Nr. 68. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags: Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich: Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr. Monat. Eingetr. In der Poft Rettungs- Breisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgeipaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Bfg., für Vereins- und Berianimlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Grpedition abgegeben werden. Die Ervedition ist an Wochentagen bis 7 Ubr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vor mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, 1508. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin! Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Kolluth+ Donnerstag, den 22. März 1894. türkischen Boden Von zu gewinnen. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. der| Regierung halten, Kossuth's Andenken zu ehren. Mehr Mehr Trauerdes Sultans wurde er in Kleinasien internirt. Später begab fahnen, als wenn ein König gestorben wäre, hängen heute von Bald nach den erhebenden Gedenktagen der Revolution starb er sich nach England, den Vereinigten Staaten, und zuletzt nach den Hänsern Budapests und vieler anderer Städte Ungarns, die nach einem schweren und langen Todeskampfe im Alter von Italien, wo er sein Leben beschloß. Zeitungen erscheinen mit schwarzem Rand, überall wird mit 92 Jahren der Mann, in deffen Namen die ganze revolutionäre Unermüdlich wirkte er in Wort und Schrift, aber auch mit tiefer Trauer des Vorkämpfers des Magyarenthums gedacht. So Tradition Ungarns sich verkörpert. Mit Ludwig Kossuth den Mitteln der Intrigue für die Unabhängigkeit Ungarns und wenig uns mit Kossuth's Jdealen verbindet, müssen wir ansinkt der unversöhnliche Feind der habsburgischen Monarchie, der für die Alleinherrschaft des magyarischen Stammes in Ungarn. erkennend die Dankbarkeit des ungarischen Volkes hervorheben. Mann ins Grab, der bis zum letzten Athemzuge an seine Mission Er scheute nicht, allen Parteien des Auslandes zu schmeicheln, Bei den geschilderten spontanen Rundgebungen der geglaubt hat, für den die revolutionären Ideen der ungarischen sich zu den verschiedensten Ansichten zu bekennen, ja mit magyarischen Rasse soll es aber nicht sein Bewenden haben, Revolution das A und 3 aller politischen Weisheit waren. Napoleon III. die intimsten Beziehungen anzuknüpfen. Aber große Kundgebungen des Parlaments werden gefordert. Ein halbes Jahrhundert der Verbannung raubte ihm nicht bei alledem wollte er, wie uns scheint, mit zwar unehrlichen Der ungarische Reichstag foll in offizieller Weise die Verdienste den Glauben an seine Mission, ließ seinen Blid oft verwerflichen Mitteln nur Sympathien und Machtmittel für des Heimgegangenen mindestens so ehren, wie die Deal's, des nicht abschweifen von dem Ziele, daß er sich gesetzt hat. Wohl die Befreiung Ungarns gewinnen, ein Ziel, dem er sein Leben Friedensstifters zwischen dem Habsburgischen Hause und den waren die Mittel nicht immer tadelsfrei, die Waffen nicht immer widmete, dem er alle persönlichen Interessen hintanfeßte. herrschenden Klassen Ungarns, ein Denkmal auf Staatskosten soll reinlich, die er im Kampfe gebrauchte, er setzte eben alles hintan, Am Tage nach seinem Tode wollen wir nicht Vorwürfe auf errichtet und weitere Ehrungen in Aussicht genommen werden. wenn er nur hoffte, damit dem Ziele näher zu kommen. den greisen Revolutionär häufen, wir wollen die Lichtseiten seines Aber von der Korruption, welche das ganze politische Leben Lebens mehr in den Vordergrund treten lassen. Ungarns zerfreffen hat, und der sich auch seine treuesten Anhänger mit Wollust hingaben, blieb er unberührt. Er schlug als einziger von den Führern des revolutionären Ungarns von Trotz seiner Vereinsamung, troß der Untreue, Feigheit und des Wankelmuthes seiner Anhänger blieb er seinen Jdealen treu, war jedem Kompromiffe abhold, so daß er sich von den Ueberlebenden aus der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 glänzend abhebt. Er Die Bedeutung der Prelle. so Dies verlangt heute jeder Magyare, aber dagegen wehrt sich die Rachsucht des Habsburger's, der viel dem ungarischen Volke abzubitten hätte. Es ist unklug von dem Könige, daß er sich widersetzt, denn die antimonarchische Strömung in Ungarn wird wieder hohe Wellen 1848/49 die Amnestie ab, welche ihm die werfen, das Ministerium wird in Gefahr kommen und so wird Grenzen des heißgeliebten Vaterlandes eröffneten, er der todte Kossuth wieder plöglich zu einer ausschlaggebenden hätte Ehren und Reichthümer haben können, wie nur irgend Was er für Ungarn erstrebte, die Herrschaft des Bürger- Macht werden, die er seit 1849 nicht mehr war. einer, er starb aber arm und lebte bis zu seinem Ende vom thums, die Unabhängigkeit von Desterreich, die Alleinherrschaft des schwere Einbuße wird Habsburg erleiden, in seinem letzten Kampfe Siegen, aber dürftigen Ertrage seiner Feder. Trotz allem, was er gethan hat, Magyarenthums und leider auch die rücksichtslose Unterdrückung mit Rossuth.) was wir nicht billigen können, müssen wir ihm ins Grab nachrufen: der nichtmagyarischen Bevölkerung des Landes ist, wenn Ein selbstloser Politiker und Jdealist ist mit Kossuth hinweggegangen. man von dem Umstande absteht, daß ein Habsburger Schon vor dem Jahre 1848 war Rossuth politisch so hervor König von Ungarn ist, im wesentlichen erreicht. ragend thätig, daß es selbstverständlich erschien, daß er in das wollte aber nicht früher sein Heimathsland betreten, ja seine erste, auf grund der revolutionären Bewegung eingesetzte Kabinet, Leiche nicht früher in ungarischer Erde bestattet wissen, bevor das den Namen des später hingerichteten Grafen 2. Battyanyi Habsburg's Herrschaft über Ungarn ein Ende genommen hat. Die Bedeutung der Presse? Sind überhaupt noch trug, als Finanzminister berufen wurde. Nach Rücktritt viel Worte darüber zu machen? Ist die Bedeutung der des Ministeriums wurde er Chef des Bresse nicht jedem bekannt, der im öffentlichen Leben eines In Ungarn ist Kossuth zu einer mythischen Person geworden. großen Kulturvolkes thätig ist, jedem überhaupt, der nur vertheidigungs- Ausschusses. Am 14. April 1849 bewog Was an Erinnerung an die Jahre 1848/49 im ungarischen Volte in dessen Mitte lebt, dem täglich, stündlich Breßerzeugnisse er das Parlament, die Thronentsetzung des Hauses Habs- noch lebt, verknüpft mit dem Namen Kossuth's alle Großthaten aller Art sich aufdrängen, der zu ihnen greifen muß, mag burg und die Unabhängigkeits Erklärung Ungarns bedes ungarischen Freiheitstampfes. So schreibt man ihm er wollen oder nicht, der selber von ihnen beeinflußt wird schließen zu lassen. Er wurde zum Präsidenten des die drei großen Maßregeln der ungarischen Revolution in seinem Denken und Handeln, mag er es wissen oder neuen Staatswesens bestellt. Aber schon am 11. Auguft zu: die allgemeine Besteuerung, die Aufhebung der feudal bäuer desselben Jahres mußte er sein Amt niederlegen, das revolutio- lichen Lasten, die unentgeltliche Bescitigung des Kirchenzehnten näre Ungarn war dank der Unterstützung Desterreichs durch den obgleich all diese Anträge von anderen gestellt wurden. Hort der Reaktion, den 3aren Nikolaus zu Boden geworfen. Das ganze öffentliche Leben Ungarns hängt weit mehr Arthur Görgei, sein Nachfolger in der Diktatur, mußte sich als das irgend eines anderen Landes mit der Bewegung vom zwei Tage später dem russischen General Rüdiger mit Jahre 1848/49 zusammen, so daß Kossuth's Name auch bei zahlreichen 20 000 Mann Infanterie, 2000 Mann Ravallerie und 130 Ge- politischen Gegnern in Ungarn Volklang besitzt. Für eine Pflicht der Geleugnet wird die Bedeutung der Presse auch wohl schützen auf Gnade und Ungnade ergeben. Kossuth gelang es, Nation wird es in der magyarischen Bevölkerung allgemein ge- faum, aber kaum auch immer klar erkannt. Wird über die V Feuilleton. Nachdruck verboten.] neuen LandesVerhanen ist der Wald... Stizze von Nikolaus Kraus. nicht? Nur ein Robinson, der fern von allen Menschen lebte, isolirt von ihnen aufgezogen wurde, vermöchte die Bedeutung nur ein Kaspar Hauser, der in ihrer Mitte zwar, aber doch der Presse zu leugnen, wie nur ein Blinder, trotzdem er sich in einem undurchdringlichen Baumdickicht befindet, den Wald leugnen könnte. muß ich kaufen, vom Stück Brot angefangen bis zum letzten " Und Ihre Familie?" " Na ja. Grad sieben Stück waren wir, wie wir herzogen sind, der Franz ist in Holzreuth Knecht, das große Mädel dient in der Stadt bei einem Beamten; meine Frau ist heut' in die Stadt, weil morgen Sonntag ist, und die Leut' da für die ganze Wochen ihren Tabak faufen; und die zwei kleinen Buben und die Fanny hab' ich in den Wald nach Schwarzbeeren und Pilzen geschickt. So muß ich halt' s Haus hüten; man ist doch nie sicher, ob net ein Gaft tommt." Meine Geduld war zu Ende. Nerger über meine verpfuschte Ferienzeit, Zorn über die Indolenz des Mannes durchrüttelten mich, ich sprang auf. ich sprang auf. An der Thür legte mir der" Förster" die Hand Schulter Hand auf auf die und meinte trenherzig: auch " Sie werden den Wald ansehen wollen, ich das... Sie haben doch kein Terzerol in der Tasche oder begreif' sonstiges Schießzeug?!... Die Jagd gehört jetzt dem Fürsten droben, und ich könnte nicht gut stehen, wenn.." Ich war schon zum Hause hinaus und schüttelte mich draußen wie ein Pudel, der aus dem Wasser kommt. Der Wald knapp hinter dem Försterhause trat mir entgegen wie ein alter Bekannter. An den unten rissigen und grauen, nach oben braunroth bis zum leuchtendsten Goldgelb getönten hundertjährigen Föhrenstämmen spielten Wasserleitung und ein Mordstrumm von einem Schulhaus. Die Bürger aber haben g'sagt: Was sollen wir Gemeinde- Tropfen Milch. umlagen zahlen, ihr habt ja' n Wald; zehn Reviere und [ Alle Rechte vorbehalten Holz in die Million. Dabei ist's blieben. Zuerst haben s' Hopfenstangen g'haut und wenn s' haben müssen von einer vierzigjährigen Fichten unten eine ganze Klafter abschneiden. Dann sind die Sachsen gekommen und haben tieferne Eisenbahnschwellen gekauft. Die von Bech ganz gelbe Doppelschwelle ist ihnen auf nicht ganz eine Mark kommen. Dann ist niedergeschlagen worden, was Auf der schneeweiß gescheuerten Diele glitert weißer nur halbwegs im Saft stand. Die Berliner und HamSand, von den braunen Holzwänden nicken Rehtöpfe, grüßen burger Holzhändler haben gleich hundert Joch auf einmal Hirschgeweihe. Im Ofen prasseln und knallen die Fichten zusammengekauft, wie's g'legen und g'standen ist.... Das scheite und vom Herde her droht mit dem großen hölzernen hat so ein paar Jahr gedauert. Wie alles beim Teufel Kochlöffel die Mutter. Aber da giebt's kein Auhalten; über war, und die letzte Junglärche als Peitschenstecken davon Schemmel, Stühle und Bänke geht weiter die Jagd. gegangen ist, ist mein lieber Burkl ausg'rissen. Er hat die An der Spitze der Vorstehhund, dann die kleinen Dackel, Taschen voll g'habt und hat sich versetzen lassen. Jetzt hat zu hinterst die Buben. An der Thür überkugelt, über die Stadt den Posten ausg'schrieben. Aber, hat's g'heißen, purzelt sich die ganze Gesellschaft; Gekläffe, Gequieck und es sei nur eine Hegerstell'. Zuerst hab' ich nicht g'wußt, Geschrei. Plöglich springt die Thür auf, die Dackel rasen was das heißt. Na, sie haben's mir dann schon g'sagt, wie hinter den Ofen, der Vorstehhund verschwindet mit ein- ich übernommen hatte. Die Felder, die früher zur Försterei gezogener Ruthe unter den großen eichenen Eßtisch, und g'hörten, die haben sie verpachtet, und' s G'wehr haben aus drei Kinderkehlen zugleich bringt der Ruf:" Der sie mir genommen und einen Revolver haben sie mir dafür Vater!" geben und einen Stecken; als Gehalt bezieh' ich jetzt grad Die Thür öffnete sich auch diesmal, aber in ihrem netto eine Mark für den Tag... Rahmen erschien nur der jezige Förster". Nachdem er auf Und davon können Sie leben?" rief ich und starrte meinen Wunsch zwei Gläser gebracht, zog er mit den den Erzähler an. Füßen einen Stuhl unter dem Tische hervor, setzte sich und Der that einen Trunk und fuhr fort, während er die Sonnenlichter empor und in den weitausladenden begann: einige Male mit den Augen zwinkerte: Was wollt' ich dunklen Kronen rauschte und orgelte, sang und säuselte Nach dem Tode Ihres Vaters da kam der Burkel auf denn machen? Mein Häust in Pechgrün hat mir der der linde Wind des Sommernachmittags. die hiesige Försterei. Sie haben ihn doch noch gekannt, er Bräuer verkaufen lassen, weil ich mit dem Bier rückständig Beiten hatte dieser Theil des Waldes einem reichen Zu Vaters war früher auf'm Hochwald. Der war einer von der ganz war ich hab' nämlich auch schon früher g'schänkt na, Bauer im Flachlande gehört. Kein Stamm schien mir heute neuen Sorte. Ihr Vater hat schon geflucht und gewettert, und da hab' ich halt zugegriffen. Im zweiten Jahr hat weniger denn sonst, das Jungholz hatte schuhlange Triebe wenn's g'heißen hat, jezt werden ein paar Sägeklöger ge mir dann der Rath' s Bierschänken bewilligt. Aber' s geht angesetzt und die ſaftstrozenden, graugrünen Zweige flimschlagen; den Burkl hat's nur g'freut, wenn's im Wald auch nicht. Die paar Fuhrleut', die vorbeikommen und die merten wie frischgesponnene Seide; der Bauer schien kein zugangen ist, wie in der Türkei. Natürlich,' s hat ja An ehemaligen Holzhauer, was jetzt fleine Bauern geworden Geld gebraucht zu haben all die langen Jahre hindurch. weisgeld tragen! Na alsdann, und losgangen ist's ordent find und von der Stadt Grund gepachtet haben, die Das Bild änderte sich wie mit einem Schlage, sobald ich lich. Die Stadt hat Geld braucht. Biel und viel Geld. gehen ja die Wochen auch nur einmal ins Wirthshaus..städtischen Grund betrat. Ein Theater haben s' baut und eine Turnhalle, eine Ich hab's noch nicht einmal zu einer Ruh gebracht. Alles ( Schluß folgt.) " Lrefse geredet, da kommt es meist auf deren Verkleinerung hinaus. Ein jeder wird wohl von dem instinktiven Gefühl beherrscht, daß die Presse eine außerordentlich wichtige und für unsere ganze Kultur unentbehrliche Einrichtung ist Aber selten sucht man sich im einzelnen ihre Wichtigkeit und Bedeutung klar zu machen. Doch sich über ihre vielen Mängel auszusprechen, dazu drängt es einen jeden, mag er nun Beamter oder Geschäftsmann, Grundbesitzer oder Industrie- arbeiter sein, mag er sich zu einer der bürgerlichen Parteien rechnen oder in den Reihen der Sozialdemokratickämpfen. Unsere Parteigenossen vor allem lassen es sich mit Ernst und Eifer an gelegen sein, ihre Zeitung nicht nur zur Jnsormatioir sondern auch kritisch zu lesen, und haben sie was zu tadeln gefunden, so halten sie nicht mit ihrer Entdeckung hinter dem Berge. Und das ist auch gut so. Die große Macht, die die Presse besitzt, bedarf der beständigen Kontrolle durch das Volk, durch den Leserkreis der einzelnen Zeitungen. Ihrer großen Aufgabe kann die Presse nur gerecht werden, wenn ihren Leitern eS stets und ständig zur Kenntniß gebracht wird, wo sie hinter ihr zurückgeblieben waren. Doch wie gerechtfertigt die Kritik, wie nothwendig stellenweise der Tadel ist, wie heilsam den Preßleitern das Bewußtsein, der ständigen Kontrolle des Publikums unterstellt zu sein, es ist auch ev forderlich, daß das Publikum hin und wieder sich selbst vor Augen führt, worin der große Nutze» und Werth der Presse besteht, sei es auch nur, um sich über die A» forderungen klar zu werden, die man an die Presse, die ein Jeder insbesondere an seine Parteizeitnng stellen darf. Zuvörderst ist da etwas zu erwähnen, was allen Er Zeugnissen der periodischen Presse gemeinsam ist, was ins besondere den täglich erscheinenden Zeitungen obliegt. Das ist, ein Weltbild zu geben, eine Augenblicksphotographie der Tagesereignisse, nicht aller selbstverständlich, immer nur eines Ausschnitts, einer Auswahl, abgestuft nach der Wichtigkeit, nach der Wichtigkeit für die Allgemeinheit und für den Jnteressenkreis der Zeitung. Da hat nun ein Organ des Proletariats mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Manche Interessen theilen wir mit bürgerlichen Kreisen, manche aber auch haben wir für unS allein, und die sind sehr wichtig und nehmen einen große» Raum in Anspruch. Wir müssen es erfahren und unseren Lesern mittheilen, was in dem lebendig fortstrudelnden Strome unserer Bewegung an die Oberfläche gebracht wird; wir müssen Bericht erstatten über das ausgedehnte Ver saminlungswesen unserer Partei. Da können wir nicht wie bürgerliche Blätter uns auf gemeinsame Berichterstatter verlassen, sondern haben für eigene zu sorgen. Was wir aber bringen müssen, beengt uns den Raum, den bürgerliche Zeitungen den politischen Ercigl nissen widmen können. Aber auch die Berichterstattung über die politischen Ereignisse aller Art wird uns dadurch erschwert, daß die sämmtlichen Informationsquellen der Tagespresse uns ge trübtes und gefälschtes Material liefern. Die telegraphischcn Bureaus und alles, was damit zusammenhängt, färben ihre Mittheilungen im Interesse der Regierungen oder doch der bürgerlichen Parteien. Eine Anzahl ihrer Mitthei lnngen, wie Prinzenchronik und Paradeberichte, sind für uns ganz unbrauchbar; aber auch den Rest haben wir zu säubern und zu sichten; häufig können wir ihn nur mit Vorbehalt verwenden. Dennoch glauben wir, daß das Weltbild, das wir unfern Lesern bieten können, obschon nicht so ausgeführt, doch in seinen großen Zügen ein richtigeres ist als das der bürgerlichen Zeitungen. An diese Thätigkeit knüpft dann unsere Ausgabe als Organ des kämpfenden Proletariats an. Wir haben die Angriffe der Gegner abzuwehren, unsere Parteigrundsätze zu verfechten, die Schäden unserer Gesellschaftsordnung, das unheilvolle Wirken der herrschenden Klassen aufzudecken. Doch über die Befehdung der Gegner dürfen wir nicht unsere Ausgabe als Berather unserer Parteigenossen vergessen. Der bildungshungrigen Arbeiterschaft ist die Tageszeitung das am leichtesten zilgängliche und deshalb unentbehrlichste Bildungsmittel. Die Bildung, die sie ver- mittel» will, kann sie nur selten in gesonderten Artikeln ihren Lesern austischen. Sie muß daraus achten, wo es angeht, allem, was sie bringt, den Bildimgsstoff beizumischen. Gleichzeitig aber auch muß sie daran denken, den Stoff so zu gestalten, daß er ausklärend und werbend wirken kann auf Kreise, die uns noch serner stehen. Das sind die großen Aufgaben, deren Erfüllung sich uns aufdrängt und diese Aufgaben skizziren, heißt die Be dcutung der Presse, heißt die Bedeutung eines proletarischen Organs für das arbeitende Volk klarstellen. Wir werden stets versuchen, unser Bestes zu thun, wir hoffen aber auch, daß unsere Genosse» eifrig sorgen für die Verbreitung ihres Organs. Traurig ist es, daß gerade in Arbeiterkreisen Berlins noch vielfach aus Gewohnheit, aus kleinlicher Vorliebe für allerhand Stadtklatsch Blätter gehalten werden, die vor- geben unparteiisch zu sein, thatsächlich indeß dem erbärm- lichsten Byzantinismus und den Sonderinteressen der Kapitalistenklasse fröhncn. Ein jeder thätige Genosse sollte es sich zur Pflicht machen, wo er auf solche geistcs- verflachende Lektüre stößt, für deren Ersatz durch unsere Presse zu wirken. Auch dadurch fördert er die geistes- befreiende Thätigkeit der Sozialdemokratie. Volikisiche Ltebcrtrckit. Berlin, den 21. März. Ein Menschenalter Slgrarpolitik hat Herr Miguel den überraschten Steuerzahlern in Aussicht gestellt. Da melden sich natürlich allerhand weise Staatsberather mit Rezepten, wie die Agrarpolitik zu gestalten sei. Die»Post" warnt davor, sofort an eine Reform des Agrar- rechts zu gehen.„Vor allem kommt es jetzt darauf an", sagt das sreikonservative Blatt,„die Rente des Land- ivirthschaftsbetriebes möglichst bald und in möglichst hohem Maße wieder zu heben. Das ist das Ziel, welches die Agrarpolitik bei uns in erster Linie planmäßig verfolgen muß." Nach dieser Rentencrhebuug lecken die Großgrund- besitzer jetzt schon alle ihre zehn Finger. Das nennt sich dann Sorge für das Volkswohl! Gegen das sächsische OrdnungskarteN erklärt sich die„Vossische Zeitung". Das Blatt des ehrsamen Ber- liner Freisinns meint, es könne den Freisinnigen nicht zu- gemuthet werden, mit Konservativen und Antisemiten Hand' in Hand zu gehen im dauernden Bunde. Vorläufig sind wtr in Preußen allerdings noch nicht so weit wie in Sachsen. Sobald aber die Sozialdemokratie auch hierzulande eine solche Machtstellung errungen hat. wird die schüchterne Tante Boß sich wohl noch zu einer Vernunftehe mit den Kreuzzeitungsrittern entschließen. Vorzeichen dieses Zukunfts� staates sind schon bei den letzten Wahlen wiederholt zu Tage getreten. Im Wahlkreis Pinneberg arbeiteten alle Freisinnigen Hand in Hand mit den übrigen Ordnungsparteien daran, den Grafen Moltke in der Stichwahl gegen unseren Genossen Molkcnbuhr durchzubringen. In fünf oder zehn Jahren werden wir überall das sogenannte Ordnungs kartell haben.— Ten Liberalismus der deutschen Höfe, den„wirk lichen" im Gegensatz zu dem höfischen Liberalismus der österreichischen Minister, hat ein Wiener Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" entdeckt. In Oesterreich ist nämlich die Freimaurerei verboten, während protestantische deutsche fiirsten häufig Großmeister oder so was ähnliches in einem rcimaurerorden sind. Diese Freimaurerorden mit fürst lichem Schutze sind bekanntlich deshalb ein sehr begehrter Zufluchtsort für Amtsstreber und, was sie auch in früherer Zeit gewesen sein mögen, heute nur noch ein Werkzeug der herrschenden Klassen. Wenn diese Art Freimaurerei der „Franks. Ztg." bereits den„wirklichen Liberalismus repräsentirt, so ist das nur ein Zeichen für die wirkliche Greisenhaftigkeit des ehemals demokratischen Blattes.- Das Gesetz, betreffend die Aenderung des esetzes über den Unter st ützungswohnsitz und die Ergänzung des Strafgesetzbuchs, worin u. A. be stimmt wird, daß der Erwerb des Unterstützungswohnsitzes bereits mit dem vollendeten 18. Lebensjahr beginnt, wird im„Aeichs-Anzeiger" veröffentlicht.— Ter Sountagsunterricht soll in den Fortbildungs- schulen in den nächsten zwei Jahren noch ertheilt werden. Die Mumifizirung des bürgerliche» Rechts schreitet langsam vorwärts. Es ist eine mühselige Arbeit; denn vor allem muß verhütet werden, daß nicht irgend ein Lebens hauch diesen Prozeß störe. Stößt die Kommission bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches auf irgend eine Materie, in der sich dieses nicht vermeiden läßt, so wirft sie dieselbe heraus und überläßt sie der Laudcsgesetzgebung, wie es mit der Gesinde-Ordnuna geschehen ist. In den letzten Sitzungen hat sich die Kommission mit den Vor- schriften über die elterliche Gewalt befaßt. Auch hier wird der wichtigste und prinzipiellste Punkt, das Erziehungsrccht, fein beseitigt. In dem § 1508 des Entwurfs ist die Bestimmung enthalten, daß die religiöse Erziehung des Kindes sich nach den Landesgesetzen bestimmen soll. Die Berathung dieses Para- graphen in der zweiten Lesuna ist zwar noch ausgesetzt, doch ist kaum zu zweifeln, daß die Kommission für diese Frage in der Rcichsgesctzgebung keine Lösung finden, ja nicht einmal suchen wird. Ein merkwürdiges Gesetz, dieses bürgerliche Gesetzbuch; eine Antiquitätensammlung mit all' ihrem Modergeruch.— Gegen die Militarisirung des Aerztewesens hat ich der ärztliche Bezirksvcrcin von Leipzig erklärt, indem er die von einigen Militärärzten der Reserve geforderte Ausschließung zweier Mitglieder, welche sich offen zur sozial demokratischen Partei bekannten, fast einstimmig abgelehnt hat. Ob das die deutsche Armee aushalten wird?— Die Tenionstratio» gegen das englische Oberhaus im Hydepark am 18. März hat, ivie selbst die oberhaus reundlichen„Times" zugestehen niüsscn/alle früheren Kund zebungen gleicher Art übertroffeu. Auf 200 000 Menschen chätzt man die Versammlung, die zwölf Rednern lauschte. Den meisten Zuspruch hatten bezeichnender Weise die So- zialdemokraten John Burns und Ben Tillett. Aus den angenommenen Resolutionen geht hervor, daß das arbeitende Volk Londons nichts wissen will von der schwächlichen Re- orm des Oberhauses, von der Lord. Rosebery träumt, andern die gänzliche Beseitigung dieses vermoderten Fortschrittshindernisses fordert-— Neue Bauernunruhe» in Italien. Aus Cantn (Provinz Como, am Fuße der Alpen), wird gemeldet: Zwei Kompagnien von Como gesandter Infanterie zer- streuten am 19. d. M. tausend Bauern, die das Gemeinde- haus belagerten. Der Polizei. Inspektor forderte weitere Verstärkungen. Demnach scheinen wieder die hohen Ge- mcinde-Abgaben wie in Sizilien den Anstoß zur Erhebung der in beständiger Roth dahinvegetirenden Bauern auch in Norditalien gegeben zu haben.— Der unfehlbare Richterstand. Aus Madrid wird telegraphirt: Ter Doyen"), der Madrider Richter Rodriguez Zapata ist wegen Theiluahme an einer Testamentsfälschung ver- haftet worden.— Die serbische Ministerkrifls ist vertagt.— PavfctneHlnjidjfcn. Der 18. März ist auch außerhalb Berlins von den Parteigenossen aller Orten würdig gefeiert worden. In allen Theilen res deutschen Reiches, nicht blas in den großen Industriezentren, auch in den kleineren Städte», überall wo eine genügende Anzahl Parteigenossen ansüsstg. hat das Proletariat die Gefallenen von 1848, die für die Rechte der Bourgeoisie gekämpft, geehrt. Aus viele» Slädten laufen die Berichte ein, die alle beweisen, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft die Opfer der Revolution, die die Bourgeoisie verleugnet, in ehrendem Andenke» bewahrt. Ueberall haben an diesem Tage Versammlungen stattgefunden, in denen über die Bedeutung de? Tages gesprochen wurde. So wurden in Hamburg allein gegen 15 Versammlungen abgehalten. Die Genossen Bebel, Liebknecht und P f a n n k u ch waren von Berlin erschienen, um vor Tausenden von Zuhörern über die großen Zeiten des 18. März von 1348 und 1371 zu sprechen. Unser Raum ist leider zu beschränkt, um alle die herrlichen Kundgebungen des deutscheu und ausländischen Proletariats an diesem Tage hier einzeln zu registrire». Der 13. März ist eben ähnlich dem 1. Mai zu einem internationale» Feiertag geworden. Ju der i» Apolda am 4. März stattgefundenen Partei- ersammlung wurde Genosse Aug» st Baudert wieder als Vertrauensperson gewählt. Aus dem Bericht war zu ersehen, daß im letztverflossenen Jahre die Parteigenossen mehr denn früher unter den polizeilichen Verfolgungen zu leiden hallen. Ganz besonders zeichnet sich darin der Bürgermeister ") Der Wortführer, der angesehenste Aelteste. S t e ch o w. früher in Nauen und Neu-Ruppin. sowie der Polizei-Wachtmeister Feller, früher in C h e m- nitz i. S., aus. Im vergangenen Jahre hatten Genosse Bau- d e r t 101 T a g e und Genosse Meyer 42 T a g e Gefängniß zu verbüßen; gegenwärtig verbüßen die Genossen Messing. Meyer und Haupt längere Freiheitsstrafen. Außerdem wird Genosse Baudert, welcher seit einem Jahre infolge Maß. regelung eine Restauration, in welcher vorzugsweise die Partei- genossen verkehren, eröffnete, fortwährend mit Strafverfolgungen bedacht: während überall die Gäste u n b eh i n d e r t bis weit nach Mitternacht verkehren können, muß B a u d e r l' s Restaurant„Vorwärts" Punkt 11 Uhr Abends geschlossen sein, die kleinste Uebertretung wird geahndet, derselbe ist in ganz kurzer Zeit bereits neun Mal bestraft und jetzt hat derselbe wieder im Laufe einer Woche acht Strafverfügungen über 240 M a r k erhalten,— so bekämpft man hier die Sozialdemokratie. •.* In Dortmund war vor einigen Wochen eine Versammlung von Parteigenossen seitens des überwachenden Beamten aufgelöst worden wegen Eintritts der Polizeistunde. Die bei dem Re- gierungspräsidenten zu Arnsberg eingelegte Beschwerde ist unter folgender Begründung abgewiesen worden:. weil die in Gast- und Schankwirthschaften stattfindenden öffentlichen Ver- sammlungen der Polizeistunde unterworfen siA.(!?!) Auch der weiter gegen den Polizeikomnussar Meyer erhobene Vorwurf entbehrt der Begründung. Der zur Ueberwachung einer öffent- lichen Versammlung berufene Beamte hat seine Anordnungen nach pflichtmäßigcm Ermessen vollständig selbständig zu tressen und bedarf hierzu in keiner Weise einer Zustimmung des Versammlungs-Vorsitzenden. welcher ebenso wie alle übrigen Mit- glieder der Versammlung, der Ueberwachung durch den Polizei- beamten untersteht. Winzer." Es hat recht lange gedauert, bis diese Entscheidung einge- troffen und trotzdem ist sie sehr mager ausgesallen. Man kann nach jetzt bald 7 Wochen noch nicht einmal angeben, welches '!tz, welcher Paragraph oder welche Gerichtsentscheidung be- stimmt, daß Dortmunder Bescheide nicht Instanz verfolgen._ Monrmunales. Stadtverordneten-Versammlung. Außerordentliche Sitzung vom Mittwoch, den 21. März, Nachmittags 5 Uhr. Die Zuhörertribüne ist wiederum überfüllt. Die Berathung des StadthaushaltS-GtatS für 1834. 35 wird fortgesetzt. Der Epezialetat für Straßen- und Brückenbau schloß nach dem Anschlag des Magistrats in Einnahme mit 4 377 238 M., in Ausgabe mit 13 331 117 M. ab. Durch die Beschlüsse des Ausschusses sind die Einnahmen um 850 000 M. erhöht, die Ausgaben um 303 300 M. vermindert worden, sodaß sich der Zuschuß um fast eine Million, nämlich von 3 003 823 aus 3 044 523 M. verringert. Die Erhöhung der Einnahme ergiebt sich dadurch, daß das auf dem Grundstück Taubenstr. 23b für die Stadtgemeinde ein- getragene Restkausgeld zur Rückzahlung am 1. April cr. gekündigt worden ist. Beim Ordinarium der Ausgaben ist in dem Ausschüsse zur Sprache gebracht worden, daß ein von der Bauverwaltung be- 'chäftigter Chausseearbeiter unter Berufung auf die l a n d r e ch t- f i ch e n Vorschriften nach eintägiger Kündigung aus der Arbeit entlassen und seine Beschwerde zurückgewiesen worden ist. Es wurde daran der Wunsch geknüpfl, daß allgemein für die in städtischen Verwaltungszweigen beschäftigten Arbeiter eine 3 oder 14 tägiae Kündigungsfrist festgesetzt werden möchte. Der Magistrat hat sich, da auf die Reinigung von Chausseen die Kündigungs- risten der Gewerbe-Ordnung keine Anwendung fänden, ablehnend geäußert. An den ordentlichen Ausgaben find gekürzt: Der Zonds von 320 000 M. für Unterhaltung der Chausseen um 20 000 M., der Fonds von 32 000 M. für Unterhaltung der Brücken um 12 000 M.; die Mehrforderung von 40 000 M. für Erneuerung und Vermehrung der öffentlichen Straßenbrunnen ist gestrichen und die vorjährige Etalssumme von 130 000 M. wieder in Ansatz gebracht; ferner sind a b g e s e tz t 15 000 M. an dem Fonds von 13S000 M. für Bürgersteig-Regulirung und Befestigung. Im Extraordinarium ist die Position von 28 800 M. zur Siegulirung und Pflasterung des ReichStags-Nsers von der Stadtbahn bis zur Weidendammer Brücke" abgesetzt worden, weil es im Jahre 1334/35 zur definitiven Pflasterung dieser Strecke noch nicht kommen wird; desgleichen die Ford«. rung von 110 000 M.„für Herstellung der Usermauern zwischen Waisen- und Jannowitzbrücke". weil zur Herstellung derselben der FiskuS verpflichtet sei, dieser aber, wenn man letzt durch Be- willigung der Position ein Präjudiz schaffe, in Zukunft den Bau von Ufermauern überhaupt der Etadt überlassen werde.(Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Bereitstellung von StaalsmiUeln für den gedachten Bau für jetzt mit der Begründung abgelehnt, daß im SchifffahrtStnteresse bis- her ein Bedürfniß dafür nicht hervorgetreten sei). Ferner find abgesetzt 24 500 M. für Regulirung und provisorische Pflasterung der Verlängerung der Gormannstraße von Linien» bis Lothringer- 'traße und 53 000 M. für die Umlegung der Mittelpromenade n der Seestraße von der Müllerstraße bis zur Weichbildgrenze- beide Regulirungen sollen erst 1835/36 zur Ausführung gelangen! Ein Antrag, von der Etatssorderung von 2800000 M.„zum Ankauf von Grundstücken für die Verbreiterung der Gertraudtenstraße und für provisorische Verbreiterung und Pflasterung derselben am Kölnischen Fischmarkt durch Abschrägnng der Ecke des Kölnische» Ralhhauses" 1200 000 oder wenigstens 800 000 M. abzusetzen. da doch diese Summe durch den Verkauf der übrig bleibenden Bauparzellen und Baumasken ihre Deckung finden solle, hat im Ausschuß eine Mehrheit nicht zu erlangen vermocht. Zum Titel„Bedürfnißaustalten" empfiehlt der Ausschuß olgende Resolution: Die Versammlung ersucht den Magistrat, für die Ver- mehrung der Bedürfnißaustalten für Frauen Sorge zu tragen und speziell die Aufstellung einer solchen im Humboldthain zu veranlassen. Die Versammlung nimmt die Resolution einstimmig an und tritt im übrigen den Ausschußvorschlägen ohne Debatte durch» weg bei. Der Befoldungsetat für die Magistrats- »i i t g l i e d e r wird unverändert angenommen. Zum unverändert angenommenen Etat der Polizei- e r>v a l t u n g nebst Verwaltung des F e u e r l ö s ch- und Telegraphenwesens empfiehlt der Ausschuß die Wiederholung der vorjährigen Resolution: Die Versammlung ersucht den Magistrat, bei den vor- gesetzten Behörden dahin vorstellig zu werden, daß die bei der Feuermehr anzustellenden Mannschaft«» vorher durch den städtischen Vertrauensarzt aus ihre Gesundheit untersucht werden. Dagegen ist der Antrag: Den Magistrat zu ersuchen, beim Polizei-Prästdium dahin vorstellig zu werden, daß die Bekleidungsgegenstände für Feuerwehrmänner nicht an Unternehmer vergeben werden, die in Strafanstalten arbeiten lassen. vom Ausschuß mit der Begründung abgelehnt worden, daß die Verwaltung der Feuerwehr ausschließlich dem Polizei-PrSstdium zustehe und der Magistrat eine Einwirkung auf dieselbe nicht habe. Stadtv. Sachs II weist daraus hin, daß trotzdem die Stadt Berlin durch das Pvlizeikostengesetz andern Städten gegenüber Die Vorlage wird angenommen. Schluß 834 Uhr. Dermischtes. fehr benachtheiligt sei, die Regierung die ihr obliegenden Ver- fund unter den heutigen Verhältnissen seine Zustimmung durch einen Mittelpfeiler getrennte, 11 Meter weite Oeffnungen pflichtungen z. B. in Bezug auf das Nachtwach wesen nicht geben fann. Um jedoch der Versammlung möglichst erhalten. 3Zur Vermeidung einer Verkehrsunterbrechung jell noch immer nicht erfüllt habe, obwohl Herr Minister entgegen zu kommen, will er die Anrechnung der vollen unterhalb der Brücke eine Nothbrücke gebaut werden, für welche Herrfurth ausdrücklich erklärt habe, daß die höheren Bei- Dienstzeit im auswärtigen öffentlichen und im Berliner Privat- 26 000. als erfte Rate verlangt werden. träge von der Stadt Berlin auch mit Rücksicht auf die schuldienst akzeptiren, ferner eine Erhöhung des Höchstgehalts der lebernahme des Nachtwachwesens auf den Staat gefordert Lehrer von 3700 auf 3800 M.( Versammlungsbeschluß 4000 M.), werden müßten. Der Staat stecke die Beiträge ein, ohne seinen der Lehrerinnen von 1950 auf 2000 M.( Versammlungsbeschluß Verpflichtungen nachzukommen. Die Petition auf Rückerstattung 2200 M.) zugeftehen. Das Maximalgehalt für die Lehrer soll der betr. Quote sei mit einigen Worten abgethan. Es sei un- statt in 28, erst in 31 Jahren erreicht werden; die Lehrerinnen erhört, mit welcher Ungerechtigkeit Berlin von der Regierung follen von 1200 m. nach 3, 6, 9, 12, 15 Jahren in die Gehaltsbehandelt werde. Die Beziehungen Berlins zum Fiskus und zu tufen von 1400, 1500, 1700, 1800, 2000 m. aufrücken. Nach den Behörden sollen sich ja in neuerer Zeit sehr ge- diesen Vorschlägen ergiebt sich gegen die jeßigen Normen ein bessert haben; warum versucht man denn nicht auf Mehrbedarf von 368 657 M. Sußerdem hat der Magistrat die diesem Wege der Stadt zu ihrem Rechte zu verhelfen? Ortszulage von 200 m. für die Oberlehrer an den höheren LehrVorsteher Langerhans: Die Regierung ließ auf unfere anstalten abgelehnt. Petition in der Kommission erklären, daß der Minister weder verpflichtet noch berechtigt sei, von dem gefeßlich feststehenden Betrage von 2,50 M. pro Ropf etwas abzulassen. Der Minister hätte freilich einen Weg gehabt, nämlich in den Etat einen Posten zur Rückerstattung einzustellen. Das ist aber nicht beliebt worden. Stadtfyndikus Weise ist erfreut, daß die Sache hier zur Sprache gebracht worden ist. Etwas weiteres werde nicht zu erreichen sein, namentlich nicht im Wege der Klage. Stadtv. Singer: Wenn Herr Sachs bedauert, daß die Petition der Stadt Berlin im Abgeordnetenhause keine Wirkung gehabt hat, so kann man dies Bedauern theilen; wenn er aber andeutet, daß die Stadt die besseren Beziehungen zum Fiskus und zu den töniglichen Behörden, die jetzt vorhanden sein sollen, benußt, um wieder zu ihrem Gelde zu tommen, so meine ich, die Stadt Berlin hat feine Veranlassung, diesen Weg, der in die Borzimmer der Minister führt, au betreten. Die Stadt Berlin braucht nicht zu antichambriren, sie wird sich hoffentlich auch niemals dazu herablaffen. Stadtv. Sa ch 3 II. bestreitet, solche Andeutungen gemacht zu haben. Es handle fich natürlich auch für ihn nur um Schritte, Die amtlich in vollem Lichte der Deffentlichkeit geschehen.( Ruf bei den Sozialdemokraten: Wir wollten sie auch blos vor Miß deutungen bewahren! Große Seiterkeit.) Der Etat für die Polizei und Feuerwehr, sowie die vor geschlagene Resolution werden genehmigt. 2. bis zur definitiven Feststellunng der Besoldungen durch Gemeindebeschluß die Gehälter nach den bisherigen Normalsägen fortzuzahlen vorbehaltlich der etwaigen Nachzahlung nach erfolgtem Einverständniß der Gemeinde behörden. Proletarier der Thierwelt. Die sehr zahlreichen Naturfreunde unter unseren Lesern wird es interessiren, zu erfahren, daß jene Krähen, von denen hier kürzlich die Rede war, bei all' ihrer proletarischen Dürftigkeit und dito Hunger nicht einmal den süßen Trost haben, deutsche Reichsangehörige zu sein. Weit über3n dieser Angelegenheit liegt folgender Antrag des Etats- wiegend Angehörige der Spezies Corvus cornix. L., als welche ausschusses vor: sie an ihrer grauen Färbung, von welcher Ropf, Schwanz und Die Versammlung wolle beschließen: in Erwägung, Flügel tiefschwarz abftechen, leicht zu erkennen, find fie in Standaß der von der Versammlung bewilligte Betrag zur Be- dinavien ansässig, in dessen Hunderte von Quadratmeilen messenden soldung der städtischen Bureau- und Unterhearten, des Ginöden sie im Sommer in derselben unauffälligen und nüßlichen Lehrerpersonals an der städtischen Schrlen, somie der Weise leben, wie unsere Krähen( welche augenblicklich weiter im Schuldiener an den höheren Lehranstalten vom 1. April 1894 Süden find) bei uns. Alljährlich Mitte Oktober, mit großer ab die Vorlage des Magistrats um 1169 067 m. über- Pünktlichkeit, tommen sie au uns. Wie sie bei uns leben und steigt, daß ferner beide Gemeindebehörden mit Ein- sich im allgemeinen durchschlagen, dürfte bekannt sein; weniger führung des Systems der Alterszulagen einverstanden vielleicht, daß man sie in weniger belebten Straßen mit gekochten find, bisher aber ein Einverständniß bezüglich der Kartoffeln, Fett, Knorpel und anderen nicht absolut ungenießvorerwähnten Mehrkoste nicht erzielt ist, daß endlich die baren Abfällen bis auf seine Fensterbrüstung gewöhnen kann. Uebersichtlichkeit und Vollständigkeit des Etats die Ein- Das erste Mal wird dieser lehte tühne Schritt natürlich nur stellung des Höchstbetrages dieser Besoldungen erfordert, unter dem Drucke des fürchterlichsten Hungers, bei hohem Schnee 1. Jm Spezialetat, betreffend rers iedene Einnahmen gethan Ginmal überzeugt, daß ihnen nichts Böses widerfährt, und Ausgaben, eine neue Position einzustellen mit werden ber die klugen Thierchen bald zutraulicher und bald 1 169 067 M. für die durch Einführung des Systems der betteln sie ganz regelrecht, indem sie sich besonders gern, wie alle Alterszulagen etwa erforderlichen Mehrbeträge an Be Bettelleute, auf Stellen niederfauern, wo man sie sehen muß, und foldungen, wenn das noch nichts bicht pat leta wenn das noch nichts hilft, wiederholt dicht vor den Fenstern ihres Gönners entlang segeln. So fäßt sich ein Proletarier vom anderen durch helfen. Böse wird es aber, menn die armen Schweden wie Scheffel's Jüngling das Terrain nicht erkannt" haben und diesem oder jenem Edelsten und Besten" ins Gehege gerathen. Jeden Winter hat man nur zu oft Gelegenheit in unseren Kreis- und Amtsblättern Bekanntmachungen des Inhalts zu lesen, daß zur Bertilgung des Ungeziefers oder Raubzeuges" in diesem oder jenem Gutsbezirke Gift gelegt ist. Die dahintersteckende sportliche Praxis besteht darin, daß man auf die verschneiten Gefilde mit Strychnin oder Arfenit vergiftete Fleischabfälle auslegt. Daß der betreffende Naturfreund" so lange, bis der letzte Rest des Gifts verzehrt ist, feine theuren Jagdhunde zu Haus behält, versteht sich; was aus den Hausthieren anderer Leute wird, kümmert ihn nicht weiter; und wenn die armen hungrigen Krähen, welche seine Acter stets, sobald es der Schnee irgend gestattete, thatsächlich von Unrath und Ungeziefer rein bielten, in meilenweitem Umkreise, besonders aber unter den Bäumen, wo sie ihr allnächtliches Obdach haben, todt daliegen, hat er gar seine helle Freude. Nun, auch Elend und Gefahren gehen vorüber. Mitte März, wenn es zu Haus wieder Arbeit giebt, schütteln unsere Wintergäste den Staub von ihren Pantoffeln, obgleich grade die Sorte nach einer alten Bauernregel die allertheuerste ist, und empfehlen sich allerseits, dem mitleidigen Vorstadtproletarier, wie dem edelgeborenen Aasjäger, um wieder an die schweigenden Bergseen und in die braunen Tunbren ihrer Heimath zurückzukehren, wo sie vielleicht in Monaten feinen Menschen wieder sehen. Welcher Unterschied! Wie lehrt die Noth selbst die Thiere denken und handeln, und wie verroht dagegen Nichtsthu und Ueberfluß sogar die Menschen! Sogar Einöden, die farm ein Mensch betritt, werden ihrer bescheidenen, nüglichen Thiswelt beraubt, müssen noch ihre Möven- und Stiebigeier, ihre Krametsvögel dem Gaumentihel, ihre Krähen der Mordlust einer übersättigten Gesellschaft ausliefern. Und das Stadtv. Friederici befürwortet als Referent des Etatsausschusses die Annahme dieser Resolution, die für die endgiltige Regelung der Dienstalter zulagen- Frage die etatsmäßige Grund lage schaffen soll. Die Spezial- Etats für die städtische Straßenbeleuch. tung, Straßenreinigung und Besprengung, sowie für die Gemeinde Friedhöfe werden unverändert ge- Ohne Debatte wird einstimmig demgemäß beschlossen. nehmigt. Die Magistratsvorlage foll nach einem Antrage Cassel einem Beim Etat für die Zivilstandsämter bringt Ausschusse von 15 Mitgliederr überwiesen werden. Stadtv. Schulz I. verschiedene Mißstände in der Hand Stabtv. Cassel: Die Aeußerungen des Stadt Schulraths habung des Dienstes auf den Standesämtern zur Sprache. Bertram ließen in der vorigen Sigung nicht darauf schließen, Bielfach sei die Dienstzeit willkürlich eingeschränkt, einzelne daß wir beim Magistrat so menig Entgegenkommen finden Standesbeamte gingen über eine bestimmte Anzahl von Auf- würden. In der Zustimmung zur Anrechnung der auswärtigen geboten oder Trauungen an jedem Tage nicht hinaus, Dienstzeit ist eine große Konzeffior an uns nicht zu erblicken, dadurch würden zahlreiche Trauungen länger hinaus: denn ohne diese wäre eben an eine Bestätigung der neuen Regelung geschoben, als den betr. Paaren lieb sei, und so hätte man in- durch die Staatsbehörden nicht zu denken gewesen.( Sehr richtig!) Die direkt durch Verschulden der Standesbeamten die schönste jezige Vorlage bringt sogar Verschlechterungen gegen die ursprüngfreie Liebe"( Heiterkeit). Das Uebel liege daran, daß die Standes liche. Die Finanzlage hat man weder bei der Schloßplatfrage, noch beamten zu alt feien, zum Theil aus ganz anderen Karrieren bei der Vorlage des neuen Nathhauses ins Feld geführt. Soll fämen, vielfach verabschiedete Militärs und von Adel seien, was denn der Stern von Berlin, von dem der Stadt Baurath alles nicht für die Berliner Bürgerschaft vonnöthen sei. Der Hobrecht in seinem edler Pathos sprach, nur über dem Schloß Ton, der auf manchen Standesämtern herrschte, erinnere häufig play leuchten?( Große Heiterkeit.) Die Kosten für die Aufan den Ton des Exerzierplazes, wenn dort Rekruten gedrillt befferung der Lehrergehälter werden wir wirklich noch bestreiten werden. Redner könne für alle feine Behauptungen Beispiele tönnen. Wir bleiben dabei, daß unsere früheren Beschlüsse den und Namen anführen, will dies aber mit Rücksicht auf die betr. richtigen Ausdruck des Nothwendigen enthalten. Wir haben Personen unterlassen. allerdings von Gerüchten gehört, wonach man im Magistrate beOberbürgermeister Zelle: Die Dienststunden der Standeshauptet, die große Mehrheit der Versammlung habe den Beschluß ämter find festgesetzt. Für die Aufdeckung von Mißständen sind nur gefaßt in der Erwartung, daß der Magistrat ihn verwerfen wir dankbar; ich bedauere sehr, wenn das Publikum in un- würde.( Hört! Hört!) Gegen ein solches Gaufelspiel, gegen zuträglicher Weise behandelt worden ist, daß nicht öfter schon in eine solche Posse müssen wir nachdrücklich protestiren den einzelnen Fällen Anzeige an den Magistrat ergangen ist. Oberbürgermeister 8elle: Ich weiß von solchen Privat- ist Deutsche Kultur! Für die Standesbeamten übrigens ist der Oberpräsident die gesprächen nichts; ob mit den anderen Magistratsmitgliebern Aufsichtsbehörde. Zu der Erwähnung des Adels bemerke ich, folche gehalten sind, ist mir unbekannt. Jedenfalls steht es beiden daß nach der Verfassung doch der Unterschied der Stände auf- Kollegien nicht an, sich von solcher Unterhaltungen beeinflussen gehoben ist.( Heiterkeit.) zu lassen.( Sehr richtig.) Wenn auf die Finanzfrage eingegangen und die Schloßplanfrage wieder berührt wurde, so erkläre ich nach mie vor, daß ich unfere Finanzlage für eine gesunde halte. Eine gewisse Vorsicht aber ist nöthig, weil die Bedürfnisse der Stadt jetzt einen höheren Prozentsatz als den zuletzt erhobenen nöthig zu machen beginnen. Stadtv. Sentig: Ich will nur das Eine erklären: Berabschiedete Offiziere und Adlige befizen oft mehr Ehrgefühl und Pflichtbewußtsein, als abgedankte liberale Prediger!( Große Unruhe; Rufe: Pfui! Bürgerstolz!) Der Ausschuß schlägt zu diesem Etat eine Refolution vor: Die Versammlung ersucht den Magistrat, eine Revision der Mobiliareinrichtung ber Standesämter eintreten zu laffen. " Briefkaffen der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwet Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden foll. F. R. 100. Helene" ist nicht, Zum Glück der Damen" schon vor längerer Zeit in Buchform erschienen. か Wittwe H., Liegnigerstraße. Wollen Sie an einem der nächsten Abende in die Sprechstunde kommen. Mainz. Soll besprochen werben. Eisenbahnfiskus. Dem Betreffenden ist Mittheilung gemacht. Die genommen. Stadtv. Borgmann: Die Vorlage beweist, wie sehr ich mit den in der vorigen Berathung ausgesprochenen Zweifeln an der Bereitwilligkeit des Magiftrats zum Entgegenkommen im Rechte war. Wir kennen ja den Magistrat; er hält uns nur A. Jänsch. Gratisanzeigen werden nur einmal aufnoch als eine Jasage Maschine für seine Vorlagen. Forderung gerade der Lehrer und Lehrerinnen nach besseren Gehalts- V. Crefeld. 1. Wir können nur wiederholen, daß bei verhältnissen greift lange Jahre zurück; das sollte auch der Spezialwaffen die dreijährige Dienstzeit bleibt. 2. Der BeOberbürgermeister wissen. Wenn unsere Finanzverhältnisse wirt- treffende kann sich auf den§ 103a der Gewerbe- Ordnung belich augenblicklich nicht so schlecht sind, so müssen wir erst recht rufen. F Der Etat und die Resolution werden angenommen. Jm Spezialetat Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" befinden sich in der Einnahme u. a. 289 155. Antheil der Stadt Berlin an der Dotation der Provinzial- und Kreisverbände, 3 095 682 M.( im Vorjahr 4 802 590 M.) Dotation der Stadt aus der lex Huene, 883 000 m. Beitrag aus der Staatstaffe zur Erleichterung der Volksschullasten, 525 375 M. Rente von der Englischen Gasgesellschaft( Imperial Continental auf unseren Beschlüssen beharren. Es giebt keine Beamtenkategorie, 2. 13. 1. Das Mädchen kann Logis und Kost beanspruchen. Gas Association), 450 000 m. 2bgabe der Berliner Elektrizitäts- an welche so viele Anforderungen gestellt werden während ihrer 2. Ste mag den Antrag auf Bertagung bis zur Beiordnung werke, 1222089 M. Abgabe der Pferdebahngesellschaften, 255 000 m. ganzen Amtsdauer als die Lehrer; dagegen haben wir Magistrats- eines Rechtsanwalts stellen. 3. Die Armenverwaltung hat da Bacht von Nauck u. Hartmann für die öffentlichen Anschlagssäulen, fetretäre, welche ohne Examen nach 19 Dienstjahren 4000 m. damit nichts zu thun. 4. Kommen Sie in die Sprechstunde. fowie 8 414 590 M. Ueberschuß aus dem Verwaltungsjaht Gehalt bekommen. Wenn es sich darum handelt, billige 5. Sch. 18a. Schreiben Sie an die Abtheilung des 1892/93. Insgesammt beträgt nach dem Entwurf die Einnahme Beamten zu erlangen, so fönnten wir das auch auf Magistrats für Miethssteuer und stellen Sie die Sache vor. 10 140 450 M., die Ausgabe 1011 096 m. Jn der Ausgabe die Stadträthe anwenden.( Große Heiterkeit.) Würden wir diese G. 2. Sie müssen sich einen Anwalt nehmen, da vor dem stehen Leistungen aus Verträgen und Testamenten, Beiträge und Posten an den Mindestforderuder ausschreiben, wir würden quali- Landgericht die Prozeßpartei nicht selbst auftreten darf. Den Geschenke an Vereine und Institute, Ausgaben für gemeinnüßige tativ nicht den geringsten Schaden erleiden. Eine derartige Be Anwalt müssen Sie bezahlen, Sie können aber, wenn Sie den Zwecke, die Ausgaben für das Märkische Provinzialmuseum und handlung eines Antrages der Versammlung durch den Magistrat Prozeß gewinnen, Erstattung der Kosten von dem Kläger verfür das städtische statistische Amt, die Ausgaben für kirchliche und entspricht feineswegs der Würde derselben. Wir stimmen für langen. Kunstzwecke und für Repräsentation, sowie im Extraordinarium u. a. die Ausschußberathung, obwohl wir nicht gerade hoffnungs- Nr. 100. R. M. Wenn Sie in Ihrem Kontrakt dreider Dispositionsfonds von 500 000. zu unvorhergesehenen Aus freudig find über den Ausgang derselben. Ich muß monatliche Kündigungsfrist haben, so tönnen Sie auch schon gaben. auf dem Standpunkt fiehen bleiben, daß man den früher als drei Monate rechtswirksam kündigen. Der Etatsausschuß empfiehlt hierbei, dem Magistrat zur Er Forderungen der Lehrerschaft deswegen nicht entgegen Wittwe H., Lieguigerstr. 1. Veranlassen Sie den jungen wägung zu geben, ob dem hiesigen Mädchenheim eine Bei- tommen will, weil sie eben die Lehrer des arbeitenden Boltes Mann, in der Sprechstunde vorzusprechen. 2. Nein. hilfe aus städtischen Mitteln oder für seine Schülerinnen freier find. Ganz unbegreiflich ist der ablehnende Standpunkt gegen M. N. 100. Klagen Sie gegen die Berufsgenossenschaft Unterricht in den städtischen höheren Mädchenschulen zu gewähren bie Forderungen für die Lehrerinnen, welche der Magistrat mit auf Ersatz. sein möchte. einem wahren Almofen abfinden will. Die bundesräthlichen Mucken müssen dem Magistrat endlich einmal ausgetrieben werden!( Große Heiterkeit. Borsteher Langerhans erklärt den Ausdruck für unparlamentarisch.) " von Joseph Kohl. Ohne genauere Angaben läßt sich Ihre Frage nicht mit Sicherheit entscheiden. Wenden Sie sich an den Vorstand der Versicherungsanstalt und senden Sie den Bescheid, den Sie erhalten, in Abschrift ein. R. S. 175. Da Jhre Verwandten mit einem Billet dritter Klasse in der zweiten Wagenklasse betroffen wurden, so ist die Eisenhahnbehörde die Ordnungsstrafe zu verlangen berechtigt. Vielleicht führt indeß eine Eingabe an das Eisenbahn Betriebsamt zur Niederschlagung der Strafe. Versuchen Sie es damit Zwei Wettende 1. Nein. Gestrichen hat der Ausschuß die neu eingestellten 1000 M. für die Goßner'schen Kleinkinderbewahranstalten und 500 m. Beihilfe für das Viktoria- Lyceum zu den Kosten der neusprach lichen Kurse. Dagegen find 50 000 m. Zuschuß für das Kaiser Stadtschulrath Bertram: Der Magistrat ist der Ver-$. 10. 1. Ja. 2. Das Aufgebot muß auch in Berlin erund Raiserin Friedrich Kinder- Krankenhaus nachträglich neu ein sammlung weit entgegengekommen, und zwar durch die völlige folgen. 3. Der Standesbeamte hat die Fragen nicht zu stellen. gesetzt worden. Die Ausgabe erhöht sich dadurch auf 1 059 596 M. Anrechnung der auswärtigen und Privatschul Dienstzeit. Damit H. S. Wir können Ihnen hierüber keine Auskunft geben. Die Anträge des Ausschusses werden angenommen; abgelehnt wird selbst eine Erhöhung der Ausgaben eintreten. Wenden Sie sich an den Vorstand der freireligiösen Gemeinde. wird nur der Zuschuß für das Kinder- Krankenhaus auf Antrag Die 50 Mart für die Lehrerinnen haben wir auch nicht Borgia 4. 1. Er muß hier eine dauernde Beschäftigung des Stadtv. Pintussohn und trotz lebhafter Befür für eine Verbesserung angesehen, die Anrechnung der angenommen haben und sich nicht bloß vorübergehend aufhalten. wortung durch den Stadtrath Straßmann und den Stadtv. auswärtigen Dienstzeit bringt aber aber eine ganz erhebliche 2. Das Standesamt, in welchem man wohnt, ist zuständig, Irgend Horwiz. Bulage zu den jetzt von ihnen bezogenen Gehältern sofort mit eine Frist ist nicht nothwendig. Der Spezialetat der Kapital und Schuldenversich. Sie werden doch die Entziehung der Zulagen nicht als waltung" wird unverändert genehmigt. Zwangsmittel anvenden wollen, um Ihren Willen zu erreichen. Der Magistrat ist den Beschlüssen der Versammlung hin- Stadtv. Gassel: Mit dieser Aufrechnung der Zulagen sichtlich der Lehrergehälter nach dem System der Dienst fommen wir nicht weiter; es wird dabei leicht übersehen, daß alterszulagen nicht beigetreten und unterbreitet der Ber 988 von den 2150 Lehrern gar feine Zulage erhalten( hört, sammlung seine anderweiten Vorschläge. Getreu seinem fon- hört!) G3 fommt nur darauf an, ob die Gehälter ausreichend sequent festgehaltenen Standpunkte, daß das bestehende Stellen- find oder nicht. Die schroffe Art, wie der Oberbürgermeister dem Ausetatssystem ohne wesentliche Vermehrung der schuß möglichst wenig Erfolg wünscht, wendet er sonst nicht an, Ausgaben in einen Dienstalters Etat übergeleitet werden wenn es sich um abgelehnte Magistratsvorlagen handelt! müsse und daß mit dem Systemwechsel eine wesentliche Erhöhung Stadtv. Sachs II: Nehmen wir den Vorschlag des Stadtder Beamten und Lehrergehälter nicht vorgenommen werden schulraths an, so tritt ein, was wir gerade verhindern wollen. jolle, lehnt er die weitergehenden Beschlüsse der Versammlung ab. Wir wollen die Agitation aus den Lehrerkreisen herausschaffen, Schon seine ursprüngliche Vorlage habe eine Erhöhung von durch die Magistratsvorlage wird sie geradezu verewigt, während 375 520 Mart enthalten; die Beschlüsse der Versammlung beber Magistrat unseren weitergehenden Wünschen dann erst recht züglich der Gemeindelehrer und Gemeindelehrerinnen würden sein Nein entgegensetzen wird. Die betheiligten Kreise werden Dagegen allein schon eine Mehrausgabe gegen die bis- gern auf ein folches Linsengericht verzichten. herigen Grundfäße von 1 057 057 Mart verursachen. Nachdem auch Stadtv. Dinse für Ausschußberathung geDas Durchschnittsgehalt der Lehrer würde sich nach sprochen, wird demgemäß beschlossen. Der Ausschuß wird sofort jenen Beschlüssen um 454, der Lehrerinnen um 202 M. erhöhen. vom Vorstande ernannt; es gehören dazu auch die Stadtv. Zur Deckung dieser Steigerung der Gehälter einer einzigen Bruns und Borgmann. Beamtentlasse müßte die Einkommensteuer um 5 pCt. erhöht Die Schlesische Brücke soll abgebrochen und durch ber Maglitrat bei der städtischen Finanzlage einen massiven Neubau ersetzt werden; die neue Brücke soll zwei, werden, wozu D Depeschen. ( Depeichen des Bureau Herold.) Budapest, 21. März. Für die Beerdigung Ludwig Kossuth's werden die weitgehendsten Vorbereitungen getroffen. Die Vertreter der Stadt traten heute Nachmittag zu der Beschlußfassung zusammen, die Beisetzung der Leiche auf Kosten der hiesigen Rommune stattfinden zu lassen. Sämmtliche Theater find heute gefchloffen. Deputationen vieler Städte haben sich bereits zur Theilnahme am Leichenbegängniß angemeldet. Brüssel, 21. März. Auf dem am 8. April in Salonviere stattfindenden Sozialistentongreß werden hauptsächlich Dis. kussionen über die Maifeier, die Wahl- und Lohnfrage gehalten werden. Für den Inhalt der Jnierate über Ein dreifach donnerndes Hoch unserem| Nur noch wenige Tage. Bieifenbruder und Genossen F. Ulrich Präuschers anat. Museum nimmt die Redaktion dem Bublifum gegenüber keinerlei Verantwortung täglich von früh 9 bis 10 Abends für erwachs. Herren. Dienstag u. Freitag Theater. Donnerstag, den 22. März. Opernhaus. Geschlossen. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches Theater. Der Herr Senator. Berliner Theater. Der Kaufmann von Venedig. Leffing- Theater. Madame SansGêne. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Die Fledermaus. Residenz- Theater. Der Maskenball. Neues Theater. Jugend. Central- Theater. Ein gefunder Junge. Viktoria Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Alexanderplay- Theater. Ein pi tantes Verhältniß. National Theater. Berlin wie's lebt und liebt, oder: Die Arbeitslofen von Berlin. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. American Theater. Lumpen- Susanne, oder: Die Obdachlosen von Berlin. = Wintergarten. Spezialitäten Vorstellung. Reichshallen- Theater.SpezialitätenVorstellung. Apollo Theater. Vorstellung. Spezialitäten Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Parodie Theater. 19 Vorstellug. SpezialitätenNational- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Sensationelle Novität! Berlin wie's lebt und liebt oder: Die Arbeitslosen. Boltsstück mit Gesang in 5 Aften ( 7 Bildern) von Hugo Busse. Musik von Hugo Mayer- Ferron. Regie: Hugo Hummel. Kaffeneröffnung 61/2 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Gefchloffen. Sonnabend: Die Grille. Sonntag, Nachmittag 3 Uhr: Volks- Vorstellung. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Novität! Bum 17. Male: Novität! Damentag. unwiderruflich: den Schluß sonntag, 1. April. PassagePanopticum. Die zu seinem heutigen Wiegenfeste, daß die ganze Antonstraße wackelt, senden die Genossen vom Rauchklub„ Eiserne Pfeife". Nante, fingen wir noch eins? 24826] M. H. B. W. B. W. W. Dem Schankwirth Guftav Tempel zu feinem heutigen Wiegenfeste ein drei Mal donnerndes Hoch, damit der Tempel in allen Fugen fracht.[ 24876 Mehrere Genossen v. V. Amizitas. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den werthen Kollegen, dem Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Umgegend. ( Eingetr. Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Beabsichtigte und unbeabsichtigte Täuschung seitens der Konkurrenz veranlaßt uns, unser Fabrikat durch eine Marke zu schüßen, die wir hiermit den werthen Genossen und Genoffinnen bekannt geben und zu beachten bitten. Mit dieser Marke ist jedes unserer Brote belegt, und bitten wir bei Forderung von Genossenschafts- Brot darauf zu achten, daß das verabreichte Brot dieje Marke trägt. Der Vorstand. 97/19 Geſangverein Gemüthlichkeit und dem Oeffentl. Versammlung f. Männer u. Frauen Glocke Deutschen Raucherbund, welche meinen von Fr. v. Schiller. Musit von Romberg. Dargestellt in 15 lebend. Bildern. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Schwank in 3 Att. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Att von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Täglich: Spezialitäten- Vorstellung und Konzert von nur Künstlern 1. Ranges. Auftreten der Ballet- Gesellschaft Columbia( 10 Damen), Balletmeisterin Rosa Fricka. Auftreten der Elite ParterrcAkrobaten u. Pantomimentruppe Hermandez. Ein Stündchen beim Doktor. Komische Pantomime. The Willon's, Doppel- Jongleure. Joie di Dios, Rostüm Soubrette. G. Cordes, Gesangs- Humorist. Anfang: Sonntags 6 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Entree Wochentags 50 Pf. A. Zimmermann. Bock- Brauerei Tempelhofer Berg:[ 2483b 55. Bock- Saison. Täglich, so lange der Vorrath reicht, aber nur noch kurze Zeit: Großer Bockbier- Ausschaut. 2484b unvergeßlichen Mann, unseren lieben Vater, Bruder und Schwager bei der langen Krankheit und( nach dem Tode so aufopfernd unterstützt haben, auch für die reichen Kranzspenden für den so früh Dahingeschiedenen sage ich meinen herzlichſten Dank. Die trauernde Wittwe, Louise Woyde, geb. Klimpe I nebft Kindern. Danksagung. 2489b Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei der Beerdigung unseres lieben einzigen Sohnes Hermann Dittberner sagen wir allen Freunden und Genossen, sowie dem Gesangverein in am Charfreitag, den 23. März cr., Abends präzise 8 Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Hermann Stüve aus Hamburg über: ,, Photographie und Verbrechen", illustrirt durch 40 in Chicago mit dem höchsten Preise prämiirten Original- Lichtbildern.- Entree 20 f. Pf. Während der vorjährige Vortrag des Referenten über ,, Hamburg zur Cholerazeit großstädtisches Elend schilderte, zeigt dieser Bortrag an der Hand wirklichen Prozessen entstammenden Materials, wie es die Photographie ermöglicht, nicht nur feige Mordbuben, sondern auch Wechsel- und Urkundenfälscher, Erbschleicher und sonstige Verbrecher aus den höheren" Ständen zut ermitteln und überführen. Zu diesem hochinteressanten neuen und nur einmal hier stattfindenden Vortrag ladet ein Der Vorstand der ,, Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin". " 24946 mertjamkeit feines Lehrers unferen Steinseher u. Berufsgen. Berlins u. Umg. herzlichen Dant.. bten Eſt Die tiefbetrübten Eltern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Donnerstag, den 22. März, Abends 8 Uhr: Grosse öffentl. Versammlung mit Frauen. schiedenes. 2479b Zagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Bericht Theilnahme und die zahlreichen Kranz des Delegirten der Gewerkschaftskommission. 5. Bericht der Lohnkommission. Spenden bei der Beerdigung meiner 6. Beschlußfaffung über Einführung von Karten zum Generalfonds. 7. Vertheuren, unvergeßlichen Frau sagen Der Vertrauensmann: W. Lude. wir allen Freunden, Kollegen und Genossen, insbesondere dem Gesangverein Achtung! Vorwärts" innigsten Dant. Wilhelm Forgbert und Verwandte, Rummelsburg, Schillerstr. 3. Für die große Theilnahme und Blumenspende beim Hinfcheiden meines Gatten, unseres Bruders, Schwagers Achtung! Gemeindewähler Schöneberg's! Gr. Volksversammlung und Onkels sagen hiermit den herz- hente, Donnerstag, den 22. d. M., Abends 8½ Uhr, lichsten Dank. 24936 Die trauernden Hinterbliebenen. Wwe. Zimmermann nebst Bruder. im großen Saale der Schloß- Brauerei". " Tages Ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Lux( früher Magdeburg): Warum schließen die bürgerlichen Parteien Kompromisse, und wem hat der Arbeiter seine Arbeiter- Bildungsschule. Stimme zu geben?- Vortrag unſerer Kandidaten Schubert und Köfter: Ferien! Die Schulen bleiben vom 25. März bis inkl. 1. April geschlossent. Eröffnung wieder 2. April, laut neuem Lehrplan. Das kommunale Programm der Sozialdemokratie und die Programme unserer Gegner. Hierzu find sämmtliche Gegenkandidaten eingeladen. 480/1 Das Wahlkomitee. Rixdorf. Achtung! Rixdorf. Große öffentliche Der VorftandTextilarbeiter- Versammlung Der polnische Lese- und Diskutir- Klub ,, Prawda" in Berlin veranstaltet jam Sonntag ( 1. Feiertag) um 7 1hr Abends, in Brochnow's Lokal, Sebastian259/7 ratweil'sche a§ 30, ein Ein gesunder Junge. Bierhallen Poffe mit Gefang und Tanz in 3 Atten von Jean Kren. Musik von Julius Einödshofer. Anfang der Borstellung 7½ use. Morgen: Geschlossen. American- Theater. Dresdener- Straße 55. 1 Jeden Abend 81/2 Uhr: Kommandantenstr.77-79. Aelt. u. größt. Etablissem. Berl. Läglich abwechselnd. Programm bei freiem Entree der ersten Wiener Damenkapelle „ Dittl" und Auftreten von Lumpensusanne Künstlern. Spezialitäten oder: Die Obdachlosen von Berlin. Parodistisch- realistisches Traumbild aus dem. Müllwinkel( frei nach dem Verbrecher- Album) bearb. v. Oskar Wagner. Lumpensusanne, gen. Die Gräfin", ein schon geprüftes Mädchen " " Franziska Häser. Die Bombe, Aftervermietherin im Müllwinkel des Sonnenaufgangs" Josephine Delclisseur. Brunwald mit bewegter VergangenMartin Bendix. heit Täglich: Auftreten des 1. Ranges. Täglich Auftreten der Miss Webb, Vergnügen mit Tanz, zu welchem er Genossen und Freunde einladet. Das Komitee. Achtung, Osten! Zurgefl. Beachtung, daß ich 3 Marksutein allen Farben, weich und steif, in guter Qual., besser wie in jet em Bazar oder sog. Engros- Verkauf stets 58012* am Lager habe. Meine besseren Qualitäten wie bisher, nur reelle Waare zu soliden Breifen. Cylinderhüte, eigenes Fabritat, 6, 8, 10, 12 Mart. Franz Haupt, Hutmacher, am Dienstag, den 27. März 1894( 3. Osterfeiertag), Vormittags 10 Uhr, in Gröpler's Salon, Bergstraße 129. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Joh. Sigg über das Thema: Vorwärts, die Loosung". 2. Diskussion. 3. Berichterstattung des Delegirten der Berliner Gewerkschaftskommission. 4. Maifeier betr. 5. Wahl eines Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. 329/17 Metzner's Korbwaaren- Fabrik, Berlin, 2. Gesch. Brunnenstr. 95, gegenüb. Humboldtshain Kinderwagen, cher gratis. Theilzahlung ge1. Gesch.: Andreasstr. 23, H. pt., gegenüb. Andreaspl Mustergrößtes Lager Berlins, stattet. 500 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß ich nicht das größte Kinderwagen- Lager Berlins habe. Tokayer med. füßer Ungarwein, Literflasche 2,10 M., 5 Flaschen 1,85 M. Eugen Neumann& Co., 0., Grosse Frankfurterstrasse 145. 6a Belle- Allianceplat 6a. Bitte genau auf Nr. 145 zu achten! Mühen, 679M 81. Neue Friedrichstr. 81. 8. Dranienftr. 8. Schinzie, prisen, Gravatten, Andreasstrasse Konkordia- Festsäle Andreasstrasse [ Spazierstöcke. Heil- Institut n. d. 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Die itarischen Spiele in der Luft, ausgeführt von der Familie Dainef. Die Handafrobaten Gebr. Detroit u. f. w. Freitag: Keine Vorstellung. Vision: Psammenit, der lebende Mumienkopf. Sonnabend: Zum legten Male: Ein Künstlerfest". Fr. Renz, Direktor. E Grüner Weg 41, 1. Sprechft.: 10-11 u. 2-5, Sonnt. 8-10 Alcazar. Variété- u. SpezialitätenTheater. Dresdenerstr. 52/53( City- Passage.) Kravatten- Schulze. Posse mit Gesang von Linderer. Auftreten sämmtl. Spezialitäten. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 612 Uhr. Aufang: Entree: Wochentags 15 Pf. Sonntags 30 Pf. R. Winkler. No. 64. No. 64 Freitag, den 23. März 1894( Charfreitag): Grosses Extra- Sinfonie- Konzert der Berliner Freien Musik- Vereinigung. Sinfonie No. I von Heydn. Orchester: 50 Musiker. Anfang Abends 51 Uhr. Dirigent: G. Grass. Entree inkl. Programm 30 Pfennig. Abonnementskarten sind ungiltig. S. Neumann's Bentral- Bazar. 1. Geschäft: Andreasstr. 62. 2. 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Ein tüchtiger Drechsler erhält dauernde Stellung in der Möbelfabrit mit Dampfbetrieb von C. M. Staude, Pritwalk. 58332 Hierzu eine Beilage Berantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ar. 68. Donnerstag, den ZI. Miirz 1894. 11. Jahrg. Lokinles. Adlershof. Achtung, Parteigenoffen! Folgende Lokale stehen, neben den in der Boykotttiste bekannt gegebenen, uns noch zur Verfügung: t a u s m a n n. Grünauer Chaussee. ch m a u s e r, Bismarckstr. 16. In Schlächterkreisen steht man dem billigen Fleischverkauf der Viehhofs-Verwaltung mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. So wenig man als Bourgeois gegen die Ernährung der arbeitenden Klasse mit dem ausgekochten, unappetitlichen „Trichinenfleisch" etwas einzuwenden hat, ebenso peinlich ist es aber den Herren Schlächtermeistern, wenn ihnen durch diese „humane" Maßregel ein Theil, wenn auch minderwerthiger, Kundschaft entzogen wird. In einer der letzten Jnnungs.Ver- sammlungen wurde das von einigen in der Nähe des Viehhofes wohnenden Meistern recht drastisch zum Ausdruck gebracht. Man darf billig bezweifeln, ob die Schritte, welche man gegen diese „Schleuderkonkurrenz unternehmen will", Erfolg haben. Vielleicht dämmert manchem dieser Geschädigten mrt der Zeit die Er- kenntniß auf, daß die Einschränkung der„Genußsucht" und „Begehrlichkeit" doch auch ihre Schattenseiten hat. Wie von AmtSwegen Arbeiter außer Brot gebracht werde». Die gestern von uns der Oeffentlichkeit preisgegebene V.rsügung des Amtsvorstehers Rönneberg in Friedenau wird oon der„Vossischen Zeitung." mit folgendem Kommentar be- begleitet: Wir empfehlen dieses Schreiben dem verdiensilichen Herrn Geh. Ober-Justizrath Starke zur Nachachtung, der an der Spitze des Vereins zur Fürsorge und Besserung entlassener Straf- gefangener steht. Was helfen ihm alle Fürsorge, alle Bemühungen, den entlassenen Gefangenen die Wege zu bahnen, auf denen sie ehrlich ihr Brot verdienen und einen ehrbaren Wandel ein- schlagen können, wenn gerade von einer Seite die entlassenen Gefangenen ihrer Verbrecherlaufbahn wieder zugeführt werden, die ihn am meisten in seinen Bestrebungen zu unterstützen be- rufen wäre. Geradezu unerhört wäre es, wenn es wahr wäre, daß einer der Verfehmten um deswillen sein Brot verlieren soll, weil er vor 17 Jahren eine Verurtheilung erfahren und seitdem sich strafrechtlich einwandsfrei geführt haben sollte. Ein gänzlicher Umbau des Schlesischen Bahnhofes, der größten derartigen Anlage der Stadtbahn, wird, wie uns von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird, im Laufe dieses oder Anfang nächsten Jahres erfolgen. Die beiden Hallen der Stadt- bahn werden zu einem einzigen großen Raum vereinigt und die Bahnhofsanlage selbst wird erheblich vergrößert werden, da die bis jetzt vorhandenen Geleise dem fortwährend steigenden Vev kehr nicht mehr genügen. Gleichzeitig soll auch die Haltestelle „Warschauerstraße" umgebaut werden es wird statt der hölzernen jetzigen Halle ein massives Stationsgebäude errichtet werden, ähnlich demjenigen in Westend. Ter Riilkgang des Gasverbrauchs und der dadurch be- dingte Ausfall an Einnahmen macht den Stadtvätern bekannt- lich schwere Sorge. Ten Vorschlag der sozialdemokratischen Stadtverordneten, die Preise zu verbilligen und sich mit weniger, als dem wucherischen Gewinn von 100 pCt. zu begnügen, lehnen ja der hochwohllöbliche Magistrat und die Mehrheit der libe ralen Stadtvertreter unter allerlei Ausflüchten ab. Aber selbst bei den jetzt geltenden kolossalen Gaspreisen wäre sehr leicht ein großer Mehrverbrauch zu erzielen, wenn die Verwaltung der Gasanstalten dem Publikum gegenüber ein wenig entgegenkam- inender wäre, wie es andere Verwaltungen, z. B. die Charlotten burger, bei gleichen Preisen sind. Schreiber dieses wohnt südlich der Kurfürstenstraße auf Char- lottenburger Gebiet; auf seinen Antrag an die Gasanstalt, ihm eine Kochgaseinrichtnng zu legen, wurde ihm kostenlos ein Gasometer ge- stell! sowie gegen eine geringe monatliche Miethe, nicht ganz 7S Pf., ein Göhde'scher Zweiloch-Gasbrenner nebst Bratröhre überlassen, so daß er außer den 75 Pf. monatlich nur das verbrauchte Gas zu bezahlen hat. Will man Berliner Gas benutzen, so muß man zunächst den Göhde'schen Brenner kaufen, da die Gasanstalt ihn nicht vermiethet. Außerdem stellt sie nicht ohne weiteres den Gasometer, sondern legt— immer auf Kosten des Antrag stellers— eine besondere Röhrenleituug mit einem besonderen Gasometer an. Sie fürchtet nämlich, wenn sie den Gasometer an die schon vorhandene Leitung anschließt, könnte der Konsument sich auch nach Belieben mit Leuchtgas versehen, für welches ein höherer Preis berechnet wird. Aus demselben Grunde wird auch der Brenner selbst mit der Röhrenleitung nicht durch einen Schlauch, sondern durch eine feste Röhre verbunden, so daß der Brenner nicht beliebig abgehoben werden kann. Daher kommt es, daß man in Berlin, wenn man Gas zum Kochen benutzen will, zunächst eine einmalige Ausgabe von etwa 120 M. zu leisten hat, was für den kleinen Mann unmöglich ist. Wäre die Berliner städtische Gasverwaltung so entgegen- kommend, wie die Charlottenburger, würde sie die Kochgasbrenner vermiethen, und würde sie anständigen Leuten aus ihre Versiche- runa, daß sie kein Leuchtgas, sondern nur Kochgas benutzen wollen, Glauben schenken und demgemäß die vorhandenen Lei- tungen bei der Aufstellung des Gasometers benutzen, so würden Tausende von Hausfrauen das bequeme Kochen auf Gas dem unbequemen auf Kohlen vorziehen, trotzdem das erstere bei den zcgenwärtigen Gaspreisen täglich 1—2 Pf. theurer zu stehen konimt. Dann würde aber der Gasverbrauch ungeahnte Dimen- sionen annehmen, und der Ausfall an den Einnahmen bald ge deckt sein. Antisemitische»»theistenblatt. Die atheistische Anti- semitenvereinigung„Sozialitärer(!) Bund" hat, wie die„Kreuz- Zeitung" berichtet, ein Organ herausgegeben, das monatlich er- scheint und sich„Der moderne Völkergeist" nennt. Er will ein- treten für„Freiheit, Gerechtigkeit, Treue, Vertrauen und Wahr- haftigkeit" und gegen„Hebräer-Herrschaft, religiöse, politische und wirthschaftliche Knechtung kämpfen. In der Februar- Nummer begann unter anderem ein Artikel:„Kein Pfaffenlhum, keine Religion, sondern Geistesführung ,m Sinne des modernen Völkergeisles."— Sonderbare Schwärmer, diese antisemitischen Atheisten. Was wird die„Staatsbürger- Zeitung" zu dieser Sorte Kombattanten sagen, welche da tagtäglich predigt, daß wahres Christenthum und wahre monarchische Gesinnung sich von Rechts wegen einzig im Antiscmilisnlus lonzentrire? Und nun auch hier der Wurm im Holze.' Wem sollen sich Christenthum und Monarchie in ihrer Bedrängniß schließlich noch anvertrauen? Die Beförderung des HofzugeS nach oder von Abbazia verursacht jedesmal einen Kostenaufwand von ca. 0600 Ml. ita der Kaiser und die Kaiserin die Hin- und Rückreise gesondert antrete», so entsteht also für dieselben eine Summe von rund 38100 M. als Reisekosten, also etwa soviel, als 13 000 Arbeiter im glücklichen Fall iusgesammt an einem Tage für sich und die Ernährung ihrer Familie verdienen. Nene» Postamt. Am I.April wird in der Marburger- straße 12 eine Postanstalt mit Tel�raphenbetrieb errichtet die die Bezeichnung„Berlin W. 50(Marburgerstraße)" erhalt. Bei dieser Postanstalt können Postsendungen zeder Art, auch Rohrpost- sendungen, jedoch keine Geldfässer, Geldkisten und Geldbeutel ein geliefert werden. Wie sich Antisemiten zu helfen wissen. Ein hiesiges ziemlich stark im Knoblauchgeruch stehendes Blatt berichtet bos Haft: Hierorts ist aus tiefgefühltem Bedürfniß ein Verein er standen, der sich nennt:„Die Klause, deutschnationaler Verein der Lileraturfreunde zu Berlin". Im trauten Zkreise einwands freier Genossen hielt man dort am Montag einen Vorttags- und Erörterungsabend. Auf der„Tagesordnung", wie man das „Programm" für den Vortragsabend verdeutscht hatte, stand auch das bekannte Lied„Der letzte Gruß". Als Komponist war Elvy angegeben. In eingeweihten musikalischen Kreisen versichert man demgegenüber, daß das Lied noch immer von Levy, dem Münchener General-Musikdirektor stamme. Aus Levy ward Elvy— der Glaube versetzt Buchstaben.... Arbeiter-Sanitätskommission. Der Verwalter des Hauses Nostizstr. 43, Herr C. Bolle, ersucht uns, die in Nr. 65 unseres Blattes enthaltenen Angaben dahin zu ergänzen, daß die beregte Wohnung weder an Pilzen noch an Feuchtigkeit leide, es sei denn, baß die Wittwe Vehlen dorf die Staubschicht, die sich in ihrer Wohnung infolge ungenügender Reinigung an den Wänden gebildet, für Pilze gehalten habe. Der Frau sei die Wohnung gekündigt worden, weil sie an Prostituirte vermiethet hatte; der etwaige Vorwurf der ungerechten Behandlung sei schon dadurch hin- fällig, daß der Wittwe die Miethe für Monat März erlassen sei — Herr Julius Zobel, Besitzer des Hauses Rostockerstr. 24 theill uns mit, daß die von Herrn Michalek gemiethete Wohnung zuerst für drei Personen, Mann, Frau und einjähriges Kind, gemiethel sei. Erst vor kurzem sei ein zweites Kind und ein— Schlaf- bursche hinzugekommen. Die Nässe rühre daher, daß die Woh- nung nicht gelüftet werde und daß man sie als Waschküche be- nutze. Die Nichtbenutzung der Waschküche schreibt Herr Zobel der Lässigkeit der Miether zu. Der Verbandstag des Deutschen Post- und Telegraphen- Assistenten-Verbandes wird in den Tagen vom 8.— 10. Juni in diesem Jahre hier in Berlin stattfinden. Militaria. Wie eine Lokalkorrespondenz wissen will, ist der Hauptmann und Chef der ersten Kompagnie des vierten Gar�e-Regiments z. F. v. B. seit einigen Wochen nicht mehr bei dem Regiment thätig. Die Kompagnie, die Anfangs von dem Premierlieutenant v. Z. geführt wurde, ist nunmehr end- gillig mit dem Hauptmann v. Schüler besetzt worden. An die Abreise des Hauptmanns v. B., der sich von seinem Burschen nach dem Anhalter Bahnhofe begleiten ließ, knüpfen sich merk- würdige Gerüchte, deren Klärung bei der an mehreren Stellen gewahrten Zurückhaltung nicht möglich war. Aus der einen Seite heißt es, Herr v. B. sei verschwunden, nachdem so manches nicht gestimmt habe, andererseits wird hervorgehoben, daß große Schuldverbindlichkeiten die plötzliche Abreise veranlaßt haben. Er wohnte in der Rathenowerstr. 03, und die Räume sind bereits zur anderweiten Vermiethung ausgeboten. Bei dem Magistrat ist, wie die„Allg. Fl.-Ztg." berichtet, eine Eingabe der Standinhaber der sämmtlichen hiesigen Markt- hallen dahin lautend eingegangen:„Die Verkaufszeit in den Hallen an Sonn- und Festtagen nicht wie bisher bis 0, sondern bis 10 Uhr Morgens anzuordnen." Der Gendarm beweist seine Unschuld. Schon kürzlich gaben wir der Ansicht Raum, daß es nach geltender Staats raison für einen preußischen Beamten fast zu den unmöglichen Dingen gehört, in seinem Gebahren gegenüber dem Publikum einen Fehler oder gar eine Straflhat zu begehen. Ist so ein pflicht- treuer Beamter gelegentlich eines besonders bewunderungswürdig liegenden Falles wirklich einmal von frechen Buben einer nicht reglementsmäßigen Handlung verdächtigt worden, so stellt sich gewöhnlich schon in der Voruntersuchung eines solchen Falles heraus, daß nicht der Gendarm z. B., der etwa wie toll mit dem Säbel auf augenscheinlich anständige Bürger dreingeschlagen hat, der schuldige Theil ist, sondern, daß gerade die betreffenden Bürger, die sich erfrechten, dem Säbel des Gendarms im Wege zu sein, dreiste und nichtswürdige Gesetzesübertreter sind. Es ist bekannt, daß vor einiger Zeit das Gebahren des Gendarms Preuße in Nowawes die Empörung gesitteter Menschen herausforderte. Ueber den Verlauf dieser skanda- lösen Affäre wird dem„Kleinen Journal" jetzt folgendes ge- schrieben: Der Nowaweser Krawall(!) hat sich nunmehr zu einer An- klage wegen Landfriedensbruchs:c., welche in Potsdam vor dem Schwurgericht verhandelt werden dürfte, zugespitzt. Es sind bereits 6 Personen in Untersuchungshaft genommen, darunter der dreizehnjährige Sohn des Arbeiters Bathe, eines eifrigen Agitators der Sozialdemokratie, welcher bei dem Krawall einen Säbelhieb erhalten hat. Auch der durch Säbel- hiebe nicht unerheblich verletzte Dachdeckerlehrling Hederich wurde nach seimer Entlassung aus dem Krankenhause in Haft genommen. Der Gendarm Preuße, welcher durch sein eigenthümliches Auftreten zu dem Krawall die V e r- anlassung gab, weil er von der Menschenmenge für be- trunken gehalten wurde, soll durch mehrere Zeugen, darunter seine K a mse r a d e n und einen Arzt, nachgewiesen haben, daß er nicht betrunken, sondern nur nervös erregt gewesen ist. Mit der Verhaftung der sechs Tumultuanten sind die Ermittelungen nach den bei dem Krawall betheiligten Personen noch nicht ab- geschlossen. Es wird nicht berichtet, daß gegen den Preuße irgendwie strafrechtlich eingeschritten werden soll. So weit sich vielmehr übersehen läßt, dürfte der Gendarm vor dem Schwurgericht den unglücklichen Verwundeten gegenüber die Rolle eines Be- lastungszeugen einnehmen. Proletarier-Schicksal. Allgemeines Mitleid erweckte ein alter Mann, der am Mittwoch Mittag am Landsberger Platz hilflos zusammenbrach. Es war ein ApFlsinenhändler, der sich mühsam durch die Straßen schleppte, denn die eine Seite seines Körpers war durch einen Schlagfluß gelähmt, die linke Hand vollständig ver- krüppelt und ganz blau gefärbt. Am Eingänge der Scrauß- bergerstraße stürzte er nieder—«in neuer Schlaganfall hatte ihn getroffen— er konnte sich nun gar nicht mehr bewegen und mußte mittels eines requirirten- Wagens nach dem nahe ge- legenen städtischen Kranlenhause am Friedrichshain gebracht werden. Bon der 2. städtischen Realschule sind, der Meldung eines hiesigen Blattes zufolge, 11 Sekundaner verwiesen worden, weil sie, entgegen dem in letzter Stunde ergangenen Verbot ihres Direktors in„Nagel's Festsälen" öffentlich gegen Entree Theater- Vorstellungen veranstallet hallen. Der von dem Vorhaben seiner Schüler verständigte Anstaltsleiter überraschte die„Künstler" vor dem Beginn der Vorstellung und verbot ihnen das Auftreten. Die Herren Jungens aber lehrten sich nicht an das Verbot, es wurde doch„gemimt" und man war fröhlich und guter Dinge. Das war am Freitag Abend. Als sie am Sonnabend zur Schule kamen, wurde ihnen in der Aulav erkündet, daß sie aus ein- timmigen Beschluß des Lehrerkollegiums von der Anstalt ver- wiesen worden seien. Das„graue Kloster" in der Klosterstraße hat zwar Geld genug, doch nicht soviel, um 20 oder 30 M. auswenden zu können zum Abputz der Mauer, welche einen Theil des Klostergrundstücks von der Straße abgrenzt. Diese Mauer sieht gradezu skandalös aus; in Fetzen hat sich der alte Putz losgelöst, ist theils herab- gefallen, theils droht er in jedem Augenblick herabzustürzen. Die Anwohner, denen dieser trostlose Anblick ein Gräuel ist, haben den Schluß der Ballade„Des Sängers Fluch" bereits dahin ab- geändert:„Nur noch ein einziger Fetzen— Zeugt von ent- schwundener Pracht— Auch dieser, schon geborsten— Kann stürzen über Nacht!" Fatinitza fin de eiöcle. Ein höchst sonderbarer Prozeß wird sich bald auf dem hiesigen Amtsgericht abspielen, der dem Richter, welcher sonst nur über Zivilprozesse zu entscheiden hat, Gelegenheit geben dürfte, einen Blick in das Leben einer wahrhasten„Fatinitza" zu thun. Im Jahre 1802 verschwand plötzlich aus dem Hause ihres Gatten, des Rentiers und Haus- eigenthümers F. in der Königstadt die 26jährige Frau Emilie F. und mit ihr ein Student der Medizin, dessen Eltern mit dem Ehepaar sehr befreundet waren. Die Spuren der beiden Flüchtigen wiesen nach Paris, von wo vier Monate später der junge Student zurückkehrte, um sich dem beleidigten Ehemann zu stellen. Der reuige Sünder vermochte Herrn F. nur anzugeben, daß er nicht wisse, wo dessen Gattin gegenwärtig weile. Sie war eines Tages aus dem Hotel unter Mitnahme aller Werth- fachen und des größten Theiles der Baarschafl verschwunden, wie er annabm in der Gesellschaft eines deutschen Schau- spielers, der nach New- Jork engagirt war. Herr F. mußte sich mit dieser Auskunft zufrieden geben und lebte ein- sam in seinem behaglichen Heim, bis er vor einigen Wochen seine durchgebrannte Gattin auf recht sonderbare Weise zurück- entführte. Er befand sich im Monat Februar einer Erbschafts- regulirung halber in Hamburg, als ihm im Korridor des Hotels, in welchem er wohnte, eine Dame entgegentrat, die ihn scharf fixirte und dann dem Ueberraschten mit den Worten:„Habe ich Dich wieder, geliebter Otto" in die Arme sank. Die elegant ge- kleidete Dame war die ehemalige Frau F. Sie gestand nun, daß sie als Repräsentantin mit einem reichen Amerikaner und dessen sechsjährigen Töchterchen auf der Reise nach der Schweiz begriffen sei, und daß sie gern mit sihrern schwer beleidigten Gatten in die Heimath zurück- kehren wolle. Beide verließen sofort das Hotel und kehrten nach Berlin zurück, nachdem Herr F. den Ameri- kaner von der„Entführung" brieflich' benachrichtig� hatte. Damit scheint der Amerikaner jedoch nicht einverstanden, zu sein; er behauptet, seiner Repräsentantin im Laufe der letzter, 13 Mo- nate.�außer ihrem Gehalt, für Toilette, Deckung von Schulden K. eine Summe von 5000 Dollar zur Verfügung gestellt, zu haben. Diese will der glückliche Gatte nicht zurückzahlen uv.d so ist der Amerikaner durch einen hiesigen Rechtsanwalt gvgen Frau F. klagbar vorgegangen. Beim Kaffeekoche» verbrüht hat sich, wie geschrieben wird, am Dienstag Mittag die Arbeiterin Anna Menge, Friedrichs- felderstr. 82. Sie war in der Fabrik von Kleinschefski in der Adalbertstraße beschäftigt, wo wegen Ueberhäusung mit Arbeil auch über Mittag gearbeitet wird. Nur eine kurze Pause war zum Kaffeekochen vorhanden. Als Anna Menge nun den kochen- den Tops aus einem Ofen herausnehmen wollte, stieß sie mit dem linken Ellenbogen an einen Gegenstand. Der siedende Inhalt spritzte ihr in das Gesicht und verletzte sie so erheblich, daß sie nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden jmußte.— Ganz so, denken wir, wird die Sache wohl nicht stimmen, da die Gewerbe-Ordnung die Jnnehaltung einer einstündigen Mit- tagspause vorschreibt. Gönnt der Prinzipal seinen Arbeiterinnen nicht diese kurze Mittagspause, so hat er eine entsprechende Be- strafung zu gewärtigen. Erschossen hat sich am Dienstag Abend um 7Vs Uhr eine Dame, die zweifellos den„besten/ Kreisen" angehört. Als Spaziergänger im Thiergarten den Reitweg an der Hofjäger- Allee nahe dem Großen Stern betraten, fanden sie die Leiche einer etwa 30 Jahre alten Dame mit einem Schuß in der rechten Schläfe. Der Revo.lver, aus dem das Geschoß abgegeben war. lag neben der Tobten. Wegen zerrütteter Vermögensverhältnisse hat sich in der verwichenen Nacht der 40 Jahre alte Photograph Adolf Prenkler das Leben genommen. Er wurde gegen Mitternacht vor einem im vierten Stock belegenen Atelier an einem Gasarme hängend als Leiche vorgefunden. An» dem Wasser gezogen wurde Dienstag Nach- mittag gegen 4 Uhr die Leiche eines etwa 24 Jahre alten Mädchens an der Adalbertbrücke. Die Todte, die eine goldene Uhr mit Nickelkette bei sich trug, und deren Wäsche das Zeichen G. B. erkennen läßt, war mit einem grau und blau karrirten Kleide, braunem Plüschkragen und einer weißen Schürze mit rother Kante angelhan. Die Persönlichkeit ist nicht festzustellen gewesen. Für die Grabrede, die er am Grabe des durch Selbst- mord aus dem Leben geschiedenen Rechtsanwalts Moll in Un- kenntniß der beliebten Auslegung des Vereinsgesetzes gehalten, hat der Rechtsanwalt Wronker nunmehr von der Amtsanwalt- chast Berlin II ein Strafmandat in der Höhe von 20 M. er- mlten. Wronker will es aus richterliche Entscheidung ankomme» lassen. Fidele Gefangene. Einem hiesigen Blatte wird folgende amüsante Geschichte berichtet: Zu dem rings von hohen Mauern umgebenen Hänserkomplex eines Gefängnisses nahe bei Berlin gehören Stallung und Remise, sowie mehrere kleinere Räume, welche dem Kutscher, einem unverheirathelen, freien Manne, zur Wohnung dienen. Dem Letzteren werden nun seit Jahren zwei sogenannte„kurzzeitige" Gefangene beigegeben, welche ihn bei einen Arbeiten unterstützen müssen und zu diesem BeHufe in den Kutscher- Wohnungsräumen mit untergebracht sind. Diese Art Gefangene nennt man in der Gesängnißsprache die„Pferde- Kalfactoren". Als solche waren in letzter Zeit ein Berliner und ein Pole thätig. Beide verrichteten zur Zufriedenheit ihren Dienst und suchten sich auch mit ihrem nächsten„Vorgesetzten", dem Kutscher, möglichst ans guten Fuß zu stellen. Im Lause der Zeil jedoch sehnten ie sich nach Abwechselung, beschafften sich Srricke und ferrigten aus diesen eine Leiter an, um aus ihr des Nachts, ohne Vor- wissen des in einem Nebenraume schlafenden Kutschers, ins Freie zu gelangen. Sobald der auf dem Hose palrouillirende Militär- mosten sich von ihrem Jsolirhäuschen entfernt hatte, erkletterten ie die Gefängnißmauer, ließen die Leiter nach der Außenseite hinunter und gelangten so ins Freie. Die Strickleiter blieb hängen. Sie vergnügten sich einige Stunden mit Hilfe ein- geschmuggelte» Geldes in einer benachbarten Gastwirthschaft und lehrten auf demselben Wege in die Gefangenschast zurück' Das Drolligste dabei war, daß sich bei diesen Ausflügen der Berliner des langen Livree-RockeS des Kutschers bediente, während der Pole mit dessen Zylinderhut paradirte. Jüngst saßen die Beiden wieder einmal in einem Restaurations-Lokale und ver« gnüglen sich beim Würfelbecher, bis die späte Nachtstunde sie an das Nachhausegehen gemahnte. Als Beide nun von der frischen Luft umweht wurden, mußte der Berliner bald ertennen. daß Bruder Pole des Guten zu viel gethan hatte; denn der Boden unter seinen Füßen schien bedenklich zu schwanken, und von seinem ..Kommilitonen" mehr getragen als geführt, vermochte er die Strickleiter nicht zu erklimmen, klappte hier vielmehr völlig zu- sanimen. Alles Ziehen und Heben nützte nichts, und so brach der Morgen an. der bald �eldarbeiter an die„Unglücksstalte" führte. Diese alarmirten dw Militärwache, welche die„Aus- reißer" alsbald wieder auf Nummer Sicher brachten. Mit den nächtlichen Zechgelagen war es nun vorüber. Beide wurden von ihren, angenehmen Posten abgelöst und erhielten noch strenge Disziplinarstrafen. Polizeibericht. Am 20. d. M. Morgens wurde ein Kaufmann in seiner Wohnung in der Franzstraße erhängt vor- gefunden.— Vor dem Hause Leipzigerstr. 94 � fiel Mittags ein vierjähriger Knabe beim Absteigen von einem Pferdebahnwagen zur Erde, wurde durch eine vorüberkommende Droschke über- fahren und an den Füßen erheblich verletzt.— Nachmittags stürzte ein Monteur aus einem Fenster im ersten Stock des Hauses Franzöfischestr. SZs auf den Bürgersteig hinab und erlitt einen Schädelbruch.— Gegenüber dem Hause Engel-Ufcr 8 wurde im Luisenstädtischen Kanal die bereits stark ver- weste Leiche einer etwa 30 Jahre alten Frau ange- schwemmt.— Vor dem Grundstück Anklamerstr. 29 gericth ein dreijähriger Knabe unter die Räder eines Kohlenwagens und wurde an beiden Beinen schwer verletzt.— Gegen Abend wurde ein vierjähriger Knabe vor dem Hause Elisabethstr. 35 durch einen Geschästswagen überfahren. Er erlitt bedeutende Verletzungen an der Hüste und an der Hand und mußte nach dem Kranken- hause am Friedrichshain gebracht werden.— Im Thiergarten. in der Nähe des Großen Sterns, wurde Abends eine etwa 30 Jahre alte Frau mit einer Schußwunde in der Schläfe todt aufgefunden. Es liegt unzweifelhaft Selbstmord vor.— In der Nacht zum 21. d. M. wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Straußbergerstrabe erhängt vorgefunden.— Im Laufe des TageS fanden vier kleine Brände statt. Gevicltks-üeikuutj. Gewerbegericht. Hat der Akkordarbeiter einen rechtlichen Anspruch darauf, nach erfolgter Kündigung während des Ablaufs der Kündigungs- frisl solche und soviel Beschästigung vom Arbeitgeber zu ver- langen, daß er seinen bei voller Ausnutzung des Arbeitstages durchschnittlich erzielten Verdienst erreichen kann? Diese für Akkordarbeiter wichtige Frage wurde von der Kammer VIll(Vorsitzender: Assessor Fürst) an, 17. März folgendermaßen beantwortet: Der§ 134(Nr. 4) der Gewerbe- Orduung gebe jedem Gesellen imd Gewerbegehilfen das Recht, vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Auf- kündigung die Arbeit zu verlassen, wenn der Arbeitgeber bei Stücklohn nicht für ausreichende Beschäftigung sorgt. Eine andere Bestinnnung enthalte das Gesetz bezüglich der„nicht ausreichenden Beschästigung bei Stücklohn" nicht. sie sei also allein amvendbar. Der Kläger— ein Porzellaurnaler, der wegen nicht genügender Beschäftigung während der Kündigungsfrist von der Firma Koch u. Ranch 10 Mark Entschädigung verlangt— hätte im Moment, wo er seiner ungenügenden Beschäftigung inne wurde, die Arbeit niederlegen und für die noch übrigen Tage der vertragsmäßigen Zeit(bier der Kündigungsfrist) Lohn- cntschädigung fordern können. Die Nichtinanspruchnahme ge- uannter'Bestimmung der Gewerbe- Ordnung fei als Einver- ständniß mit der gebotenen Verdienstmöglichkeit zu betrachten. Deshalb müsse Kläger abgewiesen werden.£ Kammer II. Vorsitzender; Assessor v. Schulz. Sitzung vom 19. März. In einem Lohnentschädigungs-Prozeß des Filzschuh-ArbeiterS F. gegen den Filzschuh-Fabrikanten Struck handelte es sich in letzter Linie darum, festzustellen, ob der Beklagte gemäß seiner Behauptung den Kläger unter der Bedingung engagirt hatte, ihn so lange zu beschäftigen, wie Arbeit für ihn sei, und ob bei des letzteren Entlassung keine Arbeit mehr für denselben vorhanden war. In einem früheren Termin war dem Beklagten der Eid zugeschoben worden. Als er nun— er hatte etwa vierzehn Tage Bedenkzeit gehabt— schwören sollte, weigerte er sich dessen. Die Folge war seine Verurtheilung zur Zahlung von 36 M. Erbost deutelte er an dem Nrtheil u. a. ausrufend:„Hier werden Schrauben angesetzt!" Dafür mußte er aus sechs Stunden ins„Loch" wandern. Gegen den Besitzer deS Linde» Theaters, den Aktien- Banverem„Unter den Linden", wurde heute, am 21. März, iviederum in den Prozessen verhandelt, welche die Chormitglieder gegen ihn wegen kontraktwidriger Entlassung angestrengt haben. Von den vorgeladenen Zeugen bekundete der Bühnenportier Putz eidlich, er habe den Direktor Arendt an dem Sonntagabend (14. Januar) in dem Hofe zu den Chormitgliedern Schober und Wagner sagen bören, er werde sie der Bühnengenossenschaft au- zeigen, damit sie keine Stellung mehr erhalte». Arendt habe ihm, dem Zeugen dann die Weisung gegeben, keinen von den Chorsängern mehr in das Theater hereinzulassen, nnd, als an, nächsten Tage ein Theil der Sänger auf die Bühne hinaufgehen wollte, habe er. dieser Weisung entsprechend, ihnen den Eintritt verwehrt. Nach dieser gravirenden Aussagt verzichteten die Vertreter der beiden Parteien vorläufig auf weitere Beweisaufnahme. Ter Anwalt des Aktien-Bauvereins beabsichtigt nämlich nunmehr, seinen Mandanten für einen Vergleich oder ein Anerkenntniß der Forderung der Kläger zu gewinnen. Er rieth den Chorsängern, sich inzwischen wieder dem Linden-Theater zur Verfügung zu stellen; so werde sich die Sache am besten bei- legen lassen. Nach Ostern soll das Urtheil in diesen Sachen publizirt werden. Selbstmord«nd BernfSnnfall. Der Maurer Bernutz war am 4. April v. I. von einem Gerüst herabgefalle» und hatte sich hierbei eine Kniescheibe zerschlagen. Man brachte ihn nach feiner Wohnung, wo ihm seine Frau zuerst Umschläge mit Blei- lvasser machte. Als dann die Schmerzen größer wurden, ging die Frau zu einen, Arzt, um Hilfe für ihren Mann zu erbitten. Als Frau Bernutz nach ihrer Wohnung zurückkehrte, fand sie ihren Mann todt an der Thür hängend vor. Die Wittwe des Verstorbenen beantragte sodann bei der Nordöstlichen Bau- Sewerks-Berussgenossenschaft die Hinterbliebenen-Rente, da sich ihr chcmann infolge der großen Schmerzen, die er anläßlich des Unfalls erduldete, das Leben genommen habe. Lange Zeit sei er vor dem Unfall ohue Arbeit gewesen; kaum habe er Arbeit gefunden gehabt, fo sei das Unglück passirt. Schmerzen und Verzweiflung seien einzig durch den Unfall hervorgerufen worden und hätten dann den Selbstmord bewirkt. Die Berufs- genossenschast lehnte aber jede Entschädigung ab, da ein ursäch- licher Zusammenhang zwischen Tod und Unfall nicht vorhanden fei. Hiergegen legte die Wittwe Berufung beim Schiedsgericht in Berlin ein und bat. die Beklagte zur Rentenzahlung ver- urtheilen zu wollen. Indessen auch die Berufung der Klägerin war von Erfolg nicht begleitet. Gegen das abweisende Urtheil des Schiedsgerichts ergriff endlich die Wittwe Bernutz Rekurs an das Reichs- Verilchcrungsamt und bezeichnete die Vor- entscheidung als verfehlt. Das Reichs-VersichernngSamt erkannte aber am 12. d. M. auf Zurückweisung des Rekurses. da der Selbstmord des Verletzten auf den Unfall mit Wahrscheinlichkeit nicht zurückgeführt werden könne. Zur Handhabiiug der Soiiutagsrnhe hat das Kammer- geeicht eine prinzipielle Entscheidung gefällt. Der Besitzer einer Kunsteissabrik in Köln war wegen Vergehens gegen die Sonn- lagsruhe angeklagt worden, weil er an einen» Sonntag während der Gottesdienststiinden seinen Kutscher vorher bestelltes Eis hatte ausfahren lassen. Das Schöffengericht und die Strafkammer hatten auf eine Geldstrafe erkannt, wogegen der Beklagte aber mit dem Hinweise Revision einlegte, daß das Eis zu den Natur- Produkten gehöre, deren Verkauf auch dem Produzenten an den Sonntagen gestattet sei. Dementsprechend hat denn auch das Kammergericht auf Freisprechung erkannt, da das Ausfahren selbstgewonnenen Eises nicht unter den Begriff der Ausübung eines Handelsgewerbes falle. Durch feilhalten verdorbenen Fleisches sollt« sich der Schlächtermeister Erich E s ch w e, welcher gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I stand, eines Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz schuldig gemacht haben. Am 4. August vorigen Jahres holte der Arbeiter Seibert bei dem Angeschuldigten für 20 Pfg. Wurst. Bald nach dem Genüsse erkrankte er an auffälligen Erscheinungen, am 6. August verstarb er. Es wurde der Verdacht rege, daß der Tod des Seibert aus den Genuß der Wurst zurückzuführen sei und der Revier-Polizeilieutenant Brau» nahm daraufhin eine Revision unter den Maaren des Angeklagten vor. Er beanstandete nur einige eingepökelte Theile eines Schweines, welche sich in, Keller des Eschwe befanden. Die Gegenstände wurden beschlagnahmt und noch an demselben 'Abend nach dem Untersuchungsamt auf den, Zentral-Biehhof geschafft. wo sie am folgenden Tage von, Kreis- Thierarzl Maß- mann untersacht wurden. Derselbe begutachtete, daß die Fleisch- theile in Fäulniß übergegangen. und deshalb zur menschlichen Nahrung nicht geeignet seien. Inzwischen war die Leiche des Seibert obduzirt worden, die Mediziner erklärten, daß die frag- liche Wurst nicht die Todesursache gewesen sei. Es waren auch andere Kunden ermittelt worden, welche von demselben Schweine gekauft und das Fleisch genossen hatten. ohne darnach Beschwerden zu fühlen. Zu einer Anklage wegen fahr- lässiger Tödtung kam es demnach nicht, da aber der Thierarzt erklärte, daß das Fleisch schon verdorben gewesen sein müsse, als es vom Polizeilieutenant beschlagnahmt worden sei, so wurde gegen Eschwe nur obige Anklage erhoben. Der Angeklagte bestritt, daß das Fleisch damals schon verdorben gewesen sein kSnne, dieser Zustand habe sich erst nach der Be- schlagnahme entwickelt. Die Untersuchung habe ja erst 20 Stunden später stattgefunden. Dem Gutachten des Kreis-Thierarztes standen diejenigen des Medizinalraths Dr. Long und des vom Vertheidiger Rechtsanwalt Cassel geladenen Schlächtermeisters Koch gegenüber; beide erklärten, daß der Fäuluißprozeß während ivarrner Sommerzeit bisweilen überraschend schnell eintrete. Der Staatsanwalt ließ daher die 9ln> klage völlig fallen, er beantragte die Freisprechung, auf welche der Gerichtshof erkannte. Einen bemitleidenSwcrthen Eiudrntk machte eine ältliche Frau, welche gestern vor der dritten Strafkammer des Land- gerichts I als Zeugin aufzutreten hatte. Der 22 jährige junge Mensch, der sich auf der Anklagebank befand, war ihr Sohn. Sie halte drei erwachsene Söhne gehabt, als ihr Mann starb. Einer von ihnen wurde ihr durch den Tod genommen. Es war der beste, die beiden anderen taugten nichts. Sie lagen arbeits- unlustig der Mutter zur Last. Sie verivahrte ihre Ersparnisse und Werthsachen in einem verschlossenen Reisekorb. Als sie eines Tages nach mehrstündiger Abwesenheit nach Hause kam, waren ihre Söhne verschwunden. Da dies schon wieder- holt vorgekommen war, legte sie den. Umstände kein besonderes Gewicht bei. Nach zwei Tagen wollte sie dem Reise- korb etwas Geld entnehmen. Zu ihrem Schrecken entdeckte sie, daß die Hängsel, welche den Deckel mit der Hinterwand des Korbes verbanden, durchgeschnitten ivaren. Die Thäter hatten so den Korb geöffnet und Alles geraubt, was sich an Geld und Geldeswerth darin befunden hatte. Sie schätzte ihren Schaden auf etwa 700 M. Es konnte kein Zweifel darüber bestehen, daß ihre beiden Söhne die Thäter waren. Die Polizei ermittelte nur den einen, den Handlungsgehilfen Max Marcus, sein Bruder hatte mit dem Löwenantheil der Beule das Weite gesucht. Als Max Marcus festgenommen wurde, hatte er seinen Antheil bereits durchgebracht. Im Termine legte er ein offenes Geständniß ab. Ter Präsident wies die Zeugin darauf hin, daß es in ihrer Hand liege, ob der Angeklagte bestraft werden solle oder nicht. Wenn sie den Straf- antrag zurückziehe, müsse sie aber die Kosten tragen. Sie sah den anscheinend Reuigen prüfend an. Dann meinte sie. daß sie ihren Sohn wohl vor der Bestrafung bewahren möchte, aber Kosten nicht übernehmen könne, da sie eine ganz arme Frau sei. Ter Vorsitzende erwiderte ihr, daß sie die Erklärung abgeben müsse, die Kosten tragen zu wollen, ob das Gericht dieselben von ihr eintreiben könne, sei eine andere Frage. Wieder eine Pause des Besinnens, dann siegte die Mutlerliebe:„Sie wolle den Strasantrag zurückziehen und die Kosten übernehmen." Das Verfahren gegen den An- geklagten wußte eingestellt werden. Auf den, Flur wollte der Ungerathene seiner Mutter die Hand reichen, sie ging an ihm vorüber, als sähe sie ihn nicht. Wegen«vissentlich falscher Beschuldigung stand gestern der Tischlermeister Karl Sturm vor der achten Strasiammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war mit seinem früheren Vermiether, dem Eigenthürner Reinhardt, in«inen Streit ge- rathe», der sich soweit zuspitzte, daß der letztere eine Beleidigungs- klage gegen ihn anstrengte. Aus Rache machte Sturm bei dem Polizeiprästdiun« eine Anzeige, worin er Reinhardt der Beamten- bestechung und den Wachtmeister Weinkauf von,«0. Polizeirevier der Bestechung wie folgt bezichtigte: Als er noch bei Reinhardt gewohnt habe, habe derselbe in seiner, Sturm's, Werkstatt eine bauliche Veränderung vornehmen lassen wollen. Die Bauzeichnung sei ihm wegen eines Mangels zurückgegeben worden. Bei dieser Gelegenheit habe Rein- Hardt gesagt, er werde die Sache schon dadurch beschleunigen, daß er den, Wachtmeister Weinkauf einig« Mark in die Hand stecke. Dies sei auch geschehen, worauf die bauliche Veränderung m der beanstandeten mangelhaften Weise ausgeführt und von der Polizei abgenommen sei. Der Gerichtshof hielt durch die Beweisaufnahme den Inhalt dieser Anzeige für völlig aus der Luft gegriffen. Der Wachtmeister Weinkauf war gar nicht in der Lage gewesen, irgend etwas für Reinhardt nach der an« gedeuteten Richtung hin zu thun. Bei der Niedrigkeit der Ge- sinnung. die durch eine derartige Anzeige gekennzeichnet werde, sei eine empsindliche Strafe am Platze und diese auf drei Monate Gefängniß bemessen worden. Bon der Börse. Vor dem Kammergericht wurde in der Berufungsinstanz kürzlich ein Prozeß verhandelt, in welchem es sich um Ansprüche eines hiesigen Bankiers gegen einen seiner Kunden aus Börsengeschäften handelte. Letzterer verweigerte die Zahlung, indem er unter Beweis stellte, daß er nur durch die Behauptung des Bankiers, daß derselbe Informationen aus dem Ministerium habe, daß also die Spekulationen einen sicheren(!!) Erfolg in Aussicht stellen, zu den betreffenden Börseiiengagemenls veranlaßt worden sei. Das Kaniinergericht hat hierauf ein- gehende Beweisaufnahme darüber angeordnet. Entscheidungen dcS ReichSgerichtS. In Beziehung auf die Bestinnnung des 8 21 Abs. 2 des Reichs-Preßgesetzes, wonach die Bestrafung wegen fahrlässigen Preßdelikts für den Redakteur, Verleger, Drucker, Verbreiter ausgeschlossen bleibt. wenn er den Verfasser oder den Einsender bezw. seinen Vor- mann nachweist, der in dem Bereich der richterlichen Ge- walt eines deutschen Bundesstaats sich befindet,— hat das Reichsgericht, II. Strafsenat, durch Urtheil vom 13. Oktober 1893 ausgesprochen, daß dem Nachweis eines Vormanns durch den Nachmann der Fall gleichsteht, wenn der Vormann der Strafversolgungsbehörde auf anderem Wege b e k a n n t geworden, daß serner der dedachte Nachweis nicht ein gegen den Nachmann schwebendesBerfahrenzur Voraussetzung zu haben braucht, und daß ebenso wenig die den Nachweis ersetzende Kenntniß der Behörde in einem solchen Ver- fahren erlangt zu werden braucht. Hat sich ein Handlungsgehilfe(Handlungsdiener oder Handlungslehrling) einer erheblichen Ehrverletzung gegen seinen Prinzipal schuldig gemacht, so ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Zivilsenats vom 3. Dezember 1893, der Prinzipal zur Entlassung des Gehilfen nicht berechtigt, wenn dieser durch eine Beschimpfung seines Vaters, seitens des Prinzipals, sich zu der ungebührlichen Aeußerung gegen den Prinzipal hatte hinreißen lassen. 'Der öffentliche Vorwurf der Unterschlagung, ver- Kunden mit der Androhung strafrechtlicher Verfolgung, enthält eine schwere Ehrenkränkung, welche die sofortige Eni- lafsung des Handlungsgehilfen ans dem Geschäft ohne Entschädigung rechtfertigt. Urtheil des Reichsgerichts vom 22. Oktober 1392. Hat sich ein Handlungsgehilfe für den Fall, daß er vor Ablauf einer gewissen Zeit aus dem Geschäft austreten sollte, einer Konvention al st rase unterworfen, so ist diese dann nicht verfallen, wenn er entlassen wurde, weil er die Ge- schäftsstunden nicht pünktlich einhielt, wohl aber, wenn er durch fein Verhalten arglistig oder grobfahrlässig den Prinzipal nöthigle, seine Entlassung auszusprechen. Urtheil des Reichsgerichts vom 23. November 1892. VevlacmmUmgen: Der sozialdemokratische Wahlverei» für de» 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis tagte am 20. März im Konzert- Haus Sanssouci. Paul Jahn besprach„Die Arbeiterbewegung in Frankreich". Stach dein Vortrage, an den sich eine Diskussion nicht anschloß, wurden Rasche, B u ch h o l z und G r ö p l e r zu Revisoren gewählt. Wie Menzel bemerkte, ist dem Drucker der Billets zum Stiftungsfest ein Jrrthum unterlaufen, aus welchen hiermit alle Genossen aufmerksam gemacht werden. Das Stiftungsfest findet nicht, wie es auf den Billets heißt, am Sonntag, fondern am Sonnabend, den 14. April in den An- dreas-Gesellschastssälen statt. Beschlossen wurde, in Zukunft die Versammlungen des Wahlvereins präzis 9 Uhr zu eröffnen. H o f st ä d t machte die Versammelten auf einen Artikel in der Abendnummer des„Berliner Lokal-Anzeigers" vom 19. März aufmerksam, worin den Lesern dieses„Sensationsblattes" erzählt wird, daß die Polizei am Sonntag viele Mühe hatte, am Friedhof der Märzgefallenen die Ruhe und Ordnung auf- recht zu erhalten. Das se,. gelinde gesagt, eine grobe Unwahr- heil; den vernünftigen Anordnungen der Beamte» wurde von jedem Besucher des Friedrichshains bereitwilligst Folge geleistet. Schulz gab im Anschluß hieran bekannt, daß am Mittwoch, den 28. d. M. Abends ein Flugblatt zur Ausgabe gelangt, für dessen Verbreitung mitzuwirken sich jeder Genosse zur Pflicht anrechnen müsse. Dr. H e y m a n n fand gleichfalls die geringe Betheiligung namentlich der jüngeren Genossen bei Ver- breitung des letzten Flugblattes bedauerlich und hofft, daß Jeder diese Gelegenheit benützen werde, die Scharte auszuwetzen. Die Ausgabeftellen werden noch rechtzeitig im„Vorwärts" bekannt gemacht. Da auf dem letzten Flugblatt zur Propaganda für den Wahlverein die Angaben der Beitragsarnmel- resv. Aiifnahrne- stellen des Vereins ungenau waren und daraus MißHelligkeiten entstanden sind, so regten Karl Scholz und G r ö p l« r eine nochmalige Veröffentlichung an. Die Zahlstellen des Vereins sind: a) für den S ü d o st e n: F r. Z u b e i l, Restauration, Naunynstr. 36; K. S ch o l z, Glaser- Meister, Wrangclstr. 32; W. G e s ch e. Zigarrenhändler, Wrangel-; straße 63; Spin dl er. Restaurateur, Reichenbergerstraße 113. Fürstenau, Restaurateur, Manleusselstr. 58; Schilling Restaurateur, Pücklerstr. 55; Tolksdorf, Restaurateur, Gör- litzerstr. 53 und G. Schulz. Zigarrenhändler, Admiralstr. 40c (Kotlbuser-Platz). b. für den Osten: Lock. Restaurateur. triedrichsbergerstraße II; Zabel, Restaurateur, Frankfurter llee 90; E. Böhl, Restaurateur. Frankfurter Allee 74; U n g e r i n g, Restaurateur, Breslauerstr. 27- Spieckern, an». Restaurateur, Markusstr. 6; Rattke, Restaurateur, Kraul- straße 48; H. G u m p e l, Zigarrenhändler, Barnimstr. 42 und Krause. Restaurateur, Landsberger Allee 152. Der sozialdemokratische Wahlverein für de« sechsten Berliner Reichötags-WahlkreiS hatte am 20. d. Mts. in Wcimann's Volksgarten(Gesundbrunnen) eine Versammlung«in- berufen. Nachdem das Andenken an das verstorbene Vereins- Mitglied Georg K ü st e r in üblicher Weise geehrt worden war, hielt Genosse T h. Glocke einen allseitig zustimmend aufge- nommeneii Vortrag. Ohne Diskussion ging die Versammlung sodann zun, Punkte„Vereinsangelegenheitcn" über. Wie der Vorsitzende mittheilte, ist auf die Beschwerde betreffend die er- folgte Auflösung der Versammlung an, 6. d. Mts. vom Polizei- Präsidenten die Anwort eingegangen, daß derselbe die Auflösung nicht für gerechtfertigt anerkennen könne und den betreffenden Beamten unt der nölhigen Weisung versehen habe. Auch wurde mitgetheilt, daß an den Ostertaaen eine Flugblattvertheilung stattfindet, bei der die regste Betheiligung von seilen der Genossen erwartet werde. Zu„Verschiedenem" wurden über die Genossen- fchastsbäckerei und die von Frau Gubela betreffs ihrer in öffent- licher Versammlung über den Genossen Hermerschmidt gemachten Miltheilungen Klage geführt und letztere als unwahr bezeichnet. Die Freie Bereinigung der selbständige« Barbiere und Friseure hielt am 19. März eine Versammlung ab. Vor Eintritt in die Verhandlung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Frau Kuhn durch Erheben von den Plätzen. Das Referat über den Nutzen der Gewerlschafts- Organisation hatte Kollege Kiesel übernommen. Redner ent» lediate sich seiner Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit der Versammlung. Sodann wurde beschlossen, die Geschäfte um 3 Uhr zu schließen und werden die Versammlungen von, 1. April bis 1. Oktober des Abends um 9 Uhr einberufen. Am 1. Mai soll den Gehilsen und Lehrlingen der ganze Tag frei- gegeben werden. Die Maifeier findet im Bereinslokal bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44, statt. Die Miffstäude bei der Firma Stock«. Co. war das Thema einer öffentlichen Metallarbeiter-Versamin- l u n g, welche am 20. d. M. im Lokalt„Südost", Waldemar- straße, tagt«. Ursprünglich war dieselbe als eine nicht öffentliche Fabrikversammlung geplant; da erschien vor einigen Tagen ein Anschlag am schwarzen Brett der Fabrik, des Inhalts, daß jeder Theilnehmer dieser Versammlung mit sofortiger Entlassung„be- straft" werde. Als die Direktion nun in Erfahrung brachte, daß die Versammlung trotzdem, und zwar als„öffentliche" tage» würde, kam am folgenden Tage ein neuer Anschlag, in dem die Drohung mit der Entlassung zurückgenommen)! wurde, da man „selbstverständlich" gegen eine derartige Versammlung nichts ein- wenden könne!— Mechaniker Neumann, der längere Zeit dort beschäftigt war, reserirte und betonte eingangs seiner Rede, daß dieser Legende, als seien die Lohnverhältniffe bei der ge- nannten Finna besonders gute, energisch entgegengetreten werden müsse. Gerade in letzter Zeit sind Abzüge, und zwar theilweise bis zur Höhe von 50 pCt., gemacht. Wenn man bedenke. mit welcher Jntensivilät dort gearbeitet werde und in betracht ziehe, daß die gezahlten Löhne ja keineswegs in regulärer Arbeitszeit, sondern mit Zuhilfenahme diverser Ueberstunden verdient werden, so könne mit vollem Recht von einer Lohndrückerei bei dieser Firma gesprochen werden. Als im Jahre 1890 die Mechaniker die Einführung des Nenn- stundentages durchsetzten, war die Stock'sche Fabrik unter den 73 Firmen, die diese Forderung bewilligten. Heute betrage die „reguläre" Arbeitszeit 11—12 Stunden; der Zuschlag für Ueber- stunden sei ebenfalls fortgefallen. „Nach berühmtem Muster" habe die Firma eine Prämie ein» -die Die Ortsverwaltung des deutschen Holzarbeiter Verbandes. ( Bahlstelle Berlin.) Metallarbeiter! Der Vertrauensmann R. Wegner, Dranienstraße 23a. Achtung, Drechsler! Schreiende Zahlen. In den 51 zum Geschäftsbereich des preußischen Ministeriums des Innern gehörenden Straf- und Gefangenenanstalten betrug die Zahl der Gefangenen im Jahre 1892/98 74 719 gegen 71 231 im Jahre 1891/92.& 3 bat also eine Zunahme um 3488 od 4,9 pCt. stattgefunden. Die Zunahme der Verbrechen aber ist ein untrügliches Zeichen des wirthschaftlichen und sozialen Niedergangs der Gesellschaft. der preußischen Staatseisenbahnen ist Gegenstand der UnterDie Einführung der Sonntagsruhe im Güterverkehr suchung einer Kommission gewesen, die infolge eines minifteriellen Grlaffes vom 8. Dezember 1891 zusammengetreten war. Rommission begann ihre Thätigkeit im Februar 1892 und stellte, wie der Reichs- Anzeiger" meldet, in der Zeit bis zum April 1893 in allen Eisenbahn- Direktionsbezirken unter Zuziehung von Vertretern der betheiligten Verwaltungsbehörden die erforderlichen örtlichen Untersuchungen an. Das Ergebniß ihrer Arbeiten wurde in einem an den Ressort- Minister gerichteten Bericht vom 31. Mai 1893 niedergelegt. geführt, d. b. für eine gewisse Arbeit( Telephonspinden) wird pro| Fertigstellung ihrer angefangenen Affordarbeiten die Arbeit nieder- wirth hin und wieder sein ganzes 2otal für einen Abend Stück 20 Pf. Zuschlag gezahlt, wenn der betreffende Arbeiter mit zulegen, weil ihnen trotz der ohnehin schon niedrigen Preise noch oder Tag an eine gefchloffene Gesellschaft, insbesondere an Anspannung aller Kräfte 25 Stück pro Woche fertig stellt. Als weitere Lohnabzüge gemacht wurden. Außerdem herrscht außer Sozialdemokraten, vermiethet. nothwendiges Korrelat seien die Verbote anzusehen, in denen sich ordentliche Unzufriedenheit über die vorhandene Fabrikordnung die ganze Humanität der Firma widerspiegelt. Trinken( sogar und die unpünktlichen Auszahlungen der Restlöhne. Wir bitten während der Ueberstunden), Singen, Pfeifen, Sprechen, alles die Kollegen, bis zur Beilegung der Differenz dies zu berückdieses darf nicht sein. Damit die Arbeiter fich nicht irritiren, fichtigen. giebt es nur eine Strafe" Entlassung. Der Redner erwähnt einen Fall, wo ein Arbeiter wegen Krankheit einen Tag fehlend, entlassen wurde; Grund: Bummelei. In den Ulafen, welche am schwarzen Brett erschienen, sei hingewiesen, daß Beschwerden irgend welcher Art im Komtor anKollegen und Kolleginnen! Am 3. Dfterfeiertag, Vormittags zubringen seien. Was diese Versicherung für praktische Be 10 Uhr, findet in den Arminhallen eine große öffentliche Metalldeutung habe, gehe daraus hervor, daß man gedroht habe, falls arbeiter- Bersammlung statt. Da der Bericht und Abrechnung der die Arbeiter sich nicht willfährig zeigten, die Fabrit auf drei Bertrauensmänner, desgl. Bericht der Gewerkschafts- Kommission Monate zu schließen. Zeigen Sie, so schließt der Redner, daß und Gewerbegericht auf der Tagesordnung fieht, so mache es die Arbeiter ihre Menschenwürde nicht mit Füßen treten lassen, jeder von den Kollegen sich zur Pflicht, in dieser Versammlung zu organisiren Sie sich!( Lebhafter Beifall.) In der Diskussion pflichteten die Redner dem Referenten in allen Punkten bei. erscheinen.( Näheres durch Annonce.) Troh wiederholter Aufforderung nahm feiner der anwesenden Meister das Wort zur Entgegnung. Nät her frilifirte unter Iautem Beifall die Heuchelei der Unternehmerschaft, die angeblich, um den Arbeiter tugendhaft zu erhalten, ihm recht wenig Lohn, aber desto mehr Strafbestimmungen zudiktirt, und appellirt an das Ehrgefühl der Meister, doch entweder hier ihrer gegen theiligen Meinung Ausdruck zu geben, oder, falls sie mit dem Gehörten einverstanden, dementsprechend zu handeln, d. h. die Arbeiter tünftig als gleichberechtigte Menschen anzusehen. Die Versammlung gab folgender Resolution ihre Zustimmung: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Sie fordert von der Firma eine anständige, menschenwürdige Be Bum Schneiderftreif. Gegen 20 Stuttgarter Gehandlung aller Arbeiter, Beseitigung aller Ueberstunden event. schäfte haben die Forderungen der streitenden Schneider bewilligt, dafür einen Zuschlag von 25 pet. und Einführung der neun barunter einige große Firmen. Die Unternehmer batten ein stündigen Arbeitszeit für die gesammte Fabrik. Die Versammelten verpflichten sich fämmtlich dem Verbande aller in der Metallfe die Lage der Schneidergesellen als ziemlich rosig hingestellt verpflichten sich sämmtlich dem Verbande aller in der Metall. Flugblatt an die Stuttgarter Bevölkerung erlaffen, in dem industrie beschäftigten Arbeiter Berlins beizutreten, um so den hatten. In einer Volksversammlung wurden die im Flugblatt Anmaßungen des Rapitals zu begegnen." Mit dem Hinweis auf die am 8. Dfterfeiertag stattfindende große öffentliche Metall- gewiesen. Eine unwahrheit sei es, wenn die Unternehmer bie am 3. Osterfeiertag stattfindende große öffentliche Metall- aufgestellten Behauptungen seitens der Streikenden zurück arbeiterversammlung wurde die Versammlung geschlossen. ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 12-1300 M. aus Druckfehlerberichtigung. Genoffe Hoffmann- Pankow er nicht felten 1700-1800 m. verdiene. Wo dies scheinbar zutreffe, rechnen. Im Flugblatt war ferner behauptet, daß ein Rockmacher sucht uns um den Abdruck folgender Beilen: In meiner in der Mittwochsnummer Ihres Blattes abge- wei, da fönne man in der Regel finden, daß sich dieser Verdienst auf bruckten Berichtigung ist statt des Wortes Schriftstehler" wei, ja felbft auf drei Arbeitskräfte vertheile. Ge sei also die sparnisfe entstehen. gerügte Bezeichnung:" Hungerlöhne" in jeder Hinsicht aufrecht zu Echriftsteller gesetzt worden. Der betreffende Satz muß also nach Beseitigung dieses Druckerhalten. Auch die lange Arbeitszeit( 12-14 Stunden) und die fehlers heißen: r B Ich habe mich noch nicht als Schriftftehler" versucht. Abends 8 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerftr. 45: Große Bersammlung. Gasarbeiter Berlins und urgegend. Donnerstag, den 22. März, Zagesordnung: 1, Bortrag. 2. Stellungnahme zur Feier des 1. Mai. Arbeiter- Radfahrerverein Berlin. Bersammlung bet Genossen Witte, Andreasstr. 26, Restaurant sur Gleichhett, Abends 8% Uhr. Soziale Uebersicht. Rigdorf. An die Sattler! Wohl allen unseren Berufsgenossen sind die traurigen Verhältnisse in unserem Berufe bekannt. Durch die Hausarbeit und das Akkordsystem sind die Preise von Jahr zu Jahr heruntergedrückt und fortwährend suchen die Unternehmer die Arbeit billiger zu bekommen, so daß es einem ehrlichen Arbeiter faum noch möglich ist, bei der denkbar längsten Arbeitszeit für einen genügenden Unterhalt seiner Familie zu sorgen. Kollegen! Wir richten deshalb die ernste Mahnung an Euch: Organisirt Euch! Tretet dem Verbande der Sattler und Tapezirer bei, der am Schlusse des vorigen Jahres in Riydorf eine Verwaltungsstelle gegründet hat und erscheint zahlreich in der am Sonnabend, den 24. b. M., Abends 8/2 Uhr bei Blau, Prinz Handjerystr. 51, stattfindenden öffentlichen Sattler- Versammlung, in der Genosse Rezerau einen Vortrag über die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung halten wird. Beitrittserklärungen tönnen ebendaselbst erfolgen. Der Bevollmächtigte. Die Kollegen in den Wiener Stodfabriten von Joseph 2. Poppe und Isedor Leibewitz liegen im Streit. 3 wird von einem Herrn Weinberger versucht, hier Streitbrecher für die genannten Firmen anzuwerben. Wir warnen hiermit jeden Drechsler und bitten den Zuzug fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiter Verbandes. ( Bahlstelle Berlin.) schlechten Wohnungsverhältnisse wurden einer scharfen Kritif unterzogen. Von der Versammlung wurde die Berechtigung des Streite anerkannt und den Ausständischen Unterstüßung nach guten Geist beseelt find, so ist auf baldigen Sieg zu hoffen. jeder Richtung hin zugesagt. Da die Streifenden selbst von einem von Zur Schneiderbewegung in Mainz wird uns von dort geschrieben: Nachdem in einer in voriger Woche ftattgehabten öffentlichen Schneiderversammlung beschlossen worden wvar einer allgemeinen Lohn regulirung in diesem Frühjahr abzusehen, es dagegen den Arbeitern der einzelnen Firmen zu überlassen, für sich allein die Lohnbesserung herbeizuführen, haben die Gehilfen der drei ersten Verger, Gollani u. Ro. ihre Bemühungen fortgefeßt und wurde hiesigen Maaßgeschäfte, Max Oppenheimer, Jacob Münz und beute der von den Gehilfen vorgelegte Tarif, der eine Lohnerhöhung von 10 pet. in sich birgt, afzeptirt. Die Lohnkommission wurde heute in öffentlicher Schneiderversammlung beauftragt, mit den anderen Firmen resp. den Arbeitern in Konner zu bleiben. Die Subventionen für industrielle und gewerbliche Berufsbildung hat die Schweiz im verflossenen Jahre 447 526 Grants ausgegeben. Die erstmalige Subvention im Jahre 1884 hatte 42 609 Franks betragen; in dem Dezennium wurden für diesen Zweck insgesammt 2776 188 Franks ausgegeben. Eine recht bescheidene Summe zwar, im Verhältniß aber doch bedeutend mehr, als der Kulturstaat" Deutschland dafür ausgiebt. Ein Arbeitergesangsfeft für die norddeutschen Arbeiter Gesangvereine fell am 27. Mai in Bremen abgehalten werden. Der Streik der Weber der Naundorf'schen Fa- Buschriften und Anfragen sind zu richten an das:" Sängerbrit in Großenhain dauert unverändert fort. Alle anderen Komitee Bremen pr. Adr. H. Debuffon, Sägestr. 27. Nachrichten find falsch. Da der Kampf ein sehr hartnädiger. wird, ersuchen wir die Kollegen 3uzug ftreng fern halten, sowie die Streifenden nach Kräften zu unterstüßen. Sendungen find an Fr. Geyer, Bigarrengeschäft Großenhain Meißnerstr., zu richten. Der Vorstand des Verbandes deutscher Zertilarbeiter und Arbeiterinnen. C. Hübsch, Vorsitzender. Urtheil des Ober- Verwaltungsgerichts, dritter Senat, vom Eine Entziehung der Schankkonzession kann, nach einem in vor der Ertheilung der Schanttonzession geschehen waren. 23. Oktober 1893 nicht auf Thatsachen gestützt werden, welche DEAuch genügt nicht ohne weiteres eine einmalige Uebertretung der Polizeistunde für ganz kurze Zeit oder eine einmalige Duldung verbotenen Spiels unter Umständen, die das Verhalten des Wirths als ein verzeihliches erscheinen lassen, zur Stonzession entziehung. Ebenso wenig läßt sich die Ent ziehung einer Scharffonzession amit begründen, daß der Schant Achtung Tischler! Die Kollegen der Bautischlerei von G. Gring früher Gring u. Krause Lübeckerstr. 27, beabsichtigen nach Bekanntmachung. Hiermit erlaube ich mir, allen Kollegen und Genossen anzuzeigen, daß ich das Restaurant von Fr. Kuhlmen, Schönhauser- Allee 28, übernommen habe. Gleichzeitig empfehle 2 Vereinszimmer mit Klavier, welche noch einige Tage der Woche zu vergeben sind; sowie neu renovirte Regelbahn. 2485b Achtungsvoll Fr. Kelle, Gastwirth. Ausverkauf. Spott Kinderwagen billig. Rurze Zeit. Wallstraße 20, Hof Roh- Tabak Detail- Verkauf Köpnickerstr. 45. 24816 Roh- Tabak A. Goldschmidt, 44851 am hiesigen Plage wie bekannt grösste Auswahl! Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. Nohtabate find am Lager. A. Goldschmidt, Oranienburgerstr. 2. Steppdecken Die in den einzelnen Verwaltungsbezirken vorgenommenen Erhebungen haben hiernach das überraschende Ergebniß gehabt, auf den einzelnen Bahnlinien die Durchführung der vollen Sonntagsruhe im Güterverkehr, abgesehen von vereinzelten Ausnahmefällen feinen nennenswerthen Schwierigkeiten begegnen würde und mit verhältnißmäßig nur geringen Kosten verbunden wäre. Allerdings sind dazu fast überall mehr oder weniger umfaffende Verschiebungen des Lokomotiv- und Zugpersonals, sowie Umstationirungen und theilweise auch Neuanschaffungen von Lokomotiven nöthig; auch müssen an verschiedenen Stellen die während der Ruhezeiten eine Erweiterung erfahren. Indessen Bahnanlagen zum Zweck der Unterbringung der Güterzüge erfordern alle diese Maßnahmen nach den Berechnungen der Aufwendungen immer nur den Betrag von 1848 192 M. Auch Kommission im ganzen Staatbahnbereich an einmaligen die dauernden( jährlichen) Ausgaben wären verhältnißmäßig würden fie 849 688 m. betragen. gering; nach der von der Kommiffion aufgestellten Berechnung Diefen einmaligen wie dauernden Kosten gegenüber würden aber 4 132 522. ErSpredilaal. Die Rebattion ftellt die Benußung des Spreciaals, soweit Der Raum dafü abzugeben ist, bem Bublikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Intereffes zur Verfügung; sie wahrt fich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt befjelben identifizirt zu werden. Auf die Erklärung des Vorstandes der ethischen Gesellschaft haben wir zu erklären, daß der alte Vorstand der„ Ethischen Gesellschaft" feiner Beit die Zustimmung für die Betheiligung an dem Vergnügen des Gesangvereins Vorwärts" ertheilt hat. Wenn der jetzige Vorstand davon nichts weiß, so ist das nicht unsere Schuld. Von einer groben Täuschung kann also keine Rede sein. " J. A.: A. Kreie. Briefkaften der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. S. 20,-. Stuckarbeiter von Goldbach 3,-. Freier DiskutirArbeiter Bildungsschule. Eingegangene Geschenke: Direktor flub 6,-. Vereinigung aller in der chirurg. Branche beschäft. Berufsgenossen 10,6. Wahlverein 100,-. Versammlungsüberschüsse: Ost- Schule 10,-. Boltsvers. Germaniajäle 68,25. Südoft- Schule 16,80. Dit- Schule 11,-. Nord- Schule 20,79. Oft= Schule 12,40. Nord Schule 23,10. Voltsverf. bei Joel 21,50. Voltsversammlung Germaniasäle 20,- Nord- Schule 10,30. Jahresbeiträge: Dr. M. G. 5,-. J. R. 8,- 2. G. 10,-. Dr. Badek 10,-. Paul Herrmann 3,- W. Lehmann 3,-. . H. 100,-. Dr. 2. 3,-. Summa 489,64. Besten Dant. Berlin, 21. März 1894. H. Königs, Kassirer, Dieffenbachstr. 80. Recht. Gruß. 8. 2. und Frau A. D. Wir sind überzeugt; Sie haben heirathet haben, so hastet das Vermögen Ihrer Frau für Ihre M. W. Da Sie im Bereich der Gütergemeinschaft gebisherigen Schulden. Sie können die Gütergemeinschaft auch jetzt noch ausschließen, doch wird Ihre Frau dadurch nur die Haftung für zukünftige Schulden des Mannes los. A. B. 1000. Ihr Sohn kann, da er noch minderjährig ist, zurückgewiesen werden. Sie können jede über 21 Jahr alte Person bevollmächtigen. 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( früher) Mai- Feier 1894. Wie in der Bekanntmachung des Partei- Vorstandes den Genossen angekündigt, erscheint auch dieses Jahr in unserem Verlage ein Illustrirtes Nai- Heftblatt Format und äußere Ausstattung werden den letztjährigen entsprechen: 8 Seiten Groß- Quarkformat. Auf den textlichen Inhalt in Poesie und Prosa haben wir die größte Sorgfalt verwendet. Aus dem Gebiete der Poesie sind vertreten Rudolf Lavant mit einem formenschönen und gedankentiefen Leitgedicht; und Karl Henckell hat nach der Melodie:„ Es braust ein Ruf wie Donnerhall" ein Volkslied vom ersten Mai gedichtet, das in seinen wohlflingenden Versen am 1. Mai aus dem Munde von Hunderttausenden deutscher Arbeiter ins Land flingen wird. Aus der Feder der besten unserer Partei- Schriftsteller haben wir über die verschiedensten mit der Maifeier zusammenhängenden Gebiete ernste, belehrende Auffäße, wie im Plaudertone des Feuilletons geschriebene Artikel erhalten, von den 3llustrationen aber dürfen wir sagen, daß sie die früheren Nummern an Schönheit übertreffen. Durch frühzeitigen Beginn des Druces haben wir auch Sorge getragen, daß die von Heinrich Scheu's Meisterhand geschnittenen Bilder tadellos sich repräsentiren. Das Titelbild, von Friz Gehrke künstlerisch vollendet und gezeichnet, versinnbildlicht in drei prächtigen, der Arbeiterwelt und der Welt der Arbeit entnommenen Charakterfiguren den Gedanken der Aufforderung zur Maifeier: ,, Wir woll'n die Menschheit fret, 99 " Teucht' uns v Weltenmai! ,, Herbei, herbei! Berbrecht, zerbrecht die Tyrannet" Das Vollbild, über die 4. und 5. Seite gehend, entstammt der Hand desselben Künstlers, der im Maifestblatt 1892 die mit so großem Beifall aufgenommene und in Hunderten von lebenden Bildern wiedergegebene Huldigungsgruppe gezeichnet hat. Aus der Bastille der Lohnfklaverei strömt die internationale Arbeiterschaft, in den einzelnen Bölfertypen meisterhaft verkörpert, siegesbewußt zum Weltmaifest; im Hintergrunde sehen wir die Göttin der Freiheit den Zeiger auf der Weltuhr der zwölften Stunde näher rücken, die den Sieg des Sozialismus verkündet: ein Mahnungszeichen an die herrschende Klasse, noch in zwölfter Stunde den Forderungen zu entsprechen, für welche das internationale Proletariat am 1. Mai demonstrirt. Wir glauben also sagen zu dürfen, daß das Mai- Fenblatt 1894 für jeden Arbeiter ein Erinnerungsblatt von dauerndem Werthe sein wird. Um die Auflage des Festblattes rechtzeitig feststellen und die Besteller rechtzeitig in den Besitz der Maifest- Blätter setzen zu können, bitten wir die Genossen, uns ihre Bestellungen bis Ipäteffens 28. März zukommen lassen zu wollen. Wir beginnen mit der Versendung am 9. April. Später einlaufende Bestellungen können unsererseits nicht mehr mit der Garantie pünktlicher Lieferung aufgenommen werden, während jede bis zum 28. März 1894 + eingegangene Bestellung spätestens am 24. April in den Händen der Besteller sein wird. Der Preis stellt sich wie in den letzten Jahren für das Einzel- Exemplar auf 10 Pfg. im Verkauf; in Partien zu 5 Pfg. netto. Porto zu Lasten des Bestellers. Wir ersuchen die Parteigenossen und insbesondere die Vertrauensleute der Partei, für die Verbreitung des Mai- Festblattes recht thätig zu sein und sehen zahlreichen Aufträgen baldigst entgegen. Buchhandlung des„ Vorwärts" Berlin SW., Beuth- Straße 2. Kinderwagen, größte Auswahl, auch Theilzahlung. 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