Nr. 189. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerands: Bierteljährl 8,30 MI, monatl. 1.10 wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bf. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mark pro Monat. Bostabonnements rehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. • Vorwärts Berliner Volksblaff. 32. Jahrgang. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pig. Kleine Anzeigen", das fettgedrudie Wort 20 fg.( zuläfftg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafftellenan geigen bas erste Wort 10 fg., jedes foeitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 151 90-151 97. Sonntag, den 11. Juli 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Feindliche Angriffe auf allen Fronten abgewiesen. Die russische Generalstabsbericht. Petersburg, 10. Juli.( W. T. B.) Der Große Generalstab gibt bekannt: In der Gegend von Szawle, westlich des Njemen, an der Narewfront und links der Weichsel hat sich nichts Wichtiges verändert. Am Bobr versuchte der Feind flußabwärts von Dssowic bei dem Dorfe Brjostowo, eine Brücke zu schlagen. Unsere Artillerie zerstörte aber die Brücke, deren Reste von unseren Patrouillen zerstört wurden. Im Tale der Pissa bemächtigten wir uns eines feindlichen Flugzeuges. Im Abschnitt JednorosezPriasnysz fanden lebhafter Artilleriekampf und Einzelgefechte statt. In der Richtung auf Bolimow bei dem Dorfe Humin gelang es dem Feinde, der unsere Stellung unter Benuzung giftiger Gase angriff, nirgends Fortschritte zu machen. Wir behaupten ungeschmälert unsere bisherige Front. In der Gegend von Lublin breitete sich unsere Offensive in der ganzen Gegend des Zuflusses Podlipa bis zu einem Bache südlich von Bychawa aus. Der Feind zieht sich weiter zurück. Um uns aufzuhalten, widerstand er besonders hartnäckig bei der Höhe 118 südlich des Dorfes Bilfolaz Gorny. Die 3 a 51 der Gefangenen ist auf über fünfzehntausend gestiegen. Zwischen Bycha wa bis zum westlichen Bug hat keine Operation stattgefunden, ausgenommen der Angriff eines deutschen Regimentes bei dem Dorf Maslomencha, den wir zurüdschlugen. Am Bug an der Zlota- Lipa und am Dnjestr feine Veränderung. Unsere Patrouillen klären an der ganzen Front auf. Dabei machten sie im Laufe von 24 Stunden einige Hundert Gefangene. Bei dem vergeblichen Angriff auf das Dorf Kuptscha am Bug ließ der Feind vor unserer Front rund 500 Zote und Verwundete zurüd. Warschau von der Zivilbevölkerung geräumt. Petersburg, 9. Juli.( W. T. 28.) jets" schreibt: Wenn die russische Regierung jegt, wie sie es getan hat, den Zeitungen borfchreibt, in zuversichtlichem Zone über die Striegsereignisse zu schreiben, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, so ist dagegen zu sagen, daß das Vertrauen zu den Erklärungen der russischen Zeitungen bereits erschüttert ist.„ Rietsch" stellt fest, daß Warschau nunmehr von der 3ivilbevölkerung und den Regierungsorganen geräumt sei. Der französische Tagesbericht. war Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 10. Juli 1915.( W. Z. B.) Weftlicher Kriegsschauplatz. Tagsüber war die Gefechtstätigkeit auf der ganzen Front gering. Drei französische Angriffe bei Launois( am Südhang der Höhe 631 bei Ban de Sapt) scheiterten bereits in unserem Artilleriefeuer. Nachts wurde in der Champagne nordwestlich Beauséjour- Ferme ein vorspringender französischer Graben gestürmt; östlich anschließend unternahmen wir einige erfolgreiche Sprengungen. Zwischen Ailly und Apremont fanden bereinzelte Nahkämpfe statt. Im Priesterwalde verbesserten wir durch einen Vorstoß unsere neuen Stellungen. Seit 4. 7. sind in den Kämpfen zwischen Maas und Mosel 1798 Gefangene( darunter 21 Offiziere) gemacht, 3 Geschüße, 12 Ma. schinengewehre, 18 Minenwerfer beutet. et. Bei Leintrey östlich von Lunéville wurden nächtliche Vorstöße des Feindes gegen unsere Vorposten abgewiesen. Deftlicher Kriegsschauplatz. Bei Osowiec wurde ein feindlicher Angriff zurüdgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplah. Die Lage der deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichische Generalstabsbericht. Wien, 10. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird verlaut. bart: 10. Juli 1915: Russischer Kriegsschauplay. Die Situation ist im Großen unverändert. Nördlich Krasnit erneuerten die Nussen in der vergangenen Nacht nochmals erfolglos ihre Angriffe. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Ruhe an der Küstenländischen Front hielt im allgemeinen an. Ein feindlicher Angriffsversuch bei Sdraufsina wurde abgewiesen. Im Kärntner Grenzgebiet hat sich nichts ereignet. An der Tiroler Front wurde ein italienischer Angriff auf unsere Stellungen nordöstlich des Kreuzbergsattels zum Stehen gebracht. Gegen den Col di Lana gingen vorgestern nachmittag mehrere feindliche Bataillone vor. Das Feuer eines unserer Forts zwang sie zur Umkehr. Gestern vormittag versuchte ein Bataillon einen neuen Angriff. Erst auf die kleinsten Entfernungen beschossen, hatte es große Verluste und mußte gleichfalls zurüd. Die braven Standschüßen betätigen im schwierigsten Hochgebirge ihre Unternehmungslust in erfolgreichen Kämpfen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Zonist Verstimmung in Frankreich. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: der Immer zahlreicher werden die Anzeichen, die darauf hindeuten, daß in Frankreich die Pläne und Versprechungen nationalistischer Großmannssucht in den Massen des Volkes einer kritischeren Betrachtung begegnen und die Sehnsucht nach Frieden anschwillt. Freilich läßt die eiserne Gewalt der Zensur diese Stimmungen nicht zu offenem Ausdruck kommen, und man kann ihr Vorhandensein fast nur durch Schlüsse aus den Protesten, Mahnungen, Schimpfereien der Prediger des Striegs bis zum bitteren Ende" feststellen. Aber die aufmerksame Lektüre der allerdings sehr dürftigenBerichte über die Verhandlungen der Kammern läßt die steigende Unruhe in der inneren Politik unverkennbar hervortreten. Die Unzufriedenheit der Parlamentarier knüpft vor allem an die kavaliersmäßige Rücksichtslosigkeit an, womit die Regierung das Kontrollrecht der Volksvertretung behandelt hat. Man hat ja die Kammern sozusagen weitertagen lassen, aber ihnen allerhand Kleinkram zum Zeitvertreib hingeworfen und für die eigentliche Kontrolle die die mit Armeeausschüsse bestimmt, Regierung bei vielen Gelegenheiten in heftige Reibung tamen, ohne jedoch unter den gegebenen Umständen der demokratischen Souveränität des Parlaments zum Sieg verhelfen zu können. Auf die wachsende Unzufriedenheit, vor allem mit dem Gebaren der Striegsverwaltung, ist der Beschwichtigungsrausch zurückzuführen, den Millerand mit der Errichtung des Unterstaatssekretariats für das Munitionswesen und der Berufung des Genossen Albert Thomas machte. Indes ist die Mißstimmung neuerdings im Senat hervorgebrochen, bei der Verhandlung über die BudgetZwölftel für das dritte Quartal. Charakteristisch ist, daß zuerst Viviani die Kundgebung eines überlegten, methodischen Vertrauens" forderte und eine Erklärung zur Zerstreuung gewisser Mißverständnisse" für notwendig hielt. Diese Erklärung suchte zunächst zu beweisen, daß die Regierung dos Kontrollrecht der geseggebenden Körper gewahrt und die Wünsche der Armeekommission bezüglich der Beseitigung gewisser, nun einmal unvermeidlicher Lücken und Irrtümer berücksichtigt habe. Zum Schluß aber holte die patriotischen Bruſttöne hervor, die bei einer solchen Gelegenheit immer auf eine politische Bedrängnis hindeuten und eine Art moralischer Erpressung darstellen. Daß der progressistische Senator Hervey, der nach dem feierlichen Beifallsgefnatter das Wort verlangte, ausschließlich über den Viehstand im Departement Eure und über die Besorgnisse der besitzenden besigenden Klassen wegen einer die Stapitalisten treffenden Finanzpolitit sprach, minderte die Wirkung des Vivianischen Feuerwerks erheblich. Nun erhob sich Miller and zur allgemeinen Ueberraschung auch die Mitglieder der Armeekommission, gegen die sich sein Auftreten vor allem richtete, hatten nichts von seiner Absicht, zu sprechen, gewußt und forderte ein ganz persönliches Vertrauensvotum. Seine Rede, die der Verteidigung seiner ganzen Amtsführung galt, ließ, namentlich bei einigen Unterbrechungen, seltsame Lichter aufblitzen. Als er sagte, daß sich die Produktion vom 1. August bis 1. April bersechsfacht habe, rief der Senator Milliès- Lacroir, der vor dem Krieg wiederholt Berichterstatter über das Heeresbudget war: Man müßte wissen, wie groß unsere Produktion am Beginn war!" Worauf Millerand erwiderte:" Ich denke auf teine Frage und feine Interpellation zu antworten, be sonders in der heutigen Sitzung!" Diese Erklärung rief begreiflicherweise eine starke Bewegung im Haus hervor. er " Paris, 10. Juli.( W. T. B.) Der gestern nachmittag ausgegebene amtliche Heeresbericht lautet: Vom Meere bis zur Aisne wird gemeldet: Im Laufe der Nacht war ziemlich lebhafter Artilleriekampf um Souchez, langsame, aber andauernde Beschießung von Arras, heftige Kanonade zwischen Dise und Aisne auf dem Plateau von Nouoron. Ju der Champagne Minenkampf. In den Argonnen Gewehr- und Geschüßfeuer ohne Infanterieaftion. Zwischen Maas und Mosel die Nacht bewegt. Zwischen Fey en Haye und dem PriesterFey- enwalde eroberten wir durch Kampf mit Handgranaten etwa 150 Meter der am 4. berlorenen Schützengräben zurück. Bei Croir des Carmes griff der des Juli Feind abends auf einer Front von etwa 350 Meter nach einer Beschießung mit Lufttorpedos und nach Schleudern von brennenden Flüssigkeiten an. Nachdem es den Deutschen gelungen war, in unserer vordersten Stellung Fuß zu fassen, wurden sie durch einen sofortigen Gegenangriff zurückgeworfen. Es gelang ihnen nur, sich in einigen Stücken unseres vordersten| Front verhältnismäßig ruhig. Es ist keine Infanterieaktion Millerand setzte hierauf die Fortschritte in den Leistungen Schüßengrabens zu behaupten. In den Vogesen, im gemeldet worden. Der Feind fuhr fort, Arras mit groß- feines Ressorts auseinander, betonte seine Energie Gebiete von Ban de Sapt und Fontenelle trugen wir be- falibrigen Granaten zu beschießen. Zwischen Dise und Aisne, 138 Generäle, 600 höhere Offiziere habe er pensioniert merkenswerte Erfolge davon. Nachdem wir den Feind aus in der Champagne, zwischen Maas und Mosel und im Walde berief sich auf das Lob der Verbündeten, die die französischen dem Teil unseres früheren Schanzwerkes vertrieben hatten, den von Apremont lebhafte Artilleriekämpfe. In den Vogesen Striegsindustrien inspiziert hätten und forderte von den er am 22. Juni eingenommen hatte, bemächtigten wir uns richteten sich unsere Truppen in den bei Fontenelle eroberten Senatoren die gleiche Gerechtigkeit. der ganzen deutschen Verteidigungsanlagen bom Hügel Stellungen ein. Unser Kreuzfeuer machte dem Feind jeden wie der„ Matin" feststellt, die Schlußworte des Striegsministers Die Drohung mit dem Rücktritt versagte nicht, obzwar, südöstlich von Fontenelle bis zur Straße Offensivborstoß unmöglich, während unsere Batterien wirksam nur von einer gewissen Anzahl von Bänken" applaudiert Launois Moyenmoutier. Der Gesamtgewinn stellt seine Beschießung hinderten. wurden. Das Gesetz wurde hierauf einstimmig angenommen. einen Fortschritt von 700 Meter Tiefe auf einer Front von Daß die parlamentarische Situation damit noch nicht 600 Meter dar. Wir nahmen 19 Offiziere, darunter geflärt ist, geht aus dem Leitartikel Alfred Capus im einen Bataillonsführer, 2 Aerzte und 767 underwun- London, 10. Juli.( W. T. B.) General French meldet vom Figaro" hervor, der über die Forderung des Vertrauensdete Soldaten, die sieben verschiedenen Bataillonen an- 6. Juli: Der Feind trachtete wiederholt, die verlorenen Lauf- votums schreibt: gehören, gefangen. Unsere Ambulanzen nahmen 1 Offizier gräben nördlich von pern zurückzuerobern. Alle deutschen" Zum erstenmal seit Beginn des Krieges ereignet sich ein und 32 verwundete deutsche Soldaten auf. Wir erbeuteten Gegenangriffe wurden durch erfolgreiches Zusammenarbeiten unserer solcher parlamentarischer Zwischenfall und hierdurch bekommt ein 37 Millimeter Geschütz, 5 Maschinengewehre, mehrere und der französischen Artillerie zum Stehen gebracht. Heute früh er einen ernsten Charakter. Die öffentliche Meinung ist über Bombenwerfer und Munition in großer Menge. Seit Tages- og fich der Feind nach einer Beschießung, die zwei Tage und die mehr oder minder direkten Angriffe beunruhigt, die bisanbruch beschießt der Feind heftig die Stellungen, die er ber- Nächte gedauert hatte, längs des Kanals zurüd, so daß wir Ge- weilen in den Wandelgängen der einen oder anderen Verlände gewinnen konnten. Wir erbeuteten ein Maschinengewehr und sammlung gegen Herrn Millerand sichtbar wurden. loren hat. drei Laufgrabenmörser. Alle eingelaufenen Meldungen weisen Das Kriegsministerium ist das Zentrum der Drgadarauf hin, daß die feindlichen Verluste, besonders in den Gegen- nisation der der Nationalberteidigung und hat so eine angriffen, schwer waren. Bedeutung, die den Bereich der Politit bei weitem Paris, 10. Juli.( W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Der Tag war auf der Gesamtheit der Frenchs Meldung. " übersteigt. Der Mann, der es innehat, ist zweifellos dem Parlament gegenüber verantwortlich, aber er darf nicht in einer Falle oder Intrige verschwinden, wie sonst irgendein Beamter. Was von der gestrigen Verhandlung bleibt, sind tiie eindrucksvollen Reden bet beiden Minister und die ein- nimmige Annahme der Kredite. Der Rest— Couloirklatsch, angesponnene Komplotte, verletzte Eigenliebe, enttäuschter Ehr- geiz, Gerüchte über Risse im Ministerium— ist nicht bestimmt, .us dem Schatten hervorzutreten. Der Senat hat zu viel Patriotismus, um sich zu einer politischen Krise her- Zugeben, von der man wenigstens das eine sagen könnte, daß üe unter den gegenwärtigen Umständen der öffentlichen Meinung unverständlich tväre." Wenn der„Figaro" in dieser Weise seine Unruhe zeigt, bat das wohl verschiedenartige Gründe. Zweifellos liegt den klerikalen Kreisen gerade au Millerands Bleiben im Ministerium, weil sie in ihm einen Beschützer der ultra- inontanen Propaganda im Heer und des antirepublikanischeu Offiziersklüngels sehen. Daß' bei der an der Regierung geübten Kritik persönliche Antriebs und Parteigeist mitspielen, ist natürlich zugegeben, indes würden diese itegungen schwerlich hervortreten, wenn der felsenfeste Enthu- siasmuS noch fortdauerte, der in Berlin den Frieden zu dik- kieren und das„Ende deS Militarismus" herbeizuführen gewiß war. Man darf wohl annehmen, daß die Mehrheit VeS französischen Volkes nichts mehr ersehnt als ein baldiges Ende des Völkergemctzcls. Wenn aber die Friedenswünsche sich nicht hervorwagen oder, von einzelnen ausgesprochen, in den Volksmassen keinen lauten Widerhall finden, so tragen die Hauptschuld daran jene Kundgebungen, die Frankreich die Vernichtung seiner großstaatlichen Existenz, die Zersplitterung 'eines nationalstaatlichen Organismus und ein wirtschaftliches Weißbluten androhen. Neues vom Zeiömarfchal! kinöenburg. Iii.*) AuS dem Großen Hauptquartier wird geschrieben: TaS vorläufige Ziel des Einmarsches in Kurland war, die Dubissa- Linie zu besetzen und Libau zu nehmen. Es ist erreicht worden und kann zweifellos behauptet werden. Unsere Stellungen sind dort sehr stark ausgebaut. Die weiteren Absichten müssen noch im Dunkeln bleiben. Aber schon mit den bisherigen Erfolgen können wir außerordentlich zufrieden sein. Die deutschen Truppen haben nicht nur im Marschieren und im Kampf gegen einen stellenweise weit überlegenen Feind Hervorragendes geleistet, sondern auch einen schönen und wertvollen Teil deS russischen Bodens besetzt. DaS südliche Kurland ist landschaftlich von hohem Reiz. So sehr die kräftigen Hügelketten, die ragenden Wälder, die reich ver- streuten Buschgruppen, die zahllosen Gewässer, Seen und Sümpfe dem Krieger das Leben erschweren, so sehr entzücken sie den fried- lichen Beschauer. Dabei nehmen sie dem Lande doch nicht den Zauber der ungeheuren Weite. Man braucht nur einen mäßigen Berg zu ersteigen, um einen herrlichen Rundblick in meilenweite Fernen zu genießen. ES ist wahrlich leicht zu verstehen, daß sich hier einst Deutsche niedergelassen haben. Leider merken hiervon unsere Truppen jetzt wenig oder nichts. Die dünne deutsche Ober« schicht ist zumeist verschwunden, als der Krieg in die Nähe kam, und die Landbevölkerung verhält sich keineswegs deutschfreundlich. Be- sonders über die Feindseligkeit und Spioniererei der Letten, die ja seinerzeit von den Russen gegen die Deutschen aufgehetzt und re« volutioniert wurden, klagen unsere Soldaten sehr. Weiter süd- lich bei den Litauern ist's aber auch nicht viel besser. Das Leben in diesen Landstrichen, die außerhalb der wenigen Güter kaum ein nach deutschen Begriffen anständiges HauS, selbst in den großen Ortschaften kein« ordentliche Wirtschaft aufweisen, ist ftir die Lckku- pationstruppen alles eher als angenehm. Die russische Regierung hat diese ursprünglich reiche Gegend wohl absichtlich stiefmütterlich behandelt, sie mit Straßen und Eisenbahnen äußerst kärglich der- sehen. Die Abneigung gegen die deutsch-baltischen Großgrundbesitzer und die Furcht vor einem deutschen Einmarsch mögen da Hand in Hand gegangen sein. Immerhin war das Land noch nicht so ver- armt, daß nicht bedeutende Vorräte an Lebens» und Futtermitteln, Vieh, Leder. Spiritus hätten für uns nutzbar gemacht werden können. Von besonderem Wert war in wirtschaftlicher Hinsicht natür- lich die Einnahme des großen Handelshafens Libau. In den Spei- chern dort haben wir ansehnliche Mengen von Exportwaren ge- funden, die uns sehr zu statten kamen und den StörungSversuchen der russischen Kleinmarine zum Trotz munter nach Deutschland befördert werden. An Schanz- und Werkzeugen fand sich der Bedarf für eine ganze Armee. Tie Fabrik, in der eS hergestellt war, wird vom deutschen Gouvernenient weiierbetrieben, ebenso werden in Libau jetzt für unser Heer angefertigt: Ketten. Beschläge, Stachel- droht. Eine Sattlerei und eine Gerberei sind im Gange; schließlich eine große Meierei zur Versorgung der armen Bevölkerung mit Milch. So leisten die Deutschen auch hier oben eine vorzügliche LwganisationSarbeit, die sich seblst auf das Finanzwesen erstrecken muß, das infolge der mangelhaften Vorsorge der russischen Re» giorung am völligen Zusammenbruch war. Die Stadt Libau hat Assignatc ausgegeben, die als Zahlimgsmittel dienen; die Libauer Bank beleiht die Requisitionsscheine mit 10 vom Hundert. Der Stadt ist keine Kontribution auferlegt worden, sie hat nur Ver- pftegungszuschüsse an die einquartierten Truppen zu zahlen. Diese werden für ihr kräftiges Zufassen und ihre Mühen hübsch belohnt. Sie haben wohl von allen Truppen im Osten das angenehmste Leben. Libau ist eine ansehnliche Stadt und ein prächtiger Bade- ort mit vornehmen Villenstraßen, schönen Anlagen und herrlichem Strände, die Russen, zumal die Beamten, sind meist geflohen. Allein der Einfall in Kurland hat uns nicht nur wirtschaftliche Vorteile mannigfacher Art gebracht und ein wertvolles Stück Rußlands in die Hand gegeben, sondern er hat auch militärisch den bedeutenden Erfolg erzielt, daß der Gegner veranlaßt wurde, starke Kräfte dorthin zu werfen und dadurch seine Front an anderen Stellen zu schwächen.— Die Zusammenstöße der deutschen und der russischen Kräfte an der Dübissa-Linie haben unter vielfachen blutigen Kämpfen stattgefunden. Dabei sind unsere Truppen all- mählich von der Defensive, die mit starken Gegenstößen geführt wurde, zur Offensive übergegangen. Aus der ersten Periode sei ein Gefecht herausgegriffen, das ftir die damaligen Kämpfe an der Dubissa bezeichnend ist und das ein vorbildliches Zusammenwirken der drei Hauptwaffen aufwies. Tie Russen, die auf den Besitz der Dubissa-Stellung und besonders deS sie beherrschenden Straßenknotenpunktes Rossienie den größten Wert legten, führten am 22. Mai eine neue Kerntruppe, heran: die aus vier Jnsanterle-Regimentern und der zugehörigen Artillerie be- stehende 1. kaukasische Schützenbrigade. Diese ging, unterstützt durch die Id. Kavallerie-Division, auf Rossienie WS, wurde aber zunächst einen ganzen Tag lang von den Vorposten unserer Kavallerie jen- 'l©ielje Nr. 168 und. 186 des„Vorwärts"� 1 seiis der Dübissä SUfgehallest. Die Zeit genügte, um ausreichende deutsche Verstärkungen heranzuholen und einen Gegenstoß vorzu- bereiten. Am 23. Mai ließen wir den Feind über den Fluß herüber- kommen und sich Rossienie von Norden her nähern. Nachts aber wurde der größere Teil unserer Truppen um den westlichen Flügel des Gegners herumgeiührt und zum Angriff bereitgestellt. Als es hell wurde, brach das Verhängnis los. Starkes Artilleriefeucr aus unserer Stellung nördlich von Rossienie ergoß sich aus die russischen Schützengräben. Gleichzeitig stürzte sich unsere Infanterie auf die Flanke der russischen Stellung und rollte diese auf. Ohne ernsten Widerstand zu leisten, flohen die Russen nach der Dubissa zurück, um sich zunächst unserer Artilleriewirkung zu entziehen. Erst im Walde auf dem Westufcr des Flusses setzten sie sich wieder fest. Ilun machte sich aber der Druck unserer von Süden her vorgehenden Truppen fühlbar. Gleichzeitig griffen Teile unserer Kavallerie von Norden her gegen den Rücken ein. Unter diesen Umständen setzten die Russen den Kampf nicht weiter fort. Sie vermochten auch die als Brückenkopf auf dem West- ufer stark ausgebaute Stellung nicht zu behaupten, In kühnem An- lauf überwanden unsere tapferen Truppen die Drahthindernisse, und nun fluteten die russischen Massen über das Tal der Dubissa zurück, im wirksamsten Feuer unserer Infanterie, Artillerie und Maschinengewehre. Dabei erlitten sie ganz gewaltige Verluste. Zahlreiche Verwundete brachen im Flusse zusammen und ertranken. Ader auch auf den jenseitigen Höhen fanden die Russen keinen Schutz. Hier mußten sie den weiteren Rückzug unter dem flankie- renden Feuer unserer Kavallerie fortsetzen, die inzwischen den Fluß überschritten hatte und nun gegen die Rückzugsstratze vorging. Wiederum häuften sich die Verluste. ES ist begreiflich, daß sich unter diesen Umständen nur Trüm- mer der kaukasischen Schützen zu retten vermochten. 2500 Gefangene und 18 Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Rechnet man die blutigen Verluste hinzu, so haben die Kaukasier mindestens die Hälfte ihres Bestandes eingebüßt. Die Brigade war für längere Zeit gefechtsunfähig und zeigte auch später, als sie mit neuen Mannschaften wieder aufgefüllt war, keine rechte Kampfkraft mehr. Unsere Truppen dagegen, die verhältnismäßig gering« Verluste erlitten hatten, zogen fröhlich singend in ihre Stellungen ein. Ihre heitere Siegeszuversicht war herzbewegend. Aehnliche wohlgelungene Vorstöße gegen den immer von neuem andrängenden Feind haben unsere Truppen mehrfach an der Wenta ausgeführt. Am b. Juni setzte dann eine vom Armeeoberkommando geleitete Offensive auf der ganzen Linie ein, die unsere Linien wieder ein beträchtliches Stück vorwärts schob. Wir kamen über die Dubissa hinaus, errangen in hartnäckigen schweren Kämpfen den Uebergang über den Windawskikanal, besetzten die vielumstrittene blutgetränkte Höhe 145 bei Bubie, schoben uns so weit an Szawle heran, daß unsere schweren Geschütze schon in die Stadt hinein- reichen, und nahmen Kuze, 12 Kilometer nordwestlich von Szawle; am 14. Juni fand diese Operation ihr vorläufiges Ende. Das weitere bleibt abzuwarten. Di« Russen haben in allen diesen Kämpfen ungeheure Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen gehabt. Dagegen sind sie mit ihrer schweren Artillerie sehr vorsichtig geworden und m Offizieren sehr knapp. Bezeichnend ist, daß unter 14 000 Gefan- genen nur wenige Offiziere waren und kein Geschütz genommen wurde. Das scheinen Anzeichen für den Verfall der russischen Heeresmacht auch an dieser Stelle zu sein. Sie sollen beobachtet und verwertet werden. Westlicher Kriegsschauplatz. Austausch französisch- üeutscher Sanitäts- Mannschaften. Paris, S. Juli.(32. T. B.) Der„TempS" veröffentlicht eine halbamtliche Note, die besagt, daß die sranzösischs Regierung be- schlössen hatte, die gefangene deutsche Sanitätsmannschaft in Frankreich zurückzuhalten, weil die französische Sanitäts- Mannschaft, die von der deutschen Armee gefangen worden war, im allgemeinen in deutscher Gefangenschafr gehalten worden sei. Die langen Unterhandlungen hierüber seien mmmehr a b g e- schlössen. Nach dem neuen Uebereinkommen werden Aerzte, Seelsorger, Apotheker, Verwaltungsosfiziere, Sanitätsmannschaft, Krankenwärter und Krankenträger beider Armeen gleich- zeitig freigelassen werden mit Ausnahme derjenigen, die vorläufig zur Pflege der Kranken, Verwundeten und Gefangenen ihrer eigenen Nationalität zurückgehalten werden. Eine Anzahl von Aerzten und Sanitätssoldaten wird mit den ersten Transporten Kriegsuntauglicher von Konstanz und Ltzon aus heimbefördert, die übrigen werden mit Sondertransporten zurückgeschickt. die englischen Verluste. London, 10. Juli. lW. T. B.) Tie letzte Verlustliste ver- zeichnet 55 Offiziere und 9L0 Mann. ver italienische Krieg. Der italienische Kriegsbericht. Rom, 9. Juli.(W. T. B.) Bericht der O b e r st e n Heeresleitung. Im Daonetal versuchte der Feind einen Handstreich gegen die Besatzung des Gipfels Boazzola, wurde aber zurückgeschlagen. Im Hochtale des Flusses A n- ziel eröffnete unsere Artillerie das Feuer gegen das Fort von P l ö tz w i e s e, beschädigte es schwer und verursachte einen Brand. In Kärnten griff der Feind am 8. Juli unsere Stellungen ani Z e l l e n k o f e l und auf der Grünen S ch n e i d an. Er wurde mit Verlusten zurückgeworfen. Das gleiche Schicksal hatte ein nächtlicher Angriff gegen den Großen Pal. Unsere Artillerie fährt fort, die Werke von Malborgeth und vom P r e d i l zu beschießen. An der übrigen Front ist die Lage unverändert. Es wird gemeldet, daß der Feind im Gebiete deS K r n häufig Explosivkugeln verwendet. Eines unserer Flugzeuge beschoß aus einer Höhe von weniger als hundert Metern den Bahnhof von N a b r e- s i n a und beschädigte das Ziel schwer. der italienische General porro in Paris. Paris» 10. Juli.(W. T. B.) Meldung der Agcnce Havas. Der italienische General Porro ist gestern hier ein- getroffen. Er begab sich in daS Kriegsministerium, wo er mit Millerand eine lange Unterredung hatte. General Porro stattete am Nachmittag Poincarö, Biviani und D e I c a s s ö Besuche ab, mit denen er gleichfalls lange Besprechungen hatte. Der türkische Krieg. der türkische Generalstabsbertcht. Äonstantinopel, 9. Juli.(W. T. B.) Bericht dos Hauptquartiers: An der K a u k a s u s f r o n t wurde der Angriff einer starken feindlichen Abteilung, die die Kavallerie des Feindes auf ihrem Rückzugs am linken Flügel decken sollte, blutig zurückgeschlagen. Der Feind hatte mehr als hundert Tote und ebensoviel Verwundete. Unsere Kavallerie verfolgt die Russen. An der D a r d a n e l l c n f r o n t brachte unsere Artillerie deni Feinde bei Ari Burnu Verluste bei. Wir stellten fest, daß der Feind eine große Zahl Verwundeter fortschaffte. Bei ©ebb ul Bahr wurde der Versuch eincS feindlichen Bomben- angriffes gegen einige Gräben unseres rechten Flügels mit großen Verlusten für den Feind zurückgewiesen. Während des ganzen Tages dauerte der Austausch von Artillerie- und Jnfanteriefeuer und der Kampf mit Bomben mit Unter- brechungen an. Unsere anatolischen Batterien beschossen ivirl- sam das feindliche Lager und die Landungsstelle von Sedd ul Bahr. In der vergangenen Woche sank aus unbekannter Ursache ein großes Schiff im Suezkanal, ivas zur Einstellung der Schiffahrt im Kanal führte. An der Front von Irak wurde am 7. Juli in einem Kampf zwischen einem Geschwader von feindlichen Kanonen- Motorbooten, die von Bassora auf dem Euphrat heran- gekommen waren, und unseren Kanonenbooten das feindliche Befehlshaberschiff schwer beschädigt und von zwei Booten weg geschleppt. Wir erlitten keine Verluste. Äonstantinopel, 10. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Kaukasusfront versuchte am 8. Juli ein feindliches Kavallerieregiment auf dem rechten Flügel in der Nähe der Grenze eine unserer Abteilungen an- zugreifen, die dem Feinde eine beherrschende Höhe abgenom- men und besetzt hatte. Wir schlugen den Feind unter schweren Verlusten für ihn zurück. An der D a r d a n e l l e n f r o n t trat am 9. Juli bei Ari Burnu und Sedd ul Bahr keine Veränderung ein: es fand dort nur das gewöhnliche Artillerie- und Infanterie- feuer statt. Unsere vorgeschobenen anatolischen Batterien be- schössen wirksam das feindliche Lager bei Tekke Burnu sowie das Gelände in der Umgebung von Sedd ul Bahr und eine auf deni Marsch befindliche Jnfanterieabteilung. Am Nach- mittag brach in der Umgebung von Tekke Burnu ein großer Brand aus; wir hörten von Zeit zu Zeit Explosionen. Auf den übrigen Fronten hat sich nichts Wesentliches ereignet. Englische Niederlage in Arabien. London, 10. Juli.(T. U.) Wie aus einem offiziellen Berich!« aus Aden hervorgeht, haben die in Arabien stationierten englischen Truppen am 4. d. MtS. eine schwere Niederlage erlitten. Ein türki« sches Korps, bestehend aus mehreren tausend Mann, begleitet von freiwilligen Arabern, griff bei dem Orte JuredS das dort befindliche englische Kamelreiterkorps an, dem 250 Mann Infanterie und Ar- tillerie beigegeben waren. Trotzdem die Engländer aus Aden Ver- stärkungen erhielten, konnten sie sich gegen Tagesanbruch infolge einer Flankenbewegung der Türken nicht mehr hallen. Sie zogen sich aus dem brennenden JuredS auf eine zweite Linie bei Dirnasr zurück, konnten sich aber auch hier infolge großen Wassermangels und der fortgesetzten heftigen Angriffe der Türken nicht halten. Die gesamte englische Streitmacht mutzte sich ans Aden zurückziehen, das Hinterland befindet sich vollständig in türkischem Besitz. Der eng- lische Bericht fügt noch hinzu, daß die britischen Truppen außer unter der Hitze und dem Wassermangel noch sehr viel unter den Angriffen der desertierten arabischen Geschoßträger zu leiden hatten. « London, 10. Juli.(98. T. 95.) Reuter meldet amtlich: Infolge von Gerüchten, daß eine türkische Streitmacht von Deinen iin Hinter- lande von Aden die Grenze überschritten habe und gegen Lahedj vorrücke, schickte der Offizier, der in Aden den Oberbefehl führt, ein Kamelkorps zur Ausklärung aus. DaS KorpS berichtete, daß eine türkische Abteilung mit Feldgeschützen und einer großen Zahl von Arabern heranrücke. Es zog sich nach Lahedj zurück, wo eS durch die Vorhut einer beweglichen Kolonne aus Aden, bestehend aus 250 Jafanteristen mit zwei zehnpfündigen Geschützen verstärli wurde. Unsere Truppen in Lahedj wurden am 4. Juli von einer aus mehreren tausend Türken bestehenden Streitmacht angegriffen, die über zwanzig Geschütze vcr- fügte und durch zahlreiche Araber verstärkt wurde. Unsere Truppen hielten sich aber trotz deS feindlichen Feuers bis zum Einbruch der Nacht in den Stellungen. Ein Teil der Stadt Lahedj brannte. In der Nacht fanden noch Kämpfe von Mann gegen Mann statt. Frontangriffe des Feindes wurden abgewiesen. Später begann der Feind aber unsere Truppen auch aus der Flanke an« zugreifen. Inzwischen zog der Rest der beweglichen Kolonne aus Aden nach Lahedj. Er wurde durch Wassermangel und den lockereu Sand in seinen Bewegungen aufgehalten. Infolgedessen wurde be- schlössen, die kleine Truppenabteilung, die Lahedj hielt, solle sich zurückziehen. Der Rückzug wurde am 5. Juli morgens in guter Ordnung durchgeführt. Das Detachement stieß zu dem Rest der Kolonne, der sich in B irn a sr befand. Außer unter großer Hitze und Wassermangel hatten unsere Truppen auch unier Desertionen arabischer Transportgehilfen zu leiden. Sie zogen sich daher nach Aden zurück. Drei britische Offiziere wurden verwundet. Wir nahmen einen türkischen Major und dreizehn Mann gefangen. Der Seekrieg. vom �-Gootskrieg. London, 10. Juli.(28. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus-„Marion Lightbody", ein stählerner Dampfer mit drei» tausend Tonnen Gerste an Bord, nicht wie gemeldet mit Nitrat befand sich auf dem Wege nach Oueenstown, um 9lnweisungen zu empfangen. Der erste Offizier teilte mit, daß feit der Ausreise aus Valparaiso am 23. März nichts Besonderes geschehen sei, bis gestern abend um 0 Uhr ungefähr hundert Meilen südwestlich von Cork ein deutsches Unterseeboot in Sicht kanr, das sich nach Ab- feuern eines Warnungsschusses näherte und der Besatzung befahl, das Schiff zu verlassen und binnen 10 Minuten die Boote zu besteigen. ES wurden zwei Boote flott- gemacht, in denen der Kapitän und 25 Mann Platz nahmen. Das Unterseeboot feuerte sechs Projektile auf das Schiff ab. dieses squl erst, als ein Torpedo abgeschossen wurde. Das Unterseeboot war grau angestrichen und ungefähr 130 Fuß lang; es verschwand in nordöstlicher Richtung, die Besatzung bestand aus 10 Russen, drei Schweden, zwei Norwegern und einem Dänen sowie einem Amerikaner. * Loudou, 10. Juli.(W. T. B.) Lloyds meldet aus Peterhead: Der russische Dampfer„Anna 200O Tonnen, von Archangelsk nach Hull unterwegs. wurde durch ein deutsches Unterseeboot angegriffen. Die Besatzung wurde in Peterhead gelandet, das Schiff selbst treibt noch und bildet eine Gefahr für die Schiffahrt. » London, 10. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.), Der norwegische Dampfer„N o o r d a s" aus Bergen wurde bei Peterhead von einem deutschen Unterfee- 1 boot torpediert. Die gesamte Besagung wurde gerettet. Anmerkung des W, T. B.: Selbstverständlich hat das Schiff Bannware an Bord gehabt. Versenkung eines deutschen Dampfers. Kristiania, 10. Juli.( W. T. B.) In Groetoey gelandete Deutsche melden, daß ein englisches Torpedoboot gestern nacht einen Frachtdampfer unbekannter Nationa 2. Sämtliches Material, Sas sich auf die Opposition des Junglaublich erschienen varen. Es feien aber noch viele Leute nötig, Profetariats gegen den Krieg bezieht, zu sammeln, es so viel unt die Lücken auszufüllen. Das Stillschweigen der Regierung wie möglich in den neutralen und kriegführenden Ländern über die neue Armee erflärte Stitchener aus dem Umstande, daß es zu verbreiten, ebenso wie die Veröffentlichung aller Doku- für den Feind wichtig wäre, die genaue Zahl zu fennen. Kitchener, mente, die sich auf die Stellungnahme der sozialistischen Bar- verlangte, man solle alle gesunden Männer auffordern, Dienst in teien der neutralen und kriegführenden Länder beziehen und der Armee zu nehmen, die Unverheirateten guerft. Die Zahl der deren Versendung in ihrer Sprache an die Partei- und Ge- Retruten- brauche jetzt nicht mehr wegen Mangels an Vorberei tungen beschränkt werden. Man könne alle Leute unterbringen und werkschaftsblätter zu besorgen. 3. Sich zur Verfügung der Parteien zu halten für alles ausrüsten. lität zwischen Groetoey und Bodoc versenkt habe. Nach das, was die Wiederaufnahme der Internationale fördern Ein Kriegssteuer- Antrag in Frankreich. dampfer, der gestern mittag Narvik verließ. " fann. TS S Paris, 10. Juli.( W. T. B.) Petit Parisien" meldet: Tie " cinem anderen Bericht wurde der Dampfer von einem größeren Die so begründete Vereinigung sozialistischer Arbeiter verKreuzer zum Sinten gebracht und die Befazzung von diesem an Bord genommen. Nach einem Telegramm des„ Morgen- schiedener Länder nimmt alle ihrem Arbeitsprogramme zu- Deputierten Tournan, Drivet und mehrere andere brachten organisierten auf. bladet" handelt es sich anscheinend um einen deutschen Erbfomitee von fünf Genossen wurde in der konstituierenden alle tag ein auf Einführung einer Kriegssteuer auf des Krieges gleich Kristiania, 10. Juli.( W. T. B.) Aftenposten" erfährt Versammlung gewählt und beauftragt, einen Aufruf an die geblieben oder gestiegen sind. Einkommen bis zu 2400 Frankenaus Gotenburg vom 9. Juli: Der gestern beschossene Lastdampfer Arbeiter in der Schweiz zu erlassen, in dem zum Beitritt zur follen unbesteuert bleiben. Der steuerfreie Betrag erhöht sich um Vereinigung aufgefordert wird." 100 Franfen für jeden Monat, während dessen das Familienobersoll das deutige Schiff„ Friedrich", mit Kiesladung von Das Hamburger Echo" bemerkt dazu unter anderen: haupt mobilisiert ist, um 600 Franken für jede Person, welche vom Narvit sein. Die Bejagung, die wahrscheinlich aus Norwegern be-„ Nach diesem Programm scheint es sich um eine Propaganda Familienoberhaupte ernährt wird. evo rilazzirb steht, soll gefangen sein. Das Wachtschiff„ Michael Sars" ging gesellschaft zu handeln, die nach eigener Art für die Wiedersweds Feststellung des Ortes ab. Biel Wrad treibt auf dem Meere Aufnahme der internationale wirten und zugleich eine Der Seniorenkonvent für schleunige EinSammelstelle für die Opposition gegen den Krieg werden will." Friedenskundgebung in Bukarest. umher. Eine amtliche schwedische Erklärung überlebe die Behandlung der schwedischen Post.. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Boll berufung der Duma. Petersburg, 9. Juli.( W. T. B.) Der Seniorenfonbent der Duma beschloß, das Ministériuin zu ersuchen, die Einberufung der Duma zu beschleunigen. Anderenfalls würde das Eingreifen der Duma zu spät kommen. Die Verhandlungen der Balkanſtaaten. Bon der italienischen Grenze, 10. Juli,( T. 11.) Wie„ Corriere della Sera" aus Nisch erfährt, habe man in Serbien hinsichtlich der Unterhandlungen mit Rumänien und Bulgarien immer ein Gefühl Stockholm, 10. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird bekanntgegeben Am Sonntag, den 4. Juli d. J., hielten unsere Partei Eine von den Poſtbehörden angestellte Untersuchung betreffend die und die Generalfommission der Gewerkschaften eine große Behandlung ber. Bost ber von deutschen Kriegs. Friedensversammlung ab. Nachdem die Genoſſen C. Popovici. ichiffen aufgebrachten schwedischen Dampfer G. Cristescu, J. Frimu, Dr. E. Arbore, C. Pretescu, D. MaBioern" und" Thorsten" ergab, daß die auf dem legtrinescu und Dr. C. Racovski referiert hatten, nahm die Vergenannten Schiff befindliche Post sofort uneröffnet fammlung, in der über 10000 Personen anwesend waren, mit wiedergestellt wurde, daß aber die mit dem Bjoern" großer Begeisterung die folgende Resolution an: beförderte Post erst nach und nach und mit einer bedeutenden Das Proletariat und die Bürger der Hauptstadt pro- der Unsicherheit wegen ihrer Entschließungen gehabt, umſomehr, als Verzögerung nach Schweden zurückgesandt wurde, wobei fest testieren zunächst mit allem Nachdrud gegen die Ungefeßlich dieser Tage aus Bukarest die Nachricht gekommen sei, Miniſtergestellt wurde, daß gewisse Sendungen nach Ländern, die mit feit vom 13. Juni, wo uns das Meeting im Cismegiuparte präsident Bratianu habe dem russischen Gesandten erklärt, in AnDeutschland im Krieg befindlich sind, von den deutschen untersagt wurde; sie protestieren gegen die sogenannte betracht der militärischen Lage Rußlands und der Regelung der Zensurbehörden geöffnet worden waren. Anläßlich Nationale Aktion", die Rumänien in den Krieg Frage des Banats nach Beendigung des Krieges behalte sich dessen wurde der Gesandte Seiner Königlichen drängen und dadurch das Land in eine eine furchtbare Rumänien das Recht vor, den günstigen Zeitpunkt für sein Ein" Rüstungsmaßnahmen in Australien. Ein in Nisch durchreisender griechischer Majestät in Berlin beauftragt, bei der deutschen Statastrophe hineintreiben will. Sie protestieren gegen die greifen selbst zu wählen. Regierung gegen das Vorgehen der deutschen Behörden Protest Gleichgültigkeit der Regierung, die keine Maßregeln ergreift, Politiker habe erklärt, Griechenland könne am Kriege nicht teilnehmen, Es sei unbedingt nötig, den einzulegen, unter Hinweis auf die Bestimmungen der Haager um das Leben der Bevölkerung zu erleichtern. Sie pro folange Bulgarien neutral bleibe. Konvention vom 18. Oktober 1907 betreffend gewisse Einschränkungen testieren gegen die Prohibitivmaßregeln, die den Handel ver- Bejiz Mazedoniens, das Serbien und Griechenland gehören müſſe, bei der Ausübung des Rechts zur Aufbringung im Seekrieg. hindern und Tausende bäuerlicher Wirtschaften dem Ruin au verteidigen, andererseits fönne es Bulgarien gelingen, sich Erschwerung der amerikanischen zuführen. Sie verlangen die Aufhebung der einschränkenden Salonitis zu bemächtigen und durch Albanien einen Weg nach der Maßregeln, um die Verbilligung der Lebenshaltung herbeizu Adria zu bahnen, was für Griechenland verhängnisvoll werden müsse. Baumwollausfuhr nach Skandinavien. führen. Sie verlangen die Einberufung des Parlaments für London, 10. Juli.( W. T. B.) Der Präsident des die Annahme der versprochenen und stets vertagten Reformen. Board of Trade gibt bekannt, daß die Baumwollausfuhr Das Proletariat in Butareſt nimmt die Kundgebung der deutschen sozialdemokratischen Partei zugunsten des Friedens Melbourne, 10. Juli.( W. T. B.) Im Repräsentantenhause hat von England nach Skandinavien verboten ist. Ausnahmen zur Kenntnis Sie laden auch die Premierminister Fisher mitgeteilt, die Regierung beabsichtige, ein von der allgemeinen Regel sind von der Genehmigung in jedem einzelnen Falle abhängig. Ebenso sollen alle Baum- Sozialisten in den übrigen kriegführenden sowie in den Marinedepartement zu errichten, um die Aufgabe des Verwolladungen von Amerika nach Skandinavien festgehalten neutralen Ländern ein, alle Kräfte für den nahen Triumph teidigungsministers zu erleichtern. Ferner erklärte er, er beabwerden, sofern Anlaß zu Mißtrauen vorliegt, ob die des Weltfriedens zu entfalten. Sie wenden sich insbesondere fichtige die Einbringung eines Gefeßentwurfes zur Registrie Ladungen in Wirklichkeit nicht für feindliche Länder be- an die Sozialisten in den Balkanländern, ihnen versichernd, rung der jungen Leute und die Aufstellung einer daß das Proletariat Rumäniens und die Bürger der Haupt- Stommission, worin die gleiche Anzahl von Vertretern beider stimmt sind. stadt für die Verwirklichung der föderativen Balkanrepublik Parteien und zwei Vertreter der Regierung eines jeden Landes Es Siz haben sollen. Diese Kommission würde sich mit allen Kriegsfragen zu befassen haben. Die Presse begrüßt diese Ankündigung sympathisch. Der Krieg und die Kolonien. Die Kapitulation der deutschen Truppen in Südwestafrika. zu kämpfen bereit sind. Es lebe der Frieden!. lebe der Sozialismus! Italienischer Kriegsfreiwilliger aus der des Partei ausgeſchloſſen. Pretoria, 10. Juli.( W. Z. B.) Meldung des Bern, 9. Juli.( W. T. B.)„ Nuovo Giornale" in& lorenz Reuterschen Bureaus. Die deutschen Truppen in meldet, daß die dortige sozialdemokratische ParteiSüdwestafrika, die sich ergeben haben, betragen 204 Offiziere, Leitung einen Kriegsfreiwilligen aus der Partei 3166 Mann mit 37 Feldgeschüken und ausgeschloffen habe, weil die freiwillige Meldung zum 22 Maschinengewehren. Kriegsdienst gegen die Parteigrundsätze verstoße. * London, 10. Juli.( W. T. B.) Reuters Sonderdienst meldet aus Kapstadt: Botha verlangte die Uebergabe der Deutschen bis zum 9. Juli, 5 Uhr nachmittags, widrigenfalls der Angriff beginnen würde. Die Deutschen sahen ein, daß sie keine HoffKriegsbekanntmachungen. Eine Lazarett- Statistik. Von den in den Lazaretten des gesamten deutschen Heimats gebiets behandelten Angehörigen des deutschen Feldheeres tamen in Kriegsfragen im englischen Parlament. Abgang. berechnet auf je 100 bes Abganges, als: nung auf Entkommen hatten und nahmen deshalb das Ulti- den Soldaten an der Front frage hin, daß die matum an. im August 1914 September 1914. Oftober 1914. November 1914 Dezember 1914 Januar 1915 Februar 1915. März 1915. April 1915 gdienstatoval geander fähig storben weitig*) .. 84,8 8,0 12,2 88,1 2,7 9,1 88,9 2,4 8.7 .87,8 29162,1 10,6 . 87.8 1,7 10,5 88,7 1,4 9,99 I 88,6 1,3 10,0 . 88,9 1,6 9,5 91,2 1,4 7.4 1,9 9,6 Durchsch. August 1914 bis April 1915 88,5 London, 10. Juli.( W. T. B.) Unterhaus. Lloyd George fagte auf Befragen: Es ist ein bestimmter Plan gemacht worden, um gelernte Arbeiter vom Heere zur Munitions. herstellung zu beurlauben. Dies gelte jedoch nicht von oder solchen, die gerade Die gesamte deutsche Streitmacht, die nach der gehen sollten. Tennant fagte Union gebracht wird, soll gefangen gehalten werden, bis der Munitionsfirmen, die neue Werke errichtet hätten und jetzt Arbeiter Krieg beendet ist, außer den Gefangenen, die in einem bor- abgeben müßten, in einzelnen Fällen von der Rekrutierung befreit würden. Es sei indessen schwer, Ausnahmen für alle zu machen. geschriebenen Bezirk auf Ehrenwort freigegeben werden.. Dieselbe Quelle meldet aus Pretoria: General Botha rungs bill forderte der Unionist Mac Neill, daß auch Irland Bei der Kommissionsberatung über die Registric= berichtet, daß die Umzingelungsbewegung sehr schwer durch unter das Gefeß gestellt würde. Staatssekretär Birrell sagte, daß zuführen war. Man mußte unausgesezt Tag und Nacht mar- der größte Teil der irischen Bevölkerung in der 2 and wirtschaft*) anderweitig= Dienstunbrauchbarkeit, Beurlaubung. Ein Teil veit schieren und lange Strecken ohne Wasser mit großer Geschwin- tätig sei. Außerdem bestünden in Irland Polizeiregister aller Haus- diefen Leuten hat später die Dienstfähigkeit wieder erlangt, so daß die digkeit durchmessen. Eine berittene und eine unberittene Inhalte, so daß eine Registrierung schnell und fostenlos erfolgen fönnte. Zahlen der als„ dienstfähig" Entlassenen in Wirklichkeit etwas größer als angegeben sind. fanteriebrigade werden vorläufig in Otavi bleiben. Gemäß O'Conor, Nationalist, jagte, die Iren hasten das Von den in den Lazaretten des gesamten deutschen Heimatsdag aften das den Uebergabebedingungen werden die Offiziere der aktiven bloße Wort„ Wehrpflicht". Er hoffe, daß nichts geTruppen ihre Waffen behalten. Sie fönnen gegen Ehren- fchehen werde, um Irland zu reizen. Generalanwalt gebiets behandelten Angehörigen des deutschen Feldheeres sind gewort ihren Wohnplag unter gewiffen Einschränkungen aus- Carson sagte, diejenigen Teile Irlands, die die Registrierung storben, berechnet auf je 100 des Abgangs, im wählen. Die übrigen Gefangenen werden in Orten, die die wünschten, sollten sie erhalten. Die Entscheidung erfolge jedoch nur durch den Vizekönig. Bei der dritten Lesung der Bill erneuerten August Septemben Wieber November Dezember Januar Februar März Union ihnen anweist, interniert. Die Reservisten aller Ränge einige Liberale ihre bekannten Bedenken gegen die Bill, während werden ihre Waffen abliefern, ein Paroleformular ausfüllen andere für sie eintraten. Der Liberale Pratt fagte, ein frei sie und nachher wieder nach ihren Wohnorten zurückkehren williges System werde England retten, und ein Systemwechsel fönnen, um ihren gewohnten Berufen nachzugehen. Die Offi- werde großes Unheil bringen. Er unterstütze die jetzige Regierung, ziere dürfen ihre Pferde behalten. Die Polizeitruppen werden wie die frühere; das Volk müsse Vertrauen zu der Regierung pie aktives Militär behandelt. Die bürgerlichen Behörden haben, aber es müsse viel mehr erfahren. Die„ Times" und andere fönnen nach ihren Wohnorten zurückkehren, nachdem sie eine Blätter machten mysteriöse Andeutungen über die Lage. Das Volk Baroleerklärung unterzeichnet haben, aber ohne ihr Amt aus- müsse darüber aufgeklärt werden. Wlan überzeuge das Volf davon, üben und Gehaltsansprüche an die Union stellen zu können. daß die Staatsmaschine in starken Händen sei und keine politischen und militärischen Intrigen vorgehen. Die Bill wurde darauf Alles Kriegsmaterial wird an die Union abgeliefert. In dem unter Beifall in dritter Lesung angenommen. Baroleformular verpflichtet sich der Unterzeichnende, die Unterhaus nahm sodann in erster Lesung die Bill über die obli Feindseligkeiten während des gegenwärtigen Krieges nicht gatorische Geburtenanzeige an. wieder aufzunehmen. London, 10. Juli.( W. T. B.) Unterhaus.( Nachtrag.) Lord Anmerkung des W. T. B.: Diese Neutermeldungen Robert Cecil sagte auf eine Frage: Die Regierung hat seit Beginn die beweisen, daß die Uebergabe unter fehr ehrenbollen des Strieges verschiedenen Neutralen Mitteilung über die BewaffBedingungen an die erdrüdende englische nung von andelsfchiffen gemacht. Bewaffnete britische lebermacht erfolgt sein muß. Schiffe verkehren regelmäßig mit verschiedenen Ländern. Das S 2 1914 4944 4914 1944 4944 1915 Apvil 4945 4945 4445 3,0 49 47 Urlaubsgesuche. Proletarische Friedenspropaganda. Eine Rede Kitcheners. Die Bossische Zeitung" berichtet nach dem HamLondon, 10. Juli.( W. T. B.) In der Guildhall fand gestern burger Echo": eine patriotische Versammlung statt, in der Kitchener über die her In der Schweiz ist auf Veranlassung der italienischen vorragende Hilfe der Dominions und Indiens, die sich vom Kriegssozialistischen Partei eine Zusammenkunft zahlreicher beginn ab um das Mutterland geschart hätten, sprach. Er sagte ausländischer Genossen: Schweizer, Italiener, Russen, Polen, weiter: Kurz darauf famen die Sanadier. Sie bieten jetzt dem Deutsche, Desterreicher und Ungarn, abgehalten worden, Feinde eine undurchdringliche Front. An den Dardanellen volltreffen. Im Interesse schleuniger Erledigung kann nur empfohlen wobei zur Förderung der Einigkeit der Arbeiterklasse der brachten Australier und Neuseeländer mit den anderen bereits geSchweiz und des Auslandes gegen die sie bedrohenden chauvi- nannten Truppen Waffentaten von beinahe beispielloser Größe nistischen Strömungen folgendes Arbeitsprogramm Sie bringen den Feldzug einem guten Ende näher. Südafrika er aufgestellt wurde: bot sich, nicht zufrieden damit, daß der Feldzug gegen Deutsch 1. Dem nationalistischen Einfluß, den die bürgerliche Südwestafrifa beendet ist. Truppen nach dent Hauptfriegsschauplab Truppen nach bent Con Bresse aller Länder auf die Arbeiterklasse auszuüben sucht, eine zu senden. Ueber die Rekrutierung sagte Kitchener, daß der Zu organisierte fortgefeßte sozialistische Propaganda zur inter- strom an Rekruten von Anfang an befriedigend war, daß er aber nationalen Vereinigung der Arbeiterklasse gegenüberzustellen noch mehr Leute brauche. Das Publikum habe mit zunehmendem und zwar durch Veröffentlichungen in der sozialistischen und Interesse das Wachsen und die rasche Ausbildung der neuen Armee Arbeiterpresse und durch Vorträge. verfolgt. Die Armee habe Ziffern erreicht, die noch vor kurzem Ueber Mr Iai bsgefuche für Heeresangehörige wird amtlich mitgeteilt: In lezter Zeit gehen beim Kriegsministe rium viele Gesuche um Beurlaubung von Mannschaften, insbe fondere zur Hilfeleistung bei der bevorstehenden Ernte ein. Durch diese Vorlagen wird die Entscheidung auf die Gesuche erheblich ver. zögert, weil nicht das Kriegsministerium, sondern die Truppen befehlshaber darüber Entscheidung werden, die Gesuche unmittelbar den Generalfom. mandos, stellvertretenden Generalfommandos oder den Regimentern usw. vorzulegen, Gine weitere Beschleunigung läßt sich dadurch erreichen, daß den naträgen auf Urlaub im Interesse der Landwirtschaft die vorgeschriebene Bescheinigung des Landrates beigefügt wird, aus der hervorgeht, daß eine entsprechende Arbeitskraft anderweitig nicht gewonnen werden kann. Auch bei anderen dringlichen Urlaubsanträgen empfiehlt es sich, eine amtliche Bescheinigung anträgen empfiehlt es sich, eine amtliche Bescheinigung der unbedingten Notwendigkeit des Urlaubs. bciaufügen. SonderPreise A- WERTHEIM Porzellan und Glas Billiges weißes Porzellan Kannenuntersetzer......... Speiseteller tief oder floch...... 18 Pt. Kompottschüsseln... 12 Pl. bis 65 Pt. Marmeladendosen. 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Saucieren.. 85 Pl. 1.05 1.30 Salzgefäße ... 27 Pl. Kompottschüsseln... 35 Pl. bis 1.55 Terrinen... 3.20 4.20 60 Pl. 12 Pl. 7 Pf. und Käseglocken 45 Pl. .55 Pt. Kompottschüsseln rund, von 6 bis 38 Pl. Komp sitschüsseln geschw., v. 8 bis 60 Pt. Kuchenfeller...... 32 55 72 Pl. Kaffeegeschirr Kompolleller für 6 Personen, 9tei'ig 3.25 3.40 5.25 für 12 Pers., 5.90 9.75 16teilig.. 1.85 2.30 Tassen mit Golddekoriert rand... 20 Pl. 22, 28, 35 Pl. Geleedosen... Zuckerschalen 6 Pl. 23 Pl. 16 18 P. Bierbecher glatt...... 13 14 18 Pt. Eiergarnitur gepresst, 7 teilig..... 90 Pl. Wassersatz gepresst, 4 tellig...... 90 Pt. Bierkrüge glatt...... von 45 bis 80 Pf. Milchgläser gepresst, /45.......18 Pl. Wassergläser gepresst..... 5 6 Pl. Bierbecher geschliffen...... 25 27 Pt. Käseglocken geschliffen... 55 1.15 Wirtschafts- Artikel Roßhaarbesen Sorten. 1.60 bis 2.25 Aermelplättbretter.*.***... 45 Pl. 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Blumenvasen. 42 Pt. bis 2.65 Wassergläser geschliffen Wasserflaschen geschl., v. 67 Pf. b. 1.90 Trinkglas- Margarete Hans garnituren Weißweingläser Rotweingläser. Süßweingläser.... 28 Pl. Likörgläser...... 25 Pf. Bowlengläser 40 Pt. Bierbecher....... 25 Pf. Selterbecher..... 25 Pl. ... G graviert ..32 Pl. 32 Pl. geschliff. 50 Pl. 50 Pl. 45 Pt. 40 Pl. 65 Pt. 32 Pf. 27 Pf. .. Feuerfestes Kochgeschirr gelb glasiert Kasserollen.. von 42 Pf. bis 1.10 Schmortöpfe. von 70 Pf. bis 1.40 Milchkocher 38, 65, 80 Pl. ... Eismaschinen 4 Sorfen..6 M. bis 10 M. Spirituskocher mit Kafferolle 2.50 2.90 Fruchtfafipreffen kleine 1.10 grope 6.75 Spirituskocher 6 Sorter 30 Pl. bis 2.75 .... 2.85 Rajierapparate 6 Einlagen..... 2.65 Talchenmeller mit Büchsenöffner 85 Pl. Ebbeltecke blanke Hette,... Paar 45 Pl. Esbestecke schwarze Hefte. Paar 45 65 Pl. Spiritusplätten 3 Kilo....... 5.50 Gazefchränke Blech, lackiert,.. .... 6.75 Gartenschlauch........ 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Unterhaltungsbl r. 189. 32. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Italien in Kriegszeiten. Aus Italien wird uns vom 30. Juni geschrieben: Der Umschlag vom Frieden zum Kriege war für Jtalien bei weitem nicht so jäh wie für die andern Staaten, die kaum Zeit hatten, um sich zu sehen, ehe sie den Feind an den Grenzen hatten. In der langen Krise seiner Neutralität hat Stalien alle Kriegsfolgen im voraus fennen lernen fönnen, teils auf dem Umwege fremder Erfahrung, teils unmittelbar am eigenen Leibe. So hat es feine rudweise Versetzung in einen ganz neuen Zustand erfahren, sondern nur ein Fortschreiten in einer im großen ganzen bekannten Richtung. Dies gilt vor allem für das Wirtschaftsleben. Alle Bitternis des Krieges hat man da in den zehn Monaten der Ungewißheit schon vorweg gefoſtet. Der Außenhandel lag schon vorher danieder, die Kohlenbeschaffung war schon zur Zeit der Neutralität ein Problem und die Arbeitslosigkeit war durch den Rückstrom der Auswanderer wesentlich fühlbarer als sie es heute ist, wo die Mobilmachung viele Arbeitsstellen vakant gemacht hat. boller als die Arbeitslosigkeit selbst und sie ursächlich wesentlich mitbedingend mitbedingend ist die Kreditkrise und diese war schon vor dem italienischen Kriege da. Die fleinen und mittleren Betriebe finden keinen Kredit mehr. Eine übertriebene und unberechtigte Vorsicht scheint das flüssige Geld verschluckt zu haben. Wie in allen Krisenzeiten fließt das Geld den sichersten Anlagen, den öffentlichen Sparkassen, zu, oder versteckt sich in den Händen der Kapitalisten in Erwartung großer Profite. Daher Mangel an Bargeld und erhöhte Kaufkraft des Geldes: Verbilligung aller Lurusartikel, für die natürlich auch die verminderte Nachfrage start ins Gewicht fällt. Wahrscheinlich wird die Regierung über kurz oder lang genötigt sein, gewissen Folgen dieser Kreditkrise durch besondere Maßnahmen den Stachel abzubrechen. löhnen von 40 bis 50 Cent. Sonntag, 11. Juli 1915. ihrem ganzen Schwergewicht beteiligen, wenn sie sich ihre Bedeutung in dem hoffentlich nach innen und außen verstärkten und erweiterten deutschen Vaterlande sichern will. In dieser Zeit wird den deutschen Landwirten eine starte einige Organisation, wie sie solche sich durch mehr als 20jährige Arbeit in ihrem Bunde geschaffen haben, nötiger fein als je zubor!" Von den beiden im Mittelpunkte des Interesses stehenden Fragen: der Haltung der Balkanstaaten und der Ausdehnung des italienischen Krieges, wird die erste mehr referierend behandelt. Vor der italienischen Kriegserklärung galt das als sicher und dicht Eingreifen Rumäniens bevorstehend heute erscheint es zweifehaft. Ueber die Ausdehnung des italienischen Krieges haben wir zwei Anfäße einer Diskussion gehabt. Der Reformist De Felice hat im„ Messaggero" die Zweckmäßigkeit beDas Gemeindewahlrecht der Kriegsteilnehmer. tont, sich auf die Besetzung der von Italien erstrebten Gebiete zu beschränken, während der Republikaner Barzilai in derselben Zeitung Amtlich. Berlin, 10. Juli.( W. T. B.) Zur Erfür die Notwendigkeit eintrat, die italienische Aktion auch auf andere haltung des kommunalen Wahlrechts der Schaupläße auszudehnen. Dann brachten die römischen Abendblätter Striegsteilnehmer ist soeben mit Gesetzeskraft eine am 26. Juni die Nachricht, daß Italien sich verpflichtet habe, an den fönigliche Verordnung ergangen, die den Gemeinden Operationen in den Dardanellen teilzunehmen und zunächst durch die Befugnis gibt, durch Gemeindebeschluß für die Jahre fleinere und ältere Schiffe einige englische Superdreadnoughts ersetzen 1915 und 1916 anzuordnen, entweder, daß von einer werde. Das bedeutete: Ausdehnung auf einen zweiten Kriegsschau- Aufstellung, Berichtigung und Auslegung der Liste der play, mit dem ausdrücklichen Zwed, England zu entlasten, und schloß stimmfähigen Bürger( Gemeindeglieder) ganz abgesehen und die Kriegserklärung an die Türkei ein, deren Gesandter bis jetzt noch bei Wahlen die letzte endgültige Liste zugrunde gelegt wird, ruhig in Rom lebt. Die Kommentare gaben Gelegenheit, zwei Rich- oder daß bei Aufstellung und Berichtigung der Liſten hintungen zu unterscheiden, deren eine den Krieg nur zur Vollendung sichtlich der Kriegsteilnehmer eine Minderung der veranlagten der italienischen Einheit will, während die andere alle Zwede der Steuersätze oder Einkommensbezüge gegenüber der letzten endEntente als Zwecke des italienischen Krieges ansieht. Am nächsten gültigen Liste außer Betracht bleibt. Tag wurde die Dardanellennachricht offiziell dementiert. Daß man die Veröffentlichung nur einem Versehen der Zensur zu danken hat, ist wenig wahrscheinlich. erlangen. Ministerielle Verfügung über die Fürsorge für Kriegers waisen. Ueber die Haltung des Deutschen Reiches kursieren die aben- Das Justizministerialblatt" bringt die folgende allgemeine teuerlichsten Gerüchte. Die wenigsten wünschen einen Krieg mit Verfügung des preußischen Justizministers vom 7. Juli, betreffend Deutschland, was einige Blätter nicht hindert, schon jetzt die Hal- die Fürsorge für die Kriegerwaisen: tung einzunehmen, als ob der Krieg erklärt wäre. Manche Zeitungen Besonders verantwortungsvolle Aufgaben erwachsen in der halten dafür, daß eine Kriegserklärung nicht unerläßlich sei, zur gane durch die Fürsorge für die Kriegerwaisen, die vor Not zu be= gegenwärtigen Zeit für alle mit der Jugendpflege betrauten OrBeteiligung Deutschlands an dem Striege, andere behaupten, daß wahren und zu tüchtigen und brauchbaren Staatsbürgern zu er Deutschland seinem östlichen Bundesgenossen von Anfang an erklärt ziehen eine Ehrenpflicht des Vaterlandes ist. Auch die Vormundhätte, mit Italien einig zu werden, wenn er nicht allein dem neuen schaftsrichter sind berufen, zur Erfüllung dieser Ehrenpflicht beiGegner gegenüberstehen wolle, wieder andere halten das Eingreifen zutragen. Die Wege, die sich ihnen hierfür bieten, bestehen vor Deutschlands nur für eine Frage der Zeit. allem in eingehender Beratung der Vormünder, in anregender und belehrender Einwirkung auf die Waisenräte in den Waisenratsbersammlungen und in planmäßigem Zusammenarbeiten mit den Organisationen der freien Liebestätigkeit. Vielfach wird die Fürsorge für die Kriegerwaisen durch die Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mittel erschwert sein. Die Vormundschaftsrichter werden daher mit den Vormündern namentlich auch zu erörtern haben, in welcher Weise etwaige Ansprüche der Waisen auf Gewährung von Unterhalt gegen Unterhaltspflichtige oder auf Waisenrente gemäß dem Militärhinterbliebenengeſetz oder der Reichsversicherungsordnung geltend zu machen sind, sowie ob die Möglichkeit besteht, durch geeignete Anträge an die Verwaltung von Stiftungen sw. weitere Mittel zu erlangen. Für besonders geboten erachte ich es ferner, daß den kinderlosen Familien, welche Kriegerwaisen an Kindes Statt anzunehmen beabsichtigen und deshalb Befreiung von dem erforderlichen Alter nachsuchen, durch verständnisvolles und wohlwollendes Eingehen auf diese Gesuche die Ausführung ihrer Absicht erleichtert wird. Bereits in der Rundverfügung vom 18. Dezember 1903( Müller, Justizverwaltung, 6. Aufl., S. 1182), in der auf die bei der Bearbeitung der Befreiungsgesuche zu beachtenden Gesichtspunkte hingewiesen ist, wird den Gerichten empfohlen, nicht den geschäftlich unerfahrenen Bittstellern Auflagen zu machen, deren Erfüllung( wie die Beibringung amtlicher Ürfunden und Ausfünfte) mit Schwierigkeiten für sie verbunden ist, sondern tunderen Mitwirkung erforderlich ist( Polizeibehörde, Standesami, auswärtiges Gericht), die Angelegenheit zu fördern. In besonderem Maße ist ein solches Entgegenkommen bei der Annahme von Striegerwaisen an Kindes Statt angezeigt. Endlich wird in geeig neten Fällen der Erlaß von Stempeln und Kosten im Gnadenwege beantragt werden können. Viel weniger getroffen ist das Proletariat durch die wachsende Arbeitsgelegenheit für Frauen und Mädchen. Die Militärlieferungen Die Regierung schweigt zu allem, ja, man hat den Eindruck, geben zahllosen Frauen und Mädchen Arbeit, die ihre Kinder tags- daß die minder strenge Handhabung der Zensur der Absicht entüber in den Ashlen für die Kinder der Reservisten unterbringen. Auch springe, den unbeanstandeten Nachrichten nicht den Charakter der werden viele Frauen bei den Näharbeiten angestellt bei Stunden- Offiziöfität zu geben, den sie in strengem Zensurregime automatisch Auf dem Lande können sich wirtschaftliche Rückschläge des Unter den Dingen, die die Zensur verschont, sind auch die Krieges in den Erntemonaten nicht fühlbar machen. Dem Soldatenbriefe, die aber für den nicht- italienischen Leser eine rechte Mangel an Arbeitern für die Ernte hat man durch Massen- Enttäuschung sind, da sie in ihrem Schwulst mehr Schulaufiägen als beurlaubung der Einberufenen und durch bedeutende Fahrt- natürlichen Ergüssen junger Leute gleichen. Vielleicht ist daran die ermäßigungen für Erntearbeiter abzuhelfen gesucht. Mehr als durch geringe Vertrautheit vieler Soldaten mit der Feder schuld, die beden Krieg ist die Landwirtschaft durch die Ungunst der Witterung tanntlich leicht zur Uebernahme stereotyper Wendungen führt. Wir geschädigt, durch die häufigen Regengüsse, die sich an die faft Tag für Tag neigen freilich mehr dazu, der schlechten Auswahl die Schuld zu geben: eintretenden Gewitter anschließen. Die Heftigkeit der Niederschläge die Briefe werden wohl schon für die Veröffentlichung geschrieben hat in vielen Orten das Korn niedergeschlagen, so daß für die und den Journalisten gefallen gerade die am besten, die am geMahd die Anwendung von Mähmaschinen ausgeschloffen ist, was schwollensten und unwahrsten sind. Ueber die Feldpost wurde aneine stärkere Verwendung von Arbeitern mit sich bringt. In den fangs viel geklagt; jezt ist man mit ihr zufrieden. ersten sechs Monaten dieses Jahres beträgt die Feuchtigkeitsmenge der Niederschläge etwa dasselbe, wie die Gesamtmenge der letzten zwei Kalenderjahre! Verhängnisvoll war der beständige Regen besonders für das Frühjahrsobst, für Erdbeeren Politische Uebersicht. Nechte. In der„ Post" schreibt der Freiherr v. Zedlik: und Kirschen, die in Rom schon nach wenigen Tagen vom Markte Der Führer der Freikonservativen gegen gleiche politische lichst durch unmittelbares Benehmen mit den sämtlichen Behörden, verschwanden. Auch die Traubenernte des Jahres ist ernstlich durch die Feuchtigkeit bedroht, die die Entwicklung von Krankheiten der Reben begünstigt. Am wenigften gelitten hat die Getreideernte, für die das Internationale Institut für Landwirtschaft dieser Tage die folgenden( schäßungsweisen) Erträge befannt gegeben hat: 55 Millionen Doppelzentner Weizen( 119,3 Proz. der vorjährigen Ernte), 2 Millionen Doppelzentner Gerste( 132 Proz.) und 4,5 Millionen Doppelzentner Hafer( 115,6 Proz.). Für die Abschätzung der Reis- und Maisernte ist es bis jetzt noch zu früh; beide leiden nicht unter der Feuchtigkeit. Als Mißstand wird es im Proletariat, und zwar mehr im ländlichen als im städtischen, empfunden, daß die Unterstützungsberechtigung der Eltern erst mit dem 60. Jahre beginnt. Das mittlere Alter der Eheschließung beträgt in Italien für den Mann 26 Jahre und dürfte auf dem Lande erheblich niedriger sein. Die Eltern von Söhnen in dienstpflichtigem Alter sind also vorwiegend jünger als 60 Jahre, daher nicht unterstützungsberechtigt. Wenn das Proletariat bis jetzt wirtschaftlich unter dem Kriege nicht schwer, ja vielleicht weniger leidet als unter der Neutralität, so gilt dasselbe von der Beamtenschaft. Allen Eingezogenen läuft ihr bolles Gehalt weiter. Dazu kommt, daß viele als Reserveoffiziere relativ hohe Löhnung beziehen, so daß ein römisches Blatt bereits gegen die Häufung von Gehältern Stellung genommen hat. Der Nachteil des Krieges fällt bis jetzt fast ausschließlich auf die kleinen Gewerbetreibenden und auf die freien Berufe; die Kreditkrise und die Einschränkung aller nicht notwendigen Ausgaben trifft diese Kreise am allerschwersten. Bei dieser Gelegenheit mag darauf hingewiesen werden, wie völlig haltlos die sozialdemokratische Behaup tung ist, daß die Einführung des Reichswahlrechts in den Bundesstaaten, insbesondere auch in Preußen und Sachsen, eine Konsequenz des Grundsages der politischen Gleichberechtigung sei, und daß die Ablehnung dieser Maßnahme die Bedeutung einer Versagung der Wolfgang Heine Gleichberechtigung an die Arbeiterschaft habe. Wenn der ver- gegen die Quertreiber und über den fassungsrechtliche Grundsaz der Gleichheit vor dem Rechte diese Bedeutung hätte, so würde daraus die weitere Konsequenz folgen müssen, daß auch in bezug auf die Pflichten gleiches Recht gegenüber dem Staate bestände. Man würde also, wenn man aus jenem verfassungsrechtlichen Grundsaze die Forderung herleitet, daß jeder ohne Unterschied das gleiche Stimmrecht haben müsse, auch die weitere Konsequenz zu ziehen haben, daß jeder nun-„ Einfach ist die Lage in der Sozialdemokratie nicht," schrieb mehr auch dem Staate das gleiche leisten müsse. neulich ein führendes fortschrittliches Blatt. Man muß anerkennen, Die Forderung der Einführung des gleichen Stimmrechts in den daß das milde ausgedrückt ist, und daß die bürgerlichen Parteien Bundesstaaten würde daher, abgesehen von anderen dabei und die Regierung in anständiger Weise darauf verzichten, die Verin Betracht kommenden Gesichtspunkten, notwendig zur VorAufruf des Parteivorstandes. Einem Artikel Wolfgang Heines in den Sozia. listischen Monatsheften" entnehmen wir folgende charakteristische Stellen: aussetzung haben, daß an Stelle der gegenwärtig nach Ver- worrenheit dieser Verhältnisse zu Angriffen gegen die Sozialdemomögen und Einkommen abgestuften Steuerleistung eine tratie zu benußen. Gewiß tun sie das nicht aus Liebe zu uns, gleiche Kopfsteuer für alle eingeführt würde. Das würde wohl aber aus der Einsicht in die Notwendigkeit, in dieser Zeit des aber von den Anhängern des gleichen Wahlrechts mit Recht als Handelns die Einmütigkeit im Volk zu erhalten, um dem Hauptziel eine große Ungerechtigkeit gegenüber den Schichten der Bevölke- der Verteidigung des Vaterlandes nicht Abbruch zu tun. Sie zeigen rung von geringerer steuerlicher Leistungsfähigkeit bezeichnet dabei mehr Verantwortlichkeitsgefühl und politi werden. Aber mit demselben vollen Rechte muß es als eine überaus schwere Ungerechtigteit gegenüber allen denjenigen Staatsbürgern, welche dem Staate gegenüber mehr als die Person als Wert in die Wagichale zu legen haben, bezeichnet werden, wenn ihre Stimme für die Wahl nicht höher bewertet werden soll als die der großen Menge, welche nur für ihre eigene Person in Betracht tommen." fches Urteil als die Schreier, die selbst in dieser Welttatastrophe, wo der Haß der zum Aeußersten entschlossenen Feinde Deutschland mit Vernichtung bedroht, einem blinden Doktrinarismus folgen, ohne nach den Folgen für unser Volk zu fragen, die jetzt die Einigkeit der Partei und den festen Zusammenhalt zur Verteidigung im Kriege stören, zur Freude des feindlichen Auslands... Was die Lebensmittelpreise betrifft, so hat sich der Rückgang des Weizenpreises von 42 auf 32 Lire, der im Anschluß an die amerikanische Ernte und im Hinblick auf die bevorstehende einheimische Ernte eintrat, noch nicht in den Detailpreisen für Brot und Teigwaren geltend gemacht: Brot kostet weiter etwa 48, Teigwaren 65 bis 70 Cent. das Kilo. Einen sehr bedeutenden Aufschlag haben Diese Argumente sind nichts weniger als neu. Da der Im Februar habe ich in meiner Schrift Gegen die Querdie Fleischpreise erfahren, was sich einmal aus den starken Bedürf- freikonservative Führer offenbar Gewicht darauf legt, die treiber" gesagt, daß niemand auf meine Frage, wie die Partei in nissen des Heeres und dann daraus erklärt, daß an Stelle der alten Ablehnungsgründe vor dem Weltkriege auch jetzt der Gefahr des Vaterlands sich hätte anders verhalten sollen, antmilitärisch requirierten Lastpferde vielfach Ochsen verwendet werden. wieder den nicht gleichberechtigten Wählermassen zum Be- worten würde. Ich schrieb:„ Einfach deshalb, weil nur zwei AntDie Preissteigerung für Rindfleisch beträgt etwa 65 Proz. ſeit Bewußtsein zu bringen, wollen auch wir sie dem Volfe nicht ginn des Krieges; damals wurde der Meterzentner Lebendgewicht vorenthalten. mit 90 Lire bezahlt, heute stellt er sich auf 140 und sogar 150 Lire. Man wird der Teuerung durch Einfuhr von Gefrierfleisch und Der Bund der Landwirte meldet seine Forderungen an. lebendem Vieh zu begegnen suchen. Zur wirtschaftlichen und finanziellen Seite des Krieges gehört auch die Aufbringung der Mittel für die Kriegshilfe. Außerdem geben die betreffenden Zahlen auch einen Maßstab für den Gemeinsinn der verschiedenen Städte. Die Sammlung für das Note Kreuz, für die Kinder der Eingezogenen usw. hat bis jetzt in Mailand 4,7 Millionen ergeben, in Rom dagegen nur 1,1 Millionen, weniger als in dem halb so großen Genua, wo beinahe 1/2 Millionen aufgebracht wurden! Ueber den Erfolg der neuen 4½ prozentigen Emission, die zu 93,7 Proz. ausgegeben wird, läßt sich vorläufig nichts sagen. " Nach einiger Unsicherheit in den ersten Wochen läßt jetzt die Zensur der Diskussion über die wirtschaftliche Lage ziemlich freien Lauf. Abgesehen vom Avanti", an dem der Zensor faum mehr als Haut und Knochen läßt, beschränkt sich die Zensur immer mehr auf das rein Strategische. Man findet nie den Namen oder die Nummer eines Regiments oder eines Drtes in den militärischen Berichten, soweit es nicht offizielle Berichte sind. Es heißt übrigens, daß der Generalstab teine Verlustlisten veröffentlichen werde; jede Familie wird privatim von dem Tode Angehöriger benachrichtigt. Sobald man aber das rein militärische Gebiet verläßt, findet man eine ganz ansehnliche Freiheit der Diskussion. worten darauf denkbar sind: Entweder das Eingeständnis, daß es auch ihnen nicht möglich ist, eine andere Stellung zum Krieg zu finden als wir, gegen die sie jetzt losziehen; dies Geständnis müßten bei einigem Nachdenken alle ablegen, die unsere deutschen Arbeiter und die Organisationen, die ihnen alles bedeuten, vor den Folgen Im„ B. d. 2." wird die Stelle eines„ Vorwärts"-Artikels einer Niederlage bewahrt sehen wollen, und das möchten, denke ich, wiedergegeben, die folgendermaßen lautete: doch auch sie. Oder aber, die Antwort müßte ein Bekenntnis „ Nach dem Abschluß des Krieges werden besonders auch in zu Hoffnungen und Aussichten enthalten, die, wirklich der inneren Politit so wichtige Aufgaben an lösen ungeschminkt ausgesprochen, die Empörung und Verach. sein, wie das seit der Gründung des Deutschen tung des ganzen Volkes, gerade auch der Arbeiter, entReiches noch niemals der Fall war. Wir denken an die Verteilung der Lasten, die dieser Weltkrieg fachen würden, dergestalt, daß jeder, der sie äußerte, fürchten dauernd dem Volte auferlegen wird, an die Schwierigkeiten bei müßte, gelyncht zu werden." Inzwischen haben einzelne der Fortführung der Sozialpolitit, an die Leute wirklich solche Bekenntnisse abgelegt. Es ist ganz gut so: Da großen wirtschaftlichen Kämpfe, an die Re- erfahren die Genossen im Reich und in den Schüßengräben doch formen, die es auf dem Gebiete des Ver- einmal, worauf die ganze Heze hinausläuft, was ihre unweigerfaffungswesens durchzukämpfen gibt. In der kommenden liche Konsequenz ist. Und ich denke, daß viele, die aus SchwerZeit wird der deutschen Arbeiterklasse eine starte, einige Sozialdemokratie nötiger sein denn je." fälligkeit oder Gewohnheit des Opponierens sich von den Quertreibern haben einfangen lassen, zur Besinnung kommen werden, wenn ihnen klar wird, wo sie sich befinden. Dazu bemerkt das Organ des Bundes der Landwirte: „ Auch wir wollen über die großen vaterländischen Aufgaben Darum ist es auch ganz verfehlt, gegen die von dem Vorstand der Gegenwart nicht ganz vergessen, daß nach sieg der sozialdemokratischen Partei Deutschlands herausgegebene Erreichem Abschluß dieses Krieges so wichtige klärung„ Sozialdemokratie und Frieden" vorzugehen. Diese ErAufgaben auf den verschiedensten Gebieten der klärung zeigt den festen Willen des Parteivorstands, am Standinneren deutschen Bolitit zu lösen sein werden, wie das seit Gründung des Deutschen Reiches punkt vom 4. August festzuhalten. Sie wendet sich gegen die noch niemals der Fall war. Bei der Lösung dieser Auf- Irreführung der deutschen Parteigenossen und gaben muß sich auch die deutsche Landwirtschaft mit gegen die Verleumdung, daß die Anhänger der Vaterlands Verteidigung keinen Frieden ivünschtsn, sie verlangt Einheit und Geschlossenheit der deutschen Arbeiterbewegung. Es war hohe Zeit, daß eine solche Erklärung abgegeben wurde, die sowohl eine Zu- rückweisung der Notabelnerklärung Albrecht und Genossen als des Triumvirats Bernstein-Haase-Kautsky bedeutet. Dieser Haupt- teil der Erklärung ist so wichtig, daß man die letzten, weniger glücklichen Sätze ruhig hätte mit in den Kauf nehmen sollen. Zu mal sie schon dadurch hinreichend charakterisiert sind, daß sie in vollem Widerspruch zu dem übrigen Inhalt stehen. Nachdem der Parteivorstand auseinandergesetzt hat, wie schroff ablehnend sich in den Dreiverbandsländern selbst die sozialistischen Parteien gegen jeden Friedensgedanken gezeigt haben, kann er doch schwerlich er warten, daß deren kapitalistische Regierungen bereitwilliger au Friedensanregungen eingehen würden. Wie könnte die deutsche Regierung den Feinden Friedensverhandlungen anbieten, nachdem diese eben durch ihre berufensten Wortführer erklärt haben, der Kampf müßte bis zum Sieg oder Untergang durchgeführt werden? Man geht kaum fehl, wenn man annimmt, daß der soziabdemo- kratische Parteivorstand die tatsächliche Lage des Krieges genau so gut gekannt hat wie andere Leute, und wenn man deshalb in dieser Aufforderung an die Regierung nichts als eine schöne Geste sieht, bestimmt, Parteigenossen und vielleicht auch ausländische Sozialisten zufriedenzustellen... Wofür kämpft man! Auf diese Frage antwortet Genosse P e u s in dem Berner Organ„Die Menschheit": „Die Zentralmächte im Dauerbunde mit Frankreich würden Europa den ewigen Frieden gewähren. Der schreckliche Kampf zwischen Deutschland und Frankreich wird, so fürchte ich, zum Nutzen Englands diesen Bund für absehbare Zeit unmöglich ge macht haben. Um so schlimmer ist die Situation Deutschlands in der Zukunft. Um so mehr muß es sich s i ch e r n. S o ä h n l i ch wie 1871! Auch damals gab es widerstrebende Elemente unter den verschiedenen deutschen Stämmen, die nur zwangsweise zur deutschen Einigkeit gebracht werden konnten. So scheint mir jetzt die mitteleuropäische Einigkeit, wenn sie die Möglichkeit dazu bietet, auch zwangsweise herbeigeführt werden zu müssen. Wie im Osten die westlichen Randländer Rußlands, so müssen im W e st e n wie auch im Norden und Süden die Randländer Deutschlands und Oesterreichs zu einem Mitteleuropäischen Bunde zusammengeführt werden. Wer nicht will und wer nicht dazu gezwungen werden kann, den muß man wohl oder übel draußen lassen, aber das Ziel mutz nach dem Kriege, soweit es durch den Frieden nicht erreicht werden kann, unbedingt bleiben: Bildung eines Reiches Mitteleuropa. Bleibt Deutschland Herr über Belgien bis zum Ende des Krieges, so würde ich kein Unrecht darin finden, wenn Belgien gezwungen würde, ein Glied des Bundes Mitteleuropa zu werden. Die nationale Autonomie sollte Belgien wiedergegeben werden. Wenn ein siegreiches Deutschland ihm im Frieden das rein demo- kratische Wahlrecht aufzwänge, so könnte dagegen gewiß nichts ein- gewendet werden. Das auf Grund dieses demokratischen Wahl- rechts zu wählende Parlament könnte sich seine Verfassung geben wie es wollte, ob Monarchie oder Republik könnte der Entscheidung des belgischen Volkes überlassen bleiben. Aber Belgien müßte Glied des Reiches„Mitteleuropa" werden, um nicht wieder als Werkzeug Englands dienen zu können und sein Opfer zu werden. Ich fordere ein gemeinsames Jndigenat zwischen allen Staaten Mitteleuropas, in dem Sinne, daß jeder Bürger des einen Staates Bürger des anderen werden kann, wenn er will. Belgien ent- scheidet selbständig über seine Wehrmacht, stellt sie aber im Falle eines Krieges unter den Oberbefehl des Reiches Mitteleuropa, das auch durch die in ihm einzusetzende Zentral-Militärbehörde bestimmte Minima der Wehrhaftmachung vorschreiben kann. Für ganz Mitteleuropa werden gebildet ein mitteleuropäischer Zollverein, Eisenbahnvereiii und Postverein, deren Mehrheit?- beschlüssen sich jedes Glied zu unterwerfen hat. Für Belgien wird die Gleichberechtigung der flämischen Sprache mit der französischen festgelegt. Der Bund„Mitteleuropa" muß die Glieder, die zu ihm ge- hören sollten, die er aber jetzt noch nicht zur Mitgliedschaft zwingen kann, moralisch zu erobern suchen, was mir, wenn es richtig an- gefangen wird, nicht zu schwer dünkt. Besonders die wirtschaftlichen Interessen können da schwerwiegend mitwirken. )ie absolute Respektierung der staatlichen Selb- ständigkeit aller bisher geschichtlich gewordenen Staaten, diese Heiligsprechung der Vergangenheit, steht im s ch r o f f st e n Widerspruch einmal zu dem Organisations- und Entwicke- lungsbedürfnis unserer Zeit, sodann aber auch zu der Tatsache, daß schon so und soviel Nationen ihre staatliche Selbständigkeit verloren haben. Der Zwang, der gegenüber den einen recht ist, kann anderen gegenüber nicht unbillig er- scheinen, zumal wenn dieser Zwang das Ziel hat, eine größere Völkerorganisation unter Achtung derjenigen nationalen Freiheit, die dabei möglich ist, zu begründen. Irgendwelche territoriale Aenderung erschiene mir bei solcher Regelung im Westen sowohl überflüssig als auch schädlich." Mus öer Partei. Bernstein und Kautsky über ihren Aufruf. Die Genossen Bernstein und Kautsky, dw im Unterschiede von Haase im Parteiausschuß nicht Sitz und Stimme haben, über- sandten dieser Körperschaft, die in der vergangenen Woche tagte, die nachfolgende Erläuterung zu dem in der„Leipziger Volks- zcitung" mit lihren und Haases Unterschriften veröffsntlichten Artikel: .Wir erklären, daß dieser Artikel das Ergebnis eines Mei- nungsaustausches ist, der lediglich zwischen den beiden Unterzeichneten und dem Genossen Haase stattgefunden hat. Um es bestimmter zu sagen, daß kein weiterer Personen- kreis irgendwelcher Art dahinter steht, aus rhu Ein- fluß oder auch nur von ihm vor der Abfassung Kenntnis ge- habt hat. Im Angesicht der Kundgebungen, die in dem Artikel selbst zusammengestellt sind, und anderer, uns bekannt gewordener Tat- sacbcn, hielten wir es für unsere P'licht. ,n aller Oefsentlichkeit den Genossen die Anschauungen vorzulegen, über die wir be, unse- rem Meinungsaustausch volle Uebereinstimmung untereinander fest- gestellt hatten. Den von einigen Seiien erhobenen Vorävurf, oah ttnr vnmn eine Sonderaktion vollzogen hätten, die eine Störung der Einheit der Partei bedeute, müssen wir als g r u n d i r r i g zurückweisen. Unser Artikel wandte sich gegen keine von'der Partei be- reits beschlossene Aktion. Was er im Auge hat. ist eine Frage, vor die unsere Partei sich in nächster Zukunft gestellt sehen wird Eine freie Aussprache über bevorstehende Eni, che,- düngen kann aber unmöglich als Gefährdung der Parteic,nheit be- trachtet werden. Sie ist im Gegenteil als im demokratischen Eharakter unserer Partei liegend stets für notwendig erachtet worden. Sie wollte gerade die Genossen, die bisher auseinander gingen, wieder zusammenführen.,, � Zur Sache selbst bemerken wir in Kurze folgendes: Die ent- schiedene Zurückweisung aller Annexionsbestrebungen rn unserer Presse, in Kundgebungen des Parteivorstandes und der Fraktion, so wichtig sie ist, genügt für sich allein nach unserer Neberzeugung nicht. Es wird vielmehr für die Zukunft der Partei sehr viel davon abhängen, wie sich die Fraktion weiterhin gegenüber den Anschau- ungen der gegnerischen Parteien und der Regierung verhalten wird. Darüber eine sachliche Erörterung und Klärung herbeizu- führen und damit die Einheit der Partei zu fördern, ist der Zweck unserer Publikation. Wir müßten es aufs tiefste bedauern, wenn durch die formale Seite eine fruchtbringende Erörterung des In- Halts unserer Publikation zurückgedrängt und auf diese Weise die sachliche Einigung erschwert würde." Die Meinungsfreiheit der Gewerkschaften. Genosse Legten ersucht uns um Aufnahme folgender Be- richtigung: Genosse Kautsky berichtigt in Nr. 187 des„Vorwärts" falsch. Der Resolution über den politischen Massenstreik habe auch ich 1906 in Mannheim zugestimmt. Das wäre unmöglich gewesen, wenn der von Kautsky angegebene Satz in der Resolution gestanden hätte. Kautsky selbst, der diesen Satz im Antrag 157 in Mann heim einbrachte, hat ihn in dem Antrag Nr. 170(siehe Seite 143 des Protokolls) wesentlich geändert. Diese seine eigene Aenderung wurde durch Antrag Nr. 163(siehe Seite 140 des Protokolls) so abgeschwächt, daß auch Gewerkschaftler für die Resolution stimmen konnten. Genosse Kautsky hat den letzten Teil seines Antrages nicht allein deswegen zurückgezogen, um eine einstimmige Annahme der Resolution zu ermöglichen, sondern für seine nicht freiwillig er folgte Zurücknahme waren in erster Linie andere Gründe be- stimmend. Diese gab Kautsky folgend:„Nach den voraufgegangenen Ausführungen wäre die Abstimmung gefälscht gewesen und hätte nicht die richtige Stimmung des Parteitages wiedergegeben. Um dem zu entgehen und eine einstimmige Annahme der Resolution zu ermöglichen, ziehen wir unfern Antrag, das heißt den Schluß desselben zurück."(Siehe Seite 303 des Protokolls.) Den verstorbenen Genossen Bömelburg mutz ich gegen die Be hauptung in Schutz nehmen, daß sein« Ansichten in bezug auf Unterordnung der Gewerkschaften unter die sozialdemokratische Partei mit denen Kautskys sich deckten. Kautsky beantragte, daß die„Gewerkschaften von dem Geist der Sozialdemokratie beherrscht würden".(Siehe Antrag Nr. 157, Seite 138 des Protokolls.) Bömelburg sagte:„Wenn Kautsky wünscht, daß die Mitglieder der Gewerkschaften von sozialistischem Geist durchtränkt werden, so be- findet sich dieser Wunsch völlig mit dem meinigen im Einklang." (Siehe Seite 277 des Protokolls.) Eine Auffassung, die ich stets mit Bömelburg geteilt und gegenüber den ganz anders gearteten Wünschen Kautskys vertreten habe. Berlin, 9. Juli 1915._ T. Legten. Zur Tagung des Parteiausschusses tragen wir noch folgende Preßstimmen nach: Die Erfurter„Tribüne" schreibt: „Der Parteiausschuß ist in seiner letzten Tagung ohne Zweifel zu weit gegangen, wenn er der Meinung sein sollte, seine Be- schlüsse seien für alle Parteigenossen und für die Partei absolut hindend. Der Parteiausschuß wurde seinerzeit weder zur Ent- lastung noch zur Festlegung des Parteivorstandes oder der Reichs- tagsfraktion auf gewisse Taktiken oder Matznahmen eingesetzt, sondern er sollte den Parteitag in eiligen Fragen nur in seinen be- ratenden Funktionen ersetzen." Das„Volksblatt" für Halle bemerkt: „Von der Mehrheit der Parteiblätter wurde dieser Beschluß gebilligt und mit Freuden begrüßt, während einige andere hervor- hoben, der Parteiausschuß sei nur begutachtendes Organ des Parteivorstandes; es sei auf reinen Fall erwiesen, ob er die Mehr- heit der Parteigenossen in diesen: Falle auf seiner Seite habe. Wir selbst bezweifeln dies ebenfalls, wissen zum mindesten, daß in unserem Verbreitungsgebiete jetzt überall die Meinung hervor- bricht, es sei nun an der' Zeit..... Doch da die Parteiorganisationen nicht tagen und unbehindert dis- tutieren können, läßt sich nicht einwandfrei feststellen, wie die Mehrheit der Parteimitglieder denkt und empfindet. Um so sorgfältiger müssen die Vertreter aber in ihren Beschlüssen sein! Wir müssen immer wieder erkennen lassen, daß die Vertreter nicht die bestimmenden, sondern nur die ausführenden Organe des Ge- samtwillens sein dürfen! Dem Parteitage sind sie genaue Rechen- schaft schuldig. Da die auf dem linken Flügel der Partei stehende Parteipresse verhindert ist, ihre Auffassung über die EntWickelung der Dinge und die dem allein angemessene Parteitaktik darzulegen, müssen wir unseren Lesern immer wieder versichern, daß sie aus unseren Blättern kein zutreffendes Urteil über unsere Stellung- nähme gewinnen können. Die ganze Situation kann jetzt in keiner Weise offen dargelegt werden— weder die allgemein« noch unsere besondere..."_ Aus den Organisationen. � Eine Ausschußsitzung des 16. sächsischen Kreises(Chemnitz beschäftigte sich ebenfalls mit den inneren Parteistreitigkeiten. Gegen zwei Stimmen wurde eine Resolution angenommen, die (ich mit der Haltung der Parteileitung und der Fraktion völlig ein- verstanden erklärt. Sodann wurde mißbilligt das Verhalten der hinter der„Berner Tagwacht' steckenden Genossen und derjenigen, die kürzlich die Aufrufe gegen die Haltung der Parteileitung und der Fraktionsmehrheit unterzeichneten. Die Genossen des Kreises werden ersucht, an der Einigkeit der Partei festzuhalten und die Parteileitung wird aufgefordert, den Lebensmittelwucher auf das entschiedenste zu bekämpfen. » Eine Wahlkreiskonferenz inOschersleben-Halberstadt- Wernigerode tagte am Sonntag in Halberstadt. Sie nahm nach längerer Aussprache eine Resolution an, in der sie sich mit der bisherigen Hallung des Parteivorstandcs, der ReichsiagSfraktion und des Parteiausschusses zu den Kriegsfragen im allgemeinen ein- verstanden erklärt. Mit aller Entschiedenheit verurteilt wurde daS Borgehen einer Anzahl Parteimitglieder von links und rechts, die Einheit der Partei zu stören und deren Aktionsfähigkeit zu lähmen. Die Konferenz brachte ferner zum Ausdruck, daß der Partei« vorstand viel früher und viel energischer den Kampf gegen den un- erhörten Lebensmittelwucher hätte aufnehmen müssen und sprach die Erwartung aus, daß der Parteivorstand mit allem Nachdruck von der Negierung durchgreifende Maßnahmen zur Sicherung der neuen Ernte für die Volksernährung verlange, um dadurch eme Linderung der drückenden Teuerung zu erreichen. Der Vorsitzende stellte am Schlüsse der Konferenz fest, daß alle Beteiligten es als die wichtigste Aufgabe betrachten, die Ge- schlosienheit und Aktionsfähigkeit der Partei unter allen Umständen zu erhalten._ Dr. Angelo Vivanti's. In einem Anfall von Schwermut machte Dr. Angelo Vivanti in Trieft seinem Leben ein Ende. Er war jahrelang Chefredakteur des„Lavoratore". Den Jrredentis- mus hat er mit ganzer Kraft bekämpft, und sein Buch darüber ist s. Zt. auch in Italien sehr beachtet worden. Es schloß mit den Worten: „Italien könnte den Italienern der Julia(des osterrctchtschen Küstenlandes) keinen besseren Dienst erweisen, als indem es offen und loyal erklärt, daß es keinesfalls und unter gar keinen Um- ständen auf territoriale Eroberungen, auf Annexionen an der anderen Küste der Adria denkt." Sein Vermögen hinterließ Dr. Vivanti der Bezirkskrankenkasse zur Gründung von Heilanstalten, Arbeiterkolowien usw. Er ist nur 46 Jahre alt geworden. Gewerksthastliches. öerlin und Umgegenö. Die Löhne im Friscurgewerbe, die zwischen der Gehilfen- organisation und einem Teil der Meister bis 1. Mai 1916 tarif- lich vereinbart sind, mutzten infolge der großen Arbeitslosigkeit, die nach Kriegsausbruch einsetzte, erheblich verringert werden. All- mählich trat dann Mangel an Gehilfen ein, wodurch der Wochenlohn sich von selber erhöhte und den Mindestsatz von 22 M. mehr oder minder überschritt. Während nun der Lohn für feste Stellung auf der Grundlage des Mindestlohnes eine Vereinbarung über seine Höhe von Fall zu Fall zuläßt, sind die zur Aushilfe arbeiten- den Gehilfen an die dafür festgesetzten Löhne gebunden. Der Herabsetzung dieser Löhne ist wohl eine Erhöhung gefolgt, doch blieb diese bisher hinter den Tarifsätzen zurück. Trotz der allge- mein günstigen Lohnkonjunktur sind also die Aushelfer schlechter gestellt als vor dem Kriege, wo der Lebensunterhalt wesentlich billiger war. Hinzu kommt, daß in Arbeitsangeboten durch An- zeigen in der Tagespresse auch für Aushilfe bessere Bezahlung vorgesehen ist. Der Aweigverein Berlin des Verbandes der Fri- seurgehilfen, Engelufer 15, hat daher in seiner letzten Mitglieder- Versammlung beschloffen, vom 15. Juni ab die im Tarif- vertrag vorgesehenon Lohnsätze für Aushilfe wieder in Kraft treten zu lassen. veutfches Reick. Der deutsche Landarbeiterverband hatte am Schlüsse des Jahres 1913 20 267 Mitglieder, darunter 884 weibliche. Am Schlüsse des Jahres 1914 waren nur noch 12 275 Mitglieder vor- Händen, darunter sind 1007 weibliche. Bis Schluß des Jahres 1914 wurden als zum Kriegsdienst eingezogen 4667 Mitglieder ge- meldet. Unter Berücksichtigung der Neuaufnahmen im Jahre 1914 müssen ungefähr 4— 5000 Mitglieder neben den zum Heeresdienst eingezogenen als Verlust gebucht werden. Es ist zu vermuten, daß darunter sich doch noch eine größere Zahl Eingezogener be- findet. Ter Prozentsatz der zum Kriegsdienst eingezogenen Mit- glieder ist nämlich im Landarbeiterverhand um etwa 10 Proz. ge- ringex als in anderen Gewerkschaften. Dies läßt die Annahme zu, daß nicht alle Mitglieder gemeldet sind, die zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Am Schlüsse des 1. Vierteljahres 1915 dürfte die Mitgliederzahl noch weiter zurückgegangen sein und rund 10 000 betragen. Die Gesamteinnahme aus Beiträgen an Eintrittsgeldern bc- trug im 1. Halbjahr 1914 56 511 M.. im 2. Halbjahr 42 418 M. zusammen 98 929 M. Erfreulicherweise sind trotz der Kriegszeit verschiedene Ortsgruppen dazu ühergegangen, höhere Beiträge ein- zuführen. Ebenso werden in dem größten Teile Norddeutschlands besondere Gaubeiträge zu 10 Pf. pro Monat erhoben, um den Verband zu stärken. DieS ist ein Beweis, daß die dem Verband treugebliebenen Mitglieder wissen, um was es sich handelt und welchen Wert der Verband hat; ein gutes Zeickwn für die zu- künftige Verbandsarbeit. An Krankenunterstützungen wurden aus- gezahlt 25 244 M., an Sterbegeld 2350 M. An Unterstützung für Kriegerfamilien wurden aus den Ortskassen 1383 M. gezahlt. Für Lohnbewegungen und Streiks wurden 2383 M. verausgabt. Die Hauptsumme für Streiks betrifft den Winzerstreik in der Pfalz. Die Ausgaben für Rechtsschutz betragen 7848 M. Für die Zeitung wurden 10 816 M. und für Agitation 28 616 M. ausgegeben. Um die VerbandSausgaben zu decken, ist von der General- kommission der Gewerkschaften wiederum ein größerer Zuschuß gegeben worden. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben nach dem Kriege sein, den Verband auf eigene Füße zu stellen, damit die Ausgaben von den Einnahmen aus Beiträgen gedeckt werden können. Die Ausgaben für Unterstützungen sind in der Kriegs- zeit ganz erheblich gestiegen. Im 1. Vierteljahr 1915 sind rund 50 Proz. der Einnahmen aus Beiträgen für Krankenunterstützung verbraucht worden. Der Landarbeiterverband wird anscheinend von einem großen Teil der Mitglieder nur als eine Krankenkasse betrachtet. Es wird nicht an seine Hauptaufgabe gedacht, die darin besteht, durch Einigkeit und Zusammenhalt eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse herbeizuführen. Die Erziehung seiner Mit- glieder zum gewerkschaftlichen Denken wird eine der Hauptauf- gaben der Verbandsleitung sein müssen. Mus Inöustrie und Handel. Vom k. k. Tabakmonopol. Ein Vergleich des Konsums im Jahr 1914 mit dem im Vor- jähre die Ziffern für 1913 geben wir in Klammern— zeigt die Kriegswirkungen auch auf diesem Gebiet. Das österreichische Tabakmonopol fetzte im Inland ab: Zigarren 601(615) Mil- lionen Stück, Zigaretten 2,7<2P) Milliarden Stück, Pfeifentabak 1,3(1,1) Millionen Kilogramm, Zigarettentabake 789(641) Millionen Pakete, Spezialitätenzigarren 15,6(16) Mil- lionen Stück, Spezialitätenzigaretten 45(50) Millionen Stück. Gestiegen ist also der Verschleiß von Zigaretten, Zigaretten- und Pfeifentabak. Innerhalb der einzelnen Waren ist ein starker Uebergang zu den billigeren Sorten festgestellt. Regelung des Zuckerverkehrs in Oesterreich. Wien, 10. Juli.(W. T. B.) Die heutige„Wiener Zci.'.ng' bringt eine Verordnung des Handelsministers über die Regelung des Zuckerverkehrs. Durch die Verord- nung wird das auSschlieMiche Verfügungsrecht über sämtlichen Zucker aller Art einer zu diesem Zwecke geschafsenen Zucker- zentrale übertragen. Um der Zentrale die Dispositionsmög- ichkeit in weitestem Umfange zu sichern, werden die gesamten Vorräte an unversteuertem Zucker aller Art, welche in den Zucker- fabriken und Freilagern lagern, und ferner die gesamte Pro- duktion der künftigen BetriebSperiode 1915/16 an Zucker unter Sperre gelegt und sämtlich« Vorverkäufe für Zucker aus der Kam- pagne 1915/16 für ungültig erklärt. Die Zentrale hat für ent- sprechende Zuteilung des Rohzuckers an die Raffinerien für Deckung des gesamten inländischen Bedarfs der Heeresverwaltung an Zucker zu sorgen. Die Verordnung regelt ferner die Zucker- preise nicht nur für die nächsten Monat« bis zur neuen Kam- pagne. sondern auch gleichzeitig für die Erzeugung der neuen Kampagne 1915/16 und setzt einen bis Ende August 1916 gelten- den Einheitspreis von 33 Kronen für Rohzucker und 88)4 Kronen für Raffinade fest. Um Sicherheit zu schaffen, daß die in der Verordnung festgesetzten Preise nicht im Detailhandel zum Nach- teile der Konsumenten eine ungerechtfertigte Erhöhung«rfahren, werden die politischen Behörden zur Festsetzung von Höchstpreisen für Verbrauchszucker im Groß- und Detailhandel angewiesen. Um die Konsumenten nicht durch ungerechtfertigt hohe Verschleißprcisc billigeren Zuckers der alten Kampagne zu schädigen, wurde an- georonet, daß der zum neuen höheren Preise in den Verkehr kommende Zucker durch«ine mit gelbem Aufdrucke ausgestattete amtliche Vcrschlußmarke anstatt der bisher üblichen roten Marke versehen werde. Durch die von der Regierung getroffenen Maß- nahmen wird der Zuckerbedarf bis Ende 1916 sichergestellt. Für eine angemessene Verteilung der Produktion sowie für die recht- zeitige Befriedigung des Bedarfs ist vorgesorgt und zugleich der Bevölkerung die Sicherheit gegeben, daß sie bis zum Herbste 1916 dieses unentbehrliche Lebensmittel zu unveränderten Preisen er- halten kann._ Auf die zweite Kriegsanleihe waren bis zum 7. Juli 8669,4 Millionen Mark eingezahlt gleich 95,2 Proz. der Gesamtzeichnung. Der Zugang erreicht gegenüber der Vorwoche den hohen Betrag von 101,8 Mill. M. Trotzdem ist die summe der von den Dar- lehnskassen für die Zwecke der zweiten Kriegsanleihe hergegebenen Darlehen um nicht weniger als 96 Mill. M. zurückgegangen, so daß sich gegenüberstehen: Einzahlung auf die zweite Krtegsanleihe 8669,4 Mill. M., Inanspruchnahme der Darlehnskassen für diesen Zweck 399 Mill. M. ommer. Ausverkauf S Reft& Einzelpaare staunend billig! BEGINN: DIENSTAG Sozialdemokratischer Wahlverein moigma be bletnöse H Leiser f. d. 4. Berl. Relehstagswahlkreis. Deutscher Transportarbeiter- Verband Strakauer Viertel. Bezirk 321. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tapezierer Albert Meyer Warschauer Str. 20 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nachmittags 4 Uhr, ben der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/6 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 8. Juli verstarb unser Parteigenoffe August Strauer Uhr, Anzengruberstr. 24, 7. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, den 11. Juli, nachmittags 3 auf dem Neuköllner Gemeinde Friedhof, Mariendorfer Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband d. Brauerei- u. Mühlenarbeiter u. verw. Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß unsere Kollegin, Frau Marie Schmerbach ( Kindlbrauerei) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 11. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Ge meinde Friedhof Neukölln, Mariendorfer Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/16 Die Ortsverwaltung. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 15. Juni mein unvergeßlicher, lieber Mann, der treusorgende Bater seiner Kinder Hermann Oestreich ( Ersatz- Infanterie- Regiment 52) im 38. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Alma Oestreich und Rinder nebst Verwandten.[ 29A Da santst dahin wie Rosen sinken, Wenn sie in voller Blüte stehn. Und heiße, bittre Tränen fliegen, Weil wir uns nicht mehr wiedersehn. Gingest unter wie die Sonne, Läßt verwaist uns stehn. Alles Hoffen war vergebens: Es gibt kein Wiedersehn. Nachruf. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 19. Juni lieber Kollege Fritz Rogalla. Reserve- Infanterie- Regiment 206. Bir verlieren in ihm den Besten unseres Vereins und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Theaterverein Freie Bühne Charlottenburg Mitglied des Deutschen ArbeiterTheaterbundes. 270 65/9 Bezirk Groß- Berlin. Folgende Kollegen sind im Felde gefallen: Max Denecke, Wäschekutscher Georg Eisermann, Geschäftsdiener Emil Grasse, Straßenbahner Gustav Kausch, Geschäftskutscher Theodor Krepel, Müllschaffner Georg Küster, Geschäftsdiener Theodor Schröder, Autowäscher Robert Schulz, Schilderanmacher Paul Schwarz, Geschäftsdiener Alfred Stiller, Bader Willi Teske, Autoführer Karl Wagner, Speditionsmitfahrer Georg Winter, Straßenbahner Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksleitung. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter Filiale Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß folgende Kollegen auf dem Schlachtfelde gefallen sind: Otto Bloch, Berliner Gasanstalt, Tegel. Paul Hölske, Englische Gaswerke. Karl Baaske, Berliner Gasanstalt, Tegel. Albert Schmiel, Neukölln. Paul Peukert, Wasserwerk Friedrichshagen. 34/18 Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Ortsverwaltung. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 25. Juni infolge eines Kopfschusses unser lieber Kollege Hermann Konrad im 28. Lebensjahre. 1983b Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Bäcker der Brotfabrik Marold. Gesangverein„ Unverdrossen". Hiermit bringen wir die traurige Nachricht, daß unsere Mitglieder Hans Mierau und geb. 25. Januar 1892 Paul Müller geb. 3. August 1875 als Opfer des Weltkrieges ge= fallen find. Ehre ihrem Andenken! Der Vorstand. 59/12 Mandolinenklub ,, Nordische Klänge 1906". Allen Freunden und Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unsere Mitglieder 20025 Wilh. Lengwenings und Paul Schude als Opfer des Weltkrieges gefallen find. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermann Kerber am 6. Juli gestorben ist. ant nachDie Beerdigung findet Montag, den 12. Juli, mittags 6 Uhr, von der Leichen halle des Gethsemane- Stirchhofes in Nordend aus statt., Ein Geistlicher geht nicht mit. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Helene Müller am 9. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juli, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des alten Thomas- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Ein Geistlicher geht mit. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 116/6 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Als Opfer des Weltkrieges fielen unsere Sportkollegen, die Brüder Otto und Willi Peter. Wir verlieren zwei liebe Sportfollegen, denen wir stets ein dauerndes Andenken bewahren werden. 283/5 Reinickendorfer Fußball- Klub „, Borussia 1911" Mitgl. d. Arbeiter- Turnerbundes. Wer für die Freiheit ist gestorben Im Tatensturm, im Schlachtengraus, Der hat Unsterblichkeit erworben, Sein Geist umschwebt der Schöpfung Haus. Leicht sei ihnen die fremde Erde! als Fern von der Heimat Opfer des Weltkrieges fiel am 6. Mai unser unvergeßlicher Sohn, Bruder und Neffe, der Erfabrefervist Gustav Achilles Ref.- Inf. Reg. Nr. 97 4. Komp. im blühenden Alter von 25 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an Gustav und Anna Achilles als Eltern. Heinrich und Wilhelm, als Brüder, beide verwundet. Anna als Schwefter. Hermann und Mara Ossig als Onkel und Tante. Coufine Melanie. Ruhe fanft in fremder Erde. Wir merden Deiner nie vergessen. Berlin- Mariendorf, 972 den 10. Juli 1915. Als weitere Opfer des Weltfrieges erlitten den Heldentob unsere lieben Stollegen, die Seger Bruno Schwarz Fritz Lierse. Ihr Andenken werden stets in 59A Ehren halten Die Kollegen der Hofbuchdruckerei Julius Sittenfeld Berlin. Den Heldentod erlitt am 30. Juni in treuester Pflichterfüllung unser herzensguer, braver Sohn, Bruder, Schwager, Neffe und Better, der Unteroffizier der Reserve Rudolf Lindner im 25. Lebensjahre. Dies zeigen schmerzerfüllt an Richard Lindner und Frau nebst allen Angehörigen. Berlin, Manteuffelstr. 70. Du hast Dein junges Leben dem Baterland gegeben, drum soll'n wir nicht verzagen und versuchen, es wie andere zu tragen. Doch nur, wer solch einen Sohn und Bruder, wie wir besessen, fann unseren Schmerz ermessen. Ein Liebesdienst für den wunden Kamerad, das war, Du Braver, Deine legte Tat. 54A Uns wurde die traurige Nachricht zuteil, daß mein lieber Mann und guter Vater, unser unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schmager, Dnkel und Reffe, der Landsturmmann. am Robert Klinnert Garde Füfilier- Reg. 4. Komp. 2. Juni im Feldlazarett seiner schweren Verwundung er 132 Tegen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen aller Angehörigen Otto Klinnert. Auf fremden Fluren, da ist ein Grab, Da sentte man einen Helden hinab. Im fremden Rand, weit vom Heimatherd, Liegt einer begraben, der uns so lieb und wert. Ruhe sanft in fremder Erde! Als Opfer des Weltfrieges starb am 16. Juni unser lieber einziger Sohn und Bruder, der Pionier Willi Wegehaupt im Alter von 23 Jahren. Nuhe sanft in fremder Erde! Schöneberg, den 10. Juli 1915. Familie Wegehaupt, Cranachstr. 23. Fern von der Heimat fiel am 23. Juni infolge eines Kopfschusses unser innigst geliebter Sohn, Bruder, Schwager und Enkel Hans Krenz im 26. Lebensjahre. In tiefstem Schmerze 54A Julius Gebert Martha Gebert verw. Krenz und Geschwister. Männerchor Olympia. Allen Freunden und Sängern zur Nachricht, daß unser lieber Sangesbruder Albert Preuß bei dem gewaltigen Bölferringen gefallen ist. Der Vorstand. Stumm schläft der Sänger. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Wedding. Am 9. Juli starb unser Mits glied, der Maurer Paul Gradt. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhofe in Ahrens 141/5 felde statt. Der Vorstand. Verband der Tapezierer Filiale Berlin. Am Donnerstag, den 8. Juli, verstarb unser Mitglied Albert Meyer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt. 178/9 Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Reinickendorf- Ost. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Hermann Stephan am 3. Juni gefallen ist. Ehre seinem Andenken! 257/14 Die Ortsverwaltung. Konsumgenossenschaft Berlin and Umgegend. Nachruf! Seinen Berlegungen erlag im Lazarett in Tifit das Mitglied des Genossenschaftsrats( Schrift. führer) Paul Patschke. Sein Andeuten wird in Ehren halten Der Vorstand. Auf dem Schlachtfelde fiel am 6. April durch Kopfschuß unser einziger, unvergeßlicher Sohn, der Mustetier [ 77a Paul Friedland im 23. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Friedrich Friedland und Frau, Blumenftr 66. Freie Turnerschaft Johannisthal. aus Durch den Weltkrieg unjerer Mitte geriffen wurde am 25. Juni unser lieber Turngenosse Richard Karras. Seine Dienste im Interesse des Vereins sichern ihm bei uns ein ewiges Andenken. 185/13 Der Vorstand. Dem Undenten unserer auf dem Kriegsschauplak gefallenen Genoffen! 204/8 Gefallen im Alter von 37 Jahren der Genosse Heinrich Oestreich Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 1. Berliner Reichstagswahlkr. Am 3. Juli ftarb infolge seiner Verwundung der Genoffe Alfred Stiller Bezirk 52 Ferner fiel auf dem Schlachtfelde am 14. Mai der Genosse Albin Schönfeld Planufer 93 Am 22. Juni der Genosse 205/13 Rudolf Worischeck Markgrafenstraße 14 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 2. Berl. Reichstagswahlkr. Gefallen der Stodarbeiter, Genosse Ernst Kaiser Am 25. Juni fiel unser Genosse, der Zigarrenarbeiter Edmund Päsler 209/10 213/7 Bezirk 248 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 3. Berl. Reichstagswahlkr. Am 13. Juni fiel der Schriftseger Wilhelm Rähse Glogauer Straße 29. Bezirk 207 I Am 14. Juni fiel der Maschinenarbeiter Albert Fitzner Elbinger Straße 5. Bezirk 399 Am 25. Juni fiel der Tischler Artur Goßlau Reichenberger Straße 115a. Bezirk 202 II Am 14. Juni fiel der Packer Georg Küster Petersburger Straße 59. Bezirk 395 Am 17. Juni fiel der Hausdiener Hermann Ketzschau Basteurstraße 39. Bezirk 424 I Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 4. Berliner Reichstagswahlkr. Im Felde fiel der Schlosser Max Hammel Aderstraße 14/15. 11. Abteilung, Bezirk 604 Am 20. Juni fiel auf dem Schlachtfelde der Bezirksführer 226/9 Erwin Letzner Schröderstraße 11. 11. Abteilung, Bezirk 633 Am 28. Mai fiel der Milchhändler 238/4 Friedrich Zilz Bolliner Straße 32. 9. Abteilung, Bezirk 588 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Reichstagswahlkr. Am 16. Mai fiel im Felde der Hausdiener Alfred Lau Emser Straße 29/30, 15. Bezirk Sm Felde fiel der Metallarbeiter Richard Luther Böhmische Straße 9, 11. Bezirk Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Als Dpfer des Weltkrieges verloren wir unsere Genossen Gustav Müller 244/11 Markgrafendamm 5, und Richard Fritsche Markgrafendamm 11 Sozialdemokratischer Wahlverein Stralau. Gefallen find bei den Kämpfen 244/10 Karl Müller Kaiser- Friedrich- Straße 45, Gruppe 13 Paul Müller Binzstraße 12, Gruppe 9 Sozialdemokr. Wahlverein Niederbarnim. Bez. Pankow. Auf dem Schlachtfelde fiel unser Genosse, der Wasserwerkarbeiter Paul Peukert Raftanienallee 8 ye 244/12 Sozialdemokr. Kreiswahlverein Niederbarnim. Bezirk Friedrichshage n. Deutscher Holzarbeiter- Verband 25/11 Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen find folgende Mitglieder: Emil Appel, Tischler, 29 Jahre alt. Waldemar Breß, Tiller, 45 Jahre alt. Rudolf Guth, Tischler, 43 Jahre alt. Paul Heinrich, Tischler, 42 Jahre alt. Max Kirsch, Modelltischler, 24 Jahre alt. Fritz Loerzer, Tischler, 32 Jahre alt. Joseph Parr, Drgelbauer, 36 Jahre alt. Max Urban, Tischler, 30 Jahre alt. Emil Wagner, Tischler, 25 Jahre alt. Ehre ihrem Andenten! Die Ortsverwaltung. Deutsch.Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Es starben folgende Mitglieder im Felde: August Bärs, Bidler, geb. 8. 3. 1871 in Blauerhof. Paul Dankert, Former, geb. 24. 7. 1885 in Dalldorf. Wilhelm Domnick, Fräser, geb. 21. 3. 1876 in Alegwangen. Gottfried Dumpich, Schleifer, geb. 14. 11. 73 in Tschöplwiß. Artur Fischer, Mechaniker, geb. 4. 7. 1883 in Starlsbrüde. Artur Franzke, Schloffer, geb. 21. 1. 1888 in Krotoschin. Franz Gehrmann, Former, geb. 6. 3. 1891 in Berlin. Otto Jigenstein, Fahrstuhlmonteur, geb. 4. 4. 1890 in Staßfurt. Richard Karras, Metallarbeiter, geb. 27. 2. 1888 in Köpenid. Otto Köhlich, Metallarbeiter, geb. 18. 7. 1887 in Greifswald. Wilhelm Kracht, Schloffer, geb. 26. 7. 1893 in Berlin. Max Kroll, Schloffer, geb. 3. 9. 1888 in Breslau. Wilhelm Kurzweg, Rohrleger, geb. 19. 11. 1877 in Mansfeld. Rudolf Lindner, Gürtler, geb. 1. 8. 1890 in Berlin. Hugo Marschall, Mechaniter, geb. 1. 8. 1874 in Frankfurt a. M. Wilhelm Rehfeld, Rerumacher, geb. 5. 11. 1895 in Faltenwalde. Fritz Seifert, Schloffer, geb. 2. 2. 1892 in Berlin. Ernst Simon, Metallarbeiter, geb. 24. 12. 1884 in Cuzom. Walter Schilling, Schraubendreher, geb. 5. 11. 1888 in Berlin. Julius Stolzenburg, Former, geb. 28. 3. 1893 in Berlin. Franz Rook, Rohrleger, 116/7 geb. 18. 2. 1884 in Stonigsberg. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Im Felde find folgende Kollegen gefallen: Busse, Friedrich, Maurer, Bezirt Adlershof. Düllsen, Ferdinand, Buzerträger, Bezirk Neukölln. Groß, Karl, Staker, Bezirk Neukölln. Heinrich, Albert, Buterträger, Bezir! Bilmersdorf. Krug, Oskar, Maurer, Bezirk Norden I. Möller, Wilhelm, Einschaler, Bezirk Neukölln. Paetsch, Franz, Buzerträger, Bezirk Neuköln. Reichenbach, Paul, Stuttateur, Bezirk Neuköln. Schulz, Karl, gilssarbeiter, Bezirk Reutöän. Ehre ihrem Andenken! 141/6 Die örtliche Verwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands 55/14 Zahlstelle Groß- Berlin. Gefallen find folgende Mitglieder: Willi Westphal, Bezirk Norben. Fritz Zander, Bezirk Norden. Franz Matzdorf, Bezirk Norben. Willi Peter, Bezirk Reinidendorf. Louis Grothe, Bezirk Köpenid. Wilhelm Pahl, Bezirk Ober- Schöneweide. Gustav Poehla, Bezirk Adlershof. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Befannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bruder, Schwager und Dnfel, der Steinmez Fritz Pergande Christianiaftr. 114 am 4. Juli im blühenden Alter von 19 Jahren infolge Herzschlags verstorben ist. 19975 Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag, nagmittags 3 Uhr, auf dem alten Pauls- Friedhof, Seestraße, statt. Fern von der Heimat und den Seinen fiel am 15. Juni( Bauchschuß) mein lieber Mann, unser guter Vater, der Ersapreservist Artur Fischer im 32. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz Alma Fischer, verw. Ewert, geb. Hoffmann Helmut Ewert, Stiefsohn Gerda, Tochter. 54A Wir kennen nicht die Stätte, Wo er starb auch nicht Zeit, Wir kennen nicht sein Grab. Doch du Natur, die du freier bist Wie wir, wir rufen dich: Streu' Blumen um ihn her! Als Opfer des Weltkrieges fiel fern von seinen Lieben mein lieber Mann, meines Kindes treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Ontel, der Füfilier im 35. Regt. Hermann Ringel im 29. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Witwe Berta Ringel 3621 und Sohn Witwe Ringel als Mutter Frau Drahn geb. Ringel als Schwester Willi Ringel als Bruder, 3. 8. im Felde Familie Drahn. Er ging von uns mit schwerem Herzen und hoffte auf ein Wiedersehn, doch größer find jezt unsere Schmerzen, da dieses nicht mehr fann geschehn. Er war so gut, er starb so früh, wer ihn gefannt, bergißt ihn nie. Rube sanft in Feindesland, ewig beweint von Deinen Lieben! Als Opfer des Weltkrieges fiel am 14. Juni durch Herzschuß mein lieber Mann und Bater, unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Dnket, der Landsturmmann Georg Küster [ 6A im Alter von 27 Jahren. Dies zeigen tiefhetrübt an Berta Küster geb. Kräutlein, als Frau nebst Sohn Kurtchen. Die beiderseitigen Eltern. Als Brüder: Paul Küster nebst Familie, Köpenid. Richard Küster, s. 8. im Felde, nebst Frau. Emil Küster, z. 3. im Felde, nebst Frau. Willi Küster, 38 im Lazarett. Paul Dehmke, z. 8. im Felde, als Schwager, nebst Frau Elisabeth geb. Küster und Kindern. Dem ewig Gram, der diesen Krieg heraufbeschworen, Der Dich nun trennt von all den Deinen; Nur wer Dich tannte, weiß, was wir berloren, Und weiß, warum wir weinen, weinen. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Bater, der Tapezierer Albert Meyer Warschauer Straße 20 im Alter von 28 Jahren plötzlich verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernde Gattin nebst Sohn. 6A Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 23. Juni mein lieber, herzensguter Mann, unser lieber Bater, einziger Sohn, Schwiegersohn und Schwager, der Wehrmann Franz Raasch Infanterieregiment Nr. 59 im noch nicht vollendeten 37. Rebensjahre. 98A Dies zeigen tiefbetrübt an Frau Martha Raasch geb. Kleist und Kinder nebst Eltern, Schwiegereltern, Schwager u. Schwägerinnen. Wildau( Kreis Teltow), Fahrradhandlung. Tie Freude Deiner Wiederkehr War nicht vergönnt den Deinen, Und mögen fie auch noch so sehr Jar Liebstes nun beweinen. Nun ruhe sanft in Deinem Grab, Befreit von allen Schmerzen, Die Liebe, die Dich hier umgab, Rebt fort in unserem Herzen. 3hm der Friede, uns der Schmerz. Zentral- Verband der Böttcher, Weinküfer u. Hilfsarbeit. Deutschl. Filiale Berlin. As Opfer des Weltkrieges fiel am 17. Juni auf dem Schlachtfelde unser braves Mitglied Karl Wieske im Alter von 45 Jahren. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm 22/3 Die Filiale Berlin. Verband der Kupferschmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Als Opfer des Weltkrieges verloren wir folgende Kollegen: Alfred Mende 99/6 geboren 24. Mai 1886 gefallen 15. Juni 1915, Otto Riegel geboren 17. April 1893 gefallen 18. Juni 1915. Ehre ihrem Andenken! Der Filialvorstand. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 16. Mai im Gefecht unser lieber, unvergeßlicher, hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Schwager 29A und Neffe Alfred Lau im blühenden Alter von 24 Jahren. Im tiefsten Schmerz die trau ernden Eltern J. Lau und Frau. Paul als Bruder. Grete Handtte als Schwester. Rudolf Handtke a. Schwager, zurzeit im Felde. Ein treues Herz fehrt nie mehr zurüď, Bernichtet hat's ein Augenblid. Du starbst so früh im fremden Sand Als Opfer für Dein Heimatland. Geliebter Sohn und Bruder! Ruhe in Frieden, Soweit von Deinen Lieben. Anzeige! Ms Opfer des Weltkrieges fiel am 22. Juni auf dem Kriegsschauplaz unser jüngster, hoffnungsvoller und unvergeßlicher Sohn im blühenden Alter von 23 Jahren, der Kaufmann Robert Menzel. Dies zeigen an im tiefsten Schmerz 37A Oswald Menzel und Frau als Eltern. Richard Menzel als Bruder, 3. 8t. im Felde. Klara Menzel als Schwester. Ella Gärtner als Braut. Witwe Klamke als Großmutter. Ottilie Klamte als Zante. Wie schwer war Dir das Scheiden Von uns, geliebtes Herz, Weißt nicht, was wir jetzt leiden, In tiefem, großem Schmerz. Bir baten alle Tage, Ach kehre bald zurück. Doch jetzt nur eine Slage, Borbei ist unser Glück. Kurz war nur unsere Freude, Zief ist nun unser Schmerz. Drum schlumm're sanft Du treu geliebtes Herz. D nimmer, nimmer werden wir Dein vergessen. Du warst so jung, Du starbst so früh, Wer Dich gekannt, vergißt Dich nie. Ruhe janft in fremder Erde, Unsere Liebe deckt Dich zu. Am 28. Juni starb fern von seinen Lieben im Lazarett an den den Folgen eines Stopfschusses mein lieber guter Mann, treu sorgender Bater seines Kindes, unser lieber guter Sohn, Bruder, Schwager, Ontel und Schwiegersohn, der Erfahrekrut im ReserveInfanterie- Regiment Nr. 46 Hans Jordan im Alter von 27 Jahren. In tiefem Schmerz Frieda Jordan geb. emte und Sohn. Die tiefbetrübten Eltern, Geschwister, Schwiegereltern und Verwandten. Du zogst hinaus zum Stampfe Und fehrst nicht mehr zurüd, Du warst kaum am Ziele, Da traf Dich das Geschick. Bir fönnen es noch nicht faffen, Daß Du hinweggerafft, In Deines Lebens Blüte, In Deiner besten Straft. Du mußtest uns verlassen, Aus unsrer Mitte gehen, Umsonst war unser Hoffen Auf ein Wiedersehen. Ruhe sanft im Heldengrab. Danksagung. Für die freundliche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen, insbesondere den Kameraden der Firma Taege, sowie der Zahlstelle 9 des Verbandes der Zimmerer meinen herzlichsten Dant. 16A Ida Meyer geb. Winter. Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, »««>■>»■» 2. KilW Ks LmSrls" Knlim WUisdlM«' Mwoch.«len I». Juli: Zal)labend in Groß-Mln. Ms Groß-6erlin. Das berliner �rrengefängnis. Im Berliner Weichbilde gibt es nur noch zwei dem Publikum wenig bekannte Stätten, in denen Geistesgestörte und solche Schlaumeier, die geisteskrank sein wollen, d. h. den so- genannten„wilden Mann" spielen, vorübergehend unter- gebracht werden. In der Charits, die ja früher, ehe die Stadt Berlin eigene Irrenanstalten baute, neben dem längst vom Erdboden verschwundenen berüchtigten„Ochsenkopf" am Alexanderplatz das eigentliche Berliner Irrenhaus war, ist von dieser Einrichtung noch eine psychiatrische Beobachtungs- abteilung zurückgeblieben, wie sie heute an wohl allen deutschen Universitätskrankenhäusern besteht. Sie liefert das klinische Menschenmaterial für die Medizinstudie- renden, unterscheidet sich von den übrigen Ab- tcilungen der Charits äußerlich nur durch gewisse Sicherheitseinrichtungen, die aber, weil hier die Aerzte sich zähe gegen den allzu hervorstechenden Irrenhaus- und Gefängnischarakter sträuben, für Fluchtversuche ziemlichen Spielraum lassen, und ist im großen und ganzen also eine Durchgangsstation zum wirklichen Irrenhaus. Die meisten Ein- gelieferten, die nur mal das seelische Gleichgewicht verloren und auf dem Wege zur Geisteskrankheit waren, werden nach einigen Wochen wieder entlassen und tragen nun keineswegs das Kainszeichen des Irrenhauses mit sich herum, die anderen, die als tatsächlich geisteskrank erkannt werden, kommen in regelmäßigen Transporten gewöhnlich nach der städtischen Irrenanstalt in Buch. Nicht selten werden in dieser psychiatrischen Abteilung ferner Polizei- und Untersuchungsgefangene, die im Verdachte geistiger Er- krankung stehen, Wochen hindurch beobachtet, was sich mangels der für viele solcher Leute erforderlichen Sicherheitsmaßregeln als ein Mißstand fühlbar gemacht hat. Auch gehört das Zu- sammenlegen dieser„unsicheren Kantonisten" mit unbestraften Kranken für letztere nicht immer zu den Annehmlichkeiten. Umgekehrt werden auf gerichtliche Anordnung Insassen von Irrenanstalten oder Entmündigte, die noch nie in einer Irrenanstalt waren, hierher zur Beobachtung und Be- gutachtung überwiesen, wenn um die Erlangung der persönlichen oder wirtschaftlichen Freiheit prozessiert wird. Die stetige Ueberfüllung der Station spricht für ihre Notwendigkeit. Einen wesentlich anderen Charakter trägt das„Irren- kittchen" für Gefangene, das wie ein„festes Haus" in der Irrenanstalt eingerichtet ist. Es befindet sich nicht, wie viel- fach geglaubt wird, im Moabiter Untersuchungsgefängnis, sondern ist eine besondere Abteilung des Königlichen Zellen- gefängnisses, des bekannten burgartigen finsteren Gebäudes an der Lehrter Straße. Solche Jrrengefängnisse gibt es außer in Berlin noch in Breslau, Halle, Münster und Köln. Sie bestehen seit etwa einem Vierteljahrhundert und sind eine Schöpfung des vor einiger Zeit verstorbenen, um die Gefan- genenfürsorge hochverdienten Gehcimrats Dr. Krahne. Daß recht viele Gefangene von dem sogenannten„Zuchthausklaps" befallen Iverden oder eine geistige Störung mit oft großer Schläue vortäuschen, um besser behandelt und verpflegt zu werden, ist ja wohl allgemein bekannt. Der„Zuchthausklaps" ist kein humoristischer Begriff, er gehört leider der Wirklichkeit an. Ereiheitsentziehung, Entbehrung, strenger ArbeitSzwang, ewissensbisse, auch das Gefühl ungerechter Bestrafung und ähnliche Umstände erzeugen sehr häufig Geistesstörung, wobei nach den Erfahrungen der Psychiatrie behauptet wird, daß für derartige Erkrankungen von vornherein eine gewisse Ver- anlagung besteht, die sich nur durch die Strafverbüßung aus- löst. Es kommen alle möglichen Formen der„Gefängnispsychose" vor, vom gesteigerten Schwachsinn und der Gemütskrankheit bis zum Größenwahn, Verfolgungswahn, religiösen Wahn mit gelegentlicher Tobsucht. Besteht die Geisteskrankheit in gemein- gefährlicher Form noch über die Strafzeit hinaus, so müssen diese Kranken natürlich den großen Irrenanstalten überwiesen werden. Die Trennung von den geistesgesunden Gefangenen ist unbedingt notwendig. Aber auch die Simulanten müssen schnell abgesondert werden, weil sie im geregelten Straf- Vollzug die Anstaltsordnung gefährden. Meistens ist es ihnen nur um eine angenehme Abwechselung zu tun, da das Leben im Jrrengefängnis im allgemeinen dem in den großen Irrenanstalten gleicht. Nebenbei spielt auch der Fluchtgedanke eine Rolle, wobei aber diese „Kranken" heute nur noch selten auf ihre Rechnung kommen. Nach einiger Zeit geben sie das Simulieren von selbst auf, weil sie wissen, daß die Ueberführung nach einer Irrenanstalt die Erlangung der Freiheit oft um Jahre verzögert. Werden sie wirklich im Jrrenhause nach Monaten oder Jahren für geistesgesund erklärt, so muß nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen doch noch der Rest der zuerkannten Strafe im alten Gefängnis verbüßt werden. Hauptsächlich wegen der durch bessere Sicherheitsvorkehrungen verminderten Flucht- Möglichkeiten hat die Zahl der hartgesottenen„wilden Männer", die sich so leicht nicht überführen lassen, in den letzten Jahren erheblich nachgelassen. Trotzdem werden noch genug Gefängnis- simulanten und wirkliche Geisteskranke aus den Gefängnissen auch den Berliner städtischen Irrenanstalten aufgehalst, die dann neben der durch solche Elemente geschaffenen besonderen Ueberwachungslast bekanntlch leider auch die Zeche aus dem allzeit geduldigen Kommunalsäckel bezahlen müssen. Die Gemeindewählerliste für Berlin. Di«.Liste der stimmfäbtgen Bürger Berlins" wird, wie der Magistrat jetzt bekannt gibt, in der Zeit vom 15. bis einschl. 30. Juli an den Wochentagen von vormittags 9 bis nachmittags 3 Uhr und an den Sonntagen von vormittags 9 bis nachmittags 1 Uhr im Wahlbureau der Stadt(Stralauer Str. 44/45, Hof rechts, Eingang I, 1 Treppe, Zimmer 10) zur Einsichtnahme öffentlich aus liegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste bei dem Magistrat Einwendungen erheben. Diese werden auch in der Auslegestelle von den Beamten entgegengenommen. Die nach dem 30. Juli eingehenden Einwen- düngen sind verspätet und können nicht berücksichtigt werden. Der Magistrat macht daiauf ausmerkjam, daß bei Berichtigung der Wählerliste bezüglich deS Wohnsitze» der stimmberechtigten Per- sonen in Berlin die von diesen erstatteten polizeilichen An« und Abmeldungen matzgebend sind. Demnach mußten auch solche an sich wahlberechtigte Personen, die polizeilich abgemeldet sind, ohne daß sie ihren Wohnsitz aufgegeben haben, z. B. alle, die sich nur zeilweise auswärts befinden(zur Kur usw.), in der Wählerliste gestrichen werden, wenn sie unterlassen haben, auf der Abmeldung zu vermerken, daß ihre Abwesenheit nur vorübergehend ist.(Es fehlt in der Bekanntmachung ein besonderer Hinweis auf die Kriegsteilnehmer, die nach ihrer Einberufung zum Heere etwa nur als von Berlin weggezogen abgemeldet wurden.) Obwohl in diesem Jahre die regelmäßigen Ergänzungs« wählen zur Stadtverordneten-Bersammlung zu vollziehen sind, soll diesmal für die Wählerlistenprüfung nur eine einzige Auslege stelle, nur das städtische Wahl- bureau, benutzt werden. Bei den letzten Ergänzungswahlen, vor zwei Jahren, wurden die Listen noch an fünf verschiedenen Stellen der Stadt zur Prüfung ausgelegt. Damals waren zur Ein- sichtnahme an Wochentagen die Stunden von 8 bis 8 Uhr und an Sonntagen die Stunden von 10 bis 4 Uhr freigegeben, während diesmal an Wochentagen von 9— 3 und an Sonntagen von 9— 1 die Einsichtnahme erfolgen soll. Das ist mindestens für die Wochentage eine sehr viel ungünstigere Tageszeit. Die Bekanntmachung de» Magistrats gibt auch an, wie die Abgrenzung der drei Wählerklassen nach der Steuerleistung sich stellt. Die Summe aller für die Klassen- einteilung zusammengetragenen Steuern ist diesmal mit etwa 73 Millionen Mark(genau: 72 911 583,03 M.) nur um ein ganz Geringes höher als im vorigen Jahr, wo sie etwa 72>/z Millionen Mark betrug. Der Durchschnittssatz ist beträchtlich her- untergegangen, auf 173 Mark 798/j00 Pfennige gegenüber 193 Mark 4244/,00 Pfennige im vorigen Jahr. Die Gemeinde- Wähler mit Steuerleistungen bis zu dieser Höhe gehören zur dritten Klasse. Die übrigen, die mehr zahlen, teilen sich in die zweite und erste Klasse. Diesmal gehört man zur zweiten Klasse schon von 178 M. 790/100 Pf. an, das ist um reichlich 15 M. weniger als der Steuerbetrog, mit dem im vorigen Jahre die zweite Klasse begann. Hinaufgerückt ist dagegen die obere Grenze der zweiten Klasse. Diesmal beginnt die erste Klasse erst mit 7257,40 M., gegen- über 7180,30 M. im vorigen Jahre. An dem Gesamtbild der Klasseneinteilung wird natürlich durch diese Verschiebung der Steuergrenzen nichts geändert. Die Wähler« zahlen für 1915 werden erst nach Prüfung und Berichtigung der Listen genau festzustellen sein. In den Listen für 1914 kamen auf je einen Wähler erster Klasse 40 Wähler zwester Klasse und 435 Wähler dritter Klasse. Herstellung von Obstkuchen in Grost-Berli«. Die zur MeblverteilungSstelle Groß-Berlin gehörigen Gemeinden haben eine Bekanntmachung erlassen, nach der auf Grund des§ 3 der Verordnung über die Einschränkung der Kuchenbereitung vom 25. März 1915 in Abweichung von der Bestimmung de« ß 1 dieser Verordnung zugelassen wird, daß von Verkündung dieser Bekannt- machung an bi» einstweilen zum 1. September Obstkuchen an Roggen- und Weizenmehl bis zu 20 vom Hundert des Kuchen- gewichts enthält und mit Hefe, Backpulver und ähnlich wirkenden Mitteln hergestellt wird. Schutz den Wäldern. Als wir kürzlich auf Einladung des Direktor» des Zweckver- bandeS Teile des Grunewalds durchschritten, mutzten wir an ver- schiedenen Stellen sehen, daß auch Unfugstifter den Wald unsicher machten. Wir erfuhren, daß Jugendvereine an manchen Stellen beim Abkochen nicht unerheblichen Schaden angerichtet hatten, und wir konnten uns auch überzeugen, welche heillose Unordnung durch das Umherwerfen der zum Verkauf gestellten Hölzer entstanden war. Dadurch werden auch die Holzkäufer schwer geschädigt. In welchem Umfange das der Fall ist, geht aus einer Beschwerde eines großen Berliner Holzunternehmens hervor, die an die Oberförsterei Grunewald gerichtet worden ist. In dieser Beschwerde heißt eS: „Bei Besichtigung der von uns angekauften Holzmengen aben wir recht eigentümliche Zustände feststellen müssen, die isher in keiner Weise in irgendeiner deutschen Forst vorge- kommen sind. Unsere bezahlten Hölzer sind vollständig aus- einandergerissen, jeder Witterung ausgesetzt, e i n g e- graben und mit Sand beworfen. Eine Feststellung ist überhaupt nicht mehr möglich. Die Kloben schwimmen vielleicht irgendwo in einem See herum. Verschiedene Nummern fehlen gänzlich. Wir wissen tatsächlich nicht, was wir davon halten sollen. An diesen Zuständen geben wir den Leitern der könig- lichen Oberförsterei absolut keine Schuld; denn wir haben uns selbst davon überzeugt, wie der Herr Hegemeister stetig bemüht ist, Ordnung zu halten, aber auch zu gleicher Zeit beobachtet, daß alle seine Bemühungen zwecklos sind. Wir führen diese unhalt- baren Zustände auf die Vergünstigungen, die das Publikum, namentlich die Jugendvereine, auf Kosten der Holzkäufer genießen, zurück. Zum Beispiel fehlen uns im Jagen 26 die Nummern 136, 137 und 138 mit 15 Raummetern, im Jagen 57 eine Nummer mit 5 Raummetern, ebenso im Jagen 56 ein Stapel. Jedenfalls sind das Zustände, die nie vorkommen dürfen, noch dazu, da während des Krieges weder genügend Leute, noch Gespanne zu bekommen sind, die ein schnelles Abfahren ermög- lichen." Der Notschrei der Holzfirma ist bezeichnend für manche Ver- eine, die glauben, sich alles erlauben zu dürfen. Der Wald ist zur Erholung der Bevölkerung da und jeder Besucher sollte den Schutz des Waldes als eine einfache Anstandspflicht betrachten. Falsche Papiere. Das Polizeipräsidium empfiehlt dringend Vor- ficht bei der Annahme von Hausdienern und Kutschern in der Kriegszeit. Im Laufe der letzten Monate ist eine große An- zahl von Firmen dadurcki geschädigt worden, daß neu eingetretene Hausdiener oder Kutscher mit Ware oder einkassiertem Gelde ver« schwanden. Die Ermittelung der Täler wurde in vielen Fällen da- durch erschwert oder vereitelt, daß die beim Eintritt in die neue Stellung abgegebenen Papiere gefälscht waren. In einzelnen Fällen waren diese Fälschungen so ungeschickt ausgeführt, daß die Arbeitgeber sie bei auch nur geringer Aufmerksamkeit hätte bemerken müssen. Gegen die Mahnung des Polizeipräsidenten an die Geschäfts- inhaber, sich vor Schwindlern zu schützen, kann nichts eingewendet werden; hoffentlich führt sie aber nicht zu einer falschen Auslegung und Handhabung, so daß dadurch ein ganzer Stand herabgesetzt wird. Bon der Staatsanwaltschaft freigegeben wurde die Leiche des Kaufmanns Heinrich Pariser, über deren Beschlagnahme wir be» richteten. Für die Beschuldigung, die die Söhne des Verstorbenen gegen seine Wirtschafterin erhoben, hat die Obduktion keinen Anhalt geliefert. Um ganz sichere Feststellungen zu gewinnen, hat aber die Staatsanwaltschaft einzelne Leichenteile zurückbehalten und dem Gerichtschemiker zu genauer Untersuchung Überwelsen lassen. Die Leiche ist in der städtischen Anstalt in der Gerichtstraße bereits ein- geäschert worden._ Die Zisterne als Diebesfalle. Auf dem Gelände der Treptower Laubenkolonie treiben seit einigen Wochen Einbrecher ihr Unwesen. In der Nacht zum gestrigen Sonnabend drang ein Dieb von der Straße her in ein Grundstück ein, um dort dem Kaninchen- und Hühnerstall einen Besuch ab- zustatten. In der Dunkelheit geriet er vom Hauptweg ab und über- schritt die Gemüsepflanzung, als plötzlich der Boden unter seinen Füßen versank. Der Gauner war au eine über einen Meter riefe Regenzisterne geraten und stürzte so unglücklich in das Faß hinein, daß er sich eine Verstauchung des rechten Fußes zuzog. Da alle seine Bemühungen, aus der Falle herauszukommen, vergeblich waren, blieb dem Dieb schließlich nichts anderes übrig, als laut um Hilfe zu rufen. Die Bewohner der Laube eilten herbei und befreiten ihn aus seiner mißlichen Lage, um ihn dann der Polizeibehörde zu übergeben._ Strastenunfälle. Durch einen Sturz vom Straßenbahnwagen ist vorgestern der Pionier Höser zu Schaden gekommen. Er hatte einen Wagen der Linie 19 benutzt und stand auf dem Hinlerperron. Vor dem Hause Köpenicker Straße 190 erlitt der Soldat einen Ohnmachtsanfall und stürzte vom Bahnwagen auf die Straße hinab. In besinnnungS- losem Zustande wurde der Pionier nach der nahen Kaserne geschafft. Vor dem Hause Hauptslr. 87 in Schöneberg versuchte der Bier- kutscher Kurtz unmittelbar vor einem in der Richtung nach der Link- straße fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 15 das Gleis zu über- schreiten. Er wurde umgestoßen, geriet unter die Vorderplattform und wurde von der Schutzvorrichtung aufgenommen. Bei dem Sturz hatte Kurtz jedoch eine Kopfwunde erlitten, die seine Aufnahme in ein Krankenhaus notwendig machte. In der Müllerstraße, Ecke der Brüsseler Straße, fiel ein Fahr- gast eines Zuges der Straßenbahnlinie 2515 aus unbekannter Ursache während der Fahrt vom Vorderperron des Beiwagens und erlitt Hautabschürfungen am Kinn und Hinterkopf. Die Schaffnerin des Beiwagens erlitt infolge des Schrecks über den Unfall einen Ohn- machtsanfall. Die beiden Verunglückten erhielten auf der nälbsten Unfallstation die erste Hilfe und wurden von dort nach ihren Woh- »ungen gebracht. Eine mehr als halbstündige Störung im Straßenbahnverkchr entstand vorgestern nachmittag im Zentrum der Stadl dadurch, daß vor vor dem Hause Roßstr. 29 ein Eiswagen der Norddeutschen Eis- werke, dem das rechte Hinterrad gebrochen war, das Glei« in der Richtung nach dem Spiltclmarkt sperrte. In der Zeit von 5.51 bis 6.29 Uhr mußten infolgedessen die Wagen der Linien 5, 27, 82 über Spittelmarkt-Hausvogteiplatz abgelenkt werden. Das Hindernis wurde durch den Rettungswagen der Straßenbahn beseitigt. Um 6500 Mark„gefleddert" wurde ein Viehhändler aus der Provinz, der in Berlin eine Ladung Vieh verkauft hatte und in einem Gasthof in Berlin-Lichtenberg einkehrte. Er stieg vorgestern abend nach 11 Ubr etwas angeheitert auf der Hallestelle Frankfurter Allee ein und. verfiel bald in einen tiefen Schlaf. Als man ihn am Schluß der Fahrt schlafend auffand und weckte, entdeckte er zu seinem Schrecken, daß ihm die Brieftasche mit 6500 Mark gestohlen worden war. Der Mordverdacht, der vorgestern die Kriminalpolizei nach der Stephanstraße rief, hat sich als unbegründet erwiesen. Nach der Obduktton ist der Magistratsdiener Becker, wie ja auch schon die nähere Aufklärung der zunächst verdächtigen Umstände erwarten ließ. an Herzschlag gestorben. Bon einem Eisenbahnzug überfahren und getötet wurde am Freitagabend gegen 10'/z Uhr auf der Vorortstrecke Berlin— Bernau kurz vor der Station Karow der Bahnsteigschaffner Deutschmann von dort. D., der sich bereits über zwanzig Jahre im Dienst be- findet, war auf die Gleise geraten; er wurde vom Zuge ersaßt und überfahren. Eine LiebeStragödie spielte sich gestern in der Rostocker Str. 16 ab. Der dort wohnhafte, auf Urlaub weilende Armierungssoldat G. gab— wie berichtet wird, im gegenseitigen Einverständnis— einen Schuß auf seine 20 Jahre alte Gelieble Gr. ab; alsdann richtete er die Waffe gegen sich selbst. Während seine Braut nur einen Streifschuß erhielt, verletzte er sich sehr schwer. Beide wurden nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht. Im Berliner Aquarium ist die Jnsektenabteilung jetzt besonder? gut besetzt. Mehrere Bienenvölker können in ihrem geschäftigen Treiben bequem hinter Glas beobachtet werden; zahlreiche heimische und fremde Schmetterlinge sind in ihren verschiedenen Entwicklungs- stadien zur Schau gestellt; Käfer, besonders Hirschkäfer in beiden Geschlechtern und als riesige Larven sesseln den Beobachter. Von den malayischen Riesen-Stäbheuschrecken ist zurzeit ein prächtiges Paar vorhanden, bei dem das Weibchen dem Männchen um ein Viel- faches an Größe übertrifft. Sie sind in das Warmraum der Wandelnden Blätter untergebracht. Mus öen Gemeinöen. Magistratsveränderung während des Krieges in Schöncbcrg. Oberbürgermeister Dominicus, der zweimal verwundet war, wird in der nächsten Woche sein Amt als Magistratsdirigent wieder übernehmen. Seit seinem Eintritt in das Heer sind im Schöne- berger Magistratskollegium erhebliche Aenderungen vorgekommen. Mehrere Magistratsmilglieder sind bereits durch den Tod dahin- gerafft worden. Weitere Lücken wurden durch die in Ruhestand ge- tretcnen oder ins Feld gerufenen Magistralsmitglieder gerissen. Am einschneidendsten wurden die städtischen Bauämter durch das Aus- scheiden ihrer Dezernenten in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Austritt des Stadtbaurats Gerlach und deS zu Ansang dieses Jahres in den Ruhestand getretenen Stadl- baurats Egeling blieben diese wichtigen Stellen unbesetzt. Dazu treten des weiteren die durch den Tod erledigten Stellen, deren Inhaber, wie Stadtbaurat Römer und Magistratsbaurat See« mann, im Felde gefallen sind, oder, wie Stadtrat Härder, mitten aus der Arbeit heraus verstarb. Das Dezernat des Stadtrats Härder ist jetzt von dem neugcwählten Stadtrat Molkenbuhr über« nommen worden. Sehr empfindlich machte sich ferner für die be- treffenden Dezernate und Arbeitsgebiete der Eintritt der Stadträt« Dr. Licht und Katz ins Heer geltend; ebenso das infolge eines Un- falles veranlaßt« Ausscheiden des Stadtrats und Syndikus Berg- mann._ Teuerungszulagen in FriedrichsfelÄv. Auf Antrag des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter beschloß der GaswertSauSschuß die Gewährung einer Teuerungs» zulage an alle im Gaswert Beschäftigten. Die Teuerungszulage beträgt für Arbeiter bezw. Arbeiterinnen mit Kindern unter fünfzehn Jahren 10 M., für Arbeiter ohne Kinder 5 M. im Monat. Soziales. des Tatbestandes. Der Antrag auf Verichtigung des Tatbestandes. Mit der intereffanten Rechtsfrage, ob eine Prozeßpartei eine Berichtigung des Tatbestandes verlangen kann, wenn dem Richter bei der Urteilsausfertigung in der Wiedergabe des Tatbestandes ein Irrtum unterlaufen ist, hatte sich die 4. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts in ihrer lebten Sizung zu beschäftigen. Der Sachverhalt war folgender: Vor derselben Kammer war unter dem Borsiz des früheren Richters dieser Kammer, des Magistrats rats Dépène, gegen einen Kaufmann K. ein Urteil ergangen, dessen Ausfertigung ihm auf sein Ersuchen schriftlich zugestellt wurde. Bei der Wiedergabe des Tatbestandes will nun der Verurteilte einen groben Irrtum gefunden haben. Von der Auffaffung ausgehend, er brauche es sich nicht gefallen zu lassen, daß in einem öffentlich ergangenen Urteil der wirkliche Tatbestand entstellt wiedergegeben wird, stellte N. beim Kaufmannsgericht den Antrag auf Berichtigung des Tatbestandes, der Vorfißende wies jedoch den Antrag als unberechtigt zurück. Dagegen erhob der Kaufmann Beschwerde beim Landgericht, und dieses wies die Sache an das Kaufmannsgericht zurück, indem es ausführte, über den Antrag auf Berichtigung des Tatbestandes fönne nur auf Grund mündlicher Verhandlung unter Hinzuziehung der Richter, die bei dem Urteilsspruch mitgewirkt haben, entschieden werden. In der jebigen Kammerverhandlung zeigte mun die Kammer, zum größten Teil verursacht durch den Krieg, ein ganz anderes Bild als damals. Die einzelnen Beisiber sind zum Teil zum Heeresdienst eingezogen, und auch der damalige Vorsitzende waltet nicht mehr seines Amtes als Kaufmannsrichter. Während er selber im Felde steht, hat inzwischen der jetzige Verhandlungsleiter Dr. Kann den Vorsitz der Kammer übernommen. Nur ein Beisiter des alten Kollegiums ist auch im neuen Kollegium vertreten. habe. 98 Die Brandkatastrophe in Bernterode. Brüder zueinander stehen, in Richterfelde jo etwas passieren gespielt. Es tam zu müsten Szenen, die erit durch die Bolizei fonnte. Ein älterer selbständiger Kaufmann war so empört über beendet wurden. Die start blutenden Landleute wurden aufs Ratden Angeklagten, daß er zu sich sagte:„ Gott schüße uns alle vor haus in Sicherheit gebracht. Ein ähnlicher Vorfall hat sich dieser folchem Polizeigewaltigen". Nach seiner Darstellung hat der An- Tage auch in Stolp abgespielt, wo eine Landfrau 2,40 M. fir eine Mandel Eier forderte. geklagte Herrn Schlutius„ mit brutaler Gewalt vor sich herge- Man mag es bedauerlich finden, daß es zu solchen Szenen stoßen, etwa wie man ein Bund Lumpen vor sich herstößt". → Als tommt, immerhin dürfte es wohl kaum einen rechtlich denkenden der Polizeisergeant Schmidt Herrn Schlutius nach der Polizei- Menschen geben, der dem faufenden Publikum die Schuld daran wache brachte, mußte dieser mehrere Male stehen bleiben und sich zumessen wird. Ganz verschwinden werden solche Vorkommnisse erholen, da er schwer herzleidend ist und das Asthma hatte. Als nur, wenn dem Lebensmittelwucher von behördlicher Seite energijs er von der Wache kam, erzählte er auf Befragen, daß er sich in entgegengetreten wird, wie das schon so unzählige Male gefordert ruhiger Weise mit Richter auseinandergesezt habe und die Sache worden ist. erledigt sei. Die Aufregung über den gangen Borfall hatte aber auf den herzkranken Mann eine so betrübende Wirkung, daß er auf der Straße bewußtlos zusammenbrach und bald darauf eine leber das Brandunglüd in Bernterode, bei dem, wie berichtet, Leiche war. Der Angeklagte trat den Auslassungen der Zeugen bier Kinder den Flammentod fanden, werden jekt folgende Einzelmit großer Energie entgegen und behauptete, daß er zur Sistic heiten bekannt: In der Scheune des Arbeiters Ignaz Fiege brach rung nach dem ganzen Benehmen des Schlutius berechtigt gewesen gegen 11 Uhr vormittags Feuer aus; allem Anschein nach war das sei und sich die Sistierung in den geseklichen Schranken gehalten Feuer von Kindern, die in der Scheune spielten, angelegt worden. Der Staatsanwalt war ganz anderer Ansicht. Der Als das Feuer bemerkt wurde, schlugen schon die hellen Flammen. Angeklagte habe zu seinem empörenden Auftreten nicht die ge- die an dem in der Scheune lagernden trockenen Holz und Heu ringste Veranlassung gehabt, ein solches sei auch gemeingefährlich, Nahrung fanden, aus der Scheune heraus. Man hörte aus der Scheune das Wimmern von Kindern und versuchte, sie zu retten. denn ein solcher Erzeß, wenn er in anderen Bezirken sich ereignete, tönnte leicht schwere Folgen nach sich ziehen. Der Staats- Es war aber unmöglich, in die brennende Scheune einzudringen und anwalt beantragte 9 Monate Gefängnis und Absprechung die Kinder, die sich, als sie die Flammen sahen, in der Scheune der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer berkrochen, statt ins Freic zu flüchten, zu befreien. Die Scheune von 2 Jahren, damit das Publikum sehe, daß solche Elemente brannte nieder und man fand die Leichen von vier Der Gerichtshof Kindern völlig verkohlt und untenntlich. Die un nicht in das preußische Beamtentum gehören. var auf Grund der Beweisaufnahme der Ansicht, daß sich der An- glücklichen Opfer sind 3 bis 6 Jahre alt. Die Bäter der Kinder geklagte anfangs in rechtmäßiger Ausübung des Amtes befunden, stehen im Felde, die Mütter waren auf dem Acker beschäftigt. der Gerichtshof hat aber strikte verneint, daß er berechtigt war, in der gewaltsamen Weise gegen Schl. vorzugehen. Er durfte Gewalt mur anwenden, wenn ihm Widerstand entgegengebracht wurde, davon sei aber keine Rede gewesen. Psychologisch sei das Vorgehen des Angeklagten nur so zu erklären, daß er aus Merger über die In die vom Landgericht angeordnete mündliche Verhandlung Aeußerung des Schl. diefem etwas auswischen wollte. Das Be trat das Kaufmannsgericht aus folgendem Grunde nicht ein: Der wußtsein der Rechtswidrigkeit eines solchen Vorgehens gegen einen eine Beifiber, der bei der damaligen Urteilsfindung mitwirkte, anständigen Mann könne ihm nicht gefehlt haben. Was das könne, selbst wenn die Verhandlung die Berechtigung des Begehrens Strafmaß betrifft, so habe das Gericht, wie der Vorfizende aus- Schwere Unwetter sind am Freitag an einzelnen Orten des des Antragstellers ergebe, doch nicht den Tatbestand berichtigen. führte, die etwa 20jährige fleckenlose Amtstätigkeit des Angeklagten Reichs niedergegangen und haben großen Schaden angerichtet. In Nach der Zibilprozeßordnung fönne nur derjenige Richter berich- berücksichtigt und ihm mildernde Umstände bewilligt, aber auf Ge- Guben und Umgebung verursachten Wolfenbrüche gewaltige tigen, der das Urteil gemacht habe, und das sei in diesem fängnis erkennen müssen. Die Augenzeugen des Vorfalls seien lleberschwemmungen. In mehreren Dörfern der 2 ausis Falle der Vorsitzende Dr. Dépène gewesen. Er könne es auch mit Recht empört gewesen über die grenzenlose Brutalität des haben Blige gezündet und viele Aderwirtschaften ein nur berichtigen, wenn er noch dasselbe Amt bekleide. Sei er etiva Angeklagten; es sei geradezu unerklärlich, wie ein Beamter mit zu einem anderen Dienstzweig versett, so sei eine Berichtigung flarem Verstande so dem Rechtsgefühl in das Gesicht schlagen tann gebung wurden von einem schweren Umvetter heimgesucht, bei dem unmöglich. Dasselbe sei der Fall, wenn der Richter inzwischen aus dem Leben scheide. Auf Grund dieser Rechtslage gab das und gerade zu einer Zeit, in welcher der Patriotismus des gesam Gericht dem Antragsteller anheim, seinen Antrag wieder einzu- ten Volfes nach Ausdruck sucht, um sich erkennbar zu machen; in bringen, wenn etwa Dr. Dépene später sein Amt wieder über einer solchen Zeit und bei einer solchen Gelegenheit sollte doch nehmen sollte. R. zog darauf auch den Berichtigungsantrag vor- ein Polizeibeamter Milde walten und sich nicht so hinreißen läufig zurück. laffen. Das Urteil lautete auf einen Monat Gefängnis. Keine Unterbrechung der Angestelltenversicherung während des Sommerurlaubs. Schweres Grubenunglück. Auf der Zeche Freie Vogel" und" Unverhofft in Hör de fanden in der Nacht zum Sonnabend durch Schlagmetter oder giftige Gase fünf Berglente den Tod. Der Steiger Hausberg starb bei dem Versuch, die anderen zu retten, ein sechster wurde verletzt. geäschert. Die Stadt Rawitsch in Posen und ihre Um Hagel große Verwüstungen auf Feldern. Gärten anrichtete. Gartenfrüchte und Obstplantagen find fast ganz vernichtet worden. In Rawitsch selbst wurden von den großen Schlossen Hunderte von Fensterscheiben zertrümmert. Großer Moorbrand bei Osnabrück. Seit Donnerstag mittag mütet, wie die Osnabrücker Volkszeitung" meldet, ein großer Moorbrand im Gebiet der Moorzentrale und hat mittlerweile so große Dimensionen angenommen, daß man militärische Hilfe aus Osnabrück erbeten hat. Die Osnabrücker Feuerwehr ist mit vielen die Kriegsgefangenen werden mit Löscharbeiten beschäftigt. G anderen Feuerwehren bei der Löschung des Brandes tätig. Auch die Kriegsgefangenen werden mit Löscharbeiten beschäftigt. G sollen bereits mehrere hunderttausend Zentner Torf verbrannt sein. Das Feuer ist wahrscheinlich durch Unachtsamkeit entstanden. Durch das tapfere Berhalten eines Schulknaben war die VerHaftung eines gewerbsmäßigen Diebes gelungen. Am 30. Mai Ein Berliner Kaufmann unterließ es, die Angestelltenber- b. 3. hatte der Schüler Boganowski, um eine Bestellung auszu ficherung für die Zeit zu zahlen, während welcher seine Ange- richten, sein Fahrrad einen Augenblid vor einem Haufe der Straße stellten sich auf Urlaub befanden. Die Entbindung von der Alt- Moabit stehen lassen. Der schon siebenmal wegen Diebstahls Versicherung begründete er damit, daß das Angestelltenverhältnis vorbestrafte Angeklagte, der Schmiedegeselle Hermann Beyer, während der Ferien unterbrochen werde. Er sei auch zu einer schwang sich plötzlich auf das Rad und sauste damit davon. Der Gehaltszahlung während der Zeit der Abwesenheit der Gehilfen 14jährige Sohn des in dem Hause wohnhaften Weinhändlers Zoh- Raubmord an einem Förster. Wie aus Posen gemeldet wird, nicht verpflichtet, sondern gebe aus freien Stücken ein Geld- mann hatte den Diebstahl bemerkt und rief sofort eine Auto- ermordeten mastierte Banden den Oberförster orizat im geschenk in Höhe des sonstigen Gehaltes. Der Kaufmann fam droschte und fuhr hinter dem Diebe her. In der Calvinstraße Forsthaus Koziolet bei Boleslawiec im Kreise Wielun und be mit seiner Ginrede beint Reichsversicherungsamt nicht durch, dieses sprang der Dieb, als er sich verfolgt sah, vom Rade und ging auf raubten ihn. Sen Schüler mit einem offenen Meffer los, der sich aber dadurch entschied pielmehr, daß während des Urlaubs die An= nicht weiter einschüchtern ließ, sondern weiter hinter dem Dieb Das Dienst herlief und seine Feststellung veranlaßte. gestelltenversicherung weitergehe. Der Staatsanwalt verhältnis werde durch den Urlaub feineswegs unterbrochen. Für beantragte gegen den Angeklagten 2½ Jahre Zuchthaus. Das die Urlaubserteilung tausche der Arbeitgeber die Gewähr Urteil lautete auf 1 Jahr und 9 Monate Zuchthaus. cines für die Saison frischeren und arbeitsdnu s freudigeren Personals cin. Gerichtszeitung. Die Freude über Hindenburgs Sieg in der Schlacht bei Tannenberg Ein betrügerischer Bürgermeister. Aus aller Welt. Parteiveranstaltungen. Erster Wahlkreis. 4. Abteilung Der Bahlabend wird im Restaurant Löhrich, Martgrafenstr. 73, abgehalten. Zweiter Wahlkreis. Für die Bezirke 115, 119, 120, 124 und 130 findet der Zablabend am 14. Juli bei C. Fröhlich. Zum Leuchtturm", Fontanepromenade 18, ftatt. Wichtige Tagesordnung. 57119 M Frauen- Leseabende. hmad o Spandau. Montag, den 12. Juli, abends 8, Uhr, bei Guthkowski, Lichtenberg. Ferienveranstaltungen. Die Ferienspiele finden in Bemeinschaft mit dem Turnverein Fichte jeden Montag und Donnerstag auf Biefe 11 in Treptow statt. Treffpunkte find: 1 Uhr Wismarplaz und 1, Uhr Alt Borhagen, Ede Neue Bahnhofstraße. Niederschönhausen- Nordeud. Dienstag, den 13. Juli: Familienausflug verbunden mit Kinderspielen nach den Kleingärten der Stadt Berlin in Blankenburg. Treffpunkt an der Kirche 10 Uhr, Abmaridh pünktlich 10 Uhr. Nachzügler fommen zur Spielwiese daselbst. Niederschönhausen- Nordend. Die Zahlabende finden ftatt: Für Der frühere Bürgermeister von Hammerstein, Paul Saab ben 1., 2., 4. und 7. Beairt bei Gapa, Balds, Ede Eichenstraße, für den der außer seinem Bürgermeisterposten noch verschiedene Neben- 3., 5. und 6. Bezirk bei Mante, Beuth, Ede Charlottenstraße. ämter berwaltete, ist bereits durch ein früheres Urteil wegen Nowawes. Mittwoch, den 14. Juli, pünktlich abends 8, Uhr, findet Unterschlagung von Geldern aus der Manteuffelschen Stiftung in den Deutschen Feftsälen, Hermann Wolfgramm, Wilhelmstr. 41/43, Einzu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wegen Unterschlagang Friedrichstraße, die Mitgliederversammlung statt. Genosse Adolf Cohen Berlin spricht über Streit und Zeitfragen". Mitgliedsbuch gung im Amte ist er nun am 15. Februar vom Landgericht Koniz legitimiert. hat am 30. August v. J. in Groß- Lichterfelde einen unliebsamen in einem zweiten Verfahren zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten Rosenthal Niederschönhausen- West. Gemeinsamer Zahlabend für Zwischenfall gezeitigt, der zu einer gestern vor der 3. Straffammer Gefängnis verurteilt worden. Der Fall lag hier folgendermaßen: alle fünf Bezirke im Lokal des Genoffen Milbrodt. des Landgerichts II verhandelten Anflage gegen den Polizeifom- Der Kreis Schlochau hatte eine Gemeindefrankenversicherung einDem Kreisausschuß stand die Verwaltung zu und die miffar Hermann Richter wegen förperlicher Mißhandlung im geführt. Amte führte. Als am 30. August die in Berlin durch ein Extra- einzelnen Ortsvorsteher dieses Kreises mußten in ihren Bezirken blatt verbreitete Nachricht von der Gefangennahme von 30 000 die Beträge einsammeln und später Abrechung vorlegen. Auch Er sammelte nun dem Angeklagten lagen diese Pflichten ob. Ruffen bei Tannenberg in Lichterfelde bekannt wurde, sammelte zwar die Beträge vorschriftsmäßig ein, lieferte aber bei der Ab- Bismardstr. 6: Bortrag der Genoffin Käte Dunder. sich vor dem Bahnhof eine immer mehr anschwellende Menschen- rechnung 89,25 M. zu wenig ab. Er warf die Schuld auf den menge, die ihrer Begeisterung durch lauten Jubel und Absingen Stadtsekretär, der die Bücher geführt hatte. Da dieser aber nur patriotischer Lieder Ausdruck gab. Der Fabrifbefizer Schlutius nebensächliche mechanische Arbeiten berrichtet hatte, hat das Gehatte für möglichst schnelle Verbreitung der Siegesnachricht ge- richt bei diesem feine strafbare Handlung angenommen. Die Re= sorgt. Da erschien der Polizeikommissar Richter auf der Bild- vision des Angeklagten, die nur unbeachtliches enthielt, wurde fläche und sehte der Begeisterung einen Dämpfer auf, indem er von Reichsgericht verworfen. erklärte, daß, wie er durch Nachfrage bei einer Lichterfelder Zeitung und beim Wolffschen Telegraphenbureau festgestellt habe, ho die Nachricht noch nicht amtlich bestätigt sei. Er glaubte, daß eine Falschmeldung vorläge und suchte den ihm voreilig erscheinenden patriotischen Jubel zu verhindern. Herr Schlutius und das geEin verhängnisvolles Geschenk". samte Bublifum ließen sich aber ihre Ueberzeugung, daß die Nach- Von der bayerischen Grenze wird folgender fast unglaublicher richt wahr sei, nicht nehmen, zumal aus Berlin ankommende Rei- Vorfall berichtet: Der Rektor der Realschule in Gunzenhausen in sende bestätigten, daß dort die Nachricht von Schuhleuten auf der Bayern, Jahraus, der zurzeit als Oberleutnant und Kompagnie Straße verlesen worden sei. Der Polizeikommissar Richter geriet führer im Felde steht, hatte als Andenken und um seinen Schülern dann in Erregung darüber, daß Herr Schlutius die Aeußerung eine besondere Freude zu bereiten", a wölf Granatzünder tat:" Der Kommissar wird es doch nicht besser wissen als der der Realschule übermittelt und jedenfalls geglaubt, daß Schuhmann in Berlin!" Und diese Erregung steigerte sich immer fie entladen und ungefährlich seien. Diese Zünder wurden nun auf mehr, als die Tochter des Kommissars sich einmischte und ihrem dem Turnplab der Realschule durch den stellvertretenden Rektor, Vater Mitteilung über Hart an Beleidigung grenzende Bemerkun- Profeffor Dent, an die besten Turner der Realschule verteilt. Der gen, die angeblich von Schlutius ausgegangen seien, machte. Der Realschüler Ernst Brunner, 16 Jahre alter Sohn der LehrersKommissar wandte sich darauf an Schlutius, um, wie er behaup- witwe Brunner aus Brodswinden, erhielt als ersten Preis das Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3. IV. Sof tete, dessen Namen festzustellen, dieser soll aber nach der weiteren interessanteste und schönste Stück, einen englischen Zeitzünder. Er rechts, barterre, am Montag bis Freitag von 4 bis- 7 Uhr, am Sonnabend Behauptung des Angeklagten sich einfach umgedreht und ihn haben versuchte nun gleich die Schraube an dem Zünder zu drehen, was von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den Brieftast en bestimmten Anfrage eine Bahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche stehen lassen. Das Publikum hörte, wie der Kommissar Herrn ihm auch gelang, wobei jedoch die Kapfel auf Explosion gestellt ist ein Buchstabe und Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsquittung Schl. anfuhr:„ Wenn Sie das noch einmal sagen, sollen Sie mal wurde. Sofort erfolgte eine gewaltige Sgplosion, beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Brunner verschied nach Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die sehen, was passiert!" Gleich darauf faßte ihn der Beamte an der die großes Unheil anrichtete. Brust und an den Schultern, schüttelte ihn hin und her und stieß einer Stunde, ihm folgte im Tode nach kurzer Zeit der Sprechstunde mit. ihn vor fich her durch die Menge, um ihn dem Polizeifergeanten 16jährige Hauptlehrerssohn Chlodwig Funf von UnterwurmSchmidt mit der Weisung zu übergeben, den Mann nach der bach. Die Schüler Artur Baur von Wassertrüdingen, Karl Bache zu bringen". Herr Schlutius soll mehrmals vergeblich er- Meißner und Willi Steingruber von Gunzenhausen, josucht haben, ihn loszulassen, da er allein mitgehe. Die Behand- wie ein jüngerer Bruder des tödlich verlekten Funk erlitten schwere, lung des Herrn Schlutius durch den Angeklagten hat, wie gestern fünf andere leichtere Verletzungen. zahlreiche Augenzeugen aus den verschiedensten Ständen befundeten, allgemeine Empörung verursacht. In diesem Sinne äußerWilmersdorf. Die Ferienspiele des Nationalen Frauendientes be ginnen Dienstag, den 13. Juli, und finden zweimal in der Woche, Dicus tags und Freitags, statt. Treffpunkt: Mannheimer Str. 51( Jugendheim). Abmarsch Bunkt 2 Uhr. Mundvorrat ist mitzubringen. 1758 Arbeiter Samariterbund. Lehrstunden haben nächste Woche: Kolonne Berlin, Abt. 1 u. 4. Montag, den 12. Juli, abends 9 Uhr, Köpenider Str. 62. 5. Abt. Freitag, den 16. Juli, Neukölln, Weichselstr. 8, Idealpassage. Solonne Rosenthal- Reinidendorf, Hauptstr. 52 bei Anders, Montag, den 12., und Donnerstag, den 15. Juli, abends 8, hr. drod airpar Briefkasten der Redaktion. E. S. 41. In beiden Fällen innerhalb drei Monaten nach Kenntnis. Hannchen und Herta. 1. Felddienstfähig wahrscheinlich nicht, das fommt aber auf die Entscheidung des Militärarztes an. 2. 60 M. monat lich. 3. Nein; aber Mietsunterstüßung wird Ihnen wahrscheinlich verweigert werden. 4. Ein Zwang zur Mietsermäßigung beſteht nicht; cs wird aber von den Hauswirten verlangt, daß sie die Miete um 25 Broz. ermäßigen. 5. Begen der Kündigung gelten die Bestimmungen des Ber6. trages. Ohne erfolgte Kündigung dürfen Sie nicht ausziehen. S. 11. 1. Ja. 2. Unterstüßung wird in folchem Fall nur ganz aus nabmsweise gezahlt.-E. S. 100. Benn die Abweisung vom Militärbureau bereits erfolgt ist, fönnten Sie nur auf dem Wege der Klage Ihren Anspruch geltend machen. Antrag auf Mietsunterstützung ist dann ausfichtslos, wenn Sie feine Kriegsunterstützung beziehen. musterung fann erfolgen. . 51. Rein. R. 323. Rach9. G. 36. Selbsthilfe gegen Lebensmittelwucher.de ten sich mehrere angesehene Einwohner Lichterfeldes, unter ihnen Die Fälle mehren sich, in denen sich das kaufende Publikum ein Hauptmann in feldgrauer Uniform. Sie bezeichneten das gegen die Ausbeutungsversuche raffgieriger Lebensmittelhändler Vorgehen des Kommissars einem anständigen Manne gegenüber energisch zur Wehr seht und fich in seiner berechtigten Entrüstung als„ roh" und unzulässig. Ein Zeuge bekundete, daß es ein auch zu Tätlichkeiten gegen die Wucherer hinreißen läßt. Wir haben neulich über einen Fall in Driesen( Neumark) berichtet. Jetzt jammervolles Bild gewesen sei, wie der schmächtige Mann unter tommt uns ein Vorfall zur Kenntnis, der sich kürzlich auf dem 1. Uns ist die Bezeichnung auf den Landsturmpäffen sehr wohl bekannt. Es dem Schütteln des Kommissars hin- und hergeflogen" sei. Eine Wochenmarkt in Neustettin beim Kartoffelverkauf abspielte. eine Order erhalten und eventuell zum Heeresdienst eingezogen werden. tann troßdem persönliche Gestellungsorder erfolgen, also auch Sie können Frau bestätigte die allgemeine Empörung, die alle ergriffen habe, Nach der Ostseezeitung" wurde zwei Landwirten aus der 7. S. 99. Selbverständlich können Striegsgefangene zu jeglicher meil hier, während die Menge in feierlicher Begeisterung Deutsch- Umgebung, die für den Zentner Kartoffeln 6 M. Arbeit angehalten werden. C. 23. 31. Formveränderungen der land, Deutschland über alles" gesungen und im Felde alle wie forderten, von den darübre empörten Käuferinnen übel mit Füße; schlechte Zähne; herzfrant, aber dienstfähig. 2. R. 43. Rein. " sr. m 32. mm. z. Leilllge des Lgmilrts" Kerlim MMM. u W.»,s. Äteraristhe Runösihau. Dr. Edvarb David. Sozialdemokratie und Baterlandsverteidigung. Rede, gehalten am 6. März 1915 in Bielefeld. Bielefeld. Verlag Buchhandlung„Volksmacht" A. Gerisch u. Co. 32 S. Preis 20 Pf. Dr. Eduard David. Die Sozialdemokratie im Weltkrieg. Berlin 1915. Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H. 192 S. Preis 2 M. 1. Die Verteidigung der Fraktion. Am 8. März dieses Jahres hielt Genosse David eine Rede in Bielefeld, die er dann als Broschüre erscheinen lieh. Cr verteidigte hier in der üblichen Weise sie Politik der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, insbesondere ihre Abstimmung vom 4. August. Die Haltung der Fraktion sei kein Bruch mit der Vergangenheit der Partei gewesen, sondern nur die Erfüllung einer stets anerkann- ten Pflicht. Die Schuld am Ausbruch des Krieges, der von der Sozialdemokratie nicht verhindert werden konnte, liege nicht bei den Zentralmächten, sondern bei der Tripelentente, diesem„Welt- Verteilungssyndikat". Eine Niederlage Deutschlands wäre für das deutsche Volk und insbesondere für das deutsche Proletariat ein furchtbares Unglück. Deshalb habe die deutsche Arbeiterschaft zu den Waffen greifen müssen, um das Vaterland zu verteidigen. Den- selben Standpunkt hätten auch die sozialistischen Parteien im feindlichen Ausland gröhtenteils eingenommen, um so weniger treffe also die deutsche Sozialdemokratie ein Vorwurf. Man kennt nachgerade diese Weise und diesen Text. Die Heine und Lensch, Haenisch und Winnig usw. haben sie uns schon oft vor- gesungen. Man konnte daher Davids Vortrag zunächst ruhig zu jener übrigen Kriegsliteratur legen. Aber nun hat Genosse David die Gedankengänge seiner Bielefelder Rede in einem Buche wieder- holt, das den Anspruch erhebt, die Frage der Haltung der Sozia- demokratie im Weltkrieg von Grund aus zu erörtern. Es ist das nicht mehr bloß eine Verteidigung der bisherigen Politik der Fraktion, sondern es soll, wie schon der Titel besagt, eine Erörterung des richtigen Verhaltens der Sozialdemokratie im Weltkrieg über- Haupt vorstellen. Da lohnt es sich doch wohl zu untersuchen, wie weit dieses Problem in Davids Buch richtig beantwortet, ja, wie weit es richtig gestellt ist. An Argumenten bringt das Buch gegenüber der Broschüre nichts wesentlich Neues, es stimmt mit ihr in wichtigen Partien wörtlich überein, bringt aber ein viel reicheres Belegmaterial zur Erhärtung der vorgetragenen Tatsachen und Ansichten. Nehmen wir nun zu- nächst an, die Behauptungen Davids seien durchweg richtig. Was folgt daraus für die von der Sozialdemokratie während des Welt- krieges einzuschlagende Politik? Daß sich die Arbeiter an der Ver- teidigung des Landes, in dem sie leben, aus allen Kräften beteiligen müssen, wird meines Wissens von keinem halbwegs ernst zu nehmen- den deutschen Politiker bestritten. Genosse Liebknecht hat sich wieder- holt und gewist mit vollem Recht dagegen verwahrt, dast ihm das Gegenteil dieser Ansicht zugemutet wird. Um diese Notwendigkeit zu beweisen, dazu bedurfte es keiner Bücher und Broschüren, und tatsächlich hat auch das meiste, was David zur Begründung anführt, recht wenig mit dieser Frage zu tun. 2. Landesverteidigung und Schuldfrage. Einen beträchtlichen Teil seines Buches widmet David einer Untersuchung über die Ursachen des Krieges und der diplomatischen Schuldfrage. Vieles an seinen Ausführungen ist sehr anfechtbar; aber im Augenblick ist es nicht nur überhaupt für einen Sozialdemokraten ungemein schwierig, sich mit Ausführungen wie denen des Genossen David krittsch auseinanderzusetzen, es gibt insbe- sondere eine Reihe von Problemen, über die eine ernsthafte öffent- liche Diskussion völlig ausgeschlossen ist. Aber was haben die Fragen nach den Ursachen deS Krieges und nach der diplomatischen Verantwortlichkeit iwerhaupt mit der Frage der Landesverteidigung zu tun? Gesetzt, die Arbeiterschaft eines Landes käme zu der Ueber- zeugung, die Regierung habe das Land aus Mutwillen, Dummheit oder aus kleinlicher Eigensucht in einen Krieg gehetzt; sollte sie dann etwa deshalb auf die Landesverteidigung verzichten? Sollte sie alle Greuel des feindlichen Einmarsches, alle Folgen derNiederlagedeshalb auf sich nehmen, weil die Diplomaten ihrer Regierung dumm oder verbrecherisch gehandelt haben? Umgekehrt kann aber auch der Nach- weis, daß ein Land ganz schuldlos von Feinden überfallen worden ist, ebenso wenig bewirken, daß die Arbeiterschaft dieses Landes auf die Geltendmachung ihrer eigenen Fordernugen und Rechte ver- S'chtet. Gewiß ist deshalb die Entscheidung der Frage nicht gleichgültig, wer für den Krieg verantwortlich ist. Sie ist nicht nur für den Historiker wichtig, der die Ereignisse rückschauend betrachtet; sie kann auch politisch von höchster Bedeutung werden, sobäld es sich darum handelt, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Das kann aber natürlich nur vom eigenen Volk geschehen und prak- tisch erst dann, wenn das Volk überhaupt in die Lage kommt, über seine Regierung zu Gericht zu sitzen. Als z. B. in der großen französischen Revolution die Jakobiner die Regierung der Giron- disten stürzten, da hätten sie diese auch für den Anteil zur Ver- antwortung ziehen können, den sie am Ausbruch der sogenannten Koalitionskriege gehabt hatte. Heute besteht eine solche Möglich- keit wenigstens vorläufig in keinem der kriegführenden Staaten. Und wenn z. B. die russische Sozialdemokratie der Regierung ihres Landes auch während des Krieges mit opformutiger Kühnheit allen ihr möglichen Widerstand leistet, so tut sie das natürlich nicht, um sie dafür zu strafen, daß sie den Krieg begonnen oder herauf- beschworen, sondern weil sie über dem Prinzip der gemeinsamen Landesverteidigung die unüberbrückbaren Gegensätze nicht ver- gessen hat, die sie von der Politik dieser Regierung trennen. 3. Das Verhalten unserer Genossen im feind- lichen Ausland. Ebensowenig wie die Schuldfrage kann die nach dem Ver- halten unserer ausländischen Bruderparteien für die Politik der deutschen Sozialdemokratie bestimmend sein. David hat eine Menge von Zitaten aus Erklärungen und Artikeln unserer Partei- genossen in Belgien, Frankreich und England zusammengetragen, um zu beweisen, daß wir wilde Deutsche doch bessere Menschen sind als jene. Es ist mir nicht bekannt, ob es in Frankreich oder England ein, wenn auch nicht direkt, so doch indirekt von starken Organisationsfaktoren gestütztes und begönnertes Institut gibt, das mit gleich liebevollem Eifer alle patrio- tischen und chauvinistischen Aeußerungen deutscher und öfter- reichischer Parteigenossen und Parteiblätter zusammenträgt, wie es die„Internationale Korrespondenz" des Gen. Baumeister gegen- über den Bruderparteien des feindlichen Auslandes tut. Es gibt ja immer und überall� aufopfernde Fanatiker der Wahrheit, die „mit blutendem Herzen" streitenden Ehegatten oder Freunden brüh- warm alles hinterbringen, was der andere Teil Abträgliches oder Feindseliges über sie gesagt hat. Sollte eS also solche Fanatiker auch in Frankreich oder England geben, dann wäre es ihnen sicherlich nicht schwer gefallen, einen ähnlich duftenden Kranz auS den Aeußerungen deutscher und österreichischer Parieiblätter zu flechten. Es entbehrt allerdings nicht einer gewissen traurigen Komik, wenn dieselben Parteigenossen, die seit Monaten fort- während darüber jammern, daß unser Zentralblatt nicht ein Ab- klatsch der Chemnitzer„Volksstimme" ist, dann pathetisch auf die „chauvinistischen Entgleisungen" des Zentralblattes der französi- schen Partei hinweisen und ausrufen:„Gott sei Dank, wir sind nicht sol" Aber gesetzt wieder, alles wäre so, wie Gen. David eS hin- stellt, unsere ausländischen Genossen ließen es wirklich an inter- nationaler Gesinnung völlig fehlen; und wenn wir auch ganz da- von absehen, daß es nicht angeht, die Haltung und Stimmung der belgischen oder ftanzösischen Partei heute ohne weiteres mit der der deutschen zu vergleichen oder die englische Arbeiterpartei mit der deutschen Sozialdemokratie auf eine Stufe zu stellen; selbst wenn wir Davids Darstellung als richtig hinnähmen, was ergäbe sich daraus für unsere Politik? Lange Zeit blickten die amerikanischen Gewerkschafter, fast durchwegs qualifizierte Arbeiter, auf die ungelernten Arbeiter ihrer Industrie mit Geringschätzung herab. Sie lehnten es ab, diese in ihre Organisationen aufzunehmen, sie kümmerten sich aber auch nicht um deren eigene Organisierung. Sie fühlten sich allein stark genug und betrachteten auch Geld und Mühe als verschwendet, die an Arbeiterschichten verausgabt wurden, die selbst es zu keinen starken Organisationen brachten, bei denen daher auch auf Gegen- seitigkeit nicht zu rechnen war. In den letzten Jahren haben die amerikanischen Gewerkschafter in dieser Hinsicht ziemlich gründlich umgelernt. Sie haben einzusehen begonnen, daß ihr eigenes Inter- esse es gebieterisch erheischt, Solidarität auch mit jenen Arbeiter- schichten zu üben, die selbst zu dieser Tugend noch nicht reif sind, sie zu ihr zu erziehen. Mit eiserner Gewalt hat das Leben sie gelehrt, was wir ja schon lange wissen, daß die Gesinnung der Solidarität, des Zusammenschlusses, eine Lebensnotwendigkeit der Arbeiterschaft ist, daß ihre Betätigung auch dann durchgesetzt werden mutz, wenn sie nicht sofort in gleichem Maße erwidert wird. Wollten wir heute behaupten, unser Verhalten müsse sich danach richten, ob das unserer ausländischen Genossen unseren Anforde- rungen entspricht, dann würden wir uns damit auf den Stand- punkt jenes Bauernjungen stellen, der ausrief:„Geschieht meinem Vater schon recht, wenn ich mir die Hände erfriere. Warum kauft er mir keine Handschuhe!" 4. Sozialdemokratische Politik. Die Sozialdemokratie kann ihr Verhalten weder von der Schuld oder Unschuld der Regierungen abhängig machen, noch von dem Vorbild oder von der Gegenwirkung der Bruderparteien im Ausland. Als Partei der Arbeiter ist sie vor allem verpflichtet, deren Interessen und Zukunft zu vertreten. So ist die Haltung zu verstehen, die zum Beispiel Marx und Engels im Jahre 1870 eingenommen haben. David stellt es so hin, als ob die � beiden und besonders Engels damals als deutsche Patrioten gedacht und gefühlt hätten. Tatsäch- lich waren sie damals der Ansicht, daß die Einheit Deutsch- lands eine Notwendigkeit für die EntWickelung der europäischen Wirtschaft und damit für die Annäherung an das Ziel des