Nr. 186.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl 3,30 ML, monatl. 1,10 wöchentlich 25 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beltage„ Die Neue Welt" 10 Bfa. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. B Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgebrudte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes meitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morizplak, Nr. 151 90-151 97. Donnerstag, den 8. Juli 1915. Erhöhte Kampfestätigkeit it in Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 7. Juli 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplak. Nördlich von Ypern drangen englische Truppen gestern in einen unserer Schüßengräben ein; sie waren am Abend wieder vertrieben. Westlich von Souchez wurden zwei nächtliche Angriffe des Feindes abgewiesen. Bei der Beschießung feindlicher Truppenansammlungen in Arras geriet die Stadt in Brand; der Feuersbrunst fiel die Kathedrale zum Opfer. Zwischen Maasund Mosel herrschtleb. hafte Kampftätigkeit: Südwestlich von Les Eparges setzte der Feind seine Anstrengungen, die ihm unlängst entrissenen Stellungen wieder zu erobern, fort. Bei dem ersten Angriff gelangten die Franzosen in einen Teil unserer Verteidigungslinie; ein Gegenstoß brachte die Gräben bis auf ein Stück von hundert Metern wieder in unsere Hand. Der Feind ließ ein Maschinengewehr zurück. Zwei weitere Vorstöße des Gegners, ebenso wie ein Angriff an der Tranchee, scheiterten völlig. Halbwegs Ailly- Apremont wurde unsererseits angegriffen; wir eroberten die feindliche Stellung in einer Breite von 1500 Metern und machten dabei mehr als 300 Franzosen zu Gefangenen. Bei Croix des Carmes( im Priesterwalde) rfolgte heute nacht der erwartete feindliche Gegenangriff; Ser Gegner wurde abgewiesen. Am Sudel( in den Vogesen) wurde ein feindliches Grabenstück erstürmt und für die feindliche Verteidigung unbrauchbar gemacht. In der Champagne, südwestlich Suippes, bewarfen unsere Flieger mit Erfolg ein feindliches Truppenlager. Oestlicher Kriegsschauplah. Die Zahl der Gefangenen südlich Biale- Bloto erhöhte fich auf 7 Offiziere und rund 800 Mann. Ferner gingen 7 Maschinengewehre und ein reichhaltiges Pionierlager in unseren Besitz über. In Polen südlich der Weichsel eroberten wir die Höhe 95 östlich Dolowatka( südlich Borzymow). Die russischen Verluste sind sehr beträchtlich. Erbeutet wurden zehn Maschinengewehre, eine Revolverkanone and viele Gewehre. Weiter nördlich nahe der Weichsel wurde ein russischer Vorstoß abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Westlich der oberen Weichsel wurden gute Fortschritte gemacht. Oestlich der Weichsel sind keine größeren Veränderungen zu melden. Auf der Verfolgung zur 3lota- 2ipa bom 3. bis 5. Juli machten wir 3850 Gefangene. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 7. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 7. Juli 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplas. An der Front der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand dauern die Kämpfe fort. Eingetroffene russische Verstärkungen, die an mehreren Stellen zum Angriff vorgingen, wurden unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Gefangenenzahl hat sich noch weiter erhöht. Am Bug und in Oft galizien ist die Lage unveränbert. In den Kämpfen an der unteren Zlota- Lipa wurden vom 3. bis 5. Juli 3850 Russen gefangen. Italienischer Kriegsschauplas. An der Schlachtfront im Görzischen trat zunächst ziemliche Ruhe ein. Nach dem vorgeftrigen Siege hatten unsere Truppen noch einige zaghaft geführte Nachtangriffe gegen den Görzer Brückenkopf und die Plateaustellungen abzuweisen. Gestern eröffnete der Feind neuerdings ein heftiges Geschüßfeuer, dem nachts wieder vergebliche Vorstöße schwächerer Kräfte folgten. Italienische Flieger warfen auf Triest Bomben ab, ohne erheblichen Schaden anzurichten. = Im Krn Gebiete griff der Gegner eine Felskuppe, der schon frühere Anstrengungen gegolten hatten, abermals an. Die braven Verteidiger schlugen den Angriff, wie immer, ab. Bor unserer Stellung ist ein Leichenfeld. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiete dauern die Geschüßkämpfe stellenweise fort. Südöstlicher Kriegsschauplas. Auf den Höhen östlich von Trebinje fand in den letten Tagen ein für unsere Truppen erfolgreiches Gefecht statt. Im Angriff eroberten einige unserer Abteilungen nach kurzem heftigen Kampfe eine montenegrinische Vorstellung und trieben die Montenegriner auf die nächsten Höhen zurück. Tags darauf ging zirka eine montenegrinische Brigade nach starker Artillerievorbereitung zum Gegenangriff vor, erlitt jedoch im Feuer unserer Truppen derartige Verluste, daß sie nach einiger Zeit auf die Hauptstellung, aus der sie vorgebrochen war, zurüdging. Mehrere unserer Flieger griffen mit Bomben und Maschinengewehrfeuer erfolgreich in den Kampf ein. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Südpolen. Handelspolitische Bewegungsfreiheit! Uns wird geschrieben: Die Siege der deutschen Truppen in Galizien haben auf diesem Kriegsschauplah eine Entscheidung herbeigeführt. Das größte Kronland der verbündeten Donaumonarchie ist so gut wie zurückerobert. Damit isi der Diskussion über das zukünftige Verhältnis der beiden Mittelmächte ein größerer Spielraum gewährt. Allgemein ist der Wunsch nach einer weitgehenden Annäherung und der Uebung eines solchen gegenseitigen Einflusses, daß stet& das Höchstmaß politischer, finanzieller und militärischer Leistungsfähigkeit erreicht wird, ohne daß die Handlungsfreiheit eines jeden der beiden Staaten durch ungebührliche Rücksichten gehemmt wird. " Der Mitteleuropäische Wirtschaftsverein versammlung hat er sich für die möglichste wirtschaftshat die Aussprache eröffnet. Auf seiner diesjährigen Hauptpolitische Annäherung der verbündeten Monarchien" ausgesprochen, ohne sich auf einen konkreten Vorschlag festzulegen. Er hält es nur für geboten, die Schaffung eines weiten einheitlichen Wirtschaftsgebietes, sei es mit gemeinsamer Zollgrenze und einer den Bedürfnissen beider Volkswirtschaften angepaßten 3 wischenzollinie, deren Abbau erst in der Frist einiger Jahrzehnte zu erfolgen hätte, oder durch gegenseitige zollpolitische Vorzugsbehandlung, bor allem auch in Gestalt der Vermehrung der zollfrei eingeführten Waren mit Ausblick auf einen späteren Ausbau dieser Freiliste zu betreiben." Leider nimmt sich der Mitteleuropäische Wirtschaftsverein zu viel vor. Er kennt nur die Alternative zwischen dent gemeinsamen Zollgebiet mit Zwischenzollinie und der Gewährung einer gegenseitigen Vorzugsbehandlung bei sonst selbständiger Handelspolitik. H Der erste Vorschlag, ein gemeinsames Zollgebiet mit einer Zwischenzollinie zum Schuße der österreichisch- ungarischen Industrie зи ist mit aller gründen, Kraft zu betämpfen. Drei Parlamente hätten sich auf ein Gesetz zu einigen, das die schwierigste und komplizierteste wirtschaftliche Materie behandelt und das auch nur in einem Parlamente den größten Schwierigkeiten begegnet. Wichtiger ist aber noch ein anderes Bedenken: Deutschland müßte seine handelspolitische Bewegungsfreiheit um ein Linsengericht verkaufen! Der Anteil der Ausfuhr Deutschlands nach Desterreich Ungarn beträgt 10,9 Proz. seiner Gesamtausfuhr, na ch Großbritannien aber 19,2 Proz.! Wenn die noch einige Zeit nachwirkende Verbitterung des Krieges auch den Absatz Deutschlands in den feindlichen Ländern, die seine wichtigsten Konsumenten sind, schmälert, so werden doch diese kommerziellen Folgen des Weltkrieges bald vergehen. Rußland, Frankreich und England sind die wichtigsten deutschen Märkte, neben denen Desterreich- Ungarn steht, ohne über ihnen zu stehen. SchließSchwierigteiten, denen unsere Angriffs- lich wird auch in Desterreich- Ungarn die Kauftraft der Bebewegung begegnet, sind Heeresleitung und bölkerung empfindlich geschwächt werden. Und das wichtigste: Rom, 7. Juli.( W. T. B.) Heeresbericht. Im Truppen von der besten Stimmung und von Die Schwäche der österreichisch- ungarischen Industrie wird Gebiet von Tirol und im Trentino unternahm der dem Willen beseelt, die ihnen übertragene auch im Zwischenzolltarif so hohe Zollsäge zur Folge haben, Feind am 5. Juli nur einen Angriff auf den az von Aufgabe um jeden Preis zu erfüllen. Mezzo, westlich von den Laveredogipfeln, wurde aber zurückgeworfen und ließ einige Gefangene, Waffen und Munition in unseren Händen. An der Kärntner Grenze unternahm der Feind in der Nacht vom 5. Juli neuerdings einen Angriff gegen die Schüßengräben nördlich vom Petersburg, 6. Juli.( W. T. B.) Der Generalstab währung besonderer gegenseitiger Vorteile zu beschränken, Großen Pal. Er wurde in einem Gegenangriff mit des Generalissimus gibt bekannt: In der Gegend scheint die gegen den ersten Vorschlag sprechenden Bedenken schweren Verlusten zurückgeworfen und ließ biele von Murawiew und Szawle, westlich vom mittleren zu umgehen. Waffen und einige Infanterieschilde auf dem Gelände Njemen, an der Narewfront und auf dem linken Weichselufer schwerung des Abschlusses von MeistbegünDie Folge wäre aber eine große Er. liegen. Am selben Tage griffen bedeutende bedeutende Kräfte hat sich nichts Wesentliches ereignet. Das Feuer war schwach stigungsverträgen. unsere Stellung am Pizzo Abostano an. Unsere Ver- und verstärkte sich nur für Augenblicke. Es kam zu verein- struktion: Die beiden Mittelmächte würden den anderen Es ergäbe sich folgende Konteidigungstruppen ließen die feindliche Infanterie bis auf sehr gelten Scharmützeln, besonders, wenn Minenherde gesprengt Staaten die Meistbegünstigung gewähren, dann aber ihren furze Entfernung herankommen und warfen sie dann mit wurden. An der Front zwischen der Weichsel und dem Mitgenuß an den für den Verkehr untereinander zugestandenen Gegenangriffen zurück. Bug tam es am 4. Juli abends und am folgenden Morgen Sondervorteilen ausschließen. Da nun schon heute die von Der italienische Schlachtbericht. Cadorna. Die russische Generalstabsmeldung. daß eine Kompensation für die Aufgabe der vollen handelspolitischen Bewegungsfreiheit nirgends zu erspähen ist. Der andere Vorschlag, die selbständige Handelspolitik beizubehalten und die wirtschaftliche Annäherung auf die GeIm Isonzogebiete entwickelt sich die Kampftätig- in dem Abschnitt zwischen Urzedow und Bychawa zu hart- Deutschland Desterreich- Ungarn gewährten Ermäßigungen des feit regelmäßig. Der Feind sette unserem Vor- nädigeren Stämpfen. Die Offensive des Gegners östlich von allgemeinen Zolltarifes die meisten Vertragspositionen einmarsch durch wiederholte fräftige Gegenangriffe sehr rasnif ist durch einen von uns in die Flante des Gegners schließen, würden sich dritte Mächte in einer neuen, für sie erbitterten Widerstand entgegen, konnte jedoch auf den Höhen nordwestlich von Wiltolaz geführten Stoß auf- sehr unvorteilhaften Lage sehen und mit handelspolitischen niemals unseren tapferen Truppen das von ihnen um gehalten worden. Wir fügten dem Feinde dort schwere Ver- Repressalien antworten. den Preis so vieler Mühen eroberte Gelände entreißen. lufte zu und nahmen ihm am Morgen des 5. Juli mehr meine hochschutzöllnerische Aufrüstung. Die Folge wäre eine allgeMan meldet ferner, daß von den gegnerischen Truppen un- a 13 2000 Gefangene mit 29 Offizieren ab. Vor erlaubte Mittel angewendet werden, was auch von Ge- unserer Front lagen ungefähr 2000 feindliche Reich- Wirtschaftspolitiker nicht nur nicht ein Nachteil, sondern eine Nun ist die Schaffung solcher Schwierigkeiten für viele fangenen bestätigt wird. Eines der häufigsten, obwohl er- name. Wir wiesen im Laufe des 5. Juli neue Offensiv- wertvolle Waffe bei den kommenden handelspolitischen folglosen dieser Mittel ist die List, daß Abteilungen in lichten versuche zwischen dem Wjeprsch und dem Bug sowie gegen Auseinandersetzungen mit den Vierverbandsmächten. So läßt Reihen mit erhobenen Händen, als wollten sie sich ergeben, das Dorf Strylow mit Erfolg ab. Am Oberlauf des Bug, an sich das„ Berliner Tageblatt" anläßlich der Tagung des vorgehen, worauf fi die vorderste Reihe zu Boden wirft der Blota Lipa und am Dnjestr fand am 4. Juli und am österreichisch- deutschen Wirtschaftsverbandes in Wien also ver und hinter ihr dichte Schüßenlinien erscheinen. Trok der Morgen des 5. Juli tein Kampf statt. nehmen: Wie dürfen wir hoffen, in dem wirtschafts" Politischen Feldzug, der sich an den militärischen anschließen wird, erfolgreich zu bestehen, wenn wir bis zu seinem Beginn nicht einmal unsere Basis befestigt und ausgebaut haben?" Schön! Nur muß auch der einleuchtende Beweis geführt werden, daß die nur mit viel Geld zu bauende Basis wirklich tragfähig ist. Ein unwiderstehlicher Druck konnte durch die Verbindung Oesterreich-Ungarns und Deutsch lands zu einer handelspolitischen Einheit nur dann auf Ruß land ausgeübt werden, um dessen Markt der kommende Wirt schaftliche Krieg besonders geführt werden wird, wenn ent weder der Vierverband ganz auf die Knie gezwungen wird oder die Verbindung mit Oesterreich-Ungarn Deutschland von dem Zwang befreit, seine Futtermittel aus Rußland zu beziehen. Das erste ist eine dunkle Zukunftsfrage, das zweite eine glatte Unmöglichkeit. Es wäre sogar eher möglich, daß Deutschland durch die Nutzbarmachung des Strohs für die Verfütterung vom Bezüge russischer Futtermittel unabhängiger wird, als durch die Verbindung mit Oesterreich-Ungarn. Der wirtschaftliche Zweibund ist in einem Zollkrieg eine stumpfe Waffe. Wenn dritte Staaten von den Ermäßigungen aus- geschlossen werden, die sich die Mittelmächte im gegenseitigen Verkehr gewähren, werden sie einfach sehr hohe Zollpositionen in den autonomen Zolltarif einsetzen, um sich möglichst viel abhandeln zu lassen, und besonders Rußland wird sich seiner kolossalen Bedeutung als Absatzgebiet der deutschen Industrie sehr wohl bewußt sein. Der Endeffekt einer Vorzugsbehand lung der Mittelmächte unter einander bleibt also die Zoll aufrüstung und Erschwerung des internationalen Waren Verkehrs, was nach dem Kriege so ziemlich das schädlichste ist. In einer Resolution erklären überdies die Teilnehmer an der vom Deutsch-Oesterreichisch-Ungarischen und dem Oester- rcichisch- Deutschen Wirtschaftsverbande veranstalteten Tagung, daß eine innige wirtschaftliche Annäherung der zwei ver bündeten Reiche stattfinden müsse, die vor allem in der mög lichsten Annäherung und Uebereistimmung der Wirt' schaftlichen Gesetzgebung ihren Ausdruck zu finden habe. Insbesondere wäre ein wirtschaftlicher Bündnisvertrag zu schließen, durch den sich die beiden Reiche zu einer gemeinsamen Handelspolitik gegenüber anderen Staaten verpflichten, und zwar auf Grund zwischen ihnen nach einem einheitlichen Zollschema vereinbarter Außentarife, deren Zollsätze nicht durchweg die gleichen sein müssen, sowie auf Grund einer beson- deren, im gegenseitigen Einverständnis auch auf andere Staaten ausdehnbaren Vorzugsbehandlungihres Wechsel- seitigen Verkehrs, wobei dem aus den wirtschaftlichen Verschiedenheiten der zwei Gebiete sich ergebenden besonderen Schutzbedürfnisse einzelner Warengruppen durch Ausgleichs- zölle Rechnung zu tragen wäre. Diese Entschließung fordert eine gegenüber dritten Staaten gemeinsame Handelspolitik unter Gewährung gegenseitiger Vorzugsbehandlung. Alles, was gegen die zweite vom Mitteleuropäischen Wirtschaftsverein angegebene Alternative angeführt worden ist, spricht auch gegen diese Resolution. Für die Sozialdemokratie sind in der Beurteilung aller dieser handelspolitischen Pläne noch andere Erwägungen maß- gebend. Die zollpolitische Angliederung eines so ausgesprochen hochschutzzöllnerischen Staates wie Oesterreich-Ungarn würde die protektionistische Bewegung in Deutschland zum Schaden seiner Konsumenten und seiner weiterverarbeitenden Industrie sehr stärken, ohne daß dieser einseitigen Belastung ein erkenn- barer Vorteil gegenübergestellt werden könnte. Und trotzdem gibt es Mittel und Wege, den Waren- verkehr zwischen den Mittelmächten kräftig zu fördern, ohne Deutschlands Freiheit des Entschlusses und Handelns ein- zuschränken und seine Verbraucher ungebührlich zu belasten. Der Professor an der Wiener Exportakadenne Dr. Grunz el hat schon vor einem Jahrzehnt ein sehr beachtliches Programm entworfen: „1. Vollkommene Freiheit in der autonomen Tarifpolitik, jedoch Gleichförmigkeit im Zollschema und in der Zollbehandlung. 2. Ausbau des Konventionaltarifes zum Zwecke der möglichsten Erleichterung des gegenseitigen Warenverkehrs. 8. Zusammenarbeit beider Staaten beim Abschluß von Handels» vertragen mit anderen Ländern. 4. Einsetzung einer gemeinsamen Zollkommisfion zur Schlich» tung von Streitigkeiten und Vorbereitung gemeinsamer Wirtschaft- licher Maßnahmen. [ 5. Erweiterung der bestehenden Begünstigungen im Grenz« und Veredlungsverkehr, soweit dies ohne Schädigung der be» treffenden Industrie möglich ist. S. Weitergehende Vereinbarungen und Verbindungen auf dem Gebiete des Eisenbahntarifwesens. 7. Einverständliche Handhabung der Veterinärpolizei. 8. Gemeinsames Vorgehen in wichtigen An- gelegenheiten der wirtschaftlichenGesetzgebung und Verwaltung." Besonders der letzte Punkt des Wunschzettels verdient alles Lob. Die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschafts- und bürgerlichen Rechtes kann eine enge handelspolitische Verschmelzung in ferner Zukunft sehr erleichtern. Dazu gehört aber auch eine freund- lichere Behandlung der aus Oesterreich- Ungarn stammenden Ausländer in Deutsch- land. Ihre Teilnahme an der wirtschaftlichen und politischen Betätigung der deutschen Arbeiterschaft ist zu leicht mit Ausweisung gesühnt worden. Die Erfahrungen diesesKrieges predigen aber die eindringliche Lehre, daß Bündnisse nicht allein in den Kanzleien der Diplomaten gefertigt und gesiegelt werden dürfen, sondern im lebendigen Volksbewußtsein verankert sein müssen._ Westlicher Kriegsschauplatz. der ftanzösische Tagesbericht. Paris, 7. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Die Nacht war an mehreren Stellen der Front sehr betvegt. In Belgien bemächtigten sich englische Truppen, von unserer Artillerie unterstützt, einiger deutscher Schützengräben südwestlich Pilken auf dem östlichen Kanalufer. Ein sehr lebhafter Kampf entwickelte sich um den Bahnhof Souchez, der trotz wiederholter Anstrengungen des Feindes in unseren Händen blieb. A r r a s wurde die ganze Nacht bombardiert. In den A r g o n n e n waren unaufhörliche Kämpfe mit Handgranaten und Bomben im Gange. Unsere Artillerie entwickelte mehrmals Kreuzfeuer, das die feindlichen Angriffsversuche glatt anhielt. Auf den Maashöhen griffen die Deutschen zweimal unsere Stellungen auf dem Höhenrücken südlich der Schlucht San Vaux und östlich des Grabens von Calonne an. Sie wurden vollkommen zurückgeworfen. In dem Gebiet des P r i e st e r Wäldes ergriff der Feind ebenfalls die Offensive. Zwei Angriffe wurden ausgeführt, von denen der eine sich nach und nach vom Westteile deS Waldes bis Feyenhahe ausdehnte, während der andere besonders gegen den Teil gerichtet war, der sich westlich von Crois des Carmes erstreckt. Beide Angriffe wurden durch unser Infanterie- und Artilleriefeuer angehalten, das dem Feinde schwere Verluste beibrachte. Paris, 7. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Englische Truppen wiesen mehrere Gegenangriffe gegen die Schützengräben zurück, deren sie sich vergangene Nacht im Südwesten von Pilkem bemächtigt hatten. Sie machten 80 Gefangene und fügten dem Feinde sehr hohe Verluste zu. Die Deutschen beschoffen Ar ras, insbesondere die Kathedrale, mit Brandgranaten. Reims erhielt gleichfalls einige Geschosse. In den A r g o n n e n Kanonade ohne In fanteriekampf. Auf den Maashöhen auf der Südkuppe der Schlucht von Souvaux nahmen wir ein Schütze»' grabenstück wieder ein, in dem die Deutschen Fuß gefaßt hatten und sich seit dem 27. Juni behaupten konnten, Wir drangen über das Schützengrabenstück hinaus vor. Der Feind machte nach heftiger Beschießung einen Gegenangriff, welcher unter das Kreuzfeuer unserer Maschinengewehre genommen wurde. Die Deutschen fluteten in Unordnung zurück. Sie erlitten schwere Verluste. Im Gebiet von Feh en Hahe, im Priesterwald zeitweilige Beschießung mit Granaten aller Kaliber. Aus den V o g e s e n wird verstärkte Tätigkeit der feindlichen Artillerie gemeldet, die besonders Lafontenelle, Hilsenfirst, Hartmanns Weilerkopf und Thann beschoß. die ergänzende englische Meldung. London, 7. Juli.(W. T. 83.) General French meldet über die Eroberung von Schützengräben, von denen bereits im französischen Heeresbericht die Rede war, daß sie sich über 200 DardS ausdehnten und daß 80 Deuffche gefangengenommen worden feien. Seit dem letzten Be- richt habe sich nichts geändert. Der Kampf beschränke sich auf gelegentliche Artilleriekämpfe, wobei der Feind vor allem bei Zpern übermäßig von Gasbomben Gebrauch mache. Der Feind, berichtet French weiter, ließ acht Minen springen, ohne unsere Schützengräben zu beschädigen. Wir brachten 50 Dards Frontlinie des Feindes nörd- lich von Neuve Chapelle zur Explosion. Am 4. Juli abends wurde durch unser Haubitzseuer eine deutsche Sappe nördlich von Dpern in Stücke geschossen. Hierauf rückte ein Zug Infanterie vor, um die Zerstörung zu vervollständigen. Die wenigen Deutschen, die im Artilleriefeuer übriggeblieben waren, wurden mit dem Bajonett Vertrieben. Ein in der Sappe gefundenes Maschinengewehr wurde zerstört. Unsere Verluste waren unbedeutend. Der Zug kehrte nach vollführtem Auftrag so gut wie unversehrt zurück. DaS Gefecht am Weg von Pilkem spielte sich folgender- maßen ab: Am 5. Juli früh eroberten die Deutschen eine Barrikade an der Bahnlinie Dpern— Rousielaere nach zweistündigem Sturme. Wir machten sofort einen Gegenangriff und eroberten die Stellung zurück. Die englischen Verlufte. London, 7. Juli. kW. T. B.) Die letzte Verlustliste zählt ;i8 Offiziere und 1659 Mann auf. Ein ftiüafrikanifthes Truppenkontingent für den europäischen Kriegsschauplatz. Pretoria, 7. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Die britische Regierung hat das Angebot Südafrikas, ein Truppenkontingent mit schwerer Artillerie auf den europäischen Kriegsschauplatz zu schicken, angenommen._ Neues vom Zelömarfchall fjinöenburg/) II. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge- ichrieben: Nördlich des Njemen haben Truppen, die zum Befehls- bereich des Feldmarschalls v. Hindenburg gehören, ein großes Stück des schönen Kurland fest in der Hand. Ueber 100 Kilometer kann man von der ostpreußischen Grenze gen Nordosten fahren, bis man auf die dsutschen Jnfanteriestellungen stößt, die sich in einer Breite von rund 250 Kilometern zum Njemen-Strom hinunter und zum Ostseestrande jenseits Libau hinaufziehen. Noch sind die Operationen dort nicht abgeschlossen, und die Rüsten werden sich noch manchmal darüber die Köpfe zerbrechen, was ihnen dort noch bevorstehen mag. Anfangs hatte sich der Feind, wie wir von gefangenen Offi- zieren wissen, über die Bedeutung des deutschen Einbruchs in Kur- land gründlich getäuscht. Er glaubte nur ein auf Verblüffung ab- zielendes Reiterunternehmen vor sich zu haben, dem vielleicht kleine, auf Kraftwagen mitgeführte Jnfanterieteile als Rückhalt dienten. Erst der kraftvolle Widerstand unserer Truppen gegen die ich ständig mehrenden russischen Verstärkungen und die wohl- gelungenen Gegenstöße zeigten den wahren Sachverhalt. Aber der Irrtum der Rüsten war erklärlich. Denn ver- bluffend war in der Tat die Schnelligkeit des Vormarsches— eine Glanzleistung der deutschen Truppen und ihrer Führer. Binnen weniger Tage hatte der mit der Leitung des Unternehmens beaus- tragte Generalleutnant v. Lauenstein die Vorbereitungen ge- troffen, zu denen auch eine Verabredung mit den in der Ostsee operierenden Marineteilen gehörte. In der Frühe des 27. April begann der Einmarsch aus den äußersten Flankenstellungen heraus: eine Kolonne ging bei Schmalleningken über den Njemen und nach Norden zu, eine andere— 100 bis 125 Kilometer davon entfernt— brach aus dem ostpreußischen Nordzipfel in östlicher Richtung vor. Jene drang bereits am ersten Tage mit der Infanterie fast 50 Kilometer in Kurland ein, mit der Kavallerie nach Rossienie und über die Dubista hinaus; diese stieß bei Korciany auf Widerstand und mußte den Uebergang über den Minia-Abschnitt unter dem Feuer schwerer russischer Artillerie erzwingen, kam aber ebenfalls ein gutes Stück vorwärts. Eine dritte Kolonne rückt« in der Mitte langsamer vor» Die Kühnheit dieses so weit ausgreifenden Unternehmens wird noch klarer, wenn man bedenkt, daß die Nach- richten über Art und Stärke des Feindes recht unsicher lauteten und daß sich Ende April das Land noch in einem Zlggregat- zustande befand, der ein Fortbewegen vielfach nur auf den Straßen zuließ. •) Siehe Nr. 168 des„Vorwärts" vom 20. Juni. Am Morgen deS zweiten Tages stellte es fich heraus, daß de: an der großen Straße Tilsit— Mitau bei Skaudwile stehende Geg- ner sich eiligst der drohenden Umfastung seiner linken Flanke ent- zogen hatte und auf Kielmy— Szawle abgezogen war. Sofort wurde die rechte Kolonne ihm nachgeschickt. Sie nahm noch am Abend Kielmy, war also in zwei Tagen 75 Kilometer vorwärts gekommen. Die linke Kolonne hatte in dem sehr schwierigen, meist morastigen Gelände besonders große Anstrengungen zu über- winden, weshalb die Mittelkolonne sie durch einen Halblinksvor- marsch unterstützte, erreichte aber mit Kavallerie doch schon Worny an der Seenlinie westlich von Kielmy. Der dritte Tag führte die rechte Kolonne bereits über den vom Feinde verteidigten Win- dawski-Kanal, die linke nach Worny und Telsze, ihre Kavallerie nach Trischki nordwestlich von Szawle. Fast 100 Kilometer sind nach vorwärts gewonnen. Die Rüsten, die in Kurland wohl nur Kavallerie und Reichswehr gehabt hatten, ziehen nun schleunigst mit der Bahn Verstärkungen heran und laden sie zwischen Szawle und Szadow aus. Aber die deutsche Truppenführung läßt sich da- durch nicht beirren: die Kavallerie erhält den Befehl, die Bahnen zu zerstören und um Szawle herumzugreifen; und es geht weiter vorwärts. Am Nachmittag des 30. April, des vierten Tages, zieht die rechte Kolonne in Szawle ein, das die Russen angesteckt haben. und verfolgt noch ein Stück darüber hinaus. Die Kavallerie er- beutet auf der Straße nach Janischki— Mitau Maschinengewehre, Munitionswagen und Bagagen. Sie zerstört die Bahnen südwestlich und nordwestlich von Szawle. Der nächste Tag bringt Nachrichten, wonach der Feind von Kowno her Truppen schickt, um unsere rechte Flanke zu bedrohen. Die Infanterie wird daher angehalten und nach rechts verschoben, mit der Weisung, die Dubissa-Linie zu halten; die Kavallerie jedoch greift immer weiter vor. Sie besetzt nach Gefechten Janischki und Shagory, die nur noch sechs Meilen von Mitau entfernt liegen, und nimmt Gefangene, Maschinen- gcwehre und Bagagen des in voller Auflösung nach Mitau flüchten- den Fundes. Am 2. Mai kreist sie die im Zwischenraum noch stehengebliebenen Russen bei Skaisgiry ein und macht 1000 Ge- sangene. Umfangreiche Bahnzerstörungen an allen erreichbaren Linien gelingen nach Wunsch. Dann wird die Kavallerie der rech- ten Kolonne zurückgenommen, um den Gegenstoß an der Dubista zu unterstützen, die der linken aber stößt, obwohl schon das Eintreffen russischer Verstärkungen in Mitau gemeldet wird, über Grünhos vorwärts, nimmt noch 2000 Russen gefangen und steht am 3. Mai mit Teilen 2 Kilometer vor Mitau. Die außerordentlichen Marschleistungen der Infanterie wie der Kavallerie sind um so höher zu bewerten, als die Wege in denk- bar schlechtestem Zustande, die Flußübergänge vielfach zerstört und die Russen keineswegs überall ohne Kampfkraft waren. Nun stellte die Abwehr des russischen Vorstoßes gegen unsere rechte Flanke neue hohe Anforderungen an die Ausdauer unserer Truppen. Eine umfastende Gegenoffensive an der Dubista bewies dem Feinde, wie sehr er die Stärke der deutschen Truppen unterschätzt hatte. Erst allmählich erholte er sich von der Ueberraschung und schaffte neue Infanterie-, Kavallerie- und Artilleriemasten heran. Zu gleicher Zeit aber erlebten die Russen noch eine besondere Ueber- raschung, auf die sie allem Anschein nach gar nicht gefaßt waren: den Zug auf Libau. Während unsere Hauptkolonnen in Eil- Märschen auf die obere Dubista zustrebten, ging eine Nebenkolonne von Memel her nordwärts etwas langsamer vor. Eure Abteilung derselben marschierte über Schkudy, eine andere nahe am Strande von Süden her auf Libau vor. Vom Feinde war nicht viel zu merken. Die Marine hatte ihn schon am 22. April durch die Bc- schießung von Liban eingeschüchtert. Am 6. Mai sprengte er selbst die Ostsorts, dann brachten unsere Kriegsschiffe auch die Strand- batterien zum Schweigen. Die Landtruppen, die an eine so schwache Verteidigung des großen Hafens nicht glauben wollten und immer auf einen Hinterhalt gefaßt waren, nahmen die«snd- sorts nach kurzem Gefecht und griffen von der Landseite an. Aber die Russen waren tatsächlich auf diesen Schlag nicht vorbereitet gc- wesen. Sie konnten nur noch in Mitau stärkere Truppen aus- laden und in südwestlicher Richtung vorschicken, vermochten jedoch unsere langsam nachgebende Linie nicht zu durchbrechen. Am 8. Mai. 6 Uhr morgens, zogen die deutschen Soldaten in Libau ein. Etwa 1500 Gefangene, 12 Geschütze und eine Anzahl Maschinen- gewehre bildeten die Beute. Der frische Wagemut fand schönen Lohn. Schnell wurden Abteilungen zur«icherung des Platzes um etwa 50 Kilometer über Prekuln, über Hasenpot und am Strande vorgeschoben. Sie haben bisher alle Stöße des allmählich sich sammelnden Gegners abgewehrt und werden das auch ferner tun. Der Wert des ganzen Einbruchs in Kurland sowie die Ent- Wickelung der weiteren Kämpfe am Dubissa-Abschnitt sind noch be- sonders zu erörtern. lW. T. B.) Ein öeutfthes Dementi. Amtlich. Berlin, 7. Juli.(W. T. B.) Der Petersburger Generalstad hat vor einiger Zeit eine amtliche Mitteilung auch im neutralen Auslande verbreitet, wonach an einem Kosaken des ussurischcn Reiterregiments Petschnjew auf der Narewftont während seiner Gefangenschaft von den deutschen Soldaten Greuel verübt worden seien, und zwar durch Ab- chneidung von Teilen der Ohren und Emschneiden von parallelen Striemen in die Haut des Oberschenkels.— Wie amtlich festgestellt ist. ist bei den in Frage kommenden deut- chen Armeeteilen ein Kosak des Usiuri-Reiterregiments über- jaupt nicht gefangengenommen worden, damit entfallen von elbst alle daran geknüpften Behauptungen. Der türkische Krieg. Die Melüung des türkischen Hauptquartiers. Konstautinopel, 7. Juli.(W. T. B.) Bericht des Großen Hauptquartiers. An der kaukasischen Front fuhr auf dem rechten Flügel unsere Kavallerie nach ernsthaften Kämpfen ort, die feindliche Kavallerie gegen Osten zurückzuwerfen. Wir machten in dem Kampfe vom 4. Juli eine Anzahl Ge- ängene und gewannen Beute. An der D a r d a n e l l e n f r o n t ist die Lage im all- gemeinen unverändert. Die gewohnten Grabenkämpfe dauern ort, und zwar besonders heftig auf unserem rechten Flügel iei S e d d u l Bahr. Alle diese Kämpfe sind für uns günstig. Unsere anatolischen Batterien riefen zahlreiche Explosionen und Brände in dem feindlichen Lager bei Sedd ul Bahr hervor. Unsere Flieger warfen zweimal mit Erfolg Bomben auf die feindlichen Truppen. Vor Art Burnu bombardierte ein eindlicher Monitor, der sich sichtlich hinter einem Lazarett- chiff verbarg, unsere Landstellungen. Von den übrigen Fronten nichts Bedeutendes. Gefecht im Kaukasus. Petersburg, 7. Juli.(W. T. B.) Bericht d e s G e n e r a I- tabes der Kaukasusarmee vom 5. Juli. In der Küsten- gegend Artilleriekampf. Ein russisches Motorschiff versenkte eineu türkischen Segler. An der südlichen Kette des Chariandagh stieß eine russische Abteilung auf feindliche Kräfte in der Stärke eines Infanterieregiments mit Artillerie, Maschinengewehren und zwei Reiterschwadronen. Unsere Abteilung eröffnete den Kampf, schlug den Feind und brachte ihm große Verluste bei. Westlich von Ahlavat versuchten die Türken, die Offensive gegen unsere Deckungstruppen zu ergreifen. Der Angriff scheiterte. An der übrigen Front keinerlei Veränderung. Der Seekrieg. Das Seegefecht bei GotlanÜ. Berlin, 7. Juli.(W. T. B.) Gegenüber den russischen Berichten über das Seegefecht bei Gotland am 2. Juli geht uns von matzgebender Stelle folgende Schilde- rung zu: Unsere leichten Streitkräfte, die in der Nacht eine vorgeschobene Stellung besetzt gehalten hatten, fuhren am 2. Juli morgens mit südlichen Kursen zurück. � Das Wetter war, namentlich nach Osten zu, unsichtig, strichweife sogar neblig. Gegen 6 Uhr früh erhielten plötzlich aus einer im �O. stehenden Nebelbank heraus„A u g s b u r g" und „A l b a t r o s", die in der Nähe voneinander standen, Feuer und gewahrten auf 7(XM) bis 8000 Meter Entfernung die undeutlichen Umrisse von 4 feindlichen Schiffen, die später als„A d m i r a l M a k a r o f f",„B a j a n",„B o g a t y r" und„O l e g" ausgemacht wurden.„A l b a t r o s", der gegen- über diesen grotzen Kreuzern keine Gefechtskraft befatz und ihnen auch an Geschwindigkeit unterlegen war, erhielt Befehl, sich nach der schwedischen Insel Gotland zurückzuziehen, wäh- rend„Augsburg" die beiden weiter östlich stehenden Kreuzer„Roon" und„Lübeck" herbeirief und inzwischen im Vertrauen auf ihre höhere Geschwindigkeit versuchte, das Feuer der Gegner von„Albatros" ab und auf sich zu lenken und den Feind in Richtung der herankommenden Verstärkung zu ziehen. Die feindlichen Kreuzer ließen aber nicht von „Albatros" ab, sondern vereinichien auf ihn ihr heftigstes Feuer. Ein Entkommen aus dem feindlichen Feuerbereich war für ihn wegen seiner geringeren Geschwindigkeit nicht möglich. Nach zweistündigem Gefecht, das die Russen trotz ibrer Ableugnungen auch nach Erreichen der schwedischen Hoheitsgewässer nicht abbrachen, wie die dienstlichen deutschen Meldungen in Uebereinstimmung mit den schwedischen Zeitungsberichten feststellen, mußte der Kommandant sein von zahlreichen schweren Treffern leckgeschossenes und in sinkendem Zustande befindliches Schiff bei Oestergarn auf den Strand setzen. Die dann eingetretenen Ereignisse, wie das Vonbord- bringen der Schwerverwundeten, ihre liebevolle und fürsorg- liche Aufnahme und Pflege durch die Bevölkerung, die Be- stattung der Gefallenen unter der herzlichen Teilnahme der Einwohner, das alles ist aus den ausführlichen Schilderungen von Augenzeugen durch die schwedische und deutsche Presse bereits bekannt geworden. Aus ihnen geht auch klar hervor, »voran im übrigen Wohl niemand in Deutschland gezweifelt hat, daß die russische Behauptung,„Albatros" habe die Flagge noch während des Gefechts gestrichen, mit der Wahrheit nicht im Einklänge steht. Während dieses Vorganges waren zu- nächst ,,L ü h e ck", dann„R o o n" aus östlicher Richtung in dem unsichtigen Wetter auf den Kanonendonner mit höchster Fahrt zulaufend, an die Schlutzschiffe des Gegners heran- gekommen und hatten in das Gefecht eingegriffen. Der Feind richtete sein Feuer hauptsächlich gegen das ihm nächste und sckpvächste Schiff„Lübeck", doch erzielte er keinerlei Erfolge, auch nicht, als ihm aus einer Nebelwand heraus gegen 8,80 Uhr vormittags sein neuester und stärkster Panzerkreuzer „Rurik" zu Hilfe kam.„Roon" und„Augsburg" stießen«ms diesen vor, uin„Lübeck" zu entlasten, was zur Folge hatte, daß„Rurik" abdrehte. Das Gefecht, in dem die Russen nach eigenem Eingeständnis wahrscheinlich durch eine schwere Artillerie von„Roon" Beschädigungen erlitten haben, endete Mgen 1 0 Uhr, wo der Gegner infolge des unsichtigen Wetters im Norden aus Sicht kam, bevor weitere Verstär- kungen von uns auf dem Kampfplatz erscheinen konnten. Trotz der lebhaften und dauernden Beschießung durch die an Zahl und Gefechtskraft weit überlegenen russischen Schiffe haben unsere Kreuzer, abgesehen von„Albatros", keinen ein- zigen Treffer erhalten. Anmerkung: Die phantastischen Angaben der russi- scben Berichte über das Seegefecht bei Gotland, nach welchem die deutschen Kreuzer mehrere Male getroffen, der Panzer- kreuzer„Roon" schwer beschädigt worden seien und die deut- ichen Schiffe sich zurückgezogen haben sollten, werden durch die obige Darstellung von deutscher Seite zur Genüge wider- legt. Die Verpflegung öer verwundeten des Albatros". Stockholm, 7. Juli.(32. T. B.) Wie„SbenSla D a g- b l a d e t" aus Wisby meldet, war der Zu st and der der- mundeten Deutschen gestern unverändert. Die Bevölkerung pflegt sie aufs beste. Mit Blumen, Büchern und Erfrischungen kommen sie von allen Seiten. Die Königin sandte den Verwundeten im Mililärlazarett Rosen. Sechzig Mann liegen dort, davon sechsunddreißig schwer verwundet, doch keiner hoffnungslos. Die Internierten fühlen sich verhältnismäßig wohl. Am Strandungsplatze ist alles ruhig. Schwedische Torpedo- jäger halten beim„Albatros" Wacht. Rufllsch-fchweöische Erklärungen wegen der ruflischen Neutralitätsverletzung. Stockholm, 7. Juli.(W. T, Bh Die schwedische Regierung der- öffentlicht folgende amtliche Mitteilung: Nachdem am 2. Juli die Nachricht von Gotland eingegangen war, daß das deutsche M i n e n s ch i f f„Albatros" bei Kuppen innerhalb der Oester- garnholme bei Gotland auf Land gesetzt, sowie, daß dieses Fahrzeug von russischen Kriegsschisien innerhalb des schwedischen Gebietes beschossen worden sei, wobei Geschosse über die Holmen gingen und in geringer Entfernung vom Lande einschlugen, erhielt der Petersburger Gesandte Seiner Königlichen Hoheit sofort Befehl, bei der russischen Regierung kräftig gegen diese Verletzung des schwedischen Gebiets und damit der Neutralität Schwedens zu protestieren. Gleich- zeitig wurde der hiesige russische und der deutsche Gesandte schrift- lich über das Geschehene unterrichtet und außerdem mitgeteilt, daß auf Grund der von den Behörden von Gotland eingegangenen Berichts die notwendigen Jnternierungsmatznahmen getroffen worden feien. Am 3. Juli ging vom Kommandanten auf Gotland ein B e- richt über den Vorgang ein, in der Hauptsache folgenden Inhalts: Am 2. Juli, 7 Uhr 40 Minuten morgens, wurde im Nebel, etwas außerhalb der Briterna-Glockenboje ein Fahrzeug entdeckt, welches den Vordermast verloren hatte und fast still lag. Dieses Fahr- zeug wurde dann als der deutsche Minenkreuzer„Albatros" festgestellt. Die ganze Zeit hindurch hörte man Geschützdonner von See. Nach einiger Zeit wurde eine Explosion an Bord des „Albatros" bemerkt, welcher unmittelbar darauf sich in Fahrt setzte, nördlich um den Briterna-Grund steuerte, dann weiter um Oester- garns-Holm und im Oestergarns-Sunde die ganze Zeit von zwei russischen Kreuzern heftig beschossen wurde, welche ungefähr gleich- zeitig mit der oben erwähnten Explosion nordöstlich und südöstlich der Glockenboje entdeckt wurden. Der erstgenannte der russischen Kreuzer(Bajantyp) verfolgte und drehte schließlich auf 57 Grad 28 Minuten 20 Sekunden nördlicher Breite und 19 Grad östlicher Länge, also auf schwedischem Seegebiete, bei, immer heftig auf„Albatros" schießend, welcher mißerdem die ganze Zeit von dem anderen südöstlich der Glockenboje stilliegenden russi- schen Kreuzer beschossen wurde. Um 8 Uhr 15 Minuten vormittags tief„Albatros" auf Strand gleich unterhalb der Signalstation und wenige Minuten vorher, als er sich auf 57 Grad 25 Minuten 36 Se- künden nördlicher Breite und 18 Grad 57 Minuten östlicher Länge befand, schössen die russischen Schiffe die letzten Schüsse gegen ihn ab. Eine große Anzahl russischer Geschosse sauste über Oestergarnsholm und dicht am Leuchtturmplatz vorbei, so daß das Leuchtturmpersonal sich veranlaßt sah, den Platz zu verlassen und Schutz in einer Höhle auf der Westseite der Insel zu suchen. Verschiedene Geschosse fielen nach Berechnungen nur einige hundert Meter vom Land bei Kuppen ins Wasser. In Uebereinstimmung mit dem erhaltenen Auftrag legte der Gesandte Brandström am 3. Juli bei der russischen Regierung P r o t e st ein, worauf die russische Regierung sowohl direkt gegenüber unserem Gesandten als auch durch den hiesigen russischen Gesandten eine Erklärung folgenden Inhalts abgab: Nach dem von dem russischen kommandierenden Admiral ein- gegangenen Bericht konnte der Vorfall, welcher Gegenstand des schwedischen Protestes war, sich nur infolge des zufällig herrschenden Nebels ereignen, welcher verhinderte, die Beschießung zu regulieren. Die russische Regierung drückte das lebhafte Bedauern über das Geschehene aus und versicherte, daß sie völlig ent- schlössen sei, gewissenhaft die schwedische Neu- tralität zu achten. Im gegenwärtigen Falle liege nur eine bedauerliche Unachtsamkeit vor. Es sei den Betreffenden bestimmte Weisung gegeben, in dieser Beziehung ihre Aufmerksamkeit zu der- doppeln, um eine Wiederholung solcher Ereignisse unmöglich zu machen. Vor Empfang dieser Erklärung hatte die schwedische Regierung in einer Note an den hiesigen russischen Gesandten den Inhalt des oben wiedergegebenen Berichts mitgeteilt und unter Wiederholung des Protestes die Hoffnung auf eine schnelle zufriedenstellende Er- ledigung dieser unangenehmen Angelegenheit ausgedrückt. Die englischen Schiffsverluste im Juni. London, 7. Juli.(T. U.) Der„Standard" gibt bekannt, daß die Verluste der englischen Handelsmarine im Juni 98 Schiffe betragen, darunter 36 Segelschiffe und 63 Dampfer. Der Zerstörung dieser Schiffe durch den Feind fielen III Ma- trosen zum Opfer. Der Krieg unö Sie Kolonien. Vom üeutsch- oftafrikanischen Kriegsschauplatz. Londo«, 7. Juli. sW. T T.)„Daily Chronicle" meldet auS Athen: Ein aus Ostafrika angekommener Reisender berichtet, die Deutschen hätten den Hafen von Daressalam ge- schlössen, indem sie ein Trockendock und ein kleines Kanonen- boot guer in der � Flußmündung versenkten. Der Kreuzer „König sberg" liege unbeschädigt 15 Meilen stromabwärts im Rufidjifluß und könne von den englischen Schiffen nicht er- reicht werden. Die Engländer versuchten den Kreuzer zu torpe- dieren, aber die„Königsberg" sei durch eine Schlammbank geschützt, in der der Torpedo stecken blieb. Freiherr v. Disftng über öle Angelegenheit ües Karöinals Nlercier. Köln, 7. Juli. Der Vertreter der„Kölnischen Volkszeitung", Dr. H. Contzen, wurde am 3. Juli von dem Generalgouverneur von Belgien, Freiherrn von Bissing, empfangen, der ihn über den Bericht Latapies und über seine Unterredung mit dem Papste be- fragte. Freiherr von Bissing erklärte: Tatsächlich war Kardinal Mercier nie verhaftet und in seiner Bewegungs- freiheit durchaus nicht beschränkt. Die Verhaftung sollte an dem Tage erfolgt sein, da der Kardinal befragt werden mußte, ob der Hirtenbrief, der noch nicht verbreitet, sondern mir zugegangen war, tatsächlich von ihm stamme, und wie er dazu kam, namentlich wie er sich hätte den Anordnungen über Presseerzeug- nifle in Belgien entziehen können. Bei der Gelegenheit sagte der Offizier, der dem Kardinal die Fragen vorlegte: es wird wohl gut sein, wenn Sie sich heute dem Generalgouverneur zur Berfiigung halten, da er wahrscheinlich persönlich mit Ihnen eine Unter- redung herbeiführen wird. Dies Anheimgeben, fuhr Freiherr v. Bissing fort, geschah aus den ganz erklärlichen Gründen einer möglichst baldigen Auseinandersetzung mit dem Kardinal. Im Laufe des Tages geschah aber von mir nichts, ich reiste nach dem Grotzen Hauptguartier, um die Sache direkt mit dem Reichskanzler zu besprechen. Dort erfuhr ich telephonisch, der Kardinal wolle in Antwerpen selbst den Hirtenbrief verlesen, oder die Angelegen- heit besprechen. Da telegraphierte oder telephonierte ich an den Kardinal, ihn dringend bittend, von dieser Reise Abstand zu nehmen wegen der Beunruhigung der Bevölkerung. Ucbrigens hat der Kardinal einen sogenannten Generalpatz, der ihm jederzeit und auch bis zum heutigen Tage volle Bewegungsfreiheit gestattet, für ganz Belgien, nicht etwa bloß für seine Diözese. Davon machte der Kardinal ja auch in ausgesprochenster Weise Gebrauch. Hin- sichtlich der Aeußerung des Kardinalstaatssekretärs Gaspari, wonach Bissing nicht an den Papst oder den Staatssekretär geschrieben habe, erklärte Bissing: Tatsächlich hat Gaspari ganz recht, ich habe nie einen Brief geschrieben noch eine derartige Aeußerung getan, wie sie gefallen sein soll. Es wäre auch ganz widersinnig: denn nicht nur„von nun an", sondern stets und überhaupt war mein Be- streben, die Rechte der Kirche zu schützen. Die Regiftrimmgsvorlage. London, 6. Juli.(SB. T SB.) Im U n t e r h a u s e sagte gestern der Regierungsverlreter B r a c e auf eine Frage, daß seil dem 13. Mal d. I. 7144 feindliche Fremde interniert, 4800 Personen ver- schickt oder heimgesandt worden seien. Die Gesamtzahl der Internierten betrage jetzt 26713.— Asguith erklärte auf eine Frage, daß die R e g i st r i e r u n g s b i l l keine Ein« fiihrung zwangsmäßiger Arbeit oder des Militärdienstes beabsichtige. Mini st er Long brachte die RegistrierungSbill ein und sagte, er schließe sich den Worten Lord Curzons über den Ernst der Lage an. Die Aufschlüsse, die die Registrierung ergeben werde, würden sich nützlich erweisen, wenn man auch noch nicht sagen könne, wie sie benutzt werden würden. Es wäre ein falscher Grundsatz, wenn die Regierung nichts tun Ivolle, bis der Feind vor den Toren stände. Die Bill habe mit militäri- scher Wehrpflicht nichts zu tun. Diese Frage bleibe vielmehr genau in demselben Stadium wie früher. Die Bill würde eS erleichtern, bei der Rekrutierung diejenigen auszulassen, die in der Industrie usw. nötiger gebraucht würden. Die Lage könne in zwei bis drei Monaten viel schlimmer sein. Die Mehrheit des Volkes wünsche mit Begeisterung dem Lande zu dienen. Da- neben bestehe eine Minderheit. Diese solle allerdings gc- nötigt werden, offen zu erklären, daß sie dem Lande nicht dienen wolle. Sir T. Whittaker(lib.) sagte, die Bill führe zum Staatszwang; dessen Folgen seien ober so ernst und abscheulich, daß erst seine Notwendigkeit erwiesen werden müßte. Die Bill werde die Einigkeit des Landes untergraben. Alles weise darauf hin, daß die Bill das Ergebnis eines uneinigen Kabinetts sei. Die Frauen seien in die Registrierung von denen eingeschlossen worden, die die Bill zum Scheitern bringen wollten, Minister Long rief dazwischen: Absolut falsch! Whittaker fuhr fort: Die Bill sei die erste wahre Frucht des Koalitions- kabinetts und verrate seine Schwäche. Die Registrierung allein habe keinen Zweck, sie sei nur das Mittel zu einem anderen Zweck. Whittaker beantragte schließlich, die Bill zurückzustellen, bis ihre Nolwendigkeit erwiesen sei. Der frühere Minister Robertson sagte, die Mißgriffe bei der Anwerbung von Soldaten könnten auch ohne diese Bill vermieden werden. Uebcr die Arbeitskräfte des Landes gebe der Produltionszensus den besten Aufschluß. Für die Bill finde sich leine andere Erklärung, als daß sie ein Zu- geständnis an die Presse sei. Wenn die Regierung die ge- werblichen Kräfte deS Landes mobilisieren und organisieren wolle, sei es unverständlich, weshalb auch alle Frauen, Knaben und Mädchen zwischen 15 und 65 Jahren eingetragen werden sollen. Die Bill sei nutzlos und nur als Mittel zu einem anderen Zweck verständlich. Die Unionisten Duke und HayeS Fisher traten für die Bill ein. S n o w d e n, Arbeiterpartei, bezeichnete sie als einen beispiel- losen Eingriff in die persönlichen Rechte des Volkes. Die Reden für die Bill seien von der Idee des Staatszwanges durchtränkt. Redner sagte: Lord Northcliffe stürzte die alte Regierung und dikliert die Poliiik des jetzigen Kabinetts. Duncan, Arbeiterpartei, befürwortete die Bill vom sozialistischen Standpunkte aus. Minister Henderson bezcich- neto die Bill als eine notwendige Vorsichtsmaßregel. Er teilte mit, daß bei einem früheren privaten Registrierungsversuch im letzten Winter 45 Proz. der Fragebogen unbeantwortet geblieben seien. Daher sei jetzt ein obligatorisches Verfahren notwendig. Der frühere Minister Hobhouse betonte, daß die Bill eine viel stärkere Er- regung im Hause hervorgerufen habe, als jemals seit dem August zu beobachten gewesen sei. Die Regierung möge Zugeständnisse machen. Der Schatzkanzler bezeichnete die Bill als eine reine Volkszählungsbill. Hierauf fand die Abstimmung statt. Die Bill wurde mit 263 gegen 30 Stimmen in zweiter Lesung angenommen. Rusftfthes Liebeswerben um öie Polen. Petersburg, 7. Juli.(W. T. B.) Rjetsch meldet: Ter Bürgermeister von Charkow, Bagalej, wurde nach Petersburg berufen, um in den Ausschuß für die Behandlung der r u s s i s ch- p o l n i s ch e n Frage einzutreten, dem sechs Russen und sechs Polen angehören sollen. Nobilisation de? Akademiker. Petersburg, 7. Juli.(W. T. B.)„Rjetsch" schreibt: Das Handelsministerium hat beschloffen, die Studierenden der Technischen Hochschule zu mobilisieren. Sie sollen die Arbeiten in den sieben Munitionsfabriken und in den Berg- werken im Ural leiten. Ferner sind die Universitäten und Laboratorien zur Verfügung des Heeres zu stellen. Der rusftsch-italienische Intereffengegensatz» Zürich, 7. Juli.(W. T. B.) Wie die„Neue Züricher Zeitung" aus dem Haag erfährt, verweigert Rußland seine Mitwirkung bei der italienischen Aktion gegen Serbien unö Montenegro in der albanischen Frage. Zur Haltung der Dalkanftaaten. Petersburg, 7. Juli.(W. T. B.)„Rjetsch" behauptet, die vec- antwortlichen russischen Diplomaten erwarteten für die nächste Zeit keine Veränderung in der Politik der Balkanstaaten. Die Ver- Handlungen des Dreiverbandes mit Bulgarien und Rumänien gingen nicht vorwärts. In Griechen- l a n d würden gegenwärtig keine Verhandlungen gefühN, weil man auf die Einberufung des Parlaments warte. Die Be- setzung von Skutari durch montenegrinische Truppen habe nach der Ansicht diplomatischer Kreise keine entscheidende Bedeutung. Das Schicksal Skutaris werde im künftigen Friedenskongreß entschieden werden, ohne Rücksicht darauf, wer zufällig das Gebiet besetzt halte. Bis dahin gelte noch der Beschluß der Londoner Konferenz über Albanien. Die Besetzung eines Teils von Albanien durch die Griechen und die Besetzung Valonas durch die Italiener sei mit Billigung der Großmächte ge- schehen. Zur Besetzung Skutaris durch die Montenegriner hätten die Großmächte ihre Genehmigung nicht gegeben. Kämpfe mit marokkanischen �ufftänöischen. Rabat, 7. Juli.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Zur weiteren Unterdrückung der Aufstandsbewegung im Ge- biete des O u e r r a befahl General Henry den Kolonnen Simon und Deregoine eine Reihe von Operationen, welche von Erfolg ge- krönt waren. Im Laufe des 28. Juni überschritten unsere Truppen den Ouerrafluß und marschierten gegen die KaSbah. Nach heftiger Kanonade nahmen unsere Truppen die Höhen ein und verjagten den Feind, welcher zahlreiche Tote zurückließ. Wir verloren 6 Tote und 22 Verwundete, darunter drei Offiziere. In- folge dieser Operationen wurde die Ruhe unter der Bevölkerung des linken Ufers der Ouerra wieder hergestellt. Die feindlichen Führer und Notabeln bleiben auf dem rechten Ufer. Die Kolonne Simon ährt fort, das Gebiet zu überwachen. Letzte Nachrichten. Rußland liefert die in Galizien gefangenen Italiener auS. Rom, 7. Juli.(T. U.) Die„Agenzia Stefans" meldet nach einem Telegramm aus Petersburg: Die Verhandlungen Italien- und Rußlands wegen der Auslieferung der in Galizien'eingebrachten Kriegsgefangenen italienischer Nationalität, welche Verhandlungen sofort nach dem Eintritt Italiens in den Krieg begonnen hatten, seien soweit gediehen, daß ein Transport von 6000 Gefangenen, die aus dem Trentino stammen, bereit sei, nach Italien abzugchen.(„Franks. Ztg.") Eine holländische Mnriueschaluppe gesunken. Amsterdam, 7. Juli.(W. T. B.)„Allgemein Handelsblad" Meldet aus Hoek van Holland: Eine Marineschaluppe aus Brielle ist im Sturm in der Brielschen Maas aufgefahren und gekentcri. An Bord befanden sich außer dem Kommandanten sieben Mann. Einer erreichte schwimmend das Land. Einem Rettungsboot, das ausgesandt wurde, um Hilfe zu leisten, gelang es nach langem Suchen, die Leiche eines Torpedisten zu bergen. Wie aus Hellevoets-Luis gemeldet wird, ertranken fünf Mann, unter ihnen ein Seekadett. Verlustlisten. Die Verlust liste Nr. 268 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Batterien Nr. 213 und 214( beide f. Fußart.- Neg. Nr. 9); Batterie| Beichnung auf die z tveite Kriegsanleihe Mitteilung, die jene Nr. 217( f. Fußart.- Reg. Nr. 2). der ersten Kriegsanleihe, die 2200 Millionen Kronen ergab, weit übertreffe. Postiparkassenamt von den Zeichnungsstellen gemeldeten Zeichnungen Der Vorsitzende führte aus: Die Gesamtsumme der im hat sich, da weitere Anmeldungen von entfernteren Zeichnungsstellen inzwischen einlangten, von der bereits bekanntgegebenen Summe auf 2650 Millionen Kronen erhöht. Hiervon entfallen 700 Millionen auf fofort eingezahlte Zeichnungen, die übrigen Beträge sind unter Inanspruchnahme der Einzahlungstermine gezeichnet. Pioniere: Regimenter Nr. 24, 29; Bataillone: I. Nr. 1, II Nr. 3, I. Nr. 5, I. Nr. 8, I. und II. Nr. 10, I. Nr. 14, I. Nr. 15, I. und II. Nr. 17; Komp. Nr. 229; Res.- Bat. Nr. 32; Ref. Infanterie usw.: Garde: 1., 2., 3., 4. und 5. Garde- Reg. Kompagnien Nr. 55 und 87. 3. F.; Gren.- Regimenter Franz und Elisabeth; Garde- Füs.- Reg. Gren., bezw. Inf.-, bezw. Füs.- Regimenter Nr. 1, 3, 5( f. Ers.-. Inf. Reg. Gropp), 6, 9, 14, 15, 17, 23, 25, 26, 28, 29, 30, 33, 34, 37, 41, 44, 45( s. Ers.- Inf.- Reg. der 41. Inf.- Div.), 48, 49, 52, 53, 56, 57, 58, 59, 63, 64, 66, 67, 69, 70, 71, 72, 74, 75, 76, 79, 80, 82( f. auch Ref.- Inf.- Reg. Nr. 83), 85, 86, 88, 92, 93, 97, 111, 113, 115, 116, 118, 132, 136, 140, 141, 148, 150, 151, 152, 153, 157, Aus Industrie und Handel. Kriegsgewinne. Die neuen Höchstpreise für Petroleum. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen- Direktion über den Großhandel in den Zentral Markthallen.( Ohne Verbindlichkeit.) fleisch la 103-120, bo. IIa 90-102, bo. III a 82-90; Bullenfleisch Ia 100-110, Mittwoch, 7. Juli 1915. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, Ochien do. Ila 85-100; tube, fett 85-100, do. mager 78-85, do dänische fette 00-00, sonnige 130-154, dän. Sauen 00-00, dän. Schweine Die Tuch fabrit Aachen vorm. Süßfind u. Bernau beab159, 161, 162, 164, 165, 167, 168, 170 bis einschl. 175, 188, 329, fichtigt in diesem Jahre trop starter Rücklagen eine Dividende von 330, 335, 336. Res.- Inf.- Regimenter Nr. 1, 11, 13, 18, 19( f. auch 10 Broz. zu zahlen, während in den beiden Vorjahren die Aktionäre Inf.- Reg. Nr. 336), 20, 21, 24, 26, 29, 30, 35, 36, 48, 49, 56, 57, leer ausgingen. Nach Mitteilung der Verwaltung ist die Gesellschaft 59, 61, 66, 77, 79, 81, 82, 83, 86, 93, 99, 130, 204, 213, 215, 219, 223, 227, 231, 232, 253, 255, 258, 262, 268, 269. Erf.- Inf.- Regi- in Militärtuchen start beschäftigt. 00-00, Fresser 85-90. Fresser, dänische, 00-00; Bullen, dänische, menter Nr. 28, 29, Königsberg I und III, Gropp, v. Nußbaum, 00-00. Stalbfleisch, Doppellender 135-160; Mastfälber la 110-120, v. Reinhard und solches der 41. Inf.- Div. Landw.- Inf.- Regimenter do. Ila 100-110; Stalber ger. gen. 70-90, do. dän. 00-00, do. holl 00-00. Nr. 2, 8, 10, 26, 27, 29, 38, 46, 48, 49, 55, 61, 76, 99, 116 und Hammelfleisch: Maftlämmer 125-130; Hammel la 115-124, v. Gundlach. Landw.- Ers.- Inf.- Reg. Nr. 1. Brig.- Ers.- Bataillone für Petroleum in Kraft. Jm Großhandel dürfen für 100 Stilo 115-120, do. schwedische 115-120, do. holländische 115-190. Gemüse, Am 15. Juli treten die vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise do. IIa 105-114; Schafe 105-115; do. holl. 100; Schweinefleisch, Schweine, Nr. 12, 38, 57( f. Erf.- Inf. Reg. Nr. 28), 58( f. Ers.- Inf.- Reg. Petroleum höchstens 30 m. gefordert werden; im Kleinhandel darf inländisches: Startoffeln, Nieren- 50 kg 9-11, weiße Staiserkronen 8-10 Nr. 29), 83, 84( 1. Ers.- Inf.- Reg. Nr. 29). Landw.- Brig.- Ers.- der Preis für das Liter Petroleum 32 Pf. nicht übersteigen. Bei Magdeburger, Bataillone Nr. 25, 26 und 27( alle drei s. Landw.- Erf.- Inf.- Reg. Lieferung ins Haus darf ein Zuschlag von 2 Pf. pro Liter erhoben Schod 23,00. blaue 10-11; Sellerie Schock 240-3,20. Weizkohl Nr. 1). Landst.- Inf.- Bataillone I Bochum, IV Münster, I Tilsit werden. Um zu verhüten, daß ähnlich wie beim Getreidehandel, wo 50 kg 10,00-15,00; Meerrettich, Schock 4,00-10,00; Petersilienwurzel, Rotkohl, Schod 23,00. Borree, Schod 0,70-1,00; Spinat ( 1. Erf.- Inf.- Reg. v. Nußbaum), Wismar. Jäger- Bataillone Nr. 3, für Säde enorme Preise berechnet worden sind, der gleiche Unfug Schockbund 4,00-6,00; Radieschen, Schockbund 1,50-1,75; Burten, 8, 9, 11; Reſ.- Bataillone Nr. 3, 4 und 19. Garde- Maschinengewehr- auch im Petroleumhandel Platz greift, wird ausdrücklich bestimmt, orgafter, 100 Stüd 0,00; Rhabarber, Hamburger, 100 Bund 4,00, dito Abt. Nr. 1; Feld- Maschinengewehr- Komp. der 12. Inf.- Brig( f. daß für die Ueberlassung und das Füllen in Behältnisse eine Ver- bis 80,00. Zwiebeln, neue 50 kg 22-26. Salat, Schod 0,70-4,50 hiesiger 100 Bund 2,00-4,00. Tomaten, Gorgaster, 50 kg 70,00 Inf.Reg. Nr. 64); Feld- Maschinengewehr- Zug Nr. 78; Festungs- qütung nicht berechnet werden darf. In der Begründung dieser Rettiche, bayerische, 100 Stüd 8,00-12, Kohlrabi, Schock 1,00-1.50, Schoten, Maschinengewehr- Abt. Nr. 9( s. Er.- Inf.- Reg. v. Reinhard). Verordnung wird hervorgehoben, daß das Dazwischentreten zahl- hiesige, 50 kg 20,00-25,00, Mohrrüben, Schodbund 3,00-3,50, Wirsingkohl, Kavallerie: Kürassiere Nr. 3; Dragoner Nr. 6, 13, 17; Husaren reicher Händler, die sich nie mit dem Betroleumhandel befaßt haben, Schod 8,00-10,00; grüne Bohnen, 50 kg 30,00-40,00; Puffbohnen 50 kg Nr. 3, 16; Ulanen Nr. 8, 10; Jäger zu Pferde Nr. 1; Reserve- Abt. zu der ungeheuerlichen Preissteigerung geführt habe. 4,00-9,00; Wachsbohnen 50 kg 40-40. Dbst und Südfrüchte: Kirschen, Werdersche 50 kg 10,00-20,00, do. schlesische 50 kg 4,00-10,00. do. Werdersche Anupper- 50 kg 25,00-35,00, do. saure 50 kg 25,00-26,00. Aepfel, Amerikaner, Riste 25-30. Stachelbeeren, unreife, 50 kg 15-18, 16-20. Erdbeeren 50 kg 25-50, do. Beeliger 40-45, do. holl. 50 kg 40 reife 50 kg 15-25. Johannisbeeren 50 kg 15-20. Blaubeeren 50 kg bis 50. Himbeeren 50 kg 50-55. Bitronen: Messina 300 Stüd 29-32, do. 360 Stüd 29-34, do. 150 Stüd 12-14, do. 50 kg 12-15, do. 160-200 Kiste 18-19. Apfelfinen 160-200 Stüd 7-10. Nr. 47. Feldartillerie: 2. und 6. Garde- Reg.; Regimenter Nr. 1, 3, 4, 9, 10, 11, 14, 15, 17, 18, 22, 23, 26, 33, 37, 40, 74, 79, 80, 82, 111, 217, 233; Res.- Regimenter Nr. 1, 12, 15, 25, 47, 49, 56, 58, 63, 64. Fußartillerie: Regimenter Nr. 1, 2, 5, 7, 9; Ses.- Regimenter Str. 10, 15, 17, 18; Landw.- Bat. Nr. 18; Schwere Feld- HaubikKranken- Unterstützungs- und Begräbnisverein der Bau- und gewerblichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Unserm langjährigen Rendanten Paul Schulz nebst Frau zu ihrer heutigen Silber. hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 37/2 Im Namen der Mitglieder und des Vorstandes: Gadegast, Soldiner Straße 75, Borsitzender. 9999999966cecece Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 191 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Werkzeugdreher Otto Lehmann ( Sorauer Str. 26) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 213/5 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Werkzeugmacher Otto Lehmann am 6. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! nachDie Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juli, mittags 4 Uhr, von der Zeichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bader Adolf Hesse von der Firma Knauer, Wichmannstraße 5, am 5. Juli im Alter bon 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juli, nachmittags 4 1hr, von der Leichenhalle des Bwölf Apostel- Kirchhofes, Tempelhofer Weg, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stutscher Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 9. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Ernst Meyer am 1. Juli tödlich verunglückt ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Schöneberg, Marstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/9 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Tischler Ferdinand Timm Emdener Str. 20 im Alter von 66 Jahren ge storben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 9. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Reichenhalle des Heilands- Kirchhofes in Plößensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 85/7 Als Nachruf. Opfer des Weltkrieges fielen unsere Stollegen Alfred Posselt, August Reddig. Ein ehrendes Andenken be= wahren ihnen A Die organisierten Kollegen der Firma C. Schulz, Hasenheide. Danksagung. Vielen Dank für die herzliche Teiluahme an der Beerdigung von Auguste Grosser fage ich hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannten im Namen der Hinterbliebenen. 0. Grosser. Die österreichische Kriegsanleihe. Wien, 7. Juli.( W. T. B.) Jm Postiparfaffenamt fand gestern unter dem Vorsiz des Vizegouverneurs Seth eine Sigung des Stonsortiums zur Durchführung der staatlichen Kreditoperationen statt. Der Vorsitzende machte über die äußerst günstigen Ergebnisse der Allgemeine Ortskrankenkasse für den Stadtbezirk Köpenick. Hiermit laden wir die Vertreter des Ausschusses zu der am Donnerstag, den 15. Juli 1915, abends 82 Uhr, im Restaurant" Wendenhof", Inh. Lindenblatt, Wendenschloß, Rüdertstraße 41, tagenden Außerordentlichen Spezialarzt = f. Haut:, Harn, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. fonz. Laborat. Blut Dr. Homeyer untersuchung., Fäden 1. Harn usw. Friedrichstr. 81, gegenüber Panoptikum Spr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Verkäufe. Kupfer! Messing! Aluminium! Nidel! Zinn, Zint, Blei, Quecksilber, Stanniolpapier, Platinaabjälle, Zahngebisse. Goldsachen, Silberabfälle, Teppiche mit fleinem Fehler, sehr Höchstpreise! Metallschmelze Cohn, Brunnenstraße 25 und Neukölln, billig. Gardinen, Portieren, Steppdeden, Tischdecken, Diwandeden, sehr Berlinerstraße 76. 56/ 4* billig. Vorwärtsleier 5 Prozent Zahngebisse! Bruchgold! Silber Rabatt. Teppichbaus Brünn, Hadeicher jachen, Platinaabfälle. Quecksilber, Markt 4( Bahnhof Börse). 246/ 4* Stanniolpapier, Stupfer, Messing, Metalle Hermannplass 6. höchstzahlend. Köpenider Ausschuß- Sigung Ziehung 14. und 15. Juli Gebrodanzüge, Herrenboſen. ein. Tagesordnung: 1. Nochmalige Beratung und Beschlußfassung über die zu erlassende Dienstordnung für die Angestellten der Kasse. 2. Antrag des Borstandes auf Rote otterie Piandleih sämtliche haus". Extrabilliger Bettenverlauf, Schmelze Christionat, Wäscheverkauf, Gardinenverkauf, ftraße 20 a( gegenüber Manteuffel56/ 1* Teppichverfauf, Uhrenverkauf, Goldstraße). sachen. Spottbillige Jakettanzüge, Platinabfälle bis 5,50 pro Gramm, Zahngebisse bis 50,00, Goldsachen, Silbersachen, Tressen, Duecksilber, Stanniolvavier bis 3,25, Kupfer bis 185, Messing bis 130, Sinn, Nidel, Aluminium, Zint, Blei, Höchstpreise! Edelmetall Eintauisbureau Weberjtraße 31( Telephon, Abholung.) 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Iahrgaug. SkilWk des Lsmiirls" Knlim MlKdlM Nonnerstag. 8. Juli 1915. Einigkeit unö Aielbewußtsein in Ser italienischen Partei. Von Angelika Balabanoff. Die Parteivorstandssitzung der italienischen Sozialdemokraten. die kürzlich in Rom stattfand, hat den Sozialistentötern wieder ein- mal eine bittere Enttäuschung verursacht, hatten diese doch ange- nommen, daß die sozialistische Partei entweder ganz im„Burg- frieden" aufgehen oder jedenfalls kein Lebenszeichen geben werde. Als der Parteivorstand einberufen wurde, schrieben gewisse Zeitungen, die sonst nicht zu den offiziell humoristischen gehören, es sei überhaupt unerhört, daß die sozialistische Partei trotz der vorherrschenden öffentlichen Meinung eine Sonderexistenz führe und gegen den Strom schwimme. Eigentlich, meinte eines dieser Blätter, sei es Schuld der bürgerlichen Presse. Würde die sich mit den Erscheinungen innerhalb der Partei nicht beschäftigen, so würde überhaupt niemand etwas von der Existenz der Partei merken, und die esfekt- und reklamesüchtigen Sozialisten würden sich beruhigen. Bezeichnend ist es— abgesehen davon, daß es höchst humori- stisch ist—, daß man noch heutzutage es so hinstellen kann, als sei die sozialistische Partei nicht etwa Ausdruck einer Massen- bewegung, eines sozialen und politischen Programms, einer Welt- anschauung, sondern die Organisation einer kleinen Minorität, die nur deshalb existiert und eine Tätigkeit entfaltet, weil die bürger- liche Presse von ihrem Dasein Notiz nimmt! Daß dem nicht so ist, beweist gerade die Haltung der italieni- schen sozialistischen Partei in der letzten ereignisschweren Zeit, und war die Einberufung des Parteivorstandes schon an und für sich eine Enttäuschung für die Gegner aus bürgerlichem und ehemalig revolutionärem Lager, so war der Verlauf der Vorstandsarbeiten erst recht dazu angetan, die Totengräber der italienischen soziali- stischen Partei und der Internationale Lügen zu strafen. Trotz der Weltereignisse, die die Oeffentlichkeit ganz in An- spruch nehmen, wimmelte es auch nach Kriegsausbruch in der italienischen antisozialistischen Presse von„Spaltungen", von „Demissionen" und„Bekehrungen" hervorragender Sozialisten zum kriegsfreundlichen Nationalismus. Das System ist das bereits ge- kennzeichnete: ein Sozialist wird in demselben Augenblicke zur her- vorragenden Persönlichkeit gestempelt, wo er der Partei untreu wird, und die bereits seit Jahren der Partei nicht angehörenden Kriegsschreier werden trotzdem als ihre Mitglieder aufgezeigt. Da- mit nicht genug, wird von Spaltungen in der Partei geschrieben, und daß sich etwas einer Spaltung ähnliches aus der ersten ge- meinsamen Sitzung nach Kriegsausbruch zwischen Vorstand und Fraktion ergäbe— war der heißeste Wunsch der Sozialistentöter. Daß es anders gekommen ist, daß die Partei nach wie vor auf dem prinzipiellen Standpunkte steht und sämtliche Organisationen hinter sich hat, erhellt zur Genüge aus der Resolution, die der Parteivorstand in bezug auf die innere Politik angenommen hat, wie auch aus dem Beschluß,„Verbindungen mit den Par- teien oder Parteifraktionen, die dem Sozialis- m u S t r e u geblieben sind, zu pflegen. Die Resolution über die innere Politik der italienischen Sozia- liste» ist insofern typisch, als in ihr alles das gesagt wird, was die Partei den Organisationen zur Richtschnur gibt, und weil gerade aus ihr zu ersehen ist, daß diejenigen, die auf Spaltungen in der Partei spekulieren, sich auf dem HolMege befinden. An und für sich waren die Gerüchte über die Spaltungen schon insofern ein demagogischer Kniff, als es töricht wäre, anzunehmen, daß eine Partei, die trotz allem, was in den letzten zehn Monaten innerhalb und außerhalb Italiens geschehen, sich geschlossen um das Banner des Sozialismus schart und ihre Stellung in der feierlichen Erklärung Turatis und des Parteivorstandes festlegt, stch nachher spalten werde. Es mögen immerhin Gefühlsäußerungen einzelner Genossen manchesmal nicht ganz im Einklang mit dem von der Partei als Ganzes und von dem sozialistisch organisierten Proletariate eingenommenen Standpunkt stehen, aber was das mit t�er Partei, ihrer Aktion zu tun haben soll, ist nicht leicht zu «gründen. � Daß es sich aber auch da um Ausnahmefälle handelt, bestätigt die Tatsache, daß der Parteivorstand gerade in seiner letzten Sitzung das einzige Fraktionsmitglied, den Abgeordneten Piccinato, der sich im letzten Moment, unmittelbar vor der Kriegserklärung weigerte, die Politik der Partei und der Fraktion zu unterstutzen und an der entscheidenden Parlamentssitzung am 20. Mai nicht teilnahm, aufs strengste verurteilt hat. Die Polemik, die in der Partei auftaucht, bezieht sich auf ganz formelle Fragen oder aber auf programmatische Meinungsver- schiedenheiten, die in der Partei stets vorhanden waren und mit der Stellung zum Kriege in keiner Beziehung stehen. Im Gegenteil, der Umstand, datz sie gerade jetzt auf- tauchen— und zwar zwischen dem Genoffen Treves in der „Critica Sociale" und dem„Avanti", dessen Antwort übrigens von der Zensur unterdrückt wurde— beweist gerade, daß, solange es sich um eine Aktion gegen den Krieg handelte, gar keine Gruppen- Differenzen in der Partei hervortraten. Die Linksreformisten teilten ganz den Standpunkt des Parteivorstandes und des „Avanti", die sich seit dem Kongresse von Reggio Emilia im revo- lutionären Geiste betätigt haben. Nachdem die Aktion gegen den Krieg bis zum letzten Augen- blick und bis zur letzten Möglichkeit von der Partei in ihrer Ge- samtheit durchgeführt worden ist, treten untergeordnete Dinge in den Vordergrund. So zum Beispiel taucht die Frage der Er- nennung eines erweiterten Parteiausschusses auf, der, aus Vertretern beider Parteirichtungen bestehend, die Partei während der Kriegsdauer leiten bzw. die Hilfsaktion der Partei- organisationen und einzelnen Genossen disziplinieren soll. Auch über die Art und Weise und die Grenze, bis zu der es den Ge- nassen obliegt, sich an den Hilfskomitees zu beteiligen, wird eifrig diskutiert— soweit es die Zensurverhältnisse gestatten, und auch auf diesem Gebiete kommen Meinungsverschiedenheiten zwischen den zwei Parteiströmungen zum Vorschein, aber'wie gesagt, es handelt sich um rein taktische Fragen. Daß die soziale Hilfsaktion die Parteikreise lebhaft interessiert, ist unter anderen auch auf die besonderen Verhältnisse des italienischen Parteilebens zurückzuführen. Kommen doch, ab- gesehen von einigen großen Städten bzw. Industriezentren, meistens kleine Ortschaften in Betracht mit überwiegend ländlicher Bevölkerung, wo die sozialistisch aufgeklärten Elemente die einzigen sind, die sich der sozialen Fürsorge widmen, die einzigen, die von Solidaritätsgefühl und sozialem Verständnis geleitet sind und ze- rade deshalb schon vor dem Kriege in die sozialen und politischen Körperschaften gewählt wurden. In dem größten Teil dieser Ort- schaften kann die soziale Hilfsaktion nur eine ausschließlich prole- tarische sein. An diese Elemente richtet sich der Parteivorstand mit der Mahnung, ihrer Tätigkeit ein Klassengepräge zu geben und keine Verantwortlichkeit zu übernehmen, die irgendwie den Grundsätzen der Partei widersprechen könnte. Wie der„Avanti" richtig bemerkt, wird der Vorstandsbeschluß mit Zustimmung und Genugtuung von allen Genossen und in weiten Kreisen der Arbeiterklasse aufgenommen werden.Obwohl der Krieg mit seinen sämtlichen Folgen auch Italien heimgesucht hat, fehlt in Italien, dank dem konsequenten Verhalten der italie- nischen sozialistischen Partei, eine der Begleiterscheinungen, die der Weltkrieg in den meisten kriegführenden Ländern gezeitigt hat— der Burgfrieden. Da die Resolution als das Hauptergebnis der ersten Beratung der italienischen Parteiinstanzen seit dem Kriegsausbruche, davon Zeugnis ablegt, daß die Partei nichts von Burgfrieden hören will, darf wohl der italienischen Partei das Ehrenzeugnis ausgestellt werden, daß sie nicht nur vor dem Kriege für den Sozialismus und Internationalismus gekämpft hat. Die Kraft und die Macht der italienischen sozialistischen Par- tei wird auch in Zukunft davon abhängen, in welchem Matze es ihr gelingen wird, ausschließlich als Vertreterin der Interessen und der Ideologie der Arbeiterschaft zu handeln. politische Ueberficht. Eine freundliche Aufforderung. Den Drohungen rechtsstehender Parteigenossen und Parteiblätter mit Ausschließung der„Quertreiber" aus der Partei sucht Herr V. Zedlitz im„Tag" durch historische Parallelen größeren Nachdruck zu verleihen. Er erinnert daran, daß das Breslauer Parteiblatt vier Gruppen inner- halb der Partei unterscheidet: Liebknecht; Haase, Bernstein, Kautsky; den B l o ck v o m 4. A u g u st und eine Gruppe von Annexionsfreunden. In dem Friedensmanifest des Partei- Vorstandes erblickt Herr v. Zedlitz eine Ltonzession des „Augustblocks" an die Liebknecht- und Haase-Gruppen, um einer Parteispaltung vorzubeugen: „Der Zweck der Kundgebung(des Parteivorstandes) ist in Wirklichkeit freilich wohl ein anderer, als sie sich den Anschein gibt. Dies Friedensverlangen, in dem sie ausklingt, ist sicher mehr Mittel zum Zweck als Selbstzweck. Das geht aus den Aus- einandersetzungen hervor, durch welche die Politik des August- blocks gegen die Angriffe der Gruppen Liebknecht und Haase ver- teidigt und der Vorwurf zurückgewiesen werden soll, daß diese Politik einen Absall von den Parteigrundsätzen bedeute. Auf diese Weise soll der Gefahr vorgebeugt werden, daß die MeinungS- Verschiedenheiten in der Partei sich in einer die Einheit gefähr- denden Weise verschärfen. Die Befürchtung einer Spaltung hat offensichtlich die Friedenskundgebung vom 26. Juni veranlaßt; diese Besorgnis steht zugleich so im Vordergrund des Interesses, daß man selbst vor einem Vorgehen nicht zurückschreckte, mit dem man hätte befürchten müssen, Geschäfte unserer Feinde zu machen. Ob der Zweck trotzalledem erreicht werden wird, ist sehr fraglich. Dem unbefangenen Beobachter erscheinen die Gegen- sätze in der Partei stärker, als man dies wenigstens zurzeit noch seitens des Augustblocks zugeben will. Trifft diese Auffassung zu, so lehrt die Geschichte anderer Parteien, daß Verkleisterungs- versuche nur zu oft vergeblich bleiben. Selbst wenn die Mehr- heit dabei der Minderheit übermäßig iveit entgegenkommt.... Auch nach anderer Richtung bietet die Parteigeschichte der neueren Zeit betreffs der Gefahren, welche mit dem Bestreben verbunden sind, Parteien um jeden Preis zu- sammenzuhalten, Lehrreiches. Der Widerstreit zwischen der kartellfreundlichen Mehrheit und der extremen Minderheit in der konservativen Partei endigte, als die Mehrheit von einer reinlichen Scheidung nichts wissen wollte, schließlich mit einem, wenn auch vorübergehenden, Siege der extremen Richtung. Die Vorgänge innerhalb der sozialdemokratischen Partei rufen un- willkürlich diese Erinnerung aus der Parteigeschichte wach. Auch die Männer vom sozialdemokratischen Augustblock sollten jener Episode gedenken." Die Sorge des freikonservativen Parlaurentariers um die Zukunft unserer Partei ist wirklich zu rührend I In der„ P o st" wird Herr v. Zedlitz noch deutlicher; er schreibt dort: „Beide Teile, die extreme Minderheit, wie die auf dem Standpunkte des Augustblocks stehende Mehrheit der in der Heimat gebliebenen Sozialdemokraten tverden von dem ge- meinsamen Gedanken geleitet, eine Spaltung in der Partei zu vermeiden. Sie erkennen, beide mit einein ge- wissen Recht, in dem Zusammenhalten der sozialdemokratischen Partei ein wesentliches Element ihrer politischen Kraft. Es handelt sich also zunächst für beide Richtungen darum, wer in der Folge innerhalb der Partei vorherrschen soll. Die extreme Minderheit bezweckt, wie in der letzten Kundgebung des Parteiausschusses ausdrücklich aus- gesprochen wird, der Mehrheit ihren Willen aufzuzwingen. Ob trotz der kräftigen Töne, welche Parteileitung und Parteiausschuß gegen die Quertreiber in der letzten Kundgebung angeschlagen haben, ein Auseinandergehen beider Richtungen zu verhüten ist, erscheint dem unparteiischen Beobachter nicht unzweifelhaft, denn es handelt sich offenbar um einen Gegensatz tiefgehend st er Art, nämlich um die Gesamt st ellung gegenüber dem Deutschen Reiche, gegenüber dem Paterlande. Solche Gegensätze lassen sich vielleicht vorübergehend überkleistern, aber schwerlich dauernd überbrücken. Kann sich die Mehr- heit nicht zu dem Entschlüsse aufraffen, die extreme Gruppe vor ein ganz entschiedenes Entweder— Oder zu stelle«, so ist nach den Erfahrungen bei anderen Parteien nicht nur mit der Möglichkeit, sondern vielleicht mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß schließlich gerade das eintritt, was der Parteiausschuß vermeiden will, daß die extreme Minderheit der Mehrheit ihren Willen aufzivingt. Welche Stellung zu einer solchen Entwicklung der Partei in der Heimat die aus dem Felde heimkehrenden Genossen und Mitläufer der Sozial- demokratic einnehmen würden, ist freilich ejne Frage für sich." Ein Angriff auf Branting. Die bis vor kurzem von dem Genossen Stampfer, jetzt von dem Genossen Vaake herausgegebene Korrespondenz veröffentlicht unter der Ueberschrift„Deutschland und Schweden" einen Artikel, in dem sich Behauptungen befinden, die unserer Meinung nach nicht un- widersprochen bleiben dürfen, besonders deshalb nicht, weil hier die Politik und das persönliche Verhalten unseres schwedischen Partei- genossen Branting in ein durchaus schiefes Licht gerückt wird. Richtig ist, daß in Schweden, wo weite Kreise sich vor den Eroberungsgelüsten des russischen Nachbarn fürchten, viele Sym- pathien für Deutschland vorhanden sind, und wenn auch die Ver- sicherung, es gebe dort große Parteien, die offen erklärten, jetzt sei die beste Gelegenheit für Schweden, seine alten Rechte zur Befrei« tig Finnlands vom russischen Joche geltend zu machen, ein merkwürdig geringes Verständnis für die schwedischen sowohl wie für die finnischen Verhältnisse verrät, so läßt sich doch vom nordöstlichen Kriegssthauplatz. Das Fcrnverständigungswesen im Kriege. Ostpressequartier, 3. Juli 1913. Jeden Tag um die gewohnte Stunde greift der Leser nach seiner Zeitung, um den letzten Tagesbericht der Obersten Heeres- leitung schnell zu überfliegen. In wenigen Augenblicken ist er über das Ergebnis des vorigen Tages an wichtigen kriegerischen Vor- gängcn unterrichtet. Nur einige Sätze haben seine Augen zu ver- schlingen, aber eine gewaltige Summe von Arbeit und organisa- torischen Vorbereitungen ist in den ivenigen Druckzeilen enthalten. Die kurzen Berichte der Obersten Heeresleitung bilden sozusagen das Werturteil, das sie aus vielen Tausenden von Meldungen ge- winnt, die aus der Front bei der Zentralstelle zusammenlaufen. Man kann die Meldungen über die Vorgänge an der Front in ge- wipem Sinne auch als das Echo der von den Kommandostellen ausgegangenen Befehle betrachten. Entsprachen die Befehle strate- gisch und taktisch der gegenwärtigen Lage, dann werden im allge- meinen auch günstige Meldungen- über die erzielten Erfolge ein- gehen.->... Die Ansprüche des modernen Krieges mit den Millionenheercn und Riesensrontcn haben nun auch das Melde- oder Verständi- gungswesen auf eine gegen früher sehr veränderte Grundlage ge- stellt. Der Meldereiter z. B. spielt nur noch eine untergeordnete Rolle; er kommt für den Verkehr zwischen den oberen Kommando- stellen überhaupt nicht mehr in Betracht. Der Draht, als das ver- mittelnde Organ im Fernsprech- und Telegruphenvcrkehr, hat ihn abgelöst, und er behauptet auch noch das Feld, trotz der starken Konkurrenz, mit der ihm die drahtlose Telegraphie den Rang streitig zu machen sucht. Ohne Telegraph und ohne Telephon wäre ein Krieg in der Art, wie er sich jetzt vor unseren Augen abspielt, voll- ständig undenkbar.. Die eigentlichen Schlachtenlenker sitzen heute weit hinter der Front, sind oft von den Truppen, die nach ihrem Kommando den Gegner angreifen, bis 100 Kilometer entfernt. Das nicht allein. Die unendlich lange Kampffront besteht aus einer großen Anzahl von Operatwnsabschnitten, deren Befehlshaber zwar selbständig, aber immer im Rahmen der vom Oberkommando gegebenen An- Weisungen entscheiden. Die Abschnitte sind wiederum die Zentral- stelle für viele Abteilungen, und diese setzen sich nochmals wieder aus einer Reihe von Gruppen zusammen, z. B. Batterien,«chützen- gräben, Beobachtungsstände, Flugplätze, Funkenstationen usw. Diese letzten Ausläufer des gewaltigen Apparates sind mit den Ab- teilungskommandeuren, diese mit den Befehlshabern der Abschnitte usw. hinauf verbunden, so daß das Oberkommando nicht nur direkt den Kommandostellen der Abschnitte, sondern auch den einzelnen Abteilungen und selbst der kleinsten Gruppe Befehle übermitteln kann. Die Oberkommandos der einzelnen Armeen unterhalten weiter direkte Verbindungen mit den Oberbefehlshabern auf den einzelnen Kriegsschauplätzen uich dein großen Hauptquartier. Dabei besteht die Möglichkeit, daß auch für diese Stellen eine direkte Ver- bindung mit den kleinsten Gruppen vorn an der Front bis an den Schützengraben hinaus hergestellt werden kann. Die Vorbedingung für die Schaffung der Fernverständigungs- anlagen ist natürlich sehr verschieden. Die größten Schwierigkeiten sind im Osten zu überwinden. Verhältnismäßig leicht lassen sich die Verbindungen zwischen den Hauptquartieren und zwischen den Oberbefehlshabern mit ihren Armceoberkommandostellen herstellen, weil hierzu im allgemeinen die vorhandenen Leitungen der Reichs- post benutzt werden können. Ganz anders liegen die Verhältnisse im eigentlichen Operationsgebiet, wenn und wo ein ausgedehntes, engmaschiges Netz, das alle die einzelnen Kommandostellen und Truppenverbände mit dem Oberkommando der Armee verbindet, erst geschaffen werden muß. Aber nicht nur die kämpfenden Truppen, sondern auch die Etappen, Ortskommandanturen, die ver- schiedenen Sanitätsabteilungen und Trainkolonnen müssen der Hauptleitung angeschlossen werden. Weiter ist zu bedenken, daß die Verbindung bei keiner Bewegung der Truppen, bei keinem Vor- marsch, bei keiner Verschiebung unterbrochen werden soll. Wie ist es möglich, solchen Anforderungen zu genügen? Wie ist das mög- lich, wenn die Kampffront in wenigen Tagen um 50 bis 100 Kilo- meter vorwärts geschoben wird und das Operationsgebiet plötzlich eine gewaltige Ausdehnung erfährt, wie das beispielsweise als Er- gebnis der großen Winterschlacht im Osten sowie der Besetzung Kurlands der Fall war? Wie bringt man es fertig, Ereignisse, wie die Einnahme Libaus, im Augenblick des Einzuges in die Stadt dem Oberkommando und dem Hauptquartier im Westen melden zu können? Die Geschichte ist beinahe so einfach, wie die mit dem Ei des Kolumbus, man muß nur wissen, wie es ge- macht wird. Die Infanterie verläßt das deutsche Gebiet und verliert damit den Anschluß an das Drahtnetz der Reichspost, das sie für ihre Verbindung nach dem Innern des Reiches weiter benutzen mutz. Mit ihr setzen sich einige Leute in Bewegung, von denen einer einen offenen Kasten auf dem Rücken trägt; darin ruht eine mit leichtem umsponnenem Kabel beschickte Rolle. Beim Vorwärts- gehen des Trägers wickelt sich der mit der Reichspostlcikung ver- knüpfte Draht von selbst ab. Zu jeder Zeit kann ein mitgeführter Apparat angeschlossen und ein Gespräch geführt werden. Bei dieser Kabellegung kommt es nur darauf an, für kurze Zeit die Verbindung zu sichern. Ein Bcgleitinann des Kastenträgers legt den Draht in Gräben oder mit Hilfe einer Stange auf die Zweige von Bäumen, eine hinterherziehendc Kolonne ersetzt diese Sprech- leitung durch eine etwas stärkere, das sogenannte Feldkabel, bei dessen Anlage auch schon mehr Rücksicht auf die Gefahr der Zer- stövung des leichten Armeekabels genommen werden kann. Aller guten Dinge sind drei, heißt es auch hier. Soweit es zweckdienlich erscheint, ersetzt eine dritte Abteilung das Feldkabel durch die schweren, blanken Eisen-- oder Kupferdrähte, die dann auch dem Telegraphcnvcrkehr dienen. Als Träger dieser Drähte werden Ge- stänge(Telegraphenstangcn) benutzt. Sind solche nicht vorhanden, müssen sie extra eingebaut werden. Das ist in Rußland vielfach der Fall, weil hier das Telegraphennctz überhaupt nur mangelhaft ausgebaut ist und die Russen bei ihren Rückmärschen das Vorhan- dene Gestänge meistens zerstören. Trotzdem tverden Tagesleitungen von 12 bis 15 Kilometer Doppelleitung erzielt. Das ist natürlich nur möglich, wenn in der großzügigen Organisation alles wie am Schnürchen klappt. Für die Verbindung unter den zusammen- gehörenden Truppenverbändcn sorgen diese selbst. In großen Zügen ergibt sich folgendes Bild: Die Schützengräben eines Bataillons stehen untereinander und direkt mit dcnr Bataillons- stab telephonisch in Verbindung. Hier kann ihr Anschluß an die rückwärtige Leitung hergestellt tverden. Sodann sind wieder die Bataillone untereinander und mit den Regimentsstäben, die Regi- menter mit den Divisionen, diese mit ihrem Korps verbunden. Und bis dahin reichen gewöhnlich die direkten Verbindungen des Armeeoberkommandos. Man steht vor einem anscheinend wirren Netz von Drähten, in dem das tollste Durcheinander herrschen könnte. Und doch ist es ein dem Willen des Menschen gehorchender, wunderbar sicher funktionierender Apparat. Stünden nicht miti- tärische Interessen solchem Vergnügen entgegen, so könnte der Musketier Meier aus dem vor einigen Minuten fertiggestellten Schützengraben an der Dubiassa oder aus dem soeben eroberten Dorf bei Libau telephonisch seinem Lehrling in seinem Geschäft in München einen Auftrag erteilen. Oder er könnte zu Hause an- klingeln und sein Wohlbefinden melden. Bis zu den Divisionen reichen im allgemeinen auch die telegraphischen Verbindungen. Sic können Telegramme auf telephonischem Wege zur Weiterbcfördc- rung übernehmen.— Die Gestängeleitung im Bereich des Armee- oberkommandos... beträgt ungefähr 10 000 Kilometer, dazu noch einige tausend Kilometer Feldkabel. 50 Telegraphenstationen, 1000 Srechstellen sind da und beim A. O. K. sind durchschnittlich im Tag 2000 Dcpescken zu bewältigen. Wer die alle lesen muß, ist nicht zu beneiden. Wenn jedoch ein Mensch alle die erregten und kühlen, geistvollen und volkstümlichen, befehlenden und bittenden Gespräche anhören müßte, die in einem Tage durch das Riesennctz laufen— er wäre sicher bald reif fürs Sanatorium. . D ü w e l l, Kriegsberichterstatter. rrfdjt Btjtefffeftt, Leute dorhanden find, die gegen ein Eingreifen Schwedens an der Seite der Zentralmächte nichts einzuwenden haben würden. Sie sind in der Hauptsache in den Kreisen der sogenannten Jungkonservativen zu suchen und haben der Regierung, die die Neutralität unter allen Umständen aufrechterhalten will, das Leben gelegentlich ein wenig sauer gemacht. Die Liberalen und Sozialdemokraten haben von Anfang an die Regierung in ihrem Bestreben unterstützt und teils aus wirklicher Sympathie mit der Sache der Entente, teils auch aus taktischen Gründen gegenüber den kriegslustigen Freunden Deutschlands den Standpunkt der Alliierten, vor allem Frankreichs und Englands verteidigt. Es gibt dabei in Schweden so gut wie allenthalben gewisse Nuancen, und auch innerhalb der Sozialdemokratie sind die Meinungen darüber, auf welcher Seite das moralische Recht ist, ge� teilt. Keineswegs angebracht aber ist es, den Genossen Branting, wie die genannte Korrespondenz es tut. in Gegensatz zu der grossen Mehrheit seiner Parteigenossen zu bringen und ihn deutsch feindlicher Gesinnung zu beschuldigen. Die Behauptung, er habe .in seinem Blatte und mündlich bei seinen Reisen durch Deutschland aus seiner deutschfeindlichen Gesinnung kein Hehl gemacht und den Gegnern Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung schon reichlich Material geliefert � ist einfach unwahr. DaS einem französischen Journalisten gewährte Interview, das als Beweis angezogen wird, haben wir im Augenblick nicht zur Hand, soviel aber wissen wir, dass Branting selbst im Stockholmer.Social demokrat' einige Irrtümer dieses Interviews festgestellt hat. Dass Branting während de» Krieges mehrere Reisen durch Teutschland gemacht haben soll, ist, wie wir bestimmt zu wissen glauben, un- richtig. Wir kennen nur eine Reise, die nämlich, die ihn in der vergangenen Woche nach Berlin geführt hat. Eine ganze Reihe von Parteigenossen, die mit Branting in Berlin zusammengetroffen sind, haben von ihm keinerlei deutschfeindliche Äeusse- rung vernommen, sondern nur feststellen können, dass er, ebenso wie in seinem Blatt, die Politik der deutschen Regierung und die Haltung der deutschen Sozialdemokratie— zum Teil vielleicht auf Grund von unzureichenden Informationen— mit kritischen Augen ansteht, sich in seinem Urteil aber der denkbar größten Objektivität defleissigt. Solange man uns nicht den Beweis erbringt, dass Branting sich wirklich irgend jemand in Deutschland gegen- über in deutschfeindlichem Sinne geäussert hat, müssen wir an« nehmen, dass es Parteigenossen gibt, die jede Kritik als Feindselig keit auffassen und die von jedem neutralen Sozialdemokraten ver« langen, dass er ohne weiteres alles, was von deutscher Seite geschieht, unbesehen und kritiklos hinnimmt. Wie bedenklich ein solcher Standpunkt ist, sollte uns eigentlich schon der Miherfolg der Aktion jener Professoren bewiesen haben, die zu Beginn des Krieges ebenfalls jedem Neutralen, der nicht be> dingungslo« die Gerechtigkeit der deulschen Sache anerkannte, als Feind Deutschlands brandmarkten. Wir nehmen im übrigen an, dass Genosse Branting selbst auf die gegen ihn erhobene Anklage antworten wird, wir möchten nur einstweilen diese Bemerkungen vorausschicken, weil er, wie wir wissen, zurzeit schwer erreichbar und nicht wohl in der Lage ist, zu berichtigen. Konferenz der Finanzminister. Die Finanzminister der Bundesstaaten werden auf Ein- ladung deS Staatssekretärs des Reichsschatzamtes am Sonn- abend, den 10. Juli, in Berlin zu einer Besprechung zusammen- kommen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt dazu: „Wie wir hören, handelt es sich bei dieser Konferenz nicht um die Beratung bestimmter Vorlagen; der Zweck der Zusammenkunft ist vielmehr eine allgemeine Aus- spräche über die Finanzlage des Reichs und die mit der finanziellen Kriegführung zusammenhängenden Fragen. Der Chef der Reichsfinanzverwaltung legt in der gegenwärtigen Zeit ganz besonderen Wert auf die unmittelbare und Person- liche Fühlung mit den Leitern der einzelstaatlichen Finanzen." Urlaub des Gesandten in Konstantinopel. Berlin, 7. Juli.(38. T. 23.) Der deulsche Botschafter in Kon- stantinopel, Freiherr v. Wangenheim, sieht sich auf ärztlichen Rat genötigt, wegen eine» Herzleidens einen sechswöchigen Urlaub zu einer Kur in Bad Nauheim zu«rbitlen. Zu seiner Vertretung wird Fürst Hohenlohe-Langenburg als Botschafter in ausserordentlicher Mission nach Konstantinopel entsandt werden, um während der Ab- Wesenheit des Freiherrn v. Wangenheim die Geschäfte zu führen. Gegen den Lebensmittelmucher. Das stellvertretende Generalkommando des ersten bayerischen Armeekorps in München, das wiederholt Missständen scharf zu Leibe ging, hat jetzt, laut„Tägl. Rundschau" gewerbsmässigen Händlern Gefängnisstrafen bis zu einem Jahre angedroht, wenn sie für Gegenstände deS täglichen Bedarfs u n a n g emessene hohe Preise fordern. Mit der gleichen Strafe wird bedroht, wer solche Borräte zum Zwecke der Preistreiberei zurückhält oder wer im gewerbsmässigen Kleinhandel die Abgabe gegen Bezahlung verweigert. Die Verordnung, die allenthalben Nachahmung ver» dient, bezieht sich auf alles, was unter den Begriff Nahrungs-, HeizungS- und BeleuchtungSmittel für die Hauswirtschaft fällt. Eine Mahnung zu erhöhter Zuckerproduktion. verli», 7. Juli.