen, ob- gleich schon dem Laien die Betrachtung einer gewöhnlichen Photo- graphie und einer Stereoskopausnahme desselben Gegenstandes die Richtigkeit dieser Darlegung handgreiflich beweist. Tas Engagement der Zirkusmnsiker. Elf Musiker, die in der Kapelle des Zirkus Siosch-Sarrasini. ge- spielt hatten, als dieser in Berlin gastierte, klagten beim Gewerbe- gericht auf Artschädigung wegen vorzeitiger Entlassung. Wie die Kläger angaben, sind sie auf der Musikerbörfe in der Rosenthaler- straße durch die beiden Kapellmeister engagiert worden. Die Kläger wollten die Stellung erst nicht annehmen, weil sie meinten, die Be- schäftigung werde nur von sehr kurzer Dauer sein. Diese Be- sürchtung beseitigte einer der Kapellmeister, indem er den Klägern versicherte, ihre Beschäftigung werde mindestens sechs Wochen, viel- leicht noch länger dauern, denn der Zirkus werde mindestens sechs Wochen in Berlin bleiben. Unter dieser Voraussetzung nahmen die Musiker das Engagement gegen eine Mouatsgage von je 125 M. an. Die Beschäftigung währte nur einen Monat, denn das Ber- liner Gastspiel des Zirkus, welches Anfang April begann, war am 3. Mai zu Ende und die Musiker wurden entlassen. Sie bean- spruchten jetzt Zahlung eines Halden Monatsgehalts.— Daß ihnen der Kapellmeister beim Engagement eine Beschäftigungsdauer von mindestens sechs Wochen zugesagt hat, wurde durch fünf Zeugin, die der Verhandlung auf der Mnsikerbörse beigewohnt haben, vor Gericht bestätigt.— Die beiden Kapellmeister, die außerhalb kom- missarisch vernommen wurden, haben dagegen ausgesagt, sie hätten den Klägern nicht versprochen, daß sie mindestens sechs Wochen be- schäftigt werden, sondern gesagt, das Engagement gelte für die Zeit des Berliner Gastspiels, welches vier Wochen, vielleicht auch langer dauern könne. Das Gericht hielt durch die Zeugenaussagen für erwiesen, daß den Klägern beim Engagement eine Beschäftigungsdauer von sechs Wochen versprochen wurde und daß sie nur unter dieser Voraus- setzung das Engagement angenommen haben. Die Kapellme'äer werden die Beschäftigungsdauer, die für die Zeit des Berliner Gastspiels gelten sollte, den Klägern gegenüber länger angegeben haben, als sie jetzt zugeben. Aus diesen Gründen wurde die Zirkus- direktion verurteilt, jedem der Kläger 50 M. Entschädigung zu zahlen. Ueber die Todesursachen bei den im Jabre 1913 in Preußen Gestorbenen und den Anteil der Krankheiten an der Gesamlsterblichkeit veröffentltchl das Königliche Statistische Landesamt in der.Stal. Korr."' Uebersilbten, nach denen im Jahre 1913 in Preußen insgesamt 620 455 Personen gestorben find. Bon je 10 000 Einwohnern starben, in der Reihenfolge nach der Hxhe der Sterbeziffern geordnel, an Krankheiten der Verdauungsorgme 17,39 fim Vorjahre 1912 15,94), an Altersschwäche 15,71(17,37), an Krankheiten der Kreislouforgane 15,09(15,44), an Tuberkulose 13,65(14.58), an Lungenentzündung 12,03(13,48), an Gehirnschlag und anderen Krankheiten des Nervensystems 10,31 (10 57), an angeborener Lebensschwäche und Bildungsfehlern 10,25(10,55), an Krebs und anderen Neubildungen 8,24(8.15), an Krankheuen der Almungsorgane ohne die berens genannten 7,85 (8,69), durch Verunglücknng oder andere gewaltsame Einwirkung 406(4,07), an Krankheilen der Hain- und Gefcblechlsoraane 2,87 (2,86), infolge Selbstmordes 2,21(2,12), an Keuchbusten 1.89(2,31). an Tiphlherie und Krupp 1,81(2,04), an Masern und Röteln 1.75 (1,46), an Scharlack, 1,08(1,04), im Kindbell 0,96(0,99), an Rose und auderen Wundinfekiionskrankheilen 0,92(0,97), an Influenza 0.72(1,12), an Tyvhns 0,34(0,88), an anderen übertragbaren Krankdeiien 0,34 f0 33), durch Mord und Totichlag 0,2l(0,20). an übertragbaren Tierkrankheiten 0,01(0,01), an anderen benannten Todesursachen 15,89(16,30). an nicht angegebenen und unbekannten Todesursachen 3,39(3,94). Der Verband schweizerischer Konsumvereine hielt in Lausanne seine Jahresversammlung ab, aus der es etwas kritisch zuging. Die Preßorgane des Verbandes haben gegen die Teucrungsdemon- strationen der Arbeiterschaft Stellung genommen, diese wichtige Aktion der sozialdemokratischen Partei gewissermaßen durchkreuzt, was natürlich die verurteilende Kritik der Parteipresse heraus- forderte. In einem Teil dieser Presse ist auch an der Praxis des, Konsuntverbandes, aus seinen Unternehmungen große Ueberschüsse herauszuwirtschaften und starke Äapitalanhäufungen zu macbcn, statt auf die Niedrighaltung der Warenpreise zum Nutzen der orga- nisierten Konsumenten bedacht zu sein, scharfe Kritik in dem Sinne geübt worden, daß sich da mehr kapitalistische als genossenschaftliche! Tendenzen geltend machen und eine Entartung des Genossenschaftswesens drohe. In der Delegiertenversammlung in Lausanne wandte sich gegen diese Kritik der Präsident der Ver- waltungskommission des Verbandes. Nationalrat I ä g g i, und wies sie als unbegründet zurück. Es gab aber darüber eine lange Diskussion. Genosse Jäggi stellte wegen seiner teilweisen Nicht- Übereinstimmung mit der Praxis der sozialdemokratischen Partei die Niederlegung seiner politischen Mandate in Aussicht. AuS dem Jahresberichte des Verbandes ist zu entnehmen, daß im Jahre 1914 die Zahl der diesem angehörenden Konsumvereine von 337 im Jahre 1913 auf 396, die der Mitglieder von 261 948 in 359 berichtenden Vereinen aus 276 431 in 378 Vereinen, also um 14 453 gestiegen ist. Die Zahl der Läden stieg von 1287 auf 1375, der Gemeinden mit Läden von 605 aus 664 und der An- gestellten von 4858 auf 5303. Der Umsatz vermehrte sich um 12 319 064 Fr. aus 143 650 971 Fr., die summe der Rück- Vergütungen um 335 163 Fr. aus 8 986 500 Fr., das Genossen-. schaftsvermögen um 771 457 Fr. auf 11 741 173 Fr., der ein- gezahlten Anteilscheine um 381 091 Fr. auf 5 043 334 Fr., der Steuern und Patente um 29 966 Fr. auf 639 277 Fr., der Durch- schnitt sumsatz pro Verein um 14 022 Fr. aus 380 029 Fr., pro Laden um 24Ä Fr. auf 101 473 Fr. und pro Mitglied um 18,29 Fr. aus 519,66 Fr. Fortschritt ist demnach aus der ganzen Linie zu verzeichnen, aber die Weiterenlwickluna würde eine be- deutendere gewesen sein, wenn der Krieg nicht eingetreten wäre.. Einmütig stinrmte die Lausanner Dclegiertenversammlung einer F.r i e de n s r e s o l u t i o n zu, die ihr schmerzliches Be- dauern über den Krieg ausspricht und sodann dem heißen Wunsche Ausdruck gibt, daß er rasch durch einen dauernden und.gerechten' Frieden beendet werden möchte, für den Männer und Frauen der kriegführenden wie der neutralen Länder zusammenwirken sollten. Im Hinblick aus die zum großen Teil wirtschaftlichen Ursachen des Krieges weisen die schweizerischen Genossenschafter auf die Notwendigkeit hin, eine den Ausbruch weiterer Kriege ver- unmöglichende Wirtschaftsordnung herbeizuführen. Und dann schließt die Resolution:„Bei dieser wirtschaftlichen Neuordnung mitzuwirken ist daS Genossenscbaitswesen in hervorragender Weise berufen, da eS die wirtschaftliche Demokratie sich als Ziel setzt und das friedliche Einvernehmen aller Völker verwirklichen wird. Deshalb wenden sich die schweizerischen Genossenschafter mit dem dringenden Appell an die Genossenschafter und edel- denkenden Menschen aller Länder, mit ganzer Kraft und ohne Unterlaß für die Stärkung der GcnossenschastSbewcgung zu wir- ken, damit durch sie auf dem ganzen Erdenrund in kürzester Frist das Reich der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Friedens errichtet werden kann." K' Unserem Genossen 36A | Gustav Jänsch mw Fiau Sk zur heutigen Silberhochzeit die M besten Glückwünsche. Äs Die Genossen des 757. Bezirks, ® 13. Abteilung. � 6. Berl. Reichslagswahlkr. G i. i 4. BerLRelehstagswaMkreis. F rankfurter Viertel. Bez. 254. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß wijer Genosse, der Eastwm l�einkold Wicke Schillmgstr. 21/22 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwach, den 2Z. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der HaSe des Georgen-Kirchhoses, Weißen- see, aus statt. I Um rege Beteiligung ersucht 001» VwI'StSIKck. ZeliMveitoil der HaseWnisten ii. Heizer sowie Msg. Deutsch!. Geschäftsstelle GroB- Berlin. Am Freitag, den 18. Juni, verstarb unser Mitglied Fritz Heise (Bezirk Gesundbrunnen). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 22..Juni, nach- mittags o'U Uhr. von der Halle des Elisabelh-Kirchhoses, Prinzen- all«, aus statt. Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und treusorgender Bater, der Gastwirt 77A l�einliold Wicke am 19. Juni, abends 9 Ubr, nach kurzem schweren Leiden sonst ent- schlafen ist. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an Witwe Harle Wicke nebst Kindern, Schilling irr. 21 Die Beerdigung findet am Mlt- woch, den'23. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirchhoses in Weißensee aus statt. Biel zu früh, in der Blüte seines Lebens, verstarb am 15. Juni mein unvergeßlicher Freund LslMUl LedoenM imMilitärkrankenhaus zuKottbus. In tiefer Trauer .£.uim Ohlmeyer, Neukölln. Mensch sein, heißt Kämpfer sei» k Allzu früh und fern von der Heimat fiel am 5, Juni als Opfer des Welltricges, im 22. Lebens- jähre, unser unvergeßlicher Freund Bnino Hermann Mobil.-Ets,-Reg. Königsberg Nr, 1. Ihm der Friede, Uns der Schmerz. 1924b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung nicines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen daran Beteiligten, insbesondere dem Deutschen Metall- arbeiter-Vetband, unseren herzlichsten Dank. 19SAb Hedwig Aüenroth und Kinder. k. d.D. DeriJetiistagswatilkreis. 2. Abt Bez. 501. Am Freitag, den 18. Juni, ver- starb unsere Genossin kirm Neumann Kremmener Str. 13. Ehre ihrem Andenken? Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 22, Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des städliichen Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 226/1 Ter Vorstand. Am 7. Mai fiel bei einem Sturm- angriff mein lieber Bruder, der Wcbrmann Emil KHche. Im treuen Andenken Paul«lichc. 72A Familie Peters. Allzu früh und fern von seinen Lieben fiel unser herzensguter, unvergeßlicher Sohn und Bruder, Neffe und Cousin, der Grenadier Alfred Kraatz Leib-Gren.-Reg. Nr. 8, 6. Komp,, im blühenden Wer von 22 Jahren. G!e tietbetriibten Bitern, Gesclmister und Verwandten. Dir der Friede, 63A uns der schmerz. ■Sam /Aromalssenzefe Offo, Reichel FAMpl�Sl Cisenbahslr. wonnenen Positionen zurückzudrängen, die in allen Familien uw erwarteterweise eingetretenen erhöhten Erforderniffe für den Lebens- unterhalt, und durch den ganzen im Leben der Partei und des Proletariats sich geltend machenden anormalen Zustand; im Hinblick ferner darauf, daß diese veränderte Lage die Partei unter fortwährender Beobachtung ihres Programms zu spezieller Stellungnahme veranlaßt und der Klassenkampf nie einen Unter bruch erlitt oder erleidet, vielmehr gerade in dieser außerordentlichen Zeit sich regt; daß ferner jederzeit, jedoch ganz speziell zu Kriegszeilen, die Tätigkeit der Partei im Einklang mit derjenigen ihrer besonderen Organe, der Parteileitung, der Abgeordneten, der Presse sich ge stalten muß; in Erwägung all dieser Momente erinnert der Parteivorstand die Sektionen und die Genossen daran, daß die Partei bisher un unterbrochen und mit Einigkeit den festen Borsatz bekundete, das strikteste Klasseninteresse in ihrer Tätigkeit aufrechtzuerhalten. Die Parteileitung beschließt deshalb: 1. Fernerhin die Propaganda für unsere Parteigrundsätze zu entfalten; 2. die in unserer Partei liegenden Kräfte zu organisieren, um der sich erhebenden Reaktion die Stirn zu bieten; 3. den politischen Vereinen und Gewerkschaften an die Hand zu gehen und ihre Haltung und Entwicklung zu überwachen; 4. die unmittelbaren Interessen der zum Krieg gezwungenen Arbeiter zu verteidigen; ö. zu fordern, daß die durch die Verhältnisse verursachten er- höhten Lasten von den besitzenden Klassen zu tragen seien, und ferner, daß die Hilfsaktion nicht im Sinne von'unzulänglichen Armsnunterstützungen durch selbständige private Kommissionen organisiert werde, sondern als eine Pflicht des Staates. Auf Grund dieser Gesichtspunkte ersucht die Parteileitung die Sektionen aller Ortschaslen, Ausschüsse zu konstituieren zum Zweck der Unterstützung, der Beratung und Verteidigung der Gewerkschaften. den Zusammenhang— mehr als bisher— mit den Arbeitern und ihren Familien zu suchen, so weit als nur möglich die Grund- sorderungen des Sozialismus zu verbreiten und den ausgesäten Haß von Volk gegen Volk, Rasse gegen Rasse, einzudämmen. Die Unterstützungskommissionen betreffend erinnert die Partei- leitung an folgendes: ») In den Ortschaften, wo die Sozialisten die Majorität haben, sind Ausschüsse zu organisieren zur Unterstützung der Kriegsopfer, ferner zur Lebensmittelfürsorge, zum Ankauf von Getreide, zur Er- Mäßigung der Miete, für Lohnerhöhung, für Schlichtung von Streit- fällen, Einrichtung von Wohnungsfürsorge, bessere Maßregeln zum Schutz der Witwen und Waisen: alles das immer unter Wahrung der Parteigrundsätze, aber zugleich im Sinne eines allgemein mensch- lichen Liebeswerkes: Ks in den nichtsozialistischen Gemeinden oder wo die Genossen in Minderheit sind, können sie anderen IlnterstiitzungZkommissioncn auf deren Einladung hin beitreten, unter dem Vorbehalt des Ein- Verständnisses der betreffenden sozialistischen Sektion, und sosern sie ihre Verantwortlichkeit ablehnen im Falle von Handlungen, die unseren Parteiprinzipieu zuwiderlaufen sollten: es dort, wo die Kommissionen für die Hilfsaktion nicht in der Mehrheit aus Sozialisten bestehen, sollen unsere Sektionen Kontroll- kommissionen bilden zur Verteidigung der Arbeiterinteressen, sei es bei den Unterstützungskommissionen direkt oder bei den Behörden. Die Parteileitung ist schließlich überzeugt, daß die Sektionen und die Genossen ausnahmslos jene klassenbewußte Disziplin und den Zusammenschluß beobachten werden, die der Partei ermöglichen, der durch den Krieg geschaffenen Lage mit Kraft und Festigkeit zu begegnen."_ politische Ueberflcht. Der ausgeschaltete Reichstag. Herr von Gerlach beschäftigt sich in der„Welt am Montag" mit der politischen Bedeutungslosigkeit deS Reichs tagcs während des Krieges. Während in fast allen anderen kriegführenden Staaten— einschließlich Ungarn; nur Oester reich macht eine Ausnahme— die wesentlichen Fragen der inneren und äußeren Politik, selbst Maßnahmen der Krieg führung, der parlamentarischen Kontrolle unterliegen, be gnügt sich der Deutsche Reichstag bescheiden mit einer Statistenrolle: „Es fällt mir nicht ein. etwa der R e g i e r u n g daraus einen Vorwurf zu machen, daß seit dem Sommer 1S14 die Tagungen des Reichstages eigentlich nur eine Serie von Ver tag» n gen darstellen. Volenti iion fit injuria I Die Mehrheit deö Reichstages hat es ja selb st so gewollt! Während der preußische Landtag aufS zäheste um jede Woche des Zusammenbleibens gekämpft und sich so einen erheblichen Einfluß auf den Gang der Politik während des Krieges— wahrlich nicht in einem mir erwünschten Sinne!— gesichert hat, beschied sich die Reichsvcrtretung selbst mit einer bloßen Stalistenrolle. Sie beschränkte sich inr wesentlichen auf das Geld- bewilligen und die dekorative Einrahmung von M i n i st e r r e d e n." Die Arbeiten in der Budgetkommission litten darunter, daß unseres Erachtens in den nieisten Fragen völlig unnötig über sie der Schleier des Geheimnisses gebreitet wurde und ihre Tätigkeit auch zeitlich zu beschränkt war, als daß eine wirkliche Kontrolle der Regierung hätte stattfinden können. Herr v. Gcrlach zeichnet die äußerst gefährliche Wirkung dieses Zw ftandes durchaus richtig, wenn er schreibt: „Das ist schlimm für die innere Politik. Da§ kann ver- hängnisvoll für die auswärtige Politik werden. Wenn der Reichstag sich selbst ausschaltet, so fehlt für die Regierung jede Möglichkeit, authentische Kenntnis von dem Volkswillen oder vielmehr von den verschiedenen Willen? richtungen im Volk und der Stärke jeder einzelnen zu erhalten. Volksversammlungen sind verboten. Die Presse steht unter Zensur. Alle Möglichkeiten sind dem Volt genommen, frei und offen und unter der Konirolle der Oeffentlichkeil seine Meinung zu äußern. Nur kleine Cliquen können hinter den Kulissen und auf Hintertreppen unverantwortlich für ihre oft unverantwort- liche Politik Stimmung machen und Einfluß zu gewinnen suchen. Das scheint mir ein unerwünschter, ja ein sehr gefährlicher Zustand..." Selbst wenn es sich um vernünftige Zwecke handelt, eo scheint es uns unwürdig, daß die Vertreter des Volkes auf die Hintertreppe zu den Ministerien angewiesen sein sollen, uni ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Unverbindliche Besprechungen zwischen Regierung und Parteien können nie die verantwortliche Zusammenarbeit auf parlamentarischem Boden ersetzen, wo auch den Parteien gewisse Machtmittel gegenüber der Regierung zu Gebote stehen. Herr von Gerlach vermißt diese Zusammenarbeit mit vollem Recht vor allem in der Frage deS Kriegsziels und des Friedens. Heute interessieren uns alle die Fragen: „Wie steht es mit den augeblichen Abmachungen zwischen unS und Rumänien? Wie soll die Antwortnote an Amerika lauten und welche Form soll künftig unser Unter seebootskrieg annehmen? Befinden wir uns eigentlich im Krieg mit Italien oder nicht? Was soll gegenüber Holland geschehen, wenn dort eine in deutschen Gauen gehaltene Rede die größte Aufregung hervorruft, so daß der Rüstungseifer aufs äußerste äuge- spornt und sogar in früher nicht deutschfeindlichen Zeitungen Mißtrauen gegen uns geäußert wird? WaS machen wir zweckmäßigerweise, wenn die großen Wirtschaftsverbände, wie der Bund der Landwirte und dcr Zentralvcrband deutscher Industrieller ein extremes Annexionsprogramm verbreiten, das unsere Feinde zu den wildesten Kraftanstrengungen veranlassen niuß?... Die Hauptsache ist die Erreichung eines guten Friedens. Denn über eins sind wir uns wohl einig: wer uns zu einem ungünstigen Frieden drängt, begeht eine Sünde an unserem Volk. Einer ebenso großen Sünde aber macht sich schuldig, wer in dem Augenblick, wo uns ein ehrenvoller Friede möglich ist, ihn durch übertriebene Forderungen auch nur um einen Tag hinausschiebt." In der Tat ist es unglaublich, daß das Parlament, das bisher die gesamten Kriegskostcn(allein 20 Milliarden Kriegs- kredite) bewilligt hat. nichts tut, um sich zu vergewissern, wie und zu welchem Zweck und wie lange diese Ausgaben gc- macht werden._ Die„Deutsche Tageszeitung" verboten. Der Verlag der„Deutscheu Tageszeitung" teilt mit, daß das Erscheinen dieses Blattes wegen eines Artikels in der Montagausgabe bis auf weiteres untersagt ist. Monopolbestrcbungcn in der Zuckerindustrie. Die Zuckerproduzenten haben die Absicht, durch Gesetz eine Einschränkung des Zuckerrübenanbaues und der Zucker- erzeugung herbeizuführen. Genaueres ist über diese Pläne noch nicht bekannt geworden. Dagegen liegt eine Entschließung des Vereins der am Zuckerhandel beteiligten Firmen in Hamburg vor, die sich gegen diese Absicht wendet:„Der Verein ist der Ansicht, daß die von den deutschen Raffinerien geplanten Schritte zur «erbeiführung einer gesetzlichen Einschränkung der deutschen uckerproduktion auf dem Umfang des deutschen Konsums eine schwere Schädigung der deutschen Zuckerindustric, der deutschen Zucker verarbeitenden Industrie, des Zuckcrhandels und der Konsumenten bedeute. Der Verein erhebt warnend eine Stimme hiergegen und bittet alle Kreise der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft und des Konsums, ihn im Kampfe gegen das Projekt zu unterstützen. Jeder Absicht, die Zuckerpreisc für die Konsumenten hoch- zutreiben, muß natürlich entschieden entgegengetreten werden. Die Brennereien dürfe» unbeschränkt Kartoffeln ver- arbeiten. Dem Verlangen der Spiritus- und Branntweinbrenncr. die jetzt noch anscheinend im Ileberfluß vorhaudcucn Kartoffeln zu Brc n»zwecken unbeschränkt verarbeiten zu dürfen, bat die Regierung recht bald Rechnung getragen. Ter Bundesrat hat fol- gcnde Verordnung erlassen: 1. Brennereien jeder Art dürfen bis einschließlich Ib. August llllö Kartosfclu verarbeiten, ohne daß ihnen hieraus für die künf- tige steuerliche Behandlung ein Nachteil entsteht. Diese Kartoffel- Verarbeitung gilt insbesondere für Brennereien, die bisher andere Stoffe verarbeitet haben, nicht als Bctricbswcchsel im Sinne der Branntweinstencrgcsctze. 2. Der in der angegebenen Zeit aus Kartoffeln gewonnene Branntwein ist ohne Einhaltung einer be stimmten Erzeugungs- grcnze als innerhalb deS Durchschni itsbrandcs hergestellt zu de- handeln. Der von der einzelnen Brennerei über den ihr auf Grund der Verordnungen vom 15. Oktober 1914 und 4. Februar 1915 zugewiesenen Durchschnittsbrand hinaus hergestellte Bräunt- wein ist aber als Ueberbrand anzusehen, wenn zu seiner Er- zcugung neben Kartoffeln nixh andere Rohstoffe verwendet wor- den sind. Jetzt können also gewaltige Ouanicn von Kartoffeln zu Spin- jus verarbeitet werden, während noch vor kurzem das Volk für schweres Geld und gute Worte dieses notwendige Nahrungsmittel nicht kaufen konnte.__ Zur Interpellation über die Kriegsgetrcidegescllschaft. In der letzten Sitzung des prcußiscbcn Herrenhauses wurde eine Interpellation über die Kriegsgetreidegcscllschast, vom Ober- bürgermeister Mermuth eingebracht, wieder zurückgezogen, lieber die Interpellation, wie über deren Zurücknahme gibt nun eine Parlamentskorrespondenz, so berichtet das„Berliner Tageblatt, folgenden Auffchluß: „Die Kriegsgetreidegesellschaft ist bekanntlich im Dezember v. I. auf privatrechtlicher Grundlage errichtet worden. Sic� ist jetzt von der Regierung gehört worden, weil sie als Erwerbsgesell» schaft natürlich sich auch selbst darüber äußern muß, ov sie bei einer etwaigen Acnderung ihrer Grundlagen weiterbestehen könne oder nicht. Hierbei hatte die Kriegsgetreidegesellschaft Gelegen- heil, sich davon zu überzeugen, ob sie auch künftig eine gedeihliche Wirksamkeit werde cntfalteu können. Die sehr weitgehenden An- träge des Deutschen Landwirtschaftsrates hatten die schwere Be- fürchtung erweckt, cS würden die städtischen Verbraucher von der Mitarbeit an der nächstjährigen Versorgung der Bevölkerung mit Getreide so gut wie ausgeschlossen werden. Das ist nach den nun- mehr festgestellten Absichten des Bundesrates, wie mit Zuversicht angenommen werden darf, offenbar nicht der Fall. ES handelt sich für die städtischen Verbraucher vor allen Dingen darum, daß nicht die ländlichen Bezirke mit ihrem Ge- trcide derart frei schalten und walten können, daß dadurch Ungleich- Mäßigkeiten zwischen der städtischen und ländlichen Bevölkerung entstehen; denn dann würde eine gleichmäßige Verteilung auch innerhalb der Städte, die unbedingt ans dem Grundsatz gleich- mätziger Gerechtigkeit für jeden Deutschen in Stadt und Land be- ruhen muß, nicht mehr möglich sein. Die Brotkarte wäre nicht haltbar, wenn die Ueberzeugung durchdränge, daß die Verbraucher innerhalb des Reiches, insbesondere in Stadt und Land, verschieden behandelt werden. Deshalb wachen die Vertreter der Städte mit besonderer Besorgnis darüber, daß nicht die ländlichen Bezirke lediglich den nach der unzuverlässigen Statistik vorhandenen rechne- rischen Ueberschuß abzuliefern brauche», und daß besonders auch binsichtlich der Güte des von den Uebcrsckußkreisen abzugebenden Getreides nickt diese allein zu entscheiden haben, sondern daß eine Gegenkontrolle durch ein Organ stattfinde, in dem die Verbraucher- iuteressen gebührenden Einfluß besitzen. Dieses Organ ist die Kriegsgetreidegesellschaft, und ihr Fortbestehen unter gebührender Mitwirkung der Verbraucher und darunter besonders der Städte, ist für diese eine unerläßliche Notwendigkeit. Dem Aufsichtsrat der Kriegsgetreidegesellschaft ist von der Reichslcitnng kein Zweifel darüber gelassen, daß diesen Anforderungen in der neuen Rege- lung wird Rechnung getragen werden. Der Inhalt der seit Ein- briiiguug der Interpellation Wermuth gepflogenen Beratungen hat das bestätigt, wenn auch gewiß in manchen Punkten eine weiter- gehende Sicherung der Verbraucher hätte erhofft werden dürfen. Unter diesen Umständen war für die Erörterung der Interpellation zurzeit kein Raum mehr, weshalb sie von den Städtevertretern zurückgezogen worden ist."_ KrieflstvohlfahrtspflcgederLandesversicherungsanstalten. Wolffs Telegraphenbureau meldet: In der Konferenz, die am 17. d. Mts. im ReichsversicherungS- Amte mit Vertretern der Landesverficherungs-Aemter, Landesver- sicherungs-Anstalte» und Sonder-Anstalten stattfand, hat Präsident Dr. Kaufmann über die Beteiligung der Träger der Invaliden- und Hintevbliebeiien-Versichernng an der Kricgswohlfahrtspflege einen kurzen Ueberblick gegeben. Es sind bis Ende Mai d. I. von den LaudesversichcrungS-Anstalten für Krieg swohlfahrtspslege gemäß§ 1274 der Rcichsversicheruugs-Ordnung rund 13 Millionen Mark gezahlt worden. 56 Millionen Mark wurden als Wohlfahrts- Darlehen zu erleichterten Bedingungen an bedrängte Gemeinden, Kreise usw. ausgegeben. An den Kriegsanleihen Huben sich diese Versicherungsträger mit rund 296 Millionen Mark beteiligt. Für die durch§ 1274 der Reichsversichcrungs-Orduung umgrenzten Auf. gaben der„Krieg swohlfahrtspslege war in einer Konferenz im ReichSversicherungs-Amt im August v. I. ein Betrag bis zu 5 vom Hundert des 2,1 Milliarden Mark betragenden Vermögens der Versichcrungs-Anstatten, also ein Betrag bis zu 165 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden. Die hieraus gezahlten 13 Millionen Mark setzen sich, wie ergänzend bemerkt werden kann, aus folgenden Einzelbeträgen zusammen: 1. Zuschüsse an das Rote Kreuz/!. Mark a) Zentralkomitee........... 447 666 K) Provinzialvereinc usw......... 1 396 666 2. Beschaffung von Wollsachen und sonstigen Liebes- gaben für das Feldheer.......... 1 671 000 3. Unterstützung von Arbeitslosen und Hilfs- bedürftigen a) unmittelbar............> 985 000 b) mittelbar(durch Gemeinden, Vereine usw.!. 4 994 666 4. Unterstützung der LaudeSvcrsichcrungs-Anstalt Ostpreußen.............. 304 666 5. Förderung der Kricgsvcrsicherung...... 269 669 6. Ausrüstung von Lazarettzügen....... 375 060 7. Für Bade- und Dcsinfektionswagen für das Heer 126 666 8. Ehrengaben an die Hinterbliebenen von gefallenen oder ihren Wunden erlegenen Kriegsteilnehmern 1 666 666 9. Sonstige WohlfahrtszN'ccke........ 1 500 666 Die Landesversicherungs-Anstaltcn haben auf diese Weise er- folgrcich dazu beigetragen, die durch den Krieg geschaffenen Rot- lagern zu mildern und uns wirtschaftlich stark zu erhalten im Rücken der kämpfenden Heere. Bei diesen Äustvendungen wurden, wie Präsident Dr. Kaufmann besonders betonte, sorgfältig die Grenzen berücksichtigt, innerhalb deren solche Ausgaben rechnungsmäßig ver- antwortet werden können. Die Landesversicherungs-Anstalten haben auch daran festgehalten, daß ihre Fürsorge auf diesem Gebiete nur eine ergänzende, unterstiitzende sein kann, und daß durck sie die hierzu in erster Linie verpflichteten staatlichen oder gemeindlichen Stellen nicht über Gebühr entlastet werden dürfen. Auch durch Fortführung der Kricgswohlfahrtspflege der Landcsvcrsickierungs- Anstalten in der bisherigen vorsichtigen und matzvollen Art wird, worauf Präsident Dr. Kaufmann gleichfalls hinwies, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Versicherungsträger nicht nennenswert b» rührt, geschweige denn ernstlich bedroht werden. Gegen die Geburteuderminderung. Der kommandierende General des VII. Korps hat auf Grund des Belagerung Sgesetzes und unter Androhung einer G e- fängnis strafe bis zu einem Jahre verboten: die Behandlung von Geschlechtskraukheilen durch andere Personen als approbierte Aerzte. die öffentliche, wenn auch verschleierte Anpreisung und den Ver- kauf von Abtreibemitteln, insbesondere von stielsörmigeu Pessaren und von Mutterspritzem nnt langem Ansatz, außer durch Apotheken und Bandagisten auf schriftliche ärztliche Verordnung; Weiler auch da» Angebot diskreten Rate» an Frauen und Mädchen, die Anwendung solcher Mittel bei Frauen durch andere Personen als durch approbierte Aerzte, die öffentliche Ankündigung, Anpreisung oder Zurschaustellung von empfängnisverhindernden Mitteln, Vertrieb solcher Mittel im Umherziehen. Kriegswirkungen. DaS Bulletin des ArbeilsministeriumS veröffentlicht, der .Humauito" vom 12. Juni zufolge, Zahlennachweise, welche dartun, daß die Zahl der Arbeitslosen im Januar in England 1,9 Proz., in Deutschland 6,5 Proz., in Frankreich 29 Proz. betrug. Die absolute Zahl war in Paris allein, innerhalb des Befestigungsgürtels. 429 701. Demnach muß die Gesamtzahl in Frankreich viel größer sein als 800 000— die von Andrs Honnorat geschätzte Zahl— und beträgt wohl über 1,5 Millionen. Da man annehmen kann, daß jeder Arbeiter für drei Personen zu sorgen hat, beträgt die Zahl der von der Arbeitslosigkeit Betroffenen 4,5 Millionen. Die wirtschaftlichen Krisen sind mörderischer als die schlimmsten Epidemien. Ebenso wirken Kriege durch die von ihnen veranlaßten wirtschaftlichen Krisen verderblicher als durch die Schlachten Während des Krieges 1870/71 verlor Deutschland an Soldaten im Felde 41 000; die Zunahme der Todesfälle betrug aber in Preußen allein 270000. In Frankreich kostete der Krieg 100000 Soldaten und 300000 Zivilisten das Leben. Besonders die Zunahme der Sä u g lin g s st e rb- d i ch k e i t ist erschreckend groß. Mit der Länge der Kriegsdauer steigt auch die verhältnismäßige Zunahme der Sterblichkeit, wie aus den Zahlen von 1870/71 hervergeht. Es ist deshalb die wichtigste Aufgabe des Staates, gegen die wirtschaftliche Krisis anzukämpfen, die für Frankreich besonders gefährlich ist, wie der obige Zahlen- vergleich der Arbeitslosen in den verschiedenen Ländern ergibt. Wcrsorgung des Heeres mit Bier. Nach den„Münchener Neuesten Nachrichten' plant die Regierung die Schaffung einer besonderen Reichsorganisation zur Versorgung dos Heeres mit einheimischen Bieren. Jede Brauerei soll einen be- stimmten Prozentsatz der Bierproduktion der Heeresverwaltung zur Verfügung stellen. Es soll dabei mit möglichster Rücksicht auf die Interessen der einzelnen Ilnternehinungen vorgegangen und nament- Ilch sollen die wirtschaftlich schwachen Betriebe geschont werden, die zur Erhaltung ihrer Abnehmer eine neue Verkürzung ihrer Pro- duklion schwer ertragen würden. Dagegen werden die großen und mittelgroßen Betriebe angehalten werden, eine bestimmte Menge Bier, die eine Zentralstelle für den gesamten Bierbedarf des Heeres ermitteln wird, abzuliefern._ Versammlungsverbote. Von den Gewerkschaftskartellen in Pulsnitz, Kamenz, Nohrsdorf(Kgr. Sachsen) einberufene öffentliche Versamni- lungen, in denen die Regelung der Familien- f ü r s o r g e im Bezirksverbande Kamenz auf den Tages- Ordnungen stand, sind verboten worden. Majestätsbeleidigungsklagen in Holland. Der Wellkrieg hat auch in Holland die politischen Leiden- schakten stark aufgepeitscht; eine der Folgen sind sonderbarerweise eine Anzahl Prozesse wegen Beleidigung ausländischer Fürsten. Am meisten scheint der deutsche Kaiser beleidigt zu werden. Wir haben früher schon Mitteilung über einige derartige Prozesse gemacht. In diesen Tagen wurde wieder ein Journalist aus Rotterdam zu 150 Gulden Strafe verurteilt, weil er in der Zeitschrift„Holland Expreß" den deutschen Kaiser für das Blutvergießen des Weltkrieges verantwortlich gemacht hatte.— Ein Kaufmann wurde vom Haarlemer Gericht zu 10 Gulden Strafe verurteilt. Er hatte den deutschen Kaiser mit einem Schimpfwort belegt, das Mangel an Aufrichtigkeit ausdrückt.— Der Vorsitzende der radikal- sozialistischen Partei. David Whnkoop, erhielt gleichfalls vom Haarlemer Gericht 25 Gulden Strafe wegen Beleidigung des Zaren, den er in einer öffentlichen Versammlung„Blurzar" geummt hatte. flm See Partei. Zur Taktik der Partei. Die Genossen Bern st ein, Haase und K a u t s k h vcr- öffcntlichten in der„Leipziger Volkszeitung" einen Ar- tikel, der sich für einen schleunigen Frieden und gegen jede Er- oöcrmigstaktik ausspricht. Die„Freisinnige Zeitung" glaubt dazu folgeirdes sagen zu müssen: .... Wir verzichten daraus, den Inhalt dieser Kundgebung auch nur im AuSzug zu veröffentlichen, nicht sowohl mit Rücksicht auf die Zensur, als vielmehr aus der lleberzeuguug heraus, daß eine weitere Bekanntgabe des Aufrufes den Interessen des Deut- scheu Reiches nicht entsprechen würde. Im Auslände, wo ja auch die an sich völlig belanglosen Expektorationen eines Liebknecht großen Widerhall gesunden ljaben, ist nämlich nicht genügend ve- kannt oder geflissentlich übersehen, daß Bernstein, Haase und Kautsky augenblicklich nur einen geringen Teil ihrer Genossen hinter sich haben, und daß man mit ihrer Stellungnahme erst recht nicht diejenige der offiziellen Vertretung der Soziatdcnwtratie identifizieren darf." Schon vor mehreren.Tagen ging uns mit der Bitte um Llvdruck ein Schreiben zu. da» am 9. Juni eine große Anzahl von Partei- genossen in Vertrauensstellungen(Reichs- und Landtagsabgeord- ncte, Redaktcure und Funktionäre aller Art) gemeinsam an den Partei- und Fraktionsvorstand gerichtet haben. Das Schreiben fordert die Abkehr von der Politik des 4. August und stellt unter Hinweis auf die jüngsten politischen Vorgänge ebenfalls ähnliche Förderungen cm die Parteünftanzcn wie die drei obengenaimtcn Ge- nosscn�in ihrem Aufruf._ Eine Hetze gegen Ramsah Macdonold. AuS Amsterdam schreibt man uns: Am Montag hat Genosse Ramsay Macdonald nach längerer Pause wieder das Wort genommen. Es war zu einer persönlichen Erklärung. Unbekannte Personen haben nämlich die Geschmacklosig- keit— oder war es eine auf Macdonald zielende Intrige? begangen, Familien von Gefallenen Abdrücke der Macdonaldichen Artikel über die Schuld der Geheimdiplomatie am Krieg zuzusenden. Und ein„patriotischer' Abgeordneter, Herr Clavell Salt er, fand sich bereit, dielen Unfug in einer Anfrage an die Re- gierung öffentlich zur Sprache zu bringen. Natürlich handelte es sich darum, unseren Genossen mit der pietätlosen Beunruhigung trauernder Menschen in irgend eine Verbindung zu bringen. Herr Tenuanl vom KriegSaml nahm denn auch die Anfrage mit gespieltem Ernst entgegen und erklärte, daß es den Behörden noch nicht gelungen sei, die Schuldigen zu finden. Macdonald trat dieser scheinheiligen Operation mir halben Verdächtigungen entrüstet ent- gegen und erNärte nachdrücklich, daß die Brutalität, zu der man leine Schriften verwendet habe, weder seine Billigung noch seine Sympathie gefunden hätte und daß weder er. noch eine Partei- organisation mit der Verienduna etwas zu schaffen habe. Eine An- zahl Arbeiierparteiler und Radikaler gaben laut ihre Zustimmung zum Prolest Macdonalds gegen die Schäbigkeit der„patriotischen" Kampftaklik kund, der Rest des Haui'eZ blieb in verlegenem Schweigen. Aus de« Orgarnsationeu. Württembergischc Landeskonferenz. AuS Stuttgart wird berichtet: Am Sonntag, den 20. Juni, fand in Stuttgart eine vom Landesvorftand einberufene Konferenz statt, zu der die Mitglieder des LandeSauSschusse», die Kreisvorstände, die Reichs- und Landta�Sabgeordneten Württem- bergS und die Redakteure der Parteipreße eingeladen waren. Ter Landesvorsitzende Genosse Fischer erstattete Bericht über die in den letzten Monaten gepflogenen Verhandlungen in Sachen des württemoergischen Parteikonflikts. Durch den vor einigen Tagen ergangenen Bescheid des ParteivorfkandeS an die Göppinger Par- teigenossen feien die inneren Wirren vor ihrem Abschluß ange- langt. Binnen kurzen werde auch der 10. Wahlkreis eine gc- schloffene Kreisorganisation haben. In allen übrigen Wahlkreffen fei die Organisation intakt. Die abgesplitterte Opposition bilde in einer Reihe von Orten eine schwache Minderheit. Durch die Per- Weigerung der Beiträge an die Landesorgantsation habe sie tn aller Form mit der Partei gebrochen, lieber die Haltung der RetchStagsfraktion und die Verhandlungen deS ParteiauSschusseZ gab Genosse Keil eine Uebersicht. In einer regen Aussprache wurde die Opposition scharf angegriffen. Daneben wurde die Notwendigkeit, dem LebenSmittelwucher nach wie vor scharf entgegenzutreten, von allen Rednern betont. DaS Ergebnis Oer Aussprache wurde in folgender Kundgebung zusammengefaßt, die einmütig gebilligt wurde. ..... Die Entscheidungen des Partei- und deS Landes- Vorstandes gegen die von Weftmeyer und Crispien geführte Gruppe der Parteizerstörer finden Zustimmung. Vom Landesvorstand wird erwartet, daß er auch fernerhin mit voller Entschlossenheit allen Organisationszerstörern entgegentritt. Tie Parteigenossen im ganzen Lande werden ersucht, alle Kräfte auf- zubieten, um die geschlossene Organisation der Partei zu erhalten. die unlauteren VcrwirrungSmanover der aus der Partei ausgeschiedenen Westmeyergrvppe unwirksam zu machen u»d die Schlag- kraft der Partei für die großen politischen und wirffchaftlichen Kämpfe noch dem Kriege zu stärken. Mit der ReichStagSfraktion und dem Partcivorstand stimmt die Konferenz in der Beurteilung der bisherigen Ereignisse vollkommen überein und sie billigt deren Entscheidungen. Sie erkennt an, daß beide Körperschaften alles getan haben, was in ihren Kräften stand, um die Lebensmittel- teuerung zu mildern. Die Organisation der Volksernährung ist jedoch noch durchaus unzulänglich.... » Der Vorstand für den 16. sächsischen ReichStagswahlkreis (Chemnitz) erstattete jetzt den Bericht für das abgelaufene Ge- schäftSjah'r. Das vorige Geschäftsjahr schloß mit einem Mitglieder- bestand von 20 385. Dieses Jahr dagegen zählte der Verein nur noch reichlich 17 000. Die erste Bestürzung gleich nach Kriegs- beginn, die große Arbeitslosigkeit, die ein-e umfangreiche Fluktuation mit sich brachte, und die anfängliche Stockung im Vcrsammlungs- leben sind die natürlichen Ursachen dieses Mitgliederrückgange». Dazu kommt noch, daß bis zum 31. März dieses Jahres rund 7000 unserer Mitglieder zum Heeresdienst einberufen wurden. lieber die Frauenbewegung ist wenig Erfreuliches zu sagen. Die TlSkussii usubende sind zwar beibehalten worden und werden auch gu! besucht, aber sonst wurde da» VersammIungSIcben sehr cingeschränkt. Infolge des Fehlens jeder Agitation* weiblichen Arbeitslosigkeit ist ein Rückgang der weiblichen Mit- glieder zu verzeichnen. Von 3932 fft die Zahl der Genossinnen auf 3592 gesunken. Im Berichisfahre wurden im Kreise 296 Mitglieder-Versamm- lungen, 32 öffentliche und außerdem 10 besondere Frauen-Bcrsamm- lungen abgehalten. Durch den KriegSzustanid wurde das gesetzliche Versamuilungsrecht mit einem Schlage� beseitigt. Die Versorgung mit Rvfercnten bereitete insofern«chwierigLeiteix als ja die meisten Bortragsthcmcn bei der Polizeibshördc eingereicht werden mußten und alle Vorträge, die sich mit dem Kriege direkt beschäftig- ten, dzw Zensur unterworfen wurden. Nur bei den ErnährungS- Versanrmlungsn wurden uns weiter keine besonderen Schwierfg- keiten gemacht. Die Chemnitzer„Volksstimme" hatte im Berichtsjahr einen Zuwachs von fast 10 000 neuen Abonnenten. Die an die Krieger- familien gewährten Freiexemplare kosteten dem Unternehmen die respektable Suumre von 46 000 M. Neben diesen Freiexemplaren an die Kriegerfamikien sind auch noch ununterbrochen viele Tau- sende von unbezahlten Exemplaren in die Kasernen, Lazarette, Liebcsgabenstellen für die Lazarettzüge und direkt ins Feld ge- liefert wovdeu. Tie Parteiorganisationen, Gewerkschaften und Genossenschaften senden allwöchentlich große Mengen„Volks- stimmen" ins Feld an ihre Mitglieder. Auf die Kaffenverhältnisse der Organisation übt der Krieg einen großen nachteiligen Einfluß aus. �Wahrend die ordentlichen Beiträge der BezirkSvcrcine im vorigen Jahre über 53 000 M. be- trugen, fielen sie in dem Jahre auf unter 37 000 M. Tie Kreis- leitung hat überall, wo es nur angängig war, gespart. Das un» günstige Bild des Ausgabeetats wird dadurch etwas gemildert, daß in dieses Geschäftsjahr die Neueinrichtung de? Jugendheims und des Sekretariats mit einem Gesamtkostenaufwand von 10 345 M. fällt. Die JahreSrechnung schließt in Einnahinc und Ausgabe mit 50 637 M. ab. * Ter sozmldemokratischc Verein für den Wahlkreis Frankfurt am Main nahm in einer außerordentlich stark besuchten Verswmm- lung den Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1914/15 entgegen. Nach dem gedruckten Bericht zählte die Organisation am Schlüsse des letzten Geschäftsjahres st 1 383 Mitglieder; am 31. März 1915 lvaren es nur noch 5750, und zwar 4469 männliche und 1231 Weib- Ii che. Im Felde standen am 31. März 3638 Mitglieder. Neu auf- genommen wurden im Berichtsjahr 520 Mitglieder gegenüber 3413 im Vorjahr. Tic Kassenverhältniffc gestalteten sich naturgemäß imgünstiger wie im Vorjahr. Die Einnahlnen gmgen zurück, wo- durch auch die Ausgaben nach Möglichkeit emgeschränkt werden mußten. Die gesamten Nettocinnahmen betrugen 43 002 M. gegen 57 468 M. im vorige, i Jahr, und die Ausgaben 38 444 M. gegen 57 208 M. im Porjahr. Das Parteivermöaen betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres rund 33 000 M. DaS Parteilebcn war natürlich ebenfalls durch den Krieg beeinflußt, die Parteiarbeit wurde durch ihn unterbrochen. Um die Meinungsvorschiedenhesten in der Partei über unsere Stellung zum Krieg zu kläven, veranstaltete der Vorstand einen Kursus für Parteifuliktionäre. in dem olle mit dem Krieg zusammenhängende Fragen diskutiert wurden und noch werden. Die Aussprache über den Bericht wurde zurückgestellt. Es soll- ten zuerst die Neuwahlen zum Vorstand vorgenommen werden. Aber auch diese mußten verschoben werden, �da in dem überfüllten Saale eme ordnungsgemäße Wahl nicht möglich war. Gewerksthastliches. Arbeit für üie Kriegsbefchäöigten üer berliner Metallinüustrle. Der Kriegsausschuß für die Metallbetriebe Groß-Berlins hat seine Tätigkeit auf die Beschaffung von Arbeit für die Kriegsbeschädigten, die zuletzt in der Metallindustrie Groß- Berlins beschäftigt waren, ausgedehnt. Wir erhalten von demselben folgende Bekanntmachung: Tie Arbeitgebcrvcrbände der deutschen Industrie habe« einstimmig eine Erklärung erlassen, daß sie bereit und willens sind, die kriegsvcrlctztcn heimkehrenden Soldaten» soweit sie früher in ihren Betrieben beschäftigt gewesen sind, wenn irgend möglich, wieder in denselben unterzubringen. Auch der Verband Berliner Metallindustriellcr hat sich dieser Erklärung angeschlossen. Im Verein mit den Arbeiterorganisationen hat er den Kriegsausschusi für die Metallbetriebc Grosi-Berlins, der gegründet war� zur Be- Hebung der während des Krieges entstandenen Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis, mit der Durchführung der hierzu erforderlichen Massnahmen betraut. Dieser Kricgsausschuss ersucht alle in Frage kommenden Stellen, die ans dem Militärverhältnis entlasieucn Kriegs- beschädigten, welche zuletzt in Metallbctricbcu Gross-Bcrlins beschäftigt waren, an die hierfür errichtete Geschäftsstellc, Berlin N., Schlegelstr. 2, zu verweisen. KriegsauSschuss für die Metallbetriebe Gross-Bcrlins. Hierzu wird uns aus dem Bureau des Metallarbeiter- Verbandes geschrieben: Seit Monaten gehen nun schon die Verhandlungen der verschiedensten amtlichen, halbamtlichen und privaten Körper- schaffen über die Frage der Behandlung der Kriegs- beschädigten. Die verschiedenartigsten und manchmal geradezu unglaublichen Vorschläge sind da schon gemacht worden, ohna daß es bis jetzt zu einem allseitig befriedigenden, praktischen Ergebnis gekommen wäre. An manchen Stellen ist man nicht einmal über die Zusammensetzung der leitenden und aus- führenden Körperschaften hinausgekommen, weil sich da all» möglichen Personen aus irgendwelchen Gründen berufen fühlten, in der Sache mitzuwirken. Zwar fehlt es nirgends an gutem Willen, desto mehr aber an einer genügenden sach- kenntnis, die zur Begründung der Mitwirkung ausreichen könnte. Angeregt durch die Bedeutung der Sache selbst, durch von den Arbeitgcbervorbändon öffentlich gemachten Zusagen, sowie auch durch einige Fälle recht mangelhafter Unterbringung von ausgeheilten Kriegsbeschädigten haben nun die� in der Metallindustrie Groß-Berlins bestehenden Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich dahin verständigt, die Beschaffung von Arbeit für solche Kriegsbeschädigte, die zu- letzt in der Metallindustrie Groß-Berlins beschäftigt waren. dem Kriegsausschutz für die Metallbetriebe Groß-Berlins zu übertragen. Die Tätigkeit des Kriegsausschusses dürfte damff, daß die Kriegsbeschädigten untergebracht sind, noch nicht erledigt sein. Es werden sich wahrscheinlich Fälle herausstellen, wo der Kriegs- beschädigte trotz aller Lorsicht doch nicht an den richtigen Platz gestellt ist. Möglicherweise werden auch da und dort Versuchs gemacht werden, die Rente des Kriegsbeschädigten bei der Be- Messung des Lobnes in Anrechnung zu bringen. Auch kann es vorkommen, daß Kriegsbcscbädigte zu weitgehende An- forderungen stellen. Die Schlichtung der sich hieraus ergebenden Differenzen dürste weitere Ausgabe des Kriegsausschusses sein. Eins ist vor allen Dingen bei der Diskussion der ganzen Frage im Kriegsausschuß allseitig klar zutage getreten: durch die gewöhnliche Arbestsnachweistätigkeit kann die Unterbringung und Behebung von Beschwerden nicht erledigt werden. Des- halb bedarf es auch weniger der Mitwirkung von Arbeits- Nachweisorganisationen zur Regelung dieser Frage, als viel- mehr des Zusammenwirkens der Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerorganisationen auf diesem durchaus neutralen Gebiete. Tic Beschaffung von Arbeit für die Kriegsbeschädigten in den Metollbetrieben Groß-Berlins ist etwa in der Weste ge- dacht, daß zunächst versucht werden soll, den Kriegsbeschädigten in seinem alten Betriebe unterzubringen und erst, wenn das aus irgendeinem Grunde nickst angängig ist, möglichst in einem anderen Betriebe der Metallindustrie. Des weiteren soll nach Möglichkeit daliin getrachtet wer- den, den Kriegsbeschädigten in eine seiner früheren Tätigkeit gleiche oder ähnliche Beschäftigung zu bringen, und nur. wenn das nicht möglich ist, ihn mit anderen Arbeiten vertraut zu machen. Die am Kriegsausschuß siir die Metallbetriebe Groß- Berlins beteiligten Organisationen glauben, mit der ganzen Einrichtung der praktischen Regelung der ganzen Frage die Wege geebnet zu haben. Es dürfte von hohem Wert sein, wenn die Bekanntgabe der ganzen Einrichtung möglichst weite Verbreitung findet, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, um den noch nicht ganz ausgeheilten Kriegsbeschädigten aus der Metallindustrie Groß-Berlins die Beruhigung zu geben, daß bereits Vorsorge getroffen ist, nach ihrer Ausheilung ihre Zukunft möglichst sicherzustellen. Dem Heilungsprozeß der Kriegsbeschädigten dürste dies zweifellos förderlich sein. Deutsches Reich. Vergebliche Liebesmüh. Die Karosieriefabrik Karl Wagner in Freiburg i. B. hat an eine im gleichen Orte befindliche Konkurrenzsirma daS�folgende. für die Gesinnung gewisser Unternehmer bezeichnende Schristsrück gelangen lassen: „Herrn........... Es treten heute wiederum Arbeiter ohne Kundtgungsgrund bei mir aus, und zwar:(folgen d'.e Namen der betresieudeu Ar« bester). Ich verweise Sie auf die von der F e l d z e u g in e i st e r e i gegebene Bekannlinachung und wäre ich, falls die oben genannten bei Ihnen zur Etiisiellulig�gelangen sollten, gezwungen, dieserhalv an den auftraggebenden«-tellcn Beschwerde gegen Ihre Firma einzureichen. Hochachtungsvoll gez. Karl Wagner." Von den vier Arbeitern, welche geküudigt haben, sind dreigänz- lich militärfrei; nur einet lann noch eingezogen werden. Gleich- wohl sollen sie— und auch der Unternehmer, lvelcher sie einftellt— der Militärbehörde denunziert werden. Der Arbeitgeber, an welchen sich sein Konkurrent wandte, hat die Drohung unbeachtet gelassen. Ms Groß-Serlm. Grausame Mutter Natur. Draußen vor der Stadt, in der Nähe eines Vorortes liegt das Gelände. Ein großes Werk mit Riesenschornsteinen und einer weitverzweigten und weithin sichtbaren Anlage zur Beförderung der Kohlen in die Kesselräume, hat sich hier an- gesiedelt. Dazu große Holzplätze mit einheimischen und wert- vollen überseeischen Hölzern. Ein großer Fetzen Landes harrt noch der Besiedelung. Spekulationsobjekt. Hier buddelten die Kinder aus den benachbarten Laubenkolonien, wühlten tiefe Löcher und errichteten Sandhügel. In der Stille der Nacht kamen Wagen und luden Dinge ab, die Hausbesitzer ohne große Ausgaben gern los sein wollen. Klamotten, zerbrochene Ofenkacheln, vom Rost zerfressene Ofenrohre und Sprungfedern bedeckten in lieblichem Durcheinander den Boden und füllten die von den Kindern geschaffenen Löcher. Das Ganze überwuchert von dem von allen Gärtnern gehaßten und gefürchteten Unkraut, das seine Wurzeln tief in die Erde treibt und sie unten zu einem schier undurchdringlichen Geflecht ausbreitet. Fürwahr, kein verlockendes Gefilde. Wer ihm etwas abringen wollte, mußte erst harte Kulturarbeit verrichten. Es fanden sich deshalb auch leine Gartenfreunde, die hier ihre Lauben aufschlugen. Erst die böse Kriegszeit, die Z-�bot, jeden brachliegenden Fleck zur Gewinnung von Nahrung auszunützen, führte auch diesem Oedland Be- Werber zu. Arme waren es natürlich, denen eine Sommer- villeggiatur bisher als Luxus erschienen war. Sonntags und nach Feierabend machten sich Vater und Mutter an die schwere Arbeit des Umrodens. während die Kleinen im Kinder- wagen oder am Boden hockten. Auf einem geliehenen Hand- wagen schleppten sie mühsam etwas Dung und die teuer be- zahlten Saatkartoffcln heran. Mancher Schweißtropfen fiel, aber die Aussicht, in dieser teuren Zeit selbst etwas ernten zu können, spornte immer wieder zu neuer Tätigkeit an. Und als die Kartoffeln aufgegangen waren und in dem hellen Grün junger Pflanzen in hübschen kleinen Büschen dastanden, ergötzte sich Mutter in Gedanken schon an dem herbstlichen Bilde des Einsammelns der durch harte Arbeit errungenen Knollenfrucht, und der mit ihr gewonnenen heiß begehrten Nahrung für den Winter. Da kam die kalte Nacht vom LI. Mai zum 1. Juni. Was am letzten des Wonnemonats noch im frischen Grün geprangt hatte, das stand am 1. des nach der Gemahlin Jupiters benannten Monats schwarz wie verbrannt da. Und was der Frost begonnen, das setzte seit- dem die entsetzliche Dürre mit ihrem Sonnenbrand und heftigen trockenen Winden unbarmherzig fort. Mit jedem Tage werden die Hoffnungen, daß aus diesen schwarzen, ver- hutzelten Pflänzchen noch kräftige Kartoffelstöcke werden könnten, geringer, und�wenn der Himmel nicht bald ein Ein- sehen hat und seine Schleusen zu einem ausgiebigen Regen öffnet, ist alle Plage und alle Mühe, die sich die Armen ge- t.'iacht haben, vergeblich gewesen. Weniger Gemeindewähler in Berlin. Die Fortschreibung der Gemeindewählerliste durch Eintragung der Zu- und Abgänge hat für Berlin im Verwaltungsjahr 1914/ lb (1. April 1914 bis 81. März 1915) ein ungewöhnliches Ergebnis gehabt. Der jetzt vom Magistrat veröffentlichte Jahresbericht des Wahlbureaus der Stadt weist nach, daß in dieser Zeit für wahlfähig gewordene Personen und für zugezogene Wahlfähige nur 75 476 neue Personenkarlen an- gelegt, dagegen für verstorbene Wahlfähige und für weg- gezogene Wahlfähige 88 989 erledigte Personenkarten ausgesondert wurden. Hiernach brachte die Fortschreibung im letzten Ver- waltungsjahr eine M i n d e r u n g um 13513 Wahlfähige, während aus ihr im vorletzten Verwaltungsjahr bei einem Zugang von 95111 Wahlfähigen und einem Abgang von 89 776 Wahlfähigen sich eme Mehrung von 5341 ergeben hatte. Leider nennen diese alljährlichen Berichte des Wahlbureaus immer wieder für die Zu- und Abgänge nur die Hauplzahlen, ohne datz man erfährt, wie stark hieran im einzelnen der Zuzug wahlfähiger Personen und die Er- langung des Wahlfähigkeitsalters und andererseits der Wegzug wahlfähiger Personen und die Sterbefälle solcher beteiligt waren. Abgänge erleidet die Geiamtzahl der in die Gemeindewählerliste aufzu- nehmenden Personen auch noch dadurch, daß bei Unterstützung aus öffent- lichen Mitteln, bei Bevormundung, beiKonkurs, bei Ehrverlust das Wahl- recht zeitweilig ruht. Der Bericht gibt an, daß im letzten Ver- waltungsjahr das Wahlbureau erhielt: 71395 Mitteilungen über Unterstützte, 2134 über Bestrafte, 197 über in Konkurs Geratene, 74 über Bevormundete. Die Zahl aller Gemeindewähler Berlins steht für 1915 noch nicht fest, weil ja die Wählerliste erst in der zweiten Hälfte des Juli zur Einsichtnahme ausgelegt und nach Prüfung der BerichtigungSanträgc noch durch Nachtragungen ver- vollständigt wird. Die Liste für 1914 enthielt 383 826 Wähler, da- von gehörten— nach dem auf der Sieuerleistung fußenden Drei- klassensystem des Gemeindewahlrechts— nur 807 zur ersten Klasse und 32 037 zur zweiten Klasse, aber 350 982 zur driricii Klasse. Tie wrganisatiou der Kricgsbeschävigtenfürsorgc. Die KricgSbeschädigtenfürsorge für den Stadtbezirk Berlin ist nunmehr organisiert. Tie Adresse lautet: Magistrats- kommissar der Kriegsbeschädigtenfürsorge in Berlin. Rathaus. Die vorläufige Fürsorge erstreckt sich auch ans solche in den Berliner Lazaretten befindliche Kriegsverleßte, welche nicht nach Berlin gehören, bis zur Verlegung oder Entlassung nach ihrer Heimatprovinz. Die auswärtigen Fürsorgestellcn sind ersucht worden, bezüglich der in den Lazaretten ihres Be- zicks befindlichen Berliner KriegSverletzten in gleichem Sinne zu Verfahren._ Tie Zusatzbrotkarten. Nachdem die ReichSveneilungSstelle am 15. d. Mts. ihren Be- schluß, nach welchem den Kommunalvcrbänden zur Versorgung der schwer arbeitenden, erwerbstätigen Bevölkerung besondere Mehlmeiigen überwiesen werden lvnnen, bekanntgegeben hat, soll nunmehr auch in Groß-Berlin dieser Teil der Bevölkerung mit Zusatzbrolkarten versehen werden. Die Verordnung, die heute in Kraft tritt, läßt die Ausgabe an alle die Arbeitergruppen zu, bei denen das Brot als Nahrungsmittel eine erHöhle Bedeutung besitzt. Hierzu gehören neben den jugendlichen Arbeitern insbesondere die, denen die Be- schaffung anderer Nahrungsmittel während der Arbeitszeit nicht möglich ist. Bei der Ausgabe der Zusatzbrolkarten hat der Kommunal- verband sowohl bei der Bestimmung der Einzelportion, wie bei der Gesamtmenge der auszuteilenden Karten sich in de» Grenzen zu halten, die ihm von der ReichsverteilungSstelle gesteckt sind. Die Zusatzbrotkarte wird zunächst für je zwei Wochen ausgegeben werden, und zwar nur auf Antrag, Der Antrag ist am Freitag, Sonnabend oder Sonntag vor der Zutcilungsperiode bei der Brot- kommisfion, in deren Bezirk der Antragsteller'wohnt, zustellen. Ihm, ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Arbeitsverhältnisse beizufügen. Zur Erleichterung ist hierfür ein Vordruck eingeführt, der in den Geschäftsräumen der Brot- kommissionen erhältlich ist. Der Arbeitgeber ist zur Ausstellung der Bescheinigung verpflichtet. Die Anträge sind vor Ablauf der Periode, für welche Zusatzbrotkarten ausgegeben sind, zu wiederholen. Kundmachung an die österreichischen, ungarischen und bosnisch-herzegowinischen TVehrpflichtigcn. 1. Alle in den Jahren 1878 bis einschließlich 1890 und ferner alle in den Jahren 1892, 1893 und 1894 geborenen österreichischen und ungarischen Staatsangehörigen bezw. bosnisch-herzegowinischen Landesangehörigen, welche schon gemustert worden sind oder bereits gedient haben, werden in der Zeil zwischen dem 30. Juni bis ein- schließlich 7. August 1915 einer erneuerten militärarztlichen Unter- suchung unterzogen werden. Die Untersuchung findet in den Räumen der Landwehrinspektion General-Pape-Straße in Berlin in der Zeit zwischen 9 Uhr vor- mittags und 12 Uhr mittags statt. Zu erscheinen haben: An einem der vorbezeichneten Tage haben ferner auch alle die- jenigen der Jahrgänge 1873 bis einschließlich 1896 zur Landsturm- Musterung zu erscheinen, die bisher ihrer Landsturmmusterungs- Pflicht überhaupt noch nicht entsprochen haben. 2. Dieser Aufruf gilt nur für alle diejenigen der vorbezeichneten Jahrgänge, welche in Groß-Berlin, Provinz Brandenburg, Provinz Sachsen oder im Herzogtum Braunschweig ihren ständigen Wohnsitz haben. Eine persönliche Vorladung erfolgt nicht. 3. Die zur Musterung Erscheinenden haben nebst ihren Heimat- lichen Ausweispapieren auch die eventuell in ihrem Besitz befindlichen Militärdotumente und unbedingt das Landsturmmusterungsblatt von ihrer ersten Musterung mitzubringen und zum Nachweis ihrer Personsideutität ihre behördlich bestätigte mit der eigenhändigen Unterschrift versehene Photographie, sowie einen polizeiliche» An- Meldeschein vorzuweisen. 4. Die bei der Landsturmmusterung zum Dienste„mit der Waffe geeignet' befundenen Landsturmpflichtigen haben am 16. August 1916 bei ihrem zuständigen Landwehr-Ergänzungs bezirkskömmando einzutreffen. Genaue Wsisung erhalten dieselben bei ihrer Musterung. Berlin, 21. Juni 1915. Der k. und k. Generalkonsul _ Szarvasy. Anträge auf Bewilligung von Kriegsunterstützungcn. Anträge auf Bewilligung von Kriegsunterslützungen sind einzig und allein bei den Steuerkassen, in deren Bezirk die Gesuchsteller wohnen, anzubringen, nicht aber bei anderen Stellen, wie bei dem Äriegsministerium, dem Oberpräsidcnten, dem Polizeipräsidenten oder dem Militärbureau des Magistrats zu Berlin. Durch Einreichung der Anträge an der falschen Stelle entsteht eine Verzögerung, die eine verspätete Aus zahlung der Unterstützungen unvermeidlich im Gefolge hat. Ein Kirchenbrand im Osten Verlins. Ein Kirchcnbrand verursachte am Momagnachmittag eine große Aufregung im Nordosten von Berlin. Dort stand um 2>/z Uhr die katholische St. Corpus-Christi-Kirche mit den anschließenden Wohn- gebäuden in der Thorner Str. 64, nahe der Landsberger Allee und dem Friedrichshain, vollständig in Flammen. Ueber den Brand, der natürlich weithin sichtbar war. wird uns berichtet: Die erst vor wenigen Jahren geweihte katholische Kirche ist ein schlichter, in der Straßenfront der Häuser in der Thorner Straße, nahe der ColheniuSstraße, am Friedrichshain, errichteter Bau. Tie Kirche war stets offen und deshalb auch stets besonders von Frauen und Kindern, die dort ihre Andacht ver- richteten, gut besucht. Auch am Montagmittag verrichteten dort mehrere Frauen Gebete. Die letzte von ihnen soll um 2'/« Uhr die Kirche verlassen haben. Am Altar brannten, wie ge wöhnlich zwei Wachskerzen. Etwa eine Viertelstunde später wurde die Frau de» Küsters Piorcck aufmerksam gemacht,' daß Rauch aus der Kirche dringe. Als sie und andere Personen sich in die Kirche begaben, stand der Jnnenraum bereits in großer Ausdehnung in Flammen. Es brannte schon der Altar, die Orgel und das Gestühl der Kirche. Es ivurdc sofort Lärrn geschlagen und Feuer gemeldet. Der 20. Automobiltöschzug aus der nahen Schönlanker Straße war schnell zur Stelle. Au sämtliche Feuerwachen wurde„Mlttctfeuer gemeldet. Bald waren achtundzwanzig Fcuerwehrfahrzeuge an der Brandstelle versammelt. Die Flammen hatten schon an der Kirche aus den Fenstern mächtig emporlodernd, die Wohnungen der Geistlichen und Kirchenbeamtcn umfaßt. Zum Schutze der angrenzenden Häuser Ivurde aus elf Schlauchleitungen von allen Seiten über Maschineuleitern, Treppen und Dächer Wasser gegeben. Dadurch gelang eö auch, die Flammen Verhältnis- mäßig schnell zu löschen und an weiterer Ausdehnung zu hindern. Es konnte aber nicht mehr verhindert werden, daß das Innere der Kirche mit dem Altar, der Orgel, dem Gestühl, Fenstern usw. ein Raub der Flammen wurde. Die Ausräumung nahm dann noch mehrere Stunden in Anspruch. Die Entstehung des BrandeS ist ein- wandssrei noch nicht ermittelt. Tic vorenthaltene» Brotkarten. Ein Strafprozeß, welcher für die Hauswirte, als Verausgabe- stellen der Brotkarten, von besonderer Bedeutung ist, beschäftigte gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts IL Wegen Vergehens gegen den Z 6. 1 des Gesetzes vom 18. Februar d. I. und gegen K 15 des Merkblattes deS Magistrats Ivar der Hauseigen- tümcr Friedrich K l a m und dessen Ehefrau Minna K. angeklagt. Das Schöffengericht Neukölln halte die Angeklagten wegen Brot- markeuvergehens zu j e zwei£S o ch e n Gefängnis verurteilt auf Grund folgenden Sachverhalts: In dem Hause der An- gellagren wohnte eine Frau Fischer, welche von dem Ehemanne Stlam am Tage der Ausgabe der Brotkarten keine derartige Karle erhallen hatte. Sie schickte, da sie selbst unabkömmlich war, ein Kind zu den Angeklagten mit der Bitte, diesem die Brotkarte zu übergeben. Als sich die K.'sche» Eheleute weigerten, diesem Wunsche nachzukommen, erschien Frau F. am nächsten Morgen bei K. und ersuchte nunmehr in energischster Weise um Herausgabe der Brotkarten. Ihr wurde aber auch jetzt noch ihre berechtigte Forde- rung nicht erfüllt, die Angeklagte K. wies vielmehr auf ein an der Korridortür prangendes Schild hin, nach welchem„Sprechstunden in Brotkartenangelegenheiten nur von 8—9 Uhr' seien. Es wurden der Frau, wie das Schöffengericht annimmt, aus Schikane wiederum die Karten verweigert, so daß sie mit ihren Kindern einen ganzen Tag ohne Brot sein mutzte. Frau F. machte der Polizei Mit- teilung, welche das Strafverfahren einleitete. Das Schöffengericht ging von der Ansicht aus, daß es Pflicht der Hausbesitzer sei, ihre Mieter mit Brotkarten zu versorgen. Die Handlungsweise der Angeklagten sei um so verwerflicher, da es sich um die Fannlie eines im Felde stehenden ManneS handele.— Gegen dieses Urteil legten die Auge- klagten Berufung ein und machten vor der Strafkammer geltend, daß sie infolge eigener Berufsgeschäfte doch nicht stündig zur Ver- fügung der Mieter stehen könnten, außerdem habe die Zeugin in der wüstesten Weise geschimpft. DaS Gericht brachte in der Urteils- begriindung zum Ausdruck, daß es nach dein Gesetz selbstverständlich Pflicht des Hausbesitzers sei, den Bewohnern die Brotkarten in ihre Wohnung zu liefern oder wenn er diese nicht zu Haus träfe, ihnen Gelegenheit zu geben, sich die Karten zu j e d e r Tagesstunde in seiner Wohnung abholen zu können. Mit Rücksicht darauf, daß die Augellagten völlig unbescholtene Leute seien, die Zeugin außerdem gleich beim ersten Male sich in wüsten Beschimpfungen ergangen habe, kam das Gericht jedoch zu einer milderen Auffassung und verurteilte die An- geklagten unter Aufhebung des ersten Urteils nur zu je 20 M. Geldstrafe._ Den Fuß abgequetscht. Ein folgenschwerer Straßenunfall er- eignete sich am Sonntagabend um Uhr in der Hermannstraße (Ecke der Zietenstraße) zu Neukölln. Dort wollte ein Herr Max Behnke einen Triebwagen der Linie 21 besteigen, er kam jedoch zu Fall und geriet mir dem linken Fuß unter den Schutzrahmen des Beiwagens. Dadurch wurde dem B. der Fuß abgequetscht. Der Verunglückte erhielt die erste Hilfe auf der nahen Unfallstation und wurde dann nach dem Krankenhause Buckow geschafft. Arbeiter-Bilduugsschule. Mittwoch, den 23. Juni, abends VzO Uhr, findet im Hörsaal der Arbeiter-BildungSschule eine Hörer-Ver- s a m m l u n g statt. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Hörer der Kurse des ersten und zweiten Quartals und alle Leser der Bibliothek. Als Ausweis dienen die Legilimations- oder Leselarten. D i e Bibliothek ist von b i s �9 Uhr geöffnet. In den nächsten unterrichtsfreien Monaten ist die Bibliothek jeden Donerstag von 8 bis 9Uhr ge- öffnet, zum ersten Male am Donnerstag, den 1. Juli. Kleine Nachrichten. Auf dem Schöneberger Friedhof bestohlen wurde eine Witwe L. aus der Holsteinischen Straße. Die Diebe entwendeten im Gedränge eine Alpacka-Handtasche mit einem Bentelportemonnaie, das 80 Mark und für 1000 Marl Brillant- ringe enthielt— Aus dem Landwehrkanal gelandet wurde am Gartenufer eine unbekannte Frau von etwa 20 Jahren. Sie war bewußtlos, lebte aber noch und wurde nach dein Kranken- hause Moabit gebracht. Die Unbekannte ist etwa 1,60 Meter groß, kräftig und stark gebaut und trug ein weißes Kleid, weiße Hand- schuhe und eine schwarze Handtasche.— � In der Tegeler Forst erhängt hat sich ein unbekannter Manu, dessen Leiche nach der Halle in Plötzensee gebracht wurde. Der Tote ist mittelgroß, hat dunkel- blondes Haar und einen rotblonden Schnurrburt und trug einen braunen Jackettanzug, einen braunen weichen Filzhut und ein weiß- blau gestreiftes Oberhemd mit weißem Stehkragen und blau-weiß gestreiftem Selbstbinder.— An der Prenzlauer Allee 200 vergifteten sich zwei dort wohnende Schwestern durch Gas. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu uncntgcltlichcr Benutzung für jedermann, LO.. Adalbertstr. 41. In der Zeit vom 22. Juni bis 1. Juli inkl. werden in der Ausleih-Blbti.othek keine Bücher ver- liehen. Die in den Händen der Leier befindlichen Bücher müssen zum Zweck der Juventuraufnahme bis zum 24. d. M. zurückgegeben werden. Der Lesesaal, in dem 618 Zeitungen und Zeitschriften aller Parteien und Richtungen ausliegen, ist nach wie vor abends von von öt/2*-10 Uhr geöffnet. Einen empfindlichen Verlust hat eine Arbeiterfrau aus Neukölln zu beklagen. Dieselbe verlor am Sonntagabend auf dem Wege vom Halleschen Tor nach Hohenzollernplatz(Autobus) und von da nach Brusendorserstraße ihre gesamten Barmittel, ein Portemonnaie mir 91 M. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe in der Vorwärts» Ipcdition Neukölln, Neckarstr. 2 abzugeben. Drei Schlüssel und ein Messer sind am Sonntagnachnnttag zwischen Wittenau und Hermsdors gefunden worden. Der Eigen- tümer kann die Gegenstände bei Julius Schultheiß, Neukölln, Hansa- straße 7, in Empfang nehmen. Zuschuß Zuschuß 12 M. 6 M. 18. 2„ 24— 30'- 30 M. 38. 48. 60 usw. Mus öen Gemeinden. Die Fürsorgeeinrichtungeu der Stadt Lichtenberg. Nachdein der Magistrat in der letzten Stadtverordnetensitzung mitteilte, daß er den von der Stadtverordnetenversammlung be- schioffenen Verbesserungen bctrcffeird die Unterstützung der Angehörigen der Kriegsteilnehmer beigetreten sei, treten nunmehr die neuen Bestimmungen in Kraft. Tie Stadt Lichtenberg gewährt nunmehr: Reichs- lOOProz. weiterer Gesamt- unler- städtischer städtisch,.siützuna stätzung Qntrfii.fc unierimLung Ehefrau ohne Kind. 12 M. Ehefrau mit 1 Kind. 18„ Ehefrau mit 2 Kindern 24„ Ehefrau mit 3 Kindern 30„ Weitere Verwandte können nach näherer Bestim- mung des Gesetzes von 1888 bzw. 14. August 1914 und nach den dazu crgangciieir Ausführuiigsbestimmuugen Unterstützungen von je 6 M. erhalten, ivozu ebenfalls 100 Prvz. städtischer Zuschuß treten können. Tie Unterstützungen können nur im Bedürftigkerts- falle und die ReichSuntcrstützungcn nur im ganzen bewilligt wer- de», dagegen die städtischen Zuschüsse auch teilweise j e n a ch dem Grade der Bedürftiglcit. Neben der allgemeinen Unterstützung können INictsbci- Hilfen in Höhe der Hälfte des MictsziuseS bis zum H ö ch st- betrage von 20 Mark gewährt werden. Dieselben werden direkt an den Hauseigentümer gezahlt. Jedoch ist das Mietsamt berechtigt, im BedürstigkeitSsalle bis zu 60 Proz. der Miete und in diesem Falle bis 30 M. Mietsvcihilfe zu bewilligen. Voraussetzung dabei ist. daß der Vermieter auf 15 Proz. des Mietsziuses verzichtet und die Unterstützte sich einverstanden erklärt, daß ihr die fehlenden 2'5 Proz. von der Kricgsuntcrstützung abgezogen werden, oder aber bei besonderer Zdotlagc der Mieterin der Per- mieter den Itest bis zum Friedensschluß stundet und angemessene Ratenzahlungen bewilligt. Werden diese Bestimmungen nicht cr- füllt, dann kann mir bis 20 M. Mictsbeihilfe gewährt werden, ohne daß der Vermieter gezwungen ist, Mietsnachlaß zu gewähren. Mietsbeihilfeu können auch solchen Kriegersamilien gewährt werden, welche während der Kricgszeit von Lichtenberg wegziehen. Jedoch nur, wenn die neue Gemeinde den von dort nach Lichten- berg Verziehenden ebenfalls Mietsbeihilfe gewährt. Ladeninhabern und kleinen Gewerbetreibenden wird Miets- Zuschuß nur für die Wohnräume gewährt. Im Falle der Erkrankung von Angehörigen de« ÄrtcgätetlnsEmer SaBcn sich Lichienkerger Aerzie bereit erklärt, die Behandlung unentgeltlich zu übernehmen. Tic Liste der betreffenden Herren ist in den UntcrstützilngsburcauS fvwie bei den Bezirksvorstcheril cinzufeben. Heilmittel werden unentgeltlich van den?lpothckcrn ausgegeben und von der Etadt nachträglich bezahlt. ,>jt die Erkvanknng eine so ernste, daß Anstaltspflcge crforder- lich ist, so übernimmt dieselbe die Stadt. Für diese.seit werden jedoch die Unterstützungen, welche dem chrkrankten bewilligt sind, nicht ausbezahlt. «soweit nicht die reichsgcsetzlichc Wöchnerinnen für- sorge eintritt, werden für die KricgSteilnehmersrauen im Be- dürftigkeitsfallc bei einfacher Geburt lö M., bei ZwillingIgeburt 22,50 M. Entbindungskostcn gezahlt. Tie Anträge sind vor der Entbindung zu stellen. �Ausnahmsweise können Anträge bis späte- stcns 8 Tage nach der Entbindung gestellt werden. Bei besonderer Bedürftigkeit kann bei Einsegnungen eine Bei- hitfe�bis zu 20 M. gewährt werden. Tic Beerdigung von Angehörigen der Kriegsteilnehmer wird im Bednrstigiettssalle von den Beerdigungsinstituten FnchS, Grubert und Kadach auf Kosten der Stadt gemäß besonderer Ver- cinbarung ausgeführt. Tic Grabstelle sowie die Lcichcnträgcr werden, falls die Beerdigung in Marzahn erfolgt, ebenfalls un- entgeltlich gestellt. Nähere Auskunft erteilt der Friedhofsinspcktor sowie die Bezirksvorsteher und Unterstützungsbureans. lieber die B c r ü ct s i ch t i g u n g von Einkünften bei Bctvilliguug der Unterstützungen bestehen folgende Grundsätze: Beamtenfamilien, welche das volle Gehalt des Kriegsteilnehmers iveiter beziehen, erhalten keine Unterstützung. Tie städtischen Unterstützungen sind entsprechend zu kürzen, wenn das Gesamt- cinkommcn der Unterstützten 7ö Proz. des früheren Einkommens des Kriegsteilnehmers übersteigt, oder wenn es nach Abzug des monatlichen Mietsgins es folgende Höchstsätze über- steigt: bei einer Ehefrau ohne Kinder Ob M., mit einem Kind 75 M., mit zwei Kindern 8ö M., mit drei Kindern 90 M., niit vier Kindern 95 M. usw., für jedes weitere Kind 5 M. mehr. Bei der Bewilligung der Mietsbeihilfe werden Arbeitgeberzuwen- dungcir und Arbeitsverdienst eingerechnet. In der Regel wird dort, Ivo außer der Unterstützung die Einkünfte die Höhe der zu zahlenden Miete erreichen, die Mictsnnterstützung verweigert. Ter Arbeitsverdienst soll jedoch nur zu einem bestimmten Teilbetrag — meistens die Hälfte desselben— angerechnet werden. Zugezogene erhalten die im Heimatsort erhaltene llnter stichung weitergezahlt. Flüchtlinge, deren Hcimatsort durch die Äriegswirren nicht in der Lage ist, die Unterstützung zu zahlen, erhalten nur die Rcichsunterstützung. Im Falle weiterer Be- dürftigkcit tritt jedoch für die ostpreußischen Flüchtlinge das beim Polizeipräsidium Berlin gebildete Kriegsbnrean ein. Kartoffel- und Brotpreise für Köpenick. Der Magistrat hat beschlossen, die Preise für Kartoffeln herab- zusetzen. Vom gestrigen Tage ab lostet der Zentner Z,2ä M. und 10 Pfund höchstens 35 Pf. Die hiesige Bäckerzwangsinnung hat beschlossen, die Preise für Brot folgendermaßen festzusetzen: DaS Vierpfundbrot 80 Pf., das Dreipfund- 00 Pf. und daS Zweipfundbrot 40 Pf. Das Backen von Weizengeböck im Gewicht von SO Gramm ist vom Landrat nicht genehmigt worden. Der Preis des 7S-Gran»n-Gebäcks beträgt aber nicht mehr 3, sondern nur 4 Pf. Auch diese Aenderung ist bereits seit dein gestrigen Tage eingejührt. StahruugSmittelverkauf in Britz. Auch die Gemeinde Britz beginnt jetzt mit dem Verkauf der von ihr beschafften Lebensmittel. Die Kommission hat für den Verkauf folgende Preise festgesetzt: Eßkartoffeln bei Entnahme von 20 Zentner und mehr 3 M. pro Zentner, im Kleinverkauf 20 Pfund 70 Pf., Futtcrkartoffeln Zentner 1.30 M.. Rindergulas-b die Ein p fund- dose 1,23 M., Hammelfleisch 1 M., Ochsenfleisch Zweipfunddose 1,80 M., Schweinefleisch 2,80 M. Der Verlans findet statt vormittags von 8—12 Uhr in der Ehausseestr. 48, nachmittags von 2—4 Uhr in der Gemeindeschule Bürgerstraße. Berechtigungsscheine zum Einkauf sind zu haben vormittags von 8—12 Uhr in, Zimmer 2 des Rathauses und nachmittags voir 2—4 Uhr bei Paul Kuppler, Bürgerstr. 37». Gemeiunutziger Bortrag in Steglitz. Mittwoch, den 23. Juni, abends 8'/z Uhr. wird der Garten- baulehrcr Herr W e i n h a u s e n in' der Oberrealschule, Elisen- straße, einen Vortrag halten über„Verwertung von Obst und Ge- müse im Kriege". Da voraussichtlich Obst- und Gemüsekonserven im nächsten Winter knapp und teuer sein werden, dürfte die Frage des„Einmachens", die der Redner ausführlich behandeln wird, die Hausfrauen besonders interessieren.— Der Eintritt ist frei. Kinderveranstaltungeu i»!1teukvlln. Morgen Mittwoch: Spielausflug nach dem Turnplatz der Freien Turnerschaft Neukölln-Britz, Kiesholzstraße. Abmarsch 2 Uhr am Wildenbruchplatz(Elsensteg). Sonntag, den 27. Juni: Kiirderwanderung nach Grünau (Kauoiienberge). Abfahrt morgens 7 Uhr von Bahnhof Neukölln und Hermannstraße. Kostenpunkt siir Kinder 00 Pf.(Fahrgeld, Uebersetzen, Kaffee). Kinder unter 10 Jahren 40 Pf. Mundvorrat und Getränke mitbringen. LiederSiicher nicht vergessen. Ms Industrie und Handel. Emil Rmthcimu. Sonntag nachmittag ist der Geheime Baurat Dr. ing. und Dr. Phil. Emil R a t h c n a u, Generaldirektor der Allgemeinen Elck- trizitäts-Gesellschaft und der Berliner Elektrizitätswerke, im Alter von 70 Jahren gestorben. An Emil Rathenans Nennen knüpft sich die rapide EntWickelung der Elektrizitätsindustrie in Teutschland. Die ersten Versuche Ra- thcnaus Anfang der 80 m: Jahr-,«den Fernsprechbetrieb und elektrisches Licht einzuführen, stießen auf große Schwierigkeiten. Am 19. April 1883 wurde mir seiner Hilfe die„Deutsche E d i- songcscllschaft für angewandte Elektrizität" mit einem Kapital von 5 Millionen Mark gegründet. Die ältere und größere Firma Siemens u. Halske beteiligte sich an dem neuen Unternehmen, das einen glänzenden Ausschwung nahm und heute in einem Riesenkonzern mit rund 4 Milliarden arbeitet. 1887 wurde die Edison-Gesellschast zur A. E. G. erweitert, und Rathenau trat als Generaldirektor an die Spitze des Unternehmens. Auch die beiden Söbne Rathenans arbeiteten in der Direktion mit. Der jüngere, Walter, trat später in die Direktion der Berliner Handels- gesellschaft über, die seit Jahren finanziell mit der A. E. G. ver- bundcn ist. 1884 gründete der Verstorbene die 1887 in Berliner Elektrizitätswerke umgewandelten Städtischen Elektrizitätswerke in Berlin., mit einem Grundkapital von 3 Millionen Mark. Emil Rathenau gehörte dein Anssichtsrat einer großen Zahl industrieller Unternehmungen an._ Der amerikanische Kriegsprofit. Der Handelsuunistcr der Vereinigten Staate», Redficld, teilte dem Kabinett mit, daß die aktive Handelsbilanz der Ver- einigten Staaten in der Zeit vom 1. August 1914 bis zum 20. Mai 1913 die beispiellose Höh« von 900 Millionen Dollar erreicht habe. Die Depositen der Sparkassenbanken im Staate New Dort haben im letzten Jahre erheblich zugenommen. Sie betrugen insgesamt zwei Milliarden Dollar. IialienS WirtschaskSleöen ber Kriegsbeginn. Gino Borgatta führt in der„Gazzetta dcl Popolo" vom 12. 6. aus, daß Italien sich in der Zeit der Neutralität de» Schwierig- leiten der Kriegslage wirtschaftlich angepaßt hatte und daher jetzt keine Erschütterung erfahren bat. Tie Metallreserven der Banken sind seit August 1914 allmählich gestiegen, stärker noch freilich die Notenausgaben. Ter Notenumlauf betrug am 10. August 1914 2280,3 Millionen Lire,, Ende November 2 901,4 Millionen. Januar 1915 2993 Millionen. Seit Ende März sind Notenumlauf und Goldreserven gestiegen wie folgt iin Millionen Lire): 31. März: 3113. 1333,4, 20. Mai: 3498,6. 1014,8. Also ist der Prozentsatz der Reserve von 49,29 Proz. auf 46,08 Prozent gefallen; der staatliche Notenumlauf ist von 500,9 Millionen(Ende 1914) auf 317 Millionen(Ende März) gestiegen, und durch Erlaß vom 26. Mai 1915 dürfen weitere 300 Millionen ausgegeben werden; doch sollten diese Emissionen lediglich für mili- lärischc und politische Zwecke verwendet werden. Seit Februar schwankt der Wechselkurs zwischen 7— 8 Prozent und 12— 14 Prozent, ein Anzeichen für das Ansteigen der inländischen Preise. Tas Hauptproblein sind die Kriegs kosten— die bis Ende des Jahres ansjj bis 5 Milliarden geschätzt tverden— und inwieweit ihnen die«-oparkrast des Landes entspricht. Von den 970 Mill. der Anleihe waren am 20. April nur noch 143 einzukassieren, d. h. cS waren erhebliche Borauszählungen geleistet worden. Ueber Gut- haben bei Banken und Sparkassen sind neuere Zahlen nur von den vier größten vorbanden. Sie sind natürlich etwas gesunken, näm- lich von 560 Mill. Ende Juli 1944 auf 311,5(Ende April». Die Staatsreiite(3,5 Proz.) stcbt auf 85 bis 86. Ihre tatsächliche Ver- zinsnng erreicht 4.1 Proz.(in Frankreich 4.15 Proz., in Oesterreich 6—-6/� Proz.). Diese Kurse können natürlich nicht aufrechterhalten werden, wenn eine große innere oder äußere Anleihe aufgenonrmen wird. Daiin mögen die großen Sparer und Kapitalisten, die zur Anleihe verhältnismäßig wenig beigetragen haben, einspringen, und ferner möge England einen möglichst großen Teil übernehmen. Gerichtszeitung. In die Geschäftsgeheimnisse der edlen Zunft der Milchpantscher leuchtete wieder einmal eine Verhandlung hinein, welche unter Bor- sitz des Amtsgerichtsrats Graf von Schulenburg- Angern das Schöffengericht Berlin-Mitte beschäftigte. Wegen wissentlicher Nahrung s mittelfälschung war der Milchgroßhändler Johann K o p p i t s ch angeklagt.— Ein Mitglied des„Vereins Berliner Milchpächter" hatte schon seit längerer Zeit die Wahrneh- mung gemacht, daß die gelieferte Milch nichts taugte, vielfach weniger als den für Vollmilch borgeschriebenen geringsten Fettgehalt ent- hielt bztv. diesen gerade erreichte. Er zog Erkundigungen ein, welche Ursachen dies habe und erhielt den Bescheid, er solle nur morgen? nach dem Bahnhof gehen, er werde dort fein„blaues Wunder" erleben. Der Zeuge folgte diesem Rate und sah eines Morgens auf dem Bahnhof 18 Milchgroßhändler, die weiter nichts taten, als wie Milch aus einem Faß in das andere gössen und auf diese Weise aus Magermilch Vollmilch machten, d. h. durch Zusatz von Magermilch die ursprünglich gute fette Vollmilch, wie sie nach Berlin kam, zu einer schlechten Milch machten, die gerade noch den Mindestfettgehalt und weniger besaß. Der Zeuge wandte sich an demselben Tage an das Getverbekommisiariat des Polizeipräsi- diums, welches ihm auf seinen Wunsch einen Beamten in Zivil mitgab. Als beide am Morgen des 1. April wieder auf dem Bahn- Hof erschienen, fanden sie die Herren Milchgroßhändler gerade bei der besten Arbeit vor. Der von ihnen beim Milchpantschen bcob- achtete Händler tvar der jetzige?lngeklagte Koppitsch, der be- reits fünfmal wegen gleicher Milchpantschereien vorbestraft ist. Wie das Gericht durch die Beweisaufnahme als festgestellt mifah, hatte der Angeklagte der ihm gelieferten Vollmilch große Ouanti- täten Magermilch zugesetzt.— Der Amtsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 400 M. Da? Gericht war jedoch der Ansicht, daß gegen derartige gewissenlose Fälscher, welche sich nicht scheuen, eins der wichtigsten Volksnahrungsmittel zu verfälschen, nur eine Gc- fängnisstrafe augebracht sei. Das Urteil lautete deshalb auf einen Monat Gefängnis und 100 M. Geldstrafe. Opfer ber Straße. Ein Straßenunfall, welcher den Tod einer jungen Frau zur Folge hatte, beschäftigte gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorfitz des Geheimen Justizrats B r i e s- k o r n. Wegen fahrlässiger Tötung war der 18 jährige Kutscher Erich L. angeklagt. Der bei der Firma Bolle angestellte Angeklagte kam eines Morgens mit seinem Milchwagen über den Motkenmarkt, und zwar fuhr er nicht nur gegen die Vorschrift auf der linken Seite, sondern auch noch in übermäßig schnellem Tempo. Dies hatte zur Folge, daß die 29 jährige Frau Grodek, welche gerade einen Straßenbahnwagen besteigen wollte, und dementsprechend nur nach links sah, den herankommenden Wagen des Angeklagten nicht bemerkte. Der im letzten Augenblick abgegebene Waniungs- ruf kam zu spät, die Unglückliche wurde zu Bode» gerissen und überfahren. Die Schwerverletzte wurde sofort in ein Krankenhaus überführt, wo sie, wie Mcdizmalrat Dr. Stoermer bekundete, an Zerreißung der Milz und Leber verstarb.— Vor Gericht brachte Justizrat Wronkcr als strafmildernd vor, daß der Angeklagte, der eine Tat tief bereue, zu der Bestattung der Getöteten einen präch- tigcn Kranz geschickt und auch sonst alles getan habe, um seine Schuld zu sühnen. Das Gericht erkannte dies auch bis zu. einem ge- wissen Grade an, verurteilte den Angeklagten aber, da es sich um eine recht grobe Fahrlässigkeit handele, zu zwei Monaten Gc- fän gn i s. Verbot des Verkaufs von Zigarren, Zigaretten, Streich- hölzern usw. an Kinder. Für den Bereich des 4. Armeekorps hat der stellvertretende kommandierende General dieses Korps in Magdeburg auf Grund des Belagerungsgesetzcs am 19. September 1914 eine Anordnung für die Dauer des Kriegszustandes erlassen, durch die verboten wurde, an Kinder Zigarren, Zigaretten, Streichhölzer, Feuer- Werkskörper u. a. zu verkaufen. Tas Landgericht in Halle a. S. verurteilte auf Grund dieser Anordnung den Gasttoirt Zaetsch, weil er an einen Knaben, der sie für einen Landsturinmann holte, Zigaretten verkauft hatte. Das Landgericht führte aus: Es handöle sich um ciiie Anordnung im Interesse der öffentlichen Sicherheit, wie sie nach dem Belage- rungsgesetz von den Militärbefehlshabern erlassen werden könne. Wenn Knaben mit Feuer umgingen und rauchten, könnten leicht Brände entstehen, und es könnten Werte vernichtet werden, die sich während des Kriegszustandes schwer ersetzen ließen. Die Anord- nung sei somit gesetzmäßig. Nun bade Angeklagter eingewendet, es wäre kein Verkaufen an ein Kind, wenn das Kind, wie hier, die Zigaretten für einen anderen kaufe. Dieser Einwand sei verfehlt im Hinblick auf den Zweck der Anordnung. ES sei hier nicht der zivilrechtliche Borgang des Vcrkaufens gemeint, sondern die Abgabe der fraglichen Waren an Kinder. Es solle verhindert werden, daß die Knaben rauchten und mit Feuer umgingen. Tas würde aber nicht verhindert werden, wenn die Abgabe von Zigarren, Zigaretten, Streichhölzern usw. an Kinder dann gestaltet sein wollte, wenn sie sie im Auftrag« anderer holten. Man müßte dann häufig mit einer bloßen Vortäufchung. sie wären für Erwachsene, rechnen. Es rechtfertige sich die Verurteilung des Angeklagten. DaS K a nr m e r ge r i ch t. bei dem der Angeklagte Revision einlegte, verwarf das Rechtsmittel mit der Begründung, daß die Auslegung, die das Landgericht Halle der Anordnung gegeben habe, zutreffend sei. Ms aller Welt. Kamcradcntreue bis zum Tode. lieber ein scköneS Beispiel menschlicher Solidarität wird in fol- gender Weise berichtet: _„Am 30. Oktober stand die 9. Kompagnie des 9. Rheinischen Jnf.-Regts. Nr. 160 in Ertvarlung�eines feindlichen Angriffs in höchster Kampsbereitschaft in ihrem Schützengraben. Jeder war auf seinem Posten, Gewehre und Munition noch einmal nachgesehen. Die Erwartung lraf zu. Bei Morgengrauen setzte eine gewaltige Kanonade ein. Zahlreiche Granaten� und Schrapnells platzten in unmittelbarer Nähe des Grabens. Schon war die Mittagsstunde herangekommen, da ertönte plötzlich ein lautes Krachen. Ein Voll- treffer schlägt in einen Unterstand ein und acht Leute werden verschüttet. Mit Anspannung aller Kräfte gelingt es bald. sieben von ihnen zu bergen. Wie durch ein Wunder sind sie sämtlich gar nicht oder nur leicht verwundet. Nur einer liegt noch unter den Trümmern. Als die feindliche Artillerie die Ausräumungsarbeiten gewahrt, verstärkt sie ihr Feuer. Hagel- dicht fallen die Geschosse in der Nähe der Unfallstelle nieder. Schon wollen die Unsrigen die Rettungsarbeit aufgebe», da ruft der Reservist S ch n i tz l e r aus Rheydt:„Was, ihr wollt nicht mehr? auch den letzten müssen wir herausbolen!" Mit neuem Eifer wird weiter gearbeitet. Plötzlich brach Scknntzler, von einer Sckirapnell- kngel getroffen, tot auf der Erde nieder, die seinen verschütteten Kameraden deckte. Aber über seinen Tod hinaus wirkte sein vor- bildlich aufopferndes Verhalten. Auch der letzte Verschüttete wurde lebend geborgen." Schweres Grubenunglück. Auf der Zeche„Shamrock" erfolgte Montag mittag vorzeitig die Explosion eines Spreng- sckiusscs, die drei Todesopfer forderte: ein Schietzmeistcr und zwei Heuer wurden getötet. Scglerunglück im Kleinen Haff. Am Sonntagnachmittag lentert« im Kleinen Haff infolge von Sturzseen in der Nähe der Kronen- ziegelei ein mit fünf Mann besetztes Viererboot des Nuderklubs Ueckermünde. Hierbei ertranken ein siebzehnjähriger Kaufmann und ein achtzehnjähriger Schriftsetzer. Zwei andere wurden durch� Schiffer gerettet. Der fünfte rettete sich durch dreiviertelstündiges Schwimmen und holte die Hilfe herbei. Wegen Anstiftung zum Morde verhaftete die Hamburger Polizei aus Ersuchen der Staatsanwaltschaft in Schwerin die Schwester des Boitzenburger Riörders, die 29 Jahre alte Olga CallieS. Diese stand mit dem Manne der ermordeten ThieS in Verbindung und hatte, da die Frau von ihrem geschiedenen Manne noch unter- halten wurde, ein Interesse an ihrer Beseitigung. Sie kommt also als Anstifterin zu der Mordtat ihres Bruders in Betracht. Parteiveranstaltungen. Charlottenburg. Heute, abends 8'/, Uhr, findet eine össentlilh e Volksversammlung im Volkshause, Rosinenstr. 3 statt. Stadt« verordneter Katzenstein spricht über.VolksernährungSfragem. Neukölln. Heute, abends 8'/, Uhr hält der Wahlvereiii in den Pasfage-Festfälen, Bergstr. 151, eine Mitgliederversammlung ab. Mitgliedsbuch legitimiert._ Eingegangene Druckschriften. Aus der Walze. Auszeichnmigen eines Handtverksbllrichcn. Von ?l. Slötzner. t M.— Selbstverlag des Verfassers in Wandsbek, Harn- burger Str. 23. Von der Feldpost zur Pottresorni. Zwei Anregungen von Dipl.- Ing. 23. Speiser. 31 S.— C. E. Poeschel, Leipzig. Sriefkasten üer Redaktion. Die luristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lmdeustr. 3, IV. Hos rechts, parterre, am tvtontag bis Freitag von t bis 7 Ui>r, am Sonnabend von S bis 6 Uhr statt. Jeder tür de» Bricskasten bestimmten Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen kein« AbonnemenIZauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Pt. B. 753. Darüber können wir keine Auskunft geben Da? find Fragen, die von der HeercSIeilung bestimmt werden, ohne da»; die Ocffenl« iichkeit davon KenniniS erhält.. Eine Beschwerde hatten wir für aussichtS- loS.' Wir wollen sehen, ob wir in der Sache etwas tun können.—(?. S. 20. Sie haben Anspruch ans eine Brotkarte für daS Kind. Wenn Sie beim Vorsitzenden der Brotkommönon Ihr Recht nicht bekommen, so müssen csie sich beschwerdeführend an den Magistrat wenden.— D. 87. Sonntags müssen Sie von 10—2 Uhr die Wohnung zur Besichtigung bereit hatten. — Menfi 41. Geschwulst am Halse, dienstuntauglich. Eine Ein- ziebung wird nicht stattfinden.— A. S. 100. Es können in diesem Falle allerdings mehrere zur Alimentation verpflichtet werden.— M. 71. Sie gelten als ausgemustert. Einem allgemeinen Ausruf brauchen sie nicht Folge zu leisten, dagegen ober einer persönlichen Gestellungsorder. — K. K. B. B. Lungen- und Herzkrankheit; zur Verfügung der Ersatz- behörden entlassen, sollten Sie"noch eingezogen werden, brauchen Sie nachher nicht weiter zu dienen. Die beiden Bezeichnungen haben gleiche Bc- deutung.— F. 25. Schwerhörigkeit und Bruchanlagc. landsturmpfiichtig. G. H. 100. DaS können Sie nicht vom steuerpsttchligeii Einkommen m Abzug bringen.— E. T. 1889. Die Klage ist beim Kausmannsgericht einzureichen. Ob eine Klage aus Nachzahlung des Gehalts Aussicht auf Erfolg hat, erscheint uns zweifelhast.— R. Sst. 79. Sic brauchen nicht zur Musterimg zu geben.— R. P. 133.«ic werden dazu nichts tun können. Ihr Mann mutz sich krank melden.— Havelberg 14. Wegen Herabsetzung der Sehschärfe dienstuntauglich. Eine Nachmusterung wird kaum erfolgen.— 77. H.$. Wegen Erkrankung der Unterleibsorgane dienswnsählg. Sie können nochmals zur Untersuchung beordert werben. — A. G. 9. Dir können Ihnen darüber nichts Genaueres sagen. Vielleicht erkundigen Sie sich bei einem Kassierer der Gewerkschaft danach. — M. 15. Sie müssen beim Armeilvorsteher sich ein Armcnattest au§- stellen lassen und dieses bei Gericht einreichen niit dem Antrag, Ihnen einen Ännenanwatt zur Vertretung Ihrer Sache beizuordnen.— Richard 99. Herzkrani.garnisonverwendmigssähig.— C. H. 400. Wenn der Jahrgang cinbcrusen wird, ist sehr unterschiedlich. DaS Zeichen kennen wir nicht, wahrscheinli» aber ist cS undeutlich geschrieben und soll bedeuten tttegSverwendungssähig.— P. P. Dresdener Straße. Ja. —®. K. 94. Die Tochter hat Anrecht auf Kriegsunterstützung, auch wemi sie keine eigene Wohnung hat.— F. B. 15. Auch der gediente Landsturm von45— 50 Jahren kaun nicht eingezogen werden; eS bedarf dazu erst der Zustimmung deZ Reichstags.— B. 9t. 60. Da Sie nachweisen können, dah Sie Ihre Mutter unterstützt haben, so hat diese Anspruch auf Unterstsitzung.— Fred» 3. Die Rente soll nicht in Anrechnung kommen. Führen Sie cventnell Beschwerde beim KreiSausschutz.— G. 15. Sie können den Antrag an daS Bezirkskommando mit Beifügung eines ärzt- lichen Attestes nachreichen. Wir bezwciseln aber, datz eS in diesem Falle und bei Ihrer Aushebung als ArmicrungSsoldat Erfolg hat.—- Nt. K. 100. Da die Mitgliedschaft in beiden Fällen bei der Kasse nicht fortgesetzt worden ist, so haben Sie keinen Anspruch aus Wöchnerinnenunterstützung.— K.K. 20. In diesem Falle raten wir Ihnen, ein Testament beim Notar aussetzen zu lassen.— A. F. 61. Soviel wir wissen, werden 150 M. Raution verlangt. Anspruch aus Untaslützuiig haben Sic. nachdem die Trauung vollzogen ist. (f. S. 41. 1. Sehr fraglich. 2. Grapbologische Monatshefte, München. Verlag A. Ackermann. Jährlich 12 Hefte a 80 Pf 3. Ersahren Sic dort. — M. A. 1. Schlechtes Gebiß, landsturinpillchlig.— C. 112. Ge- zwungen kann der Hauswirt dazu nicht werden.— P. 1K1. Wegen Schwerhörigkeit zurückgestellt.— W. W. 26. Schadenersatz könnte höchstens von demjenigen verlangt werden, der ihm die Verletzung zu- gefügt hat.— Unterstüvung 122. Die Mutter mutz Unterstützung er- hatten sür den aktiv dienenden Sohn, da sie früher bereits Befreiung bc. antragt hatte. Bei Verweigerung durch die Slcuerkasse soll sie Beschlverdc beim Miiitärbureau deS Magistrats einlege».— K. N. 42. Ohne nähere Angaben, weshalb Ihnen die Unterstützung verlvcigert wird, können ivir Ihre Frage nicht bcantwortcii.— F. K. 26. Sie sind nicht verpflichtet, sich zu melden.— G- H> 20. Sie können selbstoerständliip noch ein- gezogen werden. Wenn Sie weiter keine körperlichen Fehler haben, gelten Sie sicher als jclddienstsähig.__ WetterauSsichten für das mittlere Norddcutschland bis Mittlvochmittag. Im allgemeinen trocken und überwiegend bester, nur im Küstengebiete vorübergehend stärkere Zunahme der Bewölkung und an einzelnen Orten etwas Regen: im westliche» Bimiciilaiidc strichweise leichte Gewitter und etwas Abkühtung. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck tuBerlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co. Berlin SW,