Nr. 187.- 32.Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 ML monatl. 1,10 möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mari, für das übrige Ausland Mark pro Monat. Postabonnements rehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedic Bort 20 Pfg.( zulässig 2- fettaudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes meitere Wort 5 Bjg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplas, Nr. 151 90-151 97. Freitag, den 9. Juli 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97. Fortdauer der Schlacht bei Krasnik. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 8. Juli 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Westlich son Souchez gelang es den Franzosen, in einer Breite von etwa 800 Metern in unseren vordersten Graben einzudringen. Durch einen Gegenangriff wurden sie wieder vertrieben. Ein zweiter Angriff des Feindes brach im Feuer zusammen. Um cin Kleines Grabenstück, in dem die Franzosen noch sitzen, wird mit Handgranaten gekämpft. Gegen die von uns genommenen Stellungen westlich Apremontdauerten die feindlichen Angriffe Tag und Nacht hindurch ohne jeden Erfolg an. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 3 Offiziere und über 400 Mannerhöht. Auf der ganzen Westfront fanden lebhafte Artilleriekämpfe statt. Deftlicher Kriegsschauplah. Ein feindlicher Angriff aus Richtung Kowno wurde unter großen Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Beim Dorfe Stegna, nordöstlich von Przasnysz wurden einige russische Gräben genommen und behauptet. Feindliche Vorstöße in der Gegend von Strzegowo und von Starozreby( nordöstlich und südwestlich von Racionz) hatten keinen Erfolg. Versuche des Gegners, uns die gestern coberte Höhe 95 östlich Dolowatka zu entreißen, scheiterten. Südöstlicher Kriegsschauplah. Die Lage der zwischen Dniestr und obecer Weichsel stehenden deutschen Truppen ist unverändert. Westlich der oberen Weichsel wurde eine Reihe feindlicher Stellungen gestürmt. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 8. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 8. Juli 1915: Russischer Kriegsschauplas. Weichsel In Russisch Polen östlich der dauern die Kämpfe fort. Zahlreiche heftige russische Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Vor überlegenen feindlichen Kräften, die zur Deckung von Lublin herangeführt zum Gegenangriff vorgingen, wurden unsere Truppen beiderseits der Chaussee auf die Höhen nördlich Krasnik zurüd= genommen. Westlich der Weichsel wurden einige russische Borstellungen crstürmt. Am Bug und in Ost galizien ist die allgemeine Situation unverändert. Feindliche Vorstöße an der unteren Zlota- Lipa wurden abgewiesen. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen unternahmen die Italiener gestern wieder einzelne Vorstöße. Gegen den Görzer Brüden= kopf sandten sie auch Mobilmiliz ins Treffen. Unsere Truppen schlugen sämtliche feindlichen Angriffe wie immer ab. Am mittleren Isonzo und im Krngebiete herrscht Ruhe. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiete fand nur Geschünkampf statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf den Grenzhöhen öftlich Trebinje hat nachts zum 7. Juli der Kampf gegen die Montenegriner erneut hegonnen. Da der Gegenangriff der Montenegriner am 6. d. M. mißlungen war, versuchte der Feind nachts noch einen Borstoß, der jedoch in unserem Infanterie- und Artilleriefeuer völlig zusammen brach. Nunmehr herrscht dort Ruhe. An der übrigen Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Truppen nicht gelingt, den Italienern ihre Stellungen zu entwie die stets wiederkehrende Behauptung hin, daß es unseren reißen. Wir sind eben schon so sonderbare Leute, daß wir in der Verteidigung angreifen. Vom 28. Juni bis 4. Juli! Von Richard Gädke. Wir dürfen uns nicht in der Hoffnung wiegen, den Höhepunkt dieses Krieges bereits überschritten zu haben; unzweifelhaft aber hat uns die vergangene Woche ein gut Stück vorwärts gebracht und reiht sich ohne Rückschlag den siegreichen Wochen an, die mit Beginn des Mai für uns eingesetzt haben. Im Osten sind die russischen Heere auf unserem rechten Flügel weiter nach Osten bis an den Bug und an die 3lota- Lipa unter lebhaften Nachhutgefechten zurückgeworfen worden. Die verbündeten Truppen stehen an dem nächsten Punkte 40 Kilometer östlich Lemberg. Die Armee des Generals v. Linsingen fämpft nunmehr in voller Stärke auf dem nördlichen Dnjestr- Ufer und hat sich aus diesem Grunde weit nach Norden hinaufgezogen; lints an sie anschließend geht die österreichische Armee des Generals v. BöhmErmolli gegen den Bug in der Linie von Krasne bis nördlich Kamionfa- Strumilowa vor. Die Russen aber machen ihnen den Rest von Ostgalizien mit größter Hartnäckigkeit Schritt vor Schritt streitig. Der äußerste rechte Flügel der Verbündeten, die österreichische Armee Pflanzer- Baltin, hält seit vierzehn Tagen fast im rechten Winkel zur Armee Linsingen die Dnjestr- Front von der Mündung der Zlota- Lipa bis zur bessarabischen Grenze. Der von ihr zu sichernde Raum verengt sich durch die Fortschritte Linsingens derart, daß wir wohl der Wiederaufnahme auch ihrer, angriffs= weisen Tätigkeit entgegenschen dürften. Das bei weitem größte Interesse aber sammelt sich zurzeit auf die Bewegungen der verbündeten Heere, die unter dem Befehl des Feldmarschalls v. Macenjen vereinigt sind. Das siegreiche und ungestüme Vorwärtsdrängen des verbündeten Heeres vom Dunajcz über den San und über Lemberg auf den Bug hatte beträchtliche russische Streitkräfte westlich und östlich der Weichsel in ihrer linken Flanke gelassen. Nur die Unfähigkeit dieser russischen Truppen zum Angriff hatte den sehr kühnen Vormarsch der Deutschen in östlicher Richtung ohne Gefahr gestattet. Da das aber möglich war, so lockerte sich allmählich der Zusammenhang der in Polen hartnäckig stehenbleibenden russischen Heere mit den auf die Wolhynische Grenze östlich zurückweichenden russischen Truppenteilen. Es wurde Zeit, diesen günstigen Umstand zu benutzen und damit zugleich jede Flankenbedrohung für die Zukunft unmöglich zu machen. Die österreichische Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand, die während Ein italienischer Kreuzer torpediert. Wien, 8. Juli.( W. T. B.) Zu dem italienischen Gen e- der San- Kämpfe dem Befehl Mackensens unterstellt wurde, war für ralstabsbericht vom 6. d. M. bemerkt das Kriegs- sich allein nicht stark genug zu dieser Aufgabe. Schon während des Rom, 8. Juli.( W. T. B.) Der Chef des Admi- pressequartier: Angesichts der beständigen Mißerfolge der Vorgehens auf Lemberg scheint daher die allmähliche Herumralstabes teilt mit: Vorgestern nacht wurde eine Auf- leitung, da die Ausrede mit der Witterung nicht mehr recht ver- liche Richtung eingeleitet zu sein eine marschtechnisch keinesplanmäßig verlaufenen Operationen verfällt die italienische Heeres- schwenkung der deutschen 11. Armee aus der östlichen in die nördflärungsfahrt in der oberen Adria unternommen. Der fangen will, augenscheinlich auf eine andere Entschuldigung: die wegs leichte Aufgabe, besonders wenn man denkt, daß der zahlloje Kreuzer Amalfi", welcher daran teilnahm, wurde Benutzung unerlaubter Waffen und Kriegslisten seitens unserer Seerestroß in richtigem Verhältnis zu den einzelnen Armeekorps gestern bei Tagesanbruch von einem österreichisch- ungarischen Truppen. Wir nehmen diesen Vorwurf mit derselben Gelassenheit gleichfalls in die neue Marschrichtung geleitet werden mußte. ZuTauchboot torpediert. Das Schiff hatte sofort schwere Schlagin ihren Kämpfen um den Tanew- Abschnitt, dann rückte die Mitte erst unterstützte der linke Flügel über Ciesanow die Oesterreicher seite nach links. Bevor der Kommandant der Besatzung beüber Rawa- Ruska gegen Zamose und Komarow zu beiden Seiten fahl, sich ins Meer zu werfen, ertönte der Ruf:„ Es lebe der des oberen Wieprz nach, während der rechte Flügel zunächst noch in König, es lebe Italien." Die ganze Besatzung, welche am Heck nordöstlicher Richtung verblieb und am 28. Juni die Ruffen bei Der französische Tagesbericht. des Schiffes versammelt war, stimmte mit, bewundernswerter Mosthwielki schlug. Er warf sie dann weiter auf Krystynopol un Paris, 8. Juli.( W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sokal und schließlich über Krhlow am Bug( 65 Kilometer nordDisziplin in den Ruf ein. Der Kommandant verließ als Mittwoch nachmittag. Im Gebiet nördlich von Arras weitlich Kamionta- Strumilowa, 92 Kilometer nördlich Lemberg) zuletter das Schiff, indem er sich auf der noch aus dem dauerte das Bombardement die ganze Nacht an. Zwei mit rück, um so jede Gefahr für die eigene rechte Flanke auszuschließen. Wasser ragenden Seite des Schiffes heruntergleiten ließ. Der schwachen Beständen ausgeführte deutsche Angriffe gegen Augenblicklich befinden sich die verbündeten Truppen des FeldKreuzer versank kurz darauf. Es gelang uns, nahezu die den Bahnhof von Souchez wurden zurückgeworfen. Auf den marschalls Mackensen in einer 170 Kilometer breiten Front zwischen gesamte Besatzung zu retten. Maashöhen wurde gegen 9 Uhr abends ein neuer deutscher Weichsel und Bug auf der Linie Josephow- Stary- 3amose( 10 KiloAngriff gegen unsere Stellungen auf der Höhe südlich der meter nördlich Zamosc)-Krylow im siegreichen Vormarsch in fast Lonveaurschlucht durch unser Kreuzfeuer angehalten. Die nördlicher Richtung. Der rechte Flügel scheint noch ein wenig abDeutschen griffen gleichzeitig westlich dieser Höhe an; sie zuhängen. Man sollte meinen, daß ein weiterer erfolgreicher VorDie italienische Generalstabsmeldung. wurden auch an dieser Stelle zurückgeworfen. Südöstlich marsch dieser Heeresgruppe, der sich westlich der Weichsel die deutschbon St. Mihiel ergriff der Feind diese Nacht nach einem österreichische Armee des Generalobersten v. Wohrsch anschließt, zu Rom, 8. Juli.( W. T. B.) Generalstabsbericht. Bombardement von äußerster Heftigkeit die Offensive auf einer glüdlichen Ergebnissen führen müßte. Von Lubin, und damit von Im Daonetal unternahm der Feind einen Angriff gegen Front, die sich von dem das rechte Maasufer beherrschenden der südlichen Zufuhrlinie der westpolnischen Armeen Rußlands, beunsere Stellung von Pesso di Campo. Er wurde mit schweren Hügel bis zu dem Tete de Vache benannten Ort im Walde fanden sich die verbündeten Truppen am Morgen des 5. Juni nur Verlusten zurückgeworfen. Im Cadore eröffnete unsere von Apremont erstreckt. An einer einzigen Stelle, in der Gegend noch 40 Kilometer entfernt; bis Siedlce aber, an der Bahn schwere Artillerie das Feuer auf das Befestigungswerk La- von Vaur Ferry, gelang es dem Feind, auf etwa 700 Meter Warschau- Brestlitowski, haben sie keinen längeren Marsch, als die corte im Hochtal von Cordevole und auf den Abschnitt Tre- Front in unsere erſte Linie einzubringen. Er wurde sonst westlich Warschau an der Bzura und Rawka noch haltenden russisasse bis Valparolapaß. Sie verursachte schweren Schaden. überall mit starken Verlusten zurückgeworfen. Im Ditteile des schen Truppen. Allerdings liegt dazwischen noch die breite FlußIn Kärnten wurden außer dem üblichen vergeblichen Angriff Priesterwaldes hielten wir einen neuen deutschen Angriffs. niederung des Wieprz mit ihrer östlichen Verlängerung, der Thsmin Richtung des Großen Pal feindliche Angriffe gegen unsere versuch an, dem das Schleudern brennender Flüssigkeit vorausjenica. Der Wieprz mündet bei der Festung Zwangorod in die Stellungen am Bramosiopaß und bei Sfarnißs zurückge- ging. Auf der übrigen Front hat sich nichts Wichtiges ereignet. Weichsel. schlagen. Wir fahren langsam aber beständig fort, auf dem Paris, 8. Juli.( W. T. B.) Amtlicher Bericht Nach Norden sind die Rückzugstraßen der Russen durch den beHochplateau von Carsies vorzurüden. Wir machten dort ins- vom Mittwoch abend. Im Gebiet nördlich von Arras festigten Bug- Narew- Abschnitt gegen die Truppen Hindenburgs vorgesamt in den Tagen vom 4. bis 7. Juli 1400 Gefangene. im Abschnitt Quennevieres ziemlich lebhafte Artilleriekämpfe. läufig noch gesichert. Inzwischen steigern ihre großen Verluste sich In der Nacht vom 5. zum 6. Juli bombardierte eines Auf den Maashöhen meldet man heftiges Bombardement von Tag zu Tag; in den ersten vier Julitagen haben sie schon wieder unserer Zenkluftschiffe wirksam die wichtige Eisenbahnkreu- unserer Stellungen von Les Eparges. Im Apremontwald fast 26 000 Gefangene in unseren und der Desterreicher Händen gezung nördlich von Opcina. Am Vormittag des 6. Juli gelang hörte der im vorigen Bericht gemeldete Infanteriekampf nach lassen. Auf ihre ganz auffällig geringen Verluste an Offizieren es einem unserer Flugzeuggeschwader, zahlreiche Bomben auf Stämpfen, welche einen Teil des Vormittags andauerten, auf. muß man immer wieder hinweisen. das österreichische Flugfeld bei Aisovizza östlich von Goerz Der Feind, welcher empfindliche Verluste erlitt, erzielte an Wenn der deutsche Generalstab sich in diesen Tagen entzu werfen. Brände wurden verursacht. Ein anderes Flug- feiner Stelle irgendeinen neuen Gewinn. Im Westteile des schlossen hat, eine zusammenhängende Darstellung der Kämpfe um zeug belegte den Bahnhof von Nabresina mit Bomben. Ob- Priesterwaldes eroberten wir durch Kampf mit Handgranaten Arras, der sogenannten Loretto- Schlacht, herauszugeben, so wohl die Flieger dem Maschinengewehr- und Artilleriefeuer 200 Meter verlorenen Schüßengrabens zurück. Nichts Wichtiges scheint er damit andeuten zu wollen, daß er diese Kriegsepisode minausgesetzt waren, kehrten sie wohlbehalten heim. auf der übrigen Front. mehr für abgefchloffen hält, so weit wenigstens die Durchbruchvers gez. Thaon de Revel. suche der Franzosen in Betracht kommen. Aber schon aus bextt ersten Teil der Schilderungen, der den großen Angriff des 3. Mai belzandelt, geht hervor, daß wir erst diesmal mit dem bei weitem ernstesten und schwersten Angriff der Franzosen zu tun hatten. So tapfer auch die Stürme in der Champagne und an den Maashöhen angesetzt waren, sie konnten sich an Größe der eingesetzten Streit- kräfte, an Planmäßigkeit der Vorbereitung und Durchführung, an hingebender Opferwilligkeit der Truppen, an Entschlossenheit der Führung mit dieser gewaltigen Schlacht nicht vergleichen. Ein- schließlich der Engländer scheinen auf eine Frontlänge von 45 Kilo- meiern über 20 Infanteriedivisionen oder mehr als 250 0 Mann Fußvolk eingesetzt worden zu sein, aus jeden Meter etwa sechs Mann. Auf dem Räume aber, auf dem die französische Heersührung die Entscheidung mit allen Kräften erstrebte, zwischen Carency bis Neuville, hat man am ersten Tage fünf Divisionen oder etwa 70 000 Mann Infanterie in den Glutofen des Kampfes geworfen, das macht auf den Meter Frontlinie etwa 12 Mann. Und ähnlich ge- staltete sich die Wucht des Angriffs an der Loretto-Höhe. Dazu kam die Versammlung einer ungewöhnlich gewaltigen Artillerie, deren Trommelfeuer nach Privatbriefen einen überwältigenden Eindruck gemacht und eine furchtbare Wirkung ausgelöst haben muß, deren nur eine Truppe von eisernen Nerven noch standhalten konnte. Die Franzosen hatten hierfür ihre besten Männer herangeholt: die «rieger der Bretagne, die eisernen Korps von Epinal und Nancy, die Zuaven, die Marokkaner, die Fremdenlegion wetteiferten mit- einander um die Palme des Sieges. Aber die ungestüme Tapfer- keit des an Zahl überlegenen Gegners brach sich schließlich dennoch an der eisernen Entschlossenheit einer an Tüchtigkeit überlegenen Minderzähl! Uebrigens scheinen die Engländer auch bei diesem Versuche wieder bei aller Tapferkeit im einzelnen ihre Kräfte mög- lichst geschont zu haben; die Hauptlast des Kampfes ließen sie die Franzosen tragen, ihr Angriffswille erlahmte jedenfalls früher als der ihrer Verbündeten. Daß die Franzosen hier ungeheure Ver- luste erlitten haben müssen, geht aus der Darstellung des General- stabes unmittelbar hervor. Ihren Zweck, die Russen mittelbar zu unterstützen und zu entlasten, haben sie aber ebensowenig erreicht, wie die Hauptausgabe, die Deutschen zu schlagen. Und so will denn der Generalstab mit seiner Veröffentlichung gerade jetzt dem beut- scheu Volke wohl die Zuversicht einflößen, daß unsere Stellung im Westen unerschütterlich ist, während wir im Osten von Erfolg zu Erfolg fortschreiten.— Im Südwesten Oesterreich-Ungarns stehen die Sachen noch immer auf dem gleichen Fleck wie in der vergangenen Woche; und auch das loird man als Erfolg unserer Verbündeten buchen müssen. Umsomehr, als in der verflossenen Woche die Italiener endlich mit größeren Kräften angegriffen haben. In der Nacht zum 30. Juni sind sie mit mehreren Divisionen zum Angriff am östlichen Ufer des unteren Jsonzo vorgebrochen. Die Angriffe, die sich besonders gegen das Plateau von Doberdo richteten, bald aber auch in nördlicher Ltichtung verlängert wurden, sind seitdem mehrfach und auch mit einiger Entschiedenheit wiederholt worden.— Erfolg haben sie so wenig gehabt, daß der Generalstabschef Cadorna es vorzieht, nur von mißglückten Gegenangriffen der Oesterreicher zu sprechen, aber seinerseits keinen Raumgewinn verzeichnet. Man weist auf die ungewöhnlich großen Schwierigkeiten hin, die die italienische Offensive in den geographischen Verhältnissen jeder Grenzlandschaften findet. Diese Schtvierigkeiten des aus der Ebene schroff ansteigenden Felsgebirges mit seinen von langer Hand vorbereiteten starken Sperrbefestigungen sind bekannt und in Rechnung gestellt. Aber das erklärt nicht, warum die Italiener jener Schwierigkeiten mit unzulänglichen Kräften, verkehrten Mitteln und— erstaunlicherweise— ungenügender Vorbereitung Herr zu werden versuchen. Immer wieder steigt die Vermutung auf, daß die italienische Heeresleitung einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte noch immer für andere Aufgaben zurückbehält. An den Dardanellen haben sich die Verbündeten wiederum schwere Schlappen und beträchtliche Verluste geholt. Die viel um- strittene Höhe von Krithia, östlich Ari-Burnu, ist noch immer nicht in ihrem Besitz; im Gegenteil scheinen sie gegen die Küste hin Raum verloren zu haben. DaS alles läßt ihren Wunsch und ihre an- dauernden Bemühungen sehr erklärlich erscheinen, noch andere Staaten in dieses übereilt begonnene und mangelhaft durchgeführte Abenteuer hineinzuziehen. Denn unzweifelhaft wäre die Erobe- rung der Dardanellen ein sehr großer moralischer, militärischer und politischer Erfolg. Die englische Verlustlifte. Die letzte Verlustliste weist 26 London, 8. Juli. fW. T. B.) Offiziere und 1657 Riann auf. Der türkische Krieg. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 8. Juli.(W. T. B.) Das Große Hauptquartier meldet: An der k a u k a s i s ch en Front versuchte hie von unserem rechten Flügel zurückgeschlagene feindliche Kavallerie, sich in ihren Stellungen zu halten und Gegenangriffe zu unternehmen. Diese Versuche schlugen fehl. An der Dardanellenfront beschoß unsere Ar- Ullerie bei Ari Burnu ani 6. Juli wirksam die feindlichen Stellungen und verursachte schweren Schaden. Die gegen unseren linken Flügel kämpfende feindliche Artillerie beschoß infolge des schlechtgczielten Feuers ihre eigenen Schützen- graben. Sie fügte dadurch ihren eigenen Soldaten beträcht- liche Verluste zu. Bei SeddulBahr schlugen wir die von Erkundungsabteilungen des Feindes verursachten Angriffe ab und fügten ihnen schwere Verluste zu. Während der Feind bei Tekke Burnu mit Aus- und Einbooten beschäftigt war, an dem sich Hilfskriegsschiffe und kleinere Boote be- teiligten, eröffneten unsere anatolischen Küstenbatterien Plötz- lich das Feuer auf die genannte Stellung. Eine Granate fiel mitten in ein Bataillon des Feindes und verursachte Ver- wirrung und Verluste. Dieselben Batterien sprengten ein feindliches Munitionsdepot in der Nähe in die Luft. Von den anderen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden. von der Daröanellenfront. London, 8. Juli.(SB. T. B.) Ein amtliches Telegramm aus den Dardanellen besagt: Am 6. Juli früh begannen die Türken im südlichen Sektor die heftigste Beschießung, die bisher stattgefunden hat. Darauf folgte ein allgemeiner Angriff. der an einigen Punkten sehr heftig war, aber vollständig mißglückte. Unsere Verluste hatten wenig zu bedeuten und machten nicht den geringsten Eindruck auf unserer Front. Die Verluste der Türken waren sehr schwer. Anmerkung des W. T. B.: Die Tatsachen de? Mißerfolges des Dardanellenunternehmens und die ungeheuren Menschenverluste der Alliierten(in dem amtlichen türkischen Bericht vom gleichen Tage wird außer anderen Erfolgen die Versenkung des großen französi- schen Transportdampfers gemeldet) können selbst durch die schönsten, amtlichen englischen Telegramme nicht aus der Welt geschafft werden. »* London, 7. Juli.(SB. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein amtliches Telegramm besagt noch über die Kämpfe bei den Dardanellen vom 5. Juli: Im südlichen Sektor unterhielten die Türken in der ganzen Nacht schweres Gewehrfeuer über die ganze Linie. Sie verließen den Laufgraben aber erst nach heftiger Beschießung dieses Sektors und unternahmen dann einen entschlossenen Angriff, der besonders auf den Punkt gerichtet war. wo die englische Marinedivision sich an die französische Linie anschloß. Hier faßten ungefähr 5V Türken in unseren Laufgräben Fuß. Einige unserer Leute konnten sich jedoch darin behaupten. Unsere Truppen machten einen Gegenangriff und warten die Türken wieder aus den Lausgräben hinaus. Ein anderer Angriff auf den rechten Flügel der 29. Division wurde durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer zum Stehen gebracht. An unserem linken Flügel versammelten sich die Türken im trockenen Flußbett der Nullah östlich der unlängst von uns eroberten Laufgräben und unternahmen verschiedene Angriffe. Sie vermochten aber die Laufgräben dank der Entschlossenheit unserer Truppen mit Unterstützung von Artillerie nicht zu erreichen. Die Beschießung nahm gegen 11 Uhr morgens ab, sie nahm dann an Heftigkeit von Zeit zu Zeit wieder zu. Anm. des W.T.B.: Vergleiche den amtlichen türkischen Bericht vom gleichen Tage. Derselbe lautet für die Engländer bei weitem nicht so günstig. London, 8. Juli.(W. T. B.) Die„Times" schreibt in einem Leitartikel zu einem Bericht des Generals Hamilton über die Kämpfe an den Dardanellen, welcher die Ereignisse bis zum 4. Mai darstellt. Es ist schwer ver- ständlich, weshalb er nicht früher bekannt gegeben wurde und weshalb das Publikum fünf Monate im Dunkeln gelassen wurde. Die„Times" kritisiert die absichtliche Unklarheit eines Teiles des Berichtes und sagt: Man hätte offen sagen sollen, daß im März die Transporte von Kriegsmaterial so fehlerhast geladen waren, daß sie nach Alexandna gefahren und dort völlig umgepackt werden mußten. Ein kombinierter Angriff zu Land und zur See wurde damals unmöglich, weil trotz der großen Erfahrung in überseeischen Unternehmungen die Transporte falsch geladen waren. Deshalb konnte der militärische Angriff erst im April beginnen, nachdem den Türken und den Deutschen Zeit gelassen war, die Halbinsel in ein größeres, abwechselungsreicheres Gibraltar zu ver- wandeln. Die„Times" preist den Schneid und die Tapfer- keit der Truppen, welche die Landung auf Gallipoli möglich gemacht hätten, stellt aber fest, daß bis zum April kein wirksames Zusammenarbeiten zwischen Heer und Flotte be- standen habe. Das Publikum werde mehr denn je durch den Mangel an Politik und Vorbereitung, der die Unternehmung kennzeichne, verwirrt. Das Blatt erklärt: Wir berühren hier nur den äußersten Zipfel der gemachten Fehler und sagen nichts über noch größere, die nur in elfter Stunde gutgemacht wurden. Das Publikum ist berechtigt zu wissen, welche Eni- von öer Westfront. Eindrücke und Erlebnisse. „K l e i n- B e r l i n." Wenige Kilometer hinter der Front— ein Idyll, wie es reiz- voller kaum gedacht werden kann. „Ein festes Lager," sagt der militärische Ausdruck. Aber wer es als Laie sieht, würde keine bessere Bezeichnung wissen als:„eine Laubenkolonie". Unter den Bäumen eines Waldhanges— an jener Seite der Höhe, die den feindlichen Stellungen abgewandt ist— ist hier für eine kriegsstarke, in Bereitschaft liegende Kompagnie ein Heim ge- schaffen worden, so zierlich und gemütlich, als gäbe es gar keinen Krieg und als läge nicht dieser Gang selbst noch im Bereich der feindlichen Geschütze. Die zwanzig, dreißig Unterstände dieser Kolonie sind zwar ein bischen eng und dunkel. Aber sie sollen auch nur dazu dienen, Schlasstätten und Aufbewahrungsorte für das Gepäck abzugeben. Um so luftiger, um so schöner ist es draußen. Da ist kein Unter- stand, der nicht, von Busch und Baum überwölbt, sein Gärtchen hätte mit Laube und Blumenbeeten und allerlei kunstvollem Zierat. Grüne Bogengänge führen von den Eingängen der Unterstände zu den Slnlagen hinunter. Gelbsandige Wege, von gebogenen Gerten gesäumt, verbinden die Wohnungen miteinander; es gibt breitere Hauptstraßen und kleine Nebengäßchen. Slus den Gartenbeeten sind aus Buchsbaum, Blumen, Scherben und weißen Steinchen kunstvolle Gebilde gestaltet; hier wurde inmitten ein selbst- gemeißelter Gedenkstein aufgestellt, dort ein— Gott weiß, woher besorgtes— Steinfigürchen; hier hat man eine kleine Spring- brunnenanlage geschaffen, dort eine„imitierte" Kanone hingebaut. Als Mittelpunkt des Ganzen aber erhebt sich ein Häuschen mit offener Veranda, leicht und zierlich hingestellt, das.Kasino" für die Offiziere. Natürlich hat auch alles seinen Namen; an den Baumen, dte die gelben Wege säumen, sind.Straßenschilder' angeheftet; vor den Eingängen zu den Unterständen künden andere Schilder, wie ihre Erbauer sie getauft haben:.Villa Frieden".„Zum Gambrinus" (darunter:„Getränke müssen mitgebracht werden").„Zum gemüt- lichen Berliner"(und auch hier eine ergänzende Inschrift:„Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier darf man nur abends Kaffee kochen"). Der Humor kommt vielfältig zu seinem Recht. Und immer Neues wird ausgesonnen, um die Anlagen zu verbessern. heimischer, traulicher zu machen. Jede Kompagnie, die eine andere ablöst, um hier für einige Tage von den Strapazen des Schützen- grabens auszuruhen, hält es für ihre Pflicht, durch neue Lauben, neues Flechtwerk grüner Zweige, neuen Zierrat die Reize dieser eigen- artigen Kolonie zu mehren. Vor der Beobachtung durch femdliche Flieger schützt das grüne Dach der alten Waldriesen. Wohl orgeln Tag für Tag die schweren Geschosse der feindlichen Artillerie über die Lauben hin- weg; aber ihr Ziel liegt weit hinten, und noch nie fügte eine Granate diesen Anlagen Schaden zu. Schöne Sonntage in diesem Heim! In den Lauben sitzen sie in Hemdsärmeln, schwatzen, essen, bessern an ihren Sachen. Auf der mohnroten Wiese unten im Tal rekeln sie sich schläfrig und blinzeln ins Blaue— träumend von der Heimat, von den Lieben daheim. Ja, wenn die noch hier wären!... Und kein Krieg!... Und die Läuse nicht im Stroh!... Und etwas mehr Bewegungs- freiheit l... Und etwas abwechselungsreicheres Essen... lind kein Appell mehr!... Donnerwetter ja, das wäre schön, das wäre wirklich schön! Aber so— I Sicherlich Ungewöhnliches in Feindesland I Aber doch in Feindesland I Und das, was wirklich froh, wahrhaft glück- lich machen könnte, bleibt weit, weit— auch inmitten dieses grünen Idylls... Beim Marketender. Es klingt so romantisch: Marketender. Man denkt an ein Zelt, SBachtseuer davor, bunte Gestalten rundum gelagert. Wein perlt in Bechern, ein Mägdlein in rotem Röckchen kredenzt. Würfel rollen, ein Lied klingt an.... Der moderne Marketender sieht aber recht sehr anders aus. Er trägt ein« feldgraue Uniform wie andere auch, ähnelt einem Sergeanten oder Feldwebel wie ein Ei dem anderen und hat nichts an sich oder in seiner Umgebung, das auch nur im entferntesten an ein hochgeschürztes, schnippisches Mägdlein erinnerte. Seine Helfer sind wackere Krieger, die, meist struppig und rauh genug, in Hemdsärmeln ihres Amtes walten. Kein Zelt bildet das Heim. SBas er an Vorräten besitzt, birgt ein Planwagen, der mit der „großen Bagage" dem Bataillon nachgefahren wird. Hat die Truppe hinter der Front Reservequartier bezogen, dann werden die Schätze dieses SBagens wohl ausgeladen und in einem Zimmer- chen, einer ausgeräumten niedrigen Bauernstube aufgestapelt, oder sie finden sonstwie in der Nähe des Wagens ihren Platz. Zu ge- mütlichem Lagern hat die Soldateska daneben aber dann nicht mehr Raum. SBer gekauft hat, hat sofort wieder zu verschwinden. Von der romantischen Gemütlichkeit alter Tage ist um diesen modernen Marketender herum erst recht nichts zu finden. Perlende Weine, schäumende Biere— wir wollen nicht sagen, daß sie der graue Plan- wagen nicht gelegentlich auch in seinem Bauche führt. Aber bis zu ihnen vorzudringen ist dem„gewöhnlichen" Kunden in der Regel nicht leicht. Er mutz schon dringlich bitten, über gute Beziehungen verfügen, im Auftrage eines Vorgesetzten, mit einer Bescheinigung des Bataillons kommen, um ein paar Flaschen Sllkoholika zu er- reichen. Auch davon abgeseben, ist es nicht ganz leicht, seine Wünsche beim Marketender zu befriedigen. Seine Vorräte sind in mannig- jacher Hinsicht begrenzt, Sein Lager erstreckt sich nur auf eine gewisse Anzahl von Waren, und die Mengen dieser unterschied- lichen Waren sind wieder in der Regel recht bescheiden. Zwirn, Seife, Stiefelwichse, Streichhölzer, Zigaretten, Schokolade. Rollmöpse und Oelsardinen: das ist so ungefähr der eiserne Bestand eines jeden Marketenderwagens. Hier und dort findet dieses Lager dann freilich noch seine verschiedenartige Ergänzung, und wer „auf den Schwung aufpaßt", kann da auch wohl gelegentlich Lichte, Butter, Marmelade, Käse und Wurst, eingemachte Früchte und unterschiedliche Gemüsekonserven erhalten. Das Unglück ist nur, daß, sobald etwas von Vorräten dieser letztgenannten Art bekannt geworden ist, der Andrang gleich immer so stark wird, daß die Vorräte im Handumdrehen vergriffen sind. An Andrang fehlt es überhaupt selten. Dutzendweis staut sich das Volk vor dem Fenster, durch das der Handel stattfindet. Nach Tagen der Entbehrung sucht jeder sich einen kleinen Genuß zu verschaffen.„Zwei Büchsen eingemachter Kirschen, bitte." „Gibt bloß eine. Kirschen sind auch alle. Hier sind Pflaumen. Eins fuffzig. Sonst noch was?"—„Pflaumen hätte ich eigent- lich..."„Wollen Sie nicht? Auch gut. Weiter, der nächste dann!" „Doch, ich will ja. Dann 20 Zigaretten a 3H."„Hier ist ein Kistchen mit 50. Können Sie das nicht ganz nehmen und mit jemand anders teilen? Zum Abzählen haben wir jetzt keine Zeit."—„Gut, gewiß. Dann bitte noch zwei Lichte."—„Hier. Macht also zu- sammen einssuffzig, dreisünfundzwanzig, dreifünfundsechzig... Haben Sie kein Kleingeld? Na, ich auch nicht. Hier haben Sie «ine Mark retour. SBas wollen Sie noch für die fünfunddreißig Pfennige? Da haben Sie Lederfett, zwei Dosen— drei Schachteln Streichhölzer.— Fertig.— Der nächste?" Der nächste kommt heran und hat ebenfalls drei, vier SVünsche. Jeder will etwas anderes; der Marketender mutz hin- und herspringen.„Ruhe mal!" schreit er schließlich.„Jetzt ver- kaufe ich nur noch Schokolade und Zigaretten. Wer was anderes will, kann nach einer Stunde wiederkommen. Also los. Wer will Schokolade oder Zigaretten?" Mancher, der es auf eine Büchse Marmelade, auf ein Stück Seife abgesehen hatte, knurrt wohl. Aber was hilft es, er muß sich fügen. Nach einer halben Stunde Wartens muß er unver- richteter Sache abziehen. Kommt er nach einer Stunde zurück, ist aber seine heiß ersehnte Marmelade womöglich schon wieder aus- verkauft. Keiner kann wissen... Eine Delikatesse beim Marke- tender zu erlangen, ist immer mehr oder weniger vom Zufall ab- hängig. Immerhin, auch dieser moderne Marketender ist ein Segen. Ohne ihn wäre man ganz auf die Liebesgaben aus der Heimat angewiesen. Und die lassen manchmal verflucht lange auf sich warten. Und wenn endlich so ein Kistchen einmal eintrifft, ent- hält es womöglich noch etwas, was man gar nicht gebrauchen kann. Da ist der Marketender— auch ohire Zelt und hübsches Mägdelein — denn doch ojt hochwillkommener Helfer in der Not. schuldigungen für den fundamentalen Fehler gegeben werden können, die Meerengen ohne militärische Hilfe bezwingen zu wollen. Die„Times" erklärt zum Schluß, die Lektüre der Depesche Hamiltons überzeuge jeden, daß die Alliierten schließlich das Ziel erreichen würden.(Daß die„Times" aus dem Telegranim gerade diese Uebcrzeugung gewinnt, wirkt aller- dings etwas überraschend.) Die türkifthen Verlufte. Manchester, 3. Juli.(W. T. B.)„Manchester Guardian" schreibt über die Kämpfe an den Dardanellen Ende Juni: Sir John Hamilton schätzt die türkischen Verluste aus 20 000 Mann. Die Türken haben aber eine große Ä r m e e. die sie fast ausschließlich zur Verteidigung der Halbinsel Gallipoli verwenden können. Sie haben keinen Mangel an Männern und anscheinend auch nicht an Munition. Trotz schwerer Verluste scheuen sie sich nicht vor wiederholten hartnäckigen Gegenangriffen. Der Seekrieg. Die Dlockaöe üer /lüria. Mailand, 8. Juli.(W. T. B.)„S e c o l o" berichtet, daß die Durchführuirg der B l o ck a d e der A d r i a am Dienstag begonnen hat. Die Blockadewirkung erstreckt sich über die ganze Adria nötzdlich der Linie Otranto— Aspirola. Die Schiffahrt in diesem Meere ist den Handelsschiffen jeder Nationalität unter- sagt. Ein Sonderdekret regelt die Konzessionen, die für die Handelsschiffahrt gewährt werden können. Zur schweöischen Neutralitätsverletzung. Stockholm, 7. Juli.(W. T. B.) Zu der russischen Antwort auf den Protest Schwedens schreibt„ S V e n s k a Dagbladet": Das vorbehaltlose Bedauern über den Uebergriff ist ja au und für sich befriedigend. Jedoch bleibt mit unverminderter «stärke die Notwendigkeit bestehen, bei den verantwortlichen Stellen m Rußland und bei uns ernst einzuschärfen, daß solche groben Ver- letzungen der Neutralität und solche Uebergriffe sich unter keinen Um- ständen wiederholen dürfen, mit unverminderter Stärke schon deshalb, weil der hiesige russische Gesandte der Erklärung des lebhaften Be- dauerns den höchst bemerkenswerten Ausspruch hinzugefügt hat, daß in diesem Falle nur eine bedauerliche Unachtsamkeit vorliege. Das Blatt meint, wenn derartiges dienstlich so milde beurteilt wird, dann bestehe ivenig Sicherheit gegen Wiederholungen. Die übrigen Blätter geben ihre Befriedigung über die schnelle Antwort sowie über den Ausdruck des lebhaften Bedauerns wieder, wenn auch der schwere Fall nach dem„Svenska Morgenbladet" eine noch vorbehaltlosere Entschuldigung begründet hätte. Sie legen besonderes Gewicht auf die Versicherungen, daß Wieder- holungen nicht vorkommen sollen. In Schweden, so sagt„Stockholms Dagblad", hat man ein starkes Gefühl für die Pflichten der Neutralität. Es kann deshalb in Worten und Taten auch Achtung vor seinen Rechten fordern. Der Krieg unö öie Kolonien. Kämpfe in Deutsch-Süüweftafrika. London, 7. Juli.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet aus Otavifontein: Die Brigade Manie- B o t h a(Freislaatsfreiwilligcr) mußte, ehe sie Otavi und Otavifontein erreichte, in einem Dorngestrüpp von mehreren Meilen Ausdehnung gegen eine starke feindliche Streitmacht kämpfen. Längs der ganzen Front waren die kämpfenden Parteien manchmal nur einige Aards von einander entfernt. Flugzeuge der Unionstruppen schwebten ununterbrochen über deni Kampffelde. Die Deutschen hatten beim Rückzug den Vorteil, daß sie hinter Büschen Deckung fanden, während die vorrückenden Unionstruppen mehr bloßgestellt waren. In- folge der Ermüdung der Truppen und der Dichtigkeit der Büsche waren die Unionstruppen genötigt, für diesen Tag den iveiteren Vormarsch einzustellen. Ein Regiment südafrikanischer berittener Jäger wurde später ausgeschifft, um ein Eisenberg- Werk an der linken Flanke zu besetzen. Die Zensur im englischen Parlament. Der englischen Regierung sind manche Fragen, die in letzter Zeit im Parlament über militärische Vorgänge gestellt wurden, offenbar sehr peinlich gewesen. Wie„Daily Tele graph" nun mitteilt, soll im englischen Parlament die Zensur eingeführt werden. Auf Grund eines Antrages des Abg. Hall, der diesen Antrag mit der Notwendigkeit der Zeitersparnis be gründete, sollen die Abgeordneten die Fragen vorher schriftlich einem Zensor der Kammer vorlegen. Alle Fragen müssen in Zukunft durch diesen Zensor erst genehmigt werden, so daß die englische Regierung in Zukunft alle unangenehmen Fragen beseitigen kann. Auch hat in Zukunft jeder Abgeordnete nur das Recht, eine Frage im Tag an die Regierung zu richten. �nglanös Kriegsftnanzen. London, 8. Juli.(W. T. B.) Oberhaus. Lord Midie- t o n brachte eine Resolution ein, daß die Regierung Schritte tun müsse, um die nichtmilitärischen Staatsausgaben zu verringern. Er sagte dabei, daß die letzten Tage eine beträchtlich veränderte Hal- tung der Regierung betreffs des Krieges zeigten. Reden, wie die Curzons, ließen erkennen, daß die Regierung entschlossen sei, das Volk nicht länger imZweifel zu lassen, daß die Maske abgenommen und der E r n st d e r L a g e völlig dargelegt werden solle. Die Kriegs- schuld würde März 1916, wenn der Krieg dann beendet wäre, 1293 Millionen Pfund Sterling betragen, die Zinsen würden 58 194 000, die Kriegspensionen etwa 19 000 000 Pfund Sterling ausmachen. Demgegenüber ständen, vorausgesetzt, daß die Ver- bündeten und die Dominions alle aus den Anleihen entstandenen Verpflichtungen erfüllten, nur 62 750 000 Pfund zur Verfügung, so daß ein jährliches Defizit von 14 250 000 Pfund vorhanden sein würde. Dabei fehlten Maßnahmen zur Abtragung der neuen Schuld. Midleton kritisierte die einzelnen Ressorts und griff die Finanzpolitik der liberalen Regierung, namentlich die Ausgaben für Sozialpolitik und Schulpolitik an und sagte:„Wir scheinen ebensowenig finanzielle wie militärische Vorbereitungen für den Krieg getroffen zu haben. Lord S t a l d w y n tadelte, daß der Schatzlanzler nicht sofort bei Kriegsbeginn die Besteuerung erhöht habe. Lord H a l d a n e stimmte der Ansicht zu, daß die Ministerien sehr verschwenderisch wirtschaften, aber die Debatte mache den Ein- druck, als ob es nach dem Kriege genügen würde, neue Steuern zu erheben und im übrigen fortzufahren wie vorher. England werde indessen nach dem Kriege ein ganz anderes, weil viel ärmeres Land sein. Es werde die Vorteile des Prestiges der Vergangen- heit und der Tradition verloren haben, die England eine einzigartige Stellung im Handel und in der Industrie gegeben hätten und die es bis jetzt genossen hätte, weil es sie in Besitz hatte, ohne daß Rivalen hineinkommen konnten. Jeßt aber würden die Rivalen ins Feld einbrechen. England werde nicht so viel Ueberfluß an Kapital haben wie andere Länder. Die Kaufleute und Industriellen würden auf ihre eigenen Hilfsquellen, auf ihr eigenes Geschick, ihre Findig- keit und ihren Unternehmungsgeist angewiesen sein. Es sei daher notwendig, sich jetzt darauf vorzubereiten. Sparsamkeit müsse aufs entschiedenste geübt werden, aber im Schulwesen ebensowenig wie bei den Armeen an der Front. Rumänien will üen Irieüen. Budapest, 3. Juli.(T. U.) In einer vorgestern in Bukarest von mehreren tausend Personen besuchten Versamm lung der sozialdemokratischen Partei betonte, wie„Az Est" meldet, der Vorsitzende Poporicö, daß nun endlich die ganze rumänische öffentliche Meinung auszurufen wage: Nieder mit dem Krieg, es lebe der Friede! Der erste Redner, Christesch, und auch die übrigen Redner erklärten, daß die Sozialisten Rumäniens für die endgültige Aufrechterhaltung der Neutra lität eintreten. In einer Resolution wird gegen die Agitation der„Actiunea Nationala" protestiert, die Rumänien in den Krieg und mit ins Verderben ziehen wolle. Die Versamm lung wurde unter Rufen:„Es lebe der Friede, nieder mit dem Krieg!" ohne jede Störung geschlossen. Zum ruftlsch-japanischen Dunünis. Zürich, 8. Juli.(T. U.)„Rußkoje Slovo" veröffentlicht am 4. Juli einen Aufsehen erregenden Leitartikel über die Möglichkeit und die Vorteile eines Bündnisses zwischen Japan und Rußland. In Japan mache sich eine lebhafte Propaganda Verschiebung. „Wo anders hin!" Erst sickerte es gerüchtweise durch, und die Klugen schüttelten die Köpfe. Aber dann mehrten sich die Zeichen. Schließlich war kein Zweifel mehr; Quartiermacher eines fremden Regimems kamen. Es hieß, sich marschfertig zu machen. Und am zweiten Abend hernach: Antreten mit gesamtem Gepäck: Abmarsch. Als Ziel stand vorderhand nur fest: die nächste Bahnstation. Wohin es von dort aus gehen sollte, darüber konnten nur Ver- mutungen angestellt werden. Die suchen nun auf der Landkarte Europas hin und her, als gäbe es gar keine Grenzen mehr. Die einen meinten, die Karpathen würden das Ziel sein, die anderen: Polen: viele rieten auch auf Italien. Und ihre Vermutungen wurden um so lieber hingenommen, um so weiter ausgesponnen, als hinter ihnen die Hoffnung stand: dann geht es womöglich, nein, sicherlich durch die Heimall Dann gibt es daheim vielleicht gar einen Tag Aufenthalt, Urlaub, Wiedersehen.... Die Skeptiker widersprachen zwar. Sie waren überhaupt der Meinung, es werde nur eine Verschiebung innerhalb der bisherigen Front werden. Sie hatten gute Gründe dafür. Aber sie fanden doch nicht so viel Bei- fall wie die anderen. Nun, bald mußte es sich ja entscheiden, wer Recht behalten sollte. Die Ablösung war eingetroffen. Nun ging es los— in den dämmernden Abend hinein, auf gedeckten Wegen dem nächsten Dorfe zu, in das sich schon die fauchenden Lokomotiven wagten. Es war kein ganz leichter Marsch, all' das schwere Gepäck auf dem Rücken; aber die Spannung hob die Stimmung. Und frische Lieder fliegen mehr als einmal auf. Es wurde Nacht, bis das Ziel erreicht war. Ein paar Stunden winkle hier jetzt wieder Ruhe; freilich, ein paar kurze Stunden nur, und auf schlechtem Strohlager in unsauberen Siällen. Schon um drei Uhr hieß es wieder: Auf! Gepäck umhängen.... Die Küche versorgte noch einmal jeden mit heißem Kaffee. Dann: Antreten! Und hinüber zum Bahnhof mit seiner„Kriegsrampe" I Erst ganz sacht dämmerte der Morgen. Und an ein„Einsteigen" war noch nicht zu denken. Vor der Rampe marschierten die vier Kompagnien des Bataillons auf, setzten die Gewehre zusammen, hingen ab und lagerten sich, so gut wie möglich. Unterdes ward drüben erst einmal die Bagage aufgeladen. Zwei Bogenlampen gössen ihr gelbes Licht durch das Morgengrauen: es war, als flankierten sie den Eingang zu einem Zirkus. In langer Reihe waren die Wagen aufgefahren; neue kamen hinzu— die Feldküchen, die Gefährle der Maichinengewehrkonipagni«. Sie spannten aus, führten die Pferde vor.„KÜHsranze" brachte die drei Milchspender des Bataillons; ein Weißes Zicklein trippelte nebenher. Die lachend begrüßten Viecher fanden neben den Pferden-hren Platz. Nachdem das Gelier verladen war. kamen die Gefährte an die Reihe. Mit Halloh schoben sie kribbelnde Haufen eitriger Helfer die Rampe hinauf, ver- luden sie auf die Bahnwagen. Offiziere standen herum, gestikulierten: anders ritten hin und her. Und das gelbe Licht der Scheinwerfer! in der fahlen Dämmerung übergoß das bunte Treiben mit einem ganz eigenen Reiz. Nun war endlich alles Gerät verladen und verpackt. Die Mannschaften konnten herankommen. Knirschend schleppte die Loko- niotive ihr Zugungetüm ein Stück Weiler, so daß neue, leere Wagen vor der Rampe hielten.„Gepäck umhängen! Gewehr in die— Hand I Ohne Tritt marsch!" Es ist gewiß nicht ganz einfach, tausend Leute richtig in einem Zuge zu verstauen. Aber die Sache klappte; und bald war alles untergebracht. Ein bißchen eng saß man ja in den alten Viehwagen. Aber die Stimmung war doch nach wie vor bewegt und lustig. Noch immer wußte man das weitere Ziel nicht. Aber das konnte nur dazu beitragen, die Spannung zu erhöhen. Die letzten Weisungen für die Fahrt wurden gegeben. Dann ein paar Pfiffe... langsam, ruckweise setzte sich der Zug in Bewegung. „Seit neun Monaten zum erstenmal wieder in der Eisenbahn! Kinder, wie einem das vorkommt!" Sie lachen und beobachten durch die geöffneten Türen die vorbei- ziehende Gegend. Mit besonderem Interesse studiert alles die Namen der durchfahrenen Hallestellen. Der eine oder andere hat eine Karte zur Hand. Ein Vergleich der gelesenen Ortsnamen mit den Namen der Karte muß ja verraten, toohin die Reise gehen soll, „Nach Deutschland I" behauptet einer immer wieder, und er sucht es an Hand seiner Karte zu beweisen. „Quatsch! Hier können wir noch abzweigen. Hier ooch noch. Ich garaniiere Dir. daß wir hier bleiben." So gehl es hin und her. Zwei lange Stunden bleibt alles in der Schwebe. Endlich die Entscheidung: das Regiment bleibt in der Front; es wird nur an eine andere Stelle hin„verschoben". Welche das ist, ist zunächst freilich wieder noch ungewiß. Langsam kriecht der Zug durch die Lande, Stunde um Stunde. Die Gegend änderr ihr Gesicht; mancherlei Merkwürdigkeiten werden beobachtet. Es wird Mittag— Nachmittag. Da endlich kommt das Kommando durch, von Wagen zu Wagen:„Fertig machen!" Nun hält der Zug. Aus den Wagen bricht eS grauwimmelnd. Vor dem kleinen halbzerschossenen Bahnhof sondern und sammeln sich die Kompagnien. Drüben beginnt man bereits wieder, die Bagage auszuladen; die Burschen bringen die OffizicrSpferde, Kuh- stanze ist mit seinen Schutzbefohlenen mitten darunter. Alach zwei Stunden heißen Marsches, dann ein Dorf.„Zelte aufschlagen! Hier bleiben wir vorläufig in Quartier. Und in drei Tagen geht es dann weiter in die neue Stellung vor I" In der Luft summt und brummt es fern und dumpf. Es scheint hier lebhaft herzugehen.„Verbessert werden wir uns nicht eben haben!" Das ist die Ueberzeugung, die sich mehr und mehr Geltung verschafft. Aber es bleibt ja keine Wahl. Man muß die Dinge eben nehmen, wie sie sind. Und versuchen, ihnen die beste Seite abzu- gewinnen. L. dl. l zugunsten eines formellen Vertragsabschluffes zwischen beiden Staaten geltend. Die Regierungsblätter äußern sich für ein Bündnis nach dem Kriege. Die Mehrzahl der liberalen Blätter in Tokio wünscht jedoch den sofortigen Abschluß. Zwischen russischen und japanischen Interessen im äußersten Osten herrsche heute völlige Uebereinstimmung. Japan habe sich von der Aufrichtigkeit der russischen Politik überzeugt und das Fehlen jeder feindseligen Stimmung im russischen Volke festgestellt. Gleichzeitig feien die Beziehungen Japans zu den Ententemächten kühler geworden. Die deutschen Güter in Tftngtau werden freigegeben. Die deutsche Gesandtschast in Peking teilt telegraphisch mit, daß die von den japanischen Behörden im Dezember v. I. erlassene Bestimmung, lvonach deutsche, österreichische und ungarische Staatsangehörige über ihre im Hafengebict von Tsingtau lagernden Güter nicht verfügen dursten, aufgehoben worden ist. Die Güter sind spätestens am 25. Juli d. I. abzunehmen. Revolutionäre Kundgebungen in Portugal. Genf, 8. Juli.(T. U.) Der Madrider„Jmparcial" meldet: Infolge der Gerüchte von dem bevorstehenden Eingreifen Portu- gals in den Weltkrieg haben in Lissabon revolutionäre Kund- gedungen stattgefunden.„Ziario" schreibt, daß bisher eine Kriegs- beteiligung Portugals nicht beschlossen sei und auch nicht in Aus- ficht stehe. In Oporto haben Arbeiter vor dem englischen Konsulat demonstriert. Kriegsbekanntmachungen. Offene Briefseudungen nach Elfatz-Lothringeu. Die Bestimmung der in den Schaltorfluren der Postanstalten aushängenden Bekanntmachung Nr. 1, wonach infolge des Kriegs- zustandes bis auf weiteres verschlossene Privalbriefsendungen nach und von Elsaß-Lothringen und den in dieser Bekanntmachung namentlich aufgeführten badischen Postorten zur Postbcförderung nicht angenommen werden, wird von den Auslieferern der Sendungen häufig nicht be- rücksichligr. Die Bestimmung ist noch voll in Kraft. Wenn private Briesscndungen des inneren deutschen Verkehrs nach und von den bezeichneten Gebietsteilen verschlossen aufgeliefert weiden, müssen sie den Absendern zurückgegeben oder wenn diese nicht bekannt sind, nach den Vorschriflen für unbestellbare Sendungen behandelt werden. Es liegt daher im eigenen Vorteil der Absender, solche Sendungen nur offen aufzuliefern. Letzte Nachrichten. Ter russische Gcneralstabsbericht. Petersburg, 8. Juli.(W. T. B.) Bericht des Großen General st abs: Zwischen Weichsel und Wjeprsch in der Richtung auf L u b l i n dauerten am 6. Juli die hartnäckigen Kämpfe zwischen den Dörfern Joseffow uno Urschendow an. Hartnäckige Versuche des Feindes, sich de: Höben am rechten Ufer des Baches Podlipa zu bemächtigen. blieben erfolglos. Am Oberlauf des Flusses Urschendowka eröffnete der Feind heftige Angriffe gegen den Abschnitt bei den Dörfern Skorschiza und Elvunin. Wir schlugen die feindlichen Angriffe ab lind warfen ihn in vollständiger Un- ordnung zurück. Längs der Straße nach K r a s n i k und an den Flüssen Bistriza und Korsasewka, wo die Stellung des Feindes einen vorspringenden Winkel bildet, führten unsere Truppen am 6. Juli die am vorhergehenden Tage begonnene Gegenoffensive erfolgreich durch. Der Feind wurde gezwun- gen, in die Defensive zu gehen. Im Laufe des Tages machten wir an dieser ganzen Front inindestens zweitausend Ge- fangene und erbeuteten mehrere Maschinengewehre. Im Abschnitt Korsajewka bis zum Wjeprsch gab es nur vereinzelte Angriffe des Feindes. Nördlich von den Dörfern Gelschef und Olchowitz sowie bei Tarnagora, sie scheiterten gleichfalls. Zwischen Wjeprsch und dem westlichen Bug Ar- tilleriekampf. In diesen: Abschnitt versuchte der Feind irnr in der Gegend des Dorfes Maslomentsch südlich von Grubeschow vorzudringen, indem er mit dichten Massen die Offensive ergriff. Aber er wurde durch unser Feuer leicht auf- gehalten. An der Lemberger Straße zwischen den Städten K a m i o n k a und G l i n i a n i ging der Feind am Abend des 7. Juli an vielen Stellen zum Angriff über und warf be- deutende Kräfte südlich vom Dorfe Jamno in den Kampf. Er hatte indessen nirgends Erfolg, erlitt starke Verluste und wurde gezwungen, in seiner Bewegung einzuhalten. An den anderen Frontabschnitten unserer Gesamtstellung keine Veränderung. Nur an einzelnen Stellen örtliche Teil- kämpfe, Artilleriekampf und an einigen Punkten hartnäckiger Minenkrieg.__ Die russischen Offiziersvcrluste. Kopenhagen, 8. Juli.(T. U.) Die am 1. IM westlichen Stils erschienenen vier letzten russischen Verlustlisten für die Zeit von Ende April ab weisen 9736 Offiziere als Tote und 15 681 als Verwundete auf. Erregung in Rom. Lugano, 8. IM.(T. U.) Den Blättern wird aus Rom be- richtet, daß der in Rom über Frankreich bekanntgeworden« öfter- reichische Heeresbericht von der Niederlage der Italiener am Jsonzo in Rom tiefe Erregung hervorgerufen hat, weil Cadornas Bericht vom gleichen Tage wieder einmal nichts von dem öfter- reichischen Vorstoß zu melden wußte. Trotz des Zensurverbots ist der Bericht schnell bekanntgeworden und hat an der Börse eine vor- übergehende Panik hervorgerufen. Ein Mordverdacht rief gestern nachmittag die Kriminalpolizei nach Moabit. In dem Hause Stephanstr. 40 wurde der 36 Jahre alte Magistratsdiener Rudolf Becker tot aufgefunden. Die Umstände legten die An- nähme eines Kapitalverbrechens nahe. Man fand Becker in seinem Schlafzimmer entkleidet und mit zusammengekrampften Händen tot auf seinem Bette liegen, das stark mit Blut besudelt war. Blutiger Schaum stand ihm vor dem Munde. In den drei Zimmern der Wohnung sah es ans, als ob fremde Hände alles durchwühlt hätten. Unter diesen Umständen wurde die Kriminalpolizei ge- rufen. Die angestellte Untersuchung ergab auch die Wahrscheinlich- keit für einen natürlichen Tod des Mannes, der zuweilen stark ge- trunken haben soll und sich wegen Atemnot in ärztlicher Behand- lung befand. Die Unordnung im Zimmer erklärt sich daraus, daß der Verstorbene die Absicht hatte, umzuziehen. Ein bestimmtes Urteil aber kann erst die ärztliche Leichenöffnung bringen. Die Leiche wurde deshalb beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Als ein Opfer des Weltkrieges verstarb im Lazarett zu Eickel unjer lieber Kollege, der Schriftfeter Hans Grundmann. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Tie Kollegen d. Buchdruckerei Otto Drewit. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 10. Juli, nach mittags 6 1hr, von der Halle des Heilig Kreuz Kirchhofes in Mariendorf, Eisenacher Straße, aus statt. " 1986b Deutscher Buchbinder- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Präger Heinrich Schwengner verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. Juli, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenballe des Zentral Friedhojes in Friedrichsfelde aus statt. 0 1m zahlreiche Beteiligung ersucht 23/10 Die Ortsverwaltung. Ordnerschaft der Neuen Freien Volksbühna. Am Sonntag, den 4. Juli, starb infolge eines Unfalles unser Vereinsfollege Gustav Kerkow Antonstraße 31. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. Juli, nachmittags 48% Uhr, auf dem Begräbnisplay der Philippus ApostelGemeinde, Müllerstr. 44/45, statt. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Franz Tanzer Tegel, Steinbergstr. 52, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 10. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Tegeler Gemeinde- Friedhofs, Hermsdorfer Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/7 Die Ortsverwaltung. Hierdurch allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unjer se Bruder, Bater, Onkel und Schwager, der LandSturm- Gefreite am Otto Kraatz 8. Mai im Alter von 42 Jahren bei einem Sturmangriff den Heldentod sand. Ehre seinem Andenken! Richard Kraan, zurzeit im Felde. Martha Nemit geb. Kraak. Georg Nemis. Lucie Kraak geb. Klose. Als der Weltste von uns allen Bist Du in dem Kriegsgewühl Fern von Deiner Heimat jallen, Heimgegangen, stumm und fühl. Und es rust Dir Bruder, Schwester Einen Abschiedsgruß noch zu, Du warst immer unser Bester, Drum gönn' wir Dir auch die Rub! Du im Westen, ich im Dsten, Und die Schwester blieb dabeim, Vieles muß ich noch durchkosten, Trogdem denten wir stets Dein. Allen Gästen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Gastwirt Hermann Otto am 6. Juli, nachmittags 3 Uhr, im 56. Lebensjahre verstorben ist. Ihm ist wohl nach qualvollem Leiden! Um ftilles Beileid bittet Die trauernde Gattin Witwe Otto, Grünthaler Str. 50. Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4% Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Kirchhofes, A allee, aus fiatt. Prinzen Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Schwester, Schwägerin und Zante Berta Kramer Gerichtstr. 19, am 7. Juli fanft entschlafen ist. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 10. Juli, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Dies zeigen an Die trauernden Hinterbliebenen. 666666 Unserem Genossen 222/13 August Penn und seiner treuen Ehegattin zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Die Abteilung 1 b d. 5. Berliner Reichstagswahlkreises. Unserem Genossen und Kollegen August Penn zu seinem heutigen Ehrentage die besten Glückwünsche. Die alten Freunde. S 000000 000000 Ziehung 14. und 15. Juli Kennen Siedie Wohltat Lotterie Motterie 3667 garantierte Gewinne W. zus. Mark 100000 einer Leibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertigung sowie Bruchbandagen aller Art. Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60. Lieferant für Krankenkassen. 150000 H.Pfau, Bandagist Lose zu M. 3, Porto und Liste 30 Pi. extra empfiehlt und versendet Carl Heintze, Berlin W.. Unter den Linden 3. Berlin Direksenstraße 20 C., zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen olange Vorrat reicht liefert die Buchhandlung Vorwärts Berlin SW.68, Lindenstraße 3, und die Ausgabestellen Below, E., Bilder aus dem Westen. Reiſeerlebnisse. Beyer, C., Jm Pharaonenlande. Gebd. statt 3 Mt. für 1 Mt. Reiseschilderungen aus Aegypten. Mit 25 Abbild. Gebd. statt 6 Mt. für 1,50 Mt. Bölsche, W., Die Entwicklungsgeschichte der Natur. Zwei reich illustrierte Bände. 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Berlagsanstalt des Deutschen Holzarbeiter Verbandes, Abteilung Buchdruckerei, Am Köllnischen Park 2. Berantw. Rebatt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl Nr. 187. 82. IahrMz. KeilM bts Joriiintts" Ittlintt KIKsdlM. Freitag. 9. Juk 1913. die katholische Internationale. Die katholische Presse in Deutschland richtet seit einiger Zeit hestige Angriffe gegen die französischen Katholiken, die sie eines entarteten Patriotismus und eines nationalistisch beeinflußten Christentums beschuldigt. Die Klagen sind besonders heftig ge- worden seit dem Erscheinen eines Buches„La guerre allemande et le catholicisme"(„Der deutsche Krieg und der Katholizismus"), das in sechs Sprachen übersetzt und in der ganzen Welt verbreitet werden soll. Das Buch ist erschienen auf Veranlassung eines in Paris bestehenden„Komitees der französischen Propaganda im Auslande", dem zwei Kardinale, eine Anzahl Bischöfe, hervor- ragende Mitglieder der Akademie, Politiker und Gelehrte ange- hören. Herausgeber des Buches ist Monseigneur Baudrillart, Rektor der katholischen Universität in Paris. Kardinal Amette hat dem Buche ein Empfehlungsschreiben beigegeben, worin er den Verfassern bekundet, daß sie Männer einer sicheren Lehre und einer vollkommenen Treue gegen die Kirche seien. In diesem von den namhaftesten geistlichen uno weltlichen Ver- tretern des katholischen Frankreichs begönnerten Buche wird der Rachweis zu führen versucht, daß Deutschland den gegenwärtigen Krieg verschuldet habe, daß es ihn grausam führe, besonders grau- sam gegen Kirchen und ihre Diener, und daß in der Hauptsache es sich handele um einen Krieg des protestantischen und atheistischen Deutschlands gegen den Katholizismus, der seine Hauptstätte in Frankreich habe. Dem Buch ist eine Sonderschrift mit Abbildungen von angeblichen Greueln deutscher Truppen beigefügt. Zur Abwehr dieser und ähnlicher Angriffe hat sich in Deutsch- land ein ständiger Arbeitsausschutz, bestehend aus namhaften Katho- liken, gebildet, der in einer öffentlichen Erklärung gegen das fran- zösische Buch den Vorwurf erhebt, daß„schwerste, unentschuldbare Unkenntnis des deutschen Volkes die ganze Anklageschrift diktiert" habe, und„feierlich Verwahrung einlegt, daß man gewagt hat, unsere Krieger und unser ganzes Volk des BarbarismuS anzu- klagen". Die beiden Kardinäle Hartmann(Köln) und Bettinger «München) haben in einem Telegramm an den Kaiser namens des ganzen deutschen Episkopats ihrer„schmerzlichen Entrüstung" über das Buch Ausdruck gegeben und Beschwerde beim Papst in Aussicht gestellt. Eine Abwehrschrift von deutscher Seite ist in Vorbereitung. Der Herausgeber des Buches, das in der deutschen katholischen Presse eine Schandschrift, ein Erzeugnis der Schund- und Schmutz- literatur genannt wird, Monseigneur Baudrillart, hat nun vor kurzem eine Unterredung mit einem Vertreter der„Tijd", des ka- tholischen Hauptblattes in Holland, gehabt. Baudrillart erklärte bei dieser Gelegenheit, daß die deutschen Bischöfe durch ihren gemein- samen Brief vom Dezember zuerst Stellung zu dem Kriege ge- nommen hätten, indem sie behaupteten, daß Deutschland nicht für den Krieg verantwortlich sei. Da sei es den französischen Bischöfen nicht zu verwehren, wenn sie nun Viich ihre Meinung sagten. Im übrigen beharrte Baudrillart darauf, daß in dem von ihm heraus- gegebenen Buche nur beglaubigte Tatsachen angeführt seien. Der Schluß der Unterredung drehte sich um die Verschieden- Heft der Lage der Katholiken in Deutschland und in Frankreich. Baudrillart gestand zu, daß die Katholiken in Deutschland politisch gut organisiert seien, aber das Zentrum sei und werde doch immer wehr eine politische Partei, abhängiger von der Regierung als vom Papst. Im übrigen könnten auch die Katholiken in Frankreich Er- folge aufweisen. Der Vorsitzende des Pariser Gemeinderats und ebenso der Vorsitzende des allgemeinen'Rats im Seine-Departement seien kirchentreue Katholiken. Dann kam folgendes Geständnis: Gewiß, unsere Regierung ist den Katholiken feindlich gesinnt. � Und doch würden wir unsere Lage nicht tauschen gegen dieder deutschen Katholiken. Ein französischer Trappistenpater schrieb mir am 14. November vergangenen Jahres: Könnte man sich nur Rechenschaft geben, daß der Katholizismus in Frankreich, trotz allem Combismus, eigentlich viel mehr Freiheit genießt als in Deutschland!— In der Tat, so ist es. Man sehe z. B. das Unterrichtswesen. Wo sind in Deutschland katholische Uni- versitäten? Man findet dort einzelne katholische Professoren, manche zudem noch von verdächtiger Lehre, zerstreut unter Ratio- nalisten und Protestanten. Wo sind ausschließlich katholische Gymnasien? Wo sind die Seminare, die nicht unter der staatlichen Botmäßigkeit stehen, deren Personal rein geistlich ist und nur dem Bischof untersteht? Und dasselbe gilt von an- deren Freiheiten. Dies« Aeußerungen eines hohen französischen Geistlichen stehen in merklichem Widerspruch zu den Schilderungen über die Lage der katholischen Kirche in Frankreich, wie wir sie in der katholischen Presse Teutschlands zu lesen gewohnt sind. Es verdient in der Erinnerung gehalten zu werden, daß nach diesem gewiß unverdächti- gen Zeugnis die Kirche im Lande der Trennung mehr Freiheiten als anderswo hat. In der deutschen Zentrumspresse wird, namentlich seit dem Eintritt Italiens in den Krieg, viel geschrieben von dem Einfluß der Freimaurer im politischen Leben der romanischen Länder. Ein Sieg des Vierverbandcs, so wird erklärt, werde der Freimaurerei die Alleinherrschaft in diesen Ländern sichern. Darauf erwidert Baudrillart, daß der Sieg Deutschlands ein Sieg des Protestantis- mus und des freien Gedankens in seiner radikalsten Form sein werde. Frankreich sei selbst unter dem Einfluß der Freimaurerei eine katholische Nation geblieben. In Deutschland herrsche ein protestantischer und allzeit antichristlicher Geist. Deshalb habe die katholische Kirche keinen Vorteil von dem Siege Deutschlands, und das zu beweisen, sei der Zweck des von ihm herausgegebenen Buches gewesen. Es ist nicht unsere Absicht, in dieser Auseinandersetzung der Katholiken Partei zu nehmen. Es genügt uns, an der Hand der Tatsachen darzutun, daß der Krieg auch die älteste und festeste internationale Organisation, die römische Weltkirche, stark er- schüttelt. politische Ueberslcht. Die Wahlrcchtsfrage im sächsischen Landtage. In der 2. Kammer kam der sozialdemokratische Wahlrechts- antrag am Donnerstag zur Schlußberatung und Entscheidung. Genosse F l e i tz n e r kritisierte scharf die Art, wie der Antrag von den bürgerlichen Fraktionen und von der Negierung be- handelt worden sei', sie lehnten einmütig jede sachliche Stel- lungnahme dazu ab, um einer klaren Entscheidung auszu- weichen. Dieses Verhalten bedeutet eine demonstrative Miß- achtung der sozialdemokratischen Partei und der Massen, in deren Interesse der Antrag gestellt wurde. Redner verwies dann auf die Wahlrechtsverhandlungen von vor zwei Jahren und betonte, daß die Regierung und die bürgerlichen Parteien auch jetzt noch die politische Gleichberechtigung ablehnen. Nur so könne und werde ihr Verhalten im Lande verstanden wer- den. Die Berufung auf den Burgfrieden sei unzulässig. Die beste und schärfste Antwort auf diese mißachtliche Behandlung des Wahlrechtsantrages wäre nach Redners Meinung die Auf- sagung des Burgfriedens, der zur Voraussetzung den gleichen Rechtsboden haben müsse. � Der nationalliberale Redner H e t t n e r wandte sich gegen diese Ausführungen und erklärte, daß die bürgerlichen Parteien einer Aufkündigung des Burgfriedens in voller Ruhe entgegensähen) vor siolchen leeren Drohungen schrecken sie nicht zurück.— Äehnlich äußerte sich der Konservative Dr. Schanz, der Nationalliberale Dr. Z ö p h e l und der Freisinnige D i e t e l. Der konservative Redner erklärte unter starker Heiterkeit der Sozialdemokraten, daß seine Partei mehr unter dem Burgfrieden zu leiden habe als die Sozialdemokratie. Die Genossen Sindermann und F l e i ß n e r antworteten auf diese Rede.— Der sozialdemokratische Wahlrechtsantrag wurde dann mit allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Bekämpfung des Lebeusmittelwuchers. München, 8. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird der Korre- spondenz Hosfmann mitgeteilt, daß hinsichtlich der B e- kämpfung des Lebensmittelwuchers schon am 6. Juli ein einheitliches und entschiedenes Vorgehen der für Bayern zuständigen militärischen Befehlshaber vereinbart worden ist. Das Stellvertretende Generalkommando des 1. Armeekorps erläßt folgende Bekanntmachung: Die Preise der notwendigen Lebensmittel und Be- darfsgegenstände haben teilweise eine Höhe erreicht, die die Lebenshaltung außerordentlich erschwert. Die Teuerung ist nicht zuletzt zurückzuführen auf die unlauteren Machen- schaften einzelner Personen und die Auswüchse des Zwischen- Handels. Um deni wucherischen Treiben entgegenzutreten, wird bestimmt: mit Gefängnis bis zu einem Jahr wird bestraft: 1. wer beim gewerbsmäßigen Einkauf von Gegenständen des täglichen Bedarfes Preise bietet, die unangemessen hoch sind, wenn nach den Umständen des Falles die Absicht anzunehmen ist, die Preissteigerung oder Heraufsetzung bestehender Höchstpreise herbeizuführen. 2, Wer Vorräte an Gegenständen des täglichen Bedarfs, die an sich zum Verkauf bestimmt sind, aus dem Verkehr z u- r ü ck h ä l t, um die Preissteigerung oder die Heraufsetzung der bestehenden Höchstpreise herbeizuführen. 3. Wer beim gewerbsniäßigen Kleinverkauf für Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert oder annimmt, die nach der Markt- läge ungerechtfertigt hoch sind. 4. Wer als Verkäufer von Gegenständen des täglichen Bedarfs ohne ge- nügenden Entschuldigungsgrund, so lange seine Vorräte reichen, einem Käufer die Abgabe seiner Verkaufsgegen- stände gegen Bezahlung verweigert. In dem Urteil ist anzuordnen, daß die Verurteilung auf Kosten des Schuldigen in drei vom Gericht zu bestimmenden Tageszeitungen öffent- lich bekannt zu machen ist. Im Strafverfahren entscheidet über die Vorfrage, ob der Preis angemessen ist, die Distrikts- Polizeibehörde endgültig. Diese Verfügung wird von den Münchener Blättern zu- stimmend begrüßt. Insbesondere geben die«Neuesten Nach- richten" dem Wunsch Ausdruck, Latz sich womöglich alle übrigen Generalkommandos den Maßnahmen des General- kommandos des 1. bayerischen Armeekorps anschließen, zum mindesten aber die drei bayerischen Korpsbezirke überein- stimmend vorgeben und ihren Bestrebungen durch Ausfuhr- Verbote nötigen Rückhalt verleihen. Steigerung der Biehpreise durch eine Landwirtschaftskammer. Ein interessanter Schweinehandel wird jetzt in Hannover vor die Oeffentlichkeit gebracht, der wieder einmal schlagend beweist, daß die Produzenten, in diesem Falle die Landwirte, ungeheure Profite auf Kosten der Konsumenten herausholen. In der Versammlung der Fleischerinnung von Hannover wurde dieser Tage nach der„Allgemeinen Fleischerzeitung" mit- geteilt, daß die Landwirtschaftskammer durch ihre ViehverwertungS- genossenschaften seit dem 28. Juni größere Massen Schweine, bis 700 Stück pro Markttag, auf den dortigen Viehmarkt bringen lassen. Diese Schweine sollen nach diesen Mitteilungen einem Lieferungsvertrage entstammen, den die Landwirtschaftskammer mit den Landwirten abgeschlossen hat. Die Landwirtschaftskammer habe sich seinerzeit, als die Beschlagnahme der Futtermittel er- folgte, mit großen Mengen dieser Futtermittel eingedeckt. Ob es durch Unterstützung der Regierung geschehen sei, war nicht festzu- stellen. Die Futtermittel soll die Landwirtschaftskammer an ihre Mitglieder weitergegeben haben unter der Bedingung, daß ihr die damit gemästeten Schweine zum Preise von 62 Mk. pro Zentner Lebendgewicht geliefert werden. Diese Lieferungen seien jetzt streckt sich auch auf den Halm und auf das ermahlene Mehl ein- schließlich Dunst. Mit dem Ausbrechen wird das Stroh von dieser Beschlagnahme frei. Durch die Beschlagnahme sollen Preistreibe-- reien verhindert werden, sie soll aber auch eine gerechte Verteilung unter der Bevölkerung ermöglichen. Wer gegeir die Verordrrung verstößt, wird mit Gefängnis bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bis zu 26 666 M. bestraft. Zeitungsvertrieb in Russisch-Polen. Die„Norddeutsche Allgemein? Zeitung" teilt mit, daß bei sämtlichen deutschen Postanstalten in Russisch-Polen der ZeitungS- vertrieb eingeführt tvorden ist. Bezogen werden können die in deutscher Sprache innerhalb Deutschlands erscheinenden sowie eine beschränkte Zahl polnischer Zeitungen und Zeitschriften. Die Be- zieher in Russisch-Polen haben die deutschen Bezugspreise zu ent- richten. Gleichzeitig sind auch die Ileberweisung von Zeitungen für gewonnene Bezieher sowie der Versand von Zeitungsbahnhofs- briefcn nach Russisch-Polen zugelassen. Die Leitung der Zivilverwaltuug für die Provinz Antwerpen. Senator Strandes, der seit 9 Monaten das Amt des Präsi- denten der Zivilverwaltung für die Provinz Antwerpen führt, kehrt demnächst, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, nach Hamburg zurück. Er wird in seinem Amte vom Senator Dr. Sthamer abgelöst. Die Kämpfe in Mexiko. New Dork, 7. Juli.(SB.?. 33.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Nach Berichten aus Laredo in Texas haben die A n- Hänger Carranzas gestern in einem heftigen Kampfe vergeblich versucht, T u r e d o n, ein Bollwerk der Partei Villas, in der Nähe von Monterey, einzunehmen. An dem Kampfe nahmen 18 666 Mann teil) die Verluste werden auf 2666 geschätzt. Revisionismus unö Internationalismus. Von Ed. Bernstein. Genosse Axelrod hat sich kürzlich in der russischen Parteipresse über Nationalismus und Jnternationalis- mus geäußert und dabei die Auffassung vertreten, die jetzigen Differenzen über die Rolle des nationalen und internationalen Moments in der Arbeiterbewegung gingen weit tiefer als die bisherigen Differenzen zwischen Revisionismus und Marxismus. Nachstehend lassen wir nun einen Artikel des Genossen Ed. Bernstein folgen, in dem dieser feinen Standpunkt zu der nicht bloß theoretisch wichtigen Frage darlegt. Die Redaktion. Soweit die deutsche Sozialdemokratie in Betracht komnit, findet man die große Mehrheit derjenigen. Sozialisten, die als Revisionisten bekannt sind, auf der Seite der beharrlich am der Bewilligung der Kriegskredite festhaltenden Parteimitglieder; neben ihnen aber auch eine Anzahl der vordem heftigsten Gegner des Revisionismus. Und beide Gruppen berufen sich für ihr. Ver- halten auf Karl Marx und Friedrich Engels. Meine Wenigkeit dagegen, der ich vor 15 Jahren den Revisionismus theoretisch- zu be- gründen versucht und ihn seitdem in Wort und Schrift verfochten habe, ist zu der entgegengesetzten Auffassung gelangt, und ich kann hinzufügen, daß dies auch anderen deutschen Revisionisten so geht. Wohl der beste Beweis, daß mit den Schlagworten Revisionismus und Marxismus für die heute zur Beantwortung stehende Frage ohne tieferes Eindringen sich wenig anfangen läßt. Nun ist der Revisionismus die Theorie einer Praxis, für die der Name Reformismus als beste Bezeichnung immer mehr Annahme gefunden hat. Diese Praxis begegnet sich für gewöhnlich mit der politischen Methode, die wir als Opportunismus kennen, und ist ihr oft gleichgesetzt worden, wogegen ich jedoch un- zählige Dkale Verwahrung eingelegt habe. Der Opportunismus kennzeichnet sich durch die Nichtachtung theoretischen Denkens, und nicht wenige Parteimitglieder, die für Revisionisten galten, waren einfach Opportunisten, die gar kein Hehl daraus gemacht haben. daß sie für die revisionistische Theorie wenig oder gar kein Jnter- esse empfinden. Die opportunistisch denkenden Sozialisten nun haben sich in Deutschland begreiflicherweise fast ausnahmslos den nationalistischen Strömungen angeschlossen, und daher die weite Verbreitung der Vorstellung, daß diese Strömungen und der Revisionismus von Hause aus seelenverwandt seien. Tatsächlich aber stellt sich die Frage durchaus anders. Axelrod hat ganz recht, wenn er sie als eine solche des Grades der Jnter- Nationalisierung der Sozialdemokratie bezeichnet. Nur formuliert er sie meines Erachtens nicht glücklich, wenn er als ihren Aus- gangspunkt die„Unvereinbarlichkeit der alten Ideologie und Psychologie des Patriotismus und Nationalismus mit den Grundsätzen und Interessen der proletarischen Betocgung als ein Ganze?" bezeichnet. Die alte Ideologie und Psychologie des Patriotismus ntvtX a«. i: i.«v 1. r___ ✓71.. t r•• 1•-.. in Fluß....„ Der Marktpreis für Schweine stellt sich aber gegenwärtig um 1Irl0 1I'are L�nz gut mit diesen Grundsätzen und Interessen mehr als das Doppelte so hoch wie der Preis für die angelieferten.?.u dereinbaren� Was aber nicht mit ihnen zu vereinbaren ist, Schweine. Trotzdem aber werden diese Schweine zum Marktpreis � ien€ ,neue Ideologie und Psychologie des Idationalismus, wie von 145 bis 156 M. pro Zentner abgesetzt. Das find wirklich inter essante Handelsgepflogenheiten. Die Landwirtschaftskammer, die hier nur als Verkaufsvermittler auftritt, macht ungebührlich hohe Profite, wenn diese Mitteilung in vollem Maße zutreffend ist. In dem obigen Falle will die Landwirtschaftskammer pro Woche 1666 Stück Schweine auf den Markt bringen. Nehmen wir nun an, das Schwein wiegt im Durchschnitt 2 Zentner, dann stellt sich der Gewinn pro Schwein auf 166— 176 M. Bei 1666 Schweinen bedeutet das einen Gewinn von 166 666 bis 176 666 M. pro Woche nur für die Ver- Mittelung des Verkaufs. Der Gewinn stellt sich aber noch höher, weil die Schweine sicher schwerer sind. Das wäre ein fetter Happen für die Landwirtschaftskammer, wenngleich auch einige Unkosten für das Geschäft in Abzug gebracht werden. Die Landwirtschaftskammer von der Provinz Hannover wird sich recht bald zu diesen eigenartigen Geschäftsgepflogenheiten äußern müssen, die nunmehr in die Oeffentlichkeit gekommen sind. Beschlagnahme von Brotgetreide in Belgien. Brüssel, 8. Juli.(W. T. B.) Der Generalgouverneur ordnet an, daß das in Belgien im Bereiche des Generalgouvernements Kräften, welche die angebaute Brotgetreide aller Art, wie Roggen, Weizen, Spelz, ebenso auch Gerste(Futter- und Braugerste), gleichviel, ob ungemengt oder mit anderen Getreiden gemengt, mit der Trennung vom Boden zugunsten der Zivilbevölkerung im Bereiche des General- gouvernements beschlagnahmt wird. Die Beschlagnahme er- sie zurzeit namentlich in Deutschland Adoption gefunden hat. Die alte Ideologie forderte das Selbstbestimmungsrecht der Nation im Rahmen der Kulturvölker, sie war wesentlich'demo- k r a t i s ch, wie ja der Begriff patriotisch selbst ursprünglich mit demokratisch zusammenfiel. Die neue deutsche, oder, sagen wir lieber,� neudeutsche Ideologie dagegen spricht imperialistischen Jnteressenkonflilten, die zwischen bestimmten Äapitalistengruppcn des einen Landes und Äapitaliftengruppen anderer Länder ob- walten, eine Bedeutung für diese Länder selbst zu, welche die Solidarität der Völker im gegebenen Fall für geringer erscheinen läßt, als die Solidarität der Arbeiter dieser Länder mit den Interessen solcher Kapitalistengruppen je ihres Landes. Sie ist daher, soweit sie das tut. im letzten Grunde nicht demokra- tisch, Jienn sie treibt mit Notwendigkeit dahin, Staatenpolitik an die«stelle der Völterpolitit zu setzen. Hier ist der springende Punkt der zur Entscheidung stehenden Gegensätze. Man kann ihn so bestimmen, daß man sagt, es handelt sich um den Gegensatz Mischen der soziologischen Auffassung und der imperialistischen Auslegung der Völkerbeziehun- gen. Die soziologische Auffassung geht aus von den sozialen Völker in immer engeren Verkehr bringen und so eine immer stärkere Gemeinsamkeit der Interessen zwischen ihnen herstellen. Die imperialistische Ans. legung läßt die Völker als Gefolgschaften großkapitalistischer Ver- bindungen erscheinen und stempelt die Gegensätze dieser zu Gege«- sätzen ihrer Nationen. Während die soziologische Auffassung die stanbrge GerterLrlimng unÜ Stärkung SeS internationalen Rechtes 311m Ziel setzt, laßt die imperialistische Auslegung das internationale Recht als eine untergeordnete Angelegenheit erscheinen. Auf die Handelspolitik übertragen führt die soziologische Auf- fassung mit Notwendigkeit zur Politik des freien Austausches zwischen den Nationen, die imperialistische zur Schutzzöllnerei, soweit sie nicht selbst schon deren Erzeugnis ist. Es ist überaus bezeichnend, daß in der imperialistischen Literatur aller Schattie- rungen neuerdings nichts eifriger gepflegt wird als das Schmieden von Plänen auf Einteilung der Welt in zollpolitische Sonderbünde. Ihr Gelingen wäre ein würdiger Abschluß dieses Weltkrieges, er hieße ein Auseinanderreißcn der Völker auf unbestimmte Zeit hinaus. Nicht der alte demokratische, der moderne kapitalistische im Imperialismus gipfelnde Nationalismus ist das zu bekämpfende Uebel. ES hieße die Geschäfte dieses letzteren besorgen, lvollte man das Recht des elfteren bestreiten. Die Internationale der Völker ist nur möglich als ein Bund von in Freiheit sali da- risch verbundenen Nationen. Das muß der leitende Gedanke! der Arbeiterinternationale bleiben. Und er kann es bleiben. Denn was man heute Krise der Internationale nennt, — ist in Wirklichkeit imr die Krise eines Teils der Internationale. Die Internationale hat versagt, weil dieser Teil versagt hat. Kommen dessen Elemente zur Selbstbesinnung, so wird auch die Wiedergcsundung der Internationale nicht auf sich warten lassen. Denn die Mehrheit ihrer Teile hat nicht nur nicht oersagt, sondern im Gegenteil sich ganz ausgezeichnet gehalten. Um eS zusammenzufassen: soweit nicht krasser Opportunismus zu Verstößen gegen die Grundgedanken der Internationale geführt hat. sind es Theorien, die ebenso jenseits des Revifionismusstreites liegen, wie sie nichts mit den Lehren und der Praxis von Marx und Engels zu tun haben. Die sozialdemokratische Internationale wird aus diesem Kriege mit stärkerer Betonung ihrer Rcchtsgcdanken hervorgehen. Eine ihrer ersten Ausgaben nach dem Kriege wird die Ausarbeitung von Grundlinien internationaler Politik der Arbeiterklasse sein. Sie wird den Fragen des Völkerrechts, der internationalen Verträge und insbesondere der internationalen Verkehrspolitit stärkere Be- echtung schenken als bisher und zu ihnen eine entschiedenere positive Stellung einnehmen. Sie wird möglicherweise zunächst materiell Eintrag erleiden. Aber sie wird dafür in ihrem Ideengehalt, ihren politischen Begriffen und ihrem praktischen Programm gefestigter mjs ihm hervorgehen. Das lese ich aus Axelrods Ausführungen heraus, und darin stimme ich ihm rückhaltlos zu, Mus öer Partei. Tie Meinungsfreiheit der Gewerkschaften. Genosse K a u t s k y schreibt uns: Unter diesem Titel veröffentlicht die bekannte„I. K." einen Angriff gegen Bernstein, Haas« und mich, den ich. wie so manchen anderen unbeantwortet ließe, wenn dort nicht den Genossen über meine Haltung zu den Gewerkschaften direkt unwahre Tinge er- zählt würden. Die„J. K." schreibt: »Wir wissen, daß Kautsky nicht gerade die Einheit der Partei an erster Stelle setzt, das hat er oft in Parteidistussionen zu erkennen gegeben. Als auf dem Mannheim« Parteitag die Streitfrage über den Generalstreik nochmals verhandelt wurde, um ein Einverständnis mit den Gewerkschaften herbeizuführen, hat er bis zuletzt dagegen geeifert. In der Berliner Delegation, in der sich Bebel bemühte, dieses starre Festhalten KautSkyS zu brechen, rief Kautskp triumphierend:„Das ist die Gelegenheit, um die Gewerkschaftsführer zu ducken." Die Genossen waren verständiger, sie hatten nicht den Ehrgeiz, solche Siege zu feiern und sie »ersagten Kautsky die Unterstützung zu einem Vorhaben, das sicher auf lange Zeit schwere innere Kämpfe gezeitigt hätte. H«it« besteht wohl kaum ein Streit darüber, daß die Gcwerk- schasten den Generalstreik zutreffender eingeschätzt haben." Wie haben sich die Dinge in Wirklichkeit zugetragen? Die Differenz zwischen den Gewerkschaften und mir, die in Mannheim zutage trat, bezog sich nicht auf den Massenstreik und dessen zu- treffende Einschätzung, sondern auf die Pflichten der Parteigenossen /z8 Uhr Bismarckplatz. Fahrgeld 20 Pf Esse», Decke uiid Trink- becher sind mitzubringen. Erwachsene und Gäste willkommen. Nachzügler treffen sich am Sonntag früh. Siehe Anzeige der Paniower Arbeiterjugend. Allgemeine Kranken- und Sterbekaiie der Metallarbeiter (B. a. G.) Hamburg. Filiale B a u m s ch u I e n w e g. Den Mit- gliedern in Treptow zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 10. Juli, abends von S'/.,— 10 Uhr, im Lokal von Wolfram, Elsenstr. 101, Ecke Kies- holzstratze, kassiert wird. Allgemeine Familieufterbekaffe. Sonntag, den 11. Jutn Zabl- und Anfnahmctag von 3— 6 Uhr im Restaurant Gerichtstraße 12/13; Sonnabend, den 17. Juli, in Wildau(Wildauer Hos) von 4— S'/z Uhr. Eingegangene Druckschriften. Heft 15 der„Neuen Zeit" vom 9. Juli 1915 bat folgenden Inhalt: T. I.(Paris): Eine Stimme aus Frankreich.— Karl Kautsky: Ein ob- jektiver Nichter und gewissenhaster Historiker.— N. Rjasanoff; Die auswärtige Politik der alten Jnternätiouale nnd ihre Stellungnahme zum Krieg(Fortsetzung).— I. Fedder(Amsterdam): Die sozialdemokratische Arbeiterpartei in Holland während des Krieges.— Ed. Bernstein: Amerikaner über den Weltkrieg(Schluß).— Literarische Rundichau: L. Radios, Vaterland und Sozialdemokratie, Missionsinspeklor I-ic. theoL I. Witte-Berlin, Oftasien und Europa. Karl v. Bardeleben, Proscssor in Jena, Die Anatomie des Menschen.—■ Briefkasten. „Die Frau". Monalsschrist für das gesamte Frauenlcbcn unserer Zeit. Julihesr. Herausgegeben von Helene Lange. Quartal 2 M.— W. Moeser, Berlin L 14. Deutsche Orient-Bücherei. Herausgeber E. Jäckh. Türktsmus und PantürkiSmuS. Von Tekin Alp. 1.30 M.— Vom afiatischeu 9t eich der Türkei. Von Geheimrat Dr. Sachau. 75 Pf— Die Weltstellung Konstantinopels in ihrer historischen Entwickelimg. Von Prof Dr. Jastrow. 75 Pf.— G. Kiepenheuer Verlag, Weimar. „Internationale Rundschau". 1. Jahrg. 2. Heft. 50 Pf— Art. Institut Orell Füßli, Zürich._ Sriefkaften der Redaktion. Sie lurislische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindensir. Z, IY. Hos rechts, parierte, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Ulir, am Sonnabend von b bis s Uhr statt. Jeder sür den Lrieitasten bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsauitiung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Bcrträge, Schriftstülte und dcrglciche» dringe man i» die Sprcchsiinidc mit. H. D. Kl.-Glienicke. 1. Nein. 2. und 3. Die Höhe ist verschieden. 4. Eine gleichmäßige Handhabung besteht nicht, da die verschiedensten Per- waltungen in Frage kommen. 5. Die Mietsunterstützungcn richten sich nach dem Einkommen im ganzen; es wird von Fall zu Fall geprüft.— F. S. 33. Entstehen durch das Anschlagen des Blutes an die Herzklappen und stellt aus demselben der Arzt je�nach ihrer Art die verschiedenen Krankheiten fest. — O. E. 93. Wenden Sie sich an das Allgemeine Marinedepartement des Reichsmarincamtes. Berlin\V 10, Königin-Augusta-Str. 38—42. Alles weitere dürften Sic dort erfahren— A. L. 39 u. P. P 1859. Zu erfahren bei P. Rathmann. Mariendorf, Bergstr. 8.— W. U. 99. Nein. — F. L. 23. Wenden Sie sich schriftlich unter Beifügung des ärztlichen Attestes an das Bezirkstommando.—<£. St. Landsturm, triegsverwendungs- sähig; Steifheit oder Krümmung eines Fingers.— Trudchen 25 1. Geburtsurkunden und Militärpapiere. 2. Dasür gibt es keine bestimmte Frist.— C. K. 100. Der Buchstabe ist jedenfalls nicht richtig wieder- gegeben, es wird Z sein und heißt dann zurückgestellt; die Zahl bedeutet Krankheiten des Ohres.— E. I. 76. Bruchanlage; dienstsähig.— E. B. 96. Im Falle einer Einberusung erhall Ihre Mutter Unterstützung, da sie für den Unlerhalt der Mutter gesorgt haben.— A. F. 100. Sie müssen sich schriftlich an das Militärburcau des Magistrats, Berlin, Waisen- straße 25/27, wenden.— W. M. 100. Das System bewährt sich. — P. 25. Chronischer Gelenkrheumatismus. Die zweite Bezeichnung kennen wir nicht.— H. W. 100. 1. Aus Vermutung hin können Sie gegen den sWirt nichts unternehmen. Wenn sie Beweise dafür haben, daß er Sie verleumdet, könnten Sie ihn wegen Beleidigung verklagen. 2. Sie sind nicht verpflichtet, vom Vertrage zurückzutreten; er ist durch die voll- zogenen Unterschriften znslande gekommen.— V. B. 100. Herzschier; landsturmpflichtig.— C. P. 115. Wenn der Vertrag aus den Namen Ihrer Frau geht, hastet sie sür die Zinsen.— R. 45. Das kommt auf die Bestimmungen des Vertrages an: wahrscheinlich bat der Wirt das Recht zu kündigen.— B. 70. Steifheit oder Krümmung eines Fingers: dienstfähig.—(£. L. 98. Sie unterliegen nicht dem Ausruf des Landsturms. Nur wenn Sie persönliche Gestellungsordcr erhalten, was jetzt mit Personen, die sich in gleicher Lage wie sie be- finden, geschieht, müssen Sie sich stellen.— M. B. 18. Ja. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktkallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen.(Ohne Bcrbindtichleit.) Donnerstag, 8. Juli 1915. Fleisch: Rindfleisch per 50 üx, Ochsen- fleisch la 103-120, do. IIa 90—102, do. HI a 82-90; Bullenfleisch la 100—110, do. IIa 85—100; Kübe, fett 85— 100, do. mager 78— 85, do dänische 00— 00, Freffer 85—90. Fresser, dänische, 00—00: Bullen, dänische, 00— 00. Kalbfleisch, Doppellcndcr 135—100; Maitkälbcr la 110— 120, do. IIa 100— HO; Kälber ger. gen. 70—90, do. dän. 00— 00, do. Holl. 00— 00. Hammelfleisch: Mastlämmer 125—130; Hammella 115— 124, do. IIa 105— Up; Schafe 105— 115; hall. 95— 100; Schweinefleisch, Schweine, fette 00—00, sonnige 130—155, dän. Sauen 00—00, dän. Schweine 115— 120, do. schwedische 115— 120, do. holländische 115— 1''0. Gemüse, inländisches: Kartoffeln, Nieren- 50 kg 9— 11, weiße Kaiserkronen 8— 10, Magdeburger, blaue 10—11. Sellerie Schock 2.40—3,20. Weißkohl Schock 23,00. Rotköhl, Schock 23,00. Porree, Schock 0,70—1,00; Spinal 50 kg 10,00—15,00; Meerrettich. Schock 4,00—10,00; Pctersilienwurzcl, Schockbund 4,00— 6,00; Radieschen, Schockbund 1,50— 1,75; Gurten, Gorgasler, 100 stück 0,00; Rdabarber, Hamburger, 100 Bund 4,00, dito hiesiger 100 Bund 2,00—4,00. Tomaten, Gorgafter, 50 kg 70,00 bis 80,00. Zwiebeln, neue 50 kg 22—26. Salat, Schock 0,70— 4,50. Rettiche, bayerische. 100 Stück 8,00—12, Koblrabi, Schock 1,00—1.50, schoten, hiesige, 50 kg 20,00— 25,03, Mohrrüben, schockbund 2,50—3,50, Wirsingkohl, Schock 8,00— 10,00; grüne Bohnen, 50 kg 30,00—40,00; Puffbohnen 50 kg 4,00— 9,00; Wachsbohnen 50 kg 40—50, Obst und Südfrüchte: Kirschen, Wcrdcrsche 50 kg 10,00— 20,00, do, schlefische 50 kg 4,00— 10,00. do, Werdersche Knupper- 50 kg 25,00—35,00. do, saure 50 kg 25,00—26,00, Aepfel, Amerikaner, Kiste 25—30. Stachelbeeren, unreife, 50 kg 15—18, reife 50 kg 15— 25. Johannisbeeren 50 kg 15— 20. Blaubeeren 50 kg 16— 20. Erdbeeren 50 kg 25— 50, do. Beelitzer 40—45, do, Holl, 50 kg 40 bis 50, Himbeeren 50 kg 50— 55. Zitronen: Messina 300 Stück 29—32, do. 360 Stück 29—34, do, 150 Stück 12—14, do, 50 kg 12—15, do. 160—200 Kiste 18—19. Apselfinen 160—200 Stück 7—10. verantwortlich:: Redakteur: Alfrep Wielepp, Neukölln. Für deg Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlins Druck u.VerIaz: Vorwärt» Buffchruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,