Nr. 173.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Breis prämuneranber Bierteljährl. 880 ML, monatl 1.10 R wöchentlich 25 Big fret ins Haus Einzelne Summer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bo Abonnement: 1,10 Mart pro konat Eingetragen in die Bost Seitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Danemad, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint tägli • Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel gelle oder deren Raum 60 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", bas fettgedruckte Bort 20 Pfg.( zulaffig 2 fettgebrudte Borte), jedes meitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 fg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffe Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Freitag, den 25. Juni 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplan, Mr. 151 90-151 97. Kämpfe auf dem nördlichen Dnjeftrufer. Die Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 24. Juni 1915, vormittags.( W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Am Oft hang der Lorettohöhe warfen wir den Feind aus einem von ihm vor einigen Tagen eroberten Grabenstück. Südlich von Sonchez wurden die Kämpfe für uns erfolgreich fortgesetzt. Die Labyrinth stellung südlich von Neuville wurde gegen einen nachts einsezenden starken Angriff im zähen Nahkampf gehalten. Auf den Maashöhen kam es zu weiteren erbitterten Zusammenstößen; wir nahmen noch 150 Franzosen gefangen. Der Feind erlitt bei zwei fehlgeschlagenen Angriffen starke Verluste. Eine Unternehmung gegen die von uns gestern genommene Höhe bei Ban de Sapt wiesen wir ab; die Zahl der Gefangenen erhöhte sich um 50. Oeftlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich Kurschany ließen die Russen, bei einem von uns abgeschlagenen Angriff, über 100 Gefangene zurück. Am Omulew führte ein deutscher Vorstoß zur Fortnahme des Dorfes Kopaczysta. In Polen südlich der Weichsel wurden mehrere feindliche Angriffe zum Scheitern gebracht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals von Linsingen hat den Dnjestr überschritten; zwischen Halicz, das vom Feinde noch gehalten wird, und Zurawns steht sie im heftigen Kampf auf dem Nordufer; anschließend bis zur Gegend östlich von Lemberg und von Zolkiew wurde die Verfolgung fortgesetzt. Zwischen Rawa Rusta und dem San bei Ulanow hat sich nichts Wesentliches ereignet. = Im San Weichselwinkel sind die Russen bis hinter den San- Abschnitt zurück. gegangen, auch auf dem linken Weichselufer südlich von Ilza weichen sie nach Norden aus. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 24. Juni.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 24. Juni 1915. Oberste Heeresleitung. Landtagsschluß. Nach eineinhalbjähriger Dauer ist die Seffion des preußischen Landtages geschlossen worden, geschlossen gegen den Willen aller Parteien des Abgeordnetenhauses, die in wiederholten Besprechungen der Regierung kundgetan haben, daß sie sich angesichts der politischen Situation zwar mit einer Vertagung bis zum Herbst, nicht aber mit einem Schluß einverstanden erklären könnten. Die Regierung ist über die Wünsche der Volksvertretung zur Tagesordnung übergegangen. Formell ist sie im Recht, denn nach der Verfassung bedarf es zu einem Sessionsschluß keiner Mitwirkung des Landtages; ob sie politisch flug getan hat, die Gründe der Parteiführer in den Wind zu schlagen, das ist freilich eine andere Frage. Wenn auch wir uns gegen den Schluß aussprechen, so deshalb, weil wir auf dem Standpunkt stehen, daß in einer Beit wie der heutigen den Barlamenten die Möglichkeit offengehalten werden muß, nicht nur bei den wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung, sondern auch bei allen anderen wichtigen Fragen, vor allem bei der Frage der Handhabung der Zensur, der unter dem Belagerungszustand getroffenen Anordnungen, ganz besonders aber bei der Erörterung der Kriegsziele ihr Wort in die Wagschale zu werfen. Ob es sich dabei um ein Parlament handelt, das auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts oder um ein Parlament, das auf Grund eines plutokratischen Wahlsystems gewählt ist, darf da, wo das Ansehen des Barlamentarismus auf dem Spiele steht, keine Rolle spielen. Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß die große Mehrheit des preußischen Landtages sowohl in wirtschaftlichen Fragen als auch in der des Kriegszieles und in allen mit dem Kriege zusammenhängenden Angelegenheiten auf dem entgegengesezten Standpunkt steht wie die Mehrheit des Boltes. Aber das darf uns nicht hindern, für die Wahrung der Rechte des Parlaments einzutreten. Gelegenheit, den Anschauungen des Volkes Ausdruck zu verleihen, würde sich für die Sachwalter der Interessen des Proletariats, mag ihre Zahl auch noch so klein sein, schon finden. Der Schluß des Landtages hat zur Folge, daß eine große Reihe von Vorlagen der Regierung unter den Tisch fallen. Wenn man von dem politisch bedeutungslosen Entwurf eines Fischereigesetes absieht, braucht man sich nieder. Am 21. Juni und im Laufe der darauffolgenden darüber keine grauen Haare wachsen zu lassen. Das ScheiNacht hielten wir den feindlichen Vorstoß gegen Lemberg durch tern des Wohnungsgeseßentwurfes könnte man hartnädige Rämpfe auf. Der Feind erlitt bedeutende Verluste bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht bedauern, aber für bei seinen fruchtlosen Angriffen bei dem Dorfe Bukowice und so dringend notwendig wir den Erlaß eines Wohnungsweiter südlich am Szczered- Bache, es gelang ihm aber, in gefeges für Preußen auch halten, der von der Regierung eingereichte und von der Kommission des Abgeordnetendie Gegend der Stadt Zolfiew vorzubringen. Infolgedessen Hauses in wesentlichen Punkten noch verschlechterte Entwurf räumten unsere Truppen am 22. Juni 2em würde, wenn er Gesegestraft erlangt hätte, nur dem Namen berg und setzten ihren Rückzug an die neue Front fort. Am nach ein Wohnungsgesetz sein, in Wirklichkeit aber würden Am oberen Dujestr wurde Mikolajow und Dnjestr dauerte der Kampf füdlich vom Dorfe Kosmierzyn die Bustände auf dem Gebiete des Wohnungswesens die 3ydaczow genommen. Flußabwärts letterer Stadt find an, wo der Feind sich am linken Ufer des Flusses hält. In alten bleiben, nur mit dem Unterschiede, daß den Städten die verbündeten Truppen unter heftigen Kämpfen an mehreren der Ausbuchtung des Dnjestr drängten wir den Feind vom neue Lasten auferlegt und ihr Selbstverwaltungsrecht weiter Stellen auf das nördliche Dajestr- Ufer vor- Dorfe Unich gegen das Dorf Luta zurüd. In einem erfolg- berfümmert würde. Das gleiche gilt für den Gesetzentwurf zur Abänderung des Kommunalabgabengesetes reichen Bajonettkampfe machten wir an 1000 Gefangene. und des Kreis- und Provinzialabgabengesezes. Daß diese gedrungen. Russischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage in Ostgalizien hat sich nicht geändert. Destlich und nordöstlich von Lemberg find Kämpfe mit starken russischen Nachhuten im Gauge. Zwischen Weichsel und San setzt der Feind den Rückzug fort. Nördlich der Weichsel wurden russische Nachhuten über die Kamienna zurückgeworfen. Ostrowiec und Sandomierz sind von unseren Truppen besetzt. kämpfe statt. Italienischer Kriegsschauplah. An der Kärntner Grenze wurde beim Kl. Bal ein Angriff starker italienischer Truppen abgewiesen. Sonst fanden an dieser Grenze und an jener von Tirol nur GeschützIm Krn- Gebiete herrscht Ruhe. Am Isonzo heftiger Geschüßkampf. Angriffe der Italiener bei Gradiska und Monfalcone scheiterten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Ein neutrales Blatt über den Fall Lembergs. Gejeze reformbedürftig sind, wird von allen Seiten, nicht zulegt von der Sozialdemokratie zugegeben; wir verkennen Kopenhagen, 24. Juni.( W. T. B.)„ Nationaltidende" auch nicht, daß die Regierungsvorlage nach mancher Richtung schreibt in einem Leitartikel: Der Fall Lembergs ist eine hin einen Fortschritt bedeutet, aber die Gestalt, die der Ententscheidende Kriegsbegebenheit. Der russische Gewurf nach den Beschlüssen der Kommission in erster Lesung neralstab hat selbst erklärt, daß es einige Beit währen würde, bis erfahren hat, zeigt, daß die Kommission die Absichten der Rußland wieder imstande sei, wieder eine Offenfive zu unternehmen. Regierung in ihr Gegenteil verkehrt hat; sie bedeutet eine Aber diese Pause fann für die Heere der Alliierten Verschlechterung nicht nur der Regierungsvorlage, sondern verhängnisvoll werden. Die deutsche Heeresleitung gewinnt auch des geltenden Gesetzes. Das Grundteilungsdadurch Zeit für die Operationen im Westen und wird sicherlich ver- gefeß vollends mit seinen gegen die Polen gerichteten Ausstehen, sie auszunfißen. Die Hauptgefahr droht jetzt wahrscheinlich nahmebestimmungen paßt in die heutige Zeit ebensowenig dem italienischen Heere. Italien hat offenbar zu lange hinein, wie die Novelle zum Landesverwaltungsgewartet, sich zu einem entscheidenden Schritte zu entschließen. gese, die die Reform der inneren Verwaltung in einer Es hat dadurch die Gelegenheit versäumt, ohne Gefahr für die Weise einleitet, mit der sich die Sozialdemokratie nicht eineigenen Grenzen die Entscheidung bei den Dardanellen herbeizu verstanden erklären kann. Die sonstigen Regierungsvorlagen führen und dadurch die neutralen Ballanstaaten zum Eingreifen zu find von untergeordneter Bedeutung, teils wird die Neveranlassen. Troß der Versicherungen Asquiths und gierung von ihrer Wiedereinbringung überhaupt Abstand trop des Beistandes der italienischen Flotte scheint nehmen, teils bedürfen sie einer grundlegenden Umgees jegt außerordentlich zweifelhaft, ob die Alliierten staltung, wenn anders man an den Ernst der Regierung Szawle ist die tönnen. Neue Truppen können sie jedenfalls nicht für diesen Vom Standpunkt der Regierung aus ist es zu verstehen, Lage unverändert. Die Kämpfe dauern fort. Im Süden der Kampf entbehren. Deshalb übt der Fall Lembergs jezt auch eine daß sie reinen Tisch zu machen wünscht, um für die NeuSeen von Raigrod haben unsere Vorhuttruppen in der Nacht wirkung auf die Balkanpolitik sowie eine große orientierung der inneren Bolitik freie Bahn zu haben, denn zum 22. Juni den Fluß Eirina überschritten, das wirkung auf den südlichen Kriegsschauplatz aus. Sehr zweifelhaft die genannten Vorlagen find samt und sonders vor Ausbruch Der Verzicht auf die eine Dorf Kulighi besetzt und eine ganze Rompagnie der erscheint es, ob Cadorna jezt dem Anfiurme der deutschen und öfter- des Krieges eingebracht. Der russische Generalstabsbericht. Generalstabs. In der Gegen von Code of Ben in nächster Zeit die Türken werben inlagen glauben soll, die innere Politif neut aut quiet here Deutschen vernichtet. In der Nichtung auf Lomza heftiges reich- ungarischen Heere mit eigenen Kräften Widerstand leisten kann, oder die andere dieser Vorlagen und die Form, in der die Deutschen vernichtet. In der Richtung auf Lomza heftiges und ob Joffre nicht gezwungen wird, anstatt Unterstügung von den übrigen wieder eingebracht werden, wird ein Prüfstein sein Artilleriefeuer. Am Zanew schlugen wir bei dem Dorfe talienern zu erhalten, ein französisches Heer nach Norditalien zu für die Absichten, von denen sich die Regierung in Zukunft Lublines feindliche Angriffe zurück. Westlich von Rawa senden. Deshalb ist es feineswegs unmöglich, daß der große Sieg leiten läßt. Wir wollen mit unserem Urteil vorläufig zurückRuska wurde der Feind in der Nähe des Dorfes Gutazelena Madensens Bedeutung für eine rasche herbeiführung des halten, müssen aber auch bei dieser Gelegenheit der Forderung Ausdrud verleihen, daß die Regierung alsbald nach dem zurückgedrängt. Unsere Kavallerie machte 3 feindliche Kompagnien weltfriedens haben wird. Wiederzusammenkritt des Landtages km Herbst ihr Pro- grannn kimdgibt. Bei bloßen Redensarten darf sie es dann nicht wieder bewenden lassen, den Worten muß die Tat folgen, die schon längst als notwendig erkannten Reformen müssen unverzüglich in Angriff genommen werden. Das gilt vor allem von der Reform des Drek« klassenwahlsystems. Die schon zu Beginn der Session im Januar 1914 eingebrachten Anträge sind bisher nicht zur Beratung gekommen, nicht nur weil die Wahlrechts- gegner das verhindert haben, sondern auch weil den Antrag- stellern selbst an der Beratung ihrer Anträge offenbar nichts gelegen ist. Die Geschäftsordnungsdebatte vom IL. Juni wird weiten Kreisen die Augen darüber geöffnet haben, daß es den freisinnigen Wahlrechtsfreunden nur darum zu tun ist, den äußeren Schein zu wahren, daß sie sich aber in dem Moment, wo es gilt Farbe zu bekennen, unter nichtigen Vor- wänden aus der Affäre zu ziehen suchen. Sie haben dadurch der Regierung Gelegenheit gegeben, einer klaren Antwort auszuweichen. Das ist ein um so schwererer politischer Fehler, als sich die Regierung bis unmittelbar vor Ausbruch des Krieges jeder Reform des Wahlrechts entschieden ab- geneigt gezeigt hat. Beantwortete doch der Minister v. L o e b e l l am 18. Mai 1914 die Frage eines fortschritt- lichen Abgeordneten, ob er gewillt sei, daS geheime und direkte Wahlrecht vorzuschlagen, mit einem runden Nein, und in herausfordernden? Tone fügte der Führer der Konservativen hinzu: .Von uns können Sie sicher sein, daß wir in dem preußi» schen Wahlrecht in seinen Grundziigen den letzten und festesten Wall gegen die Demokratie in Preußen, und ich sage eS, auch im Reich erblicken, und daß Sie lange warten können, bis Sie unseren Widerstand in der Richtung besiegen werden. Wir warten ruhig ab, was geschieht, und haben die Hand am Schwert/ War es angesichts dieser Haltung der Regierung und der Konservativen, war es angesichts der Verhandlungen in der Budgetkommission, wo die Freikonservativen ausdrücklich er- klärten,„daß die Erfahrrrngen des Krieges nach einer ganz anderen Seite als nach der einer völligen Demokratisierring deS Wahlrechts gehen, daß nicht die Demokratie, so??dern eine starke Staatsgewalt, deren Wichtigkeit der gegenwärtige Krieg mit aller Offenheit lehre, die Folge sein solle"— war es angesichts dieser Tatsachen nicht ein Gebot politischer Klugheit, von der Erfüllung einer Pflicht gar nicht zu reden, daß die angeblichen Vorkämpfer für ein freies Wahlrecht die letzte sich ibnen bietende Gelegenheit benutzten, um der Regierung zu zeigen, wie das Volk über die Wahlrechtsfrage denkt? � Die gesetzgebenden Körperschaften Preußens hätten eine wirklich patriotische Tat vollbracht, wenn sie vor Auseinandergehen des Landtages dem Volke ein Recht garantiert hätten, auf das es schon vor dem Kriege Anspr??ch hatte und daS ihm vollends nach dem Kriege nicht vorenthalten werden darf. Daß sie den Augenblick ungenutzt haben vorübergehen lassen, läßt darauf schließen, daß eS ihnen mit der Lösung der wichtigsten Aufgabe der Gegenwart auch jetzt noch nicht ernst ist. Durch den Schluß des Landtages ist aber auch die Be- rawng zahlreicher anderer Initiativanträge von Bedeutung unmöglich gemacht worden. Wir erinnern an den Antrag betreffend den Erlaß eines Ministerverantwort. lichkeitsgesetzes, an dem es in Preußen immer noch fehlt, an die Anträge, die für die G e m e i n d e w a h l en die öffentliche Stimmabgabe durch die ge- beime ersetzen und in gewissen Grenzen auch den Frauen das K o m m u n a I w ah I r e ch t g ewä h r e n wolle??, an die Anträge betreffend den Religionsunter- richt der Dissidentenkinder, an die Anträge, die den G e b r a u ch f r e m d e r S p r a ch e n, vor allem der pol» nischen, in öffentlichen Versammlungen zulassen wollen. Sehr gern hätten wir es gesehen, wenn endlich auch der freikonser- vative Antrag zur Beratung gekommen wäre, der die Regie- rirng auffordert,„gegenüber den Beschlüssen der sozialdemo- kratischen Verbandsgeneralversammlung in Berlin vom 14. Juni 1914, welche auf Erzwingung des gleichen Wahlrechts für Preußen durch Vorbereitung deS Massenstreiks und Sammlung eines Kampffonds gerichtet sind, alle zur Aufrechterhaltung der Autorität und der Sicherheit des Staates erforderlichen Maßregeln zu treffen". Toß die Antragsteller ihren Antrag bisher immer noch nicht zurückgezogen haben, gibt doch Anlaß zu allerlei Vermutungen, ebenso beweist der ilmstand, daß die von dersel- ben Seite eingebrachte Resolution betreffend die V e r h ü- t?lng des übermäßigen Zuzugs der Arbeiter- bevolkerung zu den Großstädten nicht zurückgezogen ist, wie wenig gewisse Kreise von dem Geiste der neuen Zeit erfaßt sind, wie sie zwar von der Sozialdemokratie die Wahrung des B?lrgfriedens verlangen, selbst aber nicht um Haaresbreite von ihren Bestrebungen abzuweichen bereit sind. Durch den Schluß der Session sind diese Anträge und Jnter- vellationen sowieso hinfällig geworden, aber um nach außen zu dokumentieren, daß auch sie den Burgfrieden halten wol- len. hätten die Antragsteller sie kurzerhand zurückziehen müssen. Daß daS nicht geschehen ist, ist charakterrstisch. Auf eine bloße Vergeßlichkeit dürfte eS kaum zurückzuführen sein. Ist auch formell mit dem ganzen Wust reaktionärer Be- strebungen und Strömungen aufgeräumt, so habe?? die bürgerlichen Parteien doch nicht dlirchblicken lassen, daß sie sich in ihren Anschauungen gewandelt haben. Die Arbeiter sollen daraus die richtigen Lehren ziehen und sich nicht durch Illusionen einschläfern lassen. Die eiirzig erfreuliche Erscheinirng in der verflossenen Session ist die Stellung des Landtages zu der Kriegs- f ü r s o r g e. So scharfe Kritik wir an seine??: sonstigen Ver- halten auch zu üben gezwungen sind, so rückhaltlos erkennen wir auf der anderen Seite an, daß auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge Preußen den übrigen Bundesstaaten mit gutem Beispiel vorangegangen ish Die Bewilligung des Nachtragsetats von anderthalb Milliarden Mark, die Bereit- stcllung von 119 Millionen Mark für Zwecke der Kriegs- iürsorge, die Verabschiedung des Knappschafts-KriegsgesetzeS und ernige andere Maßnahmen sind Taten, deren sich der La??dtag nicht zu schämen braucht. Aber?vas bedeutet eine noch io gut ausgebaute Kriegslnohlfahrtspfleae, wenn dem Volke die Nahrungsmittel künstlich verteuert werden und wenn die Volksvertret?ing anstatt mit Entschlossenheit dem Lebens- mittelwl?cher z?? Leibe zu gehen, alles was bisher auf diesem Gebiete geschehen ist, gut heißt und auch in Zuk?lnft kaum etwas Durchgreifendes dagegen tun will. Fast spurlos sind die Ereignisse des Krieges an dem Preußenparlament vorübergegangen. Aeußerlich haben die Parteien sich bemüht, die Gegensätze nicht allzusehr in Er- scheinrmg treten zu lassen, vor Provokationen der kleinen so- zialdemokratischen Fraktion, wie sie früher gang und gäbe ?ocrer?, bat r:?an sich gehütet, ober das darf u?is nicht darüber h?nwegtäi?schen, daß die inneren Gegensätze gena?: so groß sind wie früher. Zu keineickei nennenswerten Zugeständnissen haben sich dre herrschenden Parteien bisher bereit gefunden, keinerlei bindende Erklärungen hat die Regierung abgegeben. Die Arbeiterklasse und ihre Vertreter sollten das in? Auge behalten, sie sollten auch unter der Parole des Burgfriedens ihren Grundsätzen treu bleiben und wenn der Friede her- gestellt ist, mit gesteigerter Energie die Arbeit aufnehmen, um die Anbahnung freiheitlicher Zustände in Preußen und in Deutschland._ P, H. Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 24. Juni.(W. T. B.) Der amtliche Berich vo:r gestern nachmittag lautet: Im Gebiete n ö r d- lich Zo?? Arras dauerte das Bombardement auf beiden Seiten die ganze Nacht an. Die Deutschen unter??ahmen neue Gegenangriffe, einen beim Friedhof Neuville, einen andern am Labyrinth. Alle beiden wurden völlig zurück- geworferr. Westlich der Argonnen, nahe der Straße Binarville— Menne le Chateau dauert der Kampf in den Verbindungsgängen mit Handgranaten an. Auf der übrigen Front in den Argonnen trieben die Deutschen großen Munitionsaufwand, aber unternahmen keinen Infanterie- angriff. Auf den MaaShöhen am Graben von Calo?me eroberten wir gegen Tagesende einen Teil der zweiten de?ttschen Li??te wieder. In Lothringen wurden neue Gegenangriffe gegen die Stellungen, deren wir unS bei Leintrey bemächtigt hatten, zurück- geworfen. Wir behaupteten unsere Gewinne??nd machten Gefangene. In den V o g e s e n bei Fontenelle im Gebiete von Ban de Sapt feuerte der Feind am Abend in einigen Stunden nahezu 4000 Granaten auf eine unserer vor- geschobenen Feldschanzen von einer Front von 200 Meter. Der Feind konnte dann dort Fuß fassen. Er griff gleichzeitig den benachbarten Schützengraben a??. Die deutsche Offensive wurde sofort unterbunden. Durch einen sehr glänzend ge- führten Gegenangriff nahmen wir beinahe daS ganze verlorene Gelände wieder. ES gelang dem Feinde nur, sich am äußersten Ende der Feldschanze zu behaupten. Wir machten 142 Gefangene, darunter 3 Offiziere. Im Fechtgebiet besetzten wir Sondernach und drängten unsere Linie auf den Hängen östlich deS Dorfes vor. Paris, 24. Juni.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Aus dem Gebiet nördlich von ArraS werden nur einige Jnfanterieaktionen gemeldet. Nördlich Souchez machten wir leichte Fortschritte und schlugen einen deutschen Gegenangriff zurück. Im A b- schnitt von Angres-MourtS hörte die Kanonade nicht auf. In der Nähe von Berry au Bae brachten wir an der Höhe 103 einen Minenherd zur Explosion, die einen Trichter von 35 Meter im Durchmeffer verursachte und einen deutschen Schützengraben ernstlich beschädigte. In der Champagne fanden auf der Front Perthes— Beau Esjour ein Minenkampf und heftige Kanonade statt. Auf den MaaShöhen am Graben von Calonne machte der Feind am Vormittag»inen heftigen Gegenangriff, der eS ihm gestattete, feine ehemalige zweite Linie zurückzunehmen.— Ein neuer deutscher Angriff im Laufe deS Nachmittags wurde ofort angehalten. Wir ergriffen unsererseits die Offensive und faßten in der zweiten Linie wieder Fuß. An den Rändern deS Prie st erwaldeS bombardierte der Feind ganz besonders heftig unsere Stellungen und Reserve- quartiere. In Lothringen bemächtigten wir unS in der illähe von Leintrey zweier Schanzwerke und machten Ge- ängene, darunter 8 Offiziere. In den Bogesen herrschten Gewitter und war dichter Nebel. Die englischen Verluste. London, 24. Juni.(W. T. B.) Die letzte Verlust- i st e weist 88 Offiziere und 2977 Mann aus. Der italienische Krieg. Gesterreichijche Darstellung öer Kämpfe bei plava. Wien, SM. Juni.(W. T. B.) DaS Kriegipresse- quartier meldet: TaS italienische Hauptquartier verbreitet über die bischerigen Kämpfe bei Plava unrichtige Nach- richten, welche den fehlgeschlagenen Angriffsversuchen den Anschein iegreicher Affären zu geben sich bemühen. Nach achttägigen, für den Feind äußerst verllfftreichen Kämpfen find die Stellungen bei Plava fest in unserem Besitze und an keiner Stelle durchbrochen. Der Gegner brachte, von über- mächtigem Artilleriefeuer unterstützt, am 1l>. Juni und in der Nacht zum 11. Juni etwa sechs Kompagnien auf das östliche Ufer. Ein sofort unternommener Gegenangriff mußte wegen feindlichen Artilleriefeuers eingestellt und bis zur Dunkelheit verschoben wer- den. Der Gegner zog es aber vor, auf das Westufer zurückzugehen, ohne überhaupt Widerstand zu versuchen. Am 12. Juni überschritt feindliche Infanterie abermals den Jsonzo und ging zum Angriff auf Höhe 383 vor, wohin das Feuer von zirka 80 Geschützen kon- zentriert wurde. Der Gegner kam an unsere Stellung heran, wurde jedoch im erbitterten Nahlampf derart geworfen, daß das Gros wieder auf das Westufer zurückflutet«. Gegen 1000 gefallene Italiener blieben im LngriffSraum». Drei neuerliche Angriffe in der Nacht zum 14. Juni tmxrden leicht abgewiesen. Ein am 14. Juni abends unternommener Angriff brach blutig zusammen. Am 15. Juni beschossen die Gegner unsere Stellung ununterbrochen unter ungeheurem Munitionsaufwand. Die in der folgenden Nacht unternommenen drei Infanterie- angriff« gegen Höhe 383 zerschellten an dem Widerstarü) der tapferen Dalmatiner, ebenso ein am 13. Juni nachmittags von starken Kräften unternommener Angriff. In der Nacht und vor- mittags am 17. Juni griffen nochmals bedeutende In- fanteriekräft«, nämlich die Brigaden Ravenna und Forli, verstärkt durch Mobilmiliz, an und er- litten schwere Verluste. Gefangene sagten auS: Der König selbst habe angeordnet, die Höhe bei Plava um jeden Preis zu nehmen. Mittags am 17. Juni?var der Kampf entschieden. Der Gegner verschanzte sich vor unseren Stellungen, unter- nahm aber keinen ernsteren Angriff mehr. Die Meldung über die Wegnahme eines österreichisch-ungarischen Maschinengewehrs ist erfunden, dagegen eroberten wir zwei italienische Maschinen» gewehre. Von glaubwürdigen Aussagen Gefangener abgesehen, liegen in dem etwa 1200 Meier breiten Angriffsfeld 3 0 0 0 u n- bestattete tote Italiener. Unsere Gesamtvere l u st e an Toten, Verwundeten und Vermißten erreichen bei weitem nicht diese Zahl. In den Kämpfen bei Plava mußten unsere Truppen auch mit betrunkenen Italienern kämpfen, was an Gefangenen und Verwundeten einwandfrei festgestellt ist. Auch fand man in den Feldflaschen Schnapsreste. Bei dem Gegner herrschen unklare Vorstellungen über die Genfer Konvention. Ver« wundete wurden von italienischen Soldaten bestialisch erstochen. Am westlichen Ufer fuhren Munitionsautomobile für eine feindliche Motorbatterie unter dem Schutze des Roten Kreuzes. Anderer- feits schickte der Gegner nach einem Gefecht ein Tetachement von Aerzten und Mannschaften knapp vor unsere Stellungen zur Bergung der Toten. Später erschien ein Leutnant, der sich als Parlamentär ausgab und ohne Besitz einer Vollmacht über die Be- seitigung der Toten sprechen wollte. Derartige Versuche zur Aus- kundschastung werden mit Gefangennahme der betreffenden Per- sonen erledigt. Der Armeeoberkoinmandant erkannte die braven Streiter von Plava durch folgendes Telegralnm an: Die Armee ist stolz auf die braven Truppen von Plava. Nur so Weiterl Feldmarschall Erzherzog Friedrich. Itattenische Deschwerüe über österreichische Kriegsbräuche. Rom, 24. Juni.(W. T. B.) Die Agenzia Stefani meldet: Nach dem österreichisch-ungarischen Tagesbericht ist ein it a l i e n i?' ch e r Parlamentär, welcher vor der feindlichen Front erschienen war, zurückgehalten worden, weil er keine Schriflstücke besaß, die seine Eigenschaft als Parlamentär auswiesen. Wahrheit ist, daß unser Parlamentär entsprechend den Kriegsgebräuchen sich in Begleitung eines Trompeters mit einer weißen Fahne zur österreichischen Front begeben hatte, um die Freilassung dreier Feldärzte zu erwirken, die in der Nacht vom 17. zum 18. Juni die italienischen Stellungen Verlasien hatten, um Kranke zu pflegen, und willkürlich vom Feinde zurückgehalten worden waren.— In Mißachtung aller Rechts wurden die Feldärzte nicht nur nicht ausgeliefert, sondern auch der Parlamentär zurückgehalten, welcher durchaus regelrecht gehandelt hatte. Dee türkische Krieg. Die Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 23. Juni.(23. T. B.) DaS Hauptquartier teilt mit: An der Kaukasusfront bemächtigten sich unsere Truppen, die sich in der Richtung Olth befinden, gestern nach erbittertem Kampfe deS 2900 Meier hohen Karadagh, der in der Gegend von Kale Boghazi zwei Stunden von unserer Grenze enrfernt liegt. Wir erbeuteten von dem nach Osten flüchtenden Feind mehrere hundert Kisten M?lnition und eine Menge Material der Pioniere. An der Dardanellenfront wurde am 22. Juni ein am Ufer bei Ari Burnu vorüberfahrendes feindliches Torpedoboot durch zwei von unserer Feldartillerie abgefeuerte Granaten getroffen. worauf es sich entfernte. Die Schlacht bei KeddulBahr am LI. Juni, die fast 24 Stunden dauerte und mit einer Niederlage des Feindes endete, verlief folgendermaßen: Der Feind berettete einen wirksamen An- griff vor, indem er besonders während fünf Tagen ohne Unter» brechung mit seiner schweren Artillerie unsere Schützengräben bom» barbierte, die einen Teil des linken Flügels unserer Gruppe bei Sedd ul Bahr bildeten. Am 21. Juni morgen? 5 Uhr hatte der Feind, nachdem er dieses Feuer noch verstärkt hatte, indem er 150 Granaten in der Minute abfeuerte, infolge eine? Sturmangriffes und da??k beständig bei ihm eingetroffener Verstärkungen einen Teil unserer Schützengräben auf unserem linken Flügel besetzt, die übrigens sehr dicht an ihn herangeschoben waren. Die Schützen- gräben gingen aus unseren Händen mehrere Male in die deS Feindes infolge wiederholter Gegenangriffe über. Gegen abend blieb nur noch ein 100 Meter langes Stück Schützengraben in den Händen des Feindes. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni nahmen unsere Truppen, die während des Kampfes am Tage großen Heldenmut gezeigt hatten, durch energischen Angriff und nächtliche Ueberraschung dieses Stück Schützengraben dem Feinde wieder ab. der schließlich trotz großer Munitionsverschwendung und unter großen Verlusten für ihn in Unordnung in seine alten Stellungen zurückgeworfen wurde. Gestern versuchte der Feind kein« Kampfhandlung. Nur am Morgen und am Abend dauerte der Artilleriekanrpf n?it Unter« brechungen auf unserem linken Flügel an. Auf den ü b r i g e n F r o n t e n ereignete fich nichts von Be- deutung. Der Seekrieg. Der Unterseebootskrieg. K-penhagen, 23. Juni.(W. T. B.) Meldung de» Rttzauschea Bureaus. Die Besatzung de» deutschen FischdampferS, der von Skagen-Fischern nach Skagen geschleppt wurde, erzählte, ein englisches Unterseeboot habe von einer Flottille, die auS sieben Fischdampfern bestand, drei bis vier Fisch« dampfer versenkt. Die Besatzungen hätten reichlich Zeit er« halten, die Dampfer zu verlassen. London, 24. Juni.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Panzerkreuzer„Roxburgh" ist am 20. Juni von einem Torpedo getroffen, aber nicht ernstlich beschädigt>vorden. Das Schiff konnte unter eigenem Dampf seine Fahrt fortsetzen. London. 24. Juni.(W. T. B.)(Meldung des Reuter- chen Bureaus.) Lloyds lnelden aus Cullercoatess Leute traf von dem Datnpfer„L a m a" folgende Nachr?cht e?n: Wir nahmen soeben die Besatzungen der Drifter(Segelfischerboote mit Motoren)„O u i e t w a t e r" aus Peterhead und„Vice- r o y" aus Aberdeen auf, die gestern abend elf Uhr bei den Shetlandinseln 25 Meilen östlich Skerries versenkt wur- den. Sie meldeten, daß gleichzeitig fünf andere Drif- ter versenkt wurden. Torpedierter norwegischer Dampser. Bergen, 24. Juni.(W. T. B.) Der norwegische Dampfer „Nova" ist hier heute mit der Besatzung des norwegischen Dampfers„Trauma" angekommen. Der auf der Fahrt von Archangelsk nach London mit einer Holzladung am Mittlvochvormittag in der Nähe der Shetlandsinseln t o r P e- d i e r t??nd in Brand gesteckt worden war. Die Besatzung wurde von den Deutschen sehr höflich behandelt, die das Boot mit der Besatzung zu„Nova" schleppte??. nielche in Sicht ge- kom?nen war. Die„Trauma">var 1557 Bruttoregistertonnen groß. Zur �ufltanla�flffäre. Berlin, 24. Juni.(8S. T. B.) Durch Reuter ist am 18. Juni über Poldhu und in der Presse die Nachricht verbreitet worden, dem KapitSnleutnant Hersing sei der hohe Orden?our 1s m ö r i t v als Belohnung für die von ihm vollbrachte Versenkung d er.Lusitania� verliehen worden. Von unterrichteter Seite wird uns hierzu mitgeteilt, daß Kapilänleutnant Hersing diese hohe Auszeichnung sür Kriegsverdienste erhalten hat, die mit der Vernichtung der»Lusitania" in keinem Zusammenhang st ehe n. Russisches v-Soot öurch öeutsches Zlugzeug vernichtet. Berlin, 24. Juni.(33. T. 33.) Am 22. Mai wurde in der Ostsee ein russisches Unterseeboot, anscheinend vom Akula-Typ, durch ein deutsches Flugzeug, 25(fünfund- zwanzig) Seemeilen östlich von Gotland, mit Bomben be- worfen. Der Erfolg konnte damals nicht festgestellt werden. Nunmehr wird von russischer Seite zugegeben, daß dieses Unterseeboot verlorengegangen ist. Die Einberufung eines Parteitages in Zrankreich. Aus Senf wird uns geschrieben: In Beantwortung des an den Parteivorstand der franzö- fischen sozialistischen Partei gewendeten Schreibens der Föderation de Haute Vienne, in welchem u. a. auch von der Einleitung einer allgemeinen Friedensaktion die Rede ist, beschloß der P a r t e i v o r st a n d(C. A. P.) die Einberufung eines außergewöhnlichen Parteitages, d. h. des Nationalratcs der Partei, mit Vertretung aller der Partei angehörenden Verbände oder Föderationen. DaS Abstimmungsrccht wird unter den Vertretern der einzelnen Verbände im selben Verhältnisse verteilt werden, in welchem dieselben auf dem letzten Parteitage(Amiens 1913) vertreten waren und ihre Beiträge bezahlt hatten. Als einzelner Punkt der Tagesordnung ist von der C. A. P. vorgesehen worden: Be- trachtungen über die allgemeine Lage. Der Krieg und öas innere parteileben Italiens. Lugano, 20. Juni.(Eig. Ber.) Nach dem Bericht deS römischen Parteisekretariats, der bereits nach dem Kriegsausbruche veröffentlicht worden ist, hat die dem Kriege vorausgegangene allgemeine Krise die politische und numerische Entwicklung der italienischen sozia- listischen Partei nicht geschädigt: die Partei zählt augenblicklich 37000 Mitglieder, wobei zu bemerken ist, daß ge- wöhnlich erst gegen Ende des Jahres ein endgültiger lieber- blick über die Zahl der Parteimitglieder gegeben werden kann. Auch der Kassenbestand der Partei ist als zufriedenstellend zu bezeichnen. Unter den bereits in den Krieg gezogenen Mannschaften gehören 20000 der Partei- und der Jugend- orgamsation an. WaS den Zustand der Parteipresse betrifft, so haben etwa 30 Parteiorgane ihr Erscheinen für die Kriegsdauer ein- gestellt, und zwar freiwillig, weil sie sich den Schikanen der Zensur nicht unterwerfen wollten. Um die Tragweite der sich dadurch ergebenden Situation richtig beurteilen zu können, müssen jedenfalls auch die unter normalen Verhältnissen in der italienischen Presse herrschenden Zustände berücksichtigt werden. Vor allem ist zu bemerken, daß es sich um wöchentlich erscheinende Provinzblätter handelt. Schon oft haben die Parteitage und der Parteivorstand den Kreis- organisationen gegenüber geäußert, eö wäre ratsamer, die kleineren Zeitungen zu größeren zu verschmelzen, ihre Zahl zugunsten der Qualität zu opfern und somit auch mehr Einheillichkeit und Disziplin in die all- gemeine Bewegung zu bringen und so viel Genossen als möglich um daS Zentralorgan zu scharen. Viele von den betreffenden Zeitungen hatten einen lokalen Charakter, ihr Einfluß erstreckte sich auf eine winzige Zahl von Proletariern und Organisationen. Mit dem Ausbruche des Krieges sind in manchen Ortschaften sämtliche Leser der lokalen Presse eingezogen, die an den Redaktionen beteiligten Genossen sind ebenfalls einberufen worden, so daß das Erscheinen der Zeitungen materiell unmöglich geworden ist, und daS um so mehr, alS in Italien die meisten Zeitungen auf den Einzelverkauf angewiesen sind, wobei die Parteiblätter von freiwilligen Bei- trägen der Parteigenossen und organisierten Proletarier inS Leben gerufen und gefördert werden. Durch daS Eingehen dieser Blätter wird demgemäß daS Parteileben nicht geschädigt, weil die einzelnen in der Heimat gebliebenen Genoffen ihr Lokalblatt durch den.Avanti" ersetzen, WaS unter den jetzigen Verhältnissen politisch und moralisch besonders wünschens- wert ist. WaS den, A V a n t i* betrifft, so wird seine Verbreitung innerhalb des Landes und sogar im Auslande mit allen mög- lichen Mitteln verhindert, und daß trotzdem das Zentralorgan der italienischen Sozialdemokratie selbstverständlich, wie eine jede andere italienische Zeitung der Präventivzensur unterliegt, was übrigens auch durch die zahlreichen von der Zensur„weißgemachtcn" Stellen des Blattes bewiesen wird. Bezeichnend ist dabei, daß trotz der wiederholten An- fragen, die durch den„Avanti" und von den sozialistischen Ab- geordneten an die betreffenden Behörden und Ministerien ge- richtet worden sind, der„Avanti" noch nicht offiziellen Bescheid weiß über sein Schicksal. Das Kriegsministerium wälzt die Verantwortlichkeit auf das Ministerium der Post ab und um- gekehrt. Der„Avanti* besteht aus der bescheidenen Forde- rung, endlich Bescheid zu wissen, ob er einem Ausnahme- verfahren unterliegt, und wenn dem so ist, soll jemaud die Verantwortlichkeit für das Ausnahmeverfahren über- nehmen... Jedenfalls muß hinzugefügt werden, daß auch der „Avanti" eine„Ausnahme" in der gesamten Tagespresse macht: er ist seinemProgramm treu geblieben, beteiligt sich nicht an der Kriegshetze und will vom„Burg- frieden" nichts wissen... Auch die„Critica Sociale", die von den Genossen Turati und Treves redigierte sozialistische Revue, ist von der Zensur bedeutend„reduziert" worden. In der vorletzten Nummer ist z. B. von der im Inhaltsverzeichnis angegebenen Parlaments- rede Turatis, die er vor der Kriegserklärung im Namen der Fraktion gehalten, im Text nur der Titel erschienen.— die bulgarische SoZialöemokratie im Weltkrieg. Von Janko Sakasoff. Sofia. Der Balkankrieg im Jahre 1S12— 13, dessen Ergebnisse die erste Veranlassung zu dem heutigen ungeheuren Menschen- und Gut- verwüstenden Kriege boten, ließ Bulgarien unbefriedigt und be- raubte eS der Früchte seiner langjährigen Bemühungen. Dank der fehlerhaften Politik seines Königs und einiger seiner Militär- und Zivilratgeber wurde eS von fünf Seiten überfallen und mutzte an vier Nachbarländer grotze und wichtige Gebiete abtreten. Dieser Verlust bestimmte nachher seine Politik. Als der grotze Krieg im Juli 1914 ausbrach, war der kurzlebige Balkanbund zerrissen und unser Land befand sich unter dem Einfluß der deutsch-österreichischen Politik. Die Regierung RadoZlavoff-Tontscheff-Ghenadieff unter der Führung des Königs hoffte einen Teil von dem wiederzugewinnen, was ein Jahr zuvor das Land verloren hatte, und im ersten Moment traten alle regierungsfreundlichen Blätter und Politiker für einen Einfall Bulgariens in Serbien ein, damit es die streitigen mazedonischen Gebiete zurückerobere. Man votierte in der Sobranje einen ersten Kredit von 60 Millionen Frank für MobilisationSzwecke und gab der Regierung die Vollmacht, das Land unter KriegSrecht zu stellen. Die Unruhen in Mazedonien begannen wieder von sich reden zu machen und alle mazedonischen Flüchtling« in Bulagrien bereiteten sich siegesbewußt vor, in daS unglückliche Land einzumarschieren. Die politische Atmosphäre war von einem glühenden Haß gegen Serbien erfüllt und man glaubte wirklich, daß die Regierung sich zu einem Einfall in Serbien rüste. DaS KriegSrecht war über daS Land verhängt, die außerordentliche Session der Sobranje wurde geschlossen, und es blieben nur einige parlamentarische Gesetzmittel, mit deren Hilfe sich auf die Handlungen der Regierung ein mätzi- gender Einfluß ausüben ließ. Alle oppositionellen Fraktionen im Parlament taten sich nun zusammen und bildeten einen von allen Parteien beschickten Ausschuß, der in Verbindung mit der Regie- rung treten sollte, um die geschaffen« Situation zu beraten und vor abenteuerlichen Schritten zu warnen. Man forderte Frieden und Besprechung der Interessen der Nation mit den beiden kämp- senden Gruppen. Diese Altion der Opposition, die einige Monate dauerte, wirkte wie eine kalte Douche auf die erhitzten Köpfe der kriegswütenden Schreihälse der Regierung. Die Regierung wollte zugunsten Oester- reichS und Deutschlands vieles wagen, aber die Furcht vor der Be- völkerung, die durchaus friedlich gesinnt war, machte fie zögernd und behutsam. An dieser Aktion nahm unser« Partei«inen ent- scheidenden Anteil. Di« vereinigten Sozialisten und die Bauernbündler waren die treibenden Kräfte bei der auf Erhaltung deS Friedens gerichteten Propaganda, die«in für das ganze Land wohltuendes Resultat gehabt hat. Unter dem Drucke der äußeren und inneren Einflüsse gab die Regierung nach und bekannte sich zu der loyalen, strikten Neutralität. Als sich nun aber die Türkei in den Krieg gegen die Entente einmischte, veränderte sich die Situation, und die Stellung der bulgarischen Parteien. Die russenfreundlichen Parteien, wie die Narodniaki GeschoffS, die Zankowisten DaneffS und die Demokraten MalinoffS, wurden auf einmal kriegerisch und begannen zu er- klären, daß die Zeit der Einmischung Bulgariens gekommen sei. ES habe schon die zwölfte Stunde geschlagen, wenn Bulgarien seine nationalen Ideale verwirklichen wolle. Auch in diesen Momenten hat unsere Partei eine erfreu- lich« Rolle gespielt. Wie am Anfange deS Krieges die regierende Partei der Nation ausmalte, wie die Zentralmächt« das ganze Mazedonien unserem Lande schenken würden, wenn wir gegen Serbien vorrückten, so drängte jetzt die russenfreundliche Oppo- sition zum Kriege gegen die Türkei, da man so die an Serbien, Griechenland, Rumänien und die Türkei verlorenen Gebiete wieder gewinnen könne. Unsere Partei, und gleich dieser auch die Bauern. bündler, traten entschieden gegen die Agitation der Russenfreunde. wie früher gegen die Agitation der Freunde Oesterreichs auf und förderten im hohen Maß« die friedliche und neutral« Stimmung der Bevölkerung. Wir verlangten, daß die Regierung neutral bleibe und so die Anerkennung unserer wohlbegründeten natio- nalen Forderungen erlange. Vor allem aber müsse fie in Ver- bindung mit unseren Nachbarn, den kleinen Balkanstaaten, treten, um eine Annäherung mit allen denen zu verwirklichen, mit denen wir auch künftighin auf der Balkanhalbinsel leben und wirken werden. Anstatt mit der einen oder der anderen Gruppe der Kämpfenden zu gehen, könne unser Land mit den Nachbarländern ein« Macht bilden, die dt« Balkanhalbinsel für die Balkanvölker verteidige und erhalte. Diese unsere Agitation für die Neutralität und die diploma- tische Erwirkung eine» national gerechten Zusammenleben« am Balkan, fand eine starke Unterstützung im bulgarischen Volk«. Wir hoffen, daß auch in dem jetzigen dritten Stadium, da unser Land von beiden Gruppen so liebenswürdig umworben wird, mit einer neutralen Politik vieles zu erreichen ist. Wie das geschehen kann, bleibt einer Regierung, die wie wir denkt, und handelt, vorbehalten. Man soll fich über die gezwungene Neutralität der Regierung RadoSlavoff» keine Illusion machen. Wenn die Interessen deS Königs und der herrscheichen Gruppen e» erheischen, ohne Gefahr für ihre Personen anS der Neutralität herauszutreten, so werden sie gleich auf der einen oder anderen Seite losschlagen. Nur die zurückhaltende Stimmung des Volke», der Sozialisten und Bauern- bündler, dämpft die kriegerischen Heißsporn« de» Militär» und der Mazedonier. Wir wissen nicht, ob wir imstande sein werden, die herannahende Flut zu beschwören, aber unsere Partei ist fest entschlossen bis zum Ende zu kämpfen gegen eine Einmischung in den Krieg und für eine friedliche Lösung der noch schwebenden Balkanfragen. Sulgarien und öie Zentralmächte. Prof Otto H o e tz s ch vertritt in der„Kreuz-Zeitnng" die Ansicht, daß Bulgarien, seiner zentralen Lage entsprechend, immer mehr der Drehpunkt der Perhandlungen auf dem Balkan geworden ist. Interessant ist, wa» der konservative Politiker über die jetzigen Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei und im Anschluß daran über die Stellung der Zentral- mächte zu Bulgarien sagt: „Schafft diese ganze Haltung Serbiens für Bulgarien eine Lage, die ihm aufgedrängt wird, und aus der es jedenfalls heute Mazedonien sich noch nicht zufallen sieht, so hat es selbst seine Be- Ziehungen zur Türkei schärfer angefaßt. An sich ist über die Ge- meinsamkeit der bulgarisch-türkischen Interessen in beiden Ländern auch�kein Zweifel. Aber aus dem Londoner Vertrag von 1913 ist ein Stachel zurückgeblieben, der eben recht fühlbar geworden ist, als die Türken 299 für Bulgarien bestimmte Eisenbahnwaggons auf der Linie zwischen Dedeagatsch und Swileu ffürkisch Mustafa Pascha) angehalten haben. Tiefe Eisenbahnlinie, die Bulgarien mit seinem neuen Hafen am Mittelländischen Meere verbindet, geht nämlich über 100 Kilometer durch türkisches Gebiet, über Küleli-Burgas. Der Ton, in dem nun die bulgarische Presse seik einigen Tagen die Vereinigung dieser Differenz, mit der zugleich auch ein Stück Maritzagrenze zusammenhängt, fordert, wird immer dringen- der. Man verlangt Zugeständnisse von der Türkei, in manchen Kreisen sogar bis zur Linie Enos— Midia. Aber auch bei der geringeren Forderung dreht es sich immerhin um ein Dreieck von 2599 Quadratkilometer Umfang, und die neue bul- garische Grenze käme dann bedenklich nahe an die Stadt Zldrianopel heran. Wir wissen nicht, ob die Türkei auf diese Ansprüche, über die soeben der bulgarische Politiker Kaltschew in Konstantinopel verhandelt hat, eingehen kann. Unser Wunsch kann nur sein, daß diese lokale Differenz nicht, indem sie fort- während htn- und hergeschoben wird, Verstimmungen� und Reibungen zwischen zwei Staaten scbasft, die in ihrem und in unserem Interesse BundeZgenosi en bleiben müssen. Inwieweit die deutsche Diplomatie in diese Schwierigkeiten helfend eingreifen kann, sind wir aus der Ferne zu beurteilen natürlich nicht in der Lage.� Wie aber die Zentral- mächte im ganzen über Bulgarien und seine Zukunft denken, dar- über hat sich der frühere österreichische Minister Geßmann, bekannt- lich ein Mitglieo der christlich-sozialen Partei, zu einem Mit- arbeiter der bulgarischen Kambana soeben offen und entschieden ausgesprochen. Wir sollten meinen, daß diese Worte deS öfter- reichischen Politikers auf die Bulgaren Eindruck machen mußten. Sie müssen davon überzeugt sein, daß Oester- reich schlechterdings keine territorialen Er- Weiterungen auf der Balkanhalbinsel anstrebt, und daß eS Wunsch und Interesse der Zentralmächte ist, em starkes, wohl abgerundetes Bulgarien entstehen zu sehen." Man kann eS im Interesse der künftigen Gestaltung der Dinge auf dem Balkan wie auch im Interesse der Zentralmächte nur be- grüßen, wenn einerseits die Türkei die Bestimmungen des Lon- doner Vertrages von 1913 mit feinen Härten gegenüber Bulgarien einer Revision unterzieht, und wenn andererseits Oesterreich keine Erweiterungen auf dem Balkan anstrebt. Nur sollte man berück- sichtigen, daß eS namentlich gegenüber Bulgarien weniger darauf ankommt, allgemeine Erklärungen abzugeben als die Worte in Taten umzusetzen. Die schlimmen Erfahrungen, die Bulgarien in den letzten Jahren gemacht hat, lassen es erklärlich erscheinen, daß es sich nicht auf bloße Versprechungen einlassen will, sondern von den beiden mit ihm verhandelnden Mächtegruppen sofortige praktische Maßnahmen erwartet. Dle englische Munitionsversorgung. London, 24. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Lloyd George sagte bei Einbringung des Gesetzentwurfs be- treffend Vermehrung der Munitionserzeugung: „Der Mangel an Munition infolge großen Verbrauchs in diesem Kriege ist dem Feinde ebenso bekannt, wie den Engländern selbst. Die Dauer des Krieges, die Verluste an Menschenleben und der schließliche Sieg oder aber die Niederlage hängen von der Frage ab, ob der Bedarf an Munition genügend gedeckt werden kann." Die Alliierten seien sowohl in der Anzahl der Mannschaften, als auch in der Qualität, welche der des Feindes nicht allein gleich- komme, sondern sie, wo es darauf ankomme, übertreffe, überlegen. Die Erzeugung von Geschossen bei den Zentralmächten betrage, so- weit seine Informationen gingen, 2S9 999 Stück täglich. Ein Be- such in Frankreich habe ihn bezüglich der Frage, was Frankreich bereits getan habe und noch tun könne, sehr beruhigt. Wenn Eng- laud in den nächsten Monaten ebensoviel erzeugen könnte, wie die französischen Fabriken wahrscheinlich zu verfertigen imstande sein würden, so würden die Verbündeten eine bedeutende Ueberlegen- heit in Geschossen haben. Alle technisch geschulten Kräfte und Che- miker de? britischen Reiches müßten mobil gemacht werden. Seit Errichtung deS Munitionsministeriums seien bereits große Aufträge auf Granaten vergeben. Lloyd George erwartet, daß in einer Stadt allein 259 999 Geschosse monat» lich hergestellt werden. DaS Land sei in zehn MunitionS- gebiete unter sachverständigen Ortsausschüssen eingeteilt. Der Staat werde vielleicht auch die Kontrolle über den Me- t a l l m a r k t übernehmen, um einer Verschwendung kostbaren Materials zuvorzukommen. Lloyd George legte Nachdruck darauf, wie wichtig es sei, über geübte Arbeiter zu verfügen, und sagte, daß mit einer genügenden Zahl solcher Arbeiter die Zahl der Ma- schinengewehre in ein paar Wochen verdoppelt werden könnte, was zur Vermeidung von Verlusten und zur Behauptung von Stel- lungen von höchstem Belange sei. Lloyd George führte ferner au», daß die Produktion einiger Fabriken verdoppelt werden könnte, sobald die hemmenden Regeln der Gewerkschaften außer Kraft träten und keine Streiks und Aussperrungen mehr vorkämen. Die Arbeiter der Munitionsindustrie und die Dockarbeiter hätten sich bereit erklärt, alle Differenzen einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Die Arbeitgeber erklärten sich bereit, dies Zugeständnis nicht zu mißbrauchen. Ferner habe er mit den Gewerkschaften vereinbart, daß der Ge- winn der Fabriken, in denen die neuen Bestimmungen gälten, herabgesetzt werden solle. Eine Arbeiterarmee sei gebildet, die bereit sei, überall, wo fie gebraucht wecke, in der MunitionSinduftrie zu arbeiten. Weiter seien Maßregeln getroffen, um die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England enger zu gestalten, da«s ver- schieden« Dinge gebe, welche die Länder für einander erzeugen könnten, sodaß durch ein gemeinsames Borgehen die MunitionS- erzeugung vergrößert wecken könne. Lloyd George erklärte. Deutsch. land habe immer Kriegsmaterial aufgestapelt und sei mit jedem gut Freund geblieben, bis«S mit seinen Vorbereitungen fertig g«, wesen sei. Während der Valkankrise habe Deutschland sich so be- scheiden und anspruchslos wie möglich gebärdet(I). ES habe für Frankreich ein freundliches Lächeln bereit gehabt, Rußland als Freund behandelt und sei mit England Arm in Arm durch die Kanzleien Europas gegangen. Wir waren, sagt Lloyd George, wirklich der Meinung, daß«in Zeitabschnitt des Friedens und der Freundschaft angebrochen sei. In demselben Augenblicke aber er- zeugte und verbarg Deutschland bereits enorme Mengen Kriegsmaterial, um die Wachbarn damit im Schlafe z u überfallen und zu ermorden, sll) Wenn eine solche Irreführung der Völker untereinander Erfolg hat, wird in Zukunft jede Grundlage für freundschaftlich« internationale Beziehungen zusammenstürzen. ES ist für den Weltfrieden notwendig, daß der Plan mißglückt, und unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß er miß- glückt.(Lauter Beifall.) Mwerbung von englischen Munitions» arbeitern. London, 24. Juni.(SB. T. B.) Meldung de« Reuterichen Bureaus. Lloyd George bat eine besondere Abicilung im Mu« n i t i o n S m i n i st e r i u m sür die Llnwerbung von Arbeitern ein- gerichtet. In allen großen Städten ist ein besonderer Stab tätig, um gelernte Arbeiter anzuwerben, die sich für sechs Monate binden und verpflichten, in den ihnen angewiesenen Mnnilionsfabrike» zu arbeilen. Es bestehen bereits vierhundert solcher Werbe- b u r e a u s. Srpans Nachfolger. Washington, 24. Juni.(W. T. B.) Meldung deS Reuterschen Bureaus. Präsident Wilson hat den Rat des Staatsdepartements, San fing, endgültig als Nachfolger Bryans zum Staatssekretär ernannt. Gerichtszeitung. Die ominöfe Postkarte. S Dapierten hatte ein lebhaftes Interesse daran, feftauftellen, mit tohol herunterzufpülen fh beranlaßt fah. As er am bon wem diese gefälschten Postkarten ausgehen könnten; er 8. April d. J., abends gegen 7 Uhr, von der Arbeit in seine fragte im Hause herum, ob und welcher Reisende sich an Wohnung zurückkehrte, befand er sich in aufgeregtem Zustande. Er geboten habe, einen Nähmaschinen Kaufvertrag abzuschließen, ärgerte sich über die in der Schlafftube herrschende schlechte Luft, und es gelang ihm auf diese Weise, den Angeklagten nahm das daselbst im Bett liegende jüngste Kind aus dem Bett Als Antwort auf eine ihm zuteil gewordene unhöfliche Behand- als den Schreiber der Karten zu ermitteln. Dieser gab heraus und legte es vor die Wohnungstür. Darauf warf er den lung hat der Nähmaschinenreisende P. einen Streich ausgeführt, der auch zu, mit Hilfe der Postkarten beabsichtigt zu haben, gesamten Inhalt des Bettes nach dem Hausflur hinunter, wo sich ihn gestern unter der Anklage der Urkundenfälschung und einerseits Herrn H. für sein Verhalten ihm gegenüber zu schiktanieren, feine Frau befand. Diese stürmte nun hinauf und schlug von Bedrohung vor die Straffammer des Landgerichts II führte. anderseits auch gleichzeitig der Konkurrenz einen Streich zu spielen. hinten mit einem Bantoffel auf ihren Ehemann ein. Der Angeklagte Als der Angeklagte eines Tages in einem Hause der Streuzbergstraße Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 4 Monate drehte fich darauf halb um und stieß seine Frau mit dem linken Fuß Kunden für die von ihm vertretene Nähmaschinenfabrit zu erwerben Gefängnis, während sein Rechtsbeistand bestritt, daß diese vor den Unterleib. Diese Abwehr hatte ungeahnte böse Folgen: suchte und dieserhalb bei dem dort wohnenden Herrn H. vorsprach, Postkarten einen urkundlichen Charakter hätten, da sie zum Beweise die Frau hustete einige Male und war bald darauf eine bereitete ihm diefer einen unfreundlichen Empfang, indem er ihm von Rechten und Rechtsverhältnissen feineswegs von Erheblichkeit eiche. Die Leichenöffnung ergab, daß die Verstorbene an einer erklärte, daß er sich durch die ewige Bettelei" belästigt fühle. Es tam wären. Es tam wären. Der Gerichtshof tam nach langer Beratung zu einer Blasengeschwulst litt und infolge des Fußtritts sich ein Riß in der einem lebhaften Wortwechsel, in deffen Verlauf anderen Rechtsauffassung und verurteilte den Angeklagten wegen Blasenwand gebildet und einen Bluterguß veranlaßt hatte, der zum der Angeklagte von einem Treppenpodest aus drohend dem Herrn Urkundenfälschung zu 2 Wochen Gefängnis und wegen Be- Lode führen mußte. Der Staatsanwalt beantragte die S. zurief: er würde ihm am liebsten mit seinem Schirm den drohung zu 15 M. Geldstrafe. Bejahung der Schuldfrage im Sinne der Anklage. Justizs Schädel einschlagen. Damit war diese Szene beendet. Am nächsten rat Rempner hielt die Freisprechung des Angeklagten für und dem darauf folgenden Tage wurde Herr H. durch sonderbare geboten, einerseits aus dem Gesichtspunkte der Anwend Besuche überrascht. Es erschienen nämlich kurz hintereinander Vertreter von Nähmaschinenfirmen, die fich zum Verkaufe einer Näh- Eine Anklage wegen Körperverlegung mit tödlichem Erfolge barkeit des§ 51 des Strafgesetzbuches, anderseits weil sich der Angeklagte im Stande der Notwehr befunden habe. Der Verteidiger maschine erboten. Auf die sehr erstaunte Frage nach der Ver- führte gestern den Arbeiter Friedrich Lettto vor das Schwur fonnte fich in legter Beziehung auf die„ objektivste Behörde", die anlassung ihres Befuches zeigte jeder von ihnen eine mit dem gericht des Landgerichts II. Der Angeklagte lebte mit seiner Staatsanwaltschaft, berufen, die feiner Zeit die Erhebung der AnNamen des Herrn H. unterschriebene Bostkarte vor, die folgenden zweiten Frau in nicht sehr glücklicher Ehe. Er behauptete, daß die flage abgelehnt habe und diese erst auf Grund eines Beschlusses Inhalt hatte: 3 beabsichtige, eine Nähmaschine zu kaufen, wenn geringe Sorgfalt der Frau für den Haushalt und für seine Person der Strafkammer erhoben worden sei. Die Geschworenen kamen Sie eine alte in Zahlung nehmen. Bitte um Ihren Besuch morgen ben Grund zu fortgefeßten häuslichen Szenen bildete, die schließlich zur Verneinung der Schuldfrage, worauf die Freisprechung des Annachmittag zwischen 3 und 4 Uhr." Der lezte, der auf diese Weise dazu führten, daß der Angeklagte mehr als einmal seinen Aerger geflagten erfolgte. Verband d. Gemeinde- n.Staatsarb. Filiale Groß- Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Sollegen August Herrmann bon der 18. Revier Inspektion Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, den 26. Juni, nachmittags 4 Uhr, bom städtischen Friedhof, Müller: straße, Ede Seestraße, aus. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 34/15 Die Ortsverwaltung. Verband der Bureanangestellten Ortsgruppe Groß- Berlin Am Dienstag, den 22. Juni 1915, verstarb unser Mitglied Adolf Herrfurth Angestellter der Drts- Strantentaffe der Buchbinder. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Mahlsdorf, Hellersdorfer Straße 16, aus ſtatt. Um rege Beteiligung ersucht 46/8 Die Ortsverwaltung. Am 22. d. M. entschlief nach langem schweren Leiden unser penfionierter Angestellte, Herr Adolf Herrfurth im Alter von 59 Jahren. In seiner 17jährigen Tätigkeit hat er sich durch Fleiß und Ge missenhaftigkeit ein bleibendes Andenten bewahrt. 268/19 Der Vorstand der Orts- Krankenkasse der Buchbinder u. verw. Gewerbe zu Berlin. Die Beerdigung findet Freitag, den 25. Juni, um 3 Uhr nachmittags vom Trauerhause, Mahlsdorf, Hellersdorfer Str. 16, aus statt. Am 22. d. M. entschlief nach langer Krankheit unser lieber Kollege 268/20 Adolf Herrfurth im 59. Lebensjahre. Der Entschlafene tar uns ein aufrichtiger Freund, sein lauterer Charakter und sein allzeit freundliches Wesen sichern ihm bei uns ein bleibendes Andenken. Die Kollegen der Drts- Krankenkasse der Buchbinder u. verw. Gewerbe zu Berlin. Deutscher Buchbinder- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege Adolf Herrfurth nach langem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Mahlsdorf, Hellersdorfer Str. 16, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 23/8 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Zuschneider Joh. Handtke geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4 Uhr, auf dem Pius- Kirchhof in Wilhelmsberg statt. 169/6 Die Ortsverwaltung. Stiefelkönig FriedrichstrBl an der Karlstr Großer Sommer Ausverkauf Unvergleichliche Preisvorteile! Dantjagung Deutscher Textilarbeiter- Verband. Für die rege Beteiligung und den vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen hiermit meinen aufrichtigen Dant. 63A Otto Neumann, Kremmener Str. 13. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Tell. nahme anläßlich der Beerdigung mei nes lieben Mannes sage ich allen Filiale Berlin. Andreasstr. 17. Sonnabend, den 26. Juni, abends 8, Uhr, bei Nowottnick, Langestraße 30: 190/1 Branchen- Versammlung M MANOLI Verkäufe. Teppich- Thomas, Dranienſtr. 44 spottbillig farbfehlerhafte Teppiche, Gardinen. Borwärtslejern 5 Prozent Extrarabatt. 10* Monatsanzüge, nur wenig getragen, Baletots, Ulster, Hosen, Ges sellschaftsanzüge werden spottbillig berlauft. Die elegantesten Anzüge find leihweise billig zu haben. Altbelannte Firma. Mag Wetz, Große Frankfurterstraße 88. Die führende Zigarette Kupfer, Stilo 180 Meffing 120. Alle Metalle höchstzahlend. Konieda, Südost, Taborstraße 23, Laden. +18 Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort geschrittene, einzeln oder im Birkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an * gefertigt. G. Swienty Riebknecht, Charlottenburg, Stuttgarterplag 9, Gartenbaus III. 445* Teppiche mit einem Fehler, sehr billig. Gardinen, Portieren, Stepp deden, Tischbeden, Diwandeden, sehr billig. Borwärtslejer 5 Brozent Rabatt. 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Branchenangelegenheiten. Bahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen erwartet Die Ortsverwaltung. Bilanz der Rohstoff- und Spargenossenschaft der Schuhmacher von Neukölln und Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Bom 15. Mai bis 31. Dezember 1914. Aktiva. Passiva. Mr. Fol. 3. An Inventar- Stonto 15. . 19 Spar- Konto K.G. 26.300.. " " 25. " Baren- Stonto Kassa- Konto. 1 311.19 9. " 97.59 23. " Summa 1 734.78 30. 1 734.78 30. Mt. 1. Per Mitglied- Ant.- Konto 555.4. Reservefonds- Konto 31.Darlehens- Konto 900.Gew. u. Berl. Konto 248.78 Summa 1734.78 1734.78 . . • Für die vielen Beweise herzlicher Fol Teilnahme und die zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sagen wir allen daran 18. Beteiligten unseren herzlichsten Dant. Marie Wicke und Kinder. Möbelfabrik., Stern". Eingetragene Genossenschaft mit befchränkter Haftpflicht. Bilanz ber 31. Dezember 1914. Aktiva. M. 1 012,24 Staffenbestand Warenbestand Inventar- Konto 25 205,48 2048,94 1 639,16 15 425,60 . • 6 528,80 20 Proz. Abschreib. 409,78 Debitoren- Konto. Bant- Konto • Passiva. Anteil- Konto Darlehn- Konto Reserve- Fonds . • • . W. 49 811,28 Untoften- Stonto usw. Kreditoren- Konto Unsichere Forderungen Gewinn u. Verlust- Konto M. 450,00 38 321,09 458,00 1 500,00 4 560,00 2 000,00 2 521,69 7.49 811.28 Die Bahl der Genossen beträgt am Schluß des Geschäftsjahres 15; eingetreten find im verflossenen Ge schäftsjahr feine, ausgetreten auch teine. Das Geschäftsguthaben der Genoffen beträgt 450 M. Die Haftfumme auch 450 M. Die Zahl der Mitglieder betrug am 15. Mai 1914 27, neu aufgenommen 4, ausgeschieden durch Tod und Geschäftsaufgabe 3, so daß am 31. Dezember 1914 ein Mitgliederbestand von 28 vorhanden war. Die Haftsumme betrug am 31. Dezember 1914 1400 Mart. Neukölln, den 28. Februar 1915. Der Vorstand. Konrad Holland. August Titze. Der Aufsichtsrat. Karl Redmann. Wasche mit Gott helf Stellenberg. Martin Grünke. 103/19 H.Pfau, Bandayist Berlin Dircksenstraße 20 C., zwischen Bahnhof Alexanderplat und Bolizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen. Henkel's Bleich Goda. DRUCK ARBEITEN in guter Ausführung Neichgestickte Portieren, Victoria. fuch 4,35, Leinen 7,50, Plüsch 8,75 pro Fenster. Extraangebot. Teppichhaus Emil Lefevre, Dranienstr. 158. aus feinsten Maßftoffen 14-38 Mart, Baletots 12-36, Beinkleider 4-10, Burschenanzüge. Deutsches Garde robenhaus, Große Frankfurter ftraße 116 I. 728* Leihhaus Prinzenstraße 105 laufen Sie von Stabalieren menig getragene Jadett, Rodanzüge, Bale tots, größtent eils auf Seide gearbeitet. Gelegenheitstäufe in neuer Maßgarderobe. Gold- und Silbers waren. Höchste Beleihung aller Wertsachen. 53/ 1* Möbel. An 261/ 51* Verschiedenes. Patentanwalt Müller, Gitschiner ftraße 16. Die gegen die Frau Schulz qusgesprochene Beleidigung nehme ich mit Bedauern zurüd. Frau Witte, Schulzendorferstraße 17a. Arbeitsmarkt. 548 Stellenangebote. Dampfteffel- Heizer suchen Magnefiawerke Weißensee, Lehderstraße 28. Korbmacher auf 66 er, ganz aus Weiden, verlangt Lorenz, Kleiststraße 31. 53 Korbmacher auf runde Geschoßförbe aus Weiden sucht Fabian, 52/ 12* Laufiberstraße 9. Sonntagstaffierer oder Kassiererin verlangen per sofort Gebr. Kaßner, Bülowstraße 6. 55S Motorschlosser für Automobile, tüchtige, sofort gesucht. Meldungen 9-1 Uhr vormittags und 5-7 1hr nachmittags. A. Jandorf u. Co., BelleAlliancestraße 1/2, Personalverwaltung IV. Etage. Nur im Kriege diese Preise, nie wiederkehrend. Kleiderspind, Vertiko Bettstelle mit Berglasung 42,-, englisch 38,-, Nußbaum- Diplomat 56,-, komplette Rüche 56,-, fleideschrant mit Spiegel 68,-, Ausziehtisch mit Verbindung 26, Stommode 20,- und viele Einzelmöbel für jeden annehmbaren Breis. Ehrlich, Alfe Schönhauserstraße 32.* Kriegspreise! 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Ackerhalle: Stand 10. 232/6 enthaltend 5 vorschriftsmäßig bedruckte Feldpost- Briefumschläge nebst Briefbogen, 5 vorschriftsmäßig bedruckte Postkarten Preis 10 Pf. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 3. für größere Arbeit auf längere Zeit gesucht; zu melden Lintstr. 26, Treppe. gebisse. Goldsachen, Silberabfälle, Tüchtiger älterer Höchstpreise!„ Dietallschmelze Cohn", Brunnenstraße 25 und Neukölln, Berlinerstraße 76. 27/ 6* Fahrradankauf Weberstraße 42. Eisendreher findet dauernde Beschäftigung bei Platin, Goldſachen, Silberfaden, Schuchardt& Schütte, Bahngebisse, Stanniol 2.-, Qued. filber, Glühstrumpfasche fauft 249/ 20* Blümel, Auguftitrage 69. Neukölln, Mahlower Str. 23. Plattenschneider Damenrad, Herrenrad kauft berlangt Michaelis KnopfStreeje, Andreasftrage 37. 527/1 fabrik, Mohren str. 40. 19315 Berantw. Rebatt.: Alfred Wielepy, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Borwärts Buchbr. u. Verlagsaftan Baul Singet& Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsbl Nr. 178. 82. Iahrgaug. L Keilm des Jormürtf KerliM KolksM Freitag, 25. Zvvi 1915. Die Darstellung der „Norddeutschen Allgemeinen\ soweit die vom Vorsitzenden und der„National-Zeitung" kommen. Tatsächlich hatte Zrieöensgerüchte. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: „Die„Frankfurter Zeitung" berichtet folgendes aus Berlin:„Seit einigen Tagen schwirren hier Go rächte über Friedensabsichten oder Friedens� anbahnungen herum, werden von Gutgläubigen ans genommen und von manchen tendenziös gedeutet. Es wird da erzählt, daß russische Unterhändler von hoher Geburt hier gewesen seien und sich nach dem Hauptquartier begeben hätten. Es werden sogar russische Fricdensbedingungen genannt und in Verbindung damit eine Anleihe. An dem allen ist k e i n wahres Wort. Es sind keinerlei Unterhändler hier gewesen, auch keine Per- sonen, die irgendwelche Fühlung versucht hätten. Es ist natürlich infolgedessen auch niemand solcher Art nach dem Hauptquartier gereist. Es handelt sich um ganz grundlose Gerüchte. Ebenso steht es mit ähnlichen Gerüchten, die immer noch an den einen Pazifisten- k o n g r e ß anknüpfen, der vor einigen Wochen in Holland stattgefunden hat, und auf dem durch Ver- mittlung einer holländischen Persönlichkeit eine Fühlung nach etwaigen Fricdensbedingungen versucht worden ist. Es ist früher schon einmal von uns mitgeteilt worden, was daran Wahres ist: Ein deutscher Gelehrter hat ganz korrekt und loyal an berufener Stelle gefragt, ob und unter welchen bestimmten Bedingungen an Frieden zu denken sei, und es ist an der berufenen Stelle auf die Angelegenheit gar nicht eingegangen worden. Sie war damit erledigt. Eine andere Persönlichkeit, die in jenen Gerüchten erwähnt wird, hat gar nicht vom Frieden gesprochen, sondern im Gegenteil aus eigenen Beobachtungen nur versichert, daß man in England nicht an Frieden denke." Inzwischen veröffentlicht ein deutschfeindliches Schw eizer Blatt einen„vertraulichen" Brief des Vorsitzenden des Bundes„Neues Vaterland", der offenbar dazu bestimmt ist, unser Dementi vom 6. Juni zu erschüttern. Da das unter dem Einfluß französischer Politiker stehende Blatt dabei die durchsichtige Tendenz verfolgt, den Entschluß des Durchhaltens bei der deutschen Arbeiterschaft zu durch- kreuzen, so wiederholen wir hiermit ausdrücklich— unter Bestätigung der Darstellung der„Frankfurter Zeitung"— folgendes: Während deS ganzen Krieges hat keine feindliche Regierung, sei es unmittelbar, sei es mittelbar, Friedensangebote an Deutschland gemacht, auch ist bisher der Reichsleitung nichts über Friedensbereit- jchaft einer feindlichen Negier ung bekannt geworden Frankfurter Zeitung" und der Zeiwng" ist keineswegs korrekt, des Bundes„Neues Vaterland" berichteten Tatsachen in Frage ein hoher holländischer Beamter im Haag es übernommen, in Berlin zu sondieren, auf welcher Basis man zu Friedensverhandlungen bereit sei, nachdem englische Politiker mit dem holländischen Staatsmann loegen Friedensmöglichkciten verhandelt hatten. Wie die National- Zeitung" vor kurzem mitteilte, hat die deutsche Negierung eS aber„abgelehnt, sich mit der Angelegenheit zu befassen". Alle Einzelheiten, insbesondere die Namen aller beteiligten Personen, werden in dem Brief des Vor- sitzenden des Bundes„Neues Vaterland" genannt. Die „Norddeutsche" sucht sich über diese Tatsachen hinweg- zuhelfen, indem sie unser Berner Parteiblatt, das diesen ursprünglich an die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ge- richteten Brief abgedruckt hat.„deutschfeindlich" und„unter dem Einfluß französischerPolitiker stehend" nennt. Den Be- weis für diese Vorwürfe bleibt sie allerdings schuldig. Inzwischen scheint bereits von neuem ein Weg zur An- bahnnng von Friedensverhandlungen beschritten zu werden. Wir berichteten bereits gestern, daß ein Züricher Blatt ge- meldet hat, in der Schweiz sollen in nächster Zeit„verschiedene politische Persönlichkeiten sowohl des Dreiverbandes wie der Z e n t r a l m ä ch t e eintreffen, um unverbind- liche Besprechungen über die Grundlagen einer Friedenskonferenz anzuknüpfen. Die Zu- sammenkunft sei der Anregung des Präsidenten Wilson zu verdanken."— Die„National-Zeitung gab die Meldung mit allem Vorbehalte wieder und erwähnt gleichzeitig aus zu- verlässiger Quelle, daß die hiesigen Regierungskreise den „geplanten" Verhandlungen fernstehen.— In der „Deutschen Tageszeitung", die seit gestern früh wieder erscheint, erklärt darauf Graf Reventlow wörtlich: „Daraus geht hervor, daß jene Nachricht tatsachlich nicht mit Borbehalt aufgenommen zu werden braucht, sondern die Zusammen- kunst wirklich g e p l a n t ist, also vermutlich auch stattfinden w i r d." Auch dieses Dementi der„Norddeutschen" muß also richtig gelesen werden, so wie Graf Reventlow es tut. Der „Deutschen Tageszeitung" ist bei ihrem politischen Standpunkt erklärlicherweise die Tatsache von unverbindlichen Verhandlungen unangenehm,>vas sie aber nicht hindert, zuzugeben, daß auch„unverbindlichen" Verhandlungen in der gegen- wärtigen Situation Bedeutung zukonimt. Graf Reventlow schreibt: „Die Wendung in dem obigen Berichte: daß jene„politischen Persönlichkeiten unverbindliche Besprechungen" anknüpfen würden, erscheint nicht uninteressant. Warum wird die.UnVerbindlichkeit" so beflissen hervorgehoben, wo sie selbstverständlich sein sollte? Wie könnten überhaupt derartige Besprechungen von irgend- welchen„politischen Persönlichkeiten" veranstaltet und abgehalten werden, verbindlich, das heißt, sür irgendeine Regierung maßgebend sein oder unter ihren Auspizien stattfinden. Die aus Mailand kommende Mitteilung will mithin den Anschein erwecken, als ob es Regierungen gäbe, welche Interesse daranhätten, durch politische Persönlichkeiten unverbindliche Fühler auszustrecken. Da die deutsche Regierung nach der Mitteilung der„National-Zeitung",— und ohne Zweifel ebenfalls die Regierungen Oesterreich-Ungarns und der Türkei,— den Veranstaltungen fernsteht, andererseits aber auch„politische Persönlichkeiten" der Z e n t r a l m ä ch t e an der Veranstaltung teilnehmen werden, so wird man eS wohl wieder mit solchen Ltreisen zu tun haben, die hier letzthin wiederholt ge- kennzeichnet worden sind." Nach polemischen Bemerkungen gegen Wilson und Amerika fährt Graf Reventlow fort: „Alles da» würde gut zu den„unverbindlichen" Friedens- befprechungen und ganz besonders zur Anwesenheit von politischen Persönlichkeiten der Zentralmächte passen. Sollten die Mailänder Mitteilungen wahr sein, so möchten wir nur wünschen, daß, soweit eS Deutschland Persönlichkeiten" die Schweiz zu ihrem wählten. Im Deutschen Reiche darf lismus heute weniger Platz sein Sache des Vaterlandes und der nalen Plänen, Propaganden usw. betrifft, die„politischen dauernden Wohnsitze für den Internationa- denn je. Daß die Nation sich mit internatio- nicht vereinigen läßt, be- stätigte dieser Tage die sozialdemokratische Mannheimer „Volks stimme", indem sie ausführte, daß angesichts der jetzigen Lage eine internationale Friedensaktion das Gegenteil ihrer Absicht hervorriefe. DaS Blatt fährt fort:„So lange gibt eS für uns keine andere Politik als jene, die wir bisher schon be- folgt haben: wir bleiben bei der Sache unsere? Vaterlandes, die auch die Sache unserer Arbeiterklaffe ist." Damit sagt das Blatt „implizite", daß eine internationale Aktion, auch wenn sie den erstrebten Erfolg hat, nicht die Sache des Vaterlandes sei. Das ist ganz unsere Ansicht, und wir wünschen dieser Auffaffung der Mannheimer.Volksstimme" innerhalb der Sozialdemokratie weiteste Verbreitung." Wir möchten bezweifeln, daß wirklich eine derartige Ueber- einftimmung zwischen Mannheimer„Volksstimme" und„Deut- scher Tageszeitung" besteht. Schließlich entscheidet in erster Linie der Erfolg über die Brauchbarkeit eines Weges. Zu dem eingangs erwähnten Dementi der„Norddeutschen" nehmen nur wenige Abendblätter Stellung. Die„Kreuz- Zeitung" gibt zunächst die„ethische" Berechtigung der Friedenssehnsucht zu. Sie schreibt: „ES ist vom ethischen Standpunkte aus zu verstehen, daß der Gedanke, der Welt werde einst wieder der Frieden kommen, in dieser Zeit des Blutvergießens, der Trauer, der Wunden und der Schmerzen von besonders beglückender und beseligender Wir- kung sein muß. So gibt es wohl keinen, der nicht im Innern mit tiefer und heißer Sehnsucht an die Stunde denkt, in der einst die Waffen sich senken und die Friedcnsfahnen im Winde wehen werden. Sich so mit dem lieblichen Gedanken zu beschäftigen. kann niemand verwehrt werden. Etwas anderes aber ist es, Friedensgedanken zu nähren oder gar zu äußern aus Mutlofigkeit und Schwäche und von dem Standpunkte aus, einen Frieden um jeden Preis zu haben, nur damit deS Kriege? Stürme endlich schweigen möchten.... Jedenfalls liegt ja auch für uns, die wir durch die Gewalt unserer Waffen im Osten dem Feinde eben wieder einen vernichtenden Schlag versetzt haben und deren militärische Lage auch von den Neutralen als unverändert günstig beurteilt wird, keine Veranlassung vor, in der Friedensfrage auch nur einen Schritt zu tun." Während die„Kreuz-Zeitung" leugnet, daß Friedens- angebote unserer Gegner vorlagen, glauben die„Berliner Neuesten Nachrichten" feststellen zu können, daß die deutschen amtlichen Stellen„eine kühl abwartende Haltung eingenommen haben und auf derartige Anfragen (nach Friedensbedingungen) überhaupt nicht ein- gegangen sin d": „Mit dieser Feststellung wird den in der Tat umlaufenden Gerüchten über Friedensverhandlungen, die weithin lebhafte Beunruhigung(?) verursacht haben, einstweilen der Garaus gemacht. Wir stehen nicht an. unsere Befriedigung darüber auszusprechen; vor allem deshalb, weil aus den Mitteilungen der beiden offiziösen Organe klar hervorgeht, daß die deutsche Reichsregierung, wo die Friedensanregungen(wie im Falle des deutschen Gelehrten) tatsächlich bis an die amtlichen Stellen herantraten, eine kühl ablehnende Haltung eingenommen hat. Unser Auswärtige? Amt ist auf derartige Anfragen überhaupt nicht eingegangen. Das wird im ganzen Volke anerkannt und dankbar begrüßt werden; auch dort, wo der Krieg die schmerzlichsten Opfer forderte und wo seine kraft- volle Durchführung weitere Verluste an kostbarem deutschen Blut unvermeidlich macht. Vielleicht oder jedenfalls: gerade dort. Unser Volk, die Hunderttausende deuscher Familien, die dem Vater- lande Unersetzliches hingaben, wollen diese Opfer nicht um- sonst gebracht haben. Das aber wäre, mehr oder weniger, der Fall, wenn die heimliche und recht verständliche Friedens- sehn sucht gewisser Auslands st ellen in diesem für uns so verheißungsvollen Stadium der KriegSentwickelung Grund zu der Annahme hätte, in Berlin oder bei den Zentral- mächten überhaupt günstigen Boden zu finden. Wir wollen in der klaren Entschiedenheit, mit welcher unsere Regierungs- organe den erwähnten Gerüchten nun bereits mehrfach ent- gegengetrcten sind, und in der ausdrücklichen Betonung der amt- lich-dcutschcn Zilriickhattung gegenüber unzeitgemäßen Zumutungen gern die Gewähr dafür erblicken, daß wir vor Enttäuschungen be- wahrt bleiben werden." Diese Ausführungen stehen unzweifelhaft im Widerspruch mit dem Dementi der„Norddeutschen". Es ist also nicht nur eine„Clique von Friedensfreunden", die den Mitteilungen über englische Friedensangebote Glanben geschenkt hat. politische Uebersicht. Die klärende Schlusifitzung des Landtags. Die Mehrheit deS preußischen Abgeordnetenhauses hatte es sich so schön ausgemalt: Die Berichterstatter würden ihre Referate halten, alle Parteien würden auf eine Erörte- ning verzichten, die Anträge würden einmütig angenommn und der Landtag könnte auseinandergehen in dem herrlichen Gefühl, daß in Preußcn-Deutschland alles zum besten be- stellt ist. Wer es mit seinen Pflichten als Volksvertreter ernst nimmt, wer es ablehnt, den Parlamen- tarismus dadurch zu diskreditieren, daß der Schwerpunkt der Verhandlungen in die Kommissionen verlegt werden, der durfte ein solches Spiel nicht niitmachen. Mag auch die bürgerliche Presse über das„entartete" Häuflein der Zehn im Ab- geordnetenhause herfallen, die noch am letzten Tage die Har- monie gestört haben, unsere Genossen werden sich über die Angriffe hinwegsetzen in dem Gefühl treuer Pflicht- erfüllung gegen das Volk und gegen die Partei. Es war ein Gebot der Stunde, daß der Genoffe Braun, der sich namens der Fraktion über die Nahrungsmittel- Versorgung verbreitete, es nicht bei schönen Redensarten bewenden ließ und den Anschein zu erwecken, als sei das gesamte Volk mit den jetzigen Zuständen zufrieden, sondern daß er die Dinge so schilderte, wie sie sind. Wenn er auch darin mit den Vertretern der Regierung und der bürgerlichen Parteien übereinstimmte, daß an eine Aushungerung deS deutschen Volkes nicht mehr zu denken ist, so unterschied er sich doch sehr wesentlich dadurch von ihnen, daß er sich zum Fürsprecher des darbenden Volkes machte und offen die Fehler und Mängel unserer Versorgung mit Nahrungsmitteln darlegte. Das hatte vor ihm zwar auch der Fortschrittler Dr. Wremer versucht, aber über schwache An- sätze ist er nicht hinausgekommen, er blieb in Halbheiten stecken und machte seine Rede vollends eindruckslos, alS er sich am Schluß in unangebrachten Betrachtungen über die Haltung der Sozialdemokratie vergriff. Offenbar war es Herrn Wiemer nicht zum Bewußtsein gekommen, daß er dadurch zuerst den Burgfrieden gebrochen hat. Konnte man eS unserem Genossen verdenken, dcvß er gleiches mit gleichem vergalt und dem Gerede Wfemers, die wirkliche Stimmung der Massen entgegenhielt, die nach billigem Brot und einem Friede w ohne Annexionen und ohne Demütigung der Völker feindlicher Länder verlangen? Die Parteien der Rechten, deS Zentrums und der National- liberalen machten schon während der Rede unseres Genoffen ihren Unwillen durch laute und störende Zwischenrufe bemerk- bar. Um so sonderbarer mutet e? an, daß man von unS verlangte, wir sollten ihre Entgegnungen geduldig anhören und als wir diesem Verlangen keine Folge leisteten, mit den üblichen Ordnungsrufen gegen uns vorging. Den Genossen S t r ö b e l erreichten deren zwei. Nach einer kurzen Erwiderung des Vizepräsidenten des Staatsministeriums Dr. D e l b r ü ck, der das Kriegsziel des Reichskanzlers und der Verbündeten Regirrungen verteidigte, und nach einer sachkundigen Rede unseres Genoffen L e i n e r t über die Kriegsfürsorge, deren Ausbau in sozialem Geiste er als dringend notwendig hinstellte, begann das Kesseltreiben gegen unsere Fraktion. Was von der Osten(?.), Herold(Z.). Freiherr v. Zedlitz(fk.) und Fuhrmann(natl.) vor- brachten, unterschied sich nur durch die lüehr oder minder scharfe Form voneinander. In der Sache stimmten sie alle darin überein, daß die Sozialdemokratie keine Rücksicht mehr verdiene, Iveil" sie sich dem Willen der Mehrheit nicht untergeordnet habe. Vor allem' sistd sie em- pört über unsere Stellung zum Kriegszicl, und mit dankenswerter Offenheit verliehen sie endlich auch einmal von der Trib ün e d e S Parlaments herab ihren Annexionsgelüsten Ausdruck. Jetzt besteht kein Zweifel mehr, wo- hin der Weg gehensoll, sie haben ihre innersten Absichten enthüllt und den denkenden Proletariern die Augen geöffnet. In dieser offenen Betonung ihrer Pläne liegt die Be- deutung der letzten geschäftlichen Sitzung des preußischen Ab- geordnetenhauses, der eine Stunde später die geineinsame Schlußsitzung beider Häuser des Landtags folgte. Haussuchungen. Im Elberfelder Partcigeschäft sowie bei den Vor- standsmitgliedern des Sozialdemokratischen Vereins für Elber- feld-Barmen wurde am Dienstagabend nach dem Rund- schreiben der Parteiopposition, daS von einer Reihe von Genossen und Genossinnen unterschrieben worden ist, gchaussucht. Das Privatcxemplar eines Genossen wurde beschlagnahmt. Die Haussuchungen haben im ganzen Bezirk des VII. Armeekorps stattgefunden. Die„Deutsche Tageszeitung" erscheint wieder. Am Donnerstag früh erschien die„Deutsche Tages- zeitung" seit dem am Montag früh ergangenen Verbot zum ersten Male. Der Leitartikel über FriedenSgerüchte, den wir an anderer Stelle ausführlich besprechen, stammt aus der Feder des Grafen Reventlow, dessen scharfe Angriffs auf die deutsche Regierung zur O-Boot-frage das Verbot herbeigeführt hatten. Die Wahlrechtsfrage im sächsischen Landtage. In der Donnerstagssitzung der Zweiten Kammer wurde der sozialdemokratische?lntrag auf Einführung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes für alle über 20 Jahre alten Staatsangehörigen verhandelt. Als Redner der Fraktion begründete Genosse F l e i ß n e r in einer halbstündigen Rede den Antrag. In der gegenwärtigen Zeit sei die Wahlrechtsfrage brennender denn je. Deshalb halte es die sozialdemokratische Fraktion für ihre unbedingte Pflicht, sie abermals aufzurollen. Das Volk müsse wissen, wie sich die Parlamente nunmehr zu dieser wichtigsten politischen Frage stellen. Die Redner der bürgerlichen Fraktionen: Konservative. Nationalliberale und Freisinnige vermieden es, klar zum An- trage Stellung zu nehmen. Sie beschränkten sich vielmehr ans die Erklärung, daß sie den sozialdemokratischen Antrag als eine Störung des„Burgfriedens" betrachten und es ab- lehnen, in der Jetztzeit darüber zu debattieren und zu ent- scheiden. Der freisinnige Redner fügte nur hinzu, daß es nach dem Kriege ein unabweisbares Gebot der Regierungen fei, die unterschiedliche Behandlung des Volkes auf diesem und anderen Gebieten zu beseitigen.— Die Regierung äußerte sich nicht.— Im Schlußwort ging Genosse U h l i g auf die eigentümliche Stellung der bürgerlichen Vertreter ein und betonte, daß der „Burgfriede" nicht gestört werden brauche, wenn man den Antrag cmne�me tmJ dem 8o!fe enbNch sein Recht gede. Der Antrag wurde schließlich an die zweite Kommission verwiesen. Der in einer Regierungsvorlage vorgeschlagenen Verlängerung der jetzigen Mandate um zwei Jahre wurde von allen Seiten Zustimmung erteilt. Ihre Annahme ist gesichert.— Ueber Einzelheiten wegen Sicherung des Wahlrechtes zur nächsten Wahl soll erst in der Kommission Stellung genommen werden. Zum kommunalen Verkauf von Fleisch- und Fetttvaren A mt l i ch� Berlin, 24. Juni.(W.T.B.) Zu der in der heutigen Sitzung des Bundesrats angenommenen Verordnung über den Verkauf von Fleisch- und Fettwaren durch die Gemeinden wird mitgeteilt: Nach- dem jetzt die Gemeinden dazu übergegangen sind, die von ihnen im Winter zum Zweck der Versorgung der Bevölke- rung sichergestellten Vorräte an Dauerwaren auf bw Markt zu bringen, hat sich gezeigt, daß stellenweise die e/rleichterte und billige Äezugsmöglichkeit dieser Waren zu einem miß- bräuchlichen Weiterverkauf zu teureren Preisen geführt hat. Es ist ein Gebot der Billigkeit und Notwendigkeit, den Gemeinden die Befugnis in die Hand zu geben, solchen Miß- bräuchen zu steuern. Der Bundesrat hat daher eine Verord- nung beschlossen, durch die unter erheblicher Strafandrohung den Gemeinden das Recht eingeräumt wird, den Weiterver- kauf oder die Abgabe der von ihnen in den Verkehr ae- brachten Fleisch- und Fettwaren zu verbieten oder zu be- schränken, sowie, falls fie den Weiterverkauf gestatten, die Preis« festzusetzen._ Aushang von PreiSlt/sten. Amtlich. Berlin, 24. Juni.(W. T. B.) Zu der in der heutigen Sitzung des Bundesrats angenommenen Ver- ordnung über den Aushang von. Preisen in Ver- kaufSräumen deS Kleinhandels wird mitgeteilt: Bäcker und Verkäufer von Backwaren können no�$5 73, 74 der ReichSaewerbeordnung durch die Ortspolizeibehörde ange- halten werden, die Preise und daS(Sewicht ihrer verschiedenen Backwaren für gewisse von demse/ben zu bestimmende Zeiträume durch einen von außen sichthjaren Anschlag im Verkaufs- räume zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Der Anschlag muß täglich Während der Verkaufszeit aushängen, auch können Bäcker und Verkäufer von Backwaren angehalten werden, im Verkaufsräume eine Wage nut den erforderlichen geeichten Gewichten aufzustellen und ihre Benutzung zum Nach- wiegen der verkauften Backwaren zu gestatten. Die günstigen Erfahrungen, die mit der Htni.(W. T. B.) Da» dem deutschen General« gouvernement in Belgien zugeteilte Gebiet von Maubeuge und Umgegend, da» bisher zum Bereiche der Feldpost gehörte, ist neuerding» an da» P o st n e tz der deutschen Post- und Telegraph, enberwaltung in Belgien angeschlossen worden. Das neu eröffnete Postamt in Maubcuge besorgt den Postdienst für die Truppen und Behörden sowie für die Bevölkerung de» franzö- fischen Gebiet» von Maubeuge und Umgegend. Diese» Gebiet um- faßt außer Maubeuge noch IS frühere stanzösische Postorte. Im Gebiet« de» Generalgouvernement» haben weitere 17 stühere belgisch« Postämter den Betrieb wieder aufgenommen. Mus der Partei. Erklärung. Der Erklärung der Mitglieder der Vorstände der Partei upd der Reichstagsfraktion gegen den von den Genossen Bernstein, Haase und Kautsky in der„Leipziger Volks- Leitung" vom 19. Juni veröffentlichten Aufruf:„Das Gebot der Stunde" schließe ich mich nicht an. Nach meiner Ansicht hat Genosse Haase das Recht und die Pflicht, seine Meinung sachlich zu vertreten, genau so wie jeder andere Parteigenosse. Hanau, 23. Juni 1916. _ Gustav Hoch. „Sozialdemokratische Kundgebungen." Au» dem Parteivorstand wird un» geschrieben: „Unter diesem Titel macht der„Vorwärts" gestern Mitteilung von einer„Eingabe, die am S. Juni von Parteigenossen in ver- trauensstellungen an Partei- und Fraktionsvorstand gerichtet worden ist und die bereit» über SVV Unterschriften von Funktionären au» dem ganzen Reiche trägt..." Mit dem Inhalt dieser sogenannten Eingabe werden fich die beiden Vorstände in den nächsten Tagen beschäftigen. Heute sei wegen der behaupteten Zahl der Unterschriften nur folgende» be- merkt: Wir wissen nicht, von wem der„Vorwärts" seine Jnfor- mation erhalten hat. Jedenfalls ist seine Angabe falsch. Die bei den beiden Vorständen eingegangenen Schreiben tragen kaum die Hälfte der von ihm behaupteten Zahl der Unterschriften. Da- bei liegt nicht eine einzige Unterschrift im Ori- g i n a l vor. Zur Beurteilung der Zahl der Unterschriften ist aber auch wichtig, zu erfahren, wie man seit dem S. Juni sich bemüht, sie zu erlangen. ES ist nämlich zu diesem Zwecke das folgende Rundschreiben in großer Zahl verschickt worden: Berlin, Juni ISIS. Werter Genossel „Anbei Abdruck eines Schreibens vom g. d. M. mit den un» bisher bekannt gewordenen Unterschriften. Wir bitten Sie dringend um dreierlei: 1. Unterzeichnen Sic selbst(Vor- und Zuname, genaue Adresse, Funktion in der Organisation). 2. Suchen Sie noch möglichst viele Funktionär« von poli- tischen Organisationen, Gewerkschaften, Genossenschaften usw. oder sonstig« besonder» tüchtige, tätige und einflußreiche Ge- nassen zur Unterschrift zu gewinnen, und zwar ganz schnell, sofort. Antworten Sie zu 1 und 2 binnen ein bis zwei Tagen von heute ab. �„ ....... Nur ja und Unterschrift tVor- und Zu- name, genaue Adresse, Funktion in der Organisation). 3. Wirken Sie, bitte, darauf hin, daß das fragliche Schreiben an Parteivorstand und Fraktionsvorstand sofort zum Gegenstand von Resolutionen in den politischen Organisa- tionen(Versammlung, Konferenz. Vorstandssitzung usw.) ge- macht wird. Etwa so: Die Versammlung hat von dem Pro- testbrief Kenntnis genommen, den am S. Juni d. I. eine große Anzahl Genossinnen und Genossen an den Partei- und Frak- tionSvorstand gesandt haben. Sie schließt fich den AuSfüfj- rungen und Forderungen dieses Schreibens mit allem Nach- druck an und spricht die ungeduldige Erwartung au», daß Partei- und Fraktionsvorstand nun unverzüglich zur prole- tarisch-sozialistischen Politik.zurückkehren werden. Die Versammlung begrüßt die tapfere Friedensarbeit der ausländischen Genossen und ruft die Genossen auf, ihre volle Schuldigkeit im proletarischen Klassenkamps gegen den Krieg zu tun und über den Trümmern des Burgfriedens hinweg an den Wiederaufbau der Internationale zu gehen. Diese Resolution bitten wir direkt an Partei- und Frak- tionsvorstand zu senden.... Auch das alle» sehr schnell au» vielen Gründen, die hier nicht dargelegt werden können. In Hamburg und Berlin ist die Aktion für solche Rcsolu- tionen bereit» im Gang." Der Inhalt dieses Schreibens charakterisiert zur Genüge die Arbeit, die in den letzten Wochen von einer Gruppe der Partei- Minderheit geleistet wurde." » Wir bemerken dazu, daß uns die Angabe über die Zahl der Unterschriften von vertrauenswürdiger Seite zugegangen ist. Da die Unterschriften sämtlich gedruckt werden, ist jede erforderliche Kontrolle darüber gegeben. Die Nürnberger Parteiorganisation im Kriegsjahr. Die Leitung de» Sozialdemokratischen Verein» Nürnberg-Altdorf hat ihren Mitgliedern über da» Geschäftsjahr vom 1. April 1Sl4 bis 3t. März ISIS Bericht erstattet. Wie überall, so hat auch hier der Krieg mächtigen Einfluß ausgeübt. Da» Berichtsjahr begann mit einer Mitgliederzahl von 21 227 und endete mit einer solchen von 11 SSI. Bi» zum 31. März waren 7921 Mitglieder zum Heeres- dienst eingezogen, soweit Meldungen hierüber auf dem Parteibureau vorlagen; e» wird aber mit einer höheren Zahl zu rechnen sein, da nicht immer die Meldungen richtig erfolgen und ein« Anzahl Mit- glieder die Beiträg« weiter leisten, ohne von ihrer Ein- berufung Kenntnis zu geben. Inzwischen find wieder zahl- reiche neu« Einberufungen erfolgt. Abgereist find im Laufe de» Jahre» 831. ausgetreten 338, gestrichen wurden 4SV Mitglieder. AIS auf dem Schlachtfeld« gesallen waren bi» Jahresschluß 221 Genossen gemeldet, doch dürfte ihre Zahl noch erheblich höher sein, da in sehr vielen Fällen der Paneileitung eine Todesanzeige nicht zugeht. Wenn man die zum Heer« Einberufenen außer acht läßt, ergibt sich ein Mitgliederrückgang von 1435, der an sich bedauerlich ist, aber in Rücksicht auf die für unsere politische Organisation ungünstigen Zeit- Verhältnisse immerhin noch als ein ziemlich günstige» Verhältnis be- zeichnet werden kann. pottzeHiches, Gerichtllches uftv. Revision verworfen. Auf die Redaktion der„Bergischen Lrbeiterstimme" in Solingen kam ein Arbeiter und behauptete, zu Unrecht verhaftet, auf der Polizeiwache geprügelt und am Hnlse gewürgt worden zu sein. Kratzmal« waren zu sehen. Der Mann wurde weggeschickt und ihm empfahl««, er solle Strafantrag stellen. Da» geschieht. Der Redakteur veraewisserte fich durch Anfrage auf der Polizei, daß es geschehen ist. Die Sache wurd« in der Zeit ganz kurz als Er- zählung de? Mannes wiedergegeben und um Untersuchung und Mitteilung des Ergebnisses gebeten. Resultat: Anklage gegen den Kläger, ferner gegen den Redakteur C h r i st m a n n als mutmaß- lichen Verfasser der Notiz und gegen Redakteur Merkel als Ver- antwortlichen. In der Verhandlung vor der Strafkammer in Elberfeld fchwörten acht Schutzleute, daß sie dem Manne nur Gutes erwiesen haben, drei Chargierte schwörten, daß unter ihrer Leitung eine Mißhandlung ganz unmöglich sei. Der Polizeirat schwörte, daß er nicht» an dem Manne gesehen hat, das auf Miß- Handlung schließen läßt. Von den Kratzmalen wußte er nichts, deshalb hat er den Hals nicht untersucht. Resultat: Der Mann erhielt vier Monat« Gefängnis, Redakteur Ehristmann L M., Merkel 75 M. Geldstrafe. DaS war am 23. Mai 1S14. Am 20. August desselben Jahre? zog Genosse Christmann zur Verteidigung des Vaterlandes in den Krieg. DaS Reichsgericht beschloß, die Sache dei Genossen Christ- mann von derjenigen des Genossen Merkel zu trennen, da er durch seine Kriegstätigkeit in seiner Verteidigung beschränkt sei. Die Revision des Genossen Merkel wurde am 22. Juni d. I. verworfen, da festgestellt sei, daß er aus„Sensationslust" und aus„Partei- interesse" gehandelt habe._ Mus Industrie und Handel. Die französische Eisenindustrie im Kriege. DaS„Comitö des Forges", der— bei den französischen Ar« beitern berüchtigte— Verband der Eisenwerke, schildert in einem Bericht die Schwierigkeiten, mit denen die Industrie bei ihrer Roh- stoffbeschaffung zu kämpfen hat. DaS erste Departement, daS in die Hände der Deutschen fiel, war die Meurthe-et» Mo seile, da» die bekannten Lager von Briey um- saßt und neun Zehntel der gesamten fran- zösischen Ausbeute an Roheisen produziert. Rechnet man noch die anderen besetzten Teile Nord- und OstftankreichS hinzu, so ergibt fich, daß die franzöfischen Werkstätten infolge der Invasion 80 Proz. ihre» einheimischen Metallbezug» verloren.(Der scheinbare Widerspruch zwischen den obigen neun Zehnteln und den zuletzt angeführten acht löst sich offenbar, sobald man die gewöhnliche SrzauSfuhr au« Meurthe«et- Moselle in Betracht zieht. D. Red.) Der Bericht führt dann au», wie man die Hindernisse der Munitionsbeschaffung überwunden habe. Neue Hilfsquellen wurden erschloffen, neue Verfahren angewandt und jedes auftauchende Problem gelöst.„Kein beredsamere» Blattt, so schließt der Bericht,„wird jemals zu Ehren der Privat- i n d u st r i e geschrieben werden." Hier guckt der Pferdefuß deS patriotischen Stolzes heraus. Denn der ganze Bericht mit seinen hohen nationalen Tönen hat natürlich den Zweck, die für die Kriegsverwaltung liefernden Unternehmungen, die jetzt un- verschämte Profile machen, vor der Gefahr der V e r st a a t- l i ch u n g zu schützen, sür die schon vor dem Kriege ein ansehnlicher Teil des Parlaments eintrat und die besonder» im Genossen Albert ThomaS, dem jetzigen Leiter der Munitionserzeugung, einen eiftigen Anwalt hatte._ Kohlenförderung im Mai. In dem Bericht de» Kohlen- hndikat» für den Monat Mai heißt«S: Die Entwickelung er Absatzverhältnisse hat im BerichtSmonnt wesentliche Aende- rungen nicht erfahren. Die Nachftage blieb anhaltend rege. DaS Absatzergebnis in K o kS weist wiederum eine beträchtlich« Steigerung auf, während beim Kohlen- und Brikett- absatz ein allerdings nur unerheblicher Rückgang eingetreten ist. Die Ursach« dieses Rückgang«» fft, da die Förderung noch eine kleine Besserung ergeben hat, auf den Umstand zurückzufuhren, daß für die gesteigerte KokSerzeugung größere Kohlenmengen bean- fprucht wurden. Der Gesamtabsatz in Kohle einschließlich des Kohlenbedarfs für die Koks- und Briketterzeugung und für eigene Betriebszwecke der Zechen belief sich auf 6 162 123� Tonnen, dem eine Förderung von nur ö 826 965 Tonnen gegenübersteht. Der Unterschied von 335 158 Tonnen entfällt auf die aus den Lager- beständen der Zechen, hauptsächlich den KokSbeftänden, in den Ab- satz übergegangenen Mengen. Der auf die Koksbeteiligung anzu» rechnende Absatz betrug 63,26 Proz., gegen 56,74 Proz. im Vor- monat und gegen 45,69 Proz. im Mai 1914. Die Beteiligungs- anteile stellten sich im Berichtsmonat um 8,7 Proz. höher als iin gleichen Monat deS Vorjahres. Der auf die Beteiligungsanteile anzurechnende Brikettabsatz belief sich auf 77,41 Proz. gegen 79,21 Prozent im Vormonat und gegen 90,77 Proz. im Mai 1914. Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Juimer noch Streitigkeiten über die Tariflöhne. In der gestrigen Sitzung der Schlichiungskommission sür Militärbekleidung wurde zunächst ein Phantasiebild zer- stört, welches Schneidermeister Antalh in der vorigen Sitzung entworfen hatte. Nach der damaligen er- heiternden Schilderung AntalyS soll seine Werlstatt weniger eine Arbeitsstube als eine Stätte des Müßigganges gewesen sein. Die Arbeilerinnen sollen den größten Teil der Zeit mit amü« santen Unterhaltungen ausgefüllt, eigentlich nur in den Zwischenpausen der Unterhaltung gearbeitet und die fertig- gestelllen Arbeiten zum größten Teil verpfuscht haben. Da- mit rechtfertigt eS«nlaly, daß er neun Arbeiterinnen, die ihn jetzt verklagt haben, den schuldigen Lohn nicht gezahlt hat. In der gestrigen Sitzung wurde nun durch Beweiserhebung festgestellt, daß es in AntalyS Schneiderstube im allgemeinen nicht anders zuging, als in anderen derartigen Werkstätten. Die Näherinnen haben regelmäßig gearbeitet. An den drei letzten Wochentagen an- scheinend langsamer und mit weniger Interesse wie sonst, denn sie halten nicht ohne Grund Zweifel, ob sie am Sonnabend ihren Wochenlohn bekommen würden. Es find eine Anzahl Militärmäntel fehlerhaft gemacht und deshalb nicht abgenommen worden, aber das war nicht die Schuld der Arbeiterinnen, sondern de? Meisters Antalh, der angeordnet hatte, daß Kragen und Halslöcher, die nicht aufeinander paßten, trotzdem zu- lammengenäht wurden.— Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme konnte der Vorsitzende feststellen, daß die Wirklichkeit mit den Schilderungen AntalyS durchaus nicht übereinstimme. Hinstchllich der Lohnansprüche wurde festgestellt, daß Antalh den Klägerinnen außer einigen anderen Forderungen den Lohn sür 8'/, Tage zu zahlen hat. Aber dagegen sträubte er fich mit aller Kraft. Nur zwei Tage wollte er bezahlen. Nach langen Verhandlungen, die sich wegen der Starrköpfigkeit AntalyS ungemein schwierig gestalteten. gelang eS endlich, ihn zu einem Vergleich zu bewegen, wonach er den neun Klägerinnen 181,54 M. schuldiger Tagelöhne sofort zahlt, außerdem werden zur Nachzahlung von 120 M. zu wenig be« zahlter Stücklöhne die Auftraggeber AntalyS herangezogen werden. Die weiteren Verhandlungen der Kommission betrafen ver« schiede»? Fälle, wo Zwischenmeister, die schon früher anerkannt hatten, zu geringe ArbeilSIöhne gezahlt zu haben, ihre Auftraggeber zur Nach- zahlung heranzogen, weil ste von diesen ebenfalls zu wenig erhalten hatten. In einem dieser Fälle stellte sich heraus, daß der betreffende Zwischenmeister die Arbeiten von der Firma Zaduck bekam, diese hatte den Auftrag von der Firma Neustadt übernommen und deren Auftraggeber war die Firma EachS. Die Arbeiten waren also erst durch die Hände von vier Unternehmern ge- gangen, ehe sie an die Arbeiter kamen. Man kann sich vorstellen, was nach einer solchen Wanderung al« Lohn für die Ar- beiter übrig geblieben wäre, wenn nicht eine tarifliche Regelung und eine Instanz vorhanden wäre, die dafür sorgt, daß den Arbeitern der ihnen zustehende Lohn auch voll bezahlt wird. Trotzdem wieder- holt sich der Streit um Zahlung der tariflichen Löhne Tag sür Tag. Ein besonder? lraffer Fall dieser Art ist der folgende: Für Mäntel, die nach dem Tarif mit einem Arbeitslohn von 6,30 M. zu bezahlen sind, hat der Zwischenmeister Cohn nur 3 M. bezahlt. Er hat die von den Arbeitern beanspruchte Nachzahlung von 963 M. anerkannt und macht seine Auftraggeber Maaßen, Stier, Pluikota und Segall ersatzpflichtig. Nach langer Verhandlung erNärte fich nur die Firma Stier zur Zahlung von 22 M. bereit. Die anderen Firmen lehnten jede Nachzahlung ab mit der Be« gründung, fie hätten die betreffenden Arbeiten, zu denen fie die Stoffe zu liefern hatten, vom BekleidungSamt zu Preisen über- nommen, welche die Zahlung der Tariflöhne unmöglich machten, sie seien zu keiner Nachzahlung verpflichtet.— Nach Lage der Sache steht fest, daß auch der Zwischenmeister Cohn einen viel zu großen Teil des Arbeitslohnes, den er selbst erhielt, für fich behalten hat. Die Kommission machte deshalb den Vergleichsvorschlag: Cohn zahlt 662 M.. PluSkota 150 M.. Segall 125 M.. Maaße» 10 M. Der Vertreter der Firma Maaßen lehnte jed« Nachzahlung aus prinzipiellen Gründen ab, denn— sagte er— sonst würden noch zahlreiche Schneidermeister kommen und Nach« zahlung verlangen. Auch die Vertreter der Firmen PluSkota und Segall stellten sich auf diesen Standpunkt. Nachdem ihnen gesagt wurde, daß ein V- r g l e i ch im einzelnen Falle keine Verpflichlung für andere Fälle mit sich bringe, waren fie mit dem Vorschlage ein- verstanden. Nun aber weigerte fich der Vertreter de» Zwischen- meister« Cohn, 662 M. zu zahlen. Zur Zahlung von 300 M. war er bereit. Da e» zu keinem«ergleich kam. sollen in der nächsten Sitzung noch weiter« Beweise erhoben werden. Ein Zwischenmeister, der sür Militärmäntel nur drei Mark Lohn bewilligt halte und auch diesen Lohn nicht zahlen wollte, weil die Arbeit mangelhaft war, wurde von der Kommission dringend er« sucht, den Lohn zu zahlen und die Mäntel auf sein« Kosten ändern zu losien, er käme dann immer noch sehr billig zu seiner Arbeit. In einem Falle, wo Nachzahlung von 8026 M. verlangt wurde, erklär:« sich die Kommission als unzuständig, weil«» fich um Arbeiten handelte, die nicht unter den Tarif fallen. Die Kläger müßten deshalb an einer anderen Stelle ihre Forderung geltend machen. Teuerungszulage bei der Grosten Berliner Straßenbahn« Die Vertrauensleute deS Fahrer- und Schaffnerpersonal» oben- genannten Betriebes, soweit vieles dem DeutschenTranSport« arbeiter-Verband angehört, haben, veranlaßt durch die immer mehr auftretende Teuerung aller zum Lebensunterhalt not- wendigen Gebrauchsgegenstände, sich Anfang Juni mit einem Schreiben um Gewährung einer weiteren Teuerungszulage � an die Direltion gewandt. Diesem Vorgehen schloffen sich auch später die „VereinSvertrouenSleute" an. Daraufhin hat am Dienstag eine Verhandlung der Vertrauensleute mit der Direktion stattgeftinden, welche zu den nachstehenden Zugeständnisien der Direklron führte. 1. Die unverheirateten weiblichen und männlichen Angestellten erhatten eine Teuerungszulage von 3 M. pro Monat. 2. Die verheirateten Angestellten eine solche von S M., und für jede» Kind unier 15 Jahren außerdem noch 2 M. pro Monat. 3. Männliche unverheiratete Aushilfskräfte erhalten 3 M., männliche verheiratete Aushilfskräfte erhalten 5 M., und außerdem für jedes Kind unter 15 Jahren 2 M. pro Monat. 4. Verheiratete AuShiliSichaffnermnen erhalten eine Zulage von 3 M. und für jede» Kind unter 15 Jahren 2 M. pro Monat. 5. Schaffnerinnen, deren Männer gleichzeitig als Schaffner oder Fahrer im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn be- schäsiigt werden, erhalten eine Zulage nicht. 6. Schaffnerinnen, deien Männer als Angestellte der Großen Berliner Siraßcnbahn sich im Felde befinden, erhalten zu ihrem monatlichen Verdienst eine Zulage von 3 M. und sür jedes Kind unter 15 Jahren 2 M. zu der bisherigen Unterstützung von 5 M., so daß zusammen für jedes Kind 7 M. gewährt werden. Für kleine Kinder, die in Pflege gegeben werden müssen, beträgt die Unterstützung 9,50 M. pro Monat. 7. Schaffner, die während der Wintermonate bis zum 31. März diese» Jahres als Fahrer tätig waren, erhalten sür die Be- schaffung warmer Wollsachen eine einmalige Entschädigung von 5 M. Mgeordnetenhaus. 114. Sitzung vom Donnerltag, den 24. Juni ISIS, vormittag» 11 Uhr. Ilm Ministertische: Dr. Delbrück, v. Loebell, V. Echo r- lem er, D r. Lentze, Sydow. Der Bericht der Budgetkommission über die kriegSwirt- schaftlichen Fragen wird fortgesetzt. Abg. Frhr. v. Zedlitz«od Reokirch erstattet den letzten Bericht betreffend die Verhandlungen über Ostpreuften. Ueber die Festsetzung der VorentschSdigungen find im allgemeinen Klagen nicht erhoben worden, sie betragen bisher 12S Millionen Mark. Die Regierung hat es als ihre Pflicht anerkannt, Ostpreußen volle Entschädigung für die der Provinz durch den Krieg zugefügten Verluste zu gewähren.(Bravo I) Zur wirtschaftlichen Hebung Ost- Preußens nach dem Kriege hat die Kommission als dringend not- wendig bezeichnet den Ausbau der Eisenbahnen und den Bau des Osttanals.(Beifall.) Stellvertretender Ministerpräsident Dr. Delbrück: Was die StaatSregierung zu erklären hatte, hat sie in der Kom- misston erklärt, und das ist in ihren schriftlichen und mündlichen Be- richten niedergelegt. Im übrigen waren die Meinungsverschieden« heilen in der Kommission so gering, daß die Verhandlungen mehr ein zweckdienlicher Gedankenaustausch waren. Am erfreulichsten ist diese Einigkeil zum Ausdruck gekommen bei der Frage der Wieder- Herstellung der schwer heimgesuchten Provinz O stp r e u ß e n. Die Einigkeit zwischen Volksvertretung und Regierung auf diesem Ge- biete berechtigt uns zu der Hoffnung, daß alle Wünsche deS Vor- redners für Ostpreußen in Erfüllung gehen werden. Wir waren uns in der Kommission darüber einig, daß die getroffenen Maß- nahmen zur Sicherung der Volksernährung, abgesehen von ungewollten und unerwünschten Begleiterscheinungen, doch zu einem vollen Erfolge geführt haben. Wir haben Brotkorn nicht nur bis zum Schluß des ErntejahreS, sondern wir konnten sogar die Mehlpreise ermäßigen in einer Zeit, wo im Ausland das Gegenteil zu beobachten war. Wir haben soviel Brotkorn, daß wir eine anständige Reserve in daS neue Erntejahr hinübernehmen und daß wir gegen alle Zwischenfälle gesichert sind, die uns etwa durch Störung der Ernte infolge von Witlerungs- und ähnlichen Verhält- nisten erwachsen können.(Beifall.) Wir haben so viel Getreide, daß wir die Brotrationen für Schwerarbeitende und jugendliche Ar- beiler erhöhen konnten. Die, wie sich nun herausgestellt hat, über« reichlichen Kartoffelvorräte ermöglichen uns, eine erhebliche Reserve von Kartoffelproduklen in da? neue Jahr hinüber« zunehmen, die uns bei der Streckung des Getreides und als Futtermittel wertvoll« Dienste leisten können. Es bc- stand volle Uebereinstimmung darüber, daß im nächsten Erntejahr nach denselben Grundsätzen gewirtschaftet werden soll wie in diesem. Wir wollen bleiben bei Höchstpreisen, bei der Beschlag- nähme, bei der Reglementierung und Kontrolle, nicht nur auf dem Gebiet des Brotgetreides, sondern auch auf dem der Futtermittel. Wenn die KommissionSverhandlungen hierüber breiten Raum ein- genommen haben, so handelte es sich dabei nicht um grundsätzliche, sondern uni untergeordnete ZweckmäßigkeitSfragen, in erster Linie um Fragen der Organisation, insbesondere der KriegSgetreide- geseUschaft. Hier hat eine Aussprache der Minister sämtlicher Bundesstaaten zu einer vollständig einstimmigen grundsätzlichen Vereinbarung geführt, die die Sicherung der Brotversorgung mit derselben Schärfe wie bisher aufrechterhält, andererseits die staats- rechtlichen Beschwerden, die zweifellos mit einer gewissen Berechtigung erhoben werden konnten, aus der Welt schafft, und paritätische Ver- trelung der Erzeuger und Verbraucher nach Möglichkeit sicherstellt. Diese Vereinbatung bat auch die Zustimmung des AussichlSrates der KriegSgelreidegeiellschast gefunden; er bat erklärt, daß die von der Reichsleitung vorgeschlagene neu» Organisation der KriegSgetreide- gesellschafl die Mögllchkelt gibt, in den altbewährten Bahnen weiter zu arbeiten. Ich gebe dieS bekannt, damit zur Beruhigung der Konsumenten beigetragen wird, denn bisher waren im Aufsichtsral der KriegSgelreidegesellschaft die Städte in der Mehrheit, die sich als treue Anwälte der Konsumenteninteressen bewährt haben. Wir können der sicheren Uedcrzeugung sein, daß uns im nächsten Jahre die Versorgung deS Volkes mit Brotgetreide erst recht gelingen wird. Es muh das gesagt werden, weil es in der Welt Stellen gibt, die die Debetseite m unserem wirtschaftlichen Kriege stärker betonen als die Kreditseite. Wir wollen deshalb vor aller Welt noch einmal den Erfolg feststellen, den wir auf dem Gebiet« de» Wirtschaftskrieges errungen haben und wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß wir auch ein weiteres Jahr diesen Wirtschaftskrieg führen können, Wir brauchen bei unseren Maßnahmen die Kritik nicht zu scheuen. Aber auf der anderen Seite weiß niemand genauer und besser als die Regierung, daß so gewaltsame Eingriffe in die Volkswirtschaft sich nicht ohne schwere Stöße und Schädigungen durchführen lassen. Abg. Dr. Wiemer(Vp.): Trotz der großen Bedeutung der in der Kommission verhandelten Fragen werde ich mich den Vereinbarungen der Fraktionen ent- sprechend auf einige Punkte beschränken. Eine Ehrenpflicht des Vaterlandes ist es vor allem für die Familien der auf dem Schlacht- selbe Gefallenen zu sorgen. Es ist bedauerlich, daß einzelne Lieferungsverbände ihre Pflicht in dieser Beziehung nicht getan haben. Der Begriff der Bedürftigkeit muß genauer bestimmt werden. Wir wünschen eine wohlwollende, von Engherzigkeit fteie Hand« habung der erlassenen Verordnungen.— Der HauSdesitz mutz vor einer dauernden, schweren Erschütterung seiner Existenz geschützt werden. — Die Ausführungen deS Staatssekretärs über unsere großen Reserven an Getreidcvorräten bedeuteten eine glänzend« Recht- fertigung der Tätigkeit der KriegSg-treidegesellschafl. In ihrer jetzigen Form ist sie bekanntlich dem Tode geweiht, aber man wird danach hoffentlich ihren leitenden Männern auch in der neuen Form der Organisation Gelegenheit zu weiterer erfolgreicher Tätigkeit geben. Bedauerlich ist. daß in der Getreideverteilungssrage nicht der Reichsgedanke über den PartikularismuS gesiegt hat. Un berücksichtigt ist das Verlangen, daß die Entscheidung über die Getreideverteilung allein den Produzenten, der Landwirtschaft überlassen wird. Alle Sonderintcresse» müssen hier in den Hinlergrund treten gegenüber dein großen Ziel der Ernährung unseres Volkes, dem Durch- halten in der Kriegszeit. Wer sich an Lebensmittelpreisen in KriegZzerien bereichern will, der versündigt sich an der Allgemeinheit. (Sehr richtig I) Die Verbilligung der Futtermittel für die Landwirtschaft muß mit allem Nachdruck erstrebt werden. Zur Eindämmung des Wild- schadens muß mehr geschehen als bisher. Mit berechtigtem Stolz auf das Erreichte, können wir der Zukunft mit ruhiger Zuversicht entgegensehen. Wir alle wollen einen baldigen Frieden, aber wir alle sind cntschlosien. anSzuhalten und durchzuhalten, komme, was kommen mag! Wenn in diesen Tagen sich im Lager der Sozial- demokratie ein Streit entsponnen hat über die Haltung der Partei zum Friedensschluß» so hoffe ich doch, daß der Sozialdemokrat Dr. Heinemann die Mehrheit seiner Parteifreunde hinter sich hat, wenn er in der neuesten Nummer der„Sozialistischen Monatshefte" schreibt:„Aus keines Deutschen Mund wird der Ruf:„Die Waffen nieder!" kommen, bevor die Gegner anerkennen, daß keiner fremden Macht der Erde die Befugnis zustehen darf, uns daran zu hindern, das zur Entwickelung zu bringen, was an Fähigkeiten in uns liegt, daß es keinem Dritten gestattet ist. uns die Ausnutzung unserer wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte zu verbieten."(Abg. Lieb- knecht: Wir sind ganz anderer Ansicht!) DaS ist uns ja nicht unbekannt, aber wir sind der Neberzeugung, daß Heinemann mit seiner Ansicht sicher die Mehrheit der Partei hinter sich hat. (Abg. Liebknecht: Abwarten!) Jedenfalls wollen wir die Einmütig- keit unsere» Volke» aufrechterhalten, denn diese Einmütigkeit ist eine? der wesentlichsten Mittel, um unsere Bestrebungen durchzusetzen.(Abg. Liebknecht: Kapitalistische Interessen! Unruhe rechts; Rufe: Ruhe!) Darin liegt auch eine der realen Garantien, die uns sichert gegen die Wiederkehr solch freventlicher Ueberfälle.(Abg. Liebknecht: Die Massen wollen den Frieden! Wiederholte Zurufe auS der sozialdemokratischen Fraktion:„Frieden",„Keine Erobr- rungen".) Abg. Braun(Soz.): Ich will mich in der Hauptsache auf die Frage der Volk»- ernährung beschränken. Die Verhandlungen in der Kom- Mission haben ergeben, daß die Volksernährung für da» zu Ende gehende Erntejahr gesichert ist, und daß wir darüber hinaus noch einen unerwartet großen Vorrat an Lebensmitteln in da» neue Erntejahr mitnehmen. DaS ist ein erfreulicher Erfolg der ge- troffenen Organisation. Der Hunger, soweit er als äußerer Feind auftrat, um Deutschland auf die Knie zu zwingen, ist somit erfolg- reich zurückgeschlagen. Wir wollen aber nicht verkennen, daß sich inzwischen ein neuer Feind im eigenen Lande breit gemacht hat, dessen Gefährlichkeit von Tag zu Tag wächst. Dieser innere Feind ist der LebenSmittelwucher, der am Marke des Vol- keS zehrt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Während Millionen Volksgenossen draußen in Aufopferung ihrer Gesundheit und ihre» Lebens für die Sicherheit des Vaterlandes kämpfen, macht sich dieser innere Feind heran an die zurückgebliebenen wehrlosen Frauen und Kinder und zwingt ihnen Not und Ent- behrungen auf. Es ist Ehrenpflicht für uns, wir find es unseren schwer ringenden Brüdern im Felde schuldig, diesen gefährlichen inneren Feind mit allen Mitteln zu bekämpfen. ES genügt durch- aus nicht, daß wir die zur Volksernährung notwendigen Lebens- mittel in hinreichender Menge sicherstellen und sie für den Ver- brauch einteilen, sondern die Hauptsache ist, daß die Lebensmittel dem Volke zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung gestellt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Daran hat es seit Beginn des Krieges gemangelt, so wenig wir auch ver- kennen wollen, daß die Regierung besonders in letzter Zeit bestrebt gewesen ist. Remedur auf diesem Gebiet« zu schaffen. Gleichwohl leidet daS Volk unter der gewaltigen Teuerung schwer.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So vorzüglich die militärische Mobil- machung beim Beginn deS Krieges funktionierte, so sehr hat die wirtschaftliche Mobilmachuna im Kampfe gegen die Spekulatton, gegen die Preistreiberei veriagt.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die oft schamlose Bereicherung durch rücksichtslose Treiberei auf dem LebenSmittelmarkt, die sofort nach Ausbruch des Krieges einsetzte, gehört zu den schwärzesten Blättern in der Geschichte des ersten KriegSjahrcS. Von sachkundigen Korporationen ist die Regierung rechtzeitig auf diese Erscheinung und ihre Folgen aufmerksam gemacht worden. Sofort nach Kriegs- beginn hat der Vorstand der sozialdemokratischen Partei und die Generalkommission der Gewerkschaf- ten Deutschlands eine Eingabe an die deutsche Regierung gemacht, worin ausführlich aufmerksam gemacht wurde auf die Maß- nahmen, die notwendig wären zur Sicherung der Produktion und zum Schutz der Konsumenten gegen übermäßige Verteuerung der Lebensmittel. Auch der Bund der Landwirte hat im gleichen Sinne Eingaben an die Regierung gerichtet. Gleichwohl blieb die Regierung in der ersten Zeit fast völlig passiv. Sie ließ eine ganz Zeit lang das freie Spiel der Kräfte walten in der opitimisti- sehen Hoffnung, daß die Dinge sich nach der ersten Panik nach Kriegsausbruch doch allmählich von selbst regeln würden. Die Ereignisse haben gezeigt, daß die Regierung auf dem falschen Wege war, daß gerade oiese abwartende Stellungnahme, die Halbheit der später er st zögernd nach und nach ergriffenen Matznahmen der Regierung dem Volke Milliarden aus der Tasche gezogen und gewissenlosen Spekulanten zugewiesen haben. DaS hat die Regierung in den ersten Monaten auch ganz richtig erkannt, wie ein Erlaß deS Handelsministers vom LI. August ISI4 beweist. ES heißt darin, daß gegenüber den verderblichen Preistreibereien, die sich auf dem Gebiete deS Lebensmittelmarktes bemerkbar gemacht haben, eventuell mit F e st- setzung von Höchstpreisen vorgegangen werden müßte. ES werde dabei auf voraufgegangene Preistreibereien keine Rücksicht genommen. � Ich bedaure, feststellen zu müssen, daß bei der später viel zu spät erfolgten Festsetzung von Höchstpreisen doch d i e durch die verwerfliche Preistreiberei geschaffene Marktlage von der Regierung im wesentlichen zugrunde gelegt worden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Preise für Mehl sind ganz beben- tend in die Höhe getrieben und eS war ein schwerer Fehler, daß nicht auch für Mehl Höchstpreise festgesetzt wurden. Die Span- nung zwischen Mehl- und Getreidepreisen ist nach Ausbruch des Krieges sprunghaft in geradezu ungeheuerlicher Weise in die Höhe gegangen. Eine gewisse Spannung ist zwar berechtigt, aber eine Spannung wie wir sie zetzt während deS Krieges erleben mußten, kann von keiner Seite als berechtigt an- erkannt werden. Den Erfolg dieser Preistreibereien sehen wir in den zunehmenden Aktionärgewinnen der Grohmühlen. Diele Gewinne sind deshalb nicht gerechtfertigt, weil die Produktionskosten durch den Kriegsausbruch nicht gestiegen find. Die Bestellung der Ernte ist in durchaus normaler Weise erfolgt. Nun ist gewiß anzuerkennen, daß die Regierung die Mehlpreise herabgesetzt hat. Aber diese Herabsetzung ist vollkommen unge- nügend. Wir verlangen, daß der Normalpreis zur Gr undlage für die Preisfestsetzung genommen wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Kar- toffelversorgung hat sich geradezu zu einem Skandal entwickelt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zuerst hatten wir eine Kartoffelnot und heute haben wir einen K a r t o f f e l ü b e r f I u ß. Der Notschrei geht jetzt dahin, nur möglichst viel Kartoffeln zu verzehren, weil sie sonst verderben. ES verderben jetzt Tausende von Zentnern Kartoffeln, mit denen man früher viele hungernde Familien hätte sättigen können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch hier wurde eine geradezu schamlose Preistreiberei getrieben, obwohl die Produktionskosten auch nicht um einen Pfennig teurer ge- worden sind. Dr. Heim, der Führer des Bahrischen Bauern- verein», hatte im Spätherbst erklärt, daß L M. für den Zentner Kartoffeln viel zu hoch seien, 2,20 M. sei der richtige Preis. Trotz- dem haben wir in der Zeit der künstlich erzeugten Kartoffelknapp- heit Preise in doppelter und dreifacher Höhe erlebt. Wer in dieser Weise in einem der wichtigsten Volksnahrungs- mittel Wucher treibt, der handelt schlimmer als die Hyänen de? Schlachtfeld«?, denn er beraubt die Lebenden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten, Unruhe und Pfuirufe rechts.) Durch die verkehrten Maß. nahmen der Regierung bei der Kartosfelversorgung ist der Appetit dieser Kreise noch reger geworden und sie haben die Kartoffeln nun erst recht zurückgehalten, in der Erwartung, daß die Preis« noch mehr steigen würden. Die Ausrede, wegen des Frostes hätten die Mieten nicht geöffnet werden können, hält nicht stand, denn in anderen Jahren, in denen gleichfalls Frost herrschte, war von einer Kartoffelknappheit nichts zu spüren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da hatte man Kriegsgebote erlassen, mög- lichst viel Kartoffeln zu essen, und ein kommandierender General hatte sogar hinzugefügt, wer sich nicht danach richte, sei ein schänd- licher Verräter an der Sache des Vaterlandes.— und auf der anderen Seite ließ man den Kartoffelwucher üppig in die Halme schießen. Hunderttausende von Familien mußten zu schändlichen Verrätern am Vaterlande werden, weil keine Kartoffeln auf den Markt kamen. Erst als die Zert kam. wo die Kartoffeln Keime u schieß«« vegannen, wo also gewaltig« V«rlitfi« rohten, da auf ein mal geschah, was weder die Regierung mit all ihren Maßnahmen noch die Entrüstung des Volkes fertig gebracht hatten: es wurden Kartoffeln in großen Mengen auf den Markt geworfen. Jetzt stehen wir nun in der Tat vor einem Kartoffelreichtum, und«S ist sehr bedauerlich, daß die Regierung nicht alles getan hat, um hier für eine gerechte Verteilung unsere« Kartoffelbe st andeS zu sorgen. In der „Deutschen Tageszeitung" hat ein Landwirt schon einen Notschrei ausgestoßen: viele Landwirte wüßten mit den Kartoffeln nicht wo- hin. Wenn die Landwirte sich verspekuliert haben, die da» Volk hungern ließen, nur um höhere Preise zu erzielen, wenn sie nun durch eine Enttäuschung bestraft worden sind, so sind sie viel zu gelinde bestraft.(Sehr richtig! bei ben Sozialdemokraten.) AuS diesen skandalösen Vor- gängen auf dem Kartoffelmarit sollte die Regierung schleunigst all« notwendigen Lehren ziehen, damit diese Wucherpraktiken nicht mit in das neue Erntejahr hinüberg«- nommen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Vorgänge auf dem Kartoffelmarkt haben außerordentlich verhängnisvoll gewirkt auf die Fleischversorgung. Die Folge der künstlichen Kartoffelknappheit war das übermäßige Ab- schlachten von Schweinen. Man hat für diese verkehrten Maß- nahmen die unpraktischen Professoren verantwortlich gemacht, während sich die Professoren doch nur auf die zahlenmäßigen An- gaben stützen konnten, die ihnen aus den Kreisen der Interessenten unterbreitet wurden. Jedenfalls sind die Fletschprelfe heute um zirka 100 Proz. gestiege» und zahllose Arbeiterfamilien müssen auf den Fleischgenuß voll- ständig verzichten. Die Fleischnot wird noch arößer werden, wenn die Regierung nicht schleunig st Höchstpreis« für Fleisch festsetzt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Umstand, daß jetzt zu wenig Fleisch vorhanden ist, darf keinen Grund abgeben dafür, die Fleischpreise in dieser Weis« in dw Hohe zu treiben. Sonst wird erreicht, daß die D e s i tz e n d e n fich nach wie vor Fleisch kaufen können, während die arbeitend« Be» völkerung nicht Geld genug hat. um sich Fleisch zu kaufen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn da« Fleisch knapper wird, dann muß eben der Fleischverbrauch kontingentiert und«8 mutz ähnlich der Brotkarte eine 8 � k i schkart« ein ge» führt werden, die jedem«ine bestimmte Menge Fleisch sichert. Täuschen Sie sich nicht! Die Not im Volk und damit die Unzu- friedenheit wächst täglich. Nicht nur unter den Arbeitern, sondern auch im Mittelstand werden diese Preistreibereien bitter«mpfunden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Um so bitterer, als sie im wesentlichen unberechtigt sind. DaS Wohl deS Volkes muß unter allen Umständen gegen Leute geschützt werden, die diesen unglückseligen Krieg dazu benützen wollen, um sich zu bereichern.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokrat«».) Millionenvermögen werden von einzelnen zusammen. gerafft, während das Volk draußen die B l u t o p f e r bringt und während das Volk im Lande auch große Opfer bringt. Wir lassen un» durch die hochtönenden Red>n über den wahren Stand der Dinge den Blick nicht trübe». Wir find stark genug, um den Dingen klar in» Auge zu sehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hunderttausende von Frauen und Kindern weinen bereit» um ihre Er« nährer. die draußen die Massengräber füllen. Tausende von j u g e n d fris ch e n kräftigen Männern ziehen verkrüppelt und siech durch die Straßen. Und zu diesem Kummer und Schmerz gesellt sich jetzt noch ganz unnötigerweise die wirtschaftliche Not, Da» drängt gebieterisch zu der Frage: Wie lange soll das noch daner«? Man redet so oft von der Wahrung des Burgfrieden». Ich verkennt nicht, daß da» deutsche Volk zusammenstehen muß zur fiegreiöben Abwehr seiner zahllosen Feinde, zu denen die Ernentemächte neue zu gewinnen fortgesetzt bemüht find. Aber der Burgfrieden berechttgt nicht zu dem Verlangen, daß die großen Massen de» Volke», denen man in Preußen auch noch ein gerechte» Wahlrecht versagt und denen man durch B e- lagerungSzustand und Zensur die freie Meinung»« Sutzerung unterbindet, widerspruchslos auch noch Wirt« schaftlich notleiden müssen(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), nur damit gewissenlose Profitjäger au» dieser Not de» Volkes Gold münzen können. Gegen einen solchen Mißbrauch de» Burgfriedens, der zu einer Fessel de» Volte», ja geradezu zum Volt». betrug« wird, legen wir Verwahrung ein.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Es darf nicht geschehen, daß au» dem größten Unglück daSjedieMenschheit betroffenhat. Kapital geschlagen wird. Und die Kreise, denen dies« Riesengewinne zugute kommen, sind eS denn auch, die für»in« Fort- führung deS Kriege» bis zur Verwirklichung der»rrstiegenstea AnnexionSplän« eintreten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich«inner» an die Rede de» Freiherrn v. W a n g e n h e i m auf dem landwirt« schaftlichen GenossenschastStag in Pommern. Demgegenüber et» klären wir: Die große Masse deS deutsche« BolkeS hat de« dringenden Wunsch, daß die Negierung keine Gelegen» heit, zu einem baldigen Friedensschluß z« gelange«, verabsäumt. Sie dient den wahren Interessen de» Lande«, wenn fl» ein« weitere Verslbärsung der internationalen Lage verhindert.(Sehr wahr!) E» war vor allem ihr« Pflicht, gegen die vnnexionSbrstre- Hungen aller Art, wie sie von einem deutschen Bunde»- f ü r st e n, von politischen Parteien, von kapitalisti- schen Interessengruppen au» KapitalSrückstchten(Zuruf b. d. Sozialdem.: Und vom Reichskanzler!) geäußert worden find, entschieden Front zu machen, denn die Verwirklichung dieser Bestrebungen würde von Unheil für die Zukunft des Reiches und eine schwere Schädigung für die weitere kulturelle Entwickelung unseres Vaterlandes ein.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Diese Annexionspolitik aber verstößt vor allem gegen das uns besonders heilige Selbstbestimmungsrecht der Völker, und Annexionen tragen, wie die Geschichte lehrt, den Keim zu neuen Kriegen in sich. Deshalb lehnt die Sozialdemo- Iratie alle diese verwerflichen Bestrebungen ab. Sie bekämpft sie aber auch schon deSbalb, weil fie dazu beitragen, den Krieg mit seinen furchtbaren Verwüstungen an volkelraft und Kulturgütern noch zu verlängern und den von allen Völkern so sehnlichst herbeigewünschten Frieden noch weiter hinauSzu- schieben. DaS deutsche Boll will keine Eroberungen, keine Annexionen, es will den Frieden, und zwar den Frieden ohne De- mütigung und Vergewaltigung anderer Völker.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Unruhe bei den bürgerlichen Parteien.) Vizepräsident deS Staatsministeriums Dr. Delbrück: Darin stimme ich mit dem Vorredner überein, daß der gegen- wältige Krieg für das deutsche Volk eine sehr ernste Sache ist. Die Opfer können aber nur mit Erfolg gebracht werden, wenn alle zusammenhalten und nicht, wenn die Stände sich gegenseitig Vorwürfe machen, wie der Vorredner das anderen Ständen gegen- &ct des Sozialdemokraten.) Wenn wir Sie ruhig angehört haben, so müssen Sie auch einem Minister das Recht geben, hier ohne Unterbrechungen von Ihrer Seite zu antworten.(Leb- haste Zustimmung bei de» bürgerlichen Parteien.) Nicht nur vom Standpunkt der Menschlichkeit und des sozialen Friedens, sondern auch nüchterner Realpolitik ist die Ernährung des Volkes zu er- schwinglichen Preisen eine der wichtigsten Aufgaben. Die Regie- rung ist ernstlich bemüht, ollen Forderungen nach einer billigen und ausreichenden Ernährung des Volkes Rechnung zu tragen. Aber die Preisfestsetzung mutz auch in einem gewissen Verhältnis zu der Höhe der Produktionskosten stehen.(Sehr richtig!) Natür- lich ist der Krieg nicht ohne Einwirkung gewesen auf die Produk- tionsverhälstnsse unserer Landwirtschast. Ihr wurden vor der Ermke im vorigen Jahre die besten Arbeitskräfte entzogen. Ihr wurden mehrfach die Pferde ausgehoben, Pferde, die der Landwirt heute zu hohen Preisen erwirbt, werden nach einigen Monaten wieder von der Militärbehörde angekauft, es fehlten die sonst aus dein Ausland zur Verfügung stehenden Futtermittel. Es mutzten also unabhängig von spekulativen Preistreibereien die Produk. tionskosten namentlich für Fleisch höher sein als in Friedens zeiten. Wir können nicht durchhalten, wenn unsere Landwirtschaft . nichtt leistungsfähig bleibt. Ob die Höchstpreise für Brotkorn zu spät(festgesetzt wurden, ist eine Frage der Vergangenheit. Nebri- gens' mutz man die Höchstpreise der Nachfrage anpassen, wenn überhaupt Ware kommen soll.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Beschlagnahme!) Darauf wollte ich eben kommen. Wir waren uns vollkommen klar, datz Höchstpreise nur voll wirksam sein können, wenn daneben die Beschlagnahme eintritt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber man kann nicht jeden Artikel beschlagnahmen, insbesondere nicht Kartosteln, deren Aufbewah- rung mnd Behandlung zu den schwierigsten Geschäften gehört. Auch die Beschlagnahme von Fleisch stützt auf unüberwindliche Schwierig- leiten. Wir müssen also andere Mittel ergreifen. Wir erwägen zurzeit Bestimmungen über den Aushang der Preise an den Fleischerläden, wodurch den Städten der billige Verkauf ihrer Dauerware besser ermöglicht werden soll. Jedenfalls werden wir alle Schrstte tun, die in unserer Macht liegen, um eine Verbesse- rung herbeizuführen. Unser Bestreben wird nirgends tatkräftiger unterstützt als auf der rechten Seite dieses Hauses.(Sehr richtig! rechts, ironische Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Ich mutz also die Vorwürse gegen die Regierung entschieden zurückweisen, als hätte sie aus Angst vor den Agrariern von ihr als nützlich und inöglich erkaimte Matzregeln unterlassen. Ich bedaure solche Vor- würfe, weil sie nicht der Regierung schaden, sondern dem Vater- lande(Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien. Widerspruch bei den Sozialdemokraten), das ein Interesse daran hat, datz Volksvertretung und Regierung jetzt jetzt geschlossen wie ein Mann an demselben Strange ziehen.(Zurufe bei den Sozial- demokraten: DaS Volk nicht aushungern t) Für uns kann es nur den einen Gedanken geben, den Krieg so zu beenden, datz wir nicht noch einmal einen solchen Krieg zu führen brauchen.(Leb- hafte Zustimmung.) Das ist das Ziel, das sich der Reichskanzler und die Verbündeten Regierungen gesteckt haben und dem auch Sie (zu den Sozialdemokraten) zustreben müssen, wenn Sic Verstand- uiS für die wahren Bedürfnisse des Vaterlandes haben.(Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) �''' Abg. Leinert(Soz.): Der Vizepräsident des StaatsmimstermmS hat die Vorwürfemsines Freundes Braun auf ein falsches Gleis geschoben. Darüber sind wir doch alle einig, daß die Matznahmen, die zur Volksernährung getroffen worden sind, unvollständig waren, weil sie immer an einer Stelle begonnen, aber nicht ordentlich� durchgeführt wurden.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Die Futtermittel wurden überhaupt nicht mit Höchstpreisen bedacht, und daraus folgte die ungeheure Steigerung der Fleischpreise. Unsere Vorwürfe richten sich gegen die- je n igen, die diese günstige Lage ausgenutzt haben, um Wucherpreise zu erzielen, und dem ist die Regierung nicht genügend entgegengetreten. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So mützte die Regierung zum Beispiel dem unzulässigen Festsetzen von Höchstpreisen durch die Innungen entgegentreten.(Sehr richtig! bei den Sozialdenrokraten.) In der Kriegsfürsorge für die Farnilien der Kriegsteilnehmer sind eine Reihe Verbssserungen erfolgt, zum Beispiel dahin, datz auch schuldlos geschiedene Ehefrauen, uneheliche Kinder, die die Ehefrauen uiit in die Familie gebracht haben, Unterstützungen er- halten. Ader diese Erweiterungen reichen nicht aus. Viele Kriegsteilnehmer haben die Kinder von Verwandten m ihre Familie aufgenommen. Auf diese erstreckt sich die Kriegsfürsorge nicht. Es müssen aber alle von dem Kriegsteilnehmer vor seiner Einberufung versorgten Kinder unterstützt werden. Wenn dahin- gehende Bestrebungen beim Bundesrat gescheitert sind, so sollte die preußische Regierung hier selbständig vorgehen. Im übrigen kommen nicht nur Familien von Kriegsteilnehmern, sondern auch Kriegsteilnehmer selbst in grotze Not, zum Beispiel un- verheiratete Geschäftsleute, die ihr Geschäft schließen, aber die Miete weiter bezahlen müssen. Hier sollte durch Beihilfen dafür gesorgt werden, datz die Schulden nicht allzuhoch werden. Zu be- grüßen ist, datz durch den Erlaß des Ministers auch die Ange- hörigen der aktiven Soldaten zur Kriegsunterstützung zugelassen worden sind. Der Minister hat in der Kommission betont, datz die Unterstützung für die Eltern und Großeltern der aktiven Soldaten gewährt werden mutz, wenn eine Bescheinigung des Zivilvor- sitzenden der Ersatzkommission borliegt, datz er die betreffende Re- klamation in Friedenszeiten befürwortet haben würde. Ich hebe dies hervor, weil nach den Erfahrungen, die mit Unterstützungen gemacht worden sind, anzunehmen ist, datz auch diesen Ange- hörigen Schwierigkeiten gemacht werden. Ich spreche um so lieber die Anerkennung aus, datz aus dem Erlaß des Ministers zweifel- los die Absicht hervorgeht, die Hinterbliebenen der Kriegsteil- nehmer mit dem größten Wohlwollen zu behandeln, da wir ja sonst sehr selten in der Lage sind, Maßnahmen des Ministeriums des Innern gutzuheißen. Leider ist bei der Ausführung der Er- lasse dies soziale Empfinden nicht zu finden. Auch der Minister hat zugeben müssen, datz bei der Ausführung durch die unteren Instanzen noch mernnigfach gesündigt wird. Nach den Be- strmmungen sollen an Kriegsteilnehmer und ihre Angehörigen keinerlei Armenunterstützungen gewährt werden. Das geschieht aber doch noch in verschiedenen Städten, obgleich dies bekanntlich Einstns? auf die politischen Rechte des Kriegsteilnehmers hat. Was die Voraussetzungen der Bedürftigkeit anlangt, so der- langen wir Bestimmungen, datz wohlwollend geprüft werden soll, daß armenrechtliche Gesichtspunkte nicht matzgebend sein dürfen und daß ein kleines Vermögen bis 3000 M. überhaupt nicht angerechnet werden darf. Aber gerade über die Anerkennung der Bedürftigkeit sind die meisten Klagen entstanden. Eine Anordnung des M i n i st e r s darüber wäre notwendig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Höhe der Unterstützungen soll so sein, datz den Zurückgebliebenen einangemesseuerLebens- unterhalt gewährleistet ist. DaS wird aber in den meisten Fällen nicht berücksichtigt. Viele Lieserungsverbände zahlen nur die Mindestsätze, die sie vom Reich zurückerstattet erhalten. So weiß ich das zum Beispiel vom Landkreis Hannover. Das verstößt zweifellos gegen den Geist des Gesetzes, das hat mir auch der Mi- nister in der Kommission bestätigt. Unterstützungen, die aus öffent- lieben Kassen geleistet werden, aus der Gemeindekasse, der Stadt- kasse oder Kreiskassc, sollten stets als Unterstützungen des Liefe- rungsverbandes angesehen werden, damit die Familien, wenn sie verziehen müssen, die Unterstützung aus den Kassen weiter- erhalten. Vielfach zahlen Nrbcitcrgcbcr Zuschüsse zu den Unter- stützungen der Lieferungsverbände. Nun haben aber Liefe- r u n g s v e r b ä n d e die Sache umgedreht und gesagt, wir zahlen die Unterstützung als Beihilfe zu den Unter st ützun gen, die die Arbeitgeber Fahlen. In einem solchen Falle Keraniworilichet Redakteur i Alfred Wielcpp) Reukollck Füf s8„elal� e* � T tt lebhafte Zu r u fefHat der Regi erungskommissar die Rege! aufgestellt, es soll m allen Fällen zunächst die Mindest unter st ützung gewährt werden. dann sollen die Lohnzulagen gegeben werden und darauf solle ge- prüft werden, ob ein Bedürfnis für eine Zusatzunterstützung vor- handen sei. Wenn die sonstigen Einnahmen der Familie zu einem angemessenen Lebensunterhalt ausreichen, unterbleibt selbstverständ- lich auch die Zahlung der reichsgesetzlichen Beträge. Ich möchte aber wünschen, daß diese von dem Kommissar der Regierung dar- gelegte Regelung allen Lieferungsverbänden zur Pflicht gemacht ist. Ein weiterer Mißstand ist, daß die Liefe- rungsverbände endgültig entscheiden. Ich hatte in der Kom- Mission beantragt, wenigstens für die Reichswochenhilfe auf dem Berordnungswege eine Berufungsinstanz zu schaffen. Das wurde für nicht möglich erklärt. Darum wünsche ich, daß über den Charakter dieser Kommissionen der Lieferungsverbände die Regierung vollständige Klarheit gab. Sind sie kommunale Orga- nisationen, kommunale Ausschüsse, so würden sie der Staatsanfficht unterstehen und der Regierungsprafident könnte die Durchführung der Erlasse des Ministers erzwingen. Bisher haben das Regierungs- Präsidenten in einzelnen Fällen abgelehnt, well dieKomission endgültig entscheide. Die Wirkung solch unsachgemäßer Behandlung der Unterstützungsansprüche ist natürlich eine sehr unliebsame auf die Familien der Kriegsteilnehmer und diese selbst.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Weiter bedarf der Erörterung die Kür- zung der Witwenrente um den Betrag, den die Witwen bis zur Auszahlung der Reuten seit dem Tode ihres Mannes als Familienunterstützung erhalten haben. Heute bestehen in dieser Beziehung grotze Härten. Die zweimonatige Frist, die heute besteht, sollte nicht vom Todestage, sondern von dem Tage ab gelten, an dem die Witwe die Nachricht bekommt, daß ihr Mann gefallen ist. Wir müssen also mit aller Entschiedenheit verlangen, daß die Lieserungsverbände zur Befolgung der ministeriellen An- Ordnungen auf dem Aufsichtsweg« gezwungen werden. Wir hielten es für notwendig, das hier vorzubringen. Der Minister hat in einem Erlaß auch angeordnet, daß die Presse zu Hilfe genommen werden soll, um Aufklärung über die Unterstützung s- fragen zu schaffen. Von einem stellvertretenden Generalkommando ist aber der Presse die Kritik an den Unterstützungen, die die L i e fe r u n g S v e r- bände bewilligen, verboten worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Darum blieb uns kein anderer Weg, als diese Mißstände hier vorzubringen. Den Kreisen ist gerade in Preußen die Unterstützung so außerordentlich leicht dadurch ge- macht, daß sie zwei Drittel der Mehraufwendungen über die reichsgesetzlichen Beträge wieder zurückerstattet bekommen aus dem Bettag, der von dem 200-Millionen-FondS des Reichs in die Staatskasse fließt und aus den 110 Millionen, die hier bewilligt sind. DaS Abgeordnetenhaus wird sicher gern bereit sein, höhere Summen zu bewilligen, wenn diese nicht ausreichen. Wir haben aber gehört, daß die Anforderungen an die Regierung bisher noch lange nicht an das heranreichen, was monatlich für diese Zwecke zur Verfügung steht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Ausbau der Familienunterstützung ist sicher ein wichtiges Mittel, nm in unserem Heere die Beweisführung zur Abwehr unserer Feinde zu erhalten. Das ist das mindeste, was wir jenen Braven da draußen bieten können, die seit mehr als zehn Monaten in Wind und Wetter, im Hagel der Geschosse aushalten, und die den sehnlichen Wunsch haben, nach all dem Ungeheuerlichen wieder heimwärtsziehen zu können zu den Ihren, wenn sie natürlich— soll es so sein— auch entschlossen sind, noch weiter ihre Pflicht zu tun wie bisher, so lange, bis ein ehrenvoller Friede erkämpft worden ist.(Bvavo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. t>. Ostes(k.) bestreitet, daß eine grotze Masse von Kartoffeln dem Verderben aus- gesetzt sind. Die übrig bleibenden Kartoffeln werden entweder in Dauerware übergeführt oder sonst verbraucht. Alle Stände, auch die Landwirtschaft und auch die Arbeiter haben ihre Schuldigkeit getan. Mit Entrüstung mutz der Gedanke zurückgewiesen werden, als habe irgendein Stand unseres Volkes seine persönlichen Jnter- essen über die der Allgemeinheit gestellt.(Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fl.): Ich protestiere gegen den Versuch, unter unzuverlässiger Ver- allgemeinerung von Einzelfällen Vorwürfe gegen weite Volks- kreise in einem Tone zu erheben, der uns so lebhaft an vergangene Zeiten erinnert hat, die wir für als über- wunden erachteten.(Lachen und Unruhe bei den Sozial- demokraten.) Die Rede des Abg. Braun erinnerte an das Pronunziamiento Haases, KantSkhS und Bern- st e i n S. Hätten wir die Politik gettieben, die die Sozial- demokraten vor dem Kriege vertteten haben, so wären die Russen heute in Berlin und wir am Verhungern.(Gelächter und Zurufe bei den Sozialdemokraten: S o wäre uns dieser Krieg erspart geblieben!) Für uns kommt es nur darauf an, durchzuhalten und auf unsere eigenen Interessen Rück- ficht zu nehmen, nicht auf andere Völker.(Lebhafter Bei- fall rechts— Zischen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Herold(Z.): Nach der musterhaft einmütigen Kommissionsberatung mutz die Störung der notwendigen Einmütigkeit durch eine so scharfe Rede, wie die des Abg. Braun Er- staunen und Bedauern hervorrufen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Einmüttgkeit wofür? Für AnnexionS- Pläne. Abg. Ströbel wird für seine Zwischenrufe zur Ordnung gerufen.) Gewiß war eS nicht möglich, datz die Regierung in allen Dingen gleich das Richtige ttaf. Aber sie hat gelernt und es immer besser gemacht. Im.Kriege ist alles teurer geworden, nicht nur bei uns. Die Landwirtschaft weiß, was sie der Wissenschaft verdankt. Aber das hindert nicht, daß Männer der Wissenschaft mal falsche Schlüsse ziehen können. Das ist in der Karivfselfrage geschehen. Die Männer der Praxis, die sagten, daß wir keinen Mangel an Karioffeln haben, wurden beschuldigt, den Tatbestand verschleiern zu wollen. Die Matznahmen der Regierung stützen sich auf ein einstimmiges Votum der Reichstagskommission und auch die Sozialdemokraten haben zugestimmt.(Hört, hört! rechts und im Zentrum.) Uns mutz es darauf ankommen, daß nach diesem Kriege Deutschland noch stärker wird, um dann gegen feindliche Anschläge gesichert zu sein.(Beifall.) Die Einigkeit des Volkes und Gottes Hilfe werden uns auch weiter Erfolge erzielen lassen, die künftige Kriege ver- meiden.(Erneuter Beifall rechts, im Zentrum und bei den National- liberalen.— Der Abg. Sttöbel und Dr. Liebknecht: E r 0 b e- rungspolitiker I Wir wollen den Frieden I) Das ganze deutsche Volk von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken will einmütig und entschlossen zusammenstehen, will nicht wanken und nicht weichen, bis entscheidende Erfolge er- zielt find.(Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien, leb- Hafter Protest bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kvhrminrn(natl.): Die innere Einigkeit ist die einzige Gewähr des äußeren Sieges. Ich habe mich vor einiger Zeit in der Presse über das grotze Umlernen ausgelassen und hätte nicht geglaubt, datz die Sozialdemokratie mir sobald den Beweis für die Nichtigkeit meiner Ansichten liefern würde. Als Motto könnte über der Rede des Abg. Braun stehen: Nichts gelernt und nichts vergessen. Die Sozialdemokratie scheint selbst den Beweis liefern zu wollen, datz wir mit ihrem Umlernen nicht zu rechnen haben werden. Wir wollen mit unserer Kritik zur Besserung und zur Vermeidung von Fehlern beitragen, loährend die Sozialdemokraten zuni Fenster hinaus an die Massen Reden halten.(Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen, Lachen bei den Sozialdemokraten� Sie spielt sich als die alleinige Vertreterin der schaffende« Arbeit ans. Wir lchnen es in dieser ernsten Zeit ab, der Sozialdemokratie auf dieser Bahn zu folgen. Der Abg. Braun hat von Leuten gesprochen, die sich bereichern, und hat gesagt, das seien auch die Annektionspolitiker. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Gegen diese schamlose Verleumdung ehrlicher Männer, die ihre Ucberzeugung dahin aussprechen, daß wir diesen Krieg nicht ohne eine Vergrößerung«nseres Reichsgebietes abschließen dürfen, (Abg. Dr. Liebknecht: Wir wollen den Frieden!s— gegen diese schamlose Unterschiebung der niedrigsten Motive lege ich schärfste Verwährung ein.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen, Abg. Ströbel: Haben Sie doch den Mut, zu bekennen, was Sie wollen! Enthüllen Sie doch die Forderungen der Wirtschaftsverbände!) Diesen Mut habe ich. Der Abg. Braun meinte, das deutsche Volk wolle geschlossen keine Annektion und keine Eroberung. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine Anmaßung der Sozialdemokraten, sich als Vcrtteter des deutschen Volkes aus- zugeben.(Zurufe: Sind Sie es etwa?) Wenn diese Behauptung der Sozialdemokraten sich semals als ein Irrtum herausgestellt hat, so durch das Verhalten der Sozialdemokratie in diesem Kriege. Wäre es nach den Sozialdemokraten im Frieden gegangen, dann säßen die Russen jetzt in Berlin und sckion seit Monaten wären die Sozialdemokraten nicht in der Lage, als Vertreter des deutschen und preußischen Volkes törichte Reden zu halten.(Heiterkeit und Sehr gut! rechts, im Zenttum und bei den Nationafliberalen.) Gewiß richten sich die Blicke deS Volkes auf einen baldigen Frieden, denn zu groß ist der Blutstrom und das Tränenmeer. Ader nicht von baldigem Frieden ist die Rede, sondern davon, daß durch diesen Krieg dofiir gesorgt werden mutz, daß nicht bald wieder ein gleicher Blutsttom und ein gleiches Tränenmeer über uns kommen. Darum wünschen wir, daß der Krieg zu Er- g e b n i s s e n führe, daß wir wenigstens für ein Menschenalter, wenn nicht länger, vor einer Wiederholung dieses Krieges bewahrt bleiben und uns die Stellung in Europa und in der Welt sichern, die uns gebührt und die allein die Möglichkeit der Verhinderung neuer Kriege schafft. Der Wunsch des deutschen Volkes geht dahin, datz diese grotze Schicksalsstnnde, die vielleicht nie wieder für unser Volk kommen wird, von unserem Volke und seinem leitenden Staatsmann« nicht ungenutzt gelassen wird.(Lebhafter Betfall bei den Nationafliberalen.) Ein Schlußantrag wird angenommen. ES folgen persönliche Bemerkungen: Abg. Ströbel(Soz.) führt gegenüber einigen Worten des Abg. Herold aus, datz Herold ganz genau wisse, welche einflußreichen Kreise die Eroberungspolitik vertteten, die Abg. Sttöbel für verbrecherischen Wahnsina hält. Abg. Braun(Soz.) bedauert, die matzlosen Angriff« nun nicht mehr be- antworten zu können. Gegenüber Herrn v. Zedlitz stellt er fest, datz er auch in der Kommission mit der gebotene« Ausführlichkeit und Schärfe gesprochen habe. Das Schlußwort für alle Berichterstatter nimmt der Bor- sitzende der Budgetkommission. Abg. Win-kler(k.) betont, daß so scharfe Angriffe wie die des Abg. Braun in der Kommission nicht erhoben worden sind, obwohl auch dort die So- zialdemokraten vertreten waren. Die Kommisfionsverhandlungen waren diesmal nicht mehr geheim, es wurde ein ausführlicher Be- richt veröffentlicht, wir haben jetzt die volle Sicherheit, daß unser Volk den Kampf dank der Gesundheit unseres Wirtschaftslebens, dank den Regierungsmatznahmen und dank der Unterordnung des Volkes unter die von ihm für notwendig erkannten Matznahmen zu bestehen in der Lage ist. Der Redner feiert dann die starke Rüstung deS Volkes in Waffen, rühmt die Haltung deS unbewaff- neten Volkes, die Leistungen der Industrie und Landwirtschast, der Staatsbeamten und der Selbstverwaltung. Das Wort des Reichs- kanzlers von dem Ausharren bis zur Erkämpfung der nötigen realen Sicherheiten hat unser Volk angefeuert und ermutigt.(Lebhafte Zustimmung.— Abg. Dr. Liebknecht: Das Gegenteil ist der Fall.) Wer das leugnet, schließt sich von diesem Volke aus.(Stürmische Zustimmung; Lachen bei den Sozialdemokraten.) Aus der Sicherheit, durchhalten zu können, die das Voll aus unseren Verhandlungen schöpfen kann, wird es den Ansporn entnehmen, weiter wie bisher in erstarktem Gott- vertrauen und festen Sinnes seinen Weg weiter zu gehen. Im Bewußtsein unserer wirtschaftlichen Kraft werden wir den Frieden erreichen, wie er vor uns schwebt.(Beifall.) Die Resolutionen der Budgetkommission werden einstimmig angenommen; die Tagesordnung ist erschöpft. Abg. Frhr. v. Zedlitz(ff.) dankt dem Präsidenten für die»parteiische Leitung der VerHand- lungen und für die würdige und eindrucksvolle Art, mit der er wiederHoll den Gefühlen des Hauses Ausdruck gegeben hat. Präsident Graf Schwcrin-Löwitz dehnt den Dank auf die Vizepräsidenten, die Schriftführer und Be- amten des Hauses aus. In seiner Schlußrede weist er auf die günstige Kriegslage auf allen Kriegsschauplätzen, insbesondere auf dem italienischen und auf dem galizischen hin. wo selbst der von England vor seinen Wagen gespannte russische Koloß in seiner Hauptmacht vernichtend gettoffen ist. Nach der Ansicht maß- gebender militärischer Sachkenner wird die russische Heeresmacht zu einer kraftvollen Offensive nicht mehr sähig sein. Dazu haben die Schläge Hindenburgs, Mackensens und jetzt unserer Ver- bündeten der russischen Dampfwalze zu viel Dampf ausgetrieben. (Heiterkeit und Zustimmung.) Im Westen haben sich die Franzosen und Engländer abermals an der granitenen Mauer unerer Heere und Engländer abermals an der granitenen Mauer unserer Heere unerbittlichen Durchhaltens bis zu dem Augenblick, wo auch Eng- land eingesehen haben wird, datz es auf die Alleinherrschaft zur See verzichten mutz. Wenn wir in einigen Monaten wieder zusammenkommen, werden wir vielleicht noch nicht am Z»e l e, aber dem völligen Sieg nnd dem dauernd ge- sicherten Frieden näher gekommen sein. Die militärischen und wirtschaftlichen Leistungen und die hohe moralische Kraft unseres Volkes verbürgen das siegreiche Durch- halten. Gott der Herr schütze unser geliebtes Vaterland, unser Herr- liches Heer, unseren siegreichen Kriegsherrn. In das Hoch auf den Kaiser und König stimmt das Haus, aus dem die Sozialdemokraten sich zu Beginn der Rede des Präsidenten entfernt haben, ein. Schluß der Sitzung nach 4 Uhr. Die gemeinsame Schlusisitzuug beider Häuser des Landtages fand um 5 Uhr statt. Sie wurde von dem Präsidenten des Herrenhauses, v. Wedel-Piesdorf, geleitet, der je 2 Mitglieder des Herren- und des Abgeordnetenhauses zu Schrift- führern berief. Etwa 100 Mitglieder des Landtages waren an- wesend, die Äzzialdemokratcn blieben fern. Stellvcrttetender Mi- nisterpräsident Dr. Delbrück verlas die Urkunde, durch die der König ihn ermächtigt, die gegenwärtige Sitzung des Landtages zu schließen. Darauf erklärte er die Session für geschloffen. Der Vorsitzende brachte daS Hoch auf den König aus, in das die Anwesenden ein- stimmten. LstsSttitalteik VercMtll�t'Th. Glocke. Berlin. Druck S-LttlckgiLorwärt» Buchdruckerei u, PerlagZanstült Paul Sinset& Co., Berlin SW. Nr. 173. 82. Jahrgang. 2. Knltze des Jarioatti" gctltet MKsbIM Frettag. 25. Juni 1915. Verlustlisten. Tis Verlustliste Nr. 257 der preußischen Armee enthält Verluste solgendec Truppen: Infanterie usw.: Garde: l.. Z, 3-, 4. und 3. Garde-Reg. z. F.; 2. Garde-Rei.-Reg.; Gren.-Reg. Alexander; Garde-Füs.-Reg. Lehr- Jnf.-Reg. Gren.-. bezw. Ins.-, bezw. Füs.-Regimenter Nr. 2, 3, 5. 6. 7, 8. 15. 17. 20. 21. 20. 2S. 31. 32. 33 ,s. auch Ers.-Jnf.-Reg. der 41. Jnf.-Tiv.), 34. 35, 37, 39, 40. 42, 44, 45, 46, 49, 53, 55, 57. 59, 61, 63, 64, 65, 67, 70, 71, 73. 77. 78, 79, 81, 84. 85, 92, 94, 95, 97, 98, 99, III, 115 ls. Res.-Jnf.-Reg. Nr. IIS), 116, HS. 129.f. auck Ers.-Hnf.-Reg. Hoebel.. 144. 146. 150, 151, ISS, 153. 158. 160. 161. 162, 163. 168. 169. 171, 173. 174, 175, SSI, 334. 335. Ref.-Jnf.-Regimenter Nr. 8. 9. 11. 20. 21. 27. 28. 30. 35. 56. 59, 61, 64. 66, 72, 73. 75, 79, 80. 81, 83, 84, 86. 91. 98, 109, 110, 116, >18. 130, 210 bis einschl. 214, 217. 219, 220, 222. 226, 227, 228, 229. 231. 232, 234, 235, 239, 250, 251, 254, 255, 257. 265. 267. 271. Crs.-Inf.-Reg. der 41. Inf.-Div. sowie Regimenter Königsberg I >s. Ers.-Jnf.-Reg. v. Nußbaum) und lll, Hoebel und v. Nußbaum. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 6. 9. 18 ls. auch Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 84), 19(s. Jnf.-Reg. Nr. 331), 30, 31, 35, 39, 46, 57, 61, 66, 75, 76, 77, 84, 116, 118, 6. Gundlach und Mobs. Landw.-Ers.-Jnf.» Reg. Nr. 5. Laildst.-Inf.-Reg. Nr. 109. Besatzungs-Regimenter Nr. 3, 4, 7 Posen 1s. Inf.-Negimenter Nr. 331, 335, 334). Feld- Bat. Reiser lThorni des Tetacheinents Planticr. II. Wests. Landw.» Inf.-Bat. Breslau ls. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 57). Ueberplonmäßiges Landw.-Inf.-Bat.?!r. 3 des 4. Armeekorps ls. Landw.-Jnf.-Reg. d. Gundlach l. Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 7, 16, 44, 76. Landw.- Brig.-Ers.-Bat. Nr. 11 ls. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 5). Landst.» Inf.-Bataillone I Braunschweig, Ealau, II Teutsch-Eplau, 2. Heidel- berg is. Landst.-Inf.-Reg. Nr. I03l, Kattowitz(s. Jnf-Reg. Nr. 334), III Königsberg ss. auch Landst.-Jnf.-Bat. v. Bora«), I Lauban, korpsne hatten die Wehren von Grotz-Berlin am Mittwoch einzusongen. Es vergeht jetzt kein Tag, an dem nicht zahlreiche Bienenschwärme von der Feuerwehr be- settigt werden müssen._ Unfälle im Strahenbahnverkehr. Am Mittwochabend wollte an der Ecke der Kleist- und Nettel- beckstratze ein Fräulein Luise Kaufmann den Triebwagen 213 der Linie R besteigen, sie kam jedoch zu Fall und stürzte so unglücklich zu Boden, datz sie mit dem Oberkörper vor den Schutzrahmen des Beiwagens geriet. Man schaffte die Bewußtlose nach der nächsten Unfallstation, wo der Arzt einen Bruch der Wirbel- säule feststellte und das Mädchen nach dem Krankenhause der Jüdischen Gemeinde überführen ließ.— Am Köllnischen Fischmarkt versuchte Mittwochabend die 73 jährige Frau Juli« Braun kurz vor dem Triebwagen 2951 der Linie 71 das Gleis zu kreuzen. Infolge der kurzen Entfernung vermochte der Fahrer nicht mehr den Wagen zum Halten zu bringen, und so wurde die Greisin zu Boden geworfen, wobei sie eine Kopfverletzung und Ge- hirnerschülterung davontrug, die ihre llebersührung in da? Kranken- Haus am Urban notwendig machten.— In Neukölln wollte der 13jährige Schüler Emil Becker in der Thüringer Straße unmittelbar vor einem Wagen der Linie V über das Gleis laufen, er glitt auZ und geriet unter den Vorderperron. Der Knabe wurde von der Fangvorrichtung aufgenommen und kam, außer einigen Haut- abschürfungen, mit dem Schrecken davon. Unfall des Präsidenten des Abgeordnetenhauses. Als der Präsident des Abgeordnetenhauses, Graf Schwerin« Läwitz, gestern abend mit seinem Kraftwagen die Wilhelmstratze heruntergesahren kam, stieß sein Wagen an der Kreuzung der Linden mit einer Kraftdroschke heftig zusammen. Ter Graf wurde bei dem Zusammenprall an der rechten Schläfe verletzt, konnte aber, nachdem er in der Charite einen Verband erhalten hatte, nach seiner Wohnung gebracht werden. Von einem Automobil überfahren wurde gestern abend der Schlosser Alois Tauchmann, der in der Anguststraße 80 in der Herberge wohnte. Tanchmann hatte in der Budapester Straße in der Nähe des Brandenburger Tores eine Bedürfnisanstalt besucht, als er sie verließ und den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet er unter einen Kraftwagen, wurde überfahren und erlitt einen Knie- scheibenbruch und an dem andersn Bein starke Quetschungen. Der Verunglückte wurde nach der Charite gebracht, wo er verbleiben mußte. Beim Baden ertrunken ist in der Spree unweit des Restaurants Sadowa der 22jähnge Maler Ferdinand Schmara aus Köpenick. Kaulsdorfer Str. 5, bei den Eltern wohnhaft.— DaS gleiche Schicksal drohte einem Mädchen, das unweit Marienlust beim Baden unter- ging. ES konnte aber noch ans Land gebracht werden, wo die vor- genommenen Wiederbelebungsversuche Erfolg hatten. Ein Waldbrand in der Köpenicker Forst brach gestern nach- inittag in der Nähe des Bahnhofs Hirschgarten aus. Die Friedrichs- Hagener Feuerwehr wurde alarmiert, und es gelang ihr. einem Umsichgreifen des Brandes Einhalr zu tun. Da die Brandstätts in der Nähe des Eisenbahnverkehrs liegt, so ist anzunehme», daß Funken aus einer Lokomotive den Brand verursachten. Neue Schlangenarten im Berliner Aguarium. Trotz der Kriegs- zeit ist in diesen Tagen das Aquarium in den Besitz einer Anzahl soeben aus dem südlichen Nordamerika eingeführter Reptilien ge- langt, unter denen sich nicht weniger als acht Schlangenarten in einer Stückzahl von insgesamt einem halben Hundert befinden. Es sind sämtlich prächtige, ausgesucht große und schöne Stücke. Von giftigen Formen finden wir die bekannten Klapperschlangen und' die schön gefärbten Kupferköpfe. Bon den ungistigen sind die einfarbig schwarzen Schifferschtangen wegen ihrer Größe bei den Riesenschlangen untergebracht. Die Bandnattern bewohnen, ihrer Fischernatur entsprechend, ein feuchtes Terrarium neben den Riesenkrölen: Ketten-, Würg-, Weitzbauchnatlern, Peitschen- und Dreiecksjachschlangeli bewohnen die großen Terrarien auf der anderen Seite. Tie Ankunst dieser Amerikaner wurde mit besonderer Freude begrüßt, da sich bei der geringen Ausdauer der meisten Schlangen- arten in der Gefangenschaft das Fehlen von Neuzufuhren besonders bemerkbar macht. Singen im Wald verboten. Ein Wächter des PlänterwaldeS er- sucht uns noch bezugnehmend auf die kürzlich unter obiger Ueber- schrift gebrachte Notiz um die Mitteilung, daß er allerdings vor etwa 14 Tagen einer Dame, die nachts, kurz vor 12 Ubr, in der Nähe des„Alien Eierhauses" fragwürdige Gesänge aufführte, das Singen verboten habe. Hierzu habe er sich indessen verpflichtet ge- fühlt, einmal mit Rücksicht auf die dort wohnenden Sommergäste und andererseits, weil die Dame durch ihr Verhalten zum Wider- ipruch direkt herausforderte. Allgemein würden harmlos singende Spaziergänger nicht behelligt. Verloren wurde in der Zcacht vom 23. zum 24. Juni gegen '/42 Uhr von der Autodroschte 7773 ein Gummivollreifen 920 X 120 (Marke Hertz) und zwar auf dem Wege vom Alexanderplatz über Molkenmarlr, Spittelmarkt, durch die Linden nach dem Halleschen Tor. Da der Verlierer sür den Verlust haften muß, wird der Finder um Nachricht an Ebert. Hannoversche Str. 5, gebeten. ?tos öen Hcmeinöen. Tas Projekt eines FeuerwehrgebäudeS bildete u. a. den Beraiungsgegenstand der letzten Gemeindevertreter- sitzung in Weißensee. Gleich nach Beendigung des Krieges soll mit dem Neubau, der an der PistoriuS-, Ecke Tasiostraße, gegenüber dem Ledigenheim errichtet werden soll, begonnen werden. Die Kosten deS ganzen Gebäudes belaufen sich auf 295 000 M. Für die nach einem Vertrage entstehenden Unkosten bei Hilfeleistungen der Berliner Feuerwehr sind die Ge« meinden des Kreises mit Ausnahme von Reinickendorf einer Äollektivversicherung beigetreten, deren Kosten bewilligt wurden. Für eine Wohnungsreklame wurden 1500 M. auSge- worfen, es soll hierbei auch der„Vorwärts" benutzt werden. DaS in den Besitz der Gemeinde übergegangene GeschästSbaus der Weitzel:- seer Bank in der LanghanSstraße 103 macht sich durch das Leerstehen der ehemalige» Bankräume unrentabel, eS soll daher durch Ausbau von Läden die Rentabilität gehoben werden; die erforderlichen Kosten von 12 000 M. wurden bewilligt. Da die Müllabfuhr am Orte keine geordnete ist, will die Gemeinde andere Maßnahmen treffen. vor allem soll ein geeigneter Müllabladeplatz außerhalb deS Ortes angekauft werden. Gemeindevertreter-Ersaizwahl in AdlerShof. Die Ersatzwahl für den versiorbenen Gemeindevertreter Stadel- boff, zweite Abteilung, findet am Montag, den 28. Juni, abends von 6— 8 Uhr, in der Aula der allen Gemeindeschule, BiSmarck- straße 54, statt. Kandidat der sozialdeinolratischen Partei ist der Gastwirt Wilhelm Baschin, Metzer Str. I. Da die sozialdemokratischen Gemeindevertreter stets die Interessen der Bevölkerung wahrgenommen haben und auf ihren Einfluß zurückzuführen ist die Einführung und Erhöhung der A r b e i t s l o s e n- II n t e r st ü tz u n g, die Einführung und Er- böhung der M i e t u n t e r st ü tz u n g e n, die Gewährung der Wöchnerinnen- und Kranken Hilfe, ferner die Fort- sührung der Schulspeisung an bedürftige Kinder, ist es deshalb i Pflicht unserer Parteigenossen, für die Wahl unseres Kandidaten eine I rege Propaganda zu entfalten. Das Wahlbureau befindet sich im Restaurant Töpfer, I am Marktplatz, und ist von nachmittags 5 llhr an geöffnet. Helfer i und Helferinnen wollen sich dort einfinden. t- Verkauf von Dauerware in Mahlsdorf. ] Die Gemeindeverwaltung wird am Mittwoch, den 30. d. Mts., � mit dem Verkauf von Dauerware beginnen. Der Verkauf findet � jeden Montag, Mittwoch und Freitag, nachmittag? von 5—8 Uhr, im Schulhause, Walderseestraste, statt. Es wird abgegeben: Rindfleisch I in Pfunddosen a 1,25 M., Schweinefleisch in Pfnnddosen a 1,35 M. und Schmalz, pro Pfund 1.40 M. Der Vorrat ist kein großer. Es j stehen pro Kopf der Bevölkerung zirka 5 Dosen zur Verfügung. I Schmalz sind nur 10 Zentner vorhanden. Der Verkauf findet nur l gegen Vorzeigung von Berechtigungsscheinen statt. Dieselben werden , in derselben Weise wie die Brotkarten am Montag, den 28. d. M., ! nachmittags von S— 8 Uhr, von den bekannten Stellen an die Haus- z wirte ausgegeben, die dann die Scheine an ihre Mieter weiterzu- . geben haben.__ ; Der Städtische WohnungsnachwciS in Charlottcndurg, Wilhelm- j platz 1», ist auch während deS Kriege? werktäglich zwischen 9 und , 3 Uhr geöffnet. Vermittelt werden Wohnungen von 1 und , 2 Zimmern nebst Küche. Die Vermittelung erfolgt für Mieter und , Vermieter vollkommen kostenfrei. Es kann Mietern und Ver- ■ mietern nur dringend empfohlen werden, von dieser gemeinnützigen Einrichtung weitestgehenden Gebrauch zu machen. Neuköllner Schulhöfe als Spielplätze. Wie in früheren Jahren � hat die Stadtgemeinde auch während der diesjährigen Sommerferien die Höfe der Schulgrundstücke Boddinstr. 52/56, Prinz-Handjery- Straße 81/62, Rütlistr. 41/42, Kaiser-Friedrich-Str. 4 und Elbe- straße 11/12 als Kinderspielplätze freigegeben. Der Zutritt ist Kindern bi» zum Aller von 12 Jahren gestattet. Die Höfe können von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr benutzt werden. Die Ueber- wachung der spielenden Kinder ist dem Publikum selbst überlasten. Irgendwelche Hastpflichtansprüche können bei etwa vorkommenden Unfällen von der Stadtgemeinde nicht anerkannt werden. Die Schul- diener haben für Reinlichkeit zu sorgen und darauf zu achten, daß keine Beschädigungen der Anlagen stattfinden. Die Be- Nutzung der auf den Schulhöfen aufgestellten Turngeräte ist verboten, ebenso wenig dürfen Hunde zu den Spielplätzen mit- gebracht werden. Auf jedem der vorbezeichneten Schulhöfe ist Sand angefahren worden, damit die Kinder darin spielen können. Des- glerchen ist für die Eltern, denen das Betreten der Schulplätze auch gestattet ist, für Sitzgelegenheit gesorgt worden. Soziales. Arbeiter-Frühstückskösten. Die Aufbewahrung der von den Arbeitern mitgebrachten Lebensmittel läßt sich in einigen Betrieben schwer bewerkstelligen, da die Eßwaren leicht den Geruch der in den Räumen verwandten Materialien anziehen und außerdem kaum vor Wärme zu schützen sind. Um solchen Mißständen vorzubeugen, hat die Graphische An- stalt Förster u. Borries in Zwickau Blechkästen an den Wänden der einzelnen Säle aufgehängt, die ihrer praktischen Form wegen Jnter- esse finden dürften. Jeder Arbeiter hat für die Unterbringung seines Frühstücks bezw. Mittagbrots einen Behälter von 15 Zentimeter Breite, 14 Zentimeter Höhe und 24 Zentimeter Tiefe, von denen acht zu einem Kasten vereinigt sind. Sie sind aus verzinktem Weißblech hergestellt. Die Vorderwand jedes Behälters trägt die betreffende Nummer, ist mit einem Knopf zum Anfassen versehen und läßt sich herunterklappen. Um die Kästen absolut luftdicht ab- zuschließen und die Waren frisch und kühl zu halten, wird die Klappe am Kasten durch einen Vorstoß und eine Nase festgehalten. Da die Kosten der Kästen verhältnismäßig gering find/, Uhr, findet von BiSmarckstr. 31 aus die Verbreilung der Wahlaufforderunge» statt sür die Gemeindevcrtreterwahl in der II. Abteilung. Mahlsdorf a. d. Lstbahu. Sonntag, den 27. Juni, morgen» 8 Uhr, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen auS. Bernau. Sonnabend, den LS. Juni, abend» S'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung de» Sahlverein» bei Franz Salzmann. BaSdorfer Straße. Arveiter- Abftiuenten< Bund. Heute Freitagabend, pünktlich S Ubr, im Speisehaus Uhlisch, Dresdener Straße 291, Versammlung. Rejercnt: Genosse Aug. Neumann spricht über.Der Alkohol im Kriege'. Arbeiter-Radsabrer-Bund.Solidarität-'. fMitgiiedschast Berlin imd Umgegend.) Sonntag, den 27. Juni 1915: Samtliche Abteilungen Berlins und Umgegend srüh 5 Uhr nach Bergluch-Werlsee bei Hill«. Nach- inittagstour nach Uhlenhorst bei Köpenick. Start 1 Uhr an den bekannten Stellen. Freitag, den 25. Juni, Zentralsahrwartfitzung An der Stralauer Brücke 3. Mitgliedschaslen der Umgegend Berlins mögen dazu einen Fahrwart ent- senden. Abends 8'/, Uhr. Allgemeine Kranke»- und Sterbckafie der Metallarbeiter (B. a. G.) Hamburg. Filiale Baumschulenweg. Sonn- abend, den 26. Juni, abends 8'/, Uhr bei Boche, Baumichulenstratze 67: Generalversammlung. Neuwahl der Ortsverwaltung. Allgemeine Familieusterbekasse. Sonntag, den 27. Juni: Zahl- imd Ausnabmetag von 3—6 Uhr im Restaurant Gerichtstraße 12/13, und Buckow« Straße 14._ Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Stieselkönig, Friedrichstr. 131 c, beginnt mit ewem billigen Sommerausverkall f. Sie bietet einzelne gute Artikel zu«heblich niedrigeren Pressen an, um Platz für eintreffende Neuheiten zu schaffen._ Eingegangene Druckschriften. Bayerische Schneid. Erzählung aus dem Veitkriege von A. Achleitn«. Brosch. 1 M.— O Jalike, Berlin SW 11. Unsere Feinde, wie fle sich selber loben. H«au»gegcben von SS. Klette. 3M., geb. 4 M.— Delphin-Perlag. München. Sozialiftische Monatshefte. 12. Heft. Herausgeber: Dr. I. Bloch. Alle 14 Tag« ein Hest. 50 Ps.— Selbstverlag, Berlin W 35. Das Völkerrecht der Zukunft. Bon E. J. Bekkcr. 1. M.— C. Winter, Heidelberg. Sriefkaften der Redaktion. Die tvristische Evrechswnde findet für Adonnenten Lindenftr.», IV. Hof rechts, varterre. an: Montag bis Freitag von 4 btS 7 Uiir, am Sonnabend von 5 diS S Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrag« ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen dringe man in die Sprechstunde mit. A. U. 30� Da? kommt zwar auf die Entscheidnng deS Militärarztes an, aber mit Sicherheit ist anzunehmen, daß Ihr Ehemann nicht für selb- dienstfähig erachtet wird.— Große, Pw. Bruchanlage und Form- Veränderung der Füße, dienstsübig.— Urlaub 15. Das liegt im Belieben des Unternehmers. Die He«cSv«wa!tung wird das nicht verweigern. Fordern Sie nur Ihren Urlaub vom Unternebmer.— M. G. 42. 1. Sie können ein solches Testament freihändig aussetzen. 2. Wenn das Erbteil nicht schon zu Lebzeiten der Frau ihr selbst zugesallen ist, haben Sie jetzt keinen Anspruch.— Sch. 43. Wenn Sie nicht krank find, dürfen Sic auch in der Kündigungszeit dem Geschäft nicht sern bleiben. Es steht Ihnen eine angemessene Zeit zur Slussuchung ewer neuen Arbeitsstelle zu.— /, kg 0.45 bis 0,55, do. Beelitz« II'/, kg 0,30— 0,35, do. Beelitzer III '/, kg 0,15—0,20, do. unsortiert 0,20-0,40, Salat Schock 1,50-4,00. Rettiche, bayerische, 100 Stück 8,00—12, Kohlrabi. Schock 1,50-2,50. Schoten, hiesige, 60 kg 80,00— 82,03. Mohrrüden, Schockbund 2,50—8,60. Obst und Südfrücht»! Kirschen, W«dersche. 50 kg 18,00—22,00, do. schiestsche, 50 kg 14,00—16,00. Aepsel, Amerikaner, Kiste 25—30. Stachelbeeren, unresse, 50 kg 20—22 Johannis- beeren 50 kg 30—32. Blaubeeren 50 kg 45,00. Erdbeeren 60 kg 25—70, do. Bühler 50 kg 00—00, do. Beelitzer 40—50, do. Holl. 50 kg 40--45. Zitronen: Messina 300 Stück 25-32, do. 360 Stück 26—34, do. 150 Stück 12—14, do. 50 kg 12— IS, do. 160-200 Kiste 18—19. WetterauSftchte« für da» mittlere Norddeutfchland bis Souuadeudmtttag. Ueberall sehr Iparm, im Osten trocken und vielfach better, im Weste» etwa» stört« bewölkt und langsam ostwärts sorsschrrUendc Gewitter.