Ar.!81.- 33. Jahrg. flDonncmentS'Bedingungen: Rtonnemenlä• Vreis pränumermid«! Lierl-Ijährl. 3£0 Mk> momttL 1,10 MZ, wöchenilich 25 Pfz. frei inZ Haug. Einzelne Nummer 5 Vfg, Sonnlngg- Nummer mil illustrierisr Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 P�g. Bost» Abonnement: 1.10 Mari vre Monat. Eingerragen in die Bost- ZeitungS- Vrei-lifls. Unter Kreuzband für Teutfckland und Oesterreich- Ungarn LL0 Mari, für da- übrige Ausland « Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. kutnaniea. Schweden und die Schweis. vlchiwt täglich. Berliner Bolksblnlk. ( S Pfennig) Dk Inkrtions- Gebühr betrügt für die sechsgespallene Kolonel. xeile oder deren Raum W Psg.. für politische und gewcrlschaftliche Vereins- und Versnmmlungs-Anzeigen M Psg. „Kleine Anreizen", da- fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg Stellengesuche und Schlasstellenan- «elgen das erste Wort 10 Psg.. jedes wertere Wort 5 Pfg. Worte über ISBuch- f wen zählen für zwei Borte. Jnferaie r die nächste Nummer mügen bis Uhr nachmittags in der Expedition tidgegeben werden. Die Exvcdirioil ijt bis 7 Uhr abend- geöffnet, Telegramm-Adresse: „ScziiUddDOkHt Eiriiu", Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Reöaktion: EW. HS, Linöenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplai,. Str. ISI SV— 131 37. Sonnabend, den B, Juli 1913. «Expedition: SM. öS, Linöenstraße 2. Fernsprecher: Amt Morippla«, Nr. 131 SV— 131 37. verfolgungskSmpfe sv Aeichlel und Kug. Mneg des SioSen SlWlWlNs. Amtlich. G r o ft e s Hauptquartier, de« 2. Juli 1315.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Eiu«ächtlicher Angriff auf unsere Stellungeu West» lich tum Souch ez wurde abgewiesen. Im We st teil der Argonncn hatten Teile der Armee seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen einen schönen Erfolg. Die feindlichen Gräben und Stützpunkte nordwestlich von Four de Paris wurden in einer Breite von 3 Kilometer und einer Tiefe von 2>K) b i s 333 Meter von württcmbergischcn und reichs- ländischen Truppen e r st ü r m t. Die Beute beträgt: 25 Offiziere, 1713 Mann gefangen, 18 Ma» schinengewehre, 43 Mincnwerfer, eine Revolverkanoue erbeutet. Die Verluste der Frau» zosen sind beträchtlich. In den V o g e s e n nahmen wir auf dem Hilseufirst zwei Werke. Rückeroberungsversuche des Gegners wur» den abgewiesen. An Gefangenen fielen 3 O..f s i z i e r e, 143 Mann in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. Südöstlich von Kalwarja wurde Feinde nach heftigem Kampfe«ine Höheustellung rissen, dabei machten wir 633 Russen zu sau g c u e n. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nach Erstürmung auch der Höhen südöstlich K u r o st o w i c e(nördlich von Halicz) sind die Rusien auf der ganzen Front in Gegend Marjam» pol bis nördlich von Firlejow zum Rück- zuge gezwungen worden. General v. Linsingen folgt dem geschlagenen Gegner. Die Beute erhöhte sich bis gestern abend auf 7765 Gefangene(darunter 11 Offiziere) und 18 Maschinengewehre. Die Armeen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen haben den Gegner westlich von Z a m o s c unter andauernden Kämpfen über den Labunka- und Por-Abschnitt zurückgedrängt und diesen bereits mft Teilen überschritten. Weiter westlich ist die feindliche Stellung in Linie Turobin— K r a s- nif— I o z e f o w(an der Weichsel) erreicht. Vor- stcllungen bei Stroza und Krasnik und diese Orte selbst wurden noch gestern abend genommen. We st lich der Weichsel hatten die Russen unter dem Druck des Angriffs die Brückenkopfstellung bei T a r l o w räumen müssen. Das südliche Kamienua- Ufer ist vom Feinde gesäubert. dem ent« Äe- von Die Truppen des Generaloberst v. W o h r s ch haben in erfolgreichen Kämpfen die Rusien aus ihren Stellungen südöstlich von S i e n n o und bei I l z a ge- worfen und dabei etwa 733 Gefangene vom Gre- nadierkorps gemacht. Oberste HeereSleit-Umg. M SlkmelMe semiilWMW. .) Amtlich wird Verlautbart: Wir», 2. Juli.( Juli 1915, mittags. S. T. Russischer Kriegsschauplatz. In mehrtägigen erbitterten Kämpfen haben die der» bündeten Truppen der Armee Linfingen die Rusien aus der sehr starken Gnila-Lipa-Stellung abwärts Fir- lejow geworfen. Der Feind, der in östlicher Richtung zu- rückgeht, und auf der ganzen Front der Armee verfolgt wird, erlitt abermals schwere Verluste: 7765 Mann wurden in diesen Kämpfen gefangen, 18 Maschinen- gewehre erbeutet. Nördlich anschließend dauern die Kämpfe noch an. Am Dnjestr hat sich nichts Wesentliches ereignet. In Russisch-Polen kämpfen die verbündeten Truppen zwischen Weichsel und Bug mit starken russischen Kräften am Por-Bach und an der Wyznica. Unsere Armeen greifen überall an. We st lich der Weichsel griffen unsere Truppen die feindlichen Stellungen bei Tarlow an. Um 5 Uhr nach- mittags wurde ei» Stützpunkt nördlich des Ortes erstürmt. Ja den Abendstunden arbeitete sich die übrige Angriffsfrout bis auf Sturmdistanz heran und brach nachts in die russische Stellung ein. Der Feind ging fluchtartig zurück. In der Verfolgung wurde Jozefow an der Weichsel g«. n o m m e», auch auS de» Stellungen südöstlich S i e n n a wurden die Raffen zurückgeworfen, 700 Manu hiebet ge- fangen. Italienischer Kriegsschauplatz. Gester» wiederholte sich der italienische Angriff auf da« Plateau D a b e r d o. Nach mehrstündiger Borbereitung durch schweres Geschützfeuer setzten nachmittags und abends mehrere Jnfanterievorstötze zwischen Sdraussina und Bermigliano ein, alle wurden wieder unter großen Verlusten des Feindes ab- geschlagen. Vorhergegangene schwächere Angriffe auf einen Teil de« Görzer Brückenkopfes und im Krngebiete waren gleichfalls zurückgewiesen. Unsere braven Truppen be- haupten»ach wie vor die bewährten ursprünglichen Stellungen. Die Geschützkämpfe dauern an allen Fronten fort. Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS von Hoefer, Feldmarschalleutnaut. Der rufstsche Generalftabsbericht. Petersburg, 2. Juli.(W. T. B.) Der General st ab des Generalissimus meldet: Die Offensive des Feindes zwischen dem Weprz und dem Bug dauerte an. Hier fanden am 29. Juni überaus zähe Nachhutkämpfe auf der Straffe Tarnaszow— Z a r e w st i e und auf den nach S o k a l führenden Wegen statt. In G a l i z i e n unter- nahm der Feind im Laufe des 29. Juni und in der ersten Hälfte des 39. Juni in verschiedenen Abschnitten der Front zwischen Kamionka und Halicz hartnäckige Angriffe. Alle Angriffe wurden zurückgeschlagen. Wir fügten dem Feinde groffe Verluste zu und machten tausend Gefangene. Dem Feind gelang es lediglich in einigen Abschnitten, sich in einer Entfernung von mehreren hundert Schritten vor unseren Gräben zu halten.— Auf den übrigen Fronten vollständige Ruhe. Der itattenifche Generalstabsbericht. Rom, 2. Juli.(W. T. B.) Generalstabsbericht vom Donnerstag. Im Tonalegebiet eröffnete unsere Artillerie das Feuer gegen die Stellungen bei M o n t i c e l l o und Saccarano, wobei sie feindliche Abteilungen zerstreute, die mit Organisalionsarbeiten für die Verteidigung beschäftigt war. Im Padoatale beobachteten Offizierspatrouillen, die wagemutig am Sefkofel vordrangen, daff der Feind Schanzarbeiten mit Unterständen vorbereitete. Unsere Ar- tillerie bestrich diese Arbeiten wirksam. In Kärnten unternahm der Feind kräftige Nachtangriffe gegen unsere Stellungen vom Monte Cronce-Paff und vom Kleinen Pal, wobei er Leuchtraketen und Scheinwerfer zur Anwendung brachte und Bomben mit erstickenden Gasen schleuderte. Er wurde an beiden Stellen zurückgeworfen. Wir zerstreuten durch unser Artilleriefeuer die Feinde, die sich auf der Nordseite des Freikofel, des großen Pal und auf dem Sattel des Bombaschtales einrichteten. Wir nahmen mit guten Ergebnissen das Feuer gegen das Henscl- fort wieder auf. Am Ende des Resiatales wurde die wichtige Stellung von Baniska Siednai, welche die Plezzo- Niederung beherrscht, fest von uns besetzt. Im Jsonzoabschnitt wird der Vormarsch unserer Truppen, der nur unterbrochen war, sehr langsam fortgesetzt, denn es ist notwendig, dem Gegner das Gelände Schritt für Schritt zu entreißen und sich gegen seine Gegenangriffe zu organisieren. Andauernde Regenfälle er- höhen die Schwierigkeiten unseres Vormarsches; sie verwandeln die Schützengräben in Schlammbäche. Vergangene Nacht der- suchte der Gegner gleichfalls durch wiederholte aber vergebliche Angriffe, uns einige Stellungen zu entteißen, die wir erobert hatten. Die Unternehmungen feindlicher Flieger dauern an und fordern auch Opfer unter der Bevölkerung. Unsere Flieger bombardierten wirksam eine Truppenkolonne und Trausporte bei Oppachialsella und am Bahnhof San Danielo. gez.: Gadorma. die NahrungsmitteiversorgMg im neuen Erntejahr. Die Regierung hat eingehende Vorschriften in bezug auf die� Bewirtschaftung des Getreides aus der neuen Ernte er- lassen. Das Getreide wird beschlagnahmt und für die Ver- sorgung wird mit einigen Aenderungen die Organisation bei- behalten, die seit Februar besteht. An der Spitze sieht die „Reichsgetreidestelle", die aus einer Verwaltungsabteilung und einer Geschäftsabteilung besteht. Die erstere besteht aus Vertretern der Bundesstaaten und Vertretern des Landwirt- schaftsrates, des Städtetages, des Handelstages, der Land- Wirtschaft, der Verbraucher und von Handel und Industrie. Diese Vertreter ernennt der Reichskanzler. Die„Geschäfts- abteilung" ist die bisherige Kriegsgetreidegesellschaft, nur wird der Aufsichtsrat erweitert: sieben Vertreter des Reiches und der Bundesstaaten, sieben der Landwirtschaft, sieben der Städte und drei der groffgewerblichen Unternehmungen. Tie Vcrwaltungsabteilung regelt die allgemeine Versorgung, die Geschäftsstelle besorgt den Ankauf und Verkauf. Tie Be- schlagnahme erfolgt zugunsten der Kommunalverbände, aber diese haben die Verpflichtung, das Getreide der Geschäfts- stelle zur Verfügung zu stellen und beziehen von ihr das Mehl. Dabei kann aber der Komniunalverband das ihm ge- mäß der Bevölkerungszahl zufallende Getreide selbst bewirt- schaften, d. h. für seine Rechnung kaufen, ausmahlen und das Mehl an die Bäcker und sonstigen Verbraucher verkaufen, oder aber er Überläßt das der„Geschäftsstelle" und bezieht von ihr das Mehl. ._ Der Apparat ist recht schwerfällig und hat den Nachteil, daß schließlich alles von der„Verwältungsstelle" reglementiert wird, die nicht, wie es einem konstitutionellen«Äaate ent! sprechen würde, unter genauer Kontrolle der Volksvertretung steht. Indessen hat der Reichstag sich ja freiwillig ausschalten lassen und die Regierung hat nach den Vollmachten gehandelt, die ihr erteilt worden sind. Es kormnt jetzt alles darauf an, wie die Kommunalverbände wirtschaften werden, die in- zwischen einige Erfahrungen gesammelt Kaden und aus die die Gemeindevertreter einzuwirken in der Lage sind. Ob die Versorgung mit Brotgetreide reichlich oder karg aussallen wird, das hängt selbstverständlich durchaus von dem Ernteergebnis ab. Die Aussichten auf die kommende Ernte sind infolge der Dürre nicht gerade glänzend. Da aber dies- mal jeder Vergeudung von Brotkorn durch Verfütterung an das Vieh vorgebeugt ist, so ist zu erwarten, daß wenigstens die bisherigen Brotrationen zur Verteilung kommen, auch wenn der Krieg wirklich bis zur neuen Ernte dauern sollte, was wir nicht hoffen wollen. Durch die Presse geht eine Notiz, in der behauptet wird, die Kriegsgetreidegesellschaft würde Mitte August über 699 003 Doppelzentner Getreide verfügen, womit wir bis Ende Oktober reichen und erst dann die neue Ernte in Angriff zu nehmen brauch«'. Hier liegt offenbor ein Irrtum vor. Von Mitte August bis Ende Ok- tober sind es 75 Tage: es kämen also von jenem Vorrat 8000 Doppelzentner auf einen Tag und das find best einer Zivilbevölkerung von annähernd 60 Millionen Köpfen IZsH Gramm Getreide pro Tag und Kopf. Die Behaupttmg in dieser Form ist also ganz unsinnig und es zeugt nicht gerade von Verständnis für die großen Aufgaben, wenn derartige Notizen kritiklos von der Presse übernommen werden. Daß ein gewisser Bestand an Getreide auf das neue Erntejahr übernommen wird, dürfte stimmen, aber es wird schon sehr günstig sein, wenn er für 4 bis 6 Wochen reicht, nicht bis Ende Oktober. Ausländische Bezugsquellen bleiben unsicher, höchstens können die ini Osten okkupierten Gebiete etwas Ge- treide liefern, wenn die Ernte dort so günstig ausfällt, daß ein Ueberschuß über den Bedarf der einheimischen BevMe- rung bleibt. Es heißt also den Dingen klar entgegensehen und damit rechnen, daß in dem schlimmsten Fall, wenn wirk- lich der Kwieg noch ein volles Jahr dauern sollte, selbst bei rationellster Bewirtschaftung der Vorräte, die Versorgung zwar möglich ist, aber auf keinen Fall sehr reichlich sein kann. Nun' fragt sich, zu welchem Preise Brot zu haben sein wird. In der Veröffentlichung des Bundesrats heißt es: Der Erwerber hat für die iiberlassenen Vorräte einen an- gemessenen Preis zu zahlen," und es wird auf die Höchst- preise hingewiesen. Daraus ist nun nicht zu entnehmen, od die zurzeit geltenden Höchstpreise für Getreide und Meist in Kraft bleiben sollen auch für das kommende Erntejahr. Das ist wohl kaum anzunehmen, denn diese Preise waren bekannt- lich gestaffelt, sie stiegen automatisch von Monat zu Monat seit Januar. Da jetzt bereits auf dem Halm beschlagnahmt wird, so ist diese Staffelung unhaltbar, und es ist wohl zu erwarten, daß eine neue Festsetzung der Preise erfolgt, wenn das Ernteergebnis bekannt ist. Da die gesamte Regelung nach t'aPitalistischen Grundsätzen erfolgt, so wäre es rationell, den Preis eben auch nach streng kapitalistischen Grund- iätzen zu berechnen, wofür nur die Produktionskosten einen Anhalt bieten. Mehr zu pcrlangcn haben die Produzenten jedenfalls kein Recht. Aber auch so berechnet, wird der Preis angesichts der anormalen Verhältnisse der Produktion nicht gerade niedrig ausfallen. Gefordert muß aber Werden, daß das schreiende Mißverhältnis zwischen Getreide-, Mehl- und Brotpreis, wie es jetzt besteht, beseitigt wird. Ist die Ver- sorgung einigermaßen sichergestellt, dann besteht sicher keine Notwendigkeit, daß die jedenfalls nicht überniäßig reichlichen Brotrationen von der Bevölkerung übermäßig teuer bezahlt werden müssen. Besteht mm die Möglichkeit, die Bevölkerung mit Brot zu erschwinglichen Preisen zu versorgen— und wir wollen hoffen, daß es auf der Grundlage, die durch die neue Per- ordnung geschaffen ist, gelingt—, so ist damit doch erst ein Teil, und zwar der einfachere Teil der Aufgabe gelöst. Von diesen Brotrationen allein kann die Bevölkerung nicht leben, es ist notwendig, daß auch in bezug auf andere Nahrungs- mittel nicht alles dem„freien Spiel der Kräfte" überlassen bleibt. Die Brotversorgung ist insofern am leichtesten zu regeln, als die Beschlagnahme sich hier am einfachsten durch- führen läßt. Schon bei dem nicht minder wichtigen Nah- rungsmittel, den Kartoffeln, hat sich die Regelung schwieriger eriviesen und die Fehler, die gemacht wurden, dürfen sich nicht wiederholen. Noch schwieriger ist die Aufgabe der Versorgung mit Milch und Fleisch. Vorläufig ist durch die Beschlagnahme auch von Gerste und Hafer und durch die Bestimmung, daß Kraftfuttermittel nur durch die Bezugsvereinigung der Landwirte in den Handel gebracht werden dürfen, eine weit- gehende Einwirkung auf die Viehwirtschaft geschaffen. Es ist aber notwendig, auch in bezug auf die Kartoffeln, soweit sie nach Deckung des Bedarfes menschlicher Nahrung als Vieh- sutter dienen, eine Regelung vorzunehmen. Sind doch die Kar- toffeln das unter den gegebenen Verhältnissen wichtigste Futtermittel, und die Mnge liegen so, daß die Kleinbauern zum größten Teil Mangel daran haben, während die Groß- grundbesitzer, die verhältnismäßig wenig Vieh halten, Uebcr- schuß haben. Wird die Verteilung der verfügbaren Futter- Vorräte geregelt, dann kann auch dazu geschritten werden, die Viehbestände rationell zu bewirtschaften, d. h. die Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Fleisch durchzuführen. Es ist also zu erwarten, daß auf die Regelung der Brot- Versorgung weitere Schritte in bezug auf die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung folgen. *« « Richtigstellung. In unserem gestrigen Leitartikel hat sich ein bedauerlicher sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen. Es heißt da am Ende des zweiten Absatzes:.Es ist nicht möglich, daß unter der Wucht der mitleidlosen Verfolgung durch Mackensens siegreiche Truppen das russische Heer einer langsamen Auflösung von innen verfällt". In Wirklichkeit soll es heißen:„Es ist nicht unmöglich, daß usw." w Zortgang öer kämpfe in Galizien. AuS dem Großen Hauptquartier erhalten wir über die Weitcrentwickclung der Kämpfe in Galizicn das folgende Telegramm: 1. Die Armee Mackensen hatte sich bis zum 27. Mai abends auf dem östlichen Sanufer einen großen Brückenkopf geschaffen der sich in einer Ausdehnung von etwa 70 Kilometer von Nacklo über Kalnikow— Zapatow— Radawa bis zur Lubaczowka-Mündung erstreckte. Während der auf dem anderen Sanufer verbliebene rechte Armeeflügel sich kämpfend näher an die Nordftont der Festung Przemysl heranschob, versuchten die Russen die Brücken- kopfstelluug von Norden her zu durchbrechen. In der Zeit vom 27. Mai bis 3. Juni führte der Feind alle nur irgendwie verfüg- baren Reserven zu nächtlichen Angriffen gegen die deutschen Truppen vor. Obwohl er im Lause von 8 Tagen etwa 1ö, aller- dings teiliveise schon stark geschwächte Divisionen in fortwährenden Nachtangriffen gegen die Linien von drei deutschen Divisionen zum Sturme ansetzte, hatte er kein Glück. Es gelang ihm an keiner einzigen Stelle, gegen die deutschen Linien auch nur. den geringsten Erfolg zu erzielen. Dagegen waren seine blutigen Verluste außer- ordentlich schwer und die Truppe nach dem Mißlingen der ersten Angriffe nur noch schwer vorwärts zu bringen. Tic russischen Offiziere blieben infolgedessen hinter der Front zurück und suchten durch Drohungen mit der Waffe die zögernd Vorgehenden in den Kampf zu treiben. Eine Offensive bei Tage wagte man aus Furcht vor der deutschen Artillerie überhaupt nicht mehr. Nur noch vom Nachtgesecht versprach man sich Erfolg, weil bei dieser Kampfes- weise allein die zahlenmäßige Ueberlegenheit zum Ausdruck kommen konnte. Die undisziplinierten, nur tpcnige Wochen ausgebildeten Ersatzmannschaften versagten aber bei den nächtlichen Kämpfen in dem waldigen Gelände. Die Zahl der Ueberläufer mehrte sich von Nacht zu Nacht. Dazu fthltc es russischerfeits an Offizieren, um die schwierige Führung der Truppe im Nachtgefecht zu er- möglichen. Aus solchen Gründen mußte der in der Nacht vom 2. zum 3. Juni geplante. Generalangriff unterbleiben. So miß- lang das Unternehmen. Ganze Divisionen mußten in den letzten Tagen zurückgenommen werden, weil ihre Zuverlässigkeit stark er- schüttert war. Die Verluste waren so schwer geivesim, daß die Gefechtsstärke einzelner Divisionen nicht viel mehr als 3000 Bajonette betrug, statt einer normalen Kriegsstärke von lg 000 Mann. Am 12. Juni war der Augenblick gekommen, in dem die deutsche Offensive, nachdem inzwischen die Festung Przemysl gefallen war, weiter geführt wurde. Ter Feind hatte sich vor der deutschen Armee und vor den beiden, an diese anschließenden österreichischen Armeen in starken Stellungen eingebaut, die durchbrochen werden mußten, bevor die Offensive der Verbündeten in Richtung Lemberg vorwärtsgettagen werden konnte. Am 12. Juni schritten unter dem Befehl des Armee und der daran anschließende rechte Flügel der Armee des Generalobersten v. Mackensen der linke Flügel der deutschen Erzherzogs Joses Ferdinand zum Angriff über Lubaczowka und San hinweg in Richtung auf Sieniawa und die Höhe östlich davon. Der Feind hatte sich jenseits der Lubaczowka auf gewohnte Weise in mehreren Schützcngrabenreihen eingerichtet. Um 8 Uhr vor- mittags nahm die deutsche Infanterie den Lubaczowkabach, vertrieb den Feind aus seiner ersten, bald darauf auch aus seiner zweiten Stellung und ging dann gegen den Kolowkawald vor, während links davon deuffche und österreichische Truppen die Höhen von Sieniawa in Besitz nahmen. Aus dem Kolowkawald? mit großer Uebermacht herausbrechend schritten die Russen zum abendlichen Gegenangriffe. Obwohl sie diesen durch heftiges Artillerie- und Minenwerfer- feuer unterstützten und von drei Seiten zu gleicher Zeit anstürmten, wurden ihre sämtlichen Angriffe abgeschlagen und in den Wald zurückgeworfen, wohin alsdann die Deutschen folgten. In dem ausgedehnten Forste kam es in den nächsten Tagen zu schwierigen Waldkämpfen. Den vordringenden Kompagnien traten überall kleine russische Trupps entgegen, die sich im Walde geschickt ein- genistet hatten. Auf Bäumen und hinter Astverhauen saßen russische Schützen; auch Maschinengewehre waren verschiedentlich im Walde aufgestellt. Mitten im Forste hatte der Feind Schanzen angelegt, die von Drahthindernissen umgeben und durch Schützen- graben untereinander verbunden waren. Der Angriff gegen diese Stellungen war mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Im engsten Anschluß an österreichisch-ungarische Truppen, die gleich- falls in den Wald eingedrungen waren, gelang es, den Angriff vorwärts zu tragen. Nachdem die feindlicbe Waldftellung durch Mörser- und Minenwerferfeuer an einer Stelle erschüttert und sturmreif gemacht war, wurde sie durchbrochen und nach Ost und Nord aufgerollt. Der Feind trat nunmehr den Rückzug aus dem Walde an. Dies war am 13. Juni. Inzwischen waren die übrigen Teile der Armee des Generalobersten Mackensen nicht müßig gc- blieben. 2. Nachdem der linke Flügel der deutschen Armee am 12. Juni die Offensive eröffnet hatte, traten rechter Flügel und Mitte am 13. Juni zum Angriff an. Es handelte sich durchweg um einen Angriff gegen stark befestigte russische Stellungen. Dieser begann nach entsprechender Artillerievorbereitung um 5 Uhr morgens. Auf dem rechten Flügel leisteten die Russen in den an der Wißnia ge- legenen Ortschaften zähen Widerstand, der durch den deutschen Angriff gebrochen wurde. Auch die österreichisch-ungarischen Truppen deS Generals v. Arz schritten durch die östlich anschließende Waldzone vor. Preußische Garde-Regimenter fanden in dem Häusergewirr südlich des Szklo in der Umgebung von Mlyny anfänglich heftige Gegenwehr. Als aber der Feind von hier ver- trieben und auch Tuchla im Berein mit Nachbartrnppen genommen war, drangen Gardetruppen in einem Zuge bis auf die Höhen westlich von Wielkie Oczy vor. Die nördlich davon fechtenden Truppen durchbrachen gleichfalls die vorderen feindlichen Linien. Das Ergebnis des TageS war, daß die sehr starken feindlichen Stellungen auf einer Breite von 53 Kilometern durchbrochen wurden und daß ein Raumgewinn von 3 bis 9 Kilomeiern nach Osten erzielt war. Aber schon standen die Truppen vor einer weiteren wohlausgebauten russischen Stellung, in der der Feind am nächsten Tage erneuten Widerstand leistete. Auch diese Stellung, in der die Russen mit nicht weniger als 13 Divisionen unser Vordringen aufzuhalten suchten, wurde am 14. Juni durch- brachen, worauf der Feind in der Nacht vom 14. zum 15. Juni den Rückzug in die sogenannte Grodekstellung antrat. Nur in der Gegend von Oleszhce leistete der Gegner noch nach- haltigen Widerstand. Diese Stadt wurde am 15. Juni von den Truppen des Generals von Emmich erstürmt. In den Tagen vom 12. bis 15. Juni hatte die deutsche Armee 34 000 Gefangene gemacht und 70 Maschinengewehre erbeutet. Gefangenenaussagen und erbeutete Papiere ergaben interessante Einblicke in den Zustand des russischen Heeres. Es herrschte großer Mangel an Artillerie- und Jnfanteriemunition; auch die Knappheit an Gemehren war wieder sehr groß geworden. Bei dem Mangel an Munition und Waffen macht sich die demorali- sicrende Wirkung der deutschen schweren Artillerie ganz besonders bemerkbar. Ein russischer Offizier schreibt:„Uns gegenüber liegen achtmal soviel Deutsche als wir und haben. sehr viel schwere Munition. Ein derartiges Höllenfeuer habe ich während der ganzen neun Monate nicht mitgemacht. Wie geht es Wolidia? Ich wünsche ihm nicht dasselbe durchzumachen. Besser wt als derartige Qualen." Unter dem Eindruck der großen Verluste wächst die Unlust der russischen Truppen, in den Kamps zu gehen. Auch der Offizier- mangel wird immer fühlbarer. Vielfach führen Fähnriche Bataillone. Die Disziplin der Truppen ist im Sinken. Die Kosaken werden zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf die ganze Front verteilt und haben den Auftrag, die Truppen am Ueber- laufen zu verhindern und auf Zurückweichende zu schießen. Das Verhältnis zwischen Offizier und Mann ist sehr schlecht geworden. Vielfach werden Fälle bekannt, daß Offiziere von ihren eigenen Leuten erschossen wurden. Die sinkende Zuversicht der Truppen sucht man durch religiöse Einwirkung und phantastische Nachrichten zu heben. Als solche gab man bekannt, daß Przemysl zurückerobert sei und daß dortselbst 45 000 Deutsche kapituliert, und daß die Italiener große Fortschritte gemacht hätten. Fünf japanische Hilsskorps seien unterwegs. Ilm die Truppen am Ueberlaufen zu verhindern und vor Gefangennahme zu warnen, werden angebliche Greueltaten deutscher Soldaten bekanntgegeben. Ein derartiger Befehl hat folgenden Wortlaut: „Der Infanterist... des Jsborkischen Regiments wurde mit anderen Soldaten gefangen genommen. Er gab an, daß sie zu einem deutschen Ossizier geführt worden seien, der eigenhändig fünf von ihnen mit dem Revolver niedergeschossen hätte. Ter Infanterist habe sich ins Gebüsch geflüchtet und sei dank der Dunkel- heit entkommen. Er fügte hinzu, daß die Deutschen die russischen Verwundeten in den San werfen. Unterschrieben: Stogow, Ordonnanzoffizier des Generälstabes des 21. Armeekorps. Zusatz des Stabskommandanten:„Das Gesagte ließ der Korps- kommandant allen Mannschaften bekanntgeben."(W.T.B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Im Gebiet nördlich A r r a s bis in die C h a m p a g n e war die Nacht ruhig. Der gestern ge- meldete deutsche Angriff in den Argonncn war besonders heftig. Die eingesetzten Kräfte können auf zwei Divisionen geschätzt werden. Dieser Angriff wurde angehalten. Zwei neue Versuche auf unsere Schützengräben östlich der S t r ajß e nach Binarville wurden zurückgeschlagen, ein anderer heftiger Angriff, welchen der Feind im Gebiet von M e tz e r a l unternahm, wurde vollständig angehalten. Die Deutschen er- litten bedeutende Verluste. Paris, 2. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Im Norden war der Tag verhältnismäßig ruhig, jedoch war nördlich von Arras die Kanonade sehr heftig. Vor Dompierre zerstötte eine unserer Minen ein Stück der fcind- lichen Organisatton. Auf der Aisnefront anhaltende Kanonade. Es wird bestättgt, daß die Deuffchen am 30. Juni zwischen der Straße B i n a r v i l l e— F o u r de Paris mit äußerster Kraft und mit der Absicht angriffen, unsere Verteidigungslinien zu durchbrechen. Unsere ersten Schützengräben konnten nur infolge der durch großkalibrige Geschosse angerichteten Verheerungen und infolge der Anwendung erstickender Granaten erreicht werden. Der Feind wurde dank der Festigkeit unserer Organisation in der zweiten Linie angehalten und alsbald durch Gegenangriffe unserer Infanterie zurückgeworfen, welche sich auf einer ungefähr 200 Meter von den zerstörten Stücken unserer ersten Linie entfernt liegenden Front festsetzte. Das feindliche Bombardement dauert heute an. Es wurden zwei neue Angriffe durch unsere Artillerie sofort angehalten. Im Gebiete des A i l l y w a l d o s, F l i r e y s und im Priesterwald Artilleriekampf. I n den Vogcsen wurden nach Beschießung unserer Front am Langenfeldeskopf und am Hilsenfirst zwei feindliche Angriffe gegen uns vorgeworfen, sie wurden vollkommen zurück- geschlagen. Milleriekämpfe in Norüsianöern. Le Havre, 2. Juli.(W. T. B.) Das belgische Com- munique besagt: Am 30. Juni beschoß die feindliche Artillerie mit Unterbrechungen die Umgebung von Wulpen, Ramskapelle, Pervhse, Schesmege, Caerkerke, das Gelände südlich von Dixmuiden und ebenso den südlichen Teil von Saint Jaquescapelle, die Um- gebung von Knockeforts, Renighe des Fährmannhauses. Die bcl- zische Artillerie erwiderte den feindlichen Batterien lebhaft und zerstreute Gruppen feindlicher Arbeiter. Der am Zusammenfluß der Dser und der Dperlc gelegene Ort Knocke ist keineswegs stark befestigt, wie man glauben machen möchte. Die englischen Verluste. London, 2. Juli.(W- T. B.) Die letzte Verlustliste enthält die Namen von 33 Offizieren und 940 Mann. Ankunft üeutscher Rustauschgefangener. Aachen, 2. Juli.(W. T. B.) Gestern nachmittag gegen 2 Uhr trafen aus England kommend, 187 Austauschgefangene mit dem Lazarettzuge der Städte Iserlohn, Altena und Essen auf dem vom Roten Kreuz Aachen herrlich geschmückten Bahnhof Aachen-Wesl ein. Zur Begrüßung waren anwesend die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, zahlreiche Offiziere, die Geistlichkeit und der Vorstand des Roten Kreuzes in Aachen. Tief ergreifend war die Begrüßung der aus englischer Gefangenschaft Zurückkehrenden, insbesondere der Schwerverwundcten und Invaliden. Der türkische Krieg. Nelöung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 2. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilte gesteru mit: An der D a r d a n e l l e n- front hat der Feind bei A r i B u r n u, wo er am 28. Juni trotz wiederholter Angriffe gegen unseren linken Flügel keinen Erfolg erzielte und von neuem in seine alten Stellungen zurückgeworfen wurde, auf dem von uns übersehbaren Geländestrich 750 Tote zurückgelassen und außerdem eine erhebliche Anzahl von Gefangenen, darunter einen Offizier, verloren. Bei Sedd ul Bahr erneuert der Feind von Zeit zu Zeit seine vergeblichen Angriffe gegen unseren rechten Flügel, wobei er große Verluste erleidet. Von den anderen Fronten nichts Wesentliches. Konstantinopel, 2. Juli.(W. T. B.) Bericht des Haupt- quartsers: An der Kaukasusfront nehmen die Kämpfe in der Gebirgsgegend an der Grenze einen für uns günstigen Ver- laus. Der Feind hat in den letzten Kämpfen, die sich am rechten Flügel entwickelten, mehr als sechshundert Tote, darunter sieben Offiziere, aus dem Schlachtfeld gelassen. Wir machten dort außerdem zwei Offiziere, darunter einen Bataillonsches, und eine Anzahl russischer Soldaten zu Gefangenen. An der Dardanellcnfront fand am 29. Juni an der Nordgruppe von Ari Burnu bloß gegenseitige Beschießung statt. An der Südgruppe bei Sedd-ul-Bahr dauerte der Kamps den ganzen Tag. Der Feind wollte unseren rechten Flügel umzingeln und unternahm unter dem Schutze unausgesetzten Artillerie- seuers einen Angriff. Wir brachten die feindliche Absicht durch unsere Gegenangriffe zum Scheitern. In der Nacht zum 1. Juli schlugen wir an der Nordgruppe von Ari Burnu feindliche An- grisfsversuche gegen unsere Verschanzungen im Zentrum blutig ab. Unser rechter Flügel ging zum Gegenangriff über und entriß dem Feinde zwei' hintereinander liegende Reihen Schützengräben. In derselben Nacht imtcrnahmen an der Südgnippe Sedd-ul- Bahr unsere Truppen einen Gegenangriff gegen den linken Flügel des Feindes. Die Schlacht dauerte die ganze Nacht an. Unsere Truppen drangen in mehrere feindliche Grabenstücke ein und setzten den Angriff in hartnäckigen Nahkämpfen fort. Die Schlacht endete erst bei Sonnenaufgang. Am 30. Juni dauerte der Kampf an unserem rechten und linken Flügel der Südgruppe Sedd-ul-Bahr von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags an. Tiefe Schlacht, die an jedem der beiden Flügel mit Angriffen unserer Truppen begonnen hatte, verlief sehr günstig für uns. Unsere anatolischen Küsteubatteric» nahmen erfolgreich an den Kämpfen der Südgruppe teil und beschossen mit sichtlicher Wirkung das Lager und die Artilleriestellungen des Feindes. Eines unserer Flugzeuge überflog Sedd-ul-Bahr und warf Bomben ab. An den anderen � Fronten nichts von Bedeutung. Die englischen Darüanellen-verlusie. London, 1. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im Untcrhause erklärte A S q u i t h, daß die Verluste der britischen Streitkräfte bei den Dardanellen zur See und zu Lande bis zum 3t. Mai betragen haben: An Offizieren tot 496, verwundet 1134, vermißt 92 und an Mannschaften tot 6927, verwundet 23 542 und vermißt 6445. Ein ungeschminkter Dericht über öen Daröanellenkampf. London, 2. Juli.(W. T. B4„Daily Telegraph" ver- öffentlicht einen Brief von Granville Fortescue aus Konstantinopel von Anfang Juni. Der Verfasser sagt, er müsse die enttäuschen, die eine baldige Forcierung der Meerengen erwarteten. Die ganze Küste vom Fort Nagara bis in die Nähe von Kumkale ist eine einzige große Festung. Seit dem 18. März wurde jede geeignere Stellung in eine Batterie verwandelt. Die Türken drillten seit dem ersten Angriff mit einer Gewissenhaftigkeit, die nur von KitchenerS Armee übertroffen wird. Jedes Fort entlang der Meerengen wird stündlich eine größere Bedrohung der Schiffe. Die Forts sind, obwohl die Türkei keine Munition großen Kalibers herstellen kann, reichlich mit Munition versorgt. Die Gewässer vor den Geschützen sind dicht mit Minen besät. Die Minenfischer können sich nicht weit den Hellespont hinaufwagen, weil sie sonst unter das Feuer der Maschinengewehre kämen. Die Minenfelder werden ferner durch verborgene Batterien geschützt und sind so geschickt versteckt, daß eine Aufklärung durch Flugzeuge erfolglos ist. Anscheinend besteht auch eine Station für Landtorpedos. Schließlich gibt es neuerrichtete Batterien und Redouten auf dem asiatischen Ufer in günstigen Stellungen. Die Halbinsel Gallipoli änderte sich in den letzten Monaten wesentlich. Jede Schlucht ist ein Hindernis, jeder Abhang ein Fort. Im März wäre eine Landung möglich gewesen. Die Türken find numerisch wie zwei zu eins überlegen. Die Alliierten operieren von der schwierigsten Basis. Die türkischen Soldaten sind aus- gezeichnet und kennen daS Gelände völlig, während es für die Ver- kündeten meist Terra, incognita ist. Eine weitere Schwierigkeit für die Verbündeten ist der Wassermangel, der wegen der langen Regen- zeit noch nicht fühlbar wurde, sich aber im Juli und August be- merkbar machen wird, wenn der Kampf so lange dauert. Dazu kommen die großen Schwierigkeiten der Seetransporte und der Landung. Der Verfasser findet eS erstaunlich, etwas Besonderes in dem Mißverhältnis zu den Verlusten des Feindes und dem Verbrauche von Munition seitens der Verbündeten zu finden. Die Ursache ist, daß die Schiffs- gcschosse meist nur in zehn Stücke springen und daher Verhältnis- mäßig wenig Schaden anrichten, wenn sie nicht direkt in den Lauf- grüben explodieren. Das Bombardement erweckt den Anschein der Vernichtung alles Lebens in der beschossenen Zone, aber wenn die Beschießung aushört und die Soldaten angreisend vorgeben, be- gegnen sie einem mörderischen Feuer aus dem soeben am dichtesten beschossenen Gelände. Dazu kommt die II-Bootgesaha. Die Mann- schaft des H-Boors, das.Triumph" und„Majestic" zerstörte, feiert jetzt ihren Sieg in Konstantinopel, was das Blut der internierten Engländer in Siedehitze bringt. Der Verfasser erklärt, er sei trotz- dem nicht pessimistisch, ober die Verbündeten müßten sich auf enorme Opfer gefaßt machen. Das Schicksal Konstantin opels werde von der Masse der verfügbaren Geschosse und des Pulvers abhängen. der Seekrieg. Eine ruPsche ßalschmelöung. Zkopenhagen, 2. Juli.(W. T. 33.)„Berlingske Tidende" erfährt aus Petersburg über Paris, daß ein russisches Unterseeboot einen feindlichen Kreuzer in der Ostsee in den Grund gebohrt hat, der damit beschäftigt war, Minen an der russischen Küste auszulegen. Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite, daß diese Nachricht auf freier Erfindung beruht. Für Versenkung ües �rmenian�. London, 2. Juli.(W. T. 33.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Der belgische Fischdampfer„Pre- sident Sievens", der sich in der Nachbarschaft befand, als die„ Ll r m e n i a n" torpediert wurde, nahm fünf Boote voll Seeleute auf. Der Kapitän der„?lr- in e n i a n" erklärte: Das U- B o o t gab uns das Zeichen anzuhalten dadurch, daß es eine Ülnzahl Schüsse über unseren Bug abfeuerte. Ich war>1 Meilen voraus und dampst-e weiter. Wir wurden jedoch fortwährend beschossen. Die Granaten töteten mehrere Mann, andere wurden über Bord geschleudert. Es war eine wahnsinnige Jagd, aber wir wollten unS nicht ohne Kampf ergeben. Die Steuerung wurde von einer Granate weggerissen, ein anderes Projektil fiel in den Maschinenraum, ein drittes schlug die Funkenstation weg, ein anderes den Schornstein und ver- finsterte den Heizraum, so daß ich keinen Dampf mehr zu be- kommen vermochte. Das Schiff stand an drei Stellen in Brand. Ich beschloß die 1l ebergab e. Wir hatten uns eine Stunde lang gewehrt. Zwölf oder dreizehn Mann lagcntot auf Deck, die meisten ums Leben Ge- kommenen waren Amerikaner.(Anm. des W. T. B.: Warum Reuter geflissentlich der?lmenkaner Erwähnung tut, liegt auf der Hand.) Berlin, 2. Juli. sW. T. B.) Wie schon kurz mitgeteilt, ist am Montag der englische Passagierdampfer ,.A r m e n i a n" von einem deutschen U-Boot an der Küste von Cornwall versenkt worden. Weitere Meldungen besagen, daß sich unter der Besatzung von 50 Mann auch 11, vielleicht sogar 16 Amerikaner befunden hätten, von denen mehrere umgekommen sein sollen. Reuter weiß in- folgedessen zu melden, daß in amtlichen Kreisen Washingtons Er- regung herrsche. Sollte diese Nachricht zutreffen, so sei dem- gegenüber festgestellt, daß, soviel bis jetzt zu übersehen ist, keinerlei Grund zu solcher Erregung vorliegt.—„Nieuwe Rotterdamjche Eourant" stellt nämlich in einer Londoner Meldung den Hergang der Versenkung auf Grund eines Berichts des Schiffskapitäns wie folgt dar: Der Dampfer sei von dem U-Boot durch zwei vor dem Bug gefeuerte Kanonenschüsse zum Stoppen aufgefordert worden. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen. Das U-Boot habe dann auf den Dampfer gefeuert und habe ihn auch getroffen, trotzdem habe dieser noch nicht gestoppt.„Es war eine wilde Jagd, aber wir wollten uns nicht ohne Wehr ergeben." Im ganzen habe er eine Stunde lang der Beschießung getrotzt, und habe erst an- gehalten, nachdem 12 bis 13 Mann der Besatzung tot auf Deck gelegen hätten.— Ist dieser Bericht des Kapitäns richtig, so genügt es, demgegenüber den Generalbericht des RedaktionSausstfuisses der Londoner ScekricgsrechtSkonfercnz anzuführen:„Ein krieg- führender Kreuzer trifft ein Kauffahrteischiff an und fordert es zwecks Vornahme der Durchsuchung zum Halten auf. Das auf- geforderte Schiff hält nicht an und versucht, sich der Durchsuchung durch � die Flucht zu entziehen. Der Kreuzer kann Gewalt an- wenden, um eS zum Hallen zu bringen, und das Kauffahrteischiff hat, wenn es beschädigt oder in den Grund gebohrt wird, keinen Anlaß zur Beschwerde, da es einer ihm nach Völkerrecht obliegenden Verpflichtung zuwider gehandelt hat." Das U-Boot hat hiernach in Uebereinstimmung mit den geltenden Regeln des Völker- rechts gehandelt.— Sollten tatsächlich amerikanische Bürger ums Leben gekommen sein, so trifft die Schuld hieran allein den eng- lischen Kapitän und die englische Regierung, die ein derartiges, dem Völkerrecht widersprechendes Verhalten nicht nur gutheißt, sonderil die Besatzungen solcher Schiffe obendrein noch belohnt, wie der Fall„LaerteS" gezeigt hat. vom U-öootskrieg. London» 2. Juli. CW. T. B.) Wie Reuter aus Westhartlepool meldet, ist der britische Dampfer Welbury, 3591 Tonnen, mit Zuckerladikng von Kuba nach Oueenstown unterwegs, von einem Unterseeboot an der irischen Küste ver- senkt worden. Tic Besaßung ist gerettet. Wie Lloyds aus Lizzard meldet, sind die britischen Dampfer C a u c a s i a n 4656 Tonnen und I n g l c m o o r 4331 Tonnen gestern früh von einem Unterseeboot versenkt worden. Ihre Besaßungen wurden in Falmouth gelandet. Nach einer weiteren Meldung von Lloyds aus Crowhead ist der britische Schoner Tower von Parrsborough nach Newport unterwegs, torpediert worden. Neun Mann der Besatzung wurden von einem Fischdampfcr aufgenommen und gestern nach Crookhaven gebracht. Keine �lenüerung üer �lrt ües V-Sootkrieges Berlin, 2. Juli.(W. T. B.) Nach Meldungen aus Kopenhagen behaupten alle letzten Depeschen aus London über den Untersccbootskrieg, dieser habe seinen Charakter gänzlich verändert. Die deutschen U-Boote tauchten jetzt stets zum Anhalten der Schiffe auf und versenkten sie erst nach gründlicher Untersuchung.— SSie wir von zuständiger Stelle hören, ist diese Nachricht u n• zutreffend. Sie bedeutet nichts weiter, als einen recht durchsichtigen Versuch, die allmählich recht gedrückt gewordene Stimmung im englischen Publikum zu heben und dadurch seine Neigung zur Zeichnung der neuen Kriegsanleihe zu fördern. Englische Sorge wegen Warschau. London, 2. Juli.(W. T. 23.) Spenser Wilkenson schreibt in„Westminster Gazette": Wenn es den Deutschen gc- lingt, Warschau oder die großen Bahnlinien, die Warschau versorgen, zu nehnicn, ernten sie den vollen Lorteil ihrer zentralen Stellung in Europa. Wenn eine starke Offensive im Westen noch nicht möglich ist, so ist doch mit der Möglichkeit eines entscheiden- den deutschen Sieges im O st e n zu rechnen. In diesem Falle müssen die Alliierten auf deutsche Angriffe im Westen gefaßt sein,— denn wenn die Russen in der Gegend von Warschau überwältigt werden, können sie ihre Linien kaum vor dem Bug neu formieren und die Deutschen iverden aus Monate von der Gefahr einer neuen russischen Offensive befreit sein. Kriegsfragen im englischen Unterhaus. London, 30. Juni. lW. T. B.) Unterhaus. Neil ( U n i o n i st) fragte, ob die Aufmerksamkeit des Staats- sekretärs des Innern auf die Tätigkeit des Stop tjj e W a r- Ausschusses gelenkt worden sei und ob er Schritte tun würde, um vorzusorgen, daß diese Personen nicht in einem Ausbruch öffentlicher Entrüstung gelyncht würden. Simon er- widerte, die Tätigkeit des Komitees sei unter Beobachtung gc- stellt. Gewalttätigkeiten würden die strengste Unterdrückung finden. Mac Kinnon Wood bejahte auf eine Frage hin, daß die Observatorien besondere Instruktionen erhielten, wegen der NichtVeröffentlichung aller Wettervoraussagen und Wetterberichte. D a l z i e l sprach den Wunsch aus, daß die Regierung häufiger Nachrichten über die Kämpfe an den Dardanellen ausgäbe. M a r k h a m fragte, ob eS Politik der Regierung wäre, dem Lande Nachrichten vorzu- enthalten, die dem Feinde wohlbekannt wären und die die Engländer eine Woche später in ameri- konischen Blättern lesen könnten. Ein Mann, der Nachrichten anhielte, sei K i t ch e n c r. Die Zeitungskorrespondentcn dürften nur Berichte über das Wetter senden. Kitchener dürfe die Engländer nicht wie Derwische oder Fellachen behandeln. Sir John Simon antwortete, die Zensur sei notwendig. Er führte einen Fall an, wo eine scheinbar harmlose Nachricht von den Deutschen militärisch benutzt worden sei. Die amtlichen deutschen Funkennachrichten würden zen- suriert, da sie regelmäßig vollständig unbegründete Nachrichten über England, über die Haltung des Landes zum Kriege usw. enthielten, um sie, wenn sie in der englischen Presse abgedruckt würden, als Meinung Englischer Zeitungen in neutralen Ländern zu verbreiten. Simon forderte das Haus auf. den militärischen Führern zu vertrauen. Wenn die Nation das nicht täte, so sei sie unfähig, den Krieg zu führen. Ein neuer Bericht über die Dardanellen werde bald folgen. „Surgfrieüen" bei üen öaumwollarbeitern. Londou» 2. Juli. lW. T. B.) Lloyd George teilte im Unter- hause mit, daß er eine Resolution der Baumwollarbeiter empfangen habe, die talsächlich einer Garantie gleichkomme, daß während des Krieges kein Streik und keine Betriebsstörungen vorkommen sollen. DaS Unterhaus hat den GsjetzePwurf auf Errichtung eines M u n i t i o n S m i n i st e r i u m S einstimmig angenommen. Vorstellungen an Serbien. Zürich, L.Juli.(W.T.B.) Tie„Reue Zürcher Zeitung" vernimmt, daß eine gemeinsame Note des Vier- Verbandes an Serbien und Montenegro wegen der Aktion in Albanien bevorstehe. Montenegrinische Seruhigungen. London, 2. Juli. kW. T. B.) Wie„Morningpost" meldet, ist der frühere montenegrinische Premierminister Ra» d o w i ch in London eingetroffen, um Lebensmittel, Waffen, Munition und andere Vorräte sür Montenegro zu er- halten. Radowich hat der britischen Regierung bestimmte Zusiche- rungen gegeben, daß die montenegrinischen Truppen Teile albanischen Gebietes nur aus strategischen Gründen besetzt hätten, namentlich um den Bezug von Vorräten zu sichern. Montenegro plane nicht, Skutari zu behalten: eS werde betreffs des albanischen Gebietes die Entscheidung der Mächte achten, es sei jedoch durch die Angriffe der Sllbanesen genötigt gewesen, beide Ufer deS BojanaflusjeS zu besetzen. Zur Sesetzung Skutaris. Bern, 2. Juli.(W. T. B.) Die Besetzung von Skutari macht in römischen politischen Kreisen tiefen Eindruck. Die italie- nische Presse ist über die Vorstöße der Serben und Montenegriner in Albanien nicht sonderlich erbaut. Sie betont, daß fie vom italienischen Gesichtspunkte aus nicht als eine strategische Aktion be- trachtet werden könnten. Die Angriffe der offiziösen Organe auf Serbien und Montenegro werden immer schärfer., G i o r n a 1 e d'Jtalia" beschuldigt Griechenland, der Anstifter dieser rechts- widrigen Besetzungen zu sein, weil es nicht mit der italienischen Be- s etzung der Zwölf-Jnscl-Gruppe einverstanden sei. Die übrige nationale Presse wiederholt. Italien werde keine derartige Besitz- nähme anerkennen und die Schaffung eines sogenannicn kait. accompli nicht zulassen. Griechischer Einfall gegen Gerat. Rom, 2. Juli.>W. T. 33.)„Tribuna" meldet aus Anti- v a r i: Zwei starke griechische Banden marschieren gegen Berat vor, nachdem sie alle Dörfer auf ihrem Wege besetzt haben. �cht sozialistische Dumaabgeorünete verhaftet. Ter„Nationalzeitung" wird aus Wien gemeldet: Das„Achtuhrblatt" meldet über Kopenhagen: Hier verlautet aus Petersburg, daß acht weitere s o z i a- listische D u m a a b g c o r d n e t c verhaftet wurden. Australische Kriegsanleihe. Londou, 2. Juli.(W. T. B.) Im australischen Re- präsentantenhausc kündigte Premierminister Fisher an, daß Australien wahrscheinlich eine Anleihe sür den Krieg und für andere Zwecke ausnehnien werde. In einer stark besuchten patriotischen Versamnilung nannte der Gouverneur. des Staates Viktoria Großbritannien einen schlafenden Riesen, der zu erivachen be- ginne. Der Oberrichter protestierte dagegen, daß 50 Proz. derjenigen, die sich anwerben ließen, zurückgewiesen wurden. Es wurde ein Antrag angenommen, in dem eS als wünschcns- wert bezeichnet wird, daß die Ansprüche sür die Tauglichkeit herabgesetzt werden. Die Niederlage üer französischen Zensur. Dem„BaSler Vorwärts" wird von seinem französischen Korre- spondenten geschrieben: Vier Tage hat die Schlacht gewährt. Viermal nahm Dame Zensur ihren Rolstift und strich unbarmherzig dem Citoyen H c r v s seine mit Spiritus geschriebenen Artikel. Viermal machten die Polizei und die Gendarmerie Jagd auf das Hervösche Blatt. Am fünften Tage kapitulierte die Zensur aus allen Linien, ob- svohl Hervo den am vierten Tage gestrichenen Artikel nochmals ab- drucken ließ. Wir haben diesen Ausgang des Kampfes voraus gc- sehen. Wenn Hervs einmal bockbeinig wird, gibt er nicht mehr nach. Als er sich noch in den AntiPatriotismus verrannt hatte, konnten ihn elf Jahre Gefängnis, die Ausstoßung aus der Advokatenzunft und aus dem Lehrkörper auch nicht mürbe bekommen. Bisher ließ die französische Presse die Uebergriffe der Zensur ge- duldig über sich ergehen, deshalb erschien(die Zensur) allmächtig. Sie konnte ungelesene Blätter, wie den„Hamme libre"(jetzt„Homme enchains") ClenienceauS und die„Libre Parole" DrumontS suspendieren. So wie sie sich jedoch an der gelesenen Presse vergreist, hat sie es auch mit dem Publikum zu tun, wenn sich die Presse widersetzt. Das hat nun Hervs getan und deshalb mußte die Zensur schließlich kapitulieren. Der oberste Richter in Frankreich ist die Oeffentlichkeit. ' Die Kriegsgefangenenpost. Die durch die Schweiz vermittelte Äriegsgefangenenpost hat in jüngster Zeit wieder an Umfang ganz bedeutend zugenommen. Wie der Berner„Bund" mitteilt, laufen jetzt an nianchen Tagen rund 300 000 Briefpostsendungen— darunter bis 15 000 uneingeschricbens Pakete— und rund 60 000 größere eingeschriebene Pakete ein. Für die Beförderung dieser gewaltigen Menge von Postsachen müssen hin und wieder ganze Sonder- p o st z ü g e von bis zu 40 Güterwagen, vollgepfropft mit Briefpostsäcken und Paketen, zwischen Genf und Basel verkehren. Mit Ausnahme der deutsch-englischen, der deutsch-russischen und der österrcichisch-russischen Post vollzieht sich jetzt der gesamte Brief- und Paietverkehc der Kriegsgefangenen durch die Schwei z. Letzt- hin kamen an einem Tage 182 große Postsäcke an. Dieser Tage traf zum erstenmal auch die Post für die in der Türkei gefangenen englischen Matrosen, von der Asquith leylhin im Unterhauie erklärt hat, daß sie nun auch durch die schweizerische Postverwaltuug vermittelt werde, in Bern ein. Es war ein be- sonderer Postsack, der über Wien nach Konftantinopcl weitergeleilct wurde. Kriegsbekanntmachungen. Warnung vor der Auslieferung von Feldpostbriefen. Das stellvertretende Generalkommando des VII. Armeekorps gibt folgendes bebannt: „ES hat sich die Tatsache herausgestellt, daß Beaustragtc feind- sicher Staaten zu dem Zwecke sich im Lande umherlrciben. An- gehörige von Kriegsteilnehmern zur Auslieferung von Feldpost- briefen oder Abschriften von solchen zu veranlassen. Unter dem Vorgeben, eS handle sich um vaterländische Werke, in denen die Briefe zum Abdruck gelangen sollen, oder durch andere Vor- spiegelungen, auch Gcldanerbieten, suchen sie ihren verräterischen Zweck zu erreichen. Die Briefe werden besonders von ihnen dazu benutzt, um die Standorte der einzelnen, zu bestimmte» Korps gc- hörenden Regimenter festzustellen sowie die Höhe der Einzelverlupc, Truppenverjchiebungen und dergleichen daraus zu berechnen. Die Bevölkerung wird demnach aufs dringendste davor gewarnt, Feld- postbriefe an dritte Personen auszuliefern oder Auszeichnungen auS solchen zu gestatten. Von verdächtigen Anträgen solcher Art ist der nächsten Militär- oder Polizeibehörde schleimigst Kenntnis zu geben."____ Letzte Nachrichten. Geplante Massenversammlung der englischen Kohlcnarbeitcr. London, 2. Juli.(T. u.) Eine große Versammlung der eng- lischen Kohlenarbeiter, an der sich etwa 30 000 Arbeiter beteiligen werden, wird am 7. Juli in London stattfinden. ES soll beraten werden, Mittel zur Verfügung zu stellen, um für die Kohlenaus- beute mehr Arbeitskräfte zu gewinnen. Die Versammlung wird unter Vorsitz von John Simon abgehalten werden. Verschiedene Redner, u. a. auch Lloyd George, haben sich bereit erklärt, Acußc- rungen kundzugeben. Errichtung eines holländischen Mnnitionsamtcs. Amsterdam, 2. Juli.(T. II.) Als Ergebnis einer Besprechung. welche im Haag zwischen dem Kriegsminister und einer Anzahl von Fabrikanten stattfand, wurde, hiesigen Blättern zufolge, die Errichtung eines Munitionsamtes beschlossen. Diese Stelle hat Vorbereitungen zur Erzeugung von Munition durch die nieder- ländische Industrie zu treffen für den Fall, daß die Niederlande unverhofft in den Krieg verwickelt werden sollten. Die Leitung des Amtes, das seinen Sitz im Haag nehmen soll, ist dem Professor an der Technischen Hochschule in Telft, L. A. van Royeu, übertragen worden. SLI Blusen-Anzüge hocbs-eschloueo, in vielen Streifen, nur Große 1 und 2 �»96 BluSen-.Anzüge gestreifter Wascbstoff, mit stiöncr Garnierung: Gr. 1-6 Blusen-Anzüge gestreifter Waschstoff, mit Ueberkiayen. Größe 1— 6 4*10 Prinz-Heinrich-Anzüge ��f'SöÄ 5.50 5.— Schlupfer- Anzüge 5.50 5.— Ganz besonders zu beachten! Imitierte Ra�itanTiiore HeiÄriciif Schlupferform 1 1 1 C I L C UdbLcinZUge mit festen Ucberkragen und Manschetten Große< 3 u. 4 U.— Gioße � 5 u. 6/• Größe Q_ Größe A 7,8,9 O. 10,11,12 7.— mit abknöpfbarem Ueberkragen und Manschetten �r5ße 1—rn Größe O_ Größe A_ Größe 1 A 3 cl 4/• 5 u. 6 O. 7,8,9 y.-' 10,11,12 Xv.*- Kieler Form mit festem Ueberkragen und Manschetten 3� 6.50 5G� 7.50 M 8.50 Kpifn 9.50 mit abknopfbarem Kragen und Manschetten fTl 7.50 5G,:fi6 8.50?:!% 9.50 10.50 Waschblusen............. 3.00 2.25 1.95 145 95 Pf. Sport-Hosen blau Satin. Größe 1— 6 2.25... Größe 7— 12 2.50 Waschhosen mit Leibchen............ 1.50 1.10 65 Pf. Sport-Hemden, Mützen, Hüte, Gürtel �J�rtduÄX£ BAER SOHN Chausseestraße 29-30 BERLIN H Brückenstraße 11 �Gr. Frankfurter Str. 20 1891 Schönebg., Hauptst. 10 Sadstker Holzarbeiter-Verband Verwaltung Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungeftratze 30. Nach dem Arbeitsvertrage für das Berliner Holzgewerbe vom 16. Februar 1913 treten mit dem 1. Juli 191» folgende Bestimmungen in Kraft: I. Die ÄrheifsAeif beträgt für alle dem Bertrage unterstehenden Branchen 39 Stunden die Woche. Die tägliche Arbeitszeit beträgt in den ersten fünf Tagen der Woche je S'/z Stunden und Sonnabends 7Vz Stunden, mit der Mastgabe, dast nach Position 5 des Vertrages an den ersten fünf Tagen der Woche spätestens um S'/z Uhr und Sonnabends um 4'/, Uhr Arbeitsschlust ist. Gegen eine anderweitige Regelung, die Arbeitszeit so festzusetzen, dast der Arbeitsschlust an den ersten fünf Tagen der Woche um 5 Uhr und Sonnabends um 4 Uhr eintritt, ist nichts einzuwenden. In den Betrieben, wo bisher eine kürzere Arbeitszeit bestanden, oder die Pausen so geregelt waren, dast dadurch ein früherer Arbeitsschlust er- folgte, behalten diese Vereinbarungen Gültigkeit. n. Als Tuhuausgleich für die Arbeitszeitverkürzung tritt 1 Pfennig Lohnerhöhung für Lohnarbeiter«nd IVa Prozent Aufschlag für Akkord- arbeiter ein. ni. Für die Ladeueinrichtungs- und Kontormöbel- Branche neben der Verkürzung der Arbeitszeit nach Position 1 des Neben-Vertrages eine Er- höhung des Einstellungslohnes von 59 auf 69 Pf., nach Position 2 von 64 auf 65 Pf. IV. Nach§ 1 des Tarifvertrages der Treppengeländer-Branche erhöht sich der Mindestlohn ab 1. Juli von 69 auf 65 Pf., für die im Absatz 2 Z 1 benannten Arbeiter von 69 auf 79 Pf. die Stunde. V. Für die 3)!odclltifchlör regelt sich die Arbeitszeit, wie im Arbeitsvertrag für die Modellfabriken in Position 2 Absatz 3 vorgesehen. Der Mindestlohn wird nach Position 4 von 79 auf 89 Pf. pro Stunde erhöht. Ebenso tritt nach Position 5 für die bestehenden Löhne eine Erhöhung von 1 Pf. die Srunde ein. VI. Für die Bautischler gelten die im Tarif festgesetzten Preise. WM" Alle etwa entstehenden Differenzen sind der Schlichtungs Kommission zu melden. 85/2 Aleehsnikkr-Mtel* Sehlosser-Anzfige kaufen Sie am besten und billigsten in dem gröfiten Spezialgeschlift von Kohnen& Jöring, Arbeits- und Berufs-Kleidung Alexanderstraße 12. Rosentbaler Straße 53. Landsberger Allee N8. Nenkölln, Bergstr. 66. t llgemein-verlclileilsnes Uruitrele CigaretteniafiriK. M ANOLI ZIGARETTEN i D e u f s cfa 1 a n d* fahrende Marke Erscheint 2 mal wr5chentlich. BOSN1A CIßAEETTEN Eiwas «anz Besonderes Kressin f BezugsqjMeilew-VenzeichwiSn| Unteottshends fieachäfte empfehlen sich b. Einkauf. aierDrauereLBiertifli! 3iU tuaua 3�3 'Sigactltc- I Rätichf herbstest Zigaretten I a fllkoholfr. Betränke P Franz Abraham Oaiub. Messina-u.Römertrank-Kell. C�äJarlelBlr�iiJFern� .JÄÜSl! Arkona-Bad, Ankiamer-Str. 34. M Landsberger Str. 107, Gollnowstr.41.Liefer. sämtlich. Krankenk. ad ad Börse, Dirksenstr. 60. fentral-Bail A�rÄ. es. Diana Dar! Koppenstr. 93 Uldllü'DuU sämtliche Bäder. 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Redakt.; Alfred Wiklepp. Neukölln. Jnjeratenteik verantw. TS.Glocke, Berlin. Driuiu.Berlag:BorwärlsBtlchdr.u.Verlagsanstatt Kaul Singer&. Go.( Berlin SW. Hierzu Z Beilagen u. Unterhaltungsbl. Dr. I8L 32. Iahrgaug. 1 Ktilm des Jotnörti" Kerlim WIdsdlstl. Zolmabeud. 3. Juli l913. Gegen Parteizerrüttung! In Parteikreisen wird ein Flugblatt verbreitet, in dem die Partei aufgefordert wird, die von ihr seit dem Beginne des Krieges eingenommene Haltung von Grund aus zu andern, den Burgfrieden aufzusagen und in schärfster Form den Kampf gegen die Regierung aufzunehmen. Das Mach- Werk strotzt von den schwersten Vorwürfen gegen die Mehr- heit der Reichstagsfraktion und die Parteileitung der deut- fchen Sozialdemokratie. Es ist an dieser Stelle unniöglich, den ganzen Wust von Entstellungen und Verdrehungen zu entwirren, der in dieser Kundgebung einer Gruppe der Partei- opposition angehäuft ist. Es muß genügen, das Wesentlichste herauszugreifen. Die Verfasser behaupten, die Partei treibe seit dem 4. August„im Kielwasser der imperialistischen Eroberungs- Politik". Sic erklären wörtlich: „Die Reichstagsfraktion, in der auch die meisten Mit- glieder des Partcivorstandes sitzen, hat den Widerstand gegen die imperialistische Eroberungspolitik aufgegeben. Und nicht aus bloßer Schwäche und Burgfriedensfreudig- keit, sondern weil ein erheblicher Teil der Rcichstagsfrak- tion— ebenso wie der preußischen Landtagsfraktion und wie andere einflußreiche Genossen— in konsequenter Fortbildung der Politik des Durchhaltcns, d. h. der hcmmungs- lasen Völkerzcrflcischung, auch dieser Eroberungspolitik mit vollem Bewußtsein anhängt." Diese Sätze stehen mit der Wahrheit in schroffstem Wider- fpruch. In Wirklichkeit haben Fraktion und Parteileitung von Beginn des Krieges an bis auf den heutigen Tag keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie Gegner einer im pcrialistischen Eroberungspolitik sind. In der Erklärung der Reichstagsfraktion vom 4. August wird gesagt: „Die Folgen der imperialistischen Politik, durch die eine Aera des Wettrüstens herbeigeführt wurde und die Gegensätze unter den Völkern sich verschärften, sind wie eine Sturmflut über Europa hereingebrochen. Die Vcrant- Wartung hierfür fällt den Trägern dieser Politik zu; wir lehnen sie ab!" Es wird weiter in der Erklärung der Reichstagsfraktion gesagt, daß wir„jeden Eroberungskrieg" verurteilen, und es wird hinzugefügt: „Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht." Genau den gleichen Standpunkt hat die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion bei allen folgenden Rcichstagsver- Handlungen vertreten. Zuletzt ist dies noch geschehen durch die Rede des Genossen Ebert vom 29. Mai. In der sozial- demokratischen Partei gibt es keinen Parteigenossen, der jemals eine Politik des„DurchHaltens" im Sinne einer „hemmungslosen Völkerzerfleischung" vertreten hat. Wir haben also wiederholt und vor aller Welt bekundet, daß wir die cntschiedcusten Gegner aller Erobcrungsplänc sind. Auch außerhalb des Parlaments haben wir, soweit sich dazu die Möglichkeit bot, in dem gleichen Sinne gewirkt. Die Verfasser des Flugblattes wissen das. Trotzdem haben sie jene unwahren Behauptungen in die Welt gesetzt. Das Urteil über ein solches Verfahren überlassen wir den Partei- genossen. Die Verfasser des Flugblattes wagen weiter zu behaup- ten, die Reichstagssitzung im Mai habe die„Vollendung des Zusammenbruchs" der Politik der Fraktions- Mehrheit gebracht. Sie bezeichnen das von: Genossen Ebert abgegebene Bekenntnis zur Politik vom 4. August als ein erneutes Bekenntnis„zur Willfährigkeit gegenüber der Re- gierung und den herrschenden Klassen". Wie stand die Sache des deutschen Volkes in jenen Mai- tagen? Zu den drei gegen uns kämpfenden europäischen Großmächten war die vierte hinzugekommen. Italien war in den Krieg eingetreten. Die zahlenmäßige Ucbcrmacht unserer Gegner hatte eine neue gewaltige Verstärkung erfahren. Die Absperrung der Zentralmächte vom Weltverkehr war damit nahezu vollendet worden. Die ganze militärische und poli- tische Lage hatte sich für Deutschland wieder wesentlich vcr- schärft. Angesichts dieser, durch die Eroberungspolitik Italiens heraufbeschworenen neuen Bedrohung war es einfach unsere Pflicht, erneut zu bekunden, daß wir entschlossen zu unserem Volke stehen und gemeinsam mit ihm alle Kraft ein- setzen, um dieser neuen Gefahr Herr zu werden. Das mußten wir tun. Im Interesse unseres Landes und seiner Arbeiter- klasse— und nicht den herrschenden Klassen zuliebe, wie jenes Flugblatt behauptet. Das Flugblatt wirft den leitenden Körperschaften der Partei„Hintertreppenpolitik" vor. Was soll dieser giftige Anwurf? Ist es„Hintertreppenpolitik", ist es gar„Hinter- treppenpolitik nach dem Muster kapitalisti- scher Klänge l", wenn die Vertreter der Partei und der Gewerkschaften das ihnen anvertraute Mandat Pflicht mäßig benutzen, um Beschwerden oller Art, die ihnen fortgesetzt aus Parteikreisen zugehen, direkt zur Kenntnis der Behörden zu bringen und sie dort in nachdrücklichster Weise zu vertreten. Sollten sie nicht die Durchführung wirksamer Wirtschaft- l i ch e r und sozialpolitischer Maßnahmen fordern und vertreten? Hätten sie es ablehnen sollen, einzutreten für die Freigabe unterdrückter Zeitungen, die Entlassung zu Unrecht verhafteter Ge- Nossen? Lediglich zu dem Zwecke, Arbeiterinteressen zu vertreten, sind Mitglieder der Partei- und Fraktionslcitung mit Reichsämtern in Verbindung getreten. Wer etwas anderes behauptet, spricht die Unwahrheit» Durch eine solche Kampfesweisc dient man gewiß nicht der sachlichen Verständigung, dadurch untergräbt man ledig lich das gegenseitige Vertrauen, vergiftet das gesamte Partei leben. Besonders höhnt das Flugblatt wegen der Reichstagsrede des Genossen Scheidemann über die Zensur, weil dieser „untertänige Hoffnunge n" auf eine Milderung der Zensur von einer Fürsprache beim Kaiser erwartet habe. Hierzu sei festgestellt, daß in einem Kommandobczirk der die Zensur ausübende General, indem er Ver gleiche mit der Handhabung der Zensur in anderen Korps bezirken zurückwies, erklärte, daß ihm nur der Kaiser etwas zu sagen hätte. Unter ausdrücklicher Bcru fungdaraufhat Scheidcmann in seiner Rede am 29. Mai nach dem amtlichen Stenogramm ausgeführt: „Die Zensur generale berufen sich darauf, daß über ihnen niemand als der Kaiser stehe. Wie nun die Dinge einmal liegen, ist das leider richtig. Die Zivil behördcn haben zu unserem Bedauern sich die MachtausdcrHandnchmcnlassen. Sie hätten von vornherein viel größeren Widerstand gegen die Ver hängung des Belagerungszustandes über das ganze Reich entgegensetzen sollen. Unterden obwaltenden Um- st ä n d e n können wir nun gar nicht anders, als den Wunsch aussprechen, daß sich die Zivilbehörden an den Kaiser wen den mögen, damit er— der einzige Mann, der es nach der Lage der Dinge kann!— den kommandierenden Generalen sagt, daß sie sich nicht gar zu viele— ich will sagen: böse Geschichten von ihren Beratern einbrocken lasse n." Der Reichstagsfraktion wirft das Flugblatt vor, daß sie es abgelehnt habe, gegen den im Vergeltungsprinzip liegen den„Wettlauf der Grausamkeit" zu protestieren der die Zivilbevölkerung immer tiefer in die Schrecknisse des Krieges reißt. Ueber die Stellung der Sozialdemokratie zu den im Wesen des Krieges liegenden Grausamkeiten kann kein Zweifel sein: sie verwirft sie, wie den Krieg selbst. An gesichts der Gefahren, von denen Deutschland umgeben ist, einseitig der deutschen Kriegführung Vor würfe zu machen, wäre im höchsten Maße ungerecht und das deutsche Volk würde für eine solche Art der Kritik kein Verständnis haben. Wenn besonders der Seekrieg grausame Härten gezeitigt hat, so bedauern wir das sehr. Der See krieg wird leider nach den Grundsätzen geführt, die der englische Seclord Fisher in die Worte gefaßt hat:„Während des Krieges ist Mäßigung Blödsinn". Es ist eine Irreführung, wenn das Flugblatt der Oppo sition behauptet, die von der Sozialdemokratie seit dem 4. August betriebene Politik bedeute„d a s Kreuz auf dem Grabe des Klassenkampfe s". Denn die Verl fasser des Flugblattes wissen sehr gut, daß Reichstagsfraktton und Parteileitung auch während der Dauer des Krieges, so weit das überhaupt möglich ist unter dem durch den Kriegs zustand auferlegten Burgfrieden, alles, was in ihren Kräften stand, getan haben, um die wirttchaftlichcn und politischen Interessen der deutschen Arbeiterklasse zu sichern. Keine Gelegenheit ist versäumt worden, wenn es galt, in der Frag der Lebensmittelteuerung, in der Frage der sozialen Fürsorge und in allen niit dem Belagerungszustand im Zusammenhang stehenden Fragen mit aller Energie die wirtschaftlichen und politischen Interessen der breiten Massen des werktättgen Volkes zu vertreten. Daß die Klassengegensätze auch während des Krieges fortbestehen und der Kampf gegen die Klassen Herrschaft nach dem Kriege wieder aufleben wird, ist selbst- verständlich. Nur Böswillige können behaupten, die Sozialdemokratie habe den Klassenkampf abgeschworen. Die über die notwendigen Grenzen hinausgehende Handhabung des Burgfriedens ist von uns stets entschieden bekämpft worden. Die V o r b e d in g u n g für die erfolgreiche künftige Führung des Klassenkampfes ist aber die Sichc- rung der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit unseres Landes. Dieser Sicherung zu dienen ist deshalb die Pflicht der deutschen Sozialdemokratie. Auf eine Drohung mit der Partei spaltung läuft es letzten Endes hinaus, wenn die Verfasser des Flug- blattes am Schlüsse erklären,„die Verantwortung für alles, was sonst kommt", falle den leitenden Instanzen der Partei zu, wenn diese nicht unverzüglich mit der Politik des 4. August brächen. Jede Drohung, die auf eine Parteispaltung hinzielt, ist ein Verbrechen an der Partei, ein Verbrechen an der gesamten Arbeiterbewegung. Wir zweifeln nicht daran, daß die Parteigenossen aller- orts deshalb die Gefahr erkennen, die in derartigen Treibe- reien liegt, und daß sie den Organisationsschädlingen ein ge- bieterisches:„Bis hierher und nicht weiter!" cntgegenrufen werden. Nach dem Abschluß des Krieges werden besonders auch in der inneren Politik so wichtige Aufgaben zu lösen sein, wie das seit der Gründung des Deutschen Reiches noch niemals der Fall war. Wir denken an die Verteilung der Lasten, die dieser Weltkrieg dauernd dem Volke auferlegen wird, an die Schwierigkeiten bei der Fortführung der Sozialpolitik, an die großen wirtschaftlichen Kämpfe, an die Reformen, die es auf dem Gebiete des Ve r fas s un g s w es e n s durchzukämpfen gilt. In der kommenden Zeit wird der deutschen Arbeiterklasse eine starke einige Sozialdemokratie nötiger sein denn je. Berlin, den 28. Juni 191S. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. politische Uebersicht. Die Notwendigkeit der Wahlreform in Preußen. Sämtliche bürgerlichen Parteien haben bei der letzten Landtagstagung eine Erörterung der brennenden Wahlrechts- frage abgelehnt. Der nationalliberalc ReichstagSabgcordnete Dr. Böhme erhebt nun im„Deutschen Kurier" von neuem Vorwürfe gegen die Regierung, daß s i c nicht die Initiative in dieser Frage ergriffen habe. Böhme erinnert an seinen früheren Artikel, in dem er der Regierung diesen Weg nahe- gelegt hatte: .Die Regierung mußte die Führung übernehmen, aus dem Streit der Parteien war natürlich kein positives Ergebnis zu er- warten. Es war hier� serner die Ueberzeugung ausgesprochen worden, daß es der Staatsrcgierung unendlich leichter werden würde, in dem gegenwärtigen Zeitpunkt bei ernstem Willen und ilnter Anwendung aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel eine Reform zu erzwingen, als in der Zeit erneuter Parteikäinpfe nach Friedensschluß, in einer Zeit völliger Freiheit der Presse. Die Macht, die jetzt in den Händen des Staates liegt, wäre ohne Frage für ihn eine gewaltige Hilfe auch auf diesem Gebiete gewesen. Die Regierung hat den günstigen Augenblick nicht benutzt und wird nach Beendigung des Krieges vor einer Auf- gäbe stehen, die deshalb, weil dann Autorität und Machtmittel unendlich geringer sind, zu ungleich größerenSchwierig- leiten für sie führen dürfte." Dr. B ö h ni c hält die Reform für dringlich, um„den bisher abseits stehenden größten Teil der Arbeiterschaft als mitarbeitenden, aber auch mitbestimmenden Faktor" in unser öffentliches Leben einzufügen, um dadurch spätere ernstere Konflikte zu vermeiden. Dr. Böhme glaubt offenbar an eine Fortsetzung des„Burgfriedens" auch über den Krieg hinaus, wenn man nur jetzt gewisse Konzessionen an die Arbeiterschaft mache: „Ist es denkbar, daß diese Masse, die so praktisch an dem bestehenden Staat mitarbeitet, daß ihr Zentralorgan Tag für Tag kaum die Anzeigen fassen kann, die dort Zeugnis legen von der Fülle der Opfer, die auch diese Schicht bringen muß. nun- mehr, sobald die FriedenSglocken läuten, die unendlich leichtere Friedcnsarbeit ablehnt, weil dann auf einmal wieder der eherne Grundsatz erscheint, daß dieser Staat und diese Ge- sellschaft erst zugrunde gehen müssen, bevor sie eines Umbaues gewürdigt werden? Das sind Theorien, die heute schon praktisch tot sind, die mir dem Augenblick auch verstummen, in dem im Innern die Millionen mitreden, die heute in den Schützengräben stehen." Aber selbst die Hoffnung auf innerliche Wandlung der sozialdemokratischen Massen hat bekanntlich die bürgerlichen Parteien im Landtage nicht abgehalten, die Einräumung der politischen Glcichbcrcchttgung nach wie vor zu verweigern. „Kampf ohne Gnade". Uns wird von einem Philologen geschrieben: Im Aufruf des Parteivorstandes vom 26. Juni findet fich u. a. ein Hinweis auf eine Aeußcrung V i v i a n i§, die als„Proklamation des Kampfes bis zum Weißbluten" bezeichnet wird. Viviani soll danach am 22. Dezember 1914 in der franzö- fischen Dcputiettenkammer gesagt haben: „In der jetzigen Stunde ist nur eine Politik möglich: Kampf ohne Gnade bis zur endgültigen, durch einen völlig siegreichen Frieden gesicherten Befreiung Europas." Im Anschluß daran wird der sozialistischen Kammerfraktion und dem sozialdemokratischen Parteivorstaud der Vorwurf gemacht, daß sie gegen diese Losung des Kampfes ohneGnade kein Wort des Widerspruchs erhoben hätten. In Wirklichkeit handelt e§ sich hier um ein einfaches Miß- Verständnis, welches auf einer ungenauen lieber« s e tz u n g beruht, die seinerzeit sämtliche deutsche Leser über den Tatbestand irregeführt hat. Viviani gebrauchte den Ausdruck „combat sans merci", der höchstens„erbitterter Kamps" bedeutet(siehe Bd. XI, S. 57 des großen Wörterbuches von Pierre Larousse). Sollte die Viviani in den Mund gelegte Losimg des „Kainpfs ohne Gnade" stimmen, so hätte er den Ausdruck gr&ce, pitie, pardon oder clemence gebrauchen müssen. Die„Frankfurter Zeitung" hat die Korrektur„erbitterter Kampf" nachträglich in indirekter Form gebracht. Jetzt, wo von dieser Erklärung VivianiS nochmals Gebrauch gemacht wurde, ist eS notwendig, daß das dargelegte Mißverständnis ausdrücklich. festgestellt wird._ „Befürchtung". Auf eine Beschwerde ist der nachfolgende Bescheid-erteilt worden: Königl. Landrat. I.- Nr. 4626 L. Wittenberg, den 18. Juni 191o. Auf die hier zu Protokoll gegebene Beschwerde vom 12. d. M. eröffne ich Ihnen crgebensr, daß ich zu meinem Bedauern nicht in der Lage bin, die von Ihnen erbetene Er- laubnis zur Abhaltung einer Mitgliedcrversamm- litng des Deutschen Bauarbeitervcrbandes zu erteilen. Stach den angestellten Ermittlungen ist zu befürchten, daß die beabsichttgte Versammlung nicht nur der Besprechung der auf den... Werken und den dort entstehenden... Werken herrschenden Arbeiter- und wirtschaftlichen Verhält- nissc, wie in Ihrer Erklärung angegeben, dienen, sondern auch dazu verwendet werden wird, für den von Ihnen vcr- tretenen Verband Mitglieder zu werben so- wie Unzufriedenheit mit den bestehenden staatlichen und sozialen Verhältnissen unter den Arbeitern zu verbreiten. Es muß daher bei dem Ihnen von dem Herrn Amtsvorsteher in Klein-Wittenbcrg erteilten Bescheid sein Bewenden behalten. An den v. T r o t h a. Gewerkschaftssekretär Herrn Wilhelm Prievenau in Piesteritz._ Haussuchunge». In den Redakttonsräumen der„Bergischen Arbeiterstsimne" in Solingen und in den Privatwohnungen der Redakteure Dittmann und Merkel wurde am Montag von der Polizei nach dem bekannten an Parteivorstand und Reichs- 5«®e,uuta Dienstag, den 29. Juni, früh, wurden in Düsseldorf bei sechs Genossen und einer Genossin durch Beamte der Politischen Polizei Haussuchungen vorgenommen, ebenso bei einigen Genossen im Landkreise. Gesucht wurde nach Flugblättern und Broschüren, u. a. auch nach dem Friedensaufruf des Parteivorstandes, der nach Angabe eines der Beamten auch als Flugblatt herausgegeben worden sei. Am Dienstag nahm die Polizei in den Privatwohnungen aller Vorstandsmitglieder des Sozialdemokratischen Vereins, im Parteibureau, im Arbeitersekretariat, im Metallarbeiter- bureau und in der Arbeiterzeitung in Remscheid Haus- suchungen vor. Gesucht wurde nach dem bereits mehrmals erwähnten Flugblatt vom 9. Juni, das an die Adresse des deutschen Parteivorstandes gerichtet ist. Gefunden wurde ein Privatexemplar eines Genossen. Das war die dritte Haus- suchung in der Zeit von 14 Tagen. JnDüsseldorf wurden am Dienstag die Haussuchungen fortgesetzt, so besonders im Parteigeschäft. Diesmal galt die Durchsuchung ausschließlich dem angeblich vom Partcivorstand herausgegebenen Flugblatt„Sozialdemokratie und Frieden". Gefunden wurde, wie am Tage zuvor, wieder nichts. Von der Polizei wurde noch ausdrücklich erklärt, daß das Flugblatt weder gedruckt noch verbreitet werden dürfe. Haussuchungen mit demselben ergebnislosen Erfolg fanden in Krefeld statt. Kriegsgegner in England. Neben den britischen Sozialisten der Unabhängigen Arbeiterpartei, wirkt im Sinne des Friedens in England die Union für demokratische Konttolle, der auch einflußreiche bürgerliche Kreise angehören. Von der Propaganda der englischen Friedensfreunde hat man in Deutschland keine rechte Vorstellung, zumal wenn man die englischen Zensurverhält- nisse denen auf dem Festlande gleichsetzt. In Wirklichkeit herrscht in England freie Diskussion über Kriegs- und Friedens- ziele. Auch für die direkte Agitation gegen den Krieg bestehen daher dort alle Möglichkeiten. Eine sehr wertvolle Sammlung solcher englischen Antittiegs-Schriften gibt der Verlag Birk u. Co., München, unter dem Titel„Kriegsgegner in England"(68 Seiten, Preis 50 Pf.) heraus. Es enthält die Uebersctzung von 20 Aufrufen der kriegsgegnerischcn Organisattonen und Artikeln aus englischen Zeitungen. Das Vorwort erhofft nicht ohne Grund, daß die Arttkel„ihren Ein- druck auf den deutschen Leser nicht verfehlen werden, weil die Sachlichkeit und Menschlichkeit, welche sie auszeichnen, an die- selben Eigenschaften bei ihm appellieren." Die dritte deutsche Kriegsanleihe. Durch die„Nordd. Allg. Ztg." und durch Wolffs Tele- graphenbureau ist ausführlich über eine Unterredung berichtet worden, die Staatssekretär des Reichsschatzamtes Dr. Helfferich mit einem Journalisten über die englische Kriegsanleihe gehabt hat. Offenbar hat es sich hierbei aber lediglich um die An- kündigung der dritten deutschen Kriegsanleihe gehandelt. Helfferich sagte u. a.: Wir haben bisher mit unfern beiden Kriegsanleihen rund 13 500 Millionen Mark=-= 660 Millionen Pfund Sterling aufgebracht gegenüber einem bisherigen Anleiheergebnis von 331 Millionen Pfund Sterling bei den Engländern. Unfern weiteren Bedarf werden wir auf demselben geraden und einfachen Wege der Begebung fünfprozentiger Kriegsanleihen decken. Wir brauchen keine künstlichen Reizmittel. Vielleicht können wir den Ausgabekurs der dritten Kriegsanleihe wieder etwas höher setzen.— Die„Verl. Neuest. Nachr." können nun ver- sichern, daß die Aeußerungen des Staatssekretärs Helfferich in Bank- und Börsenkreisen recht guten Eindruck gemacht haben. Daß eine dritte deutsche Kriegsanleihe— vielleicht zum Herbst— nötig wird, sei bekannt. Recht erfteulich sei aber, daß der Kurs für die dritte Anleihe abermals eine Er- höhung erfahren dürste._ Familienunterstützung. In Erläuterung der Ziffer 1 des Runderlasses vom 28. April d. I. betr. die Unterstützung von Familien in den Dienst getretener Mannschaften(A. V. Bl. S. 269) wird bemerkt, daß vom 1. Mai d. I. ab auch die erwerbsunfähigen Eltern und Großeltern derjenigen aktiven Mann- schaffen zu unterstützen sind, die in Friedenszeiten als deren einzige Ernährer gemäß§ 32,2a der Wehrordnung zurückgestellt worden wären, die aber wegen des Krieges und nnt Rücksicht auf§ 99,1 a. a. O. nicht reklamiert worden sind. Diese Voraussetzung für die Unterstützungsbewilligung muß in jedem Einzelfall von dem Zivilvorsitzenden der zuständigen Ersatz- konimission anerkannt sein und die betreffenden Mannschaften müssen ihren erwerbsunfähigen Eltern und Großeltern tat- sächlich Unterstützung gewährt haben.— Vorstehender Erlaß des Ministers des Innern wird vom Kriegsministerium zur Kenntnis der Armee gebracht. Ausweise in Familienunter- stützungsangelegenheiten sind künftig allen aktiv dienenden Mannschaften— für die rückliegende Zeit nur auf Antrag— auszuhändigen. Die ursprünglich vorgeschriebene Aufführung aller unterstützungsberechtigten Famllienaugehörigen auf der Rückseite der Ausweise fällt fort. Beschlagnahme von Lnfteiweih. Der Reichskanzler hat auf Grund des Patentgesetzes vom 7. April 1891 alle durch Patente geschützten oder noch zu schützenden Verfahren zur Herstelung von Ei- w eitz mit Hilfe der Hefe(aus der Luft), be- schlagnahmt. Damit soll die Sicherherstellung der Maffenerzeugung von Eiweiß für Nahrungs- und Futterzwecke fi-r die Zukunft gewährleistet werden. Das Lob der Armen. In hohen Tönen preisen französische Blätter die Taten und Leistungen der armen Proletarier in der Armee. So schreibt der„ G a u l o i s": „Unter denen, die sich schlagen, verdienen noch die meiste Be« wunderung die Armen, denn sie sind die einzigen, die nichts zu verteidigen haben— als das Vaterland." Im„Echo de Paris" begeistett sich der Akademiker Maurice Barrös für die Zöglinge der„öffentlichen Unterstützung": „Die Kinder der öffentlichen Unterstützung zeigen, daß sie dieser Fürsorge wert sind. Denn die Tabelle... weist für das Seine-Deparlement«19 Namen von Freiwilligen auf. 383 sind auf dem Felde der Ehre gefallen, 694 wurden verwundet, einer ist Ritter der Ehrenlegion, acht haben die Militärmedaille erhalten, acht wurden zu Offizieren ernannt... Ihre Wiege stand in einem Verwaltungsbureau. Das verteidigen fie." Im„Jntransigeant" schwärmt ein Poet: „Wenn meine Leier aus grünem Holze klangvollere Saiten hätte, würde ich die armen Namenlosen besingen, die um so Helden- hafter waren, als fie wußten, daß man sie nicht kannte. Diese Jungen von der Scholle, von der See und aus der Fabrik, die ein Ideal einen einzigen Augenblick lang mit seiner sonnigen Klarheit erleuchtete, und die gestorben sind wie sie gelebt haben: im Dunkel des Unbekanntseins." Zu diesen Preisgesängen bemerkt die„ B a t a i I l c Syndicaliste": „Niemals sind die Armen mit so viel Lobsprüchen bedacht worden als in diesen Kriegszeiten. Niemals hat man bei ihnen so viel Tugenden entdeckt. Sie konnten im Laufe ihres elenden und düsteren Parialebens hundertmal mehr Heroismus ent- wickeln, als sie auf dem Schlachtfelde gezeigt haben: niemand hat es bemerkt, niemand ist ihnen zu Hilfe gekommen, niemand hat ihren Ruhm verkündet. Da kommt der Krieg, und alles ändert sich. Der niedrige Arbeiter erscheint plötzlich der Bewunderung wert, und die Zeitungen singen sein Lob. Nicht wahr, das ist ein Gegenstand zum Nachdenken für die Arbeiter." Die Gemeindewahlen in Holland. AuS Amsterdam schreibt man unS: In der ersten Juli- Woche erneuern die holländischen Gemeindevertretungen ein Drittel ihrer Mitglieder. Bis zum 29. Juni müssen die Kandidaten nomi- niert sein. Die Wahlbewegung ist diesmal, ohne gerade leiden- schaftlich zu sein, recht lebhaft. Der Burgfrieden, für den bei manchen bürgerlichen Parteien Stimmung vorhanden war, ist nicht bewahrt worden, vor allem infolge des Entschlusses der Arbeiter- Partei, im Hinblick auf die wichtigen Probleme, die den Gemeinden in der nächsten Zukunft gestellt sein werden, ihren Einfluß in den kommunalen Körperschaften möglichst zu verstärken. Namentlich ist es in Amsterdam, wo unsere Genossen, die den Kampf auf der ganzen Linie aufnehmen, auf Erfolge rechnen. Die sozialistische Fraktion besaß bisher ein Drittel der Sitze, nämlich IS. Die Ge- nossen hoffen auf einen Gewinn von zwei, vielleicht auch mehr Mandaten. Die bürgerlichen Parteien gehen in den Amsterdamer Bezirken, wie auch sonst im Lande, mit einer nach den lokalen Ver- hältnissen wechselnden Taktik vor, teils mit Achtung des bisherigen Besitzstandes, teils in mehr oder minder weit reichenden Koalitionen, teils auch mit selbständigem Wettbewerb. Vom Ergebnis der Wahlen hängt besonders auch die Art der Deckung der den Gemeinden durch den Krieg entstandenen finanziellen Lasten ab. Die bürgerlichen Parteien sind im ganzen und großen für Steuerzuschläge, die Arbeiterpartei fordert eine von den Be- fitzenden zu wagende einmalige Abgabe. Die Opposition in Frankreich. Der„Berner Tagwacht" wird aus Paris geschrieben: Der Bericht der Parteiföderation Haute Vienne wird allem Anschein nach zum Wendepunkt in der Geschichte der französischen soziattsttschen Bewegung seit dem Ausbruch des Krieges werden. Nun erst beginnt sich die Opposition als bedeutende Kraft im Organismus der Partei zu konstttuieren. Bis jetzt haben wir nur mit schwachen Regungen des opposilionellen Geistes zu tun gehabt, ausgenommen die syndikalistischen Kreise, denen in der Person des Genossen M onatte das fran- zösische Proletariat zur Rettung seiner Ehre zur Zeit des größten Zerwürfnisses verpflichtet ist. N i c o d, der als erster gegen den Nationalismus der Parteizentren auftrat, konnte sich nur auf eine schwache provinzielle Gruppe(die Föderation des Departements Ain) stützen, deren Blatt nach der„Verbannung" des Genossen Iiicod in die Kaserne seinen Kampfcharakler wieder verlor. Auf der Fe- bruarkonferenz der Departementsseiretäre der Parteiföderationen, die vor der Londoner Konferenz der„Tripelentente-Sozialisten" stattfand, trat neben Nicod noch der Abgeordnete des Departements Jssre (Hauptstadt Grenoble) Raffin-Dujance als Vertreter der Opposition auf. Er vertrat schon eine sehr starke guesdistische Partei- organisation, konnte aber zu dieser Zei noch auf keine klare Positton der letzteren sich stützen: sie folgte, durch die allgemeine Mobilisation blutlos geworden, wie die übrigen Parteiorganisationen, passiv den Spitzen der Partei. Die Politik des Burgfriedens, des Friedens zwischen den Parteien, die in der Teilnahme am Ministerium der„nationalen Verteidigung" ihren Ausdruck fand, mutzte in den Arbeitermassen, schon unabhängig von den Erfahrungen des Krieges selbst, eine Reattion hervorrufen. Die französischen Sozialisten waren gezwungen, von einer wirklichen, nicht nur platonischen Verteidigung der Interessen des Proletariats und der bürgerlichen Freiheiten Abstand zu nehmen, obwohl diese von der republikanischen Regierung fortwährend mit Füßen getteten wurden. Die Teilnahine an der parlamentarischen Kontrolle, die Ausübung des Jnterpellattonsrechts wurden zu einer Fiktton, und die Partei, die sich eingebildet hat, daß die bürgerliche Gesellschaft sie nun endlich als polittschen Faktor gleichen Rechtes anerkannt habe, sah sich kraftlos, ihre Presse vor der reaktionären Zensur, ihre Mitglieder vor den Verfolgungen der Polizei und der Militärgewalien zu verteidigen, sowie die Arbeiter von der schamlosesten Behandlung seitens der Bourgeoisie in allen den Fällen zu schützen, wo es die vom Kriege verlangten Opfer zu der- teilen galt. Es ist ganz natürlich, daß die ersten Proteste aus den Parteikreisen, die noch von der Ideologie des Sozialpatriotismus hypnotisiert sind, sich nicht gegen die Teilnahme des Sozialismus am Kriege selbst auslehnten, sondern gegen die mit dieser Teilnahme verbundene Entsagung von einer oppo- sitionellen Taktik in der inneren Politik. Als die parlamentarische Fraktton die Berufung Albert Thomas zum Staatssekretär im Kriegsministerium erörterte— die Berufung, die, Notabene gesagt, nur das eine Ziel verfolgte, die Sozialisten in bezug auf ihre sehr unangenehm gewordene Kritik des Kriegsministeriums zu binden, des Ministeriums, das als Hort der Klerikalen und der Reaktionäre angesehen werden muß und das besonders hinsichtlich der skandalösen Kriezslieferungsbedingungen kompromtttiert worden war—, als also die Fraktion die genannte Berufung erörterte, trat gegen diese eine ganze Reihe von Abgeordneten auf, und ihre Annahme wurde nur auf daS energische Drängen GueSdes und SembatS nttt 41 gegen 16 Stimmen beschlossen. Unter denen, die dagegen gestimmt haben, waren so- gar solche vom Anbeginn des Krieges dem Nationalismus mit Haut und Haar ergebene Führer wie Compsre Morel. In der Parleipresie hat das Blatt von Limogcs, der, P o p u- laire du Centre", den Fraktionsbeschluß offen kritisiert, indem er erklärte, daß man zu Anfang deS Krieges noch mit bestem Ge- wissen Illusionen über die Bedeutung der Teilnahme am Ministerium haben konnte, daß aber jetzt die Erfahrungen mir Guesde und Sembat die Partei zu einer strikten Ablehnung des MinisterialiSmus zwingen. Dieses Auftreten war die Fortsetzung einer vorsichtigen oppo- sitionellen Kritik, die in dem Blatt von Limoges schon seit einigen Monaten von einem namhaften GueSdisten, Paul Fort, geführt wird. Seiner eifrigen Propaganda ist auch die Kundgebung zu ver- danken, die von der Föderation Haute Vienne veranstaltet wurde und die auf die Patteispitzen den Eindruck einer unerwartet > geplatzt« Granate machte. Dieser Sindnick war um so stärker, da die Föderation Haute Vienne eine der größten in der Partei ist. Nach Paris und Lille-Roubaix besitzt Limoges die stärkste Parteiorganisation. Von Jien sechs Abgeordneten des Departements Haute Vienne sind vier Sozialisten. Dabei ist Limoges, ähnlich wie Lille, ein Hort des Guesdismus und seine„Erhebung" ist um so symptomatischer, als Jules Guesde und die Spitzen der französischen Marxisten zu den täligsten Propagan- disten der Versöhnung des Proletariats mit dem Kriege geworden waren. In der Sitzung der permanenten Verwaltungskommission der Partei, in der der Bericht der Föderation Haute Vienne zur Sprache kam, wurde der„Aufruf" der Sozialisten von Limoges vom alten Führer der französischen Marxisten, Jules Guesde, sowie auch von E. Vaillant in der schärfsten Weise verurteilt. Es wurde beschlossen, eine Antwort auf die im genannten Bericht enthaltene Kritik der Pattei auszuarbeiten und an die Organisation zu ver- senden. Im lokalen Pariser Föderationskomitee versuchte E. V a i l I a n t, der Versendung des Berichtes, der von der französischen Parteipresie noch nicht veröffentlicht ist. an die Sektionen der Pariser Rayons entgegenzutreten. Im Laufe der Debatte er« klärte ein altes Mitglied des Komitees: Wenn beschlossen wird, den Bericht nicht zu versenden, so werden die Pariser Arbeiter die russische Sprache erlernen müssen, um zu er- fahren, was sich in der französischen sozialisti- schen Partei ereignet. Der Bericht der Haute Vienne. den weder die„Humanits" noch die„Guerre Sociale" auch nur mit einem Worte erwähnten, wurde ja nur in dem russischen sozialdemokratischen Blatt„Nasche Slowo" ver- öffenllicht. Allein die Talsache, daß ein oppositionelles Partei- dokument eben auf diesem Wege in die Oeffentlichkeit gelangte, hat die Führer fürchterlich düpiert. Ihre Verlegenheil und Eni- r ü st u n g wurden noch größer als bekannt wurde, daß der Bericht in der. B e r n e r Tagwacht" erschienen ist. Das Pariser Föderationskomitee hat aber doch beschlossen, den Bericht an die Sektionen zu versenden, wo seine Erörterung schon begonnen hat. Diese Erörterung hat gezeigt, daß es überall nicht an Elementen mangelt, die nur auf das Zeichen warten, um ihre tiefe Enttäuschung über die offizielle Politik der Partei zu bezeugen und zu formulieren. In der Provinz hat diese Enttäuschung, wie es scheint, noch breitere Kreise erfaßt, und, so weit uns bekannt, wird eine Reihe von Organisationen den Losungen von Limoges sich an- ch ließen. Das hat die Föderation Aube(Hauptstadt Trohes) schon beschloffen. Diese Föderation wird ebenfalls zu den guesdi- stischen gezählt. Was aber besonders charakteristisch rst, das ist die Tatsache, daß das Departement Aube im Gebier der Kriegs- operationen gelegen und eines seiner Teile sogar von der deutschen Armee besetzt ist. Die chauvinistische Preffe läuft schon Sturm. DaS„Echo de Paris" und„Bonnet Rouge" haben Artikel über die„Ränke der Pazifisten" gebracht, die eine Kampagne zugunsten des Friedens organisieren wollen. Um die begonnene Bewegung zum Stehen zu bringen, gedenken die Parteizentren im Juli den Nationalrat der Partei einzuberufen, damit er mit seiner Mehrheit ihre Politik des ver- flossenen Jahres sanktioniere. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß sie sich verrechnen werden. Der Nationalrat wird zu einer Arena werden, auf welcher sehr wohl eine geschloffene Minderheit schließlich formieren und vereinigen könnte. In den syndikalistischen Kreisen schreitet die Bewegung immer weiter und wird immer stärker. Nachdem der Verband der Lyoner Syndikate— Lyon ist nach Paris das erste syndikalistische Zentrum— eine Reihe von Versammlungen einberufen hat, in welchen dem eingeladenen Referenten M e r r h e i m das Vertrauen ausgesprochen und die Solidarität der Versammelten mit seiner Tätigkeit im Allgemeinen Arbeitsverband(Oonksckbratiou gsniSrala du travail) bezeugt wurde, hat nun auch der Verband der Syndikate eines anderen großen industriellen Zentrums, St. Etienne, einstimmig beschlossen, demselben Merrheim sein Vertrauen auszu- sprechen und ihm von neuem das Mandat für die Vertretung dieses Verbandes im Komitee der Konföderation anzuvertrauen. Alles spricht dafür, daß in einer nicht fernen Zukunft das von der bürgerlichen Preffe so schön gefärbte Idyll des französischen Burgsriedens' durch die ersten bedeutenden Symptome der Ver- chärfung des Klassenkampfes gestört sein wird... Zu dem gleichen Thema wird dem Basler„Vorwärts" unter dem Titel„Sozialistische Stimmung in Frankreich" aus Paris geschrieben: „Man darf aus den Kundgebungen einzelner Führer nicht auf die Stimmung der Masse der Parteimitglieder schließen. Wir er« innern zunächst daran, daß die sozialistische Partei Frankreichs und die Partei Belgiens erst recht durch den Krieg völlig desorganisiert ivorden sind. Alle entscheidenden Beschlüsse sind von der Partei- r a k t i o n und dem Exekutivausschuß gefaßt worden, ohne daß die Parteimitglieder dazu Stellung nehmen konnten. Es ist möglich, es ist sogar wahr- scheinlich, daß die Parteimehrheit diese Beschlüsse der höchsten Parteikörperschaften gebilligt haben würde. Denn der Einiritt von Sembat und Guesde gilt nicht als eine politische Teil- nähme an der Regierung, sondern nur als der eklatanteste Beweis, daß die Sozialisten entschlossen sind, ihre Pflicht bei der Verteidi- gung des angegriffenen Vaterlandes zu tun. Daß sie sich damit solidarisch mir der Regierung erklärten und ihre eigene Aktion an die Regierung banden, das zu erkennen, dazu fehlte es damals, als die Deutschen vor Paris standen, an der nötigen geistigen Ruhe. Seitdem hat sich ein immer breiter werdender Spalt zwischen der Masse der Parteianhänger und ihrer Führer aufgetan. Zunächst hatte man geglaubt, daß der Krieg nur von kurzer Dauer sein werde. Das Losungs- wort war:„Für die Freiheit und Unabhängigkeit aller Nationen, auch der deutschen: Krieg dem Kriege". Die Machenschaften der Reaktion, die Kriegshetzereien, die die Regierung gewähren ließ, brachten die erste Verstimmung. Die Haltung Rußlands gegenüber den nationalen Minderheiten und den Sozialisten stieß gleichfalls viele vor den Kopf, die Redensarten von dem Frieden, der nicht eher als in Berlin diktiert werden dürste, machten erst recht bedenklich. I« mehr sich der Krieg hinzog, desto häufiger stellte man sich die Frage:„Was kann der Sozialismus, was kann daS französische Volk dabei gewinnen?" Das Mißttauen in die offiziellen Ver- kündigungen, daß man nur einen Verteidigungskrieg führe, fraß sich ein.... Wen täuscht man? Das ist der Grundton der Kommentare, die in den Parteiversammlungen immer häufiger zu hören waren. Die Ablehnung der Parteileitung, mit der Internationale eine gemeinsame Friedensaktion zu unternehmen, verstimmte vollends. Die Ver- lröstungen auf einen baldigen siegreichen Frieden zogen immer weniger. Gegenwärtig wird in allen französischen Parteiorgani- 'ationen ein Antrag der Organisation des Departements Haute- Vienne, einer der stärksten Organisationen Frankreichs, beraten, der verlangt, die französische Partei solle ihren ablehnenden Standpunkt zur Rekonstituierung der Jnternattonale aufgeben. Es ist möglich, sogar sehr wahrscheinlich, daß die Mehrheit der Partei sich für den Antrag erklärt. Es erscheint jedoch noch ehr zweifelhast, ob trotzdem der Nationalrat— eine direkte Vertretung der Departementsverbände— in diesem Sinne entscheiden wird. Einem solchen Entschluß stehen verschiedene moralisch schwerwiegende Hinderinffe im Weg.... Aber selbst wenn das Mißtrauen in der deutschen Sozialdemo- kratie weggeräumt werden könnte, bliebe immer noch die große Schwierigkeit, daß die französische Sozialdemokratie sozusagen offiziell in der französischen Regierung vertreten ist. was der elfteren vor- läufig die Teilnahme an einer internationalen Aktion so gut wie unmöglich macht. Diese Schwierigkeit könnte nicht gelöst, sondern nur umgangen oder gewaltsam durchbrochen werden... Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Deilakkordlöhne für Militärschneiderarbeiten. Waffenrock(neue Art). Einrichten.............. 30 Pf. Steppen: Taschen machen............ 40, Zusammensetzen, Rücken machen, Schotztaschen und Biese an der vorderen Kante annähen 50, glittet machen mit Verbandtaschen..... 30, Aermel machen mit Litze........ 35, Untertragen absteppen.......... 10, Obertragen Biese annähen und steppen... 10, Kanten steppen............ 10„ Kragen aufnähen und durchsteppen..... 5, Aermel einnähen........... 6, Handarbeit: Teile Fasson schneiden...... 26 m Kanten umhefien und Futter einheften.... 55, Seiten- und Taillenhaten aufnähen und ein- setzen.............. 60, Taschenriegel............. 10„ Aermel Futter unterziehen und Riegel.... 25. Obertragen und Untertragen Fasson schneiden. 12. Obertragen umhesten und aufheften..... 25, 2 Paar Haten und Oesen an den Kragen annähen 20„ Aermel zurechischneiden und einheften.... 15„ Ausfertigen, Kragen- und Aermelfutter staffieren, Futter staffieren, Riegel am Futter und Knopflöcher............ 70, Knöpfe annähen, auch auf Achseln, an den Kragen, Taschen-, Aermel- und Kragenlitze annähen............. 25„ Knopflöcher............. 24, Bügeln: Vorbügeln aller Nähte, Teile einbügeln, Kragen und Aermel abbügeln........ 45, Abbügeln.............. 35, Für die untere Kante umHeften sind extra zu bezahlen............. 15„ Inf.- Mantel für Mantel Berittene M. M. Einrichten—,30—,80 Taschen.............—,50—,50 Vorderteile, Kanten machen mit Futter- machen und hereinbringen einschließlich Rückenteil...........—,55—,70•) Dito ohne Vorderteile einbügeln....— ,45— ,60 Rückenteil mit Gurt und Schlitz ohne Riegel(beim Mantel für Berittene mit Ouetschfaltz)..........—,30—,60 Dito ohne Quetschfalte.......——,45 Aermel mit Riegel.........—,40— ,85 Zusammensetzen..........—,10—,10 Kragen machen einschließlich Bügeln und Spange ohne Knöpfe annähen....—.70— ,70 Kragen aufsetzen und Kanten steppen..—.15—,15 Aermel einsetzen.........— ,80— ,30 Knopflöcher...........— ,25— ,25 Bügeln.............— ,60— ,60 Bügeln, mit Vorderteilen einbügeln..—,70—,70 Ausfertigen, Staffieren. Riegel, Halen und Oesen........... 1,67 1,75 Knöpfe annähen.........—,20—,20 Teilarbeitslöhne für Hosen mit Biesen. 1. Für Steppen... 1,48 M. abzügl. Rähzutaten 0 Pf.--- 1.30 M. 2.. Handarbeit.. 1,—„». 6.«=0,94, 3.. Bügeln... 0,60, 4., Einrichten.. 0,11„ 5., Knopflöcher.. 0,10„ Arbeitslöhne für Sommerkleidung. Macherlöhne des Amts an die der AnfertigungS- Anfertigungs- stellen an die stellen Arbeiter M. M. Sommer-Blufe mit Litze 8,69 6,52 ohne» 8,04 6,03 Rock.... 2,56 1.92 Jacke.... 1.56 1,17 Hofe.... 1,68 1.26 Die Lohnsätze für die einzelnen Texiilarbeiten werden demnächst bekanntgegeben. Deutsches Reich. Ter Verband der Gärtner im Jahre 1V14. Eine der Organisationen, die in ihrem Mitgliederbestand durch den Krieg am schlimmsten betroffen wurden, ist die der Gärtnerei« arbeiter. Am Schluß des Jahres 1913 zählte der Verband 7224 Mit- glieder, am Schluß des zweiten Vierteljahre» 1914 sogar 7655, am Schluß des Jahres 1914 aber nur noch 3151. Als zum Militär einberufen waren 3759 Miglieder gemeldet, doch sind von den fehlenden 745 ohne Zweifel noch eine Anzahl, die Militärdienst leisten. Bis zum 30. April ist die Zahl der Einberufenen auf 4808 oder 63 Proz. der Mitgliederzahl gestiegen. Damit hat der Verband neben den Verbänden der Fleischer und der Bäcker prozentual die höchste Ziffer aufzuweisen. Bei den Fleischern und Bäckern kommt in Betracht, daß diese im Heere als Handwerter ge- braucht werden, was bei den Gärtnern nicht zutrifft. Hier ist die hohe Beteiligungsziffer darauf zurückzuführen, daß im Gärtnerei- beruf zum weitaus größten Teil nur junge Arbeitskräfte eingestellt werden. So wird allgemein in der gewerblichen Gärtnerei ein Mann von 25 Jahren schon als.zu alt" abgewiesen. Das rächt sich jetzt bitter an den Unternehmern insofern, als ein nie gekannter Mangel an Arbeitskräften herrscht, obwohl der Beschäftigungsgrad und der Geschäftsgang in der Gärtnerei sehr viel schlechter als zu normalen Zeiten ist. Die Arbeitslosigkeit hat deswegen auch in den letzten Monaten ganz aufgehört, obwohl sie bei Ausbruch des Krieges bedenklich anschwoll. Die Zahl der Neuaufnahmen ist im Jahre 1914 gegen daS Vorjahr bedeutend zurückgegangen, von 4611 auf 8171; hiervon entfallen auf das 2. Halbjahr noch 436 Aufnahmen. DaS 1. Quartal 1915 brachte nur 207 Eintritte. Daß unter diesen Umständen die Kaffenverhältnisse leiden mutzten ist verständlich. So gingen die Einnahmen an Beiträgen von 170 423 auf 130 003 M. zurück. Die Gesamteinnahmen für 1914 be- trugen 161 086 M. Die Ausgaben verminderten sich nicht in der Weise, sie sind nur um 11091 M. geringer als 1913 und übersteigen die Einnahmen um 18 048 M. Die Ausgaben an Unterstützungen betragen allein 40 645 M., wovon 10 981 M. an die Familien der einberufenen verheirateten Mitglieder als Notunterstützung gezahlt wurden. Für Arbeitskämpfe wurden 18 664 M. ausgegeben. Der Gesamtkasjenbeiiand des Verbandes betrug am Jahresschluß 60580 M., wovon sich 39 339 M. in der Hauplkasse befinden. Im Jahre 1914 wurden 16 Streiks und Lohnbewegungen mit 1401 Beteiligten geführt. Der Erfolg dieser Bewegungen war eine *) Mit Quetschfalte im Rücken beim Mantel für Berittene Gardelitzen sind extra zu bezahlen. Für die untere Kante umlegen find 15 Pf. extra zu bezahlen. Arbeitszeitverkürzung für 124 Personen von 197 Stunden die Woche und für 1166 Personen eine Lohnerhöhung von 2175 M. die Woche. 8 Tarifverträge wurden neu abgeschlossen. Auch während der Kriegszeit hat der Verband seine Tätigkeit zur Abwehr von Verschlechterungen und Erreichung von Verbesse- rungen energisch und erfolgreich fortgesetzt. Besonders viel Arbeit verursachten die Differenzen mit Besitzern von Privatgärten, die sich vielfach auf alle erdenkliche Weise ihren Verpflichtungen den Familien der Einberufenen gegenüber, die fast ausschließlich freie Wohnung beim Arbeitgeber haben, entziehen wollten. In mehreren Fällen mußte das Gericht in Anspruch genommen werden. Besonderes Augenmerk richtet die Verbandsleitung auf die Aufrechterhaltung der Verbindungen mit den Militärkollegen. An 1800 Mitglieder wird regelmäßig die Verbandszeitung geschickt, wodurch eine rege und feste Verbindung gestaffelt ist. Dadurch wird der Wiederaufbau des Verbandes bei Kriegsende bedeutend gefördert. Hat der Krieg die Reihen des Verbandes auch bedeutend ge- schwächt, so hat er die Existenz der Organisation doch nicht in Frage gestellt; die ist gesichert. Wenn etwas die Notwendigkeit der gewerk- schastlichen Organisation bewiesen hat, so die jetzige Kriegszeit. Vielmehr wie zu Friedenszeiten ist jetzt die Gewerkschaft die Hüterin der Interessen der Arbeiter. Das hat auch einer unserer kleinen Zentralverbände, wozu der Verband der Gärtner zählt, bewiesen. Doppelte Buchführung. Am 20. Juni 1914 brachte unser Kattowitzer Parteiblatt, die .Freie Presse", einen Artikel, dessen Inhalt auf den Angaben von zwei Abrechnungen des Zentralvorstandes der polnischen GeWerk« schaften beruhte, nämlich der öffentlichen Jahresabrechnung und einer streng vertraulichen Abrechnung, die nur ganz wenigen Personen zu- gesandt worden war. In der für die breite Oeffentlichkeit bestimmten Abrechnung wurde das Vermögen auf 743 486.42 M. angegeben, während es nach dem Geheimbericht nur 90 305,43 M. beiragen sollte. Es er- gab sich also eine Vermögeusdifferenz von 653 182 M. An diese sonderbaren Abrechnungen knüpfte die.Freie Presse" einige Kommen- tare; dadurch fühlte sich der Zentralvorstand der polnischen Berufsvereinigung beleidigt und drei Herren vom Vorstand erhoben Privatklage. Nachdem schon wiederholt Verhandlungen vor dem Schöffengericht in Kaitowitz stattgefunden hatten, kam jetzt endlich die Sache zum Abschluß. Ein vom Gericht herangezogener Sachverständiger und der- eidigter Bücherrevisor kam in seinem ausführlichen Gutachten zu dem Schluß, daß, wenn er beide Abrechnungen bekommen hätte, er zu derselben Auffassung gekommen wäre, wie der angeklagte Redakteur, nämlich, daß sie nicht übereinstimmen, sondern differieren und das wirkliche Vermögen nur 90 305 M. betrage. Das Gericht kam nach eingehender Beratung zum Freispruch. ES hob in seiner Urteilsbegründung hervor: Das Gutachten des Sachverständigen sei überzeugend und unparteiisch. Der Angeklagte sei berechtigt gewesen zu fragen, wo ist die Differenz, die zwischen beiden Abrechnungen besteht. Daß er den Geheimbericht für be- sonders wahr gehalten und das in seinem Artikel hervorgehoben habe, entspreche der allgemeinen Auffassung über Mitteilungen, die nur vertrauten Personen gemacht würden. Der Geheimbericht sei talsächlich an nur wenige Vertrauenspersonen des Zentralvorstandes geschickt worden. Besonders in Betracht zu ziehen sei, daß die Kläger bis heute noch nichts unternommen hätten, um die Wider- spräche, die zwischen beiden Abrechnungen beständen, aufzuklären. Dazu seien sie zum mindesten verpflichtet gewesen, denn sie ständen einer großen Vereinigung vor und müßten sich auch die öffentliche Kontrolle gefallen lassen._ Von den Werkvereinen. Das elfte Sonderheft zum„Reichsarbeitsblatt", das soeben erschienen ist, bringt auch eine Zusammenstellung über die Werk- vereine. Als bemerkenswertestes Ergebnis des Jahres 1913 wird die Absonderung der„Berliner Richtung" bezeichnet, die durch die verschiedenartige Stellung aus sozialpolittschem Gebiete hervorgerufen worden sei. Insgesamt waren Ende 1913 in den verschiedenen wirtschaftsfriedlichen Verbänden 1130 Vereine mit 273 725 ordent- lichen Mitgliedern verewigt gegen 895 Vereine mit 219 480 Mit- gliedern im Jahre 1912. Von diesen Mitgliedern gehörten 57 Proz. Vereinen mit über 1000 Mitgliedern an, was darauf zurückzuführen ist, daß im allgemeinen die Form der BewiebSorganisatton vorherrschend ist. Die Tatsache, daß die Werkvereine zum großen Teil mit Unter- nehmergeldern hochgehalten werden, geht drastisch aus den Ein- nahmen hervor. So betrug z. B. die Einnahme der dem Haupt- ausschusie nationaler Arbeiter- und Berussverbände angeschlossenen Vereinigungen 1 486 819 M., wovon nur 861 017 M. Pflichtbeiträge von ordentlichen Mitgliedern sich befinden, während 625 802 M. aus „anderen Quellen" stammen. Die Gesamtausgaben obiger Vereine beliefen sich auf 1 213 016 Mark. Es ergibt sich somit, daß, wenn die Unternehmer ihre gebende Hand einmal fortziehen würden, die Werkvereine ihre Beiträge um mindestens 50 Proz. steigern müßten, wollten sie auch nur daS Unterstützungswesen in der heutigen Form beibehalten. Die Gesamteinnahme aller wirtschaftsfriedlichen Vereine betrug 2 717 544 M., die Gesamtausgabe 2 137 050 M.. der Vermögens« bestand 2 714 098 M. Busland. Arbeitslosigkeit im schweizerischen Buchdruckgewerbe. Der Schweizerische Thpographenbund hat im 1. Vierteljahr 1915 nicht weniger als 75 868 Fr. an Arbeitslosenunterstützung ausgegeben gegen nur 8523 Fr. im ganzen ersten Halbjahr 1914. Und dabei verschärft sich die ungünstige Geschäftslage im schweizerischen Buchdruckgewerbe noch immer mehr. Der Typographenbund hat mit den beiden Organisationen der Buchdruckereibesitzer eine neuerliche Vereinbarung über die Reduktion der Arbeitszeit und Entlohnung bei ungenügender Beschäftigung be« troffen, wonach die Handsetzer usw. mindestens 39. die Maschinen- setzer mindestens 33 Stunden wöwentlich beschäftigt werden sollen. Leider enthält die Vereinbarung keine Bestimmung darüber, daß wegen Mangels an genügender Beschäftigung keine Arbeiter- entlaffungen vorgenommen, sondern eben die Arbeitszeit für alle verkürzt werden soll. Der romanische Typographenbund hat seinen Eintritt in den Schweiz. Gewerkichaflsbund beschlossen. Die darüber noch vorzu« nehmende Urabstimmung dürfte die Zustimmung ergeben. Mus der Partei. Gewerkschaftsfunktionäre und Generalkommtssion. Der„Bremer Bürger-Zeitung" wird von mehreren GeWerk- schaftsbeamten aus Berlin geschrieben: „Die Generalkonimission der Gewerkschaften hat. weil zahl- reiche besoldete und ehrenamtliche Gewerkschaftsfunktionäre den inzwischen behördlich verbotenen Aufruf an den Parteivoifftand vom 9. Juni unterschrieben haben, gegen diese ihre Mißbilligung zum Ausdruck gebracht. Die Generalkommiffion spricht„von einer phantasievollen Begabung de? Verfassers" jenes Aufrufes. Sie nahm an, daß kein„ernst zu nehmender Gewerkschaftsfunktionär ihn unterzeichnen wird" und war der Meinung, daß„die Titel- sucht der Unterzeichner einem Witzblatt dankbaren Stoff" bietet. In dieser mit solchem schmückenden Beiwerk versehenden amtlichen Kundgebung der Gewerkschaften heißt es: „Jedenfalls müssen wir uns aber mit aller Entschiedenheit gegen diejenigen wenden, denen das Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Organisation fehlt und die es für geraten halten, den Parteistreit in die Gowerkschaftsorganisationen zu tragen. Weng man schon die Wirkung des polittschen Kampfes durch Desorganisierung der Partei herabmindern will, so möge man wenigstens die Gewerkschaften mit diesem Treiben verschonen." Die Generalkommission der Gewerkschaften scheint der Meinung zu sein, daß das, was ihr erlaubt ist, den nachgeordneten Gewerkfchastlsunktionären und-Mitgliedern zum Verbrech e n angerechnet tv erden muß. Erinnert sie sich nicht mehr daran, daß der„G r u n d st e i n", die Zeitschrift des Bauarbeiter- Verbandes, am 21. November 1914 geschrieben hat: „Im übrigen ist die Stellungnahme der sozialdemokratischen Abgeordneten zum Krieg durchaus keine Sache, die nur die Partei angeht, sondern eine Angelegenheit der gesamten modern organisierten Arbeiterschaft. Oder glaubt der„Vorwärts" etwa, daß die Gewerkschafter und die Gewerkschastsblätter zwar gut genug sind, unter den Arbeitern sozialistische Aufklärung zu vcr- breiten und bei Wahlen den sozialisttschen Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, daß sie aber im übrigen zu jeder Dummheit, die einer der Erkorenen zum Schaden der Arbeiter macht, das Maul zu halten haben? Dann ist er schief gewickelt! Wir wenigstens lehnen es ab, eine solche Rolle zu spielen. Es ist nun einmal so, daß man in weiten Kreisen des Bürgertums die freien Gewerkschaften und die Partei für eine Einheit hält und die Gewerkschaften für die Haltung der Partei und ihrer Per- treter mit verantwortlich macht. Weil das so ist, halten wir uns auch für berechtigt, Handlungen zu kritisieren, von denen wir überzeugt sind, daß sie die ganze Arbeiterbewegung aufs schwerste schädigen. Im vorliegenden Falle kommt hinzu, daß Liebknecht bei vielen ausländischen Sozialisten nicht nur als ein Vertreter, sondern geradezu als der Vertreter, als der eigent- liche Wortführer der deutschen Arbeiter gilt. Um so mehr hielten wir es für unsere Pflicht, uns von den Anschauungen Liebknechts aufs allerentschiedenste loszusagen." Mit dieser Begründung haben der„Grundstein" und eine ganze Reihe von Gewerkschaftsblättern in den Meinungsdifferen- zen der Partei zugunsten der Reichstagsfraktionsmehrheit eingc- griffen. Dieser Himveis dürfte genügen, um zu zeigen, was es mit der Behauptung der Generalkommission auf sich hat, die Unter- zeichner des Aufrufes vom 9. Juni„hielten es für geraten, den Parteistreit in die Gewerkschaftsorganisationen zu tragen". Nun zu der Titelsucht der Unterzeichner des Ausrufes! Die Berliner Gewerkschaftskommission hat am 27. Januar 1915 eine Versammlung mit der Tagesordnung abgehalten:„Warum müssen sich die Gewerkschaftsfunktionäre mehr am inneren Parteilebcn beteiligen?" Das Protokoll dieser Versammlung ist im Verlage der genannten Gewerkschastskommission in Broschürenform er- schienen und beginnt mit den Worten: „Reichstagsabgeordneter Gewerkschaftssckretär Körsten eröffnet die Sitzung kurz nach 8 Uhr und erteilt das Wort dem Reichstags- abgeordneten und Vorsitzenden der Generalkommission Legien." Die Vorstände verschiedener Gewerkschaften haben diese Broschüre auf Kosten ihrer Gelverkschaftskasse angeschafft und an die Zahlstellen geschickt. Gegen diese Handlungen hat die General- kommission in keiner Weise Stellung genommen, sie offenbar für gut befunden. Da nun aber zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre ihre aliweichende Meinung in einem offenen Brief an den Partei- vorstand zum Ausdruck bringen, wehklagt sie über einen„organi- sierten Sprengungsversuch der Einheit der deutschen Arbeiter- organisationen". In Wirklichkeit handelt es sich um etwas ganz anderes, nämlich um einen Versuch der Generalkommission, den Funktionären und Gewerkschaftsmitgliedern eine bestimmte politische Meinung aufzuzwingen." Keine Parteicinhcit in der Schweiz. Die von Mitgliedern des GrütlivereinS an verschiedenen Orten zur Stärkung ihrer Reihen betriebene Einverleibung anderer Partei- organisationen hatte die Aufrollung der allen Frage der Partei- einheit der schweizerischen Sozialdemokratie im Sinne der Auflösung des Grütlivereins zur Folge, mit der sie aber nicht einverstanden sind und deren Diskussion viel Entrüstung bervorrief. Die Grüt- lianer verlangen zwar von anderen Organisationen, so von den Arbeiterbildungsvereinen, daß sie sich auflösen und ihre Mitglieder den Grütliseltionen zuführen, sie selber geralen aber in große Auf- regung, wenn umgekehrt die Genossen jener Organisationen die Auflösung des GrütlivereinS verlangen. Die Enlrüstung über das Verlangen nach Auflösung des GiüllivereinS oder auch nur nach Aenderung des Verhälinisses der Partei zu ihm im Sinne der Ab« schaffung der undemokratischen Vorrechte, die er sich da zu der- schaffen wußte, veranlaßte die Einberufung einer außerordentlichen Delegiertenversammlung, die am Sonntag in Luzern stattfand und den erwarteten programmäßigen Verlauf tiahm. Mit 165 gegcu 53 Stimmen wurde beschlossen, die organische Selb st än- digkeit des Grütlivereins auch fernerhin aufrecht- zuerhalten, eine Revision der Statuten der Partei ab- zulehnen und eine neuerliche Delegiertenversammlung ab- zuhalten, falls der schweizerische Parteitag die Selb- ständigkeit des Grütlivereins antasten sollte. Der Schreck- schuß einiger enticklossener Grütlianer mit dem Austritt des Verbandes aus der Partei verpuffte wirkungslos, der Leidtragende dabei würde der Grütliverein sein. Die Beseitigung undemokrati- scher Verhältnisse in den Beziehungen zum Grütliverein wird der nächste Parteitag aber voraussichtlich doch beschließen. Auf der Luzerner Versammlung wurde auch über den Geschäfts- abschluß der Grüilibuchbandlung in Zürich im Jahre 1914 berichtet. Das Geschäft hatte sich bis zum Kriege recht gut entwickelt, litt dann aber empfindlich unter dessen Rückwirkungen. Der Umsatz betrug mit 75 000 Frank um 24 000 Frank weniger als 1913. Pressejubiläum. Die„V»l?sv»«cht" in Bielefeld erschien am 1. Juli als Jubiläumsausgabe; sie feierte ihr 25jähriges Bestehen. Die 34 Seiten umsassende Nummer enthält Erinnerungen aus der Grirndungszeit und mehrere der Bedeutung des Ereignisses und den Zeitfragen gewidmete Artikel. Das Zeitungsunternehmen hat sich allmählich zur jetzigen Höhe entwickelt und besitzt heute eine 16seitige und eine 8seitige Rotationsmaschine. Während des Krieges hat sich die"„Volkswacht" gut behauptet. Aus den Organisationeu. Die Kreisversammlung für den 1. württembergischen Wahlkreis fand letzten Sonntag in Stuttgart statt. Der Bericht über den Stand der Organisation konnte kein vollständiger sein, da die alte Stuttgarter Leitung, die als aus der Partei ausgeschieden gilt, noch das Mitgliederverzeichnis und alle Materialien im Besitz hat. Am 31. März wurden in Stuttgarl-Stadt rund 2000 zahlende Mitglieder gezählt, die der Landesorganisation angeschlossen sind. Dazu kommt die große Zahl der zum Militärdienst Ein- gezogenen. Die Ortsvcreine vom Landbezirk Stuttgart ge- hören sämtlich der Landes- und Reichsorganisation an. Hier ist die Mtlgliederzahl infolge Einberufungen und sonstiger Abgänge von rund 2900 aus 1570 gesunken. Im ganzen gehörien der Parteiorganisation am Schluß des Geschäftsjahres 8500 zahlende Mitglieder an. Die Berichte des Vorsitzenden und deS Kassierers gaben ein interessantes Bild von den Parteiwirreu des letzten Winters. Die Versammlung nahm auch zum.Tagwacht"- Konflikt Stellung. Sie billigte mit 40 gegen 7 Stimmen die Maßnahmen des Landesvorstandes und beschloß einstimmig, alles zu tun zur weiteren Verbreitung der„Schwad. Tagwacht". Der Abgeordnete Hildcnbrandt gab einen Bericht über die Politik der Reichs« tagsftaktion. Die Versammlung schloß sich durch eine einstimmig angenommene Resolution seiner Auffassung an, die sich mit der der Fraltionsmehrheit und des Parteivorstandes deckt. Sie verurteilt das organisierte und auf die Durchkreuzung der Politik der berufenen Parteivertretungen abzielende Vorgehen der Opposition und bedauert das Verhalten des Genossen Haas e, der diesem Trrihtzn Vorschub leiste. Die Kerjammlung hält es mit der «Stellung des Partei und Fraktionsvorsitzenden nicht vereinbar. die Partei gegen die Entscheidungen dieser Körperschaften auf- zurufen. In einer Debatte über die Lebensmittelversorgung kam die Empörung über den Wucher, der von Händlern und Produzenten getrieben wird, und über die unzureichenden Regierungsmaßnahmen zum Ausdruck. Eine einstimmig angenommene Resolution fordert die notwendigen Abhilsemaßnahmen.— In die Pressekommission wurden, da die früheren Mitglieder ihre Aemter niedergelegt haben Dr. Ütndcmann, Mattutat, Brückner und Wais gewählt. Als KreiS- Vorsitzender wurde Genosse Oster wieder bestätigt. In der Vertrauensmännersitzung des Wahlkreises Lennep- Rem scheid- Mettmann wurde folgende Resolution einstimmig angenommen. Alle Anwesenden schlössen sich der Resolution unter- schriftlich an und beauftragten den Kreisvorstand, die Resolution dem Parteivorstand und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu übermitteln. .Die erweiterte Vorstandssitzung des Wahlkreises Lennep-Rcm- scheid-Meitmamt, die von Vertretern aller Ortsvereine besucht ist, protestiert energisch gegen die persönliche Hetze, die gegen den Genossen Haase inszeniert wird, um ihn von seinem Posten als Vorsitzenden der Partei zu entfernen. Die Sitzung schließt sich in der Beurteilung der politischen Situation einstimmig der Auffassung an, die von den Genossen Bernstein, Haase und Kautsky in dem Aufruf.Das Gebot der Stunde" niedergelegt worden ist, ebenso auch dem im gleichen Sinne abgefaßten Memorandum der Bezirksleitung für den lttedcrrhein." * Der Vorstand des Sozialdemokratischen Betirksverbandes Magdeburg vervssentlicht�eine Erklärung, in welcher er Mit- teilung macht, daß in einer Sitzung des Vorstandes unter Hinzu- ziehung der im Bezirk angestellten Wahlkreisparteisekretäre zu den neuesten Vorgängen in der Partei folgende Erklärung beschlossen worden ist: .Wir stimmen rückhaltlos der seit Kriegsbeginn vom Partei- vorstand, von der Reichstagsfraktion und vom Parteiausschuß ein- genommenen Haltung zu, die sich weder mit der grundsätzlichen Auffassung der Sozialdemokratie noch mit den Interessen des Volkes im Widerspruch befindet. Wir haben das Vertrauen zu den genannten Körperschaften, daß sie wie bisher jede Gelegenheit benutzen werden, den..... Wir treten daher mit Entschiedenheit den Angriffen auf die leitenden Parteiinstanzen, die völlig unbegründet sind, entgegen und sehen in der Art und Weise, wie diese Angriffe geführt werden, die Bestätigung dafür, daß die Genossen der Opposition sich der Folgen ihrer Tätigkeit, die auf eine Spaltung der Partei hinausläuft, wohl bewußt sind. Um so schlimmer ist daher ihr Tun und um so energischer müssen ihre Bestrebungen zurück- gewiesen werden, denn wer die Einheit der Partei gefährdet, vergeht sich damit in unerhörter Weise an den Interessen der arbeitenden Klasse. Von den leitenden Parteikörperschaften erwarten wir Maß- nahmen, die geeignet sind, einer Sprengung der Partei vorzu- beugen." Der Bezirksvorstand fügt dem hinzu, daß auch die Vorstände der Kreisorganisationen von Stendal, Jetichow, Magde- bürg, Wolmirstedt, Wanzlebcn, Aschersleben, Halberstadt, Dessau und Bernburg zu diesen Fragen Stellung genommen hätten. Der Bor- stand von Salzwedel, des letzten der dem Bezirk zugehörigen Kreise, konnte nicht tagen, weil seine sämtlichen Mitglieder zum Heeresdienst eingezogen sind. Alle Vorstände haben das Vorgehen der Opposition auf das schärfste mißbilligt und zum Teil Resolutionen beschlossen, in denen dies zum Ausdruck kommt und die Haltung des Parteivorstandes und-Ausschusses sowohl wie der Reichstagsfraktion gebilligt wird. » Der Vorstand des Sozialdemokratischen Wahlkreisvereins Solingen hat in einer Sitzung zu den Vorgängen in der sozial- demokratischen Partei Stellung genommen und einstimmig eine Resolution angenommen, in der er das Vorgehen des Genossen Haase für berechtigt erklärt und ihn auffordert, auf seinem Posten auszuharren. Im übrigen akzeptiert der Wahlkreisvorstand den Standpunkt des Artikels„Das Gebot der Stunde". Gen'chtszeitung. Der Massenbetrüger in der„Brehmschcn Unterstützungskasie". Ein moderner Rattenfänger von Hameln, dessen verlockenden Weisen zahlreiche Personen von der Sorte derer, die„nicht alle werden" gefolgt sind, stand gestern in der Person des Hausdieners Robert Dürkop vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III unter der Anklage des Massenbetrugcs und der Urkundenfälschung. Die Einstellung des Verfahrens, die vor einiger Zeit gemeldet wurde, bezog sich ausschließlich aus betrügerischen Bankerott, der ursprüng- lich einen weiteren Anklagepunkt gebildet hatte. Der Angeklagte verbüßt zurzeit eine neunmonatige Gefängnisstrafe. Er ist zweifellos ein Genie, dem die Wirksamkeit als Hausdiener kein Feld für Betätigung seiner Geisteskräfte bot, er legte sich deshalb auf den Schwindel im großen, den er mit einem ersparten Kapital von 500 M. begann. Vor etwa IV2 Jahren zeigte der Angeklagte durch Zcitungsinseratc an, daß er im Stande sei, jedem, der ihm 1— 3 M. in Briefmarken zusenden würde, nach etwa zwei Tagen den doppelten Betrag in Briefmarken zurückzuerstatten. Die Bc- träge sollten postlagernd Halensee eingeschickt werden. Die Sache sprach sich bald herum, der Angeklagte schickte tatsächlich nach 1— 2 Tagen die doppelte Summe in Briefmarken ein und sandte eine kurze Quittungsnotiz mit, die er stets mit dem Namen „Brehm" unterzeichnete. Die Einzahlungen steigerten sich rapide, doch erkannte der Angeklagte bald, daß es ihm auf diese Weise niemals gelingen würde, eine größere Summe zusammen zu be- kommen; er wußte auch, daß die Polizei auf das eigenartige Unternehmen aufmerksam geworden war und so verschwand er dann auf einige Zeit von der Bildfläche. Dann gründete er Plötz- lich in der Wiesenstraße 31 ein Institut, das er„Brehmsche Unter- stütznngsknssc", das nach außen hin die unscheinbare Bezeichnung „Bureau für schriftliche Arbeiten von K. Stelzer" trug. Er blieb mit seiner Person völlig im Hintergrunde, gab sich für einen gc- wissen„Krüger", zumeist aber für einen„Stelzer" aus und bc- hauptete, daß der eigentliche Leiter der B. U.-K. ein in England wohnender Herr„Brehm" sei. In diesem neuen Institut hat er dann in großem Maßstäbe den Schwindel fortgesetzt, den er im kleinen mit den Briefmarken angefangen hatte. Er teilte seinem alten Kundenkreise mit, daß er sein Unternehmen auf eine ganz neue Basis gestellt habe und denjenigen, die ihm Gelder einzahlen würden, sehr hohe Zinsen, nämlich in wenigen Tagen Sl) Proz. gewähren könne. Zur Erklärung dieses Wunders teilte er auf Befragen mit, daß er ein unfehlbares Wettsystcm für Wettrennen erfunden habe, welches ihm von dem steinreichen„Brehm" ab- gekauft worden sei und in England glänzende Erfolge erziele. zn Wirklichkeit hat der Angeklagte tatsächlich sich mit der Er- findung eines solchen Wettshstems herumgeguält, aber auch nicht einen Pfennig der ihm in Massen zuströmenden Gelder am Tota- lisator gesetzt. Die Leute glaubten wirklich, daß sich das Weit- system schon bewährt habe und Rückzahlung und hohe Verzinsung ihres hingegebenen Geldes gesichert sei. Das Vertrauen hierauf wurde dadurch verstärkt, daß der Angeklagte immer neu ein- laufende Gelder zum Teil dazu benutzte, um die älteren Gelder zu verzinsen. Er konnte dies um so mehr, als die Leute, die so kolossale Zinsen einheimsten, leicht geneigt waren, die Geldsummen selbst weiter„arbeiten" zu lassen, ja, sie noch womöglich zu er- höhen. Der Ruf dieses Tausendkünstlers, der in dieser Weise Geld hervorzaubern konnte, verbreitete sich von Mund zu Mund und von allen«Seiten strömten ihm Leute zu, die sich später in den BetrugSanzcigcn selbst als„die Dummen" bezeichneten. Namentlich kleine Leute, Arbeiter und Handwerker wurden veranlaßt, ihre gesamten Ersparnisse bei der„Brehmschen Unterstützungskasse" anzulegen, indem sie für jedes Familienmitglied und für Bekannte bis zu 100 M. einzahlten. Die täglichen Eingänge wuchsen lawinenartig, so daß der Angeklagte zahlreiches Hilfspersonal anstellen mutzte. Zuletzt hatte er 10 Bureauangestellte und eine Anzahl von Kassierern; auch mutzten infolge des ungeheuren An» dranges sechs Filialen— Zahlstellen bei Restaurateurcn und AgamnhSndler»— eingerichtet werden. Die Geschäfte ging«, derartig, daß die Angestellten den ganzen Tag über nur mit dem Ausschreiben von Quittungen beschäftigt waren. Der Angeklagte selbst unterzeichnete alle Quittungen und sonstigen Schriftstücke immer mit deni Namen„Siclzer". Nach den Feststellungen dcS Bücherrevisors Eundheimcr sind die Einnahmen des Angeklagten ganz kolossal gewesen. Beispielsweise waren einmal im Verlaufe von 4 Tagen 42 000 M. eingezahlt und nur 21 000 M. zurück- gezahlt worden, die Einzahlungen stiegen in manchen Monaten auf 150 000 M. Der Angeklagte hätte dieses Geschäft ins Ilnen�- liche fortsetzen können, wenn nicht schließlich einmal die Katastrophe durch irgend einen ckrttischen Zwischenfall, wie hier durch die Ver» Haftung des Angeklagten, eintreten mutzte. Tiefe erfolgte, nach- dem sich der'Angeklagte längere Zeit verborgen gehalten hatte. Er hatte keine feste Wohnung, verbrachte seine Nächte meistens mit Dirnen oder schlief in Hotels. Bei seiner Verhastnug wurden noch 15 000 3$. porgefunhen, es haften aber etwa 65 000 M. vor» handen sein müssen. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß der Angeklagte offenbar die Absicht gehabt hat, sich so lange verborgen zu halten, bis er ein genügendes Kapital zusammen hatte, mit dem er ins Ausland verschwunden wäre.— Der Angeklagte be- stritt dieses upd � behauptete, ex habe erst. eine. größere Summe— etwa 100 000 oder.200 000 M.— zusammen haben müssen, um nach seinem System mit Riesenerfolgen arbeiten zu können.— Staatsanwalt v. Bradkc hielt es für zweifellos, daß hier ein Massenschwindel vorlag und der Angeklagte von Anfang an auf Betrug ausgegangen ist und beantragte 3 Jahre Gefängnis. Rechts- anwalt Dr. Bruno Jsaac hielt aus Rechtsgründen eine Frei- sprechung für geboten. Das Urteil lautete unter Einbeziehung der früheren Strafe auf 2 Jahre 0 Monate Gefängnis bei Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft. Die Entlassung aus einer Irrenanstalt betraf ein Rechtsstreit, der jetzt das Oberverwaltungsgertcht beschäftigte. Der Landwirt Zimmel war lange Jahre wegen Gemeingefährlichteit in einer Irrenanstalt interniert.«Seine Verwandten bemühten sich um seine Frei« lassung nach Berlin, weil er nicht gemeingefährlich sei. Der Berliner Polizeipräsident erhob durch eine Verfügung Einspruch gegen die beantragte Freilassung, nachdem die Anstaltsleitung ein dem Jnter» nierten ungünstiges Gutachten erstattet hatte. Nun wurde die Einspruchsverfügung des Polizeipräsidenten im Wege der Klage angefochten. Der Bezirksausschutz Berlin holte daraus seinerseits ein Gutachten der Anstaltsleitung ein. Diese begutachtete, daß Zc unter der Ein- Wirkung einer inzwischen aufgetretenen körperlichen Er« Irankung, deren Besserung ausgeschlossen wäre, in einen Zustand ge- raten sei, der ihn jetzt nicht mehr als gemeingefährlich erscheinen lasse.... Der Bezirksausschuß entschied nunmehr, daß die Einspruchs- Verfügung des Polizeipräsidenten außer Kraft zu setzen sei. Z. wurde alsbald aus der Anstalt zu seinen Verwandten in einem Berliner Vorort, der zum Landespolizeibezirk Berlin gehört, ent- lassen. Er starb nach mehreren Wochen. Der Polizeipräsident legte Berufung ein und richtete diese gegen die Erben des Zimmel, als mitgeteilt worden war, daß Z. tot sei. Der Vertreter der Erben des Zimmel machte dagegen aeltend. daß mit dem Tode Z.'s dir Möglichkeit der Berufung des Polizei- Präsidenten erloschen sei, und daß die Berufung des Polizei- Präsidenten deshalb schon als unzulässig verworfen werden müßte. Auch sei sie materiell unbegründet. Der Polizeipräsident stellte sich demgegenüber auf den Stand- Punkt, daß die Berufung trotz des Todes von Z. zulässig sei und daß sie auch begründet wäre. Es sei nur darüber zu entscheiden, ob seine Einspruchsverfügung zur Zeit ihres E r l a s s es den tat- sächlichen Verhältnissen entsprochen babe. Das fei aber der Fall, denn damals sei Z. noch gemeingefährlich gewesen. Das Oberverwaltungsgericht erkannte im«Sinne des Polizeipräsidenten dahin, daß seiner Berufung stattgegeben, daS Urteil des Bezirksausschusses aufgehoben und die Klage gegen die Einspruchsverfiigung abgewiesen werde. toistöemoMiseMsIflverau LI Sierlieielistags-WahlkFeis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gürtler Riutolk Braunsebweig (Bezirk 159) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung smdei am Sonnlag, den 4. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des allen Luisen- Kirchhofes, Berg- mannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Nvi» Vorstand. Deuisefaeflüetailarbeiter-Vefbanii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler BuM Braunsebweig Prinzenstr. 15 am 1. Juli an Gehirnschlag gc- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juli, nach- mittags�! Uhr, von der Leichen- balle des Luisen-Kirchhoses in der Bergmannstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/1 Die OrtSvcrwaltung. Zeniralierband der Steinarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. ?Im 26. Juni starb unser Kollege, der Sandsteinmetz KsHI Franke im 34. Lebensjahre an Lungen» eniziindimg. Die Beerdigung erfolgte in Wesel, wo fem kamps- und taten- reiches Leben ein so frühes Ende gesunden hat. Wir verlieren in dem Ver- storbcnen eines unserer rührigsten Mitglieder und werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. 171/5 Die Ortsverwaltung. Arn 21. Mai 1915 verstarb im Feldlazarett infolge Verwundung unser lieber braver KoUege, der Dreher Franz Süeesters. Wir werden ihm ein dauerndes ehrendes Andenken be- wahren. Die Meister und Kollegen der Firma Knorrbremse A. O. Abt. KI. Br. I. u. II. Deutscher Transportai'heiter- Verband. Bezirksverwaltung QroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Portier Max Patsch am 30. Juni im Alter von 41 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Juli, nach. mittags Ist. Uhr, von der Leichen- Halle des'Bartholomäus- Kirch- hoscs in Weißensce aus statt. Die Bezirksverwaltung. Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschkcnsührer Wilhelm �aiäorn von der Firma Kroll, Posener Straße 28, am 28. Juni im Atter von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! 65/6 Die Bezirksverwaltung. AIS Opfer des Weltkrieges (Brusischuß) starb im Lazarett am 20. Juni mein innigstgclicbtcr Mann und herzensguter Vater, der Tapezierer Karl Schmidt (Zilexander-Gren.-Reg. Nr. 1) im 30. Lebensjahre. 1957b Im ticssten Schmerz Anna Schmidt nebst Sohn. Wenn Liebe könnte Wunder tun Und Tränen Dich erwecken, Dann würde Dich nicht im fremden Land Die kühle Erde decken. Dir ist wohl, uns bleibt der Schmerz. Ein Opfer des Weltkrieges wurde unser lieber Hausgenosse WilbelmLengwenings Regiment 6431 vom 35. Infanterie durch Bauchschuß. Dies zeigt tiestraurig an Familie Hahn, Ramlerstraße 18. Fern von der Heimat fiel am 27. Mai mein guter Sohn, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Otto Nölte. Im Namen der ticjbetrübten Angehörigen I-niso Volte, Adlcrshof. Als Opfer des Völker- kriegcs siel am 14. Juni unser lieber Vereins- kollege und II. Kassierer Pudolf Seidel. Nie werden wir ihn vergessen. Im Auftrage: Der Vorstand des Sparvercins _„Hamster"._ Nachruf. Am 13. Juni erlitt unser lieber Freund und langjähriger Mit- arbeiter, der Maschinenmeister Georg Ludwig Unteroffizier der Landwcdr im Jnsantcric-Regimcnt Nr. 3, den Heldentod bei einem Gefechte, im kaum vollendeten 38. Lebens. jähre. 1958b Wir werden seiner in Ehren gedenken. Bas Gesamtpersonal der Firma Otto v. Holten, Berlin. ReulersMerke . 3 Sänb« 4 OTarf- Buchhandlung Vorwärts Für die vielen Beweise herzlich« Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Mannes, unleres guten Vaters sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere Herrn Manasse sowie dem Gesangverein Immergrün, dem Wahlverein und den Kollegen der Firma A. Borsig unfern herzlichen Dank. 1959b M Eisner und Kinder, Tegel, schöneberger Str. 67. DHöbeltsbrilt„Hoffnimg� Eingewogene Genossenschaft mit be- schränkter Haftpflicht. Berlin, Krautftraste 52. Nachtrag zur Bilanz ain31.Dez.19H. Die Geschästsguthaben und die Ge- santthaftsumme hat sich nicht vermehrt und nicht vermindert. 54/11 Der Borstand. H. Fenglcr. Joh. Snudat. SonDta.?| Auswahlen nach außenAialb nui.»?»> mn. I Bosonderbeit; 8-10 geöffnet, 1--—- Weit«(irößen! Für Mark teils Sommer- teils Wlnler- Waren ans meinem JllVeiltUr-AUSVerkaUl statt bis 10.— Mehlir-Alpaka-Mantel fisvercoat- Mäntel, Bis 100 lang Wasserdichte Lodcnmäntnl Phsniasiestoll-Kestflras 7*/* statt bis 44,— Waschkostilm« Staubmäntel Seidenjacke« Sportjacken SO-— itatfc bis 235.— Echte lange Sealpiüschmintel auf reinseid. Damassö®. Feinste lange SeiUenplfischmantel. Seid ontalt-Kostd Rio m. gesog. ilöck. Lange Tuchmäntel m. eoht-Pelzfutti. aa iolgeadeo Einzelpreisen: 23� statt bis 85— Wlnttr-Ulster Echte Gummimäntel Holilelner LodenkostQrae Covcrcaal-Mäntei aul buchesse 300.— b« 780.— statt bis 870.— stau bis iOOOl— 38.- statt bis 135.— Eollonne-Modellkestlima Blaue Kammgarnkettüma Setagummm-(Seiden-) Mäntel. alle Farben Schwarz. Eoilennt�eldenmänt. 183.— statt bis 570.— Lange u. halblange Pelzmäntel unt Garant, beste ifelle, Kürschnerarbeit, solide jTormeQ. Echte rohlenmäntel mit Pelzbesatz. Sctleleetric- usw. Mantel, Echte Zoiselfehmhotcl mit Alaftkafuehckrasen,"SBt Des großen Andranges wegen Besuch möglichst vormittags erbeten. Echte Sealbisam-Mäntei, Eohte Fohlen-Mäntel m. Skunksse lal. Echte Pspsianer-Jacken(Winter" feile), Glanzfella. Ans wähl Sendungen sofort: Trssuermagazin Westmann Amt Zentrum TSÖCt L ä&ohrenstr. 87a(Koloaaaden). IL Ctr. Frankfnrter Str. 115'na�ie AndreasstraSe). Verantwortlicher Redakteur: Aljreg Wiejepp, Neukölln. Für pee Jnferaterueil verantw.: Ttz. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag:Vorwär» Buchdruckeret u. Verlagsanjmlt Paul Singer& Eo, Berlin SW. --- � W. ZchW-g 2. Kkilüße des„Domarts" Kerlim AlKsblstj. z z-« DerKinöersihutzin öer Kriegszeit. Die Kinders chutzkommission der Arbeiterschaft Berlins und Umgegend hat ihren Täligkeitsbericht über 1314/15 sl. April 1914 bis 31. März 1915) jetzt bekanntgegeben. Von den zwölf Monaten, - ans die der Bericht sich erstreckt, fielen nur die vier ersten noch in die Friedenszeit. Der Krieg stellte die Kinderschutzkommission Plötz- lich vor eine neue Aufgabe und lenkte ihre Arbeit bis aus weiteres in anders Bahnen. Seit Jahren hatte die Grotz-Berliner Kinder- schutzkommisfion mit steigendem Erfolg sich bemüht, den Nachwuchs der Arbeiterklasse vor Ausbeulung und Vernachlässigung zu schützen und nach Kräften auch durch Linderung wirtschaftlicher Not die Ursachen solchen Kinderelends zu bekämpfen. Bei Kriegsausbruch entschloß sie sich, über den engeren Kreis der am schwersten gesähr- beten Kinder hinaus ihre Fürsorge zu erweitern und zur Bewahrung� so vieler jetzt der elterlichen Aufsicht beraubten Kinder diese in be- sonderen Kriegskinderhorten um sich zu sammeln. Ueber die Arbeit der Friedenszeit meldet der Bericht, daß es auch im verflossenen Jahr nicht an Erfolg fehlte. Bis vor Ausbruch des Krieges hatte die Kommission allgemein die Wahrnehmung ge- macht, daß die den Schutzbestimmungen widersprechende Beschäftigung der Kinder durch die ständige Kontrolle etwas zurückgedrängt worden war. Hoch genug war fteilich auch so noch die Zahl der Kinder, die in gesetzwidriger Weise beschäftigt wurden, und jetzt in der Kriegs- zeit dürfte sie wieder noch gestiegen sein. Von der alljährlichen außerordentlichen Kontrolle nahm die Kommission diesmal Abstand, weil während des Krieges ein Teil der Kinderschutzbestimmungen ruht und weil in kinderreichen Familien infolge von Not jetzt Er- Mahnungen, die Kinder nicht mitarbeiten zu lasten, oft fruchtlos bleiben. Auch über die regelmäßigen Kontrollen kann nur aus dem ersten Drittel des Berichtsjahres, den vier Friedens- monaten, ein Ergebnis vorgelegt werden. Von Ansang April bis Ende Juli des Jahres 1314 wurden aus den acht Rcichstagswahl- kreisen Groß-Berlins durch 119 Fragebogen zusammen 181 Kinder (86 Knaben und 95 Mädchen) gemeldet, die des Schutzes der Kommission zu bedürfen schienen. Es handelte sich 41mal um Uebertretnngen des Kinderschutzgesetzes durch unzulässige Kinderarbeit, ferner 81mal um Vernachlässigung, 32mal um Verwahrlosung, 27rnoI um Mißhandlung. Das Eingreifen der Kommission hatte wieder, wie bis- her, fast immer Erfolg, diesmal in 179 von 181 Fällen. In den übrigen 11 Fällen war infolge der Mangelhaftigkeit des gesetzlichen Kinderschutzes keine Abhilfe zu schaffen, doch wurden diese Kinder weiter im Auge behalten. Aus den Uebertretungen sei erwähnt, daß eine Buchdruckerei Kinder von 12—13 Jahren in den Ferien täglich sieben Stunden bei 15 Pf. Stundenlohn beschäftigte. Mit Hilfe gewerkschaftlich organisierter Arbeiter des Betriebes wurde Abhilfe erreicht. Bei den Vernachlässigungen und Verwahrlosungen war es der Kommission fast immer möglich, durch Rücksprachen mit Eltern, Vormündern, Lehrern, Armenkommissionen eine Aenderung herbeizuführen. Gegen die Mißhandlungen ist schwerer anzukämpfen, aber auch hier konnte unter dem Beistand von Aerzten, Armen- und Waisenkommissionen den Kindern oft Hilfe gebracht werden. Der Bericht hebt hervor, daß an der völligen Beseitigung der Kinder- erwerbsarbeit die Arbeiterklaste das lebhafteste Interesse haben muß und daß gegen Vernachlässigung und Verwahrlosung die Stadt den Kindern durch Einrichtung von Kindergärten, Kinderhorten, Kinder- speiseanstalten einen wirksameren Schutz gewähren könnte.— Die Kriegsarbeit der Mnderschutzkommtfsftm begann Mitte August 1914. Kinder der Arbeiterklasse wurden an zunächst 13 und später 29 Stellen in Berlin gesammelt, unter Leitung von Frauen durch Spiel und Gesang beschäftigt, mit Mittagesten und Nachmittagskaffee beköstigt. Die Zahl der zu versorgenden Kinder stieg von täglich 599 rasch auf täglich 3999, so daß bedeutende Mittel erforderlich wurden. Der Kindervolksküchenverein gab 93 799 Speise- marken und anfangs auch Milch. Der Magistrat bewilligte zunächst 1999 M. und später noch 3999 M., lehnte aber weitere Hilfe ab, weil Mittel nicht verfügbar seien und überdies Gelder aus der Stadtkasse nicht an eine politische Organisation gegeben werden könnten. Die Kinder- schutzkommisfion hat zwar, wie dem Magistrat bekannt sein sollte, mir Politik nichts zu tun. Aber ihr blieb bei der Unzulänglichkeit ihrer sonstigen Geldmittel(aus dem Verbandsbeitrag und privaten Zuwendungen) nach dieser Ablehnung nur übrig, die Kriegskinder- hone zu schließen. Ausgegeben hatte sie dafür allein 7494,81 M., bei einer Gesamtausgabe von 9411,64 M. im ganzen Jahr. Die _ Kommission versuchte auch Unterbringung von Kindern in Familien, vom norööstlichen Kriegs- schaupia«. In einer Entlausungsanstalt. Ost pressequartier, 24. Juni 1915. .Hier ist unser Genesungsheim," sagt Stabcrrzt Dr. L. und zeigt auf einen freundlichen Holzbau im Billenstil Eine zirka 1)4 Meter hohe doppelseitige Treppe führt zur Eingangstür hinauf. An den großen, geöffneten Fenstern, durch welche Licht und Lust in reichlicher Menge in das Innere des Gebäudes fluten, stehen Sol- baten. Einige sind nur leicht, andere überhaupt nicht bekleidet. Sie lasten sich von der Sonne bescheincn. Demselben Vergnügen geben sich auch die halb- und ganznackten Menschen auf der gc- räumigen Veranda an der Südostseite de§ Heimes hin. Licht- und Luftbäder gehören zwar nicht zu der vorgeschriebenen Kur, aber jeder darf in dieser Beziehung seinen Neigungen- ungehemmt nach- gehen. Die Kur in diesem Heim zählt nicht nach Monaten oder Wochen, nicht einmal nach Tagen, sondern nur nach Stunden. So kurz auch der tzeilvorgang, jeder Leidende, der das Heim aufsucht, mag sein Zustand noch so qualvoll sein, von der Marter befreit, gesund und fröhlich verläßt er das Haus, über dessen Eingang folgende Einladung steht: „Wer schmutzig ist und Läuse hat, Der komm'' getrost in unser Bad. Soll sauber werden, läusefrei, Daß es ihm eine Wonne sei, Und daß mit Recht er sagen kann: Ich bin ein reiner deutscher Mann!" Es ist eine der hinter der�Front jetzt nach Tausenden zählen- den Entlausungsanstalten. Wahrend die meisten von ihnen jedoch nur bescheidenen Ansprüchen genügen, darf die Anstalt, die ich nun betrete, wenn auch nicht zu den Riesenbetrieben, so doch zu den besteingerichteten Anstalten gezählt werden. Durchschnittlich ver- lassen dieses„Genesungsheim" täglich 259 von ihrem Leiden Be- freite. Es gibt aber auch Betriebe, wo Tag für Tag mehrere Tausende von Verlausten gereinigt werden können. Hier hat der Betrieb vier getrennte Abteilungen. Links vom Eingang sind die Ankleideräumc. Von hier aus begeben sich die Besucher in den Baderaum; ihre Kleider werden in geschlossenen Gefäßen der die sich zu unentgeltlicher Verpflegung bereit erklärten. 45 Kinder (15 Knaben und 39 Mädchen) von 2— 19 Jahren wurden, nachdem Aerztinnen den Gesundheitszustand geprüft hatteu, in solche Familien gegeben. Die Erfahrungen der Kommission sollen nicht immer an- genehm gewesen sein. Der Bericht fchließt mit dem erneuten Hinweis auf die Not- wendigkeit des Kinderschutzes durch vorbeugende Abwehr von Gefahren und durch Beseitigung ihrer Ur- fachen. Auch die Kinderschutzkommission habe im Rahmen der großen Arbeiterbewegung eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Mus Sroß-öerlin. Mseits vom Wege. Abseits vom Wege— das soll nicht heißen, ohne Weg und Steg, sondern nur: abseits von vielbesuchten Wegen auf einsamen Pfaden durch Wald an einen entlegenen See und an entlegenen Waldwiesen vorüber, wieder durch den Forst zurück ins städtische Getriebe. Abseits vom Wege, das heißt auch: eine leidliche Karte bei sich haben, bei bedecktem Himmel auch einen Kompaß, und es verstehen, auch einmal in einem Gewirr von Wegen den richtigen zu finden, entweder durch angeborenes Feldherrn- talent oder durch das Glück, das den Mutigen auch in einem dicken, märkischen Forst nicht verläßt. Zur Ausrüstung gehört ein Päckchen mit vertilgbarem Inhalt, vielleicht auch eine Trinlflasche, denn, vom Anfang und Ende des Ausflugs ab- gesehen, kann man hier allerhand zu sehen bekommen, bloß keine Wirtshäuser. Sonst wär's ja auch kein„abseits vom Wege". �—' Wir fahren vom Stettiner Hauptbahnhof. mit einem der nach Norden fahrenden Personenzüge nach Melchow, der ersten Station hinter Biesenthal, z. B. um 8.35 oder 8.40. Man kann vierter Klasse fahren, oder man nimmt eine Sonntagskarte nach Eberswalde. Billiger ist es, eine solche Karte bis Biesenthal zu lösen und die Strecke Biesenthal— Melchow zuzuzahlen, worüber man sich am Schalter erkundigt. Bei Melchow über die Gleise und gleich rechts neben ihnen den Birkenwaldweg in der Fahrtrichtung weiter. Den ersten Weg schräg links ab. Man hat auf der Karte in fast nördlicher Richtung den Samithsee vor sich, dem wir zustreben. Ist der Maßstab der Karte klein, dann nehmen wir eins der nach Norden führenden Waldgestelle, zeigt sie das Wegenetz ausführlicher, dann ist es reizvoller, sich mit seiner Hilfe an den See zu schlängeln. Auf beiden Wegen erreichen wir die große Waldstraße von Biesenthal nach Heegermühle und nach ihrer Ueberschreitung gleich darauf den Samithsee. Steile, schöne Waldhänge fassen das Westufer ein. Der See gehört zum Gebiet der Finow. an der Biesenthal liegt. Nach rechts und links schließen sich kleinere Seen an. Wir halten uns links, östlich, immer an der Grenze zwischen dem hohen Walde und den Wiesen, die den schlängeligen Lauf der Finow begleiten. Jeden der kleineren, nicht immer leicht zugänglichen Seen aufzusuchen, würde zu viel Zeit beanspruchen. Wir begnügen uns mit dem Lehnssee, den wir auch durch ein vom Südende des Samithsees fast genau nach Westen führendes Gestell bei Zeitmangel schneller erreichen können. Der hübsche Lehnssce mit seinem trotz der Hitze saftigen Wiesensaum ist leicht zu überblicken. Am jenseitigen Üfer fesselt ein Wald aus schöngewachsenen Fichten(an Kiefern ist natürlich Ueber- fluß). Vom See auf dem Waldpfade am hohen Ufer in der Nähe der Finowniederung nach Süden. Nicht lange, dann treten wir auf die von Biesenthal nach Forsthaus Eiserbude führende Waldstraße hinaus und stehen auf der idyllisch ein- samen, hölzernen Pöhlitzbrücke über die Finow, die wir uns nun endlich von oben mit samt ihren munteren Fischlein b«- trachten können. Dann geht's über die Brücke ans andere Ufer und hier, abermals stets zwischen Wald und Finowwiesen, südwärts gen Biesenthal. In der Nähe des hübschen Städtchens, das natürlich reichlich Gelegenheit zur Stärkung bietet, hat man die Wahl, ob man. über die Wehrmühle, die mit Promenadenweg und Anlagen versehene Fahrstraße zum Bahnhof einschlagen(eine starke halbe Stunde, 4.12 fährt ein guter Zug zurück), oder ob man erst in Biesenthal einkehren will, von wo man für 30 Pf. auch mit dem Omnibus zum Wäscheabteilung überwiesen. Im Baderaum stehen mehrere Bade- wannen. Hier unterzieht sich jeder Mann einer gründlichen Reini- gung mit warmem Wasser und Seife unter genügender Anwendung von Cresol, auch Läusetod genannt. Dem eigentlichen Bade folgt eine Sonderbehandlung der Haarpartien, unter den Armen, an den Schamteilen usw. Diese Einreibungen mit einer scharfen Salbe haben sich als sehr zweckdienlich erwiesen. Man ist dahinter gc° kommen, daß die Kleiderläuse zu mogeln versuchen, indem sie, entgegen der bisherigen Annahme, ihre Eier in den erwähnten Haarpartien niederlegen. Das Bad allein vernichtet die Eier nicht und so konnte es vorkommen, daß Entlauste doch als Träger neuer Läuseherde in den Schützengraben zurückkehrten. Solcher Gefahr begegnet man durch die erwähnte«onderbehandlung, die in den, den Lazaretten angegliederten Entlausungsanstalten noch gründ- licher vorgenommen werden kann, indem man den Verlausten das Kopshaar kurz schert und die übrigen Haarpartien glatt wegrasiert. In den Betrieben mit Massenfrequenz und den meistens sehr ein- fachen Einrichtungen unmittelbar hinter der Front mutz man auf die Vornahme dieser Heilmethode natürlich verzichten, sie ist zu zeitraubend und erfordert zuviel Umstände. Der in unserem Heim dem Bad entsteigende reine Mann begibt sich in die wiederum von den übrigen Abteilungen vollständig abgeschlossenen Ankleide- räume, die durch einen besonderen Gang mit dem Baderaum der- bunden sind. Saubere Wäsche findet der Gereinigte sofort vor. Der Betrieb wurde nämlich mit einem Bestand von Ersatzwäsche aufgenommen, so daß stets ein Vorrat vorhanden ist und niemand auf das säubern-und Trocknen der ausgezogenen eigenen Unter- kleider zu warten braucht. Diese werden nämlich in mächtigen Kesseln ausgekocht und dann in einer Riesenzentrifuge geschleudert und getrocknet. Die Befreiung der Oberkleider von lästiger Ein- quartierung erfolgt auf trockenem Wege. Sic werden in einem Ofen einem Heißluftbad von über 199 Grad ausgesetzt, das ver- trägt kein Lausetier. Um die saubere Wäsche vor dem.Ansturm neuer Einquartierung zu schützen,-beschickt man sie von innen mit Schwefel, gegen den die Läuse eine starke Abneigunq�bekunden.— In den primitiven Anstalten direkt hinter den Schützengräben müssen die mit„Bienen" Behafteten gewöhnlich auf das Bad gänz- lich verzichten. Man begnügt sich damit, die Wäschestücke auszu- kochen und die Oberkleider einem Dampfbade auszusetzen. In den Großbetrieben ist die Behandlung zwar immer noch ziemlich ein- fach, aber doch so radikal, daß kein Feind lebend herauskommt. Meistens werden die gesamten Kleider in einem Dampfbad von 199 Grad ausgeräuchert, das etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. Während dieser Zeft empfangen die Kranken eme auS« Bahnhof gebracht wird. Wem aber starkes„Stuckern" keine Freude macht, der geht die 35 Minuten an Anlagen und Landhäusern vorüber auch noch ab. Es ist kein Ausflug mit„Schlagern", obwohl die beiden Seen sehr hübsch sind und der Samithsee wohlverdienten Ruf besitzt, aber tiefer Friede herrscht hier draußen in den hohen stillen Wäldern, wie man ihn eben nur in einiger Entfernung von größeren Orten noch finden kann und wie ihn viele jetzt mehr als je ersehnen mögen. Städtischer Gefrierfleischverkauf. Der Magistrat wird die von der Stadtgemeinde an- gekauften Gefrierschweine von der nächsten Woche ab in den Verkehr bringen. Der Weiterverkauf ist Berliner Fleischer- meistern übertragen und sollen zunächst pro Woche 2000 Schweine ausgeschlachtet werden. Der Verkauf findet nur an zwei Wochentagen und zwar Mittwochs und Sonn- abends statt. Diejenigen Fleischermeister, welche an diesem Vertrieb teilnehmen wollen, sind verpflichtet, an diesen beiden Verkaufstagen anderweitig bezogenes Schweinefleisch nicht feilzubieten. Die Abgabe des Fleisches an das Publikum findet gegen Vorzeigung von Ausweiskarten statt. Pro Kopf und Woche wird bis zu einem Pfund Fleisch ab- gegeben, jedoch hat natürlich niemand ein Recht auf den Bezug, da der städtische Vorrat begrenzt ist. Die Maßregel ist im Interesse der minderbemittelten Bevölkerung ergriffen und wenn auch der Magistrat davon absieht, den Kreis der Bezugsberechtigten durch positive Vorschriften zu beschränken, so wird doch von dem sozialen Bewußtsein der besser- situierten Bevölkerung erwartet, daß sie auf die Entnahme des von der Stadt feilgebotenen Gefrierfleisches ver- zichten wird. Kausberechtigt sind nur Berliner Ein- wohner. Jeder Weiterverkauf des Fleisches, auch zum Verzehr in Gast- und Speisewirtschaften, ebenso auch die unentgeltliche Weitergabe an Personen, welche nicht in Berlin ihren Wohnsitz haben, ist untersagt. Nachdem die Bundesratsverordnung vom 24. Juni d. I. dazu die nötige Handhabe geboten hat, hat der Magistrat heute für den Gefrierfleischverkauf die obigen Anordnungen beschlossen, deren Uebertretung mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft wird. Das Nähere über die Ausstellung der Fleischkartcn sowie über die Verkaufs- preise des Gefrierfleisches wird demnächst noch bekannt gegeben werden. Noble Werbearbeit. Uns wird geschrieben: Auf den Schlachtfeldern finden sich Marodeure, die Gefallene und Verwundete ihres Besitzes berauben. Schlachtfeldhhänen ist die Bezeichnung, die im Volle dafür als treffendste in: Umlauf ist. Daran wird man erinnert, wenn man hört, in welcher Weise bürgerliche Blätter das Verbot des„Vorwärts" benutzen, um die Abonnenten für sich einzufangen. Am Nachmittag des Dienstag dieser Woche, dem dritten Tage, nachdem der„Vorwärts" der Zensur zum Opfer gefallen, erschien in dem Hause Naugarder Str. 14 ein Aquisiteur der„Berliner Vollszeitung", um dafür zu werben. Als man ihm an einer Tür bedeutete, daß hier der„Vorwärts" gelesen würde, wurde der Herr sehr zudringlich und erklärte, das sei recht gut, denn dann käme sein Angebot ja gerade recht. Er sei davon informiert, daß der„Vorwäris" bestimmt auf mindestens vier Wochen nicht mehr erscheinen dürse.'Da könne man doch' für diese Zeit die„Volkszettung" abonnieren. Als ihm sehr entschieden gesagt wurde, daß er sich hier lügenhafter Mittel bediene, um dem„Vor- wärts" die Leser abzutreiben, versicherte er auf das bestimmteste, genau unterrichtet zu sein. Wir können nicht annehmen, daß der Verlag der„Berliner Volkszeitung" es war, der seine Werber so instruiert hat, daß man ihre Arbeit geradezu als unlauteren Weit- bewerb bezeichnen müßte. Unsere Leser ersuchen wir, dieser schäbigen Agitationsmethode durch treues Festhallen an unserem Blatt entgegenzutreten, denn es ist offenbar, daß dieser Vorgang nicht ver- einzell dasteht. Kriegsunterstützung in Berlin. Die Zahl der in Berlin unterstützten Familien von Kriegs- teilnehmern ist bis jetzt auf 1416 6 0 gestiegen; während sie sich im August auf 62 980 belief. Eine verhältnismäßig noch viel stärkere Steigerung haben die für diese Zwecke auf- gewendeten Beträge erfahren. An Kriegsunterstützung ge- langten im Juni 4,94 Millionen Mark zur Auszahlung gegen 1,28 Millionen Mark im August. Außerdem wurden an reichende warme Dusche, wobei Seife nicht gespart wird. Auf diese Weise säubert und reinigt mau auch die gefangenen Russen. Soweit sie in dem Gebiete hinter der Front bis zu den großen Grenzstationen bleiben, sei es als Arbefter in privaten oder öffentlichen Betrieben, oder sonstwie zu vorübergehendem Aufenthalt, erfolgt ihre Entlausung in den nächstgelegenen An- stalten. Das gleiche gilt von den hin- und herflutenden Truppen, abgesehen von großen durchgehenden Transporten. Kein B e- urlaubter gelangt in die Heimat, der nicht schwarz auf weiß nachweisen kann, daß er keine blinden Passagiere ins Land bringt. Er bekommt nämlich keine Eisenbaynsahrkarte, ohne daß er einen Schein vorlegt, mit dem er nachweist, daß er entlaust worden ist, oder daß die Untersuchung seine untadelhafte Sauberkeit dargetan hat. Zu diesem Zweck sind an den Grenzstationen Äontroll- stellen eingerichtet, auf denen sich jeder Soldat melden muh, wenn er die Eisenbahn zu einer Fahrt ins Innere des Reiches benutzen will. Diese Vorsicht gebietet sich aus zwiefachen Gründen, das Verschleppen der Läuseplage selbst ins Innere des Laiches soll verhindert werden; vielleicht noch wichtiger ist der Umstand, daß die Läuse den Flecktyphus übertragen können. Darin liegt eine große Gefahr, der man am sichersten durch gründliche Eni- lausung vorbeugt. Es mag hier noch bemerkt werden, daß die Einrichtung dazu an manchen großen Grenzstationen in den Des- insektwnsanlagen der Schiffslinien für den Auswanderer- verkehr bereits fix und fertig vorgefunden wurden.— In dem Maße, wie die Kulturentwickelung mit dem Handwerksburschrntoesen der alten Zeit, mit dem Wandern und den Pennen alten Stils mehr und mehr aufräumte, verschwand auch die Kleiderlaus. Wohl die meisten von uns kennen sie nur aus den Handwerksburschcn- geschichten.„Bienenjagden", wie sie früher auf den Herbergen der Handwerksburschen üblich waren, haben selbst die Walzbrüder der jüngeren Semester nicht mehr erlebt. Run aber brachte der Krieg Hunderttausende von Deutschen aus allen sozialen Schichten des Volkes in unmittelbare Bekanntschaft mit dem Läusezeug. Und alle, die einmal damit behaftet waren, wissen den Segen der Eni- lausungsanstalten zu würdigen. Offiziere und Mannschaften, Ar- beiter, Beamte, Gelehrte, Kaufleute, Reiche und Arme beneiden einander um eine Entlausungskur. Trotzdem trifft man noch viel- fach Leute, die es fast als eine Beleidigung, mindestens als eine Demütigung oder als etwas Beschämendes empfinden, wenn sie entlaust werden sollen. Da lobe ich mir den Physikus. der mir folgendes verriet:„Ich würde mich bier jeden Tag entlausen lassen, selbst wenn ich nie eine Laus gehabt hätte, nur um der Wohltat eines Bades willen," Düwell, Kriegsberichterstatter, Mstunterftutzungen lediglich für Kriegerfamilien geleistet im Juni l.l Millionen M a r l, während hierfür im März 563 000 M., im April 577 000 M. und im Mai 744 000 M. gewährt wurden. Die Mehraufwendungen für Mi et- Unterstützungen an K r i e g e r f a m i l i o n im Juni übersteigen also die im Mai gezahlten um rund 50 Prozent. iT'ie Mictunterstiitznngcn, die Mietern in städtischen Grund- stücken und Arbeitslosen gewährt werden, sind hierbei nicht berücksichtigt.) Die Leistungen für Kriegerfamilien i in Juni betragen demnach 6,04 Millionen Mark und seit August insgesamt 39,76 Millionen Mark. DaZ Oberkommando in den Marken orlätzt unter dem t. Juli folgende Bekanntmachung: Die am S. 3. 4Z erlassene Höchstpreis- bekanntmachung. für Chilesalpeter wird am. heutigen Tage mit der Matzgabe aufgehoben, daß der Höchstpreis für alle die- jenigen Mengen von Chiilcfalpeter bestehen bleibt, deren Besitzer öder Eigentümer bereits vor dem t. 7. 15 eine besondere Aufforderung vom Oberkommando zugegangen ist, den Chilesalpsler der Kriegs-Chemikalien-Akticngesellschaft zum Höchstpreise zu über- lassen. Ein Hauswirt an einen Kriegsteilnehmer. Einen sonderbaren Briei hat ein Berliner Hauswirt, der Eigentümer des Grundstückes Schwedter Str. 2, an den zun: Heere einberufenen Ebemann einer Mieterin geschrieben. Die Frau halte, ehe sie diesen Mann heiratete, in dem Hause die P o r t i e r st e l l e übernommen und selbständig init dem Eigen- tüiner einen Hausreinigungs- und Mictsvertrog abgeschlossen. Sie heiratete erst, als der Mann seine Einberufung zum Landsturm erhielt, und brachte auI erster Ehe einen elfjährigen Sohn in diese zweite Ehe. Während nun der Landstmnrmann in einer Garnison nahe der russischen Grenze weilte, wurde seiner Frau erzählt, daß die Hauswirtin über sie unter Bezugnahme auf die Eheschließung eine abfällige Aeußeruug getan haben sollte. Die Wirtin hat das später bestritten, die Kriegerfrau aber glaubt, was man ihr binterbracht hatte, und meldete die Sache ihrem Mann. Der schrieb der Wirtin einen Brief, in dem er ihr Borhaltungen machte, und ihm antwortete dann der Wirt. In dem Hauswirtsbrief heißt es unter anderm: «Sorgen Sie dafür, daß Ihre Frau sich nicht nur auf die Besorgung ihrer Wirtschaft und das bißchen HauSreinigung be- schränkt, sondern sich Mühe gibt, durch andere Arbeitei� noch wenigstens so viel zu verdienen, daß sie ihrem Sohne Schuhe und Strümpfe anschaffen kann, damit er nicht barfuß herum- lausen muß. Ich habe Ihnen schon einmal zu erkennen gegeben, daß mir das nicht paßt, und ich muß Sie ganz entschieden bitten, für Abhilfe zu sorgen. In meinem Hause ist dies noch nie Sitte xewesen und ich wünsche, daß diese Sitte nicht eingeführt wird." Daß in Berlin ein Hauswirt barfuß laufende Portier- kinder in seinem Hause nicht duldet, lvird man vielleicht in den Wohnvierteln der wohlhabenden Bevölkerung für möglich halten. Was aber soll man dazu sagen, daß hier in einem vorwiegend von Arbeitern bewohnten Stadtteil dep Eigentümer eines bescheidenen Mietshauses«diese Sitte nicht einführen lassen" will? Dieser empfindliche Hauswirt äußert sich dann noch weiter darüber, daß'seine Portiersrau nicht noch einen Nebenerwerb suchen wolle: «Sehr, sehr viele Frauen, die jetzt in gleicher Lage sind, wie die Ihrige, haben so viel Ehrgefühl, daß sie sich bemühen, ihre im Felde stehenden Männer, die ihre Gesundheit und auch ihr Leben zur Verteidigung des Vaterlandes aufs Spiel setzen müssen, wenigstens so weit zu unterstützen suchen, daß sie sich durch Ar- beiten einen, wenn auch kleinen, Nebenverdienst verschaffen, damit den draußen stehenden Männern die Sorge um ihre Lieben, nicht allzu schwer wird. Arbeit ist genug da für den. der arbeiten will. Sehen oder denken Sie nur an Frau S... ES ist frei- lich nicht jeder Frau zuzumuten, sich so zu quälen, wie die es tut. aber zwischen solchem Fleiß und dem Nichtstun ist doch noch Raum genug, sich nützlich zu machen, wenn Lust dazu vor- handen ist." Die erwähnte Frau S... ist eine andere Hausbewohnerin, die bei dem Wirt eine Aufwartestelle hat. Gegenüber„solchem Fleiß" spricht er von dem„Nichtstun", wie wenn nicht auch seine Portierfrau sich bereits„nützlich macht!" Noch niehr zu tun, fehlt's ihr wirklich nicht an Lust, aber ihr Gesundheitszustand ist nicht danach. Seit Jahren bereits erbält sie Invalidenrente, und bald nach jenem HauSwirtsbrief mußte sie obenein wegen einer Rippenfellentzündung in ärztliche Behandlung gehen. ES ist wohl nicht nötig, daß wir dem Brief weitere Worte der Erläuterung beigeben. Nur das sei noch bemerkt, daß der Brief- schreiber dem Manne die Anerkennung spendet, er sei„fleißig ge- wesen". Auch fügt er schließlich hinzu:„ES tut mir leid, daß ich Ihnen das alles sagen muß, aber nachdem Sie mich dazu heraus- gefordert haben, muß ich es tun". Das klingt fast, als ob das Krankende dieses an den Kriegsteilnehmer gerichteten Briefes auch dem Hauswirt selber nicht ganz entgangen ist. Irreführende Berufsberatung. Wie wird eine Kanone gemacht? Antwort: Man nimmt ein Loch und gießt Eisen rum. An diesen Kinderscherz wird erinnert, wer beruflich gezwungen ist, eine von M. Woltok verfaßte Broschüre zu lesen, die in: Verlage von Eberhard v. Restorff, Berlin, er- schienen ist und den Titel führt:„Welchen Beruf wählt die Krieger- Witwe?" Rund 80 Berufe sind darin als für Kriegerwitwen ge- eignet aufgeführt, von der Künstlerin, Röntgen-Assistentin, Detek- tlvin, Dentistin, Apothekerin, Heiratsvermittlerin, Kellnerin, Ge- schäftsfrau bis zur Aufnahme von Sommerfrischlern. Dennoch wird jede Kriegerwitwe, die sich über Berufsaussichten für sich durch die Broschüre informieren will, nach dem Lesen genau so klug sein wie Kinder nach Beantwortung der eingangs erwähnten Scherz- frage. Es ist zu begrüßen, daß das Kuratorium der Groß-Berliner Auskunftstellen für Frauenberufe in einer Eingabe an das Ober- kommando in den Marken auf die Broschüre aufmerksam macht und sie als einen ganz besonders irreführenden„Ratgeber" be- zeichnet. Da durch den Krieg viele Frauen, die bisher nicht gearbeitet haben, gezwungen sein werden, fich einen Beruf und dadurch Ver- dienstgelegenheit zu suchen, so ist damit zu rechnen, daß Broschüren mit derartigem Titel gelaust werden. Der Kaufpreis, in diesem Falle 50 Pfennig, könnte für Beschaffung anderer Dinge aber nützlicher verwendet werden. Einige Beispiele auS der Broschüre mögen dies beweisen. Auf Seite 18 wird einer Witwe, die das Witurium hat und über Mittel verfügt, gesagt, daß ihr der Weg des Studiums offensteht. DaS dürfte diese Frau aber auch ohne Herrn oder Frau M. Woltok wissen, auch wie lange sie studieren muß, um für den Beruf als Acrztin usw. vorgebildet zu sein. Ebenso wird eine Frau, die umfangreiche Kenntnisse der Drogen besitzt, ganz von selber auf den Gedanken kommen, daß sie sich als Drogistin ihr Brot verdienen kann. Umfangreiche Kenntnisse der Drogen erlangt man nämlich erst nach längerem Studium oder längerer Tätigkeit im Beruf. Personen, die sich in dieser Weise betätigt haben, pflegen in der Regel qber auch über eventuelle Aussichten im Beruf unter- richtet zu fein. Praktischer ist schon der Rat an die Heiratsvermittlerin, bei Beginn ihrer Tätigkeit zuerst die Gebühren einzuziehen, die 20 bis 500 Mark betragen sScite 26). Aber von wem denn, von„ihm" oder„ihr"? Doch Scherz bei Seite. Die an einigen Stellen gegebenen „Ratschläge" rechtfertigen durchaus die von dem Kartell der AuS- lunftstellen für Frauenberufe gewählte Bezeichnung als Schundrat- geber für die Broschüre und lassen es wünschenswert erscheinen, daß weite Kreise auf ihren„Wert" aufmerksam gemacht werden. Durch den auf Seite 25 gegebenen Hinweis, daß Frauen in Fabriken für künstliche Blumen, Federn, Stoffmalcreien und koloristische Arbeiten während der Lehrzeit für diese leichten Arbeiten 10 M. pro Woche erhalten und Aussicht auf höheren Verdienst haben, könnte bei berufsfremden Personen leicht der Anschein erweckt werden, als seien diese Berufe günstige Arbeitsgelegenheiten. Daß dies durchaus nicht der Fall und außerdem die Empfehlung zur Errichtung von Heim- arbeitSwerkstätten geradezu gefährlich ist, dürfte Eingeweihten ge- nügend bekannt sein. Au einer anderen Stelle, Seite 20, fordert 4V. zur Ausnutzung von intelligenten Lehrdamen auf, die sich Inhaberinnen von Berviel- fältigungsbureaus zwei Jahre hindurch verpflichten sollten. Auf Seile 24 wird Putzmacherinnen die Beschäftigung heranwachsender Kinder empfohlen. Es gibt ein Kinderschutzgesetz, verehrte Frau oder verehrter Herr M. Woltok. In dieser Weise werden auf 29 Seiten Kriegerwitwen„Rat- schlüge" erteilt. In der Regel wird mit diesen zwar nicht viel an- zufangen sein. Unter Umständen aber können sie doch zur Schädi- gung der arbeitenden Bevölkerung führen, nicht nur zur Schädigung von Kriegerwitwen. Leider ist es nicht möglich, dies durch Abdruck einiger Stellen noch näher zu beweisen. Der Verfasser droht näm- lich strafrechtliche Verfolgung selbst für den auszug-Zweisen Ab- druck an. Wahrscheinlich war er sich von vornherein klar, daß kein Mensch die Broschüre kaust, wenn ihm Stellen daraus be- kannt sind. Wozu die Notlage der Kriegerwitwen doch alles benutzt wird! Der Racheakt eines Strahenräubers, der durch die Aufmerksamkeit eines Eiscnbahnbeamten auf frischer Tat abgefaßt worden war, lag einer Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung zugrunde, welche gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte.— Angeklagt war der Handlungsgehilfe Paul Pfeiffer, der schon mehrfach wegen so- genannter Eisenbahnfleddereien vorbestraft ist. Im Juli V. I. wurde P. von dem Eisenbahnassistenten Wischnewski auf dem Bahnhos Stralou-RummelSburg festgenommen, nachdem er in einen, Ableil zweiier Klaffe einem eingeschlafenen Fahrgast die Brieftasche ent- wendet hatte. In der Verhandlung vor der Strafkammer, die niit der Verurteilung des P. zu zwei Jahren Gefängnis endete, brachte der Zeuge Wischnewski u. a. zur Sprache, daß der Angeklagte auch eine schon längere Zeit vorher gelöste Zuschlagskarte zum lieber- gang in die zweite Wagenklasse benutzt habe, oblvohl aus diesen Karten der Vermerk stehe, daß sie nur am Tage der Lösung gültig seien. Diese Angabe des Jeugen' hatte ein neues Strafverfohren, wegen Betruges gegen Pfeiffer zur Folge. Um nun dein Zeugen eins auszuwischen, erstattete der Angeklagte gegen ihn eine Anzeige wegen Meineids mit der Behauptung, W. habe fälschlich beschworen, daß sich auf jeder Zuschlagkarte der Ver- merk befände, daß sie nur am Tage der Lösung gültig sei.— DaS daraufhin eingeleitete Ermittelungsverfahren ergab, daß diese An- gäbe des Zeugen auch der Wahrheit entspricht. Der Spieß wurde nun umgedreht und das vorliegende Strafverfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung gegen den Angeklagten eingeleitet.— Staats- anwallschaftsrat Weismann beantragte sechs Monate Gefängnis, da es sich um einen recht verwerflichen Racheakt handele. DaS Gericht verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Ge- f ä n g n i S.__ Beschlagnahme eines Flugblattes. Das Polizeipräsidium teilt mit: Das Oberkommando in den Marken hat am 24. Juni d. I. das als Manuskript gedruckte Flugblatt„An den Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands! An den Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Berlin!", datiert. Berlin, den 9. Juni 1915, mit Unterschriften einer großen Anzahl von sozialdemokratischen Parteigenossen in Vertrauens- stellungen, beschlagnahmt. Gleichzeitig hat die genannte Militär- behörde seine weitere Herstellung und Verbreitung, gleichviel ob gedruckt oder auf chemischem oder»technischem Wege ver- vielfältigt, verbotet!. Das Flugblatt enthält die an Fraktion und Parteivor- stand gerichtete Forderung, den Burgfrieden aufzusagen und auf der ganzen Linie den Älassenkampf nach den Grundsätzen deS Parteiprogramms und der Parteibeschlüsse und den sozialistischen Kampf für den Frieden zu eröffnen.— Wer das Verbot des Oberkommandos übertritt oder zu seiner Uebertretung auffordert oder anregt, wird, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft werden._ Sammelstelle für Liebesgaben. Für Schöneberg und die nähere Ilmgegend hat der Stadt- verordnete Herr S. Bester eine Untersaminelllelle von der Staat- lichen Abnahmestelle freiwilliger Gaben für dos HI. Armeelorps sMark Brandenburg) übernommen, die sich in den Räumen der Sammelstelle für Liebesgaben im neuen Rathaus, Eingang Badensche Straße, Fernsprecher Nollendorf 1727, befindet. Bei den großen Strapazen, die unsere siegreichen Truppen gerade jetzt in der Hitze auf allen Kriegsschauplätzen durchzumachen haben, sind besonders Liebesgaben in Gestalt von durststillenden Ge- tränken, wie Limonaden, Mineralwasser, Fruchtsäften sowie sauren Bonbons, sehr erwünscht._ Eine stundenlange Verkehrsstockung gab eS gestern morgen an der Ecke der Friedrich- und Oranien- burger Straße. Dort sind noch die Pflasterarbciten vom Bau der Nord-Südbahn her im Gange. Der Fuhrwerksverkehr muß sich des- halb an mehreren Stellen durch Engpässe und auf Umwegen voll- ziehen. Gestern morgen nun geriet ein großer Rollwagen, der mit Leder hoch beladen war und vom Lehrter Bahnhof herkommend von der Friedrich- nach der Oranienburger Straße einbiegen wollte, auf eine ungepflasterte Stelle, und fuhr sich so fest, daß er nicht mehr vor- noch rückwärts konnte. Bei dem Versuch, den schweren Wagen doch noch rückwärts wieder auf das Pflaster zu bringen, versagte die Steuerung und jetzt kippte er um und fiel gerade aus die Gleise der Straßenbahn.... So stockte der Verkehr auf allen Linien, die diesen Weg nehmen müssen, bis der Wagen entladen, mit großer Mühe wieder aufgerichtet war und. von neuem beladen, weiter fahren konnte. Das dauerte lange Zeit und auf beiden Seiten hatten fich lange Reihen von Straßenbahnzügen an- gesammelt. Bei der Sonnenwendseier des Arbeiter-Wanderbundes ist ein Um- hang verloren worden. Abzugeben bei Paersch, Oldenburger Str. 10. Ueber„Deutschlands Welttelegraphennnetz und seine Gefahrdung im Kriege" wird Herr Dr. Richard Hennig heute Sonnabend, den 3. Juli, abends 8 Uhr. im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte einen mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrag halten. Der Deutsche Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde" per- anstaltet am Sonntag, den 4. und Sonntag, den 18. Juli, eine Spreewaldfahrt. Teilnehmerkarten a ä„7ö M. und Auskunft durch Fernruf lMoritzplatz 1975) bei Fritz Kruse, Mariannenstr. II, sowie in den Zahtjlellen.(Siehe Inserat am Freilag, den 2. �ili.) Ms öen Gemeinöen. Kriegsfürsorge in Schönelierg. In der letzten Stadtocrordnetensitzung wurde der an Stelle de» Genossen Molkenbuhr gewählte Genosse Dr. Chajes in sein Amt eingeführt.— Für die KriegSwohlfahrtspslege sind bisher 2 Mil- lionen Mark bewilligt worden; hierzu wurden noch 3 Millionen Mark nacbgefordert. die bewilligt wurden. Nunmehr gab Stadtv. Bester(Lib.) den Ausschußbertcht über Einrichtung eines Wochen» inariies vor dem neuen Rathause. Verschiedene'Petitionen, die von Gegnern des Marktes eingegangen waren, wurden vom Referenten als nicht ernst anzuseilen zurückgestellt. Tie Gemüsehändler behaupteten, daß ein neuer Markt ihnen über 300 000 Mark Miete- auZfall bringen wird. Ter Haus- und Grundbesitzervercin erklärte, die Wohnungen würde» leer stehen. Der Referent wies diese halt- losen Einivände zurück und empfahl Annahme der Vorlage. Jatzow(Fr. Fr.» sprach sich gegen den neuen Markt aus; er hält es für unpraktisch, auf unvollständig ausgebautem Gelände einen Wochenmarkt zu errichten. Nach dein Kriege wäre es immer noch Zeit, daran zu denken. Genosse Peterson wünschte, daß der Markt sobald als möglich eingerichtet werde, damit dem Publi- kumGelegenhcit gegeben werde, gute und billigeWaren einzukaufen. Genosse Kütcr erwartet, daß die Vorlage sofort angenommen und nicht nach den Wünschen der Liberalen Fraktion erst noch an die Kunstdeputation verwiesen werde, das iväre gleichbedeutend mit Ablehnimg. Die ganze Sacke sei zu kleinlich, um von Künstlern erst noch ein Gutachten darüber einzuholen, ov die Verkaufsstände lang oder quer eingerichtet»Verden sollen. Auch die Farbe der Pläne für die Stände müsse den einzelnen überlassen bleiben. ?lußcrdem sei es jedoch wüpschcnSwert, wenn der Magistrat dafür sorge, daß die künstliche Zurückhaltung des FrühgemüseS durch die Grossisten aufgehoben»verde, um die bereits bestehende Teuerung nicht noch mehr zu steigern.— Tie Abstimmung, ob die Vorlage an die Kunstdeputation überiviescn werden soll, ergab Stimmen» gleichheit. Durch Ausschlag des Vorstehers»vurde dieser Antrag abgelehnt und die Vorlage des Magistrats angenominen. Bei dem Bericht über die Klassenfrequenz der Gemetndeschulen erklärte Genosse B e r n st e i n, jetzt keine besondere Äritit zu. üben, da durch die Kinder der Flüchtlinge die Zabl etwas gestiegen sei. Von eine»» Aufgeben unserer Forderungen könne jedoch keine Rede sein. Der Kolonistcnvercin„Grüne Aue" petitionierte um einen Zuschuß, da von seinen 100 Mitgliedern 37 zuin Heeresdienst ein- berufen und für die Betreffenden die Pacht bezahlt»verdcn müßte, Wenn ihnen ihre Parzelle nicht verloren gehen solle. Ta die Äolo- nisten nachweislich Belege beibrachten, so wurden 1000 M. bewilligt. _ Das Glasreinigungsinstitut ersuchte um Gewährung einer Kricgszulage. Genosse Obst rügte hierbei, daß von den Rein- Machefrauen des Rathauses verlangt werde, außer der ihr reichlich zugeiviesciien Arbeit auch die hohen Fenster zu reinigen, ohne daß dafür besonders bezahlt, während dem lliiternehiner der anS- bedungene Lohn und darüber geleistet»verde.— Stadtrat w ch ü I c r erklärte, den Frauen»väre keine Mehrbelastung an Arbeit überwiesen worden. Das Gegenteil ist richtig. ES seien mehr Frauen, hauptsächlich Kriegerfrauen, eingestellt worden. Bei Geivährnng der Kncgstcucrnngszulnge haben sich, wie Genosse Peterson bemerkt, Ilnehcnhciicn und Härten heraus- gestellt. Insbesondere geht den Straßaireinigern und Kanal- arbeitern die Zulage dadurch verlustig, daß ihnen als Dienstcin- kommcn«onntagsarbeit und llcbcrstundcn mit angerechnet weiden. Dadurch bekomme ein Arbeiter ii»it einem Kinde eine höhere Üeue- rungszulagc als einer mit mehreren Kindern. Tie Folge davon sei, daß ein erheblicher Teil der Beamten, Angestellten und Ar- beitcr mit einem Einkoinnien von annähernd 2000 M. ausfallen würde.— Kubig(Fr. Fr;)- iviiiifivte, traß- arr der» visberigen Zustand nichts geändert»verde. Bei Berechnung der Pensionierung »verde Ueheroerdienft ebenfalls angerechnet. Auch bei Arbeitern braucht keine Ausnahme gemacht»verde»».— Die Genossen K ü t e r und Bernstein wiesen diese Ausführungen zurück und betonte»-. daß dies für die Arbeiter eine Bestrafung bedeute und dazu führen müsse, Ueberstundenarbeit zu verweigern.— Stadtrat Molkenbuhr wünschte, daß allen die Tcncrnngszulagc zugute kommen »nögc, deshalb müsse eine Aenderung herbeigeführt»verdcn. Ter Antrag Kubig sei eine Verschlechterung und ziehe dieselben Härten nach sich tvie vordem.— In der Abstimmung»vurde der Antrag Kubig abgelehnt und die Magistratsvorlage angenommen. Danach »vird die Äriegstcuerungszulage allen denjenigen Personen ge- »vährt, deren Dicnsteintommcn ausschließlich der Teucrungs- und Fainilicnzulage soivic der Entschädigung für Ueberstnnde»»- und Sonntagsarbcit den Betrag von 2000 M. jährlich nicht übersteigt. Für die Unterstützung von Familien mobiler Mannschaften bat bisher die Geineindc 5 Millionen Mark ausgegeben, bis End»- des Jahres sind jedoch 1!-- Millionen Mark noch erforderlich, die nachbcivilligt»verde»» müssen. Dem»vurde zugestimint. Für die hilfsbedürftigen Deutschen in Galizicn und dvr Buke- »oina wurden 500 M. bewilligt. Ferienspiele in Neukölln. Die Ferienspiele werden auch in diesem Jahre abgehallen. Zur Bewältigung der dadurch entstehenden Arbeit werden die Ge- nossinnen, die über Zeit verfügen, ersucht, sich noch als Helferin zur Verfügung zu stellen. Ain Sonntag, den 4. Juli, soll dos Anspielen stattfinden-. Ter Abmarsch erfolgt mittags 1 Uhr von der Neckarstraße aus mit Musik nach der Königsheide. Dort ist Gelegenheit zuin Kaffeekochen. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. ES wird ferner gebeten, den Kindern etwas Mundvorrat mitzugeben; desgleichen sollten Getränke nur in Blech- oder Einaillebehättern mitgegeben werden, damit sich die Kinder nicht verletzen können. Die Spielplätze für die einzelnen Bezirke sind folgende: 1.— 7. Bezirk: Roseggerstraße, Ecke Weigandufer; 8.— 12. Bezirk: Turnplatz der Freien Turnerschaft an der Äiesholzstraße; 13. bis 15. Bezirk: Städtischer Sportplatz, Grenzallee; 16.— 19. und 21. Bezirk: Platz an der Schule. Lessingstraße; 20., 22.— 24. Bezirk: Vereinsbrauerei. Eingang Jägerstraße. Die spiele finden an allen Tagen, außer Sonnabends und Sonntags statt. Die Trcstpunttc sind solgende: Bezirke l— 3: Rculerplatz; Bezirke 4 und 5: Wcichselplatz an der Weichselstratzc: Bezirke 6 und 7: Elbeslraszc, Ecke Wcjcrstrasze; Bezirk 8: Wildenbruchplatz, am Elsenstcg; Bezirk 9; Vassage an der Richardstratzc; Bezirke 10— 12: Rickiardplatz; Bezirke 13 bis 15; Kronoldplatz; Bezirk 16 k: Warlhcstratze. Ecke Hermanni'tratze; Bezirk 16a: Okcrstratze, Ecke Hcrmannl'tratze; Bezirk 17: Stubenrauchplatz; Bezirke 18—20: Fakistraß:, Ecke Jägerstratzc; Bezirk 21: Schillerpromcnadc, Ecke Allersiratzc; Bezirk 22: Schillerpromenadc, Ecke Selchower Stratze; Bezirk 23: Biebrichstraße. Ecke Mainzer Straße; Bezirk 21: KarlSzarten- straße. Ecke Wikma»»nsli'aße. Der Abmarich erfolgt von diesen Stellen um 2 Uhr. Der Freien Turnerschaft Rummelsburg ist ilünmehr die Er- lauvnis erteilt worden, die Schülturnlialle in der Lückstraße zu benutzen. Die Turnabendc sind vorläufig ivie folgt festgesetzt»vor, den: Dienstag: 7—9!� Uhr Spielabend auf dein städtischen Spiel- platz an der Hirschberger Straße; Mittlvoch: 3— 10 Uhr Turn- nbend für die Jugend- und Männerabteilungcn; Donnerstag: SX—loy, Uhr: Turnabend für die Dainenabteilung. Der Verein. der feit langen Jahren eine vielseitige rege Tätigkeit auf allen turnerischen und sportlichen Gebieten ausübt, hat besonders die Jugcndturnpflcge in sein Programm aufgenommen, insbesondere, da ihin Vorturner zur Verfügung stehen, dw mit Turnunterrichts- crlaubuisscheincn ausgestattet sind. Gäste find auf den Turn- und Spielabendcn willkommen. Nr. 18!. 82. Iahrgaug. 3. Kciligt des Lswärls" Kerlim Nslksdlsll Zollllllbeud, 3. Juli 19l5. Verbanöstag öer Metallarbeiter. Fünfter Berhandlungstag. Die Diskussion über die von der Beschwerdekommission be- handelten Einzelfälle nahm in der Freitagsitzung noch einen erheb- lichen Teil der Zeit in Anspruch. Nachdem diese Angelegenheit er- ledigt. rvar, legte die Kommission, der die Beratung der zum Untersiützungswesen gestellten Anträge übertragen war, das Ergebnis ihrer Arbeiten vor. R ii ck e r t- Karlsruhe führte als Berichterstatter der Kommission aus: Die Kommission schlage vor, daß vom 1. August ab die Hälfte der bisherigen Sätze der Krankenunrerstützung gewährt werden. Eine Statutenänderung solle das nicht sein, sondern nur ein Rot- gesetz für die Kriegszeit. Dem Antrage, die Arbeitslosenunter- stützung auch für die Zeil des Aussetzens zu zahlen, sei die Kom- Mission nicht beigetreten. Sie habe auch dem Antrage nicht zu- stimmen können, welcher verlangt, daß zur Unterstützung der Familien der Kriegsteilnehmer eine größere Summe zur Verfügung gestellt iverde. Ebensowenig könne die Kommission dem Antrage zustimmen, den Hinterbliebenen der Gefallenen die Hälfte des Sterbegeldes zu zahlen. Wenn diesen Anträgen stattgegeben werden sollte, würde die Wiedereinführung der Krankenunlerstützung gefährdet werden. Wem die Familienunterftützung der im Felde stehenden Kollegen am Herzen liege, der möge zu dem Kriegshilfsfonds des Verbandes bei- steuern. Nach kurzer Diskussion wurde unter Ablehnung aller anderen Anträge, welche zum Unterstützungswesen vorlagen, der folgende An- trag der Kommission angenommen: Die Erwerbsloscnunterstützung bei Krankheit ist vom 1. August llllo an in der Höhe der Hälfte der bisherigen Unterstützungssätze auf die Dauer von 20 Wochen bei 14tägiger Karenzzeit wieder einzuführen. Ausgesteuerte und noch nicht bezugsberechtigte zum Kriegs- dienst eingezogene Mitglieder, die sich nach ihrer Entlassung aus dem Heeresdienst ftistgemätz Einsendung des Berlin-Friedenau, den 1. Juli 1915. Der Borstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Friedenau. Bauer, Ullrich, Vorsitzender.[269/5] Schristführer. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Sprechstunden: 12— 2 und 6— 8. Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin-Lichterfelde. Am Sonnabend, den 19. Juli 1915, abends S'l, Uhr, findet im Kassenlokal, Berlin-Lichterselde, Hin denburgdamm 103, eine außerordentliche Ausschuß-Sitzung statt, zu weicher die Mitglieder des Ausschusses hiermit eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Beschlusisassung über die vom Vorstand ausgestellte Dienstordnung sür die Angestellten der Allgemeinen Ortstrankenkasse sür Berlln-Lichter selbe. Etwaige Wünsche und Beschwerden bittet der Vorstand drei Tage vor der Versammlung lchrlstlich einreichen zu wollen, damit das einschlägige Material zur Stelle geschasst werden kann. 269/8 Berlln-Lichterselde. den 1. Juli 1915. Per Vor stand. Hans Fischer, Reinb. Modrack, Vorsitzender._ Schristsührer. Metallketten Holzrahmenmatratzen billigst an Private. 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Berlin, RelchstagSuser an der Marschallbrücke, beim ReichstagSgeb.: 9 Uhr, Charlottenburg, Tegeler Weg, nahe Bahnhos Jungfernhetde: 9*/, Uhr. Fahrpreis hin und zurück an den Wochentagen: 1 M.? Sonntags: 1.30 M., Kinder 5« und 75 Pf. Reederei Kleck, Falckensteinstr. 48. Telephon Mpl. 8197. Reetoi Katiüt& Hertzer Fernspr. Königs!. 2062. Bis aus weiteres vllMpkei'-Lxtl'llklldrteN 1. Ab Walsenbrücke: Tätlich 9 und (flufe. Sonnab.) 2 Uhr hin u.) Sonnig. 1 M., eins. 50 Ps. zurück) Werttg.vm.5gPs.,nm.50Ps s Sch? r:} Teupitz(T,0dryir} hw u. zurück 2 M Scb. Montag, Donners- 1 Krampen- �| Mf.� Uhr } Krampenburg-Ziegenlials( ,uvülf 83 • amAAaa««mX\ Ol?__?J____. STvl rt r fnv-.u- 1 tag und Freitag Jeden Dienstag' und Mittwoch zurück OD PI- Kind. 25 Ps. Hanl Jeden Dienstag und) CfianifvraQ über Wolters-| hin u.| 50 liCUl Donnerstag 8'/, Uhr/ UllClJllioCC dors. Schleuse/ zurück 1, Ab Caf6 Aisen(Schles. Brücke) Abfahrt je Vj Stunde später. dors. Schleuse/ zurück 1, M. iuij c u, ugr t je V, Stunde später. II. Ab Relchstagsnfer direkt am Bahnhof Friedrichstrasie. A'SÄW Phöben w.«.., asi,50»>. Heu! l Lelmitzsee|,25-- III. Ab Xenkttlln: M Somtaj ÄÜJÄÄ ImiDwz Hm und zurück 1 M., einsach 50 Pf.— Kinder 50 resp. 25 Ps. Die Rückf. dies. Tour endet abd. i. Cafe Alien reip. Waifeubr. Jeden Montag u. Donnerstag } Voltersd. Sebleuse lÄ8) ftrÄn' Neue Mühle Jeden Mittwoch\ K'-mpe- liegenhsls Kram Penburg. Ab Cafä Alse»(Schles. Brücke) Absahrt 9 Uhr Kaiser- Friedrich-Br., Abfahrt 9'/� Uhr Wildenbruch- Brücke, hin u. zurück(jg Kinder 25 Ps. Absahrt je'/, Stunde später. Achtung! Voranzeige! Ab Berlin-Reichstagoufer durch den S-l,e»ioki»k°»ch:Z Absahrt 7 Uhr. Nur Hinsahrt 3,10 M. Fahrzeit zirka 11 Stunden. Wir bitten Fahrscheine möglichst vorher im Kontor, Stralauer Brücke 4, zu entnehmen, da zu jeder Fahrt nur eine bestimmte Anzahl zur Ausgabe kommt. 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Füfilier-Regimenter Nr. 1, 2, 3. S, 6(s. auch Jnf.» Regt. Nr. 3M). 7. 8. 12. 13. 16. 17. Ig. 20. 22. 24 bi« einschl. 28. 20. 31. 33. 34(s. Jnf..Batl. Frh. V. der Horst), 37(f. auch Inf.» Regt. Nr. 330). 40 bis einschl. 46. d2. SS, S8. 61. 63 bi, einschl. 67. 69. 73, 7S. 77. 79, 80. 81. 83 bi» einschl. 93. SS. 96. 97, 109, 110. III. 113, 114. IIS. 112, 130, 131. 132, 135. 136. 137. 140. 141. 144. 147. 148(s. auch Ers.-Jnf.-Reat. v. Reinhard). 1S1. 152. ISS. 158, 1S9, 160, 161, 164, 16b, 166. ISS. 170, 171. 172. 174, 17S. 186, ISO. 330, 332. Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1. 2, b (f. auch Ers.-Jnf.-Regt. Keller), 6, 7 8, 10(s. auch Landw.-Ers.- hnf.-Regt. Nr. 9). 11. 18. 19(s. Jnf.-lltegt. Nr. 332), 20, 21(s. auch Ers.-Jnf-.Regt. Runge). 22. 26, 27, 29. 30, 32, 35, 37((s. auch Ers.- Jnf.-Reg. Leimbach-Zerener), 38. 40, 48, 51, 53, 56. 57, 59. 60, 61, 65. SS. 67. 69. 71. 72. 75. 77. 84, 87. SO. 91. 93. 94, 99. 109, 110, III. IIS. 118. 130, 201. 203, 206. 209. 213, 214. 216. 217. 218, 219, 221, 222, 223, 228. 228, 229, 230. 231, 232, 236. 287, 249. 250, 251. 254 bis einschl. 259, 261, 262, 263, 265, 268. Ersatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 8, 28, Königsberg II und III Keller, Leimbach-Zerener, v. Nußbaum, v. Reinhard und Runge. Reserve-Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 1. Landwehr-Jnfanterie Regimenter Nr. 4, B, 10, 19, 21, 22, 23, 24, 27 bis einschl. 31, 34, 37, 39, 46 ss. auch Ers.-Jnf.-Regt. Leimbach-Zerener), 49, 52. 57. 61, 66. 71, 72, 75, 76. 85. 87(s. auch Res..Jnf..Regt. Nr. 30), 99. 116, 118 und v. Gundlach. Landwehr-Ersatz-Jn- fanterie-Regimenter Nr. 5 und 9. Jnfanterie-Bataillon Freiherr v. der Horst. Brigade-Ersatz-Bataillone: 2. Nr. 5. Nr. 10. 11, 16. 22. 23, 26. 30. 31, 35, 37. 39. 41. 44. 49. 50. 79. 86. Landsturm- Jnfanterie-Bataillone Barmen. Brieg(s. Inf,-Regt. Nr. 330) II Darmstadt, Deutsch-Krone(s. Ers.-Jnf.-Regt. Runge), II Ha- genau, I Kosten, II Münster(f. Jnf.-Regt. Rr. 880), Schlawe, St. Wendel, I Tilsit(s. Ers.-Jnf.-Regt. v. Nußbaum). Landsturm Jnfanterie-Erfatz-Bataillone Hardershof uns Schwedt a. O. Etappen-Sammel-Kompagnie Nr. 10 der 9. Armee. Jäger Bataillone Nr. 4, 5. 7, 14; Reserve-Bataillon« Nr. 2. 3, 5, 8. 11, 20, 22, 23. Reserve-Radfahrer-Kinnpngnie Nr. 81. Feld Wefepp«/ Res.-Jnf.-Regt. Nr. 94), 7, 8; Reserve-Abteilungen Zferde Nr. 1 Nr. 48 und! Feldartillerie: 4. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 5, 7, 16 '((s. GebirgS-Kanonen-Batterie Nr. 2). 22. 23, 26. 34. 40, 43, 44. 45. 46, 47. 52. 57(s. Landw.-Feldart.-Abt. der 4. Landtv.-Div.), 58. 59 ff. auch Schwere Min«nw«rser-Abt. Nr. 8), 67(s. GebirgS- .. B..... Landwehr-Abteilung 1. Armeekorps und solche der 4. Landtvehr-Division; 1. Landwehr- Batterie Nr. 76(s. Res.-Feldart.-Regt. Nr. 30). GebirgS-Kanonen- Batterie Nr. 2. Futzartillerie: Regimenter Nr. 4. 7, 8, 14» 15; Reserve-Re- gimenter Nr. 13, 18; Reserve-Bataillon Nr. 26; Landwehr- Bataillon Nr. 8; Batterie Nr. 240; Reserve-Batterie Nr. 26. Pioniere: I. Garde-Bataillon; Regimenter Nr. 18, 23, 24, 25. 29, 30, 31; Bataillone: II. Nr. 2, I. und II. Nr. 4. II. Nr. 14. II. Nr. 15. I. Nr. 16. I. Nr. 21. I. Nr. 26. 27. I. und II. Nr. 28 l letzteres s. Pionier-Regt. Nr. 31); Reserve-Bataillone Nr. 33, 89; Versuchs-Kompagni«; Kompagnien Nr. 99, Iii; Reserve-Kom- pagnien Nr. 44, 77; 1. Landwehr-Kompagni« de» 6., 2. des 18. und 1. Landsturm-Kompagnie des 14. Armeekorps; Abteilung der 4. Kavallerre-Division. Mittlere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 109, 110, III, 114, 126; Schwere Minenwerfer-Wteilungen Nr. 3, 17, 41, 139, 141. Flammenwerfertrupp des 40. Reservekorps. Verkehrstruppen: Reserve-Eisenbahn-Baukompagnie Nr. 27. Armee-Fernfprech-Abteilung v. Strantz. Festun gs-Signaltrupp Nr. 124. Train: Reserve-FuhrparLolonn« Nr. 83. Feldbäckereikolonn« Nr. 115. Artillerie-MunitionSkolonn« Nr. S des 7. Armeekorps SanitätS-Formationen: SanikätS-Kompaame Nr. 2 des 4. Armeekorps; Reserve-Sanitäts-Kompagnie Nr. 61 de, 41. Ro- jervekorps. ArmierungSbataillone. Artilleriedepot Metz. Bewachungskommando des Gefangenenlager, I Münster. Die Verlustliste Rr. 264 der preußischen Aa:«e< enthält Verluste folgender Truppen: Feldintendanturen der 49. und 79. Reservedivision. Infanterie usw.: Garde: 8. und 4. Garde-Regiment z. F.; 2. Garde-Reserve-Regtment; Grenadier-Regimenter Alexander, Eranz und Elisabeth; Garde-Schützen u«» Garde-Reservs-Schützen- ataillon. Lehr-Jnfanterie-Regiment. Grenadier- bzw. In- fanterie bzw. Füfilier-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 8, 9. 11, 12, 12. 17, 19(f. auch Jnf.-Regt. Nr. 332), 20. 26, 35, 36. 28. 39, 42. 43. 46. 48. 49. 51. 54. 56. 57. 58(s. auch Jnf.-Regt. Rr. 831). 59. 63, 64, 65. 67, 68, 70, 75. 76, 81, 83. 85 bis einschl. 89. 92, 83. 94. 96, 97, 98, III, 112, 118(s. auch Gren.-Regt. Nr. 1). 114. 115, 116, 117 ss. auch Garde-Gren.-Regt. Franz). 130, 131, 132, 135, 136, 137, 140. 142, 143, 144, 145. 147, 148, 149, 150, 153. 154(s. Jnf.-Regt. Nr. 331), 156, 153, 160, 164, 165, 166, 168, 169, 175, 331, 332, 334. Regiment v. Kurnatowski von der Truppen» abteilung Esebeck. Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1, 2, 3 (s. auch Ers.-Jnf.-Regt. Königsberg II), 5, 7, 8, 9, 15, 19, 20. 21. 22, 24. 36. 37, 59. 61, 64, 68. 71. 72. 77. 79 bis einschl. 84. 86, 87, 88. 91, 110. III, 130. 212 213. 214, 216, 217, 221, 222. 223, 231, 236, 237, 256, 258, 265, 266. Ersatz-Jnfanterie-Regiment Königsberg II. Reserve-Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 4. Land- wehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 6, 9(s. auch Landw.-Jnf�-Regt. Tietz), 10 ls. auch Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 9). 18, 19(f. Ins.- Regt. Nr. 331), 21. 24, 31, 33, 46. 48, 61. 77 und Regiment Tietz. Landwehr-Srsatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 5. 9. Brigade- Ersatz-Bataillone Nr. 7, 21, 40, 43. Landwehr-Brigade-Ersatz- Bataillone Nr. 11(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Regt. Nr. 5), 21(s. Landw.- Erf.-Jnf.-Regt. Nr. 2), 38. Landsturm-Jnfanterie-Bataillone 2. Aachen(s. Jnf.-Regt. Nr. 332), Bitsch(s. Jnf.-Regt. Nr. 334), I Bochum, 3. Coblenz(s. Jnf.-Regt. Nr. 332), I Diedenhofen. Kattowitz(s. Jnf.-Regt. Nr. 334). Recklinghausen. I SaarlouiS ff. Regt. v. Kurnawwski), Schlawe. 4. Trier(f. Jnf.-Regt. Nr. 331). Zusammengesetztes Landsturm-Bataillon Marienwerder-Rastenburg ss. Regt. v. Kurnatowski). Landsturm-Jnfanterie-Ersatz- Bataillon V Metz und 7. Bataillon des 6. Armeekorps. Jäger-Bataillone Nr. 2, 5; Reserve-Bataillone Nr. 2, 11, 17. Garde-Maschinen» gewehr-Abteilung Nr. 1; 2. Maschinengewehr-Kompagnie Namur; 4. Ersatz-Maschinengewehr-Kompagnie des 1. Armeekorps; Feld- Uaschinengewehr-Zug Rr. 205(s. Jnf.-Regt. Nr. 33). Kavallerie: 1. und 2. Garde-Dragoner: Kürassier« Nr. 4. 6; Schwere Reserve-Reiter Nr. 1; Dragoner Nr. 2; Husaren Nr. 4. 11; Manen Nr. 8. 18; Reserve-Ulanen Nr. 2; Jäger zu Pferde Nr. 2, 11. 12; 2. Landwehr-ESkadrou de, 8. Armeekorps; Reserve» Abteilung Nr. 79. Feldartillerie: 4. Garde-Äkegiment; Regimenter Nr. 2, 8, 16, 20, 33, 37, 47, 50, 55, 57 ss. 2 Landsturm-Batterie des 6. Armee- korpS), 59, 60, 61, 63, 72, 74; Reserve-Regimenter Nr. 19, 86, 46, 64; 2. Landsturm-Datteri« de, 6. Armeekorps; GebirgS-Kanonen Batterie Nr. 3. Fußatrilleri«: Regimenter Nr. 1, 2, 4, 6, 7, 9, 11, 15, 18, 20; Reserve-Regimenter Nr. 8, 7, 13, 15; Bataillon Nr. 56; Reserve Bataillone Nr. 26. 27. 36. Pioniere: I. Garde-Bataillon; Regimenter Nr. 18, 19, 23, 24. 25. 29, 31, 36; Bataillone: I. Nr. 3, I. Nr. 4, III Nr. 8. l. Nr. 9. l. Nr. 11. II. Nr. 14, I. Nr. 16, II. Nr. 27. I. Nr. 28; Ersatz-Bataillone Nr. 4, 5; Kompagni« Nr. 103; Reserve-Kom. pagnien Nr. 77, 32; 1. Landsturm-Kompagnie des 8. Armeekorps; Abteilung der 1. Äavallerie-Division. Mittlere Minenwerfer�lb- teilung Nr. 195. Verkehrstruppen: Betriebsamt Nr. 1 der Militär-Eisendahn- direktion Nr. 3. Fernsprech-Abteilung de, 10. Armeekorps. Feld- fliegertruppe. Train: Fuhrparllolonne Nr. 7 des Gardekorps. Etappen- Bäckereikolonne Nr. 5 der Armee-Abteilung v. Strantz. Munitionskolonnen: Jnfanterie-MunitionSkolonne Nr. 1 des 7. Armeekorps; Leicht« MunitionSkolonne der 2. Kavallerie-Division; Artillerie-MunitionSkolonne Rr. 3 des 4. und Fußartillerie- Munitionskolonne Nr. 3 des 17. Armeekorps. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Kompagnie Rr. 3 des 10. und Nr. 3 des 15. Armeekorps und Kompagnie Nr. 54; 3. Ersatz- Scmitäts-Kompagnie Mainz. Reserve-Feldlozorett Nr, 109. � Armierungs-Bataillon Nr. 33. Die württembergische Berlustlist« Nr. 212 bringt Vev kuste des Jnf.-Regt. Nr. 120; Res.-Jnf.-Regt. Nr. 121; Landwehr Jnf.-Regt. Nr. 122; Grenadier-Regt. Nr. 123; Landw.-Jnf.-Rel Rr. 123; Jnf.-Regt. Nr. 126; Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 126; Re Dragoner-Reg.; Feldart.-Regt. Nr. 13, 29 und 116; 2. Feld- im e WI.. Pionier-Komp.; 3. Landst.-Pionier-Komp.; Freiwillige Sanitäts kolonn« Walds«; Verluste durch Krankheitxn; Berichtigungen früherer Verlustlisten._ Mus aller Welt. Eine französische Munitionsfabrik zerstört. Eine Explosion zerstörte am Donnerstagnachmittag die Munitionsfabrik in Marseille. Neunzig Personen, in der Mehrzahl weibliche, die in der Fabrik beschäftigt waren, wurden getötet und zehn schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks Wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Kriegszeitungcn. Das Lesebedürfnis der im Felde stehenden Soldaten scheint gegenüber dem in Friedenszeiten kaum nachgelassen zu haben. Vielleicht ist«S im Verhältnis zu der verfügbaren geringe» Muße und allen übrigen Begleiterscheinungen sogar noch gestiegen. Trotz. dem den Soldaten allerhand Lesestoff ins Feld nachgesandt wird und auch die Verbind'" erhalten T Erlebnisse kungSkreises zu erfahren. DieS hat zur Begründung der söge nannten Kriegszeitungen geführt, die auf deutscher Seite schon in verschiedenen Exemplaren anzutreffen sind. Aber auch bei den feindlichen Truppen ist diese Erscheinung anzutreffen. Wie der „Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" mitteilt, betätigen sich ebenso wie zahlreiche deutsche feldgraue Buchdrucker auch die in Frankreich zu o»-a Fahnen einberufenen Gutenbergsünger Dienste der schwarzen Kunst. Unter ihrer tatkräftigen Mi erscheinen nicht weniger als vierzehn Zeitungen an der französischen Front, denen es zum Teil auch an derbem Humor nicht mangelt. Di« stärkste Auflage von allen diesen Blättern hat der„Rigolboche", der täglich erscheint und für einen Sou zu haben ist._ Eine Kartoffelschlacht in der Neumark. Aus Triefen bei Friedeberg lNeumark) wird der„Frei- sinnigen Zeitung" berichtet: Auf dem hiesigen Wochenmarkr forderte ein Händler aus Eschbruch für seine Kartoffeln sieben Mark für den Zentner, worauf sich«in Sturm der Entrüstung unter den vielen Hausfrauen erhob, da in den Nachbarorten Friede- berg, ArnSwakde und Landsberg nur 2 bis 2,50 M. für den Zentner gefordert wurden. Die mit Recht empörten Frauen drangen auf den Wagen des Händlers von allen Seiten ein, worauf sich der Mann mit der Peitsche zur Wehr setzte. Die Peitsche wurde ihm von den Frauen entrissen, die ihm selbst damit über den Kopf schlugen und sein Gesicht zerkratzten, so daß das Blut in Strömen floß. In dem Kampf bekam eine Frau Schreikrämpfe und mußte vom Marktplatz getragen werden. Schließlich griff die Polizei ein und belegt« die Kartoffeln mit Beschlag, worauf unter behördlichem Schutz die Kartoffeln mit 4 M. und 4,60 M. verkauft wurden, so daß der Vorrat bald geräumt war. Die„Freis. Ztg." bemerkt dazu, daß es kaum glaublich sei. daß jetzt noch ein Händler 7 M. für den Zenwer Kartoffeln verlange. Es sei daher den Frauen nicht zu verübeln gewesen, wenn darob ihr Blut in Wallung geraten sei und es zu einer regelrechten Kar- toffelschlacht kam._ Eine Berfugvng des preußische« ZkultuSministerS. Der preußische Kultusminister gibt bekannt: .Es ist zu meiner Kennwis gekommen, daß kürzlich Kindern einer Landschule von ihrem Lehrer verboten worden ist, bar- fuß zur Schule zu kommen. Ein derartiges Verbot mag in Friedenszeiten in Fällen, in denen eine besondere Veranlassung dazu vorliegt, gerechtfertigt sein. Während der Kriegszeit ist— zumal auf dem Lande und in ländlichen Verhältnisse«— von einem solchen Verbot schon deshalb abzusehen, weil eS den Eltern wegen der gesteigerten Preise nicht immer leicht fallen wird, ihre Kinder mit dem notwendigen Schuhwerk zu versorgen." parteiveranftaltungen. Neukölln. Jugendsektion. Morgen Sonntag: Ausfluz nach Kottbus. Treffpunkt früh 6.55 am Körlcher Bahnhos. Fahrgeld 4,60 M. �uiammentunjt mit der Kottbuser Jugend und Besuch deS Schoenlaukschen Arbeiter-Samariterbund. Lehrstunden haben nächste Woche: Kolonne Berlin, Abteilung II: Montag, den 5. Juli, Swine- münder Str. 42. Vortrag des Lundcsoors. D. Stein. Freitag, den S. Juli, Köpenicker Str. 62: für sämtliche Mitglieder, Teilnehmer und Gäste, Borwag Dr. Popp:.lieber die Augen", mit Aus. stellung von Rodellen usw. Ansang pünktlich 9 Uhr abends. Die Lehr- stunde der III. Abteilung fällt aus. Kolonne Reinickendorf> Rosentbal: Montag, den 5. Juli, und Donnerstag, den 8. Juli, abends S1,', Uhr, bei Anders, Hauptstr. 52: Borwag und Uebnng. Eingegangene Druckschristen. Arbeiter-Jugend. Die soeben erschienene Nr. 14 deZ siebenten Jahr» gange» hat u. a. solgcnden Inhalt: Unser Weg.(Schluß.)— Sommer- abend. Gedicht von A. lkllinger.— Kellner! Bon A. Tennyson.(Schluß.) — Die Biologie des Ztrieges.— Dem Bruder. Gedicht von Hertz.— Die Kunst der Japaner. Von Adolf Behne.(Mit Abbildungen.)— Uebcr die Ermüdung. Von A. Lipschlltz.(Mt Abbildung.)(Schluß.)— Aus der Jugendbewegung. Neues Lebe». Monatsschrift für sozialistische Bildung, herausgegeben von R. Grimm u. I. Lorenz. 1. Jahrg. 6. Hejt. Jährt. 3,50 Fr. Unions- Druckerei, Bern. Die Sozialdemokratie am Scheidewege. Von 83. Stoib. 50 Ps. Geck it. Sie., Karlsruhe i, B. Bismarck, Grundzüge seiner Politik. Von Dr. Tb. Scheffer. 90 Ps., geb. 1,20 M.— Bon der GottcSordnung in der Welt. Bon Dr. Th. Schefier. 50 Pf. Verlag der Deutschen Kanzlet, Berlin-Steglitz. Kriegsziele und Deutscher Idealismus. Von W. 8LeiSbach. 50 Pf. — Ukraine, Ukrainer und die Interessen Teutschlands. Vo» Dr. E. Lewicky. 1 M. It. EurliuS, Berlin W. 35. Das englische Gesicht. England in Kultur, Wirtschaft und Geschichlc Von Pros. Liszt, Jaslrow u. a. 1 M. Ullstein u. Co., Berlin SW. 68. Universal-Bibliotbek 5761/63; Das Buch vom Fürsten Bismarck. Von G. Hesekicl— 5764/65:«riegögesetze des Deutschen Reiches. Ergänzungshest. Herausgegeben von K. Pannier.— 5766: Auf der- lorcnem Posten. Geschichte von I. V. Dewall.— 5767: SophouiSbe. Tragödie von E. Geibel.— 5768: KriegSnovellen. 3. Band. Bciwäge von F. v. Briefen u. a.— 5789! Brettspiele für Einen. Von O. Cato. 5770: Oestcrreichtsches Kriegstagebuch. I. Von St Marilau«. Einzeln. 20 Pf, PH. R-clam, Leipzig. Karte zur Uebersicht der gegenwürtigeu Kriegslage i» Europa uud den Mittelmeerländern. 1 M. D. Relmcr, Berlm SW 48. Kriegsberichte aus dem Großen Hauptquartier. 4. Die deutschen Truppen in den Karpathen. Die Kämpfe bei Münster.— 5. Aus den Kämpfen im Osten.— 6. Die Kämpfe zwischen Maas und Mosel.— 7. Die Durchbruchsschlacht in G-Iizien bis zur Einnahme von Przemhsl. Einzel- nummer 25 Ps. Deutsche VerlagSanstalt, Stuttgart. Die Dat. Sozialreligiöse Monatsschrist jür deutsche Kultur. Hest 4. Viertels. 3 M. E. Dioderichs, Jena. Der Deutsche Krieg. Hest 53: Der englische VolkScharakter. Bon Levin L. Schütting.— Hest 54 1 Der Krieg und die Geschlechts- krankheiten. Von Pros. Dr. A. Neisser.— Eiuzeih. 50 Ps.— Deutsche Verlnßsanstalt, Stuttgart. Bericht über die Berhandliingeu deS Allgemeine« Fürsorge- ErziehungStageS 1914 iü Halle. 88 S.— Allgemeiner Fürsorge- Erziehungstag, Hannvver-Stleeseid. Belgien unter deutscher Berwaltung. VonF. W.Fre!h. d..B!lsiug. 60 Ps.— Süddeutsche MonnISHoste, München. Bismarcks Erbe. Von H. Delbrück. 1 W. Ullstein«. Co., Berlin SW 68. Gute und böse Geister. Kleine Erzählungen von Lucie Visrna. 66 S. Schweizer Druck- und VerlagShaus, Zürich. Internationale Rundschau. 1. Jahrg. 1. Hest. 50 Ps. Art. In- stltut Orell-güßli, Zürich. Zehn vokkStümliche BaterlaudSlieder mit Klavicrbcgleiwug von L. Waidmann. 1 M. Selbstverlag, Berlin. Baterland und Sozialdemokratie. Bon L. Radios. 1,50 M.— Soziale Moral in Ehina und Japan. Von E. V. Zenker. IM.— Wesen und Aussichten deS bürgerlichen Radikalismus. Von E. Bern- stein. IM.— Berfuch einer Theorie der Produktion. Von. P. Fleischl. 4M.— Die deutsche Bolkswirtschast im Kriege. Bon F. Eulenbmg. — TaS Problem der ArbeitSPreisstatisiik und seine Lösung mit Hilst von BerlisSslerbltchkeitS- und Lohnstattsttt. Von R. Dienen 2,50 M.— Produktion, Absah, Preisbildung vo« Molkereierzeugnissen. Von Dr. E. Jahn«. a. 10,60 M.— Duncker u. Homblol, München u. Leipzig. Deutscbtand alö Weltcrzieher. Von I. A. Lux. 1,35 M. Union Deutsche Derlagsanstalt, Stuttgart. Kriegsfahrbuch 1VI.S für BolkS- und Jugendsviele. Heraus- gegeben von Pros. Dr. E. Kohlrausch. 1,80 M. Ä. G. Teubner, Leipzig. Die Verbünde der Arbeitgeber, Angestellten und Arbeiter im Jahre 1913.(11. Sonderheft zum ReichsarbettSblatt.) Bearbeitet im Kaiserl. �statistischen Amt. 1,60 M. C. Hehmanu, Berlin W 8. ist der schönste Ausflugsortj'? + Immer noch Pichelsmerderz an der neuen Heerstraße beim Alten Freund. Ur Romaue u. vgl. zu bedeutend herabgesetzten preisen liefert, soweit der Vorrat reicht,, die Vuchhandlimg Vorwärts Verliu I.Aürsorge für die Familien der üriegsieilnehmer. Gsseyestext. Erläuterungen. 2. Die Versorgung der ZNannschaflcn. Wer lial Anspruch aufteilte? tristen. Dienst'.eschädigung. rwerbsunfähigkeit. Berech- »ung der Dienstzeit. Betrag Vertonte. Berstummclungs- zutage. Kriegszulage. Zivil- versorgung.Bedingte Renten und Rentenzuschüsse. Alters- zulage. Rente und Zulagen. Anspruch auf Rente. Wegen körperlicher E-brechen Ent- lassene. Feststellung der Renten. Rechtsweg. Zahlung der BersorgungSgedührnisse. Erlöschen des Anspruchs auf die Cebührntsse. Ruhen des Anspruchs auf die Gebühr- nissc. Anspruch der Linter- bliebcnen. Ausschluß von der Pfändung und Besteuerung. Schadenersatz. Rechtsweg. Personen der freiwilligen Krankenpflege iin Kriege. Bc- sondere Vorschriften für An- gehörige der Marine und der Schutztruppe. ••••••••••••••••••••••••••••«• C*«•••••••••••••••••••••••••■ 3. Kriegsversorgung.: Wer hat Anspruch auf- KriegSversorgung? Kriegs-- Witwengeld. Kriegswaiscn-; gcld. KriegSellerngeld. Mit-- wenbeihilfen. An wen flnd; Anträge auf Kriegswitwen-,- Waisen- und Esterngeld zu- stellen? Gnadengebubrnisse.- Festsetzung der Linter-- vlicbenenbezllge. Zahlung z der Linterbliebcnenbezüge.» Erlöschen deS BezugSrechtS.» \ Ruhend. Bezugsrechts. Bsr-! sorgung der Linterblicbenen' ».Verschollenen. Rechtsweg. I Besondere Vorschriften f. die! Angehörigen der Kaiserl.Ma- l rtne. Besondere Vorschriften! für die Kaiserl. Schuylruppen! in den Schutzgebieten. j 4. Invalidenversicherung; von Sriegsteilnehnern und- deren Hinterbliebenen.: Invalidenrente. Witwen»• renke. Waisenrente. Witwen-; geld und Waisenaussteuer.; Stellung von Anträgen. An- I rechnungv.Beilragswochen.; Leilverfahcen.KnappschaftS-; Berflchcrung.ErstattungSan- i spräche aus der Angestellten-: Versicherung. »»»«»«»»»«»««««»«»«»»»»»»«» Buchhandlung Vorwärts Berlin EW. 68, Lindenstraße 3 in guter Ausführung liefert VORWÄRTS Bydidruckerei u. Verlagsanstalt Berlin SW. 68- Lindenstrasse 3 Aeitungs- Ausgabestellen und Inseraten'Annahme. i&rnrl-imi: Albert H n b n i s ch, i'iierftr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— l'/z und von 4'/.— 7 Uhr. 2.»'ahlkreis: S. und t>W.:«i> u st a v Schmidt, Bärwaldstr. 42, an der Gneiienaiislraffc. Geöffnet von L— 2 und von 4— 7 Uhr. S.» alilkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31, Hoj rechts Part. Geöffnet von 11— l'/j und von 4l/2— 7 Uhr. 4.»' ahlkreis: D ft c jt: Nobcr! W cn g cls. Markusstr. 36. Geöffnet von L— 2 und von 4— 7 Uhr.— Karl Melle, Pelersburgcrplatz 4 sLadeu). Geöffnet von S— 2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis. Südosten: Vaul Böhm, Uausitzcrplatz 14/15. Geöffnet von ö- 2 und von 4— 7 Uhr. 5. Wahlkreis: Uco Zucht, Jnimanueirirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11—1'/. und von 4'/2— 7 Ubr. v. Wahlkreis tMeahit): Snlomon I o s e p h, Wilhclmshavcncr Straffe 48. Geöffnet von st— 2 und von 4—7 Uhr. W e«1»1 i Ii pr: I. Hönisch, Müllerstr. 34u Ecke Utrcchter Str., Laden Geöffnet von 9— 2" und von 4— 7 Uhr. liosenthaler und Oranienburger Vorstadt; A. Wolgast Wattstraffc 9. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Oesnndbrnnuen: Fischer, Lastianstr. L, Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. /üehönhnnscr Vorstadt: Karl MarS, Greiscnhagcner«tr. 22. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Adlershof: Karl S ch>v a r z l o j e, Biömarckstr. 23. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Alt-<41icnickc, Falkenberg: Wilhelm D ürre, Köpenitler Str. 6. Hannisebnlentreg: H. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. II enian, Ztbntgental, lLeperniek, Sieböaorr, lüehba» brück und fluch; Heinrich Söroje, Mühlcnstr. 5, Laden. Bohnsdorf: Paul Gen seh, Bohnsdorj, GenoffcnjchajtShauS .Paradies". Ohurlottenbnrg: Gustav Scbartlberg, SeseuHeimer Str. 1. Ge- öffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Eichwalde, Schmöckwitz; Oskar Mahle, Bismarckstr. 4. Erkner, Ve n-Xittan: Sl. S ch i m a n S k i, Vikloriastr. 3. Fredersdorf-Fetershasea, Eggersdorf: Usjcnwasser, PetcrsHagcn. Friedenau, lüteglitz, biädende, füroll- Eichterfclde, Lankwitz:$. B c r n i e c, Aljenstr. 5 in Slegütz. Geöffnet von 11— l1/. und von 41/.— 7 Uhr. Fricdiichshagen. Fichtenau, Rahnsdorf, Kchönciche, Kl.-Schönebeck;: Ernst Werlmann, Friedrichshagen, Köpc- nickcr Straffe 18. <» rnnan: Franz Klein, Friedrichstr. 10. •lohannisthal, Rudow: Max Gonschur, Parlstr. 23 tiarlshorst: Hermann Billing, Dönhoffstr. 28. hl önigs-W nsterhansen, Wildau, Viederlehrne: Friedrich B a n m a n n, Luckenwaider Straffe 5. l Köpenick: Emil W i ff 1 e r. Kietzerstr. S, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Elehtenherg I. Friedrichsfclde. llohenschönhausen: Otto Settel, Wartenbergstraffe 1(Laden). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4'/,— 7 Uhr. Eiehtenberg ff, Raniniolsbnrg, Stralau: A. Rosenkranz, vllt-Boxhagen öS. Geöffnet von 11— l1/. und von 4'/,— 7 Ubr. Rahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf: P. Hetzberg, Kants- dors, Ferdinandstrage 17. .Ilariendorf: Llugust L e i p, Ehausleestr. 29. Maricufelde: Emil W e i n e r t, Berliner Str. 114 H. Keuenhagen, Iloppegartcn: Gustav Bergmann, Königsallee Ecke Gartenstratze. XcnköIIn: M. H e in r i ch, Neckarstr. 2, im Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr; Neukölln. Britz: Rohr, Siegsriedjtratze 28/29. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Vieder-Schöneweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, IX. Xowawcs: Karl Krähnberg, Friedrich kirchplatz 27. Ober-lSchöneweide: Alsred Bader, Wilbelminenhosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankotv. X'iederschöuhaiiscn, Vordend, Frz.-fluchholz. Blankenburg: R i tz m a n n, Mühlenjtr. 30. Geöffnet von 11— l'/j und von l'/a— 7 Uhr. Keinickcniiorf• Ost, Wilhelmsruh und iüchönholz: P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet v. 11— l'/j u. 4'/,— 7 Uhr üichenkcndorl b. Königs-Wnslerhausen: Chr. H a II t s ch k e, Dörsstr. 19 lhehöncherg: Wilhelm Bäumt er, Marlin Lutherjtr. 69, im Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Spandau, X'onnendamm, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: Koppen, Breitestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. lf/egel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmaaaslnst, flermsdorf, Rohea- X'euendorf, Birkeawerder, Freie lüeholle u. Reinickendorf- West: Paul Stiena st, Borsigwalde, Räujchstratze 10. Geöffnet von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: A. Schulze, Lindenstr. 17. Tempelhof: Joh. Krohn, Lorussiastr. 62. Treptow: Rod. Grauieuz, Kiesholzstratze 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. WciUcnsec, Heinersdorf: K. Fuh rmann, Sedanstr. 105, Part. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Wilmersdorf, Halcusec, iüclüuargcndorf: Paul Schubert, Wilhelmsaue 27. Zcutheu, Siersdorf: Ernst H ü t t i g, Zeuthen, Miersdorjer Str. 14. Zossen: M a t u j ch e t, Warktstr. 5. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wi/senschaitlichen Werke werden geliejert Sonntags sind die Ausgabestellen geschloffen. Erscheint wfichentllch einmal Bezugsquellen- Verzeichnis j Berlin-Süden Untenstehende j Geschäfte empfehlen sich| bei Einkäufen :Linoi8U!n,mstiiclie: | Kottbum- , dämm 7. Molkereien Brikett ist für Ofenheizung am besten und am billigsten! >» Ailgeine3n.,Verscit. �R. Schellcnberger, Cafe n. Condit.h Neukölln. Bergstraße 26/26.| etsdiBr-u.KsüaiMreisii3 iBichsrei HordstemB U Inh. Gust. Müller U MFilialeE im Süden, Paten n.lTmgebnpg.y HD j/jofl/i Neukölln fj Mii Ulfii Wissraannstraße 46. H SlieseliePi, Jätmslfeüe 19j "D Dor'ftf Nklln., Alierstr. 37« QU Uli AaerkaflntgatKaehenw.H Jn U/nnrll-chiilerpromenade? r.WtiUül Anerkannt gute Kacheaw.y _ üäpenj August Fenger j Grönauer Str. 8 J Fabrik fein. Wurst-u.FleischwL jGuteBedienung. Billig. 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