C 5 Pfennig) MvtttltgSltUSga�e i s Pfennig) Ur. 197. Bbonncments-Bcdlngungens Kbonnemeiuä- Preis pränumerando, Vierieljähri. S�o Ml. monatl. UO Ml. wöchentlich 25 SSfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags- tSellage.Die Neue Welt* 10 Pia Post. AbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Einaewageu tn die Post- geitmiaS- Preisliste. lloter Kreuzband fllr Deutschland und Oesterreich- Ilnaarn 2.50 Marl, für das übrige ilusland « Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarl, kiolland, Jtallcn, Luxemburg. Portugal. LiuviÄtien, Schweden und die Schweis »ttitstit tZgllch. 32. Jahrg. Vit TnftrtlotiS'GtbQbr beträgt für die sechSgespallene Kolonei- »elle oder deren Raum 50 Pfg. für pol, tisch« und aewerlschafttiche Jereins- und Lersanrmlnungs-ilnzeigen»0 Big. „kleine Znreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wiitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Bueb- staben zählen für zwei Worte. Inserate rbie nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittag» in der Expediten abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegravun» Adreffe: „SozIaKUmoknt BtrUa". Zcntralorgan der foziakkmohratifchen Partei Deutfchlands. Reüaktion: SW. öS, Änüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moripplirch. Nr. 181 SV— 151 97. Montag, den 19. Juli 1915. Expedition: SV). HS, Linüenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 181 S0— 151 97. Hm Wge m m WA« in WSWe« MMWWe. €in italienischer Kreuzer torpediert. Wh« Des Men SWWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 18. Juli 1915. W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Angriff auf die jtirchhofshöhe do» S o u ch e z wurde abgewiesen. Im Argounerwalde wurde durch kleine Er- folge die gewonnene Linie noch verbesiert. Auf deu Höhen bei Les Eparges wird gekämpft. In Lothringen schlugen unsere Truppen Bor- stöße des Feindes bei Emberm6nil(östlich von LunSville) und in der Gegend von Bau de Sapt zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz. Teile der Armee des Generals V. Below schlugen eiligst herangeführte Verstärkungen der Russen bei Alt» A u z, nahmen ihneu 3629 Gefaugcue, 6 Geschütze«ud 3 Maschinengewehre ab und verfolgen jetzt w östlicher Richtung. Weitere Teile der Armee stehe» nordöstlich K u r s ch a n y im Kampf. Oestlich dieses Ortes wurde die vorderste feindliche Stellung im Sturm genommen. Zwischen Pisa und Weichsel setzten die Russen ihren Rückzug fort. Die Truppen der Generale von Scholtz und v. Gallwitz folgen dicht auf. Wo der Gegner in vorbereiteten Stellungen noch Widerstand leistete, wurde er angegriffen und geworfen. So stürmte» Re- serve- und Landwchrtruppcn des Generals v. Scholtz die Orte Poremby, Wyk und Ploszczyce. Regi- mcnter der Armee des Generals v. Gallwitz durchbrachen die stark ausgebaute Stellung Mlodzianowo— K a r n i e w o. Die Zahl der Gefangenen mehrt sich er» heblich, weitere vier Geschütze wurden erbeutet. Auch nördlich der Pilica bis zur Weichsel haben die Russen rückgängige Bewegungen angetreten. Unsere nachdrängenden Truppen machte» bei kurzen Ber- folguugskämpfe« 620 Gefangeue. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Offensive der Armee des Geueralobersten v. Wohrsch führte zum Erfolg: Unter heftigem feind- lichen Feuer überwanden unsere Truppen am Bormittag des 17. 7. au einer schmalen Stelle das Drahthindernis vor der mit allen Mitteln ausgebauten feindlichen Haupt- stellung und stürmten, durch diese Lücke vorbrechend, die feindlichen Gräben in einer Ausdehnung von 2969 Metern. Im Laufe des Tages wurde die Durchbruchs- stelle im zähen Nahkampf erweitert and tief in die feind- liche Stellung vorgestoßen. Am Abend war der Feind Zur Kriegslage. Bern, 17. Juli.(W. T. B.) Der Militärkritiker des„B u n b", Stegemann, schreibt zur Kriegslage u. a.: Ob General P o r r o sich in Calais und Paris hat bereitfinden lassen, die in Brindisi versammelten Reserven siir die Dardanellen zur Ber- siigung zu stellen, muß abgewartet werden. Greifen die Italiener dort ein, so werden sie schwerlich trachten, ihre Truppen an die Schlachtbank Gallipoli zu führen, wo die englisch-französische Ex- pedition unter den mitzlichsten Verhältnissen einen nahezu aussichts- losen Stellungskrieg führt und trotz tapfersten Vorgehens nur meterweise Boden gewinnt. Nur eine Flankenoperation größten Stiles könnte die Verteidiger in Gefahr bringen. Ein russisches Heer ist dazu jedenfalls seit Ende Mai nicht mehr verfügbar, um durch eine Landung an der thrazischen Küste den Türken in den Rücken zu fallen. Wie die erste, so ist auch die zweite Odessaer Armee nach Galizien geführt und dort im Kampfe verzehrt worden. Die Frage, ob die Russen noch über Reserven ver- fügten, beantwortet der Kritiker: Bisher ist hiervon nichts zu merken, vielmehr hofft die russische Heeresleitung, bei aktiver Füh- rung der Verteidigung Zeit zu gewinnen, um im Hinterland neue Kräfte zu schaffen und zu organisieren. Im Räume nördlich der Weichsel scheint die deutsche Front in Bewegung geraten zu sein. Setzt sich die Vorbewegung fort, so wird sichs zeigen, ob die Russen ihre ausgespannte Front noch verteidigen können. Ossowiec unterliegt offenbar schon dem stärksten Druck. Die eigent- liche Festung ist längst von den deutschen Haubitzen umpflügt. Wird die russische Narew front hier eingedrückt» so kann nördlich von — das Moskauer Greuadierkorps— von unsere« Land- wehr- und Rcservetruppeu geschlagen; er trat in der Nacht deu Rückzug hinter de» Jlzauka-Abschnitt(süd- lich von Zwolen) au. Dabei erlitt er schwere Verluste; 2999 Manu wurden gefangen genommen, 5 Maschinen- gewehre erbeutet. Zwischen oberer Weichsel und dem Bug-Abschnitt dauern die Kämpfe unter Führung des Generalfcld- Marschalls v. Mackensen an. Die Russen wurden durch deutsche Truppe» von den Höhen zwischen Pilaczkowice (südlich von Piaski) und Krasnostaw hinuntergeworfen; beide Orte sind gestürmt; ein frisch in den Kampf gewor- feues sibirisches Armeekorps konnte die Niederlage nicht abwenden; es wurde geschlagen. Wir machten mehrere tausend Gefangene. Oberste Heeresleitung. 4-* « M MMW GeMMMdMl. Wien, 18. Juli.D0 Meter nordöstlich vom Dorfe Bonhomme versuchten, scheiterte vollständig. Paris, 18. Juli. kW. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonnabend abend: Im A r t o i s nimmt die Ka- nonade an Stärke ab. Einige Granaten fielen auf Arras. Ans dem rechten Aisneufer im Gebiete von Trovon Minenkamps und sehr heftiges Bombardement. Etwa 26 Granaten wurden auf Reims abgesenert: sie töteten einen Zivilisten und ver- wundeten einen anderen. In den A r g o n n e n inar der Tag verhältnismäßig ruhig und ohne Jnfanterieaktion. Ans den Maashöhen unternahmen die Deutschen nach ihrem Bombardr- ment der letzten Nacht einen heftigen Angriff gegen unser.' Stellungen vom Graben bei Calonne bis zum Dorfe Les Eparges ans der Südkuppe der Sonvauxschlucht. Es gelang ihnen, an einer einzigen Stelle in einem Schützengraben Fuß zu fassen, welchen wir ihnen am 6. Juli abgenommen hatten. Einige Gruppen von Deutschen, denen es gelungen war, in die Schlucht einzudringen, wurden getötet oder gefangen. Zwischen der Kuppe von Sonvaux und dem Graben von Calonne wurde der Feind mit schweren Verlusten gleichfalls znrückgeworsen. Im Walde von Apremont ununterbrochenes Bombardement. Die englischen Verluste. London, 18. Juli.(W. T. B.) Die letzte Verlustliste weist die Namen von 34 Offizieren und 1533 Mann auf. Der italienische Krieg. Der italienische Kriegsbericht. Rom, 18. Juli.(W. T. B.) Kriegsbericht vom Sonnabend: Am oberen Eordevole(Eadore) sind unsere Truppen, welche die seit einigen Tagen gegen die Forts- gruppen bei Falzarego und Livinallongo glücklich begonnene Offensive fortsetzten, jetzt dabei, sich� der hochgelegenen schwierigen Zone zwischen diesen beiden Stellungen zu bemächtigen. Gestern haben wir, indem wir die ernstlichen Geländeschwierig- leiten und den hartnäckigen Widerstand des Feindes über- wanden, eine Linie erreicht, die sich vom Boitepaß und dem Gipfel des Falzarego über den oberen Teil des Franzatales erstreckt und an den Abhängen des Lanapasses endet. Tie Unser Konsumverein in Feindesland. Wir erhalten folgenden Feldpostbrief: Als ich die Heimat verließ, um als Schipper nach dem Osten zu fahren, da ahnte ich nicht, daß mir meine bisherige berufliche Tätigkeit als Kousumvereins-Angestellter irgendwie von Nutzen sein köintte. Zu- nächst war ja auch keine Aussicht vorhanden, etwas anderes als die Schippc oder Picke in die Hand zu bekommen. Ich zog morgens mit den Kameraden Hinaus und kehrte nachmittags hundmüde von der ungewohnten Arbeit heim. Hatten wir dann gegessen, unsere Sachen gesäubert und blieb dann nach den üblichen Appells usw. noch etwas Zeit, dann gingen wir einzeln oder in Gruppen„in die Stadt", um Einkäufe zu machen. Das war in dein kleinen russisch-polnischen Städtchen, in dem wir hausten. nicht so einfach. Nach den Bezugsquellen brauchten wir freilich nicht lange zu suchen. Traten wir aus dem Tor der Fabrik heraus, die uns als Quartier diente, so umringte uns. sofort eine Schar von Kindern, Männern und Frauen und schrie uns entgegen:„Wollen Sie kaufeit Eier",„Wollen Sie trinken Tei mit Zitrin und Zicker", „Zigarren, Zigaretten", Streichhölzer, drei Schachteln zehn Pfennig" usw. Von der vorwiegend jüdischen Bevölkerung des kleinen Nestes handelt alles, voni kleinsten Kind bis zum Greis. Der kleine Junge, der einen Interessenten für seinen„Tei mit Zitrin und Zicker" gefunden hat, führt ihn in das Haus der Eltern. Dort wird ihm ungeniert ein Platz in der Wohnstube angeboten— diese sieht in der Regel freilich etwas anders aus als Berliner Wohnstuben— und er erhält das Getränk vorgesetzt. Dabei blieb eS aber nicht. Bald bot die Frau des Hauses ein kuchenähnliches Weizengebäck zum Tee an, bald kam eines der Kinder mit„Apfelsinen" oder mit„ge- lochten Eiern" usw. Es gab aber außer den vielen Siraßenhändlern auch einige Ladengeschäfte, in denen vieles zu haben war, was wir auch als Schipper gebrauchten. Nur die fürchterliche Un- sauberkcit verleidete uns das Kaufen, bei dem wir sonst manche interessante Szene erlebten. Alle Einwohner versuchten natürlich die Tatsache, daß fünfhundert Mann Einquartierung in dem Ort lagen, auszunutzen. Es wurde gefeilscht und gefeilscht. Aber das war wohl einmal und schließlich noch mehrmal für uns als des Landes, seiner Sitten und Gebräuche Unkundige interessant: auf die Tauer war das Treiben jedoch nicht zu ertragen. Die Preise kletterten, weil viele der Kameraden aus Unkenntnis der Per- Hältnisse alles zahlten, was gefordert wurde, so in die Höhe, daß darunter besonders die Minderbemittelten unter uns leiden mußte».. Da wurde nach einem bewährten Rezept Abhilfe geichaffen. Hatten wir nicht zu Hause im Handel schon ähnliche Dinge erlebt und wie hatten wir dort versucht, uns zu helfen? Wir gründeten die Konsumvereine und versuchten dadurch den lebensmittelver- teuernden Zwischenhandel auszuschalten. Warum sollten wir uns nicht auch in unserer neuen Lage selbst helfen können? Der Komvagniesührer, ein Ofsiziersstellvertreter, nahm die Anregung auf Schafmttg einer Kantine sofort auf und etwa eine Woche nach unserem Einzug in Russisch-Polen hatten wir eine Kompagnie- kantine. Ich war mit als Verkäufer ausgewählt worden. So konnte ich die Erfahrungen, die ich zu Hause während meiner beruflichen Tätigkeit gemacht hatte, auch in dieser Zeit verwerten. Der Einkauf der Waren, den ein anderer, der polnischen Sprache mächtiger Kamerad besorgte, gestaltete sich äußerst schwierig. An die erste Hand, an den Erzeuger der Ware, war schwer heranzu- kommen. Und gelang es wirklich, so erlebten wir es nicht selten. daß wir teuerer waren als die Straßenbändler. So ungesunde Verhältnisse im Handel wie in diesem Nest Russisch-Polens findet man so leicht nicht wieder. Es gejang jedoch im allgemeinen, die Preise der Waren erheblich zu drücken, sie auf ein erträgliches Maß herabzuschrauben. Die Händler bedienten sich jedoch im Konkurrenzkampf derselben Mittel, die ich schon von zu Hanse kannte. Nur um uns die Arbeit zu verleiden und zur Aufgabe der Kantine zu bewegen, verkauften sie die Waren, die wir ein- führten, zeitweilig unterm Einkaufs- oder Herstellungspreis. Andererseits hatten wir einen sehr schweren Stand mit unseren Lieseranten. Da wir ständig in Marschbereitschaft sein mußten, konnten wir unsere Waren nicht aus der Heimat bezieben; wir waren also aus die Leute im Ort und seiner Umgebung angewiesen. Alle bemühten sich auch eifrig, bei uns ins Geschäfts zu kommen. Tie ersten Lieferungen fielen stets glänzend aus. Saß aber erst jemand ins Geschäft, so versuchte er auch minderwertige oder zu kleine Ware, z. B. bei Backwaren, unterzuschieben. Da hieß es auf den Kien sein. Doch die Kantine erfüllte ihren Zweck. War auch zeitweilig ein Artikel in ihr teuerer als bei den Händlern, sie l>atte preisregulierend gewirkt und damit den Kameraden großen Nutzen gestiftet. Interessante Szenen erlebten wir ne>ch, als es hieß, wir soll- ten abrücken. Die Kunde lief wie ein Lauffeuer durch die kleine Stadt und schon eilten die Lieferanten unserer Kantine herbei, um die Gelder für ihre letzte Lieferung einzukassieren. Wir hatten Mühe, die einzelnen zu beruhigen und ihnen klarzumachen, daß sie ihr Geld unter allen Umständen bekommen würden, mit dem Abmarsch sei es noch nicht so eilig. Die Leute hatten während der Kricgszeit trübe Ersahrungen gemacht. Wider alle Erwartung kamen wir, als wir aus unserem ersten Quartier abrückten, nicht weiter an die Front im Osten, sondern nach dem— Westen. Die Fahrt durch ganz Deutschland war eine Erholung für uns. In unserem ersten Quartier im Westen brauch- ten wir unsere Kantine noch nötiger wie im Osten. Wir lagen mit unserer Kompagnie aus einem einsamen Gehöft, weitab von Ortschaften, in denen wir Einkäufe machen konnten. So war die Kantine im neuen Quartier mit einemmal jede Konturrenz los geworden. Im Westen hatten wir nun den Vorteil, daß wir deutsche Bezugsquellen benutzen konnten. In diesem zweiten Quartier hielten wir uns aber nicht lange auf. Es war auch kein Vergnügen. Fünfhundert Mann auf einem Gutshof. Um so schöner ist aber unter gegenwärtiges Quartier. Wir liegen jetzt in einem schönen Städtchen an der Mosel. Hier erst empfinden wir, was wir während unseres Aufenthalts in Rußland und auch in unserem ersten Quartier im Westen entbehrten. Hier sind die Kaufgelegenbeiten auch be- deutend bessere als in irgendeinem unserer bisherigen Quartiere. Dadurch ist unsere Kantine etwas in den Hintergrund getreten. Das Personal wurde vermindert. Auch ich mußte wieder meinen „Beruf" wechseln. Jetzt hantiere ich wieder die Schippe. Hoffentlich können wir recht bald aber unseren„Konsum- verein" hier draußen gänzlich auflösen, seinen Erlös— etwas ist natürlich auch bei ihm übrig geblieben— unter die Kameraden verteilen, in die Heimat ziehen und dort wie der gesamten Arbeiter- bewegung, so auch der Genossenschaftsbewegung wieder dienen. F. O. Sonntagsbesuch im Lazarett/ Schwupp, fliegt se ihm jleich an den Hals, Na, die hat aba Jbung!— Un da die hibsche junge Frau 'n Säugling uss'm Arme, Die drängelt sich so sachte mit Uu löst sich auS'm Schwarme, Jehl beim uff eeneit Krankeu zu. Der abseits steht alleene: „Na, Maxe, kennste nur nich mehr?" „Huch, Trude mit de Kleene!"— Die Mutter lricht een langen Kuß, Det Medel patscht de Hände. Nu knutscht' a erst de Kleene ab Un küßt, un küßl ahn' Ende.— Da kommt een schlankst Medcl an In ecnfach schwarzem Röckchcn. Weißleinen Bluse treecht se un Kastanjenbraune Löckchen. Wie sie den Liebsten setz' bejrießt, Scheu naht sich seinem Munde, O riesenjroße Seligkeer Der Wicdasehenssiunde I So siebt ooch meine Liebste aus, Jenau so scheu se küßte. Nu liej' ick einsam hier in't Bett, Ach, wenn't det Medel wüßte! Wie wa' det srieba doch so scheen, Wenn Arm in Arm wir standen. Am Kirckchosszaun in'n Schillapack Sich uns're Lippen fanden. Vorbei die icheene Friedenszeit, Ick liech' in't Lazarette, Besucha sitzen iebaall An jedet andre Bette. Wat wird da allenö ausjepackt An Bichfen. Gleesan. Flaschen. «in' die KarionS ers mal jeleert, Denn kommen ran de Taschen. Fier jede neue Liebesjab' Von Frauchen oda Schätzken, Da jibb's vor lauta Freude jleich Von ihm een sißet Schmäykcu. So reiht sich Kißlen nu an Kuß. Et dröhnt schon unjeheuer, Beinahe möcht' ick sagen wie „Lebhaftes Schützenfeuer!" Ick kneife beede Oogen zu; Denn't kommen schon die Tropfen, Un wenn ick wat ze sagen hält', Denn kommomdiert' ick: „Stopfen!'") Musketier H.,... lazarett C. ") Aus dem Lazarett erhalten wir das folgende Gedickt eines Musketiers, der sich auch in diesen ernsten Zeilen seinen Berliner Humor erhalten hat. **) Stopfen— Feuern einstellen. Un is et zwec Uhr nachmittag, Setz ick ma uss in't Lette Un kiele auS't Barackentor Uff der Besucha Keile. Von vorne, von'n Torwech an, Die lange, schmale Josse, Da siehn se dickt un Kopp an Kopp Bis draußen uff de Straße. Knallrot, jifljtieii un donnajelb Weithin leucht't jede Bluse. Iln wenn se denn ers endlich drin, Herrjott wird det'n Jeschmujc. Det sin de Medels von Berlin, Wie srieha janz de Ollen: Die Bluse nagelneu von Tietz, Doch in de Sirimpe Bollen. Dazwischen oft ooch'ne Mama, Je ölla, desto dicka, Wie Orjelfeifen an de Hand An Jöhren vier, fünf Sticka.— U» jede schleppt ooch een Paket, Wodruff wir eenzig lauan, Un die, wo keen' Besuch mal ha'm, Von Herzen drum bedauan.— Je hibscha nu sonn Modelten, Je kleena is'l Pakete. 'n Paket scharniert, trn't Jeld is knapp, Wat nutzt da nu de Kröte?— Eons, zwee von'n Turm de Jlocke schleecht. Der Posten läßt passieren. Herrjott, wi is de Liebe doch Schon bei'n Jruß ze spüren.— Da latscht die kleene Dicke rin, Hin sckmeißt se die Pakete Und springtihr'nOllen an denHals. Der trieselt an't Stakete. Denn lang is er un'n Knickebeen, Wie sollt' er't da erdragen, Springt ibmso eenZweezentnerstick Mit Schlußsprung an den Kragen. Un denn die kesse Jöhre dort. Knapp siebzeb», achtzehn Jahre, DitrchbrochneBluie.seidneStrimp', StuppSneese, Wuschelhaare. Een kleen Kartonken an de Hand — Wie ick auS't Bette kieke!— So sucht se nu nach ihren„Herrn", Ne, is det Mädel schnieke! Da kommt oock schon ihr Laban an: Mit elejanta Schiebung, Aktion unserer Infanterie ivar besonders glänzend bei der Er» oberung der Abhänge, die vom Lanapaß nach Satossi und dem Andraztale abfallen. Unter mörderischem Feuer des Gegners haben wir mit dem Bajonett die vorgeschobenen Schützengräben des Feindes genommen, in denen wir uns befestigten. Im Jsonzoab schnitt meldet man wachsende Tätigkeit um Flitsch. Am Abend des 15. kam es zu häufigen, kleinen, völlig ergebnislosen Angriffen gegen unsere Stellungen auf den den Brückenkopf von P lo v a bildenden Höhen. In der Nacht zum l" beschossen zwei unserer Luftschiffe die feindlichen •iN e r k e von G ö r z und die feindlichen Lager auf den nörd- lichcn Abhängen des Monte San Michele mit für befriedigend gehaltenen Ergebnissen. Die Luftschiffe, die während ihrer Operationen beständig vom Feinde mittels Leuchtraketen ficht- bar gemocht und durch Artillerie lebhaft beschossen wurden, sind bei Tagesanbruch unversehrt in unsere Linien zurückgekehrt. Gesterreichische ßtteger über öari. 18. Iich- iSEB. T. 33.)(Meldung der Agenzia Stefani.) Amtlich wird berichtet: Am 17. Juli früh haben drei öfter- rcichisch- ungarische Flugzeuge Bari überflogen und acht Bomben geworfen, die keinen Sachschaden anrichteten, aber sechs Personen töteten und einige verwundeten; die Bevölkerung blieb ruhig. Der türkische Krieg. Melöung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 17. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Dardanellenfront fand am 16. Juli bei A r i B u r n u schwaches Feuer statt, auf dem rechten Flügel tu Zwischenräumen Bombenwerfen. Bei Sedd ul Bahr unterhielt der Feind vor unserem rechten Flügel bis zum Morgen mit Hilfe von Leuchtkngelpistolen lebhaftes Gewehr- und llllaschinengewehrfeuer. Unsere anatolischen Batterien bombardierten in der Nacht vom 13. zuin 16. Juli die feind- lichen Lager bei Tekkc Burnu, Scdd ul Bahr und Mortoliman. Das Bombardement rief bei Tekke Burnu einen bis zuin 'Morgen dauernden Brand und Explosionen hervor. Dieselben Batterien bombardierten am 16. Juli von neuem das feind- lichs Lager in der Umgegend von Sedd ul Bahr, wodurch dort große Unordnung entstand. � Im Irak versuchte der Feind nach Beendigung der Schlacht vom 14. Juli in der Umgegend von Kalatclnaj mit einem Teil seiner Streitkräfte gegen unseren linken Flügel einen Angriff, den wir erfolgreich znnickwiefen. Nach neueren Berichten verlor der Feind während der Schlacht vom 5. Juli einen Oberstleutnant der Artillerie. Während der Schlacht vom 14. Juli scheiterten auf unserem rechten Flügel vier feindliche Schaluppen mit Lebensmitteln und Munition. Bor einer Höhe, die von einer unserer Kom- pagnien verteidigt wird, verloren die Engländer 206 Tote. Von den übrigen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden. Konstantinopel, 18. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- auartier teilt mit, daß sich auf allen Fronten nichts Be- deutendes ereignet hat. Der Seekrieg. vom �I-Sootskrieg. London, 18. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Ein holländischer Dampfer landete in Aberdeen die Besatzung des russischen Dampfers„Balva", der am Freitag auf der Höhe der Shetlandsinseln von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden war. London, 18. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In der mit dem 14. Juli endigenden Woche wurden vier Schiffe mit einem Gesamtinholt von 16 616 Tonnen zum sinken gebracht, drei durch Unterseeboote, eins durch eine Mine. Außerdem wurden sechs Fisch. dampfe r torpediert. Die Anzahl der Schiffe, die die englischen Häfen anliefen oder ans ihnen ausfuhren, bezifferte sich auf 1386. �gehaltener norwegischer Postüampser.. Rotterdam, 17. Juli.(W. T. 33.) Der„R i e u w e Rottet- d a m sch e C o u r a n t" meldet aus London: Der norme- g i s ch e P o st d a nt p f e r„B e g a" ist gestern mittag ohne Ladung au» Bergen in New Castle angekommen. Cr war von einem deutschen Unterseeboot gezwungen worden, seine Ladung von 200 Tonnen Salm, 800 Fässern Butter und 4000 Kisten Sardinen in die See >\i werfen. Das 17-Boot blieb neben dem Schiff, der Kommandant überwachte die Ausführung des Befehls. Es ist das erstemal, daß die„Bega", die jede Woche die Nordsee durchfährt, angehalten wurde. das englische Urteil in der„Lusttama'- Sache. London, 18. Juli.(25. T. 33.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Gerichtshof, der die Untersuchung über den Untergang der„Lusitania" führt, hat sein Urteil ge- fällt. Lord Mersey sagte: Das Gericht hat gefunden, daß der Verlust des Schiffes der Havarie zuzuschreiben ist, die durch die deutschen Torpedos verursacht worden ist. Diese Handlung ist ge- schehen nicht nur in der Absicht, das Schiff zu versenken, sondern auch die darauf befindlichen Menschenleben zu vernielsten. Die Ladung des Schiffes war von gewöhnlicher Art, aber ein Teil hgvon bestand aus einer Anzahl von Kisten mit Patronen. Diese Muni- t:on war im Schiffsmanifest angegeben und war ungefähr 00 Dards von der Stelle verstaut, an der die Torpedos trafen. Andere Explosivstoffe haben sich nicht an Bord befunden. Tie deursche Regierung hat gesagt, die„Lusitania" habe verborgene Kanonen, ausgebildete Kanoniere und besondere Munition an Bord gehabt; ferner ist gesagt worden, sie habe kanadische Truppen be- fördert und die amerikanischen Gesetze seien verletzt worden. Diese Behauptungen sind unrichtig und nichts als grundlose Erfin- düngen. Die deutschen Drohungen vor der Ausfahrt der „Lusitania" sind ein erschwerender Umstand, denn diese haben klar gezeigt, daß der Plan mit voller Absichtlichkeit auogebeckt worden ist, ehe der Dampfer abfuhr. Die Drohungen sind von den Passagieren nicht ernst genommen worden, weil diese geglaubt baden, ein derartiger Mordanschlag wie die Zerstörung ihrer Leben könne nicht in der Absicht der deutschen Regierung gelegen sein. Wer sie haben sich geirrt, und das Schiff fuhr aus. Das Gericht hat erkannt, daß zwei Torpedos ohne vorherige Warnung gleich» zeitig das Schiff getroffen haben. Die deutsche Regierung, die diesen Angriff angeordnet hat, hat sich in Widerspruch zum Völker- recht und den Kriegsgebräuchen der zivilisierten Länder gesetzt. Es war ein vorbedachter Mordanfchlag auf die Passagiere. Alles ist getan worden, um die Menschenleben zu retten. Der Kapitän ist nicht zu tadeln. Die ganze Schuld liegt bei denen, die das Ver- brechen ausgeheckt, und denen, die es begangen haben. Der Krieg unö Sie Kolonien. Oelagerungszustcikö in Deutsch-Süüwestaftika. Prätoria, 17. Juli.(W. T. B.)(Meldung des Reuter- jchen Bureaus.) Im ganzen Gebiete von Deutsch-Südwest- afrika ist vom 3. Juli ab der Belagerungszustand erklärt worden. Die ZmAensbewegung in Englanü. A m st e r d a m, 17. Juli.(Privattelegramm des „Vorwärt s".)„L a b o u r L c a d e r" teilt mit, daß demnächst im ganzen Land eine Bewegung für einen baldigen, ge- rechten Frieden beginnt. Der Zkationalrat der Unabhängigen Arbeiterpartei, der gegen Monatsende zusammentritt, wird die Initiative dazu ergreifen. Die Aorkshirer Bezirkskonfcrenz nahm eine Resolution an» welche die ausländischen FriedcnSerklärungen begrüßt und die britische Regierung auffordert, ihre Bedingungen für Friedensverhandlungen bekanntzugeben. Ueber das Nationale Register bemerkt„Labour Lrader", daß vrinzipiell nichts dagegen einzuwenden wäre, da die Sozialisten die Organisation der nationalen Arbeit fordern, tatsächlich wird es aber ein Kriegsregister. Die Partei bekämpft nicht die Rekrutierung, aber sie protestiert dagegen, das Register als lstrundlage deS Zwangsdienstes anzuwenden. Einige Parteigenossen verweigerten die Ausfüllung des Registers, andere ebenso kricgsfcindlichr fügten einen Zusatz an, worin sie erklären, weder Kriegsdienst noch Arbeit für Kriegis zwecke verrichten zu wollen. Achnlich geht die Quäkcrjugcnd vor. Hundert Friedensanhänger nahmen unlängst das Programm der jüngsten Haagcr Konferenz an. Sie wählten ein AgrtationS- komitee, dem Trevclyan, Ponsonby und Genosse Salter angehören. die Nationale Registrierung. London, 18. Juli.(W. T.B.) Der Termin für die Natio- nale Registrierung ist auf den 1 5. A u g u st� festgesetzt worden. Das Ergebnis wird voraussichtlich Ende September bekannt gegeben werden können. der englische Hergarbeiterstreik. Amsterdam, 18. Juli.egramm des„Bor- w ä r t s".)„Daily News" schildert die Schwierigkeiten, den Kohlenarbeite r st r e i k beizulegen. Die Verbandsdelegierten seien zumeist jung und unerfahren und höchst fanatisch. Sie seien meistens Sozialisten, zum großen Teil entschiedene Shndikalisten. welche den Bergleuteverband für shnditalistische Zwecke ausnützen wollen, wie eine weitverbreitete Flugschrift in den Bergbezirken ankündigte. Sie bekamen das Heft in die Hand, da die älteren Arbeiter zumeist den Ortsgruppenversammlungen ferngeblieben seien. Tatsächlich repräsentieren sie eine geringe Minderheit. Trotzdem sin- det der Südwaliser Korrespondent von„Daily News" die Lösung schwierig. Eine spontane Arbeitsaufnahme trotz der Streik- order sei wenig wahrscheinlich. Man müßte in jedem Ort Leute finden, die die Führung übernehmen, um eine Organisation gegen die Delegiertenversammlung aufzurichten. Auch müßte die Exe- kutive des Verbandes gegenüber den Delegierten fest bleiben und die Arbeitsaufnahme fordern. Ein Arbeitszwang wäre unausführ. bar. Ein Delegierter sagte dem Korrespondenten, daß das Berg- werk ein Labyrinth sei. Wenn die Leute dort nicht arbeiten wollen, könne sie Kitcheners ganze Armee nicht zwingen. Ein anderer Lösungsvorschlag besagt, daß die Regierung ähnlich wie beim Eisenbahnstreik die Bergwerke in Staatsbetrieb übernehmen solle, wobei j�je die Arbeitsbedingungen selbst festsetzen könne; dazu müßte-nur die Munitionsbill abgeändert werden. Ein anderer Vorschlag will, daß die Regierung die Grubenbesitzer zwingt, die Forderungen zu bewilligen, aber gegen jeden Verlust während der Kriegsdauer schadlos hält. Die konservative Presse betreibt eine wüste Scharfmacherei. Unzufrieüenheit üer französischen Mbeiter. Die„Bataille syndiealiste" vom 12. Juli klagt über die schlechte Organisation der Arbeit. Die Fabriken, die Militärlieferungen haben, beschäftigen Soldaten und Frauen mit einem Stundenlohn von 70 bezw. 40 Centimes; die männlichen, nicht einberufenen Arbeiter dagegen müssen feiern, da sie zu diesen Löhnen nicht arbeiten können. Auch die gelernten Ar- bester aus den von den Deutschen besetzten Provinzen sind ohne Be- schäftigung und können, soweit sie einberufen sind, nicht aufgefordert werden, da jeder Arbeitgeber nach dem Gesetz nur das Recht hat, seine Leute zu reklamieren. Außerordentlich ungünstig ist die Lage der für die Heeresverwal- tung arbeitenden Näherinnen. Die Verwaltung hat den Lohn für jedes fertige Stück Unterwäsche von 35 auf 30 Cts. herabgesetzt, aber davon bleiben 40—40 Proz. in den Händen der Zwischen- meister und Unterzwischemneister, die sich überall eingenistet haben. Da die Masse der Näherinnen zum großen Teil aus ungelernten Arbeiterinnen besteht, so ist der Stücklohn ein wahrer Hungerlohn für sie. vom heiligen Svnoö. Petersburg, 18. Juli.(W.?. B.) Das Mitglied des Reichsrates S ä m a r i n ist zum Oberprokurator des Heiligen Synods ernannt worden. Musterung ües österreichischen Lanüsturms bis zu 50 Jahren. Wien, 18. Juli.(W. T. B.) Die M u st e r u n g der 1865 bis einschließlich 1872 sowie der seinerzeit vorzeitig auS der Land- sturmpflicht ausgeschiedenen 1873 oder 1874 geborenen Land- st u r m p s l i ck> t i g e n wird vom 20. Juli bis 30. September durch- geführt. Die Einberufung der bei der Musterung als geeignet Be- fundenen zur Dienstleistung wird zu einem späteren Zeitpunkt er- folgen. Cin Erlaß öes Generalgouvsrnevrs mn Helgien. Brüssel, 18. Juli.(W. T. B.) Ter G e n e r a l g o u v c r- n e u r erläßt folgende B e k a n n t m a ch u n g: Wer es unternimmt, im Alter zwischen 16 und 16 Jahren B e 1 g i e n ohne die vorgeschriebene Erlaubnis zu verlasse u, und wer es unternimmt, Belgien zu verlassen, um in die Dienste eines dem Deutschen Reiche feindlichen Staates oder in ein Unter- nehmen des Auslandes einzutreten, von dem anzunehmen isr, daß es für die dem Deutschen Reiche feindlichen Staaten Kriegsbedarf herstellt, wird, sofern nicht nach den Gesetzen des Deutschen Reiches eine härtere Strafe verwirkt ist, mit Ge- fängnis bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bis 16 666 Mk. oder mit beiden zusammen bestraft. Gleiche Strafe trifft den- jenigen, welcher hierzu auffordert oder es begünstigt. Schweben unö öer Krieg. Stockholm, 18. Juli.(W. T. B.) Meldung des HvenSka Tele- grambyran.) In Gegenwart des Ministers des Aeutzern empfing Ministerpräsident Hammarskjöld gestern eine A b- ardnung, welche die von dem allgemeinen schwedi- schen Friedenskongreß in Varverg angenommenen Be- schlußanträge überreichte. Hierbei erklärte der Mimsterpräsidem: In ttebereinflimmung mit den abgegebenen Neutralitätserklärungen sowie den verschiedentlich vom König ausgegangenen unzweideutigen Kundgebungen ist es unser heißer Wunsch, den Frieden zu be- wahren, und es ist unsere Pflicht, mit allen Kräften hierfür zu tvirken. Aber wir rechnen auch mit Eventualitäten, in denen die Aufrechterhaltung des Friedens trotz aller Bemühungen für Schweden nicht mehr möglich ist. Welches diese Eventualitäten in diesem Weltkriege sind, wäre aus verschiedenen Gesichtspunkten ungeeignet, jetzt anzugeben. Gewiß ist eS, daß c» außer dem äußersten Falle einer feindlichen Invasion in unser Land auch noch andere Fälle gibt, die als diesem gleichbedeutend in Betracht gezogen werden müßten. Der Ministerpräsident sprach die Hofs- nung aus, daß diese Neutralitätspolitik in allen Lagern de? schwedischen Volkes und bei allen politischen Parteien eine mächtige Stühe finden werde. Er wolle nicht glauben, erklärte Hammarskjöld, daß die schwedischen Friedensfreunde, die kräftig gegen Mißstände auf- träten, auch gegenüber drohenden äußeren Mißständen, die nur mit Gemalt abgewendet werden könnten, eine einfache Friedens- Politik empfehlen würden, die darin bestände, alles zu ertragen, ohne etwa» für Schwedens Recht und Freiheit einzusetzen. Es wäre in der Tat gefährlich, wenn durch Empfehlung de Krieges als wünschenswert die Vorstellung Wurzel faßte, daß Schweden den Krieg wünsche, aber gleich gefährlich wäre es, wenn man auf gewisser Seite die Ueberzeugung bekäme, daß Schweden unter allen Umständen den Frieden wolle und deshalb ohne eigentliche Gefahr nach Belieben behandelt werden könne. Der Ministerpräsident wies auf die besondere Gefahr hin, welche sowohl die Kriegs- wie die Friedensagitation mit sich bringen könne, weil beide Parteien einander zu immer größerer Einseitigkeit aufhetzten. Dadurch kann, fuhr der Minister fort, die Einigkeit verdunkelt werden und sogar teilweise verschwinden, diese Einigkeit, die doch hoffentlich im großen und ganzen vorhanden ist, und die mehr als jemals not- wendig ist. Jetzt ist nicht Zeit, für extreme Doktrinen oder Lieb- lingsideen zu kämpfen, sondern e» gilt, zusammenzuhalten, um unser Erbe in allem unvermindert und nnverletzt für unsere Nachkommen zu bewahren. Es sei erklärlich, meinte Hammarskjöld, daß die schwedischen Friedensfreunde Schwedens Eingreifen zu- gunstcn des allgemeinen Friedens wünschten, aber die Sache sei nicht so einfach, wie mancher vielleicht glaube. Auf internationalem Gebiete gelte in besonders hohem Maße der wenig ermunternde Satz:„Wer sich ungebeten einmischt, erntet Undank!" und was noch schlimmer sei, ein Eingreifen zu ungeeigneter Zeit und in un- geeigneter Weise nütze nicht nur nicht, sondern bringe großen, un- heilbaren Schaden. Hmenkanische Verstimmungen gegen Englanö. London, 17. Juli. kW. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Korrespondent der„Times" in W a s h i n g- ton berichtet seinem Blatt: Die Erbitterung unter den am Ausfuhrbondel beteiligten Fleisch- und Packer- firmen nimmt zu. Die Baum wollfrage gibt immer mehr Anlaß zu feindseligen Auslassungen. Auch diejenigen Kreise, die an der Kuvfer- und Gummiausfuhr interessiert sind, verlangen, daß England den Schwierigkeiten, welche durch die britischen Ministerratsbeschlüsse(Orders in Council) entstanden sind, mehr Aufmerksamkeit zuwende, damit nicht die engtisch-amerikanischen Beziehungen gerade in einer Zeit, wo Engtand Ursache hat, sie so gut wie möglich zu gestalten, ungünstig beeinflußt werden. Je eher man das in England einsehe, desto besser sei es. Fast nirgends, selbst nicht in anglophilen Kreisen, wird die Gesetzlichkeit der englischen Blockade anerkannt. Die allgemeine Auffassung sei, daß England einsetzen müsse, daß die Bereinigten Staaten das Recht zur freien Ausfuhr nach den neutralen Ländern Europas haben. Die Wiederaufnahme der Ausfuhr amen- kanifcher Güter nach Deutschland sei eine Angelegenheit, die ausschließlich die Vereinigten Staaten und diese Länder an- gehe. Wenn England das nicht bald einsehe, so fei eine kräftige Agitation gegen feine Anmaßung zu erwarten. Der Korrespondent legt Nachdruck darauf, daß schnell etwas geschehen müsse. Nach den vom Handelsamt veröffentlichten Zahlen hat der Wert der amerikanischen Ausfuhr nach Deutschland im Juni 86 Pfund Sterling gegen 2 866 666 Pfund Sterling im Juni 1914 betragen. London, 18. Juli.(W. T. B.)„M o r n i n g P o st" meldet aus Washington: Es wird ein entschlossener Versuch gemacht, eine Sondert agnng des Kon- g r e s s e s durchzusetzen, um die Ausfuhr von Munition und Kriegsvorräten an die Alliierten gesetzlich zu verbieten. Ein täglich wachsender Druck wird auf das Staatsdepartement ausgeübt, damit dieses für die amerikanischen Rechte einstehe.— Das Blatt meldet weiter aus New jl)ork:„Evening Post" bc- richtet aus Washington, im Norden habe man keine Vor- stellung von der Erbitterung, die die gegenwärtige Lage im Süden hervorgerufen hat. Ein Mitglied des Reserveboards für Georgia hat erklärt, daß die Südstaaten vor dem Bankerott stünden, wenn sie nicht einen angemessenen Preis für ihre Baumwolle erzielen könnten. Das britische Embargo wird für den Preissturz verantwortlich gemacht. Der Staats- sekretär hat den Fleifchpackcrn erklärt, daß er ihre Ange» legenheit nachdrücklich und energisch verfolgen tverdc. Die Beamten verhehlen nicht ihre Entrüstung über die englische Behandlung des amerikanischen Handels. Die britische Blockade sei keine, da sie die skandinavischen Schiffe nicht von den deutschen Häfen fernhalte, sondern nur gegen die ameri- konischen Schiffe gericbtet sei.— Der Korrespondent der „Morning Post" bemerkt, die Lage fei ernster, als die eng-. lischc Regierung anzunehmen scheine. Aus GroK-öerim. vermißt! Gewaltige Aufregung entsteht in der Familie, wenn ein Kind oder ein sonst stets pünktlicher Erwachsener am späten Abend noch nicht zu Hause ist. Tausend wilde Gedanken jagen durch das Hirn. Ist ein Unfall geschehen oder noch schlimmeres? Man denke an die Dutzende von Kindern und Erwachsenen, die alljährlich im großstädtischen Straßen- verkehr totgefahren werden oder zur Sommerszeit beim Baden ertrinken und mangels der fehlenden Erkennungs- zeichen ihrer Person nach oft nicht sofort festgestellt werden können. Man denke auch an die unglücklichen kleinen�Wesen, die einem Wüstling zum Opfer fallen. Qualvolle Stunden sind es für die Eltern, wenn ein Kind länger als eine Nacht vermißt wird. Wo mag es sein... hat es sich verirrt... lebt es noch? In heller Verzweiflung läuft die Mutter wieder- holt nach der Polizei. Die kann aber, da sich die weitaus meisten Kinder erfahrungsgemäß nur verlaufen haben und erfreulicherweise bald wiedergefunden werden, einstweilen auch nur die einzelnen Polizeiwachen abtelegraphieren, wobei nicht selten der Bescheid kommt, daß gleichzeitig mehrere Kinder, die ihren Namen und ihre Wohnung nicht kennen, in Obhut genommen sind. Der große Suchapparat beginnt gewöhnlich erst nach mehreren Tagen zu arbeiten, wenn sich ein Unglücksfall, ein Verschleppen oder dergleichen annehmen läßt, und das ver- mißte Kind weder in Krankenanstalten noch in den öffentlichen Leichenhäuscrn Berlins und der Vororte zu entdecken ist. Bekannt ist ja, daß solche Kinder, wenn sie bei irgendeiner oft weit ab vom Wohnort belegenen Polizeiwache eingeliefert werden, sich einer sehr guten Aufnahme erfreuen. Auf vielen Wachen ist sogar für solche häufigen Fälle Spielzeug vor- Händen und auch für Nahrung wird gesorgt, so daß die Kleinen mitunter nur widerstrebend sich abholen lassen. Zentnerlast aber ist der Mutter vom Herzen gefallen: ihr Kind lebt, ist unversehrt...sie hat es wieder. Auch die tragikomische Seite fehlt nicht. In manches vermißte Bürschlein, das noch die Schulbank drückt oder der Schulzucht kaum entronnen ist, fährt jetzt der Kriegssatan. Der dumme Junge vergreist sich aus Abenteuerlust an der heimischen Sparkasse, verplempert das schöne Geld für aller- lei ihm von gewissenlosen Geschäftsleuten aufgeschwatzte Aus- rüstungsgegenstände und macht sich auf die Strümpfe nach dem Kriegsschauplatz, allein oder in Begleitung gleichaltriger Betörter. In der Regel fallen die Bengelchen durch ihren Aufputz auf und kommen nicht weit. Schwere Sorgen be- reiten den Eltern viele junge Leutchen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die plötzlich auf den Gedanken kommen, in die Welt hinaus zu gehen. Das Pubertätsalter ist häufig die Ursache, daß die jungen Menschen ihren Wohnort plötzlich ver- lassen. Viele werden nach kurzer Zeit aufgegriffen und den Eltern zugeführt. Manche aber schämen sich zurückzukehren und machen ihrem Leben ein Ende. Der Prozentsatz dieser Lebens- müden ist aber gering. Natürlich sind auch andere Ursachen für die plötzlich Entfernung von Hause vorhanden. Seit bald Jahresfrist hat das„Vermißt" noch eine andere tiefere Bedeutung erhalten. Nach Tausenden zählen die Vermißten, die verlorenen Söhne. Durchweg Erwachsene sind es, die in den Krieg zogen und als verschollen gelten, wenigstens vorläufig. Die letzten Feldpostbriefe sind als unbestellbar zurückgekommen. Gefallen! Es ist schwer, sehr schwer. Aber man hat die Gewißheit. Furchtbarer ist es, wenn der Brief sagt:„vermißt!" Noch kann man hoffen... ja... doch dieses Hoffen und Harren von Monat zu Monat kann wahnsinnig machen. Ist der Vermißte tot? Hat er, ohne daß man ihn erkannte, das einfache Begräbnis des Kriegers gefunden? Oder ist er in Gefangenschaft? Nie- mand kann zunächst nähere Auskunft geben. Auch die ver- schiedencn Vereinigungen für Kriegsgefangenen-Fürsorge können nichts Sicheres ermitteln. Und noch immer wird daheim geharrt und gehofft, Wochen und Monate. Welche gewaltige, erschütternde, alle Nervenanspannung lösende Freude dann, wenn doch noch die Nachricht kommt: er lebt! Keineswegs selten findet das Warten seinen Trost. Darum soll niemand von den Angehörigen verzweifeln, ehe er die sichere, amtlich beglaubigte Todcskunde in den Händen hat. Ganz zweifellos befinden sich unter den als vermißt ge- meldeten Kriegern viele Tausende von Gefangenen, deren Ermittelung namentlich an der Ostfront durch Verschleppung in unwirtliche Gegenden des russischen Kolosses größte Schwierigkeiten bereitet. Kriegsfürsorge-Vereine. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Die Not, in die durch Verwundungen oder den Tod der Krieg zahllose Personen oder Familien versetzt, verlangt außerordent- liche volkswirtschaftliche Maßnahmen und reiche Geldmittel. Die Hauptaufgabe fällt dem Reiche, den Staaten und den Kom- munen zu. Ergänzend aber werden private Mittel eingreifen müssen. Je umfassender die Not, je vielgestaltiger die Zusammensetzung der Hilfsbedürftigen ist, um so uncrläß- sicher ist straffe Organisation und peinliche Vermeidung der Vergeudung von Mitteln. Das kann nur durch Konzentration der privaten Hilfstätigkeit und Zusammenarbeit mit den be- hördlichen Einrichtungen erreicht werden. Daher mögen alle, die ihr warmes Gefühl für den Schmerz der kämpfenden Volks- genossen und ihrer Angehörigen zur Hilfeleistung treibt, davor gewarnt sein, jedem neu austretenden einzelnen Bedürfnis durch Gründung eines neuen Vereins, Ausschusses usw. abhelfen zu wollen. Aber auch alle, die bereit sind, nur durch Geldspenden Wohlfahrtseinrichtungen zu unterstützen, ' sollten sich heute zu besonders sorgfältiger Prüfung veranlaßt fühlen. Privatpersonen und Kaufleute, aber auch alle Behör- den, die sich in irgendeiner Form mit der Wohlfahrts- pflegezu befassen haben, seien darauf hingewiesen, daß die„Zentrale für private Fürsorge" und die „Wohltätigkeitszentrale der Berliner Kauf- m a n n s ch a f t", beide Flottwell st raße 4, Material über zahlreiche Vereine zur Fürsorge für Verwundete, Invalide oder Hinterbliebene besitzen, deren Namen und deren Zwecke ein- ander so ähnlich sind, daß es den Außenstehenden oft schwer fallen wird, sie voneinander zu unterscheiden. Es bestehen neben den Sammlungen der halbamtlichen„Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen" und des schon seit langem bestehenden„Jnvalidendanks", um nur ganz wenige zu nennen, noch solche des„Vereins Kriegerheime", des „Deutschen Kriegerhilfsbundes",„Kriegergenesungsheimc 1915",„Nationalspende Deutsche Heldenheime",„Erstes Er- holungsheim für die im Kriege verwundeten oder erkrankten deutschen Sportgrößen",„Kriegs-Jnvaliden-Hilfe, Verlags- Akt.-Ges.",„Hauptausschuß für Krieger-Heimstätten",„Ma- rine-Dank",„Zentral-Komitee der Frauenmitarbeit an der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten",„Vaterlandsbund 1915", „Heldendank",„Arbeitsausschuß zur Unterstützung erblindeter Krieger". Ohne sorgfältige Prüfung wird daher kaum ein Hilfs- berester den richtigen Weg finden können. Aus dem Bereiche der Straßenbahn. Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen ereignete sich am gestrigen Sonntagnachmittag um 2% Uhr vor dem Steuerhaus in der Roedernstraße in Lichtenberg. Dort hielt an der Haltestelle ein Motorwagen der Linie 164, dem mehrere Personen entstiegen. Noch bevor der Wagen sich wieder in Bewegung setzte, fuhr ein Motorwagen der Linie NO(Richtung Alexanderplatz), dessen Fahrer die Entfernung zwischen den beiden Gefährten unterschätzt hatte, auf den haltenden Wagen auf. Bei dem Zusammenstoß erlitten eine Anzahl Fahrgäste Verletzungen. Liebestragödie bei Strausberg. In der Nähe der Stadt Strausberg wurden am Freitag die Leichen zweier unbekannter Personen in eleganter Kleidung auf- gefunden, die in einer Bahnwärterbude an der Kleinbahn Strausberg-Bahnhof-Stadt durch Gift aus dem Leben geschieden waren. Es handelt sich um folgende Sachlage: Seit dem 12. Juni war der Beamte Wilhelm W. aus der Rembrandtstraße in Friedenau mit seiner Geliebten, einer Frau Anna G. aus der Lauterstratze in Friedenau verschwunden, ohne daß es den Groß-Berliner Polizeibehörden gelang, eine Spur der Vermißten aufzufinden. Der 44jährige Mann, der sich ebenso wie seine Geliebte in durchaus geordneten Verhältnissen befand, unter- hielt seit mehreren Jahren ein Verhältnis mit der G., das sich dadurch sehr unglücklich gestaltete, daß eine Vereinigung der beiden nicht möglich war. da er sowohl wie sie verheiratet waren. Durch einen Zufall wurde das Liebesverhältnis der beiden ent- deckt und die Verhältnisse der bis dahin besteundeten Familien gestalteten sich so peinlich, daß W. und seine Geliebte aus dem Leben zu scheiden beschlossen. Am 12. Juni mieteten sie ein Privat- automobil in Friedenau und fuhren nach Strausberg, wo sie unter falschen Namen in einem Hotel wohnten. Beide verfügten über sehr reichliche Geldmittel und machten Ausflüge in die Umgebung der Stadt, wo sie auch unerkannt blieben. Da jedoch eine Ent- deckung ihrer Personalien zu erwarten stand, beschlossen beide am letzten Freitag, aus dem Leben zu scheiden. Festtäglich bekleidet begaben sich beide in eine leerstehende BahiUpärterbude an der Kleinbahn Strausberg-Stadt und schieden dort durch Gift stei- willig aus dem Leben. Vorher hatten sie an ihre beiderseitigen Verwandten AbschiedSbriefe gerichtet, in denen sie verschiedene Erbschaftsangelegenheiten regelten und den Wunsch äußerten, in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt zu werden. Wenige Stunden später fand ein Bahnwärter das Arm in Arm ruhende Liebespaar tot in der Bahn wärterbude auf. Die Strausberger Polizei ließ die Leichen nach Feststellung der Personalien nach dem Strausberger Friedhof bringen, wo sie, ihrem Wunsche gemäß, am gestrigen Sonntagnachmittag in aller Stille in einem gemeinsamen Grabe zur letzten Ruhe bestattet wurden. Betriebsstörung auf der Stadtbahn. Eine längere Betriebsstörung ereignete sich am gestrigen Sonntagnachmittag in der Zeit von 3 Uhr 4S Minuten bis 5 Uhr auf dem Bahnhof Treptow. Beim Einlaufen in den Bahnhof ent- gleiste dort eine Vorortzugmaschine mit den beiden vorderen Achsen und sperrte so die nach Berlin führende Strecke. Durch Arbeiter der � Bahnmeisterei X wurde die Maschine wieder eingegleist und nach einstündigcm Aufenthalt konnte der Zug seine Fahrt wieder fortsetzen. Von den Fahrgästen wurde niemand verletzt. v Liebesgaben für die Vergeffencn. Die Staatliche Abnahmestelle steiwilliger Gaben Nr. II, Berlin NW. 6, Karlstr. 12, erlätzt folgenden Austuf: Vorwärts, immer vorwärts eilend, stürmen unsere tapferen Truppen im Osten und Südosten gegen die russisch« Mauer an. Unaufhaltsam in gewaltigem Kampf leisten sie Niedagewesenes. Mit Jubel im Herzen lesen wir von ihren Taten, ihrem kecken, frischen Wagemut, der ihnen den Erfolg sichert. Ihnen nach Möglichkeit ein wenig Erleichterung schaffen, ist der Wunsch, der jeden Deutschen bewegt. Wann war uns je ein Begriff so ver- traut, wie das Wörtchen„Liebesgaben"? Wohl denen dort draußen, denen manch Paket hinausgeschickt wird, denen ein Herz hier in Liebe schlägt.— Vergessen— ein hartes Wort. Und wie viele dort draußen, die im wahrsten Sinne des Wortes ver- geffen find. Brief auf Brief kommt gerade jetzt aus Galizien, aus Polen in der Staatlichen Abnahmestelle frei- williger Gaben Nr. II im Bezirk des Gardekorps. Berlin NW. 6, Karlstr. 12 an: Schickt umgehend, sendet bald..." Sie werden dort draußen nicht vergebens rufen. Spenden aller Art, fertige Liebesgabenpakete, in denen der Name des Absenders angegeben sein kann, um eine persönliche Verbindung herzustellen, werden in der oben angegebenen Staat- lichen Abnahmestelle angenommen. Adressen von bedürftigen Soldaten können in Berlin njcht ausgegeben werden, da die Verteilung der Liebesgaben durch das Kommando geschieht.— Erfrischungen sind am meisten erwünscht. Mineralwasser, Bier, alkoholfreie Getränke, leichte Weine, er- frischende Bonbons, Schokolade, Obst, Obstkonserven, Marmeladen, Fleisch- und Fischionserven, Zigarren, Zigaretten, Rauchutensilien, Schweitzpuder, leichte Unterkleidung, Nähzeug, Kartenspiele, Seife, Kölnisch Wasser u. a. m. nimmt die Staatliche Abnahmestelle frei- williger Gaben Nr. II im Bezirk des Gardekorps, Berlin NW. 6, Karlstr. 12, gern an. Verregnete Rennen. Die zu gestern im Sportpark Treptow angesetzt gewesenen Radrennen mußten der ungünstigen Witterung halber ausfallen und finden am Sonntag, den 2ö. Juli, statt. Kleine Nachrichten. In eine böse Gesellschaft ist ein Landwirt aus der Provinz geraten, der nach Berlin gekommen war, um Pferde zu kaufen. Er fiel einem Gauner in die Hände, der ihn mit einem„Freunde" um sein Geld in Höhe von 3406 M. brachte. Die Bauernfänger sind nicht ermittelt.— Ein anderer Schwindler bot jungen Leuten, die Arbeit suchten, Stellung an, ließ sich aber vorher die Arbeitspapiere und kleinere Betrage geben. Damit ver- schwand der Bursche, nahm selber Arbeit unter falschem Namen und beschwindelte die Arbeitgeber. Er war immer nur kurze Zeit auf einer Stelle. Jetzt wurde er erwischt, weil er seinen falschen Namen vergessen hatte.— Eine Frau aus der Gartenstraße wurde auf dem Wochenmarite in der Triflstraße festgenommen, als sie einer Frau das Portemonnaie aus der Tasche gezogen hatte. Dabei wurde sie von ihrer 13jährigen Tochter unterstützt. Bei einer Haus- suchung in der Wohnung wurden nicht weniger als 24 fremde Portemonnaies gefunden, die auf eine sehr umfangreiche Tätigkeit schließen lassen. Die Tasche ndiebstähle find auf den Wochenmärkten in der Müller- und Seestraße und in der Triftstraße verübt worden. — Das Opfer eines llnfalls ist der 42 Jahre alte Drechsler Wilhelm Haspel aus der Christianiastraße geworden. Der Mann zog sich im Betrieb einer Fabrik, in der er beschäftigt war, so schwere Brand- wunden zu, daß er gestern im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde starb. WetterauSfichtcn für das mittlere Norddeutschland bis Diens- tagmittag: Ziemlich kühl und windig, im Westen vielfach heiter, im Osten noch überwiegend bewölkt und öfter wiederholte, meist leichte Regenschauer. Mus aller Welt. Ein Zeiche» höherer Kultur. In der„Wiener Neuen Freien Presse" kleidete ein selbst- gefälliger Schmock feine Freude über die Verluste der italienischen Marine in folgende gefühlvolle Worte: „Und die Fische, Hummern und See spinnen der Adria haben lange keine so guten Zeiten gehabt wie jetzt. In der südlichen Adria speisen sie fast die ganze B e- m a n n u n g des„Leon Gambetta". Die Bewohner der mit:- leren Adria fanden Lebensunterhalt an jenen Italienern, die wir von dem Fahrzeng„Turbine" nicht mehr retten tonnten, und in der nördlichen Adria wird den M e e r e s b e w o h n e r n der Tisch immer reichlicher gedeckt. Dem Unterseeboot„Medusa" und den zwei Torpedo- booten hat sich jetzt der Panzerkreuzer„Amalfi" zugesellt. Die Musterkollektion der maritimen Ausbeute, die sich bisher auf das „maritime Kleinzeug" erstreckte, bat einen gewichtigen Zuwachs erhalten, und bitterer denn je mutz die Adria sein, deren Grund sich immer mehr mit den geborstenen Leibern italienischer Schiffe bedeckt und über deren blaue Fluten der Verwesungshauch der gefallenen Befreier vom Karstplateau streicht." Daß es Unmenschen gibt, die auch beim Anblick bergehoher Haufen von Leichen noch kalt bleiben können, wollen wir schon glauben. Daß aber hier ein Blatt seinen Raum einem Menschen zur Verfügung stellt, dessen Zynismus keine Grenzen zu kennen scheint, ist eine Erscheinung, die wir jetzt nicht treffend genug bc- zeichnen könnsn. Gxplosionsunglücke. Paris, 17. Juli.(W. T. B.) Nach einer Meldung des„Temps" fand gestern in der für die Nationalverteidigung arbeitenden Ra- ketenfabrik in Aubervilliers bei Paris eine Explosion statt, die auf die Selbstentzüdung einer Rakete zurückgeführt wird. Vier Per- sonen wurden verletzt, darunter der Fabrikbesitzer Charnier und sein Sohn. Ueber den Schaden ist nichts bekanntgegeben. Paris, 18. Juli.(W. T. B.) In einer pyrotechnischen Fabrik bei Rochefort platzte eine Granate. Fünf Personen wurden ge- tötet, zwei verletzt._ Eisenbahn-Bauunglück. Hannover, 18. Juli.(SB. T. B.) Amtliche Meldung. Zwischen den Stationen Dedenhausen und Meinersen der Hauptbahn Lehrte-Bcrlin bei der im Bau begriffenen Ueberführung der neuen Nebenbahn Celle-Plochhorst-Peine über die Hauptbahn ist gestern nachmittag gegen 3 Uhr einer der schweren eisernen Ueberbautcn beim Herablassen in die Lager aus noch nicht aufgeklärter Ursache heruntergestürzt und auf die Hauptbahn gefallen. Per- sonen wurden nicht verletzt. Beide Gleise waren gesperrt. Die Schnellzüge wurden über Braunschweig geleitet. Der Verkehr bei den Personenzügen wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Etwa 2 Uhr nachts waren beide Gleise wieder ftei. Slbgestürzte Flieger. Stockholm, 18. Juli.(W. T. S5.) Die schwedischen Militärflieger Leutnant Malmquist und Leutnant Graf Hamilton sind heute früh abgestürzt. Beide Flieger wurden getötet. SoziaideaißKrartsdier Mverein {. 1 4. Beri. Reiehsiagswaiilltfeis. GSrIitzar Viertel. Bezirk 155. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Kassen- angestellte W\\Mm SchialTge (Reichenbergcr Str. 161 j gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, 20. Juli, nachmittags 4ft. Uhr, von der Halle des Frei- religiösen Friedhofes, Pappelallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Freie Jugendorganisation Steglitz-Friedenau. Nachruf. Am 10. Juli oerstarb nach kurzem Leiden im blühenden Aller von 17 Jahren unsere Jugendsreundin (jertrud Miericke Ihr Andenken wird uns un- | vergeßlich bleiben. Der Jugendausschuss. Heines Werke . 3 Lände 4 Mark- Buchhandlung Vorwärts LieUmsvkvn und Tischler lür den Bau von Personenwagen werden sosort eingestellt.* Orenstein& Koppel- Arthur Koppel Aktiengesellschaft, Fabrik Spandau, Hamburger Str. 44. Tüchug- FalliMlnerschmikde, Zchlosser und Eiseudreher finde« sofort dauernde Beschäfti- gung.* Orenstein& Koppel, Arthur Koppel, A. Q-, Fabnl Spandau, Hambarger Straße 44. Lehrlinge mit guter Schulbildung für Schau- sensterdctoration sofort gesucht. Meldungen in Begleitung der Eltern oder des Vormundes von g— 1 Uhr vormittags und 5—7 Uhr nachmittags.* A. Jandorf& Co, Charlott e nburg Wilmersdorfer©trage 118/110. Heideschloß Hohenbinde 1�1« Idyllische Sommerfrische X»Zum©utcnberg*. X Ami Erkner 293 Empfehle mein romantisch an Spree und Wald gelegenes Lokal(2 Säle 2 Kegelbahnen) zu Ausflügen, Vereinspartien usw. 4.1h. lOehmann Speziatarzt k. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren, Blnl- und Harn-Untersuchungen. DrT med. Karl Reinhardt. Institute: D-.Jr.r-csrict«- A4 zwischen Dresdener und Annenstraße. r rinZcIlair. Ut Lpreobst. 5— 7, Sonntags 10— 11. Potsdamer Str. 1171 LBM-SRiLW 48 Seiten starke Broschüre gratis und post- frei in verschlossenem Kuvert. Aufklärende 9 Verantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglitz. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer& Eo, Berlin SW.